34

männer  besäßen,  als  wir  sie  bisher  bei  uns  besessen  haben.  sSehr
richtig!)  Was  wir  heute  vor  uns  sehen,  scheint  mir  gar  nicht  so,
ivie  es  die  meisten  ansehen,  als  wenn  das  Erlebnis  dieser  letzten
Zeit  der  Weltkrieg  als  solcher  wäre  mit  seinem  militärischen
Ausgang,  der  eine  große  Epoche  für  künftige  Jahrzehnte  geschafsen
  hat.  Nein,  mir  erscheint  diese  Zeit  als  eine  Zeit  großer  sozialer, ­
  wirtschaftlicher,  politischer  Umwälzungen  in  der  ganzen
Welt,  eine  Entwicklung,  in  der.wir  mitten  darin  stehen,  so  daß
niemand  von  uns  zu  sagen  vermag,  wie  diese  Welt  in  zwei,  drei
Jahren  aussehen  wird,  was  sich  ergibt  aus  diesen  großen  Kämpfen ­
  der  Klassen,  ans  diesem  mächtigen  Aneinanderprallen  der  Gegensätze. ­
  Die  große  Sphinx  Rußland,  von  der  wir  heute  noch
nicht  wissen,  welches  Antlitz  sie  uns  zeigen  wird,  welche  neuen
Verhältnisse  geschaffen  werden,  und  diese  furchtbaren  Lohn»
kämpse  in  Amerika,  die  ja  alles  in  den  Schatten  stellen,  was  wir
hier  e'^ebt  haben!  Wohin  wird  das  gehen,  wohin  führt  dieser
Weg?  Niemand  vermag  es  zu  sagen!  Wohin  führt  überhaupt
der  politische  Weg?  Ist  diese  Welt  neu  eingeteilt,  haben  wir
denn  neue  Verhältnisse,  die  für  das  nächste  halbe  Jahrhundert ­
  unsere  Grenzen  und  die  anderer  bestimmen?  Als  ich  jüngst
in  Westpreußen  war,  habe  ich  dort  positiv  herausgenommen  und
freudig  in  mich  ausgenommen  die  felsenfeste  Ueberzeugung,  daß
von  unseren  deutschen  Brüdern  in  der  Ostmark  kein  Mensch  an
einen  dauernden  Bestand  des  Polenreiches  glaubt  (stürmischer
Beifall!),  daß  sie  alle  davon  durchdrungen  sind,  daß  dieser
Kampf,  auch  dieser  Geisteskampfs  nicht  ausgekämpft  ist.  Diese
lebensunfähigen  Gebilde  in  Livland,  in  Estland,  in  Finnland,
das  ungelöste  Schicksal  der  Türkei,  der  große  Gegensatz  am  Pazifischen ­
  Ozean,  wie  das  einmal  ausklingen  wird,  wer  vermag
das  Heute  zu  sagen?  Denken  Sie  an  die  großen  Umwälzungen,
die  einen  gewissen  Abschluß  fanden  am  18.  Oktober  1813.  Das
war  der  Abschluß  einer  20jährigeu  Periode  der  größten  mili-  i
tärischen  und  wirtschaftlichen  Umwälzungen.  (Sehr  richtig!)
Damals  begann  die  große  Revolutionsperiode  mit  den  geistige,.
Kämpfen.  Der  Gedanke  der  Menschenrechte,  hineingeworfen  i;  {.
das  Volk,  führte  zum  Sturz  des  Königtums,  führte  zu  den  ver-st
schiedenen  Arten  revolutionärer  Herrschaft,  führte  darauf  zur
Dynastie  eines  Napoleons,  dann  zur  Wiedereinsetzung  der  Mo-