48 Großstadt-Dokumente S3b. 8. Berliner Banken. inhaber glaubten diese Art von Reklame rentabler ge stalten zu können, wenn sie nicht die Kurse ins Fenster hingen, sondern dort nur die Ankündigung erließen, daß die neuesten Kurse im Laden einzusehen seien. So entwickelten sich die Berliner Wechselstuben teilweise zu einer Zentrale des wildesten Börsenspiels. Rentiers von oft recht zweifelhafter Sorte, große und kleine Geschäfts leute verbrachten seit der Einführung des Telephons die Mittagsstunden ständig in der Wechselstube, um von jeder Schwankung der Kurse auf telephonischem Wege sofort unterrichtet zu werden. Daß diese Leute über den Reizen des Spiels oft ihr Geschäft und ihre Famllie vergaßen, gehörte keineswegs zu den Seltenheiten; ein Teil der Berliner Wechselstuben wurde für manchen ur sprünglich ehrbaren Menschen zum Ruin. Besonders schlimm wurde der Wechselstubenunfug, als einzelne Be trüger mit der ausgesprochenen Absicht, das Publikum zu rupfen, Wechselstuben eröffneten. Rach dem Muster zweifelhafter Londoner Firmen führten sie, die an der Börse meist keinen Kredit genossen, die Aufträge des Publikums gar nicht aus, sondern machten sie, wie der Fachausdruck lautete, „in sich". Berlor das Publikum, dann zogen diese modernen Raubritter das Geld von ihm ein, gewann es, so machten sie entweder Schwierig keiten oder zogen es womöglich vor, gänzlich das Weite zu suchen. Diese rücksichtslose Ausbeutung der Kund schaft und die von solchen Elementen zum System er hobene skrupellose Verleitung wenig vermögender Leute zum Börsenspiel waren nicht zum geringsten Schuld daran, daß das Börsengesetz entstand und in weiten Kreisen des deutschen Volkes die Anschauung sich durch setzte, daß Börse und Schwindel ZwMngsgeschwister seien. Die Depositenkassen der Banken dienten ursprüng