<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Das Gemüse in der Kriegswirtschaft</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Wolfgang</forname>
            <surname>Reichardt</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>1043707727</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>35 
Sperrung vorgesehen waren, auf Vorschlag der Vorstände der be 
treffenden Kreise Kommissionäre ernannt, in ein festes Vertrags- 
Verhältnis gebracht, genau über ihre Aufgaben und Befugnisse 
belehrt und mit dem nötigen Rüstzeug ausgestattet worden. Die 
bevorstehende Absahregelung für Weißkohl beschleunigte hier nur 
das Vorgehen der Reichsstelle, die schon seit einiger Zeit die Not 
wendigkeit erkannt hatte, sich allenthalben örtliche Ver 
treter zu sichern, denen sie schnell besondere Aufträge zur Durch 
führung übertragen konnte. Das K o m m i s s i o n ä r w e s e n 
sollte ursprünglich weiter ausgebaut und über das ganze Reichs 
gebiet ausgedehnt werden. Allein sehr bald erkannte man, daß 
auch diese Einrichtung nicht ausreichen würde, wenn, wie kaum 
zu vermeiden, einschneidendere Maßnahmen ergriffen werden 
mußten. Einerseits waren die Kommissionäre schwer zu über 
wachen, sie hatten keine eigenen Geldmittel zur Durchführung 
etwaiger Kaufaufträge, vor allem aber fehlte es an einer behörd 
lichen Stelle, deren sich die Reichsstelle bedienen konnte. 
Diese Mängel erkannte der neue Leiter der Reichsstelle bei 
seinem Amtsantritt im Dezember 1916 alsbald, und auf seine 
Veranlassung erging vom Kriegsernährungsaint ein dringliches 
Rundschreiben an alle Bundesregierungen, in dem um Einrichtung 
besonderer Land es st eilen für Gemüs e und Ob st ersucht 
wurde. Dem Ersuchen wurde allenthalben nach Überwindung 
einiger Schwierigkeiten entsprochen. In den größeren Bundes 
staaten wurden auch noch Unterstellen geschaffen, so in Preußen die 
Provinzial-oderBezirks stellen bei den Oberpräsidien 
oder Regierungen und die K r e i s st e l l e n. 
Diese Stellen haben im allgemeinen segensreich gewirkt, ohne 
sie wäre die Durchführung der später zu besprechenden, not- 
wendigerweise verwickelten Bewirtschaftungsart der Reichsstelle 
unmöglich gewesen. Sie allein sind in der Lage, in ständiger 
Fühlungnahme mit der Hauptstelle, deren Absichten kennend, da 
bei aber den örtlichen Verhältnissen nahestehend, die beschlossenen 
Maßnahmen so durchzuführen, wie es zum Besten des allgemeinen 
Ganzen und dabei unter möglichster Berücksichtigung der örtlichen 
Bedürfnisse und Eigentümlichkeiten erforderlich ist. Den Ver 
suchen einzelner Stellen in den Überschußgebieten, den Vorteil 
ihres engeren Wirkungskreises zu lebhaft wahrzunehmen, konnte 
unschwer entgegengetreten werden. 
Ein großer Übelstand hatte bisher darin bestanden, daß 
Heeres- und Marine-Bedarfs st eilen bzw. deren 
Aufkäufer, durch die unbedingte Notwendigkeit der Sicherstellung 
3*</div>
    </body>
  </text>
</TEI>
