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        <title>Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905</title>
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            <surname>Bernstein</surname>
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erhielt  der  Antrag,  daß  der  „Vorwärts"  ausschließlich  Organ  der  Berliner
Organisationen  sein  sollte,  keine  Mehrheit.  Aber  in  den  Reihen  der  Funktionäre ­
  der  Berliner  Organisationen  war  die  Mehrheit  doch  für  diese  Anträge. ­
  Anders  im  übrigen  Deutschland.  In  Jena  blieben  die  bezeichneten
Wünsche  der  Berliner  samt  und  sonders  unerfüllt.  Durchgängig  stimmte
die  Mehrheit  des  Kongresses  den  betreffenden  Vorschlägen  des  Entwurfs
zu.  In  einem  Teil  der  Berliner  Versammlungen,  die  sich  mit  dem  Parteitag ­
  befaßten,  ward  auf  eine  Polemik  Bezug  genommen,  die  gerade  um  jene
Zeit  zwischen  der  Redaktion  des  „Vorwärts"  auf  der  einen  Seite  und  den
Redaktionen  der  „Neuen  Zeit"  und  der  „Leipziger  Volkszeitung"  auf  der
anderen  Seite  spielte.  Gegensätze  zwischen  den  bezeichneten  Redaktionen
bestanden  schon  lange  und  sie  wurden  vielfach  so  aufgefaßt,  als  ob  die
Redaktion  des  „Vorwärts"  bezw.  deren  Mehrheit,  „revisionistisch"  gesinnt
sei,  während  die  anderen  beiden  Redaktionen  als  marxistisch  bekannt  waren,
und  diese  Gegensätze  galten  in  vieler  Augen  als  gleichbedeutend  mit  gemäßigt ­
  und  radikal.  Der  Verfasser  hält  im  konkreten  Fall  diese  Gegenüberstellung ­
  für  irrig,  aber  da  sie  nun  einmal  in  Berlin  vorherrschend  geworden ­
  war  und  die  Mehrheit  der  leitenden  Parteimitglieder  Berlins  auf
der  als  marxistisch-radikal  bezeichneten  Seite  standen,  ward  es  begreiflicherweise ­
  von  ihnen  sehr  unangenehm  empfunden,  daß  im  Berliner  Organ  das
umgekehrte  Verhältnis  obwalten  sollte.  Nicht  zum  wenigsten  um  dieses
Amstandes  willen  war  man  neuerdings  wieder  aus  den  Gedanken  zurückgekommen, ­
  vom  Parteitag  für  die  Berliner  die  volle  Verfügung  über  den
„Vorwärts"  zu  fordern.  Das  wurde  nun  abgelehnt,  aber  in  der  Besetzung
der  Redaktion  trat  nach  Jena  doch  eine  Änderung  ein.
Die  damit  verbundenen  Vorgänge  spielten  während  der  letzten  Monate
des  Jahres  1905  und  wurden  damals  in  sensationeller  Form  vor  die
Öffentlichkeit  gebracht.  Schon  in  Jena  hatte  August  Bebel  am  ersten
Vcrhandlungstag  namens  des  Parteivorstandcs  erklärt  (ProtokollS.  187/188),
daß  dieser  bereit  sei,  mit  den  Berliner  Parteigenossen  zu  beraten,  wie  dem
auch  von  ihm  für  unhaltbar  erkannten  Zustand  hinsichtlich  der  Redaktion
des  „Vorwärts"  am  besten  abzuhelfen  sei.  In  dieser  stünden  Mehrheit
und  Minderheit  sich  sehr  gereizt  gegenüber,  und  da  die  Berliner  Genossen
zur  Redaktionsminderheit  das  größere  Vertrauen  hätten,  müßte  gesucht
Werden,  das  Mehrheitsverhältnis  zu  ändern.
In  der  Tat  standen  sechs  Mitglieder  der  Redaktion,  nämlich
P.  Büttner,  Kurt  Eisner,  Georg  Gradnauer,  Jul.  Kaliski,
Wilhelm  Schröder  und  Leinrich  Wetzker  auf  ziemlich  gespanntem
Fuß  zu  den  anderen  vier  Redakteuren:  Leinrich  Cunow,  Paul  John,
Karl  Leid  und  Leinrich  Ströbel.  Vor  allem  hatten  sich  die  Beziehungen ­
  der  vier  politischen  Redakteure  Eisner  und  Gradnauer  einerseits ­
  und  Cunow  und  Ströbel  andererseits  so  zugespitzt,  daß  ein  gut
kollegialisches  Zusammenarbeiten  kaum  noch  möglich  erschien.  Irgendwie
mußte  hier  Abhilfe  getroffen  werden.
Als  der  Parteitag  vorüber  war,  fanden  zu  diesem  Behufe  zunächst
Beratungen  zwischen  dem  Partcivorstand  und  den  leitenden  Komitees  der
Berliner  Parteiorganisation  statt.  Am  zweiten  Oktober  1905  fand  eine
gemeinsame  Sitzung  statt,  zu  der  die  letzteren  —  die  Preßkommission,  die
Vertrauensleute,  die  Vorsitzenden  der  acht  Wahlvereine,  die  Agitattonsn-</div>
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