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        <title>Die englische Gefahr für die weltwirtschaftliche Zukunft des Deutschen Reiches</title>
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            <forname>Hermann</forname>
            <surname>Levy</surname>
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        </author>
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            <idno>1041221444</idno>
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        Die
englische  Gefahr
für  die  weltwirtschaftliche  Zukunft
des  Deutschen  Reiches
von

Professor  vr.  Hermann  Levh.
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/
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        Die  englische  Gefahr
für  die  weltwirtschaftliche  Zukunft
des  Deutschen  Reiches
von

Professor  vr.  Hermann  Levy.

Verlag  Karl  Curtins,  Berlin.
        <pb n="3" />
        Tatsachen  der  Geschichte  lehren,  daß  der  wirtschaftliche ­
  Aufschwung  einer  Nation  stets  mit  der  politischen
Machtstellung  derselben  auf  das  Engste  verbunden  gewesen
ist.  Die  wirtschaftliche  Blütezeit  Spaniens,  die  Gründung
des  ersten  modernen  Kolonialreiches,  fällt  in  die  Zeit  des
machtpolitischen  Höhepunktes  des  spanischen  Reiches  unter
Karl  V.  und  Philipp  II.  Unter  Ludwig  XIV.,  welcher
seinen  Staat  nach  innen  wie  nach  außen  zu  höchster  Machtentfaltung ­
  brachte,  erlebte  Frankreich  das  Aufblühen  seines
Handels  und  seines  Gewerbes;  es  wurde  in  jener  Zeit  zum
Musterbild  des  Merkantilsystems  bis  in  das  18.  Jahrhundert ­
  hinein.  Holland  vermochte  nach  Losreißung  von
der  spanischen  Obergewalt  unter  den  Dräniern  eine  Seegeltung ­
  zu  erlangen  und  eine  wirtschaftliche  Kolonialmacht
zu  gründen,  welche  wiederum  von  England  im  17.  Jahrhundert ­
  auf  das  Stärkste  beneidet  und  auf  das  Eifrigste
nachgebildet  wurde.  England  aber,  dessen  erste  innerwirtschaftliche ­
  Vorwärtsentwicklung  mit  den  politischen  Erfolgen ­
  der  Königin  Elisabeth  zusammenfiel,  stand  seit  den
glorreichen  Tagen  der  Eromwell'schen  Politik  unter  dem
Zeichen  eines  bisher  in  keinem  der  genannten  Länder  bekannten ­
  außenwirtschaftlichen  Emporblühens.  Die  politische ­
  Macht,  welche  England  unter  Cromwell  errungen
und  unter  Wilhelm  III.  weiter  befestigt  hatte,  wurde  im
18.  Jahrhundert  und  zu  Beginn  des  19.  Jahrhundert  die
Grundlage  für  seine  sich  immer  stärker  ausdehnenden  kolonialen ­
  Erwerbungen  und  damit  seiner  Handelsschiffahrt;
hierdurch  aber  wiederum  wurde  England  in  Stand  gesetzt,
die  großen  technischen  Errungenschaften  der  Neuzeit,  wie
        <pb n="4" />
        4

—  Weltpolitik  und  Wirtschaftspolitik  —

die  Anwendung  der  Maschinen  und  der  Dampfkraft  auf
den  Gewerbebetrieb  und  die  Erfindung  der  Eisenbahn  und
des  Dampfschiffes,  als  erste  unter  allen  Nationen  nutzbringend ­
  innerhalb  des  von  ihm  politisch  beherrschten
Wirtschaftsbereiches  der  Welt  zu  verwenden.  Das  gewaltige ­
  Kolonialreich,  das  zunächst  auch  noch  die  heutigen  Vereinigten ­
  Staaten  von  Amerika  umschloß,  und  das  Vorhandensein ­
  einer  für  die  damalige  Zeit  bedeutsamen  Handelsflotte ­
  sicherten  England  als  erstem  Lande  vor  allen  anderen ­
  die  Möglichkeit  des  Massenabsatzes,  welcher  sich
wiederum  aus  den  Neuerungen  der  Gewerbe-  und  Verkehrstechnik ­
  ergab,  ein  Vorsprung,  auf  den  auch  heute  noch
die  weltwirtschaftliche  Stellung  Englands  wesentlich  zurückzuführen ­
  ist.
Auch  in  unserer  Geschichte  haben  wir  frühzeitig  erfahren, ­
  daß  politischer  und  wirtschaftlicher  Fortschritt  Hand
in  Hand  gehen.  So  war  es  Friedrich  der  Große,  der  einerseits ­
  durch  feine  siegreichen  Feldzüge  die  Grenzen  Preußens ­
  sicherte  und  erweiterte,  während  andererseits  unter
ihm  die  ersten  Anfänge  eines  zielbewußten  und  erfolgreichen ­
  Merkantilstaates  zu  suchen  sind,  ein  Aufschwung  der
damaligen  preußischen  Landwirtschaft,  die  Gründung  zahlreicher ­
  neuer  Industrien,  die  Umformung  des  Beamtenstaates ­
  in  Anpassung  an  die  wirtschaftlichen  Errungenschaften ­
  der  Zeit.  Aber  alle  diese  Errungenschaften  bedeuten ­
  —  ganz  ähnlich  wie  diejenigen  der  Königin  Elisabeth ­
  in  England  —  immer  erst  die  innere  wirtschaftliche
Festigung  Preußens.  Von  einer  Anbahnung  weltwirtschaftlicher ­
  oder  gar  kolonialer  Beziehungen  ist  weder  unter
Friedrich  dem  Großen  noch  später  die  Rede  gewesen.  Die
Zeit  der  Verflechtung  in  die  Weltwirtschaft  war  solange
für  die  Deutschen  noch  nicht  gekommen,  wie  noch  Probleme
der  inneren  Vereinheitlichung,  sowohl  in  politischer  wie
        <pb n="5" />
        —  Entwicklung  unserer  Ausfuhr  —  5
in  wirtschaftlicher  Hinsicht,  gelöst  werden  mutzten.  Erst  mit
der  Gründung  des  Deutschen  Reiches  beginnt  für  uns
eine  neue  Phase.  Mit  jenem  Zeitpunkt  ist  auch  für  uns  die
innere  Vereinheitlichung  verwirklicht,  welche  andere  Länder ­
  schon  im  16.,  17.  und  18.  Jahrhundert  verwirklicht
hatten.  Von  nun  an  beginnt  gleichzeitig  mit  unserer
machtpolitischen  Weiterentwicklung  auch  eine  engere  Beziehung ­
  zu  der  Weltwirtschaft.
Es  ist  hier  nicht  der  Ort,  von  neuem  darzulegen,  in
welcher  Weise  sich  der  deutsche  Handel,  die  deutsche  Industrie ­
  und  die  deutsche  Seeschiffahrt  seit  der  Gründung  des
Reiches  entwickelt  haben.  Nur  an  einige  entscheidende
Ziffern  soll  erinnert  werden.  Der  Wert  der  deutschen
Ausfuhr,  welcher  im  Jahre  1872  erst  2,4  Milliarden  M.  betrug, ­
  war  im  Jahre  1918  auf  10  Milliarden  Mark  angewachsen. ­
  Die  Gewinnung  von  Steinkohlen  im  Deutschen
Reich  ist  von  71  Millionen  Tonnen  im  Jahre  1892  auf
174  Millionen  Tonnen  im  Jahre  1912  gestiegen,  die  Eisenerzgewinnung
  in  dem  gleichen  Zeitraume  von  11,5  Mill.
Tonnen  auf  32,6  Millionen  Tonnen.  Auch  dieses  starke
Anwachsen  zweier  für  die  Produktivkraft  Deutschlands  so
wichtiger  Erwerbszweige  steht  im  engsten  Zusammenhange
mit  der  Ausfuhr.  Hat  doch  die  Ausfuhr  von  Steinkohlen
aus  dem  Deutschen  Reiche  im  Jahre  1913  die  stattliche
Ziffer  von  34,5  Millionen  Tonnen  erreicht,  während  dem
Werte  nach  diese  Ausfuhr  mit  über  einer  halben  Milliarde
Mark  im  Jahr  an  dritter  Stelle  in  unserer  Gesamtausfuhr
stand.  Die  steigende  Eisenerzgewinnung  aber  ermöglichte
den  gewaltigen  Aufschwung  unserer  Ausfuhr  von  Eisen,
Eisenwaren  und  Maschinen  aller  Art;  betrug  doch  im
Jahre  1913  allein  die  Ausfuhr  der  beiden  letztgenannten
Gruppen  1,3  Milliarden  Mark,  nicht  weniger  als  13,3  °/ 0
des  Wertes  unserer  Eesamtausfuhr.  Hieran  reihen  sich  an-
        <pb n="6" />
        6  —  Die  deutsche  Handelsschiffahrt  —
bete  wichtige  Erwerbszweige,  welche  in  hohem  und  wachsendem ­
  Maße  an  der  Ausfuhr  interessiert  sind:  vor  allem
die  Textilindustrie  in  allen  ihren  Zweigen,  welche  ebenfalls ­
  im  Jahre  1913  den  Ausfuhrwert  von  einer  Milliarde
überschritten  hatte,  dann  die  Zuckerindustrie,  unser  großes, ­
  mit  der  deutschen  Landwirtschaft  so  eng  verknüpftes
Exportgewerbe,  weiter  eine  Reihe  von  Industrien,  deren
Leistungsfähigkeit  spezifischem  deutschen  Erfindergeist  zuzuschreiben ­
  ist,  wie  die  Industrien  der  Anilin-  und  Teerfarbstoffe ­
  und  der  chemischen  und  pharmazeutischen  Fabrikate ­
  überhaupt,  und  endlich  eine  ganze  Reihe  anderer
wichtiger  Industrien,  wie  etwa  die  Papierindustrie,  die
Lederindustrie,  die  elektrische  Industrie  usw.,  Industrien,
welche  alle  gerade  in  dem  letzten  Jahrzehnt  ihre  Ausfuhrtätigkeit ­
  wesentlich  haben  erhöhen  können.  Erinnert  aber
sei  noch  gerade  in  diesem  Zusammenhang  an  die  erfolgreiche ­
  und  rasche  Ausdehnung  unserer  Handelsschiffahrt
seit  der  Gründung  des  Deutschen  Reiches:  während  im
Jahre  1873  die  Seereisen  deutscher  Schiffe  mit  Ladung  erst
einen  Nettoraumgehalt  von  6,7  Millionen  Reg.-tons  repräsentierten, ­
  war  im  Jahre  1913  diese  Ziffer  auf  50
Millionen  Reg.-tons  angewachsen.  Diese  Zunahme  aber
war  wesentlich  auf  die  Reisen  deutscher  Seeschiffe  zwischen
deutschen  und  außerdeutschen  Häfen  einerseits  und  zwischen
außerdeutschen  Häsen  andererseits  zurückzuführen.  Man
könnte  diesen  Zahlen  natürlich  eine  stattliche  Anzahl  weiterer ­
  Belege  und  Tabellen  anreihen,  welche  den  Aufschwung ­
  der  Volkswirtschaft  des  jungen  Deutschen  Reiches
beweisen.  Aber  diese  wenigen  Ziffern  genügen  schon,  um
darzutun,  wie  sich  auch  für  das  Deutsche  ^  'ich  die  geschichtliche ­
  Tatsache  bewahrheitet  hat:  daß  .  e  Stärkung
der  politischen  Macht  durch  Vereinheitlichung ­
  im  Innern  und  größerer  politi-
        <pb n="7" />
        —  Einfuhr  bedingt  Ausfuhr  —

7

scher  Geltung  nach  außen  von  einer  volkswirtschaftlichen ­
  und  in  heutiger  Zeitvor
allem  auch  weltwirtschaftlichen  Vorwärtsentwicklung ­
  begleitet  wird.
Wir  haben  diese  Ausfuhr  nicht  geschaffen  und  unsere
sonstigen  Beziehungen  zur  Weltwirtschaft  nicht  erweitert,
um  irgend  einem  äußerlichen  Ehrgeiz  Genüge  zu  tun.
Unsere  erhöhte  Ausfuhr  war  vielmehr  eine  unbedingte
volkswirtschaftliche  Notwendigkeit,  eine  Grundlage  und
Voraussetzung  unseres  wirtschaftlichen  Fortbestehens.
Der  ständige  erfreuliche  Zuwachs  unserer  Bevölkerung
machte  es  nötig,  —  wenn  wir  nicht  eine  ungesunde  Auswanderung ­
  begünstigen  wollten  —  einen  Teil  unserer
jährlich  sich  mehrenden  Arbeitskräfte  in  den  Dienst  weltwirtschaftlicher ­
  Arbeitsteilung  zu  stellen.  Wir  wollten  an
den  Errungenschaften  der  modernen  Verkehrstechnik  und
der  damit  einhergehenden  Aufschließung  billig  produzierender ­
  überseeischer  und  sonstiger  Agrarländer  teilnehmen,
soweit  hierdurch  die  produktiven  Interessen  unserer  eigenen
Landwirtschaft  nicht  gefährdet  wurden.  Im  Ernährungsintereffe
  unserer  Konsumenten  und  unserer  Arbeiterschaft
führten  wir  steigende  Mengen  von  Nahrungsmitteln  und
Futterstoffen  aus  solchen  Gebieten  ein.  Gleichzeitig  benötigten ­
  wir  in  immer  steigendem  Maße  eine  große  Menge
von  industriellen  Rohstoffen,  die  wir  entweder  gar  nicht
oder  zumindest  nicht  in  großem  Maßstabe  selbst  gewinnen
konnten,  wie  Baumwolle,  Schafwolle,  Kupfer,  besonders
geartete  Eisenerze,  Rohseide,  Kautschuk,  Kopra,  Jute  und
zahlreiche  andere  Rohstoffe.  Diese  benötigten  wir  für  die
Entwicklung  "nserer  Industrie.  In  dem  Maße  aber,  wie
wir  mehr  und  ^  hr  als  Käufer  gegenüber  dem  Weltmarkt
auftraten,  mußten  wir  auch  darauf  bedacht  fein,  diese  Käufe
durch  Verkäufe  zu  bezahlen.  Denn  kein  Land  kann,  ohne
        <pb n="8" />
        8

—  Ausfuhr  und  Arbeiterfrage  —

zu  verarmen,  auf  die  Dauer  nur  kaufen  ohne  zu  verkaufen.
So  mußten  mir,  wenn  wir  die  Segnungen  der  Weltwirtschaft ­
  nicht  von  uns  weisen  wollten,  gleichzeitig  die  Ausfuhr ­
  nach  der  Weltwirtschaft  im  großen  Stil  betreiben.
Diese  Ausfuhr  aber  wiederum  förderte  die  Möglichkeiten
unserer  industriellen  Technik.  Denn  je  größer  die  Produktionsmenge ­
  wurde,  auf  welche  sich  unsere  Industriebetriebe ­
  einstellen  konnten,  um  so  geringer  wurden  die
Kosten,  zu  denen  der  einzelne  Betrieb  zu  produzieren  vermochte ­
  und  um  so  größer  unsere  Wettbewerbsfähigkeit  auf
dem  Weltmärkte  gegenüber  dem  einstmaligen  Alleinherrscher ­
  auf  demselben:  England.  Unter  diesen  Verhältnissen
war  es  möglich,  unsere  steigende  Bevölkerung  nicht  nur
unserm  Lande  selbst  im  wesentlichen  zu  erhalten,  sondern
sie  auch  zu  immer  besseren  Bedingungen  in  unserer  Volkswirtschaft ­
  zu  beschäftigen.  Die  Arbeitslöhne  sind,  wie  bekannt, ­
  in  den  letzten  25  Jahren  gewaltig  gestiegen,  während ­
  gleichzeitig  unsere  sozialpolitischen  Gesetze  die  Lage
der  Arbeiterschaft  wesentlich  gesichert  und  verbessert  haben.
Das  erfreulichste  aber  war,  daß  gleichzeitig  das  Sparkapital ­
  unserer  Bevölkerung  einen  erheblichen  Zuwachs  erfahren ­
  konnte;  hat  doch  in  dem  kurzen  Zeitraum  von  1906
bis  1912  das  Gesamt-Guthaben  der  Einleger  bei  öffentlichen ­
  und  nichtöffentlichen  Sparkassen  eine  Steigerung
von  13,4  Milliarden  auf  18,6  Milliarden  Mark  erfahren
bei  einer  gleichzeitigen  Erhöhung  der  Zahl  der  Sparkassenbücher ­
  von  18,6  Millionen  auf  22,9  Millionen.
Wenn  der  Krieg  vorüber  ist,  wird  das  Ausfuhrbedürfnis ­
  des  Deutschen  Reiches  nicht  geringer  sein  als  vor  Beginn ­
  des  Krieges.  Gewiß,  wir  werden  durch  die  gewaltigen ­
  technischen  Fortschritte,  welche  wir  während  des
Krieges  und  unter  dem  Zwange  des  Krieges  gemacht
Haben,  in  der  Lage  sein,  dieses  oder  jenes  Produkt,  das  wir
        <pb n="9" />
        —  Das  Cinsuhrbedürfnis  nach  dem  Kriege  —

9

bisher  von  auswärts  einführten,  ganz  oder  vielleicht  zu
einem  gewissen  Teil  selbst  zu  erzeugen,  so  z.  B.  wird  die
Gewinnung  von  Salpeter  aus  der  Luft  unter  Umständen
die  Einfuhr  von  Chile-Salpeter  überflüssig  machen.  Ferner ­
  werden  wir,  durch  die  Erfahrungen  des  Krieges  belehrt, ­
  eine  systematische  Vorratswirtschaft  betreiben,  die
darin  gipfeln  wird,  uns  für  den  Fall  eines  kommenden
Krieges  von  der  Zufuhr  bestimmter  Waren  aus  dem  Auslande ­
  unabhängiger  zu  machen  als  bisher.  Wir  werden
vielleicht  aus  dieser  oder  jener  Gebietserweiterung  eine
stärkere  Eigenversorgung  mit  Nahrungsmitteln  gewährleisten ­
  können,  und  wir  werden  diese  oder  jene  Waren,
selbst  wenn  ein  hoher  Zollschutz  nötig  ist,  in  stärkerem  Matze
selbst  produzieren,  um  uns  vor  Gefahren  künftiger  kriegerischer ­
  Verwicklungen  zu  sichern.  Aber  aufderanderen
Seite  bleibt  zu  bedenken,  datz  wir  nach  wie  vor  auf  die
Inanspruchnahme  des  Weltmarktes  nicht  verzichten  können,
dort  nämlich,  wo  es  sich  darum  handelt,  industrielle  Rohstoffe, ­
  welche  wir  nicht  erzeugen,  einzuführen;  auch  werden
wir  billige  Nahrungsmittel  aus  überseeischen  und  anderen
Gebieten  einführen,  soweit  es  der  Schutz  unserer  eigenen
landwirtschaftlichen  Interessen  gestattet,  ja  wir  werden  gerade, ­
  um  eine  Vorratsvorsorge  zu  treiben,  diese  Nahrungsmittel ­
  vielfach  zum  Zwecke  der  Bildung  von  Vorratskammern ­
  einführen,  welche,  ähnlich  wie  die  bekannten  amerikanischen ­
  Getreideelevatoren,  einen  bestimmten,  sich  immer
wieder  ergänzenden  Bestand  solcher  Nahrungsmittel  oder
Rohstoffe  halten  werden.  Dazu  kommt,  datz  in  dem
ersten  Jahre  des  Friedens  die  Ansprüche  an  die  Einfuhr
all  derjenigen  Nahrungsmittel  und  Rohstoffe,  deren  übliche
Reserven  wir  im  Kriege  verbraucht  haben,  ganz  besonders
stark  sein  werden,  so  daß  unmittelbar  nach  Friedensschluß
ein  außerordentlich  starkes  Einfuhrbedürfnis  des  Deut-
        <pb n="10" />
        10  —  Das  Ausfuhrbedürfnis  nach  dem  Kriege  —
schon  Reiches  auf  allen  möglichen  Gebieten  bestehen  wird.
Aus  allen  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  daß  wir  auch  unmittelbar ­
  nach  dem  Kriege  eine  Steigerung  und  Förderung ­
  unserer  Ausfuhr  dringend  nötig  haben.
Denn  wenn  wir  jene  ausländischen  Nahrungsmittel  und
Rohstoffe,  die  wir  benötigen,  mit  Gold  anstatt  mit  Waren
bezahlen  müßten,  so  würde  unser  Wechselkurs  sich  derartig
verschlechtern,  daß  unsere  Volkswirtschaft  diese  notwendigen ­
  Erzeugnisse  zu  geradezu  unerschwinglichen  Preisen
kaufen  müßte,  und  die  Konsumenten  sowie  die  Arbeiterschaft ­
  würden  in  erster  Linie  die  Leidtragenden  sein.  Sehr
bemerkenswert  ist  in  dieser  Hinsicht  die  Auffassung,  welche
von  Max  Eohen  -Reuß  in  den  Sozialistischen  Monatsheften ­
  vom  3.  August  1916  ausgesprochen  wird.  Es  heißt
dort:  „Es  sieht  ganz  so  aus,  als  ob  auch  nach  diesem  Krieg
England  dem  Deutschen  Reiche  nicht  die  weitgehenden
Konzessionen  zu  machen  gedenkt,  ohne  die  Deutschlands ­
  weltwirtschaftliche  Betätigung
dauernd  bedroht  erscheint,  so  daß  wahrscheinlich ­
  der  deutsch-englische  Gegensatz  (bei  dem  obendrein  die
Vereinigten  Staaten  von  Amerika  hinter  England  stehen
werden)  auch  nach  wiederhergestelltem  Frieden  noch  auf
lange  hinaus  eine  schlimme  und  bedrohliche  Tatsache  sein
wird.  Mit  ihr  wird  auch  die  deutsche  Arbeiterklasse ­
  zu  rechnen  haben,  und  sie  wird  prüfen  müssen,
welche  Folgen  sich  für  sie  aus  einer  solchen  Situation  ergeben. ­
  Auch  wer  noch  so  sehnlichst  wünscht,  daß  eine  deutschenglische ­
  Verständigung  die  schweren  Gefahren  bannen
möchte,  die  der  Gegensatz  zwischen  den  beiden  Ländern
dauernd  in  sich  birgt,  wird  nach  den  Erfahrungen  dieses
Krieges  mit  der  Wahrscheinlichkeit  einer  solchen  Verständigung ­
  nicht  rechnen  können.  Wenn  es  nach  Englands
Wünschen  ginge,  so  würde  die  Lage  Deutschlands  nach  dem
        <pb n="11" />
        —  Ein  sozialistisches  Urteil  —

