<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Eduard</forname>
            <surname>Bernstein</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>1031122125</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>77 
so erschien der Zustand, wie er sich zunächst herausgearbeitet hatte, doch für 
die Dauer unhaltbar, und in den beteiligten Kreisen beschäftigte man sich 
in vertraulichen Besprechungen bald mit der Frage der Reorganisation 
des Berliner Parteilebens. 
Eine Frucht dieser Besprechungen war ein Entwurf zur Abänderung 
des Statuts für den Wahlverein des vierten Berliner Reichstagswahl 
kreises, den eine Gruppe von Mitgliedern dieses Vereins im Lerbst 1893 
ausarbeitete und in einer Denkschrift begründete, die zuerst im „Vorwärts" 
vom 26. November 1893 und dann im Separat-Abzug als Flugschrift 
veröffentlicht wurde. Die wesentliche Neuerung, die der Entwurf vorschlug, 
bestand in einem solchen Ausbau der Gliederung des Wahlvereins, der 
ein stärkeres örtliches Leben seiner Glieder möglich machte und damit dem 
Verein selbst mehr Leben und Betätigung einzutragen versprach. Es sollte 
der Wahlverein für die Durchführung der Vereinsarbeit in vier als 
„Viertel" bezeichnete Abteilungen eingeteilt werden, die Viertel selbst aber 
wieder in Bezirke zerfallen, die sich möglichst mit den Stadtbezirken 
decken sollten. So wenig wie die Bezirke, sollten die „Viertel" besondere 
Vereine bilden. Für die ersteren sollte in der Generalversammlung des 
Wahlvereins je ein Bezirksführer pro Bezirk gewählt werden, der die 
Beiträge einzukassieren, gesellige Zusammenkünfte der Mitglieder des Be 
zirks zu veranstalten und Helfer für Flugblätterverbreitung und dergleichen 
heranzubilden habe, die Viertel sollten durch je zwei Beisitzer im Vorstand des 
Wahlvereins vertreten sein und regelmäßige Viertelsversammlungen für den 
Meinungsaustausch über parteipolitische und sonstige Fragen von Interesse 
abhalten, bei denen in der Regel einer der Beisitzer des Vorstandes den 
Vorsitz führen werde. 
Die Denkschrift, die von P. Böhm, G. Ledebour und H. Mattutat 
als Beauftragten unterzeichnet ist, empfiehlt die „Viertels"-Einteilung auch 
für den zweiten und sechsten Wahlkreis, die Organisierung der Bezirke für- 
alle Wahlkreise Berlins. Für den zweiten Wahlkreis sollten ebenfalls 
vier, für den sechsten Wahlkreis im Anschluß an die dort schon bestehende 
Gliederung sechs Viertel gebildet werden. 
Aus dem begründenden Teil der Denkschrift seien folgende Sähe 
herausgehoben, die das, was oben über die Momente gesagt wurde, die 
zur Reorganisation drängten, teils bestätigen und teils ergänzen: 
„Da die wichtigeren Partei-Angelegenheiten alle durch die Vertrauens 
männer ihre Erledigung fanden, konnte» bisher die Wahlvereine zu 
keinem rechten Leben gelangen und blieben bedeutungslos für die Ent- 
Wickelung der Partei. Das hat dazu beigetragen, daß die Parteigenossen 
ihr Bedürfnis des persönlichen Zusammenschlusses vielfach durch gesellige 
Vereine mancher Art zu befriedigen suchten und dadurch wieder vom 
politischen Leben abgezogen wurden I" 
Es wird nun dargetan, daß von den Befferungsvorschlägen das Ver 
trauensmännersystem unberührt bleiben müsse, da es ein wesentlicher Bestand 
teil der Organisation der Gesamtpartei sei und nur durch Beschlüsse dieser 
abgeändert werden könne. Die Besserung könne nur die Wahlvereine betreffen. 
„Da war dann zunächst die Vorfrage zu erledigen, ob es '"cht an 
gebracht sein würde, nach Auslösung aller sechs Wahlvereme er 
einen einzigen neuen Wahlverein an deren Stelle zu ,eyen. 
neuen</div>
    </body>
  </text>
</TEI>
