Die englische Industrie. 29 worden. Dagegen ist die englische Textilindustrie noch immer an der Spitze aller Länder. Das ist kein Zufall. Unsere Stärke liegt in der wissenschaftlichen Durchbildung unserer Beamten, in dem großen Angebot an Techni kern und Chemikern. Auch auf rein wirtschaftlichem Gebiete ver mögen wir besser als der Engländer die feste Organisation eines Kartells oder Trusts zu verwalten, in der nach bestimmten Regeln, mit einem großen Maße systematischen Wissens gearbeitet werden muß. So hoch die englische Wissenschaft in ihren Spitzen steht, so großes sie beispielsweise auf physikalischem und chemischem Ge biete geleistet hat, sie ist so exklusiv, wie alle Bildung in England. Die Stärke der englischen Industrie liegt in dem reichen Maße an Erfahrung und Anpassungsfähigkeit, das Leiter, Werkmeister und Arbeiter auszeichnet. Der Engländer ist Empiriker, der Deutsche Systematiker. Noch heute kann sich die englische Eisenindustrie nicht daran gewöhnen, von jeder Charge eine Probe zu nehmen, Erze und Roheisen genau nach Analyse zu mischen und alles, was sie bisher erfahrungsgemäß nach Farbe, Aussehen und ähnlichen Kennzeichen beurteilt hat, festen und meßbaren Analysen zu unter werfen. Für einen großen Teil der Industrie ist diese englische Art heute antiquiert, sie bildet einen großen Mangel, der auch von verständigen Leuten erkannt und durch Verbesserung des Schul- und Universitäts wesens zu beheben gesucht wird. Aber wo die Einengung in feste Regeln versagt, wo die wissenschaftliche Untersuchung zum min desten heute noch nicht anwendbar ist, feiert das englische System, vor allem auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Organisation, große Triumphe. Wie der Deutsche sich nicht genug darüber wundern kann, daß die auf reiner Tradition beruhende, ungeschriebene Verfassung Großbritanniens so viel besser arbeitet als alle wohlausgedachten und festgelegten politischen Systeme, so vermag er sich auch nicht leicht in die Vorzüge zu finden, die die Empirie und leichte Be weglichkeit auf vielen wirtschaftlichen Gebieten mit sich bringen. Für den vergleichenden Nationalökonomen aber bleibt die Frage, ob denn nicht wenigstens für einen Teil der deutschen Industrie eine konsequente Fortbildung im Sinne der englischen bisherigen Organisation viel vorteilhafter und den neuen wirtschaftlichen Ver