11

Krieg  (abgesehen  von  den  unmittelbaren  Schäden  und
Folgen  des  Kampfes)  für  feine  weltwirtschaftliche  Arbeit
so  schwierig  wie  nur  irgend  denkbar  werd
  e  n.  Seiner  Kolonien  beraubt,  die  Rohstoffzufuhr  erschwert ­
  und  verteuert  durch  die  Kontrolle,  die  Großbritannien ­
  über  den  größten  Teil  der  Rohstoffausfuhrländer
auszuüben  vermag,  würden  dem  Deutschen  Reich  die
Grundlagen  seiner  Existenz  und  feines  Wohlstandes  entzogen, ­
  und  im  besonderen  würde  der  Lebens  st  and
der  deutschen  Arbeiter  in  einer  Weise  Herabgedrücktwerden, ­
  die  man  sich  kaum  auszudenken
vermag.  Hier  handelt  es  sich  in  der  Tat  um  die  direktesten
Interessen  der  deutschen  Arbeiterklasse.  Die  gewerkschaftlich ­
  organisierten  Arbeiter  wissen  es  alle,  daß  eine  Befchneidung
  der  Rohstoffzufuhr  für  sie  ebenso  unerträglich  wäre
wie  eine  Eindämmung  des  Warenabsatzes,  und  daß  sie  sich
mit  allen  zu  Gebote  stehenden  Mitteln  gegen  den  wehren
müssen,  der  ihr  Dasein  und  ihre  Zukunft  in  der  angedeuteten ­
  Weise  bedroht.  Die  zahllosen  und  beweiskräftigen
Tatsachen  des  englischen  Wirtschaftskrieges  lassen  keinen
Zweifel  darüber  aufkommen,  wie  ernst  es  den  in  England
ausschlaggebenden  Schichten  mit  dem  Bestreben  ist,  die
deutsche  Wirtschaft  auf  Jahrzehnte  hinaus  zu  Boden  zu
werfen."
Darum  bleibt  sowohl  für  die  fernere  Zukunft  wie
ganz  besonders  für  die  ersten  Jahre  nach  dem  Kriege  eine
wesentliche  Forderung  für  alle  Kreise  unserer  Volkswirtschaft, ­
  sei  es  für  die  Unternehmer  in  der  Industrie,  welche
ihre  Betriebe  voll  ausnützen  wollen  und  ihre  Rohstoffe
billig  beziehen  müssen,  sei  es  für  die  Arbeiter  in  diesen
Betrieben,  welche  nur  bei  einem  entsprechenden  Absatz  der
Produktion  auf  Erhaltung  und  Erhöhung  ihrer  Löhne
rechnen  können,  sei  es  für  die  Landwirte,  welche  zur
        <pb n="12" />
        12

Englands  Absichten  —

Neubelebung  des  stark  gekürzten  Viehbestandes  die  Einfuhr
von  Mais  und  sonstigen  Futtermitteln  benötigen,  sei  es
für  die  Konsumenten,  welche  zu  einer  unkriegsgemätzen
Lebensweise  zurückkehren  möchten:  daß  wir  uns  den  Absatz,
den  wir  in  Friedenszeiten  auf  dem  Weltmärkte  hatten,
erhalten  und  nach  allen  Kräften  weiter  pflegen  und
steigern.
Können  wir  dieses  Ziel  erreichen,  ohne  denjenigen
unserer  Feinde,  welcher  den  Krieg  gegen  uns  gerade  aus
Gründen  des  weltwirtschaftlichen  Konkurrenzneides  eröffnet ­
  hat  und  zu  dem  Zwecke  führt,  uns  von  dem  Weltmarkt ­
  zu  vertreiben,  können  wir  dieses  Ziel  erreichen,
ohne  unseren  Feind,  England,  besiegt
zu  haben?
Datz  unsere  Feinde  willens  sind,  den  Krieg  nach  dem
Kriege  in  Form  eines  gemeinsamen  wirtschaftlichen  Offensivplanes ­
  gegen  uns  weiter  zu  führen,  haben  die  Beschlüsse
der  Pariser  Wirtschaftskonferenz  vom  14.—17.  Juni  1916
deutlich  gezeigt.  Nun  wird  man  freilich  gegenüber  diesen
Beschlüssen  der  Alliierten  sagen  müssen,  datz  auch  in  diesem ­
  Falle  die  Speise  nicht  so  heitz  gegessen  werden  wird,
wie  sie  gekocht  ist.  Eine  Fortführung  des  militärischen
Krieges  als  Wirtschaftskrieg  mit  allen  jenen  völkerrechtswidrigen ­
  und  schikanösen  Matznahmen,  welche  ganz  besonders ­
  England  während  des  Krieges  zur  Knebelung  und
Vernichtung  des  deutschen  Handels-  und  Wirtschaftslebens
ergriffen  hat,  würde  teilweise  gar  nicht  im  volkswirtschaftlichen ­
  Interesse  unserer  Feinde  selbst  liegen,  ferner  zu  einem
großen  Teil  die  Interessen  der  neutralen  Länder  und  damit ­
  wiederum  das  Selbstintersse  unserer  Feinde  schädigen,
und  endlich  bleibt  zu  bedenken,  daß  zu  einer  so  umfassenden
wirtschafts-  und  handelspolitischen  Organisation,  wie  sie
        <pb n="13" />
        —  Stärkere  weltwirtschaftliche  Sicherung  tut  not  —  13
heute  die  Entente  sich  denkt,  eine  ganz  andere  Einheitlichkeit ­
  der  materiellen  Interessen  vorhanden  sein  müßte,  wie
sie  tatsächlich  bei  den  gegen  uns  Verbündeten  besteht.  Es
wäre  also  falsch,  von  den  Beschlüssen  dieser  Pariser  Konferenz ­
  als  gegebenen  Tatsachen  auszugehen.  Ebenso  falsch
aber  ist  es,  wenn  man  meint,  daß  nach  dem  Kriege  sich  sehr
bald  wieder  diejenigen  Beziehungen  zwischen  allen  Ländern ­
  einbürgern  würden,  wie  sie  vor  dem  Kriege  bestanden ­
  haben.  Es  gibt  viele  Persönlichkeiten,  welche  unter
Berufung  auf  das  sich  immer  wieder  durchsetzende  wirtschaftliche ­
  Interesse  der  einzelnen  Länder  den  Eintritt
eines  solchen  friedlichen  Wirtschaftszustandes  ohne  weiteres
behaupten  und  damit  alle  Sorgen  gegenüber  der  Zukunft
zu  zerstreuen  suchen.  Hüten  wir  uns  vor  einer  Überschätzung
der  Pariser  Beschlüsse,  um  nicht  in  einen  unberechtigten
Pessimismus  zu  verfallen;  hüten  wir  uns  aber  auch  vor
einer  Unterschätzung  der  Absichten  unserer  Feinde!  Diese
werden  vielmehr  noch  lange  Zeit  nach  Friedensschluß  ihr
Hauptaugenmerk  darauf  richten,  soweit  es  ihre  eigenen
Interessen  irgendwie  zulassen,  den  deutschen  Handel ­
  im  Auslande  zu  schädigen.
Bevor  wir  nun  auf  die  speziellen  Möglichkeiten  und
Mittel,  welche  unsere  Feinde  in  dieser  Hinsicht  haben,  eingehen, ­
  müssen  wir  eine  andere  Frage  erörtern,  welche  in
diesem  Zusammenhange  zunächst  noch  dringlicher  erscheint.
Ehe  man  den  Problemen  unserer  Wirtschaft  unter  dem
Gesichtspunkte  rein  friedlicher  Verhältnisse  nachgeht,  muß
man  an  den  Fall  möglicherweise  eintretender  neuer  kriegerischer ­
  Verwicklungen  denken.  Die  ganze  deutsche  Volkswirtschaft ­
  wird,  wie  schon  die  obigen  Bemerkungen  über
die  Vorratswirtschaft  zeigten,  einem  erst  durch  die  Erfahrungen ­
  des  Krieges  neu  entstandenen  Probleme  unterstellt ­
  werden  müssen.  Dieses  Problem  heißt:  starke  Siche-
        <pb n="14" />
        14  —  Vorratswirtschaft  und  Weltwirtschaft  —
rung  der  deutschen  Volkswirtschaft  für  den  Kriegsfall.  Wir
muffen  aber,  wenn  wir  an  die  Durcharbeitung  und  Lösung ­
  dieser  Frage  herangehen,  auch  unsere  weltwirtschaftlichen ­
  Beziehungen  in  sie  einbegreifen;  mit  anderen  Worten, ­
  wir  müssen  im  Falle  eines  zukünftigen  Krieges  auch
dafür  sorgen,  daß  unsere  Beziehungen  zur  Weltwirtschaft,
welche  in  diesem  Kriege  so  gut  wie  unterbunden  worden
sind,  uns  erhalten  bleiben.  Aus  zwei  Rücksichten  heraus
hat  dies  zu  geschehen.  Die  Vorratswirtschaft,  welche  wir
nach  dem  Kriege  in  Form  eines  Systems  der  Aufspeicherung ­
  (wirtschaftliche  „Juliustürme"),  ferner  durch  Zollschutz ­
  und  durch  politische  und  wirtschaftliche  Bündnisse
(„Mitteleuropa")  treiben  werden,  wird  immer  nur  dazu
dienen  können,  uns  im  Falle  eines  nochmaligen  Krieges,
in  welchem  wir  möglicherweise  wieder  von  der  Weltwirtschaft ­
  abgeschnitten  sein  würden,  das  Notwendigste  zum
wirtschaftlichen  Durchhalten  zu  sichern.  Weder  eine  Vorratswirtschaft ­
  im  Sinne  der  Aufspeicherung  oder  der  stärkeren ­
  Einfuhr  von  Nahrungsmitteln  und  Rohstoffen  aus
Österreich-Ungarn  oder  dem  Balkan,  noch  ein  erhöhter  Zollschutz ­
  für  einzelne  Produkte  können  uns  die  Sicherheit  gewähren, ­
  im  Falle  eines  solchen  Krieges  in  einigermasten
dem  Frieden  entsprechender  Weise  mit  Nahrungsmitteln
und  Rohstoffen  versorgt  zu  sein.  Immer  wieder  würden
Knappheit  und  Teuerung  eintreten,  immer  wieder  würden
einschneidende  Mastnahmen  notwendig  sein,  um  die  allzu
knappen  Vorräte  richtig  zu  verteilen,  immer  wieder  würde
eine  Kriegswirtschaft  ins  Leben  gerufen  werden  müssen,
die,  so  erfolgreich  sie  auch  bei  uns  gelöst  wurde,  ohne  empfindliche ­
  Härten  für  alle  Bevölkerungskreise  nicht  durchführbar ­
  sein  konnte  und  sein  kann.  Vermeiden  läßt  sich
dies  nur,  wenn  wir  für  den  Fall  eines  zukünftigen  Krieges
die  Gewißheit  haben,  daß  uns  die  Weltmeere  offen  stehen,
        <pb n="15" />
        —  Notwendigkeit  weltwirtschaftlicher  Kontinuität  —  15
daß  uns  die  Tore  zu  der  Weltwirtschaft  während  des  Krieges ­
  nicht  verriegelt  werden.
Aber  nicht  nur  von  diesem  kriegerischen  Gesichtspunkt
aus  betrachtet  müssen  unsere  Beziehungen  zur  Weltwirtschaft ­
  nach  dem  Kriege  auf  eine  sichere  Basis  gestellt  werden. ­
  Auch  das  Interesse  unserer  friedlichen  Wirtschaft  erheischt ­
  eine  solche  Garantie.  Wie  in  der  inneren  Volkswirtschaft ­
  das  Recht  die  wesentliche  Grundlage  des  wirtschaftlichen ­
  Handelns  und  der  wirtschaftlichen  Voraussicht
ist,  wie  ein  Wirtschaftsstaat  nicht  anders  denkbar  ist  wie
auf  der  Grundlage  des  Rechtsstaates,  so  können  auch  die
Beziehungen  einer  Volkswirtschaft  zur  Weltwirtschaft  nur
dann  Bestand  haben,  wenn  die  rechtliche  Sicherheit  für  die
ununterbrochene  Fortdauer  dieser  Beziehungen  gewährleistet ­
  wird.
Heute  untersteht  überhaupt  der  Handelsverkehr  zur
See,  soweit  er  in  die  von  England  beherrschten  Gewässer
fällt,  keinem  Völkerrecht  mehr.  Es  ist  hier  nicht  der  Platz,
alle  jene  Willkürmaßnahmen  wieder  aufzuzählen,  mit
denen  sich  England  über  die  fundamentalen  Grundsätze
nicht  nur  bestehender  völkerrechtlicher  Abmachungen,  sondern ­
  auch  über  den  Sinn,  der  allen  jenen  Abmachungen
zu  Grunde  lag,  hinweggesetzt  hat.  Während  man  noch
in  einem  parlamentarischen  englischen  Blaubuche  vor  etwa
10  Jahren,  unter  der  Voraussetzung,  daß  England  einmal
voir  den  verschiedensten  Ländern  gleichzeitig  angegriffen
werden  könnte,  von  Rechtsgelehrten,  Politikern  und  den
verschiedensten  hervorragenden  Persönlichkeiten  die  allgemeine ­
  Meinung  ausgesprochen  findet^),  daß  die  Nahrungsmittelzufuhr ­
  für  die  Zivilbevölkerung  unbedingt  in  einem
tz  Vgl.  Levy,  Die  neue  Kontinentalsperre.  Berlin  1915  (Springer) ­
  S.  7—8.
        <pb n="16" />
        16  —  Das  englische  „Völkerrecht"  —
Kriege  vor  Verletzungen  oder  Wegnahme  verschont  bleiben
müßte,  hat  England  in  dem  Augenblicke,  wo  in  ihm  selbst
der  Plan  des  Aushungerungskrieges  gegen  Deutschland  erwachte, ­
  diese  Anschauung  über  Bord  geworfen  und  einen
Hungerkrieg  gegen  Deutschland  eröffnet,  dem  alle  Rücksichten, ­
  selbst  diejenigen  auf  die  Wirtschaft  der  Neutralen,
weichen  mußten.  Zunächst  noch  -sophistisch  und  unter  allen
möglichen  Klauseln  an  seinem  eigenen  seerechtlichen  Machwerk, ­
  der  Londoner  Deklaration,  festhaltend,  hat  England
im  Verlaufe  des  Krieges  autfj  diese  als  zu  lästig  aufgehoben ­
  und  damit  das  „freie  Meer"  der  Piraterie  im  Sinne
der  alten  Zeit  preisgegeben.  Der  Unterschied  zwischen
Bannware  und  Nicht-Bannware  ist  aufgehoben.  Jedes
Schiff  kann  nach  England  verschleppt  werden,  und  immer
neue  willkürliche  Bestimmungen  sind  von  England  von
einem  Tage  zum  anderen  gemacht  worden,  um  solche  Schiffe
als  gute  Prise  mit  ihrer  Ladung  dem  englischen  Volksreichtum ­
  widerrechtlich  einzuverleiben.
Aber  diese  willkürliche  Behandlung  der  Seeschiffahrt
genügte  England  noch  immer  nicht.  Noch  konnte  sich  deutscher ­
  Handel  in  neutralen  Ländern  bewegen,  welche  an
Deutschland  und  gleichzeitig  an  das  von  England  beherrschte ­
  Meer  grenzten,  oder  auch  in  solchen  überseeischen
Gebieten,  in  welchen  deutscher  Handel  und  deutscher  Unternehmungsgeist ­
  im  Frieden  festen  Fuß  gefaßt  hatte.  Es
galt,  den  wirtschaftlichen  Feldzug  gegen  Deutschland  auch
dorthin  auszudehnen,  und  das  Unglaubliche  geschah:  daß
nunmehr  sich  auch  neutrale  Länder  in  den  Dienst  der  englischen ­
  Willkürpolitik  stellen  mußten.  Vor  allem  fertigte
England  die  zu  einer  traurigen  Berühmtheit  gelangte
„schwarze  Liste"  an.  Diese  Liste  enthielt  zunächst  die  Namen ­
  aller  Firmen,  mit  denen  Engländer  keinen  Handel
treiben  durften,  weil  sie  irgendwie  zu  Englands  Feinden
        <pb n="17" />
        —  Schwarze  Listen  und  Kontrollorganisationen  —  17
in  Beziehungen  standen,  sei  es  durch  direkten  Verkehr,  sei
es  durch  Mitglieder  ihrer  Geschäftsführung,  sei  es  durch
Aktienbesitz  usw.  Diese  schwarze  Liste  wurde  nun  aber  von
England  auch  weiter  auf  die  neutrale  Wirtschaft  ausgedehnt, ­
  indem  England  auch  neutrale  Firmen  auf  jene  Liste
setzte,  wenn  sie  irgendwie  verdächtig  waren,  mit  jenen
Firmen  Deutschlands  oder  seiner  Verbündeten  in
Verbindung  zu  stehen.  Zur  Durchführung  dieser
Maßnahme  dienten  den  Engländern  wiederum  die  von
ihnen  geschaffenen  Kontrollorgianiisationen  in  den  einzelnen ­
  neutralen  Ländern,  welche  überwachen  sollten,  daß
keine  eingeführte  Ware  nach  Deutschland  gelangte,  und
welche  mit  der  Zeit  auch  die  neutrale  Eigenproduktion
einer  der  Abschließung  Deutschlands  dienenden  Kontrolle
unterwarfen.  Diese  Kontrollorganisationen,  an  welche  allmählich ­
  der  ganze  Einfuhrhandel  der  in  Frage  kommenden
neutralen  Länder  gebunden  wurde,  bildeten  nunmehr  für
England  die  Organe,  um  die  auf  der  schwarzen  Liste  befindlichen ­
  neutralen  Firmen  zu  treffen.  Hatte  also  irgendein ­
  neutraler  Kaufmann  das  Unglück,  wegen  seiner  Beziehungen ­
  zu  deutschen  Firmen  auf  die  schwarze  Liste  zu
kommen,  so  konnte  er  sicher  sein,  seinen  Handel,  soweit  er
von  Einfuhrlizenzen  oder  sonstigen  Privilegien  der  betreffenden ­
  Kontrollgesellschaften  abhängig  war,  ohne  weiteres ­
  zu  verlieren.  Der  Nieuwe  Rotterdamsche  Courant
vom  2.  Juni  druckte  einen  Brief  aus  Surinam  ab,  in
welchem  es  hieß:  „Um  Ihnen  ein  kleines  Beispiel  zu  geben,
wie  weit  der  Niederländische  Übersee-Trust,  beziehungsweise ­
  die  englische  Regierung  geht,  teilen  wir  Ihnen  mit,
daß  wir  dieser  Tage  Aufsichtsbeamte,  die  von  dem  hiesigen
englischen  Konsul  bestimmt  werden,  bitten  mußten,  unsere
ganze  Buchführung  zu  untersuchen,  nur  um  verschiedene
Waren  von  dem  Niederländischen  Übersee-Trust  frei  zu
Le  »  y,  Die  englische  Gefahr.  2
        <pb n="18" />
        18

—  Ein  Fall  aus  Nigeria  —

bekommen.  Haben  wir  diese  dann  endlich  frei,  so  dürfen
wir  sie  immer  noch  nicht  verkaufen,  wir  müssen  erst  bei  dem
Niederländischen  Übersee-Trust  anfragen,  ob  sie  mit  unserem ­
  Käufer  einverstanden  ist;  vor  allem  beim  Kakao
wird  aber  augenblicklich  kein  einziger  Käufer  für  gut  befunden." ­

