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        <title>Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905</title>
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            <surname>Bernstein</surname>
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      <div>Eine  Kommission  von  fünf  Personen  sollte  das  für  die  Aktion  erforderte ­
  Agitationsmaterial  beschaffen  und  zusammenstellen,  sowie  mit  den
Kommissionen  an  den  einzelnen  Orten  behufs  einheitlichen  Vorgehens  in
Agitation  und  Aktion  Fühlung  halten.  Sie  ward  am  21.  Januar  1895
in  Berlin  in  öffentlicher  Versammlung  gewählt  und  aus  drei  männlichen
Berufskollegen  —  O.  Brand,  an  dessen  Stelle  später  K.  Riesing  trat,
Ioh.  Timm  und  A.  Zander  —  und  zwei  Arbeiterinnen  —  Frau  A.  Noack
und  Frau  E.  Reimann  —  zusammengesetzt.  Sie  beschloß  zunächst  die
Forderung  von  Betriebswerkstätten  zu  propagieren.  Am  6.  Mai  1895
fanden  in  Berlin  und  den  anderen  Sitzen  des  Gewerbes  große  Versammlungen ­
  statt,  in  denen  die  Wichtigkeit  der  Errichtung  von  Betriebswerkstätten
auseinandergesetzt  wurde.  Äberall  wurden  Resolutionen  zu  ihren  Gunsten
angenommen  und  mit  entsprechenden  Begleitschreiben  von  den  Bureaus
der  Versammlungen  an  die  Unternehmer,  Fabrikanten  wie  Ländler  versandt.
Gemeinsam  mit  dem  Vorstand  des  Schneiderverbandes  beauftragte  die
Fünferkommission  ihr  Mitglied  Johannes  Timm,  behufs  Gewinnung  der
öffentlichen  Meinung  eine  Broschüre  über  die  Schäden  des  Zwischenmeistersystems ­
  und  der  Leimarbeit  im  Gewerbe  abzufassen.  Die  wirksam  geschriebene ­
  Arbeit  ward  unter  dem  Titel  „Das  Swcating-System  in  der
Konfektionsindustrie"  in  6000  Exemplaren  ausgelegt  und  unter  anderem  den
meisten  namhaften  Sozialpolitikern  und  den  Organen  und  Körperschaften
zugeschickt,  die  von  Amtswegen  mit  der  Sozialpolitik  zu  tun  haben.  Sie
erfüllte  auch  in  hohem  Grade  ihren  Zweck.  Die  Presse  befaßte  sich  aufs
neue  lebhaft  mit  der  aufgeworfenen  Frage  und  sprach  sich  im  ganzen  für
die  in  der  Broschüre  entwickelten  Ideen  aus.  Noch  waren  die  Blütenträume ­
  der  deutschen  Sozialpolitik  nicht  aus  den  Gemütern  der  deutschen
Ideologen  verflogen,  die  jüngeren  Elemente  der  evangelischen  Geistlichkeit
und  die  antikirchlichen  Ethiker  wetteiferten  im  Eintreten  für  soziale  Reformen,
im  Schoße  der  liberalen  Parteien  gab  es  Gruppen,  die  sich  mit  der  Idee
des  staatlichen  Arbeiterschuhes  befreundeten,  und  da  die  großen  Firmen
der  Kleiderkonfektion  überwiegend  jüdisch  waren,  nahmen  auch  Antisemiten
und  Konservative  für  deren  Arbeiter  Partei.  Kurz,  die  Agitation  der
Konfektionsschneider  fand  selbst  in  der  bürgerlichen  Welt  viele  Freunde.
Der  tatkräftigen  Sympathie  der  organisierten  Arbeiter  dursten  sie  sich  selbstverständlich ­
  versichert  halten.  Die  Leitung  der  deutschen  Sozialdemokratie
sehte  die  Frage  der  Schwitzarbeit  mit  Johannes  Timm  als  Referenten  auf
die  Tagesordnung  des  Parteitags,  der  im  Oktober  1895  in  Breslau  zusammentrat, ­
  und  nahm  einstimmig  eine  Resolution  an,  die  es  den  Genossen
allerorts  zur  Pflicht  machte,  den  Kampf  für  die  Beseitigung  des  Zwischenmeistersystems, ­
  für  Betriebswerkstätten  und  feste  Lohntarife  zu  unterstützen.
Am  24.  und  25.  November  1895  tagte  in  Erfurt  eine  zweite  allgemeine
Konferenz  der  Arbeiter  der  deutschen  Konfektionsindustrie.  Sie  war  erheblich ­
  stärker  besucht  als  die  erste,  erneuerte  das  Mandat  der  Fünferkommission ­
  mit  dem  Recht  der  Ergänzung  und  beschloß  einen  genau
fixierten  Agitationsplan,  sowie  die  sofortige  Organisierung  von  Sammlungen
behufs  Bildung  eines  Kampffonds.
Es  handelte  sich  also  nicht  um  einen  willkürhaft  und  unüberlegt  an
einem  einzelnen  Ort  ins  Werk  gesetzten  Kampf,  sondern  um  eine  reiflich
überdachte  und  wohl  vorbereitete  Bewegung  von  nationalem  Amfang,  deren</div>
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