103 schäften, es ruhte daher direkt auf ihnen der Zwang, die Kosten für die Erziehung ihrer Zöglinge durch diese selbst aufbringen zu lassen. Ein streng religiöser, aber immerhin sich in den-Werken der Barmherzigkeit betätigender Geist stand an der Wiege dieser Rettungsanstalten- Dieser Geist sah mit einer gewissen Grämlichkeit auf die sinnlichen Freuden der Welt und strafte hart jeden außer ehelichen Geschlechtsverkehr als eine Unzuchtssünde- Aus den Jahres berichten der Magdalenenheime dringen oft die harten Worte des eifernden Buß- und Katechismuspredigers an unser Ohr. In dem 18- Jahresbericht über die Tätigkeit des Magdalenenashls von Hannover (1897) wird als „höchstes und wichtigstes Erziehungs mittel" das Wort Gottes gepriesen- „Denn hier hilft kein Kraut und Pflaster, sondern allein das Wort Gottes, das alles heilt- Eben darum treiben wir das Wort Gottes mit ihnen- , Wir treiben es in großer Nüchternheit, nicht mit Schwärmerei, nicht um Tränen zu entlocken . - -, wir treiben Gottes Wort und den Katechismus ganz nüchtern, aber hoffentlich so, daß es geht wie ein zweischneidiges Schwert durch Mark und Bein." Neben dem Katechismus dient die „straffe, stramme Arbeit" als das beste Erziehungsmittel für die geistige und moralische Umkehr der Magdalenen- Ueberarbeit und Katechismus! Wir lehnen uns grundsätzlich gegen ein Er ziehungssystem aus, wie es in den vorhergehenden Zeilen zum Ausdruck kam. Selbst in dem „Rcttungshaus-Boten", dem Korrespondenz- und Erziehungsblatt für das Rettungshauswesen, wird die teilweise Ueberarbeit der Lehrer und Zöglinge der Rettungsanstalten zu gegeben: „Es ist leider," so lesen wir im Jahrgang 1892 des „Rcttungshaus-Boten", „eine beklagenswerte Tatsache, daß an manchen Rettungsanstalten, besonders in kleineren, deren Kinder zahl 20 nicht erreicht, der Ackerbau für Hausväter und Kinder über mäßig anstrengend wird." Die Ueberarbeit in den Rettungsanstalten war vielfach durch die ganz ungenügende wirtschaftliche Funda mentierung der Rettungshäuser bedingt. Die Gerechtigkeit verlangt, an dieser Stelle freimütig an zuerkennen, daß die von der „Inneren Mission" gegründeten An stalten wirklich zuerst etwas für die innere Aufrichtung der im= glücklichen -Geschöpfe, der Prostituierten taten, und daß diese An stalten einen nicht so ganz unbeträchtlichen Prozentsatz von Pro stituierten einem geordneten bürgerlichen Leben wieder zurück eroberten- Der Schreiber dieser Zeilen hat dank der Zuvorkommen- heit einiger leitenden Köpfe der „Inneren Mission" einen Einblick in einige hundert Berichte von Rettungsanstalten und Magdalcnen- asyle genommen, und er konnte aus diesen zahlreiche Erfolge in der Erziehungsarbeit dieser Anstalten verzeichnen. Wir wollen hier nur einige Beispiele anführen. Das evangelische Magdalenenstist für die Provinz Schlesien in Lissa erzog nach ihrem Geschäftsbericht für das Jahr 1890 im Laufe der Fahre etwa 537 Mädchen. Von