116 In Frankfurt «. M. standen nach der Frankfurter Festschrift zum ersten Kongreß der „Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung de'r Geschlechtskrankheiten" im Jahre 1802 288 Dirnen unter sitten polizeilicher Aufsicht. Es waren 18 Mädchen --- 6,3 Pcoz. schon anderswo kontroll. Dirnen gewesen 87 „ ----- 30,1 „ Dienstmädchen vor der Kontrolle 63 „ = 21,8 „ Kellnerinnen 22 „ ----- 7,6 „ Näherinnen 13 ----- 4,5 „ Schneiderinnen „ „ 11 = 3,7 „ Wäscherinnen bezw. Büglerinnen 36 = 13,7 „ Arbeiterinnen bezw. Taglöhnerinnen 5 „ ----- 1,7 „ Monatsmädchen, Aufwärterinnen 11 ----- 3,7 . „ Ehefrauen ohne besonderen Beruf 8 -- 2.8 „ Verkäuferinnen 9 — 3,1 , Varia 5 = 1,7 „ Gewerbelos Also über, 30 Proz. der Kontrollniädchen sind Dienstmädchen gewesen. Unter den Kellnerinnen, Näherinnen, Arbeiterinnen, Monatsmädchen dürften große Prozentsätze ehemaliger Dienst mädchen stecken. Die Dienstmädchen, das haben die Untersuchungen der Frau Rcgierungsrat Marquardt über die früheren Berufe der Berliner Prostituierten ergeben, suchen sich zuerst in anderen Bc- rufsarten zu betätigen, bevor sie die schlüpfrige Bahn der Prosti tution betreten. Welche ökonomischen und sozialen Verhältnisse machen nun die Ohren der Dienstmädchen so geneigt für die. Lockrufe der Frau ' Marthe Schwerdtlein? In der Stadt wirkt, wie wir sehen, die. Nähe der Welt des bürgerlichen Reichtums schon verhängnisvoll auf die schlecht gestellten i Schichten des weiblichen Proletariats ein. In der modernen Groß- > stadtwohnung haust und lebt nun das Dienstmädchen gleichsam unter ! derselben Zimmerdecke mit den ihr sonst völlig fremden Angehörigen der besitzenden Klassen. In diesen besitzenden Klassen kommt viel fach der dienenden Klasse gegenüber gar nicht das Gefühl der Gleich berechtigung auf. Welcher Abgrund klafft zwischen der feinen geistigen Bildung der oberen Klassen und der allerdürftigsten Volks schulbildung des dienenden Landinädchens? Eine andere Spezies Mensch scheinen diese „dummen Bauerntrinen" zu sein! Man darf sich gegenüber diesen derben Mädchen vom Lande, die ja ganze andere Sittlichkeitsvorstellungen besitzen, völlig ungeniert betragen. Ein Kuß, ein dreister Griff nun, diese Mädchen sind ja keine höheren Töchter I Die Dienstmädchen, die sich fern vom Lande an eine groß städtische Herrschaft vermietet haben, entbehren des starken Rück- ! Halts, den ihnen eine unaufgelöste Familie durchweg gewährt. Sic leben nicht inehr ausschließlich mit ihren Klassengenossen und