Alle  diese  Maßnahmen  und  die  gesamte  Unterwerfung
der  Neutralen  unter  die  englische  Wirtschaftsgewalt  hat
England  nur  dadurch  verwirklichen  können,  daß  es  durch
feine  Macht  zur  See  einen  Druck  auf  jene  kleineren  neutralen ­
  Länder  üben  konnte.  Unter  offener  oder  versteckter
Androhung  der  Sperrung  von  Nahrungsmittel-  und  Rohstoffzufuhren ­
  wurden  die  neutralen  Länder,  soweit  sie  nicht
wie  die  Vereinigten  Staaten  von  Amerika  von  vornherein
englandfreundliche  Veranlagung  zeigten,  in  den  Kampf
gegen  den  deutschen  Handel  gezwungen.
Es  ist  ohne  weiteres  klar,  daß  diese  Verhältnisse,  für
deren  Wirkung  auf  das  deutsche  Erwerbsleben  im  Auslande ­
  nach  dem  Kriege  noch  manches  jetzt  aus  Furcht  vor
unseren  Feinden  unterdrückte  Zeugnis  hinzukommen
wird/)  einen  weittragenden  Schatten  auf  unsere  zukünftige
*)  Unter  der  Überschrift  „Englische  Räuberei  in  Nigeria"  brachte
die  Kölnische  Zeitung  (erste  Morgen-Ausgabe)  vom  10.  August  1916
folgende  Mitteilung:  „Wie  bekannt,  hat  die  englische  Regierung  in
Nigeria  den  zwangsweisen  Verkauf  sämtlichen  deutschen  und  österreichischen ­
  Privateigentums  in  dieser  britischen  Kolonie  angeordnet.
Das  Hamburger  Fremdenblatt  veröffentlicht  jetzt  den  Wortlaut  der
diesen  Raub  aussprechenden  Bekanntmachung  in  Lagos:
Verkauf  von  freiem  Grundbesitz  und  Pachtgütern,  Kundenlisten
  (good-will)  und  Schutzmarken  von  Firmen  feindlicher  Länder ­
  in  Nigeria:  Auf  Anordnung  des  Obergerichts  wird  die  Regelung ­
  des  Verkaufs  jeden  freien  Grundbesitzes  und  Pachtgntes
von  Firmen  feindlicher  Länder  in  Nigeria  vorgenommen  mit
Einschluh  von  Ländereien,  Häusern,  Werkstätten,  Läden,  Warenhäusern, ­
  Lagerhäusern,  Werften,  Landungsplätzen  und  allen  an-
        <pb n="19" />
        —  Wirkungen  auf  die  Zukunft  —

19

weltwirtschaftliche  Entwicklung  werfen  müssen.  Welchem
deutschen  Kaufmann,.  Zwischenhändler  oder  Industriellen
kann  es  zugemutet  werden/)  von  neuem  seine  Arbeitskraft
auf  Erwerbszweige  zu  lenken,  welche  bei  Ausbruch  neuer
kriegerischer  Entwicklungen  der  hier  geschilderten  Erdrossederen ­
  Gebäuden  oder  sonstigem  Zubehör,  desgleichen  der  Schutzmarken ­
  und  Kundenlisten  der  verschiedenen  Geschäfte,  die  dem
Verwalter  übertragen  sind.  Dieser  Verkauf  wird  durch  Ausbieten ­
  oder  öffentliche  Versteigerung  ausgeführt  werden  und  in.
London  am  31.  Oktober  1916  stattfinden.  Die  Firmen  hatten
einen  sehr  ausgedehnten  Geschäftskreis  als  Schiffsagenten,  Einfuhr- ­
  und  Ausfuhrhändler,  Kommissionäre  usw.  Sie  hatten  in
allen  einigermaßen  wichtigen  Handelsmittelpunkten  Nigerias
Niederlassungen,  in  einigen  Fällen  seit  über  einem  Vierteljahrhundert, ­
  und  im  Fall  C.  L.  Gaiser  seit  über  60  Jahren.  Die
Grundstücke  sind  für  Geschäftszwecke  höchst  günstig  gelegen,  und
in  einigen  Fällen  ist  es  schwer,  für  das  Publikum,  andere  Örtlichkeiten ­
  zu  finden.  Die  vollständige  Beschreibung  und  ein  Bericht ­
  über  die  einzelnen  Besitztümer  werden  auf  Wunsch  geliefert,
und  wenn  Einzelheiten  gewünscht  werden,  wird  jede  weitere
Auskunft  zur  Aufklärung  des  Publikums  gegeben  werden.
T.  F.  Burrowes,  Receiwer  Verwaltungsbüro  Lagos.
Unverfrorener  kann  man  in  Sicherheit  gebrachtes  fremdes  Gut
nicht  anpreisen.  Ob  es  keinen  anständigen  Menschen  mehr  in  England ­
  gibt,  der  sich  noch  ein  Gefühl  des  Abscheus  vor  der  immer
wiederkehrenden  Beleidigung  der  Zivilisation  und  der  einfachsten
Rechtsbegriffe  durch  England  bewahrt  hat?  Von  dieser  neuen
Langfingerei  Englands  werden  auch  namhafte  Hamburger  Firmen
betroffen,  sowie  die  Firmen  C.  L.  Gaiser,  L.  Pagen  st  echer
L  Co.,  die  Deutsche  Kamerun-Gesellschaft  ,H.
Beyer  &amp;amp;  Co.,  die  Deutsch-Westafrikanische  Handelsgesellschaft ­
  und  die  Woermann-Linie,  alles
Firmen,  die  in  Nigeria  zum  Teil  erheblicheGeschäfte
  betrieben  haben,  und  zwar  ein  Drittel  des  gesamten ­
  Lagos-Ausfuhrhandels  wurde  durch  die  Firma  C.  L.  Gaiser
besorgt."
h  Es  ist  durchaus  charakteristisch,  wenn  schon  heute  in  der  deutschen ­
  Öffentlichkeit  die  Frage  aufgeworfen  worden  ist,  ob  man  im
Hinblick  auf  die  für  den  Kriegsfall  gegebene  Unsicherheit  deutschen
Privateigentums  in  England  nicht  nach  Möglichkeit  versuchen  sollte,  in
2*
        <pb n="20" />
        20

—  Die  „Freiheit  der  Meere'

hing  ausgesetzt  sein  würden  ?  Wie  denkt  man  sich  das  Gedeihen ­
  weltwirtschaftlicher  Beziehungen  unter  dem  Bestehen ­
  einer  fremden  Seeherrschlaft,  welche  im  Augenblicke
des  Krieges  nicht  nur  den  Seeverkehr  völlig  unterbindet,
sondern  auch  darüber  hinaus  in  neutralen  Ländern,  welche
an  die  Weltmeere  grenzen,  durch  seine  Seegewalt  deutsche
Arbeit  und  deutschles  Kapital  vergewaltigen  kann?  Viele
bei  uns  und  auch  vielleicht  in  einzelnen  neutralen  Ländern
träumen  davon,  daß  nach  Abschluß  dieses  Krieges  eine
neue  Zeit  der  Meeresfreiheit  anbrechen  werde,  ein  neues
Völkerrecht,  welches  im  Falle  eines  Krieges  dem  nichtkriegerischen
  Handel  die  völlige  Bewegungsfreiheit  auf  dem
Meere  sichere.  Man  hat  besonders  zu  Anfang  des  Krieges
Zukunft  die  wirtschaftlichen  Beziehungen  zu  England  überhaupt  einzuschränken. ­
  Anschließend  an  einen  Aufsah  in  der  „Kreuz-Ztg."  schreibt
die  „Germania"  sAbend-Ausgabej  vom  28.7.16:  „Das  Privateigentum ­
  des  Gegners  ist  bekanntlich  im  Kriege  unverlehlich,  auch  wenn
man  Gewalt  darüber  hat  oder  im  Laufe  des  Krieges  erhält,  und  auf
diese  von  allen  Völkern  seit  langem  anerkannten  Grundsätze  hat  auch
die  deutsche  Geschäftswelt  gebaut,  als  sie  seit  Jahren  in
steigendem  Maße  in  London  und  anderen  wichtigen  Plätzen  Englands
Niederlassungen  begründete,  die  bei  Kriegsausbruch  bedeutende  nationale ­
  Werte  für  uns  darstellten.  Sie  waren  der  britischen  Vernichtungswut ­
  gegen  alles  Deutsche  willkommene  Gegen  st  ände
der  Verfolgung.  Was  auf  dem  Gebiete  an  Übergriffen
englischer  Behörden  und  Beauftragten  derselben ­
  im  Laufe  der  beiden  Kriegsjahre  geleistet
worden  ist,  wird  bei  uns  ja  nur  bruchstückweise  bekannt, ­
  erst  nach  dem  Kriege  werden  wir  den  Schaden  ganz  zu  übersehen ­
  und,  so  Gott  will,  Ersatz  dafür  zu  fordern  imstande  sein.  Der
neuste  widerrechtliche  Eingriff  ist  soeben  bekannt  geworden,  da  auf  Veranlassung ­
  der  englischen  Aufsichtsbehörden  die  Wertpapiere,  die  bei
den  drei  Filialen  deutscher  Banken  in  London  im  Depot  lagen,  an
eine  englische  behördliche  Stelle,  den  Public  Trustee,  übergeführt
worden  sind.  Den  deutschen  Bankfilialen  ist  damit  die  Verfügung
über  diese  Depots  und  jede  Möglichkeit  einer  Einwirkung  auf  deren
ferneres  Schicksal  entzogen  worden.  Der  Zweck  ist  offenbar  zunächst, ­
  wie  die  „Frkft.  Ztg."  mit  Recht  sagt,  die  Zwangsliquidation
        <pb n="21" />
        —  Erfolglosigkeit  neutraler  Proteste  —

21

davon  gesprochen,  daß  die  kleineren  neutralen  Staaten
während  des  Krieges  sich  von  der  Gewaltherrschaft  Englands ­
  überzeugen  würden  und  dann,  in  Anlehnung  an
deutsche  Führerschaft,  für  ein  neues  Völkerrecht  eintreten
würden,  welches  die  bestehende  englische  Willkürherrschaft
auflöse.  Diese  erträumte  moralische  Unterstützung  kleinerer
neutraler  Länder,  wie  z.  B.  der  Schweiz,  Hollands,  Schwedens ­
  und  Dänemarks,  ist  heute  mehr  oder  weniger  verwirklicht. ­
  Alle  diese  Länder  haben  in  dieser  oder  jener
Form  gegen  die  willkürlichen  und  schikanösen  Maßnahmen
Englands  protestiert.  Unzählige  Artikel  sind  in  den  Blättern ­
  dieser  Länder  erschienen  unter  Überschriften,  die  etwa
dieser  deutschen  Bankfilialen,  an  der  die  englischen  Behörden  ja  schon
seit  Kriegsausbruch  mit  heiligem  Eifer  arbeiten,  zu  beschleunigen:
man  scheut  zu  diesem  Ziele  jetzt  nicht  mehr  davor  zurück,  diejenigen
Wertpapiere  aus  diesen  Depots,  auf  die  von  den  Banken  Vorschüsse
gegeben  waren,  zwangsweise  zu  verkaufen,  um  auf  diese  Weise  die
Konten  zu  liquidieren,  wider  den  Willen  der  Banken  sowohl  wie
ihrer  Kunden,  wobei  die  letzteren  je  nach  der  Kursentwicklung
schwere  Schädigung  zu  gewärtigen  haben,  ohne  sich  dagegen  schützen
zu  können.  Aber  tatsächlich  geht  der  Rechtsbruch  noch  viel  weiter.
Denn  es  sind  sämtliche  Depots,  auch  die  nicht  mit  Vorschüssen  belasteten, ­
  den  Banken  fortgenommen  worden.  Und  wenn  auch  einstweilen ­
  noch  nicht  gesagt  ist,  daß  sie  nun  einfach  konfisziert,  gekapert
werden  sollen,  so  kann  doch  niemand  wissen,  was  noch  geschehen  wird.
Das  Privateigentum  der  Besitzer,  das  im  Vertrauen  aus
die  elementarsten  Regeln  des  Rechtsstaats  hinterlegt ­
  war,  ist  gewaltsam  in  die  Macht  der  englischen  Behörden
gebracht.  Es  fehlt  jetzt  bloß  das  eine  noch,  daß  diese  Gewalttat,  die
sich  einstweilen  nur  aus  die  deutschen  Bankfilialen  in  London  erstreckt, ­
  nun  auch  auf  den  deutschen  Besitz  bei  anderen  englischen
Banken  ausgedehnt  werde.
Kann  demnach  auch  gar  kein  Zweifel  bestehen,  wie  berechtigt ­
  für  alle  Zukunft  die  äußer  st  e  Vorsicht  im
Wiederanknüpfen  dauernder  wirtschaftlicher  Beziehungen ­
  zu  England  sein  muß,  wie  berechtigt  es
wäre,  sie  völlig  zu  vermeiden,  so  beantwortet  die  „Kreuz-Zeitung"
in  dem  erwähnten  Aufsatz  die  Frage  nach  der  Möglichkeit  eines
solchen  Verzichtes."
        <pb n="22" />
        22

Mille"  und  „Macht"  —

lauteten:  „Wie  der  neutrale  Handel  geknebelt  wird",  oder
„Englische  Anmaßung",  oder  „Was  bleibt  von  unserer
wirtschaftlichen  Unabhängigkeit"  usw.  Die  moralische
Grundlage  für  ein  neues  Recht  wäre  also  da.  Der
Wille,  dieses  Recht  zu  haben,  könnte  in  einem
neuen  Kriege  nicht  stärker  sein  als
jetzt.  Aber  gerade  dis  Tatsache,  daß  zwar  der  Wille  vorhanden ­
  ist,  nicht  aber  die  Macht,  diesen  Willen
durchzusetzen,  zeigt  auf  das  deutlichste,  daß  es  mit  dem
guten  Willen  allein  nicht  getan  ist.  Was  solle,  so  schrieb
vor  einiger  Zeit  ein  schwedisches  Blatt,  Schweden  gegenüber ­
  England  tun,  wenn  doch  selbst  das  weit  mächtigere
Deutschland  nicht  imstande  sei,  die  Gewaltherrschaft  Englands ­
  zur  See  zu  brechen?  Es  sei  zuviel  verlangt,  wenn
man  von  Schweden  in  dieser  Frage  mehr  erwarte,  als  selbst
Deutschland  tun  könne.  Das  Blatt  hatte  vollkommen  recht.
Nirgends  wie  hier  hat  es  sich  so  sehr  gezeigt,  daß  die  Verwirklichung ­
  eines  Rechtes  von  der  Machtstärke  abhängig
ist,  welche  das  Recht  vertritt  und  hinter  ihm  steht.  Die
Neutralen  werden  niemals  in  der  Lage  sein,  nur  weil  sie
neutrale,  kleine  und  auf  Anerkennung  ihrer  Rechte  rechnende ­
  Länder  sind,  die  „Freiheit  der  Meere"  durchzusetzen.
Ihre  moralische  Unterstützung  aber  wird  uns  erst  dann
nützen  können,  wenn  wir  selbst  die  Kraft  zur  Durchführung
dieses  Rechtes  haben.  Dann  mag  die  Zustimmung  der
neutralen  Länder  zur  Verwirklichung  dieser  Rechtssätze  als
moralische  Unterstützung  und  Rechtfertigung  unserer  Handlungsweise ­
  von  Nutzen  sein.  Diese  für  uns  notwendige
Machtstellung  werden  wir  aber  niemals  erlangen,  wenn
wir  den  Urheber  des  heutigen  Unrechts  nicht  auf  die  Knie
zwingen  und  so  treffen,  daß  die  von  ihm  angemaßte  Tyrannei ­
  zur  See  ein  für  alle  mal  erschüttert  wird.  Wenn
wir  uns  nur  auf  papierne  Abmachungen  über  die  Freiheit
        <pb n="23" />
        —  Weltwirtschaftliche  Bedeutung  einer  starken  Flotte  —  23

der  Meere  einließen,  so  würde  dies  vielleicht,  so  lange  der
Frieden  währt,  eine  politische  Beruhigung  bedeuten.
Die  wirtschaftliche  Beruhigung  hingegen  für  den
Kaufmann  und  Unternehmer,  der  die  Früchte  seiner  Arbeitskraft ­
  unsern  weltwirtschaftlichen  Beziehungen  zur  Verfügung ­
  stellen  will,  würde  durch  solche  Garantien  niemals
eintreten.  Der  Unternehmer  wird  vielmehr  erst  darin  eine
Garantie  für  die  ungestörte  Fortdauer  seines  Geschäfts  und
seiner  Investitionen  auf  Jahrzehnte  hinaus  erblicken,  daß
wir  mit  unserer  militärischen  Macht,  also  mit  unserer
Flotte,  in  der  Lage  sind,  seine  Rechte  vor  übergriffen,  wie
sie  dieser  Krieg  gezeitigt  hat,  England  gegenüber  zu
schützen.  England  selbst  aber  wird  für  die  zukünftige  Zeit
nur  dann  den  Gedanken  an  eine  Wiederholung  seiner  Willkürakte ­
  fahren  lassen,  wenn  es  vor  der  unerschütterlichen
Erkenntnis  steht,  daß  diese  Willkürakte  letzten  Endes  zu
seiner  Niederlage  führten  und  wieder  zu  seiner  Niederlage
führen  müßten,  wenn  es  dieselben  wiederholen  wollte.
So  erfordern  Wiederanknüpfung  und  Ausbau  unserer
weltwirtschaftlichen  Beziehungen  nach  dem  Kriege  die
Garantie,  daß  nicht  Vereinbarungen  und  Verabredungen
auf  dem  Papier,  sondern  militärische  Machtfaktoren  in
Zukunft  die  Sicherheit  und  damit  die  Kontinuität  verbürgen, ­
  welche  allein  die  grundlegende  Voraussetzung  aller
wirtschaftlichen  Unternehmungen,  sei  es  des  Inlandes,  sei
es  im  Auslande,  bilden.  Für  das,  was  der  britische  Staat
seit  Jahrzehnten  für  seine  Kriegsflotte  ausgegeben  hat,
hat  der  britische  Volksreichtum  in  wenigen  Jahren  des
Krieges  eine  Entlohnung  gefunden,  welche  alle  Ausgaben
weit  überschreitet,  weil  ohne  sie  heute  das  britische  Weltreich ­
  nicht  mehr  existieren  würde.  Auch  für  Deutschland
wird  sich  die  Erfahrung  bewahrheiten,  daß  sein  Außenhandel ­
  und  seine  Seeschiffahrt  nur  unter  dem  Schutze  einer
        <pb n="24" />
        24  —  Voraussetzung  friedlicher  Verhältnisse  —
Flottenmacht  gedeihen  kann,  welche  diesen  Leiden  Erwerbszweigen ­
  Und  den  mit  ihr  zusammenhängenden  Erwerbs^
zweigen  im  Innern  des  Landes  die  kontinuierliche  Entwicklung ­
  auch  während  eines  neuen  Krieges  sichert.  Nicht
zuletzt  war  England  deshalb  unser  weltwirtschaftliches  Emporkommen ­
  ein  Dorn  im  Auge,  weil  es  wußte,  daß  mit
dieser  Entwicklung  eine  Steigerung  unserer  Seestreitkräfte
Hand  in  Hand  gehen  mußte,  wenn  diese  Entwicklung  nicht
aus  einer  völlig  unsicheren  Basis  geschehen  sollte.  Ein  England, ­
  das  wir  nicht  besiegen  würden,  müßte  konseguenterweise
  nach  wie  vor  nichts  stärker  anstreben,  als  den  Kampf
gegen  die  Vergrößerung  unserer  Seestreitkräfte,  welche  es
trotz  ihrer  Jugend  vermocht  haben,  das  bisher  nie  angegriffene ­
  Jnfelreich  wirtschaftlich  und  militärisch  schwer  zu
schädigen.  Nur  ein  besiegtes  England  wird
sich  in  das  Unvermeidliche  fügen  müssen:
unsere  Flotte  so  anwachsen  zu  sehen,  wie  es  nicht  nur  unseren ­
  militärpolitischen,  sondern  unseren  berechtigten  weltwirtschaftlichen ­
  Ansprüchen  entspricht.
Besiegen  müssen  wir  England,  um  unsere  weltwirtschaftlichen ­
  Beziehungen  im  Falle  eines  zukünftigen  Krieges ­
  sicherzustellen  und  damit  unserem  Außenhandel,  unserer ­
  Seeschiffahrt  und  unseren  auswärtigen  Unternehmungen ­
  die  Kontinuität  der  Wirtschaftsführung  sowie  das  unbedingte ­
  Gefühl  der  Sicherheit  für  die  Zukunft  zu  gewährleisten. ­
  Aber  selbst  wenn  man  von  der  Unterstellung  späterer ­
  kriegerischer  Ereignisse  in  diesem  Zusammenhange
absieht,  und  eine  Dauer  friedlicher  Verhältnisse  zur  Grundlage ­
  aller  Betrachtungen  über  unsere  weltwirtschaftliche
Zukunft  macht,  kann  ein  unbesiegtes  England  das  Deutsche
Reich  an  der  Entfaltung  seiner  weltwirtschaftlichen  Geltung ­
  auf  das  Schwerste  behindern.
        <pb n="25" />
        —  Die  britische  Handelspolitik  —

