150 Dr. M. J. Bonn. Londoner India Council, sind zwei ernannte indische Mitglieder vor handen. In den Worten Lord Morleys, der als Staatssekretär für Indien diese Gesetzgebung einführte, ist an Stelle des Glaubens, man könne Indien ausschließlich durch eine tatkräftige Verwaltung v regieren (efficiency), der Gedanke getreten, die höherstehenden Schichten der Bevölkerung durch politische Zugeständnisse zur Teil nahme an der politischen Arbeit zu erziehen. Auch diese Entwicklung ist nicht auf hochstehende Völkerschaften beschränkt geblieben. Der konstruktive Genius von Cecil Rhodes hat schon vor Jahren (1894) Maßnahmen getroffen, durch welche die Eingeborenenbevölkerungen des Transkei eine ziemlich weit gehende Selbstverwaltung erhalten haben. Die Generalräte des Transkei können zwar keine Gesetze geben, sie sind aber mit der Verwaltung wichtiger lokaler Aufgaben und mit der Verwendung reichlicher Fonds betraut worden. So sucht der Imperialismus, wie er in der oben zitierten Bot schaft des Präsidenten Mac Kinley zum Ausdruck gekommen ist, > in der Tat auf verschiedenen Wegen sein Ziel zu erreichen. Man will eine Herrschaft über die Eingeborenen ausüben, bei der sie nicht bloß ausgebeutet, sondern zu ihrem eigenen besten erzogen werden sollen, — eine Politik, die zweifellos einen inneren Widerspruch in sich trägt. Man sucht ein Herrschaftsverhältnis über die Eingeborenen bevölkerung zu schaffen, das diese zwar zeitweilig unter die Bot mäßigkeit der weißen Gebieter zwingt, sie aber allmählich zu ihren Teilhabern erzieht. Man erstrebt also eine Herrschaft, die erst dann wirklich erfolgreich gewesen ist, wenn sie die Notwendigkeit ihres Fortbestandes beseitigt hat. Das Endergebnis einer solchen Ent wicklung wäre also eine völlige politische Erziehung der Ein geborenenbevölkerung, nach deren Vollendung das herrschende Volk seine Mission erfüllt hätte und die Stätte seiner Wirksamkeit ver- » lassen könnte. Manche englischen Reformatoren in Indien haben von diesem Ziele geträumt, da sie Englands Herrschaft in Indien als ein Unglück betrachteten, das beide Teile, Herrscher wie Beherrschte, wegen der ungenügenden sozialen Entwicklung Indiens zeitweilig ertragen müßten. Ähnliche Vorstellungen herrschten und herrschen noch heute in manchen Kreisen Amerikas im Hinblick auf die Phi lippinen. Eine solche Auffassung war zweifellos in einer Zeit be rechtigt, wo man auch den Abfall von Tochter Völkern für unver