— 4 Unsere sozialistische Arbeiterschaft macht ihr scharfer Gegensatz zu jeder Form der Ausbeutung und ihr tatenfreudiges Bekenntnis zum Grundsatz der Gleichberechtigung der Frau zur unversöhnlichen Feindin der Reglementierung der Prostitution. Meine Arbeit soll sodann als Signal zum Angriff den kämpfenden Frauen dienen, die in den proletarischem und abolitio- nistischen Kreisen bisher vereinzelt die polizeiliche Ueberwachung der Dirnen befehdetem Meine Schrift will weiter die Sozialpädagogen zum rüstigen Aufbau neuer Fürsprgeeinrichtungen für die verwaisten, bevor mundeten und von ihren Eltern vernachlässigten Kinder ermuntern. In der Prostituierten muß ein neues Selbst, das sich behaupten und bestimmen kann, geschaffen werden. Und die Schöpfung dieses Selbst steht in engster Abhängigkeit von ökonomischen und sozialen Einrichtungen, die der Prostituierten erst eine andere soziale.Existenz und die Entwickelung der noch in ihr steckenden moralischen Anlagen ermöglichen. Und zum Schluß ruft meine Arbeit die sozialpolitisch gebildeten Aerzte und Krankenkassenmitglieder zur Erweiterung und Vertiefung der sozialhygienischen Wirksamkeit unserer Krankenkasseneinrichtungen auf. Sie sucht öffentlich-rechtliche Einrichtungen zur unentgeltlichen Behandlung der Venerischen beiderlei Geschlechts zu schaffen, humane soziale Einrichtungen, die in jedem Venerischen einen natürlichen Anreiz zu einer gründlichen Heilbehandlung wecken. Rehfelde, im September 1905. Paul K a m p f f m e y e r.