innere  Anteilnahme  des  deutschen  Volkes  vor  sich  gegangen.
sSehr  wahr!)  Ich  wage  sogar,  den  ketzerischen  Satz  auszusprechen: ­
  Es  hätte  uns  gar  nichts  geschadet,  wenn  wir  es  bei  der
Rotverfassung  hätten  bewenden  lassen,  und  wenn  sich  die  Nationalversammlung ­
  in  Weimar  in  erster  Linie  um  unsere  wirtschaftliche ­
  und  politische  Zukunft  gekümmert  hätte.  (Sehr  richtig!)
Was  in  der  Reichsverfassung  gäschaffen  worden  ist,  das  ist  ja
kein  Ewigkeitswerk,  das  ist  Gegenwartsarbeit  und  vielfach
Gegenwartsarbeit  ohne  Tiefe,  vom  Tage  geboren  und  für  den
Tag  dahingeschrieben.  Die  ganzen  Verhältnisse,  in  denen  wir
leben,  sind  so  provisorisch,  nicht  nur  in  Deutschland,  sondern  in
der  ganzen  Welt,  daß  es  seltsam  anmutet,  daß  wir  zunächst  die
Aufgabe  fühlten,  eine  deutsche  Verfassung  unter  Dach  und  Fach
zu  bringen,  eine  deutsche  Verfassung,  in  deren  Entwurf  solche
Plattheiten  standen,  wie,  daß  in  Deutschland  jetzt  Gedankenfreiheit ­
  herrschen  solle  sLachen),  was  unseren  verehrten  Freund  Kahl
zu  der  prächtigen  Bemerkung  veranlaßte:  Ach,  meine  Herren
von  den  Ministerbänken,  wenn  Sie  wüßten,  was  ich  manchmal
für  Gedanken  habe,  wenn  ich  Sie  da  sitzen  sehe!  sGrohe  Heiterkeit ­
  und  lebhafter  Beifall!)  Wir  werden!  nicht  durch  Paragraphen
und  nicht  durch  Maueranschläge  herauskommen  aus  der  Wirtschastlichen
  Not  dieser  Tage,  sondern  lediglich  durch  praktische
Arbeit  und  durch  die  Ueberwindung  der  Ängst  vor  dein  Mann
aus  der  Straße  (sehr  richtig!),  die  uns  zu  Maßnahmen  veranlaßt,
die  letzteil  Endes  nur  dazu  dienen  können,  den  Rest  unserer
Wirtschaftskraft  zu  untergraben.
Man  wirft  uns  vor,  daß  wir  gegen  diese  Verfassung  gestimmt
haben.  Ich  glaube,  wir  hätten  alle  Zusammenhänge  mit  der
Ueberlieferung  unserer  eigenen  politischen  Geschichte  verloren,
wir  wären  in  schärfsten  Gegensatz  zu  unserer  inneren  politischen
Ueberzeugung,  gekommen,  wenn  wir  anders  gestimmt  hätten.
Wenn  andere  die  Totengräber  des  Werkes  Bismarcks  sind  —
wir  sehe»  zu  Bismarck  auf,  wir  bleiben  bei  seinen  Gedanken,
wir  denken  nicht  daran,  mit  unseren  Schaufeln  das  alte  Deutschland ­
  in  das  Grab  hineinzubringen.  sLebhafter  Beifall.)  Wir
sehen  trotz  allem  im
deutschen  Kaisertum  das  Sinnbild  deutscher  Einheit