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        <title>Die technischen Hilfsmittel für den Transport zu Wasser und zu Lande von Fleisch in gekühltem und gefrorenem Zustande</title>
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            <forname>Richard</forname>
            <surname>Pabst</surname>
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          <persName>
            <forname>Gustav</forname>
            <surname>Niederlein</surname>
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            <idno>1687964882</idno>
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        MITTEILUNGEN
des Deutsch-Argentinischen Centralverbandes
zur Förderung wirtschaftlicher Interessen
. Heft‘ 1 -:- 1913
Die technischen Hilfsmittel
für den Transport zu Wasser und zu Lande
von Fleisch in gekühltem
und gefrorenem Zustande
Ingenieur Richard Pabst
ANHANG:
Die argentinischen Fleischgefrieranstalten
und deren gesundheitliche Überwachung
H Gustav Niederlein
Ag WS A
ZEN u
31 Aadıedung | E
a A
Ser ST Cl By / £
Deutsch-Argentinischer Centralverband
Berlin W 35, Potsdamer Straße 28

Von
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        Inhaltsverzeichnis.
Seite
1. Allgemeine physiologische Betrachtungen . . 5
2. Die Fleischversorgung von England . ... AS
3. Technische Hilfsmittel für die Einfuhr von überseeischem Fleisch. 13
4. Die Fleischversorgung der russischen Hauptstädte Moskau und
St. Petersburg: . — „äy 24
5. Die in Rußland benutzten technischen Hilfsmittel. .... .. . . 25
6. Die Verwendung von Gefrierfleisch in Italien . u 3
7. Die Erfahrungen über die Verwendung von Gefrierfleisch in der
Schweiz“. . 33
8. Die technischen Hilfsmittel, welche in Deutschland für eine evt.
Fleischeinfuhr zur Verfügung stehen . .„ 34
9. Allgemeine Betrachtungen über die Gefrierfleischeinfuhr nach
Deutschland . .-. . 4 a ai &gt; 42
Anhang.
Die argentinischen Fleischgefrieranstalten und deren gesundheit-
liche Überwachung‘: “me 7 3e WEG
a) Geschichtliche und statistische Einleitung . . 1 EN
b) Liste der argentinischen Fleischgefrieranstalten - A
“\ Vorschriften über lebendes Schlachtvieh . . - SA
d) Sn „  geschlachtete Tiere. . . ve
©) „ Einrichtungen der Fleischgefrieranstalten . . 47—£
f) Attestierung für den Export bestimmtes Fleisch . + ‘ - N, Ay
og) Strafen . Wan En

©
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        1. Allgemeine physiologische Betrachtungen.

Die Frage, ob der Mensch in seiner Nahrung die animalischen oder
vegetabilischen Nahrungsmittel bevorzugen soll, beantworten in ihrem
Leitfaden über die Physiologie des Menschen Dr. F. Schenk und Dr. Gürber
wörtlich wie folgt:

„Der Mensch ernährt sich am zweckmäßigsten von gemischter Kost,
welche zu einem Drittel aus tierischen und zu zwei Dritteln aus pflanzlichen
Nahrungsmitteln besteht. Die tierischen Nahrungsmittel eignen sich allein
nicht zur Ernährung, weil sie gar keine Kohlehydrate und meist zu viel
Eiweiß enthalten. Die pflanzlichen enthalten meist zu wenig Eiweiß und
kein Fett. Auch der Bau der Verdauungsorgane des Menschen weist darauf
hin, daß er in der Mitte zwischen reinen Fleischfressern und Pflanzen-
fressern steht. Das Gebiß zeigt weder die charakteristischen Eigen-
sehaften des Fleischfresser- noch die des Pflanzenfressergebisses. Bei
Fleischfressern ist die Länge des Darmkanals etwa das 5fache der
Körperlänge, bei Pflanzenfressern mehr als das 20fache (vom Mund bis
zum After). Die große Länge des Darmkanals bei Pflanzenfressern hat
den Zweck, die schnellere Bewegung der Speisen durch den Darm zu
kompensieren, durch größere Darmlänge, da sonst die Nahrungsmittel zu
wenig ausgenutzt würden. Der Mensch steht hinsichtlich seiner Darm-
länge zwischen Fleisch- und Pflanzenfresser, sie beträgt etwa das 10fache
der Körperlänge.“

. Gemäß der Zusammensetzung des menschlichen Organismus aus
Eiweiß, Fett, Zucker, Wasser und Salzen bilden, abgesehen von dem anorga-
nischen Wasser und Salz, die Eiweißstoffe, die Fette und Zucker bzw.
die stärkeführenden Kohlehydrate, die eigentlichen Nährstoffe.
£ Die Angaben über die Zusammensetzung des menschlichen Körpers,
über seinen Wärmeverbrauch und über die physiologisch verwertbare Wärme
bildende Kraft der Hauptnährstoffe, welche in dem physiologischen Lehr-
buch von Schenk und Gürber zu finden sind, habe ich in graphischer
erstellung aufgetragen, und gewährt Fig. 1“eine leicht übersichtliche
AO EN über die Menge der täglichen Nahrung. Dem Wärmeverbrauch

Öörpers, angegeben in Kalorien, stehen die Angaben über den

Nutzungswert (Heizwert) pro 1 g der einzelnen Nährstoffe, ebenfalls in
Kalorien, gegenüber.

Auch: nach der Denkschrift, welche im vorigen Herbst anläßlich
der damaligen Interpellation im Reichstag über die Fleischnot vom Kaiser-
lichen Gesundheitsamt herausgegeben worden ist, nimmt das Eiweiß die
hervorragendste Stellung unter den Nahrungsmitteln ein, und zwar ist

5
        <pb n="9" />
        diese Sonderstellung der Eiweißstoffe dadurch veranlaßt, daß hauptsächlich
durch sie das Material, welches zum Wachstum und zum Ersatz der durch
die Lebensvorgänge verbrauchten eiweißreichen Gewebe erforderlich ist,
dem Körper zugeführt wird. Das Kaiserliche Gesundheitsamt gibt als
Durchschnittszahl neben anderen Nährstoffen die Zuführung von rund 100 g
Eiweiß für den erwachsenen, gesunden Menschen von 70 kg Körper-
gewicht an. .
Eiweiß ist in einer ganzen Reihe von Nahrungsmitteln enthalten,
hauptsächlich aber im Fleisch (Fig. 2). Rindfleisch, das in unserer
i Physiologisch verwertbare wärmebildende
Bestandteile des menschlichen Wärmeabgabe des Kraft. der Hautptuchretofle. bei gemischter
Körpers von 70 kg Gewicht menschlichen Körpers Kost In Calorien pro | Gramm,
} i ; Der ruhende ermachsene Mensch prodweirt: pro :
Stunde m 100 Galorien
Iinz4 Stunden w 2400 Calorien =
und entfallen auf 1 Kp des Körpergemwichtes as
= «34 Caloriem in 24 Stunden. oo!
a
se “ Der angestrengt arbeitende erwachsene Mensch A
2‘ producirt;: pro Stunde w Ihto Calorien is
20) In 24 Stunden m 3500 Calorien De]
an und entfallen auf Ikg des Körpergewichtes 65
; x Solalorien in 24 Stunden 6,9
Sd Se
, Hiervon entfallen w 807 auf Strahlung,
: Leitung Verdunstung, 15% auf Wasser. |
verdanslung vom der Schleimhaut der '"3ası
Luftwege, 2,5% auf Ausatmwwg Körper 1
warmer, mit Wasserdampf gyesättigter Luft 125
20 und 2,5% auf Etleerung der körperwarmen ©
5 Ausscheidung em. &gt;
As 10
U
fe °
kg 45 14 ‘ - m . Calorien: 41 9
%“ 4 10 10 5 ı %
Als tägliches Kostmafßs ist erforderlich:
"Fr den erwachsenen ruhenden Mann: 100g Eiweiss, bog FeH 4 400 g Kohlehydrat.
| Für den angestrengt arbeitenden Mann: 150g Eiweiss, 100g Fett, 520 g Kohlehydrat,
VE GT
Notwendiges Mindestauentum an Eiweiss + 100g, Höchstzulässiges Auantum an Kohlehvdraten Sog
Fig. 1. ‚Der menschliche Körper und seine Ernährung.
Ernährung die größte Rolle spielt, hat nächst dem Pferde- und
Kaninchenfleisch den höchsten Eiweißgehalt. Weiter ist Eiweiß enthalten
in der Milch, in den schwerer verdaulichen Hülsenfrüchten und im Gemüse
(Fig. 3). Von Fischen hat der Stockfisch den größten Eiweißgehalt
mit 81,5%. Kaviar, der bekanntlich besser schmeckt als Stockfisch,
wäre auch bezüglich des Eiweißgehaltes von 29,3°% sehr zu empfehlen
(Fig. 4).

Je nach Geschmack kann es natürlich jedem einzelnen Konsumenten
überlassen werden, mit welchem Nahrungsmittel er die erforderliche
Mindestmenge an Eiweiß seinem Körper zuführen will, Bedingung würde
nur sein. daß er neben der Eiweißzuführung auch dafür sorgt, daß dem

6
        <pb n="10" />
        Rindfleisch, mager Rindfleisch, fett- Kalbfleisch Schmeigse fleisch, fett Schweinefleisch, mager Hammelfleisch, fett Ziegenfleisch
' 7 — m A I mus Tg WO ED AnmeE. Tas 1: 7
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„. Pferdefleisch Speck, gerändert Schinken, gerändert Gänsefleisch Hühner fleisch Hasen fleisch Kaninchen fleisch
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142 215 102 9 718 4 284 247 364 105 % 165 455 05 135 2V hf 742 233.13 X 615 215 98 u %
Fig. 2. Tabelle über den Nährgehalt der wichtigsten Nahrungsmittel. I. Fleisch.
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        Weizen Weizenmehl Roggen Roggenmehl "feines Weissbrot Pumpernickel Makkaroni -
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Kartoffel weisse Bohnen Erbsen Linsen Blumenkohl Rosenkohl Rotkohl Weiss kohl.
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% MR 1 04 ; I 49 2° 05 kb vv: 8b Les „N 8 wi 10118 0% a 19
Fig. 3. Tabelle über den Nährgehalt der wichtigsten Nahrungsmittel. II. Mehl und Brot (oben). III. Gemüse und Hülsenfrüchte (unten).

Meie
        <pb n="12" />
        Körper Fett mit etwa 60 g sowie zucker- und Sstärkehaltige Stoffe
zugeführt werden. Letztere dürfen nach Ansicht der Physiologen aller-
dings nur bis höchstens 520 g Verwendung finden. Die Vorliebe für
Fleischgenuß ist auf Gewohnheit, auf klimatische und auf Bodenverhält-
nisse zurückzuführen. Es ist auch nachgewiesen, daß die Ausnutzung
des Fleischeiweißes gegenüber dem Eiweiß in anderen Nahrungsmitteln
eine sehr hohe ist.

Auch das Kaiserliche Gesundheitsamt empfiehlt den Fleischgenuß
ganz besonders, indem es noch ausdrücklich darauf aufmerksam macht,
auf wie mannigfache Weise das Fleisch als Nahrungsmittel zubereitet
werden kann, wodurch die Kost sehr abwechslungsreich gestaltet wird. Des
weiteren wird noch besonders die appetitanregende Eigenschaft des Fleisches,
infolge der sich entwickelnden Schmeck- und Riechstoffe bei der küchen-
mäßigen Zubereitung, als nicht zu unterschätzenden Vorteil hervor-
gehoben.

Über die Menge des zu genießenden Fleisches liegen Berechnungen
von den bekannten Physiologen Voit und Rubener vor, ebenso auch vom
Kaiserlichen Gesundheitsamt. Während Voit und Rubener durchschnittlich
170 g als notwendige tägliche Fleischkost verlangen, gibt das Kaiserliche
Gesundheitsamt täglichen durchschnittlichen Fleischgenuß mit 150 g an.
Beide sind sich aber darüber einig, daß in der Hauptsache Rindfleisch
den Vorzug verdient, weil es, abgesehen von dem hochwertigen Pferde-
fleisch und auch Kaninchenfleisch, wie aus Fig. 2 ersichtlich, den höchsten
Eiweißgehalt hat. Auf den Genuß von reinem Rindfleisch bezogen, be-
rechnen Voit und Rubener den Jahresbedarf an Fleisch pro Kopf der
Bevölkerung auf 62 kg, während das Kaiserliche Gesundheitsamt 55 kg
angibt. Hierbei ist zu beachten, daß es sich um den Mindestbedarf handelt.
Die Untersuchungen des Kaiserlichen Gesundheitsamtes über die Inland-
Fleischproduktion ergeben, daß das von ihm angegebene Mindestquantum
von 55 kg nahezu erreicht ist, weil sich die inländische Produktion im
Jahre 1910 auf 54,18 kg pro Kopf der Bevölkerung belief. Hierbei ist
aber nach Dr. Ulrich Müller als ganz besonders wichtig zu erwähnen,
daß der Verbrauch an Fischen mit 4,07 kg, Geflügel mit 2,25 kg, Wild
mit 1,8 kg eingerechnet sind, was zusammen rein netto, nach Abzug der
Abfälle, 8 kg Fleisch pro Kopf der Bevölkerung ausmacht. Ferner
ist bei der Feststellung von 54,18 kg auch noch das produzierte und
verbrauchte Schweine- und Hammelfleisch hinzugerechnet worden, welches
keineswegs an den Eiweißgehalt des Rindfleisches herankommt. Es ergibt
sich vielmehr nach Umrechnung des Fleischbedarfes, entsprechend dem
Nährwert an Eiweiß auf reines Rindfleisch bezogen, statt 55 kg ein ge-
samter Fleischbedarf von 62,26 kg oder nach Voit und Rubener anstatt
62 kg ein Fleischverbrauch von 70,18 kg. Da nun aber gemäß den Fest-
stellungen durch das Kaiserliche Gesundheitsamt einschließlich Fisch,
Wild und Geflügel nur 54,18 kg Fleisch pro Kopf der Bevölkerung in
Deutschland produziert werden, So ergibt sich ein Minus von 8,6 kg pro
Kopf der Bevölkerung auf Grund der Zahlen vom Kaiserlichen Gesund-
heitsamt und ein Minus von sogar 16 kg nach Voit und Rubener.*)

*) Siehe hierüber auch „Fleischeinfuhr?“ von Dr. Ulrich Müller, Verlagsbuch-
handlung Puttkammer &amp; Mühlbrecht, Berlin W 56.
        <pb n="13" />
        Diese Zahlen zeigen klar und deutlich, daß die deutsche Land-
wirtschaft trotz ihrer hervorragenden Leistungsfähigkeit nicht in der Lage
ist, den Fleischbedarf allein zu decken. Ganz besonders ungünstig stellt
sich das Ergebnis für die minderbemittelte Bevölkerung, für welche sich
die hohen Fleischpreise ja auch ganz besonders fühlbar machen.

Die Richtigkeit dieser Feststellungen hat auch die Regierung in
dankenswerter Weise bereits veranlaßt, besondere Maßnahmen zur Linde-
rung der Fleischteuerung zu treffen. Die Städte sind aufgefordert
worden, Notstandsmaßnahmen zu ergreifen, und führen auch eine ganze
Anzahl Stadtverwaltungen Fleisch in frischgeschlachtetem Zustande vom
näherliegenden Auslande ein, wofür seitens der Regierung noch eine Er-
mäßigung des Einfuhrzolles von 35 Mk. auf 18 Mk. pro 100 kg, in
Gestalt von Zoll-Rückvergütungen, zugestanden worden ist. Ferner hat
der hohe Eiweißgehalt des Kaninchenfleisches noch dazu Veranlassung
gegeben, die Hebung der Kaninchenzucht zu empfehlen.

Die Einfuhr aus Dänemark, Schweden, Rußland und Holland ist bei
weitem nicht in der Lage, den Bedarf zu decken. Es sind Anzeichen
dafür vorhanden, daß die Fleischpreise, welche momentan durch die
Einfuhr aus den eben genannten Ländern etwas gesunken sind, im
Frühjahr wieder bedeutend in die Höhe gehen. Die Nachfrage nach
Fleisch ist auch in diesen Ländern im Verhältnis zu ihrer Viehproduktion
eine zu große. In letzter Zeit ist vom Landwirtschaftsminister ein Gesuch
der Stadt Karlsruhe, russisches Schweinefleisch einführen zu dürfen, mit
der Begründung abgelehnt worden, daß zu befürchten sei, daß das Fleisch
in Rußland zu teuer wird, wenn auch noch der westliche Teil Deutschlands
ebenso wie der östliche Teil, welchem die Einfuhr gestattet ist, russisches
Schweinefleisch einführt. Verschiedene Städte, z. B. Berlin, Köln usw.
decken den Rindfleischbedarf momentan auch bereits aus Rußland, und
bleibt nur zu wünschen und zu hoffen, daß dort die Grenze für die
Ausfuhr von Fleisch einstweilen wegen etwa zu hoch ansteigender Preise
nicht gesperrt wird.

2. Die Fleischversorgung von England.

Auch in England bestand eine Kalamität in der Fleischversorgung,
bevor man sich dort entschlossen hatte, überseeisches Fleisch einzuführen.
Es sei gleich vorweg gesagt, daß die Viehzucht in den Vereinigten König-
reichen von Großbritannien und Irland, welche 46 °%, des Gesamtbedarfes
einführen, durch die überseeische Fleischeinfuhr durchaus nicht be-
einträchtigt worden ist, sondern daß im Gegenteil nur der Fleischkonsum
gestiegen ist. Welch’ große Bedeutung die Einfuhr von Fleisch in England
gewonnen hat, dessen Bevölkerungszahl mit der von Preußen ungefähr zu
vergleichen ist, zeigt Fig. 5, in welcher der Jahresimport von gefrorenem
und gekühltem Rindfleisch, gefrorenem Hammel und Lamm für die Jahre
1892 bis 1911 graphisch dargestellt ist. An gekühltem Rindfleisch wurden
im Jahre 1911 z. B. 2255470 Rinderviertel eingeführt, davon kamen aus
Argentinien, welches erst mit der Ausfuhr von gekühltem Fleisch im Jahre

KR
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        Rindfleisch, mager Rindfleisch, fett- Kalbfleisch Schweine fleisch, fett Schweinefleisch, mager Hammelfleisch, fett Ziegenzleisen
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Pferdefleisch Speck, gerändert Schinken, gerändert Gänsefleisch Hühmerfleisch Hasen fleisch Kanınchen fleisch
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Fig. 2. Tabelle über den Nährgehalt der wichtigsten Nahrungsmittel. I. Fleisch.
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        Weizen Weizenmehl Hoggen Roggen mehl feines Weissbrot Pumpernickel Makkaroni x
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Fig. 3. Tabelle über den Nährgehalt der wichtigsten Nahrungsmittel. II. Mehl und Brot (oben). III. Gemüse und Hülsenfrüchte (unten).

Ropi-
        <pb n="16" />
        1901 begonnen hat, allein 2151170 Rinderviertel. Für ein Rinderviertel
kann durchschnittlich ein Gewicht von 75—80 kg angenommen werden.
Bis zum Jahre 1901 wurde gekühltes Rindfleisch nur aus Nordamerika
eingeführt. Im Jahre 1909 aber überwiegt schon die Einfuhr aus Argen-
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tinien auch für gekühltes Fleisch. Gefrorenes Rindfleisch wurde im Jahre
1911 mit 2210634 Rindervierteln eingeführt. In England wird Lamm-
und Hammelfleisch sehr bevorzugt, und betrug die Einfuhr von gefrorenen
Hammeln im Jahre 1911 insgesamt 6816250 Stück, und zwar das Stück
mit einem Gewicht von rund 56 Pfund (englisch). Auch hiervon ist wieder

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        <pb n="17" />
        Argentinien der Hauptlieferant mit 2603409 Stück. Von gefrorenen
Lämmern wurden im Jahre 1911 im ganzen 6144133 eingeführt. Wie
sich die Einfuhr auf die einzelnen Länder verteilt, ist aus der Tabelle
ebenfalls ersichtlich. Die schwarzen Felder in der Tabelle gelten für die
Einfuhr aus Australien, die gestrichelten aus Neuseeland, die kreuz-
schraffierten aus Argentinien und die schrägschraffierten aus Uruguay und
Patagonien. |

Die Preise, welche in den Jahren 1892—1911 in England gezahlt
worden sind, zeigt das Preisdiagramm (Fig. 6). Es sind dies die besten
Durchschnittspreise, welche auf dem Smithfieldmarkt in London,
dem größten Fleischmarkt, erzielt worden sind. Die obere Kurve
zeigt unter der Bezeichnung „schottische Hammel“ die Preise, welche
für frisches Fleisch, das in England gezüchtet ist, gezahlt worden sind.
1904 hatte dasselbe den höchsten Durchschnittspreis mit 68 Pfg. für das
englische Pfund. Das Neuseeländer Lamm, welches in gefrorenem Zu-
stande eingeführt wird, wurde, wie aus der mit schwarzen Punkten. ver-
sehenen Linie ersichtlich, in gleichem Jahre mit 48'/, Pfg. das Pfund
bezahlt, der australische Hammel mit 44'/, Pfg. per Pfund. Das gekühlte
Rindfleisch aus Nordamerika, und zwar die teueren Hinterviertel, erzielten
im Jahre 1911 als Höchstpreis 54'/, Pfg. per Pfund.

Argentinisches gekühltes Rindfleisch wurde 1911 mit 36—37 Pfg. per
Pfund bezahlt, während das gefrorene Rindfleisch nur 31 Pfg. per Pfund
kostete, Vorderviertel sogar nur 22—23 Pfg. das Pfund.

Aus dem Diagramm ist zu ersehen, daß in allen Jahren das inländische
Fleisch bezüglich des Preises stets führend war. Am nächsten dem
inländischen Fleisch kommt das gekühlte Fleisch aus Nordamerika, weil
es die kürzeste Transportzeit zu überstehen hat, dahinter stellt sich das
eingefrorene Lamm; an vierter Stelle kommt das gekühlte Rindfleisch aus
Argentinien, während an letzter Stelle das gefrorene Fleisch, sogenanntes
Gefrierfleisch, fungiert, was damit seinen Zweck erfüllt, ein Volksnahrungs-
mittel im wahrsten Sinne des Wortes zu sein. Ein ähnliches Bild, wie für
die Jahre 1892—1911 zusammengestellt, zeigt die Tabelle Fig. 7 über die
wöchentlichen Durchschnittspreise in den einzelnen Monaten des Jahres
1911. Auch dieses Preisdiagramm ist für das eingehendere Studium von
Interesse. Hieraus ist wieder zu ersehen, daß das einheimische frisch-
geschlachtete Fleisch den höchsten Preis hat. Interessant ist aber, daß
auch nordamerikanisches, gekühltes Rindfleisch, und zwar beste Hinter-
viertel, zuzeiten, zum Beispiel im Oktober 1911, sogar teurer verkauft
wurde als einheimisches Fleisch. Das gekühlte argentinische Rindfleisch,
für welches im Diagramm eine Kurve nur für Hinterviertel eingezeichnet
ist, war im Mai mit 45 Pfg. per Pfund am teuersten und im Oktober mit
30 Pfg. am billigsten. Vorderviertel wurden im Mai mit 30 Pfg. am
teuersten und im Oktober sogar nur mit 16 Pfg. das Pfund verkauft.
Gefrorene Vorderviertel kosteten im Oktober nur 18", Pfg. per Pfund,
während zu gleicher Zeit gefrorene Hinterviertel aus Argentinien mit etwa
28 Pfg. per Pfund bezahlt wurden. Interessant ist noch, wie sich im
Monat August der damalige Dockarbeiterstreik durch die Preisschwan-
kungen für Fleisch bemerkbar macht. Die neuseeländischen Hammel
waren am 11. August stundenweise von 46'/, Pfg. auf 56 Pfg. per Pfund
gestiegen und gefrorene argentinische Hinterviertel von 28 auf 45 Pfe.;

10
        <pb n="18" />
        die gefrorenen Vorderviertel
von 19°, "auf. 32. Pfg. per
Pfund. - Die ; Dockarbeiter
haben also außer ihrem Lohn-
ausfall auch noch ihr wich- x 5
tigstes Nahrungsmittel durch ie
den Streik selbst verteuert. N 5
Die Firma Weddel&amp;Co., 3 ; *
Ltd., London, welcher ich 84 ;
die Unterlagen für die letzten © j
Tabellen verdanke, schreibt 3E' 5
ferner noch, daß die Einfuhr Sa. E
im Oktober künstlich unter- xNl' ;
drückt werden mußte, weil 3 ;
die auf dem Smithfieldmarkt 80;
in London erzielten Preise FE ;
eine lohnende Einfuhr nicht 6 a
mehr gestatteten, was wohl 5b
bei den im Oktober ange- HS
führten Preisen erklärlich le .
sein dürfte. Diese Maßnahme SELL £
zeigt aber, wie außerordent- = GG j
lich produktiv die übersee- zehn 7
ischen Länder und speziell 24! 3
Argentinien bezüglich der eh ;
Viehzucht sind. UL '
In den Tabellen Fig. 6 SEHE:
und 7 sind die Preise ent- RM: ; ‚ft
halten, welche die Fleisch- KL ; 2 i
importeure auf dem Smith- SEE Sa Ant:
fieldmarkt erzielten, und "I. a 7.
zwar verstehen sich dieselben en ; al
immer für 100 Stück Lamm eM{{1 Paper | fr
oder Schafe oder für 25 Stück “IN SE
Rinderviertel und stets für a N A
Durchschnittsqualität. Der SEN. 7
Fleischhandel wird in Eng- SE '
land derartig betrieben, daß A
aufdemSmithfieldmarktsoge- ae
nannte Großhändler kaufen, &gt;
welche wieder das Fleisch re
an den Detailhändler weiter =&amp; ;
liefern, 3 en 5
} CDS Firma I. Rose &amp; Co. he a .
in London befaßt sich so- ef EEE /
wohl mit dem Großhandel “ a
als auch mit dem Detail-
handel, indem. sie eigene ;
Verkaufslokale in den ver- 4
schiedensten Stadtteilen von

11
        <pb n="19" />
        London und auch in verschiedenen englischen Städten unterhält. Die
Firma hat auch eigene Kühlhäuser und verdanke ich derselben die Angaben
der Preise, welche im Oktober vorigen Jahres (1912) gezahlt worden sind.

Der Großhändler zahlte (per Pfund): Hinterviertel 41 Pfg., Vorder-
viertel 29 Pfg. n

Der Fleischhändler (Metzger) zahlte (per Pfund): für Stücke von 20
bis 40 Pfund Hinterviertel, im Durchschnitt berechnet 60 Pfg. und für Stücke
von 10 bis 24 Pfund Vorderviertel, im Durchschnitt berechnet 47 Pfg.
_— Das Publikum zahlte die Preise, welche aus Fig. 8 ersichtlich sind.
Es ist dies ein Plakat, wie es in Londoner Fleischläden zu finden ist.

Die Durchschnittspreise für das Hinterviertel berechnen sich auf

Fig. 8. Rind mit Stück- und Preiseinteilung.

rund 72 Pfg. und für Vorderviertel auf rund 60 Pfg. das Pfund. Bessere
Stücke haben natürlich höhere Preise als weniger gute Stücke. Es sei
besonders darauf hingewiesen, daß es sich bei diesen Preisen um gekühltes
Fleisch allererster Qualität handelt, es ist also Fleisch, wie wir es aus
unseren Schlachthöfen mit Kühlanlagen nicht besser bekommen können.
Gefrierfleisch kostet in erstklassiger Qualität mindestens 20°, meist aber
25 % weniger. Die Differenz zwischen den einzelnen Preisen stellt sich
im Durchschnitt wie folgt: Der Großhändler, welcher beim Importeur
kauft, erzielte gegenüber seinem Einkauf einen Mehrpreis von 19 Pfg. per
Pfund für Hinterviertel, und 18 Pfg. per Pfund für Vorderviertel, und
der Detaillist, welcher an das Publikum liefert, erzielte für Hinterviertel
einen Mehrpreis von 12 Pfg. und für Vorderviertel 13 Pfg. per Pfund,
was genügen dürfte, da der Detaillist das Fleisch nicht mehr einzulagern
hat, weil er selbst nur kleine Quantitäten kauft, während der Großhändler
noch Lagergebühren zahlen muß oder eigene Kühlanlagen benötigt.

Aus den graphischen Darstellungen über die Einfuhr ist schon zu
ersehen; welche große Bedeutung der Fleischhandel in England hat. Aber
auch die Tatsache, daß allein in London 28 maschinell eingerichtete
Kühl- und Gefrierhäuser bestehen, spricht für die Bedeutung dieses Fleisch-
handels. Dieselben haben für Gefrierfleisch ein Fassungsvermögen von

12
        <pb n="20" />
        2840000 Stück Lamm von je 56 Pfund Gewicht, und außerdem steht
noch Platz für 3200 Stück gekühlte Rinderviertel in diesen Häusern zur
Verfügung. Ebenso wie die Gefrierhäuser in England, welche ja ein
wesentliches technisches Hilfsmittel für den Handel mit Gefrierfleisch
darstellen, sind solche natürlich auch an den Viehproduktionsstätten
erforderlich.

Das Gebiet der Kühlhäuser führt uns nun zu den technischen Hilfs-
mitteln, welche für den Handel mit Gefrierfleisch eine absolute Notwendig-
keit sind, ja, welche denselben überhaupt erst ermöglicht haben

Fig. 9. Vorkühlraum.

3. Technische Hilfsmittel für die Einfuhr von über-

seeischem Fleisch.

Schon das Schlachthaus selbst, in welchem das Töten der Tiere und
das Zerlegen und Transportieren der Tierkörper vorgenommen wird, stellt
eine umfangreiche technische Anlage dar. Nachstehend werden aber nur
die Hilfsmittel erörtert, welche dem Handel mit gefrorenem und gekühltem
Fleisch dienen. — Das Fleisch von Tieren, die vor dem Schlachten über-
müdet oder aufgeregt waren, ist leichter dem Verderben bzw. dem Angriff
schädlicher Bakterien ausgesetzt als Fleisch von ausgeruhten, schnell-
geschlachteten Tieren.. Dieser Erfahrung wird in Argentinien in großem
Umfange Rechnung getragen. Es besteht die Vorschrift, daß die Tiere
mindestens 24 Stunden vollständig geruht haben müssen, bevor sie dem
Schlachthause zugeführt werden. Auf dem Wege zum Schlachtraum werden
dieselben zur weiteren Beruhigung noch gebadet, indem sie in einzelnen
Schlachthäusern ein Wasserbassin passieren und bei anderen Anstalten ge-
duscht werden. Außer der Beruhigung, welche die Tiere hierdurch erfahren,
EEE RS Fürsorge noch eine große Reinlichkeit im Schlachthause selbst
mit sich.

13
        <pb n="21" />
        Nachdem die Tiere geschlachtet und zerlegt sind, wird das Fleisch
mittels mechanischer Transportvorrichtungen den Vorkühlräumen zuge-
ee
To
S
x
S
führt, um in diesen bei einer Temperatur von +8 bis + 10° C vorgekühlt
und an der Oberfläche abgetrocknet zu werden.
Die Kühlung der Räume erfolgt durch Zirkulation von abgekühlter
Luft, und sind dieselben deshalb mit Luftverteilungsleitungen aus Holz

14
        <pb n="22" />
        versehen. Auf Fig. 9 ist eine solche Luftleitung mit nach unten gerichteten
Austrittsöffnungen zu ersehen.

Zur Kühlung dieser Räume hat sich der Trockenluftkühler System
Humboldt (Fig. 10) besonders gut bewährt. Der Apparat ist als Dreikammer-
apparat gebaut. In den beiden äußeren Kammern sind Rohrsysteme
einmontiert, in denen das Kältemedium, Ammoniak, Schwefligsäure oder
Kohlensäure, bei einer Temperatur von — 10 bis — 15°C verdampft.
Die im Kühlraum mittels Ventilatoren abgesaugte Luft wird durch denselben
über die kalten Rohrbündel der einen Kammer geführt. Nach Durchströmen
der Umkehrkammer verläßt die Luft den Apparat, nachdem sie auch die
Rohrsysteme der zweiten äußeren Kammer passiert hat und dadurch noch

Fig. 11. Kühlmaschinen-Anlage auf dem städtischen Schlachthof Stettin.
weiter abgekühlt worden ist... Die Feuchtigkeit, welche die Luft im Vor-
kühlraum aufgenommen hat, Setzt sich an den Außenflächen der Rohre
als Reif an und hat dieser Dreikammerapparat noch den besonderen
Vorteil, daß die warme Kühlhausluft benutzt wird, um den Reif, welcher
Sich an den Rohrschlangen angesetzt hat, wieder abzutauen, indem gleich-
zeitig die beim Auftauen des Schneebelages frei werdende Wärme wieder
zur Kühlung ausgenutzt wird.

Nachdem das Fleisch im Vorkühlraum eine Temperatur von etwa
+10° C angenommen hat, wird es direkt den Gefrierräumen zugeführt,
in welchen mit Hilfe der Kältemaschine eine Temperatur von — 15°C
erhalten wird. Fig. 11 und 12 zeigen neuere Kältemaschinenanlagen, die in
letzter Zeit für große Fleischkühlanlagen errichtet wurden. Es sind
Ammoniakkompressoren, welche mit Dampfmaschinen gekuppelt sind.

15
        <pb n="23" />
        Das Temperaturdiagramm (Fig. 13), in welchem die Temperaturen im
Fleischgefrierraum aufgezeichnet sind, zeigt, wie das Fleisch allmählich von
der Kälte durchdrungen wird. Die Raumtemperatur beim Einbringen des
Fleisches betrug etwa — 5° C, während das Fleisch eine Temperatur von
+ 12°C hatte, gemessen in 150 mm Tiefe. Es ist ein Versuch mit Rind-
fleisch. Nach 30 Stunden war die Raumtemperatur auf — 12° C gesunken,
und das Fleisch hatte eine Temperatur von 0° C angenommen. Nach
weiteren 48 Stunden, während welcher Zeit die Raumtemperatur auf ca.
— 12°C gehalten wurde, zeigt das Fleisch noch keinen wesentlichen Tem-
peraturrückgang; derselbe beträgt während dieser ganzen Zeit nur etwa
11°C. Es kommt hiermit zum_ Ausdruck, wie lange es dauert, um den
Wassergehalt des Fieisches in Eis zu verwandeln, wozu bekanntlich pro
i kg Wasser rund 80 Kal. latente Wärme abgeführt werden müssen. Nach-

HUMBOLDT

Fig. 12. Ammoniak-Kompressor gekuppelt mit Tandem-Dampfmaschine.
dem dies geschehen ist, geht die Kühlung sehr rasch vor sich (Eis hat
eine spezifische Wärme von 0,5), und hat nach weiteren 18 Stunden das
Fleisch eine Temperatur von —5 bis —6° C angenommen. Das Fleisch
hat also bei dem hier aufgezeichneten Versuch etwa. vier Tage gebraucht,
um vollständig eingefroren zu sein.

Vom Gefrierraum kommend, wird das Fleisch in Argentinien in
Mullsäcke eingenäht und dann in den Lagerräumen bei einer Temperatur
von —8 bis — 12° C aufgehoben, bis es dem Fleischtransportschiff zur
Beförderung übergeben wird.

Die allgemeine Anordnung eines solchen Dampfers zeigt Fig. 14. Es
ist dies der Dampfer Corinthic von der White Star Linie; auch sind noch
sechs Schwesterschiffe der Corinthic in ähnlicher Weise ausgerüstet. Die
Corinthic führt hauptsächlich Neuseelandfahrten aus, sie ist mit einer Kälte-
maschine der Firma E. &amp; J. Hall, Ltd., Dartford, ausgerüstet. H sind die

16
        <pb n="24" />
        Dampfkessel, M die Hauptdampfmaschinen. Die Kältemaschine, mit N

bezeichnet, arbeitet nach dem Kohlensäure-Kompressionssystem und ist im

Tunnel der Schraubenwelle montiert. Sie besteht aus zwei mit einer Dampf-

maschine gekuppelten Kohlensäure-Kompressoren

(Fig. 16), dem Kondensator und einem Solekühler.

Mittels Zentrifugalpumpen‘ wird die gekühlte Sole

durch Kühlrohrsysteme, welche an den Decken

und Wänden der Fleischtransporträume montiert

sind, zirkuliert und: die Räume dadurch abgekühlt.

Die Laderäume L sind im Vorder- und Hinter-

schiff, wie auf der Zeichnung dargestellt, ange-

ordnet. K sind ebenfalls gekühlte Provianträume.

Gleichzeitig werden auch verschiedene andere

Räumlichkeiten, welche

dem Wirtschaftsbetrieb

für den Passagierverkehr ae .

dienen, gekühlt. A, B und ;

C sind die. Wein- und ;

Wasserkühler für die ;

Restaurants I., II. und |

Ill. Klasse, D’ ist ‚der 9

Raum für den Metzger, ;

welchem Kühlschränke für ©

Fleisch zur Verfügung | N:

stehen. E ist der Eisge- le”

nerator zur Erzeugung von P | |

Kunsteis für die Passa- ' CM ;

giere. F ist die Speise- ' S

kammer mit Wasserkühler &gt; | {

und Kühlschränken für all- „Is Rn
gemeine Lebensmittel, N S

welche in der Küche ge- | =

braucht werden. Fig. 15 er

zeigt einen Kühlraum für E a

allgemeine Lebensmittel. ©

Die Corinthic hat

eine Ladefähigkeit von .
106500 gefrorenen Scha-

fen, die Räume werden, ;
wie schon gesagt, durch =
Rohrsysteme mittels kalter a
Salzsole gekühlt. Für jede 3
Kühlkammer ist aber auch

Sin besonderer Luftkühler 7 le Aa F
Sinmontiert, durch wel-*% &gt; 1 ER }

Chen mittels Ventilator ”' "

die Luft in den be-

treffenden Laderäumen zirkuliert werden kann. Bei Transporten mit
Gefrierfleisch oder auch gekühltem Fleisch sind hauptsächlich die Kühl-
ToOhrsysteme in Betrieb. Die Zirkulationsluftkühler dienen hierbei nur zur

17 ?
        <pb n="25" />
        Unterstützung, während bei Tranporten

von Obst speziell die Luftkühler in

Anwendung kommen. Die Einrichtung

mit direkt in den Räumen montierten

Kühlrohren ist deshalb absolut er-

forderlich, weil bei diesem Systeme

auch die Räume gekühlt werden können,

während das Schiff im Hafen liegt und

Fleisch verladen wird. Würde nur

Luftkühlung, wie in unseren Schlacht-

höfen, angewendet, so müßte dieselbe

während des Einbringens von Fleisch

abgestellt werden, da beim Öffnen der

2 E Kühlkammern der Ventilator zuviel
= warme Außenluft ansaugen würde. Zu
+ Zeiten der Obsternte werden die ge-
- kühlten Räume der Dampfer auch für
* den Obst-Transport verwendet. In
% diesem Fall hat sich ganz besonders
+. die Luftkühlung bewährt, weil für die
= Obstkühlung keine so tiefen Tempera-
; turen notwendig sind. Besonders werden
australische Äpfel in vorzüglicher Quali-

; tät mit den Kühldampfern nach Eng-

land gebracht.

; Den normalen Maschinentyp einer
Kühlmaschine ‚für Fleischdampfer der

Firma E. &amp; J. Hall, Ltd., welche Firma

sich besonders für die Ausbildung der

g Schiffskältemaschine verdient gemacht
hat, zeigt Fig. 16. Es ist dies eine soge-

nannte horizontale Duplexmaschine. Nach

den von genannter Firma gemachten

Angaben leistet dieselbe 275000 Kalo-

rien pro Stunde. Die beiden Kom-

pressorzylinder haben je 127 mm

Durchmesser und 381 mm Hub. Die

Maschine arbeitet mit 80 Touren pro

Minute. Die Größe der Dampfzylinder

wird den jeweiligen Verhältnissen,

Kesseldruck usw. angepaßt. Die Kom-

pressorzylinder sind mit der Dampf-

maschine auf gemeinsamen Gestell
montiert und die Kolben der doppelt

wirkenden Kompressoren an die ver-
längerten Kolbenstangen der Dampf-
a maschine gekuppelt. Die Dampfmaschine
arbeitet mit Hoch- und Niederdruck-
zylinder, und ist auch die Einrichtung
so getroffen, daß jede Maschinenhälfte

18
        <pb n="26" />
        allein für sich betrieben werden kann, so daß mit Einbau dieser Maschine
gleichzeitig eine Reserve geschaffen ist. Auch der Kohlensäurekondensator,
welcher in das Fundamentgestell, das kastenförmig ausgebildet ist, ein-
gebaut wird, ist mit zwei getrennten Hälften ausgeführt; es sind also
gewissermaßen zwei Kondensatoren. Weil als Kühlwasser für den Kon-
densator Seewasser benutzt wird, sind die Kondensator-Rohrsysteme aus
Kupfer hergestellt. Die Firma Hall gibt an, daß bei Installation von
300000 Kubikfuß isolierter Kapazität, wie die Corinthic, gewöhnlich eine
Duplexmaschine installiert wird, welche genügend Sicherheit bietet, weil
ja jede Hälfte der Maschine ein komplettes Ganzes für sich selbst ist und
Fig. 15. Kühlraum für allgemeine Lebensmittel.
im Fall der Not für sich arbeiten kann. Bei großen Installationen, wo
die Ladung höhere Werte hat, werden vielfach zwei vollständige von-
einander unabhängige Maschinenaggregate ausgeführt, um noch eine un-
bedingtere Sicherheit gegen irgendwelchen Maschinenschaden zu haben.
Hierzu bemerkt Hall aber, daß sie noch keinen Fall kennen gelernt hätten,
Wo eine Duplexmaschine ihre Ladung nicht zufriedenstellend gelandet hätte.
Einige Reedereien sehen bei größeren Installationen zwei große einzelne
Maschinen vor, jede mit einer Tandem-Compoundmaschine gekuppelt,
während andere zwei Duplexmaschinen, wie solche hier abgebildet ist,
bevorzugen.

Einen weiteren Spezialtyp von Hall für Schiffskältemaschinen ist die
stehende Duplexmaschine (Fig. 17). Dieselbe leistet bei 100 Touren pro
Minute 42000 Kal., hat zwei doppeltwirkende Kompressorzylinder mit je
60,3 mm Durchmesser und 228,6 mm Hub. Diese Bruchstellen der

19 DA
        <pb n="27" />
        Abmessungen in Millimetern ergeben sich, da England im Maschinenbau
nach Zoll rechnet. Die Dampfmaschine arbeitet wieder mit Hoch- und
Niederdruckzylinder, und ist auch hier die Möglichkeit gegeben, daß jede
Maschine für sich arbeiten kann. Es ist dies der sogenannte Marinetyp,
"7
=
S
E
ic
13
(5%
m
=
Ü
und gibt die Firma noch an, daß die verschiedenen Hauptabgüsse für
verschiedene Zylinderdimensionen die gleichen bleiben und nur die Ober-
flächen der Kondensatoren, welche auch bei der stehenden Maschine direkt
in das Kompressorgestell eingebaut sind, je nach der verlangten Kälte-
leistung geändert werden.
Auch die deutsche Marine hat Kältemaschinen an Bord, und zeigen

20
        <pb n="28" />
        Fig. 18 und 19 die Marinetypen der Kältemaschinen, wie diese von der
Maschinenbau-Anstalt Humboldt, Cöln-Kalk, gebaut werden. Die Maschinen
arbeiten ebenfalls nach dem Kohlensäure-Kompressionssystem, der Antrieb
erfolgt entweder direkt_durch Dampfmaschine, welche mit dem Kompressor
C
%
CC
CS:
x
am gleichen Gestell, gegenüberliegend, montiert ist, oder auch durch
Elektromotor. Der Kondensator ist als zylindrisches Gefäß eingebaut,
ebenfalls aus Kupferröhren hergestellt. Weil die Marine besonderen Wert
auf geringes Gewicht legt, ist das Gestell nicht wie bei den Hall’schen
Maschinen aus Gußeisen hergestellt, sondern dasselbe besteht aus einer
leichten, aber stabil gehaltenen Eisenkonstruktion.

71
        <pb n="29" />
        Bei der Marine wird die Kältemaschine zur Kühlung der Pulver-
vorratsräume und der Fleisch- und sonstigen Provianträume gebraucht.

Wie groß die Bedeutung der Schiffskältemaschine für den Fleisch-
handel ist, zeigt die Liste der Dampfer, welche mit Kühlmaschinen aus-
gerüstet ‚sind, und welche ständig für den Fleischtransport nach England
benutzt werden.

Fig. 18. Marine-Schiffskühlmaschine mit Dampfantrieb.

Den Verkehr mit Australien vermitteln 58 Dampfer mit einer Lade-
fähigkeit von 2565600 Tierkörpern, nach Neuseeland 51 Dampfer mit
4810500 Tierkörpern, Südamerika 21 Dampfer mit 1920100 Tierkörpern
und nach Argentinien 75 Dampfer mit 4857200 Tierkörpern. Außerdem
sind mit Kühlmaschinen ausgerüstet 27 Dampfer, ausreichend für
1863800 Stück, welche aber nicht ständig für Fleischtransporte dienen,
sondern je nach Bedarf zur Verfügung stehen. Insgesamt verfügt der
englische Fleischhandel über eine Flotte von 232 Dampfern, welche
zusammen eine Ladefähigkeit von 16017200 Tierkörpern besitzen.

22
        <pb n="30" />
        Man rechnet auf einen gefrorenen Hammel von etwa 56 Pfund
Gewicht einen Laderaum von 2,8 Kubikfuß, woraus sich eine Ladefähigkeit
pro 1 cbm Laderaum von ca. 325 kg ergibt. Das gefrorene Rindfleisch
wird bei einer Temperatur von — 9 bis — 12° C gefahren und auf dem
Schiff mit 100 — 105 Kubikfuß per Tonne verstaut. Die Kubikfuß werden
innerhalb der Solerohre gemessen unter Berücksichtigung aller anderen
Hindernisse. Gefrorenes Hammelfleisch wird mit 105—110 Kubikfuß per
Tonne verstaut. Die Höhe der Schiffsräume, in welchen. die Körper unter-
gebracht sind, variiert beträchtlich; bei den größeren Schiffen beträgt die

Fig. 19. Marine-Schiffskühlmaschine mit elektrischem Antrieb.

Höhe derselben bis 7 m. Gefrorenes Fleisch leidet durch das Stauen bis
Zu einer solchen Höhe nicht; zum Schutze der einzelnen Körper wird
jeder derselben mit einem Kalikonetz oder mit einem Mullsack umgeben.
Es ist sehr ökonomisch, wenn tiefe und große Laderäume in rechteckiger
Form Vorhanden sind. Gekühltes Rindfleisch jedoch erfordert mehr Platz,
CS wird hängend verladen und am besten im Zwischendeck untergebracht,
welches eine Höhe von etwa 2 m unter den Solerohren haben muß. Die
Zweckmäßigste Temperatur für den Transport von gekühltem Fleisch be-
trägt 0 bis 1" C.

„In London angekommen, werden die Dampfer direkt bis an die Kühl-
häuser gefahren und das Fleisch mit besonders hierzu Kkonstruierten
Transportvorrichtungen, Elevatoren, in diese eingebracht. Hier lagert das

23
        <pb n="31" />
        Fleisch, bis es dem Konsum übergeben wird, ebenfalls wieder bei einer
Temperatur von etwa — 8° C.

Ein wichtiges Moment für die Verwendung von Gefrierfleisch ist
noch die Behandlung desselben beim Ausbringen aus den Gefrierräumen,
wenn es dem Konsum übergeben werden soll. Wie aus Fig. 28 ersicht-
lich, ist eine längere Zeit erforderlich, um das Fleisch einzufrieren.
Analog dem Gefrierprozeß erfordert auch das vollständige Auftauen mehrere
Tage. Würde das Fleisch aus dem Kühlhaus kommend, direkt der wärmeren
Außenluft ausgesetzt, so beschlägt die Oberfläche desselben in dem sich
die Feuchtigkeit, welche in der Luft enthalten ist, an die Oberfläche des
Fleisches niederschlägt. Um dies zu vermeiden, muß das Fleisch in be-
sonderen Ausbringeräumen behandelt werden. Die Luft in diesen Räumen
muß auf künstlichem Wege so weit wie möglich getrocknet werden, und
geschieht dies in der Weise, daß gekühlte Luft, welcher durch den Kühl-
prozeß die Feuchtigkeit entzogen worden ist, wieder angewärmt wird. Mit
Hilfe von Kühl- und Heizvorrichtungen kann die Lufttemperatur und der
relative Feuchtigkeitsgehalt der Luft in den Ausbringeräumen in beliebiger
Weise reguliert werden. Es ist weiter noch wichtig, wie schon oben gesagt,
daß der Auftauprozeß nicht zu schnell vor sich geht, und wird die Tem-
peratur in den Räumen deshalb allmählich von +4 auf + 14° C gebracht,
wobei wie gesagt immer die Hauptsache bleibt, daß die Luft möglichst trocken
dem Raume zugeführt wird.

Das aus den Gefrierräumen entnommene gefrorene Fleisch wird in
diesen Ausbringeräumen aufgehängt, und benötigt Rindfleisch etwa vier
Tage und Schafe ca. zwei Tage, um auf diese Weise vollständig aufgetaut
zu werden. Das Fleisch kann dann, ohne jeglichen Schaden zu erleiden,
den Detailverkaufsräumen und dem Konsum zugeführt werden.

4. Die Fleischversorgung der russischen Hauptstädte
Moskau und St. Petersburg.

Nicht nur England, auf welches heute allgemein hingewiesen wird,
hat Erfahrungen mit der Verwendung von gefrorenem Fleisch, sondern
auch auf dem Festlande stehen langjährige Erfahrungen mit der Ver-
wendung von Gefrierfleisch zur Verfügung. Die russischen Hauptstädte
Moskau und St. Petersburg z. B. sind zum aller größten Teil auf die
Fleischeinfuhr angewiesen, da die Viehzucht in der Umgebung dieser
Städte bei weitem nicht genügend ist, um den Fleischbedarf zu decken.

In Rußland wird die Viehzucht teilweise ausgeübt von den im Ural-
gebiet seßhaften Völkerstämmen, und kommen dort für den Viehhandel
besonders die Städte Perm und Wjatka in Frage, und anderenteils von
den nomadisierenden Völkerstänmen, welche sich längs der sibirischen
Eisenbahnstrecke aufhalten. Der Vieh- und Fleischhandel wird in dieser
Gegend besonders in den Städten Tschetjabinsk, Kurgan nnd auch noch
in Omsk betrieben. Große Eisenbahntransporte lebenden Viehes werden
nach St. Petersburg und Moskau geschafft, und wird das Vieh in den
dortigen Schlachthöfen geschlachtet. In Moskau, wohin der Transport in

24
        <pb n="32" />
        Güterzügen etwa acht Tage dauert, kostet das Fleisch im Großhandel von
frischgeschlachteten Tieren im Mittel pro Kilogramm 70 bis 80 Pfg.,
also 35 bis 40 Pfg. das Pfund. In St. Petersburg, bis wohin der Trans-
port zwei Tage länger dauert, also zehn Tage, stellen sich die Preise für
frisches Fleisch im Mittel auf 45- 50 Pfg. pro Pfund. Neben dieser Ein-
fuhr von lebendem Vieh besteht aber noch ein großer Import von Fleisch
hauptsächlich aus Kurgan. Hier hat die englische Gesellschaft „Union“
ein Kühl- und Gefrierhaus errichtet, und friert dort auch während des’Sommers
das Fleisch mit Hilfe der Kältemaschine ein, um es in diesem Zustande
den Städten zuzuführen.

Der russische Händler hatte bisher sein Geschäft noch nicht in dem
Maße organisiert, wie es die Engländer auch hier in Rußland bereits
getan haben, und bedienen sich die russischen Händler der natürlichen
Kälte für ihre Zwecke. Im Winter, bei der in Rußland herrschenden
strengen Kälte, werden die Körper der geschlachteten Tiere der kalten
Witterung ausgesetzt und auf diese Weise vollständig eingefroren und
auch gleichzeitig im Winter nach St. Petersburg und Moskau transportiert.
Im Winter wird das Fleisch in Kurgan je nach Qualität mit 40—70 Pfg.
per Kilo bezahlt. Die Transportkosten bis St. Petersburg, auf eine Ent-
fernung von 2300 Werst, im Winter in gewöhnlichen Eisenbahnwaggons,
berechnen sich für das Kilogramm auf 13—16 Pfg., je nach der Aus-
nutzung der Waggons. Alles Fleisch, was im Winter in hartgefrorenem
Zustande nach St. Petersburg eingeführt wird, wird in dortigen Kühl- und
Gefrierhäusern eingelagert und. im Sommer allmählich verkauft. Man
rechnet mit einer Aufbewahrungszeit vom Winter bis zum Herbst, also
mit ungefähr neun Monaten. — Die Einfuhr von gefrorenem Fleisch nach
St. Petersburg beträgt im Winter durchschnittlich ca. 50000 Tonnen.

Der Transport von lebendem Vieh auf so weite Strecken hat unan-
genehme Nachteile, weil erstens die Frachtkosten hohe sind, und zweitens
sehr viel Vieh bei der Sommerhitze während des Transportes eingeht.
Auch im Sommer sind deshalb noch große Fleischtransporte nach diesen
Städten notwendig, und werden hierfür Kühlzüge bzw. Kühlwaggons
gebraucht.

5. Die in Rußland benutzten technischen Hilfsmittel.

„Die Zeichnung (Fig. 20) stellt einen zum Fleischtransport ausgeführten
Kühlwaggon dar, welcher mit eigener Kältemaschine von der Maschinenbau-
Anstalt Humboldt, Köln-Kalk, ausgerüstet ist. Die Kühlung mittels Eis oder
Sonstigen anderen Hilfsmitteln ist für die weiten Strecken nicht ausreichend.
Der Waggon hat eine Gesamtlänge von 17,8 m und ist in fünf Abteile
Singeteilt. Die mittlere Abteilung enthält die Kältemaschine, und sind links
und rechts von derselben je zwei Laderäume für eine Aufnahme von ins-
AOeEMt. 11000 — 12000 kg Fleisch angeordnet. Vom Maschinenabteil ist
Yen Sin kleiner Raum abgetrennt, in welchem sich der Maschinist des

ee aufhalten kann. |
Ei ie Kältemaschine arbeitet nach dem Ammoniak-Kompressionssystem.
n stehender Kompressor mit zwei Zylindern ist mit einem ebenfalls

25
        <pb n="33" />
        zweizylindrigen Deutzer Petroleummotor auf gemeinsamer Grundplatte in
den Waggon eingebaut. Der Kondensator zur Kältemaschine ist auf das
Dach des Waggons als Verdunstungskondensator montiert, und den Ver-
dampfer bilden Rippenrohrsysteme, welche direkt an die Decken der
Laderäume befestigt sind. Das Ammoniak verdampft in diesen Rohren,
erzeugt in der Umgebung derselben, also in den Laderäumen, Kälte, wird
vom Kompressor abgesaugt und in den Kondensator gedrückt, wo es
verflüssigt wird, um von neuem zur Verdampfung zu gelangen. Schwierig-
keiten bietet die Waggonkühlung nur in bezug auf die Bedienung des
Kondensators und Motors mit Kühlwasser. Dieserhalb sind unter dem
Waggon einige Kühlwasserbehälter montiert, in welchen genügend Kühl-
Fig. 21.
Ammoniak-Zwillingskompressor, angetrieben durch Petroleummotor.

wasser mitgenommen wird. Das Wasser wird durch eine besonders ein-
gebaute Zirkulationspumpe ständig zwischen Kondensator und Kühlwasser-
behälter zirkuliert. Die Kühlung des Motors erfolgt in der Weise, daß
sogenannte Wabenkühler auf dem Dache, neben dem Berieselungskondensator
eingebaut sind, mittels welchen das Kühlwasser des Motorzylinders eine
ständige Rückkühlung erfährt. Der eine der beiden Behälter unter dem
Waggon ist in mehrere Abteile getrennt, von denen das eine den Kühl-
wasservorrat für den Motor enthält, während das zweite Abteil als Vor-
ratsbehälter für den mitzuführenden Brennstoff dient. Der Motor, ein
Modell, welches die Deutzer Gasmotorenfabrik vielfach als Bootsmotor
liefert, treibt den Kompressor durch Zahnradübersetzung an (Fig. 21), und
ist eine Reibungskupplung eingebaut, welche es ermöglicht, den Motor leer
anlaufen zu lassen.

Zur Unterstützung der Kühlung durch die Deckenrohrsysteme in den
Laderäumen ist noch je ein besonderer Luftkühler mit Ventilator an-

26
        <pb n="34" />
        Fig. 20. Eisenbahn-Waggon mit maschineller Kühleinrichtung zum Transport von Lebensmitteln jeglicher Art.
Ausgeführt für die russische Eisenbahn von der „Maschinenbau-Anstalt Humboldt in Köln-Kalg«,
        <pb n="35" />
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dt
Fig. 25. Die Kühl- und Dampf-Anlage wird nach den Entwürfen und unter Mitwirkung des Dipl.-Ing. Rich. Stetefeld, Berlin-Pankow
als Sachverständigen erstellt.
        <pb n="36" />
        geordnet, welcher eine ständige Luftzirkulation in den Laderäumen bewirkt.
Der Waggon hat auch eine besondere Heizvorrichtung, welche mit eigenem
Kessel ausgerüstet ist und die dazu dient, auch im Winter Fleisch
transportieren zu können, welches nicht in gefrorenem Zustande an-
kommen soll.

Die Maschinenanlage ist so groß bemessen, daß frisch geschlachtetes
Fleisch direkt in den Waggon eingebracht und daselbst mit der Maschine
gekühlt werden kann. Es ist also möglich, an Orten, welche keine
Schlachthöfe mit Kühlanlagen haben, den Kühlwaggon auf ein Nebengleis
zu stellen und das frisch geschlachtete Fleisch direkt in die Kühlkammern
des Waggons einzubringen, so daß der Waggon bzw. auch ein Kühlzug
gewissermaßen eine transportable Schlachthofkühlanlage darstellt. Sollte
die Maschine allein für den Transport von schon vorgekühltem Fleisch
aus Kühlhäusern dienen, so könnte dieselbe kleiner sein. Die größere

Fig. 22. Innere Ausstattung eines Kühlwaggons.
Maschine hat aber während der Fahrt den Vorteil, daß sie stundenweise
abgestellt werden kann.

Der Kraftbedarf für die Kältemaschine beträgt ca. 7,5—8 PS, und
der Brennstoffverbrauch bei einer täglichen Betriebszeit von 18 Stunden
während der Fahrt, welche von Kurgan nach St. Petersburg fünf Tage
dauert, wenn der Kühlwaggon im Personenzug befördert wird, ca. 310 kg.
Da in Rußland 1 kg Petroleum etwa 20 Pfg. kostet, stellen sich die Kosten
für die Kühlung einer solchen fünftägigen Fahrt einschließlich Öl und
Ammoniak auf das Kilogramm Fleisch umgerechnet auf ca. 1 Pfg. Diese
Kosten spielen aber keine Rolle, weil das Fleisch in Kurgan im Sommer
billig zu haben ist, und zwar kostet das Kilogramm etwa 46—52 Pfe:,
also das Pfund 23 bis 26 Pfg. Das Fleisch stellt sich bei einem Einkaufs-
preis von 50 Pfg. per Kilogramm und bei den Frachtkosten von ca. 16 Pfg.,
in welchem Betrag Verzinsung und Amortisation des Waggons enthalten
ist, und zuzüglich der Kühlkosten im Waggon, einschließlich der Ent-
Schädigung für den Maschinisten, auf 64—70 Pfg. per Kilogramm oder
32—35 Pfg. per Pfund, franko St. Petersburg.

Gekühltes Fleisch erzielt auf dem Markt einen höheren Preis als
eingefrorenes Fleisch, und dient der Waggon hauptsächlich für den Transport

27
        <pb n="37" />
        von gekühltem Fleisch.
&amp; Hierdurch ist auch die
Veranlassung für die
Heizvorrichtungen im
Winter gegeben.
Die innere Einrich-
tung der Laderäume für
- das Transportieren des
x Fleisches ist aus. Fig. 22
£ zu ersehen. An den
; Decken sind Eisen mit
Haken zum Aufhängen
des Fleisches angebracht,
und gleichzeitig sind
_ auseinandernehmbare
Gestelle angeord-
net, welche dazu
dienen, Geflügel
; ID oder sonstige
3-\kleinere‘ für den
.:; Kühltransport in
© * Frage kommende
m &lt;&lt; Güter zu verladen.
vo x 6 N Selbstverständ-
N ne %; lich ist der Kühl-
tw .“ waggon noch ein
} : verhältnismäßig
teures Transport-
® j&amp; mittel. Verbilligt
; wird der Kühl-
E 5 transport durch
Sn Anwendung von
* sogenannten Kühlzügen.
Diese Kühlzüge werden
An &amp; in der Weise zusammen-
For s gestellt,‘ daß vor und
;. hinter dem Maschinen-
; wagen je zwei Kühl-
ES waggons angekuppelt
} werden (Fig. 23). Die
Kühlung erfolgt auch
hier wieder mittels Kälte-
maschinen, doch wird in
diesem Falle die Kühlung
. der Transportwaggons
&amp; nicht durch direkte Ver-
dampfung, sondern durch
Zirkulation von gekühl-
tem Salzwasser ausgeführt. Dieselbe Maschine, wie beim Kühlwaggon
verwendet, ist in zwei Exemplaren im Maschinenwagen des Kühlzuges

28
        <pb n="38" />
        einmontiert. In besonderen Salzwasserkühlern wird mit Hilfe der Kälte-
maschine Salzwasser auf eine Temperatur von — 10°C gebracht und
mit Zirkulationspumpen durch die Kühlrohre, welche in den Transport-
waggons eingebaut sind, zirkuliert. Die Kältemaschinen werden auch wieder
durch Petroleummotore angetrieben, und wird auch das benötigte Kühlwasser
und der Brennstoff in den unter dem Maschinenwaggon angehängten Be-
hältern mitgeführt. Der dritte Maschinensatz dient für die Beleuchtung
des Maschinenwagens und für den Antrieb der Ventilatoren in den
Transportwaggons. Es ist dies ebenfalls wieder ein stehender Petroleum-
Motor, welcher direkt mit einer. Dynamomaschine gekuppelt ist. Ein
Solcher Maschinensatz, Motor mit P ; -

Dynamo, ist von der Gasmotoren- Bookarumgy Dinenıbıalım - Minhohwoyene:
nik Deutz auch für die Be-

Suchtung des Hofzuges des rus-

sischen raten geliefert worden. = ARE Sekten )

Der Kühlzug eignet sich be- © FH Sepalatnanen 1
Sonders für den Transport von ge- Ts
frorenem Fleisch, da :die Lade- 57
fähigkeit der Transportwaggons
Nicht schon durch die Maschinen-
anlage beeinträchtigt wird. Es
lassen sich in einem Waggon
16000 kg gefrorenes Fleisch BETEN EEE tarten
unterbringen. Diese Kühlzüge ARE Damokackragrpe
kommen Baffrlich nur für weite WA
Eisenbahnstrecken in Betracht,
wie solche in Rußland und auch
Südamerika vorkommen. Wichtig
für den Kühlwaggon als auch für Bit hs Mk
die Transportwaggons des Kühl-
zuges ist eine gute Isolierung. a
Hierfür eignet sich am besten Dr
der neue Korkstein „Expansit“ A Senn
von der Firma Grünzweig &amp; Hart- re Serakmatpe
Mann G.m.b.H. in Ludwigshafen, DC
weil derselbe neben ‚der besten Fig. 24,

Isolierfähigkeit auch das leichteste
Gewicht hat. Fig. 24 zeigt eine Waggonisolierung nach den Ausführungen
der genannten Firma.

Wie schon gesagt, wird das aus Sibirien nach Petersburg eingeführte
Fleisch in dortigen Kühlhäusern untergebracht. Momentan wird von der
Aktiengesellschaft Warenlager, daselbst, ein neues modernes Kühlhaus
hauptsächlich für diese Zwecke errichtet. Es ist dies das größte Kühlhaus
Europas, und werden sämtliche maschinellen Einrichtungen von der
Maschinenbau-Anstalt Humboldt, Köln-Kalk, geliefert. Ich beschränke mich
an dieser Stelle darauf, nur die Gesamtanordnung des Kühlhauses zu
SrOrtern, eine eingehende Beschreibung wird später noch veröffentlicht.

Das eigentliche Kühlhaus, siehe Fig. 25, besteht aus sieben Etagen,
und sind dieselben durch einen Mittelgang in je zwei Hälften geteilt. Die
Länge der belegbaren Kühlräume beträgt 47,5 m und die Breite derselben

29
        <pb n="39" />
        in jeder Etagenhälfte ca. 25 m, also pro Etage ca. 2375 qm belegbare
Fläche. Die? gesamte‘ Fläche ‘ der‘ sieben ‘Etagen —" 16625 qm. Das
Keller- und Erdgeschoß dienen zur Einlagerung von frischem bzw. gekühltem
Fleisch, und beträgt die Temperatur in diesen Räumen — 2 bis 2°C. In
den Räumen der ersten, zweiten und dritten Etage werden gefrorenes
Fleisch und gefrorene Fische bei einer Temperatur von — 8 bis — 10° C
gelagert. In der ersten Etage ist ein besonderer Fleischgefrierraum vor-
gesehen, welcher ein Drittel einer halben Etage einnimmt. In der zweiten
Etage ist in gleicher Größe ein Fischgefrierraum angeordnet. Die Temperatur
in diesen beiden Räumen wird auf — 15°C gehalten. Die vierte Etage
ist zur Aufstapelung und Kühlung von Eiern vorgesehen, und wird hier
die Temperatur auf + 0° bis + 1°C gebracht. Das fünfte Stockwerk soll
bei einer Temperatur von + 1 bis + 2°C mit Butter und Kühlgütern
allgemeiner Art belegt werden.
Fig. 26. Einrichtung für Blockeisfabrikation.

Das Kühlhaus „hat Bahnanschluß, und sind. drei Aufzüge vorgesehen,
um das mit der Bahn ankommende Lagergut in das Kühlhaus einzubringen,
oder auch Waren ausbringen zu können, welche wieder mit der Bahn
verschickt werden sollen. Nach der Straßenfront hin sind weitere zwei
Aufzüge disponiert, welche die für den Stadtverkehr bestimmten Waren
transportieren.

Neben der Kühlung werden stündlich 2500 kg oder pro Tag 6 Waggon-
ladungen Kristalleis erzeugt (Fig. 26). Für die Kälteerzeugung sind
Ammoniakmaschinen aufgestellt mit einer Gesamtkälteleistung von
1800000 Kal., zu deren Antrieb und zur Erzeugung des erforderlichen
Stromes für die Beleuchtung, für den Betrieb der Aufzüge und der
Ventilatoren drei Dampfmaschinen mit einer Normalleistung von insgesamt
1100‘ PS dienen.

Neben dem Maschinenraum ist auf der einen Seite ein Apparatenraum
angeordnet, in welchem die Salzwasserkühler, eine besondere zweckmäßige
Konstruktion, und die Pumpen untergebracht sind. Auf dem Dache
desselben sind die Berieselungskondensatoren placiert.

30
        <pb n="40" />
        Auf der anderen Seite des Maschinenraumes ist die Kesselanlage
angeordnet, bestehend aus zwei Steilrohrkesseln mit 350 qm Heizfläche,
welche von der Maschinenbau-Anstalt Humboldt nach dem System Kestner
gebaut werden. Wie die ganze maschinelle Einrichtung, so ist auch
das Kesselhaus auf das modernste eingerichtet und hat eigene BekohlungS-
und Wasserreinigungsanlage, System Humboldt, erhalten.

Die Kühlung in den Räumen erfolgt teilweise durch Zirkulation ge-
kühlter Luft und teilweise durch direkt in den Räumen angeordnete Kühl-
rohrsysteme, in denen kaltes Salzwasser zirkuliert. Der Fischgefrierraum
dagegen wird mittels Rohrsystemen, in welchen das Ammoniak direkt
verdampft, auf die gewünschte Temperatur von — 15° C gebracht.

Ein weiteres Bild über die Größe der Anlage ist daraus zu ent-
nehmen, daß für die Maschinenanlage und für das Kühlhaus insgesamt
ca. 75 km Rohr verarbeitet werden.

Die Erstellung derartig umfangreicher Anlagen neben bereits be-
stehenden ähnlichen, zeigt deutlich welch’ große Bedeutung auch in Ruß-
Fig. 27.

Kühlwaggon mit Eiskühlung isoliert mit Expansitkorkstein.

land einer genügenden Fleischversorgung zu billigen Preisen bei-
gemessen wird.

6. Die Verwendung von Gefrierfleisch in Italien.

Auch andere Länder des europäischen Festlandes sind bemüht, ihre
Bevölkerung in ausreichender Weise mit billigerem Fleisch zu versorgen,
als es die eigene Landwirtschaft vermag, und dürfte Italien hierfür ein
gutes Beispiel geben. Nachdem dort die ersten Versuche mit der Einfuhr
von Gefrierfleisch, welche die Kühlhaus-Aktiengesellschaft in Genua auf
größerer Basis ausgeführt hat, an der mißtrauischen Haltung des Publikums
gegenüber diesem ungewohnten Nahrungsmittel gescheitert waren, wurden
im Jahre 1908 diese Versuche wieder aufgenommen und zunächst 2000000 kg
Gefrierfleisch verbraucht. Bereits im Jahre 1911 aber betrug die Einfuhr
von gefrorenem Fleisch nach Italien 12000000 kg, und zwar kam dasselbe

31
        <pb n="41" />
        aus Argentinien, Australien, Uruguay und Venezuela. Der allerbeste
Beweis für die Güte des Gefrierfleisches dürfte wohl darin zu erblicken
sein, daß das italienische Kriegsministerium auf Grund längerer und ge-
wissenhafter Versuche ab 1. Januar 1911 jenen Armeelieferanten, die über
genügend Kühlvorrichtungen verfügten, die Erlaubnis gegeben hat, während
bestimmter Monate des Jahres gefrorenes Fleisch für die Ernährung der
Armee zu liefern. Diese Armeelieferungen haben dann schließlich auch
ergeben, daß das Gefrierfleisch in weiteren Schichten der Bevölkerung mit
völlig befriedigenden Resultaten Verbreitung gefunden hat. Die Preise für
Gefrierfleisch auf dem Mailänder Markt betrugen für Fleisch ohne Knochen
80 Pfg. per Pfund gegenüber 1,20 Mk. per Pfund frischen Fleisches
gleicher Art. Für zerlegte Stücke mit Knochen und Zulage wurde per
Pfund 34 Pfg. bezahlt gegenüber 52 Pfg. per Pfund frischen Fleisches.

Das Fleisch kommt mittels Dampfer in Genua an und wird dort in
Kühl- und Gefrierhäusern aufgestapelt. Für den Transport nach den
einzelnen Städten sind isolierte Eisenbahnwaggons in Anwendung, welche
so eingerichtet sind, daß Eis beigeladen werden kann.

Fig. 27 zeigt einen derartigen Waggon, welcher in der in Fig. 24
gezeigten Art und Weise mit Expansitkorkstein isoliert worden ist.

Über die Temperaturen in den mit Fleisch beladenen Waggons sind
im Monat Mai Versuche angestellt worden.

Durch ein Registrierthermometer wurde in dem in keiner Weise vor-
gekühlten Waggon am Donnerstag mittags eine Temperatur von + 14° C
festgestellt (Fig. 28). Am Nachmittag des gleichen Tages wurden 6000 kg
gefrorenes Fleisch eingeladen, und ist die Temperatur im Waggon auf
42° C gesunken. Das Fleisch kam direkt aus dem Kühl- bzw. Ge-
frierhaus. Sodann wurde der Waggon durch Einblasen von kalter Luft
auf eine Temperatur von 0° C gebracht. Die Tür wurde geschlossen,
und der Waggon reiste am Freitag nachmittag von Genua nach Mailand.
Am Sonntag nachmittag in Mailand angekommen, wurde die erste Kon-
trolle vorgenommen und konstatiert, daß sich die Temperatur überhaupt
nicht geändert hatte. Durch das Öffnen der Tür erhöhte sich die
Temperatur um 1° C. Der Waggon blieb abermals stehen bis Montag,
und bei der an diesem Tage vorgenommenen Kontrolle ergab sich, daß
die Temperatur wiederum nicht gestiegen war. Dieser Versuch zeigt, daß
die im Fleisch aufgespeicherte Kälte ausreichend ist, um einen längeren
Transport zu überstehen, wenn die Isolierung des Waggons eine besonders
gute ist, wie dieselbe hier mit dem neuen Korkstein „Expansit“ der Firma
Grünzweig &amp; Hartmann in Ludwigshafen geliefert wurde.*)

Bei einem zweiten Versuch wurde der Waggon vor seiner Abreise
durch Einblasen gekühlter Luft auf —2'h° C gebracht. In Mailand ist
er dann mit nur einem Grad Verlust, mit —-.1 *,° C, angekommen.

Die gleichen Resultate, wie dieselben hier in Italien gemacht worden
sind, werden auch aus England be-stätigt, wo der Transport nach Städten,
welche im Innern des Landes liegen, ebenfalls durch isolierte Waggons
erfolgt, die direkt vom Schiff aus durch Einblasen von kalter Luft ge-
kühlt werden.

*) Eingehende Erläuterungen über den Kork als Isoliermittel und speziell über
den neuen Korkstein „Expansit“ sind veröffentlicht in der Broschüre: „Der Kork
als Wärme-isolator“, Vortrag des Herrn Dr.-Ing. Max Grünzweig.

392
        <pb n="42" />
        ev H3INZ 30N73 3wNM SVWO Hauzn
7. Erfahrungen über - a
die Verwendung von EEE ie Gl
Gefrierfleisch inder /
Schweiz. ; .
Auch die Schweiz führt ©
überseeisches Fleisch in
gefrorenem Zustande ein,
und betrug die Einfuhr
im Jahre 1911 bereits 3 N
1118000 kg. .Im Jahre 5 TS
1912 aber wurden schon ” "al HEHE GE
im Februar 250000 kg |! OO a.“
eingeführt, und wenn ‚, £ Et be
diese Einfuhrziffer ## SE
Während der übrigen NR Sn ;
Monate die gleiche bleibt, x HE, ;
so würde sich die Einfuhr TATEN
HH
gegenüber 1911 verdrei- ; BCE
fachen, sie würde rund
3000000 kg betragen. ;
Diese Erhöhung der Ein- % | !
fuhr ist zu einem Teil % ba E
darauf zurückzuführen, £ tu AI be '
daß sich das Publikum Wr
schon an den Genuß des Le
Gefrierfleisches gewöhnt 1 RE
hat und zweitens, daß 4 HE T ;
der Bundesrat den Zoll eh a er i
auf Gefrierfleisch bis auf * SE ae Hl KA ®
10,— Fr. reduziert hat; aD E Hl C M
also auch die Bundes- A A ; =
regierung erlaubt nicht N S ES in '
nur die Einfuhr von Ge- 5 1 + "ET
frierfleisch, sondern unter- $ Sn
Stützt dieselbe. Da der
Allgemeine Konsumverein
in Basel den Verkauf von
Gefrierfleisch besorgt, SO
habe ich mich direkt an +
0a Door Ann Re
a folgende Auskunft . 055 STH
Srhalten Sn Zuerst wurde |+ A KB Ce hr
das Fleisch ab Genua be- A N
Zogen, später wurde mit N39710Z 30N3 31HJ38 VO WALND
besonderem Vorteil der &gt;
geringeren Hafenspesen wegen das Fleisch von Triest aus eingeführt.
Nachdem Österreich das Transitverbot nach der Schweiz erlassen hatte,
wird vorzugsweise Venedig als Überladeplatz benutzt. In letzter Zeit sind

33 Z
        <pb n="43" />
        auch in Marseille und in Amsterdam Gefrieranstalten errichtet worden,
so daß nunmehr auch diese beiden Plätze für die Überfuhr von Gefrier-
fleisch für den Allgemeinen Konsumverein in Betracht kommen. Der
Transport wurde stets in isolierten Waggons mit Eiskühlung besorgt.
Das Fleisch kam regelmäßig in bestem Zustande in Basel an. Die Preis-
frage hängt natürlich sehr von den örtlichen Verhältnissen und auch von
der Höhe der Miete für die Kühlwaggons ab. Auch sind die Preise der
einzelnen Fleischlieferanten sehr verschieden.

Da die großen argentinischen Fleischexporteure auch das Transport-
risiko usw. übernehmen, hat sich der Konsumverein in letzter Zeit um
die Preise ab Hafenort weniger bekümmert und franko Basel gekauft.
Im Oktober 1912 schwankt der Preis bei gleich großer Anzahl Vorder-
und Hinterviertel zwischen 72,— bis 73,60 Mk. per 100 kg franko unver-
zollt Basel. Es ist dies also ein Einkaufspreis von 36 bis 37 Pfg. per
Pfund. Nachdem noch 4 Pfg. Zoll auf das Pfund entfallen, beträgt also
der Einkaufspreis für das Pfund 40 bis 41 Pfg. Die Verkaufspreise stellen

= = um i ber =
. Ft ab m
Ss et ke Een
Fig. 30. Isolierter Kühlkahn (Grundriß u. Längsschnitt).
sich. in Basel für Vorderviertel auf 52 Pfg. per Pfund, Hinterviertel
auf 60 Pfg.

Über die allgemeinen Erfahrungen mit Gefrierfleisch schreibt der Kon-
sumverein Basel:

„Im allgemeinen können wir sagen, daß wir mit dem Gefrierfleisch,
seit dem wir dessen Verkauf einführten, gute Erfahrungen gemacht haben.
Unser wöchentlicher Verkauf beträgt annähernd 10000 kg.“

Der Konsumverein kauft selbst nur jeweilig für eine Woche aus-
reichend ein, weil er bisher nur über Kühlräume, aber nicht über Gefrier-
räume zur längeren Lagerung verfügt, also für Gefrierfleisch bis jetzt noch
unvollkommen eingerichtet ist.

8. Die technischen Hilfsmittel, welche in Deutschland
für eine ev. Fleischeinfuhr zur Verfügung stehen.

Es liegt nun die Frage nahe, wie es denn bei uns in Deutschland
mit den Vorbedingungen für die ev. Einfuhr von überseeischem Fleisch
in gekühltem oder gefrorenem Zustande bestellt ist.

34
        <pb n="44" />
        2
A
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Zahlenerklärung. 1. Brennstoffbehälter. 2. Dieselmotor. 3. Abgasheiztopf. 4. Haupttransmission. 5. Pumpenvorgelege. 6. Kältemaschinen. 7. Rieselkondensator. 8. Nach:
kühler. 9. Regulierstation. 10. Solekühler. 11. Mammutpumpe, 12. Brunnen. 13, Kühlwasserbehälter I. 14. Kühlwasserbehälter II. 15, Kühlwasserpumpe. 16. Eisgenerator
17. Auftaugefäß. 18. Füllapparat. 19. Gefrierwasserpumpe. 20. Eisausladebühne. 21. Elektrischer Laufkran. 22. Solepumpe. 23. Kühlsysteme im Raum. 24. Kühlsysteme Im
Luftkühler. 25. Elektroventilator. 26. Kaltluftleitungen. 27, Warmluftleitungen, 28. Frischluftrohre. 29. Frischluftventilator. 30, Luftaufheizrohre. 31. Soleaufheizschlange
32. Heißsoledumnpe. 33. Dvnamomaschine. 34. Zusatzaggregat. 35. Akkumulatoren, 36, Schalttafel. 37. Elektrische Leitungen. 38, Strom-Umformer. 39. Spannungs-Umformer
40. Ozonapparat. 41. Ozonluft-Gebläse. 42. Wassersterilisator.
Fig. 29. Schema der Kühl- und Ozonklareis-Anlage der Kühlhaus-Zentrum-A.-G. Hamburg.
Die Anlage wurde erstellt nach den Entwürfen des Dipl.-Ing. Rich. Stetefeld, Berlin-Pankow.
        <pb n="45" />
        In Hamburg, Berlin und einer ganzen Anzahl anderer Städte
Deutschlands unterhält seit langem schon die Markt- und Kühlhallen-
gesellschaft ganz bedeutende Kühl- und Gefrierhausanlagen, außerdem
bestehen aber noch viele solcher Anlagen anderer Firmen, z. B.
E. &amp; J. Mayer in Frankfurt a. M., R. Schanz in Stettin, und viele Städte,

= EEE + PO 7 plan m
Le
A
En z Ma
le a bh
Ds
Schnitt bei Spant 13.
Fig. 31. Maschinenraum im Kühlkahn (Aufriß).
wie z. B. Berlin, Köln usw., haben in städtischen Markthallen Kühl- bzw.
Gefrierräume zur Verfügung. Auch neue Kühlhausanlagen sind fortwährend
im Bau. Fig. 29 zeigt das Schema der maschinellen Einrichtung des
Kühlhauses Zentrum ın Hamburg, einer in. diesem Jahre in Betrieb
f
LS zz, Spant 13.
Y Dersinmoter
a Spant 10
cd
Men tenn ..
Fig. 32. Maschinenraum im Kühlkahn (Grundriß).
gesetzten Anlage. Aus der Erklärung in der schematischen Darstellung
ist für den Kältetechniker Näheres zu entnehmen; der Antrieb erfolgt
durch Dieselmotoren. Heft 11 Jahrgang 1912 der Zeitschrift „Eis- und
Kälte-Industrie“ (A. Ziemsen Verlag, Wittenberg, Bez. Halle) enthält eine
eingehende Beschreibung dieser Kühlhausanlage von Herrn Dipl.-Ing.
R. Stetefeld. In Lübeck wird ebenfalls gegenwärtig ein Kühlhaus gebaut,
welches von der Firma A. Borsig eingerichtet wird.

35
        <pb n="46" />
        «Außerdem: hat Deutschland noch billige Transportwege und Transport-
mittel in seinen Wasserwegen zur Verfügung. Auf der Elbe verkehren
seit, langem schon zwölf Kühlkähne, welche die. Vereinigten Elbschiffahrts-
Gesellschaften in Dresden erbauen ließen. Dieselben dienen einstweilen
zum Transport von bayrischem und. böhmischem Bier zu Exportzwecken.
Die Länge der Kähne ist 55 bzw. 50,12 m (Fig. 30) und haben dieselben
eine größte Breite auf Spanten von 7 bzw. 5,8 m und im Deck von 6,6
bzw. 5,3 m. Die Länge des Bodenraumes beträgt 38,28 bzw. 34,07 m.
Der Maschinenraum ist in beiden Fällen mit 3 m bemessen.

Die größeren Kähne können je 21 Waggonladungen und die kleineren
je 15 Waggonladungen Bier in ihren Laderäumen verstauen.

Die Kühlung der Kähne erfolgt durch eine Kältemaschine der Gesell-
schaft für Lindes Eismaschinen‘ und ist der Maschinenraum in der Nähe
Fig. 33. Querschnitte durch die Laderäume der Kühlkähne.
des Steuers angeordnet, damit der Steuermann die Maschinen gleichzeitig
übersehen kann. Von der Kompressorwelle aus wird noch die Pumpe
angetrieben, welche den Kondensator mit Kühlwasser versorgt. Mit den
Figg. 31 und 32 ist der Maschinenraum im Grundriß und Aufriß dar-
gestellt. Dieselben zeigen den Kompressor, den Kondensator und den
Antriebsmotor, welcher als stehender Benzinmotor gebaut ist, und ferner

noch die Kühlwasserpumpe.

Die Kühlung erfolgt mittels direkter Verdampfung des Kältemediums
in Rohrsystemen, welche an den Decken der Laderäume montiert sind,
wie aus Fig. 33 zu ersehen ist. Die Kältemaschine arbeitet nach dem
Kohlensäure-Kompressionssystem und hat eine Leistung von 16000 Kal.
pro Stunde. Einen Kohlensäure-Kompressor dieser Größe neuester Kon-
struktion von der Maschinenbau-Anstalt Humboldt, Köln-Kalk, zeigt Fig. 34.

Die Dauerversuche ‚auf der Werft in Dresden-Übigau, wo die Kähne
erbaut sind, haben ergeben, daß die Laderäume mit der eingebauten
Maschine dauernd auf eine Temperatur von —7°C gehalten werden

36
        <pb n="47" />
        Fig. 34. Kohlensäure-Kompressor von Humboldt.
können. Wichtig ist natürlich _auch_ } Nühlkihnen eine gute
Isolierung, und ist die Ausführung derselben an den bestehenden Kühl-
kähnen aus der Fig. 35 zu ersehen.*)
Bühne.
Korkstein-
solierung
Boden-
wrange,
Schiffs-
boden.
Isolierung des Schiffsbodens.
; ZT Korkstein-
Se 5 SE isolierung.
Se Sa Es Verb
Isolierung der Bord- und Schottwände.
Deck-
planken,
Korkstein-
isolierung.
— Verklei-
2 Anngs.
Tsolierung des Decks.
Fig. 35. Isolierung der Kühlkähne.
In gleicher Weise, wie die Kähne auf der Elbe für den Biertransport
Stromabwärts nach Hamburg benutzt werden, könnten dieselben von dort
auch für den Fleischtransport nach den Städten stromaufwärts dienen.
Zei *) Eine Beschreibung dieser Kühlkähne ist in Heft 10, Jahrgang 1907, der
„Zeitschrift für die gesamte Kälte-Industrie“ von Ingenieur Lehnert veröffentlicht.

37
        <pb n="48" />
        Auch der ganze westliche Industriebezirk könnte auf solche Weise
durch die Rheinschiffahrt mit überseeischem, gekühltem oder gefrorenem
Fig. 36. Korridor im Kühlhaus E. u. J. Mayer, Frankfurt a. M.

Fleisch‘ versorgt werden, ebenso auch die Gegend von Frankfurt a. M.
und weiter hinaus.
Fig. 37. Dampf- und Kältemaschinenanlage des Kühlhauses
E. u. J. Mayer, Frankfurt a. M.
In Köln sind z. B. Kühlräume zur Aufbewahrung von Gefrierfleisch
reichlich vorhanden. Das Kühlhaus von Gottfried Linde hat Gefrierräume

38
        <pb n="49" />
        zur Verfügung, welche momentan noch wesentlich vergrößert werden. Auf
dem städtischen Schlachthofe, welcher große Kühlmaschinen im Betrieb
hat, sind solche leicht zu schaffen und verfügt ferner die Stadt in der
städtischen Markthalle über Gefrier- und Kühlräume in reichlichem Maße,

a

a

S

En

wo

SS
so daß auch der Aufbewahrung von Gefrierfleisch in Köln in technischer

Beziehung absolut nichts im Wege stehen würde. . .
. Alle an schiffbaren Flüssen gelegene Städte können mit Hilfe des
billigen Wasserweges mit Gefrierfleisch versorgt werden. Nach Or
stehen z. B. in Koblenz wiederum Kühl- und Gefrierhäuser für ‚die vd
nahme solchen Fleisches zur Verfügung, in Mainz ebenfalls und in Frank-

39
        <pb n="50" />
        furt a. M.,, wo das große Kühl- und Gefrierhaus der Herren E. &amp;J. Mayer,
welches bereits. im Jahre 1903 eingerichtet worden ist, für die Einlagerung
von Gefrierfleisch ‚benutzt werden kann.

Auch dieses Kühlhaus jist ähnlich wie das St. Petersburger Kühlhaus
(Fig. 25) angeordnet. Die Kühlräume sind hier ebenfalls mit Ausnahme
der Nordseite mit einem Korridor umgeben, es sind also gewissermaßen
zwei Häuser”ineinandergesetzt. Die Wände sind noch mit Korkplatten
isoliert, und zeigt Fig. 36 die Innenansicht eines solchen Korridors. Die
größeren Baukosten, welche durch Anordnung dieser Korridore entstehen,
machen sich bald bezahlt, weil die Kälteverluste geringer sind und die
Maschinenanlage (Fig. 37) kleiner wird; der Kraftverbrauch ist daher

Fig. 39. Gefrierraum für Geflügel.
niedriger, also die immer wiederkehren den Auslagen sind bedeutend
reduziert.

Fig. 38 zeigt einen Gefrierraum für Wild und Fig. 39 einen solchen
für Geflügel. Diese beiden Figuren zeigen auch die Kühleinrichtungen
der Räume. Kühlrohrsysteme, aus Rippenrohren hergestellt, sind an den
Decken der Räume montiert, und. zirkuliert außerdem in den Räumen
noch kalte Luft, welche durch besondere Luftkühler gekühlt wird. Auf
den Abbildungen sind auch die Luftleitungen ersichtlich.

Die Kältemaschine arbeitet nach dem Ammoniak-Kompressions-System
und sind auch bei dieser Anlage Verdunstungs- oder auch Berieselungs-
kondensatoren, welche für Wasserersparnis eingerichtet sind, auf das Dach
des Maschinenhauses montiert, wie dies in Fig. 40 dargestellt ist.

- In gleicher Weise, wie in den vorstehend angeführten Städten am
Rhein bzw. Main können die in den Städten an der Elbe und Oder usw.
gelegenen Kühlhäuser als Hauptdepots für die Fleischeinlagerung benutzt

40
        <pb n="51" />
        werden. Es ist beiden dann nur kurzen Transportwegen mit Hilfe der
isolierten Kühlwaggons ein leichtes, auch allen nicht an Flüssen ge-
legenen Städten Gefrierfleisch zuzuführen, wie dies die Beispiele der
Fleischversorgung in Italien und der Schweiz gezeigt haben.

W

a

£

‚2b

16

Beziehen die nicht an den Flüssen gelegenen Städte aus den Haupt-

depots nur jeweils so viel Fleisch, als es dem Verbrauche einer Woche
entspricht, so würden in diesen Städten für die Aufbewahrung desselben
nur Kühlanlagen kleineren Umfanges mit Einrichtungen von Ausbringe-
räumen, wie auf Seite 24 näher beschrieben, genügen, um die gleich guten
Erfahrungen machen zu können, wie solche vom Allgemeinen Konsum-
verein in Basel mitgeteilt werden.

11
        <pb n="52" />
        9, Allgemeine Betrachtungen über die Gefrierfleischeinfuhr
nach Deutschland.

Aus vorstehendem ist zu entnehmen, daß in Deutschland der Einfuhr
von Gefrierfleisch in technischer Beziehung durchaus nichts im Wege
steht. Große Kühl- und Gefrierhäuser sind vorhanden und auch in allen
mittleren Städten sind maschinelle Kühlanlagen mindestens auf städtischen
Schlachthöfen zur Verfügung. Die deutsche Maschinenindustrie und ‚die
deutsche Technik spielen auf dem Gebiete der Fleischkonservierung durch
Kältemaschinen nicht nur im Inlande, sondern auch im Auslande eine
große und führende Rolle.

Es sei hier nur kurz an die Verdienste erinnert, welche sich Herr
Geh. Rat Prof. Dr. von Linde um die Entwicklung der Kälte-Industrie er-
worben hat.

Wenn man sich in Deutschland nun entschließen würde, den Fehl-
betrag an Fleisch, welcher sich auf Grund der statistischen Feststellungen
ergibt, in Form von. gefrorenem oder gekühltem Fleisch von Übersee ein-
zuführen, so ergäbe dies bei 64000000 Einwohnern, entsprechend dem
Minus von 8,6 kg pro Kopf der Bevölkerung, eine Einfuhr von rund
550000 t pro Jahr. Dieses Quantum könnte ev. in den bestehenden Kühl-
häusern untergebracht werden, da die vorhandenen Lagerflächen in den-
selben heute durchschnittlich nur bis zu 75°/, belegt sind. Wo aber Kühl-
häuser noch fehlen sollten, darf man der Tatkraft des deutschen Handels
und der deutschen Industrie zutrauen, daß diese im gleichen Zeitraum
geschaffen sind, welche der Konsum benötigt, um sich an das Gefrierfleisch
zu gewöhnen.

Als einzig fehlendes technisches Hilfsmittel für die Fleischeinfuhr
wäre ev. anzuführen, daß deutsche Fleischtransportdampfer nicht in ge-
nügender Menge vorhanden sind. Nach der Liste der englischen Dampfer
haben die größten Fleischtransportschiffe eine Ladefähigkeit von etwa
3600 t. Wenn auch diese Zahl für deutsche Dampfer angenommen wird,
so wären für den Transport der Fleischmenge von 550000 t pro Jahr ca.
30 Fleischtransportdampfer nötig. Dabei ist berücksichtigt, daß ein Fleisch-
transport ab Argentinien etwa 28 Tage unterwegs ist; woraus sich ein-
schließlich der Ladefristen ergibt, daß ein Dampfer höchstens etwa fünf
Fahrten jährlich ausführen kann. Nehmen wir nun an, daß nur in bereits
vorhandenen Frachtdampfern Kältemaschinen und Einrichtungen für den
Fleischtransport eingebaut, werden, so würde doch pro Dampfer eine
Ausgabe von ca. 400000, Mk., ohne die Kosten für die Isolierung des
Schiffes, erforderlich sein. Diese Summe gibt die Firma J. &amp; E. Hall Li4.,
für die komplette Einrichtung mit Kältemaschine und Fleischhakenausrüstung
als ungefähren Preis pro Dampfer an. Es müßte also ein Kapital von
ca. 12000000 Mk. allein für maschinelle Einrichtungen investiert werden,
wenn wir das Fleisch mit eigenen Schiffen heranbringen wollten. Aber
auch hierzu würden sich unsere deutschen Reedereien wohl ohne weiteres
verstehen, weil es sich dann um regelmäßige wertvolle Frachten handelt.
Argentinien ist ein großer Abnehmer deutscher Erzeugnisse, und bei seinem
großen Bedarf kommt dieses Land noch sicherlich in höherem Maße für

4.7
        <pb n="53" />
        den deutschen Export in Frage, so daß also Rückfrachten für die Schiffe
meist vorhanden sein dürften.

Nach dem statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich, welches das
Kaiserliche Statistische Amt herausgegeben hat, ergeben sich für den
deutschen Handel mit Argentinien für das Jahr 1911 folgende Zahlen:

Einfuhr und Ausfuhr betrugen

zusammen . . . . . . 625800000 Mk.
Die Einfuhr allein. .....- 34369900000 ,
Die Ausfuhr, .” A. 3255900000...

Es wäre selbstverständlich anzustreben, daß Argentinien für die Fleisch-
einfuhr nach Deutschland irgendwelche andere Handelsvorteile bietet, und
zwar so, daß der Wert unserer Ausfuhr nach Argentinien soweit gehoben
würde, daß Ein- und Ausfuhr sich die Wage halten, was jetzt noch bei
weitem nicht der Fall ist.

Da es sich nun aber um verhältnismäßig große Kapitalien handelt,
welche die deutschen Schiffsreedereien investieren müßten, wäre es eine
absolute Vorbedingung, daß die Fleischeinfuhr, wenn auch in beschränktem
Umfange, auf Jahre hinaus gesichert wird. Diese Vorbedingung Kann
auch bei den bestehenden sanitären Vorschriften ohne weiteres erreicht
werden, und würde deren Aufhebung durchaus nicht den Interessen der
Bevölkerung entsprechen. Es wäre auch eine offenbare Ungerechtigkeit,
wenn ausländisches Fleisch günstiger behandelt würde als einheimisches.

Die Hammelfleischeinfuhr ist ohne weiteres schon in der Weise mög-
lich, daß die inneren Organe (Lunge, Leber, Herz und Nieren) mit nach
Deutschland transportiert und hier von Tierärzten untersucht werden. Bei
Rindfleisch ist dies nicht der Fall; es ist unbedingt notwendig, daß solches
Fleisch ohne die ebengenannten inneren Organe transportiert wird. Wenn
es auch möglich ist, Rinder so einzufrieren, daß die inneren Organe mit
nach Deutschland transportiert werden, so würde dies den Transport doch
in dem Maße erschweren, daß die verhältnismäßig geringe Marge, mit
welche der argentinische Fleischexporteur rechnen muß, verschwinden
würde, denn halbe Rinder sind Sperrgut, und heute schon, beim Verladen
von Rindfleisch in Vierteln, welche dicht aufeinander gestapelt werden,
beträgt die Seefracht etwa 8'/, Pfg. per Kilogramm.

Hierfür hat nun der Reichsverband deutscher Tierärzte den sehr zweck-
mäßigen Vorschlag gemacht, deutsche Tierärzte nach Argentinien zu ent-
senden, welche das Fleisch dort untersuchen, und es ist durchaus nicht
einzusehen, daß hierdurch irgendwelche Schwierigkeiten oder Unzuträg-
lichkeiten entstehen sollten, wenn die nach dort gesandten Tierärzte
ihre Tätigkeit als deutsche Beamte ausüben. Für besonders ängstliche
Gemüter sei bemerkt, daß der argentinische Fleischexporteur, dessen
ganzes Renommee nur von besten Lieferungen abhängig ist, auch gar
kein Interesse daran hat, irgendwelche Manipulationen vorzunehmen, um
etwa Stücke, welche vom deutschen Tierarzt als für die Einfuhr nach
Deutschland unzureichend zurückgewiesen werden, doch noch auf irgend-
eine Weise nach Deutschland zu bringen. Die argentinische Fleischbeschau
ist in so hohem Maße gewissenhaft und vorzüglich durchgebildet, daß alle
anderen Länder, England, Italien, Schweiz usw., welche argentinisches

43
        <pb n="54" />
        Fleisch beziehen, keinerlei Bedenken tragen, dieses Fleisch ohne besondere
Untersuchung dem einheimischen Konsum zu übergeben,

Des weiteren ist es durchaus nicht erforderlich, daß eine bewährte
Wirtschaftspolitik: wegen der Einfuhr von überseeischem Fleisch verlassen
oder gar aufgegeben wird. Hiervon kann und darf in Verbindung mit der|
Fleischeinfuhr absolut keine Rede sein. Einen unbedingt großen Wert
aber hätte eine kontingentierte Fleischeinfuhr bei einem mäßigen Zollsatz,
weil dann die Regierung die Höhe des Kontingentes, für welches aller-
dings ein bestimmtes Mindestmaß festgesetzt sein müßte, je
nach den bestehenden Verhältnissen der einheimischen Viehzucht jährlich
zu bestimmen hätte. Es_ wäre hierdurch_ein Mittel für die _Preis-Regu-

Fig. 41. Linienschiff „Hannover“
ausgerüstet mit Humboldt Kühlmaschinen nach Fig. 19.

lierung des Hauptnahrungsmittels geschaften, wie man sich solches nicht
besser wünschen könnte. Auch die so sehr gefürchtete Konkurrenz für den
deutschen. Viehzüchter wäre unter diesen Umständen nicht vorhanden.
Während das eingeführte frisch geschlachtete Fleisch aus den näher-
liegenden‘ Ländern eine tatsächliche Konkurrenz der deutschen Landwirt-
schaft bedeutet, ist dies vom Gefrierfleisch — schon aus bekannten Vor-
urteilen — niemals in gleichem Maße zu erwarten, und verträgt dasselbe
auch noch einen Zollsatz von etwa 10 Mk. pro 100 kg.

Es ist im Gegenteil anzunehmen, daß der Fleischkonsum bei Einfuhr
von Gefrierfleisch steigen würde, und werden sich immer noch genügend
Abnehmer für frisches Fleisch finden. Unsere ärmere Bevölkerung hätte
aber nicht nötig, in dem Maße auf die Fleischnahrung zu verzichten, wie
dies heute der Fall ist. — Nachdem noch feststeht, daß Deutschland in
großer Menge Kornfrucht und Futtermittel einführen muß — wir beziehen

4.4
        <pb n="55" />
        nach den Angaben des Kaiserlichen Statistischen Amtes allein aus
Argentinien an:

Weizen. 86034000 Mk.

Mais 7 14596000 „

Hafer‘ A 9868000

Kleie: = a 19326000

Leinsaat_.. |. ; 47559000

177383000 Mk.

_—_ ist es nicht recht erklärlich, weshalb unsere Abhängigkeit vom Aus-
lande durch die Einfuhr von gefrorenem Fleisch: eine größere werden
sollte; denn eine Verringerung der Fleisch- und Vieheinfuhr bedeutet eine
Vermehrung“ der Futtermitteleinfuhr oder Mehrproduktion an Futter-
mitteln, dann aber haben wir eine Abnahme der Körnerproduktion, woraus
wieder ‚eine Steigerung der Getreideeinfuhr folgen würde.

Schließlich sei deshalb noch auf Fig. 41 verwiesen, mit welcher‘ eines
der wichtigsten technischen Hilfsmittel nicht allein für die Fleischeinfuhr,
sondern für die gesamte Ein- und Ausfuhr angedeutet ist, und welches die
ganze ‚Technik in konzentriertester Form in sich vereinigt. ;

Alle Vorbedingungen für die Einfuhr von Gefrierfleisch in Deutschland
sind vorhanden. Der deutsche Unternehmungsgeist. ist bereit, auch sofort
das verhältnismäßig wenige noch Fehlende, siehe Transportschiffe, zu
schaffen. Es bleibt nur zu wünschen, daß auch die Regierung auf‘ Grund
der guten Erfahrungen, welche alle anderen Länder mit der Verwendung
von gefrorenem Fleisch gemacht haben, die Einfuhr solchen Fleisches
unterstützt, um sich damit ein Mittel in die Hand zu geben die Preise
nach Bedarf zu regulieren. Es sei auch nicht verabsäumt, auf unsere
Kolonien zu verweisen, welche über Kurz oder lang ebenfalls als Liefe-
ranten für Gefrierfleisch in Betracht kommen werden.

Anhang.
Die argentinischen Fleischgefrieranstalten und deren gesundheit-
liche Überwachung.
Von Gustav Niederlein.

Einleitend sei darauf hingewiesen, daß das argentinische Vieh jahraus,
jahrein in völliger Freiheit auf der Weide lebt und infolgedessen auch
gesundheitlich sich in vorzüglichem Zustande befindet. Nach dem letzten
Viehzensus vom Jahre 1908 grasen nicht weniger als 29116625 Rinder
und 67211926 Schafe auf den weiten Fluren Argentiniens.

Argentinien war das erste Land, das von seinem Überflusse an Fleisch
Gefrierfleisch nach Europa lieferte, und zwar schon im Jahre 1877 nach
dem Verfahren von Tellier und Jul. Carre. Im Jahre 1883 wurde die
erste Gefrieranstalt gegründet; heute bestehen folgende Gefrieranstalten:

45
        <pb n="56" />
        Compania Sansinena de Carnes Congeladas, The River Plate Fresh Meat
Company, Las Palmas Produce Company, La Blanca, La Plata Cold Storage
Company, Smithfield and Argentine Meat Company, Frigorifico Argentino,
Frigorifico Uruguayo, Rio Seco, San Gregorio, Frigorifico Patagonia, und
Armour &amp; Co. in Zarate. Das Schlachtvieh für diese Gefrieranstalten wird
den großen Durham- oder Shorthorn-, Hereford- und Polled Angus-Rinder-
herden und besseren Kreuzungen einerseits und andererseits den großen
Beständen von Rasseschafen, wie Rambouillets, Negrettis, Lincolns, South-
downs, Shropshires und deren Kreuzungsprodukten entnommen. Es gab
1908 schon 7385000 Durhams und 553555 Herefords, ferner 18307216
Lincolns, 8961267 Rambouillets, 388938 Negrettis, 318209 Southdowns,
304950 Shropshires usw. Es gibt nun noch etwa 13 Millionen ungekreuztes
Rindvieh und ca. 33 Millionen ordinäre Schafe, die bei der Gefrierfleisch-
industrie noch so gut wie keine Verwendung finden.

Alle Gefrieranstalten haben sich den Bestimmungen der Gesundheits-
polizei-Verordnung und der sanitären Inspektion zu unterwerfen. Die
folgende Schilderung der gesundheitspolizeilichen Aufsicht der argentinischen
Fleischgefrieranstalten ist ein Auszug der auf Grund des Veterinär-Polizei-
gesetzes Nr. 3359 vom 10. Oktober 1900 erlassenen Verordnungen.

Jeder für eine Gefrieranstalt bestimmte Viehtransport unterliegt der
Besichtigung; sein Eintreffen in der Anstalt muß vorher dem Veterinär-
beamten vom Dienst angezeigt werden. Er soll möglichst im Laufe des
Tages vor Anbruch der Nacht einzutreffen trachten und muß, bevor er auf
die Weiden geführt wird, zunächst isoliert und in einem geeigneten Orte
untergebracht werden. Tiere, welche lange Märsche oder Eisenbahnfahrten
zurückgelegt haben, müssen vor ihrer Schlachtung so lange der Ruhe auf
der Weide überlassen werden, als es der Veterinärbeamte für notwendig
erachtet. Die Veterinärbeamten haben auch darüber zu wachen, daß die
Schlachttiere in den Gehegen und Ställen keiner schlechten Behandlung
ausgesetzt sind, und es ihnen auch nicht an Wasser und dem nötigen
Futter gebricht, wodurch das Fleisch entwertet werden könnte. Die von
den Viehmärkten stammenden Tiere müssen mit einem Gesundheitsattest
seitens der Marktinspektion versehen sein, und die unmittelbar ohne
Durchgang durch die Märkte von den Landgütern anlangenden Tiere, die
infolgedessen kein Zeugnis der Veterinärpolizei aufweisen können, müssen
auf das strengste untersucht werden. Die Ursprungszeugnisse werden,
wenn der Transport auf dem Schienen- oder Wasserwege eintrifft, beim
Ausladen, wenn er auf den Landwegen angetrieben wird, beim Eintritt
in den Viehhof der Anstalt revidiert. Mit Zecken behaftete Tiere dürfen
in keinem Falle zugelassen werden, außer wenn die Anstalt selbst in
der Zeckenzone gelegen ist. Bei Feststellung ansteckender exotischer
oder ansteckender heimischer Krankheiten mit Seuchencharakter hat der
Tierarzt den Transport zu isolieren und sofort telegraphische Anzeige
an die Behörde zu erstatten. Im Falle der Feststellung von Maul- und
Klauenseuche ist zur sofortigen Tötung sämtlicher zum Transport be-
stimmter Tiere zu schreiten, ebenso wie aller anderen Tiere, welche mit
ihnen in Berührung gekommen sind. Das Gehege der Weide oder das Depot
ist zu schließen, und es wird vor Ablauf von mindestens 14 Tagen und
vor erfolgter Desinfektion der Höfe, Depots, Ställe usw. kein anderes
Tier in die Anstalt zugelassen. Nach erfolgter Untersuchung des lebenden

46
        <pb n="57" />
        jeres und der Verabreichung eines Voll- oder Regenbades kann zu
Schlachtung in der Schlachthalle geschritten werden. Im Augenblic
er Entfernung der Eingeweide wird die wirkliche makro- und mikro-
kopische Untersuchung des Fleisches vorgenommen. Alles, was für di
öffentliche Gesundheit für schädlich erachtet wird, unterliegt der Bean-
standung. Es werden vollständige Beanstandungen vorgenommen be
uberkulose, Milzbrand, Maul- und Klauenseuche, wenn das Fleisc
ijeberhaft ist, wegen ausgebreiteter oder tiefgehender Quetschung, wegen
natürlichen Todes infolge einer Krankheit, wegen zufälligen Todes, wen
nicht unmittelbar die Öffnung und Ausweidung folgt, wegen Gelbsucht, wen
MS Gewebe eine tiefgelbe Farbe zeigen, wegen bösartiger Geschwülste
egen fieberhaften Fleisches, ebenso bei Knochenbrüchen, wenn das Tier
nicht sofort geschlachtet worden ist, wegen hochgradiger Abmagerung un
Auszehrung, wegen allgemeiner Strahlenpilzkrankheit, wegen vorgeschrittene
risteza, wegen Erschöpfungsfieber, wegen Wassersucht, wegen Finnen und
egen Ruhr. Teilweise Beanstandungen sind auf einzelne Teile oder Organe
eschränkt, und es bestehen auch hierüber genaue und scharfe Vorschriften
Alles in einer Gefrieranstalt beanstandete Fleisch geht in getrennte Räume,
anz abseits vom gesunden Fleisch, und verbleibt dort unter der Aufsicht
ines Hilfsveterinärs bis zu seiner Überführung in die Schmelzkessel, wo
s in Talg zu ausschließlich industrieller Verwendung verwandelt wird.
Sind die für gesund befundenen Tierkörper gut gereinigt, so werde
sie bei ihrer Ankunft in der Trockenhalle zum zweiten Male durch eine
ilfsveterinär beschaut, der dauernd anwesend sein muß, um die noch-
malige gründliche Untersuchung in der Trockenhalle selbst vorzunehmen
evor das Fleisch mit dem amtlichen Stempel der Freigabe versehen werde
darf, der bei Rindern auf jedem Vorder- und Hinterviertel anzubringen
ist... Das unmittelbar mit der Bearbeitung des Fleisches beauftragte Per-
sonal muß frei von ansteckenden Krankheiten sein, was alle sechs Monate
durch ärztliche Zeugnisse von neuem zu bestätigen ist. Das Personal
uß ferner hygienische Kleidung besitzen und darf in der Schlachthall
und in den Abteilungen, wo die Produkte hergestellt werden, nicht rauchen
und auch nur in die in allen Abteilungen aufzustellenden hygienische
Spucknäpfe spucken. |
In bezug auf die Einrichtungen der Gefrierfleischanstalten bestehen
. a. folgende Vorschriften: Die Hauptabteilungen der Gefrierfleischanstalten
ie die Schlachthallen, Schlachtsäle, Räume zum Aufspannen des Fleisches
ur Herrichtung der Eingeweide, Entleerung der Därme, Talgschmelzen
insalzen der Häute usw. müssen voneinander räumlich getrennt sein,
ie Schlachthalle muß einen gedeckten Raum aus geeignetem Material
umfassen, der die Bedingungen guter Lüftung und ausreichenden Licht
rfüllt und einen aus undurchlässigem Material hergestellten Fußboden
esitzt, der völlig glatt mit einer genügenden Neigung sich unmittelbar
mit der Mauer verbindet. Die mit der Gefrieranstalt verzweigte Kana-
isationsanlage muß Gitterroste an allen Röhrenöffnungen haben, ferner
muß fließendes Wasser im UÜberfluß vorhanden sein. Das zum Waschen
des Fleisches benutzte Wasser muß filtriert oder artesischen Brunnen
ntnommen werden. Die in den Gefrieranstalten benutzten Tische haben
ndurchlässig zu sein. Es werden ferner verlangt Schiebekarren und
ehälter zur Aufnahme der gesunden Eingeweide und ebensolche für die

4.7
        <pb n="58" />
        beanstandeten, ausgeschlagen mit einem undurchlässigen Material, weiter
Drahtsiebe für Abfälle und Blechkästen zur Aufnahme der Zungen und
Gummischrubber zum Reinigen. Unmittelbar an der Schlachthalle muß
für den Gebrauch der Angestellten ein leicht und bequem zu benutzender
Waschraum mit Wasserklosett, ferner ein Zimmer zur Aufbewahrung der
Schürzen und der Werkzeugbeutel der Arbeiter und ein ausreichender
Raum für die Veterinärinspektion vorgesehen sein, der zugleich als Bureau
und Laboratorium dient. Für den Schlachtsaal ist vorgeschrieben, daß er
sehr luftig und für den Sommer mit Ventilatoren versehen sei; auch der
zur Entleerung der Därme bestimmte Raum soll. so luftig als möglich ein-
gerichtet sein.‘ Wenn das Fett zu menschlichem Genuß bestimmt. ist, so
muß der Schmelzraum einen emaillierten Fußboden. aufweisen und die
Innenwände aus glatten Materialien oder aus Metall in ihrer ganzen Höhe
hergestellt und auch die Decke in Stein gewölbt sein. Ferner wird ver-
langt, daß darin die Kessel aus galvanisiertem Eisen bestehen, und Türen
und Fenster mit Eisengittern versehen sind. Ein besonderer Nebenraum
hat als Lager der Fettbüchsen zu dienen. Die Gefrierkammern haben
ebenfalls den strengsten Anforderungen der Hygiene in bezug auf Rein-
lichkeit und Ventilation zu‘ entsprechen, und ihre Luftzuführung hat durch
Ventilatoren zu erfolgen.

