Das englische Agrarwesen. 9 Aber für importierte Butter allein gab England 1911 aus 23 Millionen £ rechnen wir dazu noch von den 13 Millionen, die jährlich für Geflügel und Früchte ausge geben wurden, nur die auf solche Produkte entfielen, die eben sogut auch in England hätten hergestellt werden können, so erhalten wir die Gesamt summe von 40 Millionen £ = 800 Millionen Mark, die jährlich außer Landes gehen, aber durch Ausdehnung der Kleinbetriebe und Inan griffnahme der entsprechenden Produktionen im Lande zu halten wären. Jedenfalls sieht man, es handelt sich um riesige Summen, welche imstande sind, die Verluste, welche die englische Landwirt schaft durch den Getreidepreisfall erlitten hat, durchaus wett zu machen. Die Ausdehnung der Viehzucht auf Kosten des Ackerbaues war in England übrigens auch rein agrartechnisch insofern gerechtfertigt, als man bei dem früheren hohen Stand der Getreidepreise nament lich in dem feuchten, graswüchsigen Westen, dem geborenen Weide lande, große Flächen zu Ackerland umgewandelt hatte, die jetzt durch die Rückverwandlung in Weide ihrer natürlichen Nutzung zurück gegeben wurden. Aber auch in dem relativ trockenen Osten, den typischen sogenannten Korngrafschaften, haben namentlich einge wanderte schottische Landwirte gezeigt, daß es sehr wohl möglich ist, durch Schaffung künstlicher Weiden und Anbau der Futtermittel im Felde, verbunden mit Stallfütterung, die Viehzucht auszudehnen. Allerdings ist die Vermehrung der englischen Viehzahl rein stati stisch hinter der Deutschlands im gleichen Zeitraum zurückgeblieben; das Bild verschiebt sich aber etwas, wenn wir berücksichtigen, daß namentlich das englische Rind durchschnittlich schwerer ist und ein bedeutend höheres Schlachtgewicht repräsentiert als das deutsche; ferner daß die englischen Viehrassen im Interesse größerer Er giebigkeit auf Schnellwüchsigkeit und Frühreife hin gezüchtet wer den, so daß also die englische Viehzucht gewissermaßen mit einer größeren L mlaufgeschwindigkeit rechnen kann. tur Käse / „ Eier 7