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        <title>U.S. Amerikas Schiffbau in Frieden und Krieg</title>
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            <forname>Walter</forname>
            <surname>Laas</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
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            <idno>1040326706</idno>
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        U.  S.  AMERIKAS
SCHIFFBAU
IN  FRIEDEN  UND  KRIEG

PROFESSOR  W.,LA  AS-BERLIN

V  HERAUSGEGEBEN
VOM  INSTITUT  FÜR  MEERESKUNDE  AN  DER  UNIVERSITÄT  BERLIN

BERLIN  1918  /  ERNST  SIEGFRIED  MITTLER  UND  SOHN
KÖNIGLICHE  HOFBUCHHANDLUNG  /  KOCHSTR.  68—71

PREIS  60  PFENNIG

12.  JAHRGANG,  6.  HEFT
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        MEERESKUNDE
SAMMLUNG  VOLKSTÜMLICHER  VORTRÄGE
Bisher  erschienen  folgende  Hefte:
*Das  Museum  für  Meereskunde.  Von  Prof.  Dr.  A.  Penck.
, : Die  Meeresräume,  ihre  Wasserfüllung  und  ihre  Küsten.
^'Flaschenposten  und  treibende  Wracks.  Von  Prof.  Dr.  0.  Krümmel.
*Das  Eis  des  Meeres.  Von  Dr.  L.  Mecking.
! Die  Küste  der  englischen  Riviera.  Von  H.  Spethmann.
*Ünsere  Kalisalzlager  ein  Geschenk  des  Meeres.  Von  W.  Stahlberg.
*Der  Deichschutz  an  Deutschlands  Küsten.  Von  Dr.  W.  Behrmann.
*Der  Golfstrom.  Von  Dr.  Ludwig  Mecking.
*Meer  und  Küste  von  Rügen  bis  Alsen.  Von  H.  Spethmann.
Tier-  und  Pflanzenwelt  des  Meeres.
*Über  marine  Sedimente  und  ihre  Benutzung  zur  Zeitbestimmung.
Von  Dr.  G.  Braun.
*Die  Meeressäugetiere.  Ihre  Stammesgeschichte.  Von  Prof.  0.  Ab  e  1.
*Die  westindischen  Korallenriffe.  Von  Dr.  R.  Hartmeyer.
*Das  Reich  des  Todes  im  Meer.  Von  Walter  Stahlberg.
*Tierische  Wanderungen  im  Meere.  Von  Prof.  R.  Woltereck.
*Die  Scholle,  ein  Nutzfisch  der  deutschen  Meere.  Von  Dr.  V.  Franz.
*Gefiederte  Bewohner  des  Meeres.  Von  Dr.  K.  Wenke.
*Das  schwimmende  Leben  der  Hochsee.  Von  Dr.  G.  H.  Fowler.
^Tierisches  Licht  in  der  Tiefsee.  •  V&amp;lt;m  Prof.  Dr.  E.  Mangold.
*Neue  Forschungen  über  die  Biologie  der  Tiefsee.  Von  Professor
Dr.  F.  Doflein.
Die  zoologische  Station  in  Neapel.  V  on  Prof.  Dr.Arminv.  Tschermak.
Wehr  und  Schutz  der  Meerestiere.  Von  Dr.  L.  Glaesner,
Geschichte,  Seekriegsgeschichte,  Lebenserinnerungen.
Die  deutsche  Handelsmarine  im  19.  Jahrhundert.  Von  Dr.  W.  Vogel.
*Die  Anfänge  der  Nordpolarforschung.  Von  Dr.  P.  Dinse.
*Zeitalter  der  Entdeckungen.  Von  S.  Günther.
*Der  Seeraub.  Eine  geographisch-historische  Skizze.  Von  Dr.  P.  Dinse.
*Die  Kontinentalsperre.  Von  Rob.  Hoeniger.
^Nordische  Seefahrten  im  früheren  Mittelalter.  Von  Dr.  W.  Vogel.
*'Die  Abschaffung  des  britischen  Sklavenhandels  im  Jahre  1806/07.
Von  Dr.  Franz  Hochstetter.
*Die  Fahrten  eines  deutschen  Seemanns  um  die  Mitte  des  19.  Jahrhunderts. ­
  Aufzeichnungen  des  Segelschiff-Kapitäns  G,  W.  Kroß.
*Die  Schiffahrt  auf  den  Karolinen  und  Marshallinseln.  Von  Dr.
P.  Hambruch.
*Die  Namen  der  Schiffe,  Von  Dr.  W.  Vogel.
*Ein  Ausflug  nach  Sansego  in  der  Adria.  Von  Dr.  L.  Glaesner.
^'Deutschlands  Lage  z.Meere  im  Wandel  der  Zeiten.  Von  Dr.  W.  Vogel.
*Handelswege  im  Ostseegebiet  in  alter  u.  neuer  Zeit.  Von  Chr.  Reut  er.
*Ostseehandel  und  Landwirtschaft.  Von  Chr.  Reuter.
Die  Nautik  im  Altertum.  Von  Dr.  Aug.  Köster.
Das  Seekriegsrecht  im  jetzigen  Kriege.  Von  Johannes  Neuberg.
Die  südeuropäischen  Staaten  und  unser  Krieg.  Von  Prof.  Dr.
Alfred  Merz.
Englands  Willkür  und  bisherige  Allmacht  zur  See.  Von  Vizeadmiral ­
  z.  D.  Hermann  Kirchhoff.
*  Preis  50  Pf.,  die  übrigen  Hefte  kosten  60  Pf.
        <pb n="3" />
        MEERESKUNDE

SAMMLUNG  VOLKSTÜMLICHER  VO
ZUM  VERSTÄNDNIS  DER  NATIONALEN  BEDEUTUNG
MEER  UND  SEEWESEN
ZWÖLFTER  JAHRGANG  S

U.  S.  Amerikas  Schiffbau  in  Frieden  und
Von  Professor  W.  Laas-Berlin.  '
ßt.  i  ^  A  n  ,
m  englischen  Unterhaus  hat  Mitte  Januar  1918

ein  konservativer  Abgeordneter  bei  der  Besprechung ­
  der  neuen  Rekrutierungsvorlage
seine  Gegnerschaft  gegen  die  weiteren  Aushebungen
aus  der  Industrie  damit  begründet,  daß  der  Krieg  durch
den  Schiffbau  entschieden  würde.  Mit  der  vorliegenden
Untersuchung,  wie  weit  diese  Hoffnung  berechtigt  ist,
kann  zweierlei  erreicht  werden:  geht  der  Krieg  weiter,
so  gewinnen  wir  ein  Urteil  über  die  Bedeutung  dieses
Kriegsmittels,  kommen  wir  aber  bald  zu  allgemeinen
Friedensverhandlungen  —  und  ich  glaube,  daß  Amerika
allmählich  zu  denselben  Ergebnissen  kommen  muß,  wie
die  heutige  Untersuchung  —,  so  könnte  die  Kritik  der
Möglichkeiten  des  Schiffbaues  in  U.  S.  Amerika  unseren
Vertretern  ein  Hilfsmittel  sein,  um  etwaigen  Drohungen
auf  erneuten  Beginn  der  Feindseligkeiten  wirksam  entgegenzutreten, ­
  unsere  Stellung  bei  den  Verhandlungen
zu  stärken  und  Grundlagen  für  bestimmte  Forderungen
zu  geben.
Den  Verlust  an  Frachtraum  durch  die  U-Boote  kann
England  nicht  ausgleichen;  Frankreich  und  Italien
kommen  kaum  in  Frage,  noch  weniger  die  anderen

J  Der  Vortrag  ist  am  12.  Februar  1918  gehalten  worden.  Auf
diesen  Zeitpunkt  beziehen  sich  alle  Angaben  und  Meinungen.
Meereskunde,  Vorträge.  XII.  Heft  6.  I
        <pb n="4" />
        2

Meereskunde.

kleinen  feindlichen  oder  neutralen  Seemächte;  die  Hoffnung ­
  ruht  in  U.  S.  Amerikas  Schiffbau.
Zur  Beurteilung  dieser  Hoffnungen  müssen  zunächst ­
  die  natürlichen  Grundlagen  und  die  Geschichte
des  Schiffbaues  in  U.  S.  Amerika  kurz  behandelt  werden.
Wir  sind  dabei  in  der  selten  angenehmen  Lage,  bei
einem  Rückblick  nicht  auf  die  ältesten  Zeiten,  auch
nicht  bis  ins  Mittelalter  zurückgehen  zu  müssen,  sondern
wir  können  ein  ausreichend  klares  Bild  schon  aus  der
neueren  Geschichte  dieser  neuesten  Großmacht  gewinnen. ­
  Es  wird  daher  nicht  zu  vermeiden  sein,  daß  an
bekannte  Einzelheiten  erinnert  werden  muß,  um  ein
einigermaßen  vollständiges  Bild  der  Vergangenheit  zu
geben,  aus  dem  Schlüsse  für  die  Gegenwart  und  Zukunft
gezogen  werden  können.
I.  Zustand  vor  dem  Krieg.
Geographische  Lage  und  Gestalt  U.  S.  Amerikas
weisen  klar  auf  Schiffahrt  und  Schiffbau.  Die  Weltkarte, ­
  oder  besser  ein  Globus,  zeigt,  daß  bei  den
heutigen  Hilfsmitteln  des  Weltverkehrs  kein  Großstaat
so  kulturzentral  liegt,  wie  U.  S.  Amerika,  wenn  wir
dieses  als  ein  einheitliches  Wirtschaftsgebiet  von  großen,
gleichmäßigen  Auslandsinteressen  ansehen  könnten:
nach  jeder  Seite  führt  ein  großes  Meer  zu  den  älteren
Kulturwelten  und  stellt  auf  dem  kürzesten  Wege  die
Verbindung  her  mit  den  anderen  Erdteilen,  mit  Südamerika, ­
  Afrika  und  Australien.  Zu  dieser  glücklichen
Lage  kommt  noch  die  günstige  Form,  welche  nach  allen
Seiten  natürliche  Bedingungen  gibt  für  eine  Betätigung
auf  dem  Wasser;  im  Osten  liegt  eine  Reihe  tief  eingeschnittener ­
  Buchten  mit  guten  Häfen  an  schiffbaren
Flüssen;  im  Westen  wenige,  aber  hervorragend  günstige
Häfen;  im  Süden  ermöglicht  das  Riesenstromgebiet  des
        <pb n="5" />
        U.  S.  Amerikas  Schiffbau  in  Frieden  und  Krieg,

3

1*

Mississippi  mit  einer  großen  Zahl  weit  hinauf  schiffbarer
Nebenflüsse  ein  gutes  Eindringen  tief  in  das  Land;  im
Norden,  an  der  Grenze  von  Kanada,  schaffen  die  großen
Seen  mitten  in  einem  Gebiet  voll  reicher  Bodenschätze
eine  vorzügliche  Wasserverbindung  nach  allen  Seiten,
Auch  die  geschichtliche  Entwicklung  ist  eng  verbunden ­
  mit  dem  Wasser.  Die  Entdeckung  geschieht  zur
See,  die  ersten  Siedlungen  im  Osten  sind  Hafenplätze;
die  Kolonisation  dringt  zwar  allmählich  auch  auf  dem
Landwege  in  das  Innere,  aber  das  erschlossene  Land
bleibt  zunächst  abhängig  von  der  Zufuhr  aller  Gebrauchsartikel ­
  über  den  Atlantischen;  und  noch  in  der
Jetztzeit  fließt  die  wichtigste  Einfuhr  aus  Europa,  die
Einwanderung,  auf  diesem  Wege;  der  innere  Aufschluß
des  Landes  folgt  bis  zu  den  Zeiten  der  Eisenbahnen  in
erster  Linie  den  Wasserwegen,  und  schon  früh  finden
wir  Kolonisten  auf  den  Flüssen  und  an  den  großen  Seen
Vordringen,  als  ringsherum  das  Land  noch  unerschlossen
war;  nach  der  Erwerbung  Kaliforniens  von  Mexiko  in
der  Mitte  des  vorigen  Jahrhunderts,  war  auch  dieses
Neuland  nur  zugänglich  zur  See,  und  zwar  auf  dem
Wege  um  das  Kap  Hoorn  herum.  In  dem  Gebiete  des
heutigen  U,  S.  Amerika  mußten  daher  frühzeitig  Schifffahrt ­
  und  Schiffbau  zur  Geltung  kommen,
Statistik.  Die  U.  S.  Amerikanische  Statistik
der  Handelsflotte  (s.  Abbildung  1)  zeigt  im  ganzen  ein
äußerlich  glänzendes  Bild  dauernder  Steigerung,  sie
zeigt  gleichzeitig  in  großen  Zügen  die  Entwicklung  des
Schiffbaues.
Bis  zum  Jahre  1823  sind  nur  Segelschiffe  statistisch
erfaßt,  dann  erscheinen  die  ersten  Dampfer  unter  den
enrolled  vessels,  1830  die  ersten  Dampfer  unter  den
registered  vessels;  aber  erst  im  Jahre  1894  überwiegen
die  Dampfer  bei  den  enrolled  vessels,  und  erst  1902
        <pb n="6" />
        4

Meereskunde.