Sämtliche Exportladungen müssen mit einem Gesundheitsattest aus-
gestattet werden, es sei denn, daß die Abteilung für Viehzucht den Exporteur
dieser Verpflichtung enthebt. Mit dem Höchstmaß der im Gesetz vor-
gesehenen Strafen werden diejenigen bestraft, welche beanstandetes oder
für den menschlichen Genuß durch den Aufsichtsbeamten als ungeeignet
bezeichnetes Fleisch verwenden, oder das Fleisch von Tieren bearbeiten,
welches von den mit der Untersuchung beauftragten Veterinärbeamten
vorher nicht beschaut worden ist, oder das Betriebssystem ändern, ohne
vorher entsprechende Anzeige an die Abteilung für Viehzucht gemacht
zu haben.
        <pb n="59" />
        MITTEILUNGEN
des
Deutsch-Argentinischen Centralverbandes
zur Förderung wirtschaitlicher Interessen
2. Heft 1913
Argentiniens wirtschaftlicher Zustand
am Ende des Jahres 1912
Tatsachen, Möglichkeiten und Aussichten
Anregungen und Winke
zu gewinnbringenden
Unternehmungen und Geschäitsverbindungen
Gustav Niederlein
Ro
WW
Deutsch-Argentinischer Centralverband
BERLIN W.35, Potsdamerstr. 28

sowie
TS
        <pb n="60" />
        <pb n="61" />
        Inhalts -Verzeichnis.
Seite
Einleitung: Das Jahr 1912 für Argentinien ein Rekordjahr ©)
Der Panamakanal und sein Einfluß auf die weltwirtschaftliche Entwickelung Süd-
amerikas ; . „49
Das Bahnsystem, welches die bekannte Eisenbahnfusions- und Gründungsgruppe
unter der Führerschaft Parsival Farquhars in Argentinien, Uruguay, Brasilien
Paraguay und Bolivien kontrolliert, von weittragendster wirtschaftlicher und
weltpolitischer Bedeutung . ; ‚ar . « ] „ 49—50
Warnung des brasilianischen Deputierten Nicanor Nascimento in der Kammer vor
dem wachsenden Einfluß und Umsichgreifen des Farquhar'schen Syndikats
und dem englisch sprechenden Elemente überhaupt P . „50
Vorsichtsmaßregeln der argentinischen Regierung vor der Ausbreitung Farquhar'schen
Einflusses durch Ablehnung des Farquhar'schen Angebots für die nördlichen
Staatseisenbahnlinien , ; „ 50
Auch das Angebot der in englischen Händen befindlichen Central-Argentino-Bahn-
Gesellschaft nicht mehr berücksichtigt . z . 50
Argentinien von hervorragenden Engländern und Zeitschriften schon wegen der
darin investierten großen englischen Kapitalien (320 890 000 £ Sterling) als
quasi englische Kolonie betrachtet u, a. bemerkend, daß es unzweifelhaft für
Argentinien schmeichelhaft sei, in die großbritanniische Gemeinschaft auf-
genommen zu werden , ; 50
In Anbetracht, daß Nordamerika, auch abgesehen von der Monroe-Doctrin, Süd-
amerika und Argentinien als seine ureigne Kolonie auffaßt, dürfte es not-
wendig werden, daß Deutschland offenkundig für Argentiniens dauernde
wirtschaftliche Selbständigkeit eintritt a n ‚ 50—51
Das Frers'’sche Projekt der argertinischen Siedlungsbank der Nutzbarmachung
deutscher Kapitalien, Arbeitskräfte und Intelligenzen günstig 8 „51
Die Zaghaftigkeit des deutschen Großkapitals und die Gleichgültigkeit der deutschen
Presse hinsichtlich Argentiniens verursachen der deutschen Volkswirtschaft
einen unermeßlichen Schaden . . „AM
Das Farquhar'sche Syndikat bereits im Besitz 5000 000 ha Land in Paraguay und
6000000 ha in Brasilien für Fleischproduktion, Kolonisation, Quebracho-
ausbeutung usw. . . „51
Farquhar’s Bestreben, die bolivianischen, paraguayischen, argentinischen, uruguayischen
und brasilianischen Bahnen untereinander und mit den Hafenplätzen in
Brasilien und Uruguay als Endpunkte derselben zu verbinden, und damit
die Welthandelsplätze näher an Europa und Nordamerika zu bringen, muß
notgedrungen eine Verschiebung der ökonomischen Faktoren Argentiniens
und seines Hinterlandes herbeiführen und sein Schicksal als Weltmacht;
die unermeßlichen Möglichkeiten seiner Zukunft und die unbegrenzten
Quellen seines Kredits gefährden . Y ;* 51-52
Argentiniens riesige Viehweiden, beackerbare Ebenen, Mineralschätze und unge-
ahnte Reichtümer seines Hinterlandes, sowie die unübertroffenen Naturschätze
Südamerikas überhaupt, neuerdings als Hauptziel der Weltwirtschaft ins
Auge gefaßt - ; 5253
Hoffnung, daß bei der jetzt herrschenden modernen Diplomatenkunst und hohen
Politik die jetzt in Südamerika stattfindenden Änderungen der wirtschaftlichen
Tendenzen unser Bestreben, deutsches Großkapital und Unternehmertum
gebührend zur Geltung zu bringen, gestützt wird 53
        <pb n="62" />
        Seite
Patagonische Staatseisenbahnen. Vorschlag der Herren Ernesto Tornquist, Portalis &amp; Co.
und Regie Generale de Chemins de Fer et Travaux Publics zum Gesetz
Nr. 5559 behufs der Vollendung der südlichen Staatsbahnen . . ‚ 53—54
Gesetzentwurf des Deputierten Dr. Emilio Frers, wonach die durch obiges Gesetz
autorisierten Nationalbahnen einem oder mehreren Unternehmern unter
bestimmten Bedingungen zur Vollendung und zum ‚Betriebe übergeben
werden dürfen . ‚ 54
Ein ähnliches, andere Vorschläge zusammenfassendes Projekt von Mendez Casariego 54
Desgl. von Herrn Etcheverry S . 7 ) 54
The Argentine Railway Company, ihr Kapital, Direktorium etc, 7 3 . 54
Vorgenommene und bestätigte Fusionen der Süd- und Westbahn, nun Ferrocarril
del Sur y del Oeste Limitada, ihr Kapital und die Vorteile, welche durch
sie geboten werden . . . 54—55
Die argentinischen Hauptbahnen, ihre Ausdehnung und jährlich zurückgelegte
Meilenzahl . . „55
Betriebsübersichten der argentinischen Bahnen im Jahre 1912u.in früheren Jahren 55—56
Tabelle einer Cotisierung der argentinischen Eisenbahnen auf der Londoner Börse 57
Die Aussichten der Eisenbahnen infolge ausnehmend guter Ernte von Getreide
und Lein. ; „57
Die im Bau begriffenen Regierungseisenbahnlinien . - 5
Aufzählung zahlreicher Bahnbauten, neuer Linien und Konzessionen in den ver-
N schiedenen Provinzen und Territorien . e . 57—60
Klagen über die Ungleichmäßigkeit der Frachttarife der verschiedenen Linien mit
Beispielen . . ] . ;‚ 60—61
Personen- und Warentarife der argentinischen Bahnen im Vergleich zu europäischen
und nordamerikanischen Bahnen . , „6
Mit 32854 km argentin, Eisenbahnen erst 35846500 ha wirtschaftlich beeinfluß: . 61—62
Getroffene Maßregeln zur Beförderung resp. Aufbewahrung des Getreides der dies-
jährigen großen Ernte durch Anschaffung von Lokomotiven und Waggons
Neuerrichtung von Getreideschuppen usw. . ; „ 62—63
Wachsender Bedarf an Stahl-, Eisen- und Brückenbaumaterial . 6x5
Verlegung des Sitzes der argentinischen Einkaufskommission für Eisenbahnmaterial
von Köln nach Brüssel &amp; . „63
Elektrisierung verschiedener Bahnen, sowie Einführung selbsttätiger Naphthamotor-
wagen für den Lokaldienst der Transandinobahn . 7 ; 63
Die Einnahmen der verschiedenen Straßenbahngesellschaften in Buenos Aires „69
Andere elektrische Straßenbahnen in verschieden. Städten sowie Konzessionen dafür 63
South American Traction-without-Rails Co, ; . ; ;‚ 63—64
Dampftramways und elektrische gleislose Omnibusse . . - ; ‚ 64
Die Aussichten für die Einfuhr von Kraftwagen in Argentinien . ‚64
Preisausschreibung von Kraftwagen-Unfallschutz-Apparaten . . . ; 264
Import von Motor- und Fahrrädern sowie Kutschwagen in Argentinien . . ‚ 64
Die Funkentelegraphie in Argentinien sowie ihre Verbindung mit dem pacific, Ozean 64
Die Einführung von Aufschubtelegrammen für europäische Länder etc. . ; ‚64
Der Postverkehr zwischen Argentinien und Chile und dessen Verbesserung . 64—65
Einführung der Antwortscheine in Argentinien seit Juni 1912 gegen Eintausch
von 12 Cts, in Briefmarken ; . . n . +65
Dampfervermehrung und neue Dampfschiffahrtslinien . ; „365
Frachtsätze der internationalen Conferenzlinien im Verkehr nach dem La Plata 65—66
Das. Chartergeschäft und seine Chancen 66
        <pb n="63" />
        Seite
Der überseeische Passagier- und Einwanderungsverkehr in Argentinien in den
Jahren 1911 und 1912 &amp; . ‚  66—67
Fusionen und Gesellschaftsgründungen aller Art n ; „4 67—68
Bestreben den Hafen von Buenos Aires durch Überweisung von Getreide- und
Viehfrachten nach dem Hafen von La Plata zu entlasten . . ; . 68
Hafenkonzessionen, Hafenbauten, Baggerarbeiten, Stromregulierungen usW. . 68—69
Salubritätswerke , Y a. . ] ; „69
Kanalbau, Bewässerungs- und Berieselungsarbeiten, zum Teil in Verbindung mit
hydroelektrischen Werken in verschiedenen Provinzen und Territorien 69—72
Wasserbohrungen in verschiedenen Gegenden wasserarmer Provinzen und Terri-
torien, auch für den Eisenbahnbetrieb . . 2
Brücken-, Wege- und Straßenbau in verschiedenen Provinzen . „TB
Andere Bauten . . „13
Elektrizitätsgesellschaften und neue Konzessionen für Kraft- und Lichtstationen in
verschiedenen Provinzen - . Ü . : . 73—74
Die öffentliche Gascompanie und der Gaskonsum in Buenos Aires. . „74
Andere Industrien in Argentinien . . . „74
Minen und Minenausbeutung in Argentinien . . ; T4—73
Aussichten des Petroleumfundes in Comodoro Rivadavia . . 75
Das Kongreßgesetz Nr. 7059 und dessen Bestimmungen bezüglich der Verwendung
des Petroleums von Comodoro Rivadavia für den Betrieb der Staatsbahnen
und Kriegsschiffe , 7 . . DB
Argentinische Finanzen. . - | ; 7. » 3
Die Faktoren, welche die Finanzlage in Argentinien am meisten beeinflussen „3
Staatsschulden und die nötigen Fonds, um dieselben zu amortisieren . . „‚ 5
Die auswärtigen und inneren Schulden der argentinischen Provinzen . S „um
Das Budget der argentinischen Provinzen und der Stadt Buenos Aires . „ 77—78
Die argentinische Nationalbank und sonstige Banken. Gründung neuer Banken
und Banktfilialen . s 7 . „ 78—79
Gesamtausgabe der Cedulas der nationalen Hypothekenbank durch Dekret auf
450.000 000 $&amp; erhöht ..  . 79
Die Conversionskasse und deren Bestände in Gold . . z 79
Das argentinische Clearinghouse und dessen Übernahme durch die Nationalbank . 9
Der Scheckverkehr in Buenos Aires , . 5
Die Zolleinnahmen in Buenos Aires im Jahre 19127 781
Die Steuereinnahmen auf Grundbesitz, Lizenzen und Stempelmarken . 81
Erträge der internen Steuern . . ı „58%
Ein typisches Bild für Provinzialsteuern und Lizenzen 81—82
Die Zahlungseinstellungen während des Jahres 1912 . 83—84
Notierungen argentinischer Finanzeffekten . . 84—86
Argentiniens Außenhandel im Jahre 1911 nach der argentin. offiziellen Statistik 86—90
Der argentinische Einfuhrhandel während der ersten 9 Monate des Jahres 1912
nach argentinischen Nachweisen ; a ‚ 91—96
Der deutsch-argentinische Handel im Jahre 1912 nach deutschen offiziellen Nach-
weisen . - ; - r . 96-—4108
Modifikation des Regierungsgesetzentwurfs für Zollermäßigungen durch die Budget-
kommission der Deputiertenkammer, ohne aber noch Gesetzeskraft erlangt
zu haben... ; . - 108—109
Neue Bestimmungen über Eintragungen im Patent- und Markenschutzbureau zur
evtl. Verhinderung des Markendiebstahls 109
        <pb n="64" />
        <pb n="65" />
        D- Jahr 1912 ist beinahe unerwartet für Argentinien ein Rekordjahr geworden,
wie wir dies in den Handels- und Finanzabteilungen dieses Tatsachenberichtes
durch entsprechende Zahlennachweise bestätigen können,

Wir beginnen mit dem bedeutungsvollen argentinischen Verkehrswesen und
behandeln nach und nach alle beachtenswerten Phasen und Faktoren des stark
pulsierenden argentinischen Wirtschaftslebens, dabei mit Absicht es vielfach dem Leser
überlassend, die für ihn günstigen Konsequenzen daraus zu ziehen. Die hier gebotene
Fülle von Tatsachen, Möglichkeiten und Aussichten dürfte, so hoffen wir, einem
jeden eine Anregung, einen Wink oder einen Fingerzeig geben. Wir haben uns
befleißigt, alles uns wichtig erscheinende Material methodisch und kritisch zusammen-
zutragen. Die gewiß nicht fehlenden Mängel, die meist auf noch unvollständigem
Auskunftsmaterial beruhen, hoffen wir im Laufe des Jahres zu beheben und währenddem
unsern Lesern auch immer weiter ein getreues Bild des unaufhörlich wechselnden
Geschäfts- nud Wirtschaftslebens des uns wohl allen sympathischen Argentinerlandes
vom Standpunkte unserer deutschen oder beiderseitigen Interessen zu geben. Die
nüchterne Auffassung der Tatsachen entspricht der Nüchternheit des mit exakten Zahlen
rechnenden Weltverkehrs, und im Handelspolitischen folgen wir dem ganz natürlichen
patriotischen Drange, Errungenes nicht zu verlieren und neue Plätze an der Sonne
zu gewinnen.

Der Panamakanal, mit welchem der amerikanische politische Einfluß, das
amerikanische Wirtschaftsbereich und die amerikanische Wirtschaitspolitik eine
neue gewaltig große Erweiterung von vielleicht noch ungeahnten Konsequenzen er-
fährt, hat bereits der Entwicklung Südamerikas eine neue Richtung angewiesen,
und auch das weit entfernte Argentinien in seine Einflußsphäre gezogen. Die be-
kannte Eisenbahnfusions- und Gründungsgruppe unter der Führerschaft des Amerikaners
Persival Farquhar in Verbindung mit dem internationalen Bankkonsortium von
Speyer Bros; Henry Schroeder &amp; Co., Banque de Paris et des Pays - Bas, Societe
Generale, Stallaerts &amp; Loewenstein, Sir Ernst Cassel, Kleinwort, Robert Flemming &amp; Co.
und Kuhn, Loeb &amp; Co. verfügen, abgesehen von kanadisch-mexikanischen Eisen-
bahnen, die auch sie zum Teil mitkontrollieren, schon über ein Bahnsystem von
6560 Meilen in Brasilien, 232 Meilen in Paraguay, 1443 Meilen in Uruguay und
3005 Meilen in Argentinien, wovon 665 Meilen auf die argentinische Nordostbahn,
688 Meilen auf die Entre Riosbahnen, 992 Meilen auf das C6rdoba-Central-System,

180 Meilen auf die Cördoba- und Rosariobahn und 480 Meilen auf die Rosario Puerto-
Belgrano-Bahn entfallen. Außer diesen Systemen kontrolliert das Farquhar-Syndikat
auch noch die Antofagasta- (Chile und Bolivien-) Bahn von 769 Meilen Länge.
Es werden also insgesamt über 12000 Meilen Eisenbahnen von dieser Gruppe
in Südamerika kontrolliert. Das Syndikat ist nun bestrebt, alle genannten Bahnen
zu verbinden und damit ein durchgehendes System zu schaffen, welches die
wichtigsten Plätze in der zukunftsreichsten Zone Südamerikas, wie Rio de Janeiro,
Santos, Montevideo und Buenos Aires am atlantischen Ozean mit Antofagasta am
Stillen Ozean verbindet, und von Rio in Brasilien bis Bahia Blanca im südlichen
Argentinien reicht. Die Verbindung soll ohne allzugroßen Kapitalaufwand möglich sein.
Die Antofagastalinie wird eine direkte Verbindung zwischen Bolivien, Paraguay, Sao
Paulo und dem Hafen von Santos herstellen und sich voraussichtlich auch rentieren,
da die von ihr durchquerten Gebiete reich an Minen und Holz sind, die keinen Mangel
an Frachten lassen. Dazu sind noch andere neue Linien geplant, die von der Meeres-
küste nach Mattogrosso und nach Bolivien sowie nach anderen Gebieten führen sollen,

AQ
        <pb n="66" />
        welche die Erschließung des ebenfalls reichen Amazonenstromgebietes erstreben. Es
ist ganz ohne Zweifel, daß derartige Riesen - Unternehmungen, die auch mit aller-
hand industriellen, kommerziellen und landwirtschaftlichen Unternehmungen mehr oder
weniger direkt verquickt ‚sind, von weittragendster Wirtschafts- und weltpolitischer
Bedeutung sind und Südamerika allmählich unter den Einfluß der ganz Amerika absorbieren-
den Vereinigten Staaten zu beugen berufen sind, wenn die führenden südamerikanischen
Staaten sich nicht. bald aufraffen und geschickt und energisch mit, Hilfe ‚euro-.
päischen Überflusses an Kapitalien, Intelligenzen, Arbeitskräften, technischen und wirt-
schaftlichen Hilfsmitteln aller Art an eine rationelle weltwirtschaitliche Ausnutzung
ihrer Reichtümer schreiten.

__ Wie sehr bereits Brasilien von Nordamerika in Beschlag genommen wird,
1äßt sich daraus ermessen, daß im Jahre 1911 für 212 Millionen Milreis nordamerikanische
wirtschaftliche und industrielle Anlagen aller,Art gemacht wurden. Diese absorbierende
Tendenz Nordamerikas ist auch von dem brasilianischen Deputierten Nicanor Nascimento
in der Kammer energisch gegeißelt worden unter Warnung vor ‚dem Farquhar’schen
Syndikat und dem englisch ‚sprechenden Elemente überhaupt.

Der Farguhar’sche Unternehmungsgeist ist nun auch den Engländern und den
Argentinern unheimlich geworden. Die argentinische Regierung hat ‘nach längeren
Unterhandlungen plötzlich‘ das Farquhar’sche Angebot für die nördlichen Staatslinien
von 25.000.000. Sterling abgelehnt. Man scheint aber vorläufig auch das Angebot
der in den Händen der Engländer befindlichen centralargentinischen Eisenbahn-
gesellschaft 'nicht mehr. in Erwägung zu ziehen, vielleicht nur, weil, diese bloß auf
solche Strecken ‚reflektierte, die ihr besonders convenieren, Die Regierung hat jeden-
falls die Pläne der Bieter hinsichtlich des weiteren Ausbaues der Linien und ‚der
Kolonisierung der in ihrem Bereich gelegenen Ländereien mit in Betracht gezogen.
Nicht ausgeschlossen ist, daß auf die Ablehnung des Farquhar'schen Angebots auch
englischer Einfluß eingewirkt hat, nachdem Farquhar selbst von englischer. Seite
sondiert. worden war, wie er sich für den Weiterbau resp. Umbau ‚der Gleisweite
hinsichtlich des Bedarfs ‚an Schienen und sonstigem Eisenbahnmaterial englischen.
Fabrikanten. gegenüber zu verhalten beabsichtige, und ‚seine Antwort ausweichend
Jautete, indem er dort kaufen zu wollen vorgab, wo er das Material am besten und
billigsten erwerben könne. Die Engländer berufen sich, wie immer bei solchen Gelegen-
heiten auf ihre großen Pionierdienste, die sie Argentinien im allgemeinen und in der
Herstellung von Kommunikationsmitteln mit Risiken aller Art im besonderen seit Jahr-
zehnten geleistet hätten und daraufhin besondere Berücksichtigung ihrer Industrie-
produkte für Verwendung auf argentinischem Boden zu fordern, moralisch ‚berechtigt
wären.

Ja, sie versteigen sich sogar so weit, daß Lord Avebury im „Nineteenth Century
and After“ sagt: „Wir haben in der argentinischen Republik so viel britisches
Kapital — über 150000 000 £ Sterling — angelegt, daß sie gewissermaßen fast eine
britische Kolonie ist“, The South American Journal vom 11. Januar 1913 setzt
ironisch hinzu: „Es ist unzweifelhaft schmeichelhaft für Argentinien, in die britische
Gemeinschaft zugelassen zu werden, doch es wäre mindestens ebenso berechtigt,
annähernd korrekte Ziffern über unsere Kapitalanlagen in der argentinischen Republik
zu geben, denn es ist Tatsache, daß‘ anstatt 150 000 000 £ Sterling 320 890 000 £ Sterling
britisches Geld in argentinische Unternehmungen, darunter 201734 494 £ Sterling
allein in Eisenbahnen, investiert worden sind, welche Zahlen natürlicherweise Lord
Aveburys Argumente dem Werte nach noch weiter bekräitigen‘,

Da, wo England nunmehr, unauffällig zwar, anfängt Argentinien als seine Domäne
und quasi Kolonie zu betrachten oder als bald reif, in ihre großbritische Gemeinschaft

50
        <pb n="67" />
        aufgenommen zu werden und andererseits auch die nordamerikanische Union ihre
Monroe-Doktrin so auszulegen beginnt, daß Südamerika zu ihrer Einflußsphäre gehört
und ihre ureigne Kolonie bedeutet, dürfte es für Deutschland der richtige Moment sein,
offenkundig Partei für Argentinien zu ergreifen und seine dauernde wirtschaftliche
Selbständigkeit zu stützen und zu sichern. Es ist schließlich auch nicht unwahrscheinlich,
daß das Dr. Frers’sche Gesetzesprojekt für eine argentinische Siedlungsbank, über das
wir in der vorigen Nummer ausführlich berichteten, die argentinische Regierung veranlaßt
hat, vom Farquhar'schen und englischen Angebot Abstand zu nehmen, in der Hoffnung,
daß mit anderem europäischen und womöglich deutschem Kapital mit Hilfe dieser Bank
sich ebenso gute Resultate erzielen lassen. Das in Argentinien arbeitende deutsche
Kapital wurde nach einer amtlichen Denkschrift des Reichsmarineamtes vor mehreren
Jahren wohl zu niedrig auf 800 000 000 Mark berechnet. Wir hatten uns im September-
heft unserer Mitteilungen der Meinung der Herren A, B. Martinez und Dr, Lewandowsky
angeschlossen und für 1910 1 000 000 000 Mark angenommen. Wir haben aber trotzdem
die deprimierende Beobachtung gemacht, daß das deutsche Großkapital den meisten
großzügigen weltwirtschaftlichen Unternehmungen in Argentinien noch immer zaghailt
gegenübersteht und ebenso die deutsche Presse, die, im allgemeinen gesprochen, sich
leider noch immer nicht daran gewöhnen kann, Argentinien aus der Liste der sogenannten
„exotischen“ Länder zu streichen. Der dadurch fur die deutsche Volkswirtschaft an-
gerichtete Schaden ist unermeßlich.

Das Farquhar-Syndikat begann im August v. Js. 140556 Aktien der Compania
Industrial Paraguaya von der Mercantile-Bank zu kaufen und kontrolliert heute die
ganze Companie, welche 2019375 Hektar Wald und Weideland besitzt, d.h. fast ganz
Paraguay zwischen dem Wendekreis und dem 25° südlicher Breite und zwischen dem
54'/2° und 56'/2° westlicher Läge. Außerdem kaufte es 309 375 Hektar Land von den
Herren Cook &amp; Lumb; ferner 2512500 Hektar Land im Paraguay Chaco von der
Carlos Casado Companie; im ganzen also besitzt das Farquhar-Syndicat ca. 5000000 ha
Land in Paraguay. Es besitzt, wie schon erwähnt, aber auch in Brasilien
ca. 6 000 000 ha Land.

Wir müssen noch erwähnen, daß das Farquhar'sche Syndikat in Hinblick auf die
zu erwerbenden Argentinischen Staatsbahnen einen Gleisumbau behufs einheitlicher
Beförderungsweise auf allen seinen Bahnen vorgesehen und dementsprechend wohl
auch die oben erwähnten Ländereien zu erwerben gesucht hatte, die mit Quebracho
bestanden, ihnen auch die nötigen Millionen von Eisenbahnschwellen auf eigenem ‚Boden
liefern würden. Mit dieser Idee dürfte, wie gesagt, das Farquar’sche Syndikat in erster
Linie an den Kauf der Riesenländereien im Paraguayischen Chaco herangetreten sein,
allerdings wohl auch mit dem nicht weniger bedeutenden Gedanken, diese Ländereien
der Viehzucht und Fleischproduktion und in dritter Linie der Kolonisation zu
widmen, in der richtigen Voraussicht, daß der Fleischbedarf in der Zukunft in der
ganzen Welt zunehmen und .in vielleicht nicht zu ferner Zeit hauptsächlich von Süd-
amerika werde gedeckt werden müssen, Es ist nicht ausgeschlossen, daß hierfür auch
die großen in Argentinien zum Teil niedergelassenen Fleischetablissements Nordamerikas
schon ihre Hände mit im Spiel gehabt haben. Die Tatsache, daß Farquhar die süd-
brasilianischen, uruguayischen und selbst bolivianischen Bahnen kontrolliert und
sie untereinander in Verbindung zu bringen sucht, dabei auch Hafenplätze in Brasilien
und Uruguay als Endpunkte seiner Bahnen ins Auge faßt, mag vielleicht auch die
argentinische Regierung auf den Gedanken gebracht haben, daß selbst die wirtschaftlichen
Interessen ihrer nördlichen Gebiete von argentinischen Häfen ab nach den Häfen der
Nachbarländer verlegt werden könnten, wodurch eine gewaltige Verschiebung zunächst
der ökonomischen Faktoren des nördlichen argentinischen Wirtschaftslebens‘ und

54
        <pb n="68" />
        besonders der Verlust .des gewaltig großen und ungeheuer reichen Hinterlandes einträte,
auf dem Argentiniens Schicksal als Weltmacht, die unbegrenzten Möglichkeiten
seiner Zukunft, die Quellen eines unbegrenzten Kredits etc, beruhen, Ein Blick auf
die Karte genügt, um diese Möglichkeiten voraussehen zu können,

In der Tat, selbst wenn bei den vorteilhaften Flußverbindungen der argentinische
Einfluß auf Paraguay, Bolivien und Mattogrosso dennoch ungeschmälert bliebe, müßte
die Verlegung der Welthandelsplätze als Endpunkte der Eisenbahnlinien näher an
Europa und Nordamerika ein ungeheurer Verlust von unberechenbarer Tragweite
für die wirtschaftliche und politische Entwicklung Argentiniens sein. Es ist auch nicht
ausgeschlossen, daß, wie in Brasilien, auch in Argentinien im Hinblick auf den großen
Unternehmungsgeist und die imperialistischen Tendenzen, die Amerika in letzter Zeit
deutlich bewiesen hat, eine Yankeefurcht platzgegriffen hat. Es ist vielleicht bedauerlich,
daß Argentinien diese gewaltige und wertvolle Initiative des amerikanischen Unternehmungs-
geistes nicht für sich allein zu verwenden imstande zu sein glaubt und wohl nicht
unberechtigter Weise hinter amerikanischen Kapitalien und wirtschaftlicher Besitznahme
auch eine spätere unangenehme politische Beeinflussung wittert. Da Brasilien seines
Kaffee-Absatzes wegen den Vereinigten Staaten gegenüber Vorzugszölle unter anderem
auch auf amerikanisches Mehl und neuerdings sogar auf amerikanischen Weizen ein-
räumen zu müssen glaubt, so bilden allein schon Zollkriege mit den Vereinigten
Staaten für Argentinien eine ständige Gefahr,

Der frühere argentinische Minister und gegenwärtige Syndikus des Farquhar’schen
Syndikats, sowie der gegenwärtige Finanzminister, welcher der Abstoßung der nördlichen
Staatsbahn eine jährliche Ersparnis von 3000 000 $ für den Staatsschatz herausrechnet
haben sich jedenfalls den ungeheuren Einfluß vergegenwärtigt, den einerseits die
Hergabe des Kaufpreises, der für andere wichtige Zwecke des Argentinischen Staats-
lebens Verwendung finden könnte, und andererseits die großen Summen, die zum Um-
und Ausbau der Bahnen und zu geplanten großen Betrieben der Viehzucht und
Kolonisation benötigt werden, auf das argentinische Wirtschaftsleben selbst ausüben
müßten. In der Tat müßte ein solcher von außerordentlichem Segen für das Land
werden, da ein solch großes organisches Gefüge mit einem Eisenbahnnetz in 5 großen
Ländern zu seinem Fortbestehen andauernd große Mittel und Schätze aus dem ge-
samten Weltverkehr ziehen und herbeischaffen müßte. Die Zusammensetzung des
Syndikats, das europäisches und amerikanisches Kapital vereint, bietet wohl die Gewähr,
daß Farquhars geniale Ideen auch zur Ausführung und entsprechenden Fortentwicklung
und dadurch zur Schaffung ganz ungeheurer Werte gelangen müssen. Die Fusion der
großen Bahnen, wie der Süd- und Westbahn, der Central Cordoba-, Cordoba-Rosario-
und Buenos Aires-Extension-Bahn, unter der Leitung der Argentine Railway Company,
sowie diese Fusion für sich, mit argentinischen und Paraguay-Bahnen, dazu die Brazil
Railway Company mit ihren Verzweigungen und neuerdings die Uruguay Railway
Company haben eine neue Aera von großzügiger Natur für die Zukunit der wirt-
schaftlichen Erschließung Argentiniens und Südamerikas geschaffen, ganz abgesehen
von der großen pan-amerikanischen Bahn von New York bis Buenos Aires, die auch
allmählich ihrer Vollendung entgegengeht. Diese großzügigen Tendenzen liegen, wie wir
schon in unserer letzten Nummer in unserem Artikel über die deutsch-argentinische
Siedlungsbank als Gegengewicht zur wirtschaftlichen Invasion der Yankees in Süd-
amerika betonten, in der Luft, als logische Folge der fast allgemeinen Hochkonjunktur
im Weltbetriebe, die notwendigerweise nach neuen Wirkungskreisen und neuen Schätzen
sucht, und infolge der einzigartigen Welthandelslage und des unübertroffenen Natur-
reichtums auf Südamerika und hier wiederum ganz besonders auf das reichgesegnete
und unendlich weit ausgedehnte La Plata-Stromgebiet verfällt, mit seinen großen.

52
        <pb n="69" />
        Viehweiden, seinen‘ unermeßlichen beäckerbaren Ebenen, großartigen Mineralschätzen
und reichen Wäldern, die ungeahnte Reichtümer bergen,

Da die Aufgabe der neueren Diplomatenkunst in‘ der richtigen Vermittlung
der Ausnutzung der Weltkonjunkturen und der ‘Weltwirtschaft im allgemeinen
besteht, und insbesondere die deutsche hohe Politik seit Jahrzehnten sich auf die
Aufrechterhaltung der offenen Türen und vorteilhafte Absatzmöglichkeiten unserer
Industrieprodukte im Austausch für notwendige Rohstoffe, Nahrungs- und Genußmittel
richtet, so ist zu hoffen, daß sich der Einfluß unserer diplomatischen Vertretung in
Südamerika, in Erwägung der jetzt stattfindenden ‘plötzlichen Umwandlungen der
wirtschaitlichen Tendenzen von unberechenbarer Tragweite, sich auch bald auf das
deutsche Großkapital und Unternehmertum geltend machen und uns mit aller Energie
sachgemäß : unterstützen wird, auf die jetzt gebotenen außerordentlichen Chancen
und Möglichkeiten hinzuweisen, die unbedingt wahrgenommen und benutzt werden
müssen, um dem deutschen Volke eine permanente Teilnahme an der Erschließung
Südamerikas und eine gewinnbringende Dauerausnutzung der Erzeugnisse und
Schätze dieses Kontinents und der Produktion und Konsumption seiner Völker zu
sichern,

Es wäre zu wünschen, daß die offenkundigen nordamerikanischen und die
oben angeführten, noch schüchtern angedeuteten englischen Tendenzen und Prä-
tensionen in dieser Richtung nicht nur unserer hohen Politik, sondern auch unserem
deutschen Großkapital und Unternehmertum beständig vor Augen schwebten als un-
trügliches Zeichen einer richtigen Bewertung der ungeheuren Zukunitsmöglich-
keiten.

Es sei uns hierbei gestattet, auf eine amerikanische Methode hinzuweisen, die
auch Gesandten und Ministerial-Direktoren im Auswärtigen Ministerium gestattet,
öffentliche Reden zur Ausbreitung des. amerikanischen Außenhandels zu halten.
So hob z. B. Mr. Charles Chandler, der Chef der lateinisch-amerikanischen Ab-
teilung des State Departements, hervor, daß die Vereinigten Staaten sehr leicht 5/6
des gesamten auf 600 000000 Dollars bewerteten zentral- und südamerikanischen
Außenhandels an sich reißen könnten, wenn erfahrene, der spanischen Sprache
mächtige Handelsvertreter dort entsprechende Geschäftsstellen einrichten und dann
methodisch arbeiten möchten, Er bedauert hierbei ganz besonders, daß die Vereinigten
Staaten erst den fünften Teil der argentinischen Bedürfnisse deckten und ergoß

sich zum Schlusse in Andeutungen der zweckentsprechendsten Methoden, um den pan-
amerikanischen Handel möglichst bald zu beherrschen, Zahlreiche ähnliche sach-
gemäße Reden hielt auch der letzte amerikanische Gesandte in Argentinien, Mr.
Ch. H. Sherrill in vielen Handelskammern und Industrieverbänden Nordamerikas,

Nun wieder auf das argentinische Eisenbahnwesen zurückkommend, welches die
argentinische Regierung veranlaßt hat, Vorschläge von Farquhar und der Central Argentine

Railway Company für die nördlichen Staatsbahnen in Betracht zu ziehen, müssen wir
auch die Bahnen der südlichen Nationalterritorien noch besonders erwähnen. Wir
hatten schon im dritten Heft unserer Mitteilungen einen Gesetzentwurf des Ministers
für öffentliche Arbeiten an den Präsidenten behufs Fortführung der argentinischen
Staatsbähnen reproduziert, der die Regierung ermächtigen sollte, 25000000 $ Gold in
Obligationen unter dem Namen „Bonos de Fomento“ auszugeben, Wir hatten hinzu-
gefügt, daß die hier empfohlene Ausgabe von Bonds in Verbindung mit einer unter
amtlicher Kontrolle sich vollziehenden Parzellierung zum Zwecke der Kolonisation die
Regierung wenigstens vorläufig vor demütigenden Arrangements mit Unternehmern oder
Käufern oder einer Suspendierung der gegenwärtig erst halbfertigen Eisenbahnarbeiten
bewahren würde. In diesem Projekt wurde auch der künftige Bahnbau in den National-

523
        <pb n="70" />
        tertitorien beschränkt. Nun hat aber ein Syndikat, zusammengesetzt aus der Regie
Generale de Chemins de Fer et.Travaux Publics von Frankreich und der Firma Ernesto
Tornquist: &amp; Cia:, sowie den Finanzleuten Portalis y Cia., der Regierung den Vor-
schlag gemacht, zur Ausführung des Gesetzes Nr. 5559 auch die südlichen Staats-
eisenbahnen weiter zu bauen, unter der Bedingung, nationale Bonds in Zahlung zu
erhalten; die 6 Jahre nach Vollendung der Bahnbauten eingelöst werden sollen, wobei
es. die Arbeit‘ in Übereinstimmung mit den Spezifikationen und Voranschlägen aus-
führen will, Es liegt diesem Vorschlag die Idee zugrunde, daß, wenn die Bahnen in
Tätigkeit sind, die Regierung die Ländereien, durch welche die Bahnen führen, unter
besseren Bedingungen verkaufen kann, und dann auch die Eisenbahnen leichter zurück-
erwerben, nach einem vorher zu bestimmenden Preise, ohne deswegen jetzt zu Anleihen.
schreiten zu müssen, Dieses Projekt ist der Kammer vorgelegt und auch von der Presse
günstig beurteilt worden.

Um der Regierung eine solche Maßnahme zu erleichtern, hat der schon oft ge-
nannte National-Deputierte Dr. Emilio Frers einen Gesetzentwurf der Kammer unter-
breitet, wodurch die durch Gesetz 5559 autorisierten Nationalbahnen einer oder
mehreren Unternehmungen unter bestimmten Bedingungen zur Fertigstellung und Aus-
beutung übergeben werden dürfen. Ein ähnliches, noch weiter gehendes Projekt, das
alle anderen Projekte in eines zusammenfaßt, ist von Mendez Casariego, anscheinend
einem Direktor der‘ Argentine Railway Company, ebenfalls der Kammer vorgelegt und
den: Kommissionsmitgliedern für Bauten und Landwirtschaft zur Begutachtung über-
geben. worden.

Ein drittes ähnliches Gesetzprojekt wurde auch von Herrn Etcheverry den ent-
sprechenden Kommissionen der Deputiertenkammer zur Annahme überreicht. Es ist aber
wahrscheinlich, daß die Regierung autorisiert wird, durch Unternehmer, aber für Rech-
nung des Staates, die Staatsbahnen in beschränkter Ausdehnung weiter zu bauen, wozu
sie auch zur Bezahlung zu Herausgabe von Goldtiteln ermächtigt werden dürfte.

Die Argentine Railway Company hat sich bekanntlich am 12. Juli endgültig
konstituiert und ihre Statuten veröffentlicht, ebenso auch ihr Kapital auf 15 Millionen $
Gold in 6% igen Vorzugsaktien und auf 30 Millionen $ Gold in gewöhnlichen Aktien
festgesetzt: Zum Direktorium gehören u. a. F. W. Barrow, Persival Farquhar,
AH, A, Knox-Little, Maurice Bauwens, Raymond Beaugey, B. H. Binder, Paul Briere,
E. Chancy, L. de Laselve, C. F, Mendl, M. A, Rodriguez, Naylor Smith und Sir Wm. C.
van Horne. In Argentinien ist der gesetzliche Vertreter M. A. Rodriguez, der auch
gleichzeitig Präsident der Ortskommission ist, deren Direktoren Ricardo Fernandez
und Alberto‘ Mendez Casariego sind. Als Syndikus figuriert Dr. Manuel A. Montes
de Oca. Zum Generalverwalter wurde H. G, Cabrett, zum Hauptbuchhalter
G. F. Sotham und zum Ingenieur F. Lavis bestellt.

‚Dieser Compagnie mit den schon früher bekannt gegebenen Linien ist auch die
Leitung der fusionierten Central Cördobabahn-Gruppe unterstellt worden, die aus
der Central C6rdoba-, Cördoba- und Rosario- und Buenos Aires Extension - Bahn
besteht. Diese Compagnie kontrolliert somit schon ein sehr beachtenswertes Svstem
der argentinischen Bahnen,

: Wir sehen aber von Geschäftsberichten der einzelnen Bahnen dieses Systems
vorläufig ab. Ein anderes gewaltiges System bilden die Eisenbahnen des Südens und
Westens, deren Fusion vom Senat im vorigen Monat Dezember angenommen wurde,
und die unter dem Namen Ferrocarril del Sur y del Oeste Limitada eine Gesell-
schaft bilden, die zusammen einen Kapitalsbetrag an emittierten Aktien und Debentures
voh nicht weniger als 67000 000 £ repräsentiert und ihren Aktionären für die Zukunft
unzweifelhaft größere Vorteile bringen wird, was sich auch bereits in starkem Steigen

54
        <pb n="71" />
        ihrer Obligationen. kundtut. Am ‘meisten profitieren die Ackerbauer und Viehzüchter,
da der Transport ihrer Produkte auf direkten Wegen schneller und billiger. vor sich
gehen wird, denn es sind alle möglichen Verbindungsbahnen, im ganzen 1500. km mit
der Regierung vereinbart worden, welche das System gradliniger und einfacher gestalten,
d. h. Entfernungen verringern und direkt zu den Verschiffungsplätzen führen werden.
Die Regierung hat an die Fusion außerdem noch allerhand Bedingungen geknüpft, wie
halbe: Raten für Truppen- und sonstige Regierungstransporte, Einstellung von Post-
wagen usw. Beide nun verschmolzene Gesellschaften sind auch an der Buenos Aires
Midland Railway Company beteiligt, die ein Kapital von 3000000 5 besitzt. Die
Südbahn hat heute eine Ausdehnung von 5608 km und die Westbahn von 2669 km.
Die ebenfalls bedeutende Pacitficbahn verfügt über 5526 km und die Central Argentino
Bahn über 4751 km Eisenbahnen.
Die folgende Tabelle zeigt die jährlich zurückgelegte Meilenzahl der genannten
vier Hauptbahnen in Tausenden von englischen Meilen:
Pacific Süd West centr, Arg
1907— 8 6 500 7716 3819 7 108
1908—9 7417 7819 3793 7557
1909 —10 7 700 7584 3970 7 642
1910—11 8975 8185 4 065 8333
1911—12 8 266 8391 3.986 8397
Der‘ Kürze wegen geben wir in der umseitigen Tabelle ein übersichtliches Bild
über sämtliche argentinische Bahnen und deren Betrieb, so wie es die „Nacion“ in
ihrer Neujahrsnummer publiziert.
Die folgende Tabelle gibt die Betriebsübersicht der argentinischen Eisenbahnen
von 1900—1911,
Betriehs-Uebersicht der aryentinischen Eisenbahnen von 1900 his 1911.
j Transport.| Fracht- E A Gewi Köänital Zi Lä
ahr Passagiere | Transport rtrag usgabe ewinn apita | a änge
Ei Zahl] 1 !Tommen, 1) 0 S mmc,,. $emm  $imn $mp.2cı hf km
1900 | 18 296 422 ' 12 659831 94093972 53938077 40155895 1.206 408 350 | 3,33 hin
1901119689115 13988180: 99695647 54837731 44857916. 1 222 180 529 | 3,67 | 16907
1902 19815439 14030340 98346784 52216923 46 129861 1273561727 | 3,62 117377
1903 21025456 17024617 121747904 63106 102 58 641802 1301160316 451 | 18404
1904 23312987 20123575 142178957 75492400 66 686 557 1336406552 ı ‘4,99 ı 19428
1905 26636211 22409995 162715725 89536577 73179148 1424208113 5,14 19794
1906 34193565 26716520 186407041 110792489 75614552 1526542895 4,95 20560
1907 41 784 238 27929011 193 114423 123216905 69897518 1763555491 4,35 22126
1908 47150384 32211007 230449550 140992277 89457 273 1926334870 4,64 23741
1909 51060957 31089643 237 193 243 140885359 96307884 2043778123 4,71 24781
1910.59 711462 33606626 243769255 144008307 99 760948 2209408 148 4.63 27993
1911 |64:402 135 33508555 265307 934 161421882 103 886052 2632845068 3.95 | 30407
Eine Cotisierung der argentinischen Eisenbahnen auf der Londoner Börse gibt
die folgende Tabelle (Seite 57):

55
        <pb n="72" />
        ’ 4 2 ‘
Betriebs - Übersicht der argentinischen Eisenbahnen im Jahre 1912
—. —
Länge der Linien am | x ; x 2 7
Ei S 1. Jan. 1913 im Betrieb ' Passagiere Fracht ı Einnahmen | Ausgaben | Gewinn | Kapital | Zinsen
Name der Bahnen en SP nat Taro WEICH DL —_
ü : efinitiv |provisorisch . ;
tümer weite ___ rn Toro N Zahl Tonnen in Pesos Gold ) 9%
Kilometer .
1, Central Norte... 0 474 &amp; Staat schmal 2 502 000 63 000 1620 786 1 602 013 4 599 487 5 120 568 521 081 84 492 700 —
‚ Argentino del Norte . ...'. + 4 ” 1516 000 398 652 463 284 504 967 1 692 582 1 530 929 161 653 87 880 200 0483
Chaquenos: Barranqueras Metän . “ w _— 204 600 — — &gt; - — = —
% Quimili 1: Nordeste, m |) wm Z 142 800 = — = = zZ = =
. “ Formosa Embarcaciön. . “ 209 000 — = — — En — —
r,, Provincia de Santa Fe ... . . .- Privat “ 1 709 000 - 915 336 1321 068 5.787 433 3 702 155 2 085 278 42131700 * 495
ı, C. General en la P, de Buenos Aires " . 1 267 000 — 678 867 908 823 2497 010 1 969 168 527 847 39 8399 300 134
. Central Cördoba: secciön N. N. O.A. . ” " 1126 778 1 589 916 1 546 699 3.715635 3051 144 664491 | 41548 100 209
at h secciön Este . . . | x a 221281 241 611 814 370 1 450 288 951 793 498445
1 ” ® Extensiön B. Aires . W 298 1100 55 719 510 930 1311365 | 939 538 871 827 14 683 000 253
; „‚Cördoba y Rosario .. .. . 5 + m 288 870 268 344 951 572 1749113 1044524 698 589 14 293 900 489
14B. A. al Pacilico secciön Transandino n 184 782 371856 38 885 676 605 519 306 157 299 8 902 800 176
13. Central del: Chubut:. , ... 4 %V 86 000 20 043 28 302 177 326 93 337 83 989 1.255 200 669
14. Tranvia a Vapor de Rafaela . . . . ' a 83 000 17595 47 451 44891 ı 57 867 12 976 467.100 | -
Total. a el schmal 9282 711 1018 052 6243 423 3505069 23695685 18980 324 4 715 361 284 554 000 165 3
15. Nordeste Argentino ,‚ . .. . + Privat ı mittel ı 1074000 = 227 781 325 576 1.609 335 987 245 622 090 29 538 100 210
16. Entre Rios5 15 WE Un de " # | 1175 000 — 378 975 674 613 2379 390 147129% 908 096 30 391 700 298
17. Central de Buenos Aires . .. .- 1 " ” 269 066 = 258 836 346 785 977 091 671 702 305 389 8 942 800 341
j8. Del Este 21 7% u Lie Sale sn Staat I! 1 — 131 000 -
Total. „5 mittel 2518 066 131 000 865 592 1346 974 4 965 816 3130241 1835 575 68 872 600 266
19. Sur de Buenos Aires, ...... [I _ Privat breit | 5 608 000 — 23 759 304 7729052 27127561 15816122 11311439 220 503 600 512
;'/ Oeste de Buenos Aires... 4... in . 2 669 000 — 9124 644 3269924 12225441 6751 166 5474275 101 959 200 536
Central Argentino“. » + + u ” ” 4 751 000 — 18 848 967 6714129 26360005 14875426 11481 579 197 276 600 582
Buenos Aires al Pacilico_ .. 42 8 ” 2 490 979 - 4 980 122 2670834 149942 700 9.079 136 5863 564 108 974 600 538
. ,B. A. al P.: seccıön B. Blanca N. O. n ” 1 320 766 - 1239 783 1 709 915 3488 311 1834214 1654 097 46 293 200 857
. .B, A. al P.: secciön. Gran O, Argentino “ n 1 530 266 3.292 695 1 502 215 5 974 702 4307250 1667 452 60819 100 274
- „ Rosario a Puerto Belgrano . . . . “ 794 0UU 102 556 192 094 553 575 903 958 350 383 30 957 100 -
” , Patagönicos: San Antonio N. Huapi , | Staat 340 000 - _ - _ _ =
Br * Puerto Deseado. . . . m z 250 900 —. &gt; ZA = en &amp;
28. “ Comodoro Rivadavia . . n _ 149 000 - -
Total a 4" a breit 19164011 739900 613848071 28788163 90672295! 53570272 37102023 766 783400 | 483
Total Staatsbahnen . . Van 4018 000 | 1888 952 2.084 070 2106 980 6292 069 6 651 497 121 872 900 —
Total Privatbahnen - X | 26 946 788 = ‚ 66573020 , 31533226 , 113041727 ı 69029340 | 43652959 , 998 337100 437
Zusammen . . 1 30964788 | 1888952 | 68457090 | 33640206 | 119333 796 | 75680837 | 43652959 | 1120210000 | 388
        <pb n="73" />
        Letzte höchste u. niedr, Preis am
__ Unternehmung _Aktienkl, Jahresdiv. Wert Preise 1911 22. Nov. 1912
Gr. Sud de Bs, As, ., gewöhnliche 7 100°2125%% 117 1247 o. Div.
Centr. Argentino, ,.. n 6 100 29 110% 104%" 1077
® % ‚AS deferred e 1002407 9617," 102°
Bs, As, al Pacifico .. gewöhnliche 2 100’ 21 4101 9014 90 ”
Oeste de Bs. As. ... ” 7 100 £ 22 1237
Gr. Oeste Argent. . 1 n co Yin 03
Cördoba und Rosario. bevorzugte 6% 6 100% 08 2 16
n - „2, bevorzugte. 4°% 100 £ 71 381/- 11%
Nordeste Argent. Stock 100 £ 34 2274 162
Entre Rios ....... gewöhnliche 100 21° 75 44 761/,
% HA bevorzugte 5% 5 1002 "16S 9514" * 197° 0. Div.
N A 2. bevorzugte 4% "100% 742004063 71

Die Perspektiven für die verschiedenen Eisenbahnen sind auch für die Zukunft
die besten, da die neue Ernte von Weizen, Hafer und Lein sowohl in Qualität als in
Quantität eine ausnehmend gute geworden ist und auch die wiederum gestiegene
Anbaufläche von Mais, 3800 000 ha, auf künftige große Frachten schließen läßt.

Die große Zukunft der argentinischen Eisenbahnen, die auf intensiverer Land-
wirtschaft und Viehzucht beruht, die sich naturgemäß weiter entwickeln muß, hat einen
andauernden Reiz für Eisenbahnunternehmungen behalten, auch wenn die Dividenden
nicht immer den Erwartungen entsprachen. Die nationale Regierung hat nichtsdesto-
weniger den Bau von Bahnen in die Hand nehmen müssen, wo es galt, noch un-
erschlossene Gegenden der Besiedlung zuzuführen. Gegenwärtig befindet sich das Bahn-
netz der im Bau begriffenen Linien der Regierung in folgendem Stadium:

1. San Antonio-Nahuel Huapi, Bahnstrecke 340 km, Telegraph 379 km

2. Comodoro Rivadavia-Lago Bs. As., Bahnstrecke 146 km, Telegraph 145 km

3. Puerto Deseado-Lago Bs. As., Bahnstrecke 248 km, Telegraph 245 km

4. Formosa-Embarcacion, Bahnstrecke 209 km, Telegraph 209 km

5, Barranqueras nach Westen, Hauptlinie nach Westen, Hauptlinie und Telegraph 205 km
Nebenlinie Quimili 205 km

6. Quimili nach Nordwesten, Bahnstrecke 116 km, Telegraph 100 km

7. Dean Funes-Laguna Paiva, Bahnstrecke und Telegraph 399 km

8. Nare-San Javier, Bahnstrecke 43, Telegraph 18 km

9, Diamante-Crespo, Bahnstrecke und‘ Telegraph 35 km

10. Hasenkamp-Norden, Bahnstrecke und Telegraph 50 km,

Momentan sind auf diesen Linien noch 4442 Leute beschäftigt. Da aber wegen
Mangel an Mitteln der nationale Bahnbau aufzuhören droht, wurden die schon erwähnten
Angebote der Argentine Railway Company, der Central-Argentino-Bahn und der Finanz-
gruppe Regie Generale de Chemins de Fer et Travaux Publics und der Tornquist-
Portalis Companien in vorläufige Berücksichtigung gezogen. Bei dem allgemeinen
Interesse, das der argentinische Bahnbau nun auch in Deutschland beanspruchen darf,
halten wir es für unsere Pflicht, ihn in unseren Mitteilungen zu registrieren. Wir
knüpfen an die aufgezählten Nationalbahnen an und erwähnen zunächst, daß der
Gesellschaft La Formosa erlaubt worden ist, 2 Industriebahnen zu bauen, von aller-
dings unbedeutender Länge, die eine von 7400 Metern, die von Kilometer 638,32 der
Linie Formosa - Embarcacion ausgeht, und eine andere, welche die der Gesellschaft
gehörige Fabrik-mit der Station Formosa verbindet, Die Regierung machte ferner mit
Herrn L. Stremitz einen Kontrakt, in Übereinstimmung mit dem Gesetz Nr, 8415,

57
        <pb n="74" />
        betreffs einer Bahn von 1 Meter Spurweite von Embarcacion nach Yacuiba, welche
uch Petroleumgebiete durchschneidet.

c Die schon früher einmal erwähnte Puerto Ocampo- Eisenbahn im. nördlichen
‘anta Fe ist nationalisiert worden. Ferner wurde bestimmt, eine Linie vom Kilometer 53,4
u bauen, um, die Santa Fe-Linie bei Kilometer 367 kreuzend, eine Ausdehnung von
03 km zu erreichen. Die Arbeiten der argentinisch - bolivianischen Eisenbahn-
erbindung von Quiaca aus machen gute Fortschritte, ‚es fehlt nur noch ’'die Strecke
yuri-Villazon, die in etwa zwei Jahren vollendet sein wird. Von Villazon aus
eabsichtigt. die bolivianische_ Regierung auch die Herstellung einer Linie: vorn’ 210 km
ach Tarija.

An der Anatuya-Tintina-Bahn im Norden der Provinz Santiago del Estero, die
uch mit der Chaco-Metan-Linie verbunden: ist, hat. die Nationalregierung die Zweig-
trecke von Puna nach Santa Justina erworben. In derselben Provinz ist auch eine
eue _Bahnverbindung von _Altamisque mit Santiago del Estero vorgesehen worden.

Die in früheren Heften unserer Mitteilungen ebenfalls schon erwähnte Eisenbahn-
onzessions-Übertragung von Fary an A. J. Hermida ist an die Argentine Railway
ompany weitergegeben worden; sie bezweckt bekanntlich die Herstellung einer Linie
om: Hafen von Santa Fe nach dem Nordwesten von Presidente Roca am Bermejo im
haco-Territorium und verschiedener anderer Linien in der Provinz Santa Fe. Der
leichfalls: schon früher angeführte Bau einer Linie nach dem Dique de Cadillal

in Tucuman, der die Hauptlinien der Central Norte Bahnen (San Cristobal) vereinigen
würde, ist auf 650000 $ veranschlagt worden,

Die in La Rioja projektierte Eisenbahnlinie Patquia-General Lavalle und
a Madrid-Vinchina wird eine ungefähre Länge von 250 km haben, die bei der
ruchtbarkeit der Gegend dort wünschenswert ist, und deren Herstellung man auch so
chleunig als möglich begehrt,

Wir erwähnen ferner, daß der Kongreß die Regierung für folgende Abzweigungen
er Eisenbahnen der Provinz San Luis autorisiert hat: 1) von der Stadt San Luis
egen Norden durch San Francisco, Quines. und Candelaria zur Verbindung mit der
ordbahn in der Gegend der Station Milagros (Provinz Rioja), 2) von der Stadt Villa

ercedes gegen Süden mit der Endstation Victorica im Pampa-Territorium und 3) von
er Stadt San Luis gegen Süden, an der westlichen Grenze der Provinz entlang, um
it der vorhergehenden Linie an passender Stelle zusammenzutreffen.

Im Bereiche der Südbahn soll der Bau der Zweiglinie San Vicente-Villanueva,
sowie die Strecke Darwin-Conessa in Angriff genommen werden; die Südbahn hat im
aufenden Jahre 145 km von Chas nach Ayacucho, 58 km von Saladillo nach San Enrique,
2 km von Dorrego nach Oriente, 6 km von Tandil nach Canteras Aguirre, 15 km von
riente nach Copetonas, 55 km von Dionisia nach San Agustin, 98 km von Olavarria
ach Vela, 81 km von Juancho nach Vivorata und 62 km von Barrero-Noroeste gebaut.
$ sind außerdem in Konstruktion 118 km von Tandil nach Nutrias, 5 km zum Hafen
on Mar del Plata, 353 km von. Rio Colorado nach San Antonio und 353 km von
euquen nach Chile. Der Südbahn ist auch der Plan genehmigt worden, eine Station
ihrer Zweiglinie von Cipoletti nach Lago Pellegrini am Kilometer 26,6 einzurichten.
ie Südbahn baut außerdem eine neue Linie. von Sauce Grande von 18 km Länge nach
ierra de la Ventana: Der Eisenbahn-Generaldirektion ist auch vom Minister für
öffentliche Arbeiten die Genehmigung zur Verlängerung der Linie Buenos Aires-Ensenad
nd Costa Sur erteilt worden. Die Linie von Ensenada nach Rio Santiago ist schon
em Verkehr übergeben, ebenso die Verlängerung der Linie von Ensenada bis zu den

olen. und Depots der Compania de Muelles und Depositos de La.Plata: Von ‚der
üdküstenbahn ist ferner die Strecke Alvarez _Fonte Lezama_in Angriff denen

58
        <pb n="75" />
        worden, und deren Ergänzungsstrecke Elizalde-Lezama ist vom Ingenieur Holt bereits
studiert.

Die bekannte Eisenbahnstrecke von Buenos Aires nach Campo de Mayo von
der Chacarita (Buenos Aires) aus, wurde im vorigen Monat im Beisein des Kriegs-
ministers eingeweiht, Nun soll auch eine Linie von Palomar dahin konstruiert werden.
Die von unseren Freunden Herren Ing. Juan Pelleschi &amp; Co. vorgelegten Pläne ‚der
Eisenbahnlinie von Rufino an der Südgrenze der Provinzen Cördoba und Santa Fe
durch die Provinz Buenos Aires nach Bahia Blanca‘ und Puerto Napostä sind von der
Generaldirektion der Eisenbahnen genehmigt und auch schon durch Regierungsdekret
bestätigt worden.

Die Eisenbahnverwaltung hat im Kongreß auch um die Erlaubnis nachgesucht,
noch folgende Zweiglinien bauen, zu lassen: 1) von der Hauptlinie Kilometer 350 nach
Südosten, um die Verbindung mit der Eisenbahn der Provinz Buenos Aires in der
Nähe von General Villegas herzustellen, 2) von Kilometer 650 der Haupstrecke über
San Rafael nach Malargue, sowie 3) von dieser neuen Strecke eine Abzweigung zwischen
San Rafael und Guadales nach Westen bis Tinguica in den Cordilleren, und weiter
4) von Kilometer 750 der Hauptlinie nach Nordwesten bis zu einem noch festzustellenden
Punkte der projektierten Linie Algarrobal-Mendoza.

Der Firma F. Doll &amp; Co. wurde vom Senat eine Konzession für eine Linie von
General Acha (Pampa) und Puerto San Antonio (Rio Negro) bewilligt, ferner eine andere
von Carhue (Provinz Buenos Aires) nach Puerto San Antonio und eine dritte von
General Acha nach Bahia Blanca. Von der Carhue-Linie darf auch. eine Zweiglinie
nach der Bahia San Blas gebaut werden, Der Senat bewilligte ferner der Central
Cördobabahn eine Konzession von Kilometer 109 nach Centeno an der Cördoba- und
Rosariobahn,

Die schon im Heft 3 unserer Mitteilungen erwähnte Konzession der Bahn von
San Rafael (Provinz Mendoza) über San Jorge (Pampa) bis Punta Alta (Bahia Blanca)
mit einer Zweiglinie von San Jorge nach Villa Mercedes (San Luis) ist von der Firma
Penard &amp; Cia. erworben worden, die auch den Hafen im Arroyo Pareja (Bahia Blanca)
baut. Die Westbahn hat im vergangenen Jahre folgende Erweiterungen erhalten:
1) 67 km von Zanja nach Gonzales Moreno, 2) 38 km Verlängerung der Abzweigung
rach Trenel, 3) 1,5 km Abzweigung nach der Compania Tierras (Liniers) und 4) 98 km
von Bagual nach Col. Alvear; ferner erhielt diese Bahn die Genehmigung für eine
210 km Strecke von Ingeniero Luiggi—Oeste und für 151 km Linie von Valentin
Gomez—Sudoeste: Wie schon anfangs erwähnt, werden nach der Verschmelzung der
Süd- und Westbahn auch eine Reihe von anderen geplanten Verbindungsbahnen in
Angriff genommen werden,

Die Rosario-Mendoza-Bahn hat bereits ihre ersten 100 km eingeweiht. Sie ist
auch autorisiert worden, die nötigen Expropriierungen vorzunehmen, um ihre Linie in
die der Central-Cordobabahn nahe bei Rosario einmünden zu lassen,

Die Eisenbahn von Bahia Blanca nach Patagones rückt ihrer Vollendung immer
näher. Schon sind 20 km südlich vom Rio Colorado fertiggestellt,

Die Pacilicbahn hat außerdem ihr Eisenbahnnetz in folgendem Maße ausgedehnt:

Rawson—Arribenos 131 km
Miguel Rifles—Cereales 58 km
Bordea bis zum 101 km 101 km
Guatrache — Alfachiri 49 km
Monte Coman— Colonia Alvear 58 km
Zapatä— Tunuyan 62 km
San Juan—Marquesado 9 km

59
        <pb n="76" />
        Man baut auch eine Schmalspurbahn von 15 km Länge von Salinas Grandes bis
nach der Station Hidalgo, um ca. 5000 Tonnen Salz per Monat befördern zu können.
Eine sehr begehrte Bahn von San Juan nach Jachal ist noch im Stadium des Projekts.
— Die Central Cördobabahn: hat nur die kurze Strecke von Aguilares nach der
Station. Sarmiento dem Verkehr übergeben. Sie ist aber autorisiert, noch weitere
49 km von Sarmiento nach Rio Seco zu bauen. Sie inaugurierte auch am Anfang des
Jahres 1912 die sogenannte Buenos Aires-Extensionbahn und ihre zahlreichen Stationen
und steht nun bekanntlich unter Farquhars Kontrolle.

Die Central Argentino-Bahn baute im vorigen Jahre 26 km von Dalmacio Velez
nach Los Chachos, 16 km von Piamonte nach Landeta und 24 km von Nortinger nach
Santa Cecilia. Sie dürfte auch bald 54 km von Los Sembrados (Mongore) nach Ipona
und 64 km von Landeta nach Las Varillas sowie von Alicia nach El Fortin dem
Verkehr übergeben.

Weiter dürfte sie in Kürze die neue Linie zwischen Alta Gracia und Cördoba
vollendet haben, ebenso wie die Strecke von Santa Cecilia nach Cintra. Sie erhielt
ferner für folgende Linien die Genehmigung: Peyrano—Rio Cuarto, Canals—San Jose de
la Esquina, Salva—Norte, James Craik— Villa del Rosario, Villa del Rosario—Garza,
Pinto und Santa Rosa, Garza—Tintina, Cördoba—Obispo Viejo, Vinia—Baradero,
Santiago del Estero—Agua Culce, Cossio—Rosario de la Frontera, Ucacha—Cabrera y
Pilar, Landeta—San Franzisco und San Andres—Victoria. Diese Bahngesellschaft hat
kürzlich auch eine Vergrößerung ihres Kapitals um 3000000 £ durch eine Emission
von 300 000 Aktien zu je 10 £ vorgesehen.

Für die Beendigung der letzten 100 Kilometer der Concordia-Uruguay-Bahn wurde
der Argentine Railway Company der Termin auf weitere 12 Monate verlängert.

Behufs einer schnelleren Verbindung von Buenos Aires mit Montevideo ist
eine Fährenverbindung zwischen der Stadt Buenos Aires und Colonia in Uruguay
durch den Farquhar-Vertreter Knox-Little vorgeschlagen worden. Die Überfahrt würde
nur 4 Stunden bei Tage und 6 bei Nacht betragen, und die Fahrt bedeutend ermäßigt
werden. Von Colonia nimmt auch die Bahn „Ferrocarril Panamericano en el
Uruguay“ über Durazno ihren Anfang, die an 4 Stellen zugleich gebaut wird.

Das Farquhar-Syndikat hat neuerdings auch eine Uruguay-Railway-Company
mit dem Sitz in Portland (Maine) gebildet. In Paraguay hat das Farquhar-Syndikat
auch die Linie Borja—Y Guazu in Angriff genommen, Die New Yorker Handels-
zeitung schreibt am 7. Dezember, daß die Firma J. G. White &amp; Co. die Strecke, welche
die brasilianische mit der argentinischen Bahn in Verbindung bringen soll, für den
Preis von 4000 000 Dollars zu bauen übernommen habe.

Ein neues Bahnprojekt, womit ‘die chilenische Regierung eine direkte Ver-
bindung von Santiago in 30 Stunden Fahrt über das Tal des Maipü mit Buenos
Aires herstellen will, kommt insofern seiner Verwirklichung näher, als die Ingenieure
der chilenischen Regierung die Pläne für diese neue transandinische Bahn bereits fertig-
gestellt haben. Für die Ferrocarril-Transandine Juncal hat die chilenische Regierung
der argentinischen den Vorschlag gemacht, ihr diese Bahnen gegen eine Entschädigung
von 1485000 £ Sterling abzutreten.,

Im Anschluß an die Aufzählung der neuen Linien und der im Bau begriffenen
Eisenbahnen sei auch den berechtigten Klagen über die Ungleichmäßigkeit der Fracht-
tarife der verschiedenen Linien unter sich Raum gegeben. Wir illustrieren dieses Miß-
verhältnis an der Hand der Einflußzonen der Häfen von Buenos Aires, Bahia Blanca
und Santa Fe,

60
        <pb n="77" />
        In der Haifenzone von Buenos Aires stellt sich die Tonne Fracht für Weizen
bei 500 km Distanz bei der
Pacificbahn auf 8,70 $
Central Argentino-Bahn 8,34 $
Central-Cördoba-Buenos Aires-Extension 8,40 $
Südbahn 8,21 &amp;
Westbahn 7.68 £
Zwischen den Extremen, zwischen der Pacific- und der Westbahn zeigt sich also ein
Unterschied von 1,02 $, natürlich zum Nachteil der längs der Pacificbahn angesiedelten
Verfrachter resp. Produzenten,

In der Hafenzone von Santa F&amp; beobachtet man bei 350 km Entfernung für
die Fracht einer Tonne Weizen folgende Unterschiede mit noch größeren Extremen:
Central Argentino-Bahn 7,04 $
Central Cördoba-Bahn 6,88 $
Provinz Santa Fe-Bahn 8,50 &amp;

In der Hafenzone von Bahia Blanca ist bei 350 km Entfernung die Tonne
Fracht für Weizen bei der Rosario-Puerto-Belgrano-Bahn um 0,39 $ billiger als die
Südbahn, dagegen ist bei 500 km Distanz die Rosario-Puerto-Belgrano-Bahn um 0,44 $
teurer als die Südbahn.

Wie hoch im Verhältnis zu anderen Bahnen die argentinischen im Durchschnitt
ihre Personen- und Warentariie halten, ersieht man aus der folgenden Zusammen-
stellung:

Passagiere p.km Fracht f. Tonne p. km
Argentinien 5 1,23 1,15
Frankreich 0,77 0,96
Deutschland 0,60 0,90
Oesterreich 0,66 0,90
Italien 0,82 0,147
Schweiz 0,86 1,81
Vereinigte Staaten 1,59 0,51
Brasilien 0.92 2.99

Im Zusammenhange mit Fahrkarten ist ein Gesetzentwurf für die Schaffung
einer Pensionskasse für Eisenbahnbeamte vorgelegt worden, der vom 1. Januar 1913
ab eine Fahrkartensteuer zu erheben beabsichtigt und zwar für jede gewöhnliche oder
im Abonnement gelöste Fahrkarte, deren Preis 2 $ übersteigt. Die Steuer soll eine
doppelte werden und einerseits auf 10 Centavos und andererseits auf 2° des Fahr-
preises festgesetzt werden. Ferner sollen der Pensionskasse 5° des Gehaltes der
Beamten zugehen, sowie bei Neuangestellten die Hälfte des ersten Monatsgehalts.
Pensionsberechtigt sind 25 Jahre im Dienst stehende Beamte, die dann 95% ihres
Gehaltes beziehen.

Nun auch noch eine Mitteilung für Passagiere, welche sich über Argentinien
nach Chile oder umgekehrt von Chile nach irgend einem außerhalb Argentiniens ge-
legenen Bestimmungsorte begeben, Deren Gepäck, wenn es in Argentinien nicht auf-
gemacht wird, soll in Zukunft von argentinischen Zollbeamten nicht mehr untersucht
werden.

So: bedeutend auch die Ausdehnung des argentinischen Eisenbahnnetzes
schon ist, das 32854 km mißt, so macht sich dennoch ein großer Mangel_an_FEisen-
bahnlinien fühlbar; besonders dürftig bedacht wurden bis dahin die andinen Provinzen
San Juan, La Rioja, Catamarca, Salta und Jujui. Die meisten Bahnen dieser}Provinzen

6
        <pb n="78" />
        besitzt noch Mendoza mit 1030 km, die wenigsten San Juan, nämlich 366 km, dann
folgen Jujui mit 438 km, Catamarca mit 461, Salta mit 483 und La Rioja mit 708 km
Eisenbahnen,

Mit den 32854 km Eisenbahnen werden ca. 35846 500 ha wirtschaitlich be-
einflußt, ein verhältnismäßig noch kleiner Prozentsatz der Gesamtfläche, und wenn
man bedenkt, daß in den Vereinigten Staaten kaum 5°/% von ca. 7 Millionen Farmen
außer dem Bereiche und direktem Einflusse der Eisenbahnen liegen. Wie groß nichts-
destoweniger zuweilen der Eisenbahnverkehr schon sein kann, zeigt z. B, der 14. No-
vember in Buenos Aires, an welchem Tage ungeachtet des [fortdauernden Regens
2017 Waggons mit 30255 Tonnen Waren Buenos Aires für das Innere verließen. Es
ist selbstverständlich, daß bei der enormen Getreideproduktion die verschiedenen
Eisenbahnlinien Mangel an Eisenbahnwaggons leiden, ebenso wie es auch zeitweise an
Transportschiffen fehlt, um das Getreide nach Europa zu verfrachten,

Die meisten Eisenbahnlinien haben im Hinblick auf die neue, nun auch sehr gut
ausgefallene Ernte Neuanschaffungen gemacht. Die argentinische Centralbahn hat
500 offene Waggons zu je 42 Tonnen, 500 offene Waggons zu je 40 Tonnen, 100 Vieh-
wagen und 100 verschiedene Spezial-Passagierwagen gekauft. Dieselbe Bahn bestellte
auch 400000 Tonnen Kohlen von Süd-Wales. Die Westbahn hat ebenfalls ihren
Wagenpark an Güterwagen vergrößert, deren Zahl einem Raum von 350727 Tonnen
entspricht, auch hat sie ihre Lokomotiven um 16 vermehrt und damit ihre Gesamtzahl
auf 327 Stück erhöht,

Die Direktion der Buenos Aires Provinzial-Eisenbahn nach dem Meridianus V
erwarb 200 Waggons von der Sociedad Franco Argentina. Die Santa Fe Eisenbahn-
gesellschaft hat gegenwärtig 5365 Waggons, die 96954 Tonnen fassen können, für
den diesjährigen Transport zur Verfügung,

In diesem Jahre wurden auch Lokomotiven für argentinische Eisenbahnen in
Nordamerika bestellt. In den ersten 9 Monaten des Jahres 1912 wurden im ganzen
196 Lokomotiven, 2347 Frachtwagen und 99 Passagierwagen und 98201 Tonnen
Eisenbahnschienen importiert, davon nicht ganz die knappe Hälfte aus Deutschland.

Für die diesjährige Ernte sind auch mehr Getreideschuppen an verschiedenen
Bahnstationen gebaut worden. Die Südbahn allein besitzt jetzt über 300 Schuppen,
wovon 53 im vorigen Jahre errichtet wurden und 535 000 $ kosteten. Die Westbahn
hat in den letzten 4 Jahren 3963 206 $, davon im letzten Jahre 504064 S&amp; dafür aus-
gegeben. Auch die Pacificbahn hat die Zahl ihrer Getreideschuppen vermehrt. Einen
neuen Typ adoptierte die Rosario-Mendoza-Bahn, der auch erlaubt, im Regenwetter
ohne Gefahr für das Getreide zu arbeiten.

In diesem Jahre sind auch zum ersten Male durch die Westbahn Getreide-
Reinigungs-Waggons in Buenos Aires eingeführt worden, ebenso Eisenbahnwagen
zur Milchbeförderung.

Zum Betriebsmaterial für Eisenbahnen gehören für verschiedene Gegenden, wo
kein süßes Wasser zu finden ist, auch Kesselwaggons oder Tankwagen, die bei Eisen-
bahnbauten und stellenweise, wie auf der Aiatuya-Tintina-Bahn, beständig zur Be-
förderung des nötigen Trinkwassers für die Bevölkerung der Bahnstrecke schon seit
vielen Jahren im Betriebe sind.

Es düsfte wohl zu weit führen, wenn wir auch den Neubau von Stationen und
selbst in größeren Städten, wie Rosario, Cördoba und Buenos Aires einzeln aufführen
wollten. Wir erwähnen aber, daß die Paciticbahn einen Monumentalbau auf ihrer
am 7. Juli vorigen Jahres inaugurierten neuen Hauptstation in Buenos Aires errichten
wird. Sie hat auch ihre Depots im Hafen Galvan bei Bahia Blanca wesentlich er-
weitert und den Frachtzügen einen besseren Zugang verschafft, Die Westbahn hat

62
        <pb n="79" />
        den großen Tunnel begonnen, welcher die Frachtzüge von der Station nach dem
Hafen führen soll. Die Central Argentinobahn baut augenblicklich ihr Endstations-
gebäude, das wohl das größte Eisenbahnhoisgebäude Südamerikas werden dürfte.
Hier sei auch erwähnt, daß die in früheren Heften angeführte Konzession der Port
Argentine and Railway Co. zum Bau eines Hatens von Samborombon und ebenso
die deponierte Summe von 50000 $ für verfallen erklärt wurde,

Bei dem flotten Bahnbau ist selbstverständlich auch ein großer Bedarf an Stahl
und Eisen und Brückenbaumaterial, und es ist bedauerlich, daß auf Anraten des
argentinischen Gesandten, Herrn Dr. A, Blancas in Brüssel, die Ankaufskommission für
Eisenbahnmaterial, die in den letzten beiden Jahren für 65000 000 Frcs. Material ankaufte,
ihren Sitz von Köln unter Ingenieur Schatter nach Brüssel, Avenue Louise, verlegt hat.
Wünschen und hoffen wir, daß der sehr bedeutende argentinische Bautenminister
Herr Ezequiel Ramos Mejia bei seiner im Mai d, J, beginnenden viermonatigen Reise
nach Europa und den Vereinigten Staaten auch Deutschland einen Besuch abstattet,
hier gut aufgenommen wird und sich von der Güte des deutschen Eisenbahnmaterials
und der Leistungsfähigkeit der deutschen Werke persönlich überzeugen darf.

Man denkt in Argentinien auch an die Elektrisierung gewisser Bahnen, nament-
lich für Buenos Aires und seine Umgebung. So steht die Paciticbahn im Begriff
Kraftwerke für den elektrischen Betrieb ihres Lokalverkehrs zu errichten. Die Elek-
trisierung des Lokaldienstes von Once nach Moreno ist schon vorgenommen
worden. Nun soll die Linie Buenos Aires - Tigre elektrisiert werden und der elek-
trische Dienst in einem Jahre beginnen, wozu Motorwagen in England bestellt wurden,
Für den Lokaldienst der Transandinobahn zwischen den Stationen Mendoza, Cacheuta
und Potrerillos wurden auch selbsttätige Naphtha-Motorwagen für den Personendienst
eingestellt.

Die Untergrundbahnen in Buenos Aires, die wir in früheren Heften schon aus-
führlich erwähnten, werden elektrisch betrieben. Das Interesse des ausländischen Ka-
pitals hat sich auch den Tramwaylinien zugewandt, und wir haben wiederholt schon
auf die Tätigkeit des Anglo-Argentine Tramways in Buenos Aires hingewiesen,

Die Einnahmen der resp. Straßenbahngesellschaiten in Buenos Aires betrugen
während der ersten 10 Monate der Jahre 1910, 1911 und 1912 in S m/n:

Gesellschaft = 1912 1911 1910
Anglo Argentino 25 216 945 24 088 014 22 039 140
Lacroze de B. A. 4875313 4 065 837 3 368 731
Electricos del Sud 203 432 169 493 167 857
Puerto y Ciudad de Buenos Aires 645 031 581 806 445 930
Total 30940 721 28 905 150 26 021 658

Ein sehr bedeutender elektrischer Tramwayverkehr besteht auch in Rosario,
der während der ersten 8 Monate 1912 nicht weniger als 18 Millionen Personen be-
{fördert hat. Das Kapital der Buenos Aires Haftfen- und Tramway-Gesellschatt,
über welche Lacroze Hnos. die Kontrolle erhielten, beträgt 4541730 £ Sterling. Die
Firma Juan Lewy &amp; Co. beabsichtigt auch eine elektrische Straßenbahn von
Puente Riachuelo in Avellaneda bis zur Plaza Primera Punta in La Plata zu
bauen und hat um die entsprechende Genehmigung nachgesucht. Die gleichfalls von
Buenos Aires nach La Plata geplante elektrische Tramway-Linie, für welche die Firma
Otto Francke &amp; Co. die Konzession erhielt, scheint leider nicht über das Anfangs-
stadium hinausgekommen zu sein. Dieselbe Firma scheint auch Schwierigkeiten für die
Untergrundbahn Riachuelo-Station Retiro zu haben, was wir außerordentlich bedauern-

62?
        <pb n="80" />
        Die Stadt Bahia Blanca hat kürzlich den Herren Guerrico &amp; Williams eine
Konzession für elektrische Bahnen für einen Zeitraum von 80 Jahren bewilligt, die
möglicherweise auf die Pacific Railway Company übertragen wird, welche Mitbesitzer
der elektrischen Tramways in Bahia Blanca sind. Die Entre Rios-Legislatur hat eine von
der Paranä-Behörde erteilte Konzession 1ür eine elektrische Bahn auf 90 Jahre bestätigt,

: Dampfitramways bestehen in verschiedenen Orten, so zwischen Alberdi und
dem Hafen von San Lorenzo, ferner in Rafaela und zwischen Banfield und Villa
Albertina. Letztere soll jetzt elektrisiert werden.

G. Copello hat die Regierung von Santa Fe ersucht, auch eine Tramwaybahn
von Alberdi nach Puerto San Martin zu genehmigen.

Ein Herr F, G. Molina bat die Regierung der Provinz Buenos Aires um eine
Konzession, in verschiedenen Städten der Provinz ein System elektrischer gleisloser
Omnibusse einrichten zu dürfen. Es handelt sich dabei um die Orte La Plata, Tandil,
Azul, Necochea, Avellaneda, Almirante Brown, Lomas, Chivilcoy, San Nicolas, Pergamino,
Bahia Blanca, Dolores, Mercedes, Tigre und San Fernando.

Die South-American Traction-without-Rails Co. hat ebenfalls der La Plata-
Munizipalität den Vorschlag gemacht, in dieser Stadt ihr System einzuführen. Sie gibt
an, daß sie eine Gesellschaft bilde mit einem Kapital von 5000000 $ Gold, und daß
sie sich wegen einer Konzession in verschiedenen Städten der Provinz gleichfalls an
die Behörden derselben gewandt habe.

Daran anschließend sei auch nochmals auf die Einfuhr von Kraftwagen hin-
gewiesen, die wir schon ausführlich in der vorigen Nummer behandelten. Sie nimmt
allmählich eine überraschende Ausdehnung an. Deutschland behauptet dabei noch den
dritten Rang. Der Bedarf an Automobilen läßt sich aber noch sehr steigern. Der
amerikanische Konsul rechnet allein im Distrikt Rosario heraus, daß wohl noch an
20000 Personen sich ein Automobil dort leisten könnten,

Die Stadt Buenos Aires hat auch schon einen Preis für einen Kraftwagen-
Untfallschutzapparat ausgeschrieben, und dürfte nunmehr in dieser Richtung auch ein
neuer Fabrikationszweig entstehen.

Die Anzahl der in den ersten 9 Monaten von 1912 importierten Motorräder
betrug 763 im Werte von 76300 $% Gold und die der Fahrräder 6810. Obwohl in
derselben Periode auch 10736 Kutschwagen eingeführt wurden, so ist doch ihre
Zahl im Vergleich zum Vorjahre um nicht weniger als 6602 zurückgegangen, was wohl
als ein Anzeichen aufgefaßt werden darf, daß das Auto allmählich den Kutschwagen
in Argentinien zu ersetzen berufen ist.

Im Zusammenhange mit den Transportmitteln erwähnen wir auch die Funken-
telegraphie, die bereits 10 Stationen in Argentinien besitzt, und nach einem Projekt
6 weitere Stationen, am Y Guazu, im Posadas, Bellavista, Madryn, Comodoro Riva-
davia und Santa Cruz erhalten soll. Es wird damit auch ein Meergebiet von 1000 bis
1500 km seewärts beherrscht werden, und da Chile und Peru ebenfalls von der deut-
schen, Telefunken-Compagnie die direkte drahtlose Telegraphieverbindung einrichten
läßt, so werden die argentinischen Stationen Cabo Virgenes und Ushuaya auch die
Verbindung‘ mit dem Pacifischen Ocean herstellen. Bei dieser Gelegenheit bemerken
wir auch, daß der halbe Preis für Aufschubtelegramme den Kabelgesellschaften für
europäische Länder sowie für Senegal, die Kanarischen Inseln, Madeira und allen
portugiesischen Besitzungen zugestanden worden ist. Zum Vertrauensmann des Woltfis
Telegraphenbureau in Argentinien wurde Herr Max Ucko, Teilhaber der Firma
Plaut &amp; Co., ernannt,

Vom Postverkehr erwähnen wir, daß der mit Chile, der infolge von Schnee-
fällen in den Cordilleren oft auf lange unterbrochen ist, bald einen neuen, schnee-

A4
        <pb n="81" />
        freien Verkehrsweg im Paß von Huan-Hun am Ausfluß des Rio Perineiro in den
Lacarsee besitzen dürfte, der auch eine Telegraphenlinie und eventuell eine Zweigbahn
aufnehmen könnte. Erwähnenswert ist ferner, daß seit Juni 1912 auch von Argentinien
Antwortscheine gegen 12 Ctvs. in Briefmarken eingetauscht werden können.

In früheren Heften haben wir bereits auf die Vermehrung der Damptier der
verschiedenen Schiffahrtslinien aufmerksam gemacht. Wir fügen noch hinzu, daß auch
die spanische Pinillolinie einen neuen Dampfer von 15000 t (Infanta Isabela) für den
Dienst Barcelona—Buenos Aires eingestellt hat. In Antwerpen hat die Firma Honig-
mann &amp; Co, einen neuen Frachtdienst nach Argentinien eingerichtet. Es bestehen
dort auch die früher noch nicht genannten: Lynzan-Line, Anglo-Belgian and Ham-
burg—La Plata-Line und die Compagnie Royale Belge-Argentine, In Italien ist
die Compafia Sicola Americana ins Leben gerufen worden, die zunächst 3 Dampfer
von Genua, Neapel und Messina nach Buenos Aires laufen läßt.

Die internationalen Konferenzlinien haben infolge der andauernden Hoch-
konjunktur im Verkehr nach dem La Plata Erhöhung der Frachten vom 1, Dezember
ab bis vorläufig 31. Januar d. Js. für nachstehende Artikel vorgenommen:

Montevideo . Bahia
und Rosario Blanca
Buenos Aires
Eisen und Stahl, Winkeleisen, Blöcke, Roh- ;
eisen, Band-, Stangen-, Platten-, Bruch-,
T-Eisen, Bleche, Zaunpfähle (varillas), auch
alles galvanisiert (ausgenommen Bleche und
Platten) nicht über 12 m lang und bis 2000 kg
schwer, unverpackt . ; . ed..) S =
Eisen-Konstruktionsteile für Häuser, Bauzwecke
oder maritime Zwecke (Hafendämme, Lan-
dungsbrücken, barge work usw.) bis zu
2000 kg Gewicht und nicht über 12 m lang,
nicht anderweitig im Tarif aufgeführt und
keine Maschinenteile . . 30.— 35,— 32.50
Träger, rolled und joists, nicht über 12 m lang
und bis 2000 kg schwer. 7 27,50 32,50 30,—
Gewebe:
Baize und Oilbaize . ; ; 65,— 75,—
Besatz, Seiden- und Sammet- 85,— 95,—

do. Halbseiden- . . . 70,— 80,—

do. Wollen- und Baumwollen- . es 65,— 75,—
Halbseidenwaren, nicht anderweitig aufgeführt 70,— 80,—

Leinenwaren, nicht anderweitig aufgeführt . 65,— 75,—
Plüsch, baumwollen . 65,— 75,—
do. _halbseiden 70,— 80,— z
do. seiden . 85,— 95,—
Sammet, baumwollen 65,— 75,—
do. seiden , 85,— 95,-—
Schuhband . 65,— 75,—
Seidenwaren, nicht anderweitig aufgeführt 85,— 95,—
Spitzen, baumwollene, wollene und leinene 65,— 75,—
do, halbseidene und seidene 85,— 95,—
Uniontuch 65.— BEL

5 N Di
TS 32,50 30.—
A
        <pb n="82" />
        Montevideo ,
und Rosario Bahia
Buenos Aires Blanca
. 6 MI
Wollwaren, nicht anderweitig aufgeführt . 65,— 75,—
Glas, Bunt-, Eis-, gerippt, Draht-Glasziegel, Roh-
glas, Ornament-Bruchglas . ; . . 35,— 42,50
Glas, Spiegelglas, nicht belegt, in Kolli bis 2000 kg 35,— 42,50
Granitblöcke, Säulen, Platten, Grabsteine,
gemeißelt, poliert oder sonstwie bearbeitete
Ware, nicht anderweitig aufgeführt ; 40,— 47,50
Motorwagen bis 2000 kg . . . . 30, — 35,—
Zement (Gewicht) . Ü . ; ; 27,50 32,50 30,—
Die Raten nachstehender Position sind für Ver-
schiffungen ab 1- Januar 1913 wie folgt
abgeändert:
Papier, Druck-, Pack- und unbedrucktes Tapeten-
papier in Ballen und Rollen, kein fettdichtes
Papier 30,— Sö,—

Da schon jetzt sehr bedeutende Mengen Getreide und Futterstoffe der neuen
argentinischen Ernte zur Verschiffung bereit liegen (man schreibt von rund 7 Millionen
Tonnen), so ist auch das Chartergeschäft bereits ein sehr lebhaftes geworden. Man
rechnet mit der Möglichkeit, daß die Raten, die jetzt bereits höher einsetzen, die vor-
jährigen noch überflügeln werden,

X Eines der interessantesten Kapitel des argentinischen Wirtschaftslebens ist sein
überseeischer Passagier- und Einwandererverkehr. Die offizielle Statistik gibt für
das Jahr 1911 die folgenden Daten:

Passagiere 1, Klasse kamen an 22 031 gingen aus 21 635
Er De # „18234 “ u 14.144
247 803 142 344

Im Jahre 1912 kamen ca. 320 000 Einwanderer, davon 3986 Deutsche. Die Rück-
wanderung betrug ca. 120 000, sodaß ein Überschuß von 200 000 verblieben ist,

Ein interessantes Bild gewährt die Zu- und Rückwanderung nach Monaten
geordnet.

Es kamen im Januar 1912 20502 Einwanderer und es gingen wieder 5600

Februar 14 803 u nn . n 8236
März 17470 Ü "m m u 11411
April 15 569 “ WIR m 13 402
Mai 18 085 n m 13557
Juni 16 658 . a „17050
Juli 14530 an 13 806
August 15 549 HM n " 11 099
September 30525 S ni ön . A 6 568
Oktober 50.751 en . R 6736
November 49829 le N nn 6 468
Dezember 56 000 len 5 „ca. 6000

320 251 119 933

Qr
66
        <pb n="83" />
        Unter den Einwanderern zählte man

139 340 Spanier 3.986 Deutsche
58 947 Italiener 3303 Griechen
16 638 Russen 2799 Engländer
8163 Türken 1 083 Dänen
7188 Syrer 855 Schweizer
4979 Österreicher 615 Bulgaren
4341 Franzosen 608 Hindus
4172 Portugiesen 508 Ungarn etc.

Nur 47891 waren von Beruf Ackerbauer, 82034 kamen mit Familie, und der
dritte Teil fand sofort ein Unterkommen in den Provinzen und Territorien,

Nun wieder zu Unternehmungen übergehend, ist zunächst die Fusion der Sociedad
Forestal Limitada mit der Compania de Tierras de Santa F@ und der Sociedad
Quebrachales de Santiago bemerkenswert, die zusammen schon ca, 2000 Leguas Land
umfassen, aber dieses Areal noch um ein weiteres zu vermehren imstande sind, Zur
Ausbeutung der Pampasländereien hat sich in London ein Syndikat gebildet mit
einem Kapital von 1!/2» Millionen £ Sterling, wovon ein Teil der Aktien in Paris unter-
gebracht werden wird, wo das Syndikat eine besondere Vertretung einzurichten beab-
sichtigt. Auch in Holland ist eine Bodenverwertungsgesellschaft für Argentinien ins
Leben gerufen worden unter dem Namen „Compania Holanda—La Plata de Tierras
y Administracion de Propiedades‘“ mit einem Kapital von 2500000 Gulden, wovon
eine Million gezeichnet und emittiert sind. In Tucuman ist eine Gesellschaft mit einem
Kapital von 3000000 $ Gold entstanden, die aus Kapitalisten aus Buenos Aires und
Tucuman und einer englischen Eisenbahngesellschaft besteht, welche die Estancia
Potrero de Chavarria für 6 Millionen Pesos angekauft hat, die 168 750 ha Land und
wertvolle Wälder umfaßt, und wohin zu deren Ausbeutung von der Alberdi-Station
aus eine Zweigbahn gelegt werden soll, Ferner ist eine Gesellschaft unter dem Namen
„La Tandilera de Ganaderia y Productos de Lecheria‘“ mit einem Kapital von
5 Millionen Pesos ins Leben gerufen worden. Weiter ist zu erwähnen die Gesellschaft
Comptoir Foncier Franco-Argentin mit einem Kapital von 5 Millionen Frances, und eine
Compagnie Fonciere Agricole du Nord de l’Argentine in Paris mit einem Kapital
von gleichfalls 5 Millionen Francs. Ferner ist unter dem Namen Anglo-Argentine Coal
Company Ltd, eine Gesellschaft mit 200000 £ Sterling Kapital für Wales Coal für
Argentinien gebildet worden. Die Regierung genehmigte auch die Statuten der Gesell-
schaft Colonia de Riego Atuel Sud, die mit einem Kapital von 2 Millionen arbeitet.
Von anderen Gesellschaften kommerzieller Natur erwähnen wir noch die Societe
Suisse d’Exportation mit einem Kapital vo 40000 $ Gold in Lausanne zur Förderung
des Exports von Schweizer Produkten nach Argentinien und in Buenos Aires die
Compania Expreso la Confianza mit einem Kapital von 1 Million Papierpesos, deren
Statuten von der Regierung genehmigt wurden, Ihr Präsident ist der bekannte
Doktor Estanislao S. Zeballos. Ferner wurden genehmigt die Statuten der Hard-
castle Ltd., die sich mit einem Kapital von 600000 $ Pesos etabliert hat und der
Gesellschaft Importadora, die über ein Kapital von 200000 $ Papier verfügt. Neuer-
dings ist auch von der Deputiertenkammer das Projekt der Firma Fortunato Damiani&amp; Co.
zur Errichtung einer Fleisch-Gefrieranstalt und Kühlhauses in La Plata mit, einem
Kapital von 700000 $ genehmigt worden, Sie will auch eine Abteilung für Sterili-
sation der Milch einrichten. Wir wollen bei dieser Gelegenheit auch nochmals der
Gesellschaft Armour &amp; Co., der bekannten amerikanischen Fleischfirma gedenken, die
sich nun definitiv in Zarate niedergelassen hat. Wir machen dabei auch unsere Leser

67
        <pb n="84" />
        darauf aufmerksam, daß die Swiit Packing Company das Etablissement der La Plata
Cold Storage Company. besitzt, und die Firma Morris &amp; Co. die Fleischgefrieranstalt
La Blanca kontrolliert, und die drei genannten nordamerikanischen Fleischtrust-Gesell-
schaften anscheinend auch in den großen Landerwerbungen des Farquhar-Syndikats in
Brasilien und Paraguay mit beteiligt sind, und daß ferner die Firma Swift &amp; Co. in
Queensland in Australien eine Gesellschaft unter dem Namen „The Australian Meat
Export Co.“ mit einem Kapital von 200 000 £ Sterling begründet hat. Wir bezwecken
mit der Aufführung dieser Tatsachen, daß in Deutschland von den maßgebenden Kreisen
die Tendenzen richtig ermessen werden, welche das amerikanische Kapital und ameri-
kanischer Unternehmungsgeist in Bezug auf die künftige Fleischversorgung der
Welt verfolgt;

Fortfahrend in unseren Bestrebungen, wertwolle geschäftliche Anregungen und
Fingerzeige durch Mitteilungen von Tatsachen zu bieten, lenken wir die Aufmerksamkeit
unserer Mitglieder auch auf ein vom Finanzminister unterzeichnetes Dekret, wonach
die Häfen von Buenos Aires und La Plata unter eine einheitliche Verwaltung der
Generalhafendirektion in Buenos Aires gestellt werden. Der Getreideexport soll
insbesondere zur Entlastung des Hafens in Buenos Aires über den Hafen von
La Plata gelenkt werden. Er soll auch speziell zum Export von Vieh dienen, Die
ca. !/a Million kostenden erforderlichen Schuppen, Ladevorrichtungen und Wagen sollen
im Februar oder März fertiggestellt sein. Die im Hafen von Buenos Aires etablierten
Getreideelevatoren bezahlen vom 1. Oktober ab für ihre Konzessionen 2,50 $ per
Quadratmeter. Zur Hebung des daran sich schließenden Flußhafenverkehrs wird der
Riachuelo bis zur Pueyrredon-Brücke tiefer ausgebaggert. Für den Küstenschiff-
verkehr erhielt H. Casares eine Konzession in Punta del Indio bei Arroyo del
Puerto am Rio de La Plata, die er während der folgenden 50 Jahre ausnutzen darf
und dazu auch Eisenbahnen bauen, die die Verbindung des Hafens mit den Hauptlinien
ermöglichen. Der Hafen von Concepcion del Uruguay hat ein (liskalisches
Getreidedepot erhalten, welches gleichzeitig die an zwei Exportfirmen erteilte
Konzessionen aufhebt. Die Molen des Hafens Colon werden erweitert, der Hafen
von Concordia vergrößert, auch der Hafen von La Plaz am Paranä soll neue
Molen und Lagerschuppen erhalten. In Quilmes wird eine Mole in den La Plata
hineingebaut. Der Hafenbau von Necochea wird beschleunigt. Dann sei auch des
Hafens von Mar del Plata gedacht, der vorwärts schreitet mit dem Bau der Strand-
promenade des Badeortes Mar del Plata selbst, für deren Bau der Senat der Provinz
Buenos Aires ein Projekt für eine Anleihe auf 14 Millionen $ angenommen hat.

Die Regierung hat die Pläne für den Bau des Puerto Comercial de Bahia
Blanca und Puerto Belgrano genehmigt, deren Konzession Mr. Paguard durch Gesetz
Nr. 5574 erhielt. Der Platz ist zwischen dem Arroyo Pareja und der Westgrenze der
Zone des Militärhafens. Die bewilligten Pläne beziehen sich auf 5000 Linearmeter Kai
mit Speichern und Krähnen, Getreideelevatoren, Bahnlinien und alle für den Hafendienst
notwendigen Arbeiten, Die Installationen sollen eine Minimalbewegung von 500 tons
per Linearmeter des Kais pro Jahr gestatten. Die Pläne für die Linien, welche den
Zugang zu dem Hafen der Great Southern Railway und Rosario Puerto Belgrano
Bahn geben, sind auch bewilligt. Die Pläne für die 2., 4. und 5. Sektion sind noch
nicht vorgelegt worden,

Durch das Nationalgesetz Nr. 4170 ist bestimmt worden, daß die Stromstrecke
vom Parana zwischen Rosario und dem neuen Hafen von Santa F&amp; eine gleich-
mäßige Tiefe von mindestens 19 Fuß bei niedrigem Wasserstande erhalten soll, um
auch großen Schiffen von bedeutender Wasserverdrängung den Zugang zum Hafen von
Santa F&amp; zu verschaffen, dessen Eisenbahnnetz z. Zt. 6500 km beträgt und die zentralen;

68
        <pb n="85" />
        westlichen und nördlichen Provinzen und Territorien verbindet, welche über
1500000 Hektar mit Weizen, Mais, Lein und Hafer bebaut haben und außerdem
alljährlich ca. 300000 Tonnen Holz den nördlichen Waldungen entnehmen. Da ein
weiteres Gesetz Nr. 4267 verfügt, daß die Hafengebühren um 50° geringer als die
von Buenos Aires sein sollen, so dürfte der Hafen von Santa Fe bald eine sehr hervor-
ragende Stellung im argentinischen Außenhandel einnehmen. Hierbei erwähnen wir
auch, daß die Schifibarmachung des Rio Bermejo immer weitere Fortschritte macht, so
daß kürzlich die Schiffahrt bis km 720 eröffnet werden konnte.

Auf Salubritätswerke übergehend, entnehmen wir der Buenos Aires Handels-
zeitung, daß die Regierung durch das Finanzministerium dem Kongreß einen Gesetz-
entwurf hat zugehen lassen, welcher das erst vor kurzem, unterm 27. Juli v. J. verkündete
Gesetz 8889 in einigen Punkten wieder abändert. Durch das bisherige Gesetz war die
Verwaltungsabteilung der Kanalisations- und Wasserwerke von Buenos Aires als eine
unabhängige Korporation unter dem Namen „Obras sanitarias de la Nacion“ organisiert
worden, und das Direktorium dieser Korporation erhielt die Befugnis erteilt, Anleihen
in Form von Debentures zum Zwecke der Fortführung der Bauten aufzunehmen, wobei
jedoch in Art. 6 jenes Gesetzes zur Bedingung gemacht worden war, daß zuvor die
durch Gesetz Nr. 2796 ermächtigte Anleihe des Jahres 1891, sowie die späteren
Emissionen von Salubritätsbonds interner Schuld (Ges. 4158 und 4973) aus dem Verkehr
gezogen werden müßten. Diese Bestimmung hat sich als ein Hindernis bei den alsbald
eingeleiteten Unterhandlungen wegen der beabsichtigten Debenture-Ausgabe erwiesen,
und die Regierung hat deshalb den in Rede stehenden neuen Gesetzentwurf eingebracht,
wodurch sie ermächtigt werden soll, der Verwaltung der Salubritäts- und Wasserwerke
in Buenos Aires zu gestatten, daß sie durch Gesetz Nr, 8889 bewilligten Kredit-
operationen ausführt ohne Beschränkung auf die Ziffer von 50 Mill, $ Gold, sowie ohne
die Verpflichtung, die durch die Ges. Nr. 4158, 4973 und 2796 geschaffenen Titel innerer
bezw. auswärtiger Schuld erst‘ aus dem Verkehr zurückzuziehen.

Die Arbeiten der Wasserversorgung sollen Ende 1913 beendet sein und die
Abilußkanäle im Jahre 1915. Sie beziehen sich auf den Wasserturm, den Unterfluß-
kanal, 2 Filter, 2 Abklärbehälter, die Gebäude der Hebepumpen, 4 Reihen der Hebe-
pumpen und 2 der Stoßpumpen, 3 Reihen der Antriebrohrleitungen, ein Druckwasser-
Depot und ein Reserve-Depot von Caballito. Die neuesten Rohrleitungen in einer
Ausdehnung von 241 ha in den Stadtteilen Almagro und Palermo und 55 ha in
Belgrano sind schon gelegt und im Jahre 1913 will man eine noch größere Strecke
als diese damit versehen. Ferner sollen in den folgenden Jahren die neuen Netze
vereinigt und die Maschinenanlagen, Filterbauten, Abklär- und Abilußdepots und
die letzten Reihen der Druckrohrleitungen beendet werden,

In 5 unabhängigen Kontrakten sind bereits vergeben 25 km Abilußkanäle und
29 Hauptarme derselben zwischen Belgrano und Flores und die Hebepumpenanlage
für Abwasser der Station Wilde des Ferrocarril del Sud. Der Bau des Saughebers
des Riachuelo für den Durchgang dieses Abwasserkanals wurde jetzt vergeben. Diese
Arbeiten sollen bis Anfang 1915 fertig sein,

Das, was noch von Station Wilde bis zum Fluß fehlt, sowie der Rest des Haupt-
abwässerkanals und seiner Nebenarme im Territorium der Hauptstadt sollen bis zum
Jahre 1917 fertiggestellt sein. In den Jahren 1913, 1914 und 1915 werden die Zweige
der Sammelkanäle in einer Ausdehnung von 1,520 ha gelegt.

Mit einer deutschen Firma wurde ein Vertrag für den Bau der 24 3. und
4. Sektionen des Hauptabzugkanals für im ganzen 3620610,99 $ m/n abgeschlossen,

Die 5. Sektion der Abwässerkanalbauten vom Riachueloeinfluß bis km 34 wird
nunmehr in Angriff genommen. Die vorherige Ermächtigung wurde zurückgezogen, da

69
        <pb n="86" />
        die Preise diejenigen im Kostenvoranschlag erheblich übertrafen. Die Ausführungen
der Arbeiten übernimmt nun_eine argentinische Firma für die Summe von 2099000 5
Papier.

Beim Thema. verbleibend, erwähnen wir weiter, daß die Generaldirektion der
Salubritätswerke durch Ministerratsbeschluß autorisiert wurde, 10000 $ für die Vor-
studien zu den Wasserleitungswerken in Formosa, Resistencia und Posadas zu
verausgaben. Für den Beginn der Arbeiten in der Stadt Formosa wurden ihr vor-
läufig 25000 $ zur Verfügung gestellt. Die Arbeiten im ganzen werden ca, 49867 S$
kosten, die auch bewilligt wurden, Für Vorstudien zu Salubritätswerken in der
Stadt Rio Cuarto wurden 10000 $ ausgeworfen. Die Regierung bewilligte ferner
30000 $% Papier für die Herbeischaffung von Trinkwasser nach dem Städtchen
Maipü in der Provinz Mendoza,

Für die Erweiterung der Salubritätswerke in der Stadt Salta gewährte der
Senat die Ausgabe von Bonos bis zum Betrage von einer halben Million Pesos. Für
die Wasserleitung und Kloaken in 38 Manzanas in Mar del Plata, deren Kosten
auf 250064 $% veranschlagt wurden, sind die Pläne vom Bautenministerium genehmigt
worden. In Bahia Blanca wurden die Ausführungen der sanitären Arbeiten, deren
Kosten auf 3500000 $ geschätzt wurden, von den Stadtverordneten dem Ingenieur
Kreutzer übertragen. Es hat dort auch der Bau der neuen Schlachthäuser schon
begonnen, deren Kosten 280 000 5 betragen sollen,

Die nationale gesetzgebende Gewalt hat ein Dekret erlassen, in dem 3 Kategorien
bestimmt werden für die Ausführung der nationalen öffentlichen Arbeiten, die
durch jeweilige Gesetze sanktioniert wurden. Die erste Kategorie bezieht sich auf
Arbeiten, die wegen ihrer Natur und Wichtigkeit mit Hilfe der Direccion General de
Arquitectura vorgenommen werden sollen. Darunter verstehen sich: 1, National Kollegs,
professionelle Schulen, staatliche Bureaus, Gerichtsgebäude, Landschulen usw. 2. Schul-
gebäude, die vom nationalen Bildungsrat abhängig sind und 3, Elementarschulen und
Arbeiten spezieller Natur, die von Provinzial-Regierungen aufgenommen werden oder
von Wohltätigkeitsanstalten und Korporationen mit staatlicher Beihilfe. Die Arbeiten
der 2. Kategorie werden durch den nationalen Bildungsrat ausgeführt, wofür das
Arbeitsministerium die jeweiligen Anweisungen der Zahlungen ergehen lassen wird:
Für die auszuführenden Arbeiten der 3. Kategorie fertigt die Direccion General de
Arquitectura die Projekte an unter Berücksichtigung der für die einzelnen Arbeiten
jeweilig festgesetzten Summen, Der Bau von Brücken und Wegen, hydraulischen
Arbeiten, Wasserver sorgungen etc. werden endlich durch die nationalen Abteilungen
des Arbeitsministeriums zur Ausführung gebracht.

