419 Rur im ersten Landtagswahlkreis, d. h. im Westen und Südwcsten Berlins, hatten die bürgerlichen Parteien zusammen eine Mehrheit, die aber auch noch ziemlich schwach ist. In den anderen drei Kreisen aber ist die sozial demokratische Mehrheit gegenüber den beiden Parteien zusammen jedesmal erdrückend. Rach den Wählerklassen abgeteilt, verteilten sich die Arwähler- stimmen von Berlin, dieses als Einheit genommen, folgendermaßen: sozialdemokratisch freisinnig konservativ Erste Wählerklassc 222 3 508 412 Zweite „ 5 010 9 085 1 846 Dritte „ 116918 8140 4 856 Insgesamt 122 150 20 733 7 114 Selbst in der zweiten Wählerklasse hatte die Sozialdemokratie somit noch nahezu ein Drittel der Stimmen. Alle Klaffen und Wahlkreise zu sammengerechnet aber hatte sie, selbst wenn man die Arwählerstimmen der- jenigen Wahlmänner mit berücksichtigt, die sich nicht an der Abgeordneten wahl beteiligten, 68,3 Prozent aller abgegebenen Stimmen, ein höherer Prozentsatz als selbst bei der großartigen Reichstagswahl vom 16. Juni des gleichen Jahres. Lind das bei offener, protokollierter Stimmabgabe, überzeugender konnte die Befürchtung nicht widerlegt werden, daß es nicht gelingen werde, für die Landtagswahl die Massen an den Wahltisch zu bringen. Pier war eine Massenaktion, wie Berlin sie noch bei keiner Abgeordnetenwahl erlebt hatte. And daß die 68 Prozent der Wähler auch nicht einen Abgeordneten ihrer Gesinnung erhielten, daß die neun von Ber lin zu vergebenden Mandate sämtlich den Freisinnigen zufielen, die nur 11,59 Prozent der Arwählcr hinter sich hatten — konnte der Vergewaltigungs charakter des Dreiklassenwahlsystems eindrucksvoller festgestellt werden, als durch die Demonstrierung dieser Tatsache? Auch in den beiden zu Groß-Berlin gehörenden Vorortswahlkreiscn erhielt bei der Arwahl die Sozialdemokratie die Mehrheit der Stimmen. Im Kreise Niederbarnim wurden Arwählerstimmen abgegeben: I. Klaffe II. Klaffe III. Klaff- Insgesamt für sozialdemokratische Wahlmänner 63 1 059 12 599 13 721 „ freisinnige „ 372 634 283 1 289 „ konservative „ 666 1 458 3 503 5 627 Anders im Kreise Oberbarninr, mit denr zusammen Niederbarnim einen Wahlkreis bildet. Dort erhielten die Konservativen auch die große Mehr heit der Arwählerstimmen und die erdrückende Mehrzahl der Wahlmänner. Dank ihrer erlangten die Konservativen eine absolute Mehrheit über Liberale und Sozialdemokraten zusammengenommen. Es wurden bei der Abgeordneten- wähl für Nieder- und Oberbarnim 719 Konservative, 327 sozialdemokratische und 316 liberale Wahlmännerstimmen abgegeben, und so erhielten die Konservativen alle drei Mandate des Kreises — was man Volksvertretung nannte. Im Kreise Teltow-Beeskow-Charlottenburg sollte der Wider sinn des Wahlsystems noch krasser in die Erscheinung treten. In jedem der zu ihm gehörenden drei Stadtkreise sowie im Kreise Teltow hatte die Sozial demokratie die Mehrzahl der Arwählerstimmen, nur in dem am schwächsten von allen bevölkerten Kreise Beeskow-Storkow entfiel die Mehrheit der Stimmen auf die Konservativen. Die Vertretung des Kreises aber ward, 27*