72 Grohstadt-Dokumente Bd. 8. Berliner Banken. von einer spezifischen Beamtenträgheit sprechen kann. Des Dienstes ewig gleichgestellte Uhr hat die Charaktere nivelliert und abgestumpft. Außerhalb der Dienststunden lebt ein Teil der Beamten ein nahezu ebenso stumpf sinniges Kneipenleben. Ein sehr großer Teil huldigt leidenschaftlich dem Sport, aber in den Bankbeamten kreisen gibt es doch auch eine nicht geringe Gruppe, die in den Mußestunden gewissermaßen ein Separatleben in geistiger Betätigung lebt. Das find vornehmlich jene Elemente, die, vom bitteren Muß gezwungen, ein Studium aufzugeben oder gleich nach Verlaßen der Schulbank einen kaufinännischen Brotberuf zu ergreifen, von vorn herein sich deshalb dem Banksach widmeten, well hier geregelte Arbeitszeit und verhälttllsmäßig reichliche Muße winkten. Diese Leute malen, musizieren, sammeln, schrei ben, studieren in der Frühe und des Abends. Sie schinrpfen aus das Gewerbe, das sie die besten Stunden in Anspruch nimmt und sie ihren Lieblingsneigungen entzieht, und die meisten von ihnen gehen schließlich an dieser Zwitterstellung, wenn sie nicht ganz harmonische Naturen sind, zugrunde. Nur wenigen gelingt es, die Träume erMlt zu sehen, die sie aus dem Wege ins und vom Bureau umgaukeln.