In unserer Registrierung von Tatsachen fortfahrend, teilen wir weiter mit, daß
dem Ministerium d2s Innern vom Finanzministerium ein Kredit von 50 0008 als Vorschuß
zur Ausiührung der notwendigsten Bauten für das allgemeine Wohl in den
National-Te rritorien bewilligt wurde. Es handelt sich in Formosa um Reparaturen
von Brücken und Wegen, im Chaco um Reparaturen von Gefängnissen, in Misiones
um Wegeausbeszseru ngen, in der Pampa Central um den Bau eines Regierungsgebäudes,
im Rio Negro-Territorium um Reparatur der Gefängnisse in Viedma und Choele-Choel,
im Neuquen- Territorium um Umzäunung des Polizeigeländes, im Chubut-Territortum um
Ausbesserung des Regierungsgebäudes, im Santa Cruz-Territorium um Umzäunung des
Polizeigeländes und in _Feuerland_ um Ausbesserung und Umbau_ von öffentlichen
Gebäuden.

Durch einen Erlass hat unlängst - die Regierung die Generaldirektion für
Bezwüisserungsarbei ten ermächtigt, die Berieselungswerke von Aimogasta, San Antonio,
Machigasta, Aminga , Anillaco, Anzulon, San Pedro, Santa Cruz, Pinchar und Chuquin

0
        <pb n="87" />
        mit den Dämmen von Sauces, Anzulon und Portezuela in den Departementen Arauco
und Castro Barros in der Provinz La Rioja auszuführen, wofür eine Summe von
250 000 $ genehmigt wurde. Derselben Direktion wurden für Vorstudien der Provinz
Tucuman, wo das schon wiederholt erwähnte Wasser-Reservoir „El Cadillal‘“ erbaut
werden soll, 2500 $ monatlich zur Verfügung gestellt. Es sollen dort 80000 ha Land
durch künstliche Bewässerung erschlossen werden. Durch Gesetz Nr. 8929 ist auch
die Konstruktion von Schutzvorrichtungen im Rio Sali gegenüber von Tucuman_in
die durch Gesetz 8573 autorisierten Arbeiten eingeschlossen worden.

. Der Bautenminister genehmigte die Pläne des Bewässerungsamts für die Be-
wässerung von Andalgalä und Herstellung eines hydroelektrischen Werkes, deren
Kosten auf 452690 resp. 81263 S veranschlagt worden waren. Auch hat man in
Catamarca die Bewässerungsanlagen beendet und das Studium für den Kanalbau
Huillapina, Capayan und San Pablo von 3 km begonnen, der vom Rio de la Pena
ausgeht und dessen Kosten auf 110000 Pesos Papier geschätzt werden. Zur bessern
Ausnutzung des Wassers des Rio Segundo wurden 4000 $ für technische Installation
und 23000 $ für Feldarbeiten ausgeworfen. Beachtenswert ist ein Drainage- und
Bewässerungssystem, welches in Villa Mirtos, der westlich gelegenen Vorstadt von
Mendoza, im Besitze von Arning &amp; Co., eingeführt werden soll, dessen Kosten auf
780 000 S festgestellt wurden. Nach dessen Fertigstellung will man das Land in Bau-
plätze einteilen und versteigern. Die“ Regierung hat auch die Pläne eines hydro-
elektrischen Werkes in der Gegend von La Cascada zum Zwecke der Herstellung
der nötigen Energie für Berieselungswerke und Teiche zum Hanf- und Flachsaufweichen
in Rio Tercero genehmigt und bestätigt, Am Rio Negro ist der erste Teil des Kanals
von Choele-Choel nach Conessa bereits fertig. Zwischen dem Lago Pellegrini und
Chichinales sind die Kanalausgrabungen bis Cipolletti vollzogen und man arbeitet
nun an den Sekundärkanälen. Die Strecke zwischen Cipolletti und Allen wird von
2 Seiten zugleich angefangen, darauf folgt die Fortsetzung bis Roca und schließlich bis
Chichinales, wo der große Kanal endet. Auch am Rio Senguer im Chubutterritorium
denkt man an Berieselungsanlagen. Man hofft dort ca. 60000 _ha bewässern
zu können, |
| Für Vorstudien einer technischen Kommission an den zum Stromgebiet des
Limay gehörigen Seen hat ferner die Generaldirektion für künstliche Bewässerung
5000 $ zur Verfügung gestellt und 3500 $ monatlich für die laufenden Ausgaben aus-
geworfen. Für die Kanalisierung des Flusses Corrientes_ nahm der Senat einen
Gesetzentwurf zur Bewilligung von 50000 $ an. |

Im Departement Paranä, 25 km von der Stadt, ist eine deutsche Firma mit
der Ausführung von Berieselungsanlagen für 3000 ha Land unter Leitung des
Ingenieurs Fernando Segovia beaufiragt. Die Regierung der Provinz Entre Rios will
dort Versuche mit dem neuen Bewässerungssystem durch mechanisches Heben des
Wassers machen, welches in Nordamerika und Europa mit Erfolg eingeführt worden ist.

Wir haben früher schon den Mitre-Kanal erwähnt, der vom Hafen von Buenos
Aires zum Flusse Parana de Las Palmas reicht und eine Tiefe von 26 Fuß unter dem
niedrigsten Wasserstande erhalten sollte, um jahraus, jahrein für große Schiffe fahrbar
zu bleiben. Es gehörte zum Projekte der großzügigen Kanalisierung des La Platas
und Verbesserung seiner beiden Ströme Paranä und Uruguay, womit man die an
beiden Strömen gelegenen Häfen der Stadt Buenos Aires um ein bedeutendes Stück
Näherbringen wollte. Der jetzt 273 km lange Weg zwischen Buenos Aires und Campana
Sollte um 88 km, die Strecke bis nach Zarate um 96 km und die Entfernung bis nach
Rosario sogar um 320 km gekürzt werden, während die Strecke von Buenos Aires
Nach Concepeion del Uruguay von 318 _km auf 153_km_ reduziert werden sollte. Die

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        <pb n="88" />
        Kosten dieser Kanalisation wurden auf 25 Millionen S Gold geschätzt. Man plant auch
einen Kanal vom Rio Bermejo nach Anatuya, dessen Kosten auf 15 Millionen S
berechnet werden, doch ist vorläufig an dessen ernstliche Ausführung nicht zu denken.
) Einen großen Segen dürften im Laufe der Zeit vielen Gegenden wasserarmer
Provinzen und Territorien die Wasserbohrungen bringen, welche die Nationalregierung
im fast allen Provinzen und Territorien ausführen lässt. Im südlichen Cördoba be-
wässern jetzt 4 große artesische Brunnen eine sonst ganz verlassen gewesene Gegend
in einer Gesamtfläche von 50000 ha. Die Brunnen haben eine Tiefe bis zu 230 m
und liefern, der eine 110000, der andere 180000, der dritte 210000 und der vierte
sogar 230 000 Liter pro Stunde. Man ist auch mit weniger Wasser zufrieden. In Pisco
Yaco in der Provinz San Luis traf man in einer Tiefe von 68 m eine Süßwasser-
quelle, die 23000 Liter pro Stunde zutage fördert, In Mendoza wurden nach an-
gestellten Bohrversuchen ebenfalls verschiedene Wasserquellen entdeckt, so in 44 m
Tiefe im Gelände der Bäder der Borboyen und anderwärts in 244 m Tiefe. Vielfach,
namentlich im Norden, im Chaco, Formosa und Santiago del Estero, aber auch in
Patagonien wird meist nur salziges Wasser zutage gefördert, wenn überhaupt welches
gefunden wird. Im großen und ganzen sind leider die vielfachen Wasserbohrungen
wenig befriedigend gewesen, doch in Anbetracht der Wichtigkeit derselben bewilligt
die Regierung immer wieder weitere Mittel in der Hoffnung, vielen bedürftigen Gegenden
die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Entwicklung verschaffen zu können. Auch für
Eisenbahnen, namentlich in Patagonien, im Chaco und in Formosa haben sich Wasser-
bohrungen für den Betrieb notwendig gemacht, ebenso Brunnenbauten oft von be-
trächtlicher Tiefe. Leider ist ihre Zahl sehr gering, da auf den patagonischen Hoch-
ebenen äußerst selten Wasser zu finden ist. Die Destillation des Meerwassers hat
sich als zu kostspielig erwiesen. 5

Nun zum Brücken- und Wegebau kommend, wurden die Arbeiten für den Bau
und Zugänge der Brücke über den Mendozafluß gegenüber der Uspallatastation
einer englischen Firma für die Summe von 123874 $ übertragen. Der Minister für
öffentliche Arbeiten bewilligte die Mittel zum Bau von Brücken über den Aguapey,
Mirinay, Curuzu-Cuatia, Aigui, Sarandi und andere in der Provinz Corrientes. Dort
wurde auch eine Brücke über den Rio Santa Lucia beschlossen, deren Kostenpreis
auf 166 198 $ berechnet wurde, Weiter wurden Gelder bewilligt für eine Brücke über
den Rio Quinto gegenüber der Kolonie-Niederlassung Villa Sarmiento, Prov. Cordoba,
die 130000 $, und für eine Brücke über den Fluß Vaqueros auf dem Wege Salta-
Caldera, die 192 000 $&amp; kosten soll. Für die Fertigstellung der Brücke über das Flüßchen
Rojas in der Provinz Buenos Aires wurden noch 10281 S nachbewilligt, |

Die Förderung der Kommunikationswege, namentlich der Zufuhrwege nach
den Eisenbahnstationen, ist eine Notwendigkeit, Die Regierung hat deswegen auch
mit den Eisenbahngesellschaften den Bau von Zufuhrrouten gesetzlich geregelt. Das
Ministerium für öffentliche Arbeiten hat neuerdings erst wieder 104242 $ Papier zur
Ausbesserung von Wegen zu verschiedenen Eisenbahnstationen der Central Argentino-,
Pacific-, Rosario-Puerto Belgrano- und Provinz Buenos Aires-Bahnen zur Ver-
fügung gestellt, 5

Nun hat auch der Senat der Provinz Buenos Aires einen Gesetzentwurf zur Be-
gebung von Bonos im Betrage von 2632000 $ für den Bau von gepflasterten Hoch-
straßen genehmigt, die aus der Provinz nach der Landeshauptstadt Buenos Aires führen
sollen. Aus der großen Zahl von Wegebauten außerhalb der Eisenbahnen greifen wir
einige heraus. Für Salta wurden bewilligt; 10000 $ zur Ausführung der Arbeiten der
Landstraße von Lagunilla nach Los Moques, 10000 $ für desgl. von Carril nach
Cebilmonte, 10000 $ für desgl. von Salta nach La Isla, 12000 S für die Herstellung

72
        <pb n="89" />
        der Straße von Salta nach Cerillos und La Merced, 5000 $ für den Fahrweg von
Poman nach Pajonal, 5000 $ zur Herstellung eines Weges von Arenal nach La
Ollada und 10000 $ von Ledesma nach Embarcacion und Oran. Für Catamarca
wurden 15000 $ für den Bau des Fahrweges von Ancasti nach Icano ausgeworfen.

Von größeren Bauten erwähnen wir den Bau eines großen Marktgebäudes in
La Plata, dessen Gesamtkosten auf 5078850 $ berechnet wurden; ferner den pro-
jektierten Neubau der Associacion de Socorros Mutuos in Buenos Aires, der
1 Million Pesos kosten soll, auf einem Terrain, das 600000 $ gekostet hat, und den
projektierten Bau von Werkstätten für das Hospicio de Las Mercedes, wofür
325321 $ bewilligt wurden,

In Bezug auf die argentinische Industrie wenden wir uns zunächst der Elek-
trizität zu und erwähnen, daß die Stadt Buenos Aires neuerdings außer mit der
erst kürzlich konzessionierten Italienisch-Argentinischen Elektrizitätsgesellschait
auch noch mit der Lacroze-Gesellschait Kontrakte abgeschlossen hat. Letztere ist,
wie wir einer Zeitung entnehmen, als gleichzeitige Besitzerin eines großen Tramway-
Netzes und Konzessionärin für Untergrundbahnen in Bezug auf die Verbilligung der
Gestehungskosten des Lichtstroms durch einen großen Kraftkonsum am Tage ebenso
günstig gestellt wie die deutsche Elektrizitäts-Gesellschaft, der alle anderen Tramway-
linien für die Abnahme von Strom über die ganze Dauer der Konzession hinaus verpflichtet
sind. Auf besondere Vorrechte, die die Lacrozegesellschaft beanspruchte, und welche
einen dreifachen Konflikt zwischen dem Stadtrat und Magistrat bezw. der Stadtver-
waltung und dem nationalen Bauministerium und zwischen der Deutsch-Überseeischen
Elektrizitätsgesellschaft und der Stadt herbeiführten, hat sie verzichtet und sich mit
einer der deutschen Konzession gleichartigen begnügt, Nun heißt es, daß der Senat
auch im Begriff stände, der Pacificbahn die Erlaubnis zu erteilen, Strom auch außer-
halb ihres Betriebes von den noch zu erbauenden Kraftwerken für den Lokalverkehr
abzugeben. Zum Glück ist Buenos Aires eine außerordentlich schnell wachsende Stadt,
die auch noch eine ungeheure Expansionsmöglichkeit besitzt, so daß das bisher in
dieser Industrie leitende deutsche Unternehmen trotz der angeführten Konkurrenz
auch noch weiter eine unübersehbar große Zukunft besitzt. Der erwähnten
italienisch - argentinischen Elektrizitätsgesellschait sind 2 Schweizer Groß-
firmen beigetreten, Ihr Kapital von über 11 Millionen Francs ist bereits gezeichnet.
und eine weitere Erhöhung des Betriebskapitals steht in nächster Zeit zu erwarten.
Die Elektrizitätsindustrie erobert sich auch anderwärts in Argentinien ein immer
weiteres Feld. Die Hydro-Electric-Company of Tucuman hat ihr Kapital auf
2000000 $ Gold erhöhen müssen. Die Compania Argentina de Electricidad besitzt
heute auch schon 12 elektrische Lichtstationen und 2 Gaswerke und kontrolliert
ferner die Compania de Luz y Tranvias del Norte, der auch die elektrische Bahn
in Salta gehört. Auch die Regierung beabsichtigt beim projektierten Stauwerk EI
Cadilläl in Tucuman ein hydro-elektrisches Werk zu errichten, welches zunächst
die Zweigbahn mit Kraft speisen soll, die zu dem Damm führt und hat zu diesem
Zwecke 100000 $ m'n ausgeworfen. Sie genehmigt ferner die Errichtung eines hydro-
elektrischen Werkes, welches die Zentralbahn in Rio Tercero ausführen will, und
dessen Kosten auf 150000 $ veranschlagt worden sind. Weiter erhielt eine argen-
tinische Firma für 20 Jahre Konzessionen für elektrische Lichtstationen in Vera
und San Lorenzo in der Provinz Santa Fe. Eine andere Konzession wurde den
Herren Torres &amp; Co. zur Errichtung einer elektrischen Lichtstation in Punta Alta
(Puerto Militar) erteilt. Bei der Regierung der Provinz San Juan kam die Firma
J. G. White &amp; Co. um eine Konzession ein, die Ströme der Provinz für ein extensives
System hydro-elektrischer Kraftstationen benutzen zu dürfen, Wir erwähnen auch

73
        <pb n="90" />
        noch‘ das Anerbieten der Firma A. Scabusio &amp; Co:, welches elektrische Licht-
installationen in den neuen Zollspeichern im Hafen von Buenos Aires für den
Betrag von 106955 $ betrifft, und das auch angenommen wurde,

Bemerkenswert ist schließlich auch die Aufstellung von 5 neuen elektrischen
Hebekrähnen, die aus Deutschland stammen, in der 2. Sektion des Docks I in
Buenos Aires.

Trotz Elektrizität nimmt der Gaskonsum in Buenos Aires andauernd zu. Die
Compania Primitiva de Gas de Buenos Aires, die einzige öffentliche Gascompanie
der Hauptstadt, lieferte in den letzten 10 Monaten 1912 an Private 38 003329 cbm
gegen 36 898 087 cbm im Vorjahre und 7517 341 cbm für öffentliche Beleuchtung gegen
6592237 cbm {für dieselbe Zeit des Vorjahres. Auch diese Companie sucht ihr Kapital
zu vermehren. Ähnliche Belebungen äußern sich auch bei anderen Industrien,

Der kontinuierlich sich steigernde Bierkonsum hat z. B. die Quilmes-Brauerei
veranlaßt, zum Bau einer Filiale in Mendoza zu schreiten, die 1800 000 $ kosten soll,
und ebenso zum Bau einer Malziabrik. Im Jahre 1911 betrug die Bierproduktion in
Argentinien 100252199 Liter, im Jahre 1910 98056959 Liter, im Jahre 1909
86 256 062 Liter. In San Juan hat kürzlich der Gouverneur Ortega eine große Obst-
konservenfabrik eingerichtet. In Tucuman beabsichtigt eine Gesellschaft unter dem
Ingenieur Luis F, Nougues, auch eine Papierfabrik zu errichten, welche die bisher als
Brennmaterial benutzten Rückstände des Zuckerrohres vorteilhafter ausnutzen soll. Bei
dieser Gelegenheit sei auch der argentinischen Zuckerindustrie gedacht. Sie zählt
jetzt 42 Zuckerfabriken, 30 bestehen in Tucuman, welche einschließlich der Plantagen,
Bauten und Maschinen einen Wert von 89 500 000 $ repräsentieren, ferner 3 in Jujuy,
1 in Salta, 3 in Santa Fe, 1 in Corrientes, 3 im Chaco und 1 in Formosa, die zu-
sammen auf 35 700 000 $&amp; bewertet werden, dazu kommen noch 30000 ha Zuckerrohr,
die privaten Pflanzern gehören und deren Wert auf 21 000000 S geschätzt wird, und
die 5000000 &amp; wertende Zuckerraffinerie in Rosario. Auch nordamerikanische
Industrielle suchen in Südamerika Fuß zu fassen. So ist die Middleton Car-Co. in
Pittsburg, Pensilvanien, schon autorisiert worden, Eisen- und Stahlwerke zur Her-
stellung von Schienen und Eisenbahnmaterial in Argentinien zu errichten, Auch in
der Nachbarrepublik Uruguay will das South American Iron Syndicate ein Eisen- und
Stahlwerk errichten und das Erz aus Brasilien beziehen.

Dies führt uns zum Bergbau.

Die Minenausbeutung hat in Argentinien bisher recht wenig Resultate gezeitigt,
einmal wegen der weiten Entfernungen von der Küste und Mangel an Verkehrsmitteln,
dann wegen ungenügenden Kapitals, ungenügender Voruntersuchung, ferner wegen
Mangels an wirklichen Bergarbeitern oder wegen zu hoher Arbeitslöhne, und schließlich
wegen Mangels an Brennmaterial und Steinkohle für die Verhüttung. Der bisherige
Bergbau war mehr ein spekulativ optimistischer Raubbau ohne wirklichen Erfolg. Die
besten Resultate scheint der Petroleumiund von Comodoro Rivadavia zu versprechen,
der, wie die dahin zum Studium entsandte Kommission behauptet, in diesem Jahre
mindestens 5000 t Petroleum monatlich erwarten lassen soll. Man ist dabei, immer
mehr Bohrlöcher in die Erde zu treiben und dazu immer größere Maschinen zu benutzen,
um das Petroleum aus über 500 m Tiefe an die Oberfläche zu bringen. Die günstige Lage
am Meere und der Bau eines entsprechenden Hafens begünstigen die Ausbeutung des
Petroleumfeldes außerordentlich. Das Petroleumvorkommen eröffnet Argentinien
bedeutende Aussichten für die Zukunft als Ersatz für Steinkohle; man benutzt das
Petroleum auch zum Heizen von Schiffsmaschinen und berechnet, daß 550 t Petroleum
ca. 1400 t Kohlen entsprechen. Man hofft auch, Petroleum ‚für Motore in landwirt-
schaftlichen Maschinenbetrieben in Argentinien verwenden zu können und dadurch

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        <pb n="91" />
        ihre Benutzung zu erleichtern, um damit wiederum die Verwendung solcher Maschinen
zugunsten der landwirtschaftlichen Produktion zu vermehren. Mehrere Gesellschaften
bohren an verschiedenen Stellen nach Petroleum, unter andern auch die. deutsche
Erkelenz-Gesellschaft,

Das Ackerbauministerium hat aber scheinbar bisher die Bedeutung der Aus-
beutung der Petroleumlager in Comodoro Rivadavia nicht recht gewürdigt, wenigstens
geht dies aus der Note hervor, welche das administrative Komitee, das die Leitung
der Ausbeutung hat, diesem Ministerium gesandt hat,

__ In dieser Note wird dem Ackerbauminister mitgeteilt, daß es die höchste Zeit
sei, daß die Regierung größere Mittel für die entsprechende Entwicklung der so erfolg-
reich eingeleiteten Ausbeutung gewähre.

Es heißt, daß die Schwierigkeit, die das Komitee hatte, in dem Mangel an
Lagerräumen für die durch die großen Quellen hervorgerufenen Petroleummengen
äge, tatsächlich habe das Komitee unter der Fülle des Petroleumreichtums gelitten
und mußte die Fortschritte der Arbeit für einige Zeit eindämmen, bis die vier im
Bau befindlichen Tanks von je 6000 Tonnen Kapazität gebrauchsfertig wären.

Im übrigen werden aber die jetzt im Bau befindlichen Tanks annähernd, wenn
nicht vollständig den Ansprüchen der Ausbeutung genügen, vorausgesetzt, daß die
Frage des Petroleumtransports mit der von den Umständen geforderten Promptheit
gelöst wird, da die Tanks fortgesetzt gefüllt und geleert werden könnten, um dadurch
das Ansammeln großer Quantitäten Brennstoff auf dem Produktionsplatz zu vermeiden.

Die Regierung hat wohl deswegen auch den Eisenbahngesellschaften vorgeschlagen,
die Ausbeutung unter gewiß für die Regierung wenn nicht für die Gesellschaften vor-
teilhaften Bedingungen zu übernehmen. Der Vorschlag hat bis jetzt aber zu keinem
Übereinkommen zwischen der Regierung und den Gesellschaften geführt und scheint
somit keinen besonderen Anklang gefunden zu haben.

Das Oel von Comodoro Rivadavia enthält sehr viel Wasser, so daß sich die
Reinigung sehr teuer stellt und daher nicht lohnt, das Öl kann aber für Lokomotiven
verwandt werden und wird ausschließlich für die Lokomotiven der jetzt im Bau be-
findlichen Bahn nach dem See Buenos Aires benutzt, und mit den bis jetzt ver-
brauchten 5000 tons sind die besten Resultate erzielt worden,

Das Kongreßgesetz Nr. 7059 bestimmt auch, daß das Petroleum der Comodoro
Rivadavia-Quellen besonders zur Feuerung der Marineschiffe und Lokomotiven der
Staatseisenbahnen benutzt werden soll, hauptsächlich von der Patagonischen Bahn, die
nahe dem Produktionsort liegt. Das Komitee schlägt vor, daß ein Tankdampier mit
einer Kapazität von 2000 cbm Öl angeschafft werden solle, um dasselbe nach San
Antonio, Puerto Deseado und anderen an der Küste liegenden Eisenbahnstationen
zu bringen; ferner, daß ein anderer Dampfler mit 5000 cbm Kapazität erworben
werde für den Transport des Öles nach Buenos Aires, Bahia Blanca, La Plata,
Rosario etc,

Diese Tankdampfer werden jedoch so lange unnötig sein, bis nicht in Comodoro
Rivadavia die Konstruktion eines Kais zum Anlegen der Dampfer für die Verladung
des Öls ausgeführt ist, der dazu auch die nötigen Einrichtungen haben muß, um das
öl von den Quellen sparsam nach den Tanks zu bringen,

Nun zu den argentinischen Finanzen,

In früheren Heften haben wir uns wiederholt über die argentinischen Finanzen
ausgelassen. Wir setzten hierbei die autorisierte Meinung sachverständiger argentinischer
Staatsmänner in den Vordergrund, welche die Ursachen ihrer unrationellen Finanz-
wirtschaft richtig erkannten und die Uebel in ihren Wurzeln auszurotten trachteten.

75
        <pb n="92" />
        Wir erinnern an den ausgezeichneten Finanzminister Dr. Jose M. Rosa, der auch
s. Zt, die außerordentlich wichtige und folgenreiche Festsetzung des Typs des
Papiergeldwertes im Verhältnis zu Gold und damit vor allen Dingen wieder
ein solideres Geschäfts- und Erwerbsleben möglich gemacht hat. Von ihm ist früher
auch die Konversionskasse ins Leben gerufen worden, die sich ebenfalls recht
segensreich erwiesen und den Kredit des Landes wesentlich gestärkt hat. Die gegen-
wärtige Regierung unter Dr. Roque Saenz Pefa sucht auch nun mit Hilfe ihrer bereits
wirksamen Wahlreform das wohl schlimmste Hindernis für eine rationelle Finanz-
wirtschaft, die oft kritiklose und verschwenderische Bewilligung von Staatsmitteln
durch das Parlament hinweg zu räumen. Die Finanzlage Argentiniens wird freilich
nicht allein von der Tätigkeit und den Tendenzen der jeweiligen Regierungen und
Parlamente, sondern in erster Linie von den Einnahmen bestimmt, und -ist, weil
Argentinien doch fast ausschließlich ein Ackerbau- und Viehzucht betreibendes Land
ist, ganz besonders von seinen Ernten und davon beeinflußten, auswärtigen, Handel
abhängig, außerdem spielen aber, wie wir wiederholt betont haben, die weltwirtschaft-
lichen Einflüsse infolge der riesigen Kapitalsanlagen wirtschaftlicher und finanzieller
Natur der Handels- und Industrienationen eine große Rolle, Die argentinische Staats-
kunst hat unter solchen Verhältnissen vielen Schwierigkeiten begegnen und den
großen finanziellen Ansprüchen vielfach mit Anleihen genügen müssen, welche als
besonders große Last empfunden ‚werden, wenn die Ernten ungenügend ausfallen
und die Staatseinnahmen, davon beeinflusst, zu wachsen aufhören; umsomehr, als
enes ausländische Kapital alljährlich eine sehr bedeutende Verzinsung aus ihren
mannigfachen Anlagen in Argentinien zu beanspruchen hat. Es bestehen in Bezug auf
auswärtige Schuld 8 Anleihen zu 5 °% Zinsen und 1 °% Amortisation im Betrage
von 108450629 $ Gold, ferner 2 Anleihen zu 4'/,°/ Zinsen und 1 ° Amortisation im
Betrage von 35859201 $ Gold, weiter 11 Anleihen zu 4 °% Zinsen und */2°/ Amorti-
sation im Betrage von 150379989 $ und schließlich eine Anleihe von 3‘/2°/ Zinsen
und 1° Amortisation im Betrage von 9029966 $ Gold; zusammen machen diese An-
leihen. 303 719786 $ Gold aus. Hinsichtlich der inneren Schuld zunächst in Gold sind
im Umlauf 4 5% ige Anleihen mit 1° Amortisation im Werte von 88805500 S Gold
und 2 Anleihen von 4'/, °/o Zinsen und 1° Amortisation im Betrage von
72561500 $ Gold. Die Zirkulation der inneren Schuld in Papier erscheint in 4
Anleihen zu 5 °% Zinsen und 1° Amortisation im Betrage von 129665940 S m/n
und 1 Anleihe zu 6 °% Zinsen im Betrage von 10000000 $ m/n in Titeln, die der
Pensionskasse übergeben wurden. Im Laufe dieses Jahres sind von der äußeren Schuld
5676430 $ Gold amortisiert worden und gleichzeitig ein Betrag von 2537487 $ Gold
emittiert. Von der inneren Schuld in Papier wurden für 1758920 $ m/n amortisiert
und 20 Millionen $ m/n neu ausgegeben. Der größte Teil der Emissionen der internen
Schuld ist für die Ausführung nationaler öffentlicher Arbeiten verwendet worden. Von
knapp 800 000 000 Pesos Papiergeld sollen sich 382 650000 S nach einer Zusammen-
stellung der „La Nacion“ in den Banken befinden, das übrige unter dem Publikum.

‘In Anbetracht der großen Summe dieser Staatsschulden, die eigentlich für ein
Land von ziemlich knapp 7 Millionen Einwohnern zu hoch ist, denkt man ernstlich
daran, einen außerordentlichen Fonds herzustellen, um die äußere Schuld, die all-
jährlich mehr als 67 Millionen $ Gold Zinsen beansprucht, zu amortisieren und
im Laufe von 10 oder 11 Jahren zu tilgen. Es ist ein entsprechendes Gesetz jetzt
in Vorbereitung, und die Gerüchte, daß eine neue Anleihe von 125000000 Fres., die
in Paris, London und Brüssel untergebracht werden solle, beruht nicht auf Wahrheit.
Auch läßt die Regierung dementieren, daß das nationale Budget 30 bis 40 Millionen m/n
Defizit aufwiese.

76
        <pb n="93" />
        Nicht unbedeutend sind neben den Nationalschulden Argentiniens die Schulden
seiner Provinzen. Die auswärtige Schuld der Provinz Buenos Aires belief sich
am 31. Dezember 1911 noch auf 126846898 $ Gold und die interne Schuld auf
75623460 $ m/n; die der Provinz Tucuman vom gleichen Datum auf 4897500 $ Gold
äußere Schuld und auf 1061953 $ m/n innere Schuld und die der Provinz Men-
doza auf 29385300 Frcs. äußere Schuld und auf 3098233 $ m/n innere Schuld"
Bei der Provinz Entre Rios handelt es sich nur um innere Schuld, die am 31. De-
zember 1911 sich auf 6692650 $ m/n belief. Die Provinz San Juan hat eine äußere
Schuld von noch 2448000 &amp; Gold und eine innere von 899190 $ m/n. Von der
Provinz Santa Fe sind 9528 200 $ m/n äußere Schuld und 13 851 050 $ m/n innere
Schuld zu erwähnen.

Wir machten schon im 3. Heft unserer vorjährigen Mitteilungen auf das
Anleihebedürinis der Provinzen aufmerksam. Entre Rios wünschte eine Anleihe
im Betrage von 6 Millionen $ Gold, ferner eine von 7 Millionen die Pro-
vinz Buenos Aires, eine von 6 Millionen Papier die Stadt Mendoza sowie
eine von 3 Millionen $ m/n die Stadt Santa F@. Die Provinz Buenos Aires hat
für kommendes Jahr 26528 692 Pesos für Aufwendungen für öffentliche Bauten vor-
gesehen, die durch Schuldtitel gedeckt werden müssen. Neuerdings ist die Regierung
von Corrientes ersucht worden, der Stadt Corrientes eine Anleihe von 2 Millionen $
Gold im In- oder Auslande aufzunehmen zu gestatten. Wir erwähnen noch eine
Anleihe zu 8'/2 °%/ mit Terrain-Garantie im Betrage von 800 000 m/n der Provinz
Salta bei der Banco Frances del Rio de la Plata. Auch die Provinzialregierung von
San Juan beantragte eine große Anleihe, doch erhob sich dagegen eine allgemeine
Opposition. Den meisten Provinzen wird es schwer, ihre Ausgaben mit den Einnahmen
in Einklang zu halten. Das Budget einiger Provinzen ist schon sehr groß. Das Budget
der Provinz Buenos Aires für das Jahr 1913 erreicht die Höhe von 69607 884 $ m/n
und übersteigt das von 1912 um 12302997 $ m/n. Sie rechnet auf 54980480 Pesos
ordentliche Einnahmen, 6007 000 Pesos außerordentliche und 8 689 925 Pesos spezielle
Einnahmen. Die Provinz Santa F@ berechnet für 1913 16 735 800 $ Einnahmen und
16707801 &amp; Ausgaben gegen 12790000 $ Einnahmen und 12 784 910 $ Ausgaben im
Jahre 1912. Die Provinz Tucuman sucht mit 6137 095 $ Einnahmen auszukommen.
Die Provin San Luis schätzt ihre Ausgaben für 1913 auf 2397891 $ Papier. Von
den übrigen Provinzen liegen uns nur Budgets vom Jahre 1912 vor. Sie betrugen
in Entre Rios 6774392 S, in Corrientes 3332 085 $, in Cördoba 8 608 453 $, in Mendoza
7402 909 8, in San Juan 1682798 $, in La Rioja 470 206 $, in Catamarca 474480 5,
in Santiago del Estero 2987 444 $, in Salta 2764595 $ und in Jujuy 791984 S. Die
Budgets der größeren Provinzstädte waren im Jahre 1912 wie folgt: La Plata
1452116 £&amp;, Rosario 4109072 $, Santa Fe 1166912 $, Parana 465400 $, Corrientes
301 718 $, Cördoba 1970180 $, San Luis 155888 S, Mendoza 1149996 $, San Juan
349310 $, La Rioja 33630 S, Catamarca 53070 $, Santiago del Estero 208815 S,
Tucuman 1.587 253 $, Salta 332 990 $ und Jujuy 160639 $, Das Budget der Haupt-
stadt Buenos Aires beträgt für 1913 45624028 $ gegen 45905437 S für 1912. Die
Stadt Buenos Aires hat den Bau großer Diagonal-Avenuen in Angriff genommen und

hat die ersten 15 Millionen Pesos, die sie am 7, Mai als Vorschuß auf ein später
abzuschließendes Anlehn bei der Firma Baring Broth. Ltd. aufgenommen hatte, infolge
großer Zahlungen schon für den 1. Block ausgegeben, und hat nun den Stadtrat um
die Ermächtigung zur Aufnahme eines weiteren Vorschusses von 15 Millionen $
ersucht. Die Stadtverwaltung von Buenos Aires hat auch dem Stadtrat einen Entwurf
über die Ausgabe von 10000000 $ in Pflasterungs-Bonos in 5 prozentiger Verzinsung
vorgelegt. Die erste Anleihe von 14 Millionen $ in_5 prozentigen Bonos municipales

77
        <pb n="94" />
        de pavimentacion vom Jahre 1904 sind fast vollständig ausgegeben worden, und so
werden nun die Bonos, die mit Gesetz 7091 im Jahre 1910 bis zu 40 Millionen autorisiert
wurden, in Umlauf gebracht, Da die Einnahmequellen ‘der Provinzen und Städte ganz
anderer Natur sind, als die der Nationalregierung, so ist auch deren Kreditlähigkeit
und Kreditsicherheit eine andere, was selten richtig beachtet wird und doch volle
Berücksichtigung verdient,

Von den argentinischen Banken ist zu berichten, daß die Nationalbank vor
allem bedeutende Fortschritte sowohl in Depositen als auch im Umfange ihrer Darlehn
gemacht hat. Bei fremden Banken sind Depositen mehr oder weniger stationär
geblieben, während die einheimischen Aktienbanken nur sehr geringe Zunahmen ver-
zeichnen. Nichtsdestoweniger haben sie den Forderungen ihrer Kunden Rechnung
getragen und sind ihnen mit Darlehn von ganz bedeutenden Beträgen entgegengekommen.

Nächst der Banco de la Nacion haben die Provinzialbank von Buenos Aires,
die spanische Bank, die neue italienische Bank und die iranzösische bezw
galizische Bank große Darlehnszunahmen zu verzeichnen, Sobald uns der Stand der
Banken am Jahresschluß bekannt sein wird. werden wir nicht verfehlen, unsere Mitglieder
davon in Kenntnis zu setzen,

Von neuen Bankgründungen und Filialen liegen folgende Daten vor: Zunächst
ist in Buenos Aires eine neue mit großen Kapitalien arbeitende Filiale der Banco
Franc6s € Italiano para la America del Sud eröffnet worden, die von der Banque
de Paris et de Pays-Bas, der Societe Generale de Paris und der Banca Commerciale
Italiana in Mailand gegründet wurde und in Paris ihre Centrale hat, Außerdem wurde
der Banco Argentino de Prestamos Hipotecärios ermächtigt, Filialen im Innern zu
eröffnen. In Brüssel wurde unter dem Namen Banquz Immobiliere Hypo!hecaire
Argentine eine Aktiengesellschaft mit 6 Millionen Francs Grundkapital errichte‘,
das bis auf 25 Millionen erhöht werden darf. Sie steht unter dem Präsidium des ehe-
maligen argentinischen Generalkonsuls in Paris und bezweckt die Verwertung der
Konzession des Herrn Jose R, Salva, die derselbe von der argentinischen Regierung erhalten
hat, um Staatsbeamten und Offizieren der argentinischen Armee und Marine den Ankauf
von eigenen Häusern zu erleichtern. Mit dieser Bank hat auch die Societe International
de Constructions in Antwerpen ein Abkommen zwecks Ausführung der ihr über-
tragenen Bauten in Argentinien getroffen, In Mendoza ist mit belgischem Kapital
von 3 Millionen Francs eine Bank in der Gründung begriffen, welche neben Bank-
geschäften sich hauptsächlich mit dem Suchen nach unterirdischem Wasser und
Petroleum beschäftigen will. Ebenso soll eine Bank unter dem Namen Banco Credito
de Irrigacion auf Initiative der Herren Adolfo Davila und Dr, Juan E. Serü gegründet
werden. In Mendoza ist ferner eine Filiale der Nuevo Banco Italiano und der
Bauco Belga zu verzeichnen. In Cördoba ist eine neue Bank mit einer Filiale in
Villa Maria unter dem Namen Banco Comercial de la Provincia de Cördoba
eröffnet worden. In San Luis hat die Firma Andres Lucio &amp; Co. die Konzessin zur
Errichtung einer Bank uuter dem Namen Banco Hipotecario Franco Belga-Argentino
mit einem Stammkapital von 1 Million $ Gold ‚erhalten, die sich mit Hypotheken-
geschäften befassen will. In Rosario wurde eine Filiale der englisch-amerikanischen
Bank unter der Leitung des Herrn C. H. Cocks eröffnet. Die Bank der Provinz Buenos
Aires hat eine neue Zweigniederlassung in Florencio Varela geschaffen, und in
Entre Rios wurde eine Filiale der Banco Hipotecario Nacional in Concordia
eröffnet. In Salta wurde von Leon de Forges der Legislatur ein Projekt für die Gründung
einer Provinzial-Hypothekenbank mit 5000000 S Kapital zur Annahme vorgelegt.
Die Bankproiekte des Herrn Morgan Schuster, des früheren vielgenannten nord-

TR
        <pb n="95" />
        amerikanischen Finanzbeamten in Persien, der auf den Philippinen mit großen Erfolgen
das Zollwesen leitete, als wir die offizielle philippinische Beteiligung an der Weltaus-
stellung in Saint Louis organisierten, haben sich zerschlagen. Wir wollen hier die
Gründung mit schweizerischen und argentinischen Kapitalien unter dem Namen Banque
Suisse Sudamericaine in Tessin erwähnen, die mit 20 Millionen Fres. arbeitet und
verschiedene Filialen errichten will und auch schon vom argentinischen Justizminister
ermächtigt worden ist, eine Filiale in Buenos Aires einzurichten. Hier sei auch der
Banque Hypothecaire Franco-Argentine in Paris gedacht, die ein Kapital von
75 Millionen Fres. besitzt, ebenso der Banque Argentine et Francaise, die eine
Dividende von 5°/o ausgezahlt hat, ferner der schweizerisch-argentinischen Hypotheken-
bank in Zürich, die eine Dividende von 6°/ auf das eingezahlte Aktienkapital
beschloß. Nachdem wir auf die Geschäftsberichte der Banken übergegangen sind
erwähnen wir nebenbei noch von den weniger bekannten Banken eine 20°/ige
Dividende der Banco de Castilla y Rio de la Plata, eine 7°%/oige Dividende der
Bank Empleado de Comercio und eine 6° ige Dividende der Banco Anglo-Sud-
americano Ltd., die anscheinend sich mit der London Bank of Mexiko and South-
america Lid. vereinigen will. Die Bank Ibero Platense sucht 20000 Obligationen
zu je 500 Fres. zu placieren. Ebenso sucht die Banco El Hogar Argentino Obligationen
in Paris und die Bank Popular Argentino für 1 Million $ Gold Bonds in England
unterzubringen. In Bezug auf Hypotheken wurden von den Banken in Buenos Aires
auf Grundstücke in Buenos Aires von Januar bis November zusammen für 283939 788 5
und für die Liegenschaften in den Nationalterritorien für 36 600 638 S m/n eingetragen.
Die nationale Hypothekenbank wurde durch Dekret ermächtigt, für 25 000 000 5
m/n mehr Cedulas auszugeben, so daß sich dann die Gesamtausgabe auf 450 000 000 5
beläuft; da noch für weitere 25000000 die Ermächtigung nachgesucht wurde, so ist
anzunehmen, daß der Bedarf dafür sich in Bälde einstellen wird, da namentlich eine
rege Frage von Campleuten nach Cedulas besteht.
Die Conversionskasse hatte während dieses Jahres und des vorigen Jahres
Iolgende Bestände in Pesos Gold:
1912 a9
Januar 186 666 906 978 185 826 472 326
Februar 187 282 267 102 188 888 775 364
März 195 114 053 514 195 086 447 388
April 204 506 629 002 196 780 213 714
Mai 209 460 401 498 196 556 497 630
Juni 213 866 098 098 196 279 626 452
Juli 215.637 557 855 196 208 828 988
August 218 330 955 677 196 154 154 952
September 219 979 290 360 192 656 581 742
Oktober 222 608 071 732 192 017 229 614
November 222 914 628 304 189 259 751 477
Dezember 222 875 000 000 189 048 628 629
Vor nicht langer Zeit waren u.a, 21827000 Stück engl. £, 6 697 500 Stück nord-
amerikanische Eagles, 5918 000 Stück deutsche 20 Markstücke, 1 265 000 Stück Argentinos,
383000 20 Francsstücke u. a. aufgestapelt. Die Conversionskasse soll nun in das
Gebäude des höchsten Gerichtshofes verlegt werden.
Die Ein- und Ausgänge der Conversionskasse waren während des verflossenen
Jahres bis November wie nachstehend:

79
        <pb n="96" />
        1912 Eingänge Ausgänge
Januar 72 530 475 2 454 252 126
Februar 1 295 647 482 680 287 358
März 8 073 397 582 241 611 170
April 9 684 334 770 291 759 282
Mai 5 205 912 732 252 140 236
Juni 4 712 776 238 307 079 638
Juli 2052 135 519 280 675 762
August 2.902 188 827 208 791005
September 1.839 265 253 190 930 570
Oktober 2795 517 902 166 736 530
November 465 105 082 158553510
Die folgende Tabelle gibt die jährlichen Ein- und Ausgänge seit dem Be-
stehen der Conversionskasse:
Eingänge Ausgänge
$ ols S o/s
1899 1 373,00 110,00
1900 18 396 986,60 18 398 449,60
1901 311;32 311,32
1902 21 026,49 18 183,05
1903 46 041 420,56 7 803 116,78
1904 22 183 540,15 10.083 049,26
1905 42 274 833,32 2 464 423,23
1906 28 234 151,60 15 655 186,11
1907 30 655 916,99 28 275 059,88
1908 34 216 255,16 12 608 402,72
1909 50 176 348,94 43 781 752,37
1910 33 989 596,61 20 315 108,32
1911 144 319 109,68 113 776 682,89
Das bisher in der London and River Plate Bank eingerichtet gewesene Clearing
House wird von der Banco de la Nacion übernommen. Angeschlossen sind: The
London and River Plate Bank, die Deutsche Überseeische Bank, die Deutsch-Süd-
amerikanische Bank, The London and Brazilian Bank, El Nuevo Banco Italiano, The
Anglo Southamerican Bank, El Banco de Italia, The British Bank, El Banco de Comercio,
El Banco Frances y Italiano und El Banco de La Provincia; unter Zustimmung der
Mehrheit der bisherigen Mitglieder können auch andere Banken zugelassen werden.
Der Scheck-Verkehr, der in interessanter Weise die Bank- und Handelsope-
rationen der großen Welthandelsstadt Buenos Aires widerspiegelt, ist in folgender
Tabelle für die letzten beiden. Jahre nach Monaten dargestellt:
1912 1911
Januar 551 900 471,98 454 826 115,17
Februar 526 624 624,78 406 583 114,18
März 567 740 837,64 513 256 863,50
April 578 470 663,31 420 927 568,86
Mai 604 300 708,20 467 751 678,38
Juni 544 743 167,67 446 813 571,84
Juli 601 576 027,16 436 651 053,88
August 539 718 506,43 424 381 886,48
September 565 156 226,92 426 676 388,36
Oktober 614 646 874,24 462 893 692,76
November 568 438 653,44 499 865 111,14
Dezember 563 395 721,63 476 327 834 19

80
        <pb n="97" />
        Die Einnahmen aus den Einfuhrzöllen beliefen sich im Zollhause der Haupt-
stadt auf nachstehende Summen:
Pesos Pesos
I 1912_ Papier Gold
Januar 13 399 907,58 173 121,89
Februar 12 757 591,05 160 863,57
März 15 687 197,06 204 002,49
April 14 645 643,94 212 625,79
Mai 15 557 563,61 191 630,27
Juni 13.335.217,93 264 222,81
Juli 15 527 349,05 241 159,32
August 14 676 618,99 185 507,96
September 13 840 287,08 128 522,73
Oktober 14 691 660,96 169 953,77
November 12 907 316,52 128 075,18
Dezember 13 836 987,43 134 612,71
In Bezug auf Steuern betrugen die Einnahmen auf Grundbesitzsteuer, Lizenzen
und Stempelmarken während der ersten 11 Monate 1912, verglichen mit 1911:
1911 1912
Grundbesitzsteuer S$ 13127 565,71 $ 14 724 219,76
Lizenzen 5 962 250,46 6 460 745,51
Gestempeltes 14 104 955,16 14 868 795,81
$ 33.194 771,33 $ 36 053 761,08
Hinsichtlich der Internen Steuern produzierte das Jahr 1912 ca. 60 000 000 5
gegen 53444000 $ im Jahre 1911, 50581 000 im Jahre 1910, 47938000 $ im Jahre
1909 und 45521000 S im Jahre 1908,
Ein typisches Bild für Provinzialsteuern und Lizenzen gewährt das folgende
von der Provinz Santa Fe, die im Budget für das Jahr 1913 vorgesehen sind,
Lederhandlungen zahlen je nach Kategorie 200, 100 und 150 $, Pochwerk
von Maultieren getrieben 60 $, mit Dampf betrieben 80 und 100 $, Ver-
waltung von Eigentümern 300, 200 und 100 $, Diskontobanken 12000.
10.000, 6000 und 4000 S, Campbanken 2500 $.
Trödler (Ausverkauf) 100 S
Kinos 500, 400 und 300 $
Cafes ohne Billards 450, 350 und 250 $
Verkaufshäuser von medizinischen Kräutern 100 $
desgl. von Artikeln zur Arzneikunde 150 $
desgl. für photographische Artikel 150 $
desgl. von Wagen und Karren 500, 400 und 300 $
desgl. von Billards 150 $
desgl. von Reiseartikeln 250 und 200 $
desgl. von Grammophonen 150. $
desgl. von Kinematographen und Zubehörteilen 300 und 250 $
desgl. von chirurgischen Apparaten 150 und 100 $
Tapezierartikel 300, 200 und 100 $
Gummiartikel 100 $
Automobile und Zubehörteile 500, 400 und 300 $
Friseurgeschäfte 150 S

R 1
        <pb n="98" />
        Brennholzhandlungen 100 $

Kabel und Telegraphie Ges, 500 und 400 $
Kinematographen 150 $

Dentisten 150 $

Kartoffelhandlungen 100 $

Lampendepots 150 $
Schreibmaschinenhandlungen 200 S
Ölhandlungen 250 $

Bierhandlungen 100 $

Putzgeschäfte 200 $

Apotheken 500, 350 und 250 &amp;

Brauereien 2000, 1000 und 750 &amp;
Tanninfabriken 3000 und 2000 $
Tränkplätze 300 $

Maschinenanlage zum Reinigen von Getreide 150 $
Waschmaschinenfabrik 120 $
Kassenschrankfabriken 200 &amp;

Wasserplätze zum Waschen 100 $
Drahtwebereien 200 $

Gartenartikel 100 $

Schuhwaren aus Segeltuch 200 Ss
Hanfschuhe 100 S

Parfümerien 200 S

Sargfabriken 200 $

Steppdeckenfabriken 100 $

Biskuit- und Kakesfabriken 200 S
Bonbonsfabriken 100 $

Garagen 300, 200 und 150 $
Juwelenhandlungen 750, 550 und 450 &amp;
Leinwand- und Weißzeughandlungen 600, 400 und 300 $
Schuhputzsalons für jeden Sitz 50 &amp;
Yerbamühlen 300 und 200 $
Architektenbureaus 150 ®&amp;

Bäckereien 300 und 250 $

Sanatorien 400 und 200 &amp;

Läden mit mehr als einem zu besteuernden Zweig 700, 600 und 500 $
Dreschmaschinen 200 $

Maschinen zum Enthülsen von Mais 100 $
Aktiengesellschaften 3000, 2000 und 1000 £
Bankagenturen 500 $

Bankvertretungen 250 $

Kommissionäre 300 .und 200 &amp;

Dies sind ausschließlich Provinzialsteuern. Da dazu noch Munizipalsteuern
kommen, so ist ein Widerstand nicht ausgeschlossen.

In Bezug auf Steuerreiormen plädiert die „La Nacion“ für eine provisorische
Auffassung derselben, bis eine rationelle Reform nach dem Vorbilde Deutschlands und
Englands der gegenwärtigen Evolution entsprechend und die Lasten proportionell den
Einkommen gemäß verteilend, eingeführt werden kann. Wir können einem solchen
Bestreben nach jeder Richtung hin nur beipflichten und wünschen, daß es bald ge-
schehen möge,

872
        <pb n="99" />
        Wir geben nun den argentinischen Zahlungseinstellungen Raum, Es liegen uns
zunächst die folgenden Daten bis Ende November vor:
1912 Aktiva S Passiva S
Januar 3 020 310,05 3132 186,30
Februar 15 342 813,76 14 307 643,57
März 9 898 940,52 9 460 309,89
April 8421 872,22 8 179 473,70
Mai 7 997 917,77 7 194 860,44
Juni 4 818 534,96 4 593 094,82
Juli 7617 916,15 7 520 784,64
August 3 473 488,05 3 444 759,06
September 5733 355,44 6 043 075,81
Oktober 735151827 7 977 568,65
November 15.733 277,02 5215 642,15
Total 89 400 953,71 77 069 093,38
Superävit 12 340 860,33
„El Cronista Comercial“ vervollständigt sie in nachstehender Weise für den
Monat Dezember 1912:
Aktiva Passiva
Hauptstadt Buenos Aires 2796243 2672 208
Provinz Santa Fe ..... 1230877 961 293
% Buenos. Aires ‚. 1098323 1169904
® San Juan... 161 481 185 488
a Tucuman ... 124 190 155 576
” Cördoba... - 112570 114 045
Mendoza ... 53 768 64 423
Territorium Misiones .. 24 609 37 204
Den Branchen nach erhält man folgende Aufklärung gleichfalls für den Monat
Dezember:
Gewebe- und Manufakturbranche 1 347.422 475 275
Getreide- und Viehhandel 819 799 514 069
Weinkeltereien und Weinfabrikation 639 421 556 299
Verschiedenes 580137 547070
Kolonial- und Eisenwaren 519378 468462
Bauten und Baumaterialien 357 822 266 454
Import, Export und Kommission 329 375 296 724
Cafes, Hotels, Restaurants, Konditoreien 253 781 274 002
Tischlereien, Möbelhandlungen, Säge-
mühlen und Holzhandlungen 208 256 222 840
Schneidereien, Hutmacher, Herrenartikel 196 372 189 132
Allgemeines 178730 191 064
Mühlen- und Nudelfabriken 71842 73911
Druckereien, Papierhandlungen u. Bazare 42711 119 351
Eisengießereien 26 599 15 907
Schuhmachereien 11 538 16542
Juweliere 8367 19631
Wirkwarenfabriken 6007 9271
Apotheken 4 500 3830
        <pb n="100" />
        Das ganze Jahr 1912 hatte ein Aktivum von 95 012 018 $ u. ein Pässivum von 82 428 935 $

Dages, das, 1911 4 n „. 64010523$ ,; 3 „63425 909 $

an A AO ü „45.015722 86. „44428 869 $

Die folgenden Tabellen betreffen wichtige Daten und Notierungen von Staats-

papieren, Cedulas, Banktiteln, Aktien und sonstigen Effekten, welche unser Wirt-
schaftsbild von Argentinien weiter vervollständigen sollen:

Emis- Inter- Amor- Notierung

Cedulas, Titel und sonstige Effekten sion Pesos essen tisation höchste niedr. letzte

Cedulas nacionales, Serie A- o/s i 095,50. 75,50, 95,50

m/l 101,—

m/1 100,—

m/l 101,50

m/l 101,50

m/l 100,50

m/l 102,—

m/1 102,90 102,60 102,60

” n m/l 104,50 101.00 101,50

. m/l 101,— 90,50 101,—

R m/l ; 101,60 97,60 101,—

8 m/n ' 99,50 95,20 97,60

| N DR m/1 102,— 98,— 101,30

Cedula Argentina 8 . . _ m/n ; 101,20 95,10 98,—

Bonos Hip. Banco de la Prov. . — m/n C 99,60 93,— 97,—

Prov. Bs. As. Intern. Conversion 1908 m/l A 41,— 36,50 37,50

Deuda Interna Prov. Bs. Aires . „1900 m/n ; — —  88,—

Deuda Interna Prov. Bs. Aires . ; 1900 m/n e 100,50 94,— 100,50

Deuda Int. Prov. B. A. 2nd., Serie. 1905 m/n 98,50 92,— 95,50

id, id 3rdl., id. 105. mn 95,70 90,— 93,20

Deuda Con. In. Prov. Sta Fe, 1886 m/n 95,60 7,30 92,70

id, id. id, 1893 m/n — —, 92,50

Bonos Edif. Escolar Sta, Fe 1903 m/n 7 &amp; 94,—

Bonos Edif. Püblica Santa Fe 1903  m/n 94,50

Consolidada Prov. Entre Rios 1892,8 m/n 85,— 4..— 85,—

Deuda Municipal Buenos Aires , 1882 m/n — —.. 99,20

Emprestito Munic. Teatro Colon. 1897/9 m/n 95,— 92,— 93,50

B. Prov. Bs. As. con Obligaciones 1906 m/n 86,70 81.— 83,50

Creditö Argentino Interno . . 1905 m/n 936,— 90,— 91,70

Bonos de Edifi. Esc, Prov. Bs. As... 1906. m/n &gt; —  97,—

Emp. Munic. de Pavimentacion . 1906. m/n 95,50 82,50 88,20

Bon. Mun. Pavimentacion , . 1910. m/n ; 89,— 80,50 84,—

Prov. Buenos Aires Loan 3% 1906 o/s 73,30 67,20 68,—

Obras de Salubridad . ; 1905 o/s =- 69,90 69,— 69,—

Prov; Tucuman Loan . ; 1906 m/n : 95,20 94,50 95,—

Rosario Municipal Bonds ‚, 1904 m/n 5 = —  84,—

Pavimentacion de Mendoza 1908 m! 20 = — 89.50

MW
RA
        <pb n="101" />
        Letzte Notierung
Dividende Bank-Titel Klasse Wert höchste niedrigste letzte
10  Provincia de Buenos Aires Ord. 100 m/n 207,— 169,— 169,—
10 Frances del Rio de la Plata Ord. 100 o/s 168,— 152,50 154,50
22 Nuevo Italiano . . Ord. 100 m/n .420,—. 330,— 415,—
12  Espafiol del Rio de la Plata Ord. 100 m/n 206,50 195.50 196,50
t‘4 Italia y Rio de la Plata . Ord. 100 o/s 209— * — 185,—
1; _Banco de Galicia y Bs. As. Ord. 100 m/n 167,— 120,— 124—
8 El Hogar Argentino , . Deb. 100 m/n 112,— 10%— 108,—
il Id id (80 % paid). ; Cer. 250 m/n 279,— 251— 261,—
Banco del Comercio . . Ord.. 20 m/n . 24,80 .%.— 21,90
} Banco Comercial Italiano . Ord. 100 m/n 141,— 1 — 138—
10 Banco Rio de la Plata Ord. 100 m/n. 115,—. 11. —- 115—
DIVERSE INDUSTRIE - PAPIERE
Azucarera. Tucumana ; . Ord. 1100-0/s  105,— 91,— 91,—
i /2 Refineria Argentina . . A Ord. 100 m/n 105,— 102,— 105,—
‚u Sansinena Carnes Congeladas . Ord. 100 o/s 175,— 155,— 160,—
Smithfield and Argent. Meat, Ord. 5,04 o/s 5,10 “ 4,70
Frigorifico Argentino. “ Ord. 100 o/s 115,— &gt;» — 110,—
Mercado Central de Frutos Ord. 50 o/s. "00,— 90,— . 93—
Puerto San Nicolas . ; Ord. 45 m/n‘ 76,— 50,—  62—
Muelle de La Plata . “ Ord. 40:0/s 22, 220,50 \ 21—
Catalinas Warehouses Moles Ord. 10,08 o/s 14,50... 12,50 12,80
La Germania Destileria, etc. Pfaf.... 100. 0/s: 102,—. 100,—.. 10h
Lo % 3 Ord. 100 o/s  210,— 187,— 187,—
Cerveceria Palermo . ; Ord. 100 m/n 120,— 105,— 120,—
; Cerveceria Rio Segundo . Ord.. 500 m/n — — 600,—
50 Argentina de Pesca . ; Ord. 10 o/s — = 26,—
La Martona Lecheria, etc. . Ord, 100 o/s 100,— 100,— 100,—
}  Introduc. de Bs, Aires (Paats) . Ord. 100 o/s 85,— .84,— 8,—
Industrial Paraguaya . - Ord. ;:: 50/5 4,60 2,50 4,50
» M. S. Bagley y Co. Ltd. . Ord. 100 o/s 156,—  153,—. 156,—
ı M.S., Bagley y Co. Ltd. . ; Pfd. 100 o/s 110,— 104,— 110,—
R. P. Quebracho Company ; Ord. 1 o/s 1,30. —.80 hr
3 Camp: y Quebrachos Pt. Sastre Ordi 4 5.0/s 2,70 1,80 2,70
Quebrachales Fusionados . . Ord. 100. m/n 441,10... S4— 35,50
14 Ca. General Pobladora Ord. : 25 m/n 42,30. 37— 37,50
a Ca. Tierras de Guatrache . Ord. .20 m/n. 23,20 ‘70. 2130
20 Tierras del Oeste . ; Ord.. 20 m/n  50,—) 4u,— 45,90
Quebrachales Paraguayos - Ord, 5 0/s ü 1,90
Trust Alto Paraguay - - Ord, 1 o/s u — 80
Gas de La Plata AT Ord. 100 m/n - — 130,—
Anglo Arg. de Electricidad Ord. 100 m/n ı — 110,— 110,—
Electrica del Norte 4 Deb. 100 m/n 4. — 14,50 102,—
Electrica del Norte . ; Ord. 100. m/n... - 125,— 5 130,
i, Ca, Industrial de Electricidad Ord.. 100 o/s.. ı +- MW,— 100, —
iy La Inmobiliaria de Seguros Ord. 100 m/n 400,
2y La Franco Argentina de Segs. Ord. 50 mn %. — 180,— 200,—
12 Bolsa de Comercio, Edificio Ord:: 100 m/n. 750.—  600,— 750—

5
        <pb n="102" />
        N Telzte Notierung
Dividende Bank-Titel Klasse Wert höchste niedrigste letzte
10° La Edificadora . ; Ord.. ‚100 m/n 148,—, _130,— _130,—
14‘ La Bola de Nieve ‘. Ord. 100 m/n” 131,— 427,—- 131;—
20 Argentina de Edificacion . Ord. 100 m/n - 162,— 4 147,—' 157,—
20 Arg. de Creditos y Const. Ord. 100 m/n 170,— 120.— _ 170,—
i5  Primitiva de Bolsas . rd. 100 m/n 180,— 157,— -180,—
20 General de Fösforos . sl ‘)rd. 100 m/n 425,— 380— 1420,—
22  Arenera del Vizcaino 7 ‘rd. 100 m/n 280,— 7200,— 280,—
9‘ IS. A. Billetes de Banco ‘rd. 100 m/n 84,— 80,550 84,—
12'/, Telegräfica Telef. del Plata “rd. 100 m/n 172,30 4151,— 172,30
13 Argentina de Papel . ; Ord: 100 m/n 150,— 430,— 1130,—
18 El Eje (Axles and Wheels) Ord. 100 m/n 250,— 250,— 250,—
10 Fund, y Talleres La Union Ird. 100 m/n 118,—) 110,— 112,—
10 Gath y Chaves, Limitada . Ord. 100 0o/s 98,— 83,— 96,—
20 La Ibero Platense ; Ord. 100 m/n 145,1 127,— 1128—
12 Bodegas Tomba . . Ord.! 100 o/s 148,— 127.— 148,—

Argentiniens Außenhandel im Jahre 1911 nach der argentinischen Statistik.

Die offizielle argentinische Jahresstatistik für das Jahr 1911 (Anuario de la
Direcciön General de la Estadistica Correspondiente äl ano 1911) ist uns erst jetzt
zugegangen. Wir haben in unseren früheren Heften wiederholt statistische Zahlen über
den deutsch-argentinischen Handel für das Jahr 1911 gegeben und besonders aus-
führlich aus deutschen offiziellen Nachweisen. Nichtsdestoweniger nehmen wir Ver-
anlassung, nochmals darauf an der Hand dieser Statistik zurückzukommen. Wir ent-
nehmen zunächst der vom Direktor des argentinischen statistischen Amts, Herrn
Dr. F. Latzina, geschriebenen Einleitung folgende Bemerkungen: Trotz der sich an-
scheinend günstig präsentierenden Gesamtzahl der argentinischen Ausfuhr von
324689 390 $ Gold ist das Jahr 1911 seit 18 Jahren das erste, in welchem der Wert
des Imports den des Exports übertrifit. Seit dem Jahre 1894 fing der damals sich
erst recht entwickelnde Ackerbau an, den Wert des argentinischen Ausfuhrhandels zu
heben. Jahr für Jahr wuchs die Differenz zwischen Ein- und Ausfuhr, aber immer
zugunsten der letzteren, bis der Unterschied im Jahre 1905 seinen Höhepunkt mit
einer Summe von 117689421 $ Gold erreichte. Am schlechtesten in dieser Beziehung
schlossen die Jahre 1896 und 1897 ab mit einem resp. Überschuß von nur 4638425 S
Gold und 2880351 $ Gold. Dies ist jedoch in einem Lande wie Argentinien, dessen
Reichtum Ackerbau und Viehzucht bildem und welches klimatischen Gefahren sowie
auch periodischen Heuschreckenverwüstungen ausgesetzt ist, leicht verständlich. Die
Einiuhr nach Argentinien im Jahre 1911 im Betrage von 366810686 &amp; Gold übertrifft
die von 1910 um 15040030 &amp;$ Gold. Der Unterschied zwischen Ein- und Ausfuhr
stellt sich also im Jahre 1911 auf 42121296 S&amp; Gold zugunsten des Imports. Die Bar-
geldeinfuhr betrug 12764236 $ Gold, d.h. um 24263700 $ Gold weniger als im Jahre
1910. Wir geben in der nachfolgenden Übersicht im Anschluß an eine frühere von
uns im vorigen Jahre separat publizierten Tabelle die Einfuhrziffern in Waren-Gruppen
vergleichsweise für folgende Länder wieder: Deutschland und seine Kolonien, Belgien,
Holland und Kolonien, Großbritannien und Kolonien, Vereinigte Staaten Nordamerikas,
Frankreich, Italien, Spanien und Diverse. Deutschlands Einiuhr nach Argentinien

RG
        <pb n="103" />
        repräsentiert die stattliche Summe von 65862211 $ Gold, d.h. 4753323 $ Gold mehr
als im Jahre 1910, während England und seine Kolonien mit 116 440267 5 Gold eine
Abnahme von 1608333 $ Gold aufzuweisen hat, wogegen wiederum die Vereinigten
Staaten mit einer Einfuhr von 52369300 $ Gold einen Mehrwert von 3922000 $ Gold
zu verzeichnen hatten. Einen fast ebenso großen Mehrwert wie Deutschland weist
die Einfuhr Frankreichs und seiner Kolonien mit 38046400 S Gold auf, nämlich
4278300 $ Gold. Italien mit einer Einfuhr von 29346000 $ Gold schließt mit einem
Minus von 2430100 $ Gold ab. Spanien mit einer Einfuhr von 11279500 $ Gold
hatte ein Plus von 367900 $ Gold und ebenso Holland mit seinen Kolonien mit einer
Einfuhr von 3389200 $ Gold ein solches von 856900 $ Gold, Dagegen weist Belgien
einen allerdings nur geringen Rückgang von 113800 $ Gold auf bei einer Einfuhr von
19485200 &amp; Gold. Auch Brasiliens Einfuhr von 8461416 $ Gold zeigt im Vergleich
zum Vorjahre eine Minusdifferenz von 642178 $ Gold, Oesterreich-Ungarn mit einer
Einfuhr von 4304114 $ Gold hat eine Zunahme von 837999 $&amp; Gold, ferner Uruguay
mit einer Einfuhr von 3069648 $ Gold eine solche von 807254 $ Gold und Chile mit
einer Einfuhr von 682302 $ Gold ein Plus von 200753 $ zu verzeichnen. Paraguay
mit einer Einfuhr von 2961303 $ Gold überrascht mit einem Zuwachs von 1406616 5
Gold. Bolivien stellt nur eine unbedeutende Einfuhr voo 149388 $ Gold und ein kleines
Plus von 11053 $ Gold zur Schau. Für die noch nicht erwähnten Länder gibt die
folgende alphabetisch geordnete Tabelle Aufschluß über deren Einfuhrziffern:

Costarica 272 S$ Gold Peru 521 603 $ Gold

Cuba 814767 SI, Portugal 481848 5

China 690 938 Portugiesische

Dänemark 73.153 Besitzungen 408.81

Ecuador 12 758 Rumänien Ga

Aegypten 8 639 Rußland 1.738.157 #

Griechenland 55535 San Salvador 42 N

Guatemala 420 Santo Domingo 3438 SI.

Japan 519 627 5 Süd-Afrika 56100. $

Mexico 10 855 i Schweden 1666645 5

Nicaragua / ! Schweiz 2867224 SI

Norwegen 1041 1: / Türkei 3388775

Panama en . Venezuela 5 156 SI.

Wir lassen nun die erwähnte Tabelle umseitig folgen:

Wir verweisen auf die Erläuterungen und Ergänzungen der im vorigen Jahre von
uns in einem Separatheft ausgegebenen Tabelle und fügen hinzu, daß die Art der
Einfuhr sich in den letzten Jahren nicht verändert hat, wohl aber das Verhältnis
zwischen der Einfuhr der improduktiven und reproduktiven Artikel, das allmählich
zugunsten der letzteren besser geworden ist.

Der argentinische Außenhandel besteht bekanntlich fast ausschließlich im Import
von Industrieprodukten und Luxusartikeln und im Export aus Rohstoffen aus der Vieh-
zucht und dem Ackbau und allenfalls noch aus dem Forstwesen, denn die Jagd und
Fischerei und der Bergbau tragen verhältnismäßig nur wenig zur Erhöhung der Export-
werte bei. Die im Verhältnis zum Bevölkerungszuwachs fast an das Unglaubliche
grenzende Export-Steigerung seit ungefähr 50 Jahren steht aber einzig in der
Weltgeschichte da und gibt den besten Beweis von der großen Produktivität
Argentiniens bei einem verhältnismäßig sehr geringen Energieaufwand. Während die
Bevölkerung Argentiniens sich seit 50 Jahren kaum vervierfacht hat, ist der Aus-

87
        <pb n="104" />
        Tabelle der argentinischen Einfuhr in Tausenden von 5 Gold %it den korrespondierenden Prozentsätzen der Gesamteinfuhr
d  Großbritanni Vereinigte
Abschnitt Jahr Deutschland Belgien dien And Kolonien Sean | Frankreich Italien | Spanien | Diverse | Total
[9% 19% LO Ko | %% | °/o | %% | 0 %
L Lebende Tiere. . . :.. . ‘1911 7,4| 1.4 17,03 —! 180,6/346 25| 0,5, 433 83 3.1 0,6 .5,0| 0,9 277,9|53,4: „521,5
II. Lebensmittel ;
a) Herische 810. Hm Brele aa101 190,2| 3,4 6,0| 0,1| 206,6| 3/7 655,8|11,6, 149,7| 2,7| . 256,4| 4,5: 1837,6 31,2 1253,6|22,2 1031,6|20,6 637,5
b) pflanzliche... *, 27980 [11,8 [0340,4 | 1,411 209,0 13 1746,8| 7,4 181,5 98V 1440,9| 6,1. 3326,4|14,0 1813,4| 7,6 11755,8|49,6 23 699,2
U Tabak und Erzeugnisse daraus 1911 6233| 1.0 1068| 18| 99,4] 16 1682,1|28,5 5284| 9,01 \ 17,1] 0,3 931,1 | 15,8 76| 0,11 2453,8|41,8 58918
IV. Getränke
a) Wein: SAN 5100, 7 POLE 65,4| 0,7 y, al 722 20,2| 0,2 23 0 2882,6|29,7 4356,6|44,8 2 109,2 2u7| 267,4| 29 9711,9
b) Branntwein und Liköre. , . 1911 zZ a 1,7/ — I 2482178 HE 2 0,31 1 761,7|55,6 m 246,6| 7,71  328| 1.1 3 166,8
c} sonstige Getränke...“ A191 74,3 |_8,0 1221 13 0,3 — 1538116,7 40,7| 44 =117,2/12,8 162,0|17,6 285,9|31,2; 73,91 8,0 920,4
7” Textil - Rohstoffe und Waren
daraus
a) Seide 00) ERS AO i 1911 1 093,8 | 18,6 65,2| 1,1 el _ 585,0 | 10,0 23,3| 0,4 2963,6| 50,0 657,7 [11,2 28,7 1,.0,5 448,1! 8,2 5865,3
b) Wolle 5 8 109 50° 3 272,1 22,00 541.111 3:31 13,0 01 6948,0 48,8 120| 0,1 2666,0|18,7 5332| 3,7 121,4 0,8 140,9' 1,1] 14 249,2
c) Baumwolle! #049 5.2900 A os 246,3 14,7 002'081,2 115,810 597,3 16 !5707,9/44,1 371,4| 1,4 2968,0| 8,3 70456 19,8, 1222,2| 3,4| 336,6| 0,9. 35 576,5
d} sonstige... . ... ao 1246| 8,091 007,5| 7,215 268 02 9069,0 64,7 173,0| 1,2] 1215,4| 86 927,0 56 318,5| 2,2 1452| 1,1! 14 007,0
VL. Öle und Fette, auch Essenzen etc, 1911 263,4] 1,6 143,7| 0,9] 406,4 28 2382,3|15,0 8610,4 54,2 243,6| 1,5 2 229,6 | 14,0 938,1 |: 5,9 673,3| 4,4. 15890,5
VIL Chemische und pharmazeut.
Stoffe und Produkte 4A a 223121183 57.01 45 413,0] 2238,4|18,4 1945,3 16,0 29873 245 1015| 57 4835| 3,5 4 5,7: 12.178,35
VIEL Farben und Farbwaren . . . 1911 813,9 |33,3 44,9| 1,81 118,0 48 937,3 | 38,3 266,2|10,9 1203,3| 8,3 27,5) 11. 6,11.0.208. 27,71 13024449
IX. Holz- und sonstige Faserstoffe ' ; | . | |
und Produkte daraus N | 1
a) Rohstoffe und Halbfabrikate , * 1911 243,6 | 5,2! 4255| 0,9 9,8 |. 0,2 mas! 1,7 960,0 |20,5 152,8| 3,2 94,5| 2,0, 290,6| 6,2 2802,2 51,1 4676,8
b} Fabrikate . 101009 500 Eon 617,6 (28,2 116,0| 2,0 el A 7695 |13.4! 1066,9/18,7 863,7|15,1 361,7| 6,3| 204,2| 3,5, 7212/1238 5 723,8
X. Papier und Papierwaren ] . _
a) Papier und Pappe}... . M91172593,3 49,6} 130,3| 2,5| 183,0| 35 640.4 ı22l 821,3/15,71 2755| 5,2' 149,3! 26| 99.2| 1,9, 331,2 6,8 52245
A A 80,0| 2,3 5,3] 01 813,3 | 23,6 1020 4,7 362,6|10,5 345,7 10,0 420,1|12,2 38,6| 1,3 3445,5
XI Leder und Lederwaren . . . 1911 712,9 | 19,8 28,11 0,8 al 2 659,5|13,3 1011,6|28,1 954,7 | 26,5 68,7 1,9 39,11 1,1 122,01 3,503 597,8
XIL Eisen und Stahl und Fabrikate | | l \
daraus ;
a) Rohstoffe und Halbfabrikate . 1911! 51586 270 3758,0|164 24,1| 01 10148 306 SI 7] 27 191 01 235) 0,1 Sl 0,5 22 885,5
b) Fabrikate . . ..... . 1911' 6861,4133,9 826,7 | 4,1 — 04 14355.2/21,5 5712,9|23,3 1570,71 7,8 365,6 1.1,8 71,6| 0,3: 358,11_1,8 20 200,3
XIIL Sonstige Metalle und Fabrikate | | ;
daraus |
a) Fabrikate und Halbfabrikate . 1911 1381,9|25,6' 1225,5/22,51 10,0 02 17020 33,07 18261 3,4. 114,41: 2,1 1,91 — 675,2 12,5 33,3| 0,7 5386,8
b) Fabrikate 13300 2150 m 22,4 02 601,6 /15,9| 682,5| 6,7 1876,6 18:6| 919.91 9,1 46,3| 0,51 1595,4|15,9 10092,8
XIV; Ackerbau... 5 He OH 2043,3 | 14,9 41,1| 0,3 53,0 0,4 en 6,11 6185,3|45,2 2788,6|20,4 860,5 63 2107| ı5 692,7] 49 13 692,4
XV. Transportmitel. . . .. .. Mol 9810,1|26,6 2 876,2 9 105,21 03 541,9|39,4 57028|15,7 2006,3| 5,41 394.7! 1,8  325| 0,1 1362,7 3,9 36 865.4
XVI. Steine, Erden, Glas, Ton etc. 5805 . n
a} Rohstoffe und Halbfabrikate , 1911 397,5| 1,4 96,3| 0,3 70 2 en 90,8! 404,0 1,4 523,4| 1,8] 165,1 06 1,9| — | 1012,0| :3,7' 28 442,7
b) Fabriken en do 1937,4140,708 556,1 111,011 :180,9 3,8 "on ee 181,7| 3,8| 628,6 |13,2 130,6 | 2,8 10.2/ 0,2 1415| 3,7 47594
XVIL Baumaterialien. .. .. „1911 3363,7/| 99 4110,8|ı2,2] 126,5' 0,4 1 47,7| 14,6 | 12587,8|37,2° 2226,2| 6,61 766,0 2,1] 275,4] 0,8 5 388,3 | 16,2 33 789,4
XVII. Elektrizität... .....-..- \ 1911 344881516 87,6 1,3| 1027| 19 a 24,811 40521 7,41 2870| 43/1 496.11 7,4. 091 —1 107,4| 1,7 6683,7
XIX. Verschiedenes... sc. 364,71 3,4 | 03 zn 14,1] 7987| 6.9 1948,0116,81 1074,22 9,31 88,4| 0,8 19902 17,0[ 115830
Total Sn | 65862211801 19485.2| 5,31 3389.21 0 16440.3|31,8|52 369,3 14.238 046,4 | 10.4129 346,0] 8.0l11279,5| 3,1130 592,2 8,3 66 810.3
x
QR
        <pb n="105" />
        fuhrwert dank der Landwirtschaft auf das Sechundzwanzigiache gestiegen. Die
Ausfuhr der Ackerbauprodukte erreichte im Jahre 1911 die Ziffer von 139 764 386 $ Gold,
die der Viehzuchtprodukte 168394733 $ Gold und die der Forstprodukte
12 254 604 $ Gold. Wir erwähnen von den wichtigsten landwirtschaitlichen Produkten
die Tonnenzahl des ausgeführten Weizens, Maises, Leinsamens, Mehles und der Kleie.
Im Jahre 1911 wurden exportiert
2285951 Tonnen Weizen
125.185 ® Mais
415 805 4 Leinsamen
118 486 4 Mehl
214 634 Kleie
Von den wichtigsten Viehzuchtprodukten geben wir die Gesamtwerte der Wolle,
Häute, des Fleisches und Talgs, Die Ausfuhr der Wolle besaß im Jahre 1911
einen Wert von 50494 027. © Gold
von Häuten 44 359 065 *
von Fleisch 421306 488 5
von Talg 11 768 900
| Die Ausfuhr von Quebracho betrug 12 254 604 $ Gold. Der Bergbau lieferte haupt-
sächlich Kupfer und etwas Wolfram im Betrage von 15653388 Gold und die Jagd und
die Fischerei brachte einen Wert von 1663281 S Gold. Von den Ländern, die
argentinische Exportprodukte konsumieren, steht Großbritannien an erster Stelle;
es folgen dann Deutschland, Frankreich, Belgien, die Vereinigten Staaten, Brasilien,
Italien, Holland, Chile, Oesterreich-Ungarn, Uruguay, Spanien, Schweden, Norwegen u. a.
Die folgende alphabetische Tabelle gibt näheren Aufschluß:;
1911-1910
1711 Plus oder Minus
U Länder Betrag in $ Gold Prozentsatz im Vergleich zu 1910
Belgien 35 625 605 11,0 % 5 144 862
Bolivien 782 467 0,2% 203 989
Brasilien 17 874 106 5,5% 332 080
Chile 2988 695 0,9% 282 129
Deutschland 43 073 014 13:3 °% 1981 803
Frankreich 39 692 434 12,2% + 1930 722
Großbritannien 91 841 231 28,3 °% +11 047 746
Holland 6 440 459 2,0% - 2139951
Italien 13 586 663 4,2 °/ 3.111801
Oesterreich-Ungarn 2398 076 0,7 % 530 373
Paraguay 429 668 0,1% 286 418
Spanien 2177 729 0,7% - 692348
Südafrika 252 158 0,1°% 85 096
Uruguay 2340 913 0,7% 806 956
Vereinigte Staaten 24 300 464 7,9% 1 023 097
Andere Länder 4 536 761 1.4% — 2537 060
Auf Order 36 357 095 11,2% - 67 426 140
Total 324 697 538 10Nn—9 —47 928517

na
90
        <pb n="106" />
        Der argentinische Einiuhrhandel im Jahre 1912° ist trotz der schlechten
Weizenernte, aber infolge der ausgezeichneten Maisernte ein recht zufriedenstellender
geworden. Er erreichte in den ersten 9 Monaten die Höhe von 283 516830 S Gold.
An der Spitze der Einfuhrländer steht Großbritannien mit 86650998 &amp; Gold. Es
kommt dann aber Deutschland mit 46 784971 $ Gold, dahinter folgen:

S Gold S$ Gold

Vereinigte Staaten 42 250 328 Canada 1 386 793

Frankreich 28 985 576 Norwegen 1165513

Italien 24 800 323 Cuba 824 296

Belgien 16 067 423 Japan 604 848

Spanien 8 963 427 China 362 598

Brasilien 6984 678 Chile 451 399

Britische Besitzungen 3119382 Australien 402 839

Oesterreich-Ungarn 2713414 Bolivien 378 844

Niederlande 2588 964 Portugal 365 347

Uruguay 1 956 216 Rußland 173 748

Schweiz 1 672 938 Dänemark 151.115
Schweden 1 798 817 Türkei 86 937
Paraguay 1.560 922
In Gruppen geordnet gibt der neunmonatliche Import folgendes Zahlenbild in Goldpesos:
Differenz im Ver-
gleich zum Vorjahre
Lebende Tiere 435633 + 102756
Lebensmittel 21757983 — 574815
Tabak und Manufakte 5405195 + 1064 085
Getränke 10731530 +) 523953
Textilprodukte 60536714 + 5907 121
Öle und Fette 13 197 521 + 594949
Chemische und Pharmaz, Substanzen 10718921 + 1385315
Farben und Tinten 1908027 — 14811
Holz und Manufakte 7399538 — 772242
Papier und Papierwaren 7186952 + 858084
Leder und Lederwaren 2808 277 1 4168 778
Eisen und Eisenwaren 34681800 * 1901976
Andere Metalle und Manufakte 10771565 — 954494
Ackerbauprodukte 8010051 + 117452
Transportmittel 24087645 — 4564315
Steine, Erden, Glas und keram., Produkte 23583980 — 1476230
Baumaterialien 24290776 — 1063072
Elektrische Artikel 6941984 + 2066 601
Diverse Artikel und Manufakte __ 9.062 746 4747 386
Total 283516838 - -- 7048 109
Die folgende Tabelle, welche wir der „Buenos Aires Handelszeitung“ entnehmen,
enthält die wichtigsten Einiuhrartikel. Über die Ausiuhrprodukte für dieselbe neun-
monatliche Periode haben wir bereits in der Dezembernummer unserer Mitteilungen
Ausführliches berichtet.

O1
        <pb n="107" />
        Gegen den

entsprechenden

Zeitraum desVor-

Januar-Sept. jahrs mehr (+)

1912 od. weniger (—)

Artikel $ Gold S Gold

Reis, ungeschält 283167 — 35 942
do. geschält 21676502 + 655853
Malz 954553 - 229 665
Rohzucker 31 1089310

Raffinade - 455 920 2218831
Kaffee in Bohnen 1 283 985 320 850
Tee 787 897 48 893

Yerba, brasilianische 3581831 — 179881
Id., paraguaysche 461983 326 549

Olivenöl 3785 755 1 196 651
Käse 1668314 + 175 144
Sardinen 828937 — 6112
Stockfisch 550586 + 64 744
Tabaksblätter 2.747 432 532431
Zigarren 1 041 631 22 090
Wein in Fässern 3 823 298 206 682
Wermuth in Flaschen 2158 140 47 564
Champagner 683460 41 910
Bitter in Flaschen 726 772 + 62 426
Cognac in Flaschen 343566 — 233222
do. in Fässern 230446 + 44513
Genever in Flaschen 165 840 - 15 003
Mineralwasser 426 816 95 632
Seidenzeuge 1934701 + 174327
Seidenbänder 501662 — 284
do. halbseiden 186934 — 16 601
Zeuge, halbseiden 304024 — 92 144
Taschentücher, seidene 562 771 231 509
Konfektion, seidene 365 228 26 256
Wollzeuge 5 363 975 291 462
Halbwollzeuge 2 065 298 580 273
Plüsch, geschn. 829720 52.034
do. gekr. 208473 - 15 093
Konfektion aus Wolle 1361 408 462 938
Kleider aus Wolle 151 265 137515
Zeuge aus Wolle und Seide 501 128 84 076
Wollgarn 389 786 79 620
do. für Stickerei 234741 - 77 845
Baumwollgarn 1257675 295 460
do. gefärbt 745 389 76 453

do. Zeuge, ungefärbt 3948355 - 821 824

do. mit Wolleinschlag 957390 - 39 729

do, mit Seideneinschl. 1 182 640 24 338

do. bedruckt 3 400 528 209 975
do. gefärbt 9 086 838 694 742

7
        <pb n="108" />
        Gegen den
entsprechenden
Zeitraum des Vor-
Januar-Sept. jahrs mehr (+)
1912 od, weniger (—)
Artikel $ Gold $ Gold
Baumwollgarn, gefärbt, nicht spec. 844 230 L 84 845
do. roh 968066 + 61 390
Strümpfe 1108371 — 240811
Taschentücher 733171 116 904
Spitzen 1 071 934 20 750
Bettdecken 474 893 L 79 752
Konfektion aus Baumwolle 861 746 b 205 529
Drillich 1005729 — 44 126
Sackleinwand 4567975 + 3533586
Säcke, do. 616660 + 458519
Faden für Mähmaschinen 806963 + 507980
Nähfaden 712679 + 67 010
Baumwollgarn 240381 + 25 609
Faden anderer Fiber 388070 + 35518
Hüllen für gefrorenes Fleisch 444604 — 169316
Hanftuch 423262 + 207.000
do. für Wagendecken 191709 + 6013
Leinen-Tischzeug 161737 -—+ 21 869
Leinenzeug 700 401 304.037
Schmieröl 1848986 + 314 117
Baumwollöl 696 215 U 212,503
Terpentinöl 194552 — 16 447
Petroleum 1 901 424 "1469 353
Rohnaphtha 3583 525 1 681 630
Steinkohle 17627001 -- 996904
Weinsteinsäure 746 459 ! 442 487
Stearinkerzen 831 322 198 570
Calciumcarbid 412 748 93 669
Seifen 457 484 85613
Pulver 405 063 80 999
Medikamente 1715 683 129 447
Holzstoff 447 770 209 874
Parfümerien 1 110548 ; 36231
Glaswaren 909204 — 55 736
Flaschen 233006 — 4 250
Tonwaren 774 308 96 724
Porzellanwaren 347 007 66 995
Tafelglas 1.072 066 - 185284
do. für Böden 166374 + - 7588
Cement 3605602 + 319383
Tonplättchen 275531 41 450
do. glasierte 965173 ‘. 402432
Tannenholz 11185437 — 120039
Amerikanisches Hartholz 482970 — 1120633

92
        <pb n="109" />
        " Gegen den
entsprechenden
Zeitraum desVor-
Januar-Sept. jahrs mehr (+)
1912 od. weniger (—)
Artikel $ Gold $ Gold
Fässer, Dauben 677820 + 142 406
Möbel 2143933 — 24 986
Pianos 681 978 26 501
Musikinstrumente, hölzerne 151615 23 764
Strohhüte 167 120 38 638
Taschenuhren 1611277 184 095
Andere Uhren 176 244 26 860
Geschmeide 1 706 095 646 170
Kupferwaren 822 182 67 284
Elektroplatawaren 637 798 89817
Beleuchtungskörper 628 792 19252
Pelzkonfektion 192 685 47 745
Lederschuhe 47 111 10741
Treibriemen 173 666 21998
Kalbleder 324 265 43 342
Chevreauleder 581 420 68 584
Marrokinleder 343 971 72041
Zeitungspapier 1 268 357 95 707
Schreibpapier 326 067 53 299
Werkpapier 855 942 - 129785
Tapeten 233 892 19 694
Ziparrettenpapier 257 834 $ 102 968
Karton 579 613 . 1252
Druckarbeiten 688 600 . 103 262
Bücher 901 843 152819
Roheisen 5 054 846 '- 888475
do, bearbeitet 2.039 366 558 226
Rohstahl 396 190 134 364
Wellblech 4 964 059 756 824
Glatter Draht, verzinkt 1 622 339 127 048
Stacheldraht, verzinkt 801 484 93 532
Glatter Draht, unverzinkt 6C6 946 50 504
Nägel 417 570 393 898
Schrauben 837 045 801 280
Feuerwaffen 300 802 65.362
Küchengeschirr 924 872 28 528
Wasserpumpen 352 590 Hö221
Messerwaren 231 827 22 020
Kessel 348 575 88 574
Schlösser 263 498 7
Herde, Öfen 240 670 . 24 966
Handwerkzeuge 416 646 67 927
Nähmaschinen 668 584 139 575
Schreibmaschinen 185 445 - 33 492
Diverse Maschinen 5724133 + 1015522

04
        <pb n="110" />
        Gegen den
‘ entsprechenden
Zeitraum des Vor-
Januar-Sept, jahrs mehr (+)
1912 od. weniger‘ (—)
Artikel $ Gold ” $'Gold
Lokomotiven 1621 946 ‘11-759 270
Laschen 899 629 1022 387
Stahlschienen 3.928 040 5864192
Räder, Achsen 910.430 523 682
Diverse Eisenbahnmaterialien 4 199.752 _ 173 296
do. Straßenbahnmaterialien 1.596.151 - 949 995
Eisenbahnwagen 2545 748 —-— 218991
Automobile 3.705.180. +. 2.007 965
Fahrräder 251834 -—- 65 158
Elektrische Kabel 2231293 +, 1175051
Dynamos 1 391 131 kan 715134
Glühlampen 344.401 10349
Strom-Messer 359 604 73 678
Träger 2:565 232 315 840
Eiserne Röhren 955 150 220 174
do. verzinkt 1.053 Z17 330 994
Eiserne Säulen 208 281 182319
Material für Brückenbau 764 395 405 156
Material für Kanalisations-Werke 790 686 632572
Kupfer und. Bronce, roh 441 670 129.899
Blech, roh 684 401 98.035
Blei, roh 503 592 126 844
Zinkbleche 250 090 1 750 170
Pflüge 764 228 637 629
Sämaschinen 329 124 105 368
Mähmaschinen 1.952 218 1 100 608
Dreschmaschinen 585 497 33322
Saatkartoffel 256 763 990 024
Luzernesaat 740 081 482 636
Andere Samen 1.067 045 65517
Krätzemittel 1570432 -, 337451
Kommentare und vergleichende Betrachtungen behalten wir uns für die Jahres-
periode vor, wozu wir das nötige offizielle statistische Material für unsere nächste
Nummer rechtzeitig zu erhalten hoffen.
Der Export wertete im Jahre 1912 480 391.250 $ Gold
wm 1011 354607538 „m
„=  1910-,372,379 350 4
„... 1909397 193680 „»
; „ 1908 365725082
4 4907 :.295 888.372 4!
mw 1906: 289361 251.4 m
„1% 1905 319728205 „=
„ „1904. 261631940 „
„1903 219078946 „w
Wenn sich obige telegraphisch gesandte Exportziffer bestätigen sollte, so würd
die Ausfuhr von 1912 die von 1911 um 135 613718 $ Gold übertreffen,

05
        <pb n="111" />
        Die Aussichten dafür sind vorzüglich; Die Weltmarktpreise für die Ackerbau-
produkte sind gute gewesen. Die Viehzuchterzeugnisse erhielten im Vergleich zum
Vorjahre eine Werterhöhung von 20 °% und darüber, Auch die argentinische Wolle
hat die bisher höchsten Preise erzielt. Es kommen 139365 Tonnen zum Export im
Werte von 53576421 $ Gold.

Das neue Jahr hat mit einer ausgezeichneten Ernte begonnen und man hofft,
im Jahre 1913 insgesamt 3500000 Tonnen Weizen

700 000 u Leinsamen
6000000 „Mais
1 000 000 Y Hafer
zu ernten,

Wir enthalten uns weiterer Mitteilungen, da uns die offizielle Statistik noch
nicht vorliegt,

Dagegen sind wir in der Lage, zuverlässige Mitteilungen über den deutsch-
argentinischen Handel im Jahre 1912 zu machen und zwar an der ‘Hand des soeben
erschienenen Dezemberheftes der monatlichen Nachweise über den auswärtigen Handel
Deutschlands, die vom Kaiserlichen Statistischen Amte herausgegeben werden. Es sind
allerdings nur Gewichtsmengen und keine Wertziffern, die uns zur Verfügung stehen,
Letztere pflegen erst ein halbes Jahr später im „Statistischen Jahrbuch für das Deutsche
Reich“ zu erscheinen. Nur für Warengruppen für die Gesamtstatistik Deutschlands sind
in dem vorliegenden Dezemberhefte Wertzahlen angeführt, die wir in der folgenden
Tabelle zum Vergleich mit zum Ausdruck bringen.

1912 1911
Der Gesamtwert der deutschen Einiuhr betrug M.10 673029000 M. 10007 316 000
Der Gesamtwert der deutschen Ausiuhr betrug M. 9031269000 M. 8.224 398 000
Die Gesamtmenge der deutschen Einfuhr wog Dz. 713999257 Dz. 684 096 280
Die Gesamtmenge der deutschen Ausfuhr wog Dz. 654901114 Dz. 591501875
Aus Argentinien wurden davon eingeführt Dz. 18689082,58 Dz. 13931 481,23
Nach Argentinien wurden davon ausgeführt Dz, 4479 641,81 Dz. 4 106 622,18

Nach den 19 Warengruppen der deutschen Statistik geordnet ergeben sich
folgende Zahlenbilder:

1. Erzeugnisse der Land- und Forstwirtschaft oder Nahrunys- und Genußmittel.
Einfuhr Ausfuhr
1912 1911 1912 1911
(Deutscher) Gesamtwert in Mark 6891 528 000 6541 982000 1 465 424 000 1 423 984 000
(Deutsche) Gesamtmenge in
Doppelzentnern 268956739 265 162 098 48 439 855 51176 727
Argentinischer Anteil in
Doppelzentnern 186041 910,“ 13874 882,‘ 370 092 259 022
(Deutsche) Gesamtmenge von
Pferden in Stück 132 007 142 682 8038 7 948
Argentinischer Anteil 116 50
2. Mineralische und fossile Rohstoffe, Mineralöle.
Einfuhr Ausfuhr
__—_ __ 1912 1911 1912 1911
Gesamtwert in Mark 963 190 000 900120000 764691000 5640 442 000
Gesamtmenge in Doppelzentnern 399964675 376245225 470873373 415063 118
ArgentinischerAnteilin Doppel-
zentnern | 7 6 227 543

yAM 5 437 63257 =
Oß
        <pb n="112" />
        3. Zubereitetes Wachs, Kerzenstoffe, Seifen.
‘Einfuhr Ausfuhr
1912 1911 1912 1911
Gesamtwert in Mark 27 556 000 25 498 000 46 046 000 45 918 000
Gesamtmenge in Doppelzentnern 478 729 439 987 415 344 402 613
ArgentinischerAnteilinDoppel-
zentnern © 74 6377
4, Chemische und pharmazeutische Erzeugnisse, Farben und Farbwaren.
Einfuhr Ausfuhr
HE 21012 1911 1912 1911
Gesamtwert in Mark 385 169000 346101000 821367000 755 603 000
Gesamtmenge in Doppelzentnern 19 343 044 18 355 344 41 665 210 40 292 924
Argentinischer Anteil in Doppel-
zentnern 80 028 51 162 31 726 26 950
5. Tierische und pflanzliche Spinnstoffe und Waren daraus.
Einfuhr Ausfuhr
1912 1911 1912 1911
Gesamtwert in Mark 848 107 000 789 911 000 1 455 596 000 1410 772 000
Gesamtmenge in Doppelzentnern 2916423 2695 001 4 072 200 3 772.082
ArgentinischerAnteilin Dop pel-
zentnern rn, 35 228,“
6. Leder und Lederwaren.
Einfuhr Ausfuhr
N 1912 1911 1912 1911
Gesamtwert in Mark 163 821 000 160206000 504 623 000 426 317 000
Gesamtmenge in Doppelzentnern 191 111 177 274 511 408 503 183
Argentinischer Anteil in Doppel-
zentnern 3 548 1478
7. Kautschukwaren.
Einfuhr Ausfuhr
- 1912 1911 1912 1911
Gesamtwert in Mark 29 768 000 26503000 120 093 000 57 629 000
Gesamtmenge in Doppelzentnern
(100 Kilo) 44 413 3 182 074 103 531
Argentinischer Anteil in Doppel-
zentnern 833 ‘1
8. Geflechte und Flechtwaren aus pflanzlichen Stoffen.
Einfuhr Ausfuhr
A-4912 1911 1912 1911
Gesamtwert in Mark 9 016 000 8 675 000 7 822 000 7 843 000
Gesamtmenge in Doppelzentnern
(100 Kilo) 51 079 * 7 Ss 46 439
Argentinischer Anteil

50
al 4u.
4U 10:
x 376
48 9b 4241:
97
        <pb n="113" />
        ‚9. Besen, Bürsten, Pinsel und Siebwaren.
Einfuhr Ausfuhr
nn 1912 “# 1911 1912 1911:
Gesamtwert in Mark 2.263 000 2 248 000 11 707 000 12 146 000
Gesamtmenge in Doppelzentnern
(100 Kilo) 74 764 29 325 30 326
Argentinischer Anteil in Doppel-
zentnern 56 ' 914
10. Waren: aus tierischen oder pflanzlichen Schnitz- oder Formerstoffen,
Einfuhr Ausfuhr
vn 5 A928 er UL I0Mni nase d012 4011,07
Gesamtwert in Mark 91 526 000 76 646000 139646000 124981 000
Gesamtmenge in Doppelzentnern
(100 Kilo) 490 694 498 697 1 047 718 978 883
Argentinischer Anteil in Doppel-
zentnern 220 32 356
11. Papier, Pappe und Waren daraus.
Einfuhr Ausfuhr
1912 194 2in- 1912 1911
Gesamtwert in Mark 32 469 000 29118 000... 231 337.000 227.735 .000
Gesamtmenge in Doppelzentnern
(100 Kilo) 1175884 1 213 247 4 903 924 4826 111
Argentinischer Anteil in Doppel-
zentnern 531 263 045
12. Bücher, Bilder, Gemälde.
Einfuhr Ausfuhr
Se 1912 1911 1912 1911
Gesamtwert in Mark 96 212 000 45 652 000 96 950 000 93 366 000
Gesamtmenge in Doppelzentnern
(100: Kilo) 74340 2 234 490 244 462
Argentinischer Anteil in Doppel-
zentnern 45 "17
13. Waren aus Stein oder anderen mineralischen Stoffen.
Einfuhr Ausfuhr
1912 1911 1912 1911
Gesamtwert in Mark 31531 000 30 053 000 20585000 25 467 000
Gesamtmenge: in Doppelzentnern
(100 Kilo) 6345 058 6 207 704 1.930 887 1 735 890
Argentinischer Anteil in Doppel-
zentnern -a 52 and.”

(4 Y1+ 1ö 7
7: A
36 =
257 &gt;
üz 73 15
24- ZZ:
3 530 50
9R
        <pb n="114" />
        14, Tonwaren.
Einfuhr Ausfuhr
1912 1911 1912 1911 Sn
Gesamtwert in Mark 7 463 000 7167000 101 300 000 95 650 000
Gesamtmenge in Doppelzentnern .
(100 Kilo) 1803439 1 789 007 6721 833 6 103 267
Argentinischer Anteil in Doppel-
zentnern "023 68 878
15. Glas und Glaswaren.
Einfuhr Ausfuhr
1912 1911 1912 1911
Gesamtwert in Mark 19 625 000 20064000 118409000 108 400 000
Gesamtmenge in Doppelzentnern
(100 Kilo) 200 599 253 196 2116 843 1 935 398
Argentinischer Anteil in Doppel-
zentnern ° 49 62 587
16. Edle Metalle und Waren daraus.
Einfuhr Ausfuhr
—_- 1912 1911 1912 1911
Gesamtwert in Mark 408 778 000 330 546 000 209493 000 171226 000
Gesamtmenge in Doppelzentnern
(100 Kilo) 16 723 a) 7 788 8579
Argentinischer Anteil in Doppel-
zentnern "41 3 29,58
17. Unedle Metalle und Waren daraus,
Einfuhr Ausfuhr
2 rn VOM i2. 2 ou
Gesamtwert in Mark 559 658.000 517115000 1649885 000 1436 930 000
Gesamtmenge in Doppelzentnern
(100 Kilo) 10926 707 9 974 294 63 385 805 56 721 434
Argentinischer Anteil in Doppel-
zentnern 2569 550 2763 929
18. Maschinen, elektrotechnische Erzeugnisse, Fahrzeuge.
Einfuhr Ausfuhr
$ 1912 1911. 1912 1911 En
Gesamtwert in Mark 116247000 113469000 1016811 000 912 712 000
Gesamtmenge in Doppelzentnern
(100 Kilo) 930 522 831 368 7320835 6 580 390
Argentinischer Anteil in Doppel-
zentnern ” I 237 365

10 9
78
1 Sl:
0.14 u.1: 217,70 Te:
31307
a9
        <pb n="115" />
        19. Feuerwaffen, Uhren, Tonwerkzeuge, Kinderspielzeuge.
Einfuhr Ausfuhr
—_ 1912 10H 1912 1911
Gesamtwert in Mark 36813 000 34583000 212551000 203 305 000
Gesamtmenge in Doppelzentnern
(100 Kilo) 17.112 97 898 056 856 391
Argentinischer Anteil in Doppel-
zentnern 1 35 037
Anhang: Unvollständig angemeldete Waren.
Einfuhr Ausfuhr
na 1912 1911 1912 1911
Gesamtwert in Mark 2 289 000 1 659 000 37 585 000 38 972 000
Gesamtmenge in Doppelzentnern
(100 Kilo) 57.052 3 606 101 730 120 127
Argentinischer Anteil in Doppel-
zentnern „726 4423
. Bevor wir auf Details eingehen, verweisen wir auf unsere im Augustheft vorigen
Jahres publizierte deutsche Statistik des deutsch-argentinischen Handels für das
erste Halbjahr 1912. Wir hatten dort die wichtigsten Produkte von 50 Posten der
Einfuhr und 300 der Ausfuhr im Vergleich mit gleichen derselben Periode im Vorjahre
kategorienweise wiedergegeben. Die vorliegende Jahresstatistik weist gleichfalls 50 Ein-
iuhrposten, dagegen aber 306 Ausiuhrposten auf, Die Kategorie der Geflechte und
Geflechtwaren aus pflanzlichen Stoffen fehlt hier ganz. Die Posten verteilen sich
wie folgt:
In der Kategorie I Nahrungs- und Genußmittel 45 Posten Einf... 13 Ausf.
KM u II Mineralische und fossile Stoffe 2 . N Sr
Ai N II Zubereit. Wachs, Kerzenstoffe " n 4
Wen 7 «Chem, u, pharmaz. Farben und Farbw. ” Sn {Ti
Hn R V Tier. u. pflanzl. Spinnst. u. War. dar. keine 50
Hl Sn VI Leder u. Lederwaren, Kürschnerwaren % 8
A R vI=_ Kautschukwaren 7 N Ba
Hin w „ill Geflechte u. Flechtw. a. pflanzl. Stoff, ® keine
en #7 1X Pinsel, Besen, Bürsten, Siebwaren nm 2 Ausf.
nam " % Waren aus tier. u. pflanzl. Schnitzst. " 12 0
nn w I Papier, Pappe und Waren daraus ® WB,
PA ” ı_ Bücher, Bilder, Gemälde 7 3
en “mul Waren aus Stein od. and. miner. St. 5 Sr
»mn ” v Tonwaren N Qe
Hm " AV Glas- und Glaswaren n 9,
Han „ XVI Edelmetalle und Waren daraus 1 Posten Einf, 5 Ausf.
ri „AVII Unedle Metalle und Waren daraus keine 12 7
cn „A U Maschinen, elektrot. Erzeugn., Fahrzeuge N 5
A „4X Feuerwaffen, Uhren, Kinderspielzeug in 11.
Wir beginnen mit der Einfuhr und wählen daraus folgende Posten:

1570
31 34 Wr
39
KB
100
        <pb n="116" />
        1912 1911
Stück Stück
Maulesel 116 50
Dz. Dz.
Weizen 5 462 009 5377103
Mais 5 000 701 1 289 258
Hafer 1 654 868 865 636
Gerste 76 607 511
Roggen 31 470 8946
Leinsaat 1 732 734 1 441 171
Malz 4829 1 462
Kleie 2.269 320 1932555
Reisabfälle 18 040 36 091
Oelkuchen 82 004 25411
Schlempe 11 179 11 606.
Malztreber und Malzkeime 25 177 11 768
Kreuzzuchtwolle im Schweiße 430 185 420 069
Merinowolle im Schweiße 128 242 149 041
Rindshäute roh, grün, gesalzen, naß 294 287 341 842
Rindshäute gekalkt, getrocknet (tr.) 39 891 40 629
Kalbfelle roh, grün, gesalzen, naß 10.997 11 399
Kalbfelle, gekalkt, getrocknet (tr.) 1.130 2539
Premier Jus 44 621 21 638
Talg von Rindern und Schafen 64 141 62 605
Oleo-Margarin 9.002 4 050
Därme, Magen, Blasen von Vieh, Lab 38 243 28 067
Tierblut und tierische Abgänge 46 005 31 861
Knochen, Knochenzapfen, Hufe, roh 13 386 19 798
Dieselben zu Schnitzzwecken 13587 7 380
Casein 9239 3 600
Walfischtran 19 564 26 014
Weinhefe 4 361 3475
Quebrachoholz in Blöcken 1 032 946 1 552 807
Quebrachoauszug 70 789 47 562
Wolframerze 5.083 5437
Monazitsand 2061
Nun zur Ausfuhr nach Kategorien
Kategorie I 1912 1911
Dz. Dz.
Rübenzucker roher, fester und füssiger 255 135 80 507
Stücken- und Krümelzucker 56 705 75 536
Platten- und Würfelzucker 17 493 18 605
Gemahlener Melisrübenzucker 5101 10 102
Reis, poliert 8299 33 761
Luzernesaat 6641 21 197
Bier in Flaschen 9 743 10 768
Hopfen 1522 1913
Wein 1283 1142
Mineralwasser, natürliches 5.937 4 750
Tomatenkonserven 1420 496
Kindermehl, Kraftmehl, Limonadenpulver 612 245
Hasen-, Kaninchen-, Biber- und Nutriahaare 201
101
        <pb n="117" />
        Kategorie II 1912 1911
Dz. Dz.
Portlandzement, Roman-Zement usw. 343 633
Steinkohlen, Anthrazit 287 372 327 543
Schmieröle, mineralische 1 569 —
Kategorie II
Lichte (Kerzen) 2020 2215
Sprechmaschinen 1 649 2052
Seifen, flüssige Seifen, Seifenpulver 1 484 1534
Glycerin, gereinigt 721 576
Kategorie IV
Weinsteinsäure 4 347 5320
Natriumsulfhydrat etc. 5 860 —_
Anilin u. a. n. b. g. Teerfarbstoffe 1 692 1 609
Bleimennige 3719 6755
Bleiweiß 8 389 7625
Papierdruckfarbe aus Ruß oder Kupferdruckschwärze 1.003 980
Blei-, Zink-, Lithoponweiß, Eisenmennige 1817 1630
Blei-, Farben-, Kohlenstifte 826 927
Schießpulver 2180 4478
Zündpillen, Zündhütchen etc, 384 912
Gefüllte Waffenpatronen 536 739
Zubereitete Arzneiwaren und andere pharmaz. Erzeugnisse 220 354
Chemische und pharmaz. Erzeugnisse, unvollständig angemeld. 417 599
Chemische Erzeugnisse, a. n. g. zum Heilgebrauche 139 154
Kampfer-Anisöl, Menthol etc, 90 67
Chloroform 90 79
Glühstrümpfe, ausgeglüht 27 42
Kategorie V
Seidenzwirn 220 248
Seidengewebe 187 265
Bänder, ganz aus Seide 101,11 132,92
Taschentücher aus Habutacgeweben und andere Gewebe 47,97 48,01
Bänder, teilweise aus Seide 180 123
Andere Seidengewebe 4168 517
Handschuhe aus Seide 24,80 17,42
Wirkwaren, Glühstrümpfe, nicht ausgeglüht 72 33
Spitzenstoffe 51,75 37,46
Posamentierwaren aus Seide 916 949
Zweidrähtiges Kammgarn 680 441
Garn aus Wolle 1 707 1 308
Fußbodenteppiche, gewebt 1.169 1.388
Sammet und Plüsch, sammet- und plüschartige Gewebe 350 376
Wollgewebe (Kleiderstoffe) 7 444 6771
Tricot- und Netzwaren, Unterkleider, geschnitten 356 380
Andere geschnittene oder abgepaßt gearbeitete Wirkwaren 706 729
Baumwollgarn, eindrahtig, gebleicht, gefärbt, bedruckt 2—11 1 146 1583
Garn, eindrahtig, gebleicht, gefärbt, bedruckt über 22—32 281 230
Garn, zwei- und mehrdrähtig bis Nr. 11, englisch 235 95
Baumwollzwirn für Einzelverkauf 386 302

102
        <pb n="118" />
        1912 1911
Dz, Dz.
Sammet, Plüsch, aufgeschnitten, Flor aus der Kette 366 537
Gewebe, nicht Plattstichgewebe 2690 3393
% ” 2820
% N “ 19 774
Handschuhe, Haarnetze 173 "7216
Strümpfe, Socken 4 563 76304
Unterkleider, geschnitten 825 753
Glühstrümpfe, nicht ausgeglüht 113
Baumwollene Spitzenstoffe, Spitzen 342 293
" " gewebt, genäht, gewirkt usw. 915 316
Plattstichstickereien 178 225
Kettenstichstickereien 77 108
Andere Stickereien 146 125
Taue, Seile, Bindfaden über 1 mm 1.087 829
Dichte Gewebe aus Hanf, Manilahanf, Agavefasern 156 N
Gaze, Tüll und ähnliche undichte Gewebe 6
Wasserdichte Gewebe 540 208
Linoleum 1.466 1219
Watte zu Heilzwecken 1.292 1.398
Nicht genähte Filzwaren aus Wolle etc. 546 427
Männer- und Knabenkleider aus Wolle 321 230
Frauen- und Mädchenkleider aus Wolle 1.042 905
Putzwaren a. n. g., aus Wolle 137 120
Männer- und Knabenkleider aus Baumwolle 169 215
Blusen, Schürzen, Unterröcke aus Baumwolle 313 247
Putzwaren a. n. g., aus Baumwolle 312 377
Gespinstwaren mit Kautschuk überzogen 358 568
Fertige künstliche Blumen, Blätter etc. 146 107
Unvollständig angemeldete Gespinstwaren 106 114
Kategorie VI
Oberleder für Schuhe, Stiefel, Pantoffeln 450 298
Kalbleder lackiert 274 496
Ziegen- und Zickelleder zugerichtet 161 294
Treibriemen, Treibriemenbahnen aus Leder 238 291
Täschnerwaren 630
Sattlerwaren 182
Zelte, Aufnahmetücher aus Leder, Ledertapeten 1542
Felle zu Pelzwerk 71
Kategorie VIl
Schläuche aus Kautschuk für Autos 353
Andere Schläuche aus Kautschuk 1 601 4
Reifen aus Kautschuk für Kahrzeugräder 900
Schutzdecken für obige Schläuche 1934
Gummischuhe 67 23
Kautschukplatten 939 775
Kolben-Stopfbüchsenpackungen 646 586
Gespinstwaren mit Kautschukfäden 393 258

99
2116
1023
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        Kategorie VII 1912 1911
Dz. Dz.
Besen, Bürsten und Pinsel 596 640
Siebwaren 160 374
Kategorie IX
Fässer u. a. Böttcherwaren mit Metallreifen 11657 12 931
Möbel und Teile, grobe, unfurnierte aus weichem Holze 1577 1573
Möbel und Möbelteile, grobe, furniert 882 1.295
Bugholzmöbel 2347 2219
Grobe Holzwaren, Kisten u. a. 3 046 3.003
Grobe Fensterrahmen, Türen, Treppen etc. 5 166 8183
Grobe Holzwaren ‚mit anderen Stoffen 3283 3.005
Druckplatten aus Holz geschnitten, Bildschnitzarbeiten 337
Gold- und andere Leisten 2991
Holzwaren u. a. mit Gespinsten 286 47
Kämme, Knöpfe und Waren aus Zellhorn 953
Kohlenstifte für elektrische Bogenlampen 4395
Kategorie X
Chemisch bereiteter Holz- und Faserstoff 39221 29 285
Pappen aus Holzstoff u. a. grobe Pappen 15 691 23531
Packpapier, in der Masse gefärbt 9 986
Druckpapier, ungefärbt oder in der Masse gefärbt 130 941 137 569
Kartonpapier 4 199 3916
Schreib-, Brief-, Bütten- und Notenpapier 10233 11323
Buntpapier 24 101
Postkarten mit Bilddruck 457 438
Besuchs-, Wunsch-, Geschäftskarten aus Papier etc. 837
Tapeten, Tapetenborten aus Papier 3223 5073
Lichtempfindliches photographisches Papier 389 520
Tüten, Beutel, Säcke, Faltschachteln 643 1178
Briefumschläge 3419 4295
Papierwäsche 2216 1519
Geschäftsbücher, Notizbücher 2457 2643
Einbanddecken, Mappen 364 657
Waren aus Papier 2.030 2249
Schreibhefte, Preisverzeichnisse u, a. Waren 7174 12 849
Kategorie XI
Bücher, auch Gebetbücher 1227 961
Musiknoten 483 443
Farbendruckbilder mit Buch-, Stein- oder Metalldruck 735 1513
Kategorie XII
Edelsteine, bearbeitet 0,52 0,79
Schiefertafeln 1 686 2159
Ungefärbte Gipswaren, Gipsformen mit Schwefeleinsatz 1844 2845
Kategorie XII
Röhren aus Ton 15 035 18 058
Bodenplatten aus Ton 15531 10 656
Glatte, unglasierte Bodenplatten aus Ton 2138 1785

%.
104
        <pb n="120" />
        1912 1911
Dz. Dz.
Wandbekleidungsplatten aus Ton . 23911 21 245
Waren aus Steingut, feinem Stein- und Tonzeug 3265 5 276
Geschirr und Waren aus Steingut 7915 9754
Porzellanisolatoren 3368
Porzellan-Tafelgeschirr 4230
Ziergefäße, Figuren u. a. Luxusgegenstände aus Porzellan 1530 2.094
Kategorie XIV
Hohlglas, naturfarbig, weder gepreßt noch geschliffen 54 098 36 201
Hohlglas, weiß, durchsichtig 9445 9321
Hohlglas, gepreßt, geschliffen, poliert, Lampengläser 7316 8338
Anderes gepreßtes, geschliffenes Hohlglas 2091 2524
Spiegelglas, gegossen und gegossene Platten 2.394 6162
Ferngläser, terrestrische Operngläser 39 41
Optisches Glas, geschliffen, gefaßt, Mikroskope, Stereoskope 43
Künstliche Augen u, a. Glas- und Schmelzwaren 2814
Apparate und Instrumente aus Glas 270
Kategorie XV
Deutsche Goldmünzen 157,15 66,36
Waren aus Gold 14,34 12,12
Tafelgeräte aus Silber 21,38 24,42
Schmuckgegenstände aus Silber, Geflechte und Gewebe 20,87 23,13
Gold und Silber, unvollständig angemeldet 4.02 3.25
Kategorie XVI
Rohe Eisenwaren 4052 5367
Sparvorwärmer 1.139 20553
Herde, Öfen, Ofenteile, Kessel für Zentralheizung, bearbeitet 7313
Kochgeschirre, Badewannen, Lampen u. a. Eisenwaren bearb. 17 226
Schmiedbares Eisen in Stäben, Träger 589 508 606 634
Formeisen, nicht geformt, Stabeisen, Bandeisen etc, 603 103
Blech, roh, dressiert, 5 mm und mehr stark etc. 24 447 32 456
Blech über 1 mm bis unter 5 mm stark 14 958 8561
Blech, verzinkt 39 539 75726
Wellblech 26651 46 699
Draht, gezogerl, Drahtsaiten, nicht übersponnen 28 837 50372
Draht, poliert, lackiert etc., verzinkt (galvanisiert) 224 736 355 262
Anderer Draht 38 529 28 699
Röhren-Formstücke, roh und bearbeitet 4755 2993
Andere Röhren, ohne Rücksicht auf Wandstärke 77 846 50 798
Andere Röhren, bearbeitet, mit Wandstärke von 2 mm an 15 422 7300
Eisenbahnschienen usw., Straßenbahnschienen 439 686 949 446
Eisenbahnschwellen aus Eisen 84 707 6204
Eisenbahnlaschen-Unterlagsplatten aus Eisen 38 158 55 902
Kisenbahnachsen-Radeisen, -Räder, -Radsätze 14 702 14 529
Andere rohe Eisenwaren 771 8291
Dilchkannen, Laternen und andere Eisenwaren, bearbeitet 31 969 42 656
Tücken, Brückenbestandteile aus schmiedbarem Eisen 42 546 40 693

105
        <pb n="121" />
        | 1912 1911
| Dz. Dz.

