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        <title>Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905</title>
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            <surname>Bernstein</surname>
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      <div>Charakter  trug,  als  das  der  „Freien  Volksbühne".  „Belehrt  durch  die  Entwicklung ­
  der  alten  „Freien  Volksbühne",  heißt  es  im  Ausruf  zu  dieser
Gründung,  „suchen  wir  unserem  Verein  eine  derartige  Verfassung  zu  geben,
daß  eine  Leitung  durch  künstlerische  und  technische  Sachverständige  für  die
Dauer  gewährleistet  wird."  Außer  von  den  schon  genannten  „Anabhängigen"
war  der  Aufruf  unterzeichnet  von  Wilhelm  Bölsche,  Ad.  von  Kanstein,
Maximilian  Karden,  Julius  Kart,  Otto  Erich  Kartleben,  Wilhelm
Kegeler,  Victor  Kolländer,  PaulKampffmeycr,  Gustav  Landauer,
Max  Marschalk,  Dr.  Fritz  Mauthner,  Leopold  Schönhoff,  Ernst
von  Wolzogen  und  anderen  namhaften  Schriftstellern  und  Künstlern.
Fast  die  ganze,  an  literarischen  Talenten  reiche  Friedrichshagener  Schriftstellerkolonie ­
  schlug  sich  auf  die  Seite  des  neuen  Vereins,  der  es  jedoch
trotzdem  lange  Jahre  zu  keiner  rechten  Blüte  bringen  konnte,  sondern  erst
in  neuerer  Zeit  eine  erhebliche  Mitgliederzahl  gewonnen,  zugleich  aber  auch
an  Farbe  verloren  hat.
Der  alte  Verein,  der  an  Stelle  Willes  Franz  Mehring  zum  Vorsitzenden ­
  wählte,  überwand  die  Krisis  so  schnell,  daß  man  sie  an  der  zahlenmäßigen ­
  Entwicklung  seines  Mitgliederbestandes  kaum  herausmerkte.  Er
hatte  für  den  Besuch  seiner  Aufführungen  sehr  bald  in  Abteilungen  eingeteilt ­
  werden  müssen,  die  nacheinander  die  ausgewählten  Stücke  zu  sehen
bekamen,  da  der  Zuschauerraum  keines  Theaters  groß  genug  war,  alle  Mitglieder ­
  an  einem  Abend  zu  fassen.  Jetzt  mußten  Jahr  für  Jahr  die  Abteilungen ­
  vermehrt  werden.  Sie  beliefen  sich  im  Jahre  1894  auf  sechs  von
je  1150  Mitgliedern,  und  schon  war  die  Bildung  der  siebenten  Abteilung
überschritten,  der  Verein  über  8000  Mitglieder  stark,  als  zur  Zeit  des
Systems  Köller  die  Polizei  im  April  1895  einen  neuen  Streich  gegen
ihn  führte.  Anter  Berufung  auf  eine  Verordnung  des  Polizeidirektors
Kinkeldey  aus  dem  Reaktionsjahr  1850  über  „öffentliche  Vergnügungen"
verlangte  das  Berliner  Polizeipräsidium  vom  Vorstand  der  „Freien  Volksbühne", ­
  daß  er  alle  Stücke,  die  der  Verein  aufzuführen  beabsichtigte,
14  Tage  vorher  bei  ihm  einreiche.  Das  heißt,  die  Theaterzensur,  die  jener
Akas  in  Widerspruch  mit  dem  Artikel  27  der  preußischen  Verfassung,  der
sie  auft-ob,  wieder  eingeführt  hatte,  sollte  auch  auf  die  Freien  Bühnen  ausgedehnt ­
  werden.  Dagegen  sich  energisch  aufzulehnen,  hielten  die  Leiter  der
„Freien  Volksbühne"  für  Pflicht  eines  vom  Geist  der  Arbeiterbewegung
erfüllten  Instituts.  Sie  legten  bei  den  Gerichten  Verwahnmg  ein,  und  da
die  Polizei  die  Macht  hatte,  vorläufig  die  Anterwerfung  unter  ihre  Verordnung ­
  zu  erzwingen,  wurden  die  Aufführungen  der  „Freien  Volksbühne"
in  der  Zwischenzeit  lieber  freiwillig  sistiert,  als  daß  man  dem  Verlangen
der  Polizei  um  Kaaresbreite  entgegenkam.  Demselben  Empfinden  folgend,
beschloß  der  Verein  „Freie  Volksbühne",  als  Anfang  März  1896  der
Entscheid  des  Oberverwaltungsgerichts  gegen  ihn  ausfiel,  sich  freiwillig  aufzulösen. ­
  Das  blühende  Anternehmcn,  das  in  so  vielen  Tausenden  von
Arbeitern  der  Rcichshauptstadt  Sinn  und  Verständnis  für  gute  dramatische
Kost  entwickelt  hatte,  verschwand  für  eine  Weile  von  der  Bildfläche.
Aber  nur  für  eine  Weile.  Der  Entscheid  des  Oberverwaltungsgerichts
hatte  erklärt,  die  „Freie  Volksbühne"  sei  so  „locker  organisiert",  daß  sie
bei  ihrer  großen  Mitgliederzahl  nicht  als  ein  „bestimmter  Kreis  innerlich
untereinander  verbundener  Personen"  betrachtet  werden  könne;  lediglich  ein</div>
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