Glied  sein  in  dem  Kranze  freier,  unabhängiger  Völker.  Die  wirtschaftlichen ­
  Schranken  würden  fallen,  es  würde  nach  dem  Grundsätze ­
  der  Selbstbestimmung  der  Völker  alles  Land,  das  deutscher
Kultur  ist,  das  neue  Deutschland  bilden,  und  so,  hieß  es,  könnten
wir  auf  dänische,  könnten  wir  auf  polnische  Gebiete  verzichten.
Friede,  Freiheit,  Brot,  unabhängige  Stellung  in  den  Reihen
der  Völker,  das  war  es,  was  man  uns  als  das  sicher  zu  erwartende ­
  Ergebnis  einer  Demokratisierung  Deutschlands  vorstellte,
und  von  diesen  Hoffnungen  sprach  Scheidemann,  von  diesen  Hoffnungen ­
  sprachen  unsere  Pazifisten,  sprachen  alle  diejenigen,  die
kosmopolitisch  denken,  und  die  deutsche  Wesensart  hintanstellten
gegenüber  dem,  was  sie  Menschheitsgedanken  nannten:  ein  Untergehen, ­
  ein  Untertauchen  der  Nationalitäten  innerhalb  der  großen
Kulturgemeinschaft  der  Menschheit.
Und  heute  —  wenn  Sie  sich  den  Frieden  von  9SerfaüIe§  ansehen ­
  in  allen  seinen  Ungeheuerlichkeiten  —  gäbe  es  denn  eine
noch  so  reaktionäre  Regierung  Deutschlands,  der  man  einen
schlimmeren  Frieden  hätte  aufzwingen  können?  (Sehr  richtigst
Wo  sind  denn  die  moralischen  Eroberungen,
die  wir  durch  unsere  Demokratisierung  und  Republikanisierung
.  in  der  Welt  gemacht  haben?  Wo  ist  denn  der  Gedanke  geblieben,
daß  die  Arbeiterschaft  aufstehen  würde  und  mit  der  großen  Gewalt ­
  der  internationalen  Brüderlichkeit  sich  einsetzen  würde  für
das  Recht  Deutschlands  in  der  Welt?  Unsere  Sozialisten  rufen
hinaus  in  die  Welt,  aber  kein  Echo  antwortet  ihnen.  sSehr  richtig!) ­
  Wenn  man  heute  das  Endergebnis  der  internationalen
Politik  der  deutschen  Sozialdemokratie  nach  einem  halben  Jahrhundert ­
  sieht,  dann,  sollte  man  meinen,  müßte  sie  wenigstens  in
diesem  Augenblick  aufwachen  und  einsehen,  daß  sie  in  einer
Traumwelt  gelebt  hat,  aber  nicht  in  einer  Welt  der  harten  Wirklichkeit. ­
  sSehr  wahr!)  Nein,  wir  haben  aufs  allerbitterste  die
Illusionen  bezahlen  müssen,  die  sich  an  den  Namen  Wilson,  die
sich  an  den  Begriff  Völkerbund,  die  sich  an  den  Begriff  Völkerversöhnunq
  angeknüpft  haben.  Ich  glaube  nicht,  daß  die  Deutsche
Demokratische  Partei  heute  mit  innerer  Genugtuung  daran  zurückdenkt, ­
  daß  sie  ain  Tage  ihrer  Gründung  eine  Art  von  Huldigungstelegramm ­
  an  den  Präsidenten  Wilson  sandle.  (Heitere