Andere Eisenbauteile aus schmiedbarem Eisen 91 541 69 949
Andere Dampfkessel aus schmiedbarem Eisen von 30 mm 6869 5 486
Ankertonnen (Bojen), Gas- und andere Behälter etc. 8890 2894
Röhrenverbindungsstücke etc. aus schmiedbarem Eisen 3.855 3217
Kloben und Rollen zu Flaschenzügen, Winden etc. 1714 1 686
Feilen und Raspeln 1.065 1139
Bohrer, Ahlen, Bohrknarren, Rohrschneider etc. 1 478 1287
Zangen 914 1.167
Reb-, Rosen-, Hecken-, Baum-, Blech-, Schaf- u. a. Scheren 678 601
Äxte, Beile, Hacken u. a. nicht besonders genannte Werkzeuge 1 696 1178
Bügeleisen, Garnhaspeln, Hecheln, Tierfallen u. a. Geräte 3134 1837
Drahtseile, Drahtlitzen 3973 2429
Stacheldraht 17571 61 022
Drahtgeflechte, Drahtgewebe aus Eisendraht 6 075 10 122
Drahtbesen, -Bürsten, -Körbe, Stiefeleisen etc. 2259 2499
Schrauben, Niete bis 13 mm Stiftstärke 9 566

Hufnägel 1 790 758
Büchsen, Dosen aus Blech, Teile davon 775

Haus- und Küchengeräte, Küchengeschirr, bearbeitet 12 195 17 560
Bau- oder Möbelbeschläge etc. aus schmiedbarem Eisen 13 109 18.038
Schlösser, nicht zu Handfeuerwaffen, Schlüssel 9.066 10 240
Feine Messer, feine Scheren 2630 3586
Perlen, Rosenkränze, Fingerhüte und sonstige f, Eisenwaren 915

Kunstschmiedearbeiten 459 330
Schirmgestelle, Bestandteile von solchen 909 1 094
Nähnadeln 314 206
Steck-, Hechel-, Häkel-, Strick-, Haar-, Kopier- u. a. Nadeln 1726 1353
Andere Waren aus Aluminium, Blattaluminium 230

Buchdruckerschriften 578 598
Kunstguß u. a. für Bleiwaren, bemalte, bronzierte etc, 1 206 4 728
Zink, gestreckt, gewalzt (Blech) roh 276 120 288
Feine (bemalte) Zinkwaren in Verbindung mit and, Metallen 1239 1.947
Zinn, roh 730 1 787
Löffel, Gabeln, Teesiebe, gegossen u. a. feine Zinnwaren 365 1.024
Stangen, Bleche, Schalen etc. aus Kupfer 1383 1 236
Stangen, Bleche, Schalen etc. aus Messing, Tombak etc, 1921 1.715
Draht a. Kupfer, Eisendraht mit Draht a. Kupfer, umsponnen 808 482
Grobe Röhren aus Kupfer 510 825
Nicht grobe Waren aus gegossenem Messing, -blech, -draht 3 448 4 464
Artilleriezündungen, Zündhütchen, angef. Patronenhülsen 911 4822
Kupfer-, Tombak-, Messingwaren, verniert, gefärbt etc. 1.735 1856
Waren aus anderer Kupferlegierung als Messing 583 614
Waren a. vergoldeten od. m. Gold belegten unedlen Metallen 100 105
And. Waren a. versilberten od. m. Silber belegt, unedl. Metallen 773 768
Draht a. unedl. Metallen, überzogen, umwick, etc., £. Elektrot. 9 153

Läutewerk, Elektrisiermasch., Automaten, Schrittzähler 494 3135
Sprechmaschinen 2225

Schreibmaschinen 290

Chirurgische Instrumente 93 104
Unvollständig angemeldete Metallwaren 236 1m

106
        <pb n="122" />
        Kategorie XVII 1912 1911
Dez. Dz.
Tenderlokomotiven über 100 Doppelzentner 2679
Lokomotiven ohne Tender 10858
Dampflokomotiven über 60 Doppelzentner 2586 7593
Einzelteile zu Maschinen für Lokomotiven 2.038 12357
Dampfmaschinen 5.004 1877
Verbrennungs - Explosionsmotoren zum Antriebe von Fahr-
zeugen aller Art 458 10 594
Feststehende Verbrennungs-Explosionsmotoren etc, 14 804
Feststehende, fahrbare oder schwimmende Kranen 6772
Dampfmaschinen mit Dynamomaschinen, Pumpen, Hämmern etc. 4.230 2313
Dampf-Gasturbinen 4 726 3373
Kraftmaschinen mit fortschaffbaren Winden, Haspeln 339
Bagger, Rammen 7883 4893
Einzelteile zu Dampfmaschinen 6707 1.721
Nähmaschinen für Handbetrieb ohne Gestell und Feile 760 1 186
Nähmaschinen mit Gestellen oder für motorischen Betrieb 6 009 7.565
Maschinen für Vorbereitung der Verarbeitung und Spinnen
von Flachs etc. 3479 59
Metallbearbeitungsmaschinen 15.235 15 960
Holzbearbeitungsmaschinen 4 485 7089
Pflüge für Kraftbetrieb, auch mit zugehörigen Kraftmaschinen 1:283 22
Dreschmaschinen 7471 832
Sämaschinen, Heuwender, -pressen, landwirtschaftl. Maschinen 5553 4 669
Brauereimaschinen, -geräte, Mälzereimaschinen 1830 663
Maschinen für Zuckerindustrie 3470 4599
Müllereimaschinen (Reinigungsmaschinen) 3383 9.035
Maschinen für Holzstoffpapierherstellung 6023 1838
Pumpen, Wasserhaltungsmaschinen 4 004
Kältemaschinen 1 660
Hebemaschinen, auch in fester Verbindung mit Elektromotor 4 370 10 253
Maschinen für Buchbinderei, Kartonnagen-, Papierwaren-
herstellung 1.987 2 164
Gebläsmaschinen, Ventilationsmaschinen, Ventilatoren etc. 762 215
Maschinen für Leder- und Schuhindustrie 871 379
Maschinen für Kalk-, Lehm-, Ton-, Cement- etc, -Industrien 1 403 497
Schnellpressen für Buch-, Stein-, Licht-, Blechdruck etc, 2.948
Andere Buchdruckmaschinen 2072
Andere nicht besonders genannte Maschinen 6530 6583
Einzelteile zu Pumpen und Maschinen 7577 1877
Dynämomaschinen über 25 kg bis 1 Doppelzentner 607 981
Dynamomaschinen, Elektromotoren, Transformator über 1 Dz. 3.303 2788
Dynamomaschinen, Elektromotoren über 5 Doppelzentner 25 885 16 306
Fertig gearbeitete Anker, Kollektoren 1 905 3411
Elektrizitätssammler, deren Ersatzplatten 30812 9 005
Aidel zur Leitung elektrischer Ströme z. Verleg. i. Was. etc. 35143 40 949
Mrtrische Bogenlampen 656 676
Koralfaden-, Metalldrahtlampen 669
Ohlenfaden-, Nernst- und andere elektrische Glühlampen 124

107
        <pb n="123" />
        1912 1911
Dz. Dz.
Fernsprecher, auch elektr. Fernsprech-Wandstationen etc, 369
Vorrichtungen für die drahtlose Telegraphie und Telephonie 104
Elektrische Vorrichtungen für Beleuchtung, Kraftübertrag. etc, 13613
Elektrische Vorrichtung. für ärztliche u. zahnärztliche Zwecke 339 11888
Elektrische Meß-, Zähl- uud Registrier-Vorrichtungen 1626 199
Fahrzeuge ohne Antriebsmaschinen, Güter-Feldbahn etc, 23 005 1389
Personenwagen mit Leder- u. Polsterarb., Straßenbahnwagen 1377 25 920
Einzelteile zu Güter- und Personenwagen 6327 267
Personenmotorwagen, Untergestelle mit eingeb. Motor etc, 8084
Güter- (Last-) Motorwagen, “ Wr " # 564 3134
Vierrädrige Motorwagen mit nicht mehr als 4 Sitzen 32 231
Seeschiffe mit Antriebsmaschine aus Eisen oder Stahl ;
Seeleichter (Schleppschiffe) aus Eisen oder Stahl j 3
Pertonen- und Güterschiffe ohne Antriebsmaschine aus Eisen ü 3
Kategorie XVIIL
Handfeuerwaffen, Luftgewehre, Läufe, Schäfte etc. 175 2197
Bügel, Federn, Läufe etc, für Feuerwaffen 439 2
Wand-, Stand- und andere Uhren mit Uhrwerken 4 008 3605
Zählwerke, selbsttätige Meß- und Registriervorrichtungen 218 IM
Klaviere und Teile davon 9573 11511
Spielwerke ohne Gehäuse und Teile 187
Mundharmonikas, Teile davon 452 436
Ziehharmonikas, Teile davon 1.075 552
Saiten, abgepaßt 60 70
Kinderspielzeuge, Teile davon 11434 13 064
Anhang:
Unvollständig angemeldete Waren: "726 4 423

Nun noch einiges über die Zolltariireform.

Bezugnehmend auf den in unserer Dezembernummer publizierten Regierungs-
gesetzentwurf für Zollermäßigungen vom 18. Oktober 1912 und behufs Vergleichs
darauf hinweisend, teilen wir heute die folgenden Modifikätionen des entsprechenden
Zollgesetzes mit, wie sie aus der Budgetkommission der Kammer hervorgegangen
sind, ohne noch Gesetzeskraft erlangt zu haben. Die spezifischen Zölle sind mit Aus-
nahme der Eier und Bohnen, die auf die Freiliste gekommen sind, aus dem in unserer
vorigen Nummer publizierten Regierungsprojekt unverändert übernommen worden,
ebenso die auf 5°%o reduzierten Zölle mit Ausnahme der Wasserpumpen, die nun
20 °/o zahlen.

10 °% Zoll zahlen:
Kohlenbecken aus Eisen, Messing oder Gußeisen (Tarifnummern 884 bis 886)
Ordinäre Tischlampen aus Glas und Küchenlampen im allgemeinen (1889 und 1892)
Lampendochte (1608)
Dreifüßige Kochtöpfe, Bratroste und Plätteisen (1389)
Waschbretter (1460 und 1461)
Lampenzylinder (1910)
15% Zoll zahlen:
Wärm- und Kochapparate (917 und 918)
Tonröhren bis 20 cm Durchmesser (1873)
Baumwollgewebe, Corderay (2002)

On
108
        <pb n="124" />
        Baumwollgewebe im Gewichte von mehr als 200 g pro Quadratmeter
Rohe baumwollene Strümpfe von über 700 g Gewicht per Dutzend_und solche für
Kinder bis zu Nummer 10
Galvanisiertes Eisen in gewellten Platten oder Böcken
Schaufeln (1332) und_Picken oder Handbeile aus Eisen oder Stahl (1363)
20 %/ Zoll zahlen:
Wasserpumpen (858 und 859)
Galvanisierte Eisenröhren bis 75 mm _im Durchmesser
Gußeiserne Röhren (927)
Baumwollene Steppdecken (1931)
Wagenachsen
Haushaltungsgegenstände aus gewalztem Weißblech und emailliert (1156, 1157)
Haushaltungsgegenstände aus Gußeisen (1161)
Decken aus Baumwolle oder Flockbaumwolle (1959 und 1960)
Roher Barchend (bombasi) inkl. aller nicht besonders genannter Baumwollstoffe (1997)
Bearbeiteter weißer und farbiger Barchend (2003)
Bedruckte Baumwollstoffe bis 80 g pro Quadratmeter (2013)
Farbige Baumwollstoffe über 130 g (2016)
30 °% Zoll zahlen:
Säcke aus Baumwollenleinwand (lienzo) oder anderen Baumwollstoffen (1920)
Baumwollene Strümpfe im allgemeinen
Seidenwaren (2051, 2052, 2054 bis 2058)
Tafelglas stärker als 2 mm
Versilbertes, schrägkantiges und versilbert-schrägkantiges Tafelglas (1776 bis 1778)
50°% Zoll zahlen:
Karosserien ohne Motor _für Kraftwagen.
Automobile zahlen 15°
Rollwagen und Lastenautos 5°/
Erhöht auf 20% ad valorem werden kleine Wasserfahrzeuge bis 6 Tonnengehalt (1061)
und Ersatzteile für Motoren von Autowagen und Motorbooten.
Baumwollsamenö6öl zahlt 0,12 _$ Gold per Kilo (2780) spezifischen Zoll,
Zollfrei sind:
Frische Eier Knoblauch Bohnen.
Speisekartoffeln Zwiebeln und

Falls bei einer Änderung des Wertschätzungstarifs der Artikel, deren Zollsätze
durch das gegenwärtige Gesetz geändert werden, eine Erhöhung von mehr als 5°%%
über die entsprechenden Belastungen des gegenwärtigen Wertschätzungstarifs sich
herausstellen sollte, so wird die Regierung während des ersten Jahres einen den
Belastungen entsprechenden Abzug gewähren, um besagte Erhöhungen auf den erwähnten
Prozentsatz zu limitieren. Das Zollgesetz wird in 60 Tagen nach seiner Ver-
Öffentlichung in Kraft treten.

Wir machen zum Schluß unsere Mitglieder noch ganz besonders darauf aufmerksam,
daß das neue Lizenzgesetz bestimmt, daß das nationale Patent- und Handelsamt
keine Eintragungen vornehmen darf, die von dritten Personen nachgesucht werden,
8 sei denn, sie könnten Vollmacht und Lizenz als Agenten vorzeigen, Diese
Regierungsmaßnahme dürfte vielleicht auch einen Riegel vorschieben gegen den scham-
losen Markendiebstahl. der in Buenos Aires seit einigen Jahren betrieben worden ist.

109
        <pb n="125" />
        <pb n="126" />
        Ad 9
U ıd
x
Ke
Argentinische Hypothekenbanken.
Die in; der letzten. Nummer’, der ,. „, Mitteilungen“ veröffentlichte /Ta-
belle mit Notierungen von‘ Bankaktien ‚und sonstigen, argentinischen. Wert-
papieren . wies. bereits „auf; die. großen Gewinne hin, ‚welche ‚die Erwerbs-
gesellschaften. für. die verflossene /Wirtschaftsperiode, zur Ausschüttung
bringen, konnten. Die, Dividenden. erreichten.in. einer Anzahl von, Fällen
20%, ihr. Durchschnitt: dürfte reichlich. 12 9%): betragen. ‚Unter den Er-
gebnisser.. gewinnbringender'. Kapitalanlagen stehen die aus Hypotheken
in, erster. Reihe. „Der Immobiliarkredit, ist,im Einklang: mit) der! fort-
schreitenden Aufschließung des. Landes ‚in Argentinien bei Geldgebern
sehr beliebt und wird auch noch lange begehrt. bleiben. Wie groß .die Nach- n-
frage nach‘ Hypotheken ist, erhellt; u/ a. daraus, daß. der Präsident der N
Banco , Nacional: Hipotecario, im: vorigen! Jahr: in seiner Eingabe ‚an den |
Finanzminister, um eine neue Emission von‘ C6dulas in Höhe von. 50
Millionen .Pesos Papier zu. begründen,‘ hervorhob.: „Die: Gesuche! um
neue Hypotheken. vor dem. Direktorium. dieser | Bank. beliefen sich auf
mindestens 1 Million $ m/n’' täglich.“ —
Das argentinische Hypothekengesetz schließt‘ jede. Rechtsunsicherheit
aus,, und. das. Risiko, das, der Kapitalgeber. läuft, ist. „demnach, gering,
vorausgesetzt, daß drüben ‚an Ort und. Stelle die Bewilligung der „Gelder
mit Sachkenntnis und Vorsicht gehandhabt wird. Die Hypotheken müssen Staatliche
in ‚ein staatliches. Hypothekenregister eingetragen‘ werden, für die Bundes- Aufsicht:
hauptstadt und die Nationalterritorien' in das Registro de. 1a Propiedad
in Buenos-Aires; in den Provinzen existieren in;den betreffenden  Haupt-
städten zu diesem Zweck errichtete Aemter. — Fälle, in denen in Argentinien
bestehende ausländische  Hypothekengesellschaften die .beliehenen
Liegenschaften wegen Nichtzahlung. der Zinsen oder. des Kapitals zur
Versteigerung bringen müssen, sind fast ganz unbekannt, und wenn ein-
mal ein solcher Fall eintritt, so. pflegen. die: Schätzungs- und Beleihungs-
werte stets in so ‚vorsichtigen Grenzen gehalten zu sein, daß der Darleiher
Kapital und Zinsen immer zurückbekommt. Hierbei muß auch noch
berücksichtigt. werden, daß Grund und Boden in Argentinien ı — , zumal
wenn man die größere Produktion in Betracht zieht — im Verhältnis zu
anderen Ländern; wie z. B.,Canada, noch immer billig im Preise, steht.
Der offiziellen Statistik zufolge wurden im Jahre 1911 nahezu 14 Millionen
Hektar Ackerland verkauft zu ‚einem Durchschnittspreise von ‚ca. 30 $
per Hektar, und zwar betrug der mittlere Preis in. der Provinz

111
        <pb n="127" />
        Durchschnittse Buenos Aires (Bevölkerung auf den qkm ‘  $ 137,5 m/n
yändlicher Cordoba u 59,75
Grundstücke, Santa Fe 2. @ | 51,75
Entre Rios . „zz.“ a 45,35
Corrientes SD,— 1
Tucumän % 41,70
Mendoza "—
Dahingegen bezahlt man im Innern Canadas, wo auf dem qkm eine Be-
völkerung von 0,5—0,7 lebt, je nach! den Bewässerungsverhältnissen per
acre 3 bis 5 £, was nach argentinischen Begriffen einer Parität von S5 bis
140 $ m/n per Hektar entspricht. Selbst in für Argentinien ungünstigen
Sicherheit der Jahren dürfte daher die Sicherheit der Hypotheken außer Zweifel sein.
Hypotheken. Allgemeine Krisen, hervorgerufen durch Störungen auf dem Gebiete der
Viehzucht oder durch Mißernten sind bei der immer größeren bewirt-
schafteten Fläche in einem Lande, das sich über 32 Breitengrade er-
streckt, fast unmöglich gieworden. Aber selbst wenn aus irgendeinem
Grunde eine Krisis einträte, so würde sie‘— im Vergleich zu früheren
derartigen schlimmen Zeiten — das Land viel stärkerer gerüstet finden
als je zuvor. VUebrigens hat auch keine der damals bestehenden privaten
Hypothekengesellschaften irgendwelche nennenswerten Verluste erlitten.
Inzwischen hat sich die Bevölkerung mehr als verdoppelt, die Anbau-
fläche‘ fast verzehnfacht; und‘ infolge‘ der bei stetiger Valuta seit Jahren
stark aktiven Handelsbilanz konnte ein großer Goldbestand angesammelt
werden*), Der allgemeine Wiohlstand hat sich ganz außerordentlich ge-
hoben, und das. argentinische Wirtschaftsleben betätigt sich heute auf
einer viel breiteren und daher sichereren Grundlage unter Zurückdrängen
der Spekulation zugunsten des auf gesunder Entwicklung beruhenden
Geschäfts.

Hypotheken an zweiter Stelle sind in Argentinien wenig beliebt und
selten. Die Satzungen der Beleihungsgesellschaften schreiben gewöhn-
lich vor, daß die Vorschüsse 50 0%, in Ausnahmefällen 60% der von dem
Darleiher selbst festgestellten Einschätzungswerte nicht übersteigen dürfen,
Moralität und finanzielle Lage des Geldnehmers finden bei Festsetzung
der Beträge entsprechende Berücksichtigung. Die Hypotheken erstrecken
sich meistens‘ auf die Dauer von 3—5 Jahren, binnen welcher Zeit —
sachkundige und vorsichtige Beurteilung der Werte bei Beleihung voraus-
gesetzt — sich der Wert der Ländereien ohne Spekulation durch natür-
liche: Entwicklung zu befestigen und zu heben pflegt, sei es durch Nutz-
barmachung für Viehzucht oder Ackerbau, durch Parzellierung und Ver-
pachtung an Kolonisten, durch! Anbau von Luzerne, Bewässerungsanlagen
oder durch Aufschließung‘ mittels Eisenbahnen, oder durch andere der

*) Anmerkung: Der Goldbestand der argentinischen Konversionskasse erhöhte sich
in dem Zeitraum März 1912—März 1913 von 190 auf 255 Millionen Pesos.

112
        <pb n="128" />
        Wertsteigerung günstige Momente. Dies trifft auch auf die Bundes- Preise und
hauptstadt zu, deren schnelle Entwicklung als  Geschäftszentrum es
eines so gewaltigen, rasch voranschreitenden Landes hohe Bodenwerte Grundstücke
um so mehr rechtfertigt, als die Nutzbarkeit — besonders der in der City
gelegenen Grundstücke — ‚durch Errichtung von vielstöckigen Geschäfts-
palästen mehr und mehr ausgebeutet wird. Andererseits bewirken die
durch den fortwährenden Andrang hervorgerufenen hohen Mieten eine
ständige Nachfrage nach billigeren, weniger. central gelegenen Grund-
stücken und deren natürliche Preissteigerung.
In Buenos Aires sind:
7 1911 1912
Grundstücke verkauft worden qm. . 14011759 14 204 456 8332.997
Der Kaufpreis betrug durchschnittlich
für 1 qm in Papierpesos (zu 1,80 M.) 29,85 305 41,03
Grundstücke hypothekarisch beliehen
worden . . 5022770 5 689 537 6 100 501
Abgesehen von der bereits oben erwähnten staatlichen Banco Hipo- Hypotheken-
tecario Nacional, deren Ausgabe von — sowohl in Buenos-Aires als auch gr
an europäischen Börsen gehandelten — Pfandbriefen (cedulas) 1909 von
130 auf 250 Millionen und seit 1911 auf 475 Millionen Pesos m/n erhöht
worden ist, führen wir folgende in Buenos-Aires bestehende Hypotheken-
gesellschaften auf (nach L’Amerique latine (Republique Argentine) und
anderen Quellen),
Kapital
Banque Hypothecaire Franco Argentine 50 000 000 Fres.
Obligationen 4%. u 100 000 000
ö PER 50000000
Caisse Hypothecaire Argentine . . . 12 500 000
Obligationen 4!/,%. . 25 000 000
Credit Foncier “Argentin . . - 50 C00 006
Obligationen 4% . „150 000 000
Credit Foncier de Buenos Aires et des Prov. Argentines
(Obligationen 5%). . .- - „10.000 000
Credit Foncier de Santa FE . . . 34 000 000
Obligationen 5% . . 10 000 000
Societ&amp; Fonciere de l’Argentine . ; 5.000 000
Obligationen . . - | 10.000 000
Banque Hypothecaire Belge-Americaine 18.000 000
Credit Argentin pour preis agricoles et hyp. . . . 5000000
Obligationen . . eK 10.000 000
Credit Foncier du Nord de l’Argentine . 10.000 000
Obligationen . . SO 20 000 000
Societ&amp; des prets hypothecaires en Argentine . 5 000 000

1910 ;
U
113
        <pb n="129" />
        Kapital
Caisse hypothecaire' Sud-Americaine 2500 000 Fres.

Obligationen . 04 5.000 000.
Societe hypothecaire hollandaise du Rio de la Plata 4100000
, Obligationen‘ 41/2 % . 7765000
de A rn 12710000
Compagnie Rurale Anversoise ‘. .. + + + 8000000

Obligationen‘ Ch 10.000 000

Credit Foncier Sud-Americain, Soc. An. 17 500 000
Obligationen . 28000000
Banco Hipotecario Suizo-Argentino - 10000000
Obligationen . . LU . 25000000
Banque Hypothecaire Transatlantique, Soc. An. . . 10000000
Obligationen. 1... . 20000000 ,
Argentine- Land and Investment Co. Ltd. - 650000 £
New Zealand and River Plate Land Mortgage Co. Lid. 322315
River Plate Trust Loan &amp; Agency Co., Ltd. . 2 500 000”
River Plate &amp; General Investment Trust Co. Ltd. . 1 000.000.
Mortgage Cy. of the River, Plate . „+ + 1.500.000 »

Argentine Railway Loan Cy. Lid... Hu 2.500.000. $ oro

Zur Gründung. einer ı provinzialen Hypothekenbank: „Banco Hipo-
tecario , provincial‘ in Salta ‚erhielt die Firma L6on;de Forgues von ‚der
Regierung die Genehmigung unter der, Bedingung, daß das nominelle
Kapital nicht unter 5000000 $ m/n betragen darf. Außer den Stempel-
gebühren hat die neue Gesellschaft für die nächsten 10 Jahre keine
Steuern zu ‚entrichten, auch darf laut Vertrag während des erwähnten
Zeitraumes. weder die Nationalregierung noch die betreffende Behörde der
Provinz Salta die. genannten Vergünstigungen ähnlichen Instituten ge-
währen.

Von dem. haftbaren Kapital werden bei, der Gründung häufig nur
ein Drittel, ein Viertel, manchmal auch nur 20 Vo. eingezahlt. Der Rest
dient‘ als stille Reserve. Auf dieser Basis wenden sich die durch ihre
Statüten zur Aufnahme von Obligationen bis zur drei. oder vierfachen
Höhe ihres Kapitals ermächtigten Gesellschaften an das europäische Ka-
pital‘ und vermittelh seine Anlage drüben, teils indem sie Obligationen
ausgeben, die, wie bereits oben erwähnt, in London, Antwerpen, Brüssel,
Paris usw. zur Notierung gelangen, oder aber indem sie gegen festen
Zins ‚Depositen entgegennehmen, für welche außer den Hypotheken selbst
die Gesellschaften mit ihrem ganzen Kapital und Reserven haftbar bleiben.
In letzterem Falle bleiben den Geldgebern die Emissionskosten und sonstig®
Abgäben erspart; auch laufen sie dann kein Kursrisiko, weil die Gesell
schaft ihnen ihre Einlagen stets pari zurückzahlt. Der Zinsfuß, zu. welchem
solche Gelder aufgenommen werden, beträgt bis zu 5 Prozent. und erhöht
sich je nach Vereinbarung über die, Dauer der, Hinterlegung, eventuell

114
        <pb n="130" />
        auch durch Beteiligung am Nutzen, den die Gesellschaft erzielt. Dieser
Nutzen ergibt sich aus den hohen Zinssätzen, die in Argentinien bezahlt
werden, zumal die Geschäftsunkosten für Personal usw. gering sind. Ab-
schlüsse werden meistens durch Makler vermittelt, die je nach Verein-
barung 14 bis 1 Prozent von beiden Seiten vergütet bekommen. Die
sonstigen Spesen: Stempel (1% 0), Notariats- (34 %) und Eintragungsge-
bühren, je nach dem Umfang der Akten 20 bis 150 $, gehen zu Lasten
der Geldnehmer.

Die erste für Argentinien begründete derartige Gesellschaft war die
River Plate. Trust Loan &amp; Agency Cy., die seit 1881 in Buenos-Aires en

&gt; &amp; . N - &amp; ; Beteiligung
arbeitet. Sie entspringt englischem Kapital, das auch auf diesem Gebiet ges aus-
wieder den Löwenanteil hat. Nach und nach sind dann auch französische, ländischen
belgische, holländische, spanische und schweizerische Unternehmungen hin- Kan
zugetreten, die sämtlich lohnende Geschäfte machen. Deutsches Kapital
ist hier und da indirekt beteiligt, aber eine deutsche Hypotheken-
gesellschaft fehlt. Der Kenner hiesiger Verhältnisse weiß, daß die
Einführung von derartigen ausländischen Werten an den deutschen Börsen
leider sehr erschwert wird, und für ihn ist diese Lücke verständlich,
aber. im. Auslande urteilt man anders, Man erklärt sie durch Kapital-
mangel der deutschen Volkswirtschaft. Dieser entgehen somit nicht nur die
reichen Ergebnisse solcher Anlagen, sondern sie wird außerdem auch
noch in ihrer Bedeutung ungerechterweise herabgesetzt. Wie weit dies,
im Zusammenhang mit der Nichtbeteiligung deutschen Kapitals auf dem
Gebiete der Eisenbahnen und anderen Großunternehmungen auf unsere
wirtschaftlichen Beziehungen zu Argentinien im allgemeinen abfärben
muß, liegt auf der Hand und braucht nicht besonders hervorgehoben
zu werden. Der Handel folgt der Flagge. Eskannnicht genügend
immer wieder darauf hingewiesen werden, daß — wenn
der deutsche Handel in Argentinien seine mühsam er-
rungene Stellung auf die Dauer’behaupten undsich nicht
zürückdrängen lassen will'— ihm großzügige Unter-
nNehmungen zur Seite gestellt werden müssen. _— Die
Statistik von 1912, wonach die Ausfuhr Deutschlands
Nach Argentiniengegen das Jahr vorher dem Wertenach
um 8.Millionen Mi zurückgeblieben ist; während Eng-
land für 40 und Nordamerika für 27 Millionen M. mehr
als 1911 in‘ dem gleichen Zeitraum dorthin absetzen
konnten, enthält eine beachtenswerte und dringende
Warnun oe,

115
        <pb n="131" />
        Entwieklung des Aekerbaus und Seiner Verarbeitungs - Industrien.
In der Getreideregion waren, die vergangenen, Monate für die Getreide-
ernte wohl günstig, aber in bezug auf Niederschläge ziemlich anormal; der
Sommer war auch in diesem Jahre ungewöhnlich heiß, wodurch besonders
Maisanbau. der spät gesäte Mais in seiner Entwicklung gelitten hat. Zunächst hoffte
man trotzdem noch auf eine gute Ernte und rechnete mit einem Export,
überschuß von etwa 4 Millionen Tonnen, — nach der seitens des Ackerbau-
ministeriums im März veröffentlichten Schätzung scheint jedoch das Er-
gebnis bedeutend weniger befriedigend zu werden. Trotzdem die Anbau-
fläche um 12 % größer ist als im Vorjahre, soll sich die Maisernte ım
ganzen nur auf rund 5 Millionen Tonnen belaufen, die sich wie folgt auf die
einzelnen Provinzen verteilen: Buenos Aires 2210 000, Santa F6€ 1 650 000,
Cö6rdoba 535 000, Entre Rios 65 000, Pampa Central 40 000 und die übrigen
Provinzen (und Territorien zusammen ca. 500000 Tonnen. Die bei der
Größe des bebauten Areals bestehende Möglichkeit, eine Ernte von ca.
9 Millionen Tonnen zu erzielen, wird mithin bei weitem nicht erreicht werden,
Für die Provinz Buenos-Aires stellt sich der Ertrag auf 1300 kg per Hektar,
für Santa Fe auf 1400, für Cördoba dagegen nur auf 1050 kg per Hektar.
Die Quantität indessen wird im allgemeinen als ebensogut wie im Vorjahre
bezeichnet. Im Anschluß hieran bringen wir eine Tabelle des mit Mais
bebäuten Landes im Jahre 1913 im Vergleich zu 1912 in Hektaren: |
1913 1912
Buenos Aires . ) 1 700 000 1 400 000
Santa, Fe. m i 180 000 1 100 000
Cördoba‘ . 500 000 470 000
Entre Rios . 90 000 84 000
Pampa. . De 60 000 90 000
Rest. A) 300 000 278 000
Gesamte Anbaufläche: 3830 000 3.422 000
Diese Totalanbaufläche von Mais für das Jahr 1913 von 3830 000 ha
ist die bisher größte in Argentinien, wie aus folgender Tabelle für die
letzten acht Jahre hervorgeht:
ha ha
1906 2717 000 ’ 3.005 000
1907 „841 000 3215 000
1908 27719 000 3422 000
190$ 2.973.000 17-0 3 830 000
Auch sonst hat die andauernde ‚Trockenheit der Landwirtschaft
manchen Schaden zugefügt, so litten z. B. die Viehweiden und Luzerne-
bestände ganz bedeutend. Im Februar trat jedoch Regen ein, der einen
großen Teil des angerichteten Schadens wieder gut machte. Anderer-
seits begünstigte das schöne Wetter außerordentlich das ungefährdete
Einbringen der Getreideernte. Das Ernteergebnis ist allgemein cin gutes,

116
        <pb n="132" />
        und man schätzt, daß . voraussichtlich etwa 3 Millionen Tonnen Weizen,
1 Million Tonnen Hafer und 1 Million Tonnen Leinsamen zur Ausfuhr Ertrag der
gelangen können. Ueber den Ertrag der’ diesjährigen Getreideernte ver- Getreiksernt
öffentlicht das Ackerbauministerium die folgenden Zahlen (Tons):
Provinz Weizen Lein Hafer
Buenos Aires .'. . 1.995 000 300 000 1 431 000
Cördoba ‘. ". ‚1 21 :460 000 230 000 30 000
Santa FE, *, 9. 904 000 380 009 40 000
Pampa! Central... „1700 000 11 000 81 000
Entre%Rios” 1... 256000 205 000 75 000
Andere Prov. u. Terr. 85 000 4 000 25 000
zusammen: 5 400 000; 1 130 000 1'682 000
Die nachstehende Aufstellung bringt diese Produktion im Vergleich
zu der früherer, Jahre (Tons):
Jahr Weizen Lein Hafer
1908/09 . . . 4250000 049 000 464 000
190910 3 566 000 717 000 530 000
1916 ** 3.975 000 595 000 686 000
FON 4 523 000 572 400 1 004 000
ö 5400 000 130 000 1 682 000
Die Mühlenindustrie hat für Argentinien eine große Bedeutung, Mühlen-
da das Mehl für den Export unter sehr günstigen Bedingungen bereitet industrie
wird und auch der Konsum im Lande nicht gering ist. Im Jahre 1895
hatte die Republik 3954911 Einwohner und 1912 7421869, was eine
Zunahme von 56 0% bedeutet. Die unter Weizen stehende Fläche betrug
im. Jahre 1895 2049 683 ha und ist 1911/1912 auf 6 897 000 ha angewachsen.
Seit 1891 ist Weizen im ganzen Lande angebaut worden und Argentinien
besitzt hierfür den größten Export.
Die Mehlerzeugung der verschiedenen Mühlen des Landes in fünf-
jährigen Perioden stellt sich wie folgt:
1891-7. 75 315 000 Tons 1910 751317 Tons
1895 U 415 af Pb 87
1900... 165 0m 1912 (8 Monate) 569980
1905: . 715.000
Die Weizenkultur wächst in Argentinien verhältnismäßig schneller
als die Bevölkerung, so daß bei einer Fläche von 6 Millionen Hektaren
unter Weizen 25 bis 30% des Ertrages für den heimischen Bedarf - und
zum Säen genügen, während die übrigen 70 oder 75 % Weizen resp. Mehl
zur Ausfuhr gelangen können. Der Mehlexport der vergangenen Jahre
Stellt sich wie folgt (Tons):

117
        <pb n="133" />
        0 aa 1910 4 a 115405
1900, 51.203 191. ln 118 486
1905. I 144 700 4912 131 580
Der beste Markt für argentinisches Mehl ist stets Brasilien gewesen.
Die folgende Aufstellung gibt ein Bild des \Weizenexports nach allen
Ländern und des Mehlexports nach Brasilien (Tons):
Weizen Mehl” Weizen Mehl
nach Brasilien nach Brasilien:
1896 14 532 001 49 129 1909. 2 2:514130:: 102 356
1900. = A 929676 37 928 Ku. 1 883 592 99 949
1905 2868281 103424 11.40 2285 951 98 075-
1908 . 3636 294 99 332 3 7 9 657451 104887

Alfalfa. Die Kultur der Alfalfa (Luzerne) ist für Argentinien von ganz außer-
ordentlicher Wichtigkeit. Neben dem Getreidebau ist ihr hauptsächlich
die Wertsteigerung des argentinischen Grund und Bodens zuzuschreiben.
Sie hat in erster Linie die Fleischausfuhr in so überragendem Maße mög-
lich gemacht und nimmt von Jahr zu Jahr zu, so daß sie in kurzer Zeit
eine Ueberlegenheit über alle Kulturen gewinnen dürfte, zumal die Alfalfa-
pflanze mit ihrer langen Wurzel auch das tiefere Grundwasser und die:
Fruchtbarkeit des Untergrundbodens aufs beste auszunutzen vermag, Im
Jahre 1872 standen 105782 ha unter Alfalfa, im Jahre 1888 390009 ha,
im Jahre 1895 712067 ha und im Jahre 1912 schon 5400 580 ha. Man:
berechnet den Wert des letztjährigen Alfalfaertrages 1911/12 ‚auf .reich-
lich 50758000 $% und Trockenalfalfa auf 4000 000 Tonnen. Die Provinz:
Buenos Aires erzeugte 1382 000 Tonnen, C6ödoba 880 000 Tonnen, Santa
F6 696000 Tonnen, Entre Rios 464 000 Tonnen, Mendoza 132 000 Tonnen
und das Pampa Territorium 216000 Tonnen. Im Durchschnitt kommen
10 bis 20 Tonnen Alfalfa auf 1.ha pro Jahr. Zum Schutz der Alfalfa-
produzenten hat ein Regierungsdekret vom 28. November 1912 bestimmt,
daß vom 1. Januar d. Js. ab die Einfuhr von Luzernensamen von weniger
als 60% Keimkraft verboten ist.

Weinbau. Nach dem Bericht, den die Direktion des landwirtschaftlichen statisti-
schen Amts dem Ackerbauministerium über das Ergebnis des Weinbaus
im Jahre 1912 erstattet hat, betrug die Gesamterzeugung von Wein in
der Republik 4 083 459 hl, gegenüber dem Vorjahre ungefähr 366 000 hl
mehr. Hiervon wurden allein in der Provinz Mendoza ca. 3% Millionen hl,
d. h. fast 85% der gesamten Produktion, erzeugt. Die Ueberlegenheit
des Weinbaus in Mendoza geht auch aus der weit höheren Ausbeute hervor,
die dort erzielt wurde, nämlich 68,4 %, ein Ergebnis, das in den anderen
Provinzen nicht annähernd erreicht wurde.

118
        <pb n="134" />
        In der Provinz Entre Rios hat die Produktion im Vergleich zu der
des Vorjahres erheblich zugenommen, im Gegensatz dazu wird für San Juan
eine Abnahme festgestellt, die aber nach dem Bericht nicht auf einen
Rückgang des Anbaus, ‚sondern auf die Verarbeitung der Trauben zu
Rosinen und auf den zynehmenden Verkauf der Trauben als Tafelobst
zurückzuführen ist.

Wenn man den Preis für einen Liter Wein in der Bodega mit 0,23 $
arnimmt. so ergibt sich für die Produktion ein Gesamtwert von rund
94 Millionen $ m/n, hiervon entfallen auf Mendoza allein über 79 Millionen.

Ein Vergleich der Produktion mit der Einfuhr von gewöhnlichen
Weinen in Argentinien während der letzten fünf Jahre läßt den Schluß zu,
daß erstere gegenüber der letzteren immer mehr Boden gewinnt, und es
ist vorauszusehen, daß der Verbrauch des Landes an gewöhnlichen Weinen
mit der Zeit vom eigenen Weinbau vollständig gedeckt werden wird, so daß
man in der weiteren Entwicklung selbst mit der Ausfuhr wird beginnen
können. Produktion Einfuhr

hl Liter Wert $ Gold
K908i tt 2 843 000 50.834 677 5.083 466
1909... 3 350 000 48 985 470 4 898 548
1910 “901 000 47 430 818 4 743 080
I 3818 000 40 870 917 4 087 092
{912 7... 4,083 .000 40 591 700 4 059 170

Argentinien zahlt mithin heute noch ca. 10 Millionen $ m/n für gewöhn-
liche Weine an das Ausland, und wenn man erwägt, daß auch von den
heute noch importierten mittleren und besseren Weinsorten ein großen
Teil im Lande selbst gebaut werden könnte, so bezeugt dies auf das nach-
drücklichste die Notwendigkeit und den Nutzen des Anbaus der Rebe.

Eine Uebersicht über den Weinbau und seine Ergebnisse in den ver-
schiedenen Provinzen und Territorien gibt die folgende Zusammenstellung :

Zahl der Verarbeitete Erzeugter Ert
betriebenen Trauben Wein rirag
Keltereien kg Liter %

Bundeshauptstadt . . 34 250 841 157 420 62,7
Buenos Aires . ..: - 156 1282 506 821.513 64,0
Santa Fe... 7 uk 18 232 685 142 741 61,3
Cördoba + u u 212 3 708 143 4385 416 64,3
Entre Rios . AEG 144 10 558 492 0.369 075 60,3
San! Luis 0 de 22 384 497 225 650 58,6
Santiago del Estero . 7 30 615 18:223 59,5
Mendoza ı. nun 780 503 999 505 344 858 165 68,4
San Juan: ++. , x 19 67 447 393 45 118 640 66,8
La Rioja . na 256 3280110 2 128.200 64,8
Catamarca A Di 4 039 419 2397 544 59,3
Tucumän . Me € 79757 48 200 60,4
Corrientes ; . 8 500 5 200 61,1
Salta . . Bu 5.362.179 3.139 500 58,5
Taiuy.. 7 225 373 143 000 63,4
Rio Negro „6 663 211 387 440 58.4
Total: 2029 601 553 226 408 345 929 67,8

119
        <pb n="135" />
        „Zucker- Die Zuckerindustrie Argentiniens hat in den letzten zwanzıg Jahren
industrie. m ancherlei : Wandlungen: durchgemacht. Zunächst führte die mächtige
Förderung der Industrie durch Zollschutz und Kapitalinvestition zu emer
starken Ueberproduktion, die im Jahre 1896 den einheimischen Verbrauch
um. etwa 50% überstieg und eine Krisis verursachte, von der sich. die
Industrie erst im Jahre 1903 wieder erholte. Noch im Jahre 1901 expor-
Ausfuhr, tierte Argentinien 49500 t Zucker, dann nahm die Ausfuhr schnell ab,
raue während die Einfuhr mehr und mehr /an Bedeutung gewann und im Jahre
” 1912 bis auf 90000 t stieg.
Jahr Ausfuhr Einfuhr Erzeugung Jahr Ausfuhr Einfuhr Erzeugung
ı t t .
1903 30340 131 142 895 1908 1487 160 412
1904 .. 18311 146 128 104 1% 9 123 873
1905 2.199 148 127343 1910 9 148 854
1906 106 1,927 116.287 ki 354 174 907
1907 64 43 522 109 445 WR 20 000 134 000
In ganz Argentinien sind gegenwärtig ca. 72000 ha mit Zuckerrohr
bepflanzt, die sich auf die Provinzen Tucumän, Salta, Jujuy, Corrientes,
Santa Fe und die Territorien Chaco und Formosa’ verteilen. In Tucumän
allein befinden sich ca. 63000 ha unter Zuckerrohrkultur. Es bestehen
Bestehende 43 Zuckerfabriken, von denen wir nachfolgend eine Liste mit den Namen
Zucker- der Besitzer geben:
fabriken. % . N
Tucumän Amalia — Griet Hermanos Mercedes — Comp. Azuc. Padilla
Aquilares — Simön Padrös y Huos.
Cia. Manantial — Guillermo J. Hill
Bella Vista — Manuel Garcia Fer- Nueva Baviera — Comp. Azu-
nandez carera Tucumana
Concepciön — Comp. Azucar. El Paraiso —' Comp. Azucar. El
Concepciön Paraiso
Cruz Alta — Duhnkrack, Nellen Providencia — Soc. Cördoba del
y“Cia, Tucuman
Esperanza — Comp. Azucar. San Antonia — Antonio Capurro
„W. Posse“ Santa Lucia — Comp. Azucar.
La Corona —Azucarera Argentina Santa Lucia
Lastenia — Comp. Azucar. Tucu- ‚San Pablo — Nougues Hnos.
mana San Felipe —AzucareraCordobesa
La Florida — Comp. Azucar. Santa Ana — Hileret v Compania
Tucumana San Miguel— Sociedad An6önima
La Invernada — Martin S. Berho San Andres — Comp. Azucarera
Lules — Clodoniro Hileret Tucumana
Lujän — Azucarera Argentina San Juan -— Paz y” Posse
Los Ralos — Avellaneda y Terän Santa Rosa — Rouges y Rouges
La Trinidad — Comp. Azucar. Santa Bärbara — Juan M. Terän
Tucumana Sarı Jos€— Justiniano Frias v Cia-

120
        <pb n="136" />
        Santa F&amp; (Germania — Guillermo Welbers Tacuarendi — Rafael Sardä
Corrientes Primer Correntino — Castillön y
Nalda
Salta SanIsidro— Pedro F.Cornejo€hijo  Uniön — . . ]
Jujur Esperanza — Leach’Hnos. y Cia. Mendieta — Sociedad Anö6n. La
Ledesma — Compania Azucar: Mendieta
Ledesma
Formosa Formosa — La Teutonia S. A.
Chaco Las Palmas — Hardy yıCia. Lutecia. — Comp:;Azue, de Re-
Svea — Emilio Sellström sistencia
Der Ertrag des angebauten Feldes wird im Durchschnitt mit 35000 kg Ertrag.
Zuckerrohr auf 1.ha angenommen, doch. sind in einigen Bezirken bei
vorteilhaften Anbauverhältnissen Erträge bis zu 50000 kg keine Seltenheit.
Das durchschnittliche Ergebnis an Süßstoff (Saccharose) aus dem ver-
arbeiteten Zuckerrohr ist. nicht ungünstig, es wird mit 7% angegeben
und kann sich, wenn Bodenverhältnisse und gutes Wetter die richtige
Entwicklung der Pflanze fördern, bis ‚auf 109% steigern. Dieser ver-
hältnismäßig hohe Prozentsatz beweist, daß die Arbeitsmethoden und die
Art der Bodenbestellung rationell sein müssen. Den Rückgang der
Zuckerproduktion im Vorjahre hatte man darauf zurückgeführt, daß in
den ältesten Anbaugegenden eine Erschöpfung des Bodens einzutreten
beginne. Einige Pflanzer haben infolgedessen bereits. mit künstlicher
Düngung‘ erfolgreiche‘ Versuche gemacht, und ‚es entwickelt sich hier
vielleicht ein neues Absatzgebiet für unsere Kaliindustrie. Eine in Deutsch-
land ausgeführte Analyse der roten und schwarzen Erde Tucumäns, die
in Yerba buena entnommen war, zeigte die folgende Zusammensetzung
des für den Zuckerrohrbau benutzten Bodens:
Rote Erde Schwarze Erde
per ha bis per ha bis
20 cm Tiefe % 20 cm Tiefe %
kg kg
Asche her — 21,34 — 78,99
Sückstoff: + 7.060 0,353 12,727 0,979
Phosphorsäure. . o.20 0,401 ‚9,191 0,707
Kalk 450 0,824 19,620 1,510
Kalium: + 6.380 0.319 4.223 0.325
Der: Wert: des zur Zeit in. Argentinien. umgesetzten Zuckers kann
mit 50 Millionen Pesos m/n angenommen werden. — Neben dem Zucker
werden Aus ‘den verarbeiteten‘ Pflanzen jährlich noch über 9 Millionen
Liter Zuckerrohrschnaps gewonnen, Diese Produktion wird für die argen-
tinische Volkswirtschaft durch eine starke innere. Besteuerung nutzbar
gemacht, welche bei einem Satze von 1 $ m/n für ein Liter dem Fiskus
eine Einnahme von jährlich: über 9 Millionen Pesos m/n. bringt.

12]
        <pb n="137" />
        Tabakbau und Vor dem in ‚Argentinien verbrauchten Tabak werden 75% vom
{ erarbeitung. A ys]ande eingeführt. Im Jahre 1912 zahlte man für den Import von
Tabak und Tabakfabrikaten nicht weniger als 7594 968 $ Gold (Tarifwert)
an das Ausland, 1703163 $ Gold mehr als im Vorjahre. Das Anwachsen
der Einfuhr der verschiedenen Tabakssorten im letzten Dezennium zeigt
folgende Zusammenstellung (kg):
Zunehmende 1901 1906 1911
A Havana 248 410 539 053 722 368
Paraguay VO, u HR 533 865 691 368 983 788
Uebrige Sorten 4). 834 258 2504 713 4 665 362
1.616.533 3.789 152 6371 518
Trotz der enormen Zunahme des Verbrauchs, die sich auch in den
vorstehenden Zahlen ausdrückt, ist nach einem dem Ackerbauministerium
erstatteten Bericht (Censo Industrial) die Tabakkultur in den letzten
Jahren erheblich zurückgegangen. Es waren mit Tabak bepflanzt (ha):
1888 1895 1911 1888 1895 1914
Corrientes‘ . 1160‘ 6598 * 6000 Chaco? 5 422 8
Tucumän ‘‘. “7298 2749 1:000 Santa Fe &gt; 184 50
Misiones ‘;-“,  101F%2 310 600 Entre Rios '. 7 1308 „—
C6rdoba .. 1186171 222 — Buenos Aires CS 100
Saltaıı 2 98 922‘ 1'500 Formosa. . ; 20
Tul0y A LG 520 20 übr. Landest.“ "= 6 =
Catamarca_- S62 518. 470 ” 239234 15795 9768
Zückgang des Der Rückgang des Tabakbaus dürfte zum Teil darauf zurückzuführen
Anbaus. sein, daß das argentinische Erzeugnis infolge unsachgemäßer Behandlung
keine lohnenden Preise erzielt. Um diesem Umstand abzuhelfen, hat
das Landwirtschaftsministerium den Betrag von 11000 Pesos ausge-
worfen, um je eine Tabaktrockenanstalt in Posadas (Misiones), Chicoana
(Salta), Las Tipas und La Cocha (Tucumän) einzurichten. Die einzige
Provinz, in der die Tabakkultur eine Zunahme aufweist, ist Salta; hier
wird der Anbau auch mit allen Mitteln gefördert, z. B. werden Versuche
mit neuen, von Hawai und Sumatra importierten Arten gemacht, die
auch schon Erfolge gezeitigt haben, und angetriebene Pflanzen werden
an die Farmer verteilt.
Tabak- Die Ausfuhr von Tabak ist unbedeutend, sie betrug 1912 14403 kg
fabriken. m Werte von 2160 Pesos, die gesamte Ernte wird also im Inlande ver-
braucht. Der Wert des im Jahre 1911 in den 661 Tabakmanufakturen
des Landes verarbeiteten argentinischen Tabaks wird auf rund 4 Millionen
Pesos m/n angegeben, außerdem wurde von ihnen für 12 Millionen
Pesos m/n importierter Tabak angekauft, so daß sich der Gesamtwert
des verarbeiteten Rohtabaks im Jahre 1911 auf 6 Millionen Pesos m/n
belief. Die Tabakverarbeitung nahm im Jahre 1911 einen erheblichen
Aufschwung, denn von den bestehenden 661 Fabriken und Werkstätten

1292
        <pb n="138" />
        sind allein 116 erst im genannten Jahre errichtet worden. 195 Fabriken
befinden sich in der Hauptstadt, 267 in den Provinzen Buenos Aires
und Entre Rios. In der Hauptstadt haben auch die bedeutendsten Be-
triebe ihren Sitz, denn sie repräsentieren ein Geschäftskapital von 15,5
Millionen Pesos m/n, während das gesamte in der Tabaksverarbeitung
investierte Kapital nur 21,5 Millionen Pesos m/n ausmacht. In der
Industrie finden 7244 Arbeiter Beschäftigung, darunter eine große An-
zahl Frauen. Die Handarbeit ist in beträchtlichem Maße bereits durch
Maschinenarbeit ersetzt, insbesondere in der Zigarettenfabrikation; die
Zahl der verwendeten Pferdekräfte gibt der oben genannte Bericht mit
1126 an. .

Der Verkauf der Erzeugnisse seitens der Fabriken ergab im Jahre Rentabilität.
1911 57 Millionen Pesos m/n, wovon allein 43,7 Millionen auf Buenos
Aires entfielen. Aus einem Vergleich dieser Bruttoeinnahme mit den
Kosten des Rohmaterials und dem Betriebskapital ergibt sich, daß die
erzielten Gewinne recht bedeutend sein müssen, da die Löhne bei der
relativ geringen Arbeiterzahl nicht sehr ins Gewicht fallen. Erhebliche
Kosten verursacht hingegen die besonders in der Zigaretten-Industrie mit
allen Mitteln betriebene Reklame.

Um den argentinischen Tabak gegen den Wettbewerb des ihm‘ in
seinen Eigenschaften sehr ähnlichen Paraguay-Tabaks zu schützen, wurde
durch Dekret vom 16. November 1912 bestimmt, daß für Paraguay-Zigarren
bis zum Gewichte von 3 kg per Tausend, die bisher für Pakete von
5 Stück bei einem Zollwert von 0,05 $ mit einer inneren Abgabe von
0,01 $ belegt waren, diese Abgabe in Zukunft für die einzelne Zigarre zu
entrichten ist.

Ein anderes Produkt, das Argentinien ebenfalls in großen Mengen Reiskuliur,
importiert, ist der Reis; in den letzten zwölf Jahren wurde hiervon für
insgesamt 35,3 Millionen Pesos Gold nach Argentinien eingeführt. Im
Jahre 1912 betrug die Einfuhr von geschältem Reis 32 Millionen kg und
von ungeschältem ca. 15 Millionen kg mit einem Zollwert von 2566 000
bzw. 296000 Pesos. Im Vergleich zum Vorjahr hatte die Einfuhr von
Zeschältem Reis um ca. 6 Millionen kg zugenommen, während die von
Ungeschältem um ca. 2 Millionen kg zurückgegangen war.

Es ist erklärlich, daß sich bei einer so großen Einfuhr der Wunsch
und das Bedürfnis zeigt, den Reis im Lande selbst zu kultivieren, um so
Mehr als sich nach dem Urteil Sachverständiger Boden und Klima in
Sinigen Gegenden Argentiniens vorzüglich zum Reisbau eignen. So äußert
Sich der japanische Sachverständige für Ackerbau Ito in einer Mitteilung
an das argentinische Ackerbauministerium sehr günstig über die Reis-
kultur auf den Inseln von Baradero, und ‚besonders unsere deutschen
Landsleute haben als Förderer der Reiskultur in Misiones gute Erfolge

123
        <pb n="139" />
        Tal zu verzeichnen. ‚Die im. Jahre 1911: von den Herren ‚Killmer und von
a Schwerdtner ‚gegründete Plantaciön y Arrocera ‚Misiones ist das erste
und zugleich bedeutendste Unternehmen dieser, Art in Argentinien und
rechtfertigt glänzend den Ruf, den die; Deutschen drüben in bezug auf
Fleiß. und Ausdauer. haben, ‚wo ‚es, gilt, große Schwierigkeiten zu über-
winden. Der Reisertrag erreichte bereits im ersten Jahre eine.‘ Höhe
von 1506 bis 3000 kg pro Hektar und soll von vorzüglicher Qualität ge-
wesen sein, ze
Obstbau. Die Obstkultur in Argentinien hat bisher noch keinen großen
Umfang. erreicht, da es an ‚den nötigen Transportmitteln und an KEin-
richtungen auf den Eisenbahnen und Schiffen fehlte, um das Obst schnell
seinem Bestimmungsorte zuführen zu können. Daher ist Argentinien bis
jetzt trotz ‚seiner verhältnismäßig geringen Bevölkerung zumeist auf, den
Import, angewiesen gewesen, der für das Jahr 1912 mit einem Zollwerte
von. 2768000 $. nachgewiesen wird, und der bisher von Jahr zu Jahr
zunahm. ‚Es ist jedoch zu erwarten, daß die Obsteinfuhr mit der Zeit
zurückgehen wird, da sowohl die argentinische Regierung, wie die Kisen-
bahn- und Schiffahrtsgesellschaften beginnen, den Transport und Verkauf
der im Lande gewachsenen Früchte durch geeignete Maßnahmen zu er-
leichtern. N
Nach der Jetzten offiziellen Statistik waren in Argentinien 59190 ha
Land mit. Obstbäumen bepflanzt, deren Anzahl mit ca. 14,4 Millionen
angegeben wird; unter diesen stehen an erster Stelle Pfirsiche mit ca.
8 Millionen, dann folgen Orangen mit über 2 Millionen und Aepfel mit
über 1 Million Bäume, auch Birnen, Aprikosen, ‚Zitronen, Oliven usw.
Förderung werden in großer Zahl angepflanzt. Sowohl die Regierung, als auch
durch die eine große Anzahl privater Vereinigungen bemühen sich, die Kenntnis
Regierung. . War . .
der Obstkultur in möglichst weite Kreise‘ zu tragen und den Obstbau
in jeder Hinsicht zu fördern; insbesondere wirkt das‘ Landwirtschafts-
ministerium dahin, daß auf den Eisenbahnen geeignete Waggons für den
Transport bereitgestellt werden, daß die Dauer des "Transports nach
Buenos Aires, ‚wo natürlich der Hauptkonsum stattfindet, nach Möglich-
keit abgekürzt wird, daß für die Aufbewahrung des Obstes in großen
Quantitäten geeignete Räume geschaffen werden, und daß auch der Obst-
handel. zweckentsprechend organisiert wird. So wird gegenwärtig unter
dem ‚Einfluß ‚des Ackerbauministeriums der Versuch gemacht, Früchte
und Gartenerzeugnisse aller Art möglichst unter Ausschluß der Vermittlung
von Zwischenhändlern an die Konsumenten zu verkaufen, da die hohen
Gewinne der Zwischenhändler wesentlich zur Verteuerung der Lebens-
haltung. in Argentinien beitragen. Die bisherigen Erfolge dieser Maß-
nahmen waren sehr gut und: ermutigen.zu weiteren Schritten in ‚dieser
Richtung.

1924
        <pb n="140" />
        Weiterhin denkt man auch schon an den Export frischer Früchte Geplante
nach Europa. Der Deputiertenkammer wurde ein Projekt eingereicht, Ausfuhr.
weiches ‚einen Kredit von 100000 Pesos fordert, um die notwendigen
Vorarbeiten und Versuche ‚durchzuführen. Das Projekt sieht die An-
schaffung von Gefrierwagen und die Einrichtung von geeigneten, Lager-
und Konservierungsräumen in Mendoza und San Rafael‘ vor. Da heute
nach Europa Früchte aus Nordamerika, vom. Kap der Guten Hoffnung,
aus Aüustralien, Japan und Zentralamerika ‚eingeführt. werden, dürfte die
Ausführung des Projektes an sich auf‘ keine Schwierigkeiten stoßen.

Neben der Obstkültur sucht die Regierung auch Gartenbau und Gartenbau und
Gemüsezucht zu fördern. In den Provinzen Tucuman und Salta hat Sem
besonders der Tomatenbau in den letzten Jahren eine beträchtliche Aus-
dehnung gewonnen. Der mit der T omatenkultur erzielte Gewinn ist ganz
erheblich, denn man rechnet für einen‘ Hektar mit ‚einer, Ernte/im Werte
von 5000 $, denen nur etwa 20008 Unkosten gegenüberstehen. Auch
die: Kultur- von bisher ‘nicht oder wenig angebauten Gemüsen sucht man
zu. fördern, so zum‘ Beispiel die Spargelkultur, die der Wassermelone,
den Anbau von Hülsenfrüchten, Kartoffeln usw.

Die Ausfuhr Argentiniens im Jahre 1912.

Auf Grund der Zollstatistik hat die Generaldirektion der argentinischen
Statistik eine Zusammenstellung über den auswärtigen Handel Argentiniens
veröffentlicht, der wir die folgenden Daten entnehmen. Der Gesamtwert Gesamtwert,
der Ausfuhr ohne Metalle betrug 480391256 $ Gold und wies gegen das
Vorjahr eine Zunahme von 155698 718 $ Gold auf. In ihren Hauptmengen
ging die Ausfuhr nach folgenden Ländern: England: 121 373 358 (25,3 0%),
Deutschland: 53 995 175:(11,8 Yo); Belgien: 37 258 225 (7,8 %o), Frankreich:
36052009 (7,5%), Vereinigte Staaten: 32391148 (6,7 %), Brasilien :
226463862 (4,7%), Italien: 91147962 (4,4%); Holland: 16 027 223
(3,3 0%). Deutschland steht mithin als wichtiges Ausfuhrland an guter
zweiter Stelle, die mitgeteilten Zahlen werden aber seiner Bedeutung für
den argentinischen Außenhandel nicht gerecht, da auch ein großer Teil
der Orderverschiffungen sowie der nach Belgien und Holland deklarierten
Ausfuhr von Deutschland aufgenommen wird. „Die Ausfuhr. Argentiniens
Nach Deutschland hat gegenüber dem Vorjahre. um ‚25,4 %. zugenommen,

Veber Buenos Aires. wurden 87,8 % der Ausfuhrwerte exportiert, d. h.
fast 182 Mill. $ Gold. An zweiter Stelle steht Rosario mit 85, Mill. $ Gold,
dann folgt Bahia Blanca mit 69 Mill, La Plata mit 32 Mill, San Nicolas
mit 21 Mill., Santa F6 mit 14 Mill. $ Gold. Die größte, Zunahme in ihrer
Bedeutung als Ausfuhrhäfen haben Villa Constituciön, San Nicolas, Paranä
und Bahia Blanca aufzuweisen.

125
        <pb n="141" />
        a  Produktions- Auf die einzelnen Produktionsgruppen verteilt, gibt die Ausfuhr ım
a gruppen. Vergleich mit der des Vorjahres das folgende Bild (Millionen Pesos Gold):
; . 3
Produkte 1912 der Gem Ztnnstuhr he ra
der Viehzucht... . 188,216 39,18 + 19,821
a) lebende Tiere .. 10,965 2,28 + 1,505
b) Rohprodukte . . . . 155,028 32,27 +117,645
ce) Fabrikale wu 19780 4,12 + 2,140
d) Nebenprodukte . 2,433 0,51 — 1,468
des 'Ackerbaus. . . . - 278,187 57,91 + 138,422
a) Rohprodukte* . . . 264,495 55,06 L134,784
b) Fabrikate uw bin 7,135 1,48 H. 2,307
c) Nebenprodukte . 8 6,556 1,57 H1381
der Wälder. 1 8,953 1,87 3,271
des Bergbaus . . Pr 0,285 0,06 0,250
der‘ Jagd und Fischerei‘. 2,005 0,42 - 0345
verschiedene‘ 1, . 2,712 0,56 0,657
Gesamtausfuhr (ohne Metalle) 480,391 100,00 + 155,694
Aus der Zusammenstellung geht hervor, daß die Zunahme der Ausfuhr
ganz überwiegend auf einen größeren Export von Ackerbauprodukten
zurückzuführen ‚ist, doch: hat. auch die Ausfuhr von Rohprodukten der
Viehzucht beträchtlich zugenommen. Ein erheblicher Rückgang zeigt sich
in der Ausfuhr der Waldprodukte. — Im folgenden geben wir eine Zu-
1 Hanni sammenstellung der im Jahre 1912 in Werten von über 1 Mill. $ Gold
produkte. exportierten Produkte unter Angabe der Zu- oder Abnahme der Ausfuhr
im Vergleich mit dem Vorjahre:
1912 im Vergleich zu 1911
Rindrvieh..' ; Stück 261 416 477 304
Gefrorenes Rindfleisch . Tons 317 620 = 49:882
Gekühltes Rindfleisch. . 5 25231 10135
Gefrorenes Hammelfleisch “ 70175 15 741
Borsten und’ Haare‘ =. . % 2582 - 130
Ziegen- und Lammfelle 2686 HE 256
Unbearbeitete Schaffelle . .. 28 596 = 1118
Gesalzene' Ochsenhäute ©... N 78 710 + 6021
Trockene Ochsenhäute . .'. - 31511 . 1411
Naß u. tr. gesalz. Pferdehäute ; 1.346 — 1.037
Ungewaschene Wolle. . . N 164 964 + 32928
Dörrfleisch . . # 8824 — 3.296
Versch. gefror. Fleisch 15 661 * 1.094
Konserviertes Fleisch . . n 17 699 2 286
Fleischextrakt‘ de. 612 - 96
Fleischmehl . . 5 3374 Se 1112

126
        <pb n="142" />
        1912 im Vergleich zu 1911
Butter. a Tons 3677 En 2 281
Talg . 1 ” 75 556 - 867
Hafer; ;. 896 032 + 284 643
Leinsaat“”.. . ED ; 515.399 L 99594
Mais . m Pe 835 237 L 4710052
Weizen . A 2.629 056 ‚343 105
Mehl CE 131 580 13 094
Kieler 325.226 :- 110592
Qelkuchen: u 17 622 St 2 606
Quebrachoextrakti GH 74.910 + 6479
Quebrachoblöcke? 1.0. 4 ® 279 342 — 158874
Walfischtran + ® 7190 + 1459
Die Tabelle zeigt, daß die oben erwähnte Zunahme der Ausfuhr land-
wirtschaftlicher Produkte in erster Linie auf die große Maisernte zurück-
zuführen ist, die gegenüber dem Vorjahre einen Mehrexport von 4,7 Mil-
lionen Tonnen zur Folge hatte; aber auch die Weizen- und Haferausfuhr
ist erheblich größer als im Jahre 1911. Eine beträchtliche Zunahme weist
ferner die Ausfuhr von Kleie auf, auch von ungewaschener Wolle wurden
fast 33000 Tonnen mehr exportiert als im Vorjahre. Interessant äst
schließlich die Steigerung der Ausfuhr des gekühlten Rindfleisches von
15000 auf 25000 Tonnen. Auffallend ist die geringere Verschiffung von
Quebrachoblöcken. Für einige Produkte, deren Ausfuhr 1912 eine erhebliche
Steigerung erfuhr, seien noch die Prozentzahlen der Zunahme angegeben:
Rindvieh 41,8 %, Pferde 111,4,%, gekühltes Rindfleich 67,1 %, unge-
Waschene Wolle 24,9 00, Casein 61,4 %, Fleischmehl 49,1 %, Butter 163,4 %,
Hafer 75,2 0%, Gerste 194,1 %, Roggen 1930,8 %, Leinsaat 23,9 %, Mais
3762,5 0%, Kartoffeln 1815,1 %, Weizen 17,8 %, Mehl 11 % und Kleie 51,5 %.
Ueber die Verschiffung der Getreideernte gibt folgende Tabelle Auf- Verschiffung
Schluß: der Getreide-
-  ernte.
(Tons) Mais Weizen Hafer Leinsaat
Buenos Aires . 1277318 421 429 285 483 141 883
Rosario... 1 882 823 576229 5961 174 669
Bahia Blanca . 23 080 1 268 582 441 916 304
La Plata‘. 346 047 143 378 157381 2166
Santa FE. ... 34 897 143 936 45 894
San Nicolas. . 888 111 339 ? 12170
San. Pedto ;...... . 75827 — = 3671
Andere... „... 22307 134 75.163 5 291 134 637
4835 237 2629056 896 032 515 399
G Das größte Quantum ging über Buenos-Aires; hier wurde von der
Streideausfuhr verladen vom Hafer 31,8 %, von der Leinsaat 27,6 %,
Vom Mais 26,30% und vom Weizen 16 %. Für den Hafen von Rosario

127
        <pb n="143" />
        lauten die entsprechenden Zahlen bei der Leinsaat 33,9%, beim Mais
38,9 % und beim Weizen 22 %o. Bahia Blanca ist der wichtigste Ausfuhr-
hafen für Weizen: 48,3%, und für Hafer: 49,3 %. Von den übrigen Häfen
haben größere Bedeutung für die Ausfuhr La Plata für Hafer: 417,7 %,
und Mais: 7,2%, und San Nicolas für Mais: 18,4 %.
Ist schon gegenüber dem Vorjahre in den meisten Produkten "eine
beträchtliche Zunahme des Exports zu verzeichnen, so tritt die gewaltige
Entwicklung Entwicklung, welche die argentinische Landwirtschaft genommen hat, noch
der Ausfuhr. geutlicher hervor, wenn wir die Ausfuhrzahlen für einen längeren Zeit-
raum zurückverfolgen. In der folgenden Tabelle haben wir die Ausfuhr
der Hauptprodukte in den letzten 20 Jahren für je 5 Jahre zusammengefaßt :
($ Gold) Häute Fleisch Wolle Talg
1893— 1897 91 576 877 30 231 333 155 949 106 15 002 338
1898 —1902 117923 661 48 780 179 235 337 015 17985 225
1903—1907 136 582 080 105 064 278 280747 816 22.371 904
1908— 1912 202 071 843 177 990 297 274 659 124 46 227 606
(Tons) Mais Leinsaat Weizen Hafer Kleie Mehl
1893—1897 2857 167 845 229 4 260 502 23 988 186470 225 789
1898 —1902 4 851 748 1269 639 5837 463 63 163 402446 253392
1903 — 1907 10 766 692 3431166; 11783 122 267 795 850954 580465
1908 —1912 11 605 863 2478953 12949023 2639762. 1206184, 595 461
In allen Produkten ist eine sprunghafte Zunahme der Ausfuhr fest-
zustellen, nur bei der Leinsaat. stellt sich der Durchschnitt des letzten Jahr-
fünfts etwas geringer als der der vorhergehenden Periode; auch bei Wolle
ist. ein geringes Nachlassen zu bemerken; — dafür ist aber die Zunahme
bei den übrigen Produkten um so bedeutender.
Anteil Ueber den Anteil Deutschlands an der argentinischen Ausfuhr bringen
Deutschlands. wir im folgenden noch einige Zahlen aus der deutschen Reichsstatistik
nach den vom deutschen Zolltarif unterschiedenen Warenklassen, und zwar
beschränken wir uns auf die Produkte, die im. Werte_von_ mindestens
0,3 Millionen Pesos Gold exportiert wurden.
(Doppelzentner) 1912 1911
Weizen? 1. N 5 462 009 377 103
St a 1289 258
Leinsaal no. EU 1732734 1441 171
Hafer. 4 ‚A 1 654 868 865 636
Kleie . . A 2.269.320 1 932 555
Weinhefe ..... . 4 361 3475
Merino-Wolle . . 128 242 149 041
Kreuzzucht- Wolle . 430 185 420 069
Rindshäute, gesalz. . 294 287 341 842
% trockene . 39891 40 629
Roßhäute, gesalz. . 2182 3 494
® trockene 9 898 17 361

128
        <pb n="144" />
        (Doppelzentner) 1912 f LE
Tag 64 141 1621605
Premier: June du 44621 21 638
Quebracho-Holz 145 2. an 10827946 ir 15521807
Quebracho-Extrakt: |. 0) |) 701789 47.562
Walfischtran ‚409: LE 19 564 26 140
Die Werte, welche diese Produkte nach der argentinischen Statistik
haben, sind“ noch nicht veröffentlicht, In. einer Zusammenstellung hat
die Buenos Aires Handelszeitung nach.,der Reichsstatistik für die von
Deutschland bezogenen Produkte den FOB-Wert berechnet, d, h. den
Wert, welchen diese Produkte im argentinischen Hafen nach dem üblichen
statistischen Ansatz haben würden, da die, CIF-Werte der europäischen
Statistik natürlich die Frachten und sonstigen. Unkosten einschließen.
Hiernach ergeben sich für die in vorstehender Tabelle angeführten Produkte
für die letzten 3 Jahre die folgenden Ausfuhrwerte:
(Millionen Pesos Gold) 1912 1911 1910
Weizen. 20,32 20,51 12,54
Mais. 8 K 11,26 2,70 5,01
Leinsaat . “m 1151 11,64 15,39
Hafer. en 4,04 1,97 0,52
Kleie A: ‚ 4,18 4,15 3,65
Hefe. A KO € 0,31 0,14 An
Wolle" AA 19,65 21,72 KO
Rindshäute, gesalz.. . . 9,63 9,53
7 trockene..." 2,12 1.94
Roßbäute? 4! HS SS u
Talga- en 40B Des “ 5
Premier£Jus 00% 14070 394 0,65 {
Quebrache-Holz 1145 15. Di 1,32 2,48 ;
Quebracho-Extrakt . . . +. 0,46 0,35
Walfischtran . . .- 0,39 9.52 „45
Auf Grund der erwähnten“ Berechnungsmethode “ergibt sich, daß
Deutschland im vorigen Jahre von Argentinien Produkte’ im Werte von
89,67 Mill.‘ 8 Gold gegen 81,54 bzw. 76,65 Mill. $' Gold’ in den beiden
früheren Jahren eingeführt hat, d. h. 35 Mill. $ Gold mehr, als die bisher
veröffentlichte argentinische Statistik als direkte Ausfuhr nach Deutschland
angibt. Die Differenz ist darauf zurückzuführen, daß die argentinische
Statistik ganz erhebliche Werte von „an. Order“ verschifften Produkten
aufführt, und‘ von dieser in ihrem endgültigen. Verbleib nicht näher be-
stimmten Ausfuhr, die zum größten Teil in Getreide bestand, ist etwa ein
Drittel nach Deutschland importiert: worden. - Der : Anteil Deutschlands
an dem Gesamtwert der argentinischen Ausfuhr beträgt hiernach 18,68 %,
and ist sowohl nach seinem absoluten Werte-als auch prozentual crheblich

129
        <pb n="145" />
        größer als der Anteil Deutschlands an der Einfuhr europäischer Waren
nach Argentinien.

Um einen Vergleich. der Wichtigkeit Deutschlands für den argenti-
nischen Export‘! mit der Bedeutung der anderen Hauptabnehmer zu
ermöglichen, geben wir in der folgenden Tabelle noch eine Uebersicht
über die Bezüge Deutschlands, Englands, Belgiens, Frankreichs, der Ver-
einigten Staaten und Italiens für 1912 nach der argentinischen Statistik.

(Tonnen) Deutschland England Belgien Frankreich Ver. Staaten Jtalien
Gefror.Rindfleisch — 303 099 25 192 Sn 9522
Haare u. Borsten 120 176 936 292 679 277
Ziegen-u.Lammfelle 13 245 5 447 1.925
Rohe Schaffelle 206 504 244 26 699 460 4
Gesalz.Rindshäute 24159 14 544 7876 1529 26489 723
Trock. Rindshäute 1 867 1 088 1270 462 18489 4191
Ungewaschen. Wolle 48 448 25 811 15.907 51192 16799 3.656
Tag he 12857 29771 3.787 4 368 1210 5.096
Hafer. 65 419003428320 115.282” | 43981 1 258 00134:206
Leinsaat *.“. , 66167 108304. 57284 18214 24350 2774
Mais, . 2 00 317.205 00379652 00274.521.. “178 740.118 3460190652
Weizen ... . .. 161607 698885 2327932 43481 9485 145715
Weizenmehl... 833 4 452 — 1274 165 77
Klee a. 1209847 46 101 3 15.476 194 128
Quebrachoextrakt 9 044 19.216 wu; 2.106: 24.682 2:078
Quebracho-Holz . 10841 216542 1402 19922 10.967

Die Einfuhr Argentiniens im Jahre 1912.

Nach den bisher veröffentlichten Zahlen der argentinischen Statistik
beträgt die Gesamteinfuhr dem Werte nach 384 853469 $ Gold, hat also
gegen das Vorjahr um 18042 783 $ Gold zugenommen, d. h. beinahe 5%.
Die Beteiligung der einzelnen Länder an der argentinischen Einfuhr ist
aus der folgenden Tabelle ersichtlich:

($ Gold) 1912 1912—1911
wre England ano wl u 116 669.226 + 10.031 796
ändern.

Deutschland 1.) 63,941 503 — 1 4:920 708

Ver; Staaten his... 89126951 716773561

Frankreich ed uulas 37618578 - 407 977

Hallen - eb akveun 02.487.152 + 3141173

Belgien Le ns 20.370 530 1 885:319

Spanien de a 11.928.307 + 648 842
Oesterreich-Ungarn . 3476 805 —  #827.309

Niederlande‘ . 44177 49%. 3 441 667 + 463928

Andere Länder. „1.1.0, 33687.818 — 745842

Total: 384853 469 + 18042 783

130
        <pb n="146" />
        Wie in der Ausfuhr steht mithin auch in der Einfuhr Deutschland
an zweiter Stelle hinter England, nur ist die bedauerliche Tatsache fest-
zustellen, daß die Einfuhr Deutschlands im Jähre 1912 gegen das Vorjahr
um 1920708 $ Gold abgenommen hat. Wir gehen auf diese Erscheinung
weiter unten näher ein.

Außer den in der Tabelle angeführten Staaten weisen noch eine
Reihe anderer Länder KEinfuhrziffern im Betrage von mehreren Mil-
lionen auf, z. B. Uruguay, Schweden, Canada, die Schweiz, Paraguay,
Norwegen und Cuba. Bei einzelnen von. ihnen, z.B. bei Canada, Schweden
und Norwegen hat die Einfuhr diese Bedeutung erst in den letzten Jahren
erlangt, und es ist daraus zu schließen, daß diese Länder nunmehr mit
ihren Spezialartikeln selbst auf dem argentinischen Markte erscheinen.
Bemerkenswert ist auch die relativ starke Zunahme der japanischen Ein-
fuhr von 520000 auf 775 000 $ Gold.

Die Einfuhr konzentrierte sich wieder ganzı, überwiegend 81,9 %,
auf den Hafen von Buenos-Aires, und hat hier im Jahre 1912 noch um
70% zugenommen, während der nächstwichtige Hafen der Republik,
Rosario, eine Abnahme der dort importierten. Werte von 14% gegen das
Vorjahr aufweist.

Für eine Anzahl von Artikeln, deren Einfuhrwert im Jahre 1912 Haupteinfuh
den Betrag von 1 Mill. $ Gold überstieg, geben wir in nachstehenden ärlükel.
Aufstellung außer dem Werte auch die importierte Menge und einen
Vergleich zu der Einfuhr des Vorjahres:

1912 2 im Vergleich

$ Gold OS mit 1911
Reis, geschält . . 2 566 026 32075 320 kg + 5870486
Malz en 1 113 244 22264893 + 2699147
Rohzucker :-“- 1142 001 19033355 + 871.432
Kaffee in Bohnen . . 1 690 793 14089938 ,„ -4..2.985.226
Tee nr 2 1110 905 1851525 , 1: 4185.894
Yerba, brasilian. . 5 125 480 47307965 Zn 989619
Olivenöl &gt;. 4921 157 27340891 , +. 8 615.720
Käse a u A 2.149 834 5374584 1 455.147
Sardinen .;. + - 1.068 836 4275347 ,» — 144245
Tabaksblätter . . 3.711.564 8521895 » + 2050377
Zigarren... 1.376 975 10204137, 40.793
Wein in Fässern . . 4 905 243 45 883 000 1 1434
Wermuth in Flaschen . 2.930 440 732610 D* - 9583
Champagner. . 1.020 640 102064 „ 5.973
Bitter 1. Fl A a 1106 752 13927 4841
Seidenstoffe . . - 2426 664 163 362 kg 20.153
Wollstoffe . 6173821 2279061 _— 85.095

*) D = Dutzend Flaschen, K = Kisten, St—" Stück,

191%
131
        <pb n="147" />
        1912 im Vergleich
$ Gold mit 1911
Halbwollstoffe . . 2.900 677 1748930 kg — 4232 730
Konfektion aus Wolle 1 469 606 14696 K + 2123
Baumwollgarn, roh . . 1 563 514 3.908 784 kg + 660 487
do. gefärbt... -. - 1.040105 2.080.204 295 404
Baumwollzeuge, ungef. . . 4987 636 6.007 917%. 1 145 495
do. mit Wolleinschlag . 1304883 1085640 . 56 464
do. mit Seideneinschlag 1500 236 375 059 1 - 31 976
do. bedruckt: 3 827:393 4.077 572 315 952
do. gefärbt... .. - 10 689 828 12 748 204 439 894
do... nicht spez... .. 1.098 089 835.367 228 021
do. Ton A . 1.167 941 2335883 . 252 082
Strümpfe... 1 458 272 634 245 116 875
Spitzen 4. u 1397 930 346495 . 32 470
Konfektion aus Baumwolle. 1229160 122916 2814
Drillich A 1198 606 1289129 = 175746
Sackleinwand . | 8658175 57.721 158 +25 130 625
Schmieröl 2 609 693 26000472 . + 4277-730
Petroleum ; 2.372.305 79076849 . +13 916 403
Rohnaphtha 5917 883 59178829 ; — 2044432
Steinkohle 25.955692 3.707 950 t — 10 070
Medikamente 2271441 22709 K + 787
Parfümerien . . ; 1 462 695 14675 + 544
Glaswaren:.. + - 1169 894 11699, = 1190
Tafelglas % . 1 594 663 1 642 794 m? —- 120346
Zement... 4 134 031 375821 € = 13468
Tonplättchen, glasierte 1.094 138 20 588 289 kg +6 058786
Möbel &amp; A. 2 765 004 27650 K 564
Taschenuhren . 2.060.735 648 886 St 210197
Geschmeide . 1916 627 19167 K . 3.970
Kupfer- und Bronzewaren 1112019 1249083 kg + 136766
Zeitungspapier |. am 1 668 792 27813 208 -— 352 844
Werkpäpier! 2 448 1.196 644 7977632 ;, +1 628’201
Bücher‘... 7. 1300328 3.250807 &gt; 881 351
Roheisen*.“ 4 6516677 190254 t 27 954
do. bearbeitet . 26852878 30 480 848 kg 7 734 001
Wellbiech 7.79. 6.383 572 91194 t 11327
Glatter Draht, verzinkt 2 088 847 41776950 kg - 3665985
Schrauben 4 1 100 499 9730316 5.284 973
Küchengeschirr. . . - 1 254 103 12536 K is 179
Div. Maschinen +. + - 7.222.142 47 272 715 kg +14 962 907
Lokomotiven + + - 2.268 045 190 St — 104
Laschen 14 &gt; 1188 964 9.908 034. kg — 8409 220

1912
132
        <pb n="148" />
        1912 im. Vergleich
$ Gold mit 1911
Stahlschienen . 5 272,960 131824 t 7.” 158632
Räder, Achsen . 1302 619 14338 829 kg + 9181 248
Eisenbahnwagen 3 950 791 3912 St ' 451
Automobile . . 5 346 149 4281 1820
Elektrische Kabel . . 3.199 689 6436 034 kg 51 541
Dynamos . .. 1.697 159 5657194 2.627 259
Träger, eiserne . 7 3 395 198 84881 t ‚8581
Eiserne Röhren 2 1214 474 25.093 970 kg 9 256 898
do. verzinkt 1.341 502 13415026 ; 5 013 204
Blech, ,roh..; 48% 1.074 469 13430889 , = 353 456
Mähmaschinen .. x. \ 2811 249 29998 St + 18464
Dreschmaschinen .... 1572 054 1454 „ + 327
Ueber die Beteiligung Deutschlands an der Einfuhr nach Argentinien Anteil
gibt folgende Zusammenstellung Aufschluß: Deutschlands
1912 1911 1912 1911
Rohzucker:. .. 255135 80 507 Spielwaren. . 11434 13 084
Reis act cr 8 299 33.761 Träger... 11926114 048 754
Kartoffeln... 13525 74.732 Bleche +. :......«...1;. 66 056 87.716
Luzernesamen 6641 21.197 Glatter Draht. 292.102 ‚434333
Bien A el 9.743 10 768 Stacheldraht . 137.171 61.022
Wollzeuge . - 12412 11 403 Eiserne Röhren 98 023 61 091
Baumwollzeuge. 29404 33.196 Stahlschienen . 439686 949 446
Strümpfe.» 4 563 6 304 Stahlschwellen . 84 707 6.204
Konfektion. . 2.807 24771 Laschen,
Lederwaren . 3.077 3595 Achsen. .«...- 192.860 76 846
Kautschukwaren 6776 3.847 Brücken... 134.087 ; ; 410642
Zement... ln 343,638 11 1477 366 Versch. Eisen-
Steinkohle ... 287372 327543 waren 4. +; 163870 11.177.736
Weinsteinsäure 4 347 5.320 Lokomotiven... 13,537 69 869
Chemikalien . 30076 51 150 Motoren... |... 155.547 59 600
Holzstoff‘” 3; 39 221 18 654 Verschiedene
Druckpapier . 4.199 3917 Maschinen . .. 80852 73962
Anderes Papier 47952 35.714 Dynamos,
Pappen . . 1.0090 27 487 Akkumul.. . 72:512 32501
Papierwaren . 19.9535 Kupferdraht u.
Leere Fässer. !1* 12931 Kabel. ../. 39288 44383
Versch. Holz- Bahn- u. and. Sn
waren . - 19 625 26 557 Wagen... 231.089 29 406
Steingut . . 67795... 66774 Artikel f. Elek-
Clas 0 AS IM 62 556 $rizitäte un 17 97/6 15.713
Wanduhren ‚= 4008 3.605 Kupferwaren „10491 15532
Pianosaek 4.673) 11511 Zinkblech. 7 376.1: 120.282

1912
133
        <pb n="149" />
        Rückgang Wie oben bereits: erwähnt, hat Deutschland im Jahre 1912 für fast
RE a 2.Mill. $ Gold weniger Waren nach Argentinien eingeführt als im Vorjahre.
infuhr. r;ese Erscheinung ist doppelt, auffallend, da nicht nur die Einfuhr nach
Argentinien im allgemeinen ganz bedeutend zugenommen hat, sondern
weil. auch die Hauptkonkurrenten Deutschlands auf dem argentinischen
Markt, England, die Vereinigten Staaten und Italien, ihre Einfuhr ganz
wesentlich vergrößern konnten. Aus ‘vorstehender Zusammenstellung geht
hervor, daß die Abnahme des deutschen Imports besonders bei zwei
Positionen, nämlich bei Stahlschienen für Eisenbahnen und bei Zinkblech
für die Arbeiten der Defensa Agricola einen größeren Umfang erreicht.
Nun ist aber, wie aus, der Zusammenstellung der Haupteinfuhrartikel
Argentiniens hervorgeht, die Einfuhr von Schienen‘ im Jahre 1912 auf
über die Hälfte des im vorhergehenden Jahre importierten Quantums
heruntergegangen, und an dieser Abnahme ist Deutschland etwa mit dem
dritten "Teil, d. h. ca. 2 Mill. $ Gold beteiligt. Auch die Bezüge von
Zinkblech waren im Jahre 1911 außergewöhnlich groß gewesen, so daß
aus deren Nachlassen allgemeine Schlüsse nicht gut gezogen werden
können. Weitere nicht unerhebliche Abnahmen sind zu verzeichnen bei
Draht, Chemikalien, Zement, Kartoffeln, Reis usw. Dagegen haben aber
auch andere Artikel wieder nicht unerhebliche Zunahmen aufzuweisen,
wie z. B. Dynamos, Stahlschwellen, eiserne Röhren und Träger, Papier,
Holzstoff usw. Diese günstige Entwicklung der Einfuhr einzelner Artikel
Jäßt‘ erhoffen, daß die im Vorjahre beobachtete Abnahme der Einfuhr
Deutschlands nach Argentinien nur eine vorübergehende Erscheinung ge-
wesen ist, und daß es der deutschen Industrie und dem deutschen Handel
gelingen werde, den verlorenen Boden in diesem Jahre wiederzugewinnen.
Deutschland Im folgenden geben wir nach der argentinischen Statistik für das
aba unten Jahr 1911 eine Uebersicht über die Beteiligung Deutschlands an der Ein-
fuhr nach Argentinien im Vergleich zu der seiner Hauptkonkurrenten, und
zwar stellen wir in der ersten Aufzählung die Artikel auf, in- denen
Deutschland die Führung hat.
Rohzucker: De.*) 1089 266
Konfektion, wollene: De. 523 908, Fr. 466 883, En. 179 603
Kleider, wollene: De. 122059, Fr. 107 030
Wollgarn für Stickerei: De. 149 806, Fr. 12222
Leinenes Tischzeug: De. 60964, Fr. 49911
Weinsteinsäure: De. 477 605, It. 198 285
Glaswaren: De. 531 283, Be. 348287, Fr. 206.894
Flaschen: De. 190149, En. 36511
Porzellanwaren: De. 304649, Fr. 122 305
Pianos: De. 648 822, Fr. 69.350
Musikinstrumente, hölzerne: De. 173643, Fr. 25221
*) De = Deutschland, En. = England, Fr. = Frankreich, Be. = Belgien,
It Utalien; /V. St. = Vereinigte Staaten, Ho. /= Holland, Sp.. = Spanien.

134
        <pb n="150" />
        Wand- und Stutzuhren: De. 166 984, / V. St. 155 361
Galvanisch versilberte Waren: De. 343195, Fr. 4167:372.
Kalbsleder: De. 226290, V.St. 128 427
Schreibpapier: De. 223 998, It. 98 646, En. 88.120
Werkpapier: De. 782402, En. 94443
Tapeten: De. 114885, Fr. 48 450, ‚En. 40 002
Karton‘: De. 473469, Ho. 109440
Briefumschläge: De. 131903, It. 55147
Papierwaren De. 238 604, Be. 36 069
Roheisen: Dei i2 394187, Be, 4992641, En: z596:491,-V. St. 470.763
Glatter Draht, verzinkt: De. 1419765, Eon. 403 786, . V.. St... 361 437
Glatter Draht, unverzinkt: De.‘ 330 545, V. St. 251 092
Küchengeschirr: De. 822178, En. 147 902; Fr. 116.288
Messerwaren: De. 119213, Fr. 88 907, En. 52757
Schlösser: 261 358, Be. 29342
Handwerkzeug: De. 194195, V.St. 122072, En. 75 382
Diverse Maschinen: De. 2273812, En. 1682 412; V. St. 1080 1830, ‚Er. „565,884,
It. ‚208 507
Lokomotiven: De. 1590954, En. 1 5387871 Be; 397,368, V.. St. 113.820
Laschen: ‚De. 816 698, En. 774 115, V.-St.1335:5691
Stahlschienen: De. 4501 605, En. 3 525 576, NV. St. 2 1831-969; Be. ; 422 794
Material für Straßenbahnen: De. 498 577, En. 394 926, :V, St. 85 476
Elektrische Kabel: De.! 1050979, En. 796592, It. 398 698
Dynamos: De. 521 607, En. 214172, V.St. 59963
Glühlampen: De. 272978, Ho. 98129, En. 45018
Strommesser: De. 327 948, En. 54216
Träger, eiserne: De. 1869530, Be. 1013313, Fr. 628 158, En. . 100 687
Eiserne ‚Säulen: De.; 208 246, ; Fr... 63 986, It. 51 772
Apothekeneinrichtung: De. 371 295, Fr. 129 333
Spielwaren: De. 522 549, Fr. 109 760
Luzernesaat- De. 535950, It. 517086, Fr. 151 245
Andere Samen: De. 577017, It. 222823, Fr. 431.980
In der folgenden Zusammenstellung zählen wir eine Reihe von Artikeln
auf, die zwar in ihrer Hauptmenge aus anderen Ländern eingeführt werden,
an deren Import Deutschland jedoch immer noch wesentlich beteiligt ist:
Reis geschält: It. 1526765, En. 188.068,‘ 'Ho.: 186 217, ‘De... 132843
Malz: Oe.-U. 840 285, De. 117115
Raffinade: Oe.-U. 1295 578, De. 1010305; Fr. 888 318
Champagner: ‚Fr. 923 700, De. 15 810
Mineralwasser: It. 161 805, Fr. ‚102 944; iQe.-U.1 6L7T26 De. 51.926
Seidenzeuge: 1296027, It. 237370, De. 229141
Seidenbänder:; Fr. 442586, De. 119 983
Bänder, halbseiden: Fr. 134018, De. 85 451
Zeuge, halbseidene: Fr. 165 432, De. 92552, It. 89874, Ho. 80 984
Konfektion, seidene: Fr. 312949, It. 58 508, De. 33590
Stoffe, wollene: En. 3 388 557, De. 1360508, Fr. 1.111.678, Be. 259 683
Stoffe: halbwollene: En. 2318678, De. 435 545, Fr. 150 045

135
        <pb n="151" />
        Plüsch, geschnitten: En. 290 046, De. 261006, Fr. 203 529

Wollgarn: It. 151 681, Fr. 96273, Be. 90025, De. :81 136

Baumwollgarn, gefärbt: It. 231096, Ho. 201 179, De. 177456, Be. 169570

Baumwollzeuge, ungefärbt: En. 3470 543, It. 277488, De. 115 902

Baumwollzeuge mit Wolleinschlag: En. 707926, De. 208 125

Baumwollzeuge mit Seideneinschlag: Fr. 597 000, En. 313416; De. 239 084

Baumwollzeuge, bedruckt: En. 2567 038, De. 569 746, V. St. 398 079, It. 365 874

Baumwollzeuge, gefärbt: En. 4277977, It. 3573381, Be. 959373, De. 450120

Baumwollzeuge, Farbe nicht angegeben: En. 504414, Fr. 208 258, De. 197 207

Spitzen, baumwollene: En. 454022, De, 444 070, Schweiz 203 402

Konfektion aus Baumwolle: Fr. 400139, De. 357 288

Drillich: En. 558753, Be. 279374, Fr. 208 743, De. 182295

Säcke, Sackleinwand: En. 313276, De. 56 348 E

Wachstuch: En. 254626, De. 65697

Steinkohle: - En: 25 894 880, V.St. 275269, De. 256409

Pulver: VıSt. 193.508, En: 105901, De. 58 499

Medikamente: Fr. 1109:586, De. 382 545, It. 224 688

Holzstoff: Rußland 344954, Schweden 259899, De. 73 849

Parfümerien: Fr. 1061667, ‚En. 188 874, De. 69208

Tonwaren: En. 480440, De. 299034,’ Be. 118732, Ho. 110 368

Tafelglas: Be. 824334, En. 609839, De. 143 493

Zement: 0e.-U. 17210836, Fr. 875 769; En. 812 284, De: 470945

Tonplättchen: Fr. 289940, De. 21 945

Tonplättchen, glasierte: Be. 207 043, Sp. 202 341, De. 124452

Möbel: V.St. 704398, En. 532199, Fr. 448 256, Oe.-U. 388 879, De. 8386 779

Taschenuhren: Schweiz 1388116, It. 586228, De. 368 575, Fr. 337 636

Geschmeide: Fr. 538 868, De. 500667, It. 192 736

Kupferwaren‘ En. 311 268, De. 309819; V. St. 142634, Fr... 116 095

Treibriemen: En. 113418, De. 79334

Chevreauleder: V.St. 466 473, Fr. 181898, De. 81 376

Marrokinleder: V.St.. 234717, Fr. 122053, De. 51068

Zeitungspapier: V.St. 657149, De. 639636, En. 227 502

Druckarbeiten: En. 519 677, De. 207 277

Bücher: Sp. 371482, Fr. 187274, It. 149338, En. 123124, De. 57 145

Roheisen, bearbeitet: En. 1030044, De. 623 663, V.St. 217 741

Rohstahl: En. 298771, De. 36826, V.St. 31168

Wellblech:! En. 5351.527,/ "De. 577.077, V. St. 905 427, Be. 313838

Stacheldraht, verzinkt: V.St. 659321, De. 272541, En. 162335

Nägel: En. 538 466, Be. 189 475, De. 99 021

Schrauben: Be. 799889, En. 565662, Fr. 792 099, De. 183 368

Feuerwaffen: V.St. 170965, Be. 139510, De. 78 525

Wasserpumpen: V.St. 221148, En. 47799, De. 34342

Kessel: En. 200683, De. 75945

Herde: und. Oefen: Ho. 98159, De) 82154, V/St! 80 787

Nähmaschinen; V. St. 423471, De. 3816372

Schreibmaschinen: V. St. 205.450, De. 59495

Eisenbahnmaterialien: En. 4501063, De. 939080, Be. 804620, V.St. 197 815,
Fr. 147 024

136
        <pb n="152" />
        Eisenbahnwagen: En. 1627637, Be. 702895, V.St. 492080, De. 310795

Automobile: Fr. 954 611, V. St. 342100, De. 340 988, It. 303 924, En. 244 368,
Be. 178925

Fahrräder: En. 218004, De. 79.378

Eiserne, Röhren: En. 1 144 805, De. ‚275.140

Verzinkte: Röhren: ‚En. 1.269732, V.St.. 437600, De. 118 092

Material für Brückenbau: En. 210515, De. 89972, Be. 85660

Material für Salubritätswerke: En. 117929, De. 39 527

Kupfer und Bronze, roh: En. 238 533, De. 193 268

Zinkbleche: Be. 1061080, De. 970092

Pflüge: V.St. 1308 544, En. 112328, De. 46 575

Dreschilschinen: ViSt, 712.680; "En. 852885," De. 47170

Saatkartoffeln: Fr. 2480614; De. 755 770, Sp. 206 137, It. 110029.

Schließlich nennen wir noch einige Artikel, in denen die Einfuhr
Deutschlands im Verhältnis zu der anderer Länder der sonstigen Bedeutung
der deutschen Industrie nicht zu entsprechen scheint.

Hüllen für gefrorenes Fleisch: En. 737890, Schweden 38 109

Wasserdichte Stoffe: En. 160095

Seifen: En. 114817, Fr. 27 094

Seifen, medizinische: V. St. 129462, Fr. 56880

Fässer und Dauben: V. St. 546639, En. 58 505

Pelzkonfektion: Fr. 221060, It. 42710

Lederschuhe:: En. 280.078, : V. St. 128 427

Räder und Achsen: En. 372 609, V. St. 34. 968

Kupferblech, roh: En. 888 777, Be... 149 964.
Versehiedenes.

Wie wir schon im Oktoberheft Jahrgang 1912 der .„Mitteilungen‘“ Flugwesen
erwähnten, ist man in Argentinien bemüht, das Flugwesen weiter zu
entwickeln und hat mit der Gründung von Fliegerschulen begonnen. Bei
Coarsi und El Palomar wurden Schulen für Militärflugwesen eröffnet,
in denen französische und italienische Flieger als Lehrer angestellt sind.
Die deutsche Flugzeugindustrie hat den Wettbewerb mit der französischen
und amerikanischen erfolgreich aufgenommen, insbesondere seit es dem
Deutschen Lübbe gelang, den wiederholt vergeblich versuchten Flug von
Palomar nach Mar del Plata auf einer Rumpler-Taube auszuführen und
damit einen neuen Rekord aufzustellen. Auch Lübbe wurde als Fluglehrer
für das argentinische Militärflugwesen verpflichtet, und sein großartiger
Flug hat zu Verhandlungen zwischen der argentinischen Regierung und den
Rumpler-Werken betreffs Lieferung von Militärflugzeugen geführt. Die
Regierung von Uruguay beabsichtigt ebenfalls, Flugzeuge deutscher Kon-
struktion für Militärzwecke zu erwerben.

Die in Europa vielfach betätigte Förderung des Militärflugwesens
durch Schenkung von Flugzeugen seitens privater Organisationen an die

137
        <pb n="153" />
        Heeresverwaltung hat in Argentinien Schule gemacht; so schenkte die
Compania Argentina de Tabacos dem Kriegsministerium einen Farman-
Flugapparat, die Stadt Azul stiftete für das 23. Geniebataillon eine Flug-
maschine und besoldet einen Fluglehrer, und die Regierung nahm auch
die Schenkung einer Rumpler-Taube gern an, zu deren Ankauf die Deutschen
durch eine in der ganzen Republik veranstaltete Sammlung die Mittel
aufgebracht hatten.

Zinfuhr von Der Gebrauch von Automobilen hat in den letzten Jahren in

utomobilen. A,gxentinien bedeutende Fortschritte gemacht, die Einfuhr wies im fahre
1912 eine Zunahme von 1820 Wagen gegenüber der des Vorjahres auf. Die
Entwicklung der Einfuhr seit dem Jahre 1900 wurde im 5, Heft jahrgang
1912 der „Mitteilungen‘ ausführlich geschildert. — Es zeigt sich immer
mehr, daß das Automobil wie in Europa nicht nur als Luxusfahrzeug
gebraucht wird, sondern auch außerhalb der größeren; Städte, eine mehr
praktische Verwendung findet. Dies läßt sich auch aus dem KEinfuhrwert
ableiten, der im Jahre 1912 5469149 Pesos Gold betrug, was bei einer
Zahl von 4281 Wagen einen Preis von 1248 Pesos Gold per Wagen ergeben
würde. Wenn der Zollwert von dem wirklichen Verkaufspreis der Wagen
auch nicht unbedeutend abweicht, so läßt sich. daraus doch immerhin
schließen, daß die Einfuhr zu einem großen Teil aus billigeren Gebrauchs-
automobilen bestanden hat. Auch als Mietwagen führt sich das Automobil
immer mehr ein.