Die  Schiffahrtsstatistik  von  U.  S.  Amerika  beginnt  mit  der  Verfassung  i.  J.  1789
und  ist  seit  1884  enthalten  im  Annual  Report  of  the  Commissioner  of  Navigation.
Registered  vessels  sind  alle  Schiffe  des  Übersee-Verkehrs  mit  dem  Ausland  und
des  Walfangs.
Enrolled  vessels  sind  die  in  der  Küstenschiffahrt  und  der  übrigen  Fischerei  beschäftigten ­
  Schiffe  von  über  20  Brutto-Register-Tonnen  (als  Küstenschiffahrt  gilt  jede  Fahrt
zwischen  den  Häfen  der  Ver.  St.  oder  zwischen  diesen  und  seinen  Kolonien),  ferner  die
über  20  Brutto-Register-Tonnen  großen  Schiffe  auf  den  großen  Binnenseen  (great  lakes)
und  auf  den  Flüssen.
Licensed  vessels  sind  die  übrigen  Binnenschiffe  von  5  bis  20  Brutto-Register-Tonnen.
Die  Kurven  zeigen  den  Niedergang  des  Bestandes  an  Übersee-Schiffen  seit  dem
Bürgerkrieg  und  eine  dauernde  starke  Vermehrung  der  Schiffe  in  der  Küstenfahrt,  auf
den  Flüssen  und  auf  den  großen  Seen.
        <pb n="7" />
        U.  S.  Amerikas  Schiffbau  in  Frieden  und  Krieg.

5

nehmen  sie  unter  den  Auslandsschiffen  den  größeren
Raum  ein.
Besonders  auffallend  ist  die  ungleichmäßige  Entwicklung ­
  der  Schiffe  im  Auslandsverkehr  (registered
vessels);  während  sie  anfangs  dauernd  zunehmen  und
1860  ihren  Höhepunkt  mit  2,6  Millionen  Brutto-Register-Tonnen
  erreichen,  werden  sie  dann  mit  kleinen
Schwankungen  dauernd  weniger,  bis  sie  im  Jahre  1898
auf  %  Millionen  Tonnen  gefallen  sind;  dann  erholen  sie
sich  langsam  und  erreichen  in  neuester  Zeit  wieder  eine
Million  Tonnen.  Die  enrolled  vessels  dagegen  nehmen
dauernd  kräftig  zu  und  sind  heute  auf  beinahe  7  Millionen ­
  Tonnen  angewachsen,  von  denen  die  Schiffe  auf
den  großen  Seen  (Segler,  Dampfer  und  Kanalboote)  fast
die  Hälfte,  mit  3  Millionen  Tonnen,  einnehmen,  also
dreimal  soviel  Raumgehalt  besitzen  wie  die  gesamte
Auslandsflotte.  Zum  Vergleich  dienen  die  Abbildungen  2
und  3,  welche  nach  Bureau  Veritas  und  Lloyds
Register  den  Bestand  an  Seeschiffen  und  die  Neubauten ­
  in  Amerika,  Deutschland,  England  und  der  Welt
vom  Jahre  1890  an  enthalten.  Die  Zahlen  dieser  Abbildungen ­
  über  U.  S.  Amerika  sind  mit  denen  der  Abbildung ­
  1  nicht  unmittelbar  zu  vergleichen,  da  die  Grundlagen ­
  der  Statistik  verschieden  sind.
Als  das  erste  wichtige  Ergebnis  kann  hiernach  festgestellt ­
  werden,  daß  der  Anteil  U.  S.  Amerikas  am
Überseeverkehr  mit  fremden  Ländern  vor  dem  Kriege
verhältnismäßig  gering  gewesen  ist;  er  umfaßte  nur  etwa
ein  Zwanzigstel  des  Tonnengehalts  der  britischen  Handelsflotte ­
  und  ein  Fünftel  der  deutschen  Handelsflotte.
Die  Stärke  der  nordamerikanischen  Schiffahrt  liegt  nicht
im  Auslandsverkehr,  sondern  im  Inlandsverkehr
(Küstenfahrt,  Flußfahrt  und  Fischerei),  wobei  als
Küstenfahrt  jeder  Verkehr  zwischen  zwei  nordameri-
        <pb n="8" />
        6

Meereskunde.

Bureau  Veritas  umfaßt  in  der  seit  1873  jährlich  erscheinenden  Statistik  alle  Handelsflotten ­
  in  Brutto-Register-Tonnen,  und  zwar  seit  1890  die  seegehenden  Dampfer  von
über'JjlOO  Netto-Register-Tonnen  und  die  seegehenden  Segler  von  über  50  Netto-Register-Tonnen.
  Die  Schiffe  auf  den  amerikanischen  Binnenseen  sind  mitgerechnet;  die
Kurven  sind  daher  beim  Vergleich  mit  den  anderen  Ländern  irreführend  (s,  Bild  lj,  Bemerkenswert ­
  ist  die  große  Zahl  der  Segler  in  U.  S.  Amerika.
kanischen  Häfen  gilt,  also  auch  z.  B.  zwischen  New  York
und  St,  Franzisko,  oder  neuerdings  nach  den  Kolonien,
nach  Hawaii  und  den  Philippinen.  Eines  der  ersten

*
*
        <pb n="9" />
        U.  S.  Amerikas  Schiffbau  in  Frieden  and  Krieg.  7

Abbild.  3.  Entwicklung  des  Weltschiffbaues  seit  1890.
Die  seit  1890/91  jährlich  erscheinende  internationale  Statistik  von  Lloyds  Register
enthält  alle  seegehenden  Dampfer  von  100  Brutto-Register-Tonnen  und  darüber  und  die
seagehenden  Segler  von  100  Netto-Register-Tonnen  und  darüber;  für  die  U.  S.  Amerika
werden  die  Neubauten  an  den  großen  Seen  mitgerechnet.
Die  gestrichelten  Kurven  seit  1913  entstammen  Fachzeitschriften;  sie  geben  noch
keine  endgültigen  Zahlen.
Gesetze,  die  der  erste  Kongreß  unter  dem  ersten  Präsidenten ­
  George  Washington  nach  dem  Vorbild  der  englischen ­
  Navigationsakte  von  1651  erließ,  war  der  Akt  vom
20.  Juli  1789,  welcher  ausländische  Schiffe  in  der  Küstenfahrt ­
  mit  hohen  Abgaben  belegte,  und  schließlich  wurden
        <pb n="10" />
        8

Meereskunde.

im  Jahre  1817  ausländische  Schiffe  durch  Gesetz  von  der
Küstenfahrt  ganz  ausgeschlossen.  Neuerdings  wurde
von  den  amerikanischen  Schiffen  in  der  Küstenfahrt
auch  verlangt,  daß  sie  im  Inland  gebaut  werden.
Handelsschiffbau.  Wenn  wir  ins  einzelne
gehen,  so  finden  wir  hauptsächlich  in  den  Schiffen  für
die  Küstenfahrt  und  Binnenfahrt  nicht  nur  bemerkenswerte, ­
  sondern  eigenartige  Erscheinungen.  Frühzeitig
hat  sich  der  Flußschiffbau  ausgebildet;  das  erste
Dampfschiff  hat  auf  dem  Hudson  gefahren 1 );  es  war  im
Jahre  1807  der  berühmte  „Clermont“,  dessen  Erbauer
Fulton  im  Jahre  1803  in  Paris  vergeblich  versucht  hatte,
Napoleon  für  seine  Pläne  zu  gewinnen.  Auch  heute
noch  sind  im  Flußverkehr  Schiffe  von  einer  Größe  und
Eigenart  beschäftigt,  wie  sonst  nirgends  auf  der  Erde.
Mit  der  Ausbreitung  der  östlichen  Staaten  wuchs  der
Küstenverkehr.  Entsprechend  den  regelmäßigen
Windverhältnissen  an  der  Ostküste  (die  Winde  wehen
dort  meist  senkrecht  zu  und  von  der  Küste)  haben  sich
seit  Beginn  des  18.  Jahrhunderts  Schiffe  mit  hierfür  besonders ­
  geeigneter  Takelung  zu  eigenartiger  Blüte  entwickelt, ­
  die  Schoner,  welche  neuerdings  mit  vier,  fünf
und  sechs  Masten  in  bis  dahin  ungeahnten  Größen  gebaut ­
  wurden 2 ).  Die  Mehrzahl  dieser  Schoner,  auch  die
neueren  und  großen,  sind  aus  Holz  gebaut;  zur  Bedienung
der  großen  Längssegel  haben  sie  Dampfwinden  an  Deck
und  können  daher  mit  einer  Besatzung  auskommen,  die
*)  Auch  das  erste  Schiff,  das  mit  einer  Dampfmaschine  über  den
Atlantischen  fuhr,  die  „Savannah“,  war  1819  in  Nordamerika  gebaut; ­
  es  war  dies  aber  kein  Dampfer  in  heutigem  Sinne,  sondern
ein  voll  getakeltes  Segelschiff,  das  eine  Dampfhilfsmaschine  mit
Räderantrieb  erhielt,  die  nur  wenige  Stunden  während  der  dreiwöchigen ­
  Hochseefahrt  in  Gebrauch  war.  (Keble  Chatterton,
Steamships  and  their  story.  London  1910.)
2 )  W.  Laas,  Die  großen  Segelschiffe.  Berlinl908.  Julius  Springer.
        <pb n="11" />
        U.  S.  Amerikas  Schiffbau  in  Frieden  und  Krieg.