25

Um  dies  darzulegen,  braucht  man,  wie  gesagt,  keineswegs ­
  die  Drohungen  der  Pariser  Wirtschaftskonferenz  als
tatsächlich  schon  verwirklicht  anzusehen.  Gerade  wer  von
der  Undurchführbarkeit  dieser  Allgemeinbeschlüsse  überzeugt
ist,  mutz  sich  sagen,  datz,  selbst  unter  völliger  Außerachtlassung ­
  derselben,  Möglichkeiten  genug  verbleiben,  durch
welche  die  Engländer  uns  weltwirtschaftlich  schädigen  können, ­
  ohne  datz  ein  „offizieller"  Krieg  nach  dem  Kriege  geführt ­
  wird.
Vor  allem  trifft  dies  für  die  Handelspolitik  zu.  Hier
hat  bekanntlich  die  Pariser  Wirtschaftskonferenz  den  Beschluß ­
  gefaßt,  datz  alle  Handelsverträge  mit  Deutschland  als
aufgelöst  gelten  sollen  und  daß  nach  dem  Kriege  keines  der
jetzt  verbündeten  Länder  dem  Deutschen  Reiche  die  Meistbegünstigung ­
  gewähren  dürfe.  Gerade  die  Durchführung
dieser  Drohung  mutz  von  vornherein  sehr  problematisch  erscheinen. ­
  Wir  wollen  uns  daher  mit  diesem  Drohbild  der
Zukunft  nicht  eher  befassen,  als  es  aussichtsvollere  Formen
angenommen  hat.  Ganz  anders  aber  steht  es  mit  der
Frage,  wie  nach  dem  Kriege  die  englische,  vor  allem  aber
die  britische  Handelspolitik  sich  regeln  wird.  Bekanntlich
ist  die  Verwirklichung  des  britischen  Zollvereins,  für  die
der  verstorbene  I.  Chamberlain  mit  einer  großen  Reihe
heute  noch  lebender  führender  englischer  Politiker  eine  ungeheure ­
  Propaganda  ins  Leben  rief,  an  dem  Widerstand
rein  wirtschaftlicher  Interessen  des  Mutterlandes  gescheitert. ­
  Es  wurde  damals  ein  Kampf  ausgesuchten  zwischen
großen  politischen  Bestrebungen  einerseits  und  denjenigen
Interessen  andererseits,  welche  sich  wirtschaftlich  durch  die
Verwirklichung  dieses  politischen  Programms  benachteiligt
sahen.  Um  die  Kolonien,  die  sich  mehr  und  mehr  verselbständigten, ­
  stärker  an  das  Mutterland  zu  fesseln,  sollte  England ­
  Schutzzölle  mit  Vorzugstarifen  für  die  Kolonien  ein-
        <pb n="26" />
        26

—  Abkehr  vom  Freihandel  —

führen;  andrerseits  sollten  die  schuhzöllnerisch  gesinnten  Kolonien ­
  ihrerseits  die  Tarife  zu  Gunsten  Englands  ermäßigen. ­
  In  diesem  Kampfe  politischer  und  wirtschaftlicher
Interessen  haben  die  letzteren  damals  den  Sieg  davon  getragen. ­
  Die  wichtigsten  englischen  Industrien,  wie  vor
allem  der  Kohlenbergbau,  der  Schiffsbau,  die  bedeutendsten ­
  Zweige  der  Eisen-  und  Textilindustrie,  hatten  als
große  Ausfuhrindustrien  kein  Interesse  an  Schutzzöllen,
während  die  Fertigindustrien  unter  ihnen  andererseits  befürchten ­
  mußten,  durch  Zölle  auf  Halbfabrikate  eine  unerfreuliche ­
  Erhöhung  ihrer  Produktionskosten  zu  erleiden.
So  siegte  damals  der  englische  Freihandel  Liber  den  britischen ­
  Imperialismus,  das  wirtschaftliche  Interesse ­
  über  die  mit  großem  Beiwerk  in  Szene  gesetzte ­
  politische  Agitation.  Die  Kolonien  freilich ­
  haben  mit  Ausnahme  von  Indien,  welches  bekanntlich ­
  gezwungenermaßen  freihändlerisch  ist,  seit  längerer ­
  Zeit  den  englischen  Jndustriewaren  Vorzugszölle ­
  eingeräumt;  aber  vom  Standpunkt  der  Praxis  sind
diese  Vorzugszölle  für  die  englische  Ausfuhr  insofern  vielfach ­
  von  relativ  geringer  Bedeutung,  als  die  Zollsätze  der
Kolonien  schon  an  sich  im  Laufe  der  Zeit  so  erhöht  worden
waren,  daß  die  absolute  Höhe  des  Zolles  die  Bevorzugung
der  englischen  Ware  vor  der  ausländischen  vielfach  wieder
illusorisch  machte.  Man  kann  wohl  annehmen,  daß  diese
Verhältnisse  nach  dem  Kriege  wesentlich  anders  liegen  werden. ­
  Der  Krieg  hat  in  England  und  in  den  britischen  Kolonien ­
  das  politische  Interesse  gesteigert  und  damit  besonders ­
  im  alten  Mutterlande  das  manchesterliche  Ideal  einer
rein  wirtschaftsmäßigen  Betrachtung  aller  Dinge  stark  zurückgedrängt. ­
  Charakteristisch  ist  in  dieser  Beziehung  die
Stellungnahme  des  englischen  Premierministers,  Mr.
Asquith,  in  der  denkwürdigen  Parlamentsdebatte  vom
        <pb n="27" />
        —  Eine  neue  Atmosphäre  —

27

2.  August  1916  über  die  Beschlüsse  der  Pariser  Wirtschaftskonferenz
  (vergl.  die  Wiedergabe  dieser  Rede  in  der  Anlage ­
  dieser  Schrift).  Diese  Debatte  zeigte  deutlich  die  Abkehr ­
  alter  englischer  Freihändler,  wie  sie  in  Asquith  und
Chiozza  Money  bisher  besonders  stark  vertreten  waren,
von  der  bisherigen  Handelspolitik  Großbritanniens.  Die
Zeitschrift  „Spectator",  welche  ebenfalls  seit  Jahren  von
einem  starken  Anhänger  des  Freihandels,  Mr.  Strachey,
geleitet  wurde,  schrieb  am  5.  August  1916  in  ihrem  Berichte ­
  über  die  Debatte:  „Persönlich  bleiben  wir  Freihändler ­
  in  dem  Sinne,  daß  wir  glauben,  daß  ein  unbehinderter ­
  Handel,  eine  völlige  Freiheit  des  Austausches,
der  kürzeste  Weg  zum  Reichtum  ist.  Aber  wir  müssen  eingestehen, ­
  daß  wir  Freihändler  in  der  Vergangenheit  den
Unsicherheitsfaktoren  nicht  genügend  Rechnung  getragen
haben,  welche  vorhanden  sein  würden,  wenn  wir  den  Weg
des  geringsten  Widerstandes  Lefchreiten  würden.  Wir
haben  Deutschland  zu  freigebig  Aufnahme  gewährt  und
Deutschland  hat  natürlich  keine  Bedenken  gehabt,  von  dieser ­
  Aufnahme  einen  unehrlichen  und  brutalen  Gebrauch  zu
machen."  Auch  in  der  Besetzung  der  obersten  Stellen  der
Handelskammer  von  Manchester  hat  schon  vor  einigen  Monaten ­
  die  Frage  der  zukünftigen  Handelspolitik  einen
Wechsel'zu  Gunsten  der  schutzzöllnerischen  Richtung  herbeigeführt. ­

Diese  neue  Atmosphäre  wird  den  Zielen  des  britischen
Imperialismus  viel  dienlicher  sein  als  die  alte.  Auch  die
finanziellen  Verhältnisse  werden  England  nach  dem  Kriege
vielleicht  dazu  drängen,  nicht  nur  die  bloßen  Finanzzölle
zu  vermehren  oder  zu  erhöhen,  sondern  auch  Schutzzölle  einzuführen. ­
  Man  wird  in  England  nicht  umhin  können,  die
Kolonien  für  ihre  bereitwillige  Mitwirkung  an  dem  Kriege
        <pb n="28" />
        28

—  Koloniale  Vorzugszölle  —

in  Form  von  Vorzugszöllen  auf  dem  englischen  Markte  zu
unterstützen.
Auf  der  anderen  Seite  werden  die  britischen  Kolonien
selbstverständlich  die  Gelegenheit  ergreifen,  um  unter  dem
Rufe  „Nieder  mit  der  deutschen  Einfuhr"  ihre  Zölle  weiter
zu  erhöhen  öder  an  den  bestehenden  Tarifen  die  Bevorzugung ­
  Englands  noch  stärker  auszubauen.  Ferner  wird
Indien  aller  Voraussicht  nach  mit  größerem  Nachdruck  als
zuvor  den  von  ihm  solange  gehegten  Wunsch  eines  Zollschutzes
  für  die  noch  junge  indische  Textilindustrie  England ­
  gegenüber  vertreten,  und  England  wird  nicht  umhin
können,  auch  diese  Frage  in  Erwägung  zu  ziehen.  Hat  sich
doch  die  indische  Textilindustrie  gerade  während  des  Krieges ­
  infolge  der  hohen  Frachtraten,  welche  die  Ausfuhr  englischer ­
  Textilwaren  behinderte,  und  einen  Schutz  für  die
indische  Industrie  bildeten,  sehr  kräftig  weiter  entwickelt,
eine  Entwicklung,  welche  man  vom  indischen  Standpunkt
nach  dem  Kriege  sicherlich  nicht  wieder  wird-  ausgeben,
wollen.  Man  wird  aller  Voraussicht  nach  in  Indien  ebenfalls ­
  unter  dem  Rufe  des  Schutzes  vor  der  feindlichen  Konkurrenz ­
  Zölle  einführen  und  gleichzeitig  dem  Mutterlands
die  „gebührende"  Bevorzugung  gewähren.
Wird  nun  dieser  britische  Zollverein  verwirklicht,  so
wäre  eine  Durchbrechung  der  Meistbegünstigung  damit  gegeben, ­
  ohne  daß  hierin,  nach  früheren  handelspolitischen
Begriffen,  irgend  eine  besondere,  an  einen  Wirtschaftskrieg
erinnernde  Maßnahme  zu  erblicken  wäre.  Haben  doch  solche
Vorzugszölle  zwischen  Mutterland  und  seinen  Kolonien  bestanden, ­
  ohne  daß  daraus  eine  Verletzung  der  Meistbegünstigung ­
  von  seiten  dritter  Staaten  hergeleitet  worden
wäre,  und  nur  einzelne  handelspolitische  Schriftsteller,  z.  V.
Dr.  Trescher,  haben  es  offen  ausgesprochen  und  nachgewiesen, ­
  daß  das  immer  umfangreicher  werdende  Netz  der-
        <pb n="29" />
        —  Unsere  Ausfuhr  nach  dem  britischen  Reiche  —  29
artiger  Bevorzugungen  schließlich  eine  so  starke  Bresche  in
den  Komplex  von  Meistbegünstigungsverträgen  schlage,  daß
diese  selbst  zu  einem  großen  Teil  illusorisch  würden.
Was  für  uns  die  weltwirtschaftlichen  Beziehungen  zu
England  und  seinen  Kolonien  bisher  bedeutet  haben,
geht  am  besten  aus  folgenden  Ziffern  hervor:
Es  betrug  der  Wert  der  Ausfuhr  des  Deutschen  Reiches
im  Jahre  1913

nach  Wert  in  Millionen  Mark

Eroß-Britannien

1438,2

Vritisch-Jndien

150,7

Australischer  Bund

88,5

Vritisch-Südafrika

46,9

Britisch-Westafrika

16,7

Vritisch-Malakka

14,7

Neu-Seeland

10,7

Britisch-Ostafrika

5,1

Ceylon

5,0

Mit  14,2  °/g  des  Wertes  unserer  Gesamtausfuhr  stand
unser  Export  allein  nachEroßbritannien  an  erster

Stelle  unserer  Gesamtausfuhr.

Ungefähr  für  1,8  Milliarden

  Mark  wurde  im  ganzen  nach  Groß-Vritanmen  und
seinen  Kolonien  an  deutschen  Waren  ausgeführt.  Der
Wert  der  deutschen  Ausfuhr  nach  Britifch-Jndien  war  annähernd ­
  dreimal  so  groß  wie  der  Wert  unserer  Ausfuhr
nach  unseren  Kolonien  Deutsch-Ostafrika,  Deutsch-Südwestafrika
  und  Kamerun.  Der  Wert  der  Ausfuhr  nach  Australien ­
  und  Neu-Seeland  war  allein  ca.  fünfmal  so  groß  wie
der  Wert  der  Ausfuhr  nach  Deutsch-Südwestafrika.  Aus
diesen  Ziffern  geht  wohl  zur  Genüge  hervor,  welche  außer-
        <pb n="30" />
        30  —  Britische  Absatzgebiete  und  deutsche  Kolonien  —

ordentliche  Beeinträchtigung  unsere  Ausfuhr,  unsere  Seeschiffahrt ­
  und  unser  Außenhandel  aus  einer  handelspolitischen ­
  Verschlechterung  der  Beziehungen  zu  Eroß-Vritannien
und  seinen  Kolonien  erfahren  würde.  Eine  solche  Verschlechterung ­
  läßt  sich  aber  nur  dann  vermeiden,  wenn  wir
in  der  Lage  sind,  sowohl  von  dem  britischen  Mutterlande
wie  auch  von  seinen  Kolonien  Handelsverträge  zu  erwirken, ­
  welche  mit  dem  System  der  Vorzugszölle  aufräumen
und  überhaupt  jede  neue  Beeinträchtigung  des  deutschen
Wettbewerbes  ausschließen?)  Aber  auch  dieses  Ziel  kann
nur  erreicht  werden,  wenn  Groß-Britannien  selbst  sich  als
besiegt  erklären  muß  und  seine  Kolonien,  anstatt  ihnen  Belohnungen ­
  für  die  geleistete  Hilfe  zu  gewähren,  dazu  veranlaßt, ­
  ihrerseits  die  Konseguenzen  aus  der  Niederlage  des
Mutterlandes  zu  ziehen.  Man  erhebe  nicht  den  Einwand,
daß  der  Besitz  eines  vergrößerten  deutschen  Kolonialreiches
unsere  Ausfuhr  für  den  Ausfall  entschädigen  kann,  der
unter  Umständen  durch  einen  britischen  Zollverein  unserer
Industrie  entstehen  würde.  Die  Bedeutung  des  britischen
Weltreiches  für  unsere  Industrie  ist,  wie  die  obigen  Zahlen
zeigen,  viel  zu  groß,  als  daß  eine  Erweiterung  unseres
Kolonialbesitzes,  so  iiberaus  wünschenswert  diese  auch  er-Z

  Hierher  würde  auch  eine  Beseitigung  solcher  englischer  Maßnahmen ­
  gehören,  welche,  wie  präferentielle  Ausfuhrzölle  auf  koloniale
Produkte,  einen  besonderen  Schutz  für  die  heimische  englische  Industrie ­
  bedeuten.  So  hat  England  während  des  Krieges  einen  Zoll
auf  die  Ausfuhr  der  westafrikanischen  Palmkerne  gelegt,  welcher  bei
der  Verarbeitung  der  Palmkerne  im  Mutterlande  zurückvergütet ­
  wird.  Hierdurch  soll  die  englische  Weiterverarbeitung
einen  besonderen  Schutz  vor  der  ausländischen  genießen.  Es  ist  selbstverständlich, ­
  daß  eine  derartige  Maßnahme  diejenigen  Zweige  unserer ­
  weiterverarbeitenden  Industrie,  welche  an  dem  Bezüge  dieses
Rohstoffes  interessiert  sind,  vor  allen  Dingen  die  Seifen-  und  Margarine-Industrie, ­
  auf  das  schwer  st  e  schädigen  müßte,
wenn  sie  im  Frieden  beibehalten  würde.
        <pb n="31" />
        Mehr  Weltwirtschaft!  —

31

scheint,  unsere  Exportindustrie  ohne  weiteres  und  in  der
notwendigen  raschen  Zeit  für  die  Verluste  auf  diesem  Teile
des  Weltmarktes  entschädigen  könnte.  Gerade  auf  die  Wiederherstellung ­
  unserer  wirtschaftlichen  Stellttng  in  dem  britischen ­
  Kolonialreich  unmittelbar  nach  dem  Kriege  müssen
wir  umsomehr  bedacht  sein,  als  sich  dort  vielfach  japanische
und  amerikanische  Konkurrenz  als  ganz  neuer  Faktor  während ­
  des  Krieges  geltend  gemacht  hat.  Auch  unmittelbar
nach  dem  Kriege  werden  Japan  und  die  Vereinigten  Staaten ­
  von  Amerika  auf  Grund  der  Frachtverhältnisse  in
Australien,  vielleicht  auch  in  Indien,  einen  Vorsprung  vor
der  Ausfuhr  der  alten  Kulturländer  haben.  Um  so  wichtiger ­
  ist  es,  unsere  Ausfuhr-Industrie  nicht  auf  erst  zu  entwickelnde ­
  Kolonialgebiete  warten  zu  lassen,  sondern  dafür
zu  sorgen,  daß  sie  auf  denjenigen  Gebieten,  auf  denen  sie
sich  durch  jahrzehntelangen  Fleiß  einen  würdigen  Platz  geschaffen ­
  hat,  ihre  Stellung  nach  dem  Kriege  zu  erhalten
vermag?)

*)  Der  bekannte  Heidelberger  Geograph  Alfred  Hettner,  der  als
Autorität  auf  dem  Gebiete  deutscher  Kolonialpolitik  anzusehen  ist,
äußert  sich  in  einem  Aufsatz  „Deutsche  Eigenwirtschaft  oder  Weltwirtschaft ­
  ?"  in  der  „Europäischen  Staats-  und  Wirtschaftszeitung"
vom  7.  August  1916  folgendermaßen:  „Wenn  die  wirtschaftliche  Betätigung ­
  in  eigenem  Machtgebiete  auch  unleugbar  große  Vorzüge
hat  und  wir  darum  auf  Kolonien  nie  verzichten  dürfen,  so  ist  es  doch
sehr  die  Frage,  ob  eigener  Kolonialbesitz,  auch  wenn  wir  ihn
beim  Friedensschlüsse  erweitern,  dem  genügt,  was
wir  von  unserer  außereuropäischen  Betätigung  verlangen  müssen,
ob  er  uns  genügende  Absatz-  und  Bezugsgebiete  öffnet,  unseren
Kaufleuten  und  unserer  Schiffahrt  ein  genügendes  Feld  der  Betätigung ­
  gibt.  Man  muß  bedenken,  daß  unsere  Kolonien  noch  jung
sind  und  nicht  im  Gebiete  alter  Kulturvölker,  sondern  von  Naturvölkern ­
  liegen,  daß  sich  also  Produktion  und  Konsum  nur  langsam
entwickeln  können,  und  daß  es  lange  dauern  wird,  ehe  sie  auch  nur
einigermaßen  imstande  sind,  uns  die  Nahrungsmittel  und  Rohstoffe
zu  liefern,  die  wir  brauchen  und  uns  die  Fabrikate  abzunehmen,  die
wir  absetzen  müssen,  um  unsere  Bedürfnisse  bezahlen  zu  können.  Sie
        <pb n="32" />
        32

—  Britische  Schiffahrtspolitik

Auch  in  der  Schiffahrtspolitik  kann  uns  ein  nicht  vollständig ­
  besiegtes  England  nach  dem  Kriege  auf  das
Schwerste  schädigen,  ohne  daß  damit  unbedingt  ein  offizieller ­
  Wirtschaftskrieg  gegen  uns  von  England  geführt
werden  müßte.  Es  ist  schon  mehrfach  in  England  während
des  Krieges  ausgesprochen  worden,  daß  nach  dem  Kriege
die  Schiffahrtspolitik  Englands  wieder  stärker  in  diejenigen ­
  Bahnen  zurückgeführt  werden  müsse,  welche  an  die  alte
Zeit  der  englischen  Navigationsakte  erinnere,  also  an  den
Grundsatz,  durch  alle  möglichen  Maßnahmen  die  ausländische ­
  Schiffahrt  gegenüber  der  englischen  zu  beeinträchtigen. ­
  Auch  hier  sind  die  englischen  Kolonien  dem  Mutterlande ­
  in  Friedenszeiten  vorangeeilt.
Es  handelt  sich  um  dieselben  Bestrebungen,  wie  in  den
Versuchen  zur  Gründung  eines  britischen  Zollvereins.  So
wird  nach  dem  australischen  Schiffahrtsgesetz  vom  24.  Dezember ­
  1912  die  Schiffahrt  zwischen  den  australischen  Handelsstädten ­
  nicht  nur  mit  allerhand  tief  einschneidenden
Betriebsvorschriften  belastet,  sondern  vor  allem  von  fremden ­
  Regierungen  subventionierten  Dampfern  überhaupt
untersagt,  während  für  britische  Postschiffe  eine  zeitweilige
Ausnahme  vorgesehen  ist.  Diese  Maßnahmen  aber,  welche
auf  den  Entschluß,  unsere  Reichspostdampferlinie  nach
Australien  aufzugeben,  stark  mitgewirkt  haben,  sind  nicht
auf  dieses  Gebiet  des  britischen  Weltreiches  beschränkt  geblieben. ­
  Auch  Kanada  hat  ähnliche  Bestimmungen  geliegen
  ja  doch  auch  alle  in  den  Tropen  und  Subtropen  und  können
Absatz-  und  Bezugsgebiete  der  gemäßigten  Zone  nicht  ersetzen.  Sie
können  uns  auch  die  Erze  und  anderen  Mineralstoffe,  die  wir  brauchen, ­
  nur  zum  Teil  liefern.  Mit  den  Kolonien  allein  kommen  wir
nicht  aus.  Darum  müssen  wir  auch  zu  fremden  Ländern  wirtschaftliche ­
  Beziehungen  haben,  also  Weltwirtschaft  im  weiteren ­
  Sinne  treiben."
        <pb n="33" />
        —  Schutz  vor  anti-deutschen  Schiffahrtsmaßnahmen  —  ZZ

troffen.  „Australien  und  Kanada",  so  schreibt  Professor
Hermann  Schumacher  in  seiner  sehr  beachtenswerten  handelspolitischen ­
  Untersuchung  für  den  Verein  für  Sozialpolitik, ­
  „sind  es  auch  vor  allem  gewesen,  welche  auf  den  Reichskonferenzen
  von  1902,1907  und  1911  einstimmige  Vefchlllsse
zugunsten  von  Maßregeln  „to  proinote  imperial  trade  in
British  vessels“  durchzusetzen  wußten.  Der  Krieg  wird
diese  imperialistischen  Vestrebungen  im  britischen  Reich
nicht  schwächen,  sondern  stärken.  Damit  müssen  wir  vor
allem  in  der  Seeschiffahrt  bei  einer  Neuregelung  unserer
Handelspolitik  rechnen.  Wir  müssen  uns  die  Hände  frei
machen  und  frei  halten,  um,  wenn  es  nötig  wird,  mit  den
dargelegten  Maßregeln  der  Schiffahrtspolitik  gewaltsamen ­
  oder  tückischen  Angriffen  mit  aller
Wucht  und  Schärfe  b  egegneu  zu  können.  Gerade ­
  hier,  wo  wir  besonders  verwundbar  sind,  darf  die
handelspolitische  Rüstung  keine  Lücke  aufweisen."