ER Die nordamerikanische und europäische Industrie ist bemüht, ins-
besondere für den Gebrauch außerhalb der Städte, einen geeigneten Typ
zu schaffen. Hierbei ist in erster Linie zu berücksichtigen, daß Kunststraßen
in Argentinien nur vereinzelt vorhanden sind. Die meisten Landwege be-
stehen nur aus den Gleisen, welche die Ochsengespanne in einer Spurweite
von ca. 1,6 m hinterlassen haben. Diese‘ größere Spurweite ist, bei der
Konstruktion zu berücksichtigen und hat außerdem den Vorteil, daß die
Stabilität des Fahrzeuges besser gewahrt wird, das eben wegen der schlechten
Wege höher gebaut sein muß, als für Europa üblich. / Beiden bewährten
amerikanischen Wagen ist zwischen dem unteren Schutzblech und der
Fahrbahn ein Abstand von 15 Zoll engl.; weniger als 12,5 Zoll sind auf
alle Fälle unzureichend. Dabei muß dieses Maß aber ohne Verwendung
besonders großer Räder erreicht werden, denn es sind drüben nur Reifen
in normalen Dimensionen erhältlich. ‘Auch der Kettenantrieb hat sich
namentlich bei aufgeweichten Wegen wenig bewährt, und Keitenschutz-
kasten werden leicht deformiert. Haupterfordernis ist ein möglichst geringes
Gewicht, da ein schwerer Wagen beiden schlechten Wegen leicht voll-
ständig versagt; — auch eine gute Abfederung. des Rahmens ist unerläßlich,
Von großer Wichtigkeit ist ferner die Einfachheit der Konstruktion. Alle
Maschinenteile und die Achsen müssen leicht auch von ungeübten Personen
herausgenommen werden können, damit es möglich ist, sie bei natwendigen

12%
        <pb n="154" />
        Reparaturen mit der Bahn zu verschicken, denn der‘ Versand des ganzen
Wagens zu Reparaturzwecken ist meist zu umständlich und kostspielig.
In Buenos-Aires wird für Automobile eine innere Abgabe in folgenden Automobil-
Abstufungen erhoben: steuer in
DE ‘ . - - Buenos Aires.
1. zweisitzige kleine Wagen (Voiturettes) bis 40 HP: 50 $ m/n.
2. Kleine Wagen mit mehr als 2 Sitzen und geschlossene Wagen
bis 10 HP: 80 $ m/n.
3. Offene Wagen im allgemeinen von 11 bis 40 HP: 150 $ m/n.
4. Elektrische Automobile im allgemeinen: 120 $ m/n.
5. Jedes Automobil über 40 HP: 300 $ m/n.
6. Motorzweiräder: 25 $ m/n.
Gesetze und Verordnungen.
Innere Steuer auf Riech- und Schönheitsmittel.
Den Entwurf des Gesetzes, das inzwischen unter Nr. 89030°am 27. Sep-
tember 1912 erlassen wurde, haben wir im Vorjahre in Heft 5 unserer Mit-
teilungen gebracht. Nach den unterm 10. Dezember 1912 erlassenen Ausfüh- Ausführungs-
rungsbestimmungen werden die für Parfümerien, Toilettegegenstände und medi- Enten
zinische Spezialitäten festgesetzten Steuern für jede Einheit im Einzelverkaufe
nach dem Preise berechnet, den‘ der Verbraucher oder das Publikum zu
zahlen hat. Die Einführer müssen der Verwaltung der inneren Steuern diesen
Preis angeben, bevor sie die steuerpflichtigen Gegenstände aus dem Zollamt
herausnehmen. In den Manifesten und Teilmanifesten, welche der Zollbehörde
behufs Abfertigung der im Gesetze Nr. 8930 aufgeführten Gegenstände ein-
gereicht werden, muß außer den von der Zollverwaltung geforderten Angaben
auch die Menge der der inneren Steuer unterliegenden Einheiten angegeben
werden. Die‘ innere‘ Steuer wird ‚von‘; der Zollverwaltung zusammen mit den
Einfuhrzöllen: erhoben... Außer den vorstehend bezeichneten Schriftstücken muß
der Behörde für innere Steuern ein Verzeichnis in doppelter Ausfertigung
eingereicht werden, worin anzugeben sind: die abzufertigenden Einheiten,
Verkaufspreise und die übrigen Angaben, die in den von der Behörde zu
erteilenden Formularen angegeben sind. Die Zollpapiere werden mit den
darauf vermerkten Zahlungsbescheinigungen den Beteiligten zurückgegeben.
Falls die Ware aus dem Ausland schon mit Steuerzetteln beklebt ‚eingeht,
muß dies in allen vorher erwähnten Schriftstücken zum Ausdruck gebracht
werden.
Die Waren, welche aus den großen Verpackungen, in denen sie ein-
geführt worden sind und von den Einführern verkauft werden sollen, nicht
herausgenommen worden sind, können in ihren ursprünglichen Aufmachungen
bleiben, ohne mit Steuerzetteln beklebt zu sein. Die Einführer müssen dann
aber auf jedes Packstück einen Kontrollzettel (nach amtlichem Formular),
der ihnen: von der Behörde gegeben wird; aufkleben. Darauf sind anzugeben:
die Zahl der steuerpflichtigen Einheiten, ihre Art, Tag der Abfertigung, Name
und Wohnort des Einführers, der Gesamtbetrag der‘ Steuer. Außerdem müssen
die „Kontrollzettel den. Vermerk enthalten, daß jeder, welcher die größere

139
        <pb n="155" />
        Verpackung öffnet, den Verkaufspreis für jede Einheit auf den Umschließungen
jeder dieser Einheiten anbringen und den Steuerzettel darauf aufkleben muß.
Verpackungen, die in dieser Form in Umlauf gesetzt werden sollen, müssen
in einem besonderen Umschlag die erforderlichen Steuerzettel enthalten. Wer
die Verpackungen öffnet, um die Waren im Einzelverkaufe zu verkaufen,
muß die steuerpflichtigen Einheiten sofort mit den Steuerzetteln bekleben
und den Verkaufspreis darauf angeben. Alle Kisten, Ballen, Packstücke usw.,
die der im Gesetze ‘Nr. 8930 vorgesehenen Steuer unterliegende Waren-
einheiten enthalten und noch nicht gemäß dieser Verordnung mit Steuerzetteln
beklebt sind, müssen verschlossen bleiben, und der auf ihnen angebrachte
Kontrollzettel darf nicht verletzt werden. Wenn der Kontrollzettel vernichtet
oder die größere Verpackung geöffnet werden sollte, so unterliegt der Inhaber
den im Art 36 und 37 des Gesetzes Nr. 3764 vorgesehenen Strafen. Sobald
die aus dem Ausland eingeführten oder in der Republik hergestellten Gegen-
stände für den Verkauf bereit sind, müssen die Wareneinheiten mit den Steuer-
zetteln, woraus die Entrichtung der Steuer hervorgeht, versehen sein. Außerdem
muß darauf in in die Augen fallender Form und in deutlich lesbarer Schrift
(seien es Zahlen oder Buchstaben) der im Art. 2 des Gesetzes vorgeschriebene
Einzelverkaufspreis angegeben sein. Zuwiderhandlungen gegen diese Vor-
schrift machen den Inhaber der Ware nach Art. 36 und 37 des Gesetzes
Nr. 3764 strafbar.

Wenn es sich um Waren handelt, die in anderen Mengen und Ver-
packungen eingeführt worden sind als die, in denen sie an das Publikum
verkauft werden sollen, und für welche die innere Steuer erst nach Vornahme
einer Teilung entrichtet werden soll, dann erfolgt die Abfertigung bei den
Behörden. für innere Steuer und bei den Zollbehörden in der im Eingang
dieser Verordnung vorgesehenen Form, jedoch mit folgender Maßgabe: An
Stelle der sonstigen Erfordernisse und der Bescheinigung über die Steuer-
zahlung — die erst erfolgt, wenn die steuerpflichtigen Gegenstände für den
Einzelverkauf fertig gemacht sind — wird auf den Manifesten, Teilmanifesten
und: Abrechnungen nur die Intervention bescheinigt. Wenn diese Förmlich-
keiten erfüllt sind, darf die Ware nicht aus dem Zollamt herausgenommen
werden, ohne einen von der Behörde für innere Steuern zu verabfolgenden
Interventionszettel. Proben, die unentgeltlich verteilt werden sollen, können
von der inneren Steuer befreit werden, wenn sie mit dem Vermerk „Unentgelt-
liche Muster‘ versehen sind und die Steuerfreiheit vorher beantragt worden ist.
Die Umschließungen für Muster müssen kleiner sein als die Umschließungen
für die-zum Verkaufe bestimmten Gegenstände. Wer die im Gesetze Nr. 8930
aufgeführten Gegenstände für Rechnung dritter Personen einführen will, muß
den Namen und Wohnort des Dritten der Verwaltung der inneren Steuern
schriftlich mitteilen, bevor er die Ware von der Zollbehörde erhalten kann.
Diese Erklärungen können in dem eingangs erwähnten Abrechnungsverzeichnis
abgegeben werden. Die Empfänger der Ware sind verpflichtet, die ein-
schlägigen Bestimmungen zu befolgen.

Auf jedem Stück Seife,.das im Einzelverkaufe weniger als 41 Papier-
centavos kostet, muß der Verkaufspreis an in die Augen fallender Stelle
und in deutlich lesbarer, die Verwaltung der inneren Steuer zufriedenstellender
Form angegeben sein. Die Steuerzettel müssen an den Umschließungen an

140
        <pb n="156" />
        sichtbarer Stelle und in der von der Verwaltung der inneren Steuern Vvor-
geschriebenen Form angebracht werden.

Die Bestimmung, daß für die Höhe der zu zahlenden Abgaben der vom
Verbraucher zu entrichtende Detailpreis maßgebend sein solle, rief bei den Abänderung
Firmen, die sich mit dem Vertrieb von Parfüm, Toilette-Artikeln und medi- der
zinischen Spezialitäten befassen, — in erster Linie also bei den Apotheken A
einmütigen Widerstand hervor. Von den 420 Apotheken in Buenos Aires „ungen.
schlossen 400 ihre Läden und eröffneten den Verkauf erst wieder, nachdem .
der Vizepräsident der Nation die Durchführung des Gesetzes einstweilen
aufgeschoben hatte. Eine besondere Kommission zur Prüfung der Beschwerden
wurde eingesetzt, und auf Grund des Gutachtens derselben wurde sodann
das folgende Dekret erlassen:

Zum Gesetz Nr. 8930 Artı.1;. Anstattndes Artikel 3*) der gesetzlichen
Verordnung vom 10. Dezember 1912 wird folgendes bestimmt: Als Basis
für die auf Parfüms, Toilettenartikel und medizinische Spezialitäten zu ent-
richtenden Stempelsteuern wird der laufende Verkaufspreis angenommen. Die
zuständige Behörde setzt mit Hilfe von drei Repräsentanten der Branche den
Tarif fest.

Art. 2: Bis der oben erwähnte Tarif fertiggestellt ist, d. h. bis zu
einem Zeitraum von nicht mehr als 6 Monaten, wird der letzte Abschnitt
des Artikels 2 des Gesetzes 8930 — nachdem jede Packung mit dem Ver-
kaufspreis der zu versteuernden Ware versehen sein soll — suspendiert,

Art. 3: Ebenso wird die Ausführung der Verordnung betreffs der im
vorhergehenden Artikel getroffenen Dispositionen auf nicht mehr als 6 Monate
vertagt.

Art. 4: Der Art. 4**) der gesetzlichen Verordnung vom 10. Dezember 1912
wird aufgehoben.

Vertrieb von Heilmitteln und Mineralwässern.

Der Artikel» 75 des: Gesetzes‘ Nr. 4087 vom 2. September 1906 wird
wie folgt abgeändert:

Art. 75: ‘Die medizinischen Spezialitäten, einheimische sowohl als
fremde, oder die sogenannten spezifischen Heilmittel, gleichgültig, ob für
inneren oder äußeren Gebrauch, benötigen. für ihren Vertrieb einer vorherigen
Autorisation des nationalen Hygieneamtes, ohne welche sie als Geheimmittel

*) Art. 3 des Dekretes: Für die Festsetzung der Steuer auf Parfüms,
Toilettenartikel und medizinische Spezialitäten dient als Basis der vom Konsu-
menten oder vom Publikum bezahlte Detailpreis. Dieser Preis muß von den
{mporteuren vor der Herausnahme der steuerpflichtigen Waren aus dem Zoll
und‘ von den Fabrikanten und Detaillisten vor dem Verkauf an das Publikum
der. Direktion für innere Steuern bekanntgegeben werden.

**) Art. 4: Wenn der Verkaufspreis im Handel eine Erhöhung erfährt,

56 muß‘ die‘ Steuer‘ vervollständigt ' und ' auf der Packung der ent-
Sprechend“ Zusatzstempel angebracht werden. Diese Stempel werden von
der zuständigen Behörde nach Angabe der Preiserhöhung ohne weiteres
verabfolgt.

141
        <pb n="157" />
        betrachte: werden, deren Verkauf verboten ist. Ausgenommen sind Mineralwässer
von ‚bekannter Zusammensetzung, welche ohne vorherige Untersuchung von den
nationalen Zollämtern zugelassen werden können, vorausgesetzt, daß die Betei-
ligten nachweislich die Erlaubnis zum Verkauf beim nationalen Hygieneamt ‚ein-
geholt haben und daß die im Ursprungslande erfolgten Analysen von anerkannten
chemischen Firmen herrühren und von den Gesundheitsbehörden des betr.
Landes bestätigt worden sind. Die Unterschriften der Chemiker müssen vom
argentinischen Konsulat, und dem Ministerium der auswärtigen Angelegen-
heiten beglaubigt werden. Ebenso ist auch die Veröffentlichung von Annoncen
verboten, welche medizinische Spezialitäten anpreisen, deren Verkauf von der
zuständigen Behörde nicht genehmigt worden ist.
Zollagergebühren.

Fristbestim- Auf Veranlassung der Zolldirektion der Hauptstadt wird, um die An-

mungen. wendung des Artikels 40 des Gesetzes Nr. 8878 zu erleichtern, bestimmt:

1. daß bei der monatlichen Zahlung der Lagermiete die, Tage fort-
laufend gerechnet werden,

2. daß die Strafe von 5%. sowie. die doppelte Lagergebühr, vom
Eintreffen des Dampfers an, nach rechtskräftigen Tagen berechnet wird,
laut Art. 82 der Zollordnung (Art. 82: Die durch die Zollordnung, das Zoll-
gesetz und diese Verordnung festgesetzten Fristen bestimmen sich nach den
Anordnungen des Bürgerlichen Gesetzbuches [Cödigo Civil]. Fällt der letzte
Tag einer Frist auf einen Feiertag, so wird angenommen, daß die Frist
an dem unmittelbar darauffolgenden Werktag abläuft.),

3. daß bei Auferlegung dieser. Strafe die Zeit, von der, Ankunft des
Dampfers‘ bis. zur Aushändigung der Waren nach fortlaufenden Tagen
berechnet wird,

4. daß; falls die‘ Waren nicht innerhalb eines Monats, der. nach fort-
laufenden Tagen berechnet wird, zurückgezogen sein. sollten, ohne Veran-
lassung zur Strafe von 5 %. zu geben, weil. die Waren innerhalb des Monats,
nach rechtskräftigen Tagen ‚berechnet, zurückgezogen wurden, außerdem für
den Bruchteil der Tage einfache Lagergebühr erhoben wird.

Einfuhr von Lebensmitteln tierischen Ursprungs,

Erlaß der Bei- Durch Regierungsdekret vom 21. November 1912 wird der Artikel 10
bringung des der zum Gesetz Nr. 3059 vom 4. Oktober 1906 erlassenen Ausführungs-
PS bestimmungen aufgehoben. Hierdurch wird die Vorschrift beseitigt, daß für
* alle Erzeugnisse tierischen Ursprungs bei der Einfuhr eine gehörig beglaubigte
Bescheinigung des Herkunftslandes beizubringen ist, die bestätigt, daß die
Erzeugnisse in Fabriken hergestellt sind, die einer gesundheitspolizeilichen

Aufsicht unterstehen, ähnlich derjenigen, wie sie für die argentinischen Fabriken

vorgesehen ist. Die Einfuhr unterliegt nunmehr hinsichtlich der Untersuchung

nur noch, den Vorschriften des Artikels 9 der Ausführungsbestimmungen,

wonach Nahrungsmittel tierischen Ursprungs ausländischer Herkunft vom argen-

tinischen Gesundheitsamt untersucht werden müssen, bevor ihre Einfuhr gestattet

wird. Die Zwecklosigkeit: einer doppelten Untersuchung wird damit begründet,

daß die im Artikel 9 vorgeschriebene Prüfung für die Genießbarkeit der

142
        <pb n="158" />
        importierten Lebensmittel hinreichende Gewähr biete, und daß die durch
die Maßnahme ermöglichte schnellere Ueberführung in den Konsum nicht
nur hygienische, sondern auch ökonomische Vorteile mit ‚sich‘ bringe, da sie
in Zukunft auch dem Import‘ förderlich sein dürfte.
Zollireiheit für Packleinen, Säcke und Bindfaden. — Ausfuhrzoll für Säcke.
" Laut Gesetz vom 2. Januar 1913 ist die‘ Einfuhr! von Packleinen, Bind-
faden zum Zubinden und Nähen der Säcke und Bindfaden zur Verwendung
bei‘ Mähmaschinen zollfrei.

Neue oder gebrauchte Säcke aus Packleinen unterliegen. einem Ausfuhr-

zoll. von 5 Centavos Gold: per kg.
Verbot der Einfuhr von Cachiporras.

Durch. Dekret vom. 19. Dezember 1912 ‚ist außer den in Artikel 48
des Zolltarifs aufgeführten Waffen usw. auch die Einfuhr von schweren
Knütteln, sog. Cachiporras, verboten worden,

Transitverkehr.

Am 18. Juli 1912 wurde vom Präsidenten der argentinischen Republik
ein Dekret erlassen, das den, Transport‘ von nicht nationalisierten Gütern in
transito von oder nach den Nachbarstaaten laut nachstehender Verordnung
regelt: Allgemeines,

Art. 1. Es unterstehen dem Zollgesetz und Reglement:

1. Die Eisenbahnzüge, welche beim Passieren der Grenze in das Absatz-
gebiet der Nachbarstaaten geführt werden;

2. die Züge, welche Auslandsware bis zu den Grenzen der Nachbarländer
führen, um nach denselben auf dem Land- oder Wasserwege transportiert
zu werden; und solche Züge, die aus den Grenzländern Waren zum
Weitertransport‘ nach Uebersee importieren;

} Fähren und Schiffe der Küstenschiffahrt, die Flüsse oder Wasserläufe
kreuzen oder befahren, ‘die, in direkter oder indirekter Verbindung
mit. dem ..Meer oder., der‘, Küste‘, der Nachbarstaaten stehen.

Art. 2. Eisenbahn-Auslandsgüter in transito von oder nach den Grenzstaaten
dürfen einzig und allein in folgenden Häfen bzw. Grenzstationen eingeführt
und verzollt werden:

* Zollhäfen: Buenos Aires, Rosario, La Plata, Bahia Blanca, Concordia,
Santa Fe.

Grenz-Zollämter: Mendoza, La Quiaca, Oran, Monte Caseros, Paso de
los Libres, Alvear, Santa Tome und Posadas.

Art. 3. Die Zollstelle Las Cuevas übernimmt die Bearbeitung der Gesuche
um direkte Verzollung am Platz (despacho directo ä plaza) für Frachtstücke
aus Chile, die auf Grund ihrer Frachtbriefe nach Zwischenstationen zwischen
Las Cuevas und ‘Mendoza bestimmt sind, in Uebereinstimung mit den Bestimmungen
der vorliegenden Verordnung.

Kapitel. I.
Transit-Handel:

Art. 4. In Uebereinstimmung mit der Zollkonvention vom 17. Oktober Per

1887 zwischen Argentinien und Chile, die durch Gesetz Nr. 2221 bestätigt Andenbahn.

143
        <pb n="159" />
        wurde, sind die ein- und ausgehenden Waren, die in verdeckten und von allen
Seiten geschlossenen Kastengüterwagen befördert werden, von der Zolluntersuchung
in den betreffenden Zollgrenzstellen befreit, und werden sowohl am Tage wie
auch nachts während der. Durchfuhr- den. nachstehenden Bedingungen und
Formalitäten unterworfen:

1. Die Güterwagen müssen leicht und sicher verschließbar sein, so daß
die in ihnen transportierten Waren ohne Hinterlassung erkennbarer Spuren
weder ausgetauscht noch fortgeschafft werden können. Nicht zugelassen werden
Waggons mit Geheimabteilen oder schwierigem Zugang, die dem heimlichen
Transport von Waren "oder Werten dienen könnten.

2. Die Seitenwände, Fußboden und Dach der Wagen sind in gutem
Zustand zu erhalten, ohne Löcher oder Sprünge von Bedeutung; wenn solche
durch Unfälle während ‘der Reise entstehen sollten, so ist dies kein Grund,
die Fortsetzung der‘ Reise zu verhindern, es sei denn, daß der Inhalt des
beschädigten Wagens durch Hineinlangen oder auf andere Weise einem gewalt-
samen Wechsel unterzogen werden könnte.

3. Die Türen der Waggons müssen derartig angeordnet sein, daß es
unmöglich ist, sie aus ihren Führungen hinauszuschieben oder zu entfernen.
ohne Bruchstellen zu hinterlassen; sie müssen Schlösser und Schlüssel haben,
die die Anbringung von Metallplomben gestatten.

; 4. Der Zwischenraum zwischen den geschlossenen Türen und den Strebern
des Wagenkastens darf 15mm nicht übersteigen, so daß durch diesen ‚freien
Raum keine Veränderung des Inhaltes erfolgen kann.

5. In offenen oder Gitterwagen dürfen ohne vorherige Zollbesichtigung
nur nachstehende Waren die Grenze überschreiten:

a) Maschinen oder Maschinenteile, die in geschlossenen Wagen keinen

Platz haben;

b) Steine oder Metalle, roh, in Barren oder gewalzt, die in geschlossenen
Wagen zweckmäßig nicht unterzubringen sind;

c) Holz und Steinkohle;

d) lebendes Vieh, und alle diejenigen Güter, deren Transport unter diesen
Bedingungen durch Uebereinkunft derjenigen Länder gestattet wurde,
über deren Grenzen der Transport zur Ausführung kommt.

6. Die für den Transport genannter Güter bestimmten offenen Waggons
sind mit sicher angebrachten Ringen zu versehen; an diesen sollen die die
Plandecken zusammenschnürenden und die betreffenden Plomben tragenden Seile
befestigt werden.

Art. 5. Diejenigen Colli, durch. welche nach beendeter Beladung der
Kastengüterwagen eine Ueberschreitung ‘der Ladefähigkeit verursacht wurde oder
deren Anzahl nicht‘ groß genug ist, um einen Kastenwagen für sich zu
füllen, können, ohne auf die, Befreiung von‘ der Zolluntersuchung verzichten
zu müssen, in einem Abteil ‚eines geschlossenen Wagens untergebracht werden,
und. zwar nach‘ vorausgegangener Zustimmung der Zollbehörde, und unter _Be-
folgung der ihr geeignet erscheinenden Vorsichtsmaßregeln.

Art. 6. Wenn die Eisenbahngesellschaften nicht über geschlossene Waggons
mit Separatabteilen verfügen, so können die im vorigen Paragraphen erwähnten
Colli. im Gepäckwagen befördert werden; in diesem Falle sind an‘ ihnen rote
Zettel .mit schwarzer Aufschrift. „,‚in transito‘“ mit dem Stempel der betreffenden
        <pb n="160" />
        Zollstelle versehen, zu befestigen. Die dazu gehörigen Begleitpapiere werden
dann in derselben Weise behandelt wie bei geschlossenen Waggons.

Art. 7. Die den Güterzügen zugebilligte Erlaubnis die Grenze zu jeder
Zeit und an allen Tagen ohne Ausnahme zu passieren, wird auch auf die
Personenzüge ausgedehnt.

Art. 8. . Die Zollverwaltung an der Grenze hat den Verschluß und die
Plomben der Waggons zu respektieren, nachdem sie sich von der guten Be-
schaffenheit der Waggons überzeugt und sich vergewissert hat, daß ihre eigenen
Vorschriften und die in der Zollkonvention enthaltenen Bedingungen erfüllt
sind. Andrerseits steht ihr jederzeit das Recht zu, wenn sie es für erforderlich
hält, den Waggonverschluß zu vervollständigen. Gleiche Rechte und Pflichten
besitzt die Zollstelle in Las Cuevas bei Zügen, die auf genannter Station in
der Richtung von joder nach Chile Aufenthalt haben. Die zur Verwendung
kommenden Metallplomben tragen den Namen der Aufgabestation.

Art. 9. Beim Austritt aus dem Gebiet eines jeden Staates begleitet eine
bestimmte Anzahl Beamter der betreffenden Zollbehörde den Zug bis zur ersten
Grenzzollstation. Hier wird der Zug den Zollbeamten des. anderen Landes übergeben
und darf nicht eher -verlassen werden, als bis die von jedem . der beiden
Vertragsstaaten vorgeschriebenen Formalitäten erledigt sind.

Art. 10. Die Eisenbahnverwaltungen sind verpflichtet, die Zugbegleiter
umsonst zu befördern, ihnen Plätze in möglichster Nähe der Güterwagen an-
zuweisen und ihnen Sitze in den Wagen II. Klasse oder in den Gepäckwagen
der Zugführer frei zu halten.

Art. 11. Bei Ankunft auf der Grenzstation, die für die Durchsicht des
Gepäcks in Frage kommt, dürfen die Reisenden in den Waggons nur kleine
vom Zoll befreite Gegenstände zurücklassen, die frei oder in der Hand getragen
werden können.

Art. 12. , Die Taschen, Koffer usw., welche die Reisenden mit sich führen,
können während der Fahrt von den zurückkehrenden Zollbeamten untersucht
werden; diese haben die dem Zoll unterworfenen Gegenstände vorzumerken
und der Grenzzollbehörde Mitteilung zu machen.

Art. 13. Das auf der Grenzzollstelle nicht untersuchte Reisegepäck wird
als Zollgut erklärt und verschiedene, dem Bestimmungsort entsprechende Gepäck-
frachtbriefe ausgestellt, auf denen die Collizahl zu vermerken ist. Dieses Gepäck
wird in geschlossenen Waggons verstaut und unterliegt denselben Formalitäten
wie die Frachtgüter.

Art. 14. Das aus Chile kommende im Zollamt Mendoza nicht untersuchte
Gepäck, wird nach Ankunft in Buenos-Aires von der Zollstelle untersucht (Res-
guardo de la Aduana de. la Capital), Wird bei der Untersuchung‘ festgestellt,
daß keine dem Zoll unterworfenen Gegenstände dabei sind, so ist das Gepäck
den Interessenten auszuhändigen; andernfalls wird das Gepäck der Gepäck-
Untersuchungsstelle (Deposito de Revisaciön de Equipajes) überwiesen.

Art. 15. Jeder zollpflichtige, per Passagierzug beförderte Gegenstand
unterliegt denselben Bestimmungen ‘und Formalitäten, die bei mit Güterzügen
beförderten Waren in Betracht kommen. Diese Verfügung findet keine An-
Wendung auf das Gepäck der Reisenden.

Art. 16. Bei Ankunft am. Bestimmungsort werden die Güter in zu diesem
Zweck von den Eisenbahnverwaltungen hergerichteten Räumen aufbewahrt und

145
        <pb n="161" />
        bleiben in. demselben Lagerraum unter Aufsicht der Zollbeamten, bis sie unter
Beachtung der . vorgeschriebenen Zollverordnungen verzollt worden sind.

Art. 17. Die Waggons werden, wenn möglich, sofort nach Ankunft der
Züge entladen.

Art. 18. Jeder Wechsel im Fahrplan der Züge ist mit mindestens zwei-
wöchiger Frist den Zollverwaltungen im Voraus anzuzeigen, sonst müssen bei
der nächsten Zollstation die gewöhnlichen Zollformalitäten erfüllt werden, un-
beschadet der Verantwortung, die dadurch für die Eisenbahngesellschaften auf
Grund von polizeilichen Bestimmungen entstehen.

Art. 19. Eine Teilung Her Züge, "die in derselben Richtung fahren, kann
von den betreffenden Grenzbehörden bis zu 10 Waggons gestattet werden: Eine
weitere Teilung ist ‘zulässig, wenn der Stationschef und der oberste Vorsteher
der örtlichen Zollbehörde ‘sich über die jeweilig vorliegende Notwendigkeit
ins Einvernehmen gesetzt haben.

Nach Chile. Art. 20. Die Erlaubnis für den Transittransport per Eisenbalin von nicht
nationalisierten für Chile bestimmten Gütern ist auf ungestempeltem Papier
nachzusuchen, ; wobei für 'die Colli, deren Ausfuhr gewünscht wird, die An-
gaben zu wiederholen ‘sind, die auf der Zollfakturenkopie (copia de factura a
depösito) festgelegt sind.

; Art. 21. Das Gesuch ist in drei Exemplaren auszustellen auf Formularen,
die von den Exportzollstellen ausgegeben werden (Formular A).

Art. 22. Das Eintragungsburau (cficina de registros) empfängt das Gesuch,
vergleicht die drei Ausfertigungen unter sich, sowie mit der entsprechenden
Zollfakturenkopie, gibt, wenn keine Differenzen vorhanden sind, sein Vısum,
und numeriert die Dokumente laut Vorschriften der Zollausführungsbestimmungen
Paragraph 117 und 118.

Art. 23. Auf einem Exemplar des Erlaubnisgesuches wird die Zulassung
zur Verzollung verfügt, dieses geht an die Zollrevisoren (Vistas) zur Klassifizierung
(aforo) der Ware; die anderen Exemplare verbleiben dem Eintragungsbureau:

Art. 24. Nach der Klassifizierung geht das Dokument an die Rechnungs-
abteilung (liquidaciön) zur Festsetzung der Lager-, Krahn- und statistischen
Gebühren, die auf der Ware xuhen, und mit dem Ausweis der Zahlung geht
das Dokument wieder an das Eintragungsbureau zurück.

Art. 25. Wenn in der Zollfakturenkopie erklärt wird, der Inhalt sei
unbekannt, so setzen die Revisoren den Wert fest, und zwar im Verhältnis von
10 Pesos Gold für jede 10 Kilo oder Bruchteile davon.

Art. 26. Nach Rückkunft der Dokumente an das Eintragungsbureau und
nach ‚Uebertragung sämtlicher Bemerkungen, Klassifizierungen usw. auf die
anderen Exemplare, wird ‘auf dem ersten Dokument vermerkt: „zur Ausfuhr
nach Chile über die Grenzzollstelle Mendoza; der Inhalt dieses Erlaubnis-
scheines besteht aus (Zahl in Worten). Colli, deren Verpackung, Signum,
Nummer und Gewicht im Text angegeben ist‘ (eine eventuelle Berichtigung ist
ebenfalls anzuführen); diese Verfügung wird von dem Zollverwalter unterschrieben.

Art. 27. Das Exemplar mit der Verfügung wird dem Antragsteller oder
Empfänger der Waren gegen Quittung ausgehändigt, die auf einem der anderen
Exemplare zu geben ist, während das dritte zur Vermerkung der Expeditions-
maßnahmen an den Lagermeister (Alcaidia) geht.

146
        <pb n="162" />
        Art. 28. „Die für die Aufnahme von Transitgütern bestimmten Waggons
müssen sich gesondert in dem zur Ausführung der Beladung vorgesehenen
Gelände unter‘ unmittelbarer ‘Beaufsichtigung der Zollstelle befinden, die das
in dem Eintragungsbureau zurückbehaltene Exemplar erhält und damit die
Scheine, welche für die aus dem Zollspeicher herausgegebenen Güter auszustellen
sind, zu vergleichen. ‘In dem Exemplar des Lagermeisters werden entsprechende
Vermerke gemacht.

Art. 29. Der Lagermeister und die Zollstelle haben über die für den
Transitverkehr bestimmten Güter Aufsicht zu führen, und zwar von deren Heraus-
gabe aus ‚den Speichern bis zur Verladung in die. Waggons.

Art. 30. Die Beamten der Zollstelle (guardas), die mit der Kontrolle
der in Waggons verladenen Güter betraut sind, haben auf beiden Erlaubnis-
scheinen bei den einzelnen Positionen die Waggon-Nummern zu vermerken.

Art. 31. Nach beendigter Beladung wird jeder Waggon geschlossen und
plombiert, und zwar in Gegenwart des Beamten der Zollstelle und eines Bahn-
beamten und unter doppelter Ausfertigung des dem Waggon entsprechenden
Ladescheines, mit Angabe der Waggonnummer, der Nummer der Transiterlaubnis,
der Zahl der. im genannten Waggon verladenen Colli und Bezeichnung von
Verpackung, Signum, Nummern, Gewicht oder Kubikmaß (Formular B). In
Buenos Aires. kann die Generaldirektion, des, Hafens einen dritten Ladeschein
pro Wagen ausstellen und zurückbehalten.

Art. 32. Die Ladescheine werden in Duplo der Bahn übergeben gegen
Quittung am Fuße des Erlaubnisscheines der Zollstelle, der mit; dem; Vermerk
„erledigt“ an das Eintragungsbureau zurückgeht, während das Exemplar des
Lagermeisters diesem verbleibt, und zwar mit der Bestätigung über die Expedition
der Colli, die von dem Vertreter der Bahn zu unterzeichnen ist.

Art. 33. .Bei Ankunft des Zuges mit den Transitwaggons an der Zollgrenze
übergibt der Zugführer die doppelten Ladescheine der Ausgangszollstelle, und
es wird untersucht:

1. ob die Waggons und ihre Nummern mit den Nummern und Angaben der
Ladescheine übereinstimmen; 2. ob ‚die Plomben oder Zollsiegel intakt sind;
8. ob die Wagen und ihre Schlösser keine Anzeichen einer Beschädigung durch
gewaltsames Oeffnen tragen.

Art. 34. Wenn die ‚Anzahl der Ladescheine mit derjenigen der Waggons
übereinstimmt und die Waggon-Nummern den Angaben entsprechen, und wenn
die Plomben oder Zollsiegel sich in Ordnung befinden, ohne Anzeichen für
ein erfolgtes Oeffnen der Waggons aufzuweisen, so zeichnet der Zollvorsteher
die Ladescheine und Frachtbriefe, nachdem er letztere mit ersteren verglichen hat:

Art. 35. Einen Satz Ladescheine erhält die Bahn zur Anfügung an die
internationalen  Frachtbriefe, die ’auf der jeweiligen Station des Grenzlandes
Vorgezeigt werden müssen, für welche die Güter bestimmt sind.

Art. 36. Der übrigbleibende Satz der Ladescheine bleibt im Besitz des
begleitenden Zollbeamten bis zur Grenzzollstelle des Nachbarlandes, wo die
Uebereinstimmung zwischen Waggoh, den beiden Sätzen der Ladescheine und
den Frachtbriefen nachzuprüfen ist.

Art. 37. Der Begleitbeamte ‘kehrt mit den Ladescheinen zurück, die
Nunmehr den Uebereinstimmungsvermerk oder Bemerkungen über die von der
Grenzzollstelle des Nachbarlandes vorgefundenen Differenzen enthalten müssen.

147
        <pb n="163" />
        Art. 38. Die argentinische ‚Grenzzollstelle übermittelt , der Ausgangszoll-
behörde die zurückerhaltenen Ladescheine, die mit ihren entsprechenden Erlaubnis-
scheinen dem Archiv übergeben werden.

Art. 39. Für den Fall, daß die zurückgekommenen Ladescheine Differenzen
aufweisen, oder daß aus ihnen die Verletzung von Plomben oder Zollsiegeln oder
das Oeffnen bzw. 'Aufbrechen der Waggons hervorgeht, werden die entsprechenden
Bahnverwaltungen unter Strafe genommen, und zwar gemäß der Paragraphen 975
und 976 der Zollausführungsbestimmungen.

Von Chile. Art. 40. Die aus Chile‘ kommenden‘ Güterzüge mit Transitwaren, die
nach nationalen“ Seehäfen bestimmt sind,” müssen Begleitscheine mitführen, auf
denen die in jedem Waggon befindliche Colli-Anzahl mit Angabe des Signums,
der Numerierung und Verpackungsart, ferner die Benennung des Inhaltes,
Gewicht oder Raummaß und die Nummern der Erlaubnisscheine oder Fracht-
briefe‘ vermerkt sein müssen.

Art. 41. Außerdem hat jeder Zug‘ eine doppelte Ausfertigung des inter-
nationalen Frachtbriefes für die Bestimmungszollstation zu führen, in dem die
Waggonnummern, Signa, Nummern, ‘Anzahl und Verpackung der Colli, ihr Inhalt,
Maße‘ oder Gewichte, die Nummern der Erlaubnisscheine oder Frachtbriefe,
sowie die Namen der Absender und Empfänger angegeben sind (Formular C),

Art. 42. Auf der Grenzzollstelle werden die Begleitscheine und Frachtbriefe
nachgesehen, miteinander verglichen und festgestellt, ob sie mit den Waggons
selbst. übereinstimmen und ob diese geschlossen und unter Zollsiegel an-
gekommen sind.

Art. 43. Nachdem die Uebereinstimmung oder Differenzen auf den Begleit-
scheinen und Frachtbriefen vermerkt sind, wird ein Satz von ersteren dem den
Zug begleitenden Beamten des Grenzlandes als Rückschein ausgehändigt, während
die Duplikate mit den Frachtbriefen und Waggonschlüsseln unter geschlossenem,
an den Vorsteher der Zollstelle des Bestimmungsortes adressierten Umschlag,
dem Zugführer übergeben werden.

Art. 44. Nach Eingang der Dokumente und Schlüssel auf dem Hafen-
zöllämt erhält die Lagermeisterei einen Satz der Frachtbriefe zur Empfangnahme
der Ladung; das Duplikat erhält das Eintragungsbureau, und die Zollstelle bedient
sich der Begleitscheine zur Ueberwachung der Löscharbeiten nach Besichtigung
des ordnungsmäßigen Zustandes der Zollsiegel und Verschlüsse.

Art. 45. Nach beendeter Entladung dient. der vom Lagermeister mit
seinen Vermerken versehene Frachtbrief als Zollfakturenkopie und die Begleit-
scheine mit den Anmerkungen der’ Zollstelle gelangen in’ das Eintragungsbureau,
wo die. Notizen auf den entsprechenden Zugfrachtbrief (guia 0. manifiesto_del
tren) übertragen und beide Dokumente registriert werden.

Art. 46. Nachdem die Güter in der oben beschriebenen Form dokumentiert
worden sind, kann ihre Wiederverladung nachgesucht werden, die. in ‚der
von den Zollausführungs-Bestimmungen vorgeschriebenen Form vorzunehmen ist.

Art. 47. Um das Eigentumsrecht der aus Chile kommenden Güter nach-
zuweisen, ist. es unbedingt: erforderlich, den von der Zollstelle des Herkunftsortes
ausgestellten und von dem betreffenden argentinischen Konsulat beglaubigten
Erlaubnisschein für den Transitverkehr vorzuzeigen.

Auf Art. 48. Wenn eine Bahn; auf der ausländische Güter mit Bestimmung

Grenzbahnen. oder Herkunft von resp. nach einem Grenzlande befördert werden, die‘ Grenze

148
        <pb n="164" />
        Da niet nen: Arttbi ds imenthalter
nicht kreuzt, so finden für den, Transit: die‘ inz den: Art de—#7 enthaltene
Estimmungen‘ Anwendung, ‘ jedoch unter nachstehenden Abweichungen:

1. Die Zölle werden nach dem Verfahren des Paragraph‘ 24 berechnet
ınd das Eintragungsbureau fordert bei Uebergäbe des Erlaubnisscheines an
len Interessenten (Par. 27) einen Kautionswechsel mit einjähriger Fälligkeit” i

öhe des” Zollbetrages. Dieser Wechsel wird‘ vor dem Fälligkeitstage‘ gegen
/orzeigung der Bescheinigung der Bestimmungszollstelle‘ ungültig gemacht. Die
escheinigung muß von dem dortigen Konsul der Republik’ beglaubigt sein.
er sich über die Glaubwürdigkeit der Dokumente! Gewißheit zu verschaffen hat.
ie Ausgangszollstelle übersendet von Amts wegen an den argentinischen Konsu
er den Rückschein zu beglaubigen hat, eine Abschrift des. Transiterlaubnisscheine
auf ungestempeltem Papier.

2, Bei Ankunft der Züge bei der Zollbehörde, Empfangsstelle oder Zollstelle
er Endstationen an der Grenze werden die Güter entladen und im Speicher
ıntergebracht, wobei die Begleitscheine der Waggons als Fakturenkopien angesehen
verden. Bei Verladung‘ der Güter auf Wagen oder Karren, welche. die Grenze
assieren sollen, werden den Transportführern die Eisenbahnfrachtbriefe un
in Satz Begleitscheine ausgehändigt, während der andere‘ Satz von: dem
egleitenden Zollbeamten bis zum Eintritt: in ‚den Nachbarstaat zurückbehalten,
wird. Der begleitende Zollbeamte bringt die Begleitscheine ( die als Rückschein
jenen müssen) zurück, und zwar mit der Ausgangsbescheinigung‘ der Grenzzoll:
telle oder der Zollbeamten des Grenzlandes. Diese Formalität kann von letztere
‚o1genommen werden, wenn sich die Station auf der Grenze befindet und die
ollstellen beider Länder sich über ihr Vorgehen einig sind.

3. Wenn bei der Zollbehörde, Empffangsstelle oder Zollstelle an‘ der
Srenze Transitgüter eintreffen, die bis zu einer Ausfuhrzollbehörde weiterbeförder
werden sollen, so wird die Uebereinstimmung des Güterscheins (manifiesto) mit
jen auf ihm verzeichneten Coll oder Stücken kontrolliert. Das Dokument dient
Is Grundlage ‘für die beiden - Frachtbriefe und einen Satz Begleitscheine, _ die
nter Aufsicht der Zollstelle vom der Bahn auszufüllen sind. . Der, Güterschein,
je beiden Frachtbriefe und der Satz Begleitscheine werden an die Hafenbehörde
übermittelt (Par. 38), ‚von der das. zuerst erwähnte Dokument zu. den. Akten
‚enommen und registriert wird.

Art. 49. Wenn /eine ‚Bahn Transitwaren nach der Zollstation eines an
inem Grenzflusse gelegenen Hafens führt, so finden die in den Paragraphen 16;
7,20, 2023, und 26 bis‘ 34 vorgeschriebenen Bestinimungen Anwendu
edoch unter folgenden Abweichungen:

1. Die Zölle werden bei Ausgabe der Erlaubnisscheine in der Ausgangs
ollstation (Par. 24) berechnet, und es wird ‚eine in‘ Höhe; derselben verbürgte
Sicherheit oder ‚ein ‚Kautionswechsel gefordert, und zwar in der im Abschni
is 48 vorgeschriebenen Form.

2. Die Züge werden von der Ausgangszollstelle bis zu der Grenzzollstelle
‚on. einem Zollbeamten begleitet, der sich. im. Besitz der: Frachtbriefe und | Begleit-
Cheine ‚befindet, und ‘der, mit einem Satz der letzteren‘ (als Rückschein) mi
ntsprechendem V ermerk versehenen Papiere zurückkommen muß,

3. Die verbürgte Sicherheit oder der Kautionswechsel: des‘ Absenders werden
ngültig gemacht, sobald ‚der Ausgangszollstelle eine Abschrift des. Erlaubnis-
cheines für die‘ Verladung :(permiso._de reembarco) vorgelegt wird, die von

149
        <pb n="165" />
        den. Grenzzollbehörden ausgestellt und von einer Bescheinigung begleitet ist,
aus der hervorgeht, daß die betreffenden Güter in Empfang genommen oder
verzollt worden sind; diese Bescheinigung ist von der ausländischen Bestimmungs-
zollstelle auszufertigen und von dem betreffenden Konsul der Republik zu
beglaubigen.

Art. 50. Wenn die für Transitverkehr bestimmten Güter an einer Grenz-
zollstelle ankommen, um per Eisenbahn der Ausfuhrzollbehörde zugeführt zu
werden, so. findet das in den Art. 4 und 39 vorgeschriebene Verfahren sinn-
gemäße und unveränderte ‚Anwendung, indem die Güter in derselben Weise,
als wenn die Grenzzollstelle‘ Ausfuhrstelle‘ wäre, behandelt und die Rückscheine
von der mit ‚der Ausfuhr nach dem Auslande beauftragten Zollstelle zurück-
gesandt werden.

Art. 51. Wenn die Transitgüter vom Schiff in den Waggon umgeladen
werden können, so übergibt der Kapitän oder Kommissionär der Zollstelle eine
doppelt unterschriebene Aufstellung, in der die Anzahl der überzuladenden Colli,
ihre Signen, Numerierung, Verpackungsart, Bestimmungsort und Empfänger an-
gegeben sind.

Art. 52. Nachdem beide Ausfertigungen miteinander verglichen sind, wird
die eine dem mit der Herausgabe der Güter beauftragten Beamten des. Schiffes
übergeben, während das andere Exemplar zur Ueberwachung der Löschung und
Ueberladung durch einen Zollbeamten bestimmt ist.

Art. 53. Die Beamten des Schiffs und der Zollstelle verfahren bei Ab-
streichung der beiden Ausfertigungen unter Herbeiruf der Konsignatäre und
in Gegenwart eines Vertreters der Bahngesellschaft gemäß den Bestimmungen
des Art. 30 des vorliegenden Reglements.

Art. 54. Nach beendeter Beladung eines jeden Waggons und nach Erfüllung
der Vorschriften des Art. 32‘ des vorliegenden Reglements, gibt die Zollstelle
die eine der erwähnten Aufstellungen unterschrieben dem Schiff zurück und
stellt die zweite Ausfertigung dem Konsignatar zur Verfügung, damit er in
einem (Exemplar die Ausfertigung des Erlaubnisscheines vornehmen kann, auf
den sich die Art. 20 und 21 beziehen.

7 Art. 55. ‘Die Zollstelle übersendet der entsprechenden Zollbehörde den
Erlaubnisschein des Konsignatars und die Aufstellung des Schiffes, damit das
erste Dokument registriert werde, wobei in ähnlicher im Art. 26 vorgeschriebener
Form verfügt wird.

Art. 56. ı Nachdem die Aufstellung des Schiffes dem entsprechenden Akten-
stück angefügt ist, übersendet die Zollbehörde den mit der Verfügung versehenen
Erlaubnisschein an die Zollstelle, damit diese die doppelten Begleitscheine der
Waggons dem Vertreter der Eisenbahn aushändigt, wofür auf dem Erlaubnis-
schein Quittung erteilt wird, der dann der Zollbehörde zwecks Einheftung in
das Aktenstück des Schiffes zurückerstattet wird.

Art. 57. In der Grenzempfangsstelle wird in der im Art. 33 vor-
geschriebenen Form verfahren; die Konsignatäre haben die Erlaubnisscheine
für die Wieder-Einschiffung vorzuzeigen, und es ist das in den Artikeln 26—29
der Transit-Bestimmungen vom 28, November 1895 vorgeschriebene Verfahren
zu beachten, nämlich:

a) Die Aufstellung der die Transitgüter in Empfang nehmenden Waggons

auf den Lade- oder Entladestellen hat derart zu erfolgen, daß sie von

150
        <pb n="166" />
        der Zollstelle und unter Verantwortung der Agenten oder Beamten der
Eisenbahn überwacht werden können; die Waggons dürfen auf keinen
Fall geöffnet werden ohne Einwilligung oder Gegenwart des hierfür
zuständigen Zollbeamten.

bı Die Agenten oder Empfänger der Transitfracht können die entsprechenden

Erlaubnisscheine für die Umladung im Voraus oder bei Ankunft des
Zuges einreichen.
Wenn die Güter in Schnelldampfern verladen werden sollen, so gestattet
die Zollstelle die Vornahme dieser Operation und stellt nach ihrer
Beendigung eine detaillierte Liste der gesamten zur Verschiffung gelangten
Ladung auf, wobei die Transitgüter besonders zu bezeichnen sind; die
einzelnen ‚Angaben hierüber, sobald alles übereinstimmt, sind von dem
Kapitän oder dem ersten Kommissar sowie den intervenierenden Zoll-
beamten mit ihrem Gegenzeichen zu versehen.

'" Wenn es sich um ein Segelschiff oder einfachen Dampfer ohne Privilegium
handelt, so hat die Zollstelle die vorhergehende Aufmachung einer
Ladeliste zu fordern, und darf die Ladung nicht eher den zollamtlichen
Maßnahmen unterwerfen, als bis die in den Zollausführungsbestimmungen
enthaltenen Formalitäten erfüllt sind.

Art. 58. Nach beendeter Ueberladung von den Waggons in das Schiff
wird der Wiedereinschiffungs-Erlaubnisschein mit dem Erledigungsvermerk der
Zollstelle zusammen mit einem Satz Begleitscheine in dem Ausgangsaktenstück
des Schiffes eingeheftet; der andere Satz Begleitscheine der Waggons mit
den entsprechenden Notizen wird der Ausgangszollbehörde zugestellt und von
dieser ihren Vorgängern angeheftet.

Art. 59. Wenn die Waggons zum Nachbarstaat in Dampffähren gelangen
können, so bringt die Grenzempfangsstelle die Artikel 73/75 des vorliegenden
Reglements in Anwendung.

Kapitel 11.
Aus- und Einfuhr, eur

Art. 60. Die Ausfuhrerlaubnis per Eisenbahn nach Nachbarländern für
Landesgüter, nationalisierte Waren und Landesprodukte werden von den ent-
sprechenden Grenz-Zollstellen- oder Behörden ausgestellt.

Art. 61. Die Erlaubnisscheine sind in gleicher Anzahl von Exemplaren
und mit denselben Angaben wie die für den Transitverkehr einzureichen (For-
mular *D).

Art. 62. Nach Einreichung der Dokumente und Erfüllung der im Art. 22
vorgeschriebenen Maßnahmen wird sofort nach den Vorschriften der Art. 26/37
verfahren; ein Exemplar des Erlaubnisscheines und der Rückschein werden
an der Zollgrenze zu den Akten genommen,

Art. 683. Wenn die zu exportierenden Gegenstände auf einer Zwischen-
station zwischen der Zollstation und der Grenze zur Verladung kommen sollen,
So darf die Verladung in derselben Station stattfinden, vorausgesetzt, daß sie
eine ‚Zollstelle (Resguardo de registro) besitzt, die für die Ueberwachung, das
Plombieren der Waggons oder Abteile und die Aushändigung der Begleitscheine
an den den Zug begleitenden Zollbeamten zuständig ist; in ‚diesem Falle ist
ein ‚Exemplar des Erlaubnisscheines der Zollstation zuzustellen. Der Rückschein

151
        <pb n="167" />
        wird der Zollstation nach der Rückkehr des den Zug begleitenden Zollbeamten
überwiesen.

Einfuhr. (Artı"64u Die“ Einfuhr per Bahn; von Gütern und Landesprodukten aus
Nachbarstaaten unterliegt dem Verfahren und: Vorschriften der Art. 40 bis
42 und 44 bis 46, wobei die Aktenstücke an der Grenzzollstation zusammengestellt
werden, die in diesem Falle ‚die Funktionen der Bestimmungszollstelle  aus-
zuführen hat.

‚Art: -65: "Frachtgüter; die: für Stationen bestimmt sind, die zwischen dem
Zoll‘ und der‘ Grenze liegen, dürfen auf. den erwähnten Stationen entladen
werden unter. der Voraussetzung: 1. daß dort Zollstellen‘ existieren, 2. daß die
Gegenstände von den übrigen getrennt in Spezialwaggons oder Abteilen eintreffen.

Art. 66. Nach beendeter Entladung der Gegenstände auf der Bestimmungs-
station, auf“ der ein Frachtbrief und ein Satz Begleitscheine zu verbleiben hat,
wird der andere Frachtbrief und - der restliche Satz Begleitscheine bis zur!
Zollstation weiterbefördert, wo der Empfänger‘ die Verzollung nachzusuchen hat.

Art. 67. Nach erfolgter Verzollung‘ durch das Zollamt wird dem Antrag-
steller (ein "Auszug‘ '(parcial) ausgehändigt, um die Frachstücke von ‚der Zoll’
stelle abholen zu können. Die Zollstelle nimmt den Auszug in ihre Akten
und nachdem ein die Auslieferung betreffender Vermerk auf den Frachtbrief und
Begleitschein gemacht ist, werden diese Dokumente der betreffenden Zollstation
für ihre Akten überwiesen.

Art. 68. . Die (Anordnungen in den Artikeln 4 bis 19 des vorliegenden
Dekretes finden auch Anwendung auf Ein: und Ausfuhr von Gütern; die in
diesem Kapitel geregelt wird.

Kapitel. 111.
Handels-Verkehr.

Dampffähren, Art. 69. Wenn die den Artikeln 4 bis 59 dieses Dekretes unterworfenen
Züge von einem nationalen Hafen bis. zu, einem Nachbarstaat oder umgekehrt
auf einer Dampffähre befördert werden sollen, so muß das Ein- und Ausladen
unter Aufsicht der betreffenden Zollstellen geschehen, die sich von der guten
Beschaffenheit der Siegel und Verschlüsse oder Schlösser zu überzeugen haben.

Art:ı10. Den Dampffähren, welche. für ‚den obigen Artikel in Betracht
kommen, ist untersagt:

1. auf‘ der Fahrt still zu halten ohne besonderen Grund, der von dem

begleitenden Zollbeamten zu bestätigen wäre;

9. Frachten zu laden, außer den in den Eisenbahnwaggons enthaltenen;

3. mit Fahrzeugen Fühlung zu nehmen, sie abzuleichtern oder zu schleppen.

‚Art A132 Der begleitende Zollbeamte hat von jeder der erwähnten VUeber-
tretungen, die in Uebereinstimmung mit den Zollausführungsbestimmungen bestraft
werden, Kenntnis zu geben; jeder Zollwärter und jeder Denunziant wird an
den Strafgeldern beteiligt.

Art. 72.4 Die | Vorschriften den: Art. 169-—/1 haben Gültigkeit auch für
Dampffähren, welche schiffbare Flüsse. oder. Wasserläufe, kreuzen, die, in direkter
oder indirekter Verbindung mit dem Meer oder mit den Küsten der Nachbar-
staaten stehen.

Art. 78.2 Die Waggons ;. auf den im Art. 72 erwähnten Dampffähren

müssen von der Ausgangszollstelle versiegelt und geschlossen_werden; der Zoll-

152
        <pb n="168" />
        wärter erhält eine Aufstellung‘ mit ‚der Numerierung der beförderten Waggons,
die zur Ueberwachung der‘ Ausladung ‘im Bestimmungshafen dient.

Art. 74; “Die” Dampffähren; ‘welche Waggons befördern;: in denen. sich
Kisten, Ballen oder geschlossene Colli mit ausländischen Waren befinden, deren
Herkunft‘ die Provinzen‘ Corrientes ‚oder‘ Entre Rios sind, und die für Plätze
im Westen der Flüsse Paranä und La Plata bestimmt sind, müssen einer der
nachstehenden Forderungen entsprechen:

1. Die erwähnten Colli müssen” mit‘ grünen Zetteln der Wiederausfuhr
(removido) versehen sein, welche von den Zollbehörden, die die Verzollung
Cer Güter veranlaßt haben, auszustellen“ sind. Diese möglichst. sichtbaren. Zettel
sind zu hnumerieren, von der Ausgangszollstelle: mit Vermerken und: dem /Namen
des Handelshauses- zu ‚versehen, welch ‚letzterem sie nach‘ voraufgegangener
Zahlung ausgehändigt werden.

2. Oder aber die Eisenbahnen fordern‘ die‘ Vorzeigung der Durchfuhr-
Bescheinigungen d{certificados de removido) für diese Güterklassen auf den Aus-
gangsstationen ‚ und lassen sie bei den‘ betreffenden Zollstellen 'vorzeigen,‘ um so
die fiskalische Revision entweder ‚auf der‘ Ursprungs- oder Bestimmungsstation
zu ermöglichen, wodurch die Revision auf den‘ Endpunkten ; der. Fährstrecke
erübrigt wird.

Art. 75. ı Die in den vorhergehenden Artikeln aufgestellten Anforderungen
müssen auch von Schiffen erfüllt werden, welche nationalisierte Güter in Häfen
des oberen oder unteren Uruguay und des Paranä nördlich von Rosario laden,
um: sie-in: südlicher Richtung: vom Einschiffungshafen zu befördern.

Art. 76. + Die Nationalisierungsformulare, auf die sich‘ die Artikel 74 und
75 beziehen, müssen angeben: Verpackungsart, Signum und Nummer des be-
treffenden Collo, Nummer und Einlaufsdatum des importierenden Schiffes, den
Entladehafen und den Datumsstempel der Ausgangszollstelle.

Art. 77. .Wenn die Colli "bei Zollstellen. eingeführt sein sollten, die nicht
zuständig für die Ausfüllung von Nationalisierungsformularen sind, so sind diese
auf Grund einer urkundlichen Bescheinigung des Einfuhrzollamtes auszufertigen,
in der die ‚erforderlichen Angaben enthalten sind, die dann auf jedes Formular
übertragen werden müssen. Diese Bescheinigungen können naächgesucht, ausgestellt
und telegraphisch bestätigt werden, und: zwar für Rechnung des Interessenten;
sie verbleiben in den Akten des Ausgangszollamtes und sind der Kontrolle der
Steuerinspektoren unterworfen.

Art. 78. Wenn die Güter nach ihrer Nationalisierung erworben worden
sind, so bestehen die Nachweise der Naturalisierung in urkundlichen Abschriften
der Durchfuhrscheine (guias de removido), Konnossemente oder Frachtbriefe,
die mit den Originalfakturen und Ueberweisungsnoten die Durchfuhr und Her-
kunft genannter Güter bestätigen, wobei die Zollbehörden telegraphische Aus-
künfte einziehen dürfen, um sich von der Richtigkeit der Bescheinigungen zu
Vergewissern.

Art. 79. - Die Waggons, welche dem Zollverschluß unterworfene Waren
befördern, die für eine Endzollstation bestimmt sind, werden auf den Endhalte-
stellen ‚der Dampffähren nicht untersucht, sondern es genügt, wenn die Waggons
Zeschlossen und versiegelt und‘ die‘ Schlüssel in versiegeltem Umschlag der
Bestimmungszollstelle übermittelt werden:

152
        <pb n="169" />
        Umladungen. Art. 80. Wenn die Eisenbahn, welche Transitgüter von oder nach einem
Grenzstaate führt, ‚eine andere Spurweite hat, als die jenes Staates, und an der
Grenze endet, so erfolgt die Umladung durch Vermittlung der Zollstellen von
Mendoza, Santa F&amp; und Tucumän, welch letztere dem Zollamt in Jujuy untersteht.
; Art. 81. Nach‘ Besichtigung der Waggons, ihrer Siegel und Verschlüsse
kann die Entladung vorgenommen werden unter Vergleich mit den Herkunfts-
scheinen, auf dienen die Uebereinstimmungen oder Abweichungen zu vermerken
sind. - Dann erfolgt die Verladung der Frachtstücke in die neuen Waggons
unter ‚Aufstellung der Umladescheine und unter Beobachtung des in den Artikeln
30 und 81 vorgeschriebenen Verfahrens.

Art. 82. In der Spalte für Bemerkungen auf den Herkunftsscheinen und
Frachtbriefen wird bei jeder einzelnen Position die Nummer des Waggons an-
gegeben, in den die betreffenden Waren umgeladen wurden. Die Umladescheine
werden den ‚Herkunftsscheinen angefügt und bilden zwei besondere Sätze, dıe
den vorgeschriebenen Instanzenweg durchmachen.

Art. 83. Das ‚Ausgangszollamt übersendet der Zollstelle, die bei der
Umladung in Vermittlung tritt, die Umschläge mit den Scheinen und Frachtbriefen
der nach den Grenzländern in Transit expedierten Güter sowie die Schlüssel
der Waggons, in denen sie befördert werden.

E Wenn es sich um Transitgüter nach Bolivien handelt, so hat die für
die Umladung zuständige Zollstelle die Dokumente nach Quiaca weiterzuschicken,
zusammen mit dem Begleitschein der schmalspurigen Waggons.

Art. 84. Wenn die herankommenden Waggons an Züge anderer Spur-
weite angekuppelt werden können, ohne daß eine Umladung erforderlich ist,
so beschränkt ‚sich die Zollstelle darauf, diesem Verfahren beizuwohnen, ohne
die Erfüllung j;einer besonderen Formalität zu verlangen.

Art. 85. , Wenn die Einladung der Transitgüter vom Schiff in Waggons
oder umgekehrt ausführbar ist, so kann das Laden oder Entladen ohne vorherige
Einlagerung in folgenden Fällen zugestanden werden:

1. wenn die ganze Ladung des Schiffes für ein Grenzland bestimmt ist
und auf ununterbrochenem Landwege mit oder ohne Umladung befördert
werden soll;

2. wenn die für den Transitverkehr bestimmte Teilladung eines Schiffes
abgesondert verstaut ist und, ohne die übrigen Lade- oder Entladearbeiten
zu stören, umgeladen werden kann;

5. wenn, ein. Schiff ganz. oder teilweise von Empfängern eines Grenz-
landes gechartert worden ist und die Umladung ohne Umstände vor-
genommen werden kann.

Art. 86. Die Zollämter dürfen das in dem vorhergehenden Paragraphen
erwähnte Verfahren nicht gestatten, wenn es mit der Erfüllung der in diesem
Reglement aufgestellten Forderungen im Widerspruch steht.

Verkehr = Art. 87. Der Transitverkehr per Eisenbahn von ausländischen Waren,

im Inlande. die für das Inland bestimmt sind und deren Zölle auf den Landzollämtern entrichtet
werden sollen, ist gestattet.

Art. 88. . Dieser Binnen-Transitverkehr erfolgt unter Einhaltung der in
den Artikeln 4 bis 39 ‘des. vorliegenden Dekretes getroffenen Verfügungen und
zwar mit nachstehenden Abweichungen:

154
        <pb n="170" />
        il. Das Landzollamnt hat an das Herkunftszollamt innerhalb 48 Stunden
a mit ‚den entsprechenden Vermerken versehenen Retour - Ladescheine
zurückzugeben. .

2. Mit Hilfe der beiden Frachtbriefe und des zweiten Satzes Ladescheine

die in dem Artikeln 44 bis 47 angeordneten Maßnahmen ‚einzuhalten.

Kapitel” IV.
Uebergangsbestimm unge nn;

Art. 89. Solange die Eisenbahnen nicht über die den Vorschriften des
_u 4 dieses Dekretes entsprechenden Kastenwagen verfügen, dürfen sie die
gewöhnlichen Waggons benutzen, sofern dieselben vollkommen geschlossen werden
können und es unmöglich ist, ihnen Güter ohne sichtbaren Bruch zu entnehmen,

Art. 90. Die Zollbehörden liefern den Absendern oder Empfängern von
Gütern, deren Verkehr durch das vorliegende Dekret geregelt wird, die erforder-
lichen Formulare, Durchfuhrzettel usw.

Art. 91. Das Finanzministerium wird eine ausreichende Zahl Exemplare
des vorliegenden Dekretes mit seinen Formularen und Entwürfen drucken lassen.

Art. 92. Außer Kraft gesetzt werden die Dekrete vom 11. März 1884,
28. Oktober 1908 und 29.März 1910. soweit sie im Widerspruch mit vorliegendem
Dekret stehen.

Druck von PASS &amp; GARLEB G.m.b. H., Berlin W. 57, Bülowstr
        <pb n="171" />
        SERLIN-TEGEL
Kapsel:Dampfmaschine gekuppelt mit Kreiselpumpe
KREISELPUMPEK
Man verlange Katalog 468/90.
        <pb n="172" />
        Baumwollbau in Argentinien.

Die Weltproduktion der Baumwolle. hält in ihrer Entwicklung mit dem Welt-
wachsenden Weltverbrauch nicht gleichen Schritt. Der Nachteil, der hierin Produktion.
für die Baumwollindustrie, wie für den Konsumenten liegt, gibt seit ‚einer
Reihe von Jahren Veranlassung, nach Mitteln zur Beseitigung des Uebelstandes
zu suchen. Der größte Teil der Weltproduktion wird in einem Produktions-
gebiet -— den, Vereinigten Staaten — erzeugt, und die nordamerikanische
Baumwolle übt infolgedessen. auf. den Weltmarkt einen ausschlaggebenden
Einfluß aus. Zur Baumwollernte der Welt steuerten bei (nach dem Financial
and Comercial Chronicle):

(Millionen Ballen) 1909/10 1910/11 1911/12
Nordamerika |. 10,651 42,132 16.043
Ostindien::! 45: 5317 4,587 4.978
Aegypten. 0,678 0,984 2965
Uebrige Länder 2,768 3,036 i
19,414 20,739 2

Die große Gefahr, die für die europäische Baumwollindustrie darin Baumwoll-
liegt, beim Bezug der Baumwolle im wesentlichen von einem einzigen hunger.
Produktionsgebiet abhängig zu sein, zeigte sich zum ersten Male zu Anfang
der sechziger Jahre, als infolge des Sezessionskrieges der Südstaaten in
Europa, und in erster Linie in England, großer Mangel an Baumwolle, der
Sog. „Baumwollhunger“, eintrat. Im Dezember 1862 mußte in [England
ca. 1/, Million Arbeitslose von der Armenpflege unterstützt werden; ins-
gesamt wurden in jener Zeit an Armenunterstützungen über 5 Millionen Pfund
Sterling verausgabt. Der Gesamtverlust der englischen Unternehmer, Arbeiter,
Ladeninhaber usw., der im Zusammenhange mit dem Ausbleiben der Roh-
stoffzufuhr für die Baumwollindustrie in |jjenen Jahren entstand, wird aut
über 66 Millionen Pfund Sterling geschätzt. In den Jahren 1861— 64 verließen
Mehr als 25,006 in der Baumwollindustrie beschäftigte Männer und Frauen
ihre Heimat und wanderten aus. Man kann die wirtschaftlichen Folgen des
»Baumwollhungers“ mit denen eines verheerenden Krieges vergleichen. der
über England dahinging.

Damals begann man auf Anregungen hin, die von England ausgingen, IN Erster Anbau
allen Erdteilen mit dem Anbau von Baumwolle, wo immer die natürlichen im
Vorbedingungen dazu gegeben waren, so auch in Argentinien. Dort war AXEREIER
die Baumwollpflanze von altersher bekannt, wahrscheinlich sind die Samen
von Bolivien oder Peru eingeführt worden; in den Wäldern im Norden des
Landes kommt sie auch wild vor. Die Eingeborenen waren mit der Ver-

157
        <pb n="173" />
        wendung der Baumwolle vertraut, sie verfertigten daraus rohe Gewebe.
Der geregelte Anbau wurde zuerst von den Jesuiten in Misiones und
Corrientes eingeführt, erreichte jedoch keinen größeren Umfang. Erst in
den Jahren 1862—65 wurden auf Veranlassung der Cotton-Supply- Association,
die einen besonderen Abgeordneten, G. Mulhall, nach Argentinien entsandte,
zahlreiche Versuche mit dem Anbau gemacht. Diese zeitigten auch gute
Resultate, aber die kriegerischen Verhältnisse jener Zeit ließen eine ruhige
Entwicklung der jungen Kultur nicht zu, und sie verschwand nach und
nach wieder. Aehnlich erging es den meisten Anbauversuchen in den
verschiedenen Erdteilen; sie schliefen ein, als die Uebermacht der, ameri-
kanischen Produktion sich wieder fühlbar machte,
Zunahme des Die Gefahr, die in jenen Zeiten krisenhaft und akut aufgetreten war,
Welt- st in den letzten Jahren als chronisches Uebel wieder fühlbar geworden.
verbrauchs, 7.11 allein, daß die Produktion allgemein hinter dem Bedarf zurückblieb,
auch ‘ die Verarbeitungsindustrien schlugen in ihrer Entwicklung ein
schnelleres Tempo ein, wie aus dem Anwachsen der Weltspindelzahl her-
vorgeht. In der Zunahme des Verbrauchs ist ein Ende vorerst nicht abzu-
sehen, wenn man bedenkt, daß von den 1500 Millionen Erdbewohnern erst
der dritte Teil regulär, der sechste aber gar nicht bekleidet ist... Mit "der
Ausbreitung der Zivilisation nimmt die Zahl der bekleideten Individuen
stetig zu, und die der Gesittung neu Zugeführten sind zumeist infolge der
klimatischen Verhältnisse, in denen sie leben, ganz auf baumwollene Kleidung
angewiesen. Dazu kommt, daß die der Textilindustrie zur Verfügung
stehende Menge von Rohbaumwolle dadurch beschränkt wird, daß der
Verbrauch in anderen Industrien von Jahr zu Jahr größeren Umfang annimmt.
Am schwersten aber wird die Zufuhr der europäischen Industrie durch den
Umstand bedroht, daß sich in den Produktionsländern selbst Baumwoll-
industrien von großer Bedeutung entwickeln; so gelangten z.. B. von der
nordamerikanischen Ernte zum Export:
(Milionen Ballen) 1909110 ML. 1911/12
nach Großbritannien... 259 2 4,291
nach. dem Kontinent... a 1A 6,405
während v. amerikan. Spinne-
reien. aufgenomm. wurden 4,54. 4,584 5,518
Riesenernte Selbst der amerikanischen Riesenernte des letzten Jahres, die mit
1912. ° 16 Millionen um über 2 Millionen Ballen die bis dahin größte Ernte über-
traf, gelang es nicht, die vorhandene ungeheure Nachfrage vollkommen zu
decken, wie aus der Preisgestaltung des Artikels hervorgeht. In Erwartung
der großen Ernte waren die Baumwollpreise gegen Ende 1911 allerdings
gewichen, stiegen dann aber im Laufe des Jahres 1912 bis fast wieder auf
den alten Stand. In den letzten 7 Jahren hat sich der Preis der Rohbaum-
wolle auf einer Höhe gehalten, die den Durchsschnitt der vorangegangenen
zehnjährigen Periode 1897 —1906 von 8?/, Cents zeitweilig um das Doppelte
übertraf. Welche enorme Belastung des Verbrauchs durch eine derartige

1538
        <pb n="174" />
        Preissteigerung hervorgerufen wird, erhellt aus der Tatsache, daß nach an-
gestellten Berechnungen. eine Erhöhung von nur 1 Cent pro Pfund allein
für Europa bereits eine Mehrausgabe von 180 Millionen Mark bedeutet.

Bei den hohen Baumwollpreisen wandte man den Anbauversuchen in Neuerlicher
Argentinien wieder größeres Interesse zu; dort hatten unternehmende Kolo- Anbau in
nisten etwa seit 1890 im Chaco und in Formosa Baumwollpflanzungen an- Ben
gelegt, die aber erst zu Beginn dieses Jahrhunderts größere Bedeutung er-
langten, als die Regierung durch kostenlose Verteilung von nordamerikanischen
Samen fördernd eingrift und es sich gleichzeitig angelegen sein ließ, die
Kenntnis des Anbaues durch Unterweisungen und aufklärende Veröffent-
lichungen zu verbreiten. Bereits auf der landwirtschaftlichen Ausstellung
im Jahre 1903 waren zahlreiche Proben guter Baumwollen aus den nörd-
lichen Provinzen, insbesondere aus dem Chaco, zu sehen.

Verschiedene Gegenden im Norden der argentinischen Republik eignen
sich nach dem Urteil Sachverständiger ganz vorzüglich für die Baumwoll-
kultur. Ein nordamerikanischer Kenner, der Argentinien im Auftrage seiner
Regierung bereiste, urteilte über die Baumwollplantagen im Chaco, daß er
selten so kräftige und produktive Pflanzungen gesehen habe. Der Boden
gleiche dem des Mississippitales in Louisiana, sei aber leichter zu bearbeiten.
Die Pflanzen produzierten eine ungewöhnliche Menge von Kapseln und
könnten in jeder Beziehung den Vergleich mit den besten der Vereinigten
Staaten aushalten.

Von einer eigentlichen. „Baumwollregion“ kann man in Argentinien Klima.
allerdings noch nicht sprechen, da, bisher regelrechte Anpflanzungen nur im
östlichen Chaco in dem Gebiete von Resistencia gemacht wurden, Der in
anderen Gegenden vorgenommene Anbau befindet sich mehr oder weniger
noch im Versuchsstadium, und feststehende Erfahrungen konnten in der Kürze
der Zeit noch nicht gewonnen werden. Unter der Bezeichnung „Baumwoll-
region“ sind daher vorläufig nur solche Gegenden zu verstehen, die sich
nach ihren klimatischen Verhältnissen im Vergleich mit den in anderen
Ländern gemachten Erfahrungen für den Baumwollbau eignen. Allgemein
kann man sagen, daß die Baumwolle eine Pflanze der gemäßigt-heißen Zone
ist. Sie gedeiht auch in. der tropischen, aber die subtropische Zone ver-
einigt am besten die für die Entwicklung der Fasern notwendigen Eigen-
schaften. Von Einfluß ist hierbei nicht allein die Temperatur, sondern auch
ein bestimmter Feuchtigkeitsgehalt der Luft. Zu viel Regen bei hoher Tem-
Peratur läßt die Pflanze selbst zu stark emporschießen und schadet der
Baumwollfaser bei der Reife. Die beste Baumwolle wird in Gegenden ge-
Wonnen, die an sich genügend Regenfälle haben, zur Zeit der Reife der Baum-
Wolle aber schönes trockenes Wetter aufweisen nnd trotzdem sich einen
Sewissen Feuchtigkeitsgehalt der Luft bewahren. Solche Vorbedingungen
finden sich im sogenannten Cotton Belt, das die Südstaaten an der atlan-
tischen Küste, am Golf von Mexiko und am Mississippi umfaßt, — ebenso in
Aegypten am Nil, wo die fehlenden Regenfälle durch künstliche Bewässerung

159
        <pb n="175" />
        des Bodens ersetzt werden. Die beste Baumwolle wächst in der Nähe des
Meeres; in den Vereinigten Staaten z. B. wird die in Süd-Carolina und
Georgia gewonnene Art „Sea-Island“ am höchsten geschätzt. In "Aegypten
und Indien üben die ausgebreiteten Flußsysteme mit ihren großen Wasser-
flächen‘ den gleichen Einfluß wie das Meer aus, und ebensolche Vorbedin-
gungen besitzt auch Argentinien in dem Stromnetz der Zuflüsse des La Plata.
Nach Klima und Regenmengen sind dort für die Baumwollkultur am besten
geeignet die Gegenden von Paranä, Santa Fe, Goya, Reconquista, Corrientes
und Formosa, aber sowohl östlich als westlich von dieser Region weisen
auch andere Gegenden klimatische Verhältnisse auf, die der Baumwollstaude
eine hinreichende Entwicklungszeit gewährleisten. Notwendig ist vor allem
eine günstige Temperatur, die vom Oktober bis Januar/Februar ständig steigt,
um dann rasch abzunehmen, je mehr der Herbst vorschreitet. In jenen
Gegenden entspricht der Oktober dem April in den Vereinigten Staaten und
die Monate Januar/Februar dem Juli/August. ‘ Im Januar/Februar muß die
Baumwollpflanze also ihre volle Entwicklung erreicht haben, und in der
darauf folgenden Periode darf die‘ Wärme und die Regenmenge nicht mehr
so groß sein, damit die Pflanze ihre ganze Kraft mehr auf das Ausreifen
der vorhandenen Kapseln als auf den Trieb neuer Zweige verwendet.

Boden. Baumwolle kommt in jedem Boden fort. In losen, sandigen und die
Feuchtigkeit rasch abgebenden Böden wächst sie weniger schnell und
kommt früher zur Reife, als in lehmigen oder in fruchtbaren Alluvialerden.
Auf letzteren entwickelt sich die Pflanze sehr stark in Stengeln und Blättern
auf Kosten der Kapseln und Samenfasern. Am besten wächst die Baum-
wolle in mittelschweren Alluvialböden, die hinreichend Sand enthalten;
sie haben außerdem den Vorteil, sich leicht bearbeiten zu lassen. Solche
Böden finden sich in Argentinien ‚an allen Nebenflüssen des Paranä; in
größerer Entfernung von den Flußläufen wird der Boden meist wieder zu
kompakt. Westlich vom Paranä nimmt auch der Feuchtigkeitsgehalt der
Luft zu sehr ab, um den Baumwollfasern noch eine gute Entwicklung zu
ermöglichen. Einige Gegenden, die an sich für die Baumwollkultur sehr
geeignet. wären, liegen im Ueberschwemmungsgebiete der Flüsse und müssen
daher außer Betracht bleiben. In Misiones und auch in Entre Rios ist ein
großer Teil: des Bodens schon zu schwer, mehr leichter Boden findet sich
in Corrientes und auch im mittleren Teil von Santa Fe.

An die chemische Zusammensetzung des Bodens stellt die Baumwolle
weniger Ansprüche als an die mechanische, man kann sogar sagen, daß
ihre Anpassungsfähigkeit und ihr Fortkommen mehr von dem Klima eines
Landes als von den Bodenverhältnissen beeinflußt wird. Die in Argentinier
angestellten Versuche sind bisher noch nicht so methodisch und umfangreich
durchgeführt worden, um mit Sicherheit sagen zu können, welche Boden-
zusammensetzung im Verein mit dem Klima dort für das Gedeihen der
Baumwolle am besten ist. Es läßt sich nur die Tatsache feststellen, daß
bisher die größten Erträge auf mittelschweren, aus einer Mischung von Sand

160
        <pb n="176" />
        und Lehm bestehenden Böden an der Grenze des Chaco in den Kolonien
Benitez, Novaro, Margarita, Belen und Popular erziehlt. worden: sind.

Ein großer Vorteil der Baumwolle gegenüber anderen Kulturpflanzen Für
ist, daß sie dem Boden relativ wenig Nährstoffe entzieht, namentlich wenn er eloutte
Stengel und Blätter der Pflanzen auf dem Felde bleiben. Eine Weizenernte Arten der
z. B. entnimmt dem Boden an Stickstoff, Phosphor und Kali neunzehnmal, Baumwolle,
Roggen sogar dreißigmal mehr als Baumwolle. In den älteren Baumwoll-
gegenden, in den Vereinigten Staaten, Indien und Aegypten, spielt die
Düngerfrage indessen bereits eine große Rolle, und auch in Argentinien
wird man sich bald mit ihr beschäftigen müssen, um zu verhüten, daß die
Felder im Ertrage stark zurückgehen. In den Vereinigten Staaten wird
gegenwärtig per Hektar im Durchschnitt noch nicht ganz ein Ballen von
500 Pfund geerntet, während der jungfräuliche Boden Argentiniens Erträge
von 500—1000 kg per Hektar hervorbringt je nach der angebauten Art. Die
in Argentinien vorgenommenen Anbauversuche haben ergeben, daß sich
die ägyptischen Arten für die dortigen Kulturverhältnisse weniger eignen,
Der Ertrag war mäßig und der Prozentsatz der geernteten Baumwolle im
Verhältnis zu dem Samen gering. Ermutigender waren die Erfahrungen,
die man mit nordamerikanischen Arten machte, insbesondere mit Uplands,
während die Sea-Island- Arten ebenso wie die ägyptischen eine geringere
Anpassungsfähigkeit zeigten. Versuche, die in den Ackerbauschulen von
Benitez und Posadas angestellt wurden, ergaben folgende Erträge an
Samenbaum wolle :

(kg per ha) Benitez Posadas

Simpkind 1.14 2469 Strickland be. 20
King a! - A 2449 Texas Woodihu ua &gt; &amp;
Louisiana: 7 a. 2076 King Precox "2 a5
Chaco.;.- % 7 1636 Sunking „640 LS A
Russel! 1537 Culpepper 154)

Die Auswahl von früh oder spät reifenden Arten muß sich nach den
örtlichen Witterungsverhältnissen richten. Am vorteilhaftesten ist es, möglichst
beide Arten anzubauen, da dann die Ernte über einen längeren Zeitraum
ausgedehnt und somit eine bessere Ausnützung der vorhandenen Arbeits-
kräfte ermöglicht wird. Die Suche nach den für argentinische Verhältnisse
geeignetsten Arten ist noch lange nicht abgeschlossen, und es bedarf
weiterer intensiver Arbeit der Versuchsstationen, um eventuell durch
Kreuzungen und sorgfältige Auswahl der Samen die besonderen Arten
heranzuzüchten. die sich dem Klima und den argentinischen Bodenverhält-
Nissen am besten anpassen und den größten Ertrag geben.

Nach dem Urteil von amerikanischen und englischen Sachverständigen,
Welche die argentinische Baumwolle auf den Märkten von New York und
Liverpool geprüft haben, weist sie eine Reihe guter Eigenschaften auf, die
Sie zu einer durchaus marktfähigen Sorte stempeln. Auch der Bericht der

161
        <pb n="177" />
        Handelskammer zu Bremen über das Jahr 1912 erwähnt, daß eine dort ein-
getroffene Lieferung argentinischer Baumwolle eine vorzügliche Qualität
zeigte.

Arbeiterfrage Während Klima und Bodenverhältnisse den Anbau der Baumwolle in
unübertrefflicher Weise begünstigen, bedarf die Arbeiterfrage noch der
Lösung. Ihr wird eine um so größere Aufmerksamkeit zuzuwenden sein,
als gerade von der glücklichen Lösung dieser Frage die Entwicklung der
Baumwollkultur in Argentinien ganz und gar abhängt. Der Farmer bedarf
für "die Feldbestellung, die Aussaat, das Freihalten der Pflanzungen von
Unkraut einer Anzahl von Hilfskräften, die sich nach der Größe des
bebauten Areals richtet. Dieser Bedarf ist während des ganzen Jahres
ziemlich gleichbleibend, und schnellt nur zur Zeit der Ernte erheblich empor.
Nun sind die Ernteverhältnisse bei der Baumwolle allerdings bedeutend vor-
teilhafter als bei anderen Kulturpflanzen der Weltwirtschaft, Weizen z. B.
muß binnen wenigen Tagen nach der Reife geerntet werden, wenn kein
empfindlicher Verlust entstehen soll, und der gleiche Grund ist mehr oder
weniger bei der Ernte der übrigen Getreidearten, des Tabaks, Heus usw.,
maßgebend. Die Ernte der Baumwolle dagegen erstreckt sich über einen
sehr viel längeren Zeitraum — in den Vereinigten Staaten. z. B. ‚rechnet
man mit 100 Tagen — und in Argentinien liegen die Verhältnisse im
Durchschnitt noch günstiger. Da die Früchte nicht gleichzeitig reifen, wird
gewöhnlich dreimal gepflückt; in Argentinien dauert das Pflücken von
Februar oder März bis zum Juni, und wenn die Fröste erst spät einsetzen,
kann im Juni noch ein viertes Mal gepflückt werden. Das erste Pflücken
ist das ergiebigste und leichteste; der hierbei per Pfund gezahlte Arbeits-
lohn ist daher niedriger als beim zweiten und dritten Pflücken. In den
Vereinigten Staaten schwanken die Löhne zwischen 40 Cents und 1 Dollar
per 100 Pfund. Bei einem angenommenen Durchschnitt von 75 Cents per
100 Pfund. Samenbaumwolle bedeutet dies ca. 2,2 Cents Pflücklohn per
Pfund Lintbaumwolle. Von einem Verkaufspreis von 11 Cents per Pfund,
der einen guten Durchschnitt darstellt, wird mithin !/; nur durch den Pflück-
lohn absorbiert. Diese ungeheure Belastung der Produktion in den Ver-
einigten Staaten bedeutet eine wesentliche Verstärkung der Konkurrenz-
fähigkeit des argentinischen Baumwollbaues. Diesem stehen zunächst als

Indianer. Arbeitermaterial die Indianer des Chaco zur Verfügung, deren Zahl nach
offiziellen Schätzungen auf ca. 40000 angegeben wird. Es ist bereits
gelungen, sie in größerem Umfange zur Beschäftigung in der Zucker-
industrie Tucumäns heranzuziehen, und die hierbei erzielten verhältnismäßig
guten Resultate lassen erwarten, daß es mit der Zeit möglich sein wird,
in ihnen recht brauchbare Arbeitskräfte für die Baumwollkultur zu gewinnen.
Die in dieser Richtung bisher angestellten Versuche sind zufriedenstellend
verlaufen. Die Indianer leben bereits in einem gewissen Grade von Zivili-
sation, und es wird vor allem darauf ankommen, sie langsam an eiv®
geordnete und fortlaufende Tätigkeit zu gewöhnen. Gerade hierfür ist die

162
        <pb n="178" />
        Baumwollkultur und zunächst die Baumwollernte ganz hervorragend geeignet,
da das Pflücken der Baumwolle eine sehr einfache und. leichte Arbeit ist,
an der sich neben den Männern auch Frauen ‘und Kinder in gleichem
Maße beteiligen können. Wenn die Arbeitsleistung des einzelnen Individuums
zunächst auch nicht sehr bedeutend ist, so macht dies nichts aus, da der
Lohn hierzu im Verhältnis steht. Die Bestrebungen, die Indianer des Chaco
zur Betätigung in der hierfür wie geschaffenen Baumwollindustrie zu bringen,
werden auf die volle Unterstützung der Regierung rechnen können, da
auch diese ein großes Interesse daran hat, die Indianer zur Arbeit zu
erziehen. Der Baumwollbau würde imstande sein, in Argentinien eine
große Kulturaufgabe zu erfüllen und dem argentinischen Gemeinwesen eine
große Anzahl nützlicher Mitglieder zuzuführen, dem sie heute nur_ ein
Hindernis und eine Last sind.

Bei seinen geringen Bedürfnissen würde der Indianer immer eine sehr
wohlfeile Arbeitskraft darstellen. Aber selbst wenn bei zunehmender Aus-
breitung des Baumwollbaues die Heranziehung‘ weiterer Arbeitskräfte not-
wendig werden sollte, wird dies durch Zahlung‘ entsprechender Löhne in
derselben Weise geschehen können, wie bei den übrigen Kulturarten
Argentiniens. Den jetzt üblichen Pflücklohn von 4 Centavos per Kilo trägt
die argentinische Baumwolle ohne Schwierigkeit, und bei verbesserten Pro-
duktions- und Absatzverhältnissen könnte dieser Satz auch’"noch erhöht
werden, ohne die Konkurrenzfähigkeit wesentlich zu beeinträchtigen. Unter
normalen Bedingungen vermag ein‘ fleißiger Arbeiter 100 bis 150 kg und
mehr pro Tag zu pflücken, so daß sich mithin ein Tagelohn ergeben würde,
der hinter den sonst in Argentinien bezahlten hohen Erntelöhnen nicht zurück-
bleibt. In den Vereinigten Staaten gilt der Italiener als der beste Pflücker. Italiener.
Die Arbeitsleistungen des nordamerikanischen Negers sind im Durchschnitt
nicht sehr bedeutend und werden von der des Italieners um das Doppelte
übertroffen. Trotzdem arbeiten viele der Südstaaten der italienischen Ein-
wanderung entgegen, da die Kleingrundbesitzer und Arbeiter ihn als Lohn-
drücker fürchten; deshalb wird der eingewanderte Italiener dort vielfach
schlechter behandelt als der Neger. Dem argentinischen Baumwollbau
dagegen würde die heute schon sehr starke italienische, ebenso wie die ihr
an Qualität des Arbeitermaterials nahekommende spanische Einwanderung
höchst erwünschte Arbeitskräfte zuführen, Aber auch schon mit den vor-
handenen 40 000 indianischen Arbeitern würde man bei einer angenommenen
täglichen ' Leistung von nur 15 kg Lintbaumwolle pro Individuum in
60 Pflücktagen eine Ernte von 130 000 Ballen bewältigen können. Als
günstiger Umstand kommt hinzu, daß der heute bereits arbeitswillige Teil
der indianischen Bevölkerung vom Juli bis Oktober in der Zuckerrohr-
industrie arbeitet, sich also vom März bis Juni der Baumwollgewinnung
widmen kann; beide Kulturen‘ machen sich mithin auf diesem Gebiete
keine Konkurrenz, sondern ergänzen sich vorteilhaft. — Schließlich dürfte
auch die Lösung des Problems einer brauchbaren Baumwollpflückmaschine

163
        <pb n="179" />
        mit der Zeit gelingen. Die bis jetzt. vorhandenen Konstruktionen , bieten
entweder zu wenig Vorteile gegenüber der Handarbeit oder beschädigen
die noch nicht reifen Kapseln, so daß ihr, Nutzen dadurch illusorisch. wird.
Dem zur Erntezeit regelmäßig eintretenden Mangel an-Arbeitskräften könnte
die Regierung vorteilhaft dadurch begegnen, daß sie lokale Arbeitsämter
einrichtet, . mit ‚deren Hilfe. durch. zweckmäßige Disponierung über
die vorhandenen Arbeitskräfte den Farmern die Beschaffung der benötigten
Erntearbeiter erleichtert wird.
Transport- Ein Haupthindernis für die schnelle Entwicklung der Baumwollkultur
verhältnisse, „„- bisher die beträchtliche Entfernung, die zwischen den Provinzen und
Territorien des Nordens und den großen Ausfuhrhäfen besteht. Infolge-
dessen sah die unternehmende Bevölkerung in anderen Kulturen oder Lohn-
arbeiten größere Vorteile. Diese Verhältnisse haben sich bereits geändert
und werden sich durch den Ausbau der Verkehrsmittel weiter verbessern.
In Misiones wirkt belebend die Eisenbahn von Santo Tome nach Posadas,
in, Formosa die von der Stadt gleichen Namens nach Encarnaciön und be-
sonders die Chaco-Bahn von Barranqueras nach Metän, die eine reine
Baumwollregion erschließen. wird. Die Hauptstadt des Chaco ist bereits
durch eine Eisenbahn mit Buenos Aires verbunden, und der Haupthafen
Barranqueras‘ kann. auf, dem Wasserwege von ‚den am Paraguay und
Paranä ‚gelegenen fruchtbaren Ländereien bequem erreicht werden. Auf
diese Weise sind dort die natürlichen Vorbedingungen für den Ausbau der
Transportgelegenheiten. in einem Uwfange gegeben, wie ihn kein Hafen
der Baumwollgegend am Mississippi aufweisen kann, dessen im Vergleich
zu dem mächtigen Stromsystem Argentieniens nur geringe Tiefe außerdem
die Schiffahrt noch auf Fahrzeuge von mäßigem Tiefgang und Raumgehalt
beschränkt.
Produktions- Zuverlässige Berechnungen der Produktionskosten sind für die argen-
kosten. nische Baumwolle‘ bei dem gegenwärtig immer noch in den Anfängen
stehenden Anbau nicht aufzustellen. Es darf jedoch angenommen werden,
daß die Zahlen von den für die nordamerikanische Baumwolle geltenden
nicht wesentlich abweichen. Je nach dem Marktpreis wurden im Chaco
Reingewinne von, 100—200 $ per; Hektar erzielt, ein Ergebnis, das die
Baumwollkultur in ihrem Nutzen den übrigen Kulturarten der Republik
gleichwertig zur Seite stellt. — Der, Lage zum Weltmarkte nach kann die
argentinische ‚Baumwollregion etwa mit der von Texas verglichen werden.
Es ist indessen vorauszusehen, daß: mit der zunehmenden Verbreitung des
Anbaues Argentinien‘ seine ‚Position gegenüber den Vereinigten Staaten
immer mehr verbessern wird. , Es erscheint heute bereits konkurrenzfähig,
trotz der noch primitiven Arbeitsmethoden beim Anbau, trotz der gänzlich
unzureichenden Organisation | für die‘ Beschaffung von Arbeitskräften zur
Erntezeit, trotz der ungenügenden KEinrichiungen für die Zurichtung der
Baumwolle für den Weltmarkt; trotz der teueren Transportgelegenheiten-
Alles dies wird sich ändern, je mehr die argentinische Baumwollproduktion

164
        <pb n="180" />
        an Umfang zunimmt, und‘ wenn Argentinien einmal über die gleichen Hilfs-
mittel! verfügt, die den Südstaaten der‘Union zu Gebote stehen, wird es
mit jedem anderen Lande erfolgreich‘ den Wettbewerb aufnehmen können.
Auf dem Wege zu diesem Ziele wird es freilich an Enttäuschungen nicht
fehlen, und es wird harter Arbeit ’und konsequenter‘ Unterstützung der
neuen Kultur durch Belehrung der Farmer in Versuchsplantagen, durch
Bewässerungsanlagen, durch zweckmäßigen Ausbau und Verbilligung der
Transportmittel usw. bedürfen, wenn die erhofften großen Erfolge erreicht
werden sollen.  Tetziger Stang
Die zurzeit in Argentinien mit Baumwolle bebaute Bodenfläche beträgt ges Aubaus.
über 4000 ha. Nach‘ der Ackerbaustatistik des Jahres 1908 waren im
Chaco 1182 ha, in Cördoba 276 ha, in‘ Corrientes 121 ha, in Santa Fe
127 ha und in Misiones 11 ha‘ unter Baumwollkultur. ‘ Die Anbauflächen N
haben inzwischen, namentlich im Chaco, bedeutend zugenommen; die des dabei
Jahres‘ 1908‘ betrugen etwa‘ nur die Hälfte der von 1911.
Aus den Ausfuhrziffern der Rohbaumwolle 1äßt sich ein Bild der Ent-
wicklung des Anbaues nicht gewinnen, da hierauf gleichzeitig auch die
Versuche, ‚eine argentinische . Baumwollspinnindüstrie ins Leben zu rufen,
von Einfluß waren, doch seien die Zahlen der Vollständigkeit halber wieder-
gegeben:
kg $ oro
1904— 1. 139 569 41.72
1907: 52 965 15 890
1908:;. 17 000 5.100
1909... =
1910. 1 — —
LOL). ne 57.107 5.38
VOLL AN ra 558 164 ....; 89.279 N
Wie eingangs ausgeführt wurde, wird selbst eine beträchtlich gesteigerte EEE
Produktion vom Weltmarkt willig aufgenommen, da gegenwärtig der Verbrauch auf dem
dauernd zunimmt, ohne daß die Produktion damit Schritt halten kann; Weltmarkt.
außerdem verbrauchen die Baumwollspinnereien der Produktionsländer von
Jahr zu Jahr mehr Rohmaterial, wodurch. das den europäischen Industrie-
staaten verbleibende Quantum immer mehr beschnitten wird. Daher fördern
England und Deutschland die Baumwollkultur in ihren afrikanischen Kolonien
unter Aufwendnng erheblicher Mittel, jedoch ohne daß bisher deren Produktion
einen merklichen Einfluß auf den Weltmarkt auszuüben vermochte.
Hier kann Argentinien aushelfen und ist vielleicht berufen, in der
Versorgung der Welt mit Baumwolle einmal die gleiche Rolle zu spielen,
die ‚es in deren Versorgung mit Getreide als Nachfolger, der Vereinigten
Staaten. erfolgreich. durchführt. In der richtigen Erkenntnis dieser Zukunfts-
Möglichkeiten brachte die argentinische „Regierung im Jahre 1911. einen
*)' Ueber Barranqueras 38 643 kg, über Buenos Aires 18 464 kg.

165
        <pb n="181" />
        Gesetzentwurf ein, der die notwendigen Mittel schaften sollte zur Anlage und
Unterhaltung von Versuchsplantagen für den Baumwollbau, in denen alle ein-
schlägigen Fragen zustudieren wären. Weitere Aufgaben waren diesen Versuchs-
stationen dadurch gestellt, daß sie den Pflanzern bei dem Erwerb geeigneter
Saaten behilflich sein und solche eventuell kostenlos abgeben sollten.
Ferner war beabsichtigt, durch ihre Vermittlung zweckmäßige und wohl-
feile Einrichtungen für die Zurichtung der Baumwolle für den Verkaut zu
schaffen. So groß der Beifall war, mit dem diese Gedanken des Gesetz-
gebers begrüßt wurden, So schroff wandte sich die öffentliche Meinung
gegen die Art und Weise, wie die Mittel hierfür aufgebracht werden sollten.
Es wurde nämlich vorgeschlagen, den Einfuhrzoll auf Baumwollgarne bis
Nr. 16 engl. inkl. um 10% und auf die wichtigsten Baumwollgewebe um
Argentinische 5% zu erhöhen, um damit gleichzeitig der argentinischen Baumwollindustrie
EN eine gesicherte Entwicklungsbasis zu geben. Gegen diese Zollerhöhung
wurden im wesentlichen dieselben Bedenken geltend gemacht, wie sie analog
gegen die deutschen Agrarzölle angeführt werden, die nur einer bestimmten
Erwerbsklasse zugute kommen, und deren Nutzen für die Allgemeinheit
vielfach Zweifeln begegnet.

In Argentinien bestehen 62 Webereien, die in der Mehrzahl Wirkwaren
herstellen und die fast ihr ganzes Rohmaterial vom Auslande beziehen.
Versuche, auch die Spinnerei in Argentinien heimisch zu machen, sind
mehrfach mißglückt; zurzeit bestehen in der Hauptstadt 2 Spinereien, die
zusammen ‘ungefähr 9000 Arbeiter, meistens Frauen, beschäftigen. Es ist
mithin bereits in der Republik selbst eine zunächst noch beschränkte
Absatzmöglichkeit für die im Lande gewonnene Baumwolle vorhanden,
doch wäre zu wünschen, daß man die Industrie, anstatt sie durch
Zölle künstlich groß zu ziehen, einer natürlichen Entwicklung überließe,
die mit der Zeit nicht ausbleiben wird, wenn die Landwirtschaft nicht
mehr in dem Maße wie jetzt die vorhandenen Arbeitskräfte absorbiert und
wenn das Problem des bisher fehlenden billigen Betriebsstoffes durch die
Verwendung des Petroleums oder wohlfeiler elektrischer Kraft gelöst
worden. ist.

Argentinisehes Petroleum.
Comodoro Das. erste Petroleum in Argentinien ist am 13. Dezember 1907. in
Rivadavia. Comodoro Rivadavia bei dem Versuch entdeckt worden, das für die Ent-
wicklung der Ansiedlung notwendige Wasser zu erschliessen. Mit den
Bohrungen hatte man bereits im Jahre 1903 begonnen, die gebrauchten
Apparate reichten jedoch nur bis zu einer Tiefe von 170 m. Erst im
Jahre 1906 konnten auf Grund eines Spezialkredits von 100 000 $ Gold
verschiedene Bohrmaschinen angeschafft werden, mit denen die Aufschließung
größerer Tiefen möglich war. Eine derselben wurde ungefähr 3 km von
Cömodovo Rivadavia entfernt in Tätigkeit gesetzt und in einer Tiefe von
535 m, d.h. 500 m unter der Meeresfläche, fand man anstatt des erwarteten

166
        <pb n="182" />
        Wassers Petroleum. Ein zweiter Bohrturm schloß am 15. Februar 1909 in
einer Tiefe von 545 m eine reiche Gasquelle auf, die ebenfalls Petroleum
führte. Mit einem weiteren Bohrturm traf man im Oktober desselben Jahres
zwei Petroleumlager in den Tiefen: von 535m und 567 m. Diese Quelle, ein
sogen. Gusher, gibt seit März d.J. ohne Anwendung von Pumpen ca. 100 Tonnen
Petroleum per Stunde, was einer Jahresproduktion von 876 000 Tonnen gleich-
kommen würde, d. h. ungefähr dem vierten Teil des zurzeit von der Republik
importierten Petroleums. In den folgenden Jahren wurden noch 8 Bohr-
türme aufgestellt, von denen zwei bereits reichliche Quellen erschlossen haben.

Die bisher gewonnene Ausbeute wird wie folgt angegeben: Ergiebigkeit.

1907 16 cbm aus Bohrturm Nr. 2
1908 * 1821 cbm I ” a“
1909 1913 cbm ” A
29 cbm „ ST

1020 cbm
1910 3070 cbm

110 cbm N
1911 2082 cbm „ versch. Bohrtürmen
1912 7550 cbm &gt;

Gegenwärtig ist der Bohrturm Nr. 4, der täglich 2400 Tonnen Petroleum
liefert, der ergibigste.

Für die Aufschließung des Petroleumlagers wurden. bisher die folgenden
Summen aufgewendet: 500.000 $ auf Grund des Gesetzes Nr. 7059 und
1000000 $ auf Grund des: Budgets von 1912. Die von. der Regierung
belegte Zone umfaßt 5000 ha, von denen 350 ha erforscht. sind. Außerhalb
des Regierungsgebietes haben 8 Privatgesellschaften Bohrrechte erworben.
Jedoch hat nur das austro-argentinische Syndikat in einer Tiefe yon 600 m
eine Petroleumquelle aufgeschlossen. Die übrigen in Comodoro Rivadavia
vorhandenen Privatunternehmungen haben ‚bisher Erfolge noch. nicht zu
erzielen vermocht.

: Zur Aufbewahrung des Rohöls bis zur Verladung wurden in Comodoro Fertige und
Rivadavia zwei große Tanks von je 6000 cbm Fassungsvermögen errichtet En
und zwei weitere von der gleichen Größe befinden sich im Bau. Außerdem eintichtuneens
sind noch verschiedene kleinere Tanks von je 200 Tonnen Inhalt vor-
handen. Zum Transport des Rohöls von den Bohrtürmen zu den Tanks
und von dort zum Hafen ist ein umfangreiches Röhrensystem angelegt
worden. Bis zur Fertigstellung der notwendigen Tanks hat man das Pe-
troleum zum Teil in offene ausgegrabene Behälter geleitet, von denen drei
große und zwei kleine vorhanden sind. Für die Verladung des Petroleums
in die Tankdampfer wird ein Pier von 600 m Länge gebaut, von dem die
Hälfte fertiggestellt ist. An demselben beträgt die Wassertiefe bei Niedrig-
wasser 5,60 m, bei Hochwasser 11,40 m. Die Rohrleitungen des Piers
haben einen Durchmesser von 10‘ und mittels der zugehörigen Pumpen

167
        <pb n="183" />
        können stündlich 250 Tonnen Petroleum verladen werden. Schiffe, deren
Tiefgang ein direktes Anlegen am Pier nicht gestattet, können bis auf 100 m
herankommen und mittels besonderer Leitungen beladen werden. Für die
Beförderung des Petroleums von Comodoro Rivadavia nach Buenos Aires sind.
kürzlich zwei Tankdampfer mit einem Fassungsvermögen von 6000 bzw.;
4000 tons angekauft worden. Zurzeit wird in Comodoro Rivadavia eine Raffinerie
erbaut, die 100 cbm Oel täglich verarbeiten kann. Mit Hilfe derselben sollen
die flüchtigen Oele aus dem Rohöl extrahiert und dasselbe für den gefahr-
losen‘ Gebrauch auf Kriegsschiffen hergerichtet werden.

Das Petroleum wird mit ungefähr 35 $ per Tonne verkauft. Die Staats-
bahn verbraucht ca. 300 tons monatlich und hat bisher ungefähr 7000 tons
bezogen. Eine Tonne Petroleum wird dem Heizwert nach 1'/, Tonnen
Kohle gleichgesetzt. Auch die Privatindustrie interessiert sich mehr und
mehr für die Verwendung des Petroleums als Heiz- und Krafterzeugungs-
mittel. So macht z. B. die Deutsche Ueberseeische Elektrizitätsgesellschaft
damit Versuche im Betriebe ihrer Kraftstationen; ebenso wollen andere
Industriezweige, wie z.B. die Gefrierfleischanstalten, das Rohöl als Betriebs-
mittel beziehen. Wenn die Versuche zufriedenstellend ausfallen, dürfte:
sich hieraus für Argentinien eine reiche Einnahmequelle entwickeln.

Die Regierung ist bemüht, die Ausbeutung der Petroleumfelder nun-
mehr großzügig nach einem festen Plane in die Wege zu leiten. Zu diesem
Zwecke sollen 100 neue Bohrtürme mit allem zugehörigen Material, wie
Pumpen, Rohrleitungen usw., beschafft werden. In Comodoro Rivadarvia
sollen ferner 6 neue Tanks von je 6000 Tonnen Inhalt errichtet werden.
Um den Absatz des Petroleums in der ganzen Republik zu erleichtern,
söllen in den Haupthäfen Depots errichtet werden, so sind für Buenos Aires
10 Tanks, für Rosario 5 Tanks, für Santa F6 3 Tanks, für Entre Rios und
La Plata je 2, für Bahia Blanca 4 Tanks und für San Antonio und Puerto.
Deseado je 1 Tank vorgesehen. Ferner ist der Ankauf von 4 Tankschiffen
beabsichtigt. Die Gesamtkosten der geplanten Einrichtungen werden auf
ca. 15 Millionen $ geschätzt, die in den nächsten zwei oder drei Jahren

be nach und nach investiert werden sollen.

Bahia‘ Blanca. Von großer Wichtigkeit für Argentinien ist, daß man nicht nur in dem ver-
hältnismäßig entlegenen Comodoro Rivadavia, sondern auch noch in[anderen
Gegenden Argentiniens, die zum Weltverkehr günstiger liegen, Petroleum:
fand, so wurden vor kurzem - bei der Reinigung und Vertiefung:
des Bohrlochs, das nahe der Station Argerich an der Linie der Südbahr-
von Bahia Blanca nach dem Rio Colorado vor 11/, Jahren abgeteuft worden:
war, Spuren von Petroleum entdeckt. Selbst wenn an jener Stelle ein ab-
baufähiges Petroleumlager nicht vorhanden sein sollte, so wäre die nachge-
wiesene Tatsache des Vorkommens doch von ganz hervorragender Be-
deutung, denn das Petroleum findet sich nie vereinzelt, und wo es nach-
gewiesen ist, kann in der Nähe mit Sicherheit auf weitere möglicherweise:

168
        <pb n="184" />
        ergiebigere Funde gerechnet werden. Sollten sich die auf den Fund von
Argerich aufgebauten Hoffnungen verwirklichen, so würde Argentinien ‚in
der Zone von Bahia Blanca ein Petroleumfeld besitzen, das gegenüber dem
von Comodoro Rivadavia den großen Vorteil voraus hätte, , dem Zentrum
des : Petroleumverbrauchs in Argentinien und auch dem Weltmarkt um
ca. 1000 km näher zu liegen.

Wenn die Anhänger der Theorie recht haben, welche die Entstehung
des Petroleums auf anorganischem Wege erklärt und mit den großen
Brüchen in Zusammenhang bringt, die beim Erkalten der (Erde in deren
Oberfläche entstanden, so dürfte sich Petroleum noch in vielen anderen
Gegenden Argentiniens finden. Derartige große transkontinentale Brüche
haben auf dem ganzen südamerikanischen Kontinent stattgefunden, wie sich
noch heute in dessen Topographie deutlich erkennen läßt. Besonders auf-
fallend ist diese Erscheinung in Patagonien, wo keine nachträglichen
Störungen durch tektonische Erdbewegungen eintraten und wo die Brüche
nur von den aus den Anden herabgeführten Schuttmassen überdeckt wurden.
Solche Bruchlinien stellen z. B. die mehr oder weniger parallel verlaufenden
Thäler des Rio Chico, Deseado, Senguer, Rio Negro, Rio Colorado und
Rio Salado dar. Auf den, meisten, dieser Linien sind Anzeichen von
Petroleum bereits gefunden worden, so— abgesehen von ComodoroRivadavia —
am Rio Santa Cruz, am Rio Negro und am oberen Colorado und nunmehr
bei Bahia Blanca.

Im Cordillerengebiet Argentiniens erfuhren die Bruchlinien durch nach- Mendoza.
trägliche tektonische Bewegungen starke Eingriffe, und man wird daher
größere Oellager nur in den Gegenden anzutreffen erwarten dürfen, in
welchen die tektonischen Störungen weniger heftig waren, d.h. entlang
der äußeren Ränder der eigentlichen Hochkordilleren. In jener Zone, wo
die Ebenen des Chaco in die Vorhügel der Kordilleren übergehen, hat man

„der Tat Petroleumfelder entdeckt.