9

nur  die  Hälfte  bis  ein  Drittel  der  Besatzung  eines  Raheschiffes ­
  von  gleicher  Tragfähigkeit  beträgt.  Die  Schoner
werden  auch  in  der  Fahrt  nach  Australien  benutzt.  Im
Jahre  1902  ist  der  größte  Siebenmastschoner  („Thomas
W.  Lawson“)  von  8000  Tonnen  Tragfähigkeit  aus  Eisen
für  die  große  Überseefahrt  gebaut  worden.  Die  Fachzeitschriften ­
  waren  voll  des  Lobes  über  dieses  größte
Segelschiff  der  Erde,  das  „die  Ozeanfrachtfahrt  revolutionieren“ ­
  sollte.  Das  Schiff  ist  auf  seiner  ersten  Reise
nach  Europa  im  Jahre  1907  an  der  Südküste  Englands
gestrandet.
Die  Entdeckung  des  Goldes  in  Kalifornien  im  Jahre
1848  erforderte  einen  schnellen  Verkehr  dorthin  für  die
Auswanderer  und  deren  Bedürfnisse.  In  raschem  Entschluß ­
  und  erfolgreicher  Ausführung  wurden  für  diesen
Zweck  die  wenige  Jahre  vorher  für  die  ostasiatische
(Tee-)  Fahrt  geschaffenen  „Clipper“  in  größerer  Zahl  gebaut, ­
  berühmte  Schnellsegler,  die  anfangs  den  englischen ­
  Seglern  weit  überlegen  und  so  schnell  waren,  daß
sie  in  der  Fahrtdauer  großer  Reisen  bis  in  die  Neuzeit
auch  von  großen  Fünfmastraheschiffen  nicht  übertroffen
werden  konnten.  In  dieser  erfolgreichen  Entwicklung  ist
wieder  ein  amerikanischer  Auswuchs  zu  verzeichnen.
Es  wurde  im  Jahre  1853  die  90  m  lange  Viermastbark
„Great  Republic“  gebaut,  für  deren  Größe  damals  keine
Ladung  vorhanden  war.  Das  Schiff  war  ein  technischer
Erfolg,  aber  ein  wirtschaftlicher  Fehlschlag  und  als  Holzsegelschiff ­
  gewissermaßen  der  amerikanische  Vorläufer
des  gleichfalls  technisch  gelungenen,  aber  wirtschaftlich ­
  verfehlten  englischen  Eisenriesendampfers  „Great
Eastern“.  Nach  dem  Abflauen  des  Kalifornia-Verkehrs
fanden  die  Klipper  gute  Beschäftigung  während  des
Krimkrieges  1853  bis  1856,  da  England  und  Frankreich
mehrere  derselben,  u.  a.  auch  die  ,„Great  Republic“,
Meereskunde,  Vorträge.  XII.  Heft  6.  2
        <pb n="12" />
        10

Meereskunde.

charterten  und  ihre  Schiffe  zum  großen  Teil  aus  dem
Handel  zurückziehen  mußten.  Die  Folge  davon  war,  daß
im  Jahre  1855  der  Höhepunkt  des  U.  S.  Amerikanischen
Schiffbaues  mit  fast  600  000  Tonnen  erreicht  wurde,  d.  i.
das  Mehrfache  der  damaligen  britischen  Erzeugung,  die
erst  in  den  60er  Jahren  des  vorigen  Jahrhunderts  größer
wurde  als  die  nordamerikanische,  als  England  für  den
Bau  der  Eisen-Dampfschiffe  durch  seine  Eisen-  und
Maschinenindustrie  U,  S.  Amerika  weit  überlegen  war.
In  neuerer  Zeit  haben  mit  dem  Überseeverkehr  die
Raheschiffe  in  U.  S,  Amerika  erheblich  abgenommen,  da
für  den  Küstenverkehr  die  Schoner  besser  sind.
Auch  in  der  großen  Fischerei  haben  die  Amerikaner ­
  die  günstigen  natürlichen  Bedingungen,  insbesondere ­
  bei  den  Neufundlandsbänken  und  in  Alaska,  gut
ausgenützt.  Frühzeitig  ist  dort  der  Hilfsmotor  zur  Verwendung ­
  gekommen,  der  jetzt  auf  Tausenden  von
Booten  gute  Dienste  leistet.
Das  fünfte  und  letzte  Gebiet  eigenartiger  Entwicklung ­
  des  Schiffbaues  bilden  die  großen  Binnenseen. ­
  In  diesem  in  sich  abgeschlossenen  großen  Wirtschaftsgebiet ­
  sind  besondere  Formen  in  den  Schiffstypen ­
  und  in  den  Werfteinrichtungen  zur  Herstellung
der  Schiffe  entstanden.  An  keiner  Stelle  des  Seeverkehrs
der  Erde  gibt  es  ein  so  vollkommenes  Zusammenstimmen
von  Eisenbahnen,  Hafenanlagen  und  Schiffen.  Da  es  sich
hauptsächlich  um  Massengüter  handelt,  ostwärts  Erz  und
Getreide,  westwärts  Kohle,  so  werden  die  Schiffe  vom
Lande  aus  beladen  und  gelöscht  und  können  selbst  alle
Einrichtungen  zum  Laden  und  Löschen  entbehren.
Das  Streben  nach  äußerster  Vereinfachung  und
Verbilligung  führte  in  den  80er  Jahren  des  vorigen
Jahrhunderts  zur  Konstruktion  der  Walrückendampfer
(Whalebacksteamer),  deren  Vorzüge  in  billigem  Bau,
        <pb n="13" />
        U.  S.  Amerikas  Schiffbau  in  Frieden  und  Krieg.

11

guter  Seefälligkeit  und  geringen  Betriebskosten  bestehen ­
  sollten.  Auch  hiermit  gedachten  die  Amerikaner
die  europäische  Seeschiffahrt  auf  den  richtigen  Weg  zu
bringen.  Im  Jahre  1891  kam  ein  solches  Schiff  über  den
Ozean  nach  Liverpool  (allerdings  in  der  besten  Jahreszeit ­
  und  nicht  so  tief  beladen,  wie  es  auf  den  großen
Seen  fuhr)  und  erregte  dort  großes  Aufsehen,  welches
zu  eingehenden  Erörterungen  darüber  führte,  ob  derartige ­
  Schiffe  allgemein  für  die  Ozeanfahrt  eine  Verbesserung ­
  bedeuten.  Aus  diesen  Überlegungen  ist  der
Typ  der  Turmdeckdampfer  entstanden,  die  jahrelang  für
Massengüter  recht  beliebt  gewesen  und  in  mehreren
hundert  Stück  gebaut  worden  sind.  Einen  entscheidenden ­
  Einfluß  hat  die  Anregung  der  U.  S.  Amerikaner  aber
nicht  gehabt;  die  Verhältnisse  an  den  großen  Seen
sind  doch  zu  verschieden  von  denen  der  Weltschiffahrt,
als  daß  eine  Schiffsform  von  jener  Stelle  auf  eine  andere
ohne  weiteres  übertragen  werden  könnte.
Dagegen  muß  den  Werften  an  den  Binnenseen  uneingeschränkt ­
  das  Verdienst  zugesprochen  werden,  im
Werftbetriebe  Anregung  zu  wesentlichen  Verbesserungen ­
  geschaffen  zu  haben.  In  Anlehnung  an  den  Bau
von  großen  Eisenkonstruktionen  hat  sich  dort  Ende  des
vorigen  Jahrhunderts  ein  Bauverfahren  entwickelt,  das
fast  ganz  unabhängig  von  den  damals  im  Seeschiffbau
nach  Englands  Vorbild  üblichen  Methoden  eigene  Wege
ging.  Abgesehen  davon,  daß  dort  allgemein  der  Querablauf ­
  bevorzugt  wird  (das  hat  seinen  Grund  in  der  geringen ­
  Längsfestigkeit  der  langen,  niedrigen  Schiffe),
mußten  die  dortigen  Werften  sich  den  Arbeiterverhältnissen ­
  anpassen.  Es  gab  dort  wenig  Menschen,  hauptsächlich ­
  ungelernte  Ausländer  mit  hohen  Löhnen.  Um
Löhne  zu  ersparen  und  ungelernte  Menschen  zu  verwenden, ­
  entstand  das  vom  Brückenbau  entnommene
2'
        <pb n="14" />
        12

Meereskunde.

Arbeiten  nach  Holzmallen 1 ),  d.  h.  Schnittmustern  aus
dünnem  Holz  für  die  Platten  und  Winkelarbeiten  des
Schiffskörpers,  ferner  die  ausgiebige  Verwendung  pneumatischer ­
  Werkzeuge  und  die  Verwendung  von  großen  &amp;gt;
Krananlagen  zum  Transport  der  Platten  und  Winkel ­
 2 ).  In  neuerer  Zeit  sind  dort  mit  solchen  Mitteln
Schiffe  bis  zu  200  m  Länge  und  20  000  Tonnen  Tragfähigkeit ­
  gebaut  worden.  Als  dann  nach  dem  Spanischen ­
  Kriege  Ende  des  vorigen  Jahrhunderts  die
Schiffbauindustrie  in  U.  S.  Amerika  im  ganzen  einen
großen  Aufschwung  nahm,  wurden  auch  an  der  Ostküste ­
  die  Methoden  der  großen  Seen  mit  Erfolg  eingeführt, ­
  und  in  den  ersten  Jahren  dieses  Jahrhunderts  war
U.  S.  Amerika  das  Land,  wohin  die  Schiffbauer  Europas
wanderten,  um  die  neuen  Methoden  kennen  zu  lernen.
Auch  das  deutsche  Reichs-Marine-Amt  hat  eine  Studienkommission ­
  dorthin  entsandt 3 ).  Deutschland  hat  viel
von  U.  S.  Amerika  übernommen,  insbesondere  die  aus-  *
gedehnte  Anwendung  der  Luftdruckwerkzeuge  und  die
Hellingkrananlagen.  England  verhielt  sich  in  dem  Stolz
des  alten  Schiffbaulandes  und  infolge  des  Widerstrebens
seiner  Gewerkschaften  zurückhaltender  gegen  beides;
vielleicht  bedauert  die  Schiffbauindustrie  Großbritanniens ­
  es  jetzt  im  Kriege,  daß  sie  die  amerikanischen
menschensparenden  Neuerungen  im  Schiffbau  nicht  in
größerem  Umfange  angenommen  hat.
Kriegsschiffbau.  Zu  dem  Bilde  des  Handelsschiffbaues ­
  mögen  zur  Ergänzung  noch  ein  paar  Züge
aus  der  Kriegsschiffsgeschichte  hinzukommen.  Abge-*)
  Lake  Ship  Yard  methods  of  Steel  Ship  Construction  by
Robert  Curr.  Cleveland.  The  Marine  Review  1907.
2 )  Hellingkrananlagen  von  Prof.  W.  Laas.  Zeitschrift  des
Vereins  deutscher  Ingenieure.  Berlin  1908.
3 )  Der  amerikanische  Schiffbau  im  letzten  Jahrzehnt.  Von
Tj.  Schwarz  im  Jahrbuch  der  Schiffbautechnischen  Gesellschaft.  1902.
        <pb n="15" />
        U.  S.  Amerikas  Schiffbau  in  Frieden  und  Krieg.

