28 I. Geschäftliche Versicherung. Interessant ist an den Zahlen vorstehender Tabelle auch die Tat-' fache, daß es offenbar gerade die Wohlhabenderen unseres Volkes sind^ die sich an ausländische Gesellschaften wenden. Überhaupt können aus jenen Zahlen wichtige Schlüsse darauf ge zogen werden, welchen Teilen der Bevölkerung diejenigen Personen an gehören, die sich der Lebensversicherung bedienen. Stand der Versicherungsnehmer. Bei der Volksversicherung und sonstigen kleinen Kapitalversicherung, ist es ohne weiteres klar, daß sie ihr Publikum unter den Minder bemittelten und besonders unter der Arbeiterbevölkerung suchen und finden. Die ausfällig niedrigen Durchschnittssummen in der großen Lebensversicherung und in der Rentenversicherung erweisen aber, nament lich wenn man berücksichtigt, daß die weitaus größte Zahl der Ver sicherungen noch mehr oder weniger erheblich hinter dem Durchschnitt zurückbleiben muß, ebenso unzweifelhaft, daß auch diese Versicherungs zweige vorzugsweise nicht mit den wohlhabenden Bevölkerungsfchichten arbeiten, sondern mit solchen Kreisen, in deren Jahreshaushalt die Ver sicherungsprämie einen wesentlichen Posten ausmacht, der nur durch Ersparnisse an anderen, schwer einzuschränkenden Ausgaben erschwingbar wird. Für die Vermögens- und Einkommensverhältnisse der Versicherten fehlen begreiflicherweise alle Unterlagen, und die Behauptung kann daher nicht durch Zahlen belegt werden. Für ihre Richtigkeit spricht aber auch die Tatsache, daß z. B. in der großen Todesfallversicherung die Durch fchnittsjahresprämie nur 150—160 Mk. beträgt. — Ende 1909 lauteten bei 14 Gesellschaften, die darüber in ihren Rechenschaftsberichten Angaben machen, in der großen Todesfallversicherung 62 o/o aller Policen über Beträge bis zu 3000 Mk. und 940/o über Beträge bis zu 10 000 Mk. Selbst bei der Gesellschaft, die mit 9237 Mk. die höchste Durchschnitts versicherungssumme aufwies, waren 33,7 °/o der Mitglieder mit nur höchstens 3000 Mk. und 82 °lo mit nur höchstens 10 000 Mk. ver sichert st Für unsere Untersuchungen wäre es von großer Wichtigkeit, wenn noch eine weitere, mehr ins einzelne gehende Gliederung der Versicherten nach Stadt- und Landbevölkerung, nach Beruf, Geschlecht und Lebens alter vorgenommen werden könnte. Leider fehlt es hier vollkommen an 1 Zeitschrift für Versicherungswesen 1911 S. 173.