1 5 53 Kommt von außen, namentlich durch die Abkehr Deutschlands von der bisher den Vereinigten Staaten gegenüber beobachteten Haltung, ein wei terer Druck hinzu, so wächst die Wahrscheinlich keit, daß wir, wenn nicht sofort, so doch in nicht allzu langer Zeit zu einem Tarifvertrag mit der Union kommen, um ein bedeutendes. In diesem Sinne unterbreiten wir die folgenden Wünsche verschiedener deutscher Industrien, wie sie uns bei einer von uns veranstalteten Enque'te zugeflossen sind, der Berücksichtigung. * * * Des Allgemeinen ist Folgendes zu sagen. Die Sätze des Dingleytarifes sind, — es ist dies ein offenes Geheimnis, — bei manchen In dustrien von allem Anfang an höher angesetzt worden, als man eigentlich beabsichtigte. Man wollte eben einen Tarif schaffen, dergegebenenFalls eine zwanzigprozentige Minderung vertrug und auch dann noch die fremde Einfuhr stark hintanhielt, aucli dann noch, zum Teil mit prohibitiver Wir kung, der heimischen Industrie einen ausreichen den Zollschutz bot. Man beachte weiter die Struk tur des amerikanischen Tarifes, welcher vielfach - namentlich in der Textilindustrie — die Durch schnittsware, das billigere, für den großen Kon sum berechnete Erzeugnis mit einem höheren Zoll trifft, als das feine, hochwertige, nur für einen kleinen Kreis von Verbrauchern in Betracht kom mende Produkt. Der amerikanische Tarif verrät an verschiedenen Stellen deutlich die Tendenz, die heimische Industrie vorerst zur Befriedigung des Gros des Konsums zu befähigen, damit sie sich, von dieser breiten Basis aufsteigend, langsam auch der Gewinnung des Marktes in feineren Fabrikaten zuwende. Man muß sich diese Tatsachen vor Augen halten, um ermessen zu können, was für einen Nutzen uns die Minderung der amerikani schen Zölle auf manche Industrieerzeugnisse brächte. Ein Abschlag um 20 °/ 0 vom jetzi gen Tarif käme im großen und ganzen nur solchen Industrien und Erzeugnissen zu gute, bei denen Deutschland gegenüber der amerikanischen Fabrikation einen Vor sprung insofern hat, als die billigeren Löhne hierzulande nicht durch größere Verwen dung von Maschinen drüben kompensiert werden; bei Fabrikaten, in denen verhältnis mäßig noch viel Menschenarbeit steckt, und wo eben die hohen Löhne drüben uns noch den Wettbewerb ermöglichen. Wo dies nicht zutrifft, also z. B. in billigeren und mittleren Qua litäten der Tuch- und Seidenindustrie, in maschi nell hergestellten Produkten der Lederindustrie usw., da wäre eine durch einen Vertrag erzielte Minderung der amerikanischen Zölle um 20 %