13

sehen  von  den  Landkämpfen  gegen  die  Indianer  und
gegen  Texas,  hat  U.  S.  Amerika  vier  größere  Kriege  geführt, ­
  in  denen  die  Kriegsflotte  eine  mehr  oder  weniger
große  Bedeutung  gewonnen  hat.
Im  Unabhängigkeitskriege  ist  1775  ein  erster  Vorläufer ­
  der  U-Boote  gegen  ein  englisches  Blockadeschiff
vor  New  York  in  Fahrt  gesetzt  worden,  allerdings  ohne
Erfolg.
Im  Kriege  gegen  England,  1812  bis  1814,  sandte
U.  S.  Amerika  ein  Fregattengeschwader  nach  Europa,
das  der  englischen  Flotte  in  verschiedenen  Gefechten
im  Kanal  empfindliche  Verluste  beibrachte.  Ganz  allgemein ­
  waren  die  amerikanischen  Segler  anfangs  des
vorigen  Jahrhunderts  den  englischen  überlegen.
Der  Bürgerkrieg  1861  bis  1865  brachte  nach  der
einen  Seite  eine  schwere  Schädigung  der  U.S.  Amerikanischen ­
  Handelflotte,  deren  Teile  sich  gegenseitig  durch
Kaperung  vernichteten  (teilweise  unter  Mithilfe  der  Engländer, ­
  Alabamafall),  auf  der  andern  Seite  aber  zwei
bemerkenswerte  Erscheinungen  im  Kriegsschiffbau:  zunächst ­
  einen  neuen  Versuch  mit  einem  Unterseeboot;
diesmal  gelang  es  den  Südstaaten,  eine  im  Hafen  vor
Charleston  vor  Anker  liegende  Unionssloop  durch  Angriff ­
  des  mit  einem  Spieren-Torpedo  ausgerüsteten  und
durch  Menschen  bewegten  U-Bootes  zum  Sinken  zu
bringen;  allerdings  ging  das  U-Boot  selbst  dabei  mit
allen  Mann  verloren.  Ferner  stammt  aus  dem  Bürgerkrieg
die  Erfindung  des  Monitors,  einer  schwimmenden  Panzerbatterie, ­
  dessen  Kampf  mit  dem  gepanzerten  Südstaatenschiff ­
  „Merrimac“  vor  Hamptons  Roads  1862  berühmt
geworden  ist  und  zur  allgemeinen  Einführung  der
Panzerschiffe  an  Stelle  der  hölzernen  Liniensegelschiffe
geführt  hat.  Von  diesen  Monitoren  sind  im  Bürgerkrieg
60  gebaut.  Auch  hier  wieder  veranlaßte  der  Stolz  auf
ihre  neue  Erfindung  die  Amerikaner  nach  dem  Kriege,
        <pb n="16" />
        14

Meereskunde.

im  Jahre  1866,  einen  Monitor  nach  England  zu  schicken,
wo  allein  die  Tatsache  berechtigtes  Aufsehen  erregte,
daß  ein  Schiff  mit  so  geringem  Freibord  über  den  Atlantischen ­
  gefahren  war.
Im  letzten  Kriege,  1898  gegen  Spanien,  bedurfte
es  keiner  besonderen  Erfindung;  die  weit  überlegene

Abbild.  4.  U.  S.  Amerikanisches  Kriegsschiif  im  englischen
Haien  1866.
(Aus  London  Ulustrated  News  1866.)  Ein  amerikanischer  Monitor  kam  1866  nach
England  (Cork  Harbour);  das  schlanke  niedrige  kleine  neue  Kriegsschiff  steht  in  scharfem
Gegensatz  zu  den  schwerfälligen,  hochbordigen  großen  englischen  Schiffen  mit  Takelung
und  Seitenrädern.
U.  S.  Amerika-Kriegsflotte  konnte  die  spanische  leicht
schlagen  und  vernichten;  es  war  ein  Kampf  mit  sehr
ungleichen  Waffen.  Bemerkenswert  ist  hier  nur  die
eine  Tatsache,  welche  den  Krieg  zum  Ausbruch  gebracht ­
  hatte,  nämlich  daß  im  Jahre  1898  vor  Habana
das  amerikanische  Panzerschiff  „Maine“  in  die  Luft
flog,  nach  Behauptung  der  Amerikaner  durch  spanische
Tücke,  nach  Behauptung  der  Spanier  durch  Explosion
der  Munitionskammer.  In  beiden  Fällen  ist  das  Vor-
        <pb n="17" />
        U.  S.  Amerikas  Schiffbau  in  Frieden  und  Krieg.

15

kommnis  kein  gutes  Zeichen  für  den  damaligen  Zustand ­
  von  Material  und  Mannschaft  in  der  amerikanischen ­
  Flotte.
Im  Jahre  1914  war  die  U.  S.  Amerika-Kriegsflotte
nach  Zahl  und  Größe  die  dritte,  nicht  viel  kleiner  als
die  Kriegsflotte  Deutschlands  und  etwa  halb  so  groß
wie  die  Englands.  Besondere  Eigenarten  der  amerikanischen ­
  Kriegsschiffe  waren  nicht  vorhanden.  Es  sind
zwar  oft  besondere  Neuerungen  angekiindigt,  aber
die  Erfolge  sind  stets  hinter  den  Erwartungen  zurückgeblieben. ­
  Bemerkenswert  ist  vielleicht  nur,  daß
ebenso  wie  früher  vor  dem  Kriege  dem  U-Bootsbau  in
U.  S.  Amerika  große  Aufmerksamkeit  gewidmet  worden
ist,  daß  aber  auch  hier  überragende  Leistungen  nicht  zu
verzeichnen  sind.
Gesamturteil.  Fassen  wir  alle  diese  Tatsachen
zusammen,  um  zu  einem  Urteil  über  die  Leistungsfähigkeit ­
  des  Schiffbaus  in  U.  S.  Amerika  zu  kommen,  so  ergibt ­
  sich  folgendes:  die  U.  S.  Amerikaner  haben  es  stets
verstanden,  besondere  Aufgaben  im  Schiffbau  schnell  und
eigenartig  anzufassen  und  erfolgreich  durchzuführen,  sobald ­
  ihre  Lösung  aus  wirtschaftlichen  oder  kriegerischen
Gründen  notwendig  war  und  nur  die  Verhältnisse  im
eigenen  Lande  betraf  (Flußschiffe,  Küstensegler,  Schnellsegler, ­
  Fischerei,  Frachtschiffe  auf  den  Binnenseen,  Kriegsfregatten, ­
  U-Boote,  Monitoren).  Ihr  Unternehmungsgeist, ­
  ihr  Wagemut,  ihr  Geschick  ist  unbestreitbar;  aber
—-  und  das  ist  wohl  nicht  bloß  im  Schiffbau  der  Fall,
sondern  ein  Nationalfehler  der  U.  S.  Amerikaner  —  sie
überschätzen  ihr  Können  und  sind  in  ihrer  Eitelkeit  begierig ­
  und  dabei  sehr  optimistisch,  die  im  Lande  bewährten ­
  Formen  auch  auf  andere  Länder  zu  übertragen,
geben  sich  aber  nicht  die  Mühe,  die  Verhältnisse  in
anderen  Ländern  erst  kennen  zu  lernen,  ehe  sie  mit  ihren
Plänen  diese  zu  beglücken  oder  zu  bekämpfen  suchen.
        <pb n="18" />
        Meereskunde.

II.  Während  der  „Neutralität“,
Wie  im  allgemeinen,  so  auch  im  Schiffbau  war  die
Tätigkeit  U.  S.  Amerikas  während  des  jetzigen  Krieges
zunächst  ausschließlich  bestimmt  durch  Geschäftsinteressen. ­
  Sobald  die  Werften  Europas  infolge  anderweiter
Verwendung  des  Eisens  und  der  Menschen  ihre  Herstellung ­
  von  Handelsschiffen  einschränken  mußten,  übernahm ­
  U.  S,  Amerika  Aufträge  auf  Neubauten  und  hat  in
schnell  steigendem  Maße  Anteil  genommen  am  Weltschiffbau ­
  (s.  auch  Abb.  3).  Über  den  Zustand  im  Jahre
1916  hat  der  Direktor  der  Klassifikations-Gesellschaft
Det  Norske  Veritas,  Herr  J.  Bruhn,  in  einem  Vortrage  vor
der  Reederei-Vereinigung  in  Kristiania  ausführlich  berichtet. ­
  Herr  Bruhn  hat  im  letzten  Vierteljahr  1916  die
meisten  Werften  U.  S.  Amerikas  besichtigt.  Die  Zahl
der  für  große  Seeschiffe  in  Frage  kommenden  Werften,
deren  es  vor  dem  Kriege  neun  gab,  hat  sich  bis  Mitte
1916  schon  verdoppelt  und  in  der  zweiten  Hälfte  1916
brachte  fast  jeder  Tag  die  Nachricht  von  einer  neuen
geplanten  großen  oder  kleinen  Werftgründung.  Für
Norwegen  allein  waren  damals  in  U.  S.  Amerika  etwa
700  000  Brutto-Register-Tonnen  Eisenschiffe  und  etwa
100  000  Tonnen  Holzschiffe  in  Auftrag.  Auch  die  Werften ­
  an  den  Binnenseen  waren  daran  beteiligt,  allerdings
nur  mit  Schiffen  von  2000  bis  4000  Tonnen  Tragfähigkeit ­
  (etwa  1300  bis  2600  Brutto-Register-Tonnen),  da
wegen  der  Abmessungen  der  Schleusen  des  Welland-Kanals,
  der  die  Niagarafälle  umgeht,  die  Größe  ihrer  für
die  Ozeanfahrt  bestimmten  Schiffe  auf  etwa  77  m  Länge,
13  m  Breite  und  4  m  Tiefgang  beschränkt  ist.
Über  die  Schwierigkeiten  der  schnellen  Vermehrung ­
  des  Schiffbaues,  über  die  hierdurch  bedingten,  oft
wenig  sachgemäßen  Abweichungen  von  der  erprobten
europäischen  Bauart  gibt  Herr  Bruhn  interessante  Ein-
        <pb n="19" />
        U.  S.  Amerikas  Schiffbau  in  Frieden  und  Krieg.

17

zelheiten.  Es  fehlte  schon  damals  an  ausgebildeten  Ingenieuren, ­
  Meistern  und  Arbeitern,  an  Werkzeugmaschinen ­
  und  Material;  besonders  das  Eisen  wurde
unregelmäßig  geliefert,  der  Stahlguß  war  schlecht.
Gegen  die  Betriebssicherheit  der  oft  merkwürdig  zusammengestellten ­
  Maschinenanlagen  und  die  Seetüchtigkeit ­
  der  auf  neuen  Werften  gebauten  Eisenschiffe  und
besonders  gegen  die  Holzschiffe  hat  Herr  Bruhn  ernste
Bedenken,
Außer  für  Norwegen  baute  U,  S,  Amerika  auch  für
andere  neutrale  Länder  in  Europa  und  anderen  Erdteilen ­
  und  lieferte  in  weitem  Umfange  für  unsere  Feinde
U-Boote,  deren  Zahl  jedoch  nicht  bekannt  geworden  ist,
und  später  eine  große  Zahl  von  schnellen  Motorbooten
zur  Abwehr  der  U-Boote,  Bei  dieser  großen  Geschäftstätigkeit ­
  ist  jedoch  der  Kriegsschiffbau  für  die  eigene
Marine  nicht  zurückgeblieben;  die  Regierung  hat  die  allgemeine ­
  kriegerische  Stimmung  geschickt  dazu  benutzt,
die  Kriegsflotte  wesentlich  zu  vermehren,  und  wir  stehen
heute  vor  der  Aussicht,  daß  die  Kriegsflotte  i U,  S.
Amerikas  nach  dem  Kriege  diejenige  Deutschlands  weit
überflügelt  haben  wird,  und  diejenige  Britanniens  wohl
erreichen  kann,  falls  der  weitere  Verlauf  des  Krieges
nicht  auch  hierin  noch  Überraschungen  bringt.
III.  Im  Kriegszustand,
Mit  dem  Eintritt  U.  S,  Amerikas  in  den  Weltkrieg ­
  war  eine  der  wichtigsten  Fragen  die  Beschaffung
von  Schiffsraum,  und  zwar  zunächst  für  zwei  Zwecke:
1.  Für  die  eigene  Anteilnahme  am  Landkriege
in  Europa,  welche  den  Transport  und  Ersatz
eines  großen  Heeres  und  dessen  dauernde  Versorgung ­
  mit  Kriegsmitteln  und  Verpflegung
erfordert.
        <pb n="20" />
        18

Meereskunde.

