— 76 — Der erste Teil unseres Satzes charakterisiert die ökonomischen Nachteile, jener einseitigen Gleichsetzung politischer und theoretischer Einheiten. Sie sind durch die ‚„„,Kostendifferenztheorie‘‘ Schüllers erschöpfend behandelt worden. Die mangelnde Wirklichkeits- nähe der Datenauswahl bewirkt eine völlige Verkennung der Um- stände; sie verbirgt die Tatsache, daß einem Lande aus der Eröffnung des freien Handels häufig mehr Nachteile als Vorteile erwachsen, indem durch sie zwar ein Produktionszweig und die ihm gewidmeten produktiven Kräfte zur Entfaltung gelangen, ein anderer oder andere Produktionszweige dagegen teilweise oder ganz brach gelegt werden können, so daß die entsprechenden Produktionsmittel infolge absoluter oder relativer Unübertragbarkeit vollkommen entwertet bzw. beschäftigungslos daliegen. Berücksichtigt man einen längeren Zeitraum, so mögen manche der Übertragungshindernisse fortfallen; die Konzentration der produktiven Kräfte des Landes in Richtung auf die anfänglich mit Eröffnung des Handels als optimal erkannten Produktions- zweige könnte nach Überwindung gewisser Reibungsschäden be-. werkstelligt werden. Es besteht jedoch keine Gewähr dafür, daß nicht indessen eine Umgruppierung der internationalen Nach- frageverhältnisse die Lagerung des Produktionsoptimums wiederum verschoben hat, derzufolge eine neue Verteilung der Produktions- mittel nötig wird. Gewiß sind das allgemeine Bewegungserschei- nungen, überall auftretende Friktionsverluste, die notwendig aus der labilen: Verfassung des Wirtschaftslebens folgen und letzthin für jedes Unternehmen gelten — womit übrigens bestätigt wird, daß die freie Konkurrenz überhaupt nur idealiter existiert —, es ist jedoch vom Standpunkt der Handelspolitik von der allergrößten Bedeutung, diese Entwicklungsschäden durch Abbiegung ihrer extremen Spitzen zu mildern, etwa im Sinne eines der Theorie widersprechenden, pluralistischen Ausbaues der innerhalb des Staatsgebietes vorhandenen produktiven Kräfte. Mit Erörterung der Frage der Bevölkerungskapazität kommen wir dem Sinn des handelspolitischen Standpunktes noch näher. Jede staatlich organisierte Nation zeigt erfahrungsgemäß das Bestreben, die auf ihrem Gebiet wohnende Bevölkerung fest- zuhalten und darüber hinaus, wenn irgend möglich, neue Bevölkerungs- teile hinzuzugewinnen oder zum mindesten die vorhandene Zahl durch ein überlegtes System von Schutz und Förderungsmaßnahmen zu steigern. Der innere Antrieb zu diesem Verhalten entstammt dem Machtwillen des Staates, der seinerseits aus dem Quell eines