284 für jede angefangenen 500 Mitglieder das Recht haben, einen Delegierten zu entsenden; doch darf sich keine Gewerkschaft durch mehr als sechs Delegierte vertreten lassen. Für die Führung ihrer Geschäfte wählen die Delegierten aus ihrer Mitte einen Ausschuß von sieben Personen, der sich über aus- gebrochene Lohnkämpfe auf dem laufenden zu halten und von den betreffenden Gewerkschaften eingehende Anträge zu prüfen und der Delegiertenversammlung vorzulegen hat. Bei plötzlich ausbrechenden Kämpfen darf der Ausschuß, wenn nötig, sofort Stellung nehmen, hat aber der nächsten Delegierten versammlung darüber Bericht zu erstatten. Die Gewerkschaftskommission ist nach ihrem Statut dazu verpflichtet, überall, wo die gewerblichen Interessen der Arbeiter es erheischen, Bericht einzufordern, namentlich bei Lohn bewegungen, Streiks, Aussperrungen und Boykotts. Doch ist für die Unterstützung von Gewerkschaften durch die Kommission erforderlich, daß zwei Drittel der anwesenden Delegierten in namentlicher Abstimmung ihre Zustimmung geben, und muß bei Angriffstreiks jede Organisation in der Lage sein, mindestens zwei Wochen den Kampf aus eigenen Mitteln zu führen, bevor sie Anspruch aufUnterstützung erheben darf. Bei aussichtslos gewordenen Streiks hat der Ausschuß aus deren Beendigung hinzuwirken. Der Ausschuß kontrolliert das Bureau der Gewerk schaft, das für die Ausführung der Arbeiten der Kommission zu sorgen hat, im wesentlichen aber „zur unentgeltlichen Auskunstserteilung über Fragen der Arbeiterschutz- und Versicherungsgesehgebung, Gewerbe- Inspektion, sowie über alle sonstigen Fragen des Arbeitsverhältnisses ein gerichtet ist" und seit 1902 den Namen Arbeiter-Sekretariat führt. Im Jahre 1905 wurde das Sekretariat von 13287 Personen aufgesucht, an die in 13 858 Fällen Auskunft erteilt wurde. Von den Besuchern waren 11 107 oder 83,59 Proz. gewerkschaftlich organisiert. Die schriftlichen Ein gänge beliefen sich auf 3923, die Ausgänge auf 4905, die Zahl der an gefertigten Schriftsätze war2503. Der erste Sekretär der Gewerkschaftskommission Hermann Fab er gab sein Amt im Jahre 1896 ab und wurde durch Rudolf Millarg, Tischler, ersetzt, an dessen Stelle um die Jahreswende 1899/1900 Alwin Körsten, Former, trat, nachdem er schon vordem längere Zeit als Aushilfskraft im Bureau gearbeitet hatte. Denn mittlerweile war die Arbeitslast so gestiegen, daß sie eine einzelne Person auf die Dauer nicht bewältigen konnte. 1901 ward neben Körsten in Gustav Link, Maler, ein zweiter, 1904 in Eugen Brückner, Buchbinder, ein dritter und 1905 in Adolf Ritter, Schneider, ein vierter ständiger Gewerkschaftssekretär angestellt. Der Kassenbericht der Gcwerkschaftskommission, der, wie wir eben gesehen haben, im Jahre 1891 kaum 1000 Mk. Einnahme und Aus gabe aufwies, zeigte im Jahre 1905 eine Einnahme für die Kommission von 17 491 Mk., neben nahezu 400 000 Mk., die für drei große Streiks — den Streik der westfälischen Bergarbeiter, den Streik der Dresdener Zigaretten-Arbeiter und -Arbeiterinnen und die ausgesperrten Berliner Elektrizitäts-Arbeiter — gesammelt worden waren. Das Jahr schloß mit einem Kassenbestand von 14 255 Mk. und einem Guthaben bei Gewerk schaften in Höhe von 61 500 Mk., zusammen also einem Vermögen von nahezu 76 000 Mk. ab. Pier bedeutet der Besitz aber nicht Ruhe und Behagen, sondern das Mittel zu immer besser organisierter und damit auch immer wirkungsvollerer Arbeit.