35

narchie,  und  in  der  Zwischenzeit  war  ganz  Europa  in  einen  Strudel ­
  der  Entwicklung  hineingerissen  worden,  in  dem  es  nichts  Beständiges ­
  gab.  In  diesem  Jahrhundert  begannen  die  großen  Umwälzungen ­
  mit  der  militärischen  Entladung.  Hinter  dieser  militärischen ­
  Entladung  kamen  die  großen  sozialen  Kämpfe.  Töricht
ist,  glaube  ich,  wer  da  annimmt,  daß  die  Ratifizierung  des  Friedens ­
  von  Versailles  jetzt  den  Schlußpunkt  unter  diese  ganze  Entwicklung ­
  der  Welt  s-^tzt.  sSehr  wahr!)  Nein,  wir  wissen  nicht,
toas  die  Weltentwicklung  bringen  wird.  Nicht  in  törichtem  Optimismus ­
  wollen  wir  an  das  Wunderbare  glauben,  das  da  kommen ­
  und  uns  ausrichten  soll,  aber  glauben  an  die  Bestimmung  des
deutschen  Volkes  in  der  Welt.  Und  wenn  man  es  zurückgewiesen
hat,  daß  am  deutschen  Wesen  die  Welt  genesen  soll,  dann  ist  das
eine  wohl  wenigstens.,  zu  sagen,  daß
am  deutschen  Wesen  Deutschland  wieder  genesen  muß
Beifall),  daß  wir  zurückkehren  müssen  zu  den  alten  Grundtatachen ­
  deutschen  Denkens,  und  deutschen  Wollens,  auch  zu  unsrer ­
  alten  deutschen  Eigenart  der  Autorität,  der  Ordnung  und
Unterordnung,  der  Arbeit  und  der  Sitte,  so  wie  sie  einst  im
deutschen  Volke  gewesen  sind.  sLehhafter  Beifall.)  Wenn  wir
dazu  zurückkommen,  wenn  wir  dann  wieder  unsere  Kräfte  zunächst ­
  anwenden  im  wirtschaftlichen  Kampfe  —  das  andere  wird
dann  kommen,  wenn  wir  uns  nicht  verlieren:  den  Glauben  an
uns  selbst.
Lassen  Sie  mich  mit  einer  Betrachtung  schließen.  In  Weimar ­
  war  es,  am  zweiten  Aage  nach  der  Eröffnung  der  Nationalversammlung, ­
  da  ward  eine  Aufführung  veranstaltet  im  Weimarer ­
  Theater,  in  der  Armbrust.  Uns  zu  Ehren  gab  man
Goethes  „Iphigenie".  Seltsam  war  es,  wie  manche  Worte  aus
diesem  Goetheschen  Drama  uns  ans  Herz  griffen  —  der  furchtbare ­
  Sturz  des  Tantalidengeschlechts  —,  wie  sprach  er  zu  uns,
ls  wenn  er  spräche  von  dem,  was  ja  die  Welt  auch  noch  nicht
,sehen  hat,  dem  Sturze  von  der  Höhe  des  alten  Deutschlands
der  niedrigen  und  demutsvollen  Stellung,  die  uns  das  der
&gt;lotte,  des  Heeres,  der  -Schiffe  beraubte  Deutschland  der  Gegenwart ­
  unter  unfähiger  Leitung,bietet.  Da  sprach  Iphigenie  von
dem  Schicksal,  das  solches  herbeiführt,  sprach  die  Worte: