177 — man denke z. B. an die Amsturzvorlage, die Lex Recke, das Zucht hausgesetz — in der Folge entweder ganz beseitigt oder im Sinne oder wenigstens in der Richtung des Protestes abgeändert worden, und ebenso sind gesetzgeberische Maßnahmen ganz oder teilweise verwirklicht worden, zugunsten deren die Berliner Arbeiter demonstriert haben. Selbstverständlich waren in den meisten dieser Fälle die Berliner De monstrationen nicht die einzigen im Lande, aber sie waren in den häufigsten Fällen die bei weitem größten und wirkungsvollsten, und gewöhnlich war es auch Berlin, das den anderen Ortschaften das Signal gab. Aber den Anteil nun, den die Demonstrationen an der Gestaltung des Schicksals der einzelnen gesetzgeberischen Maßnahmen hatten, werden die Schätzungen auseinander gehen, in dem einen oder anderen Fall wird man ihn vielleicht äußerst gering ansetzen müssen. Aber damit würde der allgemeine Wert der Demonstrationen noch nicht verneint werden. Wie vielfach in Natur und Wirtschaft, so braucht es auch in der Politik oft des Zusammenwirkens sehr vieler Kräfte, sehr viel scheinbarer Verschwendung, um bestimmte Resultate zu erzielen. 2. Demonstrationen an die Adresse der Behörden. Zum Teil noch an die Gesetzgebung, vornehmlich aber an die städtische Verwaltung und die Staatsbehörden als Verwaltungsorgane richteten sich die Demonstrationen, die in Zeiten größeren Geschäftsdrucks meist in Form von Versammlungen von Arbeitslosen stattfanden und von den be zeichneten Körperschaften Abhilfe verlangten. Diese Versammlungen waren fast ausnahmslos sehr stark besucht und führten, da die Polizei bei ihnen ganz besonders scharf aufzutreten pflegte, während der Zustand der Arbeitslosigkeit naturgemäß die Gemüter der unter ihm Leidenden nicht kalt läßt, wiederholt zu Zusammenstößen von Deinonstrierenden mit der Polizei. Schon das Jahr 1891 sah in seinem Beginn solche Arbeitslosen versammlungen. Der Geschäftsausschwung, der um das Jahr 1888 ein gesetzt hatte, hatte nicht lange vorgehalten. Verschärft, wenn nicht zum Teil verursacht durch das damalige starke Steigen der Getreidepreise stellte sich schon im Laufe des Jahres 1890 neuer Geschäftsdruck ein und mit ihm ganz besonders während des Winters bittere Not bei den Beschäftigungs losen. Es fanden daher am 13. Januar 1891 in zwei großen Sälen Berlins Arbeitslosenversammlungen statt, die ungemein stark besucht waren und Resolutionen annahmen, in denen die Zahl der Arbeitslosen Berlins aus 70 000 angegeben wurde. Die Resolutionen stellten an die Behörden die Forderung, durch beschleunigte Inangriffnahme schon beschlossener und notwendiger Bauten, Beschäftigung von Arbeitslosen bei der Straßen reinigung usw. der Arbeitslosigkeit zu steuern und zur Linderung der Not wenigstens den Kindern in den Volksschulen täglich zwei Portionen warmes Essen verabfolgen zu lassen. Die Resolution kam in Forin einer Petition am 22. Januar vor die Stadtverordnetenversammlung, ward aber von dieser mit großer Mehrheit abgelehnt, worauf am 28. Januar von neuem zwei Arbeitslosenversammlungen — die eine in der Lippsschen Brauerei im Nordosten, die andere in der Bockbrauerei im Süden Berlins — statt fanden, welche beide noch stärker besucht waren als die ersten, und sich mit der Widerlegung und Zurückweisung der Einwände befaßten, die von den Bernstein, Berliner Geschichte. III. ^