2.  Für  die  Versorgung  von  Frankreich,  England
und  Italien  nach  dem  Osten,  von  Rußland  nach
dem  Westen,  nachdem  diese  Staaten  infolge  der
U-Bootsverluste  nicht  mehr  allein  für  sich  selbst
sorgen  konnten.
Bald  und  neuerdings  recht  kräftig  trat  zu  den
unmittelbaren  Kriegszwecken  die  Hoffnung,  bei  dieser
günstigen  Gelegenheit  einen  alten  Wunsch  erfüllen  zu
können,  nämlich  die  U.  S,  Amerikanische  Handelsflotte
wesentlich  zu  stärken,  ganz  allgemein  für  den  eigenen
Überseehandel  und  besonders  für  die  aussichtsreiche
Zeit  nach  dem  Kriege.
Zur  Erreichung  dieser  Zwecke  wurden  folgende
Mittel  angewendet:
1.  Die  Beschlagnahme  der  in  U.  S.  Amerika  liegenden ­
  feindlichen  Schiffe,  in  erster  Linie  der
deutschen.
2.  Die  Übernahme  der  für  ausländische  Rechnung,
insbesondere  für  England,  Norwegen  und  Südamerika ­
  in  Bau  befindlichen  Schiffe.
3.  Die  Aufstellung  einer  weitreichenden  Organisation ­
  zur  äußersten  Vermehrung  der  Neubauten.
Die  beiden  ersten  Maßnahmen  sind  einfach,  in  ihrer
Wirkung  beschränkt  und  inzwischen  abgeschlossen 1 ).
Hier  interessiert  hauptsächlich  der  letzte  Punkt:  Was  ist
organisatorisch  und  technisch  erstrebt,  was  erreicht  und
was  kann  noch  erreicht  werden?
Als  erstrebenswertes  Ziel  wurde  zunächst  bezeichnet ­
  die  Herstellung  von  6  Millionen  Brutto-Register-Tonnen
  Frachtraum  im  Jahre  1918,  d.  i.  17mal  soviel,
wie  Deutschland  in  seinen  besten  Jahren  gebaut  hat,
zehnmal  soviel  wie  U.  S,  Amerika  und  dreimal  soviel
1 )  Im  März  1918  .wurde  mit  der  Beschlagnahme  der  neutralen
Schiffe  begonnen.
        <pb n="21" />
        U.  S.  Amerikas  Schiffbau  in  Frieden  und  Krieg.

19

Abbild.  5.  Entwicklung  des  Schiffbaues  von  U.  S.  Amerika
seit  1890.
Hier  sind  alle  in  der  Statistik  der  Vereinigten  Staaten  enthaltenen  Schiffe  (s.  Abbild.  1)
zusammengefaßt.  Auffallend  ist  der  große  Anteil  des  Holzschiffbaues,  auch  noch  in  der
neuesten  Zeit  gegenüber  dem  sehr  geringen  Prozentsatz  der  Holzschiffe  im  Weltschiffbau.
wie  Großbritannien  jemals  in  einem  Jahre  gebaut  hat
(s.  Abbild.  3).
H  o  1  z  s  c  h  i  f  f  b  a  u.  Es  ist  bekannt,  daß  zunächst
der  Streit  ausbrach,  ob  mit  Holzschiffbau  oder  Eisenschiffbau ­
  das  Ziel  schneller  zu  erreichen  sei,  und  daß
        <pb n="22" />
        20

Meereskunde.

Wilson  schließlich  die  Hauptvertreter  beider  Richtungen
absetzte.  Es  erscheint  verwunderlich,  daß  eine  derartige
Streitfrage  heute  überhaupt  noch  entstehen  konnte,  nachdem ­
  in  Europa  schon  seit  Jahrzehnten  keine  großenHolzschiffe
  mehr  gebaut  worden  sind.  Aber  in  U.  S.  Amerika
liegen  die  Verhältnisse  doch  anders  (s.  Abbild.  5).  Dort
hat  noch  bis  in  die  neueste  Zeit  der  Holzschiffbau  einen
wesentlichen  Anteil  der  gesamten  Erzeugung  behalten,  in
den  letzten  Jahren  noch  30  bis  40  v.  H.  gegen  nur  1,5  v.  H.
im  Weltschiffbau,  U.  S.  Amerika  besitzt  besonders  an
der  Westküste  eine  Fülle  des  besten  Schiffbauholzes,
daher  werden  Holzschiffe  dort  billiger  als  Eisenschiffe.
Ferner  war  zu  berücksichtigen,  daß  die  Vermehrung
des  Eisenschiffbaues  auf  6  Millionen  Brutto-Register-Tonnen
  den  anderen  Kriegsindustrien  (für  Munition,  Geschütze, ­
  Eisenbahnschienen,  Wagen,  Autos  und  Kriegsschiffbau) ­
  wesentliche  Mengen  von  Kohle  und  Eisen
entziehen  mußte,  die  auch  in  U.  S.  Amerika  nicht  im
Überfluß  vorhanden  sind.  Drittens  kam  hinzu,  daß  der
Eisenschiffbau  besondere  Werftanlagen  und  Arbeitsmaschinen ­
  braucht,  die  nicht  in  genügendem  Umfang
vorhanden  waren,  also  wieder  Zeit,  Eisen  und  Industriekräfte ­
  erforderten.  Die  Schwierigkeit  liegt  eben  gar
nicht  allein  im  Bau  der  Schiffskörper,  sondern  ebenso  in
der  Beschaffung  der  Maschinen,  Kessel,  Hilfsmaschinen
und  der  Ausrüstung.
Für  den  Fachmann  war  es  von  vornherein  klar,  daß
es  gewiß  richtig  war,  durch  weitgehende  Ausdehnung
des  noch  vorhandenen  Holzschiffbaues  so  viel  wie  möglich ­
  Frachtraum  zu  schaffen,  daß  aber  der  Hauptanteil
des  erforderlichen  Frachtraums  vom  Holz  nicht  zu  erwarten ­
  ist.  Es  war  auch  richtig,  wenige  Typen  festzulegen, ­
  um  Zeit  zu  sparen;  ob  die  gewählten  Typen  aber
für  den  Kriegsbedarf  die  besten  sind,  kann  heute  nicht
        <pb n="23" />
        U.  S.  Amerikas  Schiffbau  in  Frieden  und  Krieg.

21

beurteilt  werden.  Die  von  der  Regierung  ausgearbeiteten ­
  Pläne  für  Typschiffe  nehmen  Rücksicht  auf  die  Verwendung ­
  der  schnell  zu  beschaffenden  und  sofort  zu
verwendenden  Hölzer,  in  erster  Linie  Oregonpine  und
Douglasföhre,  die  in  wunderbarer  Gleichmäßigkeit  und
in  großen  Längen  vorhanden  sind.  Dieses  weiche  Holz
von  geringer  Festigkeit  erfordert  für  die  verhältnismäßig ­
  niedrigen  und  langen  Frachtdampfer  große  Materialstärken, ­
  und  dadurch  entsteht  ein  Schiff,  das  erheblich ­
  schwerer  ist  als  ein  gleich  großes  Eisenschiff,
sowie  weniger  und  schlechteren  Laderaum  besitzt,  da
die  horizontalen  und  vertikalen  Stützen  den  Raum
stark  beeinträchtigen.  Diese  Art  Schiffe  sind  also  nur
brauchbar  für  Stückgüter  und  schwere  Massengüter,
nicht  aber  für  sperrige  Güter,  wie  Wagen,  Autos,  Geschütze, ­
  Flugzeuge,  größere  U-Bootsteile  und  Boote.
Die  hölzernen  Dampfer  aus  frischem  Holz,  von  wenig
geübten  Arbeitern  schnell  zusammengebaut,  werden  bestimmt ­
  nicht  dicht  halten,  und  es  ist  zu  erwarten,  daß
diese  Schiffe  nach  ihren  ersten  Reisen  in  etwas  schwererem ­
  Wetter  so  stark  beschädigt  sind,  daß  sie  längerer
Reparaturen  bedürfen;  einige  werden  auch  in  der
schlechten  Jahreszeit  ihr  Ziel  gqr  nicht  erreichen  und
somit  unseren  U-Booten  die  Arbeit  erleichtern 1 ).
Trotz  aller  dieser  Beschränkungen  und  Schwächen
ist  ein  beträchtlicher  Raumzuwachs  an  Holzschiffen  im
laufenden  Jahr  zu  erwarten.
Eisenschiffbau.  Aus  der  geschichtlichen  Entwicklung ­
  des  Schiffbaues  in  U.  S.  Amerika  ergibt  sich,
daß  es  ein  schwerer  Fehler  wäre,  an  der  Unternehmungskraft, ­
  dem  technischen  Können  und  der  Leistungsfähig-')

  Die  vorausgesagten  Schäden  sind  nach  Zeitungsnachrichten
von  F,nde  März  1918  bereits  eingetreten.*
        <pb n="24" />
        22

Meereskunde.

keit  der  U.  S.  Amerikaner  zu  zweifeln,  wenn  ein  klares,
notwendiges  Ziel  vorliegt,  das  nebenbei  noch  Aussichten
auf  großen  Gewinn  gibt.  Um  aber  ein  Urteil  darüber  zu
gewinnen,  ob  auch  in  diesem  Fall  Nordamerika  das
,,Land  der  unbegrenzten  Möglichkeiten“ 1 )  sein  kann,
muß  berechnet  werden,  wieviel  Schiffsraum  im  Jahr  von
U.  S.  Amerika  gebaut  werden  müßte,  um  den  Anforderungen ­
  des  Krieges  zu  genügen,  ferner  wieviel  Material
und  Menschen  dazu  nötig  sind.
Im  Jahre  1917  sind  9,3  Millionen  Brutto-Register-Tonnen
  feindlicher  Schiffsraum  durch  unsere  U-Boote
vernichtet  worden,  also  im  Monat  durchschnittlich
775  000  Tonnen;  hierbei  sind  bekanntlich  die  Verluste
durch  normale  Seeunfälle  und  Minen  nicht  mitgezählt.
Wenn  wir  annehmen,  daß  der  Zustand  vom  1.  Januar
1918  für  unsere  Feinde  eben  noch  erträglich  war,  daß
aber  eine  weitere  Verminderung  des  Frachtraumes  verhängnisvoll ­
  für  sie  werden  müßte,  kommt  die  Fortsetzung ­
  des  Krieges  tatsächlich  auf  einen  Wettlauf
zwischen  Vernichtung  durch  U-Boote  und  Schiffbau
hinaus.  Wie  sind  die  Kräfteverhältnisse  und  Aussichten?
Wir  können  wohl  annehmen,  daß  im  Jahre  1918
durchschnittlich  monatlich  700  000  Brutto-Register-Tonnen,
  d.  h.  im  Jahre  etwa  8,5  Millionen  Tonnen  vernichtet ­
  werden.  Was  und  wo  kann  dagegen  gebaut
werden?
Unter  dem  Druck  der  Not  wird  es  vielleicht  in  England ­
  gelingen,  im  Jahre  1918  wieder  ebensoviel  zu
bauen,  wie  in  den  besten  Jahren  vor  dem  Kriege,  d.  h.
2  Millionen  Brutto-Register-Tonnen.  Da  die  anderen
Länder  kaum  in  Frage  kommen,  müßte  U.  S.  Amerika
*)  Das  Land  der  unbegrenzten  Möglichkeiten.  Beobachtungen
aus  dem  Wirtschaftsleben  der  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika.
Von  L.  M.  Goldberger.  Berlin  1903.
        <pb n="25" />
        U.  S.  Amerikas  Schiffbau  in  Frieden  und  Krieg.

23

6,5  Millionen  Tonnen  Schiffsraum  im  Jahre  1918
schaffen,  wenn  ein  Gleichgewichtszustand  eintreten  soll.
Hiervon  kann  vielleicht  eine  halbe  Million  in  Holz  gebaut
werden,  das  wäre  schon  so  viel,  wie  Amerika  sonst  im
ganzen,  klein  und  groß,  Holz  und  Eisen,  in  den  besten
Jahren  gebaut  hat.  Es  bleiben  dann  noch  6  Millionen
Tonnen  Eisenschiffe  zu  bauen,  die  Zahl,  die  ursprünglich ­
  auch  in  U.  S.  Amerika  für  1918  in  Aussicht  genommen ­
  war.
Um  1000  Brutto-Register-Tonnen  Frachtraum  in
einem  Eisenschiff  zu  bauen,  sind  etwa  800  Gewichts-Tonnen
  Material,  hauptsächlich  in  der  Form  von  Walzeisen, ­
  erforderlich.  Dieses  wieder  braucht  Eisenerz,  das
in  den  Hochöfen  zu  Roheisen  verarbeitet  wird;  Hochöfen ­
  brauchen  außer  Erz  auch  Koks,  der  in  besonderen
Kokereien  aus  Steinkohle  gewonnen  wird.  Roheisen
wird  zu  Flußeisen  und  Walzeisen  verarbeitet  und  in
dieser  Form  an  die  Werften  geliefert.  In  Übersicht  A  ist
der  Bedarf  an  Menschen  zur  Herstellung  von  1000  Tonnen ­
  Walzeisen  mit  24  für  das  Jahr,  und  auf  dieser  Grundlage ­
  in  Übersicht  B  der  Gesamtjahresbedarf  für  den  Bau
von  1000  Brutto-Register-Tonnen  Frachtraum  zu
80  Menschen  berechnet.

