58 II. Teil. Frankreich. N scheinen, wenn die Notwendigkeit besteht, französische, „alliierte“ oder „neutrale“ Gläubiger zu befriedigen. 3. Die Auflösung der Verträge, bei denen auf der einen Seite „Feinde“ Partei sind, die vor Kriegsausbruch abgeschlossen wurden, kann vom französischen, „alliierten“ oder „neutralen“ Teile dann’ ver- langt werden, wenn am 27. September 1914 noch in keiner Weise mit der Erfüllung der Leistung begonnen wurde, weder Waren bezogen noch Geldzahlungen vorgenommen wurden). Das Verfahren ist einfach. Der Gerichtspräsident entscheidet summarisch, gestützt auf Artikel 54 des Dekretes vom 30. März 1808: „Toutes les requötes ä fin de mesures urgentes, seront presentees au President du Tribunal civil que les repondra apres communication au Ministere publique, s’il y a lieu.“ 4. Auflösung weiterer Verträge?). Nach Artikel 3, Absatz 3 des zurzeit?) noch in Beratung stehenden Gesetzes, angenommen vom Senat durch Beschluß vom 29. Juli 1915, hat der Gerichtspräsident das Recht, auch solche Verträge zu annullieren, die vor dem Krieg abgeschlossen wurden und aus welchen sogar schon Leistungen vor dem 27. September 1914 vorgenommen worden sind, wenn anzunehmen ist, daß die vollständige Erfüllung aus dem Vertrag zufolge des Krieges unmöglich geworden und dem Antragsteller zufolgedessen aus der Fortdauer des Vertrages ein Schaden erwachsen würde. Diese Stelle des Gesetzentwurfes lautet: „Dans le cas oldı l’acte ou contrat a donne lieu & un commencement d’ex6cution, la r6siliation PourTa Etre pronone6e dans les mämes formes, s’il est 6tabli que, l’execution complete de l’acte ou contrat 6tant rendu impos- sible par l’6tat de guerre, il en r6sulte un dommage pour le demandeur.“ Der Deputierte Faillot hatte vorgeschlagen: „Alle vor dem 1. August 1914 abgeschlossenen Lieferungsverträge kaufmänni- schen Charakters, gleichviel welcher Art, können auf Antrag einer der vertragschließenden Parteien abgeändert, suspendiert oder aufgehoben werden, wenn durch den Kriegszu- stand die für die Erfüllung in Betracht kommenden Bedingungen unvorhersehbar der- artige Wandlungen erfahren haben, daß die beteiligten Parteien, wenn sie jene voraus- gesehen hätten, den Vertrag nicht oder doch nur unter anderen Bedingungen abge- schlossen hätten.“ Ein Schiedsgericht sollte darüber entscheiden. — Die Handelskommission der Kammer hat nach einer Mitteilung des „Temps“ vom 24. März 1916 folgende Fassung der „„Loi relative aux marches & livrer avant la guerre“ beschlossen: Les marches et contrats ayantun caractere commercial, conclus avant le premier aoüt 1914, et qui comportent soit des livraisons de marchandises ou denr6es, soit d’autres prestations successives, peuvent ötre resilids sur la demande de l’une quelconque des parties, 8’il est 6tabli qu’A raison de Pötat de guerre l’ex6cution des obligations de un des contractants doive entrainer pour ui des charges ou Iui causer un pröjudice dont 1) Reulos S. 210. 2) Siehe Reulos 8. 211. 3) Ende September 1916.