In erster Linie sind hier die Gegenden der Cerros del Alquiträn und
de los Buitres zu erwähnen, die ungefähr 145 km südöstlich von San Rafael
liegen, “und die in einem kürzlich erschienenen ‘Bericht der Divisiön de
Minas y Geologia beschrieben werden. In dieser Zone wurden im Jahre 1908
der Gesellschaft El Petroleo Argentino 8 Mutungs- und Schürfrechte von je
2500 ha Oberfläche erteilt, und es gelang nach einem ersten vergeblichen
Versuch, mit einem zweiten Bohrloch schon in 300 m Tiete eine Petroleum-
quelle aufzuschließen, die 2 cbm per Tag liefert und deren Produkt dem
Petroleum von Chubut ähnlich ist. |

Die in der Provinz Mendoza gefundenen Petroleumlager setzen sich Neuquen,
Wahrscheinlich nach Süden und Norden hin, wenn auch mit Unterbrechungen,
fort. Hierfür sind die gleichfalls vor kurzem von der Divisiön de Minas y
Geologia untersuchten Rafaelitlager von Neuquen, die sich bei der Sierra
A uca Mahuida zwischen den Oberläufen des Rio Neuquen und Rio Colorado

nden, ein. vorläufig allerdings noch indirekter Beweis. Das Rafaelit ist ein

169
        <pb n="185" />
        Oxydationsprodukt des Petroleums, das die große Heizkraft von über
9000 Kalorien entwickelt, die Bedeutung‘ seines Vorkommens besteht jedoch
weniger in seinem eigenen Wert als vielmehr darin, daß es als Anzeichen
für das Vorhandensein von Petroleumlagern betrachtet werden kann. Nach
den in West-Virginia gemachten Erfahrungen sind reichlichere Quellen in
der Nähe derartiger Mineralien nicht selten.

Salta. Auch im Norden der Republik, im Tale des Rio San Francisco, finden sich
abbaufähige Petroleumlager. Die geologische Richtung der Ablagerung 1äßt
sich nach Südwesten durch die Provinz Salta und nach Nordosten, jenseits
des Rio Bermejo verfolgen, Über die geologische Formation der Zone
zwischen dem Rio Bermejo und der bolivianischen Grenze hat ein Geologe
der Minendirektion, Dr. Guido Bonarelli einen vor kurzem veröffentlichten
Bericht erstattet, auf den hin. die Minendirektion eine schon Ende 1911
aufgenommene Probebohrung in der Quebrada von Capiazuti angeordnet
hat. Im Tal des Rio San Francisco arbeitet z. Zt. am rechten Ufer des
Flusses gegenüber von Ledesma die Gesellschaft „El Petroleo Argentino“
auf den acht ihr gehörigen Konzessionen von 4000 ha Oberfläche an der
Erschließung der dortigen Lager. Die Hauptölschicht wurde in 297 m
Tiefe gefunden. Die bisher angestellten geologischen Untersuchungen er-
geben die ziemliche Gewißheit, daß in dem nördlichen Teil des Landes
eine Petroleumzone vorhanden ist, welche, wenn man die Hochtäler Saltas
außer Betracht läßt, sich in einer nahezu ungestörten, zwischen Perico über
Embarcacion bis Yacuiba rund 300 km langen Erstreckung, hinzieht. Diese
Zone ist gegenwärtig dem Weltverkehr noch sehr entrückt, wird aber nach
Fertigstellung der Bahn von Embarcaciön nach Formosa vom Paraguay-
Fluß nur noch ca. 600 Bahnkilometer abliegen.

Verwendbar- Die nördliche Petroleumzone ist deshalb von besonderer Wichtigkeit,
keitdesargen- weil das dort gefundene Oel erheblich reicher an Kerosen ist, als das
Ele patagonische Petroleum, das nach den bisherigen Funden aus schweren,
nur zur Feuerung verwendbaren Ölen besteht. Nach folgenden, der Buenos
Aires Handelszeitung entnommenen Analysen ergab sich für die einzelnen
Petroleumarten die folgende Zusammensetzung:

Herkunft 9 Naphia Kerosen Residuum

Pennsylvanien 31,5 35,0 33,5

Baka 23,0 38,0 39,0

Galizien‘ 5 47,0 26,5

Texas. « 5 ua x 88,( 45,5

Yacuiba “4 69,0

Cacheuta 6.4 2 69,5

Neuquen . „0 22,0 78,0

Cerro del Alquiträn 0,5 44,0 55,5

Laguna de la Brea . 135 36,0 50,5

Comodoro Rivadavia — 9.0 91,0

170
        <pb n="186" />
        _ Nach diesen Analysen ist das Chacopetroleum als ein dem pennsyl-
vanischen und russischen an Leuchtölgehalt fast gleichwertiges Produkt an-
zusehen, während das Petroleum von Comodoro Rivadavia nur für Heizungs-
und. Motorzwecke verwendet werden kann.

Die gemachten Petroleumfunde im Verein mit den angestellten geo-
logischen Untersuchungen erbringen den vollgültigen Beweis für das Vor-
handensein von Petroleum in Argentinien an einer großen Anzahl von
Punkten, sowohl im Süden wie im Norden des Landes. Die Regierung
wird sich dadurch veranlaßt sehen, systematisch mit der Aufschließung des
Petroleumreichtums vorzugehen und es nicht mehr dem bloßen Zufall beim
Bohren nach Wasser überlassen, ob man dabei zufällig einmal auf Petro-
leum stößt. Dem Unternehmungsgeist des europäischen Kapitals scheint
sich hier eine seltene Gelegenheit zur Betätigung zu bieten, denn es ist
heute bereits als feststehend zu. erachten, daß das Petroleum im Wırtschafts-
leben Argentiniens eine große Rolle zu spielen berufen sein wird. . Welche
wirtschaftlichen Erfolge eine großzügig in Angriff genommene Petroleum-
ausbeutung in kurzer Zeit hervorbringen kann, beweist das Beispiel Cali-
forniens, wo vor 14 Jahren noch niemand an das Vorkommen von Petro-
leum dachte, während die dortigen Oelfelder heute jährlich 81 Millionen
Faß, d.h. 37 % der ganzen nordamerikanischen Erdölproduktion, liefern.
Es ist das dreimal soviel, als Pennsylvanien in seiner besten Zeit erzeugte,
das heute auf 9 Millionen Faß gesunken ist.

Der Aussenhandel Argentiniens im I. Quartal 1918:

Ueber die Entwickelung des Außenhandels Argentiniens im 1. Quartal
1913 lassen sich aus den vorliegenden Zahlen der öffentlichen und privaten
Statistik bereits einige Schlüsse ziehen, wenn bei ihrer Beurteilung auch
Vorsicht beobachtet werden muß, da eine Zu- oder Abnahme des Verkehrs
oft nur auf einer mehr zufälligen Verschiebung von einem Quartal auf das
andere, oder auf anderweitigen äußeren Einflüssen wie z. B. Fallen oder
Steigen der Frachtraten beruhen kann, und in der Tat haben im ersten
Quartal des vergangenen Jahres Hafenarbeiter- und Eisenbahnerstreiks die Ver-
schiffungen beeinträchtigt, SO daß aus der überwiegenden Zunahme der
Ausfuhr argentinischer Produkte jm ersten Quartal 1913 noch nicht ohne
weiteres auf größere Ernten USW. geschlossen werden darf.

Nach der offiziellen argentinischen Statistik, die auf Grund der Zoll-
deklarationen aufgestelıt wird, betrug im ersten Quartal des Jahres die Ein-
fuhr 108 652 009 $ Gold ohne Edelmetalle und die Ausfuhr entsprechend
154 894 362 $ Gold, was einen Ausfuhrüberschuß von 46242 353 $ Gold
zugunsten des Landes bedeutet. Die Einfuhr von Edelmetallen erreichte
einen Wert von 35 270 340 $ Gold, dem eine Ausfuhr von nur 2562 $ Gold
gegenübersteht. Die Einfuhrwerte der einzelnen Warenklassen des argen- Einfuhr,
tinischen Zolltarifs mit der sich gegenüber“ dem gleichen Zeitraum des
Vorjahres ergebenden Differenz zeigt folgende Zusammenstellung:

171
        <pb n="187" />
        (Goldpesos) Zu- oder Abnahme gegen
I. Quartal 1918 das I. Quartal 1912
Lebende Tiere 229 645 — 84 068
Nahrungsmittel 10 444 392 + 4189 241
Tabak 0. LAD 1 776 304 = 8153
Getränke... 8 3 319 072 “= 126 165
Rohstoffe‘ und Produkte _der
;* Textilindustrie... a 726 756 105 5 089 227
Oele und Fette‘ aller Art . . 4759880 E11 312 506
Chem. u. pharmaz. Produkte 4.193 107 340 145
Farben... , 665 851 123 369
Holz und Waren daraus . . 2 434 084 232322
Papier % n _-. 2308 223 37.555
Leder „ 7 $ „1195582 261 552
Eisen. $ e 11 900 315 675 664
Uebrige Metalle und Waren dar. 3.158 968 295 676
Landw. Masch. und Sämereien 1689117 1129 684
Transportmittel . . .". „9529 459 2.434 525
Steine, Erden, Glas und ke-
‘” ramische Produkte . "9256202 41623364
Baumaterialien . . A a9 567 575 +" 655718
Elektr. Masch., Apparate usw. 2 436 201 + 173 305
Versch. Waren u. Produkte... 3.031 837 + 56 589
108 652 009 415787 356
Die auffallende Zunahme in der Nahrungsmitteleinfuhr ist zum größten
Teil auf die bedeutenden Bezüge an Zucker zurückzuführen. Die Mehr-
einfuhr von Textilwaren verteilt sich. auf die einzelnen Webstoffe wie folgt
(Goldpesos): Seide 213 268, Wolle 2 205 380, Baumwolle 1914 551, . übrige
Webstoffe 756 028. Vom. Wert der Mehreinfuhr von Oelen und Fetten ent-
fallen 601 961 Goldpesos, allein auf ungereinigtes Nafta. An bearbeitetem
Eisen wurde für 850 578: Goldpesos mehr eingeführt, dagegen an Maschinen
für die Schafschur für 586 404 Goldpesos weniger. Einen Rückgang weist
die. Einfubr von Alfalfa- und sonstigen Sämereien auf, Unter den Trans-
portmitteln zeigt die Einfuhr von Lokomotiven (+ 1.010.953. Goldpesos),
Automobilen (633 317 Goldpesos) und Eisenbahnwagen (+ 837 101 _Gold-
pesos) eine starke Zunahme.
ar “Die günstige Entwicklung der Einfuhr im ersten Quartal des laufenden
ziffern... Jahres findet ihren Ausdruck auch in den Verkehrsziffern des Hafens _ von
Büenos Aires. Dort _kamen von _Uebersee an:
1913 1912 1911
Dampfer „und: Segler SP 560 464 465
Warenmengen (1000 _t)= . | 1298 389 895

1792
        <pb n="188" />
        Die Zahl der 1913 angekommenen Dampfer und Segler hat sich mithin
gegen das Vorjahr um 20%, die importierten Warenmengen sogar um 50%
vermehrt.

Den Eisenbahn-Güterverkehr im Hafen von Buenos Aires während
les I. Quartals 1913 zeigt folgende Zusammenstellung:

Zunahme
1913 1912 1912/13
\ngekommene Eisenbahnwagen 47 576 32.291
mit Ausluhrgütern (t) . 29925 : 308.208
im Durchschnitt pro Tag (ft) 7 000 200 100%
Abgefahrene Eisenbahnwagen . 47 318 5
mit‘ Einfuhrgütern (t) ... 346 930 ‘6 45%
Transitverkehr‘ Eisenbahnwagen 25.774 “149
mit Gütern (t) ". . 167173 82 120%
Gesamtverkehr Eisenbahnwagen . 120 668 "045
mit Gütern (t) . 1 144 028 618 906 85%

Selbst unter Berücksichtigung der infolge von Streiks anormalen Ver-
hältnisse des Vorjahres lassen diese Zahlen doch erkennen, daß nicht nur
die. Einfuhr, sondern auch die Ausfuhr sehr stark zugenommen. hat, letztere Ausfuhr.
übertraf im ersten Quartal des laufenden Jahres die für den gleichen Zeit-
raum des Vorjahres festgestellte um 58466 678 $ Gold. Von den Haupt-
produkten des, Landes wurden im ersten Quartal des Jahres die folgenden
Mengen ausgeführt:

(In Tonnen) I. Quartal 1913 Kun ar Deals 2
Rindshörner . . | 573 104
Gefrorenes Rindfleisch 82 876 + 11014
Gekühltes Rindfleisch 5 348 "100
Gefrorene Hammel . 15 421 3105
HU Hr 464 27
Ziegenfelle. . . 600 28
Ungewaschene Schaffelle 4 600 569
Ges. Rindshäute ....... 16 556 1.006
Trockene Rindshäute . 4709 3505
Pferdehäute . En 320 254
Ungewaschene Wolle 59 155 5.060
Trockenfleisch .. . 604 1.966
Verschiedenes Gefrierfleisch 3.893 22
Sonst. konserviertes Fleisch . . 4453 +. 1234
Basel 1 Sn Ara am m 924 = 13
Bleischmehl u. u eh 1.026 «FA
Baker pa. u aan - 1 886 * 528
Fett und Talg  E 17 106 +... 2603
Guano. Aa 6730 + 350

173
        <pb n="189" />
        (In Tonnen) I. Quartal 1913 Set HOFER
Knochen . . - . 13 064 + 4369
Ges. Diärme 2 z 1 506 + 265
Hafer; . 513.807 + 238 150
Gerste. 27 646 + "25.466
Roggen } 11.398 + 10422
Leinsaat 93.420 + 261 457
Mas 7 525 343 + 518 554
Kartoffeln 406 +... 1 1.635
Hew = 1.060
Weizen - 1. 895 380
Weizenmehl De 5. 18:059
Kleiel1. 0. Aa + 21.037
Oelkuchen . 448, 4,109 a4 019
(Quebrachoextrakt 12 L; 1571396
Quebracho-Blöcke - - . 110 596 1 42224

Bei Häuten und Fellen ist eine allgemeine Abnahme der Ausfuhr zu
bemerken, die hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, daß die europäischen
Märkte ihre Käufe eingeschränkt haben, Die Ausfuhr von Rindfleisch hat
sich zufriedenstellend entwickelt, dagegen ist bei der Ausfuhr gefrorener
Hammel in den letzten Jahren ein nicht unbeträchtlicher Rückgang festzu-
stellen. Es fehlte an genügendem Schlachtvieh, da, die Schafherden wegen
der Trockenheit der letzten, Jahre in großem Umfange reduziert worden
waren, um für die übrigbleibenden Tiere hinreichende Weide zu haben.
Die reichlichen Regentälle des Jahres 1912 haben zwar die Weiden erheb-
lich aufgebessert, doch läßt sich der Ausfall an schlachtreifen Hammeln
und Schafen nicht so rasch ersetzen. Dieser Mangel machte sich So fühl-
bar, daß z. B. in der Quatreros Gefrieranstalt in Bahia Blanca Ende Januar
die Arbeit eingestellt werden mußte. Im großen und ganzen nimmt in
Argentinien in den letzten Jahren‘ die Nachfrage nach Schlachtvieh bei
steigenden Preisen ständig zu, da der Verbrauch der Gefrieranstalten immer
größeren Umfang erreicht hat, und da andererseits die hohen für Ackerbau-
land bezahlten Preise viele ‘Landstrecken, die sonst als Viehweide dienten,
unter den Pflug gebracht haben. In neuerer Zeit haben‘ die hohen für
Schlachtvieh bezahlten Preise aber doch bewirkt, daß die Viehzucht wieder
einen größeren Aufschwung genommen hat.

Die Ausfuhr von Getreide aller Art zeigt gegenüber den Zahlen der
Vorjahre erhebliche Zunahmen, besonders ‚auffallend tritt dies bei Weizen
und Hafer in Erscheinung, eine merkliche Steigerung weist auch die Aus”
fuhr von Quebrachoholz und -Extrakt- auf. Zum Vergleich führen wir
die Werte der Ausfuhr im’I. Quartal 1913 und die entsprechenden Zahlen
der Vorjahre an:

174
        <pb n="190" />
        Millionen $ Gold 1913: 41912: 1911 „4910
Weizen er A 50.0. 427. 140:28:3600 268
Leinsaat ef KH He an 5 2014:10,5,5 226
MS EN x. 22 1,2 18
Hafer ip a HS 11,0 7,0 4,6 0,7
Wolle a 20,0 21,9 26,45 29,6
Gefrierfleisch a A aaa HE MO 0676,85
Übrige Produkte 1 „51. 325 1 239.121,65:427,0
Gesamtausfuhr 155,07 96,4: 105,2, 115,38
Der hiernach erreichte Ausfuhrwert von 155 Millionen $ Gold im
L. Quartal, stellte, eine Rekordziffer dar.‘ ,-— - Im) den, ersten; 3: Monaten, des
Jahres erhielt Argentinien außerdem 31 Millionen $ gemünztes Gold, das als
weiterer Aktivposten in der Zahlungsbilanz figuriert.
Da die Ausfuhr im ersten Quartal des Vorjahres durch Sireiks der Anbaufläche,
Z &gt; ar x N n Ernte u. Aus-
Transportarbeiter ungünstig beeinflußt wurde, lassen die vorstehenden fypı gg, Haupt-
Zahlen kein deutliches Bild von dem tatsächlichen Fortschritt in der Ent- getreidearten
wicklung der Ausfuhr entstehen. Wir geben daher im Anschluß an «die
Quartalszahlen noch diejenigen der Anbaufläche, Ernte und Ausfuhr der
Hauptgetreidearten für das ganze Wirtschaftsjahr 1912/13” nach «den
Schätzungen «es Jahresberichts der-(ietreidebörse von Buenos Aires,
| Anbau-
fläche Ernte Ausfuhr
1000 ha 1000 t 1000 t
Weizen 1911/42 6897 4523 2657,59
1912/13 6918 5000 3300
Zunahme 21,5 477 642,5
Leinsaat „9112 1630 572,4 540,5
„A023 33 1150 1070
Zunahme 1083” 577,0 529,5
Mais 1911/12 3422 7515 4832,5
+ 4912/13 3830 4600 3600
Zunahme 408 —2913. —1232,5
Hafer 2 La TR 1031 1209,7 909,7
AO LS "102,4 1500 1100
Zunahme 161,4 290,3 190,3
Das Gewichtund«lie sonstige Beschaffenheit des diesjährigen argentinischen
Weizens sind ausgezeichnet, so. daß die Weizenernte 1912/13 im ganzen
doch als sehr gut bezeichnet werden kann, obgleich sie infolge andauernder
Trockenheit, die in einem großen, Teil. der Getreidezone geherrscht hat,
hinter den anfänglichen Erwartungen Zzurückgeblieben ist. — Während die
Leinsaaternte 1911/12 nur von kümmerlicher Beschaffenheit war, zeichnet
Sich die diesjährige Ernte durch große Reinheit und großen Oelgehalt der
Körner aus. Von der ganzen Welterzeugung an Leinsaat entfallen 72%
auf Argentinien. — Die Maisernte wurde‘ durch die andauernde Trocken-
heit im Dezember 1912 und im Januar 1913 sehr stark. um 25—30% be-

175
A
        <pb n="191" />
        einträchtigt, wie‘ wir bereits‘ in der vorigen Nummer unserer Mitteilungen
ausführten, doch läßt sich immerhin noch eine gute Mittelernte erwarten. —
Der Hafer der Ernte’ 1912/13 hat ein durchschnittliches Hektolitergewicht
von etwa 50 kg, gegen 40 kg der vorjährigen Ernte. Das ‚hohe Gewicht,
die gute Beschaffenheit und der große Ertrag machen die Haferernte
1912/13. ‘zu einem vollen Erfolg, besonders da die Nachfrage recht gut ist.
Aktısfuhr- Ein besseres Bild‘ von der Entwicklung des Außenhandels im ersten
überschuß. Quartal. dieses Jahres‘ in. seiner wirtschaftlichen Bedeutung erhält man,
wenn man die‘ Zahlen für die entsprechenden Zeitabschnitte in einer
längeren Reihe von Jahren vergleicht. Wir bringen daher im folgenden
eine Zusammenstellung der Ein- und Ausfuhrwer’e sowie der Ausfuhrüber-
schüsse während der letzten 10 Jahre:
I. Quartal 5 Kor 8 do) HERE N a
1904 43.300 622 73.234 446 29 933.824
1905 47, 823.727 89137,327 41 313 600
1906 51.370.376 86 143 099 34 763 723
ABM 54 660 885 96.946 217 42.285.332
1908 70 840 220 115627832 44.787.612
1909 73.028:538 140 231 340 67 202 802
1910 88 842 465 115266 121 26 423 656
1911 95 843 798 105 246 342 9 402 544
1912 92 864 653 96 419 493 3 554 840
1913 108 652 009 154 894 362 46 242 353
Es ergibt sich hieraus, daß der 1913 erreichte Ausfuhrüberschuß einen
sehr guten Durchschnitt darstellt, der bisher nur von der entsprechenden
Zahl des Jahres 1909 übertroffen wurde.
Edelmetall- Auch wenn man den Gesamtaußenbandel während des in Rede stehen-
Eio-u.Ausfuhr. gen Zeitraumes der letzten 10 Jahre vergleicht, so ergibt sich für 1913 die
vorher nicht erreichte Ziffer von 263!/» Millionen Goldpesos, Das gleiche gilt
von der Edelmetalleinfuhr, die in den letzten 10 Jahren die folgende
Entwicklung genommmen hat:
L. Quartal Sa 8 Co
1904 14 231 002 727 516
1905 12779 000 370 778
1906 7183 245 600
1907 17.892 367 4944
1908 14 268 679 22136
1909 24 770 684 12433
1910 25.114 700 3973
1911 8 463 000 4032
1912 19.227 740 140 259
1913 35 270 340 2562

176
        <pb n="192" />
        Buenos Aires.

Das kürzlich erschienene Jahrbuch der Stadt Buenos Aires für die Bevölkerung,
Periode 1910/11 gibt die fortgeschriebene Bevölkerung des Gemeinwesens
auf 1.360406 Einwohner an. Gegenüber der letzten Volkszählung, vom
24. Oktober 1909 bedeutet dies eine. absolute Zunahme von 128 708 Seelen
oder von 10% der damaligen Einwohnerschaft, Ein Vergleich mit der
Bevölkerungszunahme anderer Großstädte, die z. B. in der sich lebhaft ent-
wickelnden Stadt München in der gleichen Periode nur 3,65% betrug, läßt
erkennen, welche gewaltigen Aufgaben hieraus für die Verwaltung der
Stadt erwachsen müssen. ‚Auffallend ist, daß sich das bei allen europäischen
Großstädten beobachtete Abwandern in die Vorstädte auch schon in Buenos
Aires bemerkbar macht. Begünstigt wurde diese ‚Erscheinung durch die
Terrainspekulation der letzten Jahre, die kleine Grundstücke unter äußerst
leichten Erwerbsbedingungen an kleine Kapitalisten und Arbeiter absetzte,
sowie auch durch den Ausbau der Verkehrsmittel nach den Vororten. Aut
diese Weise ist. ein beträchtlicher Teil der arbeitenden Klasse nach Avella-
neda, Dock: Sud, Pineiro, Ja Mosca; ;Lanüs, Talleres; Banfield, Wilde,
Sarandi, Villa Dominica usw. übergesiedelt.

Die Einnahmen der Stadt aus Steuern und Abgaben beirugen im Jahre Finanzen

1910 rund: 32,5. Millionen $ gegen 35,5 Millionen $ im Jahre 1911, was für
1911 eine Zunabme von, rund 3 Millionen $ ergibt. Im Jahre 1912 betrugen
die ordentlicben . Einnahmen 41,4 Millionen $, die ‘außerordentlichen
4,4 Millionen $. Erstere übertrafen. den Voranschlag um ca. 2 Millionen $,
letztere brachten indessen. ein Defizit von ca. 3 Millionen $, weil der vor-
gesehene Verkauf fiskalischer Terrains, aus welchen der Hauptteil der
außerordentlichen Einnahmen fließen sollte, der ungünstigen Lage des
Grundstücksmarktes halber nicht in dem’ beabsichtigten Umfange ausgeführt
werden konnte.
; Die fundierte Schuld der Stadt betrug (die Goldanleihen in. Papier
umgerechnet) am 1. fanuar 1912 insgesamt rund 107,57 Millionen $, von
denen am genannten Tage noch für 75,9 Millionen $ Titel im Umlauf waren.
Hiervon entfielen auf die von der Nation garantierten Anleihen: 47,97 Millionen $
und auf die übrigen direkt von der Stadt emittierten 27,934 Millionen $,
deren Zinsen‘ und Tilgungsdienst 8,3 % der gesamten Einnahmen der Sıadt
beanspruchte.

Außerdem war die Stadt noch zur Ausgabe von 44 Millionen $ Pflasterungs-
bonds ermächtigt worden und schuldete ferner der Banque de Paris et des
Pays Bas ein Darlehen von 6,25 Millionen Frances. Um den Bau von
Diagonaldurchbrüchen durchführen zu können, die der sich stetig mehrende
Verkehr immer dringender erforderte, hat die Stadt im Mai 1912 und im
Februar 1913 zweimal Darlehen von 15 Millionen $ mit zweijährigem Ziel
aufgenommen. Außer den Diagonaldurchbrüchen wird zurzeit auch- noch
die Verbreiterung von 14 Hauptstraßen des Stadtzentrums unter erheblichem

1777
        <pb n="193" />
        Kostenaufwand ausgeführt. Die, gesamte  gepflasterte Straßenfläche der
Hauptstadt beträgt 842,62 ha.
Grundstücks- Aus dem zahlreichen statistischen Material des Jahrbuches dürfte noch
markt. das auf die Entwicklung des Grundstücksmarktes in Buenos Aires in den
letzten Jahren bezügliche allgemeinerem Interesse begegnen. Wir geben
in der folgenden die Jahre 1905—1911 umfassenden Zusammenstellung die
Zahlen für die verkauften Flächen, ‚die erzielten Preise sowie den sich für
die einzelnen Jahre ergebenden Durchschnittswert der verkauften Flächen
einschließlich der Gebäude wieder.
Zahl der Verkaufte Gesamt- Durchschnittswert
Tahr verkauften Fläche preise in PT Quadratmeter
irundstücke ha Mill. $ m/n mit Gebäude
. $ Papier
1905 TR ; 1635 10,56
1906 ” 166 2 11,26
1907 FL HE 198,0 14,05
1908 21315 1910,6 187,6 0,82
1909 22772 1801,58 292,6 16,24
1910 27719 1401,2 418,3 29,86
1911 26477 1417,8 427,2 3043
Ein klareres Bild des Immobilienverkehrs erhält man, wenn man ihn in
seine beiden, ihrer Natur. nach sehr verschiedenen Klassen. zu zerlegen
sucht, nämlich in die reinen Spekulationsverkäufe von Bauland in den
Außenvierteln und in die Umsätze von Zinshäusern des Zentrums. Die
Unterscheidung kann natürlich in der Statistik nicht deutlich zum Ausdruck
gebracht werden, da zwischen beiden Kategorien scharfe Grenzen nicht
bestehen, doch dürfte man den wirklichen Verhältnissen ziemlich nahe
kommen, wenn man, wie dies in einer Untersuchung der Buenos Aires
Handelszeitung geschieht, die Wahldistrikte von Velez Sarsfield, San
Bernardo, Belgrano, Palermo, San Cärlos Sud und Norte, Flores und San
Cristöbal Sud unter dem Begriff „Vorstädte“ zusammenfaßt. Danach er-
gibt sich folgende Gegenüberstellung::
Zentrale Viertel Vorstädte
jahr VE Erlös VE Erlös
ha Mill. $ m/n ha Mill $ m/n
3907. 262,8 118,0 1285,6 45,1
"906 272,3 141,6 1607,0 70,1
ZN BN 2 1206,7 64,8
1908 165,2 108.4 1745,4 7
1909 170,8 1768 1631,90 1144
1910 193,5 265.0 1207,72 SO
j917] 147,7 237,2 1270,2 190,1
Wenn nun für jede dieser Gruppen des städtischen Weichbildes- die
in den Bodenverkäufen der letzten Jahre erzielten Mittelpreise berechnet
werden,so ergibt sich das folgende Bild:

178
        <pb n="194" />
        Durchschnittspreis per
(Quadratmeter In
Tahr Pesos Papier
Zentr, Viertel Vorstadi
44 80 3,50
52,40 4,30
0,97 5,37
108 65,63 4,53
7 103,22 7.18
I 137,— 13,45
1911 168,20 14.97

Die sämtlichen Zusammenstellungen lassen deutlich die sprunghafte
Zunahme der Bodenwerte erkennen, die, besonders in den Jahren 1909/1910
ganz enorm gewesen ist. Die Fortsetzung dieser Statistik für das Jahr
1912 dürfte indessen hierin einen nicht unerheblichen Rückschlag erkennen
lassen, da‘ inzwischen, wie oben bereits erwähnt, die Verhältnisse auf dem
Grundstücksmarkt sich infolge der Lage des Geldmarktes bedeutend ver-
schlechtert haben.

Verteuerung der Lebenshaltung.

Die zunehmenden Kosten der Lebenshältung, die auch’ in Europa die Änderung der
öffentliche Meinung‘ dauernd beschäftigen, sind seitens ’des Departamento T- bensweise.
Nacional de Trabajo einer eingehenden Untersuchung unterworfen worden,
die sich im wesentlichen mit der Preissteigerung der hauptsächlichsten Ge -
brauchsartikel, der Wohngelegenheiten, der Kleidung und ‚der Löhne in dem
Zeitraum von: 1900 ‚bis‘ 1912 ‘befaßt. Die: interessante Darstellung gibt
zunächst eine Uebersicht über die verschiedenen Phasen, welche die Lebens-
haltung des eingewanderten Arbeiters der einzelnen Nationalitäten durchläuft und
führt solann aus, daß nicht nur die notwendigen Lebensbedürfnisse eine
Preissteigerung erfahren haben, sondern daß in dem benannten Zeitraum
auch eine erhebliche Zunahme der Anzahl der Lebensnotwendigkeiten zu
beobachten sei. Der Arbeiter von heute lebt in einer Form, die von der
Lebensweise des Arbeiters, von 1900 in vielen Punkten abweicht. Seinem
Dasein sind neue Bedürfnisse und Vergnügungen eingefügt worden, die
größere Ausgaben verursachen und demgemäß auch das Aussehen seines
Budgets erheblich verändern. — Im folgenden geben wir die hauptsächlichsten „Preis-
Preisverschiebungen wieder: steigerungen,

1900 ‚A2
Brot: (I. Qual): u. ; 0,20 (1902) a 0,28
Brot. (11. Qual.) 0,14 (1902) 0,22
Mehl (I. Qual.) . 1,07—1,13 1,:40— 1,50
Mehl (1. Qual.) :»--- - vkiIm 0,90—0,94 1,.15— 1,25
Rindfleisch + 0,18—0,24 (1901) 0:20— 0,26

1s
179
        <pb n="195" />
        1710 T
Schaffleisch 0,19—0,27 0,19— 0,27
Schweinefleisch. 0,48—0,75 0,60— 0,80
Kaffee (10 kg)... 7,05—8,50 11,80—12,50
Reis (Bremen, en gros) 1,30—1,60 2.15
YerDa a 4,80 —5,20 5,50— 5,85
Holzkohle... 0,50 1,10
Petroleum (Kiste)... 4 . 6,60—7,20 (1904) 7,20— 7,50
Kerzen (N. Qual. 190 er) PP 0,131 0,1417
Mietszimmer .. } 10-—25 (1904) 22—36
Die Erhöhung der Brotpreise entspricht ungefähr derjenigen der Mehlpreise.
— Die Arbeitslöhne sind nicht im gleichen Verhältnis gestiegen, und
wenn der Arbeiter z. B. 1902 5% seines Einkommens für Brot ausgab, so
kann er heute für diese 5% nur noch 7/,„ des damaligen Quantums kaufen.
— Die für Fleisch angegebenen Zahlen sind die durchschnittlichen Schlacht-
hofpreise, hinzu kommen die beträchtlichen Gewinne des Zwischenhandels.
Inzwischen sind in Buenos Aires die Fleischpreise ganz beträchtlich ge-
stiegen; Rindfleisch auf 0,38 $. Der Grund für die Fleischteuerung wird
auch in Argentinien in dem unverhältnismäßig hohen Verdienst des
Zwischenhandels gesehen. .Im.Milchpreis wird keine Aenderung festgestellt,
doch sagt der Bericht bezeichnend, „daß die Bevölkerung minimal 15 Centavos
für 1 Liter Wasser mit Milch bezahle, in‘ dem guten Glauben, zum min-
desten Milch’ mit Wasser zu erhalten“. Die Preissteigerung der Holzkohle
ist künstlich herbeigeführt, und es wird die Einrichtung von Verkaufsstellen
seitens der Stadtverwaltung empfohlen, um die Preise auf den normalen
Irhöhung der Stand zurückzuführen. Die ungeheure Erhöhung der Wohnungsmieten
Baukosten. &lt;teht im Zusammenhang mit: der enormen Steigerung der Bodenwerte in
Buenos Aires und der‘ Baukosten. Für diese seien noch einige Zahlen des
Berichts angeführt.
1902 12
5 S
Kalk (Cordoba) . # 29,— 50,—
Ziegel, gewöhnliche ... 17,— 32,—
» vepreßte . 25,— 5D.—
Zement (Faß von 180 kg) . 5,20 =
Dachplatten; 43,— 55.—
Maurer pro Tag .. 4 3,50 5.50
Zimmermann pro Tag 3.50 6.—
Ausschaltung Die Bestrebungen, den die Lebensmittel verteuernden Zwischenhandel
des Zwischen- nach Möglichkeit auszuschalten, haben in den letzten Monaten zur Gründung
handel. rschiedener Unternehmungen und Verkaufsgenossenschaften geführt, unter
diesen erregt besonderes Interesse die Sociedad Argentina de Alimentaciön,

IS 1912
180
        <pb n="196" />
        sowohl wegen der Größe des Kapitals, über das sie verfügt — 20 Millionen
Pesos —, "als auch wegen des Programms, das für ihr‘ Wirken aufgestellt
wurde. Die‘ Gesellschaft wird sich befassen 1. mit‘’der Anlage von Gärt-
nereien und Gemüsezüchtereien, in denen alle möglichen Nährpflanzen
gezogen werden sollen, die sich auch für eine industrielle Weiterverarbeitung
eignen, 2. mit der Einrichtung von Fabriken in den wichtigsten Produktions-
zentren des Landes, in denen Konserven aller‘ Art hergestellt werden sollen.
3. mit der Unterhaltung von Verkaufsstellen, in denen sowohl die frischen
Produkte als ’auch die‘ der Fabriken dem Publikum zu billigen Preisen an-
geboten werden, 4, mit der Überlassung kleinerer Bauern-Wirischaften, die
mit allen notwendigen Einrichtungen versehen sind, an geeignete Elemente,
die mit‘ dem Absatz ihrer gesamten Produktion an die Gesellschaft rechnen
können.‘ — Auch die kleineren Landwirte beginnen, sich in‘ Kooperativ-
gesellschaften‘ zusammenzuschließen, )um für ihre Produkte bequeme und
sichere Absatzgelegenheiten zu schaffen. Derartige Genossenschaften be-
stehen bereits in Buenos Aires, Rosario und Cördobai © Ihr ‘Zweck ist; in
erster Linie geeignete Verkaüfslokale‘ bereitzustellen, sodann 'aber auch
auf Verbesserungen der Transportgelegenheiten zu Wasser und zu Lande
sowie der Tarife hinzuwirken und durch Austausch der gegenseitigen Er-
fahrungen die Produktionsmethoden zu verrollkommnen.
Die Einwanderung im Jahre 1912.

Im vergangenen Jahre ist die Einwanderung in Argentinien besonders
stark gewesen und hat mit, einer Gesamtzahl von 323 403‘ Seelen ‚eine
Rekordziffer erreicht, deren Bedeutung für die allgemeine Entwickelung der
Produktion und der verschiedenen Industriezweige sehr groß ist, da ihr
Gedeihben in erster Linie mit von dem Vorhandensein der nötigen Arbeits-
kräfte abhängt.

Ihrer Nationalität nach entfielen von den Eingewanderten auf Spanien Nationalität.
165 662, auf Italien SO 583, auf Rußland 20832, auf die Türkei 19 792, auf
Österreich-Ungarn 6545, auf Frankreich 5 180, auf Portugal 4959, auf
Deutschland 4337, auf Griechenland 3375, auf England 3134, auf Däne-
mark 1316, auf die Schweiz 1005; ferner in geringerer Zahl Bulgaren,
Belgier, Montenegriner, Holländer, Rumänen, Serben, Schweden und Nor-
Wweger, im ganzen 319 028 Europäer, dazu kamen 3350 Amerikaner aller
Art, 858 Asiaten, zum größten Teil (612)! Hindas;* und 4167 0Afrikaner.
Deutschland steht also mit nur 1,3 % der gesamten Einwanderung ’an achter
Stelle. Auffallend ist die verhältnismäßig große Zahl der eingewand«rten
Asiaten, trotzdem das argentinische Einwanderungsgesetz die asiatischen
Rassen ausschließt; für die Anwendung desselben scheinen feste Regeln
Nicht‘ zu bestehen. Wie in viele‘ Staaten Europas kämpft ‚auch Argen-
tinien gegen das Unwesen der Zigeuner, die von Chile heimlich zu-
Wandern‘ Ferner _ hat‘: das Verhalten .‚syrischer “und griechischer Ein-

181
        <pb n="197" />
        wanderer schon wiederholt zu Konflikten ‚mit der Regierung. geführt. In
den. letzten. Monaten: sind. ‚eine Anzahl ‚Kolonisten russischer Nationalität
nach Kanada ausgewandert, doch dürfte; dies für die argentinische Volks-
wirtschaft kein großer Verlust sein, da die Russen lediglich Weizen-Raubbau
zu betreiben. pflegen und keine andere Kultur, nicht einmal den Gemüsebau
für ihren eigenen Bedarf, in Angriff nehmen. , Wenn die Rassenfrage bei
der Einwanderung in Argentinien auch noch nicht so brennend geworden
ist wie in: den Vereinigten Staaten; so wird man, in absehbarer Zeit doch
feste Regeln aufstellen müssen, um bei der Herausbildung ‚der‘ neuen Be-
völkerung Argentiniens einzelne unangenehme Einflüsse nicht zu stark
werden zu lassen.
Vorüber- Die Einwanderer. zerfallen in zwei Kategorien, in solche, die sich mit
ta Vorsatz nach Argentinien begeben, sich dort endgültig und fest nieder-
zulassen, und in solche, .die nur für die Erntezeit hinüberfahren. Letztere
treffen. von. Mitte. ‚Oktober. an im. Lande ein und finden zunächst beim
Schneiden ler „Alfalfa (Luzerne) Beschäftigung. Im Dezember beginnt dann
die Ernte und das Dreschen. der verschiedenen Getreidearten, was bis zum
März und April dauert... Eia, Teil, der Arbeiter bleibt auch noch bis zum
Juni oder Juli zur Bewältigung der Maisernte, die in Argentinien an Be-
eutung die Weizenernte bereits erreicht hat. Dementsprechen«d ist die
Einwanderung am stärksten in den Monaten September bis Dezember un«d
ie Rückwanderung in den Monaten April bis Juni. In der folgenden
Zusammenstellung. geben wir die Zahlen der Ein- und Auswanderer während
der letzten 10 Jahre nebst dem im Lande verbliebenen, Ü’erschuß:
Ein- Einwanderung Auswanderung Einwanderungs-
wanderungs- FOR überschuß
überschuß. 1903. 75 227 40 653 34574
1904- 125.567 38.923 86 644
1905 A 69 aß
1906 A cr VA
1907 CO Y 3
1908 255.710 eE 298
1909. 231 084 94 644 136 440
1910. 289 640 97 854 191 786
Vol 225.772 120.709 105 063
ol. 323 403 120 260 203.143
; Die Zahlen beweisen, daß Argentinien als Ziel der Auswanderung
immer mehr in Aufnahme. kommt, und daß, von den Eingewanderten vop
Jahr zu Jahr mehr im Lande bleiben, trotzdem die argentinische Regierung
im Auslande keine besondere Propaganda für «ie ‚Auswanderung macht
und ‚auch keinerlei Reiseunterstützungen an Auswanderer gewährt. Mit
einer künstlich herbeigeführten Einwanderung, die zu Ende der achtziger
Jahre des - vorigen‘ Jahrhunderis ‚in «der Celmanschen Periode versucht
wurde, und - die Millionen ‚kostete, konnten dauernde Erfolge nicht erzielt

182
        <pb n="198" />
        werden... Im: Gegensatz zu Argentinien unterhält dagegen Brasilien in Italien,
Spanien und Portugal besondere - Auswanderungsagenten, bezahlt die
Passagen. und unterstützt die Eingewanderten auf jede Weise. Trotzdem
erreicht .‚die Zahl ‚der. im. vorigen‘ Jahre ‚in Brasilien Eingewanderten mit
180 182 Personen bei weitem 'nicht diejenige der nach Argentinien Einge-
wanderten. Auch im laufenden Jahre.hat die Einwanderung nach Argen-
tinien : eine ‚weitere Steigerung erfahren, so sind z.B: im: März ca. 26300
Personen eingewandert gegen 17470 im Vorjahre, auch die‘, Aprilziffer
von 15 930. übertrifft die‘ vorjährige,

Im Anschluß an die Einwanderungsfrage sei erwähnt, daß seitens des Naturali-
Ministers des Innern eine allgemeine Zählung der in Argentinien naturali- sierung.
sierten. Ausländer angeordnet worden war. Diese Arbeit ist nunmehr voll-
endet worden und hat ergeben, daß es in Buenos Aires 17 365 und in «den
Provinzen 7493 ‚naturalisierte., Personen g.bt. Hinsichtlich der National-
territorien war es unmöglich, ein richtiges Ergebnis zu erhalten, da ie zur
Feststellung nötigen Vorbedingungen fehlten.

Verschiedenes.

Die argentinische Gefrierfleischindustrie macht z. Zt. eine schwere
Krise durch. Die in Argentinien bestehenden 7 Gesellschaften hatten im
Jahre 1911 ein Abkommen geschlossen, in welchem das von jeder einzelnen
Gesellschaft zu verschiffende Quantum Gefrierfleisch festgesetzt worden war,
um auf diese Weise die Preise auf. einer gewissen Höhe zu halten. Am
5.-April ds.:Js. erklärte die Gesellschaft: La Blanca, daß sie ihre Quote er-
höht zu sehen wünsche, und als die übrigen Gesellschaften dies ablehnten,
wurde das Übereinkommen von 1911 nicht wieder erneuert;:‘ Die‘ Ver-
schiffungen von argentinischem Gefrierfleisch nahmen darauf im Laufe des
April beträchtlich zu und die Folge war ein Preisfall auf dem Londoner
Markte, der schließlich gegen Ende April ungefähr 2 d. per Pfund für das
beste Gefrierfleisch betrug. Die größeren Ankünfte auf dem englischen
Markte reichen jedoch für eine Erklärung dieses Preissturzes nicht aus,
denn er bedeutet einen Verlust von 40—50 $ m/'n auf jedes - geschlachtete
Tier. und es‘ hat den ‘Anschein; als ob nunmehr ein schwerer Konkurrenz-
kampf zwischen den einzelnen Gruppen der Gefrieranstalten begonnen hat.
Von den sieben Gesellschaften sind zwei rein argentinische, drei englische
und zwei, wenn sie auch als argentinische Gesellschaften eingetragen sind,
im Besitz von nordamerikanischen Firmen, die zum Beef-Trust gehören.

Die beiden letzten Gesellschaften, La Plata Cold Storage Company und
La Blanca, haben ihre Einrichtungen in der letzten Zeit beträchtlich ver-
größert, und die Lage der La Plata Cold‘ Storage Company wird dadurch
noch bedeutend verbessert, daß sie Steuerfreiheit genießt. Die fünf Ge-
sellschaften, welche nicht vom Beeftrust kontrolliert werden, haben die
Hilfe der argentinischen Regierung angerufen. und der Kongreß wird sich

183
        <pb n="199" />
        wahrscheinlich bald mit der Frage beschäftigen. Die Angelegenheit ist
von größter Bedeutung, nicht nur für die Gefrierfieischanstalten, sondern
auch für die Viehzüchter, denn diese werden voraussichtlich den Schaden
zu tragen haben, wenn das‘ Vorgehen des Trusts Erfolg hat. Die Preise
des Viehs, das sich für die Gefrierfleischindustrie eignet, sind gegenwärtig
mindestens 50—709/, höher “als vor zwei bis drei Jahren, und wenn sie
auch z. T. auf die Dürre von 1910/11 ‘zurückzuführen sind, so besteht doch
auch die Meinung, daß sie. vom‘ Trust künstlich höchgeschraubt wurden,
um «die Lage der Konkurrenzgesellschaften möglichst zu verschlechtern.
Siegt der Trust in dem Kampfe, so werden ie Viehpreise wahrscheinlich
wieder ganz beträchtlich fallen, und die Vichzüchter haben daher alle Ur-
sache, dem Vorgehen der beiden Gesellschaften 'so viel wie möglich ent-
gegenzuwirken. — Man glaubt auch, daß die’ Kündigung des‘ Abkommens
von 1911 darauf zurückzuführen ist, daß in absehbarer Zeit der nord-
amerikanische Markt für die Fleischeinfuhr geöffnet werden wird, und daß
aus diesem Grunde der Beeftrust. versucht, sich des Wettbewerbs‘ der
anderen fünf argentinischen Gesellschaften bei Zeiten zu entledigen, um
sich die alleinige Kontrolle über die nordamerikanische Fleischindustrie zu
bewahren. — Der durch den Preisfall verursachte Verlust wird auf 500 000 £
per Monat geschätzt, und es ist ‚klar, ‚daß unter diesen Umständen rasch
Maßnahmen getroffen werden müssen, um wieder normale Umstände herbei-
zuführen, wenn die argentinische Volkswirtschaft nicht einen sehr schweren
Schaden erleiden soll.

Der Rückgang der Einfuhr Deutschlands nach Argentinien, auf den
wir, bereits im vorigen Hefte unserer „„‚Mitteilungen‘“ hingewiesen. haben,
ist als Warnungszeichen dafür anzusehen, daß unsere Stellung im argen-
tinischen Handel bedroht ist, und muß.als solches dauernd im Auge be-
halten werden. - Das. Land, das Deutschland binnen kurzem den zweiten
Platz in der Einfuhr. nach Argentinien streitig machen wird, sind die Ver-
einigten Staaten, die den Wert ihrer Einfuhr im vorigen Jahre um ca. 13 %
steigern konnten, während die deutsche Einfuhr dem Werte nach um. fast
3% abnahm.. Der Rückschlag. ist. um so auffallender, als noch im Jahre
1909/10 ‚eine Zunahme von 47,8 % stattgefunden. hatte. Im gleichen Zeit-
raum hatte auch der Handel der Vereinigten Staaten einen gewaltigen
Sprung vorwärts gemacht, bezifferte sich, doch seine Einfuhrzunahme | im
Jahre 1910 gegenüber dem Vorjabre auf 85,7 %. Die folgende Zusammen-
tellung vergleicht die Einfuhrzahlen beider Länder während der letzten 4 Jahre‘

$ Gold Deutschland Ver. Staaten
1909 41 353 332 26 066 790
1910 61 128888 48 418 892
1911 65 862 211 52 353 390
4912 63 941 5038 59126 931

184
        <pb n="200" />
        Der Grund für den wachsenden Einfluß der Vereinigten Staaten dürfte
in erster Linie darin zu suchen sein, daß’ diese vermittelst ihrer großartigen
Handels-Organisation die’ argentinische Landwirtschaft sowohl als Lieferanten
wie als Abnehmer stark beeinflussen. Auf’der einen Seite‘ besteht das’ fast
unangreifbare Monopol der amerikanischen Industrie der Jandwirtschaftlichen
Maschinen, auf der anderen brachte die Gefrierfleischindustrie unter ameri-
kanischer Führung der Viehzucht glänzende Preise. Dazu kommt, daß die
Vereinigten Staaten in den letzten Jahren immer neue Kapitalmassen in
Argentinien investierten, während Deutschland hiergegen bei dem auf dem
internationalen Kapitalmarkte lastenden Druck nichts aufbieten konnte. Eine
Abschwächung dieses Einflusses ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten,
und Deutschlands Handel und Industrie werden gezwungen sein, dem mit allen
Mitteln arbeitenden Wettbewerb der Vereinigten Staaten ständig neue Maß-
nahmen entgegenzusetzen, um nicht in den Hintergrund gedrängt zu werden.
Als derartige Maßnahme ist z. B. der vom Deutsch- Argentinischen Central-
verband begründete Stipendienfonds für junge Argentiner, die in' Deutsch-
land studieren wollen, anzusehen, der namentlich auch in Argentinien viel-
seitige Anerkennung gefunden hat, und der Verband wird daher bemüht
bleiben, diese Einrichtung noch nach Möglichkeit auszubauen. Als weiteres
Mittel zur Propaganda für die deutsche Industrie ist der Verband im Begriff,
im Anschluß an die argentinischen Fachschulen eine ständige Ausstellung
von Maschinen, Apparaten usw. ins Leben Zu rufen, die den argentinischen
Technikern und sonstigen interessierten, Kreisen ‚die | Leistungsfähigkeit
Deutschlands auf industriellem Gebiet dauernd vor Augen führen soll.
Ferner plant der Verband, in Argentinien eine Reihe von Vorträgen von
kompetenten Persönlichkeiten halten zu lassen, durch welche die Kenntnis
der großen Errungenschaften Deutschlands auf allen Gebieten der Wissen-
schaft und Technik in weitere Kreise getragen werden, soll. Angesichts
der vielseit'gen Propaganda, welche die V ereinigten Staaten betreiben, die
der argentinischen Jugend ‘auf ihren Hochschulen Vergünstigungen ein-
räumen, die Studienkommissionen nach Argentinien entsenden, um direkte
intellektuelle und Handelsbeziehungen anzuknüpfen, die ständige Muster-
ausstellungen. amerikanischer Waren in. Argentinien einrichten, und die ‚in
ihren Reklame-Ideen ‘so. weit, gehen, daß ‚in Washington allen, Ernstes, der
Antrag gestellt wurde, durch Einrichtung von Musterausstellungen auf den
amerikanischen Kriegsschiffen . diese für den Handel nutzbar zu machen,
glaubt der Verband, mit seinen Arbeiten auf dem richtigen Wege zu sein und
rechnet hierbei auf die werktätige Unterstützung: von Industrie und. Handel.

Die staatliche Hypothekenbank hat Anfang Mai die nachgesuchte
Ermächtigung zur Emission von C6dulas im Werte von 25 Millionen $ er-
halten. Hiermit ist der im Statut der Bank vorgesehene Höchstumlaufswert
von 500 Millionen $ Cedulas erreicht; Bereits im vorigen Hefte unserer

185
        <pb n="201" />
        Aa UT aa mt walcher. (12;
Mitteilungen hatten wir auf die Schnelligkeit hingewiesen, mit welcher der
von der Hypothekenbank zur Verfügung gestellte Kredit in Anspruch. ge-
nommen wird, und in der. Tat hat das Institut wenige Tage, nachdem die
statutenmäßige Ausg abeziffer erreicht war, bei der Regierung. den Antrag
gestellt, das Bank-tatut dahin umzuändern, daß der Höchstumlaufswert a
Cödulas nicht mehr 500. Millionen Pesos sondern 1000 Millionen Peso
beträgt. Das Direktorium der Bank begründet den Antrag mit dem fort-
dauernd steigenden Bedürfnis nach staatlich garantiertem Hypothekarkredit.
Die in. Argentinien z. Zt. in Hypotheken angelegte Summe wird, auf
1500 Millionen. $ angegeben, von denen also nur der dritte: Teil den Vor
teil eines gemäßigteren Zinssatzes genießt, denn dem privaten. Darlehns-
yeber sind. bedeutend mehr Zinsen, zu zahlen: —. Der ‚relativ, leicht zu ‚er
haltende staatliche Hypothekarkredit hat die große Preissteigerung des
tädtischen Grundbesitzes in den letzten Jahren nicht unwesentlich unter-
stützt. Es wäre zu wünschen, daß dieses Feld_der Kreditgewährung‘ dem
Privatkapital überlassen bliebe, das an sich durch den höheren‘ Zinssatz
lafür sorgen würde, daß die Entwicklung in natürlichen Bahnen bleibt.
Der staatliche Hypothekarkredit, dagegen sollte in erster Linie dem ländlichen
rundbesitz zur Verfügung stehen, da hier die Gewährung von Hypothekeı
zu mäßigem Zinssatz der Entwicklung der gesamten Volkswirtschaft
förderlich ist.
Die Botschaft des Präsidenten, mit der am 6; Mai die 52. Sitzungs
periode des argentinischen Kongresses eröftnet wurde, entwirft ein glänzendes
3ild von der wirtschaftlichen Lage des‘ Landes. Zunächst werden die
eizten Wahlen besprochen, in denen die sozialistische Partei den Sieg
lavontrug; wenn auch hierin eine Gefahr für die Regierung nicht erblick
vird, so soll doch dafür gesorgt werden, daß das eingeborene Elemen
un'er den argentinischen Bürgern durch eine zu freigebige Verleihung‘ de
Bürgerrechts an Eingewanderte_ nicht in 'die Minderheit gedrängt werde.
Die innere Entwicklung des Landes hat ruhige Fortschritte gemacht und
die Beziehungen zu fremden Mächten sind dauernd gute gewesen. „Ueber
die Finanzen wird gesagt, daß der nationale Reichtum im' Zunehmen  be-
griffen ist und daß überall die Anzeichen gesteigerter Tätigkeit sich mehren;
infolgedessen hofft man bald an die Lösung der Währüungsfrage gehen #
können. Mit den Einnahmen sind auch ‚die Ausgaben gewaltig gestiegen,
und den Behörden wird möglichste Sparsamkeit zur Pflicht gemacht,‘ d:
die Aufnahme neuer Anleihen nicht beabsichtigt ist. Die Botschaft m
weiter fest, daß die Rechtspflege normal. funktioniere, und daß sich de
öffentliche Unterricht in_der Hauptstadt und in den Provinzen immer mehr
usbreite; insbesondere wird auf, die neuerliche Gründung von Industrie-,
Jandels- und -Gewerbeschulen hingewiesen, die | entsprechend_ der ' großen
Bedeutung,‘ die sie für die wirtschaftliche Entwickelung haben, soviel als
möglich vermehrt werden sollen. Inder Armee trägt die allgemeine

186
        <pb n="202" />
        Wehrpflicht in der Organisation der _Reserven_ ihre' ersten Früchte. Die,
Beschaffung des gesetzlich vorgesehenen Kriegsmaterials ist vollendet bis
auf die Erwerbung : von Material für das Genie- und Sanitätswesen, mit
essen Ankauf indessen bereits besondere Kommissionen beauftragt sind.
in dem die Marine behandelnden Abschnitt wird besonders auf die mit den
in Deutschland gekauften Hochseetorpedobooten erzielten guten Resultate
hingewiesen. Als Betriebskraft für die neuen Schiffe soll nach Möglichkei
argentinisches. Petroleum verwendet werden. Die landwirtschaftlich be-
yutzte Bodenfläche der Republick die sich nunmehr über 22.993 000_h?
erstreckt, hat gegen das Vorjahr eine Vermehrung‘ von 1109000 ha er-
fahren. Die Ernte des laufenden Jahres wird unter Zusammenfassung von
Veizen, Leinsaat, Hafer und Mais auf 13 000 000 Tonnen angegeben. Die
"orlage eines neuen Gesetzes, wird in Aussicht gestellt, das dazu dienen
soll, den Export der landwirtschaftlichen Produkte und den Samenhande
km Innern des Landes zu regeln... Ebenso: wird ein Gesetzentwurf zum
Schutze der Waldreichtümer des Landes demnächst dem Kongreß vorgelegt
verden. .. Die auf dem inneren Markte gegenwärtig nicht zu befriedigende
achfrage nach Vieh wird darauf zurückgeführt, daß die Ausdehnuug der
für die Viehzucht bestimmten Kämpe infolge des Anbaus von Futter-
gräsern bedeutend größer geworden ist. Auch die Viehmärkte sollen
gesetzlich neu organisiert werden, wovon man sich eine günstige Rück-
wirkung auf die Viehzucht verspricht. Ferner geht die Botschaft au
die Bedeutung der Petroleumlager sowie auf die Einwanderungsstatistik
ein, über die wir an anderer Stelle ausführlich berichten. Der Ausba
der Eisenbahnen wird weiter gefördert, die Hafenneubauten der Haupt-
stadt konnten dem Betriebe übergeben werden. Weitere Hafenbauten so-
wohl. in der Hauptstadt wie, in Mar del Plata, Quequen Grande und im
Kriegshafen von Bahia Blanca werden fortgesetzt. Ebenso wird mit Nach-
ruck an der Ausführung der Bewässerungsarbeiten in den verschiedenen
Teilen des Landes weitergearbeitet. Die im Gebiete von Buenos Aires noch
der Wasserleitung und Kanalisation” entbehrende Zone im Umfang von
16016 ha soll“ binnen 6 Jahren saniert werden. In den Nationalterritorier
wurden dia geplanten öffentlichen Arbeiten weitergeführt und die hierfü
notwendigen Mittel durch einen besonderen Erlaß bereitgestellt. — Die Bot-
schaft schließt mit der Ankündigung einer neuen Volkszählung, die Argen
tinien in die Lage versetzen soll, die Größe seiner Fortschritte im Zeit
punkte der Tahrhundertfeier seiner Unabhängigkeit zahlenmäßig darzustellen
ie Sonderbotschaft der argentinischen Regierung, welche Deutsch-
land die freundschaftlichen Ehrenbezeugungen erwidern sollte, die der Re-
publik gelegentlich der Centenarfeier_zu Teil wurden, hat sich in_Erfüllung
ihrer Mission vom 23. Mai bis 10. Juni in Deutschland aufgehalten, Wir
Werden eine ausführliche Würdigung dieses Besuches im nächsten Hefte

197
        <pb n="203" />
        Die folgenden argentinischen Offiziere sind seitens des Kriegs-
ministeriums ‚vom nächsten‘ Jahr. ab für 2 ‚Jahre nach ‚Deutschland zur
Dienstleistung in der deutschen Armee abkommandiert worden. — Von der
Infanterie: Hauptleute Vicente Berasategui und Avelino J. Alvarez; Ober-
leutnants Ismael  Gordillo, Enrique Mosquera, Raul M. Reynoso, Bartolome
Descalzo und Jacinto Hernandez; — Kavallerie: Oberleutnants Abraham
Schweizer; Florencio Campos und Jose M. Ruda; — Artillerie: Oberleutnants
Enrique‘ P. Harraca, Juan Pierrestegui und Adolfo [. Espindola.

Zum Vizekonsul der Republik Argentinien in Cassel wurde Herr
Carlos_Grebe}jermannt.

Gesetze und Verordnungen.
Verordnung betr. den Passagierverkehr, Tarif und Fahrplan der Dampfer
mit Postprivileg.

Ueber. den Passagierverkehr, die, Tarife und Fahrpläne der Dampfer
mit Postprivileg hat die argentinische Regierung unter dem 31. März d. J.
eine Verordnung erlassen in Ergänzung des Gesetzes Nr. 7049 über die
Küsten- und Flußschiffahrt vom Jahre 1910, der Verordnung vom 10. Februar
1911 und der Gesetze Nr. 2873 bzw. 816. Die neuen Vorschriften bedeuten
einen scharfen Eingriff in die Verwaltungsangelegenheiten der Schiffahrts-
gesellschaften; die Regierung begründet indessen ihr: Vorgehen damit, daß
sie verpflichtet sei, über die treuliche Erfüllung der Bestimmungen zu wachen,
die für die Sicherheit der Passagiere erlassen sind. Der Inhalt des_Dekrets
ist folgender:

Art. 1. Die Verwaltungsbefugnisse, die bei Landtransporten der General-
direktion‘ der Eisenbahnen. gemäß dem Gesetz Nr. 2873 zustehen, sollen in
der Folge für‘ alle Wassertransporte_von_ der. Generalhafendirektion_ausgeübt
werden.

Art. "2, Jeder: Passagier an Bord hat! den Anordnungen ‚des Kapitäns
unbedingt Folge: zu ‚leisten. in allem; ! was: sich auf die. Handhabung ;' der
polizeilichen Gewalt und auf die Aufrechterhaltung der Ordnung auf dem
Schiff bezieht; ebenso ist der Kapitän verpflichtet, jede Anzeige oder Be-
schwerde eines Passagiers genau zu prüfen,

Art. 3... Jeder Passagier ‚hat das, unbedingte, Recht auf Beförderung
bis zu dem: Hafen oder Bestimmungsort, der auf seinem Fahrschein angegeben
ist, ohne daß die Schiffahrtsgesellschaft für die Weiterbeförderung mit einen?
anderen Fahrzeuge, die während der Reise aus irgendeinem Grunde _not-
wendig werden sollte, eine Entschädigung verlangen darf.

; Art. 4. In. den; , Fahrpreis .ist.;der.. Entgelt) für die Schlafgelegenheit,
Mahlzeiten und sonstige ‚an Bord übliche gewöhnliche Dienstleistungen ein
geschlossen zu erachten, sofern nicht anderweitige Abmachungen getroffen. sind.

‚Art. 5... Den, Passagieren. ‚ist ‚es; verboten: }

a) sich auf der Kommandobrücke oder im Steuerhaus aufzuhalten;

b) sich in der Zeit von 12 Uhr nachts, bis 6 Uhr morgens außerhalb

der Gesellschaftszimmer oder des Smneisesaals zu unterhalten;

188
        <pb n="204" />
        5:4) nach, Mitternacht auf den Teilen des Decks zu promenieren, unter
"ua 3 welchen. sich. Kabinen. befinden;
1 N irgendwelchen Lärm oder Musik zu machen, zu singen oder sonstige

— Handlungen zu vollführen, die geeignet sind, den Schlaf der Passa-
w giere zu stören, mit Ausnahme des besonderen Falles, daß allgemeine

Festlichkeiten an Bord abgehalten werden.

Art. 6. Die mit Postprivileg ausgestatteten Dampfer, welche Passagiere
hach‘ einem festen Fahrplan befördern, müssen am Bestimmungsorte und
an den Zwischenstationen zu den festgesetzten Zeiten ankommen.
"Art. 7. Trifft ein Schiff an einem Orte mit merklicher Verspätung:
ein, 'so ist der Kapitän verpflichtet, die Ursache der Hafenpolizei mitzuteilen
und im Schiffsbuch eine entsprechende Eintragung zu machen.

; Art. 8. Wenn ein Schiff verfrüht eintrifft, soll es von der Hafenpolizei
trotzdem: erst zur fahrplanmäßigen Stunde die Erlaubnis zur Weiterfahrt
erhalten.

&gt; Art. 9. Alle‘ Vorfälle, ‘die eine Verzögerung der Reise hervorrufen,
Sind in das Schiffsjournal‘ einzutragen; unterbleibt dies, so wird bis zum
Beweise ‚des Gegenteils angenommen, daß ein Fall höherer Gewalt nicht
Vorgelegen hat.

Art. 10. Wenn ein Schiff verfrüht oder verspätet eintrifft, sind die
Beamten der Hafenpolizei verpflichtet, die Ursache der Abweichung vom
Fahrplan im. Schiffsjournal zu prüfen und dem Generalhafendirektor durch
Vermittlung: des Vorstandes der betr. Präfektur hiervon Kenntnis zu geben.

Art. 11. In dem Verwaltungsbureau an Bord hat sich ein Beschwerde-
buch zu befinden, in das die Passagiere ihre Beschwerden einschreiben können.
Der Kapitän ist verpflichtet, dasselbe auf Verlangen vorzulegen und jede
Eingetragene Beschwerde unaufgefordert im nächsten Hafenplatz der Hafen-
Polizei mitzuteilen, welche die Schritte einleiten wird, die nach der Natur
des Falles erforderlich sind.

N = Art. 12. Das Vorhandensein eines Beschwerdebuches ist den Passagieren
durch einen auffallenden Anschlag zur Kenntnis zu bringen.

Art. 13. Wenn Fahrscheine für Ortschaften ausgegeben werden, die

dur im Umsteigeverkehr zu erreichen sind, so sind auf der Rückseite des
Fahrscheines die Vorschriften des Art. 3 dieser Verordnung sowie der Fahr-
Plan und sonstige für den Passagier bezüglich des Umsteigeverkehrs wissens-
Werte ‘Angaben abzudrucken.
"Art. 14. Der Umsteigeverkehr hat an den Orten und zu den Zeiten
Stattzufinden, die in den Fahrplänen angegeben sind, welche die Schiffahrts-
Stsellschafter. gemäß den Vorschriften der Art. 7 und 20 dieses Dekrets
ZU veröffentlichen haben.

‚Art. 15. Jeder Umsteigeverkehr in Booten, Kähnen, Segel- oder sonstigen
Schiffen, welche nach Ansicht der Hafenpolizei ‚nicht die nötige Sicherheit
Und Bequemlichkeit bieten, ist verboten.

) Art. 16. Unter keinen Umständen, außer mit ausdrücklicher schriftlicher
Genehmigung der Generalhafendirektion, darf sich der Umsteigeverkehr an
Anderen Orten und zu anderen Zeiten vollziehen, als in den behördlich ge-
"ehmigten Fahrplänen angegeben ist.

Et Art. 17. .In den Häfen und Ortschaften, in denen die Passagiere aus
Sem kleineren. in.ein größeres: Schiff umsteigen, darf das kleinere am Um-

189
        <pb n="205" />
        steigeort nicht länger als eine halbe Stunde vorher ankommen. ‘Die Agenten
des größeren Schiffes haben dem kleineren Schiff zu diesem Zweck die nötigen
Anweisungen zu geben, um den Passagieren die mit dem Aufenthalt auf dem
kleineren Schiff verbundenen Unbequemlichkeiten nach Möglichkeit abzukürzen.
Umgekehrt gelten die entsprechenden Vorschriften auch für den Umsteige-
verkehr von dem größeren in das kleinere Schiff.

Art. 18. Der Umsteigeverkehr darf nur zu, den folgenden Zeiten statt-
finden: im Dezember, Januar und, Februar. von, 4 Uhr morgens bis 12 Uhr
nachts, im März, April und Mai von 6 Uhr morgens bis ‚9 Uhr abends, im
Juni, Juli und August von 7 Uhr morgens bis 6 Uhr abends, im September,
Oktober, November von 5 Uhr morgens bis 10 Uhr abends.

Art. 19... Die. argentinischen Schiffahrtsgesellschaften, die einen. oder
mehrere. Schnelldampfer mit Postprivileg fahrplanmäßig laufen lassen, sind, ver-
pflichtet, der Generalhafendirektion mindestens 30 Tage vor dem 1. Juni, bzw.
1. Dezember jedes Jahres eine Liste ‚der Schnelldampfer nebst "Tarif und
Fahrplan für den Passagierverkehr zur Genehmigung einzureichen.

Art. 20. Nach ihrer Genehmigung sind die im vorhergehenden Artikel
erwähnten Fahrpläne zu drucken, zu veröffentlichen und _50 Exemplare an die
Schiffahrtsbehörde einzusenden.

Art. 21. Aenderungen in den festgesetzten Fahrplänen und Tarifen sind
nur mit Erlaubnis der Generalhafendirektion gestattet bei Strafe der Entziehung
des Patents. Jeder Wechsel der Schiffe ist der Schiffahrtsbehörde anzuzeigen.

Arı 22. Die Generalhafendirektion ist ermächtigt, die von den Schiffahrts-
gesellschaften zur Genehmigung eingereichten Tarife und Fahrpläne abzulehne®
oder zu ändern, zu welchem Zweck eine Spezialkommission ernannt wird.
Im Falle der Zurückweisung eines . Tarifes oder Fahrplanes. hat die. betr.
Schiffahrtsgesellschaft innerhalb 5 Tagen nach Bekanntgabe einen neuen Tarif
oder Fahrplan einzureichen, widrigenfalls sie der im Art. 21 festgesetzten
Strafe verfällt. Die genehmigten Tarife und Fahrpläne dürfen vor den im
Art. 19 genannten Zeitpunkten nicht in Kraft gesetzt werden.

Art. 23. Gegen die Entscheidungen der Generalhafendirektion bezüglich
der Tarife und Fahrpläne kann beim Marineministerium Einspruch. erhobe?
werden.

Art. 24. Kein unter argentinischer Flagge ‚fahrendes‘ Schiff, das zur
Beförderung von Waren oder Passagieren bestimmt ist, darf sich weigerP,
die bei dem Reeder, Agenten oder Kapitän angemeldeten Personen oder
eingelieferten Waren nach ihrem Bestimmungsort ._zu__ bringen, . außer es
handle sich:

1. bei Waren um nicht gezeichnete Pakete, Kisten usw. oder solche,
deren Signaturen ungenügend sind oder die den bestehenden Sicherheits”
vorschriften nicht entsprechen;

9. bei Passagieren um Schwerkränke, deren Leben während der Reis®
gefährdet erscheint oder die mit einer ansteckenden _Krankheit_.be
haftet sind.

Art. 25. Den für den Passagierverkehr bestimmten Schiffen ist es ver“

boten, mehr als 50 Kolli feuergefährlicher Ware mitzunehmen. Diese sind
entsprechend den bestehenden. Sondervorschriften zu verstauen,

1090
        <pb n="206" />
        Art. 26. Die Dampfer mit Postprivileg und festem Fahrplan und sonstige
für den Passagierverkehr ' bestimmte Schiffe müssen an den im Fahrplan
genannten Landungsplätzen anlegen, außer in Fällen höherer Gewalt, die als
solche von der Schiffahrtsbehörde anerkannt sind.

Art. 27. Die Vorschriften des‘ Gesetzes‘ Nr. 2873 nebst Ausführungs-
bestimmungen, betreffend den Eisenbahnverkehr, sind in allen in dieser Ver-
ordnunz nicht‘ genannten Fällen entsprechend auf den Schiffahrtsverkehr
anzuwenden.

Art. 28. Die Schiffahrtsbehörde‘ wird feststellen, wieviel Passagiere auf
jedem Dampfer untergebracht werden können, ohne daß ihre Bequemlichkeit
leidet, und eine entsprechende Veröffentlichung auf jedem Dampfer an-
bringen lassen. Ebenso wird die Höchstzahl der für jeden‘ Vergnügungs-
dampfer zulässigen Personen öffentlich bekanntgemacht werden.

Art. 29. Jede Uebertretung der vorstehenden Bestimmungen wird, je
nach den Umständen, mit Strafen von 100 bis 1000 $ belegt, gleichgültig,
ob es sich um Passagiere, Reeder oder Kapitäne handelt; den letzteren kann
auch das Patent für einen Zeitraum bis zu einem Monat entzogen werden.

Art. 30. Im Wiederholungsfalle wird die Strafe verdoppelt bzw. die Ent-
ziehung des Patents entsprechend verlängert.

Art. 31. Die verhängten Strafen werden den bestehenden Gesetzen -ent-
sprechend vollzogen, sofern nach diesen eine höhere Strafe nicht verwirkt ist.
Als Wiederholungsfall: wird ein Verstoß gegen dieses Dekret auch ‚angesehen,
wenn die Verstöße von. verschiedenen Schiffen ein und derselben Gesellschaft
geschehen.

Die Vereinigung der Reeder der Küstenschiffahrt, welche - die Be-
stimmungen des Dekretes natürlich als überaus lästig empfindet; hat” dagegen
eine lebhafte Agitation ins Werk gesetzt. Hauptsächlich wird bemängelt die
Verpflichtung, für den Flußverkehr feste Fahrpläne aufzustellen. sowie die Ein-
mischung in die Tarife und die Androhung von Geldstrafen, ferner die An-
wendung der für den Bahnverkehr gültigen Vorschriften auf den Schiffahrts-
verkehr. Insbesondere wird auch darauf hingewiesen, daß der Erlaß über
die Kompetenz des Marineministeriums hinausgehe, indessen dürfte. gerade
in der Vereinigung der Aufsichtsbefugnisse bei einer einzigen Behörde einer
der wesentlichsten Vorteile der Verordnung zu erblicken sein.

Bestrafung von Scheck-Vergehen.

Der Gebrauch des Schecks als Zahlungsmittel war bisher in Argentinien
Stark eingeschränkt dadurch, daß zur Verfolgung des Mißbrauchs die gesetz-
liche: Handhabe fehlte: Diese, Lücke des Gesetzes ist. nunmehr ‚durch. eine
Novelle zum argentinischen Strafgesetzbuch ausgefüllt worden, die dem
Artikel 203 : desselben als neuen, Abschnitt die folgenden Bestimmungen
hinzufügt:

„Wer Schecks in Zahlung gibt, ohne ein entsprechendes Guthaben zu
besitzen oder zu einer ungedeckten Entnahme berechtigt zu sein, unterliegt
den in Abschnitt 1 und 2 des vorhergehenden Artikels vorgesehenen Strafen,
Sofern er nicht innerhalb 24 Stunden nach erfolgtem Protest den Betrag
Vergütet.‘“‘

Die vorgesehene Strafe ist die gleiche wie für Betrug, d. h. 1 bis 3 Jahre
Gefängnis, wenn es sich um einen Betrag unter 500 $ handelt, und 3 bis 10
Jahre Zuchthaus, falls die fragliche Summe den Betrag von 500 $ übersteigt.

191
        <pb n="207" />
        N Lagerung zollpflichtiger Waren in privaten Lagerhäusern.

Die Lagerung: zollpflichtiger Waren in privaten Lagerhäusern ist durch
eine Verordnung neu geregelt worden, nachdem eine Reihe von Begünstigungen
privater Unternehmungen seitens der Zollbehörde aufgedeckt worden ‚war.
Hiernach sind sämtliche Handelswaren in die staatlichen Lagerhäuser zu über-
führen, und nur, wenn in diesen nicht genügend Platz vorhanden ist, dürfen
sie ‚in. privaten Lagerhäusern untergebracht werden. Die in ‚Art. 269 der
Ordenanzas de Aduana aufgeführten Waren, wie feuergefährliche Artikel, Teer,
Anker, Ziegelsteine und Kacheln, Kalk und Gips, Steinkohle, Werg, Eisen
in Barren, Holz, unverpackte große Maschinen, Steine, Salz, Salpeter ‚und
ähnliche Waren, die in Privatlagerräumen untergebracht werden können, sollen
nur in folgenden Fällen dorthin übergeführt werden dürfen:

a) wenn in den öffentlichen Lagerhäusern, Schuppen und sonstigen Auf-

bewahrungsräumen kein Platz vorhanden ist;

b) wenn sie direkt an die Inhaber von Privatlagerhäusern konsigniert sind;

c) wenn sie feuergefährlich oder aus: irgendeinem anderen: Grunde für

die mitlagernden Waren schädlich sind.

Wenn der in den öffentlichen Lagerhäusern vorhandene Raum zur Auf-
bewahrung einer ganzen Warenpartie, die unter den Art. 269 der Ordenanzas
de .Aduana fallen würde, nicht ausreicht, so ist die ganze Partie _einem/' Privat-
lagerhaus zu ‘überweisen.

Lager-, Krahn- und statistische Gebühren der Sendungen ohne Wert.

Unter dem 31. März 1913 wurde eine Verordnung erlassen, nach welcher
Sendungen ohne Wert von Lager-, Krahn- und statistischen Gebühren be-
freit sein sollen.

Erhöhung des zulässigen Gewichts für Pakete nach Argentinien,

Das Gewicht der gewöhnlichen Pakete, die den Empfängern durch Ver-
mittlung ‘der argentinischen Postverwaltung zugestellt werden können, ist von
Anfang Juni ab von 5 auf 10 kg erhöht worden. Die Gebühr für Pakete
über 5 bis 10 kg nach Argentinien beträgt von Hamburg ab 5 Mark, für Pakete
nach der Südküste Argentiniens, nach Feuerland und den vorgelagerten Inseln
6 Mark. Konsulats- und Nebengebühren werden nicht erhoben. Zu beachten ist,
daß außer der ‚genannten Gebühr für die Sendung der Pakete nach Hamburg
das übliche deutsche Paketporto zu entrichten ist.

ST NWS FF
P )
Druck von PASS &amp; GARLEB G.m:b. H., Berlin W. 57, Bülowstr. 66
        <pb n="208" />
        Argentinische Finanzen.

Nachdem das erste Halbjahr. bereits verflossen war, ist endlich der . Budget
Voranschlag für 1913 von beiden Kammern bewilligt und von der Regierung für 1313.
veröffentlicht worden. Die ordentlichen Ausgaben verteilen sich wie folgt
auf die einzelnen Ressorts (zum Vergleich. werden auch die entsprechenden
Ziffern des Vorjahres angeführt):

1913 1912

Nationalkongreß... 4 891 320 5178 580

Inneres“. 46 799 301,12 45 588 047
Ministerium des Äußern und Kultus 5 052 241,65 5 089 471,78
Ministerium der Finanzen ... ... 22031 100 19 703 218,48
Staatsschuldenverwaltung . . . + 83 936 194,43 76 608 168,95
Justiz- und Unterrichtswesen . ... . 56 886 587,81 53 079 657,49
Armee“. 29 840 596,74 29128 262,20
Marine 4, A A A LA A. 26 083 313,81 28 227 400,40
Ackerbau”... 2 A eu 15517 037,50 15291 156,20

Öffentliche Arbeiten N 8 637 960 8 339 760

Pensionen. , 13.192 000 12512000

Rüstungen .. A 10 300 000 18 000 000
323 105.873,06 _ "316 740,722,62
Wie man sieht, betragen die Mehrausgaben gegenüber dem Vorjahre unge-
fähr 6 Millionen Pesos; da aber im Jahre 1913 nur 10,3 Millionen Pesos
für Neubewaffnung und militärische Ausrüstung gegen 18 Millionen Pesos
im Vorjahre ausgeworfen sind, betragen die Mehrausgaben für die Ver-
waltung in Wirklichkeit ca, 14 Millionen Pesos, Hiervon entfallen über die
Hälfte auf den öffentlichen Schuldendienst, der gegenwärtig ungefähr 25%,
der ordentlichen Einnahmen in Ansprüch nimmt. Besondere Beachtung
verdient der für Pensionen ausgeworfene Betrag angesichts der Tatsache,
daß die entsprechende Summe im Budget für 1905 nur 4,7 Millionen Pesos
betrug, sich also in !der kurzen Zeit von sieben Jahren fast verdreifacht hat.
Die ordentlichen in Gold erhobenen Einnahmen werden auf 92 581 681,37
Pesos gegen 89281. 681,37 im Vorjahre veranschlagt. Dies in Papier um-
gerechnet soll zusammen mit den in Papier erhobenen Einnahmen eine Ge-
Samteinnahme von. 342 292894,45$ gegen 331664630,95 $ im Vorjahre geben.

Für die öffentlichen Bauten, die in den verschiedenen Verwaltungs-
Zweigen auszuführen sind, werden 65797 877,85 $ bereitgestellt, die sich
Wie folgt verteilen: Inneres 3 900000, Auswärtiges und Kultus 700 000,

192
        <pb n="209" />
        Finanzen 522 000, Justiz und Unterricht 2 540 000, Marine 2 611 210,34, Acker-
bau 1 850 000, Oeffentliche Arbeiten 53 674 667,51, zusammen 65 797 877,85 $,
dazu kommen weitere 17 022727 $ in Titeln, die ebenfalls für öffentliche
Arbeiten bestimmt sind. Gegenüber dem Vorjahre, in welchem 88 489 477,78 $
und 12250 000 in Titeln ausgeworfen waren, bedeutet dies eine Minder-
ausgabe von 18 Millionen Pesos. Zu erwähnen ist noch, daß im Budget
noch 15 Millionen Pesos für die‘ sogenannten Subsidien vorgesehen sind,
die zur Unterhaltung von Krankenhäusern und Irrenhäusern Verwendung finden.
In der argentinischen Tagespresse wurde die Ansicht ausgesprochen,
daß bei der Durchführung des Budgets mit einem Defizit von ungefähr
30 Millionen Pesos zu rechnen. sel. Der‘ Kongreß wird nunmehr das Budget
für 1914 zu beraten haben; und es steht zu hoffen, daß er noch vor Schluß
des laufenden Jahres Gesetz wird, damit sich die Finanzgebarung der Re-
publik ‚auf gesicherter Grundlage vollzieht und nicht wieder wie in. der
ersten Hälfte des laufenden Jahres von Monat zu Monat Provisorien be-
willigt werden müssen.
Staats- Die Verwaltung des Staatsschuldendienstes veröffentliche Anfang Juni
a den Bericht, den, sie dem Finanzminister über ihre Tätigkeit im Jahre 1912
*- erstattete. U. a. wird darin ausgewiesen der Stand der verschiedenen An-
leihen der nationalen inneren Schuld; von dieser befanden sich am 31. Dezember
v. Js. 157619 140 $ "/n zu 5% im Umlauf. Gegenüber dem Vorjahre hat
diese Summe um 27.953.200 $ zugenommen durch die Ausgabe von
30.000 000 $ der Anleihe von 1911 abzüglich der Amortisation 1jür diese
und die übrigen Anleihen. Im Gegensatz dazu verminderte sich die Gold-
schuld auf 159461 700 $ infolge der vollzogenen Tilgung von 1905 300$ Gold.
In Verwaltung der Kommission befinden sich ferner zehn Anleihen der
Stadt Buenos Aires mit einem Nominalwert von 82213 665 $, von welchen
am 31. Dezember des Vorjahres 49823 055 $ im Umlauf waren, davon
23104455 $% zu 6% und 26718 600 $ zu 5%. Die 6%ige Schuld notiert
über Pari und dürfte daher so bald wie möglich aus dem Verkehr gezogen
werden, ausgenommen die Anleihe von 1887 und die nach dem Teatro
Colön genannte, deren Titel teilweise im Lande geblieben sind und von
denen ein Teil: im ‚Laufe des Jahres zum mittleren‘ Satze von‘ 99,92%
bzw. 95,80% durch Auslosung zurückgekauft wurde.
Wirtschaft- Die Hauptmärkte für die argentinischen Staatsanleihen sind Londop
liche Lage. und Paris, aber auch in Deutschland sind Teile davon untergebracht worden.
Außerdem haben Belgien, Frankreich, die Schweiz und auch Deutschland
ganz erhebliche: Mengen argentinischer Cedulas aufgenommen. Diese
Cödulas sind in den letzten Jahren ganz außerordentlich vermehıt worden,
namentlich war es französisches Kapital, das hier zu einem im Vergleich
zum französischen. höheren Zinsfuß untergebracht wurde. Die Anhäufung
dieses Kapitals hat eine Reihe günstiger Folgeerscheinungen gezeitigt, den?
durch billige Hypotheken konnte der Grundbesitz einen Teil seines fest-
gelegten Vermögens flüssig machen und zur Verbesserung der BetriebS-

194
        <pb n="210" />
        mittel usw. verwenden. Aber auch die Schattenseiten der leichten Kredit-
gewährung traten bald in die Erscheinung. Das flüssige Geld verleitete
vielfach zu unverhältnismäßigem Aufwand, andererseits begünstigte es in
hohem Maße die Terrainspekulation und die Bautätigkeit. Das Spekulations-
fieber hatte‘ :alle Kreise der Bevölkerung vom reichen Farmer an bis
herab zum kleinen Arbeiter, der einige Ersparnisse besaß, angesteckt. Die
Grundstückspreise, in erster Linie in der Hauptstadt, wurden enorm ge-
trieben (Vergl. Heft 4). Als nun in, der zweiten Hälfte des Vorjahres in-
folge der Verhältnisse auf dem internationalen Geldmarkt die Kapitalzufuhr
eingeschränkt wurde, trat in dieser Entwickelung ein Stillstand ein, der in
der Folge viele Rückschläge nach‘ sich gezogen hat. Es begann eine
Liquidationsära, die Umsätze stockten und die Preise begannen zu weichen,
wenn die fallende Tendenz auch nicht so stark zum Durchbruch kam, da
für größere Transaktionen die Abnehmer fehlten. Trotz alledem erreichte
die Summe der in den Monaten Januar — Mai ds. Js. auf Grundstücke in
Buenos Aires begebenen Hypotheken immer noch die beträchtliche Summe
von fast 105 Millionen‘ Pesos m/„ gegen !ca. 132 Millionen Pesos "/n im
gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Beschränkung ‚der Absatzmöglichkeit
trat nicht nur bei den städtischen Grundstücken, sondern auch auf dem
Lande ein, insbesondere auch, weil der Viehbestand aus verschiedenen Ur-
sachen, auf die wir später zurückkommen werden, bedeutend abgenommen
hatte und dieser Umstand wesentlich zum vermehrten Angebot von land-
wirtschaftlichen Grundstücken beitrug. So manche Bodenspekulation mußte
mit Verlust abgeschlossen werden und die finanzielle Lage einiger bedeuten-
der Institute und privater Spekulanten wurde kritisch, da die verstärkten
Ansprüche an den Kreditmarkt die Geldgeber zu weiterer Vorsicht bei der
Eröffnung neuer Konten mahnten.

Schon im Vorjahre hatten die durch Zahlungseinstellungen be- Konkurse.
troffenen Werte eine beträchtliche Höhe erreicht. Im den ersten Monaten
des Jaufenden Jahres konnte man eine vergleichsweise Abnahme feststellen,
doch schnellten die‘ Ziffern‘ im April "und Mai wieder bedenklich
hinauf und übertrafen erheblich die des Vorjahres. Insbesondere trugen
dazu bei die Zahlungseinstellungen zweier Bankinstitute, des Banco
Basco Asturiano und — Anfang Junt — des” Banco* Popular Espanol.

Im einzelnen betrugen die notleidend gewordenen Aktiven und Passiven
in den ersten sechs Monaten des Jahres:

® Aktiven Passiven
Januar a 4 422 868,23 4 445 524,00
Februar © 6 370 308,82 6023 506,77
März 8 984 275,41 8937‘5696,95
April 7 20'761 067,99 18 618 866,40
Mai 2 BE 11'299°%683;28 10.009 553,06
TO 26 902 370,51 23 924 924,00
1. Halbjahr 1913 78740 574,19 71959 971,18

195
        <pb n="211" />
        Aus dem sich für ‚die Aktiven ergebenden Mehrwert von ca 6,8 Milli. $
geht nur hervor, daß in die Bilanzen unrealisierbare Werte eingesetzt wurden.
Zum Vergleich geben wir im folgenden die Monatsziffern der Passiven für
eine Reihe früherer Jahre:

1000 $ 1908 1909 1910 1911 1912
Januar X ale LE 687 4153 2.490 4.577 3.132
Februar kB Ch 3.720 2 664 1473 10.102 14 307
MATZy NE 4 130 5111 5921 11:307 9 460
April . : Z 9012 2.084 4 206 5275 8179
Mais U 5:976 „970 3:196 8 627 71%
Juni” a . 2,271 2.763 4 995 8313 4 593
Tal d 2 549 2856 2773 3782 7520
August; S 2.243 2.185 4 535 3.062 3 444
September . 3.085 3:037 3510 2462 6 043
Oktober u Ge 807 3 445 2.247 3785 7977
November ua b412 1:320 4 471 4 855 5.215
Dezember. 5. 04 18EM u01 952 5 802 2212 5559

Jahressumme 37 410 31 546 45 624 63 325 82 428

Hieraus ergibt sich, daß die Zahlungseinstellungen im ersten Halbjahr 1913
bereits einen Umfang erreicht haben, der frühere Jahressummen übertrifft
und ‚derjenigen des Vorjahres sehr nahe kommt. Man kann über die
wirtschaftliche Bedeutung oder die voraussichtliche Dauer der gegenwärtigen
Depression streiten, — und es ist möglich, daß sich in den nächsten
Monaten schon die Lage wieder bessert, — das Bestehen ungesunder
Verhältnisse kann aber angesichts vorstehender Zahlen für den Augenblick
nicht geleugnet werden.

Ueber ‚die Gestaltung der Lage in der nächsten Zukunft sind die
Meinungen geteilt. Auf der einen Seite hält man die gegenwärtige Depression
für einen Gesundungsprozeß, der bisher. relativ ruhig verlief. Man glaubt,
daß dank der letzten guten Ernte das. schlimmste verhütet sei, zumal da die
finanzielle Lage des Landes, wie sie in den Währungs- und Kursverhältnisser
zum Ausdruck kommt, durchaus günstig ist; andererseits ist man der Ansicht,
daß der Rückschlag auf. die zum Teil zu rasche Entwicklung der letzten
Jahre noch lange nicht zu Ende ist. Ob in der Folge weitere krisenhafte
Erscheinungen auftreten, soll von der Entwicklung der Verhältnisse auf dem
internationalen Geldmarkt und auch wieder von dem Ausfall der nächsten
Ernte abhängen, der bisher noch nicht zu übersehen ist,

Der Abschluß für das erste Halbjahr ist glücklich vorüber, und sämt-
liche Banken stimmen darin überein, daß er sich ohne Schwierigkeiten voll“

Zoll- _ zogen hat. Die Zolleinnahmen zeigen im ganzen eine erhebliche Zunahm®
einnahmen, gegenüber dem Vorjahre (während der ersten fünf Monate um über elf Mil-
lionen Pesos), doch ist hierbei charakteristisch, daß die Mehreinnahmen im

laufenden Jahre von Monat zu Monat zurückgegangen sind. Sie betruger

196
        <pb n="212" />
        im Januar über vier Millionen Pesos, indessen wies der Mai gegenüber. dem
gleichen Monat des Vorjahres einen Rückgang von über 185 000 $ auf. —
[n Handelskreisen herrscht überall eine merkliche Zurückhaltung in der Er-
teilung von Aufträgen, und der Geldmangel macht sich allenthalben fühlbar.
Dabei bleibt die Handelsbilanz mit ihrem beträchtlichen Ausfuhrüberschuß
für Argentinien dauernd günstig, in der Konversionskasse häuft sich das
Gold, die Aussat der neuen Ernte hat sich unter günstigen Bedingungen
vollzogen, kurz — sämtliche Faktoren für eine glänzende wirtschaftliche
Weiterentwicklung scheinen gegeben. Trotzdem schweigen die Stimmen
nicht, die von einer latenten Krisis reden. Die Schuld hierfür wird von Bankpolitik.
einigen auch den Banken gegeben, in erster Linie der Bank der Nation,
deren Reserven weit stärker seien, als vom Gesetz vorgeschrieben und als
es der dem Lande beständig zufließende Geldstrom notwendig erscheinen
lasse. Diese Politik ist der Nationalbank jedoch durch die Lage aufgezwungen
und kennzeichnet die für angezeigt erachtete Vorsicht, welche die zur Be-
kämpfung‘ irgendwelcher Eventualitäten notwendigen Mittel rechtzeitig bereit-
stellt. - Schon der Bankbericht über das Vorjahr hatte diese Vorbeugungs-
maßregeln ausgewiesen, die von der in jener Periode eingetretenen Säuberung
des Handels von schwachen Elementen geboten erschienen, die aber zugleich
auch für die übrigen Handelskreise zur Folge hatten, daß die Weiter-
entwicklung‘ ihrer Transaktionen beschränkt wurde. Im genannten Jahres-
bericht hatte das Direktorium die Hoffnung ausgesprochen, daß angesichts
der guten Ernte und des wachsenden Nationalreichtums die Kreditbeschränkung
allmählich aufgehoben und das Geschäft wieder in normale Bahnen gelenkt
werden könne. Die letzten monatlichen Bankausweise lassen jedoch erkennen,
daß diese Aussicht nicht in Erfüllung gegangen ist, und daß die durch die
Überspekulation geschaffene Lage anhält.

Die Kassenbestände der argentinischen Banken betrugen in den letzten Status der
Monaten durchschnittlich ca. 38 % ihrer Depositen. Bei den Privatbanken Den
des Landes weist die Gesamtsumme der Depositen einen ständigen Rück- )
gang auf, der darauf zurückzuführen ist, daß viele Kapitalisten aus über-
großer Vorsicht ihre Gelder abhoben. Größeren Umfang erreichten diese
Rückforderungen bei der Galizischen Bank, die im Mai 15% des Betrages
ihrer im April ausgewiesenen Depositen zurückzahlen mußte, ebenso nahmen
bei der Spanischen Bank die Depotbestände im Mai und im Juni um je
81/, Millionen $ ab, doch konnten dies beide Banken durchführen, ohne
Schließlich ihren Kassenbestand zu schwächen; allerdings mußten sie dafür
ihr Darlehensgeschäft entsprechend einschränken, Der Status der fremden
Banken blieb von dieser Bewegung fast unberührt, dagegen sahen auch sie
Sich veranlaßt, ihre Barbestände zu verstärken. Nur die Bank der Nation
konnte einen ständigen Zuwachs ihrer Depositen verzeichnen, allein im
Juni im Betrage von über 24 Millionen $, doch entfällt ein sehr großer
Teil hiervon auf die Barbestände, die von den übrigen Banken bei ihr als
dem Clearinghaus gehalten werden. Die Bank der Nation übt seit Beginn

197
        <pb n="213" />
        des Jahres die Funktion eines solchen aus und. die 17 bedeutendsten Institute
des Landes haben sich dem Verkehr angeschlossen. Die allgemeine Ge-
schäftslage brachte es mit sich, daß die Banken sich genötigt sahen, auch
für die geordnete Abwicklung der Abrechnung größere Barbestände zu
reservieren. Bei einer Besserung der Verhältnisse wird die Möglichkeit,
die hier und in den eigenen Kassen festgehaltenen Gelder freizugeben, zu
einer raschen Gesundung der finanziellen Lage beitragen.
Umlaufs- Auffallend ist die Zunahme des im freien Verkehr befindlichen Papicr-
mittel. oldes, sie betrug Ende Juni 119,7 Millionen Pesos mehr als im gleichen
Zeitpunkt des Vorjahres, ohne daß für eine Vermehrung der im Umlauf be-
findlichen Zahlungsmittel eine entsprechende wirtschaftliche Notwendigkeit
vorgelegen hätte. Die in der Republik im Umlauf befindlichen Zahlungsmittel
betrugen. am 30. Juni 898 778 209 $.
Konversions- Der . Juniabschluß der Konversionskasse hat einen Bestand ‚von
kasse, 966 548 864,67 $ Gold ergeben, der höchste Goldvorrat, der bisher in der
Kasse gewesen ist. Seit Ende Dezember 1912 hat er um 43 673 334,01 $
Gold zugenommen. Diese Vermehrung vollzog sich zum allergrößten Teil
in den ersten drei Monaten des Jahres, während seit April die Zunahme
nur noch verhältnismäßig unbedeutend war.

Mit dem steten Anwachsen des Goldschatzes in der Konversionskasse
mehren sich die Pläne und Vorschläge, wie diese, festliegenden Werte neben
ihrem Hauptzweck, der Konsolidation der Währung, zum Nutzen des argen-
tinischen Wirtschaftslebens Verwendung finden könnten. So hat kürzlich
der frühere Direktor des Banco Espanol del Rio de la Plata, Herr Augusto
J. Coelho, unter dem Titel „Los Problemas Econömicos de la Repüblica

Prospekt eines Argentina; La Emisiön Fiduciaria y el Redescuento“ einen Gedanken zur
„staatlichen Besprechung gestellt, der die Aufmerksamkeit, und wie vorangeschickt sei,
Wr auch den Widerspruch weiter Kreise erregt hat. Herr Coelho geht von
instituts. folgenden: Voraussetzungen aus: Die Rediskontierung von Wechseln durch
ein Zentralinstitut ist eine Notwendigkeit für das Banksystem Argentiniens.
Das Bedürfnis wird von seiten der Banken wohl anerkannt, doch scheuen
sie sich, dies öffentlich auszusprechen, da dies ihnen von seiten des Publikums
als Zeichen der Schwäche ihrer Fundierung ausgelegt werden könnte. Man
hat wiederholt vorgeschlagen, daß ‚die Bank der Nation die Portefeuilles
der übrigen Banken rediskontieren solle, dem steht jedoch die Eigenschaft
dieses Unternehmens als ‚privates Kreditinstitut entgegen, welche die übrige?
Banken abhält, die Bank der Nation in die Geheimnisse ihrer Portefeuilles®
einzuweihen und ihr auf diese Weise den geschäftlichen Wettbewerb zu

erleichtern.

Von seiner früheren Ansicht, daß die Bank der Nation in ein Emissions”
und Rediskont-Institut umgewandelt werden könne, ist Herr Coelho zurück”
gekommen, da die Bank den Geschäftszweig des Personalkredits zu seht
ausgebreitet hat, um ihn noch aufgeben zu können, ohne gefährliche
Schwankungen: im gesamten wirtschaftlichen Organismus der Republik

198
        <pb n="214" />
        hervorzurufen. Eigentlich, so behauptet er, darf ein Staatsinstitut gar nicht
dazu da sein, um selbst Kredit zu gewähren und auf diese Weise Geschäfte
zu machen, sondern es muß den Privatbanken den Rückhalt und die Mittel
verschaffen, damit diese die Verbreitung des Kredits bis in seine feinsten
Zweige durchführen können. Einer’ so gearteten Staatsbank würden die
privaten Kreditinstitute ohne weiteres die Geheimnisse ihrer Portefeuilles.
anvertrauen. Da nun aber die Bank der Nation diese Mission nicht durch-
führen kann, muß folglich die Schaffung einer neuen Organisation ins Auge
gefaßt werden, die sich ausschließlich dem Rediskontgeschäft zu widmen
hat. Eine solche Rediskontbauk könnte beispielsweise mit einem Kapital
von 100 Millionen Pesos Gold gegründet werden, für welchen Betrag
41/„ prozentige Staatspapiere zu emittieren wären. Berücksichtigt man
indessen die hiermit notwendigerweise verbundenen Ausgaben der Emission,
der Amortisation und der Verwaltung, so stellt sich heraus, daß das Kapital,
mit dem das Rediskontgeschäft betrieben werden Soll, der Regierung jährlich
über 6% Zinsen kostet. Der für die Rediskontierung zu berechnende
Zinssatz müsse also mindestens 61/, % betragen, d.h. er ist zu. hoch,
um die Rediskontierung noch möglich zu machen. Überdies würde
die Ueberführung auch nur der Hälfte des Kapitals eines derartigen
Instituts in den Kreditmarkt den Diskontsatz sofort sınken lassen.
Die erste Wirkung der Einrichtung einer Rediskontbank in Argentinien
würde die Herabsetzung der Kassenbestände in den Privatbanken sein. Nach
den Zahlen vom 31. Dezember 1912 beliefen sich die Depositen' in den ver-
schiedenen Banken mit Ausschluß des Banco de la Naciön auf 441 Millionen
Pesos Gold und die Kassenbestände auf 140 Millionen Pesos Gold, es waren
also 31,74% der Depots als Kassenbestände vorhanden. Mit Hilfe der
Rediskontierung würden die Banken zweifellos ihre Kreditgeschäfte ver-
größern und den Kassenbestand auf 10% der Depositen reduzieren. Allein
durch die Gründung der Bank würden mithin schon 96 Millionen Pesos
Gold für Kreditgeschäfte verfügbar werden, ohne daß die. Rediskontierung
selbst in Wirksamkeit getreten ist. Auch aus einem andern Grunde kann
aber eine staatliche Rediskontbank mit einem Kapital von 100 Millionen
Pesos Gold ihren Zweck nicht erfüllen: der Betrag der Portefeuilles der
Privatbanken belief sich am 31. Dezember 1912 auf 674 Millionen Pesos
Gold, wozu noch das Portefeuille des Banco de la Naciön mit 185 Millionen
Pesos Gold kam. Das Kapital der Rediskontbank wäre mithin viel zu gering
und könnte nur einen verhältnismäßig kleinen Teil des Portefeuilles der
Banken rediskontieren.

Eine Rediskontbank der beschriebenen Art kann also ihre Funktion
nicht erfüllen, da ihr das notwendige Kapital zu teuer kommt. Herr Coelho
weist daher auf einen Goldschatz hin, der unbenutzt daliege und für diesen
Zweck wohl verwendet werden könne, nämlich auf den Bestand der Kon-
versiöonskasse. Die Lehre von der Unangreifbarkeit dieses Goldbestandes
sei widersinnig, denn wenn auch die Organisation der Kasse_es verbiete,

199
        <pb n="215" />
        daß ‚der Goldbestand in seiner wirtschaftlichen Kraft zum Besten des Landes
ausgenützt werde, so könne doch in: keiner. Weise verhindert werden, daß
das Gold nach- dem Auslande abwandere, wenn die Handelsbilanz . der
Republik eine passive werde. Es müsse also ein Instituto nacional de emision
y rediscuento geschaffen werden, für welches das folgende Programm vor-
geschlagen wird:

1. Das neue Institut erhält die Goldbestände der, Konversionskasse
überwiesen, ‚welche aufgelöst wird.

- Ebenso erhält.es von der Bank der Nation den Konversionsfonds
von 30 Millionen Pesos, Gold.

Die Aufgaben des Instituts bestehen

a) in der Ausgabe von Papiergeld,

b) im Diskontieren von Effekten und Orderpapieren, die mindestens
zwei Unterschriften tragen, von. denen eine eine Bankunter-
schrift sein muß,

c) in der Verwaltung des Clearingverkehrs,

d) in der Eröffnung offener Kredite an die Banken für den Diskont-
und Clearingverkehr. *

Das im Umlauf befindliche Papiergeld, darf niemals mehr als das

Dreifache des beim Institut vorhandenen Goldbestandes‘ betragen.

Für den ungedeckten Teil ‚des bei Erlaß des Gesetzes im. Umlauf

befindlichen Papiergeldes übernimmt die Regierung dem Institut

gegenüber, eine Garantie in Höhe von 100 Millionen Pesos Gold.

5. Aus den Einnahmen des Instituts, wird ein Reservefonds geschaften,
der zur Amortisation der vorstehend erwähnten Garantie dient.

7. Die Emission von Banknoten ‚bleibt auf das Doppelte der gegen-
wärtig im Umlauf befindlichen beschränkt. Jede hierüber hinaus
vorgenommene Emission muß voll in Gold..gedeckt. oder vorher
durch ein besonderes Gesetz genehmigt sein.

- Die. neue Emission. von Papiergeld, die keine andere Metalldeckung
hat, als den auf sie entfallenden Teil der bisher schon in der Konversions-
kasse und dem Konversionsfon-1s enthaltenen Goldbestande soll dazu benutzt
werden; um den. Privatbanken gegen Hinterlegung eines Teils ihrer
Portefeuilles zu einem sich unter dem Platzdiskont haltenden Zinsfuß Kredit
zu gewähren, der von diesen dann zu einem höheren Satze an das Publikum
weitergegeben werden kann.

Wenn man von allen Schwierigkeiten und Bedenken absieht, die sich
der Einrichtung eines derartigen Instituts entgegenstellen müssen, so scheint
doch vor allen Dingen. seine, Notwendigkeit und sein Nutzen für das argen-
tinische Wirtschaftsleben, wenig erwiesen. Allerdings würden gegenwärtig
wohl manche Kreise in Argentinien eine Erleichterung der Kreditbeschaffung
mit Freuden begrüßen und die eine oder andere Privatbank, die ihren
Geschäftskreis aus eigenen Mitteln nicht mehr auszudehnen vermag, würde
von einem solchen Rediskontinstitut gern Geld zu einem niedrigen Zinsfuß

200
        <pb n="216" />
        nehmen, um es zu einem höheren an die Kundschaft wieder auszuleihen,
aber es bleibt doch zweifelhaft, ob damit die wirtschaftliche Entwicklung
wirklich gefördert, oder ob nicht vielmehr eine gesunde Reaktion, die gegen
die in mancher Hinsicht übertriebene Spekulation eingesetzt hat, in. ihrer
heilenden Wirkung paralysiert werden würde.

Das durch das Coelhosche Projekt in Aussicht genommene Ver-
schwinden der Konversionskasse wäre im Interesse der ruhigen Fort-
entwicklung einer gesunden Währungspolitik aufs höchste zu bedauern.
Mit der Ansammlung eines Teils des Guthabens aus der aktiven jährlichen
Zahlungsbilanz in barem Gold ist nur der einleitende Schritt getan, um den de-
finitiven Uebergang zur Goldwährung vorzubereiten, und die Ueberführung
dieses Sicherheitsfonds an ein staatliches Rediskontinstitut, dessen Entwicklung
durchaus nicht mit der von Herrn Coelho errechneten Gewißheit vorauszusehen
ist, würde die gesamte bisher auf währungspolitischem Gebiet geleistete Arbeit
in ihrer segensreichen Wirkung insbesondere auch für den auswärtigen
Handel zunichte machen können.

Der sich immer mehr fühlbar machende Geldmangel hat noch ein Gesetzentwurf
weiteres Projekt ähnlicher Art gezeitigt. Der Abgeordnete Dr. Zeballos betr. Grün-
brachte am 16. Juli ds. is. in; der Deputiertenkammer einen Gesetzentwurf Air edlen
ein zwecks, Schaffung einer staatlichen . Rediskontkasse, die bis zur kontkasse,
erfolgten Abänderung des Statuts der Bank der Nation als deren Anhängsel
funktionieren soll. .Die Rediskontierung bzw. die auf ihr beruhenden
Vorschüsse sind nach dem Gesetzentwurf nur in Ausnahmefällen, z. B. zur
Finanzierung, einer besonders großen Ernte oder unter sonstigen besonderen
Umständen zu, gewähren, die nach Ansicht des Direktoriums der Kasse
außergewöhnliche Maßnahmen rechtfertigen. Die Rediskontkasse be-
leiht die ihr übergebenen Effekten bzw. das _Wechselportefeuille der
nachsuchenden Bank bis zu 75%, des Wertes, und die Konversionskasse
wird ermächtigt, in der Höhe des fraglichen, Betrages Papiergeld auszugeben
oder das Darlehen aus dem Konversionsfonds direkt zu zahlen, wenn dies
nach einmütiger Ansicht des Verwaltungsrats einer neuen Emission vorzu-
ziehen sein ‚sollte, Die Vorschuß . nachsuchenden Banken haben der
Rediskontkasse eine Abgabe von mindestens. 5% vom ‚Wert des Vor-
schusses "zu zahlen; außerdem ist. dieser zu einem nach den UmstänJjen
sich richtenden Satze zu verzinsen, der von Monat zu Monat steigt. Aus
dem sich hieraus ergebenden Gewinn soll zunächst die Leitung der Kasse
entlohnt und der verbleibende Rest zur Ansammlung eines eigenen Gold-
schatzes für die staatliche Rediskontkasse verwendet werden.

An "sich ‚ist die Rediskontierung wohl geeignet, Nutzen zu stiften und
unter besonderen‘ Umständen eine Lücke des argentinischen Bankwesens
auszufüllen, doch erweckt die Art und Weise, wie nach dem Gesetzentwurf
das Projekt durchgeführt werden soll, eine ganze Reihe Bedenken. Die
von einem Staatsinstitut ausgeübte Rediskontierung, für welche die Mittel

201
        <pb n="217" />
        durch gelegentliche Ausgabe von Papiergeld aufgebracht werden, kann
anstatt des erwarteten Nutzens für das ganze Wirtschaftsleben des Landes
schwere Störungen herbeiführen. Die Ausgabe von Papiergeld über die
obere Bedarfsgrenze an Umlaufsmitteln hinaus führt, wenn die Noten nicht in
Gold konvertierbar sind, zur Minderung ihres Werts, und wenn sie kon-
vertierbar sind, zur Minderung ihrer Kaufkraft. Die gegenwärtig beobachtete
allgemeine Teuerung, unter der die Republik zu leiden hat, wird zum
Teil auf die übergroßen Emissionen zurückgeführt, die auf Basis des
angesammelten Goldbestandes erfolgten. Wenn der aus der augenblicklichen
Geldverlegenheit des Landes geborene Entwurf Gesetz würde, hätte man
schließlich drei Geldklassen: die ursprüngliche von 300 Millionen $, die nur
auf ‚den 30 Millionen $ Gold ‚der Nationalbank beruht; die zweite von
600 Millionen $, die durch die 266 Millionen $ Gold der Konversionskasse
garantiert ist, und eine dritte unbegrenzte Emission, die auf Basis der
beliehenen Effekten resp. Wechselportefeuilles erfolgen würde.
Ayrarfragen.

