45 mädchen vor, die bereit waren, einen ehrlichen Erwerb aufzunehmen, 261 blieben in den Bordellen zurück. Also während von den Einzel prostituierten immer mehr oder weniger als der vierte Teil jährlich sich geneigt zeigt, in regelmäßige Lebensverhältnisse wieder einzu treten, fand sich nur der hundertste Teil der Bordelldirnen zu solchem Entschlüsse willig. In der Regel hatten übe'rdies die Besserungs versuche bei diesen entwürdigten Geschöpfen gar keinen Erfolg." Jede mittelalterliche Stadt von größerem Umfange scheiterte eigentlich schon an der Aufgabe, die Prostitution ausschließlich an einige überwachte Häuser zu binden. Gegen die wilden, un- konzessionierten Frauenwirte, gegen die sogenannten „Ruffiane", wandten sich zahlreiche Bestimmungen der Städte. Im Jahre 1505 übten in Nürnberg „acht gemeine Weiber" aus dem Frauenhause nachdrücklichst ihr Recht „gegen Stümpelehen und Eingriffe" wilder Dirnen aus und zerstörten vollständig ein nicht toleriertes Huren haus. In Frankfurt a. M. klagte um dieselbe Zeit der Stöcker, der Henker, unter dessen Aufsicht die Prostituierten standen, die öffent lichen Frauen könnten sich nicht mehr ernähren, weil die geheimen Dirnen ihren Beruf schwer schädigten. Und was den leicht zu über-, wachenden mittelalterlichen Städten nicht gelang, das soll den modernen Mittel- und Großstädten glücken? In Kiel sind z. B. nach dem Referate, das Herr Professor v. Düring-Kiel 1605 auf dem zweiten Kongreß der „Deutschen Ge sellschaft zur Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten" zu München hielt, etwa 142 Bordellmädchen unter die sittenpolizeiliche Kontrolle gestellt. „Daß mindestens die zehnfache Anzahl von Mädchen an der Prostitution in irgend einer Weise beteiligt ist, ist zweifellos — wahrscheinlich viel zu niedrig berechnet. Man bedenke 150 000 Ein wohner, dabei Seeleute, Marine, Infanterie, Studenten und die Menge junger Leute auf den Werften; meiner Ansicht nach dürfte die 20—30fache Zahl von „Jnfektionsvermittlern" mindestens an genommen werden." Selbst in einer mittleren Stadt wie Worms, in der zwei Bordelle konzessioniert sind, steht die geheime Prostitution, wie wir dies aus den Mitteilungen der dortigen Polizeivcrwaltung an die „Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten" ersehen, in üppiger Blüte. Hier prostituieren sich die Kellnerinnen massenhaft geheim. „Diese Kellnerinnen," so schreibt die Polizeiverwaltung von Worms, „bekommen meistens keinen Lohn, sondern sind nur auf die Trinkgelder der Gäste angewiesen, und daß solche Personen schon der Trinkgelder wegen leicht zugänglich sind, liegt aus der Hand. Wir haben es an der erforderlichen Ueberwachung nicht fehlen lassen, bei der großen Zahl derartiger Wirtschaften ist dies aber äußerst schwierig. Wie lange solche Kellnerinnen ansteckend wirken, kann man sich vorstellen, wenn man bedenkt, daß diese Per sonen erst notgedrungen den Arzt aufsuchen. Die Richtigkeit unserer Ansicht, daß durch Kellnerinnen in erster Linie Geschlechtskrank-