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        <title>Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905</title>
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Mit viel weniger Reibung als die Änderung in der Besetzung der 
Redaktion des „Vorwärts" vollzog sich Ende 1905 eine bedeutungsvolle 
Änderung in der Organisation der Sozialdemokratie Groß-Berlins, nämlich 
die Zusammenfassung seiner Wahlvereine in einen großen einheitlich 
geleiteten Verband. Auch gegen sie gab es hier und dort Opposition, 
aber sie war unpersönlich und trat nirgends störend hervor. 
Noch ehe der Vorwärtskonflikt zum Ausbruch gekommen war, hatte 
am 15. Oktober 1905 in Berlin die Parteikonferenz für Berlin und die 
Provinz Brandenburg getagt. Außer der Entgegennahme des Jahres 
berichts, der in allen Rubriken gute Fortschritte verzeichnen konnte, und der 
Erledigung sonstiger laufender Geschäfte, galten seine Beratungen wiederum 
der Organisationsfrage. Ein Statutenentwurf, den die von der vorjährigen 
Konferenz eingesetzte Kommission ausgearbeitet hatte, fand im Prinzip Zu 
stimmung, mittlerweile hatte aber der Jenaer Parteitag dadurch eine neue 
Situation geschaffen, daß das von ihm beschlossene Statut der Gesamtpartei 
die Bildung von ganzen Bezirks- oder Provinzialverbänden vorschrieb. 
Demgemäß wurde beschlossen, der Agitationskommission den vorgelegten 
Entwurf und die auf ihn bezüglichen Anträge als Material zu überweisen 
und sie im übrigen zu beauftragen, sich mit den Vertretern der verschiedenen 
Wahlkreise der Provinz über die Einzelheiten des Statuts für den zu 
gründenden Verband zu verständigen. 
Am dieselbe Zeit wurde in Berlin und seinen Nachbarwahlkreisen die von 
einigen Genossen seit längerer Zeit erstrebte Bildung des Verbandes Groß- 
Berlin in Konferenzen der Vorstände und Vertrauenspersonen eingehend be 
raten. Wie schon an anderer Stelle bemerkt, stieß der Gedanke bei einen» 
Teil der Parteimitglieder auf Gegnerschaft, die hauptsächlich in der Furcht 
wurzelte, daß die Zentralisation das selbständige Leben der einzelnen Wahl 
kreise beeinträchtigen werde. Es fanden darüber lebhafte Auseinandersetzungen 
in den einzelnen Wahlkreisen statt, die Einwände schlugen jedoch bei der großen 
Mehrheit der Vertrauenspersonen nicht durch. In 20 Sitzungen ward von einer 
zu diesem Zweck eingesetzten Spezialkommission der Statutenentwurf des zu 
gründenden Verbandes Punkt für Punkt sorgfältig durchberaten und der 
so zustande gekommene Entwurf ward dann den Wahlvereinen der einzelnen 
Wahlkreise zur Durchberatung vorgelegt. Nachdem diese erfolgt war, ward 
auf den 17. Dezember eine Delegiertenversammlung für Groß-Berlin ein 
berufen, die endgültig über die Gründung des Verbandes Beschluß fassen sollte. 
Nach dem Entwurf, dessen Behandlung in den Wahlvereinen gezeigt hatte, 
daß seine Annahme in der Laupsache im voraus als sicher zu betrachten war, 
sollte der Verband föderativ aus den Wahlvereinen der acht Neichstagswahl- 
kreise von Groß-Berlin derart aufgebaut werden, daß für jeden Wahlkreis 
ein Kreiswahlverein die Grundeinheit zu bilden hatte. Am dieser Vorschrift 
Genüge leisten zu können, wurde im Kreise Niederbarnim am 3. Dezember 
1905 von einer Delegiertenversammlung dieses Kreises die Gründung eines 
Kreiswahlvereins an Stelle der bisherigen Föderation der Bezirksverbändc 
beschlossen, und ebenso vollzogen am 15. Dezember die beiden Wahlvereine 
Berlin IV Ost und Südost ihre Vereinigung zu einem Wahlverein des 
vierten Berliner Reichstagswahlkreises. 
Nachdem so die Grundlage für den zu schaffenden Verband hergestellt 
war, fand am 17. Dezember 1905 im großen Germaniasaal in der Chaussee-</div>
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