37 treibenden Welt vielfach bedürfnisreiche, putz- und vergnügungs süchtige Frauenspersonen, welche bekanntermaßen der Verführung häufig sehr zugänglich und der Gefahr besonders ausgesetzt sind, der Prostitution anheimfallen. Auch kleine Handwerker und Arbeiter mit geringem Verdienst und vielen Kindern, denen eine sorgsame Erziehung und Ueberwachung nicht zuteil werden kann, wohnen hier auf engem Raum dicht zusammengedrängt." Ja der eiserne Zwang grau-elender Erwerbsverhältnisse treibt die schlecht gestellten, kinderreichen Proletarierfamilien direkt in die Prostitutionsquartiere hinein. Nach einer Mitteilung der Kölner Stadtverwaltung an die „Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten" mieten sich die mit zahlreichen Kindern gesegneten Arbeiterfamilien „mit Vorliebe (!!) in Dirnenquarticren ein, weil sie anderwärts mit ihren vielen Kindern von den Haus eigentümern nicht aufgenommen werden und in den durch die An wesenheit bezw. die Nachbarschaft der Dirnen in ihrem Mietwerte herabgedrücktcn Häusern verhältnismäßig billige Wohnungen finden." Der häusliche Herd der Arbeiterfamilie stößt somit vielfach in der Großstadt direkt an das Zimmer des Fräuleiys, das Tag und Nacht Herrenbesuche empfängt. Das Fräulein rauscht vielleicht gar mit ihren männlichen Besuchern durch die Küche oder Wohnstube der Arbeiterfamilie. Der Nachahmungstrieb der Kinder verfällt auf das Nachäffen all der koketten Manieren der Dirne, mit der sie ja in eine unmittelbare Berührung treten. Aber nicht nur die Sitten, nein auch die Sittlichkeit großer proletarischer Bevölkerungs bestandteile wird durch den ständigen Verkehr mit der Prostitution untergraben. HI. Die venerische Verseuchung der Großstädte durch die P r o st i t u t i o n. Vom seelenmörderischen Einfluß der Prostitution auf die ver schiedenen sozialen Klassen redeten die vorhergehenden Zeilen. Aber an der systematischen Korruption der sozialen Psyche läßt sich die Prostitution nicht genügen. Sie ergreift den Körper des gesellschaft lichen Organismus und schlägt ihn mit Krankheit und Tod. Aus den Liebesumarmungen der Prostituierten wachsen die leben zerrüttenden Geschlechtskrankheiten empor. Die Geschlechtskrankheiten machen vielfach den Schoß, aus dem die Menschheit verjüngt auferstehen soll, unfruchtbar, nehmen dem Manne die Manneskraft und töten das Kind oft im Mutterleibe. Das seuchenhafte Auftreten der Geschlechtskrankheiten in unseren Großstädten ist stets an die Existenz einer umfangreichen offenen und geheimen Prostitution gebunden. Daher sind die Geschlechts krankheiten im wesentlichen ein städtisches soziales Phänomen, eine Erscheinung der Groß- und Fremdenverkehrsstädte. In Dänemark waltet ein ziemlich freier sexueller Verkehr in der Landbevölkerung. Die Untersuchung von Rubin und Westergaard