Übersicht  A.
Bedarf  an  Menschen  im  Jahr  zur  Herstellung  von  1000  Tonnen
Walzeisen  (Platten  und  Profile)  für  Schiffe.

Material
Tonnen

Gewinnungsart

Menschen
im  Jahr

Erz.  .  4000

In  Bergwerken  usw

6

Kohle  2000

In  Bergwerken

7

In  Kokereien,  Hochöfen  und  Walzwerken

11

Zus.  6000

Im  ganzen  für  lOOOTonnen  Walzeisen

24
        <pb n="26" />
        Übersicht  B.
Bedarf  an  Menschen  im  Jahr  zur  Herstellung  von  1000  Brutto-Register-Tonnen
  Schiffsraum  in  großen  Frachtdampfern.

Menschen
*  im  Jahr

800  Tonnen  Walzeisen

19

Auf  der  Werft,  Schiffbau-  und  Maschinenbau  ....

51

Hilfsindustrie,  Hilfsmaschinen  und  Ausrüstung  ....

5

AllgemeinerW  erftbetrieb,  Bureau,  Eisenbahntransport

5

Im  ganzen  für  1000  Brutto-Register-Tonnen  .  .  .

80

Für  die  Herstellung  von  6  Millionen  Brutto-Register-Tonnen
  werden  demnach  gebraucht:
etwa  5  Millionen  Tonnen  Eisen  und  Stahl,
10  Millionen  Tonnen  Kohle,
480  000  Menschen  in  der  gesamten  Industrie.
Die  Kosten  betragen  unter  der  Annahme  von
1000  Mark  für  die  Brutto-Register-Tonne  (für  fertige
Schiffe  werden  jetzt  erheblich  höhere  Preise  bezahlt 1 ))
6000  Millionen  Mark.
V  ergleichsrechnungen.  Für  die  Gegenrechnung ­
  der  voraussichtlichen  Verluste  Deutschlands
im  Jahre  1918  sei  angenommen,  daß  für  die  Vernichtung ­
  der  von  U.  S.  Amerika  zu  ersetzenden  6  Millionen ­
  Brutto-Register-Tonnen  200  U-Boote  in  Tätigkeit ­
  gehalten  werden  müssen  (das  ergibt  als  durchschnittliche ­
  Jahresstrecke  eines  U-Bootes  nur  den  ge-1
 )  Mitte  1917  waren  557  Eisenschiffe  von  etwa  2,6  Millionen
Brutto-Register-Tonnen  für  651,6  Millionen  Dollar  (1070  M/Brutto-Register-Tonne)
  und  65  Holzschiffe  von  180  000  Brutto-Register-Tonnen
  für  34  Millionen  Dollar  (etwa  800  M/Brutto-Register-Tonne)
von  der  amerikanischen  Regierung  in  Auftrag  gegeben.  Zeitschrift
„Hansa"  vom  2.  Februar  1918,  S.  85.
        <pb n="27" />
        U.  S.  Amerikas  Schiffbau  in  Frieden  und  Krieg.

25

ringen  Betrag  von  30  000  Brutto-Register-Tonnen),  und
daß  hiervon  die  Hälfte  (sehr  hoch  gerechnet  nach  den
bisherigen  Erfahrungen)  verloren  gehen  und  durch
100  Neubauten  (zwei  in  der  Woche)  großer  schneller
U-Boote  von  einem  Deplacement  von  1000  Tonnen  (zu
1000  kg)  und  einem  Preis  von  6  Millionen  Mark  ersetzt
werden  müssen.  Ein  solches  U-Boot  würde  dann  nach
reichlicher  Schätzung  in  allen  Industrien  vom  Bergwerk
bis  zur  Probefahrt  etwa  400  Menschen  für  das  Jahr  erfordern ­
  und  rund  1000  Tonnen  Eisen  brauchen.
Auf  Grund  dieser  Annahmen  ergibt  sich  die  Bilanz
der  Übersicht  C.  Das  Geschäft  ist  für  U.  S.  Amerika  sehr
schlecht  und  wird  noch  viel  schlechter,  wenn  die  Verluste ­
  der  versenkten  Ladungen  und  Menschen,  ferner
der  Bedarf  an  Material  und  Menschen  für  den  Betrieb
dieser  Flotte  berücksichtigt  würden,  doch  fehlen  hierzu
zahlenmäßig  faßbare  Unterlagen.

Übersicht  C.
Bilanz  des  Schiffbaus  für  1918  in  U.  S.  Amerika  (6  Millionen
Brutto-Register-Tonnen)  und  Deutschland  (100  große  U-Boote).

U.  S.
Amerika

Deutschland

Verhältnis

Kosten  in  Millionen  Mark  .  .  .

6  000

600

10:1

Menschen  für  den  Bau

480  000

40  000

12:  1

Eisen  für  den  Bau,  Tonnen  .  .

5  000  000

100  000

50:  1

Kohlen  für  den  Bau,  Tonnen  .

10  000  000

200  000

50  :  1

Aus  den  Neubaukosten  läßt  sich  aber  noch  ein
wichtiger  Punkt  mit  genügender  Annäherung  ermitteln,
das  sind  die  Kosten  der  Überführung  des  amerikanischen
Heeres  nach  Europa.  Nehmen  wir  einmal  an,  die  U.  S.
Amerikaner  wollen  an  unsrer  Westfront  eine  Million  Sol-
        <pb n="28" />
        26

Meereskunde.

daten  halten,  so  brauchen  sie  für  die  Überführung  im
großen  Durchschnitt  aller  Waffen,  Heeresgeräte,  Munition ­
  undTroß,  auf  denMann  mindestens  6  Brutto-Register-Tonnen
  Schiffsraum 1 ).  Mit  Rücksicht  auf  die  U-Bootsgefahr
  werden  die  Schiffe  in  Geleitzügen  fahren,  oder  man
wird  für  den  Transport  möglichst  schnelle  Schiffe  von
mindestens  16  Meilen  Geschwindigkeit  verwenden,  deren
Kosten  zu  etwa  1600  Mark  die  Brutto-Register-Tonne
geschätzt  werden  können.  Unter  Berücksichtigung  aller
Aufenthalte  und  Instandsetzungen  wird  jedes  Schiff
höchstens  sechs  Fahrten  im  Jahre  machen  können,  es
wären  also  für  eine  Million  Mann  von  Amerika  abgehender ­
  Truppen  für  1918  eine  Million  Brutto-Register-Tonnen
  erforderlich,  d,  h.  auf  den  Mann  und  aufs  Jahr
1  Brutto-Register-Tonne  von  1600  Mark  Neubauwert.
Wenn  nun  die  Unterwegsverluste  und  die  Betriebskosten
des  Transportes  und  seines  Geleitschutzes  in  Rechnung
gestellt  werden,  so  ergibt  sich,  daß  jeder  Amerikaner  in
Europa  allein  für  den  Transport  etwa  2500  Mark  kostet.
Unsere  gesamten  Kriegskosten  betrugen  ungefähr
25  Milliarden  Mark  aufs  Jahr;  dafür  hatten  wir  rund
10  Millionen  Mann  unter  den  Waffen,  es  betragen  also
die  Gesamtkriegskosten  bei  uns  2500  Mark  für  den  Mann
und  das  Jahr,  d,  h.  allein  die  Überführung  eines  Amerikaners ­
  an  unsere  Westfront  kostet  für  U.  S.  Amerika
ebensoviel  wie  die  Gesamtkriegskosten  für  einen  Mann
während  des  ganzen  Jahres  in  Deutschland.  Dazu
kommen  noch  die  das  Mehrfache  unserer  Kosten  bel

 )  Der  am  5.  Februar  1918  versenkte  Dampfer  „Tuscania“  von
14  348  Brutto-Register-Tonnen  hatte  nach  Abzug  der  Besatzung
etwa  2200  Mann  amerikanische  Truppen  an  Bord;  auf  den  Mann
kamen  also  6,5  Brutto-Register-Tonnen.  Ob  für  diese  2200  Mann
das  ihrer  Zahl  entsprechende  volle  Kriegsgerät  an  Bord  war,  ist
zweifelhaft.
        <pb n="29" />
        U.  S.  Amerikas  Schiffbau  in  Frieden  und  Krieg.

27

tragende  Ausrüstung,  Löhnung,  Versorgung,  Verpflegung
und  der  spätere  Rücktransport  des  Heeres.  Wieder
ein  sehr  schlechtes  Geschäft  für  die  U.  S.  Amerikanische
Regierung!
Voraussichtliches  Ergebnis  während
der  nächsten  Jahre.  Es  wird  U.  S.  Amerika
im  Jahre  1918  nicht  gelingen,  sechs  Millionen  Tonnen
Frachtraum  in  Eisenschiffen  fertig  zu  stellen.  Dadurch
wird  vielleicht  auch  der  Erfolg  unserer  U-Boote  etwas
geringer  werden,  da  nicht  genügend  zu  versenken
da  ist.  Die  große  Bilanz  des  Frachtraumkrieges
wird  dadurch  für  unsere  Feinde  nicht  besser,  da  die  zum
Vergleich  gemachten  Annahmen  über  die  Zahl  der  gegen
den  amerikanischen  Anteil  des  Schiffbaues  erforderlichen ­
  U-Boote,  über  den  Verlust  und  über  die  Kosten
des  Ersatzes  sehr  ungünstig  für  uns  in  Rechnung  gestellt ­
  wurden.  Es  bleibt  aber  die  Frage  offen,  ob  es
vielleicht  möglich  ist,  daß  später  U.  S.  Amerika  seinen
Schiffbau  so  stark  vergrößert,  um  für  unsere  Feinde
einen  erträglichen  Dauerzustand  zu  schaffen.  Im  Gegensatz ­
  zu  anderen  Beurteilern  halte  ich  es,  wenn  die
Not  dazu  zwingt,  nicht  für  ausgeschlossen,  daß  etwa
1919  oder  1920  ein  solcher  Zustand  erreicht  werden
kann.  Aber  dazu  ist  es  zunächst  erforderlich,  daß
die  Werften  in  U.  S.  Amerika  noch  erheblich  vermehrt ­
  und  vergrößert  werden,  und  daß  die  dazu  notwendigen ­
  Anlagen,  Hellinge,  Werkstätten,  Werkzeugmaschinen, ­
  Krane,  Erweiterungen  der  Maschinenfabriken ­
  und  Hilfsindustrien  für  Hilfsmaschinen  und
Ausrüstung  geschaffen  werden.  Diese  erfordern  wieder
neue,  zunächst  unproduktive  Kräfte  an  Material  und
Menschen,  ferner  Zeit  und  vor  allem  Erfahrung,  da
brauchbare  Seeschiffe  nicht  so  leicht  von  jeder  beliebigen ­
  Stelle  zu  bauen  sind.  Ich  glaube,  daß  bei  dieser
        <pb n="30" />
        28

Meereskunde.