Es  kann  sich  aber  bei  der  Förderung  unserer  weltwirtschaftlichen ­
  Beziehungen  nach  dem  Kriege  nicht  nur  darum
handeln,  gewisse  Maßnahmen  einer  antideutschen  Handelsund ­
  Schiffahrtspolitik  Groß-Britanniens  zu  vereiteln.  Es
muß  vielmehr  noch  außerdem  erstrebt  werden,  die  britische
Machtsphäre  in  der  Weltwirtschaft  als  solche  so  zu  begrenzen, ­
  wie  es  dem  Interesse  unserer  ausblühenden  Volkswirtschaft ­
  entspricht.  Diese  weltwirtschaftliche  Machtsphäre
Groß-Britanniens  kommt  in  den  verschiedensten  Machtfaktoron
  zum  Ausdruck,  welche  sich  Groß-Britannien  auf
Grund  seiner  jahrhundertalten  Machtstellung  zur  See  angeeignet ­
  und  in  ein  britisches  Monopol  verwandelt  hat.
Mit  Recht  verweist  Dr.  Pudor  in  der  Kreuzzeitung  vom
21.  7.  16  auf  die  Folgen  dieser  Seediktatur  für  den  deutschen ­
  Handel  und  die  deutsche  Schiffahrt  in  Friedenszeiten.
L  e  v  Y,  Die  englisch«  Gefahr.  3
        <pb n="34" />
        34

—  Britische  Weltmachtfaktoren  —

Er  schreibt:  „Wenn  ein  deutsches  oder  holländisches  Schiff
aus  Indien,  schätzebeladen,  heimkehrte,  mußte  es,  den  kürzesten ­
  Wog  einschlagend,  bei  den  englischen  Wachtposten  in
der  Enge  von  Aden  vorüber,  durch  den  Suezkanal  fahrend,
der  in  englischen  Händen  ist.  Und  wenn  es  glücklich  im
Mittelländischen  Meer  war  und  nach  Westen  dampfte  und
auf  geradem  Wege  die  Insel  Malta  passiert  hatte,  mußte
es  wiederum  erst  wieder  bei  einem  englischen  Wachtposten
in  der  Enge  von  Gibraltar  vorüber,  um  dann  auch  im  Atlantischen ­
  Ozean  und  im  Kanal  niemals  zu  vergessen,  daß
„England  rules  the  waves“  ....  Und  wenn  ein  deuffches
Schiff  um  die  Südspitze  von  Südamerika  etwa  nach  den
deutschen  Südseeinseln  wollte,  mußte  es  bei  dem  englischen
Wachtposten  der  Falklandinseln  vorüber.  Der  ganze  gewaltige ­
  Schiffsverkehr  aber,  der  von  Oftasien  über  den  Indischen ­
  Ozean  wollte,  mutzte  beim  englischen  Wachtposten
von  Singapore  Halt  machen.  Kurz,  die  seefahrende  Nation
der  Briten  hat  es  ausgezeichnet  verstanden  —  das  werden
wir  gut  tun,  ihnen  zuzugestehen  und  wir,  ihre  Nachfolger,
können  mancherlei  von  ihnen  lernen  —  gerade  an  den  entscheidenden ­
  Punkten  der  Erdkarte  sich  festzusetzen  und  Stützpunkte ­
  und  Kolonien  anzulegen.  Man  denke  auch  an  Hongkong ­
  und  denke  vor  allem  an  das  Kap  der  guten  Hoffnung,
das  einst  den  Schlüssel  zu  Indien  bildete."
Wie  wenig  dem  Deutschen  Reiche  der  ihm  gebührende
Anteil  an  der  Verwaltung  und  an  den  Einnahmen  wichtiger ­
  weltwirtschaftlicher  Verkehrspunkte  zustand,  zeigt  die
Tatsache,  daß  der  deutsche  Einfluß  an  der  Verwaltung  des
Suezkanals  bisher  auf  die  Besetzung  einer  Stelle  im  Verwaltungsrat
  beschränkt  blieb.  Annähernd  die  Hälfte  der
Aktien  der  Suez-Kanal-Eesellschaft  befindet  sich  im  Besitz
der  englischen  Regierung,  während  die  andere  Hälfte  sich  in
        <pb n="35" />
        —  Der  Suez-Kanal  —

35

französischem  Privalbesitz  befindet.  Deutschland  aber  ist
an  dem  Verkehr  durch  den  Suezkamal  von  20  Mill.  Reg.-Tonnen
  im  Jahre  1913  mit  3,4  Millionen  Tonnen  beteiligt ­
  gewesen;  dieser  Beteiligung  müßte  auch  ein  entsprechender ­
  Einfluß  durch  Aktienbesitz  zugesichert  sein.  Eine
Stärkung  der  deutschen  Stellung  wird  aber  auch  hier  nur
durch  einen  Druck  aus  die  englische  Vormacht  zu  erreichen
sein?)
Eine  wesentliche  Unterstützung  der  wirtschaftlichen
See&amp;gt;diktatur  Englands  bildet  endlich  der  Besitz  von  Kohlentz
  Bezüglich  der  Stellung  Englands  zur  Frage  des  Suezkanals
ist  eine  Veröffentlichung  im  Jahrbuch  1915/16  des  Norddeutschen
Lloyd  (Seite  55  bis  90)  von  Interesse.  In  dieser  Veröffentlichung
heißt  es:  „Das  Schicksal  des  Suez-Kanals  ist  noch  nicht  entschieden,
und  die  Zeit,  die  Vorgänge  am  Suezkanal  einwandfrei  und  erschöpfend ­
  zu  schildern,  noch  nicht  gekommen.  Vorab  sei  daher  hier
nur  chronologisch  aufgezeichnet,  was  sich  bisher  dort  während  der
Kriegszeit  ereignete  und  an  Hand  der  Ereignisse  dargelegt,  W  i  e
England  allen  Vereinbarungen  zum  Trotz  die
Wasserstraße  fast  ganz  für  sich  und  seine  Verbündeten ­
  in  Anspruch  nahm,  wie  es  den  Kanal
nur  so  weit,  als  es  seine  Interessen  gestatteten
  oder  erforderten,  auch  der  neutralen  Schifffahrt ­
  zur  Verfügung  stellte,  wie  es  ihn  ferner  entgegen
dem  Konstantinopeler  Vertrage  nach  allen  Regeln  der  Kriegskunst
in  den  Verteidigungszustand  versetzte  und  alles  tat,  sich  ausschließlich ­
  die  Oberhand  in  der  Kanalzone  zu  sichern."  Am  Schlüsse  der
Betrachtung  dieses  Aufsatzes  heißt  es:  „Die  vorstehend  geschilderten
Versuche,  zu  einem  gültigen  internationalen  Übereinkommen  über  die
Neutralität  des  Suezkanals  zu  gelangen,  lassen  auf  das  deutlichste  die
Schwierigkeiten  erkennen,  die  sich  der  Erreichung  dieses  Zieles
nament  lich  durch  England  immer  wieder  entgegengestellt
  haben.  Wir  haben  gesehen,  wie  in  dem  Augenblicke,
als  man  die  Neutralisierung  des  Suezkanals  mit  vieler  Mühe  erreicht ­
  zu  haben  glaubte,  wiederum  England  es  war,  das  sich
eine  Hintertür  offen  ließ,  um  zu  ihr  gelegener  Zeit
daraus  zu  entschlüpfen  und  seinen  eigenen  Weg  zu  gehen;  wir
haben  seit  dem  Ausbruch  des  Krieges  klar  den  Weg  vor  Augen,
den  England  verfolgt  oder  wenigstens  zu  verfolgen  versucht,  um  den
Kanal  ausschließlich  in  seine  Gewalt  zu  bringen."

3*
        <pb n="36" />
        36

—  Kohlenstationen  und  Kabel  —

stationen  und  die  bisherige  Machtstellung  Englands  in  der
Ausübung  des  unterseeischen  Kabels.  Mit  Recht  hat
Hauptmann  Miller  in  einem  lesenswerten  Artikel  in  der
Europäischen  Staats-  und  Wirtschaftszeitung  vom  8.  7.  16
das  unterseeische  Kabel  „eine  militärische,  politische  und
wirtschaftliche  Hauptwaffe  Englands"  genannt.  Auf  allen
diesen  Gebieten  wird  Großbritannien  unbesiegt  niemals
der  deutschen  Volkswirtschaft  den  ihr  zukommenden  welt-Wirtschastlichen
  Einfluß  einräumen,  denn  Großbritannien
hat  in  diesem  Einfluß  niemals  den  Ausdruck  des  friedlichen
Wettbewerbs  gesehen,  sondern  ihn  immer  nur  vom  Standpunkt ­
  der  bedrohten  Ausschließlichkeit  englischer  Weltgeltung ­
  betrachtet.
Durch  Maßnahmen  der  englischen  Handels-  und  Wirtschaftspolitik ­
  einerseits  und  durch  den  Besitz  oder  die  Kontrolle ­
  von  überseeischen  Verkehrswegen,  Verkehrsmitteln
oder  Verkehrsstationen  andererseits  kann  England  auch
ohne  einen  besonderen  Wirtschaftskrieg  die  deutschen  Beziehungen ­
  zur  Weltwirtschaft  einengen  und  schädigen.
Aber  noch  eine  dritte  Möglichkeit  kommt  hinzu.  Man
möchte  sie  im  Gegensatz  zu  den  genannten  Maßnahmen
und  Vesitzrechten  des  britischen  Weltreiches  als  den  gewissermaßen ­
  „unsichtbaren"  Machtfaktor  Englands  bezeichnen. ­
  Es  ist:  das  englische  Prestige.
Dieses  Prestige,  welches  den  Glauben  der  Welt  an  die
unerschütterliche  Herrschaft  Englands  zur  See,  auf  dem
Weltmarkt  und  auf  dem  Kapitalmarkt  darstellt,  steht  derjenigen ­
  Betätigung  Deutschlands  im  Auslande,  auf  welche
wir  bisher  ganz  besonders  stolz  waren,  am  stärksten  im
Wege:  nämlich  der  persönlichen  Betätigung
d  e  s  Deutschen.  Schritt  für  Schritt  hat  der  einzelne
Deutsche  im  Auslande,  ganz  besonders  aber  über  See,  sich
gegenüber  diesem  Prestige  durchsetzen  müssen,  welches
        <pb n="37" />
        —  Das  britische  Prestige  —

37

England  weniger  seinen  Erfolgen  in  den  letzten  Jahrzehnten, ­
  als  dem  gewaltigen  Aufschwung  seiner  Volkswirtschaft ­
  und  Seewirtschaft  im  18.  Jahrhundert  bis  in  dre
ersten  Dreiviertel  des  19.  Jahrhunderts  verdankt.  Die
englische  Sprache,  der  englische  Wechsel,  das  englische  Geld,
die  englische  Gesellschaft  hatten  überall  bisher  eine  gewisse
Vorzugsstellung,  welche  die  geschäftlichen  Wünsche  und  Bestrebungen ­
  der  Engländer  unterstützten,  ja  zum  Teil  zu
deren  Nachteil  so  übertrieben  unterstützten,  daß  eine  gewisse ­
  Erschlaffung  des  überseeischen  britischen  Unternehmungsgeistes ­
  eintrat.  Wird  dieses  P  r  e  st  i  g  e  d  u  r  ch  d  en
Krieg  nicht  gebrochen  oder  zumindest  durch  die
Stärkung  des  deutschen  Prestige  eine  Schmälerung  erfahren, ­
  so  wird  es  dem  neu  erwachenden  Unternehmungsgeist
der  Engländer  stärkeren  Schutz  gewähren  als  je.
Vergegenwärtigen  wir  uns  in  diesem  Zusammenhange, ­
  was  die  Deutschen  im  Auslande,  was  die  Ausländsdeutschen ­
  wirtschaftlich  geleistet  haben.  Während  die  wirtschaftliche ­
  Betätigung  der  Engländer,  wenn  sie  ihr  altes
Mutterland  verließen,  zum  größten  Teil  in  dem  sogenannten ­
  „Kolonisieren"  bestand,  und  der  Engländer  in  der  Tat
ein  gewisser,  wenn  auch  moralisch  keineswegs  einwandsfreier, ­
  ökonomischer  Mustertypus  eines  Kolonisators  geworden ­
  ist,  so  hat  die  Tätigkeit  des  Deutschen  im  Auslande ­
  auf  anderen  Gebieten  gelegen.  Deutschland  ist  nicht
in  einer  Zeit  groß  geworden,  in  welcher  noch  überaus
weite  und  reiche  überseeische  Gebiete  der  Kolonisation
offen  standen.  Vielleicht  liegt  es  auch  dom  Deutschen  nicht
so  stark  wie  dem  Engländer,  zu  kolonisieren,  d.  h.  unzivilisierten ­
  Ländern  den  Stempel  des  eigenen  Mutterlandes
aufzudrücken.  Der  Auslanddeutsche  ging  vielmehr
in  bereits  zivilisierte  Länder  oder  in  solche,  welche  in  sortschreitender
  Zivilisation  begriffen  waren,  und  versuchte
        <pb n="38" />
        38

—  Eigenart  der  Ausländsdeutschen  —

dort,  durch  Anpassung  an  die  jeweiligen  Verhältnisse  dieser
Länder,  wirtschaftlich  wirksam  zu  sein.  In  diesem  Zuführen
der  bedeutenden,  in  deutschen  Ländern  wirksamen  Kräfte
nach  Gebieten,  welche  für  diese  Werte  ausnahmefähig
waren,  ohne  an  der  eigentlichen  Verwaltung  und  Politik
dieser  Gebiete  selbst  Anteil  zu  nehmen,  lag  die  Stärke  des
Deutschtums  im  Auslande.  So  haben  im  Verlaufe  des  19.
Jahrhunderts  die  Deutschen  in  den  Vereinigten  Staaten
von  Amerika  einen  groß-bäuerlichen  Mittelstand  geschaffen,
welcher  heute  noch  einen  wichtigen  Kern  der  amerikanischen
Landwirtschaft  bildet;  auf  die  Tätigkeit  der  Deutschen
gehen  weiter  bedeutsame  amerikanische  Industriezweige  zurück, ­
  vor  allem  solche,  welche  auf  irgend  welche  mit  deutscher
Wissenschaft,  Gelehrsamkeit  und  Kunst  zusammenhängende
Verfahren  beruhen.  Der  deutsche  Ingenieur  spielt  noch
heute  in  den  Vereinigten  Staaten  von  Amerika  eine  Rolle
von  besonderer  Begehrtheit.  Im  Handel  wiederum  haben
es  die  Deutschen  verstanden,  durch  ihre  Sprachkenntnisse
und  ihre  Anpassungsfähigkeit,  ferner  durch  das  Studium
fremder  Länder  und  deren  Gebräuche  eine  besondere  Stellung ­
  in  der  Weltwirtschaft  zu  erlangen.
Diese  Leistungsfähigkeit  der  Deutschen  ist  von  den  Engländern ­
  nicht  nur  während  des  Friedens,  sondern  auch  im
Kriege  anerkannt  worden.  Charakteristisch  und  für  alle
Deutschen,  welche  an  unserem  Außenhandel  und  unserer
Weltwirtschaft  ein  reges  Interesse  nehmen,  überaus  erfreulich ­
  ist  das,  was  wir  nach  dieser  Richtung  einer  umfangreichen ­
  Beilage  des  Manchester  Guardian  vom  18.  4.
1916  entnehmen,  einer  Beilage,  welche  sich  ausschließlich
mit  der  wirtschaftlichen  Entwickelung  Chinas  beschäftigt.
In  dem  Kapitel  über  den  chinesischen  Handel  wird  ausgeführt, ­
  daß  schon  bei  Beginn  des  Krieges  die  britischen  Kaufleute ­
  entschlossen  gewesen  seien  und  den  Versuch  gemacht
        <pb n="39" />
        Englische  Urteile

