der Putilowwerke‘, in der über das Fehlen von Freiheiten, darunter auch der Pressefreiheit in der Sowjetunion geklagt wird, wie folgt: | „Die sogenannte „Gruppe Arbeiter der Putilow-Werke‘“ schreibt im „Vorwärts": „Im Verlauf einiger Jahre wird unser Geist, unsere Seele von der gewissenlosen offiziösen Presse der Sowjetgewalthaber vergiftet, Wir ersticken in der Atmosphäre dieser Presse,‘ Wir haben gesehen, daß fast jeder Arbeiter diese Presse kauft und liest und nirgends Protest erhoben wird, Die Delegation hat sich ferner davon überzeugt, daß die Putilow-Arbeiter an denselben Zeitungen mit- arbeiten, die übrigens auch Aufsätze bringen, in denen die vorhandenen Mängel kritisiert werden ,,. Demnach kann kein Rede davon sein, daß die Putilow-Arbeiter nicht eine tatsächliche Arbeiterpresse be- sitzen,” Bei ihrer Abreise sagen die Arbeiterdelegierten häufig: „Ihr habt gut daran getan, die bürgerlichen Zeitungen zu vernichten. Es ist sehr gut, daß Ihr die Weißgardisten niedergezwungen habt und der Bourgeoisie nicht gestattet, aufzumucken, Man müßte ihnen noch fester die Kehle zuschnüren, damit sie nicht Schaden anrichtet, wie sie es in unserem Lande tut.‘ Daß die Arbeiter an die aufgezeigten Probleme nicht formell, sondern vom praktischen Standpunkte heran- treten, zeugt von ihrem gesunden Klasseninstinkt und Verstand. > Der deutsche Sozialdemokrat Overhagen brachte treffend die all- gemeine Stimmung zum Ausdruck, indem er in einer seiner Reden sagte: „Wir wissen wohl, daß bei Euch keine absolute Freiheit besteht, daß nur das arbeitende Volk volle Freiheit genießt, aber wir ver- stehen, daß eine Freiheit Für die Bourgeoisie den Selbstmord für die Revolution bedeuten würde.‘ („Trud‘ vom 30, Juli 1925.) Vandervelde und Otto Bauer haben noch kürzlich versucht, der USSR. Bedingungen zu diktieren: „Wir werden Euch anerkennen, wenn Ihr das und das einführt.‘ Die USSR, braucht ihre Aner- kennung nicht. Die USSR. wird nicht gestatten, daß man ihr Be- dingungen stellt, die es der Bourgeoisie ermöglichen, ihr politisches Spiel auf unserem Territorium wieder aufzunehmen. Damit wurde 1917 ein Ende gemacht und so wird es bleiben, Einiges über die Diktatur „Ihr reist ins Land der Diktatur, des Terrors — hütet Euch!“ Mit diesen Worten wurde jede, sich nach Rußland begebende Delegation begleitet, Die sozialdemokratische und bürgerliche Presse spricht gern und häufig von der Diktatur im „allgemeinen“, wir dagegen reden nur über die Klassendiktatur. Der Versuch, die Dinge so darzustellen, als ob nur in der USSR, eine Diktatur existiert, ist insofern ein Versuch mit untauglichen Mitteln, als der Klassenstandpunkt, das eigentliche Wesen des Sowjetstaates, unberücksichtigt bleibt. Die Arbeitervertret:r beschäftigt selbstverständlich am meisten die Frage: Wie verhält es sich mit der fürchterlichen Sowjetdiktatur in Wirklichkeit? Nach ihrem Aufenthalt im Kaukasus schrieb uns die deutsche Delegation zum Abschied: 20