Tätigkeit  doch  schließlich  den  Leitern  des  Staates  in
U.  S.  Amerika  —  nicht  den  gut  verdienenden  Unternehmern ­
  —  angst  und  bange  werden  muß,  wenn  sie  sich
eine  Bilanz  wie  in  der  Übersicht  C  aufstellen.  Wir
brauchen  vorläufig  diese  Tätigkeit  U.  S,  Amerikas  nicht
zu  fürchten,  denn  alle  Materialien  und  Kräfte,  die  für
den  Schiffbau  gebraucht  werden,  können  nicht  an  der
Front  verwendet  werden,  verteuern  den  U,  S.  Amerikanern ­
  den  Krieg  ins  Ungemessene  und  nehmen  ihnen
den  leicht  gewonnenen  Riesenverdienst  ihrer  „neutralen“
Kriegslieferungen,
Wie  lange  es  allerdings  dauern  wird,  bis  diese  Erkenntnis ­
  in  U,  S.  Amerika  reift,  ist  schwer  zu  sagen,
aber  es  muß  sich  doch  mit  der  Zeit  die  Frage  vordrängen, ­
  wozu  den  Krieg  fortsetzen,  nachdem  die  einzig  erkennbaren ­
  Zwecke  der  Kriegsbeteiligung  erreicht  sind,
nämlich  erstens  die  Stärkung  des  Landheeres  und  der
Kriegsflotte  für  die  Vorherrschaft  in  Gesamt-Amerika
und  für  den  Waffengang  mit  Japan,  zweitens  die  Vermehrung ­
  der  Übersee-Handelsflotte  zur  größeren  Mitwirkung ­
  am  Welthandel  und  als  Kraftreserve  für  die
Kriegsflotte,
IV,  Nach  dem  Kriege,
Es  ist  zweifellos,  daß  —  in  noch  höherem  Grade
als  die  Kriegsflotte  —  die  Handelsflotte  U.  S,  Amerikas ­
  nach  dem  Kriege  ganz  wesentlich  vermehrt  sein
wird;  sie  wird  zur  Betätigung  am  eigenen  Außenhandel
und  auf  dem  Weltmarkt  drängen,  ebenso  wie  die  im
Kriege  neu  erstarkte  Schiffbauindustrie.  Abbild,  6  zeigt,
daß  der  Anteil  der  U,  S.  Amerikanischen  Flagge  an  dem
Außenverkehr  der  Vereinigten  Staaten  seit  dem  Bürgerkrieg ­
  von  70  v.  H.  auf  etwa  20  v.  H.  gefallen  ist.  Noch  auffälliger ­
  wird  dieser  Abfall,  wenn  statt  des  Raumgehaltes
der  Schiffe  im  Außenhandel  der  Wert  der  Einfuhr  und
        <pb n="31" />
        U.  S.  Amerikas  Schiffbau  in  Frieden  und  Krieg.

29

Abbild.  6.  Anteil  der  eigenen  Schiffe  am  Außenverkehr
von  U.  S.  Amerika  seit  1830.

Die  Angaben  entstammen  für  U.  S.  Amerika  dem  Annual  Report  (s.  Abbild.  1),  für
Deutschland  dem  Jahrbuch  der  Statistik  des  Deutschen  Reiches;  die  Kurven  zeigen
in  Brutto-Register-Tonnen  der  ein-  und  ausgelaufenen  Schiffe  den  Anteil  der  U.S.  Amerikanischen ­
  Schiffe  am  Außenhandel  der  Vereinigten  Staaten  absolut  und  im  prozentualen
Vergleich  zu  dem  Anteil  der  deutschen  Schiffe  am  deutschen  Außenhandel.

Ausfuhr  in  Rechnung  gestellt  wird.  Während  1821  noch
ungefähr  90  v.  H.  des  Außenhandels  nach  Schiffsraum
und  Wert  durch  amerikanische  Schiffe  besorgt  wurden,
fiel  bis  zum  Jahre  1861  der  Anteil  des  Wertes  auf
        <pb n="32" />
        30

Meereskunde.

65  v.  H.  und  bis  zum  Jahrhundertwechsel  auf  8  v.  H,  und
hat  sich  seitdem  langsam  auf  9  v.  H.  im  Jahre  1912  gesteigert, ­
  Bei  dieser  Sachlage  ist  der  Wunsch  U,  S.
Amerikas  nach  vermehrtem  Anteil  am  eigenen  Außenhandel ­
  durchaus  begreiflich,  da  der  normale  Anteil  jedes
Landes  im  Seeverkehr  mit  einem  gleichwertigen  Schifffahrtsland ­
  die  Hälfte  des  Handels  nach  diesem  Lande
sein  muß,  (In  der  Tafel  7  ist  der  Prozentsatz  des  mit
deutschen  Schiffen  beförderten  deutschen  Außenseehandels ­
  zum  Vergleich  angegeben.  Er  betrug  1880  etwa
40  v,  H,  und  hat  sich  vor  dem  Kriege  auf  über  50  v,  H,
gesteigert.)  Der  an  sich  berechtigte  Wunsch  der  U.S.  Amerikaner ­
  kann  eine  große  Gefahr  für  Deutschland 1 )
werden,  und  wir  werden  alle  Kräfte  anspannen  müssen,
um  nach  dem  Kriege,  besonders  beim  Verkehr  mit  Nordamerika, ­
  in  dem  Wirtschaftskampf  nicht  zu  unterliegen,
in  den  wir  mit  unserer  auf  die  Hälfte  verminderten
Handelsflotte  sehr  geschwächt  eintreten.  Aber  auch
hier  zeigen  sich  hoffnungsvolle  Momente,  Zunächst  der
Umstand,  daß  in  Deutschland  die  Notwendigkeit  erkannt
ist,  die  Verluste  der  Handelsflotte  so  schnell  wie  möglich
wieder  auszugleichen,  und  daß  vom  Reich  hierfür  sehr
große  Mittel  bereitgestellt  sind  (Gesetz  von  1917  zur
Wiederherstellung  der  Handelsflotte),
Die  andere  Hoffnung  liegt  in  der  Geschichte  Nordamerikas, ­
  die  im  Anfang  in  großen  Strichen  gezeichnet
wurde.  Die  Überseeschiffahrt  und  der  dazu  gehörige
Schiffbau  findet  im  Gebiet  U.  S,  Amerikas  seine  besten
natürlichen,  technischen  und  wirtschaftlichen  Grundlagen ­
  in  den  Nordost-Staaten  an  der  Küste.  Schiffahrt
')  In  noch  höherem  Maße  sieht  man  in  England  dem  Wachsen
der  Handelsflotte  und  des  Schiffbaus  in  U.  S.  Amerika  mit  Besorgnis
entgegen.  Zeitschrift  Engineering  vom  3.  August  1917,  S.  123.
American  Shipping  and  Shipbuilding.
        <pb n="33" />
        i

U.  S.  Amerikas  Schiffbau  in  Frieden  und  Krieg.  31
und  Schiffbau  blühten  auf  nach  deren  Zusammenschluß
zu  dem  Gebilde  der  ersten  Vereinigten  Staaten  und  erreichten ­
  ihren  Höhepunkt  in  der  Mitte  des  vorigen  Jahrfr
  hunderts.  Der  Bürgerkrieg  brachte  dann  die  in  der
Natur  liegenden  wirtschaftlichen  Gegensätze  zum  Austrag ­
  zwischen  den  Nord-  und  Südstaaten,  zwischen
Schutzzoll  und  Freihandel.  Die  weitere  Ausbreitung  der
U,  S.  Amerika  nach  dem  Westen  ergab  mit  der  Erschließung ­
  neuer  reicher  Gegenden  durch  die  Eisen-;
  bahnen  ganz  andere  Aufgaben,  die  eine  Konzentration
aller  Kräfte  auf  die  neuen  Arbeiten  im  Innern  erforderten, ­
  hinter  denen  die  Betätigung  auf  dem  Weltmeer  zurückstehen ­
  mußte.  Die  Verschiedenheiten  der  Auffassung ­
  sind  im  Innern  noch  keineswegs  ausgeglichen,  besonders ­
  seit  im  Westen  durch  die  Furcht  vor  Japan  und
den  Wunsch  nach  der  Vorherrschaft  im  Großen  Ozearl
Interessen  erwacht  sind,  die  für  die  Bedürfnisse  des
$  Ostens  kein  Verständnis  haben,  ja  diesen  geradezu  entgegengesetzt ­
  sind.  Wenn  auch  die  geographische  Lage
und  Gestalt  nach  Betätigung  auf  den  Weltmeeren  hinweist, ­
  so  fehlt  doch  noch  die  Grundlage  hierfür,  die  Einheitlichkeit ­
  der  Wirtschaftsinteressen  des  ganzen  Landes.
Hiergegen  helfen  keine  Gesetze  und  keine  Staatsmittel,
wie  sie  in  verschiedenster  Form  und  großer  Zahl  in  den
letzten  Jahrzehnten  erwogen  sind 1 ).  Amerika  ist  noch
immer  ein  Land  der  unbegrenzten  Möglichkeiten  im
Innern,  es  hat  noch  sehr  viel  zu  tun,  um  die  reichen
Schätze  seines  Landes  zu  verarbeiten;  besonders  aber
bedarf  es  noch  einer  gesunden  Entwicklung  des  inneren
Lebens,  um  nicht  nur  in  technischer  und  wirtschaftlicher,
sondern  auch  in  geistiger  und  sozialer  Richtung  ein  wirkliches ­
  Kulturland  zu  werden.  Solange  es  ferner  noch

American  Shipping,  its  history  and  economic  conditions  by
Dr.  H.  Keiler,  Probleme  der  Weltwirtschaft  Bd.  14.  Jena  1913.
        <pb n="34" />
        32

Meereskunde.

Menschen  von  auswärts  braucht,  ist  die  Grundbedingung
für  seine  Weltschiffahrt  noch  nicht  gegeben.  Trotz  des
Reichtums  an  Erzen  und  Kohlen  und  der  dadurch  bedingten ­
  geringen  Eisenpreise  macht  der  Menschenmangel ­
  infolge  der  hohen  Löhne  die  Schiffahrt  und  den
Schiffbau  so  teuer,  daß  ein  erfolgreicher  Wettbewerb
auf  dem  Weltmarkt  ausgeschlossen  ist.  Der  Drang  nach
großer  Handelsflotte  und  Weltgeltung  ist  in  U.  S.
Amerika  vorläufig  nur  ein  Ausfluß  des  Kapitalismus,
der  Unersättlichkeit  und  Machtgier  der  Geldmagnaten
in  den  östlichen  Staaten,
Demgegenüber  sind  für  Deutschland  Außenhandel
und  Weltschiffahrt  eine  politische  Notwendigkeit,  um
die  Bevölkerung  zu  erhalten  und  zu  ernähren.  In  diesem
Zwang  der  Not  liegt  auch  unsere  Kraft,  und  wenn  es
uns  vor  dem  Kriege  gelungen  ist,  gegen  Englands  weitüberragende ­
  Seeherrschaft  in  immer  steigendem  Maße
unsern  Anteil  am  eigenen  Außenhandel  und  am  Welthandel ­
  zu  gewinnen,  so  wird  es  uns  auch  gelingen,  gegen
die  von  U.  S.  Amerika  im  Kriege  hochgetriebene,  politisch
nicht  notwendige  junge  Seeschiffahrt  zu  bestehen,  wenn
unsere  gesunden  Kräfte  nicht  durch  schwere  Fehler
beim  Friedensschluß  lahmgelegt  werden.

