32 nossenschaften zu staatsbildenden Faktoren für den proletarischen Staat geworden; er fördert sie mit allen Mitteln. Hat je ein Staatsoberhaupt so von der Ge nossenschaft gesprochen, wie Genosse Lenin von den Kooperativen? Aus seinem allerletzten Artikel in der „Prawda“ in Moskau sind diese bedeutsamen Sätze zitiert: Dank der Besonderheit unserer Staatsordnung kommt der Genossenschaft eine vollkommen ausschließliche Bedeutung zu. Ich will das erklären. Worin besteht das Phantastische in den Plänen der alten Kooperatoren, angefangen bei Robert Owen? Darin, daß sie von der friedlichen Umwandlung der heutigen Gesellschaft in eine sozialistische träumten, ohne solche Grund fragen wie die Frage des Klassenkampfes, der Eroberung der politi schen Macht durch die Arbeiterklasse, des Sturzes der Herrschaft der Ausbeuterklasse in Betracht zu ziehen. Und darum hatten wir Recht, als wir in diesem „kooperativen" Sozialismus nichts anderes als eine romantische, abgeschmackte Phantasie fanden: Träumereien darüber, wie man durch eine einfache Kooperierung der Bevölkerung die Klassenfeinde in Klassen mitarbeiter und den Klassenkrieg in einen Klassenfrieden (den sogenannten Bürgerfrieden) verwandeln könnte. Diese alten Genossenschafter begreifen nicht die grundlegende Bedeutung des politischen Kampfes der Ar beiterklasse für den Sturz der Ausbeuterherrschaft. Bei uns ist dieser Sturz, vollbracht und jetzt ist vieles davon, was in den Träumen der alten Genossen schafter phantastisch und romantisch war, die nackteste Wirklichkeit geworden. Aber betrachten wir nun, wie sich die Sache jetzt geändert hat, da sich die Staatsmacht in den Händen der Arbeiterklasse befindet, wo die politische Macht der Ausbeuter gestürzt ist, und alle Produktionsmittel der Arbeiter klasse gehören (außer jenen, die der Arbeiterstaat auf eine Zeit den Aus beutern freiwillig und bedingt und in Konzessionen überläßt). Jetzt haben wir das Recht, zu sagen, daß das Wachsen der Koopera tionen für uns (unter dem oben erwähnten „kleinen" Vorbehalt) gleich bedeutend ist mit dem Wachsen des Sozialismus. Gleichzeitig müssen wir eine grundlegende Aenderung unseres ganzen Standpunktes bezüglich des Sozialismus zulassen. Diese grundlegende Aenderung besteht darin, daß wir bis jetzt das Hauptgewicht auf den politischen Kampf, auf die Revolution, auf die Eroberung der Macht legten und legen mußten; jetzt aber (nach dem Klassensieg. Red.) muß das Hauptgewicht auf die friedlic-he organisatorische ^kulturelle" Arbeit ver legt werden. Ich möchte sagen, der Schwerpunkt geht bei uns auf die Kultur arbeit über, abgesehen von den internationalen Beziehungen, wo ein Haupt gewicht auf der Pflicht beruht, unsere Positionen im internationalen Maßstabe zu verteidigen. Diese Kulturarbeit unter der Bauernschaft, als wirtschaftliches Ziel, wird gerade durch die Kooperierung besorgt. Unter den Bedin gungen der völligen Kooperierung würden wir schon mit beiden Füßen auf sozialistischem Boden stehen. Aber diese Bedingungen der völligen Kooperierung setzen eine solche kulturelle Stufe der Bauernschaft (namentlich der Bauernschaft als einer Riesenmasse) voraus, daß diese Kooperierung ohne eine Kulturrevolution unmöglich ist. Unsere Gegner haben uns öfters gesagt, daß wir die unüberlegte Arbeit der Verwirklichung des Sozialismus in einem Lande mit mangelhafter Kultur unter nommen haben. Sie haben sich aber darin geirrt, wenn sie glaubten, uns vor werfen zu können, daß wir die Arbeit nicht von jener Seite begonnen haben, wie es nach der verkehrten Theorie (verschiedener Pedanten) hätte geschehen sollen. Bei uns war der politische und der soziale Umsturz nur der Vorgänger (und die unerläßliche Vorbedingung! Red.) jenes kulturellen Umsturzes, jener Revolution, an deren Schwelle wir jetzt stehen.