— 5 — bei näherer Bestimmung dessen, was er unter „angewandter Theorie‘“ meint, definiert, nämlich im Sinne einer gewissen Verschiedenheit der Auswirkung an sich gleichartiger Gesetzmäßigkeiten der Reinen Theorie „in einer bestimmten historischen Verumständung‘‘!), so wäre dem nur die gleich zu untersuchende Frage entgegenzuhalten, wieso es denn einen Sinn habe, diese bestimmte Anwendung der Klassiker „Theorie der Weltwirtschaft“ zu nennen. Faßt man dagegen die von Boehler gebrauchten Bezeich- nungen „artverschieden‘‘, ‚von verschiedenen wirtschaftlichen ‚Gesetzmäßigkeiten‘ beherrscht‘ im Sinne des Wortlautes auf, so könnte der Eindruck erweckt werden, als ständen wir hier vor einem Dualismus in der Thgerie selbst. Daß bei einer solchen Interpretation kein Spiel mit Worten getrieben wird, zeigt ein Blick auf die Klassiker, die in der Tat an eine solche Dualität der theoretischen Prinzipien auf Grund der ihnen unvereinbar erscheinenden Trennung statischer und dynamischer Betrachtung geglaubt haben. Es ist deswegen auch keineswegs einwandfrei, die Theorie des internationalen Handels schlechthin als „angewandte Theorie‘ hin- zustellen, und zwar nicht nur, weil hier, d. h. bei den Klassikern, zwei Theorien vorliegen, sondern auch aus der Erwägung heraus, daß es mit den von Ricardo und seinen Nachfolgern unterstellten Daten nicht sein Bewenden haben kann. Aber wie schon angedeutet, wenn auch die Theorie des inter- nationalen Handels wirklich als „angewandte Theorie‘ gedacht würde, so ist es noch nicht selbstverständlich, diese Anwendung „Theorie der Weltwirtschaft‘ zu benennen. Hier liegt offenbar der Angelpunkt der Problematik, die sich nicht nur bei Boehler offen- bart, sondern bei allen denjenigen Autoren, die von der theoretischen Problemstellung in das handelspolitische Fahrwasser gleiten. Fast ausnahmslos wird nämlich in der neueren Literatur mehr oder weniger stillschweigend zugegeben, daß die durch die Anwendung der Reinen Theorie auf eine bestimmte historische Verumständung sich ergebende Modifikation der letzteren auch innerhalb des Be- ziehungskomplexes Volkswirtschaft auftrete, ein Umstand, der, wenn richtig, offenbar dazu berechtigt, jegliche Anwendung der Reinen Theorie als „Theorie der Weltwirtschaft‘ zu bezeichnen. An sich steht dem natürlich nichts im Wege. Wie ein Tat- bestand, bzw. gedanklicher Zusammenhang benannt wird, ist zu- nächst gleichgültig. Es erübrigt sich, viele Worte darüber zu ver- 1) Vgl. Boehler, aa. 0. Sitz;