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        <title>Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905</title>
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            <surname>Bernstein</surname>
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Verein,  von  dem  dies  zutreffe,  könne  die  Aushebung  der  polizeilichen  Anordnung ­
  für  seine  Aufführungen  beanspruchen.  Damit  war  der  Weg  angezeigt, ­
  auf  dem  man  sich  die  Polizei  möglicherweise  doch  vom  Halse
halten  konnte,  zumal  der  Köllerkurs  sein  Ende  erreicht  hatte.  Änd  so  ward,
als  im  Laufe  des  Zahres  1897  das  Verlangen  nach  Wiederbelebung  der
„Volksbühne"  sich  immer  lebhafter  geltend  machte,  ein  neues  Statut  ausgearbeitet, ­
  das  den  Charakter  des  geschlossenen  Vereins  in  aller  Schärfe
zum  Ausdruck  brachte.  Der  Kerbst  1897  sah  die  „Freie  Volksbühne"
wieder  am  Leben  und  Wirken.  Nur  kurze  Zeit,  und  auch  der  alte  Mitgliederstand ­
  war  wieder  erreicht  und  bald  überschritten.  Ein  fast  ununterbrochenes ­
  Steigen  kennzeichnet  auch  die  Entwicklung  des  neuen  Vereins.
Ende  1905  war  seine  Mitgliederzahl  11000.
Prinzipiell  war  in  der  Verfassung  des  Vereins  nichts  geändert.  Ein
Vorstand  mit  einem  Ausschuß  zur  Seite  leiten  ihn,  die  Generalversammlung,
die  sie  wählt,  ist  auch  heute  die  entscheidende  Instanz.  Vorsitzender  des
Vereins  wurde  Conrad  Schmidt,  während  Mehring  in  den  Ausschuß
gewählt  wurde,  jedoch  infolge  eines  Konflikts  persönlicher  Natur  nach
Jahresfrist  aus  ihm  ausschied.  Im  Lest  44  des  14.  Jahrgangs  der
„Neuen  Zeit"  übte  er  an  der  neuen  Leitung  scharfe  Kritik,  auf  die  Conrad
Schmidt  im  Lest  48  des  gleichen  Jahrganges  geantwortet  hat.
Die  Kontroverse  drehte  sich  im  wesentlichen  darum,  inwiefern  die  „Freie
Volksbühne"  auch  demjenigen  Teil  ihres  alten  Programms  treu  geblieben
sei,  gemäß  dem  sie  bedeutenden  dramatischen  Schöpfungen  der  Gegenwart,
denen  sich  um  ihres  kritischeil  Inhalts  willen  die  öffentlich  subventionierten
und  die  der  Spekulation  dienenden  Theater  spröde  oder  absolut  ablehnend
gegenüberstellen,  eine  Stätte  darbieten  sollte.  Nun  gibt  es  aber  für  die
Trefflichkeit  eines  Bühnenwerks  keinen  unbedingt  objektiven  Maßstab,  jedes
Werturteil  schließt  subjektive  Momente  ein.  Die  geübteste  Einzelpersönlichkeit
ist  so  wenig  vor  Mißgriffen  geschützt,  wie  ein  Ausschuß  von  Personen
mit  ungleichmäßiger  Ausbildung.  Eine  Versuchsbühne  für  dramatische
Anfänger,  ein  Abladeplatz  für  mangelhafte  dramatische  Produkte,  bei  denen
die  Tendenz  die  Unvollkommenheiten  decken  soll,  sollte  die  „Freie  Volksbühne" ­
  nicht  sein,  sie  sollte  Gutes  bieten,  und  da  vieles  geschrieben  wird,
was  der  Grenze  des  Guten  nahekommt,  ohne  sie  zu  erreichen,  aber  nur
wenig,  was  sie  erreicht,  ist  es  nicht  lediglich  vom  Willen  und  Können  der
Leitung  abhängig,  wieviel  neues  sie  zur  Aufführung  bringt.  Indes  konnte
Schmidt  nachweisen,  daß  unter  der  neuen  Leitung  verhältnismäßig  mehr
neue  und  sozialkritische  Dramen  zur  Aufführung  gebracht  worden  waren,
als  in  gleicher  Zeitspanne  unter  der  früheren  Leitung.
Dem  Bestreben,  dem  neuen  Guten  die  Bahn  zu  brechen,  ist  die  „Freie
Volksbühne"  treu  geblieben,  die  Liste  besserer  Schöpfungen,  denen  sie  zuerst
den  Bühnenwcg  geöffnet  hat,  ist  eine  sehr  große.  Aber  in  der  Verwirklichung ­
  dieses  Strebens  wurden  ihr  viele  Schwierigkeiten  in  den  Weg
gelegt,  sowohl  von  den  Direktionen  der  bürgerlichen  Theater,  wie  von  den
Schriftstellern  selbst.  Von  den  ersteren  stoßen  sich  viele  daran,  Stücke  als
Neuheiten  zu  erwerben,  die  schon  auf  der  „Freien  Volksbühne"  gespielt
wurden,  und  von  den  letzteren  gehen  daher  diejenigen,  die  schon  einen  gewissen ­
  Namen  haben,  mit  ihren  Neuschöpfungen  an  der  „Freien  Volksbühne" ­
  vorbei.  Auf  die  Neuheitenjagd  kann  sich  diese  nicht  verlegen.</div>
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