56 sucht wird, sind in Charlottenburg überwiesen: alle Prostituierten vom beginnenden 25. Lebensjahre bis zum vollendeten 34. Lebensjahre, ­ soweit sie nicht der ersten Klasse zugeteilt sind. Der dritten nur alle vierzehn Tage untersuchten Klasse der Prostituierten werden unterstellt: die über 34 Jahre alten Prostituierten, soweit sie nicht in die erste Klasse eingereiht sind. Die Versetzung der Prostituierten von einer Klasse in die andere erfolgt durch Verfügung der Sittenpolizei. ­ Unter den Axtschlägen selbst der Anhänger der Reglementierung der Prostitution ist die sanitätspolizeiliche Kontrolle zusammengebrochen ­ Kein geringerer als Professor Neisser-Breslau, die erste Autorität auf dem Gebiete der Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, ­ hat das folgende Vernichtungsurteil über das heutige sanitätspolizeiliche ­ Kontrollsystem gefällt: „Die Kontrolle,'" so führte er in seinem Referate: „Nach welcher Richtung läßt sich die Reglementierung ­ der Prostitution reformieren?" „die Kontrolle ist nur' eine Untersuchung, keine Behandlung; in Krankheitsfällen erfolgt jetzt eine sofortige, einer Verhaftung gleichende Ueberführung ins Krankenhaus. ­ Wegbleiben von der „Kontrolle" wird bei Gesunden mit Haft und sehr bald mit Ueberweisung an die Landespolizeibehörde bestraft. ­ Gerade die kranken Prostituierten, die naturgemäß die Ueberführung in ein Krankenhaus fürchten, entziehen sich deshalb dieser Kontrolle nach Möglichkeit und vagieren heimlich weiter,- oder sie verlassen die Stadt, um der zwangsweisen Internierung im Krankenhause zu entgehen. Die sanitäre Ueberwachung der unter Kontrolle gestellten Personen wird nicht in der Wesse ausgeführt, daß die Untersuchung auch nur einigermaßen eine Gewähr für die Nichtinfektiositäb der Untersuchten böte. Verhältnismäßig zuverlässig ­ ist die Untersuchung auf Ulzerationen und Syphilis, ganz unzureichend aber mit Bezug auf die Trippererkrankungen. Der wesentlichste Grund für diese Unvollkommenheit ist der Mangel an Aerzten, die diese zeitraubende Untersuchung durchführen könnten. Da aber das Männerpublikum an einen Nutzen der ärztlichen Kontrolluntersuchungen glaubt, so steigert die Kontrolle geradezu die von den Prostituierten ausgehenden hygienischen Gefahren, indem sie Männer dazu verleitet, gerade Prostituierte, „weil sie unter Kontrolle stehen", zuin Geschlechtsverkehr zu benutzen." Professor Neisser fordert mit ganzem Nachdruck eine Reform der heutigen sanitätspolizeilichen Kontrolle der Prostitution an Haupt und Gliedern. Den Gegnern dieser Reglementation macht er so viele Zugeständnisse, daß man sich unwillkürlich fragt: Warum wirft denn Professor Neisser überhaupt nicht die Idee der Reglementation ­ der Prostitution über Bord? Von der Reformbedürftigkeit unserer heutigen sanitäts- und sittenpolizeilichen Kontrolle der Prostitution ist auch Professor, Lesser ganz erfüllt, der zu den führenden Köpfen der „Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten" gehört. Reben der