39

hätten,  die  Hand  auf  den  sogen,  „muck  and  truck"-Handel
zu  legen,  d.  h.  den  Ausfuhrhandel  in  den  verschiedensten
Waren,  wie  Haaren,  Saatgut,  Fellen  usw.  Dieser  Handelszweig ­
  habe  zuerst  die  Aufmerksamkeit  der  Deutschen  in
China  auf  sich  gelenkt,  und  man  müsse  zugeben,  daß  die
Deutschen  überaus  erfolgreich  in  der  Entwicklung  dieses
Handelszweiges  gewesen  seien.  Sehr  interessant  ist  ferner
in  demselben  Bericht  das,  was  über  den  Feldzug  der  englischen ­
  Farbenindustrie  gegen  die  Herrschaft  der  deutschen
Farbenindustrie  in  China  gesagt  wird.  Der  Manchester
Guardian  mutz  geradezu  gestehen,  datz  der  deutsche  Chemiker
„sich  mehr  Mühe  gäbe  und  ausdauernder  sei  als  der  englische"; ­
  immerhin  dürfe  man  die  englischen  Chemiker  nicht
für  „das  Fiasko"  in  der  Farbenindustrie  verantwortlich
machen,  „über  es  sei  zweifelhaft,  ob  man  dem  englischen
Geschäftsmann  ebenfalls  Vorwürfe  ersparen  könne;  seine
Leistungen  in  andern  Zweigen  angewandter  Wissenschaft
seien  keineswegs  beruhigend".  Demgegenüber  fei  „die
Energie  und  Tüchtigkeit  der  deutschen  Verkaufsorganisation ­
  schon  seit  Jahren  ein  Anlatz  der  Bewunderung  für  die
englischen  Färbereien  gewesen".  Schon  in  Friedenszeiten
ist  von  den  Engländern,  so  z.  V.  von  dem  bekannten
Schriftsteller  Dawson,  hervorgehoben  worden,  datz  das
große  Geheimnis  deutscher  Wirtschastserfolge  im  Ausland
darin  bestehe,  datz  die  Deutschen  sich  nicht  des  Zwischenhandels ­
  bedienten,  sondern  persönlich  und  der  Sprache  des
fremden  Landes  mächtig  die  Geschäftsabschlüsse  zustande
brächten.  Auch  hier  ermahnt  nun  der  Manchester  Guardian, ­
  nachdem  er  hervorgehoben  hat,  datz  die  englische  Maschinenindustrie ­
  bisher  die  durch  den  Krieg  geschaffenen
Vorteile  nur  wenig  ausgenützt  habe,  zur  Nachahmung
deutscher  Methoden.  „Wie  auf  anderen  Gebieten,  so  haben
die  Agenten  der  großen  deutschen  Jndustrieunternehmun-
        <pb n="40" />
        40  —  Die  „Unbeliebtheit"  des  Deutschen  —
gen  eine  direkte  Verbindung  mit  bedeutenden  Kunden  hergestellt, ­
  anstatt  die  Vermittelung  der  chinesischen  Agenten
zu  benutzen.  Sie  haben  die  Gewohnheiten  und  Gebräuche
der  Chinesen  studiert,  ebenso  sich  deren  Sprache  angeeignet
und  die  größte  Geduld  darauf  verwandt,  zu  zeigen,  welche
Vorteile  sich  für  jeden  einzelnen  Fall  aus  der  Anwendung
einzelner  Maschinen  ergeben  würden."
So  erfreulich  diese  Anerkennung  für  unsere  Ausländsdeutschen ­
  aus  dem  Munde  unserer  Feinde  ist,  so  dürfen  wir
uns  doch  nicht  verhehlen,  daß  gerade  die  Kenntnis  von
der  persönlichen  Überlegenheit  des  Deutschen  die  Engländer ­
  dazu  treiben  wird,  nach  dem  Kriege  durch  jedwedes  verfügbare ­
  Mittel  dem  deutschen  Einfluß  entgegenzuarbeiten.
Gerade  weil  der  Engländer  die  persönliche  Fähigkeit,
welche  zur  heutigen  erfolgreichen  Tätigkeit  auf  dem  Weltmarkt ­
  nötig  ist,  in  geringerem  Maße  besitzt,  als  der
Deutsche,  wird  er,  um  diesen  Mangel  auszugleichen,  alle
sonstigen  Mittel  im  Konkurrenzkämpfe  anwenden,  also
vor  allem  versuchen,  durch  gesellschaftlichen  Boykott,  durch
einen  politischen  Druck  auf  die  nichtdeutschen  Kaufleute
des  Auslandes  Usw.  den  deutschen  Kaufleuten  das  Leben
schwer  zu  ttmdjien.  Wir  haben  bisher  leider  nur  allzuhäufig
über  ibie  „Unbeliebtheit"  des  Deutschen  im  Ausland  gesprochen, ­
  uns  aber  selten  überlegt,  worauf  diese  „Unbeliebtheit" ­
  im  Grunde  genommen  beruhte  und  ob  es  nicht
höchste  Zeit  wäre,  den  ungerechtfertigten  Vorwürfen, ­
  welche  in  Friedenszeiten  schon  gegenüber  dem
aufstrebenden  Deutschtum  im  Ausland  erhoben  wurden,
durch  eine  energische  Betonung  unseres
Standpunktes  und  unseres  Willens  entgegenzutreten. ­
  Sehr  mit  Recht  schreibt  in  der  Europäischen  Staatsund ­
  Wirtschaftszeitung  vom  21.  Juli  1916,  Graf  Karl
von  Holnstein:
        <pb n="41" />
        —  Der  Arbeitsfleiß  des  Auslanddeutschen  —  41
„Es  ist  nur  der  unausrottbare  Idealismus  des
Deutschen,  der  an  das  Gute  im  Menschen  glauben
will,  der  auch  jetzt,  wo  der  ganze  Haß  der  Welt  sich  auf
ihn  entladen  hat,  nur  händeringend  und  entschuldigend ­
  sich  seine  Fehler  vorhält  und  wirklich  glaubt,
der  deutsche  Militarismus,  unfähige  Diplomatie,
welche  die  Presse  des  Auslandes  nicht  zu  beeinflussen
versteht,  der  deutsche  Reisende  mit  lautem  Organ,
Jägerhemd  und  Lödenrock  habe  das  alles  verschuldet.
Wer  im  Ausland  gelebt,  die  Deutschen  dort  an
der  Arbeit  gesehen,  und  gehört  hat,  was  die  Einheimischen ­
  dazu  sagten,  der  wird  etwas  anderes  sagen.
Der  deutsche  Fleiß,  das  Arbeiten  um  der  Arbeit
willen,  das  dem  Deutschen  im  Blut  liegt,  hat  uns
diesen  Haß  zugezogen  und  ist  letzten  Eudes  der  Urgrund ­
  des  Weltkrieges.  Wenn  man  den  Deutschen  im
Ausland  arbeiten  sieht  neben  dem  Einheimischen,  dann
begreift  man,  warum  er  vorwärts  kommt,  reich  wird,
man  begreift  aber  auch  —  wenn  man  sich  kein  Ideal
des  Einheimischen  konstruiert  —  daß  dieser  nach  anfänglicher ­
  Neugier  und  kurzer  Befolgung  des  Beispiels ­
  in  feine  ursprüngliche  Natur  zurückfällt,  den
schnell  aufstrebenden  Deutschen  bochs,  porco  oder
damned  Dutchman  schimpft  und  seine  Denkfähigkeit
dazu  benützt,  um  dieser  Arbeitsbiene  womöglich  den
Honig  ohne  Arbeit  wegzunehmen."
Wir  werden  es  nach  dem  Kriege  nicht  dulden  können,
daß  man,  weil  man  die  wirtschaftliche  Konkurrenz  der
Deutschen  fürchtet  und  haßt,  diese  Abneigung  an  unseren
Mitbürgern  im  Auslande  allenthalben  auszulassen  wagt.
Angesichts  eines  ungebrochenen  englischen  Prestiges  werden ­
  wir  aber  diese  unserer  Würde  entsprechende  Anerken-
        <pb n="42" />
        42  —  Garantien  für  deutsche  Betätigung  im  Auslande  —

mutig  der  Deutschen  im  Auslande  niemals  erreichen
können.  Mag  dieser  oder  jener  Diplomat,  dieser  oder  jener
Eroßkausmann  oder  Reeder,  der  sich  für  längere  Zeit  im
überseeischen  Auslande  aufhält,  auch  nach  dem  Kriege  dort
mit  besonderer  Liebenswürdigkeit  empfangen  und  behandelt
werden,  das  englische  Prestige  wird,  soweit  britischer  Einfluß ­
  reicht,  also  auch  in  heute  neutralen  überseeischen  Ländern, ­
  nach  wie  vor  daran  arbeiten,  dem  deutschen
Mittelstände  im  Auslande  —  und  dieser  bildet  den
Schwerpunkt  des  Deutschtums  im  Auslande  —  die  wirtschaftliche ­
  Betätigung  nach  Kräften  zu  erschweren.  Wenn
aber  stets  Bildung  und  Bildungsdrang  des  Deutschen  und
zwar  wiederum  ganz  besonders  der  deutschen  Mittel-Klassen
  als  die  Grundlage  für  ihre  Erfolge  im  Auslande
hervorgehoben  werden,  so  ist  zu  bedenken,  daß  gerade  der
Aufenthalt  im  Auslande,  besonders  in  dem  englisch
sprechenden  Auslande,  die  Grundlage  für  diese  so  wichtigen ­
  sprachlichen  und  wirtschaftlichen  Kenntnisse  geschaffen ­
  hat.  Wir  müssen  denjenigen,  welche  diese  Vorteile
weltwirtschaftlicher  Betätigung  auch  nach  dem  Kriege  in
Anspruch  nehmen  wollen,  die  Sicherheit  geben,  wie  früher  in
Friedenszeiten  sich  dem  Studium  der  fremden  Sprachen  und
fremdländischen  Wirtschaftgebräuche  in  dem  Auslande
selbst  widmen  zu  können.  Dies  aber  kann  nur  geschehen,
wenn  man  auch  hier  die  Garantie  schafft,  daß  bei  zukünftigen ­
  kriegerischen  Entwicklungen  die  von  den  Engländern
erst  erfundene  Methode  der  Internierung  von  Ausländern
nicht  zur  Anwendung  gebracht  wird;  aber  ganz  abgesehen
wiederum  von  diesem  Falle,  der  sich  auf  die  Voraussetzung
kriegerischer  Ereignisse  gründet,  müssen  wir  dafür  sorgen,
daß  diejenigen,  die  sich  in  Friedenszeiten  im  Auslande  aufhalten, ­
  ihrer  Beschäftigung  nachgehen  können,  ohne  in
würdeloser  Weise  von  unseren  heutigen  Feinden  und  ganz
        <pb n="43" />
        —  Kommende  Forderungen  —

43

besonders  auch  deren  Hetzpresse  behindert  und  belästigt  zu
werden.  Das  wichtigste  Mittel  aber  hierfür  wird  immer
in  erster  Linie  die  Erschütterung  des  englischen  Prestiges
und  der  Anerkennung  unseres  eigenen  Sieges  in  diesen:
Kriege  fein.  Erst  die  völlige  Niederlage  Englands  wird  den
Deutschen  im  Ausland  diejenige  Anerkennung  verschaffen,
welche  sie  auf  Grund  ihrer  wirtschaftlichen  Leistungen  beanspruchen ­
  können  und  ihnen  ein  dieser  Anerkennung  entsprechendes ­
  Auftreten  in  wirtschaftlicher  und  wirtschaftspolitischer ­
  Beziehung  ermöglichen.
Es  ist  nicht  Aufgabe  dieser  Schrift  gewesen,  auf  irgendwelche ­
  bestimmten  Möglichkeiten  oder  Vorschläge  einzugehen, ­
  deren  Verwirklichung  nach  der  Niederringung
Englands  eine  dauernde  Sicherstellung  und  Weiterentwicklung ­
  unserer  Beziehungen  zur  Weltwirtschaft  gewährleisten ­
  könnten.  Man  müßte,  wollte  man  auf  dieses  Thema
eingehen,  darüber  sprechen,  welche  Forderungen  bezüglich
unserer  strategisch-geographischen  Lage  zu  dem  Jnselreich
selbst  und  bezüglich  des  Weiterausbaues  unserer  Flotte  und
ihrer  Stützpunkte  zu  stellen  wären;  denn  von  dieser  militärisch-politischen ­
  Stellung  muß  wesentlich  der  „Druck"  abhängen, ­
  den  wir  zur  dauernden  Sicherstellung  unserer
wirtschaftlichen  Entwicklung  sowohl  im  Kriege  wie  im  Frieden ­
  benötigen.  Ebenso  müßte  man  erörtern,  welche  Richtung ­
  und  welchen  konkreten  Umfang  unsere  koloniale  Entwicklung ­
  zu  nehmen  hätte,  welchen  Einfluß  wir  auf  bestimmte ­
  Zwischenhandels-,  Umschlags-  und  Verkehrsplätze, ­
  Durchgangsstraßen  des  Weltverkehrs  usw.  gewinnen
wollen.  Hierzu  ist  die  Zeit  noch  nicht  gekommen.  Ebensowenig ­
  können  jetzt  schon  bestimmte  Einzelforderungen  bezüglich ­
  der  Handels-  und  Schiffahrtsverträge  erhoben
werden.  Wenn  der  Zeitpunkt  da  ist,  dann  werden  nach
dieser  Richtung  die  Vertreter  der  Privatinteressen  ihre
        <pb n="44" />
        44  —  Die  Niederringung  Englands  bleibt  —
lange  gehegten  Wünsche  sachlich  zu  formulieren  verstehen
und  das  volkswirtschaftlich  Wünschenswerte  und  Notwendige ­
  durch  Zusammenarbeit  mit  den  in  Frage  kommenden
Instanzen  der  Regierung  erreichen.
Hier  hingegen  handelte  es  sich  nur  darum,  klarzulegen, ­
  daß  alle  jene  wirtschaftlichen  Wünsche  von  vornherein ­
  machtlos  sind,  solange  wir  England ­
  nicht  besiegt  haben.
Die  Erkenntnis  von  der  rücksichtslosen  und  erdrückenden ­
  wirtschaftlichen  Macht  Englands  muß  in  uns  dauernd
diesen  Siegeswillen  wachhalten  und  stärken.  Sich  nur  an
die  uns  auf  der  Pariser  Konferenz  zugedachten  wirtschaftlichen ­
  Schädigungen  zu  halten,  hieße  die  Hauptgefahr  verkennen! ­
  Denn  diese  Schädigungen  sind  in  ihrem  wesentlichen ­
  Inhalt  undurchführbare  Drohungen!  Die  eigentlichen, ­
  durchführbaren  Schädigungen  liegen  nicht  auf  dem
Gebiete  eines  offiziellen  englischen  Wirtschaftskrieges  nach
dem  Kriege  gegen  uns,  sondern  in  der  Machtstellung  des
britischen  Weltreiches  im  Handel  und  im  Verkehr  und  in
der  Möglichkeit,  sein  Auftreten  über  See  unter  Aufrechterhaltung ­
  friedlicher  Grundsätze  so  einzurichten,  daß  unsere
Entwicklung  dadurch  unterbunden  wird.
Darum  ist  es  auch  verfehlt,  allein  in  dem  Bestehen
einer  schlagfertigen  17-Vootsflotte  ganz  großen  Stils  das
Damoklesschwert  zu  sehen,  das  immer  über  England
schwebt  und  dieses  von  dem  Kriege-  fernhält.  Ganz  abgesehen ­
  davon,  daß  es  sehr  fraglich  ist,  ob  nicht  in  einem  zukünftigen ­
  Kriege  der  neuen  Waffe  wieder  eine  neue  Waffe
erfolgreicher  als  jetzt  erwachsen  kann,  besagt  doch  dieses
militärische  Machtmittel  für  die  friedliche  Wirtschaft  sehr
wenig.  Glaubt  man,  daß  deutsche  Kaufleute  oder  sonst
wirtschaftlich  Tätige  sich  in  fernen  englischen  Kolonien
        <pb n="45" />
        —  Voraussetzung  unsrer  weltwirtschaftlichen  Zukunft  —  45
oder  in  neutralen  Ländern  über  See  deshalb  vertrauensvoll ­
  wieder  niederlassen  werden,  weil  im  Falle  eines  neuen
Krieges  das  weit  entfernte  Jnselreich  vor  der  Gefahr  steht,
ausgehungert  zu  werden?  Solchen  Persönlichkeiten,  auf
deren  Tatkraft  wir  unsere  weltwirtschaftliche  Zukunft  aufgebaut ­
  sehen,  mutz  es  viel  wirksamer  erscheinen,  wenn  im
Falle  eines  Krieges  die  deutsche  Hochseeflotte  aus  dem
Meere  erscheint  und  in  fernen  Gebieten  durch  ihr  Auftreten
oder  ihr  Prestige  die  Sicherheit  für  deutschen  Besitz  verbürgt. ­
  Sieht  man  aber  von  dieser  Vorsorge  für  den  Krieg
ab,  so  bedeutet  die  Unterseebootsgefahr  für  ein  unbesiegtes
England  keinen  Druck,  die  friedliche  Handels-  und  Verkehrspolitik ­
  und  alles  damit  Zusammenhängende  so  zu  gestalten, ­
  datz  es  nicht  feine  Spitze  gegen  Deutschland  richtet.
Hier  mutz  die  Machtfrage  entscheiden.  Und  diese
Machtfrage  England  gegenüber  so  zu  lösen,  datz  wir  weder
in  einem  kommenden  Kriege  noch  im  Frieden  in  unserer
weltwirtschaftlichen  und  damit  volkswirtschaftlichen  Entwicklung ­
  hinter  den  englischen  Interessen  zurückstehen
müssen,  ist  das  Kriegsziel  unserer  Volkswirtschaft.  Immer ­
  wieder  und  von  neuem  mutz  anerkannt ­
  und  betont  werden,  was  auf  dem
Spiele  stehen  würde,  wenn  dieses  Ziel
nicht  mit  den  Waffen  von  uns  erfochten
würde.  Denn  datz  England  gutwillig  keinen  Schritt  zurückweicht, ­
  keine  der  von  ihm  sich  angemaßten  Rechte  und
keinen  Punkt  seiner  Weltwirtschaftsbeherrschung  gutwillig ­
  aufgibt,  daran  hat  es  heute  wie  früher  weder  bei  seinen ­
  Freunden  noch  bei  feinen  Feinden  einen  Zweifel  aufkommen ­
  lassen.  Seit  den  ersten  Tagen  des  August  1914
rechnen  aber  auch  wir  nicht  mehr  auf  diesen  guten  Willen
Englands,  sondern  nur  auf  unseren  Sieg.  —
        <pb n="46" />
        Anhang.

Mr.  Asquith  über  die  Pariser  Wirtschaftskonferenz.
        <pb n="47" />
        Rede
des  englischen  Premierministers  Mr.  Asquith
über  die  Ergebnisse  der  Pariser  Wirtschaftskonferenz.
Unterhaus  2.  August  1916  (nach  der  „Times"  vom  3.  August  1916,  Seite  8).

Mr.  Asquith  erklärte:  „Ich  stelle  den  Antrag,  daß  das
Haus  sich  jetzt  vertagen  wolle.  Vor  langer  Zeit  versprach
ich,  dem  Hause  eine  Mitteilung  über  die  Vorgänge  auf
der  Wirtschaftskonferenz  in  Paris  zu  machen,  und  ich
komme  jetzt  endlich  dazu,  mein  Versprechen  einzulösen.  Um
ordnungsmäßig  vorzugehen  und  die  Möglichkeiten  zu  einer
Diskussion  zu  bieten,  habe  ich  den  Antrag  auf  Vertagung
gestellt.  Es  ist  in  erster  Linie  wünschenswert  sich  über  die
Absichten  klar  zu  werden,  mit  welchen  die  Regierung  Sr.
Majestät  zu  der  Wirtschaftskonferenz  gegangen  ist.  Die
Hauptziele  waren  zweierlei  Art-  Das  eine  war  den  Feind
davon  zu  überzeugen,  daß  die  Alliierten,  was  auch  ihre
einzelnen  Gesichtspunkte  in  wirtschaftlichen  Fragen  sein
mögen,  entschlossen  sind,  diesen  Krieg  sowohl  auf  wirtschaftlichem
  wie  auf  militärischem  Gebiete  mit  vollständiger
Einigkeit  und  Entschlossenheit  zu  Ende  zu  bringen.  Der
zweite  Zweck  war,  für  die  Periode  nach  dem  Friedenschluß
solche  Vorbereitungen  zu  treffen,  wie  sie  die  Alliierten  int
Hinblick  auf  die  bekannte  Stellungnahme  und  den  Willen
Deutschlands  zu  treffen  für  notwendig  erachten.  Das  Vorwort ­
  der  Beschlüsse  der  Konferenz,  wie  sie  das  Weißpapier
enthält,  bringt  einige  Worte,  auf  welche  ich  die  Auf ­
        <pb n="48" />
        49

merksamkeit  des  Hauses  lenken  möchte.  Ich  wähle  die  Übersetzung ­
  auf  Seite  4  unter  Ziffer  3  und  zwar  den  letzten  Absatz ­
  unter  dieser  Ziffer.  Es  handelt  sich  um  die  folgenden
Worte:  „Angesichts  einer  so  ernsten  Gefahr  erachten  die
Vertreter  der  verbündeten  Regierungen  es  als  ihre  Pflicht,
aus  Gründen  notwendiger  und  rechtmäßiger  Abwehr  von
nun  an  alle  erforderlichen  Maßnahmen  zu  ergreifen,  um
einerseits  sich  und  allen  Märkten  neutraler  Länder  volle
wirtschaftliche  Unabhängigkeit  und  Achtung  vor  gefunden
Handelsgrundsätzen  zu  sichern  und  um  andrerseits  ihnen  die
Bildung  eines  auf  dauernder  Grundlage  beruhenden  Wirtschaftsbündnisses
  zu  erleichtern."  Das  ist  der  Grundgedanke ­
  der  ganzen  Vorgänge  und  er  erläutert  die  grundlegende ­
  Anschauung  der  Delegierten  der  Konferenz,  daß
ihre  Beschlüsse  in  erster  Linie  defensiv  und  nicht  offensiv
seien  (hört,  hört).
Der  Krieg  hat  unsere  Augen  für  die  volle  Bedeutung
und  die  mannigfachen  Zufammenhänge  des  deutschen
Systems  wirtschaftlicher  Durchdringung  und  kommerzieller
und  finanzieller  Herrschaft  über  zum  Leben  notwendige
Gewerbezweige  geöffnet  und  uns  gezeigt,  wie  man  eins
Überlegenheit,  welche  man  durch  dieses  System  gewonnen
hat,  im  Kriege  benutzen  kann.  Es  ist  schwer,  ja  ich  möchte
sagen  unmöglich  zu  glauben,  daß  Deutschland,  wenn  der
Krieg  vorbei  ist,  nicht  von  demselben  Geist  weiter  erfüllt
sein  wird.  Deutschland  wird,  wie  man  bemerken  kann,  mit
bestimmten  sehr  naheliegenden  und  beträchtlichen  Vorteilen ­
  wieder  anfangen.  In  den  eroberten  Gebieten  sowohl ­
  in  Belgien  wie  in  Frankreich  hat  Deutschland  Unternehmungen ­
  und  Fabriken  zerstört,  große  Mengen  von  Betriebsmitteln ­
  und  Rohstoffen  fortgeführt  —  die  Menschen
nicht  zu  erwähnen  —  (hört,  hört)  —;  all  dieses  wurde  in
die  Industriezentren  Deutschlands  und  Österreichs  ver-Levy,
  Die  englische  Gefahr.  4
        <pb n="49" />
        50

