—  26

Denn  was  wir  heule  dort  erleben,  das  ist  nicht  der  Ausstieg  der
Befähigten,  sondern  das  ist  die  Unmöglichkeit  des  Aufstieges  der
Befähigten.  (Sehr  richtig!)  Wenn  Sie  durch  das  ganze  Land
Tarifverträge  schließen  und  gleichzeitig  ein  Mitbestimmungsrecht
  für  die  Arbeiter  und  Angestellten  festlegen,  das  gar  nicht
die  Möglichkeit  gibt,  jemanden,  der  sich  auszeichnet,  der  geistig
um  eines  Hauptes  Länge  aus  dem  Volke  herausragt,  ohne  Genehmigung ­
  dieser  Massen  in  eine  höhere  Stellung  hineinbringen
lfthr  richtig!)  —  ja,
wo  bleibt  denn  da  der  Ausstieg  der  Begabten?
sSehr  gut!)  Dann  haben  Sie  nur  noch  die  eine  Masse,  die  sich
einen  bestimmten  Lebensstandard  garantiert,  aber  Sie  haben
nicht  mehr  die  Auslese  aus  der  Masse,  die  uns  bisher  den  Aufstieg ­
  Deutschlands  gewährleistet  hat.  sSehr  richtig!)
Was  man  hier  an  formalistischer  Uebertreibung  des  Prinzips ­
  tut,  das  führt  man  nach  anderer  Richtung  so  aus,  daß  der
auch  von  mir  schon  im  Frieden  vertretene  Gedanke  der  Einführung ­
  des  parlamentarischen  Systems  doch  heute  in  seiner  Ausführung ­
  zur  Karrikatur  herabgewürdigt  wird.  sZustimmung.)
Parlamentarisches  System  bedeutet  verantwortungsreiches  Ministerium, ­
  gestützt  auf  die  Mehrheit  des  Parlaments,  aber  es
bedeutet  nicht,  daß  bis  zur  Stellung  des  letzten  Nachtwächters
herunter  die  Mitgliedskarte  der  jeweils  herrschenden  Partei  entscheidet ­
  für  die  Anstellung  im  Staate.  (Stürmischer  Beifall.)
Und  was  will  denn  auch  da  die  Entrüstung  des  Herrn  Schiffer
sagen,  der  sich  plötzlich  erinnert,  daß  es  noch  einen  Oberpräsidenten ­
  und  einen  Regierungspräsidenten  gibt,  die  der  Deutschen
Volkspartei  angehören!  Nein,  das  ist  genau  dieselbe  Art  der
Beweisführung,  als  wenn  man  früher  aus  dem  einen  Bürgerlichen ­
  im  Potsdamer  Garderegiment  beweisen  wollte,  daß  eine
Bevorzugung  des  Adels  dort  nicht  stattfände.  (Sehr  gut!)  Vielleicht ­
  läßt  man  absichtlich  einige  Stellen  so  besetzt,  damit  künftige
Vizekanzler  noch  einmal  dieselbe  Rede  für  das  Volk  da  draußen
halten  können.  In  Wirklichkeit  aber  liegen  die  Dinge  heute  so,
und  das  ist  das  tief  Bedauerliche,  daß  man  eines  aufgibt,  das