8 113 - auch in der Schneiderftubc, wo die blauen Uniformen und die Schuten, deren Material aus England kommt, angefertigt werden. Die Erhaltung des Hauses und das Kochen wird von einigen Mädchen besorgt. Um für müßige und ungeschickte Finger stets eine Arbeit aus Lager zu haben, wird die Herstellung eines neuen patentierten Fleckenreinigers aus Hülsen und Woll-Läppchen für eine Fabrik be trieben. Tausend Stücke bringen 7,5g Mark. Auch einige kleine Kinder bis zu vier Jahren sind in dem Heim in Pflege, allgemeine Lieblinge, die frohes Leben in das Bild bringen. . . . Die meisten der Schützlinge werden in Dienststellen untergebracht, für die stets Vakanzen vorliegen, ein Beweis, daß man die Mädchen, nach ihrem Aufenthalt im Heim als zuverlässig schätzt." Die Heilsarmee kann aber keine vielseitigen Menschen, sondern nur einseitige religiöse Fanatiker erziehen. Tausende von hilfesuchenden Händen unglücklicher großjähriger Dirnen greifen heute in die leere Luft, weil weder Staat noch Ge meinde ihnen die Rettungshand bietet. Den Pastor Jsermeher, den Leiter der Korrektionsanstalt zu Himmelstür, flehte einst eine ehemalige Dirne mit verzweifelten Gebcrden au: „Helfen Sie mir, Herr Pastor, daß ich nicht wieder nach Hause komme." — „Wie? Du willst nicht nach Hause?" fragte ich, „nicht nach Deinen Eltern?" — „Nein, nein! "— „Weshalb denn nicht?" — „Dann muß ich wieder unter die Kontrolle gehen; deshalb lassen Sie mich hier, Herr Pastor!" - - Ich staunte, da ich so etwas zum ersten Male hörte! Ich fragte meine Freunde, sic schüttelten den Kopf und wußten keinen Rat; ja, sie meinten zum Teil: Es hilft doch nichts, was man auch mit diesen Personen aufstellen mag, dies Volk hat Nomadenblut in seinen Adern, das ivill doch wieder hinaus auf die Straße und von der Straße zurück insGefängnis. Und in schlaflosen Nächten tauchte dem Pastor Jsermeher der Ge danke der Begründung von Arbeiterinnenkolonien auf: „Baue, !vie cs Arbeiterkolonien für Männer gibt, so eine Arbeiterinnen- kolonic für die unglücklichen heimatlosen Weiber. So ging das Be dürfnis nach einem Asyl einerseits hervor aus der Art der entlassenen Gefangenen." Pastor Jsermeher schuf das erste „Arbeiterinnen- Ashl". Das Arbeiterinnen-Ashl Jsermeyers ist als ein „Haus" und nicht als eine „Anstalt" gedacht. „Es müssen so viel als möglich Familien eingerichtet werden, es muß überall behaglich sein, es muß Gemütlichkeit herrschen — Arbeit -— ja, aber auch Humor muß im Hause herrschen. Denn ohne Humor hält es kein Mensch aus; den armen Mädchen aber, die sich ausgestoßen fühlen aus dem Kreise ihrer Mitmenschen, ist es Bedürfnis, daß sie Freundlichkeit erfahren." (Jsermeher.). Pastor Jsermeher will Sonnenschein und Lebensfreude in seine Arbeiterinnenkolonie Himmelstür hineinbringen. „Nun aber kann," so bemerkt er treffend, „Humor und Lebensfreude da nicht auf-