fandt.  Deutschland  hat  e-ine  große  Handelsflotte,  welche  im
Augenblick  in  ihren  eigenen  Häfen  oder  in  den  Häfen  neutraler ­
  Länder  sicher  festliegt.  Es  ergibt  sich  aus  den  deutschen ­
  Zeitungen,  daß  die  Deutschen  auf  diese  Faktoren  rechnen, ­
  um  die  industrielle  und  kommerzielle  Erholung  der
Alliierten  zu  verhindern.  Sie  organisieren  bereits  ihre
Industrie  und  zwar  —  was  wir  uns  nicht  verhehlen
wollen  —  zu  einem  Angriff  auf  unsere  und  unserer  Verbündeten ­
  Märkte  und  zu  einem  Wettbewerb  auf  neutralen
Märkten.  Dies  ist  es  unserer  Ansicht  nach  —  wenn  ich  sage
unserer  Ansicht  nach,  so  meine  ich  die  Ansicht  der  verbündeten ­
  Mächte  —,  was  es  nötig  macht,  für  den  kommenden
Frieden  eine  wirksame  Vorbereitung  zu  treffen,  und  die
Pariser  Konferenz  stellt  in  ihren  Entschließungen  den  Versuch ­
  der  Verbündeten  dar,  die  allgemeinen  Linien  festzulegen, ­
  auf  welchen  diese  Vorbereitung  stattfinden  soll.
Die  Entschließungen,  welche  in  dem  Weißpapier  niedergelegt ­
  sind,  werden,  wie  ich  denke,  den  Mitgliedern  bekannt ­
  sein.  Sie  zerfallen  in  3  Abschnitte.  Erstens  in  Maßnahmen ­
  für  die  Dauer  des  Krieges,  zweitens  in  Maßnahmen ­
  für  die  Zeit  des  Wiederaufbaus  nach  dem  Kriegs;
und  endlich  in  dauernde  Maßnahmen  gemeinsamer  Hilfe
und  Zusammenarbeit  zwischen  den  Verbündeten  nach  dem
Kriege,  ^immt  man  den  ersten  Abschnitt,  Maßnahmen  für
die  Dauer  des  Krieges,  im  Hinblick  auf  welchen  drei  Beschlüsse ­
  gefaßt  worden  sind,  so  paßt  er  sich  im  großen  ganzen
und  allgemeinen  Grundsätzen  der  britischen  Gesetzgebung
und  Praxis  an.  Diese  Maßnahmen  werden,  wenn  sie
durchgeführt  werden,  hauptsächlich  den  Erfolg  haben,  die
Handlungsweise  gewisser  anderer  uns  verbündeter  Regierungen ­
  auf  denjenigen  Standpunkt  zu  bringen,  der  von
Frankreich  und  dem  Vereinigten  Königreich  bereits  ange-
        <pb n="50" />
        51

nommen  worden  ist.  Auf  Grund  dieser  Entschlüsse  wird,
wenn  sie  durchgeführt  werden,  das  in  unserem  Lande  bereits ­
  bestehende  Verfahren  bis  zu  einem  gewissen  Grade
verstärkt  werden,  nämlich  —  ich  verweise  hier  besonders
auf  die  zweite  Entschließung  unter  All  —  den  Handel  mit
feindlichen  Untertanen  zu  verhindern,  wo  immer  sich  diese
aufhalten.  Die  Methode,  welche  der  praktischen  Durchführung ­
  dieses  Zieles  dient,  besteht  darin,  daß  wir  unsere
schwarze  Liste  ausdehnen  müssen  und  dies  kann  ohne  Gesetzgebung ­
  geschehen,  wofür  auch  schon  Schritte  unternommen ­
  worden  sind.  Das  ist  alles,  was  ich  bezüglich  des
ersten  Abschnitts  der  Entschließungen  unter  Buchstabe  A
zu  sagen  habe"
Sir  Edward  Earfon:  „Sind  Schritte  unternommen
worden,  um  die  Beschlüsse  in  Nr.  3  dieses  Abschnitts  zu
verwirklichen?"
Mr.  Asquith:  „Jawohl.  Jetzt  komme  ich  zu  Abschnitt
B,  vorübergehende  Maßnahmen  für  die  Zeit,  die  man
als  Periode  des  Wiederaufbaus  bezeichnet.  Die  erste  Beschlußfassung ­
  dieses  zweiten  Abschnitts  wird,  wie  ich  annehmen ­
  darf,  jedem  ohne  weiteres  verständliche  sein.  Sie
lautet:  „Die  Verbündeten  erklären  es  als  ihren  gemeinschaftlichen ­
  Entschluß,  den  Wiederaufbau  der  Länder  zu
sichern,  welche  durch  Zerstörung,  Plünderung  und  ungerechte ­
  Requisitionen  gelitten  haben.  Sie  beschließen,  gemeinsam ­
  auf  Mittel  und  Wege  zu  sinnen,  um  jenen  Ländern ­
  -als  wahlberechtigten  Anspruch  die  Erstattung  der  Rohstoffe, ­
  gewerblichen  und  landwirtschaftlichen  Maschinen,
Vorräte  und  der  Handelsflotte  sicher  zu  stellen  oder  sie  in
der  selbständigen  Beschaffung  zu  unterstützen."  Es  ist  kein
anderer  Punkt  vorhanden,  bezüglich  dessen  die  Meinungsverschiedenheiten ­
  in  diesem  Hause  und  im  Lande  und  auch
unter  den  verbündeten  Regierungen  geringer  sein  werden,
4*
        <pb n="51" />
        52

daß  es  nämlich  eine  wesentliche  Friedensbedingung  ist,
daß  Belgien  und  Serbien  wieder  hergestellt  werden  und
zwar  nicht  nur  als  Nation,  nicht  nur  politisch,  nicht  nur
diplomatisch,  sondern  auch  materiell  und  wirtschaftlich  und
zwar  auf  denjenigen  Stand  gebracht  werden,  auf  welchen
sie  vor  dem  Kriege  standen  und  daß  die  verwüsteten  und  beraubten ­
  Gebiete  Frankreichs  und  Rußlands  in  gleicher
Weife  wieder  hergestellt  werden.
Die  zweite  Entschließung  unter  diesem  Abschnitt  ist
von  einschneidender  Wichtigkeit.  Obschon  der  Bericht  den
Mitgliedern  vorliegt,  will  ich  die  wichtigen  Worte  verlesen:
„Der  Krieg  hat  alle  Handelsverträge  zwischen  den  Verbündeten ­
  und  den  feindlichen  Mächten  aufgehoben,  und  es  ist
von  äußerster  Wichtigkeit,  daß  während  des  Zeitabschnittes
des  wirtschaftlichen  Wiederaufbaus  nach  Einstellung  der
Feindseligkeiten  die  Freiheit  keines  der  Verbündeten  durch
irgend  einen  von  den  feindlichen  Mächten  erhobenen  Anspruch ­
  auf  Behandlung  nach  der  Meistbegünstigungsklausel
beeinträchtigt  wird.  Demgemäß  vereinbaren  die  Verbündeten, ­
  daß  die  Vergünstigung  einer  solchen  Behandlung  den
betreffenden  Mächten  für  eine  Reihe  von  Jahren,  deren
Zahl  die  Verbündeten  durch  allseitige  Übereinstimmung
untereinander  regeln  werden,  nicht  gewährt  wird."
Die  Wirkung  dieses  Beschlusses  soll  darin  bestehen,
die  Verbündeten  zu  verpflichten,  die  Meistbegünstigung
keinem  unserer  Feinde  im  Friedensvertrag  selber  oder  in  irgend ­
  einer  anderen  Form  für  eine  Reihe  von  Jahren  nach
dem  Kriege  zu  gewähren.  So  wollen  wir  uns,  was  ganz  allgemein ­
  von  Wichtigkeit  ist,  mit  unseren  Verbündeten  die
Freiheit  sichern,  solche  handelspolitischen  Vereinbarungen
untereinander  oder  mit  neutralen  Ländern  abzuschließen,
wie  wir  sie  für  notwendig  erachten,  ohne  durch  die  Ver ­
        <pb n="52" />
        53

pflichtung  behindert  zu  sein,  auch  den  feindlichen  Mächten
irgend  einen  sich  aus  solcher  Vereinbarung  ergebenden
Vorteil  zu  gewähren.
Der  dritte  Beschluß  dieses  Abschnitts  lautet  folgendermaßen: ­
  „Dis  Verbündeten  erklären  sich  bereit,  während
der  ganzen  Zeit  des  Wiederaufbaus  von  Handel,  Gewerbe
und  Landwirtschaft  alle  Schätze  ihres  Bodens  den  ihnen
verbündeten  Ländern  vor  allen  anderen  vorzubehalten,
und  zu  diesem  Zweck  verpflichten  sie  sich,  besondere  Einrichtungen ­
  zu  treffen,  um  den  Austausch  dieser  Naturschätze  zu
erleichtern."
Worum  handelte  es  sich  bei  dieser  Entschließung  ?  Ihr
Ziel  war,  die  Versuche  Deutschlands  zu  vereiteln,  welche
dieses,  wie  wir  annehmen,  bereits  unternommen  hat,  um
sich  aus  neutralen  Ländern  mit  Rohstoffen  zu  versorgen,
ebenso  den  Versuch  zu  vereiteln,  seine  eigenen  Vorräte  unmittelbar ­
  nach  dem  Kriege  wieder  aufzufüllen.  Die  Verbündeten ­
  sind  unserer  Auffassung  nach  pflichtgemäß  gebunden, ­
  jede  praktische  Maßnahme  zu  ergreifen,  um  für
ihren  eigenen  Gebrauch  Vorräte  zu  sichern,  welche  in  ihren
eigenen  Ländern  erzeugt  werden  und  jode  deutsche  Kontrolle ­
  darüber  zu  verhindern,  so  wie  diese  in  einzelnen
Fällen  vor  dem  Kriege  bestand  (Beifall)."
Sir  Edward  Carson:  „Ist  hierfür  eine  Gesetzgebung
nötig?"
Mr.  Asquith:  „Meiner  Ansicht  nach  nicht.  Ich  sprach
vorhin  über  verschiedene  Waren,  über  welche  Deutschland
vor  dem  Kriege  eine  Kontrolle  ausübte-  Ich  kann  die
Kenntnis  vieler  solcher  Waren  bei  dem  Hause  voraussetzen ­
  —  Farben,  Zink,  Magnete  und  optische  Instrumente.
Das  sind  nur  Beispiele;  aber  sehr  wichtige  Beispiele.  Niemand ­
  von  uns  hat  bis  zum  Kriegsausbruch  sich  vorgestellt,
        <pb n="53" />
        54

in  welche  Abhängigkeit  bezüglich  dieser  wichtigen  Hilfsquellen ­
  unserer  bedeutendsten  Industrien  wir  geraten
waren  und  zwar  von  Hilfsquellen,  welche  nicht  nur  nicht
in  unserm  eigenen  Machtbereich  lagen,  sondern  welche  vom
Feinde  absolut  beherrscht  wurden  (hört,  hört).  Das  ist,  wie
ich  glaube,  der  wichtigste  Punkt,  welcher  für  die  einzelnen
Maßnahmen  bestimmend  sein  mutz,  durch  welche  wir  unsere
Beschlüsse  verwirklichen  wollen.  Handelsverträge  mit  neutralen ­
  Ländern  müssen  Berücksichtigung  finden,  und  jede
einzelne  Ware  wird  natürlich  eine  eigene  Beachtung  beanspruchen. ­

Der  vierte  Beschluß  dieses  Abschnittes  wurde  in  folgende ­
  Worte  gefaßt:  „Um  ihren  Handel,  ihre  Industrie,
Landwirtschaft  und  Schiffahrt  gegen  wirtschaftliche  Angriffe, ­
  als  Ergebnis  von  Verkauf  zu  Schleuderpreisen  oder
anderem  unlauteren  Wettbewerb  zu  schützen,  beschließen
die  Verbündeten,  durch  Übereinkommen  einen  Zeitraum  zu
bestimmen,  während  dessen  der  Handel  der  feindlichen
Mächte  besonderer  Behandlung  unterliegen  soll  und  die
von  ihren  Ländern  erzeugten  Waren  entweder  ganz  verboten ­
  werden  oder  einer  besonderen  wirkungsvollen  Regelung ­
  unterliegen  müssen.  Die  Verbündeten  werden  durch
Übereinkunft  auf  diplomatischem  Wege  die  besonderen  Bedingungen ­
  feststellen,  welche  während  des  vorerwähnten
Zeitraums  den  Schiffen  der  feindlichen  Mächte  auferlegt
werden  sollen."  Dieser  Beschluß  wurde  einstimmig  angenommen ­
  im  Hinblick  auf  die  Vorteile,  welche  deutscher
Handel  und  deutsche  Industrie,  wie  schon  oben  erwähnt,
aus  der  Beraubung  des  besetzten  Gebiets  und  der  Behandlung ­
  der  Handelsschiffahrt  ziehen  werden.  Es  besteht  auch
die  Absicht,  für  den  Fall,  daß  der  Frieden  kommen  sollte,
ehe  die  verbündeten  Länder  als  Ganzes  oder  einzelne  von
ihnen  das  nach  dem  Kriege  zu  ergreifende  Wirtschafts ­
        <pb n="54" />
        55

system  festgelegt  haben,  dahin  zu  wirken,  daß  für  den  Abschluß ­
  dieser  Vereinbarungen  ausreichende  Zeit  gegeben
wird,  ohne  es  gleichzeitig  zu  ermöglichen,  daß  Deutschland
sein  vor  dem  Kriege  ausgeübtes  System  des  wirtschaftlichen ­
  Eindringens  unmittelbar  erneuert.
Jetzt  komme  ich  zu  einem  Punkt,  der  von  wesentlicher
Bedeutung  ist,  nämlich  zu  den  Beschlüssen  unter  Abschnitt  3,
welcher  überschrieben  ist  „Ständige  Maßnahmen  gegenseitiger ­
  Hilfe  und  Zusammenarbeit  unter  den  Verbündeten".
Ich  verweise  Sie  auf  den  ersten  dieser  Beschlüsse:  „Die
Verbündeten  beschließen,  unverzüglich  die  nötigen  Schritte
zu  tun,  um  sich  von  den  feindlichen  Ländern  unabhängig  zu
machen,  soweit  die  für  eine  normale  Entwicklung  ihrer
wirtschaftlichen  Tätigkeit  nötigen  Rohstoffe  und  Fabrikate
in  Frage  kommen."  Diese  Maßnahmen  sollen  darauf  abzielen, ­
  die  Unabhängigkeit  der  Verbündeten  zu  gewährleisten, ­
  nicht  nur  was  ihre  Lieferungsquellen,  sondern  auch,
was  ihre  Finanz-  und  Handelsorganisation  sowie  ihre  Organisation ­
  zur  See  betrifft.
Dann  kommen  wichtige  Worte.  Die  Ziele  derselben
habe  ich  bereits  beschrieben;  nun  kommen  wir  zu  den  Mitteln: ­
  „Die  Verbündeten  werden  diejenigen  Maßnahmen
treffen,  welche  ihnen  für  die  Durchführung  ihres  Entschlusses ­
  am  passendsten  erscheinen,  gemäß  der  Art  der  Waren
und  unter  Rücksichtnahme  auf  die  Grundsätze,  welche  ihre
Wirtschaftspolitik  leiten."
In  anderen  Worten,  es  wird  den  Verbündeten  überlassen, ­
  dauernde  Maßnahmen  gegenseitiger  Hilfe  und  Zusammenarbeit ­
  zu  erlassen.  Die  Ziele  dieser  Maßnahmen
sind  genau  beschrieben  und  gemeinsam  gebilligt  worden.
Das  Hauptziel  besteht  darin,  die  wirtschaftliche  Unabhängigkeit ­
  gegenüber  dem  feindlichen  Lande  zu  erreichen.  Die
Beschlüsse  geben  hierfür  ein  Beispiel,  welches  jedoch  die
        <pb n="55" />
        56

Sache  nicht  erlschöpfen  soll:  „Sie  können  z-  V.  ihre  Zuflucht
nehmen  zu  staatlich  unterstützten  Unternehmungen,  die  von
den  Regierungen  selbst  geleitet  oder  beaufsichtigt  werden,
oder  zur  Gewährung  von  Eeldbeihilfen  zur  Ermutigung
wissenschaftlicher  und  technischer  Untersuchungen  und  Entwicklung ­
  nationaler  Industrien  und  Hilfsquellen;  oder  zu
Zöllen  oder  Verboten  zeitweiliger  oder  dauernder  Art,
oder  zu  einer  Verschmelzung  dieser  verschiedenen  Methoden." ­

Die  Wahl  und  Auswahl  aus  diesen  Möglichkeiten
bleibt  den  einzelnen  Regierungen  überlassen.  Die  Resolution ­
  schließt:  „Welche  Methode  auch  angewandt  werden
mag,  immer  wird  es  das  Ziel  der  Verbündeten  sein,  die
Erzeugung  innerhalb  ihres  Gebiets  als  eines  Ganzen  in  so
ausreichendem  Umfange  zu  steigern,  dag  sie  ihre  wirtschaftliche ­
  Stellung  und  ihre  Unabhängigkeit  in  Beziehung  zu
feindlichen  Ländern  bewahren  und  entwickeln  können."
Ich  möchte  hierbei  ein  Wort  über  die  Bewilligung  finanzieller
  Hilfe  zur  Aufmunterung  wissenschaftlicher  und
technischer  Forschung  und  zur  Entwicklung  nationaler  Industrie- ­
  und  Hilfsquellen  sagen,  weil  dies  uns  ganz  besonders ­
  und  zwar  in  außergewöhnlicher  Weise  betrifft.
Seit  dem  Beginn  des  Krieges  hat  die  Regierung  ihre  besondere ­
  Aufmerksamkeit  auf  die  Fragen  gerichtet,  welche
sich  auf  diesen  Vorschlag  beziehen,  und  es  sind  Matznahmen
ins  Leben  gerufen  worden,  welche  zwar  bisher  keine  übergroße ­
  Ausdehnung  gewonnen  haben,  doch  aber  sehr  nützlich ­
  sind.  Ich  möchte  Hinzufügen,  daß  wir  nicht  die  Absicht
haben,  den  Friedensschluß  oder  das  Ende  der  Übergangsperiode, ­
  wie  sie  die  Pariser  Konferenz  angenommen  hat,
abzuwarten,  sondern  schon  vorher  dieser  Politik  zu  voller
Wirksamkeit  verhelfen  (Beifall).  Wir  werden  hierbei  durch
ein  gutes  Omen  ermutigt.  Ich  spreche  jetzt  von  dem  Ver ­
        <pb n="56" />
        57

einigten  Königreich.  Eine  große  Zahl  britischer  Industriezweige ­
  hat  seit  dem  Kriegsanfang  einen  außerordentlichen
Unternehmungsgeist  und  schöpferische  Kraft  gezeigt.  Unter
den  einzelnen  Gewerbetreibenden  hat  sich  eine  größere  Neigung ­
  geltend  gemacht,  sich  durch  Ideenaustausch  zusammenzufinden, ­
  ihre  Geschäftsgeheimnisse,  welche  bisher  eifersüchtig ­
  bewacht  wurden,  gemeinschaftlich  zu  behandeln  und
alle  möglichen  wissenschaftlichen  und  technischen  Hilfsquellen ­
  des  Landes  heranzuziehen,  um  die  Produkrion  und  eine
verbesserte  Organisation  herbeizuführen  (Beifall).  In
einzelnen  Zweigen  hat,  wie  man  mir  sagt  und-  wie  ich
sicher  glaube,  schon  fetzt  ein  Wechsel  stattgefunden,  welcher
geradezu  einer  Revolution  gleichkommt,  und  es  gibt  kaum
irgend  einen  Eewerbezweig  in  diesem  Lande,  der  Nicht  aus
den  schweren  Zeiten  des  Krieges,  aus  den  besonderen
Schwierigkeiten,  welche  man  überwinden  mutzte,  gekräftigt
und  mit  neuen  Reizmitteln  versehen  herausgegangen  ist.
Ich  glaube,  daß  ich  mich  nicht  übertrieben  selbstgefällig ­
  ausdrücke,  wenn  ich  sage,  daß  die  Geschichte  des  Krieges
in  unserer  heimischen  Industrie  eine  solche  ernster  und  drohender ­
  Schwierigkeiten  gewesen  ist,  denen  wir  Mit  Mut
entgegengetreten  sind  und  die  wir  erfolgreich  überwunden
haben.  Ich  möchte  auf  zwei  Tendenzen  ein  besonderes  Gewicht ­
  legen,  wenn  es  sich-  hier  auch  um  eine  Abschweifung,
aber  darum  doch  um  einen  wichtigen  Punkt,  handelt:
Erstens  möchte  ich  auf  die  Entwicklung  von  Gewerbeverbänden ­
  für  gemeinsame  Maßnahmen  im  Lande  selbst  und
außerhalb  des  Landes  verweisen,  welche  den  durchschnittlichen ­
  Stand  der  Produktion  steigern  sollen.  Die  zweite
und  nicht  minder  wichtige  Tendenz  besteht  in  der  Erkenntnis, ­
  daß  wir  Lücken  in  der  wissenschaftlichen  Forschung,  in
der  Verwertung  ihrer  Resultate  und  ihrer  Anwendung  für
technische  und  industrielle  Zwecke  auszufüllen  haben.
        <pb n="57" />
        58

