20 Großstadt-Dokumente Bd. 8. Berliner Banken. Kommen. Die Praxis hat diese Verhältnisse einer sehr durchgreifenden Änderung unterzogen. In den aller meisten Fällen ist die Direktion ins Hintertreffen geraten. Sie ist lediglich noch Werkzeug in der Hand ihrer Aus sichtsräte. Formell herrscht natürlich der Akttonär. Aber ein trauriger Herrscher ist er. In vereinzelten Exemplaren erscheint er in den Generalversammlungen. Die Banken sind's, die dort den Ton angeben. Und die Direktoren dieser Banken bilden den Aufsichtsrat. Alljährlich min destens einmal — in der ordentlichen Generalversamm lung — wird dem Aktiendirektor so die Macht seines Auffichtsrats ad oculos demonstriert. Lin gewöhnlicher Sterblicher muffte wenigstens im Besitz der Aktien sein, die ihm die Macht geben. Die Bank hat das nicht nötig. Sie braucht nur bei ihrer Kundschaft herumzufragen, die bei ihr die Aktien im Depot liegen hat, und ihr wird bereitwillig die Ver tretung für die Generalversammlung übertragen. Bei den meisten Gesellschaften ist heute das Bank interesse dominierend. Daß bei Beratungen über die Frage, ob im Fall eines Kapitalbedarfs junge Aktien oder Obligationen ausgegeben werden sollen, die Mei nung des Bankdirektors den Ausschlag gibt, ist selbst verständlich. Der Aktiendirektor mag ein noch so tüch tiger Fach- und Geschäftsmann sein, in der Beurteilung des Geldmarkts ist ihm der Bankmann überlegen. Aber die Bankdirektoren haben es verstanden, allmählich die Geldmarktinteressen ganz erheblich in den Vordergrund zu schieben. Das zeigt sich besonders bei der Dividen denverteilung. Die Höhe der Dividende wird natürlich wesentlich von der Höhe der notwendigen Abschreibun gen und Rückstellungen beeinflußt. Für diese Rücklagen sollte einzig und allein das Bedürfnis der Gesellschaft