12 drückten Klasse an, und sie waren Wohl durchweg Stadtfremde. Die Kleiderordnungen drückten ihnen schon äußerlich den Charakter von Dirnen auf. Suidas spricht von Dirnen, „bekleidet mit geblümten ­ Gewändern» welche buntfarbig zusammengestellt oder mit verschiedenen Farben bemalt waren, denn es bestand ein Gesetz in Athen, das den Prostituierten befahl, geblümte Kleider zu tragen, mit Blumen oder verschiedenen Farben geschmückt, damit dieser Puh die Dirnen auf den ersten Blick kenntlich mache." Unter den Prostituierten Athens scheinen nur in der ersten Klasse, in der Hetärenklasse, athenische Bürgerinnen vertreten zu sein — und ebenfalls nur vereinzelt. Gerade die Lebensverhältnisse der gewöhnlichen Dirnen, der Flötenbläserinncn und Hetären Athens haben eine müßige, mit materiellen Gütern reich gesegnete Herrenklasse zur notwendigen Grundlage. Wer anders sollte die wimmelnde Schar dieser feilen Frauen ernähren, als die freien Athener, die von der wirtschaftlichen ­ Ausbeutung einer ungeheuren Sklavenmasse lebten. Wer anders konnte den verführerischen, die Sinne so stürmisch bewegenden Liedern der Flötenbläserinnen halbe und ganze Nächte hindurch lauschen als jene Männer, die eine tiefe Verachtung vor jeder körperlichen Arbeit bekundeten und eine unendliche Zeit den verzehrenden ­ Genüssen der Frauen- und Knabenliebe widmen konnten. Die Seelenkräfte dieser freien Bürger verbrauchten sich nicht in den Mühen ernster, anstrengender Wirtschaftsarbeiten, sondern lebten sich ungeschwächt und völlig ungebunden in den wechselnden, von einer heiß sinnlichen Phantasie überschwänglich ausgestalteten sexuellen Vergnügungen aus. Nirgends trat wohl bisher in der Geschichte die Loslösung der Liebesumarmung von dem Fortpflanzungsakt ­ so klar in Erscheinung als bei den Athenern. Diese leidenschaftliche sexuelle Vermischung des freien Atheners mit der siadtfremdcn, rechtlosen Hetäre sollte gar nicht ein neues Geschlecht von Athenern schaffen. Und zu einem raffinierten Wollustkultus wurde von den Priesterinnen der Venus die ausschweifende, unfruchtbare ­ Liebesumarmung erhoben. Die Ehefrau, stets den schweren Gefahren der Mutterschaft, der Aufzucht der Kinder und den Hanshaltungssorgen überliefert, mußte ihre Frauenreize int Dienste der Gattung verkümmern lassen, während die Hetäre ihre, den Geschlechtstrieb des Mannes gewaltsam aufstachelnden Reize künstlich zu entwickeln und zu erhalten verstand. Die in der Oeffentlichkeit glänzende. Hetäre reißt den vollblütigen, wollüstigen Liebestrieb ­ des Mannes an sich, und die bescheidene Ehefrau, die treue Hüterin des häuslichen Herdes, liegt der so schmerzensreichen und gefahrvollen Mühe der Fortpflanzung der Rasse ob. Mit wundervoller ­ Klarheit beleuchtet Demosthenes in seiner Rede gegen Reära die Trennung des Liebesgenusses von dem Fortpflanzungsakt, die sich im sexuellen Leben der Athener so scharf durchgesetzt hatte. „Wir haben Hetären," sagte er, „zu unserem Vergnügen, Konkubinen