Gedruckt  in  der  Königlichen  Hofbuchdruckerei  von  E.  S.  Mittler  &amp;amp;  Sohn,
Berlin  SW68,  Kochstraße  68—71.
        <pb n="35" />
        Triest  und  Venedig.  Von  Dr.  Leopold  Glaesner.
Politisch-geographische  Lehren  des  Krieges.  Von  Prof.  Dr.  A.P  e  n  c  k.
Eine  ägyptische  Expedition  als  Kampfmittel  gegen  England.  Von
Prof.  G.  Roloff.
Die  Engländer  als  Inselvolk.  (Vom  Standpunkt  der  Gegenwart  aus
betrachtet.)  Von  Prof.  Dr.  H.  Spies.
Deutschlands  Zurückdrängung  von  der  See.  Von  Dr.  W.  Vogel.
Angriffe  und  Angriffsversuche  gegen  die  britischen  Inseln.  Von
Dr.  Walter  Vogel.
Zwei  Kriegsjahre  in  London.  Von  Missionspastor  J.  L.  O.  Krüger.
Die  Südsee  im  Weltkriege.  Von  Prof.  Dr.  Alfred  Manes.
Die  nordischen  Dardanellen.  Von  Samuli  Sario.
Bei  Kriegsausbruch  in  Hawaii.  Von  Pastor  Engelhardt.
In  französischen  Lagern  Afrikas.  Von  Else  Ficke.
Konterbande,  Blockade  und  Seesperre.  Von  Geh.  Justizrat  Prof.
Dr.  Triepel.
Hugo  Grotius  und  der  Ursprung  des  Schlagworts  von  der  Freiheit
der  Meere.  Von  Prof.  Dr,  W.  Vogel.]  „amt..;.  ......r.i
Kriegsmarine.
*Kiel  und  Wilhelmshaven.  Von  Kontreadmiral  Ed.  Holzhauer.
*  Kohlenversorgung  und  Flottenstützpunkte.  Von  Kontreadmiral
Ed.  Holzhauer.
“Vierzig  Jahre  Schwarz-Weiß-Rot.  Von  Geh.  Admiralitätsrat  P.  Koch.
“Die  .Torpedowafie.  Von  Kapitän  zur  See  a.  D.  R.  Wittmer.
■"Kriegsschiffsbesatzungen  in  Vergangenheit  und  Gegenwart.  Von
Kapitän  zur  See  a.  D.  R.  Wittmer.
“Unterseebootsunfälle.  Von  Fregattenkapitän  Michelsen.
“Die  Zusammensetzung  und  Taktik  der  Schlachtflotten.  Von  Kapitän
zur  See  a.  D.  R.  Wittmer.
“Die  Deutsche  Eisenindustrie  und  die  Kriegsmarine.  Von  P.  Koch.
Die  wichtigsten  Kanalhäfen  und  ihre  Bedeutung  für  den  Krieg.
Von  Prof.  F.  W.  O.  Schulze-Danzig.
Englands  Mannschaftsersatz  in  Flotte  und  Heer.  Von  Prof.Dr.  Spies.
Volks-  und  Seewirtschaft.
"Marokko.  Von  Dr.  Joachim  Graf  v.  Pfeil.
“Die  deutsche  Hochsee-Segelfischerei.  Von  H.  Lübbert.
*Der  Hafen  von  New  York.  Von  Professor  Dr.  Albrecht  Penck.
“Lübeck,  sein  Hafen,  seine  Wasserstraßen.  Von  Dr.  Franz  Schulze.
*EineWanderung  durch  altniederländische  Seestädte.  V  onDr.  W.V  o  g  e  1.
“Die  Freie  Hansestadt  Bremen.  Von  Baurat  Prof.  G.  d.  Thierry.
“Die  Häfen  der  Adria.  Von  Dr.  N.  Krebs.
“Tsingtau.  Von  Professor  Dr.  Albrecht  Penck.
“Auf  den  Färöern.  Von  Prof.  D.  Dr.  Edward  Lehmann.
“Valparaiso  und  die  Salpeterküste.  Von  Dr.  Rud.  Lütgens.
“Die  festländischen  Nordsee-Welthäfen.  Von  Dr.  H.  Michaelsen.
“Die  deutsche  Seekabelpolitik.  Von  Dr.  R.  Hennig.
“Das  Meer  als  Nahrungsquelle.  Von  Prof.  Dr.  H.  Henking.
“Kriegsrüstung  und  Wirtschaftsleben.  Von  P.  Koch.
“Die  großbritannische  Hochseefischerei.  Von  H.  Lübbert.
“Triest  und  die  Tauernbahn.  Von  Prof.  Dr.  F.  Heiderich.
“Von  Singapur  bis  Yokohama.  Von  L.  Mecking.
“San  Franzisko.  Von  A.  Rühl.
Wohlfahrtseinrichtungen  in  der  Seefischerei.  Von  F.  Duge.
Durch  die  Magellanstraße.  Von  Gustav  Goedel.
*  Preis  50  Pf.,  die  übrigen  Hefte  kosten  60  Pf.
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        Gedruckt  in  der  Königlichen  Hofbuchdruckerei  von  E.  S.  Mittler  &amp;amp;  Sohn,  Berlin  SW68,  Kochstr.  68—71.

Überland  und  Übersee  im  Wettbewerb.  Von  Dr.  Richard  Hennig.
Nach  Deutsch-Neuguinea.  Von  Dr.  Walter  Behrmann.
Die  Salpeterindustrie  Chiles.  Von  Dr.  jur.  Alfred  Hartwig.
Die  überseeische  GetreideversorgungderWelt.  Von  Dr.  Walt  er  Voge  1.
Antwerpen.  Von  Prof.  Dr.  Alfred  Rühl.
Politische  Probleme  im  westlichen  Mittelmeer.  Von  Dr.  P.  Mohr.
Deutsche  Kulturarbeit  im  nahen  Orient.  Von  Dr.  P.  Mohr.
Englands  Kohle  und  sein  Überseehandel.  Von  Dr.  R.  Engelhardt.
Die  versiegelte  Nordsee.  Von  Graf  E.  Reventlow.
Der  Außenhandel  der  Vereinigten  Staaten  von  Amerika.  Von
Dipl.-Ing.  Dr.  Th.  Schuchart.
Die  drahtlose  Telegraphie  im  überseeischen  Nachrichtenverkehr
während  des  Krieges.  Von  Dr.  Richard  Hennig.
Edinburg,  Glasgow  und  Liverpool.  Von  Prof.  Dr.  Schulze,  Lübeck.
Die  Heimsuchungen  der  Handelsschiffahrt  durch  den  Krieg.  Von
C.  Schroedter,  Hamburg.
Gegenwart  und  Zukunft  der  deutschen  Seeschiffahrt.  Von
Dr.  P.  Stubmann.
Gegenwart  und  Zukunft  der  deutschen  Kolonien.  (Doppelheft.)
Von  Prof.  Hans  Meyer,  Leipzig.
Das  deutsche  Kolonialreich  der  Zukunft.  Von  Fr.  Hupfeid.
Die  Zukunft  des  deutschen  Außenhandels.  Von  Prof.  Dr.  H.  H  e  r  kn  e  r.
Die  Grundlagen  des  Ostseehandels  und  seine  Zukunft.  Von  Dr.
Erich  Wallroth.
Die  deutsch-chinesischen  Handelsbeziehungen.  Von  Geh.  Admiralitätsrat ­
  Dr.  Schrameier.
Britischer  Imperialismus.  Von  Prof.  Dr.  Friedr.  Brie.
St.  Petersburg.  Von  Dr.  Rieh.  Pohle.
Japan  und  seine  Stellung  in  der  Weltpolitik.  Von  Konsul  A.  Mosle.
Wiederaufbau  d.  deutschen  Handelsschiffahrt.  V  on  Dr.  K.  Isermeyer.
Die  natürlichen  Grenzen  Rußlands.  Von  Prof.  Dr.  A.  Penck.
Der  Reichstag  und  die  Freiheit  der  Meere.  Von  Geh.  Justizrat  Prof.
W.  van  Calker.
Seeklima  und  Seebäder.
*Die  Heilkräfte  des  Meeres.  Von  Prof.  Dr.  Albert  Eulenburg.
“Land-  und  Seeklima.  Von  Dr.  A.  Merz.
Seewesen  und  Schiffahrt.
“Der  Kompaß.  Von  Dr.  Fr.  Bidlingmaier.
“Die  Post  auf  dem  Weltmeer.  Von  O.  Klaus.
*  Schiffsordnungen  und  Schiffsbräuche.  Von  Dr.  Fr.  Schulze.
“Der  Dienst  des  Proviantmeisters.  Von  Dr.  G.  W.  v.  Zahn.
‘Innerer  Dienst  an  Bord.  Von  Dr.  G.  W.  v.  Zahn.
“Auf  einem  Segler  um  Kap  Horn.  Von  Dr.  R.  Lütgens.
“Nautische  Vermessungen.  Von  Dr.  E.  Kohlschütter.
“Sicherheitsdienst  an  Bord.  Von  Dr.  G.  W.  v.  Zahn.
‘Der  Fährverkehr  zur  See.  Von  Prof.  Dr.  G.  Braun.
“Auf  S.  M.  S.  „Möve“.  Von  Kapitänleutnant  Schlenzka.
Das  Zeppelinschiff  zur  See.  Von  Dr.  Freiherr  v.  Gemmingen.
Riesenschiffe.  Von  Dr.  H.  Michaelsen.
Technik  des  Seewesens.
“Die  Entwicklung  der  Schiffsmaschine.  Von  Prof.  P.  Krainer.
“Auf  einem  deutschen  Kabeldampfer.  Von  W.  Stahlberg.
“Ferngespräche  über  See.  Von  Dr.  A.  Ebeling.
*  Preis  50  Pf.,  die  übrigen  Hefte  kosten  60  Pf.
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U.  S.  Amerikas  Schiffbau  in  Frieden  und  Krieg.

21

beurteilt  werden.  Die  von  der  Regierung  ausgearbeiteten ­
  Pläne  für  Typschiffe  nehmen  Rücksicht  auf  die  Verwendung ­
  der  schnell  zu  beschaffenden  und  sofort  zu
verwendenden  Hölzer,  in  erster  Linie  Oregonpine  und
Douglasföhre,  die  in  wunderbarer  Gleichmäßigkeit  und
in  großen  Längen  vorhanden  sind.  Dieses  weiche  Holz
von  geringer  Festigkeit  erfordert  für  die  verhältnismäßig ­
  niedrigen  und  langen  Frachtdampfer  große  Malerialstärken,
  und  dadurch  entsteht  ein  Schiff,  das  erheblich ­
  schwerer  ist  als  ein  gleich  großes  Eisenschiff,
sowie  weniger  und  schlechteren  Laderaum  besitzt,  da
die  horizontalen  und  vertikalen  Stützen  den  Raum
stark  beeinträchtigen.  Diese  Art  Schiffe  sind  also  nur
brauchbar  für  Stückgüter  und  schwere  Massengüter,
nicht  aber  für  sperrige  Güter,  wie  Wagen,  Autos,  Geschütze, ­
  Flugzeuge,  größere  U-Bootsteile  und  Boote.
Die  hölzernen  Dampfer  aus  frischem  Holz,  von  wenig
geübten  Arbeitern  schnell  zusammengebaut,  werden  bestimmt ­
  nicht  dicht  halten,  und  es  ist  zu  erwarten,  daß
diese  Schiffe  nach  ihren  ersten  Reisen  in  etwas  schwererem ­
  Wetter  so  stark  beschädigt  sind,  daß  sie  längerer
Reparaturen  bedürfen;  einige  werden  auch  in  der
schlechten  Jahreszeit  ihr  Ziel  gqr  nicht  erreichen  und
‘Somit  unseren  U-Booten  die  Arbeit  erleichtern 1 ).
Trotz  aller  dieser  Beschränkungen  und  Schwächen
st  ein  beträchtlicher  Raumzuwachs  an  Holzschiffen  im
aufenden  Jahr  zu  erwarten.
Eisenschiffbau.  Aus  der  geschichtlichen  Entvicklung
  des  Schiffbaues  in  U.  S.  Amerika  ergibt  sich,
laß  es  ein  schwerer  Fehler  wäre,  an  der  Unternehmungstraft,
  dem  technischen  Können  und  der  Leistungsfähig-')

  Die  vorausgesagten  Schäden  sind  nach  Zeitungsnachrichte
on  Ende  März  1918  bereits  eingetreten.*
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