Unter den mancherlei Fragen, deren Lösung die wirtschaftliche Ent-
wicklung Argentiniens wesentlich beeinflussen wird, ist eine der wichtigsten
die der Regelung des Verhältnisses zwischen Landbesitzer und Pächter. In
den letzten Jahren waren mit den Bodenpreisen auch die Pachten erheblich
gestiegen. Viele Pächter hatten sich bei Abschluß der Ernte außerstande
gesehen, die Bedingungen ihres Kontraktes zu erfüllen und waren in Schulden
geraten. Bereits im Vorjahre hatte eine Anzahl Pächter aus den Provinzen
Santa F6, Cördoba und dem Norden von Buenos Aires eine Ermäßigung der

Pächtersireik, Pachtgelder verlangt und waren in den Ausstand getreten, als die Landbesitzer
diesem Wunsch nicht Rechnung tragen wollten. In diesem Jahre wieder-
holte sich die gleiche Erscheinung, jedoch bereits in größerem Umfange und
mit größerer Stoßkraft, da sich die Kolonen inzwischen in der Federaciön
Agraria organisiert hatten. Die beiden Parteien vermochten zu keinem
Übereinkommen zu gelangen, und da die Zeit heranrückte, in der die Ernte-
arbeiten notwendigerweise in Angriff genommen werden mußten, ernannte
schließlich die Regierung eine Kommission, damit diese einen beide Teile
befriedigenden Ausweg aus den bestehenden Schwierigkeiten fände. Der
Kommission gelang es auch in Kürze, einige der Hauptkonfliktspunkte zu
beseitigen, und da zudem reichliche Regenfälle das Ackerland für die Be-
stellung gut vorbereitet hatten und eine reiche Ernte in Aussicht stellten,
zeigten sich die Pächter bald willig, die Arbeit wieder aufzunehmen. — Der
Konflikt selbst war beendigt, doch waren damit die Hauptursachen seines

Gründe der Entstehens nicht beseitigt. Hierüber enthält der von der Kommission dem

an Ackerbauministerium erstattete Bericht eine Reihe interessanter Angaben.

hältnisse. Die Zwietracht zwischen Grundbesitzern und Pächtern ist nicht künstlich
durch irgendeine Propaganda hervorgerufen, sondern ist eine logische Folge

202
        <pb n="218" />
        der bestehenden Verhältnisse. Die bebaute Fläche und. die exportierten
Mengen der Ackerbauprodukte nehmen zwar in jedem Jahre zu, doch stehen
die Ernte-Ergebnisse und vor allem der erzielbare Gewinn hierzu nicht mehr
im Verhältnis. Das Pachtverhältnis, dessen vertragsmäßige Dauer mit der
Zeit immer kürzer geworden ist und das heute vielfach nur noch von Jahr
zu Jahr abgeschlossen wird, bringt es mit sich, daß der Betrieb reiner Raub-
bau ist. In der kurzen Zeit, die der Pächter auf seinem Stück Land sitzt,
wird weder: für die Verbesserung des Bodens durch sachgemäßen Frucht-
wechsel etwas getan, noch werden irgendwelche. Anlagen für die landwirt-
schaftliche Nebenproduktion, wie Obstbau,. Hühner- und Schweinezucht ge-
schaffen, die sonst die kleinen Wirtschaften einträglich zu machen pflegen.

Sehr oft wird das Land auch nur zu dem Zweck auf einige Jahre ver-
pachtet, um es für den Anbau von Alfalfa. brauchbar zu.machen.

Die Betriebsmittel sind in vielen Fällen unzulänglich, so entsteht z. B.
in jedem Jahre ein großer Verlust dadurch, daß die Ernte nicht rasch genug
geborgen werden kann. Es fehlen die notwendigen Speicher auf den Eisenbahn-
stationen und vor allen Dingen auf den Pachtungen selbst, — und doch ist
der Pächter verpflichtet, das Getreide „gesund, trocken und rein“ abzuliefern,
andernfalls werden ihm erhebliche Abzüge gemacht.

Ein weiterer Mangel ist der schlechte Zustand der Straßen, die zur
Eisenbahnstation führen, was natürlich den Transport erheblich verteuert.
Als mittlerer Preis wird für den Transport eines Sackes Getreide von 65 kg für
die erste legua 12 Cts., für die zweite 10 Cts. und für die dritte 8 Cts. ge-
fordert, was also für einen Transport von 15 km eine Belastung: von 30 Cts.
für jeden Sack bedeutet. Auch das Fehlen des landwirtschaftlichen Kredits
unter annehmbaren Bedingungen trägt viel zur üblen Lage der Pächter bei,
die nach Bezahlung der von ihnen geforderten Wucherzinsen am Schluß der
Ernte einsehen müssen, daß sie bestenfalls mit ihrer harten Arbeit nur eben
das bloße Leben gefristet haben.

Sehr viel Schuld an den ganzen Verhältnissen trägt der Pächter selbst,
der zumeist seiner ganzen Vorbildung nach nicht. imstande ist, den Betrieb
richtig zu übersehen, den er mit der Pachtung übernimmt. Er macht Fehler
bei der Einschätzung der Bodenfläche, die er mit Erfolg zu bearbeiten vermag,
und da er sie dem Vertrag gemäß bebauen muß, ist er gezwungen, teure
Arbeitskräfte anzunehmen, die den möglichen Gewinn — und vielleicht mehr —
aufzehren. Ohne besondere kaufmännische und Fachkenntnisse zu haben,
muß er dafür sorgen, daß zur Erntezeit die nötigen Maschinen und Arbeits-
kräfte rechtzeitig vorhanden ‚sind, und sieht sich beim Verkauf schließlich
dem geriebenen Aufkäufer gegenüber, dem er in vielen Fällen auf Gnade
und Ungnade ausgeliefert ist, da er selten eine Ahnung von der Marktlage
hat. Im Falle einer Mißernte wird er zum Sklaven seiner Gläubiger.

Allerdings gibt es eine große Anzahl Pächter, die sich trotz der ge-
schilderten. Verhältnisse in eine gesicherte Stellung heraufgearbeitet haben,
doch ist ihre Zahl in den letzten fünf bis zehn Jahren immer kleiner geworden.

203
        <pb n="219" />
        Die allgemeine Teuerung der Lebenshaltung macht sich auch der Ackerbau-
bevölkerung in voller Stärke fühlbar. ı Alle Verbrauchsartikel des Bauern
sind im Preise gestiegen, während seine Produkte diese Wertzunahme nicht.
im gleichen Verhältnis mitmachten.

Nach den Angaben der Börse von Rosario erreichten die Hauptackerbau-
produkte Argentiniens Weizen, Mais und Leinsaat.in den letzten sechs Jahren
die fogenden Durchschnittspreise (in $):

Weizen Mais: Leinsaat

1907 &gt; „dan 80, 5,0674 10,771/4
1908 3 8rZO 5,921 10,55
1909 YO Male a BEE 5:61 2540
1910 N 2 5,161. VS #7
Tui 1062 7,2810 76
TS 5,5237, 143)

Man sieht hieraus, daß bei Weizen‘ sogar eine‘ Abnahme, des Durchs
schnittspreises nachgewiesen wird, während die‘ kleine Preissteigerung beim
Mais bei weitem nicht hinreicht, für den höheren Wert aller Produktions-
elemente eine hinreichende Entschädigung zu bieten. Zu berücksichtigen ist
auch, daß die ausnahmsweise hohen Maispreise von 1911 ihre Ursache in
der Mißernte hatten, so daß daraus für die Bauern kein Vorteil erwuchs.
Die Leinsaatpreise sind. zwar gestiegen, doch ist diese: Kultur im Vergleich
zu der von Weizen und Mais verhältnismäßig weniger ausgedehnt. und die
erzielten Gewinne kamen nur einer kleineren Anzahl aus der gesamten
Ackerbaubevölkerung der Republik zugute. Veranlaßt ‚durch das günstige
Ergebnis. haben / viele Bauern für die Leinsaatkultur ‚geeignetes Land zu
abnorm hohen Preisen gepachtet und sehen sich nunmehr unter den gegen-
wärtigen Verhältnissen in der gleichen, schlechten Lage wie ihre Genossen.

Unter den einzelnen Faktoren, ‚die: den Gewinn des argentinischen
Bauern gegen früher verkleinern, wird besonders auf die-Preissteigerung der
Säcke hingewiesen, die in den drei, Jahren 1910/12 12: Cits. \m/n: für. den
gebrauchten und 51/, Cts. Gold:’für den neuen Sack ‚betragen - hat... Die
Fuhrlöhne, die per Sack bezahlt. werden, sind dadurch relativ in die Höhe
gegangen, daß die früher üblichen Säcke mehr als 65 kg enthielten. : Auch
die Löhne der Landarbeiter haben. ständig zugenommen. ı Es besteht also
ein erhebliches Mißverhältnis zwischen‘ der Preisbewegung der Ackerbau-
produkte und den jeweiligen Produktionskosten.

In diesen ganzen Verhältnissen, die‘ der Bauer, sich aber nicht klar
machen kann, wurzelt die Unzufriedenheit. Man schiebt ‚die Hauptschuld
an dem Uebel‘ auf die hohen Pachtpreise, während es zum größeren Teil
an der eigenen Unfähigkeit des Bauern liegt, weon er nicht vorwärts kommt,
und an Verhältnissen, auf. die weder Landbesitzer noch Pächter Einfluß
haben, und die auch in Gegenden auftreten, wo billige Pachtpreise die Regel
sind... Doch sind auch die Pachtpreise vielfach übertrieben hoch‘ und machep
es. dem. Bauern ı/ unmöglich,‘ ‚einen Gewinn! für:)sich herauszuwirtschaften.

204
        <pb n="220" />
        Billiges Land zu Pachtzwecken ist hinreichend vorhanden, und nur das
Zusammenströmen der Pächter in einzelnen Gegenden läßt dort die Preise,
über Gebühr anschwellen. Die Reparticiön de Tierras im Ackerbauministerium
könnte hier ausgleichend wirken, wenn sie das bestehende Angebot von
Pachtland mit den geforderten Preisen veröffentlichte und auf diese Weise
den Pächtern billiges Land nachwiese.

Die argentinische Landwirtschaft ist also vielfach unerfahrenen Händen
anvertraut und der Staat wird geeignete Einrichtungen schaffen müssen, die
den Bauer über die gemachten Fehler belehren und ihm die Mittel in die
Hand geben, seinen Beruf im eigenen Interesse und zum Wohle des Staates
zweckmäßig auszufüllen. Aber auch der Grundbesitzer‘ wird zu einer
Besserung ‘der Lage des Bauern viel beitragen können, wenn er ihm mehr
als bisher behilflich ist, die entstehenden Schwierigkeiten auszugleichen.

Die argentinische Regierung ist bemüht, die in der Landwirtschaft zu- 71anqwirt-

tage getretenen Mißstände abzustellen, doch sind die getroffenen Einrichtungen schaftl, Ver-
entweder noch zu jungen Datums oder nicht umfassend genug, um bereits ea
eine Wirkung erkennen zu lassen. Nach längeren Vorbereitungen wurde .
ein außerordentlicher Kredit von 325 000 $ für die Anlage neuer landwirt-
schaftlicher Versuchsstationen bewilligt. Es sollen drei Hauptversuchsstationen
eingerichtet werden: eine Zentrale in Pergamino, eine subtropische in Guemes
und eine: für das Andengebiet in Angaco Sud, mit Unterstationen für die
einzelnen Provinzen: in Gandara (Buenos Aires), Gualeguay (Entre Rios),
Tapia und Villa Nougues (Tucumän), Rams (Santa Fe), Chanuca (Rioja) und
Pichi Ciego (Mendoza). Zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Kredit-
verhältnisse und um die Bauern vor gewissenlosen Ausbeutungen zu schützen,
wurden die Filialen der Nationalbank in den Provinzen angewiesen, den
Landwirten Kredite ‘unter angemessenen Bedingungen zur Verfügung zu
stellen. Als einzige Sicherheit sollte dabei eine wahrheitsgetreue Angabe
über den Umfang der zu erwartenden Ernte gefordert werden.

Angesichts der bestehenden Schwierigkeiten haben in einzelnen Gegenden, Genossen-
Zz. B. in der‘ Provinz Entre Rios, die Landwirte auch schon begonnen, sich schaften.
in Genossenschaften zusammenzuschließen. Diese Vereinigungen sollen sich
insbesondere befassen: 1. mit dem gemeinsamen Wareneinkauf, 2. Fest-
setzung der Verkaufspreise, Z. B. für Säcke, 3. Förderung der Bestrebungen,
die den Landwirten die Aufnahme von billigem Kredit ‘erleichtern usw.

Um der vielfach ‚eintretenden Entwertung der Ernte durch Feuchtigkeit Getreide-
usw. entgegenzuarbeiten hat die Direccion General de Agricultura der speicher.
Beschaffung von transportablen Getreidespeichern ihre Aufmerksamkeit
zugewandt und stellt solche den Interessenten zu einem billigen Preise
zur Verfügung. Das zur Einführung vorgeschlagene Modell hat zylindrische
Form bei einem Durchmesser von 4,97 m und einer Wandhöhe von 2,43 m.

Das Fassungsvermögen beträgt 47 cbm bis zum Anfang des Dachs oder

205
        <pb n="221" />
        53. cbm bis: zum‘ Ventilations-Aufsatz. Als Preis wird ‚der Betrag von
485.$ m/„ genannt, frei Lager oder Eisenbahnwagon in Buenos Aires. Der
ganze Speicher soll einschließlich Verpackung und Zubehör 1225 kg wiegen.
Diese aus Wellblech hergestellten . Gebäude. werden in den. Vereinigten
Staaten angefertigt, und bei dem großen Absatz, den sie bei Nachweis ihrer
Brauchbarkeit finden werden, würden sie auch für die deutsche Industrie
einen lohnenden Artikel darstellen, in welchem der Wettbewerb mit den
Vereinigten Staaten aufgenommen werden kann. Im Anschluß daran dürften
einige Angaben interessieren über den Umfang der in dem Hinterland der
einzelnen Haupthafenplätze bisher für die Lagerung. des Getreides ‚ge-
troffenen Einrichtungen.
: BAER Angenommene Aus-
Bahnsindionen Tas engsten ögen Amenge (Weizen,
Speicheranlagen Tonnen , N or
Buenos Aires. . 406 1 744 163 3 330 000
Bahia Blanca . a 208 857 908 2.050 000
Rosario. 0 05 ? 294 661 129 3 480 000
Uebrige Häfen von Santa F6 98 97 346 585 060
Häfen von Entre Rios 466 ® 88810 455 000
1.072 3 449 356 9 900 000
Die Provinz Buenos Aires und das Territorium Pampa Central, die den
Export ihrer Produkte über Buenos Aires und Bahia Blanca leiten, befinden
sich somit in der günstigen Lage, gegenwärtig ungefähr die Hälfte derselben
gesichert lagern lassen zu können. Das Hinterland Rosarios und der übrigen
Häfen der Provinz Santa Fe bietet bei weitem nicht das gleiche günstige
Verhältnis zwischen Exportmenge und verfügbarem Lagerraum, indessen
sollen durch die zweckmäßige Regelung der Transporte mittels. der guten
Organisation des Marktes von Rosario größere Schwierigkeiten bisher ver-
mieden worden sein. ‚Dagegen: wird zugegeben, daß die Ausfuhr der
Provinz Entre Rios unter dem Mangel brauchbarer Lagereinrichtungen leidet.
Wassertanks. Wie die. transportablen. Getreidespeicher wird aus den Vereinigten
Staaten auch ein bestimmter Typ von Wassertanks, sog. „Australian tanks“,
importiert, der immer mehr in Aufnahme: kommt und als Behälter des von
den Windpumpen geförderten Wassers zum Speisen der Viehtränken dient.
Der Tank ist aus Wellblech ohne Boden ‚und wird von einer nord-
amerikanischen Firma in 22 Größen. hergestellt, von 12,8 hl. bis 723,9 hl
Fassungsvermögen bei einem ‚Durchmesser ‚von 3,70 bis 27,72 m. Der
kreisförmige Tank wird in einzelnen gebogenen Platten geliefert, die an
Ort und ‚Stelle unter Benutzung des, zugehörigen Dichtungsmaterials (Filz)
zusammengeschraubt werden. Der. Boden wird ‚aus lehmhaltiger Erde
(bleque) festgestampft.‘ Zum Anschluß der Leitungsrohre nach den Tränken
werden ein oder mehrere‘ Flansche mitgeliefert, und zwar aus. Schmiede-
eisen, da Gußeisen beim Anziehen der Schrauben oft springt.

206
        <pb n="222" />
        Zur Förderung des Getreidehandels hat das Landwirtschaftsministerium Weizentypen.
Durchschnittstypen für Weizen aufstellen lassen. Auf Grund von etwa
3500 Mustern wurde die' Weizenproduktion Argentiniens in fünf Zonen ein-
geteilt: Rosario, Buenos Aires, Bahia Blanca, Pacifico und Entre Rios. Die
Klassifizierung nach dem festgestellten spezifischen Gewicht wird jeweils
bis zu den letzten Ernten des Jahres fortgesetzt und wird einen zuverlässigen
Vergleichsmaßstab mit den Gewichtsermittelungen des Handels abgeben.
Nach Angaben der argentinischen Presse brachte das Erntejahr 1912/13 Erträgeperha.
für Weizen und Leinsaat die folgenden Erträge per Hektar (in kg):
Weizen Leinsaat
Norden der Provinz Buenos Aires . . . . 800 660
Zentrum und Süden der Provinz Buenos Aires 575 490
Westen der Provinz Buenos Aires. . .. + 1000 570
Provinz: Santa. Feist SE SS DNS 670 420
Provinz: C6rdoba siela19V GIB GNS, 650 500
Provinz Entre Rios . } 06. DE 650 450
Territorium Pampa Central „HE JDOAFT 780 690
Andere Gegenden. + - 650 410
Diese Ergebnisse werden im allgemeinen als nicht schlecht und als größer
bezeichnet als bei der vorjährigen Ernte. Besonders gut war der durch-
schnitiliche Ertrag beim Hafer, der hauptsächlich in der Provinz Buenos
Aires Erträge von 1200 bis 1500 kg per ha brachte. Die im allgemeinen
größere Ernte kommt auch in den Ausfuhrzahlen zum Ausdruck. Diese Ausfuhr im
betrugen im ersten Halbjahre 1913 im Vergleich zu den Vorjahren 1. Halbjahr,
Tonnen 1. Sem. 1913 1. Sem. 1912 1. Sem. 1911
Weizen‘: 4) 4% 2478 660 1786189 1.727002
Maiso his. Dali SIMOr 1:835 127 998 693 129.081
TLeinsaat non 713.828 317:901 269,570
Hafer... AA 766 418 714 442 2 438 486_
5.794 033 3.817.225 2564 139
Es hat sich herausgestellt, daß die vorher sowohl vom Statistischen Amt
als /auch” von ‘privater Seite vorgenommenen Ernteschätzungen zu hoch
gegriffen waren. Wenn auch noch mehrere hunderttausend Tonnen Getreide
im Lande vorhanden sind, SO dürften die für den Export angenommenen
Zahlen doch nicht erreicht werden, namentlich da ein großer Teil des
geernteten Maises infolge ungünstiger Witterung feucht geworden sein soll
und daber nicht exportfähig ist.

Die ständig steigenden Ziffern des Maisanbaues lassen befürchten, daß Mais-
die Maisproduktion der Republik in Kürze einen Umfang angenommen Haben "Wertung.
wird, der über den Bedarf des Weltmarktes hinausgeht; dabei verringert
sich mit der immer mehr schwindenden Bedeutung des Pferdes als Zugtier
auch die Bedeutung des Maises als Futtermittel. Angesichts des Umfangs,
den der Maisbau in Argentinien bereits erreicht hat, ist bei einer Stockung
des Verbrauchs eine Krisis für die argentinische Landwirtschaft unvermeidlich

207
        <pb n="223" />
        und. die Regierung beschäftigt sich daher damit, für dieses Produkt neue
Absatzquellen zu schaffen... Der Durchschnittspreis für Mais ist bereits bis
auf 4,80 $ per 100 kg zurückgegangen und läßt‘ dem Bauern kaum noch
einen Nutzen. Dazu kommt, daß in manchen Gegenden die zur Ernte ver-
fügbaren Arbeitskräfte so spärlich und die Löhne. daher so hoch waren,
daß trotz einer ausgezeichneten Ernte überhaupt kein Nutzen geblieben ist;
dabei war bis vor wenigen Jahren die Maiskultur eine der durchschnittlich
sichersten Anbauarten, da ein gutes Jahr die Verluste von zwei oder drei
schlechten reichlich aufwog. Mit der Zunahme der Kosten sowohl der Aus-
saat als der Ernte und mit der Abnahme der erzielten Preise auf der
anderen Seite hat sich dies aber geändert, und es erscheint in der Tat ange-
zeigt, nach neuen Verwertungsarten für den jährlich produzierten Ueber-
schuß an Mais zu suchen.

In Aussicht genommen ist zu dem Zweck die Förderung der Schweine-
zucht in großem Maßstabe. Namentlich in den Vereinigten Staaten, aber
auch in Dänemark und Holland wird Mais in großem Umfange als Mast-
futter zur Schweinezucht verwandt. . Für Argentinien erwüchse aus dem
Gelingen. dieses: Planes außerdem ‚noch der Vorteil, daß. die Gefrierfleisch-
Industrie dadurch einen Anstoß zur weiteren Entwickelung erhielte.

Vorbildlich in der Mannigfaltigkeit der sonstigen Verwertung des Maises
sind die Fabriken der Vereinigten Staaten, in denen die verschiedensten
Produkte aus dem Mais gewonnen werden: Alkohol, Whisky, Oel, Oelkuchen,
Stärke, Dextrin, Maissyrup, Zucker usw. Auf diese Weise werden heute
bereits in den Vereinigten Staaten täglich ca. 5000 Tonnen Mais verarbeitet
und die Einführung dieser Industrie in Argentinien könnte zu einer glänzenden
Einnahmequelle der argentinischen Volkswirtschaft werden, da sie einerseits
der Maiskultur hinreichende Preise für ihr Produkt sichert und andererseits
im Lande selbst durch die Verarbeitung neue Werte schaffen würde.

Leinstroh. Auch auf. ein anderes bisher. wenig beachtetes Produkt der argentinischen
Landwirtschaft, das Leinstroh, hat sich kürzlich das Interesse einzelner
industrieller Kreise, Europas  gerichtet.. Die sich Ständig. vergrößernde
Industrie sieht sich veraänlaßt, nach neuen Bezugsquellen für dieses Roh-
material Umschau zu halten und französische Webereien studieren bereits
die Frage eines Imports von argentinischem Leinstroh in größerem Maß-
stabe. Auch in schlesischen Webereien angestellte Versuche haben die
Brauchbarkeit des argentinischen Produkts dargetan. Allerdings scheint es
fraglich, ob die jetzt allgemein wenig sorgfältige Behandlung des Strohs es
für, den Zweck der Weiterverarbeitung noch brauchbar erscheinen läßt, bzw.
ob die mit einer besseren Behandlung verbundenen Mehrkosten bei der
Ausfuhr nach Europa noch Nutzen lassen.

Werte der Im Anschluß geben wir eine Übersicht über die Erträge von Ackerbau

NO O0 und Viehzucht während des letzten Jahres, die‘ den ungeheuren Reichtum

samtpro- der Republik an Produktionsmitteln erkennen läßt und zugleich von den
duktion oroßen Möglichkeiten der Werterzeugung, die hier noch ungenutzt liegen,

208
        <pb n="224" />
        einen Begriff gibt. Wir folgen dabei dem Bericht, welcher dem Ackerbau-
ministerium vom landwirtschaftlichen Verwaltungsdepartementerstattet wurde. ”)
: Wert der Acker-
d - k
EEE Ola. bau- u. Viehzucht- va
produkte $ Gold
Buenos Aires . 183.319 391 413 639 758 201,84
Santa; Fer . 35 034 437 173 321637 189,40
Cördoba ww +. + &gt; 35 875 753 136 200 323 212,48
Entre:Rios +: ". 46 961 095 80 400 035 203,27
Pampan®. 0. 4 8 104 931 36 946 551 400,53
Corrientes + + - 19 371 037 26 546 697 76,36
San Luis „2. 4332 772 9747312 77,47
Santiago del Estero , . 5 800 742 26 973 712 118,82
Mendoza „ . +. ; 8 372 282 47 218 319 190,51
San Juan x» &gt; Ca 2 584 958 11 221061 89,15
La Rioja . TE ef 4 229 664 6 732 484 71,88
Catamarca „AP 3253610 6 237/520 53,62
Tucumän „(3 7896 723 38 730 103 118,88
Salta ; 4 651 280 11 337 730 72,52
Jojuy . 2.945 037 8 389 097 130,68
Chaco‘+": 972 876 7072 544 188,25
Formosa . 790 010 1 281 027 74,31
Misiones. 929 699 3.078 933 68,16
Neuquen. . - . 1 431 244 2 483 668 84,54
Rio Negro . . &gt; 5917 582 6 988 6.12 173,85
Chubut = 4) 3737317 4 478 357 156,40
Santa. Cruz . . - 5 444 248 5 509 248 639,12
Tierra del Fuego . 2 785 766 2812 866 765,40
Los Andes. 175 418 206 518 49,72
394.917 922 1 067830112 149,84
Die. Tabellen ergeben die wirtschaftliche Bedeutung jeder Provinz,
und es zeigt sich, daß im ‘jetzigen Entwicklungsstadium drei Viertel
des Nationalreichtums bzw. der Hauptfaktoren zu seiner Erzeugung in nur
einem Viertel der gesamten Bodenfläche sich zusammendrängen. Diese un-
gleiche Wertverteilung wird veranlaßt durch verschiedene Faktoren, wie
Bevölkerung, Bodenbeschaffenheit, Klima, Transportmittel usw.‘ Ein V ergleich
des Wertes "der Gesamtproduktion mit der Bevölkerungszahl der ganzen
Republik ergibt, daß pro Kopf der Bevölkerung ein Wert von 149,84 $ Gold
hervorgebracht wurde. Dieser Maßstab ist jedoch zur Darstellung des Durch-
schnitts des nationalen Arbeitsertrages nicht in der gleichen Weise wie wohl in
anderen Ländern zu benutzen, denn wenn man den Vergleich für jede einzelne
Provinz durchführt, so zeigen sich viel zu bedeutende Abweichungen.
Im Feuerland.z; B. ist-der erzeugte Wert pro“ Kopf der Bevölkerung
zirka” fünfmal’ !so groß als der Durchschnitt, und: es ‘ist daraus
zu entnehmen, daß die. Produktionsfähigkeit des Bodens und seine Be-
arbeitungsmethoden als werterzeugender Faktor die anderen mitwirkenden
Faktoren Arbeit und Kapital an Wichtigkeit erheblich übertrifft. Mehr
‚oder weniger gilt dies für ganz Argentinien, und unter den drei wirtschaft-
lichen Triebkräften Boden, Arbeit und Kapital kommt hier dem Boden der
*) Einzelheiten. der Ackerbauproduktion in den Tabellen auf S. 210/11:

209
        <pb n="225" />
        Hauptanteil, bei. der Werterzeugung zu, besonders wenn man in Betracht
zieht, daß das glänzende Ergebnis mit einer durchschnittlichen Bevölkerungs-
dichtigkeit von nur 2,5,Einwohnern per Quadratkilometer erreicht wurde.
Weizen Leinsaat
Tonnen Wert Tonnen Wert
Buenos Aires . . 1.803 000 66 711 000 109 400 7 987 000
Santa! Fe „1501 600 000 24 420 000 180 000 12 760 000
Cördöba-. 235 6 11200:.000 44 400 000 150 000 10 940 000
Entre: Rios . 640% 215000 7.955 000 123 000 8 950 000
Pampa . .!630} 560000 20 720 000 8 000 700 000
Corrientes '. 1034 #1 000 37 000 19 1 400
SanıLuis: 2£181 35 000 1295 000 1664 128 000
Santiago del Estero 14861 178 000 150 000 10700
Mendoza  .91£%5 4 071 154 327 100 7100
San Juan .., + 12300 461 673 6 400
LalRioja. bh 5.000 185 000 — n
Catamarca CN 1.000 37 000 +
Tuecumän . 3 000 111 000 2 800
Saltatı, 1 2468 92 000 —
Tl 3 000 74 000 N 700
Chatd.. AP 120 4 000 —
Formösa 1. = — —
Misiones , „6 513 19 000 400
Neuguen. „5405 6 000 212 000 —
Rio Negro ‚2176 1703 63 000 400
Chübüt &gt; 54 5546 222 000 — =
Santa) Cruz 12 4.50) — = m =
Tierra del Fuego , = = = .
Los Andes ‚ ..... ? ;
4 523 000 167 361 000 572 000 41 488 900
Gerste Roggen Mais
Tonnen Wert Tonnen Wert Tonnen Wert
Buenos Aires „.. 32500 780 000 4333 104000 3496000 80008 050
Santa Fe. 4... 11250 270 000 833 20000 2197000 350731000
Cördoba 2 3708 89 000 4167 100000 800000 18500 000
Entre ‚Rios! 4% 54 1875 45 000 417 10000 152000 3 496 000
Pampas SL 41083 26.000 834 20 000 90 000 2 070 000
Corrientes (4... 208 5 000 — za 131332 3.050 000
San Luis. 2, 10 312 7 500 207 5 000 70 000 1 610 000
Santiago del Estero 104 2 500 — uw 78 391 1 803 000
Mendoza .. 42 675 16 200 &gt; = 35 000 805 000
San Juan cs 258 6 200 = — 21 000 483 000
La Rioja 200% 104 2500 an — 25 217 580 000
Catamarca # 938 22 500 =. - 50 435 1160 000
Tucumän : a 833 20 000 ; 117 608 2 705 000
Salta “4, : 1146 27 500 . 4u, 112000 2576 000
Jeep 4 2.4 0042 25.000 . 25 217 580 000
ChacO + a) ua 21 500 21 000 483 000
Formosa:. 4. _ +“ — = 3.348 77 000
Misiones” 50 1.200 50 1200 67217 1 546 000
Neuquen | 4 410 312 7 500 = — 19 598 450 000
Rio, Negro, Yu 104 2500 — = 2417 97 000
Chubutr nes 12 300 — — 220 5 000
Santa Cruz 127.) — A +“ — An —
Tierra del Fuego “ 100 — — —
Los Andes al 4 + 100 ke @
7 E6646 7 1507400  AOBSE E60 600, Z515.0007175 315000

210
        <pb n="226" />
        Hafer Kanarienfutter NAT ®
Tonnen Wert Tonnen Wert Tonnen Wert
Buenos Aires. . 922000 22170000, 18 700 935 000. 1328000 ‚16 698 277
Santa Fe. 2.0. 12 000 288000 2100 105 000 696000 8748 720
C6ördoba 421 5 000 120 000 500 25 000 880000 11061 600
Entre Rios, + © 40 000 990.000 150 7500 . 464000 5832 480
Pampa + Anne 20 000 480 000 150 7 500 216 000: :2 715 120
Corrientes 1 71 1 700 200 10000 24 000 301 680
San Luis (iA 579 15.000 100 5 000 8 000 100 560
Santiago del Estero 100 2 400 — — 32 000 402 240
Mendoza +74 74 1 500 36.200 _— 132000 1659240
San Juan +) #hi 21 500 - 40 000 502 800
La Rioja "a 26 700 32000 . 402240
Catamarca Ba 300 7 200 8 000 100 560
Tucumän &gt;= 400 9 600 16-000 210 120
Saltaa in 1 000 24 800 52 000 653 640
Jujuy - ; 100 2.400 ‚32000 402240
Chaco .. — — 2400 30 168
Foörmosa ..'. Se — 240 3.017
Misiones . . + 100 2400 480 6034
Neuquen +... 500 12 000 3 200 ‘40 224
Rio Negro .*. "=. 200 4 800 40 000 * 502 800
Chübut 62 1.500 32 000 402 240
Santa, Cruz bi-n — = +
Tierra del Füuego. 4i 1.000
Los Andes. .:- a. a Den
1004000 24170000 22000. 1.100000 4038320 50 767 000
- : Andere landwirt“
Zucker Wein
Tonnen Wert Tonnen Wert SCHAU A NOTN
produkte, $ Gold
Buenos Aires. , — = 23.919 239 190 34 187 900
Santa Fe 241004 400 50 000 1993 19 930 40 874 500
Cördoba die — — 27171 217.170 14 871 800
Entre Rios’:; — — 53 806 538 060 5 614 900
Pampans ai dal + - gib a _ 2.103 000
Corrientes.\ 4) 4 200 25 000 68 680 3.743 200
LE A — — 2.838 28 380 2220 100
Santiago del Estero — 383 3830 18 770 300
Mendoza: . x. Zn — nBl2797 31 127 970 5 040 000
San Juan «st. _ ‚559.153 5.591 530 1.590 000
Fa Rioja‘ „70 25 238 252380 1 080 000
Catamarca LE. is — 22 665 226 650 1.430.000
Tucumän 153400. 19 175 000 1.286 12 860 8 602 000
Salta "| 1 920 150 000 45 671 456 710 2701 900
Jajuy: 24 23.200. 2900 000 1.782 17 820 1 440 300
Chaco KR 1 220 240 000 — — 5 342 000
Formo88 1 ee 485 60 000 = 351 000
Misione8S «7 eu — = 573000
Neuquen . . . vw = 320 700
Rio: Negro #. 3.053 30 530 370.000
Chubut: + Hi — si 380 000
Santa Cruz... +: = = 65 000
Tijerra del Fuego . “0 26 000
Los Andes -.. + _. a 08 ”
180800 22600000 3876369 38763 690 151 728 700
Ueber die in der laufenden Ackerbauperiode :angebaute Bodenfläche AHA
werden. in der Presse bereits Schätzungen veröffentlicht, nach denen hierin 1913/14.

211
        <pb n="227" />
        eine weitere Zunahme festzustellen ist, die in der Hauptsache auf die für
die Bodenbestellung äußerst günstige Witterung des Jahres zurückgeführt wird,
welche die einschränkende Wirkung des _Pächterstreiks mehr als ausglich.
Ausgebaute Bodenfläche in ha 1913/14 1912/13
Weizen. EN AT a 7 300 000 6 918:450
Leinsdat N. en 1760 000 1733 330
Mais; . _.. 2 A a 9 3 740 000 3 830 000
Hafer ©) x 1.200 000 1.192 400
14 000 000 13 674 180
Wohausfuhr, Die Ausfuhr von Wolle entwickelte sich.in der Zeit vom 1. Oktober 1912
bis 26: Juni 1913 wie folgt:
Ballen Ballen‘
Dünkirchen 250 avre . PP 4287
Antwerpen . 27.510. “Marseille . EEE 338
Hamburg . 86 157%-Barcelona . ia 186
Bremen 10113 „Amsterdam 2637
Genua. . An 5493 Mülhausen Se. 3 149
England A ES . 5 361
Bordeaux A 6255. Verschiedene S 399
Die Gesamtausfuhr während des genannten Zeitraums bleibt mit
290 978 Ballen gegen die in dem gleichen Teil der letzten Produktions-
periode verschifften 320 000 Ballen etwas zurück.
Deutschlands Einfuhr nach Argentinien.
Anteil der Wie wir in einem früheren Hefte unserer Mitteilungen (Heft. 3,: 1913)
te berichteten, hatte im vorigen Jahre die Einfuhr Deutschlands nach Argentinien
nicht unbeträchtlich abgenommen und diese Erscheinung war um so
alarmierender, als gleichzeitig die Anteilziffern unserer Hauptkonkurrenten,
Englands und der Vereinigten Staaten, nicht unbedeutende Zunahmen auf-
wiesen. Wie die argentinische Handelsstatistik für das erste Vierteljahr 1913
ergibt, ist dieser Rückgang nur vorübergehend gewesen. An der Einfuhr
beteiligten sich in erster Linie die folgenden Staaten:
kn $ 610) 1. Quartal 1913 1 ntemfuhr 8 T Quarlal 1912
Großbritannien . +. 32 789 259 RO,2 + 4885 383
Deutschland .. 21 203 464 19,5 + 4764411
Vereinigte Staaten... 14 996 096 13,8 —+ 938 340
Frankreich. . . . 7. 10076 085 23 + + 537427
Halien‘ „9711010 9.0 + 1.566.627
Belgien... . 5243389 4,8 +" 667 687
Spanien” (1). A 2974220 2,7 + 133606
Oesterreich-Ungarn .... 4... 2278252 2,1 + 1614 233
Brasilien. A. 2192723 2.0 A 12717

212
        <pb n="228" />
        Die Zunahme der deutschen Einfuhr erreicht somit fast die der englischen
und hat in diesem Quartal die amerikanische Einfuhr, die im vorigen Jahre
der unsrigen so bedenklich nahe rückte, weit hinter sich gelassen. Be-
merkenswert ist auch die verhältnismäßig sehr große Zunahme der Einfuhr
aus Oesterreich-Ungarn.

Im ersten Halbjahr belief sich nach der argentinischen Statistik die
Einfuhr auf 209 175 389 $ Gold, d.h. 25 810 473 $ Gold mehr als im ent-
sprechenden Zeitraum des Vorjahres, die Ausfuhr auf 293 077 756 $ Gold,
d.h. 48 369 253 $ Gold mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Über die weitere Entwicklung der deutschen Einfuhr nach. Argentinien Deutschlands
während des ersten Halbjahres 1913 sind aus der deutschen Statistik B ah ahr
einzelne. Daten zu entnehmen. Im Folgenden haben wir ‚für die haupt-
sächlich in Betracht kommenden Warenklassen die Einfuhrzahlen. im Ver-
gleich mit den entsprechenden Zahlen im Vorjahr zusammengezogen, soweit
sie im einzelnen in den monatlichen Nachweisen über den ‚auswärtigen
Handel ‚angegeben waren, Die Zahlen können daher keinen Anspruch auf
Genauigkeit machen und sollen nur dazu dienen, die Zu- resp. Abnahme
der Ausfuhr nach Argentinien in den einzelnen Positionen nachzuweisen.

1. Halbjahr 1913 1. Halbjahr 1912
Reis +7 26 976 4.064
Zucker, u 2-5 a 279 535 40 288
Zement ... - 316.623 171 146
Steinkohlen I 130.225 171.570
Seifen usw. vv. I 4 590 2.984
Seidenwaren An 1120 1164
Wollgsain ©. AN 1241 983
Woöllwaren. + aa 6 643 4 468
Baumwollgarn . . - 532 1 050
Baumwollwaren .. +. - 19318 12610
Kleider und Putzwaren 2 640 1.829
Leder und .Lederwaren 1 660 1 474
Kautschukwaren . + 3.380 2889
Holzwaren. ..-“ 17.198 13.289
Papierwaren „ -: - 159 308 121.169
Bücher, Noten und Bilder . 1.272 1148
Tonwaren 4! 4. tm 40 944 37 547
Glaswaren.: 5 «0 46 406 32 015
Eisenwaren . - 16 192 16 825
Stabeisen, Träger, Formeisen 681 524 544 581
Bleche LG . 97 812 65 503
Drabi Ale 2422563 146 146
Eiserne Röhren? . - 4 84005 58 321 44 916
Eisenbahnmaterial =. +4. 7. 390 048 295.972

(dz)
213
        <pb n="229" />
        Maschinenteile, Brücken, Dampf-
Aa KOSSCL- USW. Zimt ia LO 893 93 369
MWErKZeURe u era bt tra me A) DT 4 807 5.719
Drahiwaren x. od, PP A 15.191
Schrauben, Nägel .. AD 8178 5.183
Blechwaren „ 8.732 6618
Feine Eisen- u. Stahlwaren... . ‚14727 14.914
BIeEiWareNGe ar un DA. 943 986
ZINK WETTEN er EN. 1.603 986
Zinn und Zinnwaren. .” ZH. 522 648
Kupfer- und Messingwaren . .. 7 009 6296
Maschinen aller Art‘ .‘“. . wi 56072 68 350
Elektr. Maschinen, Apparate usw. 64806 71525
Eisen- und Straßenbahnwagen. . 25111 11721
Automobile‘, . are 5220 3 980
Musikinstrumente‘. „29... 7256 5191
Spielwaren... a Si 8.097 4737
Aus der vorstehenden Aufzählung ist zu ersehen, daß die oben bereits für
das erste Quartal auf Grund der , argentinischen Statistik festgestellte Zu-
nahme der Einfuhr im ganzen auch für das erste Halbjahr als zutreffend
anzusehen ist, indessen ist die Zunahme bei allen Artikeln keine gleich-
mäßige. Ins Auge fällt zunächst‘ die erhebliche Mehreinführ von Zucker,
die sich aus der Zollermäßigung erklärt, die angesichts der nachlassenden
heimischen Produktion gewährt worden war. ‘Größere Zunahmen zeigen
sich auch bei Textilwaren, Holz-, Papier- und Gläswaren. ‘Ferner weisen
die Bulkartikel der Eisenindustrie, wie z. B. Stabeisen, Träger, Bleche, Draht,
Röhren, Schienen, eiserne Bahnschwellen usw., erheblich größere Einfuhr-
zahlen auf als im Vorjahre. Nicht gleichmäßig war die Entwicklungs-
tendenz in der Maschinenindustrie, die in einzelnen Positionen, wie z. B.
Lokomotiven, Explosions- usw. Motoren, Nähmaschinen, Pumpen, Zunahmen
verzeichnete, in anderen dagegen, wie z. B. Dampfmaschinen und
Lokomobilen, Krähnen, Baggern, Holzbearbeitungsmaschinen usSW., nicht
unerhebliche Abnahmen zeigte. Auch die Elektrizitätsindustrie importierte
bedeutend weniger Dynamomaschinen und Akkumulatoren, dagegen ist die
Menge der importierten Kabel erheblich größer als im Vorjahre. Erwähnens-
wert ist schließlich die Zunahme der Einfuhr.von Eisen- und Straßenbahn-
wagen, Automobilen, Musikinstrumenten und Spielwaren.
Deutschland Wie oben bereits erwähnt wurde, überragte im ersten Quartal 1913 die
er kaen Einfuhr Deutschlands mit 19,5% der .Gesamteinfuhr ‘die der. Vereinigten
Staaten, die nur 13,8% betrug, ganz bedeutend. Die Einfuhr Deutschlands
hat somit stärker zugenommen als die jedes seiner Konkurrenten. Da-
gegen ging die Einfuhr aus England, die in den ersten drei Monaten des
Vorjahres 30,8% der Gesamteinfuhr betragen hatte; im. ersten. Quartal des

214
        <pb n="230" />
        laufenden Jahres auf 30,2% zurück. ‘In. der argentinischen Tagespresse
wurde an diese Entwicklung verschiedentlich die Bemerkung geknüpft, die
früher hie und‘ da. geäußerten Befürchtungen, daß die Einfuhr aus Deutsch-
land zurückginge und von den Vereinigten Staaten von Amerika überflügelt
würde, seien nicht begründet, und auch ein Bericht des kaiserlichen General-
konsulats in Buenos Aires‘ gibt diese Meinung wieder. Wenn nun auch
die Zunahme‘ der deutschen Einfuhr im laufenden Jahre als sicher an-
genommen werden, kann, so darf bei einer Beurteilung der Frage, wie sich

im Vergleich hierzu die amerikanische Einfuhr entwickeln wird, doch nicht

die sich bei der Einfuhr im ersten Quartal herausstellende Differenz zu-

grunde gelegt werden. Die Einfuhr Deutschlands‘ und der Vereinigten

Staaten nahm in den ‘einzelnen Quartalen: der letzten drei Jahre die

folgende Entwicklung:

(Millionen $ Gold) pn 7 sr DH DE
I. Quartal 16,4 „14,1 19,8 11,3 16,7 12:2
II. Quartal 15,6 143 14,5 10,5 15,1 10,3

Il. Quartal 14,7 1 17,7 14,7 13,6 11:8

IV. Quartal 17,2 171 13:9 15,8 15,7 14,2

Hieraus ist ersichtlich, daß regelmäßig. im ersten, Quartal die Einfuhr

Deutschlands diejenige der Vereinigten Staaten ganz, bedeutend übertraf,

daß aber im letzten Quartal die Einfuhr: der. Union: derjenigen Deutschlands

ziemlich gleichkam und sie im Jahre 1911 sogar nicht unbedeutend
überholte. Ein abschließendes Urteil über die vergleichsweise Entwicklung
der Einfuhr beider Länder kann daher mit Sicherheit erst gefällt werden,
wenn die Ergebnisse des vierten Quartals vorliegen.
Nordamerikanische Propaganda.

Der zunehmende Wettbewerb der Vereinigten Staaten in Argentinien, Bearbeitung
auf den wir. bereits wiederholt hinwiesen, nötigt zu einer scharfen Beobachtung Anentahen
seiner Entwickelung und insbesondere verdienen auch die Bemühungen Nord- Meinung.
amerikas autmerksam verfolgt zu werden, die ‚ohne direkte wirtschaftliche
Vorteile zum Ziele zu haben, doch auf eine Verstärkung seiner Position
jm Auslande hinauslaufen, konnte doch im verflossenen Etatsjahr die Aus-
fuhr der Union um beinahe 400 Millionen. Dollars anwachsen, ein.Beweis
für den Erfolg, mit dem sich die amerikanische Industrie in immer größerem
Umfange auf den Export einrichtet.

Seit Jahren hat man begonnen, den Absatzgebieten in Südamerika, in
erster Linie Argentinien, immer größere Beachtung zu. schenken und . sie
mit allen: Mitteln zu bearbeiten. Hierbei wirken Hand in Hand mit der an
sich kaum zu übertreffenden Geschäftsreklame eine große Anzahl Ver-
anstaltungen aller Art, die letzten Endes dazu ‘dienen, die öffentliche. Auf-
Merksamkeit immer wieder auf die zwischen beiden Ländern. bereits

215
        <pb n="231" />
        bestehenden oder in Zukunft anzuknüpfenden geschäftlichen Beziehungen
zu lenken.

Vorbereitet würde diese Bewegung dadurch, daß man die Kenntnis der
wirtschaftlichen Werte Argentiniens in den Vereinigten Staaten verbreitete»
wozu neben der Tätigkeit der Pan-American Union das Wirken von Männern
der Wissenschaft und des Handels und namentlich der diplomatischen Ver-
treter der Union sehr viel beitrug. Hervorzuheben sind die Erfolge, die
hierbei Mr. Sherrill, früherer Gesandter der Vereinigten Staaten in Argentinien
erzielte, der in allen Haupthandelsplätzen der Union Vorträge hielt, in denen
die glänzenden Entwickelungsmöglichkeiten Argentiniens und die reichen
Gewinne, die es für Kapitalsanlagen und als Absatzgebiet‘ der Industrie in
sichere Aussicht stellt, überzeugend geschildert wurden. Ebenso wurde dann in
Argentinien für einen engeren wirtschaftlichen Anschluß an die Vereinigten
Staaten eine geschickte Propaganda eingeleitet. Dieser Zweck war der leitende
Gedanke bei der Veranstaltung der pan-amerikanischen Kongresse, er gab

Studien- Veranlassung zu den Agitationsreisen des amerikanischen Staatssekretärs Root,

Bann und kürzlich hat man es wieder verstanden, den Besuch einer Anzahl Mit-

Handels- lieder der Bostoner Handelskammer zu einer wirkungsvollen Kundgebung

kammer. für die Union auszugestalten. Die amerikanischen Kaufleute hatten als eine
Art Studienkommission die Häfen der Westküste bereist, um die mit der
Eröffnung des Panamakanals gegebenen neuen Möglichkeiten zur Ausdehnung
der geschäftlichen Beziehungen zu untersuchen, und kehrten über Argentinien
und Brasilien nach‘ den Staaten zurück. In Buenos Aires wurde die
Kommission nicht nur von Handelskreisen, sondern auch von seiten der
Behörden mit Aufmerksamkeiten überhäuft. Die Börse veranstaltete ihr zu
Ehren ein Bankett, an dem über 200 Personen teilnahmen und das durch
die Anwesenheit des Vizepräsidenten der Republik und der sämtlichen
Minister einen durchaus offiziellen Charakter erhielt. Die Presse berichtete
in der bei solchen Anlässen üblichen ausführlichen Weise über jeden Schritt
der Bostoner Handelskammer-Mitglieder, würdigte in langen Artikeln die
argentinisch-nordamerikanischen Handelsverhältnisse und brachte die Hoff-
nungen und Wünsche zum Ausdruck, die man in wirtschaftlicher Hinsicht
an den Besuch knüpfte, — kurz, die Aufnahme der Kommission ließ deutlich
erkennen, welch großen Wert man der Ausdehnung der Beziehungen zur
Union beilegt, und welch befruchtenden Einfluß man insbesondere von dem
weiteren Zuströmen des amerikanischen Kapitals erwartet.

Farquhar, Die gleiche Tendenz verfolgen die Pressnotizen, die seit Monaten auf
den bevorstehenden Besuch Farquhars hinweisen, dessen Ergebnissen man
allerdings mit großem Interesse entgegensehen kann, da das offen zutag®
getretene finanzielle Unvermögen Argentiniens, den Ausbau seiner Staat5-
bahnen selbständig und planmäßig fortzusetzen, dem amerikanischen Kapital-
konzern, den Farquhar repräsentiert, eine günstige Gelegenheit zur Erreichung
seiner bereits in unseren Mitteilungen (Heft II 1903) geschilderten Ziele zu
bieten scheint. -

216
        <pb n="232" />
        Hierher gehört ferner die Vorbereitung der öffentlichen Meinung auf Roosevelt,
das für Anfang November angesagte Eintreffen Roosevelts, der auf Einladung
des Museo Social Argentino in Argentinien einige Vorträge über die fort-
schrittlichen Ideen in den Vereinigten Staaten halten wird. Auch dieser
Besuch wird sicherlich dazu beitragen, ‘die freundschaftlichen Gefühle
Argentiniens für die Union zu verstärken und wird ein weiteres Glied in
der Kette bilden, durch welche die große amerikanische Republik ihre
argentinische Schwester immer enger an sich zu fesseln sucht.

Wohl erheben sich einzelne mahnende Stimmen, wie die Manuel Ugartes,
die auf die Gefahren hinweisen, die der wirtschaftlichen und weiterhin der
politischen Selbständigkeit der Republik von den Vereinigten Staaten her
drohen. Doch verhallen die Warnungen, ohne viel beachtet zu werden, da
man den wahren Freund des Landes gegenwärtig vor allem in der Nation
erblickt, die reichliches Kapital für die weitere Entwicklung Argentiniens
in Aussicht stellt.

Unter den Gründen, die Argentinien veranlassen können, seinen Gästen Aufhebung
aus dem Norden einen besonders freundlichen Empfang zu bereiten, ist in des ameri-

. S ; &lt; . ; kanischen
erster Linie zu erwähnen, daß man hofft, in der Union ein weiteres wert- Ouebracho-
volles Abzatzgebiet für viele Produkte zu erlangen, wenn die demokratische zolls.
Partei das begonnene Werk der Lockerung des Hochschutzzollrings erfolg-
reich fortsetzt. Der Anfang dazu ist bereits mit der Gewährung der Zoll-
freiheit für die Einfuhr von Quebracho gemacht. Diese Maßregel berührt
in Argentinien um so sympathischer, ‚als die Quebrachoindustrie in ihrer
Entwicklung durch die in den meisten Absatzgebieten bestehenden Einfuhr-
zölle stark gehemmt ist und man nunmehr von der verstärkten Ausfuhr
eine neue Blüte für sie erhofft.

Auch die Fortschritte im Bau der beiden in Nordamerika bestellten Kriegsschiffs-
Großkampfschiffe geben den Zeitungen immer wieder Veranlassung, die Aufträge
Blicke des Volkes nach Nordamerika zu lenken, wie die Presse überhaupt
gern jede Gelegenheit benutzt, Günstiges über die Vereinigten Staaten
zu sagen.

Angesichts dieser ganzen Verhältnisse meint die deutsche La Plata-

Zeitung, daß auch Deutschland einmal Handelsdelegierte. nach Argentinien
senden solle, die sicherlich ebenso freundlich aufgenommen werden würden
wie die Nordamerikaner, besonders im Hinblick auf den glänzenden Verlauf
des Besuchs der argentinischen Sondermission in Deutschland. Aus dem
mit diesem Empfang erzielten günstigen Eindruck könnte. eine Handels-
delegation vorteilhaft auch praktische Erfolge ausmünzen, und derartige
Schritte seitens Deutschlands seien um so mehr geboten, weil es kein Mittel
unversucht lassen. sollte, um im Wettbewerb mit anderen Nationen die
bevorzugte Stellung sich zu erhalten, die es sich auf dem argentinischen
Markt eroberte.

217
        <pb n="233" />
        Verschiedenes.

Wochenend- Der Wochenend-Telegrammverkehr ist durch Verordnung vom

U 24,März ds. Js. zwischen Argentinien und Groß-Britannien eingeführt worden.
Die. Einrichtung besteht darin, daß die für diese. Beförderungsart be-
stimmten Telegramme bis zum Sonnabend jeder Woche 12 Uhr. nachts
gesammelt und im Laufe des Sonntags und des Montags vormittags, an
welchen Tagen der Verkehr geringer ist, befördert werden. Die Auslieferung
an den Empfänger erfolgt am Dienstag Morgen. Die Telegramme müssen
mindestens 25 Worte einschließlich der speziellen Bezeichnung TWT, enthalten
und unterliegen denselben Bestimmungen wie die Telegramme mit halber
Gebühr, jedoch beträgt der Tarif nur 20 Cts. Gold per Wort.

Von dem in dieser Erleichterung des ‚Verkehrs liegenden Vorteil ist
Deutschland vorläufig ausgeschlossen, indessen. sind, . besonders auf An-
regung der Deutsch-Südamerikanischen Telegraphengesellschaft, von der
Reichspostverwaltung bereits Schritte eingeleitet, um die Ausdehnung dieses
Verkehrs auch auf Deutschland durchzuführen. Leider besitzt Deutschland
immer noch kein eigenes direktes Kabel nach Buenos Aires, jedoch ist die
vorgenannte Gesellschaft nach Kräften bemüht, den englischen
Einfluß auf diese Beförderung mehr und mehr auszuschalten. . Die
Kabel der Gesellschaft reichen vorläufig nur bis Pernambuco, von dort
bis Montevideo müssen die englischen Kabel der Western Telegraph
Company benutzt werden. Zwischen Montevideo und Buenos, Aires wird
der Dienst wieder von der Compania Telegräphico-Telephönica del Plata,
die der deutschen Gesellschaft sehr nahe steht, auf eigenen Kabeln betrieben.
Der weitaus größte Teil des deutschen Telegrammverkehrs nach Argentinien
und dem übrigen Südamerika fließt den deutschen Kabeln zu, die von der
Reichstelegraphenverwaltung als Normalweg erklärt worden sind. Das früher
in Buenos Aires vorhandene Monopol für den internationalen Kabelverkehr
der englischen Gesellschaften besteht also nur noch insoweit, als England
immer noch das einzige Land ist, das direkte Kabel nach‘ Argentinien
besitzt, und daher die in Buenos’ Aires bestehenden Telegraphenkompagnien
anderer Nationen für einen Teil des Weges‘ mehr oder weniger auf die
englischen Kabel angewiesen sind.

Drahtlose Sehr große Fortschritte hat‘ auch die drahtlose Telegraphie in

Telegraphie. Argentinien gemacht, und es besteht der Plan, mittels Funkenspruch eine
Verbindung mit Europa herzustellen. Die einzelnen Stationen sollen an der
atlantischen Küste entlang bis Cap Roque aufgestellt werden, von wo die
Telegramme über die Insel Noronha, die Kanarischen und Capverdischen
Inseln bis nach Spanien geleitet werden. Die Verwaltungen der in Betracht
kommenden Staaten sollen zu einer Konferenz nach Buenos Aires geladen
werden.

Die Republik ‘besitzt bereits ein Netz von 58 Stationen für draht-
lose Telegraphie, darunter mehrere mit einer Reichweite von 500 bis 1000 km.

218
        <pb n="234" />
        Die auf die drahtlose  Telegraphie‘ bezüglichen Fragen wurden durch
Erlaß vom: 5. Juli ds. Js. geregelt. Danach‘ ist der Dienst für: den
öffentlichen Verkehr dem Ministerium des Innern, für den Verkehr der
Landesverteidigung dem Kriegs- und Marineministerium unterstellt worden.
Die dem letzteren Zweck dienenden Linien können mit Zustimmung des
Ministers des Innern auch‘ dem öffentlichen Verkehr zugänglich‘ gemacht
werden; die Abgaben sind die gleichen wie bei den übrigen dem Ööffent-
lichen Verkehr dienenden‘ Anstalten. ‘ Auch Versuche mittels drahtloser
Telegraphie dürfen im Lande nur mit‘ Erlaubnis der Regierung veranstaltet
werdet. Die Handelsdampfer, einheimische wie auswärtige, können mit
den Küstenstationen-in Verkehr treten; müssen aber für die zu entrichtender
Gebühren eine Garantiesumme bei der Bank der Nation hinterlegen, deren
Höhe die. Postdirektion bestimmt. An der Südküste werden binnen kurzem
sieben weitere Stationen von der Deutschen Telefunkengesellschaft aufge-
stellt werden.

Trotz dieser | enormen | Entwicklung ‘der drahtlosen‘ Telegraphie
wird sie die gewöhnliche Telegraphie und insbesondere die Kabel in abseh-
barer Zeit weder überflüssig machen noch verdrängen, da in den Fällen,
wo es. auf einen regelmäßigen und unbedingt zuverlässigen Dienst ankommt,
die von atmosphärischen Einflüssen stark abhängige drahtlose Telegraphie
vorläufig noch versagt. Dagegen haben die Kabelgesellschaften sie ver-
schiedentlich mit gutem Erfolg als Zubringer für ihre Leitungen eingeführt.

Der Jahresbericht der argentinischen Verwaltung für die inneren Verbrauch
Steuern macht über den Verbrauch‘ einiger‘ Genußmittel und der aus HT
ihnen erzielten Steuererträge die folgenden Angaben: Im Jahre 1912 wurde
in Argentinien für 512,12 Millionen $ Papier verarbeiteter Tabak verkauft.
Die Einnahmen der inneren Steuer hieraus betrugen 28,5 Millionen $ Papier.
Von dem in den Verbrauch übergeführten Tabak kommt eine beträchtliche
Menge’ aus dem Auslande, insbesondere aus Habana, und dieser Anteil hat
in den letzten Jahren beständig zugenommen,

‘$ Gold) Wert der. Einfuhr Steuerertrag
1908 3.041 900 1183 579
1909 3592 938 2 063 488
"9 1220 819 2408 114
; +12 270 2398116
1912 5161799 3.032167

In der Republik befanden sich 33 Branntweinbrennereien in Be-
trieb, die zusammen 175877 hl Phlegma, 170 390 Trinkbranntwein und
32290 hl Branntwein zu gewerblichen Zwecken erzeugten. Der
Hauptteil der Erzeugung entfällt auf die Provinzen Mendoza, San Juan,
La Rioja und Catamarca. Ferner bestehen im Lande zahlreiche Likör-
fabriken; in Buenos Aires allein werden aus 95 240 hl gewerblichen Alkohols
245 045 hl Likör fabriziert. An Wein wurden im Jahre 1912 im ganzen

219
        <pb n="235" />
        4210621 hl, d. h. 429 202 hl mehr als 1911 hergestellt. | Die Brauereien
erzeugten 1094431 hl Bier, wovon.1 007 448 hl in den Verbrauch über-
gingen. Bei Annahme einer Bevölkerung von 5 Millionen ergibt sich somit
ein Verbrauch von 12,5 hl Bier auf den Kopf der Bevölkerung.
Mühlen- In Vervollständigung der in Heft 3 gemachten Mitteilungen über die
industrie. Mählenindustrie in Argentinien bringen wir aus einem Bericht der
statistischen Abteilung des Landwirtschaftsministeriums die folgenden An-
gaben. Es waren in Argentinien im Jahre 1912! 322 Weizenmehlmühlen
vorhanden, von denen 52 sich außer Betrieb befanden. Verarbeitet wurden
1 217 030 Tonnen Weizen, die 840 118 Tonnen Weizenmehl und 360 990 Tonnen
Nebenerzeugnisse ergaben. Die Industrie hat eine rasche Entwicklung durch-
gemacht, wie ein Vergleich mit.den entsprechenden Zahlen des Jahres 1895
zeigt, in welchem zwar 603 Weizenmehlmühlen gezählt wurden, die ins-
gesammt aber nur 383 147 Weizenmehl herstellten. Der größere Teil der
damals bestehenden Mühlen hat also inzwischen den Betrieb eingestellt und
ist durch leistungsfähigere Anlagen ersetzt worden. Das Anwachsen der
Großbetriebe in Buenos, Aires geht aus einem Vergleich der Beteiligung
hervor, welche die Weizenmehlmühlen in der Hauptstadt und in den
einzelnen Getreideprovinzen an der Mehlerzeugung in den Jahren 1895 und
1912 hatten.
Anteil 1912 Anteil 1895

Buenos Altes re tet 36 % 17,7%

Provinz Buenos Aires . .. 20. % 33,4 %

Frovinz ‚Santa _F&amp; 15 % 25,6 %

Provinz Entre Rios . . . 5% 9,6 %

Provinz Cördoba 13 % 5,5 %

Territorium Pampa Central 2%

Die überragende wirtschaftliche. Bedeutung der vorstehend angeführten
politischen Verwaltungsbezirke der Republik im Gegensatz zu den übrigen
zehn Provinzen und neun Territorien ergibt sich aus der Erwägung, daß allein
auf sie entfallen: 91 % der gesamten Weizenmehlerzeugung, 73 % der Be-
völkerung, 90 % der bebauten Bodenfläche, 71 % des Viehstandes und 73 %
der Eisenbahnen. —

Bahia Blanca Bahia Blanca ist derjenige unter den argentinischen Häfen, der
in den letzten Jahren die schnellste Entwicklung durchgemacht hat. Sein
Aufblühen begann, als in der zweiten Hälfte der 90er Jahre der Getreide-
bau im Süden der Provinz Buenos Aires größeren Umfang erreichte. Heute
erstreckt sich der wirtschaftliche Einfluß Bahia Blancas viel weiter und um-
faßt einen großen Teil der Pampa Central, den Süden von Mendoza und
San Luis und das Hauptgebiet der Täler des Rio Negro und Rio Colorado-
Die Stadt, die 1901 ca. 25 000 Einwohner zählte, hat die Ziffer inzwischen
fast verdoppelt. 1891 liefen vier Dampfer in Bahia: Blanca an, 1912 91,
und im: Jahre 1908 verließen 281 Dampfer den Hafen, dessen größte Be-
deutung in seinem Export liegt. Dieser hatte im Jahre 1912 einen Wert

2920
        <pb n="236" />
        von 69 Millionen $ Gold und zwar 43 Millionen &amp; Gold mehr als im Vor-
jahre; auch im Jahre 1913 hat die aufsteigende Entwicklung angehalten,
denn die Ausfuhr wies schon im ersten Quartal ‚einen; Wert. von über
30. Millionen $&amp; Gold auf, ‚d. h. fast 12 Millionen $ Gold mehr als in der
entsprechenden Zeit des Vorjahres. Die Einfuhr Bahia Blancas ‚ist von
geringerer Bedeutung, doch steht es auch hierin an dritter Stelle hinter
Buenos Aires und Rosario. In Wirklichkeit besitzt die Stadt.vier Häfen:
Ingeniero White, Galvan, Cuatreros und Puerto Militar. Der. Hafen von
Cuatreros dient in erster Linie dem Export von Gefrierfleisch, während
Ingeniero White und Galvan ihre Bedeutung der Getreideausfuhr verdanken.
Ersterer ist eine Gründung der Südbahn; letzterer der Pacificbahn.. —

Es finden sich in der argentinischen Presse Klagen darüber, daß Bahia
Blanca nicht von allen Seiten die Förderung erhalte, die es nach seiner
heutigen Bedeutung verdiene. So sind. z. B.. die fiskalischen Lagerhäuser,
für die bereits 1 Million $ Gold bewilligt sind, immer noch nicht in An-
griff genommen. Auch die Frachttarife von den Häfen nach der Stadt
werden als sehr hoch bezeichnet, und man wirft den beteiligten Bahnge-
sellschaften vor, daß sie auf diese Weise die Entwicklung des. Einfuhr-
handels über Bahia Blanca behinderten, weil sie bei ‚einer Einfuhr über
Buenos Aires ein besseres Frachtgeschäft machten.

Vorläufig kommt. das Hinterland von Bahia. Blanca wegen seiner
wenig dichten Bevölkerung für die Aufnahme europäischer Waren noch
nicht in größerem Umfange in Betracht, indessen lassen die günstigen
Vorbedingungen dieser Zone, insbesondere auch für die deutsche Ein-
wanderung eine rasche Zunahme der Besiedlung erhoffen. Der Aufschwung
Bahia Blancas ist nicht zuletzt ‚auch, der deutschen Seeschiffahrt zu ver-
danken, die neben. der Küstenfahrt bereits den direkten Verkehr nach
diesem Hafen aufgenommen hat, und auch die argentinische Regierung
unterstützte die direkte Einwanderung in Rahia Blanca durch den Bau eines
Einwandererhotels. Die für den Hafen bestehenden Entwicklungsmöglich-
keiten‘ können. als sehr bedeutend angesehen werden und der Platz wird
mit der Zeit immer mehr in die Lage kommen, dem in mancher Hinsicht
überlasteten Hafen von Buenos Aires einen großen Teil auch des trans-
atlantischen Verkehrs abzunehmen. ?

Die österreichischen Schnelldampfer sollen Pressenachrichten zufolge als Schwimmende
schwimmende Ausstellungen nunmehr auch in den Dienst ‚der Propaganda Aus-
für die Österreichische Industrie gestellt werden, Einer Anregung des Seen.
argentinischen Gesandten in Wien folgend wird die ‚Austro-Americana
gemeinschaftlich mit dem Landesverband für Fremdenverkehr in Wien auf
dem: Ende Oktober ausgehenden Dampfer „Kaiser Franz Josef I“ einen
derartigen Versuch machen, der gleichzeitig in Südamerika Interesse für
einen Besuch Oesterreichs und speziell Wiens erwecken soll. In den ge-
eigneten Salons des Dampfers werden der sonstigen Ausstattung angepaßte
Vitrinen angebracht, in denen kunstgewerbliche und insbesondere: Damen-

221
        <pb n="237" />
        Juxusartikel zum Verkauf ausgestellt werden sollen; Ein gewandter
sprachenkundiger Verkäufer begleitet die Ausstellung, die aus mitgenommenen
Reservevorräten ständig erneuert wird. Es werden im gänzen nur 20 erst-
klassige Firmen zugelassen. Während des Aufenthalts /in Argentinien,
Brasilien und Uruguay soll die Ausstellung auf besondere Einladung den
Gesellschafts- und Geschäftskreisen der Landungsstädte im Wege gesell-
schaftlicher Veranstaltungen in Anwesenheit der österreichisch-ungarischen
Konsuln zugängig gemacht werden. Für den Fall des Gelingens der ersten
Verkaufsausstellung soll das Unternehmen allmählich auf alle Reisen .der
Austro-Americana nach Südamerika ausgedehnt werden.
Elektrotech- Unter Bildung einer argentinischen elektrotechnischen Kommission,
ana die vom' Ackerbauministerium ressortiert, ist Argentinien dem inter-
* nationalen elektrotechnischen Komitee in London beigetreten. Die Kom-
mission setzt sich‘ zusammen aus‘ den: Professoren ‘der Physik der
Universitäten von Buenos Aires, La Plata und Cördoba, je einem Dele-
gierten des Ackerbauministeriums, des Ministeriums der öffentlichen Ar-
beiten, des Kriegs- und Marineministeriums, der Stadtverwaltung von
Buenos Aires und der Elektrizitätsgesellschaften, deren Kapital mindestens
10 Millionen $ beträgt. Die Dauer der Mitgliedschaft beträgt vier Jahre,
nach deren Ablauf die Wiederwahl zulässig ist.
Brücke über Die Vorstudien für eine Brücke über den Uruguay, deren Bau seitens der
den Uruguay gleichnamigen Republik beabsichtigt wird, stoßen auch in Argentinien auf großes
Interesse. Die Brücke soll in der Höhe von Concordia gebaut werden und diese
Stadt mit dem uruguayischen Salto verbinden. Dadurch würde das argen-
tinische Bahnnetz auch mit dem von Brasilien direkt in Verbindung gesetzt, so
daß man künftig im gleichen Wagen von Buenos Aires nach Rio fahren
kann, da ja der Trajektverkehr über den Paranä schon in Betrieb ist.
Neues Ein neues Vizekonsulat der argentinischen Republık ist durch Dekret
Vizekonsulat. „om 29, Mai in Wiesbaden geschaffen worden, seine Verwaltung wurde
Herrn Ernesto Sommer übertragen.
Kom- Durch Dekret vom 13. Mai ds. Js. sind die: folgenden argentinischen
N hen Offiziere zur Dienstleistung auf zwei Jahre im deutschen Heere ab-
*  kommandiert worden: Infanterie: Die Oberleutnants Luis J]. Loredo, Juan
M. Monferini und Conrado Sztyrle; Artillerie: Die Oberleutnants Enrique
Rueda, Nelio Calderön und Pablo R. Barrere; Kavallerie: Die Oberleutnants
Juan G. Soldini, Jose Sierra und Roberto Bosch; Genietruppen: Die Ober-
leutnants Jose Salatti und Antonio E. Bossi.
Auskünfte in Auskünfte in Zolltarifsachen, insbesondere 'in Fällen, in denen
N bezüglich der woraussichtlichen Klassifizierung Zweifel bestehen, erteilt
” der Vorsteher der Zollabfertigungsstelle beim Zollamt in Buenos Aires
Anfragen müssen in doppelter Ausfertigung eingereicht werden und genaue
Angaben über Art, Beschaffenheit und Wert der Ware enthalten; ferner
sind, je nach der Natur des Gegenstandes, zwei Muster bzw. Abbildungen
oder Zeichnungen beizufügen.

299
        <pb n="238" />
        Gesetze und Verordnungen.

Unterm 29, März ds. Js. ist ein neues Reglement für den Sanitätsdienst im
Bereich der See- und Flußschiffahrt erlassen worden, Der gesamte hierauf
bezügliche Dienst ist der Verwaltung des Departamento Nacional de Higiene unter-
stellt worden.

Das Sanitätsabkommen zwischen Italien und der argentinischen Republik
vom 17. August 1912 ist am 10. März 1913 ratifiziert worden.

Die zollamtliche Abfertigung der Kolli, die als Pakete (encomiendas) Zollbehand-
im Hafen von Buenos Aires eintreffen, ist neuerdings durch Dekret vom 10. Juni 1913 lung von
insofern verschärft worden, als derartige Packstücke, deren Inhalt über 1 cbm hinaus- Pakelen.
geht, direkt in die allgemeinen Lagerhäuser überführt und als gewöhnliche Fracht-
güter angesehen werden. Sie sind folglich den für diese maßgebenden Vorschriften
über Löschen, Anlandbringen, Lagerung, statistiche und Krahngebühr, Begleitpapiere und
Abfertigung) unterworfen. Die Schiffsagenten haben derartige Kolli innerhalb der für die
Richtigstellung des Ladungsmanifestes vorgesehenen Frist in das allgemeine Ladungs-
manifest einzutragen. Ferner soll die Zollverwaltung der Hauptstadt gemäß den
Vorschriften des Artikels 5 des Gesetzes Nr. 8878 diejenigen Pakete (encomiendas),
deren Volumen über 1 cbm nicht hinausgeht, die aber innerhalb der auf die Aus-
schiffung folgenden 30 Tage nicht reklamiert werden, mit der gleichen Lagergebühr
und Strafe belegen, wie die direkt abzufertigenden Artikel, die innerhalb 30 Tagen
nach der Landung sich noch im Zollgewahrsam befinden.

Die Lagerhausfristen in Buenos Aires werden neuerdings einheitlich von Lagerhaus-

dem Tage ab berechnet, an dem das Schiff seine „entrada“ erhält, d. h. mit fristen,
dem Löschen beginnen kann, Von diesem Zeitpunkt ab ist also sowohl für die
Waren, die im Zollamt zu Lager genommen werden als auch für die unmittelbar
abzufertigenden Waren (despacho directo) das Lagergeld zu entrichten.
Nur für die Fälligkeit der im Artikel 5 des Gesetzes Nr. 8878 vorgesehenen
Strafen (5°, und Erhebung des doppelten Lagergeldes) wird für den Beginn der Frist der
Tag als maßgebend angesehen, an welchem das letzte Stück der Ladung entweder
unmittelbar aus dem Schiff oder mittelbar aus dem Leichter oder Eisenbahnwaggon
in das Lagerhaus gelangt ist.

Vorschriften für die Einfuhr von Kartoffeln sind durch Dekret vom Einfuhr von

29. Mai 1913 erlassen worden, da die eingeführten Partien vielfach mit Krankheiten Kartoffeln,
behaftet waren und eine Gefahr für die argentinische Landwirtschaft darstellten.
Alle aus dem Auslande kommenden Kartoffelsendungen müssen von Ursprungs-Ge-
sundheits- (sanidad origen) und Gesundheits- (sanidad) Zeugnissen begleitet sein.
Unter Ursprungs-Gesundheits- Attest wird ein Zeugnis verstanden, das sich auf den
Gesundheitszustand des Saatfeldes oder Gebietes, aus dem die Sendung herrührt, be-
zieht; unter Gesundheitszeugnis soll ein Attest über die Beschaffenheit der Kartoffel-
partie vor der Einschiffung verstanden werden.

Als Ursprungs-Gesundheits-Atteste werden Bescheinigungen der von der Re-
gierung des Herkunftlandes zur Ausstellung ermächtigen Sachverständigen anerkannt,
wenn aus denselben hervorgeht, daß das fragliche Saatfeld oder Land frei ist von
chrysphlyctis endobiotica (synchytrium endobioticum), phytophthora infestans,
rhizoctonia solani, heterodera radicicola, Iytta solannella, sarna (Schorf) und podre
seca (Trockenfäule). Ferner haben sie das Datum der Ernte, die Menge oder das
Gewicht der Sendung sowie die Namen des Abladers und Empfängers zu enthalten.

Als Gesundheitsatteste werden anerkannt die von den vorerwähnten ausländischen
Sachverständigen oder durch einen delegierten Sachverständigen des argentinischen
Landwirtschaftsministeriums ausgestellten Bescheinigungen, wenn sie angeben:

1. daß die Kartoffeln anscheinend von den erwähnten Krankheiten und Schädlingen
frei sind, 2. Menge oder Gewicht und Markierung der Kisten, 3. Bezeichnung des
Dampnfers. des Empfängers oder Vertreters des Abladers im Bestimmungsland und

2922
        <pb n="239" />
        4...das Datum der Ausstellung, Die Untersuchung, auf Grund derer das Zeugnis
ausgestellt wird, darf frühestens einen Monat nach dem Tage der Ausstellung des
Ursprungs-Gesundheits-Attestes erfolgen. Die vorerwähnten Bescheinigungen müssen
von dem zuständigen argentinischen Konsul beglaubigt werden.

Die Kartoffelsendungen werden im argentinischen Ankunftshafen nochmals
untersucht. Wird hierbei eine der vorerwähnten Krankheiten festgestellt, so muß
der Empfänger die Kartoffeln zurücksenden, andernfalls wird nach Ablauf der hier-
für seitens der Zollverwaltung festgesetzten Frist die Sendung durch die Sanitäts-
behörde vernichtet.

Von der Untersuchung im argentinischen Ankunfishafen sind diejenigen Sen-
dungen befreit, die außer den vorerwähnten Attesten den Nachweis darüber erbringen,
daß sie unter Mitwirkung eines argentinischen delegierten Sachverständigen im Ver-
schiffungshafen einem der nachstehend beschriebenen Verfahren unterworfen und
nach dem Zeugnis dieses Beamten unter guten Verstauungs- und Lüftungsbedingungen
verschifft worden sind.

Wer von diesen Ausnahmebedingungen in den Verschiffungshäfen, wo sich ein
argentinischer delegierter Sachverständiger befindet, Gebrauch machen will, kann
dessen Mitwirkung nachsuchen, damit der Beamte

entweder bei der Anwendung eines Desinfektionsbades zugegen ist und darauf
die Verpackung der desinfizierten Kartoffeln mit seinen Zeichen versieht. Als
Desinfektionsbäder werden angesehen solche aus 3°%,iger Bordeauxbrühe oder
aus Schwefelcalcium, das in heißem Wasser aufgelöst ist und mindestens 2,5%
Schwefel enthält. Die Bäder müssen auf Verlangen des argentinischen Sach-
verständigen wiederholt werden. Die Kartoffeln sind in den beim Transport ge-
brauchten Kisten zu desinfizieren.

oder damit der Beamte die Sendung daraufhin untersucht, ob in ihr eine
der oben erwähnten Krankheiten vorhanden ist. Zu diesem Zwecke muß die
Sendung nach der Entnahme der Muster 15 Tage lang gesondert aufbewahrt
werden, um Verwechselungen zu vermeiden, und wenn festgestellt ist, daß die
Sendung gesund ist, werden die Verpackungen in derselben Weise wie voı-
stehend bezeichnet.

Das über eine der vorstehenden Maßnahmen ausgestellte Attest wird Reinheits-
zeugnis (certificado de limpieza) genannt. Es wird nach Beendigung des Verfahrens
ausgestellt unter Angabe der getroffenen Maßregeln, der Marke und Nummer der
Kisten, welche die Kartoffeln enthalten, Name des Abladers und Empfängers und
eines Hinweises auf die übrigen Bescheinigungen. In diesem Attest sind ebenfalls die
oben erwähnten guten Verstauungs- und Lüftungsbedingungen zu bescheinigen.

Kartoffelsendungen, deren gesunder Zustand durch eines der vorerwähnten Ver-
fahren festgestellt ist, können über jeden Hafen der Republik eingeführt werden, so-
bald die betreffenden Bescheinigungen im Landwirtschaftsministerium eingesehen
worden sind, Alle übrigen Sendungen dürfen nur über Buenos Aires eingeführt
werden unter Beobachtung der bestehenden Vorschriften.

Stempelab- Pakete ohne Handelswert die. für Privatpersonen. bestimmt sind und

gabe für deren Inhalt auch nicht für Handelszwecke Verwendung findet, sollen nach einer

Pakete ohne Verordnung vom, 21. Mai 1913 von der im Artikel 32 Ziffer I des Gesetzes Nr. 4927

Handelswert. vom 17. Oktober 1905 (Stempelgesetz) auferlegten Stempelabgabe von 1 $ m/n befreit sein-
Druck‘ von‘ PASS &amp;GARLEB 'G. in: 6H.' Berlin W. 57; Bülowstr. 66;
        <pb n="240" />
        Argentinische Eisenbahnen.

Die Ergebnisse des am 30. Juni abgelaufenen Geschäftsjahres der ver- Ergebnis des
schiedenen privaten Eisenbahngesellschaften ‘ weisen‘ derartig günstige Va
Resultate auf, wie sie die Gesellschaften seit einem Jahrzehnt nicht ver- Obi
zeichnen konnten. Der Verkehr hat sich durchweg gehoben und erforderte
vielfach die Investierung neuer Mittel sowohl für den Ausbau der Linien
als auch für die Vergrößerung“ und Verbesserung ‚des Materials. . Seit Be-
ginn des Geschäftsjahres 1912/13 haben: die wöchentlichen Einnahme-Aus-
weise aller Gesellschaften niemals "eine Abmahme gezeigt, mit Ausnahme
der. letzten. Hälfte 'des Juni; doch‘ ist dies -auf den um diese Jahreszeit
immer eintretenden Rückgang der Getreideverladungen - zurückzuführen und
berührt somit in keiner Weise das festgestellte günstige Resultat. Die
Einnahmen der fünf größten Gesellschaften während der letzten beiden
Jahre waren die folgenden:

(£) 1911/12 1912/13 Mehreinn. 1913
Sur:c: ei 5.369 606 6 559 000 1 189 494
Pacifico. . - . 4928 055 5:551 000 622 945
Central Argentino . . 5204636 6 447 769 1243 133
Oeste‘ . 7 : ;, 2423519 2.897 000 473 481
Central “C6rdoba .:°.... 1611101 ___ 1898 548 0 282 447
19 536 817 23 348 317 3 811 500

Durch die erzielten Ueberschüsse sind die im Vorjahre erlittenen Verluste

mehr als ausgeglichen worden, Die Aussichten für das kommende Ge-

schäftsjahr sind nicht weniger günstig, besonders wenn man den weiteren

Ausbau des Verkehrs in Betracht zieht, den die Eisenbahngesellschaften in

ihren verschiedenen Einflußzonen eingeleitet haben.

Die erhebliche Anzahl neuer Linien, die in Betrieb genommen wurden Vermehrung
und die allgemeine Zunahme des Verkehrs machen weiterhin eine Ver- des rollenden
mehrung des rollenden Materials notwendig. Unter ‚dem. 7. Juni ds. Js. MS
erließ der Präsident ein Dekret, in welchem die Bestände an Verkehrs-
mitteln festgesetzt wurden, welche die verschiedenen Eisenbahngesellschaften
zur Bewältigung der kommenden Ernte sowie zur Erfüllung der sonstigen
voraussichtlich an sie gestellten Verkehrsansprüche am 1. Januar 1914 auf-
weisen müssen. Im Folgenden geben wir eine Uebersicht über das bei den

295
        <pb n="241" />
        einzelnen Gesellschaften vorhandene Material sowie über die Vermehrungen,
die entsprechend dem vorerwähnten Erlaß zu beschaffen sind,
Güterverkehr.
Ladefähigkeit der Zahl der Zahl der
Güterwagen  (to.) Viehwagen Gepäckwagen
1/1 Vermeh- 1./1. Vermeh- 1./1. Vermeh-
1913 rung 1913: „rung 1913: zung
Central Argentino del Norte . 151536 1797 475 — 312 —
Provincia de Santa F&amp; .... 4.163873 „24252 352 77 116 2
Compafiia General... .”.. 49951 "14859 357 42 66 —
Central Cördoba (3 sec. y Cörd,

y, Rosario) 1. 00 ... 87709 41995 279, 19 158 10
Tranvia a vapor de Rafaela 424 — — A 6 DE
Transandino Argentino . . 778 — 76 6 20
Central del Chübut‘ 868 — 4 — 4
Nordeste Argentino... „ 9051 2909 1771ER 44 2
Entre‘Rios ELSE 0. 35676 4717 238 7 36 —
Central de Buenos Aires‘ . . 8365 4 635 14 21 17 4
Sud! de: Buenos: Aires 5. 1/0 276/545. 779 565 1:274:1(22637 575° 145
Oeste ‚de Buenos Aires ... . 226543 20370 1164 1436 364 Wr
Central Argentino: u... 46,1 345753749653 955: 300 467 163
B. A. Pacifico y,B. B. y Noroeste 194926 — 807... 17 291 43
Gran Oeste Argentino . . . 62840 16030 250 64 134 43
Rosario y Puerto Belgrano. ‚ 30480 100 — 26 =

Personenverkehr.
Wagen Wagen Speise- (Gesamtzahl der
1. Klasse = 11: Ben wagen Sitze
. Ver- ya u. /er- Ver-
N meh- ht meh- I meh- We meh-
rung tung rung rung

Central Argentino del Norte . 147 4 121 5 AS 12280 382
Provincia de: Santa F&amp; u. 47 2 3 7 5109 91
Compania. General. 4.104007 43 — 4109 =
Central Cördoba (3 sec. y Cörd. )

y Rosario) 10 110.31. 215 P2.11139 1.200
Tranvia a vapor de Rafaela — A — Ka 152 —
Transandino Argentino . . . ir 1.0 = 2— 1017 —
Central del Chubut:. A Om n 4 S E 249 AA
Nordeste Argentino . .'.. 27 25 } 2393 287
Entre Rios er 0 a 39 28 4 190 —
Central de Buenos Aires, ‚ 5 4 :6 ; Ha 1149 411
Sud. de Buenos Airesd. 1), 86797787 0251190100 73819767 425897801
Oeste: de Buenos Aires... 1. 19513817: 1091030 22753 22504 4796
Central, ‚Argentino. 074014 nom 314 110,1 2817590 15407 7:)4:36:958 13:442
B. A Pacifico,y B.B.yNorovesie A134 49-7 1114516421 30 16744102 456
Gran Oeste. Argentino . .ı 47. ul Sl ull AS 7099 1721
Rosario y Puerto. Belgrano. . 12 — 1 "ai 1436

226
        <pb n="242" />
        Lokomotiven.
für Güterzüge für Personen- En
(ohne Rangier- u, gemischte mitll.5Zug-
maschinen) Züge kraft Ser
A
1913. mehrung 1913  .mehrung, eUS
Central Argentino del Norte 159 — 241 == 5 870
Provincia de Santa Fe... 32 i— 110 20 3.964
Compania General... +. 12 3 71 3 5162
Central Cördoba (3 sec. y Cörd.

y Rosario) 1149 GONE 55 8 150 22 5.082
Tranvia a vapor de Rafaela. . - = 4 — 1 500
Transandino Argentino... = 14 = 6519
Central del: Chubut +. u ; 2.765
Nordeste Argentino .. 87 7 4 867
Enlre RiOS 10: der A 27 4 5172
Central de Buenos Aires . = - 38 3664
Sud de Buenos Aires. . . 145 83 342 6 525
Oeste de Buenos Aires .'. . 118 36 171 6 906
Central Argentino ©. 4. 142 88 354 6 761
B. A. Pacifico y B. B. y Noroeste 163 20 235 7141
Gran Oeste Argentino . . 129 13 AT 8343
Rosario y Puerto Belgrano .. 25 — 1 8 780

Die Fusion der beiden Eisenbahngesellschaften Gran Sur de Buenos Fusion der
Aires und Oeste de Buenos Aires zu einer einzigen Gesellschaft unter dem Süd- u. West-
Namen Compania de Ferrocarril del Sur y del Oeste Limitada ist von Den
der Regierung genehmigt worden. Die neue Gesellschaft verpflichtet sich
1500 km neue Linien zu bauen, insbesondere zum Zweck der Vereinheit-
lichung beider Eisenbahnsysteme und zur Förderung des Verkehrs nach
den Häfen ihrer Zone. Die Pläne für die Strecken sind dem Kongreß
innerhalb vier Monaten einzureichen und müssen den Bau einer Zweiglinie
von Dolores nach dem Hafen von Ajö und einer Verbindungslinie mit dem
Schienennetz‘ der Ferrocarril de Buenos Aires al Pacifico außerhalb des
Gebietes der Bundeshauptstadt einschließen, nach deren Fertigstellung die
bestehende Verbindungslinie zwischen Caballito und Chacarita aufgehoben
werden soll. Sämtliche neuen Linien müssen innerhalb der nächsten Ssie-
ben Jahre vollendet sein. Als Garantiesumme hat die neue Gesellschaft
300 000 $ in bar oder öffentlichen Schuldtiteln zu hinterlegen, die ent-
sprechend den fertiggestellten und dem Betriebe übergebenen Linien zurück-
vergütet werden. Die Transportkosten für Truppen, Kriegsmaterial, Mate-
rialien für nationale oder provinziale Arbeiten genießen eine Ermäßigung
von 50% auf die gewöhnlichen und von 40% auf die Ausnahmetarife,

Die gleiche Ermäßigung ist für Dienstreisen von Beamten, Offizieren und
Soldaten zu gewähren, ebenso den Einwanderern und den Stipendiaten der
Universitäten, welche Studienreisen unternehmen. Für die Dauer eines
Jahres von der Fusionsgenehmigung an darf die neue Gesellschaft ihr Per-

297
        <pb n="243" />
        sonal nicht verkleinern und muß den Beamten, die später auf Grund der
Fusion entlassen werden, alle Vergütungen gewähren, die ihnen nach den
bei den alten Gesellschaften bestehenden Bestimmungen zugekommen wären.
Kursrückgang Trotz der eingangs erwähnten vorzüglichen Ausweise über die Ein-
Eh nahmen während des letzten Betriebsjahres hatte Ende Mai an der Londoner
” Börse ein bemerkenswerter Rückgang in der Bewertung der argentinischen
Eisenbahnpapiere begonnen, der sich während der beiden folgenden Monate
fortsetzte, obgleich der prozentuale Anteil der Unkosten an den Einnahmen
der Gesellschaften sich ständig verkleinerte und die Reingewinne: ent-
sprechend wuchsen. Die rückläufige Bewegung. wurde verstärkt infolge der
Zahlungseinstellung der Firma Dessain Dutton, eines Bankhauses, das sein
Hauptgeschäft in südamerikanischen Eisenbahnwerten machte. |
Ein weiterer Grund für den Kursrückgang ist in‘ der vorsichtigeren
Beurteilung zu sehen, die man unter der Einwirkung der auf dem internationalen
Geldmarkt herrschenden Besorgnisse den überseeischen Werten überhaupt
entgegenbrachte. Als dann Mitte Juli die Südbahn mit neuem Kapitals-
bedarf in Höhe von 5 Millionen Lstr. an den Markt kam, verursachte dies
einen neuerlichen erheblichen Rückgang nicht nur der Südbahnwerte,
sondern beeinflußte auch den ganzen Südamerikanermarkt sehr ungünstig.
Die Verwaltung der Südbahn erklärte es jedoch für unmöglich, eine bessere
Konstellation abzuwarten, da das Geld notwendig gebraucht wurde zur Be-
schaffung des erforderlichen rollenden Materials und für die Fortführung
der Strecke über Neuquen nach der chilenischen Grenze, der südlichen
Küstenbahn und mehrerer Zweiglinien, in der Provinz Buenos Aires. Wie
die gegenwärtig in Argentinien vorhandene wirtschaftliche Depression wird
aber auch die Minderbewertung der argentinischen Eisenbahnpapiere vor-
aussichtlich nur eine vorübergehende Erscheinung sein, weil sie mehr in
der augenblicklichen Lage des Geldmarktes als in der wirtschaftlichen
Entwicklung der Gesellschaften selbst begründet ist.
Stockung im Während sich die Privatbahnen in einer Periode zufriedenstellenden
aa und zum Teil glänzenden Aufschwungs befanden, kann dies von den Staats-
bahnen nicht gesagt werden. Wie schon früher (Heft 2, 1913) ‚dargelegt
wurde, war der.Bau der von der Regierung begonnenen Bahnlinien aus Mangel
an Mitteln allmählich ins Stocken geraten... Der durch Dekret vom 11. Februar
1913 gebilligte Voranschlag der Verwaltungskosten der Staatsbahnen belief
sich auf insgesamt 18 164 580 $ m/„, die aus den Einnahmen derselben ge-
mäß dem Gesetz Nr. 6757 aufgebracht werden sollten. Im Mai wurde so-
dann durch Kabinettsbeschluß dem Ministerium der Öffentlichen Arbeiten
der Betrag ‚von einer Million$ "/n bewilligt, um die fälligen Löhne und
dringendsten Rechnungen bezahlen zu können. Diese Summe war unbedingt
gebraucht worden, wenn man die Arbeiten an den staatlichen Territorial-
bahnen nicht. gänzlich einstellen und das: vorhandene Material vor dem
Verderb bewahren wollte. Der damals wirklich fällige Schuldbetrag wurde
jedoch bereits auf das Fünffache der bewilligten Abschlagszahlung geschätzt.

228
        <pb n="244" />
        Alle Bemühungen, durch Landverkäufe in dem Gebiet der gebauten Strecken
die zum Unterhalt und zur Fortführung der Arbeiten notwendigen Mittel
aufzubringen, waren fruchtlos gewesen;. ja der Regierung war es sogar
nicht gelungen, für frühere Landverkäufe erhaltene Wechsel zu diskontieren,

Bei dieser Lage der Dinge stand das Schicksal der argentinischen
Staatsbahnen in den letzten Monaten dauernd im Vordergrund des öffent-
lichen Interesses. Das Unvermögen der Regierung, das begonnene Werk
fortzuführen,. war zwar seit langem offenbar und hatte schon im vorigen
Jahre verschiedene Vorschläge gezeitigt, z.B. von Dr. Emilio Frers, Mendez
Casariego und Etcheverry, die alle darauf abzielten, den Weiterbau
privaten Unternehmungen zu überlassen. Angesichts der inzwischen ein-
getretenen Verschärfung der Lage wiederholte Dr. Emilio Frers im Mai
dieses Jahres seinen Vorschlag, der zunächst den Ausbau der ‚durch Gesetz
Nr. 5559 vom 11. September 1908 ‘beschlossenen sogenannten Ferrocarriles
de Fomento dem Meistbietenden übergeben wissen wollte. Außer den
üblichen Erleichterungen sollten die Unternehmer als Entgelt die Hälfte der
von der Bahnlinie durchschnittenen Fiskalländereien erhalten, und zwar in
einer Ausdehnung von 1500 ha per km.

Dieser Vorschlag wurde kurze Zeit nach seiner Veröffentlichung durch Verpachtungs-
einen weit radikaleren überholt. Ende Mai, wenige Tage nach der Rück- projekt.
kehr .des Ministers der öffentlichen Arbeiten Ramos Mejia aus "Europa,
brachte eine Gruppe von zehn Senatoren im Senat einen Gesetzentwurf
ein, der im wesentlichen folgenden Inhalt hatte: Die im Besitze des Staates
befindlichen Bahnen werden auf 60 Jahre an Privatgesellschaften verpachtet,
die sich. verpflichten, die verschiedenen Linien innerhalb bestimmter Zeit-
räume auszubauen und nach Anordnung der Regierung mit den notwendigen
Betriebsmitteln zu versehen. Der Ausbau der Linien hat nach einem
in Kürze aufzustellenden Plan zu erfolgen, in welchem insbesondere der
Gesichtspunkt der Verbindung. der inneren Märkte der Republik mit dem
internationalen Verkehr zu berücksichtigen ist. Die Linien von Barran-
queras nach Metän. und von Formosa nach Embarcaciön sind in die zu
schließenden Verträge mit einzubeziehen. Die Pachtgesellschaft kann inner-
halb ihrer Einflußzone die Kolonisation der von der Bahn durchschnittenen
Fiskalländereien von Tochtergesellschaften durchführen lassen. Nach Ab-
lauf der Geltungsdauer des Gesetzes Mitre bleiben die Pachtgesellschaften
von jeder Art nationaler, provinzialer oder munizipaler Steuer befreit, dagegen
behält sich die Regierung einen, Einfluß auf die Tarife vor, sobald der
Reingewinn 5% übersteigt. In solchen Fällen kann die Regierung jederzeit
die. Aufhebung der Tarife fordern, sofern die Lage der betreffenden Pacht-
gesellschaft dadurch gegenüber einer Konkurrenzgesellschaft nicht benach-
teiligt wird. Unter derselben Voraussetzung sollen die bestehenden oder
während der Pachtzeit gegründeten Eisenbahn-Gesellschaften ebenfalls ab-
gabenfrei bleiben, wenn sie dem Staate einen Einfluß auf ihre Tarife ein-
räumen, sobald der Reingewinn 7% übersteigt. Die Offerten sind einzu-

229
        <pb n="245" />
        reichen unter Angabe des jährlich per Betriebskilometer zu zahlenden
Pachtpreises, der entweder ein fester für die ganze Pachtzeit oder ein für
bestimmte Zeiträume abgestufter sein kann. Der Pachtpreis soll unter Zu-
grundelegung eines Reingewinns von höchstens 5% vom wirklichen Wert
der Linien berechnet und gleichzeitig die prozentuale Mehr-Abgabe fest-
gelegt werden für den Fall, daß der Reingewinn 5% übersteigt. Nach
Ablauf des Pachtkontrakts sind die gesamten Linien mit allem Zubehör
in gutem Zustande dem Staate zu überliefern, ohne daß dafür irgendeine
Entschädigung gewährt wird. Zur Bezahlung der verschiedenen Arbeiten,
die aut Grund des Gesetzes ausgeführt werden, sind 5%ige innere Schuld-
titel, Bonos de Ferrocarriles, auszugeben. Der Regierung steht es frei, ent-
weder mit diesen Titeln oder mit Geld zu bezahlen. Die Erträge aus der
Verpachtung ‘werden für den Schuldendienst der Titel verwendet. Die
Regierung wird ermächtigt, die Bahnlinie von San Antonio nach Nahuel
Huapi zu verkaufen, mit der Verpflichtung, daß sie der Käufer fertig baut.
Ebenso können die übrigen im Bau befindlichen patagonischen Linien mit
der Verpflichtung der Fertigstellung verkauft werden, und die in der Ein-
flußzone dieser Bahnlinie liegenden fiskalischen Ländereien können in den
Verkauf mit eingeschlossen werden.
Angebot der Wenige Tage nach dem Bekanntwerden des vorbeschriebenen Gesetz-
ana 8 entwurfs‘ reichte eine französische Gesellschaft, die Regie Generale: des
Chemins de Fer et Traveaux Publics ein Angebot ein, das unter Speziali-
sierung von bereits früher (im November 1912) gemacäten Vorschlägen
die Bedingungen darlegte, unter denen die Regie Generale den Ausbau des
Staatsbahnnetzes zu übernehmen gewillt war. Der eingereichte Plan sieht den
Bau von 3743 km Strecke vor. Die für den Ausbau der einzelnen Linien ge-,
forderten Preise bewegen sich zwischen 17 000 und 37 000 $ Gold per km. Die
Gesamtkosten des Ausbaues der Staatsbahnlinien werden auf 105472700 $ Gold
berechnet, doch behält sich die Gesellschaft vor, vom Bau einzelner Linien
zurückzutreten, wenn die Vorstudien erweisen, daß die genannten Preise
hierfür nicht ausreichen. Die Kosten der Vorarbeiten sind in solchen
Fällen mit 200 $ Gold per km zu vergüten. Die verschiedenen Linien
sollen sechs Jahre nach Unterzeichnung. der betreffenden Verträge fertig-
gestellt sein. Die Regie Generale übernimmt den Betrieb sämtlicher Linien
sechs Jahre hindurch unter der Aufsicht des Staates, an den 80% des
evtl. Nutzens abzuführen sind, während ein entstehendes Defezit ganz zu
seinen Lasten gehen soll. Die Gesellschaft übernimmt ferner den Bau der
Hafenanlagen in San Antonio, Comodoro Rivadavia, Punta Deseado, Baran-
queras, Formosa und Diamante. Für die Ausführung der Arbeiten wird
die Regie Generale eine Baugesellschaft ins Leben rufen, welche Aktien
und 5%ige Obligationen ausgibt. Der Gesamtbetrag dieser Emissionen
wird im Einvernehmen mit der Regierung festgesetzt, nachdem die Kosten
der verschiedenen Linien feststehen. Die ausgegebenen Obligationen sollen
innerhalb 80 Jahren getilgt sein.

230
        <pb n="246" />
        Das Projekt der Verpachtung der Staatsbahnen stieß bei der Regierung Rücktritt des
jedoch auf entschiedenen Widerstand, ohne daß man sich aber über die He Dan
Art und Weise einigen konnte, in welcher der Bau der Eisenbahnen in Arbeiten.
den Nationalterritorien sowie die Verwaltung der übrigen Staatsbahnen
weitergeführt werden Sollte. Die Meinungsverschiedenheiten führten
schließlich zu einem Konflikt zwischen dem Finanzminister Dr. Pifiero und
dem Minister der öffentlichen Arbeiten Ramos Mexia, der den Rücktritt
beider zur Folge hatte. Der Finanzminister hatte erklärt, daß die Regierung
unter keinen Umständen im Interesse der Fortsetzung der Bahnbauten eine
neue Anleihe aufnehmen werde; Herr Ramos Mexia bestritt, daß dies die
Auffassung des Präsidenten sei. Der Präsident lehnte es jedoch ab, der
Auffassung von Dr. Pifiero unbedingt beizutreten und es hat daher den
Anschein, als ob in absehbarer Zeit doch mit einer neuen Anleihe wird
gerechnet werden müssen, sobald die Lage des Geldmarktes deren Unter-
bringung nicht mehr erschwert.

Zugleich mit seinem Rücktrittsgesuch hat Herr Ramos Mexia auch eine

Denkschrift eingereicht, in der er die Deckungsfragen der Bahnbaukosten
behandelt. Er bespricht darin die Nachteile, die durch die fortwährende
Ausgabe verschiedener Titel zur Zahlung der aus den verschiedenen Bau-
verträgen herrührenden Verpflichtungen entstehen, und Schlägt vor, an
Stelle derselben eine einzige große Anleihe in Serien zu emittieren. Es
ist allerdings richtig, daß die rasch sich folgenden verschiedenen Typen
der kleinen Eisenbahnanleihen das allgemeine Kursniveau nachteilig be-
einflußten, denn sie mußten sehr oft zur Unzeit auf den Markt gebracht
werden. Andererseits hätte aber die Aufnahme einer neuen Anleihe in
Höhe von 300 Millionen Pesos Gold, wie sie Herr Ramos Mexia plante,
die Staatsschulden mit einem Male um über 50% erhöht, und es ist klar,
daß sich gegen ein derartiges Projekt schwerwiegende Bedenken erheben
mußten. — Der neue Minister der öffentlichen Arbeiten, Dr. Carlos Meyer-
Pellegrini, wird, wie bisher verlautet, den Ausbau der Staatsbahnlinien fort-
zusetzen suchen, jedoch wird beabsichtigt, in erster Linie die Provinzial-
bahnen zu fördern, während die Ferrocarriles de Fomento_in den Terri-
torien vorläufig zurückstehen soll.

Die Frage der Verbindung des argentinischen Eisenbahnnetzes mit dem Anschluß des
bolivianischen ist‘ nach langer Zeit wieder einen Schritt weitergekommen. A
Schon im Jahre 1894 war über diese Frage ein Abkommen zwischen den .
beiden Regierungen geschlossen worden, in welchem jede derselben es
übernahm, auf ihrem Gebiet die notwendigen Studien und Vorarbeiten aus-
führen zu lassen. Das Interesse Boliviens an dem Ausbau des Bahnnetzes
War damals besonders groß, da die Verbindung mit der Westküste noch
Nicht bestand, und das Entgegenkommen Argentiniens erklärt sich aus: dem
damaligen Gegensatz zu Chile wegen der Grenzfrage. Im Abkommen vom

231
        <pb n="247" />
        Jahre 1912 übernahm es Argentinien, nach ‚der. Durchführung der not-
wendigen Vorarbeiten die Eisenbahnlinie ‚Central Norte von La Quiaca
bis Tupiza auszubauen, wobei Bolivien das Recht erhielt, den.bolivianischen
Teil der Linie jederzeit. zum, Selbstkostenpreise zu erwerben. —. In dem
Abkommen. von 1906 verpflichtete sich die argentinische Regierung, von
einem Punkt. der Grenze. in. der Nähe von Yacuiba anfangend, die Vor-
studien für. eine Linie. auf bolivianischem Gebiet. bis, Santa ‚Cruz de. la
Sierra durchzuführen, während die bolivianische Regierung es‘ übernahm,
für: die Linie von. .La. Quiaca nach Potosi über Cotagaita und Caiza die
Vorarbeiten zu machen. Diese Vereinbarung bestimmte ferner, daß die
argentinische Regierung nach Fertigstellung ‚der Linie Central Norte ı bis
Yacuiba auf ihre Kosten. die Verlängerung derselben bis 100 km. in der
Richtung auf Santa Cruz de la Sierra übernimmt und die Verzinsung des
Kapitals, das für den; Rest, der Linie bis, Santa. Cruz aufzuwenden ..ist,
garantiert. Dagegen durfte Bolivien den Bau keiner Eisenbahnlinie ge-
statten» die von irgend einem Punkt der Linie zwischen La Quiaca und
Potosi nach Westen führte, solange als es das volle Eigentumsrecht an. der
Linie La Quiaca—Tupiza noch nicht erworben hatte. Die schnelle, Ent-
wickelung der. wirtschaftlichen Kräfte Argentiniens im, ersten, Jahrzehnt
des Jahrhunderts ‚nahm aber, alle zur Verfügung. stehenden Mittel
für näherliegende Aufgaben in Anspruch, und diese weitausschauenden
internationalen: Verkehrsprojekte wurden zunächst zurückgestellt; auch die
Trübung des Verhältnisses zwischen Argentinien und Bolivien wirkte dabei mit.
Zu. Anfang ‚des Jahres, gelang es dem Vertreter Boliviens, General
Ismael Montes, in London. durch Vermittlung eines englischen Syndikats
eine Anleihe in Höhe von. einer Million Lstr., für den, Bau der Bahn
La Quiaca — Tupiza aufzunehmen. Nach dem neuen zwischen Argentinien
und. Bolivien geschlossenen Abkommen trägt letzteres die Kosten für dem
Bau dieser Linie allein. — Die Eisenbahnpolitik Argentiniens ist damit im
Nordwesten des Landes zu einem gewissen Abschluß gelangt, denn wenn
die neue Linie erst mit der von Uyuni nach Tupiza vereinigt ist, wird sich
der wirtschaftliche Einfluß Argentiniens auf die bolivianischen Departements
von Chuquisaca und Potosi einerseits und auf die von La Paz, Cochabamba
und Öruro andererseits ausdehnen, außerdem wird dann die Verbindung
mit der pazifischen Küste hergestellt sein. Letzterer Transportweg dürfte
für Nordargentinien größere Bedeutung erlangen, wenn an der Westküste
der mit der Eröffnung des Panamakanals erwartete Aufschwung eingetreten ist-
Direkter Im Gebiet, der Eisenbahngesellschaft Nordeste Argentino wird gegen
RAN Ende des Jahres der Trajektverkehr zwischen Posadas und Villa Encarnaci6m
eröffnet werden. Damit ist eine direkte Bahnlinie zwischen Buenos Aires
und Asuncion vollendet, die besonders für die weitere Entwicklung vor
Paraguay: große Bedeutung erlangen wird. — Über die ‚sich aus. dem neue»
Verkehrswege ergebenden Möglichkeiten einer vereinfachten Verzollung ist
bereitsim Mai dieses Jahres zwischen den beiderseitigen Regierungen ein Vertrag

39
        <pb n="248" />
        geschlossen worden, nach welchem Warensendungen, die den für den
Transitverkehr geltenden Beförderungsbestimmungen entsprechen, nicht an
der Grenze der Verzollung unterliegen, sondern erst vom Zollamt des Be-
stimmungsortes despachiert werden. Beim Grenzzollamt ist nur ein Inhalts-
verzeichnis der Sendungen einzureichen, nach dem später die Kontrolle
und Verzollung vorgenommen wird. Der Vertrag ist auf fünf Jahre ge-
schlossen und läuft sodann mit einjähriger Kündigungsfrist weiter.

Das Eisenbahnnetz der Provinz Buenos Aires soll eine erhebliche Er- Neue Bahnen
weiterung erfahren, da die Provinzialregierung eine Eisenbahnverbindung ED
zwischen La Plata, Bahia Blanca, Buenos Aires, Sierra Chica, 'Olavarria
und Mar del Plata zu erbauen beabsichtigt. Die Senatskommission für die
öffentlichen Arbeiten hat der Emission einer 41/, % igen Anleihe bis zum
Betrage von 17 Millionen $ Gold zugestimmt, deren Ertrag zur Durchführung
des Projekts dienen soll.

In Buenos Aires ist der Firma Lacroze Hnos. y Cia. die Konzession Neue Unter-
zum Bau einer Untergrundbahn vom Paseo de Julio nach Chacarita erteilt ES
worden. Die Linie wird in der Nähe des Endbahnhofs der Buenos Aires
Centralbahn beginnen und im wesentlichen im Zuge der Calle Corrientes
verlaufen. Im Falle die Anlage unterhalb dieser Straße Schwierigkeiten
bietet, kann die Bahn auch in einer der drei rechts und links hiervon
liegenden Parallelstraßen ausgeführt werden. Die Pläne sind bis zum
Februar nächsten Jahres vorzulegen; sechs Monate nach Genehmigung der-
selben sind die Arbeiten zu beginnen und drei Jahre nach Beginn zu
beendigen. Die Haltestellen müssen untereinander mindestens eine Ent-
fernung von drei Quadras haben, die Zugänge sind auf den Trottoirs anzu-
legen und in den Straßen von weniger als 20 m Breite in die Bauflucht zu
verlegen. Die Gesellschaft kann Kraftstationen für den eigenen Betrieb
sowie für industrielle Zwecke errichten; der Bau einer Zweiglinie nach
dem Güterbahnhof von Once wird ihr gestattet und ebenso der Anschluß
an die Hafenlinien, wenn die Nationalregierung die angewendete Spurweite
in dieser Zone zuläßt. Schließlich erhält die Gesellschaft das‘ Recht, ihre
Linien von Chacarita nach General Sarmiento zu vervierfachen.

Agrarpolitik.

