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        <title>Die englische Gefahr für die weltwirtschaftliche Zukunft des Deutschen Reiches</title>
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      <div>30 — Britische Absatzgebiete und deutsche Kolonien — 
ordentliche Beeinträchtigung unsere Ausfuhr, unsere See 
schiffahrt und unser Außenhandel aus einer handelspoliti 
schen Verschlechterung der Beziehungen zu Eroß-Vritannien 
und seinen Kolonien erfahren würde. Eine solche Ver 
schlechterung läßt sich aber nur dann vermeiden, wenn wir 
in der Lage sind, sowohl von dem britischen Mutterlande 
wie auch von seinen Kolonien Handelsverträge zu erwir 
ken, welche mit dem System der Vorzugszölle aufräumen 
und überhaupt jede neue Beeinträchtigung des deutschen 
Wettbewerbes ausschließen?) Aber auch dieses Ziel kann 
nur erreicht werden, wenn Groß-Britannien selbst sich als 
besiegt erklären muß und seine Kolonien, anstatt ihnen Be 
lohnungen für die geleistete Hilfe zu gewähren, dazu ver 
anlaßt, ihrerseits die Konseguenzen aus der Niederlage des 
Mutterlandes zu ziehen. Man erhebe nicht den Einwand, 
daß der Besitz eines vergrößerten deutschen Kolonialreiches 
unsere Ausfuhr für den Ausfall entschädigen kann, der 
unter Umständen durch einen britischen Zollverein unserer 
Industrie entstehen würde. Die Bedeutung des britischen 
Weltreiches für unsere Industrie ist, wie die obigen Zahlen 
zeigen, viel zu groß, als daß eine Erweiterung unseres 
Kolonialbesitzes, so iiberaus wünschenswert diese auch er- 
Z Hierher würde auch eine Beseitigung solcher englischer Maß 
nahmen gehören, welche, wie präferentielle Ausfuhrzölle auf koloniale 
Produkte, einen besonderen Schutz für die heimische englische In 
dustrie bedeuten. So hat England während des Krieges einen Zoll 
auf die Ausfuhr der westafrikanischen Palmkerne gelegt, welcher bei 
der Verarbeitung der Palmkerne im Mutterlande zurück 
vergütet wird. Hierdurch soll die englische Weiterverarbeitung 
einen besonderen Schutz vor der ausländischen genießen. Es ist selbst 
verständlich, daß eine derartige Maßnahme diejenigen Zweige un 
serer weiterverarbeitenden Industrie, welche an dem Bezüge dieses 
Rohstoffes interessiert sind, vor allen Dingen die Seifen- und Mar 
garine-Industrie, auf das schwer st e schädigen müßte, 
wenn sie im Frieden beibehalten würde.</div>
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