Nach  beiden  Richtungen  haben  überaus  kräftigende
Entwicklungen  eingesetzt.  Ich  will  hierauf  nicht  weiter  eingehen, ­
  weil  dies  das  Gebiet  unserer  Diskussion  zu  stark
verbreitern  und  dieselbe  auf  einzelne  Fragen  ablenken
würde,  nämlich  aus  die  besonderen  Maßnahmen,
welche  die  Regierung  erlassen  kann  oder  erlassen
sollte,  um  gewisse  Industrien  zu  schützen,  welche  nicht
nur  für  unseren  Erfolg  im  Kriege,  sondern  auch  für  unser
gewöhnliches  wirtschaftliches  Leben  ausschlaggebend  sind.
Wer  ich  möchte  diese  allgemeine  Bemerkung  hinzufügen.
Die  Regierung  hält  sich  für  verpflichtet,  die  Wohltaten,
welche  aus  dieser  neuen  Politik  hervorgehen,  gerecht  unter
alle  Teile  des  Volkes  zu  verteilen  (hört,  Hört).  Das  Arbeiterinteresse ­
  war  nicht  besonders  in  der  Pariser  Konferenz ­
  vertreten.  Aber  die  Regierung  Sr.  Majestät  ist  eifrig
bemüht,  die  Richtlinien  und  Grundlagen  sowohl  unserer
sozialen  wie  unserer  gewerblichen  Politik  nach  dem  Kriege
zu  entwerfen,  welche  allen  Klassen  eine  gerechtere  Vertei
lung  der  Erzeugnisse  unserer  Industrien  gewährleister
sollen.  Die  Konferenz  überließ  es,  vernünftigerweise,  wie
ich  meine,  den  verschiedenen  Regierungen,  die  besonderen
Maßnahmen  auszuwählen,  welche  für  ihre  eigenen  gewerblichen ­
  und  wirtschaftlichen  Verhältnisse  passen,  um  dieses
gemeinsame  Ziel  zu  erreichen.  Die  eine  Methode  wird  für
die  finanziellen  und  wirtschaftlichen  Voraussetzungen  dieses
Landes  sich  eignen,  eine  andere  Methode  für  diejenigen
eines  anderen  Landes.  Die  Pariser  Beschlüsse  überlassen
es,  wie  ich  gesagt  habe,  ausdrücklich  jedem  einzelnen  Lande,
die  Methoden  festzusetzen,  welche  ergriffen  werden  sollen.
Aber  ehe  ich  von  diesen  Entschließungen  zu  etwas  anderem
Vergehe,  möchte  ich  zum  Schluß  noch  die  Aufmerksamkeit
auf  eine  Entschließung  lenken,  welche  in  geeigneter  Weise
den  gemeinsamen  Zweck  der  Pariser  Konferenz  zusammen ­
        <pb n="58" />
        59

faßt:  „Nachdem  die  Verbandsmächte  so  zur  gemeinsamen
Verteidigung  gegen  den  Feind  eine  gemeinsame  Wirtschaftspolitik ­
  auf  Grund  der  gefaßten  Beschlüsse  anzunehmen ­
  vereinbart  haben,  und  in  der  Erkenntnis,  daß  die
Wirksamkeit  dieser  Politik  davon  abhängt,  daß  diese  Beschlüsse ­
  sofort  in  Kraft  gesetzt  werden,  verpflichten  sich  die
Vertreter  der  verbündeten  Regierungen,  ihren  Regierungen ­
  zu  empfehlen,  unverzüglich  alle  Maßnahmen,  zeitweise
wie  dauernde,  zu  ergreifen,  die  für  die  sofortige  völlige
und  gänzliche  Verwirklichung  dieser  Politik  erforderlich
sind,  und  einander  die  zur  Erreichung  dieses  Zieles  gefaßten ­
  Beschlüsse  mitzuteilen."
Mein  ehrenw.  Freund  (Mr.  Bonar  Law)  hat  mehr
als  einmal  in  diesem  Hause  klargelegt,  daß  die  Delegierten
zu  der  Konferenz  gingen,  um  die  Maßnahmen  zu  diskutieren ­
  und  zu  untersuchen,  welche  in  Vorschlag  gebracht  werden ­
  könnten,  und  daß  die  Entschließungen,  welche  die  Konferenz ­
  fassen  würde,  ausdrücklich  den  verschiedenen  Regierungen ­
  zur  Billigung  vorgelegt  werden  sollten.  Diese  Beschließungen
  sind  schon  formell  und  öffentlich  von  der  französischen ­
  Regierung  angenommen  worden  (Beifall).  Derselbe ­
  Weg  ist  von  der  Regierung  Sr.  Majestät  eingeschlagen ­
  worden,  ein  Beschluß,  welcher,  wie  ich  hoffe,  die  Beistimmung ­
  des  Parlaments  finden  wird  (Beifall).  Mit
einigen  Maßnahmen  hat  man  bereits  begonnen.  Das
Handelsministerium  ist  eifrig  damit  beschäftigt,  Pläne  zu
entwerfen,  um  uns  von  der  feindlichen  Versorgung  mit
Farben,  Zink  und  anderen  wichtigen  Waren  unabhängig
zu  machen.  Ein  staatliches  System  der  Hilfe  für  wissenschaftliche ­
  und  technische  Forschung  ist  im  Begriff  geschaffen
zu  werden,  ja,  man  kann  sagen,  es  ist  bereits  geschaffen
worden.  Untersuchungen  werden  von  sachverständigen
        <pb n="59" />
        60

Ausschüssen  Wer  die  Grundlagen  und  Bedürfnisse  einer
Zahl  wichtiger  Industrien  und  Handelszweige  unternommen, ­
  ebenso  über  Probleme  des  Finanzwesens;  ebenso  ist
die  Frage  der  Handels-  und  Jndustviepolitik  im  allgemeinen ­
  einem  bedeutsamen  Ausschutz  überwiesen  worden,  für
dessen  Zusammensetzung  der  Gesichtspunkt  maßgebend  war»
datz  nicht  die  Interessen  oder  Meinungen  einer  besonderen
Richtung  maßgebend  sein  sollten,  sondern  datz  er  jeden
Eesichtspunkt,  der  vernünftigerweise  Anerkennung  beanspruchen ­
  konnte,  vertreten  sollte.  Den  Vorsitz  dieses  Ausschusses ­
  führt  Lord  Balfour  of  Vurleigh.  Die  Regierung
hat  sich  ferner  mit  den  Kolonien  und  mit  Indien  wegen
der  Beschlüsse  der  Konferenz  in  Verbindung  gefetzt,  und  es
besteht  die  Absicht,  wie  schon  auseinandergesetzt  worden  ist,
sobald  Lord  Balfours  Ausschutz  Bericht  erstattet,  Konferenzen ­
  nrit  den  Vertretern  der  Kolonien  und  Indiens  abzuhalten, ­
  um  die  ganze  Frage  der  Handelspolitik  des  britischen ­
  Reiches  unter  dem  Eesichtspunkt  dieser  Entschlüsse
zu  erörtern  (Beifall).
Ich  glaube,  jedermann  wird  von  dem  weiten  Umfang,
welchen  diese  Entschließungen  einnehmen,  überrascht  sein,
und  von  der  Tatsache,  welche  nicht  weniger  bemerkenswert
ist,  datz  alle  jene  Maßnahmen  diskutiert  und  übereinstimmend ­
  in  der  kurzen  Zeit  von  4  Tagen  auf  dieser  Konferenz ­
  angenommen  wurden,  auf  einer  Konferenz,  in  welcher ­
  die  verschiedensten  wirtschaftlichen  Anschauungen  und
Interessen  vertreten  waren.  Diese  Tatsache  allein  stellt
den  vollkommensten  Beweis  für  die  Übereinstimmung  der
Gefühle  unter  den  Verbündeten  dar  und  für  ihre  Absicht,
ihre  Meinungsverschiodenheiten,  oder  zumindest  geringere
Meinungsverschiedenheiten,  dem  einen  großen  Ziel  unterzuordnen: ­
  den  Krieg  zu  gewinnen  und  für  die  Zeit  nach
dem  Kriege  Sicherheit  zu  gewährleisten  (Beifall).  Ich  war
        <pb n="60" />
        61

persönlich  nicht  bei  der  Konferenz  zugegen,  über  mein
ehrenw.  Freund  (Mr.  Bonar  Law)  ist  dort  gewesen,  und
ich  bin  sicher,  daß  sowohl  er  wie  das  Haus  darin'übereinstimmen ­
  wird,  daß  wir  den  wärmsten  Dank  der  Tüchtigkeit
und  dem  Takt  zollen  müssen,  mit  welchem  Mr.  Elemente!,
der  französische  Handelsminister,  den  Vorsitz  über  die  Verhandlungen ­
  führte.
Es  ist  vielleicht  in  Ordnung  und  sicherlich  notwendig,
daß  ich  zur  Kenntnis  bringe,  daß  drei  der  wichtigsten  Entschließungen ­
  —  nämlich  die  Entschließung  bezüglich  der
Meistbegünstigung,  des  Schutzes  gegen  Schleuderausfuhr
oder  unlauteren  Wettbewerb  und  der  Erlaß  von  Maßnahmen, ­
  um  die  Verbündeten  bezüglich  wichtiger  Industrien
von  feindlichen  Ländern  unabhängig  zu  machen  —  von
den  britischen  Delegierten  vorgeschlagen  wurden  und  von
der  Konferenz  in  der  Form,  in  welcher  sie  vorgebracht  wurden, ­
  angenommen  worden  sind  (Beifall).  Ich  glaube,  ich
begehe  keine  Indiskretion,  wenn  ich  sage,  daß  diese  Entschlüsse, ­
  welche  die  britischen  Delegierten  vorschlugen,  von
meinem  ehrenwerten  Freunde,  dem  Handelsminister,
entworfen  worden  sind,  dessen  Rückkehr  zu  aktiver
politischer  Betätigung  wir  heute  alle  freudig  begrüßen ­
  (Beifall);  und  daß  diese  Entschließungen
von  meinem  ehrenwerten  Freunde,  dem  Sekretär
des  Kolonialamtes,  und  später  von  zwei  hervorragenden ­
  Vertretern  unserer  Kolonien,  Mr.  Hughes  und  Sir
George  Foster,  welche  an  der  Konferenz  teilnahmen,  gebilligt ­
  wurden.  Endlich  möchte  ich  die  Aufmerksamkeit  noch
auf  zwei  weitere  wichtige  Punkte  lenken.  Bei  dem  ersten
handelt  es  sich  um  die  Erklärung,  daß  die  Alliierten  gemeinsam ­
  entschlossen  sind,  für  die  von  dem  Feinde  besetzten
Gebiete  Schadenersatz  zu  erhalten.  Von  diesem  Entschlüsse
haben  die  Alliierten  nicht  abgelassen,  und  sie  bestätigen  ihn
        <pb n="61" />
        62

in  dieser  neuen  Resolution.  Bei  dem  zweiten  Punkt  handelt ­
  es  stch&amp;gt;  darum,  daß  diese  Entschließungen  in  keiner
Weise  gegen  die  Neutralen  gerichtet  sind.  Unsere  Aufmerksamkeit ­
  ist  auf  die  Tatsache  gelenkt  worden,  daß  in
neutralen  Ländern  eine  gewisse  Unruhe  entstanden  zu  sein
scheint,  und  zwar  besonders  in  den  Vereinigten  Staaten
von  Amerika,  im  Hinblick  auf  die  Folgen  der  Entschließungen ­
  dieser  Konferenz,  und  es  besteht  anscheinend  ein
Gefühl  —  ich  sage  nicht,  daß  dieses  weit  verbreitet  ist,  —
daß  diese  Entschließungen  gegen  die  neutralen  Länder  gerichtet ­
  sind  und  abzielen  und  daß  sie  diesen  einzigartige,
anormale,  und  unberechtigte  Beschränkungen  von  seiten
der  verschiedenen  Länder,  welche  diese  Entschließungen  gezeichnet ­
  haben,  auferlegen  würden.  Dies  ist  nicht  der  Fall.
Die  Entschließungen  umfassen  nur  die  notwendigen  Maßnahmen ­
  der  Selbstverteidigung  gegen  einen  wirtschaftlichen
Angriff,  welcher  die  Lebensinteressen  der  Alliierten  bedroht, ­
  und  ich  brauche  kaum  zu  sagen,  daß  bei  der  Durchführung ­
  derselben  jede  Bemühung  gemacht  werden  wird,
um  die  Neutralen  vor  Leiden  sicherzustellen.  Tatsächlich  sind
in  dieser  Angelegenheit  unsere  Interessen  und  die  Interessen ­
  der  Neutralen  identisch.  Der  Beschluß  der  Alliierten
geht  dahin,  sich  gegen  den  Angriff  von  anderer  Seite  zu
verteidigen,  und  dies  ist  oder  sollte  die  volle  Garantie
dafür  sein,  daß  wir  keine  Angriffspolitik  gegen  andere
Völker  richten  werden  (Beifall)."
Man  sagte  mir,  daß  eine  gewisse  Befürchtung  bestehe, ­
  und  zwar  nicht  in  neutralen  Ländern,  sondern  in
unserm  eigenen  Lande,  daß  die  Durchführung  dieser  Entschließungen ­
  eine  Abkehr  von  unserer  traditionellen  Freihandelspolitik ­
  bedeute  (ironischer  Beifall  der  Liberalen).
Es  gibt  in  diesem  Hause  sehr  wenig  ältere  und  kaum  glühendere ­
  Freihändler  als  ich  es  bin  (Beifall)."
        <pb n="62" />
        63

Mr.  Snowden:  „Sie  waren  ja  auch  für  das  Freiwilligensystem ­
  und  haben  die  allgemeine  Wehrpflicht  durchgeführt ­
  (Beifall)."
Mr.  Asguith:  „Ich  habe  den  Kampf  für  den  Freihandel ­
  so  energisch  wie  irgend  jemand  in  diesem  Lunde
während  des  größten  Teils  von  10  Jahren  durchgeführt."
Sir  C.  Kinloch-Cooke:  „Ja,  das  haben  Sie  sehr  gut
gemacht."
Mr.  Asquith:  „Ich  glaube,  dies  für  mich  beanspruchen
zu  können  —  ich  will  meinen  ehrenw.  Freund  (Mr.  Bonar
Law)  fragen,  ob  er  nicht  hierin  mit  mir  übereinstimmt ­
  (Lachen).  Ich  bin  des  Glaubens  —  und  wäre  ich
nicht  des  Glaubens,  so  könnte  ich  heute  nicht  hier  sprechen
und  das  Haus  bitten,  bie  Politik  der  Regierung  durch  Bestätigung ­
  dieser  Resolutionen  gutzuheißen  —  ich  bin  des
Glaubens,  daß  wir  in  diesem  Lande  so  gut  wie  frei  sind,
diejenige  Politik  durchzuführen,  welche  unsern  wirtschaftlichen ­
  und  industriellen  Bedürfnissen  am  besten  entspricht
und  angepaßt  ist  (hört,  hört).  Niemand,  der  irgend  eine
Vorstellungsgabe  hat,  kann  gegenüber  der  Tatsache  blind
bleiben,  daß  dieser  Krieg  und  alle  die  enormen  politischen,
sozialen  und  industriellen  Umwälzungen,  welche  er  mit
sich  gebracht  hat,  in  vielen  Beziehungen  uns,  wenn  wir  ein
vernünftiges  und  praktisches  Volk  sein  wollen,  neue  Probleme ­
  gebracht  hat  oder  bringen  sollte,  oder  zumindest
Einschränkungen  in  der  Lösung  alter  Probleme.  Ich  würde
gegenüber  den  Lehren  der  Erfahrungen  es  als  eine  bewußte ­
  Blindheit  ansehen,  wenn  wir  sagen  würden,  wir
hätten  in  einem  Kriege  wie  diesem  nichts  vergessen  und
nichts  hinzugelernt  (Beifall).  Ich  gebe  keine  Überzeugungen
auf,  welche  ich  je  gehabt  habe.  Ich  bitte  das  Unterhaus
und  das  Volk  dieses  Jnselreiches,  die  neuen  Verhältnisse
eines  weltweiten  Problems  „ins  Auge  zu  fassen",  wie
        <pb n="63" />
        Druck  von  Edmund  Stein,  fürs«.  Lippischer  Hoflieferant,  Potsdam.

unsere  Freunde  jenseits  des  Kanals  sagen."  (Der  Premierminister ­
  gebrauchte  den  Ausdruck  „envifage".)  „Ich  bitte
Sie  gemeinsam  mit  den  Verbündeten,  mit  denen  wir
Schulter  an  Schulter  in  einem  Kampfe  stehen,  welcher  unserer ­
  Meinung  nach  für  die  Erhaltung  der  Freiheit  der
Welt  ausschlaggebend  ist,  an  der  zukünftigen  Sicherung  des
Schutzes  gegen  die  Möglichkeit  einer  Militärherrschaft  teilzunehmen, ­
  ebenso  wie  für  die  Sicherstellung  einer  wahrhaften, ­
  wohlbegründeten  und  dauernden  wirtschaftlichen
Unabhängigkeit  (Beifall).  Niemand  von  uns,  welcher  an
diese  Angelegenheit  mit  einer  unbeeinflußten  Meinung
und  mit  den  Lehren  dieses  Krieges  herantritt,  kann  leugnen ­
  —  und  hierbei  ist  es  gleichgültig,  ob  es  sich  um
ein  Schutzzoll-  oder  um  ein  Freihandelsland  handelt  —
daß  alle  von  uns  von  Zufällen  und  Risiken  abhängig  gewesen ­
  sind,  welche  wir  nicht  genügend  vorausgesehen  haben ­
  und  gegenüber  welchen  wir  sicherlich  nicht  genügend
vorsorgten.  Ich  baue  darauf  und  glaube,  daß  das  Resultat ­
  dieses  freien  Meinungsaustausches  zwischen  verschiedenen ­
  verbündeten  Ländern,  welche  sich  in  einer  ihnen  allen
gleich  teuren  Sache  zusammengefunden  haben,  in  einer
Sache,  deren  Erfolg  wir  als  ausschlaggebend  für  die  zukünftige ­
  Freiheit  der  Welt  betrachten,  ich  glaube,  daß  das
Resultat  dieses  Meinungsaustausches  das  fein  wird,  daß
wir  imstande  sein  werden,  jeder  in  seinem  eigenen  Lande
und  jeder  nach  Maßgabe  der  uns  auferlegten  Beschränkungen ­
  unseres  eigenen  besonderen  wirtschaftlichen  und  gewerblichen ­
  Interesses,  eine  Politik  gemeinsamer  Handlungsweise ­
  auszuarbeiten,  welche  den  Frieden,  der  diesem
Kriege  folgen  wird,  zu  einem  dauernden  Frieden  machen
wird  und  zu  einem  Frieden,  der  nicht  nur  zum  Ruhme
unserer  Waffen,  sondern  auch  zu  der  ständigen  Entwicklung
unserer  Industrien  und  unserer  Finanzen  führt."  (Beifall.)
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        Image  Engineering  Scan  I

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—  53  —
^behindert  zu  sein,  auch  den  feindlichen  Mächten
en  sich  aus  solcher  Vereinbarung  ergebenden
gewähren.
ritte  Beschluß  dieses  Abschnitts  lautet  folgender-■Dte
  Verbündeten  erklären  sich  bereit,  während
;  Zeit  des  Wiederaufbaus  von  Handel,  Gewerbe
wirtschaft  alle  Schätze  ihres  Bodens  den  ihnen
nt  Ländern  vor  allen  anderen  vorzubehalten,
sem  Zweck  verpflichten  sie  sich,  besondere  Einrichtreffen, ­
  um  den  Austausch  dieser  Naturschätze  zu
‘nt  handelte  es  sich  bei  dieser  Entschließung  ?  Ihr
die  Versuche  Deutschlands  zu  vereiteln,  welche
wir  annehmen,  bereits  unternommen  hat,  um
'utralen  Ländern  mit  Rohstoffen  zu  versorgen,
Versuch  zu  vereiteln,  seine  eigenen  Vorräte  unmach
  dem  Kriege  wieder  aufzufüllen.  Die  Versind
  unserer  Auffassung  nach  pflichtgemäß  gede
  praktische  Maßnahme  zu  ergreifen,  um  für
len  Gebrauch  Vorräte  zu  sichern,  welche  in  ihren
indern  erzeugt  werden  und  jede  deutsche  Konsiber
  zu  verhiirdern,  so  wie  diese  in  einzelnen
dem  Kriege  bestand  (Beifall)."
chward  Carson:  „Ist  hierfür  eine  Gesetzgebung
lsquith:  „Meiner  Ansicht  nach  nicht.  Ich  sprach
-X  verschiedene  Waren,  über  welche  Deutschland
Kriege  eine  Kontrolle  ausübte-  Ich  kann  die
vieler  solcher  Waren  bei  dem  Hause  vorausarben,
  Zink,  Magnete  und  optische  Instrumente,
ur  Beispiele;  aber  sehr  wichtige  Beispiele.  Nieuns
  hat  bis  zum  Kriegsausbruch  sich  vorgestellt,
        <pb n="66" />
        ﻿
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
