— Das britische Prestige — 37 England weniger seinen Erfolgen in den letzten Jahr zehnten, als dem gewaltigen Aufschwung seiner Volkswirt schaft und Seewirtschaft im 18. Jahrhundert bis in dre ersten Dreiviertel des 19. Jahrhunderts verdankt. Die englische Sprache, der englische Wechsel, das englische Geld, die englische Gesellschaft hatten überall bisher eine gewisse Vorzugsstellung, welche die geschäftlichen Wünsche und Be strebungen der Engländer unterstützten, ja zum Teil zu deren Nachteil so übertrieben unterstützten, daß eine ge wisse Erschlaffung des überseeischen britischen Unterneh mungsgeistes eintrat. Wird dieses P r e st i g e d u r ch d en Krieg nicht gebrochen oder zumindest durch die Stärkung des deutschen Prestige eine Schmälerung erfah ren, so wird es dem neu erwachenden Unternehmungsgeist der Engländer stärkeren Schutz gewähren als je. Vergegenwärtigen wir uns in diesem Zusammen hange, was die Deutschen im Auslande, was die Ausländs deutschen wirtschaftlich geleistet haben. Während die wirt schaftliche Betätigung der Engländer, wenn sie ihr altes Mutterland verließen, zum größten Teil in dem sogenann ten „Kolonisieren" bestand, und der Engländer in der Tat ein gewisser, wenn auch moralisch keineswegs einwands freier, ökonomischer Mustertypus eines Kolonisators ge worden ist, so hat die Tätigkeit des Deutschen im Aus lande auf anderen Gebieten gelegen. Deutschland ist nicht in einer Zeit groß geworden, in welcher noch überaus weite und reiche überseeische Gebiete der Kolonisation offen standen. Vielleicht liegt es auch dom Deutschen nicht so stark wie dem Engländer, zu kolonisieren, d. h. unzivili sierten Ländern den Stempel des eigenen Mutterlandes aufzudrücken. Der Auslanddeutsche ging vielmehr in bereits zivilisierte Länder oder in solche, welche in sort- schreitender Zivilisation begriffen waren, und versuchte