Eine Reihe unliebsamer Erscheinungen im Organismus der argentinischen
Landwirtschaft hat in letzter Zeit mehr und mehr die Notwendigkeit dar-
getan, den bisher von der Regierung im wesentlichen befolgten Grundsatz
der Nichtintervention in der inneren Agrarpolitik zu verlassen und den Ver-
such zu machen, ordnend in die Entwicklung der Dinge einzugreifen. Die
Pächterstreiks ‚und der über ihre Ursachen veröffentlichte Kommissions-
bericht, den. wir im vorigen Heft erwähnten, haben hierbei vielfach auf-
klärend gewirkt und gaben den Anstoß dazu, daß sich die Oeffentlichkeit

233
        <pb n="249" />
        mehr als bisher mit der ökonomischen Lage der Bauern beschäftigte. Als

vorläufiges Ergebnis dieser Bewegung ist eine Anzahl dem Kongreß vor-

gelegter Gesetzentwürfe anzusehen, deren Hauptpunkte im folgenden kurz
wiedergegeben seien.

Staatliche Die infolge der unzweckmäßigen Ansiedelung in der Lage der Klein-

Kolonisation. payern vielfach zutage getretenen Mißstände haben im Verein mit der

richtigen Erkenntnis, daß die Volkskraft des Landes sich am besten auf

einen starken Bauernstand gründet, die Regierung veranlaßt, einen Gesetz-

entwurf einzubringen, der die Schaftung eines staatlichen Kolonisations-

unternehmens behandelt. Die von privaten Gesellschaften oder Grund-

besitzern betriebene Besiedlung soll dadurch nicht beeinträchtigt werden,

sondern soweit die betreffenden Unternehmungen das Interesse des Kolonisten

genügend wahren, eine nachhaltige Förderung erfahren. Es wird beab-

sichtigt, in den Hauptgegenden des argentinischen Getreidebaus, d. h. in

den Provinzen Buenos Aires, Santa Fe, Entre Rios und Cördoba, je 5000 ha

guten Ackerbaulandes im Wege der Ausschreibung oder nötigenfalls durch

Enteignung zu erwerben. Die angekauften Ländereien dürfen nicht weiter

als 10 km von einer Eisenbahnstation entfernt liegen. Sie werden in den

Provinzen Buenos Aires und Santa Fe in Lose von höchstens 40 ha, in

Entre Rios und Cördoba von höchstens 80 ha eingeteilt. Die Lose werden

zum Selbstkostenpreise unter folgenden Zahlungserleichterungen zum Ver-

kauf gestellt: Anzahlung 10% in bar, der Rest in 15 Jahresraten mit 7%iger

Verzinsung, wobei das Land zugunsten des Staates mit dem noch ge-

schuldeten: Betrag hypothekarisch be’astet bleibt. Die einzelnen Lose

werden öffentlich ausgeboten und bei der Zuteilung in erster Linie Bauern

von Beruf berücksichtigt, die schon möglichst nahe der Gegend gewohnt

haben, in der das Los gelegen ist, und die entweder geborene oder

naturalisierte Argentiner sind und die größte Kinderzahl besitzen. Niemand

darf mehr als ein Los erwerben und ist verpflichtet, es während der ersten

fünf Jahre selbst; zu bewirtschaften, bei Strafe der Annullierung: des Kauf-

kontrakts unter Verlust der bisher gemachten Zahlungen. Für den Erwerb

solcher Ländereien will die Regierung bis zu 8 Millionen Pesos aufwenden,

die aus den Abzahlungen der Käufer zu tilgen sind. Um die private

Anregung Kolonisationstätigkeit anzuregen sieht der Gesetzentwurf vor, die National-

privater Hypotlekenbank zu ermächtigen, denjenigen Eigentümern oder Koloni-

Kolonisation. „4 onsgesellschaften, die ihre Ländereien unter ähnlichen Bedingungen wie

die Regierung aufteilen, besonders günstige Beleihungen in Aussicht zu

‚stellen. Auf guten Camp mit reichlichem Wasser, der nicht weiter als

20 km von einer Eisenbahnstation entfernt liegt, können z. B. bei Losen,

die nicht über 30 ha groß sind, Darlehen bis zu 80%, des Taxwertes

gegeben werden, bis zu 70°, des Taxwertes bei Losen zwischen 30 und

80 ha, vorausgesetzt, daß der Taxwert jedes einzelnen Loses 10000 $ nicht

überschreitet. Für größere Ländereien bleibt der übliche Beleihungssatz

bestehen... Das so bewilligte Darlehen wird nur an den Käufer der Parzelle

934
        <pb n="250" />
        gewährt, der nach den, Bedingungen des Gesetzes auch nur ein einziges
Los erwerben darf, von dem Grundstück selbst Besitz nehmen und dem
Verkäufer die Differenz zwischen dem Kaufpreis und dem bewilligten
Darlehen bezahlt haben muß. In den ersten fünf Jahren nach dem Erwerb
muß der Käufer auf seinem Grundstück wohnen und es für eigene Rechnung
bearbeiten, anderenfalls kann die Bank eine sofortige Rückzahlung des
Darlehns bis auf 60%, des Taxwertes fordern. Zur Verhütung von Schein-
verkäufen, die nur in der Absicht getätigt werden, von der Hypotheken-
bank Darlehen zu den günstigeren Bedingungen zu erlangen, sind ent-
sprechende Strafen vorgesehen.

Für die Kolonisierung durch die Eisenbahngesellschaften wird die Förderung der
Bestimmung getroffen, daß die Regierung sowohl mit bereits bestehenden Ansiedelungs-
als noch zu gründenden Eisenbahngesellschaften Verträge abschließen kann DE
über die Kolonisierung von geeigneten fiskalischen Ländereien, die höchstens gesellschaften
zehn Kilometer von der Bahnlinie entfernt liegen. In diesem Falle ist der
gesamte Kaufpreis sofort zu entrichten. Das Land muß unverweilt in Lose
von 200 ha aufgeteilt werden, die entsprechend den allgemeinen Vor-
schriften dieses Gesetzes zum Verkauf zu stellen sind. Auch die Bahn-
gesellschaften können für derartige Ländereien Darlehen in Cedulas bis zu
60%, des Taxwertes eines jeden Loses won der Nationalhypothekenbank
erhalten. Der Käufer übernimmt dann die Hypothekenschuld und muß den
Rest der Kaufsumme in 10 Jahresraten bei einer Verzinsung von 7%, be-
zahlen. Als Garantie für die Restschuld erhält die Eisenbahngesellschaft
eine zweite Hypothek eingetragen.

Die nach den Vorschriften des Gesetzes erworbenen Bauerngüter von Besondere
höchstens 80 ha können während der ersten zehn Jahre des Besitzes nicht  Ver-
gepfändet werden, ebensowenig Arbeitsgeräte, Tiere und Mobiliar des Be- gänsligungen.
sitzers. Die mit dem Erwerb und der Hypothekenaufnahme verbundenen
öffentlichen Abgaben werden nach Möglichkeit reduziert. Die National-
hypothekenbank soll ermächtigt werden, bis zu 10%, der von ihr emittierten
Cedulas zur Beleihung der auf Grund des Gesetzes geschaffenen Bauern-
stellen zu verwenden.

Wenn der Entwurf Gesetz wird, dürfte sich die Regierung damit ein

wirksames Mittei geschaffen haben zur Bekämpfung der üblen Folgeerschei-
nungen und Auswüchse des jetzigen Pachtsystems, Den unter den gegen-
wärtigen Verhältnissen vielfach der willkürlichen Ausbeutung seitens des Groß-
grundbesitzers preisgegebenen Kleinbauern wird nunmehr Gelegenheit geboten,
sich unter annehmbaren Bedingungen einen eigenen Besitz zu erwerben.
Die kurzfristigen Pachtverträge, die den Bauern nirgends seßhaft werden
ließen, dürften‘ seltener werden, wie überhaupt verschiedene Bestimmungen
des Entwurfs das Bestreben der Regierung erkennen lassen, eine größere
Bodenständigkeit der Ansiedler und damit ihr endgültiges Aufgehen in der
argentinischen Nation zu fördern.

235
        <pb n="251" />
        Beschaffung "Als weitere Hilfsaktion von seiten der Regierung für den Kleinbauern
ON er rel ist der Gesetzentwurf zu betrachten, der den Einkauf von Getreidesäcken
die Regierung jUund Bindgarn von Staats wegen und den Verkauf derselben zum Selbst-,
kostenpreise an die Bauern anordnet. Bisher waren die Preise dieser Artikel,
die für die Einbringung und den Transport der Getreideernte unumgänglich
notwendig sind, gerade zur Erntezeit oft ganz unberechtigt in die _Höhe
getrieben worden und der Bauer, der sie wohl oder übel anlegen mußte,
hatte dadurch oft einen erheblichen Teil seines Gewinnes eingbüßt. Diesen
Preistreibereien ‘hofft die Regierung dadurch ein Ende zu machen, daß sie
zum mindesten einen Teil der Säcke und des Bindgarns durch das Acker-
bauministerium importieren läßt, um dadurch auf die Preisschwankungen
; eine ausgleichende Wirkung auszuüben. Es ist nicht beabsichtigt, mit dieser
» Maßnahme dem ordentlichen Handel eine schädliche Konkurrenz zu machen,
. und die Ankäufe sollen auch stets im Lande selbst gemacht werden, wenn
die geforderten Preise es gestatten.
Landwirt- Die Regierung verfolgt mit diesem Gesetzentwurf die gleichen Ziele,
"mn— wie eine Anzahl landwirtschaftlicher Genossenschaften, die bereits mit vielem
schaften., Erfolg ‚arbeiten. Ueber die Tätigkeit der in der Republik bestehenden
Interessenten - Gemeinschaften der ‚genannten Art im Erntejahr 1912/13
werden vom Landwirtschaftsministerium die folgenden Daten veröffentlicht.
Die Anzahl der Genossenschaften betrug 34, davon waren 22 gemischte
landwirtschaftliche Genossenschaften auf Aktien, 8 Gegenseitigkeitsgesell-
schaften für Versicherung gegen Hagel, 1 gegen Feuerschaden und 3
für die, Durchführung von Bewässerungsanlagen. Die Gesamtzahl der Mit-
glieder betrug 13371, das Gesamtkapital nominell 5114000 $, davon ein-
gezahlt 3.257 796,40 $. Die Tätigkeit der gemischten landwirtschaftlichen
Genossenschaften erreichte während des Jahres 1912/13 den folgenden Um-
jang: es wurden eingekauft Maschinen, Säcke, Verbrauchsartikel usw. im
Werte von 2728 052,33 $; Kollektivverkäufe von Getreide, Tabak usw.
wurden im Werte von 2001 155,59 $ bewirkt, außerdem wurden an Krediten
und gegenseitiger Unterstützung 176 556,76 $ bewilligt. Die von den Hagelver-
sicherungen a. G. versicherte Fläche betrug 1 369 681 ha mit einem Werte
von 43 600 491 $, wofür Prämienbeträge von 2 005 413,93 $ bezahlt wurden.
Entschädigungen wurden vergütet in Höhe von 930 127,27 $
Förderung Die staatliche Durchführung und Unterstützung von Bewässerungsanlagen,
von Bewässe- wie sie das Gesetz Nr. 6546 vom 28. September 1909 für eine größere An-
rungsanlagen. 1] von Flußtälern und namentlich für die nordwestlichen Provinzen vor“
sah, soll einem Gesetzentwurf zufolge über das ganze Gebiet der Republik
ausgedehnt werden. Zu diesem Zweck ist die Ausgabe von Bewässerungs”
obligationen über den durch das zitierte Gesetz vorgesehenen Betrag hinaus
bis zur Höhe von 100 Millionen $ Gold beabsichtigt. Die Regierung kan?
derartige Anlagen durch private Baugesellschaften, durch Gesellschaften der
Eigentümer der zu bewässernden Gebiete oder durch die Provinzialregie-
rungen ausführen lassen. Die Provinzialregierungen erhalten die für die

236
        <pb n="252" />
        Arbeit benötigten Beträge als Darlehen in Bewässerungsobligationen und
übernehmen damit den Zinsendienst dieser Titel, für welche außerdem die
Bewässerungsabgaben im besonderen haften. Die gleiche Vergünstigung
sollen die Gesellschaften der Besitzer von zu bewässernden Ländereien ge-
nießen, die sich zum Zwecke der Ausführung der von der Regierung
geplanten Arbeiten zusammentun. Für diese Gesellschaften gelten noch die
folgenden Vorschriften: sie müssen sich als Aktiengesellschaften konstituieren
mit einem Kapital mindestens so groß wie die Endsumme der genehmigten
Kostenvoranschläge, für welchen Betrag sie Bewässerungsobligationen im
Nennwert erhalten. Sämtliche Arbeiten unterstehen der Aufsicht des Staates.
Die als Darlehen erhaltenen Bewässerungsobligationen können jederzeit zu-
rückgezahlt werden, womit dann das Einspruchsrecht der Regierung erlischt.

Ein Gesetzentwurf, der. gleichzeitig die Förderung von Landwirtschaft Unterstützung
und Industrie zum Zweck hat, wurde im Senat der Provinz Buenos Aires "en
eingebracht. Danach soll für alle Kapitalien, die in Fabriken zur Verar- Industrien
beitung landwirtschaftlicher Produkte investiert werden, eine staatliche
Zinsgarantie in Höhe von 6% geleistet werden. ‚Man beabsichtigt
dadurch den Anbau der Produkte zu fördern, die gegenwärtig noch in
größerem Maßstabe importiert werden, und gleichzeitig eine bessere Aus-
nutzung der Nebenprodukte gegenüber der jetzigen oft primitiven Verar-
beitungsweise zu erreichen. Die Vorteile des Entwurfs sollen u. a. den
Fabriken zur Verarbeitung von! Jute und Leinstroh, zum Polieren und in-
dustrieller Verwertung von Reis, zur Zuckergewinnung aus Mais und zur
Malzfabrikation aus Hafer zugute kommen. Die vorgeschlagene Maßregel
wendet sich auch gegen die künstlich hochgezogenen Industrien (Textil-
industrie), die vom Ausland bezogene Halbfabrikate verarbeiten, für die
natürlich mäßige Zölle gefordert werden zum Schaden der Eigenproduktion
‚derselben im Lande. Es wird abzuwarten sein, ob dieser Versuch — wenn
der Entwurf Gesetz wird — mehr Erfolg hat als die bisherigen: — Unter
den vorliegenden Verhältnissen scheint es unmöglich zu sein, z.B. eine
lebensfähige Spinn-Industrie zu schaffen; die Hilanderias Argentinas de
Algodön sind im Juni wieder in Liquidation getreten.

Schließlich sei noch ein vom Deputierten Justo im Kongreß einge- Bau von
brachter Antrag registriert, der für den Pächter die grundsätzliche Erlaub- Pächter-
nis festlegen will, auf seiner Landstelle ein Haus bis zu sechs Zimmern, Des
Brunnen, Schuppen und ähnliche Anlagen zu bauen, während der Land-
eigentümer verpflichtet sein soll, dem Pächter den Wert der Baulichkeiten
zu vergüten, den sie bei Ablauf des Kontraktes besitzen. Die Pachtverträge
enthalten nämlich zumeist die Bestimmung, daß der Pächter nach Ablauf
des Kontrakts gehalten sein soll, die auf der Pachtung errichteten Baulich-
keiten wieder dem Erdboden gleichzumachen und die Brunnen zuzuschütten.

Es ist klar, daß unter diesen Umständen der Ausspruch, die argentinische
Landwirtschaft gleiche einem einzigen großen Feldlager, eine gewisse Be-
rechtigung hat, denn die meisten Pächterwohnungen kommen über ein

9237
        <pb n="253" />
        Provisorium nicht hinaus: Nach einer Statistik des Landwirtschafts-
ministeriums sind von den‘ 65111 Chacras, auf denen in den ‚Provinzen
Buenos Aires, Santa F6, Cördoba, Centre Rios und im Territorium Pampa
Central Weizen, Lein, Hafer, Gerste, Roggen nnd Mais gebaut wird, 43 565
oder 66,9 % verpachtet und nur 21 546’ werden‘ von den Besitzern selbst.
bewirtschaftet. Hieraus ergibt sich ohne weiteres die große Bedeutung, die
eine Besserung der Wohnungsverhältnisse der Pächter für die Konsolidierung
des Bauernstandes haben würde, sei es daß sie auf Grund des eingebrach-
{en Gesetzentwurfes oder durch andere Maßnahmen in die Wege geleitet wird.
Ansiedlung Mit besonderer Aufmerksamkeit verdienen die von der Südbahngesell-
m RI schaft: im Tal des Rio Negro ausgeführten Bewässerungsarbeiten verfolgt
. zu werden, da sich jene Gegend ihren natürlichen Vorbedingungen nach
hervorragend für die Ansiedlung deutscher Einwanderer eignet. Die Mittel
für die Fertigstellung des Bewässerungskanals bis zum 72. km wurden
durch‘ Dekret vom 15. Juli in Höhe von 2700 000 $ angewiesen. Im An-
schluß daran dürften einige Angaben eines im Rio Negrotale angesiedelten
Deutschen interessieren, die einem uns zur Verfügung gestellten Privat-
briefe entnommen: sind. Dieser Herr besitzt ungefähr 1000 ha von denen
er vor einigen Jahren die ersten 200 zum Preise von 250 $ m/„ per ha kaufte.
Im nächsten Jahre mußte er bereits 350 $ anlegen und der heutige Preis
der Ländereien dürfte je nach der Lage zwischen 350 bis 600 $ anzunehmen
sein. Die ersten 200 ha sind mit Weinreben bepflanzt, die in diesem Jahre
Pfähle und Draht bekommen; auf einem Teil des anderen Landes ist Alfalfa
angebaut. Der Besitzer, der früher in Mendoza ansäßig war und dort
in seinen Weinbergen 400 Ztr. oder 60 Bordolesen Wein per ha gewann, glaubt
sicher damit rechnen zu können, auf dem jungfräulichen guten Boden des
Rio Negrotales und bei dem für den Weinbau sehr günstigen Klima die
gleichen Erträgnisse zu erzielen. In Mendoza wird der Liter Wein mit
0,15'$ verkauft, am Rio Negro kommt er zuzüglich Steuer und Fracht auf
0,30 $. Der Besitzer der jungen Weinberge arbeitet somit mit guten
Gewinnaussichten, da er durch die von Bahia Blanca über Neuquen nach
der chilenischen Grenze führende Bahnlinie ein sicheres Absatzgebiet
besitzt 'und voraussichtlich gerade bei Fertigstellung des Bahnbaues in der
Lage sein‘ wird, den ersten Wein zu liefern. Vorläufig wird noch mit einer
primitiven Bewässerungsmethode gearbeitet, doch wird sich dies ändern,
wenn in ungefähr zwei Jabren das gewaltige im Bau befindliche Werk der
Talsperre des Rio Neuquen, zu welchen der oben erwähnte Bewässerungs-
kanal gehört, fertiggestellt sein wird. Die Südbahngesellschaft, welche
das Werk für Rechnung der Regierung ausführt, hat das größte Interesse
an einer schnellen Fertigstellung, denn sie hat bereits 12 500 ha Land in
jener Gegend erworben und versucht auch das beschriebene Besitztum an
sich zu bringen. — Es wäre sicherlich zu bedauern, wenn das aus deutscher
Unternehmungskraft‘ erwachsene Unternehmen einmal in englische Hände
überginge.

238
        <pb n="254" />
        Welche enormen Werte in Argentinien durch Kanalbauten geschaffen Kanal Mitre.

werden können, zeigt das Beispiel des Kanal Mitre, von dem Anfang Juni
eine. wichtige Teilstrecke eingeweiht werden konnte. Dieses von der
Firma Goedhart, Düsseldorf, ausgeführte Kanalsystem verbindet die größeren
Mündungsarme des Paranäd vor seinem Zusammenfluß mit dem Uruguay.
Auf den vom Kanal durchschnittenen Paranäinseln waren im Jahre 1910
ungefähr 133 000 ha angebaut, man schätzte deren Wert auf ca. 51 1/, Millionen.
Der Rest von 98 000 ha lag bis zum Beginn des Kanalbaues brach, unter
den heutigen Verhältnissen wird der Wert dieser Ländereien jedoch mit
rund 30 Millionen $ angenommen. Das Land wird hauptsächlich zum Ge-
müse- und Obstbau benutzt, und die Produkte finden auf dem Markt von
Buenos Aires ihren Absatz.

In der Provinz Buenos Aires angestellte Versuche mit Zuckerrübenbau Zuckerrüben-
haben Ergebnisse gezeitigt, die zur Einführung dieser Kultur ermutigen. Dan.
Trotzdem der Versuch ohne besondere Kenntnisse der Zuckerrübenkultur
ausgeführt wurde, trotz der mangelhaften Behandlung der jungen Pflanzen
und der großen T rockenheit des Jahres, wurden auf den Hektar doch noch
über 19000 kg Rüben geerntet, bei denen an mehreren Proben ein durch-
schnittlicher Zuckergehalt von 141/,% festgestellt wurde. Bei rationellem
Anbau hätte man nach dem Urteil Sachverständiger ohne Schwierigkeit
einen Ertrag von über 33 000 kg Rüben per ha erzielen können. Die sach-
gemäße Kultur der Zuckerrübe verspricht mithin in Argentinien Erträge,
die den heute z. B. in Frankreich erzielten an die Seite gestellt werden
können und diese wahrscheinlich noch übertreffen werden.

Argentinisches Petroleum.

Die argentinische Regierung hat in den letzten Monaten dem Fortschritt Unfruchtbare
der Arbeiten auf den Petroleumfeldern von Comodoro Rivadavia rege Autf- Konzessionen.
merksamkeit geschenkt und ist bemüht, die Ausbeutung im großen Stil in
die Wege zu leiten. Zu einer Beschleunigung der hierfür in Angriff ge-
nommenen Vorarbeiten trug eine Veröffentlichung des sachverständigen
Ingenieurs Huergo bei, der auf eine Reihe von Fehlern aufmerksam machte,
die im Verlauf der bisherigen Aufschließung begangen worden waren, und
insbesondere auf die Gefahren hinwies, die den nationalen Bodenschätzen
von seiten leichtfertig konzessionierter Gesellschaften drohten. Schon im
Mai ‚waren seitens der Regierung alle Konzessionen, bei denen, irgend-
welche Abweichungen von den Vorschriften des Minengesetzes festgestellt
werden konnten, für ungültig erklärt und gleichzeitig die für den Staat
reservierte Zone erheblich erweitert worden. Alle in diese Zone fallenden
Konzessionen sollten nach Ablauf nicht wieder erneuert werden. Von dieser
Verfügung wurde insbesondere das Gulf Oil Syndicate betroffen, das
ca. 80 000 ha, darunter auch anscheinend abbauwürdige Petroleumfelder, be-

239
        <pb n="255" />
        legt hatte; es war nicht imstande, die für die Verlängerung der Konzession
vorgeschriebenen Bedingungen zu erfüllen, d. h. erfolgreiche Bohrungen
nachzuweisen, und mußte mit 21 328 Lstr. Passiven in Konkurs gehen.
Produktion Die Generaldirektion der Petroleumfelder in Comodoro Rivadavia hat
Januar/Mai. “per die in den ersten fünf Monaten des Jahres erzielten Ergebnisse einen
Bericht erstattet, nach welchem sich die Produktion der einzelnen erbohrten
Petroleumquellen wie folgt entwickelte (in 1000 Litern):
Bohrloch Hr. 2 Nr. 4 Nı..7 Nr. 8 Nr. 9
Januar . 1 564,0 381,1 117,8 —
Februar 770,0 303,0 93,0 315,6
März 2 900,0 335,6 101,3 257,0
April . — 203,7 83,3 172,5
Mai u. 303,0 48,3 80,5 94,5
Hiernach ergibt sich eine Gesamtproduktion von 8171 200 Litern für die
ersten fünf Monate des laufenden Jahres. Verkauft wurden in dieser Zeit
1536 530 Liter, davon 1300 860 Liter an die Bahnlinie der Region, die
nunmehr ihrer Vollendung entgegengeht.

Die Menge des gewonnenen Petroleums würde beträchtlich größer ge-
wesen sein, wenn die Arbeiten beim Bohrloch Nr. 4, der ergibigsten der
bisher erschlossenen Quellen, nicht dadurch eine Unterbrechung erfahren
hätten, daß sich Wasser im Bohrloch zeigte. Die hiermit entstehenden
Schwierigkeiten konnten jedoch behoben werden, und nach Aufstellung
einer neuen Fördermaschine (System Clock) zeigte die Quelle wieder ihre
alte Ergiebigkeit. In dieses Bohrloch wurden bisher neun sechszöllige
Rohre eingeführt; es lieferte im Juni eine tägliche Ausbeute von 100 bis
350 Tonnen, so daß in dem genannten Monat aus diesem Bohrloch allein
fast so viel Petroleum ‚gewonnen werden konnte, wie während der ersten
fünf Monate aus allen vorhandenen Bohrlöchern zusammen.

Der Bericht bemerkt, daß der Wasserdruck in den größeren Tiefen sehr
beträchtlich ist und daß auch andere Bohrlöcher, z. B. Nr. 2, durch das Ein-
dringen eines Gemenges von Wasser und Sand beschädigt und ihre Pro-
duktion dadurch unterbrochen wurde. Diese Vorkommnisse machten eine
Reihe zeitraubender Arbeiten notwendig, doch gelang es schließlich, die
Bohrlöcher durch Auszementierung erfolgreich zu schützen und damit einer
Wiederholung der Betriebsstörungen vorzubeugen.

Neuere Über die Bohrungen jüngeren Datums wird berichtet, daß das Bohrloch
Bohrungen. Nr. 11 in den ersten fünf Monaten des Jahres von 149 auf 370 Meter Tiefe
niedergebracht wurde, wobei siebenzöllige Rohre verwendet wurden. Im

Bohrloch Nr. 12 stieß man in einer Tiefe von 535 m auf eine Gasquelle,

aus der das Gas mit ca. 50 Atmosphären Druck ausströmte. Es gelang

jedoch nach vieler Mühe, das Bohrloch gegen die Gasschicht zu isolierer

und die Bohrarbeiten fortzusetzen. 400 m vom Bohrloch Nr. 10 entfernt

240
        <pb n="256" />
        wurde die Bohrung Nr. 13 in Angriff genommen und konnte bisher auf
eine Tiefe von 120 m niedergebracht werden.

Die Versorgung von Comodoro Rivadavia mit gutem Trinkwasser ist
nunmehr geregelt; das Wasser wird von einer 28 km entfernten Quelle
mittels Rohrleitung herbeigeführt. Auch ein‘ Laboratorium ist fertiggestellt
worden, so daß die notwendigen Analysen an Ort und Stelle ohne Schwierig-
keiten vorgenommen werden können.

Man hofft, daß der von der Regierung angekaufte Tankdampfer, der Beginn des
eine Ladefähigkeit von 2600 Tonnen hat, bald seine Fahrten aufnehmen Absatzes.
wird. In Puerto Galvan erbaut die Pacific Railway Co. einen großen Öl-
tank von 38 m Durchmesser; die Fertigstellung wird soviel wie möglich
beschleunigt, weil der Beginn der regelmäßigen Rohoelverschiffungen in
Kürze erwartet wird. Inzwischen behilft man sich mit dem Versand in
Fässern.. Der erste größere Transport, etwa 530 Fässer (je ca. 400 Liter
Inhalt), von denen 470 Faß für die Deutsche Überseeische Elektrizitäts-
gesellschaft bestimmt waren, traf Anfang Juli in Buenos Aires ein. Auch
von einer Maschinenfabrik in Kopenhagen sind 12 Fässer Petroleum aus
Comodoro Rivadavia zu Versuchszwecken bezogen worden. Die Firma hat
zwei Dieselmotoren von je 300 Pferdekrätten für die Strafanstalt in Sierra
Chica in der Provinz Buenos Aires geliefert, und wenn die Versuche
günstig ausfallen, soll das Öl für den Betrieb dieser Maschinen Verwendung
finden.

In den letzten Tagen des Juli wurde seitens des Ackerbauministeriums Staatliche
beim Kongreß ein Gesetzentwurf eingebracht, betreffend die weitere Aus- Maßnahmen
beutung der Petroleumfelder von Comodoro Rivadamvia, In der den ‚Ent- N em g
wurf begleitenden Denkschrift wird ausgeführt, daß die Ausbeutung nun-
mehr in großem Umfange ins Werk gesetzt werden soll, nachdem die
Mächtigkeit und Ergiebigkeit der Petroleumfelder bewiesen ist. Argentinien
besitze in diesen Feldern eine Quelle unermeßlichen Reichtums, und ihre
Bedeutung würde dadurch erhöht, daß das Petroleum unter allen Brenn-
materialien wegen der Einfachheit seiner Anwendung und der Leichtigkeit
seines Transports die erste Stelle einnähme. Für Argentinien seien die
eigenen Petroleumquellen um SO wertvoller, als sie die Republik von der
Versorgung durch das Ausland unabhängig machten, deren jährliche Kosten
der Bericht auf rund 80 Millionen Pesos berechnet, Die Regierung werde
bemüht bleiben, den Ertrag dieser Bodenschätze dem Gemeinwohl zugute
kommen zu lassen.

Der Inhalt des Gesetzentwurfs ist kurz folgender. , Es sollen 12 Bohr;
maschinen angeschafft und 100 Bohrungen durchgeführt werden, von
denen acht bis zu einer Tiefe von 1000 m niederzubringen sind. Sechs
neue eiserne. Tanks von je 6000 cbm: Inhalt und. 20 kleinere von je
200 cbm Inhalt sollen erbaut und Destillieranlagen, Transportrohrleitungen
und. alles notwendige Zubehör für die Verladung des Petroleums beschafft
werden. Zu letzterem Zwecke ist die: Verlängerung des Piers in Como-

741
        <pb n="257" />
        doro Rivadavia bis in eine Wassertiefe von 24 Fuß vorgesehen. Ferner
sollen verschiedene Tankdampfer mit einem Ladevermögen von insge-
samt 15.000 Tonnen angekauft und in den einzelnen Häfen der Republik
im ganzen 28 Tanks von 6000 bzw. 3000 cbm Inhalt mit den zugehörigen
Rohrleitungen, Pumpen usw. errichtet werden. Von diesen 28 Tanks sind
zehn für Buenos Aires, fünf für Rosario, drei für Santa Fe, je zwei für
Entre Rios und La Plata, vier für Bahia Blanca und je einer für San An-
tonio und Puerto Deseado bestimmt. Zur Aufbringung der aus der Durch-
führung dieses Projekts erwachsenden Kosten soll die Regierung er-
mächtigt werden, sogen. Bonos de la Explotaciön del Petröleo de Comodoro
Rivadavia bis zum Betrage von 15 Millionen $ "/„ auszugeben, zum Zins-
satze von fünf Prozent bei einprozentiger Amortisation, außerordentliche
Amortisation vorbehalten.

Staatliche ./ Ueber die Durchführung der Ausbeutung der Petroleumquellen in staat-

Reservate. ı;cher Regie bemerkt der Gesetzentwurf, daß es an sich nicht Sache des
Staates sei, industrielle Unternehmungen zu betreiben. Im vorliegenden
Falle ließe es aber die besondere Form der Organisation des Petroleum-
Welthandels angezeigt erscheinen, die Leitung der Ausbeutung dem Staate
vorzubehalten, besondersda das zur Zeit erzielte Ergebnis bereits hinreichend er-
scheint für die Bedürfnisse des Zinsendienstes der geplanten Anleihe.
Andererseits könne beim Hinfälligwerden der Ursachen, die gegenwärtig
für eine Aufschließung der Petroleumfelder durch den Staat sprechen, die
weitere Ausbeutung immer noch der Privatindustrie überlassen werden,

Gleichzeitig mit vorerwähntem Gesetzentwurf hat die Regierung dem
Kongreß noch einen zweiten übersandt, der die technischen und wirtschaft-
lichen Bedingungen festlegt, unter denen die Erforschung und Ausbeutung
der‘ Petroleumfelder in Zukunft vor sich gehen soll. Der Entwurf bringt
bezüglich der Mineralöle eine Abänderung des Cödigo de Mineria und be-
stimmt, daß in allen Fällen, in denen es das allgemeine Wohl erfordere,
Mineralöle. auch von staatswegen ausgebeutet werden können. Der Re-
gierung steht es frei, sich nach Gutdünken einzelne Gebiete für die Aus-
beutung vorzubehalten unter Berücksichtigung der in diesen schon er-
worbenen Rechte.

Beteiligung In den dem Staate vorbehaltenen Gebieten kann die Regierung für die

abet Erforschung oder die Ausbeutung Konzessionen erteilen; auf den bereits
erforschten Petroleumfeldern werden Ausbeutungskonzessionen für einen
Zeitraum von 50 Jahren und für eine Bodenfläche von 200 ha erteilt, in
den noch nicht untersuchten Gegenden Erforschungs-Konzessionen für Ge-
biete bis zu höchstens 500 ha.

In jedem Falle erfolgt die Vergebung im Wege der öffentlichen Aus-
schreibung. Von den erteilten Konzessionen wird als Abgabe verlangt
1 $ m/„ per Hektar und mindestens zehn Prozent des aus der Konzession
gewonnenen Petroleums. Bewerber haben das Kapital anzugeben, das
ihnen für den Beginn des Unternehmens zur Verfügung steht. und müssen

242
        <pb n="258" />
        5% dieses Kapitals oder deren Gegenwert in Titeln als Sicherstellung hinter-
legen. Dieser Betrag wird ihnen zurückgegeben, wenn 25% des ange-
gebenen Kapitals im Unternehmen investiert sind. Bei sonst gleichen Be-
dingungen wird dem Bewerber der Vorzug gegeben, der die beste Sicher-
heit bietet. In keinem Falle können demselben Konzessionsinhaber mehr
als zwei Lose, d. h.. höchstens 400 ha von erforschten: bzw. 1000 ha von
unerforschten | Gebieten bewilligt werden. Fusionen‘ oder Übertragungen,
die ohne vorherige Erlaubnis: der Regierung ausgeführt werden, haben den
Verfall der Konzession zur Folge.

Die durchgeführte Erforschung gibt Anspruch auf eine Ausbeutungs-
konzession unter den für die Verteilung von Konzessionen auf erforschtem
Gebiete geltenden Bedingungen... Nach. Ablauf ‚der Konzession ‚geht die
Mine mit allen Einrichtungen in das Eigentum des Staates über.

In den nicht vorbehaltenen Gebieten kann die Regierung Erforschungs-
konzessionen erteilen unter folgenden Bedingungen: Der Bewerber hat sein
Gesuch innerhalb 30 Tagen nach der Einreichung zu veröffentlichen.
Innerhalb 180 Tagen nach dem Zeitpunkt, bis zu welchem Einsprüche er-
hoben werden können, hat der Bewerber einen Plan des betreffenden Ge-
bietes, im Maßstabe von 1:20 000, einzureichen. Der Plan ist von einem
vom Minenamt anerkannten Topographen anzufertigen und muß enthalten:
die Grenzsteine, welche das Gebiet der nachgesuchten Konzession ab-
grenzen und die so aufgestellt sein müssen, daß einer vom andern aus ge-
sehen werden kann, etwa vorhandene Minen, öffentliche Gebäude oder
durch Mauern eingeschlossene Örtlichkeiten, bebaute Ländereien, Wasser-
leitungen, Kanäle, Eisenbahnen, Viehtränken und Abflüsse, Befestigungen
und andere Werke, die innerhalb der Konzession oder in einem Abstand
von 50 m von ihren Grenzen liegen. Bei der Vorlage des Planes sind. die
sonstigen Bedingungen, unter denen die Konzession gewünscht wird, sowie
das Kapital und andere für die Erforschung bestimmte Elemente anzugeben.
Die Konzession wird nur erteilt, wenn die beigebrachten Unterlagen für
den Zweck genügend erscheinen.

Die Dauer. des Schürfrechts auf, Mineralöle beträgt ein bis höchstens
drei Jahre. Es kann einmal erneuert werden, aber nur in dem Falle, wenn
der Inhaber der Konzession nachweist, daß ‚er Bohrungen in der vom
Minenamt für das betreffenbe Gebiet festgesetzten Zahl und Tiefe-ausge-
führt hat,

Der Inhaber der Konzession hat dem Minenamt Mitteilung zu machen,
wenn er Anzeichen von Mineralien findet. Eine Veröffentlichung der Ent-
deckung braucht nicht sofort, muß jedoch vor dem Ablauf der Konzession
geschehen. Bei Mineralölen wird als neue Entdeckung jeder Fund be-
zeichnet, der außerhalb eines Radius von 5 km von einem früher bekannten
Vorkommen gemacht ist. Die beanspruchte Konzession muß ‚sich‘ über
ein zusammenhängendes Gebiet erstrecken. Das Verhältniss der Breite zur
Länge des beanspruchten Gebiets darf nicht weniger als 1:7 betragen. Die

243
        <pb n="259" />
        Konzession gilt: als gesetzmäßig bearbeitet, wenn mindestens ein Quantum
von zehn Kubikmeter des Minerals gefördert ist und dies in Gegenwart der Be-
hörde auf Verlangen jederzeit wiederholt werden kann. Die Ausbeutungs-
konzession wird dann wie üblich für einen Zeitraum von 50 Jahren erteilt,
als Abgabe sind mindestens 10% des geförderten Rohpetroleums und eine
Steuer von 1 $ "/„ per ha zu entrichten.

Mineralöle können auch innerhalb der Grenzen der Minen zweiter
Kategorie oder Steinbrüchen ausgebeutet werden, vorausgesetzt, daß eine
entsprechende Entschädigung gezahlt wird.

Der Außenhandel Argentiniens im 1, Halbjahr 1918.

In Ergänzung unserer Mitteilungen im vorigen Heft bringen wir im
folgenden noch einige Angaben aus der inzwischen erschienenen argen-
tinischen Statistik. über den argentinischen Außenhandel im 1. Halbjahr 1912.
Hieraus ergibt sich, daß der Wert der Einfuhr nach Argentinien in dieser
Periode gegenüber der entsprechenden Zeit des Vorjahres um 25,8 Millionen
Pesos Gold, d.h. um 14% angewachsen ist. An der Einfuhr waren in

Rn. ar erster Linie beteiligt:
 ünder. n Anteil En 1 hr Im Vergleich zum 1. Sem. 1912
1000 $ Gold 102% 100 $ Gold %

England ''. 63011 30 + 9366 + 17,4
Deutschland . 38 268 &gt; H6191 FE 19,2

Ver. Staaten . 28'981 LE 580 “2,0
Frankreich . 20 445 } FH 1402 73

Italien 43.495 18 384 ) HE MM + 12,3
Belgien... 10142 +} „00 0
Spanien‘ 6 413 e- 609 + 10,4

Die Einfuhr Deutschlands, auf dessen Konto zudem auch nochein Teil

der belgischen und holländischen Einfuhr zu setzen ist, hat sich mithin an

guter zweiter Stelle gehalten und hat im Vergleich mit der aus den anderen

Ländern kommenden die größte Zunahme aufzuweisen. Bemerkenswert ist

die von uns bereits bei Besprechung der Ergebnisse des ersten Quartals
hervorgehobene Zunahme der Einfuhr Österreich-Ungarns, die sich gegen-

über dem gleichen Zeitraum des Vorjahres von ca. 1 Million Pesos auf

3,8 Millionen Pesos, also‘ um 267,6 % erhöhte. Auf die einzelnen von der
argentinischen Statistik unterschiedenen Warenklassen verteilt sich die Ein-

Einfuhr. fuhr im Vergleich zu der des ersten Halbjahres 1912 wie folgt:

($ Gold) Einfuhr 1.Sem. 1913 gegenüb. Einf. 1.Sem. 1912

Lebende Tieren) 10/4 649 840 +. 296354

Nahrungsmittel 754.04 19 444 240 + 5423 726

TabikısD SAU + in ch 3:516 551 — 244 626

Getränke! Ya lc. WEIN 7.049 406 27 029

244
        <pb n="260" />
        ($ Gold) Einfuhr 1. Sem. 1913 gegenüb. Einf. 1. Sem. 1912
Textilwaren ua 41 45 473 017 -+ 6'930 862
er e O T 10.046 436 + 1.982 227
Chemikalien 4.2. 24010 7 908 574 4: 1727.346
Barben X. dh dee 1 340 728 +) 164273
Holzı: a eg en 5.112:961 ‘ 489858
Papien u kan 4717 890 64 305
Leder 2 405 866 + 462 982
1 a 23 316 868 396 622
Andere Metalle . . 7 294 573 +5 ‚167.976
Ackerbau 8 1 3217 284 — 1965 853
Transport. . . 18784 523 + 3729851
Glas, Keramik und Kohle 18 502 524 + 4 092 139
Baumaterial... .. 18 421 779 + 1865 734
Elekirnziadt.. 2 2 ru 4 857 259 + 377288
Verschiedenes PZ 115 070 ren 950 990

209 175 389 +25 810473

Die im einzelnen beobachteten Zunahmen der Einfuhr entfallen in der
Hauptsache bei Nahrungsmitteln auf Zucker (4,5 Millionen $ Gold), bei
Textilwaren auf wollene Tuche (1 Million) und Baumwollenstoffe (2 Millionen),
bei Öl auf unreines Naphta (1'/, Millionen), bei Transport auf Lokomotiven
und Eisenbahnwagen (2!/, Millionen), bei Baumaterial auf Zement (1,2 Milli-
onen). Das beobachtete Anwachsen der Einfuhr ist um so bemerkenswerter,
als infolge der Überspekulation in Bodenwerten und bei dem herrschenden
Geldmangel eher das Gegenteil hätte erwartet werden dürfen. Allerdings
war im zweiten Quartal des Jahres die Zunahme der Einfuhr im Verhältnis
zu der im gleichen Zeitraum des Vorjahres nicht mehr so bedeutend.

Die Ausfuhr erreichte im ersten Semester des Jahres einen Gesamtwert Ausfuhr.
von 293077 756 $ Gold, d.h. 48 369 253 $ Gold oder 19,7% mehr als im
gleichen. Zeitraum von 1912. Auf die einzelnen Produktionsfaktoren des
Landes verteilte sich die Ausfuhr wie folgt:

($ Gold) Ausfuhr 1 Sem. 1913 gegenüber 1.Sem. 1912
Viehzucht. 1.25 92 895 697 7.019.219
(Ackerbau ©.) „u. 192 514 301 54 345 698
Waldwirtschaft .- 4897 358 1534221
Bergbatzgoe a Zn 98 788 87 124
Jagd und Fischerei . 1.082 338 74910
Verschiedenes; .._. 1637274 48“

293 077 756 + 48 369.253
Der Rückgang im Wert der Ausfuhr der Viehzuchtprodukte ist in erster
Linie auf die Minderausfuhr. von Wolle zurückzuführen, deren Rückgang
das erste Halbjahr 1912 mit 8 706 594 $ Gold bewertet wurde; auch die
Ausfuhr von gefrorenen Hammeln hat um 865444 $ Gold abgenommen.

745
        <pb n="261" />
        Dagegen weist die Ausfuhr von gefrorenem Rindfleisch eine Wertzunahme
von 2667 768 $ Gold und die von gekühltem Rindfleisch eine solche von
248 102 $ Gold auf. Die Mehrausfuhr von Ackerbauprodukten entfällt fast
zur Hälfte auf Weizen (22310580 $ Gold), ferner auf Mais (18 425 537 $
Gold) und auf Leinsaat (10779 186 $ Gold), Die Zunahme in der Ausfuhr
von Produkten der Waldwirtschaft ist fast ausschließlich auf den Mehrexport
in Quebracho sowohl in Extraktform als auch in Blöcken zurückzuführen.
Gesamtaußen- Der Gesamtaußenhandel Argentiniens erreichte im ersten Halbjahr den
handel. Wert von 502 253 145 # Gold gegenüber 428 073 419 $# Gold. in der gleichen
Zeit des Vorjahres. Diese Zahl bedeutet eine Rekordziffer, und wenn man
mit ihr die entsprechende des Jahres 1904 vergleicht, in welchem Einfuhr
und Ausfuhr zusammen nur 206 027 945 $ Gold werteten, so findet man, daß
während der letzten zehn Jahre in den Außenhandelsziffern des ersten Halb-
jahres eine Zunahme von 143 % stattgefunden hat. Angesichts dieser Zahlen
kann von einer die gesamte wirtschaftliche Entwicklung des Landes ge-
jährdenden Krisis nicht ‚gesprochen werden. Es ist indessen zu betonen,
daß dem Lande nach wie vor eine zielbewußte Finanzpolitik mangelt, was
zum Teil auch daran liegen mag, daß es bei der schnellen Aufeinanderfolge
der Inhaber des Finanzportefeuilles nicht gelang, einen zweckentsprechenden
Wirtschaftsplan festzulegen. Man wird daher dem Wirken des neuen Finanz-
ministers, insbesondere in dem Zusammenarbeiten mit dem Minister der
öffentlichen Arbeiten, mit großem Interesse entgegensehen dürfen.
Deutsche Das soeben erschienene statistische Jahrbuch für das deutscheReich 1913
Einfuhr 1912 bringt wie gewöhnlich auch eine Uebersicht über die Entwicklung des
Spezialhandels mit Argentinien. Die bereits aus der argentinischen Statistik
festgestellte Abnahme der deutschen Einfuhr im Jahre 1912 kommt hier-
nach besonders in den folgenden Positionen zum Ausdruck:
(Millionen Mark) Wim ol
Eisendraht “2.4. A. f 20
Eisenbahnschienen .. . „2 50
Baumwollene Strümpfe . . 2
Tenderlokomotiven über 100 Dz .. - 4
Blech, verzinkt . 0.°9
Diesen Abnahmen stehen aber auch einige beträchtliche Zunahmen gegen-
über, z. B. bei Rübenzucker von 4,1 Millionen Mark, Personenmotorwagen
von 3,7 Millionen Mark, Dynamomaschinen über 5 Dz. von 1,8 Millionen
Mark. Die auch von uns zum Ausdruck gebrachte Erwartung, daß der
beobachtete Rückgang in der deutschen Ausfuhr nur eine vorübergehende Er-
scheinung sein werde, scheint sich im laufenden Jahre nach den weiter
oben mitgeteilten Zahlen durchaus zu erfüllen.

248
        <pb n="262" />
        Verschiedenes.

Von dem raschen Anwachsen des Verkehrs in Buenos Aires gibt Straßen-
der Bericht. der städtischen  Verkehrsdirektion . für das Jahr 1912 ein an- A
schauliches Bild. Besonders die Zahl der Automobile hat eine ganz un-
erwartet starke Zunahme erfahren. Es waren vorhanden am

1. Januar 1912 Zunahme 1912 31. Dezember 1912

Privatautomobile . 1971 1.273 3.244

Automobildroschken 406 1.421 1,827

Lastautomobile! .. .ı: 112 DZ 164
Im Ganzen befanden sich also am 31. Dezember 1912 in Buenos Aires
5.235 Automobile im Verkehr. In dem gleichen Zeitraum hat die Zahl: der
Mietsdroschken mit Pferdebespannung von 3657 auf nur 3861, also um
184” zugenommen.

Die großartige wirtschaftliche Entwicklung der Stadt kommt zum
Ausdruck in der stetig steigenden Zahl der Lastwagen, ‘ die‘ während des
Jahres 1912 von 26177 auf 31 540, also um 5363 angewachsen. ist. In
diesen Zahlen spiegelt sich auch die rege Bautätigkeit, die während des
Jahres herrschte. Es wurden neu gebaut: ebenerdige Häuser 6 786, Häuser
mit einem Stockwerk 993, mit zwei Stockwerken 317, mit drei Stockwerken
106, mit vier Stockwerken 65, mit fünf Stockwerken 51, mit sechs Stock-
werken 18, mit sieben Stockwerken 6, mit acht Stockwerken 5, Industrie-
gebäude 396, Pferdeställe 325, Garagen 10, verschiedene Schuppen 87, Er-
weiterungsbauten 4441, Ausbesserungsbauten 572, im ganzen 12 088. Auch
die Durchlegung von Diagonalstraßen und Straßenverbreiterungen nahmen
eine große Zahl Lastwagen in Anspruch. Für die zu diesem Zweck ge-
tätigten Ankäufe wurden während des Jahres 8 506 876 $ ausgegeben.

Die im Jahre 1911 begonnene Untergrundbahn, die von der Plaza de
Mayo nach der Plaza Once de Setiembre führen soll, wird voraussichtlich
noch in diesem Jahre fertiggestellt. Der Bau der Strecke von der Plaza
de Mayo nach der Plaza del Congreso ist mit großer Schnelligkeit ausge-
führt worden, ohne daß dadurch bemerkenswerte Störungen im Verkehr
eingetreten sind. Allerdings eignet sich der Boden von Buenos Aires
ausgezeichnet für den Bau unterirdischer Bahnen.

Aus dem Bericht über die Tätigkeit des Zollamtes von Buenos Aires 7olleinnahmen
im Jahre 1912 geht hervor, daß dort während des Jahres 246 801 Einfuhr- 1912.
.dokumente, d.h. 10 194 mehr als im Vorjahre erledigt wurden. Die Zoll-
einnahmen betrugen 2212 633,59 $ Gold und 170 478 491,85 $ m/n, im ganzen

175:507:204,52'$ m /x, "was gegenüber dem Vorjahre eine Zunahme von
3.245 865,64 $ m/n bedeutet. In Wirklichkeit ist diese Zunahme sehr viel
größer, da seit der zweiten Hälfte des Januar 1912 die Einnahmen aus den
verschiedenen Hafenabgaben, die in: der Zahl: für 1911 noch enthalten sind.
an die General-Hafendirektion übergingen.

747
        <pb n="263" />
        Hafenverkehr, Dem Bericht ist ferner zu entnehmen, daß im Jahre 1912 2 086 Dampfer
mit einem Tonnengehalt von 1143214 Tonnen in Buenos Aires von Über-
see eintrafen. Außerdem kamen an 4105 Segelschiffe mit einem Tonnen-
gehalt von 562454 Tonnen; von den mit Ladung eingetroffenen Dampfern
Jöschten 969 in den staatlichen‘ Lagerhäusern 9116 539 Kollijd.sch:
386648 Kolli mehr als 1911.‘ /Aus / weiteren 151 Dampfern wurden
6 005289 Kolli in Privatlagerhäuser gelöscht, d.h. 2 376 968 Kolli weniger
als 1911.

Zolltarif. Der seit 1906 in Geltung befindliche Zolltarif ist trotz mancherlei An-
regungen bisher immer noch nicht revidiert worden. Der industrielle Fort-
schritt liefert von Tag zu Tag neue Verbrauchsartikel, die im Zolltarif nicht
enthalten sind und auf Grund der besteherden Bestimmungen nur unvollkommen
{arifiert werden können, sodaß zahlreiche Zollstreitigkeiten entstehen. Eiuve
baldige Reform läge daher sowohl im Interesse des Handels, als in dem
der argentinischen Regierung.

Wirtschaft- In der wirtschaftlichen Lage Argentiniens sind während des Juli

liche Lage. „ine bedeutenden Veränderungen eingetreten. Die Zahlungseinstellungen
blieben dem Werte der Passiven nach mit über 18,7 Millionen Pesos nur
wenig unter der Zahl des Vormonats. Unter den Zahlungseinstellungen
des Monats August ist die der Firma Bartholome Tellarini in Bahia Blanca,
die dort seit 25 Jahren bestand, hervorzuheben, Die Passiven: derselben
werden auf 3 840 000 %&amp; angegeben, denen 6 Millionen Aktien gegenüber-
stehen sollen.

In der Konversionskasse überwogen im Juli die Abgänge nicht unerheblich
und zwar um ca. 7 Millionen Pesos Gold. Der Bestand betrug am 31. Juli nur
noch 250530 811,11 $ Gold und war bis zum 17. August weiterhin bis auf
256,40 Millionen $ Gold zurückgegangen.

Über die Aussichten der nächsten Ernte sind die Meldungen wider-
sprechend, doch sollen gegen Ende August ausgedehnte Regenfälle einge-
treten sein, die das Wachstum des Getreides sehr begünstigten.

Neue Die Stadt Buenos Aires hat durch Vermittlung des Londoner Bank-
Stadtanleihe. .hauses Baring Bros. eine Anleihe von 2!/, Millionen Lstr. abgeschlossen,
Die 5%,ige Anleihe wurde zu 96%, aufgelegt und ist durch die Contribuciön
directa seitens der argentinischen Regierung garantiert. Der Erlös der
Anleihe wird ungefähr. zur: Hälfte für die Rückzahlung der am 30. November
fälligen Schuld dienen, der Rest wird für die Zwecke der neuen Straßen-
bauten Verwendung finden. Die Anleihe, von der eine Million Lstr. bereits
fest begeben waren, konnte glatt untergebracht werden.

Staatliche Hy- Der in Heft 4. 1913 erwähnte Antrag der National-Hypothekenbank,

pothekenbank, den Höchstumlaufwert ihrer Cedulas von 500 auf 1000 Millionen $ zu er-
höhen, scheint nicht die Billigung der Regierung zu finden. Ein Kommis-
sionsbericht der Deputiertenkammer empfiehlt, nur eine Erhöhung um
120 Millionen Pesos zuzulassen.

248
        <pb n="264" />
        Nach dem Bericht der Nationalhypothekenbank für 1912 wurden im
Laufe des Jahres 5060 Hypotheken im Gesamtbetrage von 140 647 900 $ 2/n
gegen 115 926 600 $ m/„ im Jahre vorher ausgegeben. Die Verteilung der
Darlehen auf städtische und ländliche Hypotheken nach Zahl und Betrag
zeigt folgende Übersicht. Es wurden gegeben

in der Landeshauptstadt
Gewöhnliche Darlehen 2 912 58.043 000 $
Baudarlehen . Ed 408 19286 900 $
77329 900 $
in den Nationalterritorien:
Städtische Darlehen m 131 500°8$
Ländliche Darlehen fi. + 110 5093 100 $
5224600 $
in den Provinzen:
Städtische Darlehen +» + + 954 11850 800 $
Ländliche Darlehen 4 1900 A- 655 46 242 600 $
Insgesamt 5 060 __ 58093 400 $
140 647 900 $

Wie man sieht, entfällt auf die Stadt Buenos Aires mehr als die Hälfte
der gesamten Darlehnsbeträge. Von der Gesamtzahl der Darlehen wurden
3560 im Werte von 30310 200 $ in Hypotheken zwischen 10000 und
20.000 $ ausgegeben. Die Darlehen verteilten sich auf 2580 Argentiner
(96 450 200 $) und 2 480 Ausländer (44 197 700 $), darunter 46 Deutsche
(1 400 100 $). Der größere Teil der Titel wurde wieder im Ausland unter-
gebracht, hauptsächlich durch Vermittlung von Antwerpen.

Das Flugwesen in Argentinien hat in letzterer Zeit weitere Fortschritte Flugwesen.
gemacht, insbesondere auf militärischem Gebiet. Der erste Fliegerkursus,
der am 4. November vorigen Jahres begann, fand am 14. Juli seinen Ab-
schluß mit dem Ergebnis, daß das aeronautische Institut nunmehr 11 Militär-
flieger besitzt. Die Ausbildung erfolgte auf Doppeldecker System Farman
und die neuen Piloten setzen nunmehr ihre Ausbildung in der Handhabung
von Eindeckern fort. Das erwähnte Institut hat bisher 31 Pilotenzeugnisse
ausgegeben.

Aufsehen erregte der Ende Juni erfolgte Flug des Aviatikers Fels nach
Rosario, dem, sich Vorstellungen. in einer Reihe anderer argentinischer
Städte anschlossen. Fels beabsichtigt, nach Beendigung seiner Vorstellungs-
reise in Moron einen Flugplatz mit Fliegerschule zu eröffnen. — Der Flie-
ger Lübbe, der auf Rumpler-Taube seit Mitte Dezember 1912 eine Anzahl
sehr schöner Flüge, darunter den Weltrekord im Überwasserflug mit
Passagier ausführte, indem er die 230 km betragende Strecke zwischen
Buenos Aires und Montevideo in 2 Stunden und 37 Minuten zurücklegte,
ist Anfang Juni wieder nach Deutschland zurückgek« hrt.

49
        <pb n="265" />
        Die bekannten europäischen Flugzeugfabriken stehen auch in Argen-
tinien in. scharfem Wettbewerb und machen jede für sich große Anstren-
gungen, um dort Boden zu gewinnen; so ist kürzlich ‚erst wieder der
englische Pilot Barron im Auftrage des Hauses Deperdussin mit einem
Apparat Militärtyp Motor Anzani von 110 H. P. mit Passagiersitz drüben
eingetroffen, um Schauflüge zu veranstalten.
Nord- Das rege Interesse, das in den Vereinigten Staaten dem argentinischen
N OEDSeat Markt dauernd gewidmet wird, findet seinen Ausdruck auch darin, daß eine
"große Anzahl von bedeutenden Nordamerikanern das Land zu Studien- und
Propagandazwecken aufsuchen. So wird Mr. Robert Bacon, früherer Ge-
sandter der Vereinigten Staaten, im Laufe des Oktober und November eine
Rundreise durch Südamerika unternehmen, auf welcher er sich sieben Tage
in Buenos Aires aufhalten wird. Mr. Bacon, der früher in Morganschen
Diensten stand, ist eine in nordamerikanischen Finanzkreisen sehr einfluß-
reiche Persönlichkeit und seine in spanischer Sprache gehaltenen Vorträge
über politische und kommerzielle Propaganda werden den Beziehungen
zwischen beiden Ländern zweifellos von Nutzen sein. Die gleichen Ziele
verfolgt der frühere nordamerikanische Handelssachverständige, Carlos.
M. Pepper, der im Auftrage mehrerer großer nordamerikanischer Zeitungen
eine Rundreise durch Südamerika macht, um über die wirtschaftlichen Ver-

hältnisse der einzelnen Staaten zu berichten.

Geseize und Verordnungen.
Vorschriften für die Einfuhr von Nahrungsmitteln.

Ueber die Einfuhr von Nahrungsmitteln enthalten die im Aprıl d. J. erlassenen
Dienstvorschriften des argentinischen Gesundheitsamts eine Reihe wichtiger Vor-
schriften, die wir im folgenden wiedergeben:

Art. 318. Die Nahrungsmittelabteilung, deren Aufgabe es ist, alle über die
Häfen der Republik eingeführten Nahrungsmittel tierischen Ursprunges zu unter-
suchen, ressortiert direkt vom Sekretariat. Sie hat die auf vorgedruckten Formularen
eingereichten Untersuchungsanträge zu erledigen, in denen die Art des Produktes,
sein Nettogewicht in Kilogramm, die Marke, Nummer und Anzahl. der Kolli oder
Kisten, des Dampfers, in dem sie angekommen sind, und die Stelle, wo sie sich be-
finden (Kai, Abteilung, Stockwerk) genau angegeben sein muß. Dem Gesuch muß
ein Stempel im Werte von 1 $ m/n beigefügt sein. Jeder Untersuchungsantrag darf
sich nur auf eine einzige Sendung beziehen, deren Marke genau anzugeben ist.

Art. 319. Für die Zwecke der tierärztlichen Untersuchung werden die
Nahrungsmittelsendungen in drei Klassen geteilt: Frachtgut-, Paket- und sog,
Passagiergut-Sendungen. In letzteren sind die Produkte einbegriffen, ‚die in Kühl-
kammern befördert werden, z.B. Muster, frische Fische, Nieren, Gehirne, Butter,
Käse, Eier usw.

Art. 320. Die Produkte der ersten Klasse werden sowohl auf ihren äußeren
Zustand als auch chemisch und mikroskopisch untersucht, die der zweiten und dritten

9250
        <pb n="266" />
        Klasse unterliegen nur der äußeren Untersuchung, können aber auf Veranlassung des
Veterinärinspektors auch den übrigen Untersuchungsarten unterworfen werden.

Art. 321. Die Untersuchung der Fisch+ und Fischkonservensendungen, die in
den Kühlkammern der Dampfer eintreffen, ist ebenso wie die von Käse, Butter, Eiern
und gefrorenen Vögeln auf den gewöhnlichen Formularen nachzusuchen und wird so
schnell wie möglich erledigt. Die Einfuhrerlaubnis wird erteilt, wenn sie sich in
gutem Konservierungszustand befinden. Wenn zu Beanstandungen Anlaß vorliegt,
werden Muster entnommen und nach erfolgter Untersuchung über den ordnungs-
mäßigen Befund eine Bescheinigung ausgestellt.

Art. 322. Wenn die Produkte (Eier, Butter usw.) ihrer Natur nach einer
schnellen Zersetzung unterworfen sind, muß sie der Importeur in einem Kühlhaus
unterbringen. Der Depotschein bleibt solange in Verwahrung des Zollamts, bis das
Gesundheitsamt ausdrücklich die Auslieferung erlaubt.

Art. 323. Die frischen Produkte, wie Fische, Hirne und Nieren, die bei der
äußeren Untersuchung als gesund befunden werden, erhalten ohne weiteres den
Passierschein, und Muster werden von ihnen nur entnommen, wenn die Inspektoren
es für notwendig erachten, ihre Verwendbarkeit für den Verbrauch festzustellen,

Art. 324. Ueber jede ausgeführte chemische oder Experimentalanalyse wird
das Attest oder die Einfuhrerlaubnis auf Stempz:lpapier im Werte von 2 $mjn aus-
gestellt. Falls der Interessent eine neue Analyse beantragt, wird das Ergebnis der-
selben ebenfalls auf Stempe'papier im Werte von 2 $m/n bescheinigt.

Art. 326. Wenn die Ergebnisse der äußeren, der chemischen, mikroskopischen
und biologischen Untersuchung günstig ausgefallen sind, bescheinigt der betreffende
Abteilungschef die Zulässigkeit für den Verbrauch, Ohne die Beibringung einer
solchen Bescheinigung darf das Zollamt die Einfuhr der betr. Sendung nicht erlauben.

Art. 328. Es ist verboten, eine Sendung einzuführen, die nach Ausweis der
angestellten Untersuchungen sich nicht in gutem Konservierungszustande befindet
oder Farbstoffe, Konservierungsmittel, oder andere als gesundheitsschädlich betrachtete
Zusätze enthält, oder deren Zusammensetzung in irgendiener Form gefälscht ist,
oder die nachweislich von Tieren herrührt, die mit ansteckenden Krankheiten
behaftet waren.

Art. 329. Jede Nahrungsmittelsendung, die am vierten Tage nach ihrer Un-
tauglichkeitserklärung für den allgemeinen Verbrauch nicht wieder verladen ist, wird
seitens des Zollamts durch Feuer vernichtet,

Art. 330. Falls eine Sendung nur teilweise die in Art. 328 angeführten
Eigenschaften aufweist, wird die Einfuhr nur für die in gutem Zustande befindlichen
Teile derselbe erlaubt. Der Interessent hat in Gegenwart der zu diesem Zwecke ab-
geordneten Beamten die Aussonderung vorzunehmen, und wenn dies infolge eines zu
großen Prozentsatzes der verdorbenen Produkte abgelehnt wird, wird die ganze
Sendung von der Einfuhr ausgeschlossen und unbrauchbar gemacht.

Art. 332. Die Untersuchungsatteste oder Einfuhrerlaubnisscheine für die unter-
suchten Sendungen gelten für die Dauer von 30 Tagen vom Tage ihrer Erteilung
an. Nach deren Ablauf werden Verlängerungen unter keinen Umständen gewährt,
sondern es muß eine neue Untersuchung vorschriftsmäßig nachgesucht werden, gerade
als ob es sich um eine noch nicht untersuchte Sendung handele,

Art. 333. Reklamationen sind schriftlich auf Stempelpapier im Werte von 1$m/n
einzureichen.

951
        <pb n="267" />
        Art. 343. Das Etikett auf der Verpackung der einzuführenden Nahrungsmittel
muß genau ihre Art, die Menge in Dezimalgewicht, den Hersteller, das Herkunfts-
land, und wenn es verlangt wird, auch das Datum der Herstellung enthalten.

Art. 344. Das auf der Verpackung angegebene Gewicht darf sich ausschließ-
lich auf die darin enthaltene Menge beziehen,

Art. 345. Dosen aus gewöhnlichem Blech oder anderem Metall, in denen
Konserven zur Versendung gelangen, müssen inwendig mit feinem Zinn verzinnt sein.
Die Verzinnung darf keine schadhaften Stellen aufweisen, damit der Inhalt gut
konserviert bleibt. Das für die innere Verlötung gebrauchte Zinn, das mit dem
Inhalt in Berührung kommt, muß von bester Qualität sein.

Art, 346. Als feines Zinn wird ein Produkt angesehen, das nicht mehr als
1° Blei und höchstens 5 Milligramm Arsen oder Antimon enthält.

Art. 347. Die für die Zubereitung, Konservierung und den Versand von
Nahrungsmitteln gebrauchten Gefäße aus Metall oder anderem Material dürfen
keinerlei gesundheitsschädliche Substanzen enthalten.

Art. 348. Verpackungen, die Anzeichen aufweisen, daß sie schon einmal
eröffnet worden sind oder die eine zweite Sterilisierung durchgemacht haben, wie
an den Lötstellen oder aus der Beschaffenheit des Inhalts zu erkennen ist, sind
von der Einfuhr ausgeschlossen.

Art. 349. Verpackungen und Umhüllungen irgendwelcher Art, die Anzeichen
aufweisen, daß sie geöffnet worden sind oder die zum Zwecke der Auswechslung
Veränderung oder Verlängerung der Konservierung des Inhalts zum Schaden des-
selben nachträglich irgendeine Behandlung erfahren haben, sind ebenfalls von der
Einfuhr ausgeschlossen.

Art. 350. Dosen, deren Deckel Aufbeulungen aufweisen, die durch die Zer-
setzung des Inhalts oder Entwicklung von Gasen hervorgerufen worden sind, dürfen
nicht eingeführt werden. Die Deckel müssen eben oder nach innen durchgebogen
sein infolge des während der Sterilisation ents'andenen luftleeren Raumes. Bei
Flaschen oder anderen Behältnissen dürfen ebenfalls keine Gasentwicklung oder
Veränderungen anderer Art bemerkbar sein, andernfalls ist die Einfuhr verboten.

Art. 351. Keines der bei der Konservierung für die Erhöhung der Dauer-
haftigkeit oder den Schutz der Konserven gebrauchten Mittel irgendwelcher Art,
das mit denselben in Berührung kommt, darf irgendeine gesundheitsschädliche
Substanz enthalten.

Art. 352. Die Umhüllungen aus Zinnfolie, Papier, Stoff oder irgendwelchen
anderen Verpackungen, die zum unmittelbaren Schutz von Nahrungsmitteln dienen,
dürfen weder schädliche Bestandteile noch Farbstoffe enthalten, die mineralischen
Ursprungs oder Steinkohlenderivate sind.

Art. 353. Nahrungsmittel, einerlei, ob sie verpackt oder lose versandt werden,
müssen. nach ihrer äußeren Beschaffenheit zeigen, daß sie gut konserviert sind, und
dürfen keinerlei ihren Nährwert mindernde Bestandteile enthalten, ebensowenig
irgendein Atiseptikum, Färbemittel oder sonstige Chemikalien.

Art. 354. Auf den Verpackungen, deren Inhalt nach dem Aufmachen leicht
verdirbt, muß ein kleines Etikett angebracht seio, mit dem Hinweis, daß das Produkt
sofort verbraucht werden muß,

Art. 355. Salz, Essig, Oel, Fett, Zucker und sonstige vegetabilische Zutaten,
ebenso Holzrauch, die bei der Konservierung von Nahrungsmitteln Verwendung
finden, dürfen keinerlei schädliche Verunreinigungen enthalten.

252
        <pb n="268" />
        Art. 356. Die Anwendung der folgenden Konservierungs- und antiseptischen
Mittel bei der Zubereitung von Nahrungsmitteln ist verboten: Borsäure und Borate,
Flußsäure und ihre Salze, Salizylsäure und ihre Salze, Benzo&amp;säure und ihre Salze,
Formol, Saccharin und andere künstliche Süßmittel, künstliche und Mineralfarbstoffe,
die als äußere Umhüllungen ‚dienen und mit den Nahrungsmitteln in Berührung
kommen.

Art. 357. Bei allen Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs, die im Inland hergestellt
werden und für die Ausfuhr bestimmt sind, hat der Fabrikant in jedem einzelnen
Falle die Erlaubnis des staatlichen Gesundheitsamtes für den Gebrauch von Kon-
servierungs- und antiseptischen Mittein einzuholen, vorausgesetzt, daß das Land, für
welches die Waren bestimmt sind;-ihre Anwendung nicht gesetzlich verbietet.

Art. 358. Fleischkonserven werden neben einer äußeren auch noch einer
chemischen und biologischen Untersuchung unterworfen, Letztere um/aßt auch die
trichinoskopische und bakteriologische Untersuchung,

Art. 360. Im. Fall es sich herausstellt, daß, die Fleischkonserven oder Pasten
ihrer Natur nach nicht den auf den Etiketten der Verpackung enthaltenen Angaben
entsprechen, sind sofort richtige Etiketten anzubringen. Geschieht dies nicht, wird
die Einfuhr der Sendung nicht gestattet.

Art. 367. Jede als ungeeignet für den Verbrauch bezeichnete Sendung von
Nahrungsmitteln, deren Einfuhr über ein anderes Zollamt der Republik versucht
wird, wird konfisziert.

Art. 368. Die Fälschung der: Daten in den Ursprungsgesundheitsattesten,
unrichtige Angaben bei der Deklaration der zu untersuchenden Produkte oder irgend
ein anderer von einer Seite gemachter Versuch, vorstehende Bestimmungen zu um-
gehen, führen zur amtlichen Aufnahme des Tatbestandes, Dieser wird zur Kenntnis
des Ministeriums gebracht, das über die weitere Verfolgung des Falles entscheidet.

Lagerzeit für Wein in Fässern und Tabak in Ballen.

Entsprechend den Bestimmungen des Artikel 8 des Gesetzes Nr. 8878 ist durch
Dekret vom 11, Juli 1913 die höchste zulässige Lagerzeit für Wein in Fässern und
Tabak in Ballen in den staatlichen Zoll-Lagerhäusern von einem Tahr auf sechs
Monate herabgesetzt worden.

Zulässiger Gehalt von Schwefelanhydrid bei Cement,

Durch Dekret vom 7. Juli dieses Jahres wurde eine technische Regierungs-
kommissiou ernannt, um den Höchstgehalt von Schwefelsäureanhydrid bei
Portlandcement neu festzusetzen, der für Regierungslieferungen zugelassen wird.
Zur Begründung dieser Maßregel wird angeführt, daß sowohl in England als in
Deutschland, Rußland und den Vereinigten Staaten ein größerer Prozentsatz ge-
stattet sei als in Argentinien, ohne daß daraus irgend welche Nachteile entständen,
und daß für Argentinien aus der Befolgung des gleichen Prinzips Vorteile zu er-
warten seien, da durch Zulassung neuer Marken der Wettbewerb vergrößert werde.

Druck von PASS &amp; GARLEB G. m. b. H., Berlin W. 57, Bülowstr. 66.
        <pb n="269" />
        Deutsch-Argentinischer Centralverband
zur Förderung wirtschaftlicher Interessen
Veröffentlichungen.

Reiseeindrücke aus Argentinien
von Dr. FREIHERR VON DER GOLTZ, Generalfeldmarschall.
Vortrag, gehalten im Deutsch-Argentinischen Centralverband.

Die argentinische Gefrierfleischindustrie und ihre Bedeutung für den
europäischen Verbrauch
von Dr. J. ULLRICH MUELLER.

Das intellektuelle Argentinien und seine Beziehungen zur romanischen
und germanischen Kultur
von Dr. CHR. JACOB.

Die Aussichten für deutsches Grosskapital in Argentinien
von RUDOLF von COLDITZ.

Geographische Bilder aus dem argentinischen Chaco und vom
oberen Paranä
von Dr. LUETGENS.

Die argentinische Industrie und ihre Bedeutung für den deutschen
Export
von GUSTAV NIEDERLEIN.

Das Minenwesen in Argentinien
von Prof. Dr: R. HAUTHAL.

Nach
A DD pr
OMO = FUNBLIEC

mit dzn neuen DoppelfHrauben-Poftdampfern des

HNorddeutfhen Zlovd,

Regelmäßige Verbindungen nach

+ allen übrigen Weltteilen. +
Drudfaden, Auskünfte und Plagbelegungen Foftenlos durch

und feine Vertretungen

Wir
        <pb n="270" />
        Pa
15. Oktober 1913,
Argentinische Finanzen.

Über die Hauptquellen des Nationalreichtums, den Wert der Gesamt-
produktion im Jahre 1912 und über die Ursachen, die zur Herausbildung
der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage beigetragen haben, veröffentlicht
das statistische Amt des Ackerbauministeriums ein Promemoria, in welchem
folgendes ausgeführt wird:

Der Wert der nationalen Produktion hat von Jahr zu Jahr zugenommen Entwicklungs-

und betrug im Jahre 1912 über 2,6 Milliarden Pesos m/„. Ebenso hat sich faktoren der
die Ausfuhr dauernd zufriedenstellend entwickelt, während gleichzeitig das Den ne
Anwachsen der. Einfuhr den Umfang des inneren Verbrauchs erkennen ließ,
Hieraus ergibt sich, daß wenn man auch einen Stillstand in dem wirtschaft-
lichen Aufschwung‘ des Landes beobachtet, dieser weder auf ein Stagnieren
der nationalen Produktion noch auf eine Überproduktion zurückzuführen
ist, wie sie z. B. in Ländern mit stark entwickelter Eisenindustrie Öfters
eintritt. Die rasche Entwicklung der Produktion hat aber eine Wert-
steigerung des Bodens zur Folge gehabt, die vielfach übertrieben war, und
es wird daran erinnert, daß bereits in einem Ministerialbericht vom Jahre 1907
sich. folgender Satz findet: „Die meisten der Kräfte, aus denen sich die
Volkswirtschaft des Landes zusammensetzt, befassen sich mit Geschäften,
die mit dem Ackerbau in Zusammenhang stehen; — Handel, Industrie,
Banken, Privatkapital, freie Berufe, alle beteiligten sich an der landwirt-
schaftlichen Spekulation, und unter den Kapitalien, mit welchen diese Ge-
schäfte betrieben werden, gibt es sehr viele, sowohl nationale wie auswärtige,
die nicht eigentlich zur Benutzung in der Landwirtschaft bestimmt sind“.

In den letzten zehn Jahren hat die bebaute Bodenfläche um 145%, die
Länge der argentinischen Eisenbahnlinien um 85% zugenommen. Zahlreiche
neue Ortschaften wurden gegründet, die Bautätigkeit nahm einen enormen
Aufschwung, wurden doch allein (in der Hauptstadt in den letzten Jahren
116 000 Häuser gebaut. Der Boden wurde aber vorwiegend zu dem Zweck 'bertriebene
bewirtschaftet, ihm einen höheren Handelswert zu geben, und die erzielten Steigerung
Gewinne wurden mit wenigen Ausnahmen wieder in den gleichen Geschäften a
angelegt oder fanden für Zwecke Verwendung, die mit der Landwirtschaft
Selbst nichts zu tun hatten, so daß ihr ein entsprechendes Betriebskapital
Nicht zugeführt wurde.

Trotzdem die Natur der argentinischen Produkte eine Überproduktion
Nicht leicht entstehen läßt, hat sich doch bei dem hauptsächlichsten Handels-

255
        <pb n="271" />
        produkt auf dem argentinischen. Markte, dem. Grund und Boden, ein Miß-
verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage entwickelt. Als die mögliche
Grenze der Wertsteigerung erreicht war, überstieg das Angebot die Nach-
frage und das Aufhören der Preissteigerung ist die Ursache der üblen Lage
aller Wirtschaftszweige des Landes. Die Umsätze, die während der letzten
zehn Jahre im An- und Verkauf von Immobilien gemacht wurden, erreichten
einen Wert von über 6!/, Milliarden Pesos. Hiervon entfallen auf das Ge-
biet der Bundeshauptstadt 3 Milliarden, auf den sonstigen städtischen Grund-
besitz 980 Millionen und auf ländlichen Grundbesitz 2545 Millionen Pesos.
Die. Umsätze in Landgütern umfassen ein Gebiet von 103 Millionen ha.
Hiervon entfallen auf die Nationalterritorien 24 Millionen ha, so daß für die
14 Provinzen ein umgesetztes Gebiet von 49 Millionen ha verbleibt, was
mehr als 48% der gesamten Bodenfläche derselben ausmacht.
Sonstige Die Wertsteigerung des Bodens hat den reproduktiven wie den in-
tele Cranken produktiven Verbrauch mächtig angeregt und eine Preissteigerung auch auf
anderen Gebieten hervorgerufen. Der. Wert der Einfuhr pro Kopf der Be-
völkerung betrug 1903: 26,7 $ oro, 1912: 59,6 $ oro; an umlaufendem
Gelde entfielen pro Kopf im Jahre 1903; 59 $, 1912: 120 $, vom Wechsel-
und Lombardbestand der Banken 1906: 137 $, 1912: 238 $. Die enormen
in Immobilien festgelegten Kapitalien haben also die folgenden wirtschaft-
lichen Erscheinungen gezeitigt:

Außerordentliche Zunahme in der Aufschließung des Bodens durch Be-
stellung und Bebauung.

Unrichtige Verwendung der zur Konsolidierung dieser Fortschritte in der
landwirtschaftlichen Produktion notwendigen Kapitalien in der landwirtschaft-
lichen Spekulation und dem damit im Zusammenhang stehenden Handel.

Mißverhältnis zwischen den wirtschaftlichen Fähigkeiten des Ackerbauern
und den Bedürfnissen des zweckmäßigen Betriebs,

Zunahme des Verbrauchs und Steigen der Preise, d. h. Anwachsen der
Geschäfte nach Menge und Wert.

Zunahme der Transaktionen des Real- und Personalkredits und dem-
entsprechend Vermehrung der umlaufenden Geldwerte.

Überwiegen des Spekulationskredits über den Zirkulationskredit bei den
Banktransaktionen und als Folge davon Festlegung des Geldes in Immobilien-

Stillstand im Der Stillstand im Immobiliengeschäft wirkte auf alle übrigen Ge-
CN schäftszweige zurück und die nächste Folge des Mißverhältnisses zwischen
Angebot und Nachfrage war ein gesteigertes Geldbedürfnis. Handel, In-

dustrie und Private müssen beständig ihren eingegangenen Verpflichtungen
nachkommen, und da sie das nicht konnten, weil die Immobilien, die sie

besaßen, unverkäuflich wurden, mußten sie in verstärktem Maße Kredit i®

Anspruch nehmen. Daher wuchs die Kreditnachfrage bei den Banken außer”

ordentlich und damit zugleich auch der Diskontsatz.

Mer Tand Der eigentliche landwirtschaftliche Betrieb brachte den Beteiligte?
wirtschaft. niemals Verluste, und das .beständige Anwachsen der Produktion in der

256
        <pb n="272" />
        Landwirtschaft ist ein Beweis dafür, daß sie Nutzen 1äßt. Allerdings gibt
bei Verpachtungen die erzielte Rente dem Besitzer keinen. dem ‘aktuellen
Bodenwert entsprechenden Gewinn, doch wird der Ausfall durch die Wert-
steigerung des Bodens ausgeglichen. Die Aufteilung großer Besitzungen zu
Verkaufs- oder Pachtzwecken: hat den Grundherren beträchtliche “Summen
eingebracht. Die‘ zunehmende Zahl 'der Kolonisationsunternehmüungen | be-
weist die Einträglichkeit dieses Geschäftszweiges. Sowohl Pächter wie auch
Zwischenpächter haben mit Nutzen gearbeitet. Die ‚in der Landwirtschaft
bezahlten Löhne sind hoch, die Dreschunternehmer arbeiten mit beträchtlichen
Gewinnen, ‚die Sackfabrikanten setzen Jährlich. 40 bis ‚50 Millionen‘ Pesos
mit Nutzen um. Die in Eisenbahnunternehmungen investierten 1200 Millionen
Pesos Gold verzinsen sich ‚in. erster Linie durch. die ‘Einnahmen ‘aus
dem Transport der landwirtschaftlichen Produktion. ‚Der Handel mit land-
wirtschaftlichen Produkten mit allen seinen Nebenzweigen erzielt beträcht-
liche Gewinne. Die allgemeine Lage’ der Landwirtschaft ist mithin zufrieden-
stellend und nur der Kleinbauer leidet; unter Mangel an Betriebskapital und
unzureichenden technischen Betriebsmitteln, da wenig oder nichts geschieht,
um sie ihm zugänglich zu machen. —

Der Präsident. der Republik ‘wie: der‘ Finanzminister wiesen ‘in ver- Offizielle
schiedenen öffentlichen Kundgebungen darauf hin, daß die wirtschaftliche Kund-
Lage des Landes ausgezeichnet sei und zu Beunruhigungen keinen Anlaß FE
biete... Niemals seien die Quellen des | Nationalreichtums so reichlich ge-
flossen und für eine Krisis fehlten alle tieferen Ursachen. — Es’ist zweifellos
richtig, daß sich die einzelnen Wirtschaftsfaktoren Argentiniens zufrieden-
stellend weiterentwickeln, und auch in deutschen Industriekreisen wird die
Ansicht vertreten, daß Argentinien die gegenwärtige Geldknappheit an-
scheinend rasch überwinden werde — jedenfalls: hätten die Bestellungen aus
diesem Lande nicht‘ nachgelassen. ‘Aus den oben wiedergegebenen Aus-
führungen der, argentinischen ‚statistischen Behörde scheint indessen doch
hervorzugehen, daß die Volkswirtschaft der Republik an einem organischen
Fehler leidet, über dessen schädliche Wirkungen sie mit Hilfe guter Ernten
zwar hinwegkommt, ‚der aber bei größeren Ausfällen in "der nationalen
Produktion wohl zu: einer ernsteren Krise führen‘ kann.

In der Botschaft des Präsidenten, welche die Vorlage des Budgets für Budget für
1914 beim Kongreß begleitete, wird ausgeführt, daß die Stockung in Handel 1914.
und Industrie, die. durch Liquidierung der in der Vergangenheit eingetretenen
übermäßigen Steigerung der Werte verursacht war, allmählich einer Besserung
Platz macht. Der auswärtige Kredit Argentiniens sei gut, doch werde sich
die Regierung jeder Kreditoperation enthalten, bis die Finanzlage in Europa
Sich gebessert hat... Der vorgelegte Budgetentwurf basiert auf einer Einnahme
von 451449000 $ m/»„, denen Ausgaben im Betrage von 451439000 $
gegenüberstehen. Von den Ausgaben entfallen ca. 342 Millionen Pesos auf
Solche ordentlicher Art, ca. 14 Millionen auf Pensionen und ca. 94 Millionen
auf öffentliche Arbeiten. Das Kriegsbudget ist um über 2 Millionen

9257
        <pb n="273" />
        niedriger, ‚das Unterrichtsbudget um über 6 Millionen höher als im
laufenden Jahre.
Innere Das Gesetz über den Haushaltplan für 1913 ist Ende August ver-
Steuern, ffentlicht worden, doch waren die Steuergesetze, auf denen die Einnahmen
des Budgets zum Teil beruhten, vom Kongreß noch nicht verabschiedet.
Geplant ‚war eine Abänderung des Zollgesetzes, ferner die Besteuerung der
alkoholischen Getränke und die Erhöhung der Abgaben auf Parfüms und
fertige , Heilmittel, sowie eine Reihe kleinerer Steuergesetze. Die Steuer
auf‘ alkoholische Getränke soll 7 Millionen Pesos bringen und durch Steuer-
marken, ‚die an den Gefäßen anzubringen sind, erhoben werden. Da die
Fabrikanten ohne weiteres die Steuer ‚auf den Verbrauch abwälzen, wird von
ihrer Seite gegen die Abgabe kein Widerspruch erhoben, wohl aber gegen
die Art der Erhebung in Form von Marken, die eine starke Belästigung
des Handels bedeutet. Auch gegen die auf dieselbe Art geplante Erhebung
der Steuer auf Parfüms und fertige Heilmittel war zu Anfang dieses Jahres
von seiten der Interessenten Widerspruch erhoben worden, und zwar mit
dem Erfolg, daß das Inkrafttreten des Gesetzes behufs Abänderung der be-
treffenden Vorschriften aufgeschoben wurde. Da der Kongreß in der
Zwischenzeit ‚nicht dazu kam, sich: mit der Angelegenheit zu befassen, ist
das Inkrafttreten der Vorschriften weiter hinausgeschoben worden.
National- Die Leitung der argentinischen National-Hypothekenbank hatte, wie wir
CÄ früher bereits berichteten, nach Erreichung der Maximalgrenze der autori-
sierten Ausgabe. von Cedulas im Betrage von 500 Millionen Pesos beim
argentinischen Kongreß beantragt, diesen Betrag auf eine Milliarde hinauf-
zusetzen. Als in den letzten drei Jahren die Emissionen der Cedulas in
starken Beträgen‘ rasch aufeinanderfolgten, fehlte es nicht an mahnenden
Stimmen, die diese überstürzte Ausdehnung des Immobiliarkredits als eine
der treibenden Kräfte bei dem Überhandnehmen der Bodenspekulation be-
zeichneten. Trotzdem hatten die Obligationen bisher in Belgien, Frankreich,
England und auch in Deutschland willige Abnehmer gefunden; als nun aber
die Absicht der Erhöhung der Umlaufsmenge der Cedulas auf das Doppelte
bekannt wurde, erhob sich dagegen lebhafter Widerspruch und die Börsen-
kommission von Antwerpen, dem Hauptmarkt der Cedulas in Europa, be-
schloß sogar, weiteren Emissionen den Markt zu verschließen. Diese
Opposition verfehlte ihren Eindruck nicht, und die Deputiertenkammer hat
nunmehr, die obere Grenze der Emissionen von 500 auf 750 Millionen Pesos
hinaufgesetzt, die in Teilemissionen von je 50 Millionen Pesos zur Ausgabe
gelangen sollen. Damit ist man allerdings über den Kommissionsvorschlag,
der eine Erhöhung um nur 120 Millionen vorsah, hinausgegangen, doch darf
erwartet werden, daß die Bank, die bei ihrer Emissionstätigkeit vom euro-
päischen Geldmarkt stark abhängig ist, bei ihren weiteren Transaktionen
die gebotene Zurückhaltung nicht außer acht lassen und auf diese Weise
zur Gesundung der mißlichen Verhältnisse im argentinischen {mmobilien-
wesen beitragen wird.

258
        <pb n="274" />
        Landwirtschaft.

In dem kürzlich erschienenen Bericht des Ackerbauministeriums, über Bericht des
seine Tätigkeit im Jahre 1912 wird der Gesamtertrag des argentinischen N ns
Bodens im Vorjahre auf 1230 Millionen Pesos Gold geschätzt. Die an-! „für 1912.
gebaute Bodenfläche umfaßte ein Gebiet von 22 933 000 ha, d.h. 1109 000 ha
mehr als. im Vorjahre. ‚Die außerordentliche Schnelligkeit, mit der sich
der Ackerbau ausbreitet, läßt sich aus einem Vergleich mit dem Jahre 1895
erkennen, in welchem die gesamte angebaute Bodenfläche nur 4 892 000 ha,

d. h. etwas mehr als den fünften Teil des heutigen Areals, betrug.

Unter den ‚vorjährigen Arbeiten des Ackerbauministeriums werden
hervorgehoben die Versuche zur besseren Verwertung des Leinstrohs und
die Tätigkeit zur Erlangung ‚eines ertragreicheren Saatgutes für Weizen
durch die richtige Auswahl der geeigneten Samen. Die schlechten finanziellen
Ergebnisse des Maisbaues veranlaßten geeignete Maßnahmen zur Hebung
des inneren Verbrauchs und zur Schaffung besserer Lagerungsgelegenheiten,
da wiederholt bedeutende Verluste dadurch entstanden waren, daß große
Maisladungen infolge der vorangegangenen schlechten Lagerung verdorben
auf den europäischen Märkten anlangten.

Die Ansicht, daß eine Besserung der landwirtschaftlichen Produktions- Ansiedlungs-
verhältnisse in. erster Linie. nur durch eine tatkräftige Ansiedlungspolitik .„Plitik.
erreicht. werden. kann, gewinnt in Argentinien immer mehr Boden, und es
mehren sich die Vorschläge, auf welche Weise die bestehenden unzuträg-
lichen Verhältnisse abzuändern seien. Alle bisher veröffentlichten Projekte
sehen aber nur die Anwendung relativ kleiner Mittel vor, und direkt gegen
den unwirtschaftlich produzierenden Großgrundbesitz wendet sich eigentlich
niemand, trotzdem man sich darüber klar ist, daß man hier die Hauptwurzel
des Übels zu suchen hat. ‚So gab z.B. der Abgeordnete de la Torre bei
der Begründung eines von ihm eingebrachten Gesetzentwurfs, der eine Er-
weiterung des von uns im vorigen‘ Heft der Mitteilungen bereits, skizzierten
Kolonisationsprojektes der Regierung darstellt, die, folgende durchaus zu-
treffende Schilderung der bestehenden Mißstände und ihrer Ursachen.

Der Konflikt zwischen Großgrundbesitzern und Pächtern zeigte offen Unwirtschaftl.
den, Hauptmangel in der Organisation. der argentinischen Landwirtschaft, Boden-
nämlich das fast vollständige. Fehlen eines Kleinbauernstandes, der in den Sen
fortgeschrittenen Nationen Europas den festen Kern der Landbevölkerung bildet.

In Argentinien kennt man in der sogen. Ackerbauzone ganz überwiegend
nur große Besitzungen, die teilweise zu Pachtzwecken in Landstellen von
verschiedener Größe aufgeteilt werden. Außerdem findet sich noch eine
Anzahl kleinerer Besitzungen, jedoch immer noch von, über 100 bis 200 ha
Größe, die in früheren Jahren von ihren Besitzern billig erworben wurden.
Die. Anbaumetbode ist aber überall die gleiche; ob. Besitzer ‚oder Pächter,
ein jeder ist. bemüht, eine größere Bodenfläche zu bearbeiten, als ihm
mit Hilfe seiner Familie möglich ist. Jede landwirtschaftliche Nebenproduktion

259
        <pb n="275" />
        wird vernachlässigt, und manzbeschränkt'sich auf eine oder zwei Kultur-
arten, die als Raubbau betrieben werden. Die Ernte wird sofort nach ihrer

/ Einbringung verkauft, ohne daß auch nur einem Einzigen. der Gedanke
käme, durch‘ ihre Weiterverarbeitung einen noch größeren Gewinn zu er-
zielen. Was man gewöhnlich unter Kleinbesitz versteht, das Bauerngut
von 5 bis 20 ha, das die verschiedenen landwirtschaftlichen Produktions-
zweige gleichzeitig pflegt, findet sich in Argentinien nur als seltene Aus-
nahme. Die‘ gewöhnlichen Pächter, die 90% des‘ bebauten argentinischen
Bodens bearbeiten, können einen vielseitigen Betrieb auch gar nicht durch-
führen. Ihr kurzfristiger. Pachtvertrag‘ setzt sie außerstand, eine andere
Petriebsweise als‘ den Raubbau aufzunehmen. Zumeist werden sie durch den
Vertrag selbst gezwungen, die provisorische Behausung, die sie sich errichtet
haben, dem Erdboden gleich zu machen, und ohne eine bleibende Spur zu
hinterlassen, "setzen sie ihre ewige Wanderung über die Pampa fort. Bevor
in diesen Verhältnissen nicht eine gründliche Aenderung eintritt, ist ein
intensiver Ackerbau ausgeschlossen. —

Nunmehr beginnt die öffentliche Meinung einmütig von der Regierung
die Schaffung von kleinen Bauernstellen zu verlangen, ohne sich jedoch
klar zu machen, daß hierzu ganz enorme Mittel notwendig sind, wenn
wirklich eine umfassende und dauernde Neuordnung der Verhältnisse ein-
treten soll. Die bisher für diesen Zweck vorgesehenen Maßnahmen bedeuten
vorläufig‘ ‚nichts‘ weiter als Anfangsversuche,' und der im einzelnen wohl
vorhandenen Finsicht dürften die tatsächlich bestehenden wirtschaftlichen
Machtverhälinisse unüberwindliche Schwierigkeiten entgegensetzen.

Mangelnde Ueber die Ursachen der mangelhaften Erträge in einem großen Teil
te aehline der argentinischen Landwirtschaft macht ein Bericht des landwirtschaftlichen
Kenntnisse... Bezirkssachverständigen' im Pampagebiet, erstattet an die Generaldirektion
des ländlichen Unterrichtswesens, einige interessante Angaben. Hiernach

sind die zur Aussaat benutzten Sämereien schlecht und ihre Verteilung pro

Hektar unrichtig. Dies beweist, daß die Bauern wenig oder gar keine Vor-

kenntnisse für die richtige Ausführung des Anbaus besitzen. Außerdem

gibt es Kolonisten, die 500 ha zu bebauen haben, von denen sie aber nur

etwa 100 ha und auch diese nur schlecht und oberflächlich bearbeiten

können. Es ist nicht zu verstehen, wie diese Leute ihren Pachtverpflichtungen
nachkommen wollen, wenn die Ernte nicht ausgezeichnet ausfällt. Daß sie

bei dieser‘ Betriebsweise überhaupt bestehen können, ist ein Beweis für die

Güte des Bodens, und man kann daraus schließen, welche glänzenden Erträge

bei einer gewissenhaften‘ Auswahl der Aussaat und bei zweckmäßiger
Bodenbearbeitung erzielt werden könnten. Auch Obstbaumzucht und Forst-

betrieb könnten unermeßliche Vorteile bringen, aber bis auf verschwindend

wenig Ausnahmen kümmert sich niemand darum. Ebenso steht es mit dem

Gartenbau, der trotz vereinzelter glänzender Ergebnisse von der Allgemeinheit

nicht ausgeübt wird. — Die Ausführungen des Sachverständigen zeigen,

daß der ganze Landwirtschaftsbetrieb überwiegend noch auf einer sehr

260
        <pb n="276" />
        niedrigen Stufe steht, und daß für Aufklärung und Unterweisung der Bauern
noch sehr viel getan werden muß, wenn die Vorteile, die Boden und Klima
bieten, wirklich ausgenutzt werden sollen,

Auch die Milchwirtschaft steht in ihren Erträgen in gar keinem Ver- Molkerei-

hältnis zu dem Viehreichtum des Landes. In der Milchversorgung der betrieb.
Städte hat sich zwar in den letzten Jahren vieles gebessert, doch ist der
Preis in Anbetracht der möglichen Produktion immer noch enorm hoch.
Ebenso ist die Butterproduktion sehr gering, die angesichts der vorhandenen
Vorbedingungen eine große Reichtumsquelle für das Land sein. könnte.
Im Vorjahre wurden nur 24859 dz ausgeführt, während die Ausfuhr
von Margarine und Palmitin sogar 31031 dz betrug. Besonders auf-
fallend ist, daß Argentinien jährlich sehr bedeutende Summen für, im-
portierten Käse an das Ausland bezahlt, für dessen Herstellung im Lande
alle natürlichen Vorbedingungen gegeben sind. So wurden im Vorjahre
53746 dz Käse im Werte von 2.150.000 $% Gold eingeführt. Hiervon
kamen 1911 über 35 000 dz allein aus Italien. Das landwirtschaftliche Unter-
richtswesen des Landes ist neuerdings lebhaft bestrebt, bei den Kolonisten
für die vernachlässigte Industrie Interesse zu erwecken, und man kann
diesen Arbeiten nur den besten Erfolg wünschen, da eine blühende Molkerei-
industrie sehr viel zum Ausgleich der häufigen Ertragsschwankungen in der
Landwirtschaft beitragen würde.

Durch die Anfang Oktober veröffentlichte amtliche Schätzung der Anbauflächen
Anbauflächen hat die von uns in Heft 5 der „Mitteilungen“ wiedergegebene 1913/14.
private Schätzung des mit Weizen angebauten Areals eine beträchtliche
Korrektur erfahren. Nach den amtlichen Angaben beträgt nämlich die An-
baufläche von Weizen nur 6068 000 ha gegen 6918 450 ha im Erntejahr
1912/13. Das Ackerbauministerium ist der Ansicht, daß die Verringerung
der Weizenanbaufläche einerseits auf die Ueberschwemmungen im Süden
der Provinz Buenos Aires zurückzuführen ist und andererseits darauf, daß
die im Laufe des Jahres erzielten hohen Viehpreise einen größeren Anbau
von Alfalfa bewirkt haben. — Die amtlichen Angaben der Anbaufläche von
Leinsaat (1 777 000 ha) und Hafer (1351 000 ha) entsprechen ungefähr den
von uns früher gebrachten privaten Schätzungen.

Der in der vorigen Nummer der Mitteilungen erwähnte Gesetzentwurf Staatliche
betreffend die Beschaffung von Getreidesäcken und Bindgarn durch die Beschaffung
Regierung wurde am 22. August in der Deputiertenkammer angenommen. mon Orden
Wie der Ackerbauminister bei der Begründung des Entwurfs ausführte, soll
dadurch der zeitweiligen enormen Verteuerung entgegengearbeitet werden,
die bei diesen Artikeln gerade zur Erntezeit einzutreten pflegt. Es ist seitens
der Regierung nicht beabsichtigt, etwa einen Kleinhandel in Säcken zu
beginnen, sondern sie will den Bauern bei der Beschaffung der Säcke, die
je nach den Preisen im In- oder Auslande geschehen soll, als Vermittler
dienen. Die für den Zweck bereitzustellenden Mittel, die nach dem Entwurf

1 Million Pesos betragen sollten, wurden auf 2 Millionen Pesos erhöht.

261
        <pb n="277" />
        Ein auf den gleichen Artikel sich beziehender Gesetzentwurf wurde vom
Deputierten Jose Arce eingebracht, demzufolge Getreidesäcke beim Verkauf
einer Steuer von 11,50 $ =/„ unterliegen sollen, sofern der Verkauf nicht
zu dem von der Regierung festgesetzten Preise geschieht. Der offizielle
Verkaufspreis ist von der Regierung am ersten jedes Monats zu bestimmen
und soll 30%, über dem Durchschnittspreis der europäischen Märkte
während des vorangegangenen Monats liegen. Das Material zur Einrichtung
von Getreidesack- bzw. Sackleinwandfabriken soll zollfrei eingeführt
werden können. — Der Gesetzentwurf dürfte wenig Aussicht auf Annahme
haben.

Eindeichung Die enorme Wertsteigerung der günstig für den Verkehr gelegenen

de guten Böden hat ein Projekt reifen lassen, an dessen Ausführung vor wenigen
Jahren noch nicht zu denken gewesen wäre, nämlich die Eindeichung der
Deltainseln des Paranä. Die Kommission für öffentliche Arbeiten der
Deputiertenkammer der Provinz Buenos Aires hat die Pläne des Herrn
Adolfo R. Soler hierfür bereits genehmigt, und das Werk soll zunächst in
der zweiten und vierten Sektion der Inseln in Angriff genommen werden,
kann aber, je nachdem die natürlichen oder wirtschaftlichen Vorbedingungen
es gestatten, oder wenn es der größere Teil der Besitzer wünscht, auch auf
andere Teile des Deltas ausgedehnt werden. Der größte Teil dieser Inseln
ist heute infolge der periodischen Ueberschwemmungen entweder nur un-
vollkommen oder garnicht benutzbar und das geplante Eindeichungs-, Ent-
wässerungs- und Berieselungs-System würde hier unzweifelhaft große neue
Werte schaffen. Den Bau der Deiche und Bewässerungsanlagen wird der
Unternehmer auf seine Rechnung ausführen. Sofern das eingedeichte Gebiet
Privatbesitz ist, haben die Eigentümer die entstandenen Kosten proportional
ihrem in den einzelnen Poldern liegenden Grundbesitz in Form einer
contribuciön de saneamiento aufzubringen. Drei Jahre nach endgültiger
Fertigstellung der Arbeiten geht das ganze Werk mit allen Einrichtungen
in das Eigentum der Provinz Buenos Aires über.

Die Arbeiten werden in der zweiten Sektion der Inseln beim Zusammen-
fluß des Rio Carabelas und des Paranä Guazü begonnen und nach Süd-
westen hin fortgesetzt. Der Inhaber der Konzession hat die vollen Kosten
der Kanäle zu ersetzen, die innerhalb der eingedeichten Zone von der Firma
Goedhart Hnos. gebaut werden. Er erhält dagegen die eingedeichten
'fiskalischen Ländereien in dem Maße, wie die Arbeiten an den einzelnen
Poldern fortschreiten, aufgelassen. Als Verkaufspreis wird der Durchschnitt
der in den einzelnen Sektionen in den Jahren 1908/10 seitens der Regierung
getätigten Verkäufe zuzüglich eines Zuschlages von 100% angenommen.
Der Konzessionsinhaber verpflichtet sich, die angekauften Gebiete zu
kolonisieren und zu diesem Zwecke 500 Familien von Ackerbauern anzu-
siedeln. Außerdem hat er für seine Rechnung und ohne jede Vergütung
eine Garten- und Obstbauschule sowie eine Konservenfabrik anzulegen und
in diese Unternehmungen zum mindesten 200000 $ zu investieren. Den

262
        <pb n="278" />
        gleichen Betrag hat er für Schulen, Kirchen und Verwaltungsgebäude auf-
zuwenden, die ebenfalls kostenlos in das Eigentum der Provinz übergehen.
Ueber die Ergebnisse des Tabakbaus werden in der Presse einige An- Tabakbau.

gaben veröffentlicht, denen zufolge im Jahre 1912 in der Provinz Tucumän

630 ha mit ca. 6 Millionen Tabakstauden bepflanzt waren, die per ha

einen Ertrag von 766 kg, d.h. 8 kg für jede 100 Pflanzen ergaben. In der
Provinz Salta waren 480 ha mit 8 760 000 Stauden bepflanzt, die per ha
einen Ertrag von 835 kg oder 4 kg für jede 100 Pflanzen brachten. Von
geringerer Bedeutung ist der Tabakbau in Jujuy; dort waren 9 ha mit 95 000
Stauden bepflanzt, die einen Ertrag von 743 kg per ha oder 7 kg für je
100 Pflanzen ergaben. Sehr gut ist nach einem Bericht des landwirtschaft-
lichen Bezirkssachverständigen der Stand der Tabakkulturen in Misiones,
besonders in den Kolonien Cerro Corä, Bompland und Picada San Javier.
Die Anpflanzungen, die zum größten Teil von Deutschen angelegt sind,
befinden sich zwar noch im Versuchsstadium, doch kann bereits in einer
Ausdehnung von über 70 Leguas von einem blühenden fortschreitenden
Tabakbau gesprochen werden, der im laufenden Jahr eine Ernte von un-
gefähr 400 000 kg brachte. Auch Zuckerrchr, Mais, Yerba Mate und Gemüse
aller Art werden mit gutem Erfolge angebaut.

Eine in den Provinzen Santa F6 und Entre Rios verbreitete Kültur- Manikultur.
pflanze, der Mani, wird in den letzten Jahren nicht mehr in dem Umfange
angebaut wie früher. Im Jahre 1907 betrug die gesamte Anbaufläche noch
ca. 32500 ha und ist gegenwärtig bis auf 15000 ha zurückgegangen. Die
Pflanze scheint von anderen Kulturarten verdrängt worden zu Sein, wenn
auch ein Grund hierfür nicht ohne Weiteres angegeben werden kann. Das
aus dem Mani gewonnene Oel dient entweder rein Oder mit Olivenöl
gemischt als Speiseöl, und die Preßrückstände werden als Oelkuchen zur
Viehfütterung verwendet und nach Deutschland, England, Schweden etc.
ausgeführt. Die frischen Triebe der Pflanze sind als Gemüse geschätzt und
die Stengel und Blätter finden als Viehfutter Verwendung. Der Wert des
Oels beträgt 50 bis 60 cts. per Kilo und der Oelkuchen 50 bis 60 $ per
Tonne. In den letzten Jahren wurde bereits Mani importiert und zwar 1912
über 4000 Tonnen im Werte von mehr als 200 000 $ oro. Diese importierte
Menge könnte auf 3— 4000 ha leicht im Lande selbst gewonnen werden,
und der ganze Anbau von Mani würde sich lohnender gestalten, wenn bei
der Produktion und Verarbeitung des Produkts moderne maschinelle_Hilfs-
mittel Verwendung fänden.

Die argentinische Zuekerindustrie.
(Vergl. 3. Heft 1913.)
Ueber die Entwicklung der argentinischen Zuckerindustrie_im Vorjahre "Produktion
veröffentlicht das Ackerbauministerium einige interessante Daten. In der 1912.
Republik waren 43 Zuckerfabriken vorhanden, von denen vier außer Betrieb

263
        <pb n="279" />
        blieben. Die übrigen 39 verarbeiteten 2121 560 Tonnen Zuckerrohr und
erzeugten insgesamt 147 248,5 Tonnen Zucker, der Ertrag betrug mithin im
Durchschnitt 6,9%. Bei Annahme eines mittleren Wertes von 3 $ per 10 kg
für alle Arten Zucker ab Fabrik beläuft sich der Wert der gesamten Er-
zeugung während des Jahres 1912 auf 44 174 000 $. Der Anteil der einzelnen

Anteil der Provinzen bzw. Territorien an der Gesamtproduktion ist aus folgenden Ver-

Provinzen. hältnisziffern ersichtlich:

(°/) Zuckerfabriken verarbeitetes Zuckerrohr Wert
Tucumän 71,9 34,4 82,6
Salta 2,4 0,7 0,8
Jujuy 7,8 118 13,7
Chaco 78 2,2 1,8
Formosa 2,4 0,2 0,2
Santa F6 5,3 6 0,6
Corrientes 2.4 45 0,3
Die Zusammenstellung zeigt, daß mehr als drei Vierteile der argen-

tinischen Zuckerproduktion auf die Provinz Tucumän entfallen. Salta und
Jujuy, die für den Anbau ebenfalls ausgezeichnete natürliche Vorbedingungen
aufweisen, zeigen zwar sehr günstige Ertragszahlen, bieten jedoch infolge
ihrer noch mangelhaften Transportwege und daher sehr teuren Frachten der
Zuckerindustrie noch kein geeignetes Tätigkeitsfeld.

Einfuhr. Trotzdem Argentinien also in Tucumän, Salta, Jujuy, Chaco, Corrientes,
Misiones usw. ein ausgedehntes Gebiet besitzt, in dem ausgezeichnete Vor-
bedingungen für die Ausdehnung des Anbaus von Zuckerrohr gegeben sind,
reicht die gegenwärtig gewonnene Menge des Zuckers nicht hin, um den
Eigenverbrauch der Republik zu decken. Die größte bisher erzeugte Jahres-
menge betrug 180000 Tonnen in der Ernte von 1911 uni da. der Bedarf
des Landes sich gegenwärtig auf über 215000 Tonnen beläuft, müssen in
jedem Jahre noch beträchtliche Mengen eingeführt werden, die während der
letzten fünf Jahre zwischen 20000 und 67 000 Tonnen Schwankten, wie aus
der folgenden Zusammenstellung ersichtlich ist:

(Tonnen) 1908 1909 1910 A911 1912

Argent. Produktion 161688. 127322. 148509 180092 147 249
Import. Zucker raff, 5994 22735. 33746 11043 42269
Import. Zucker sonst. 13766 34088 ‚18156 _ 19034 24635
181488 184145 200411 210169 214143
Die Zahlen beziehen sich immer auf das der eigentlichen Ernte folgende
Jahr und die notwendige’ Ergänzung des Verbrauchs wird im ersten Halb-
jahr jedes Jahres importiert, d. h. bevor die neue Ernte beginnt. = =
Verbrauch. Da gegenwärtig zuverlässige Angaben über die argentinische  Be-
völkerungsziffer fehlen — die betreffenden Zahlen der einzelnen statistischen
Ämter schwanken wegen der verschiedenen Methoden der Fortschreibung
zwischen 7'/, und 8'/, Millionen —, ist eine genaue Berechnung des Ver-

Y64
        <pb n="280" />
        brauchs pro Kopf der Bevölkerung nicht möglich. Bei Annahme einer Be-
völkerung von 8 Millionen würde sich pro Kopf ein Verbrauch von ca. 26 kg
ergeben.

Der Jahresdurchschnitt der Welternte des Rohrzuckers betrug in der Mögliche
Zeit von 1907/11 7677 000 Tonnen, wozu Argentinien mithin nur 2°%g bei- Produktions-

z . wen . C . steigerung.
getragen hat. Eine Steigerung der argentinischen Produktion könnte viel-
leicht außer durch vermehrten Anbau von Zuckerrohr auch noch durch eine
bessere Ausbeutung des verarbeiteten Materials erzielt werden. Als mittleres
Ergebnis der Ausbeute werden 6,84% für die Zuckerfabriken von Tucumän
angegeben. Einige von ihnen erreichen indessen mehr als 8 und bis gegen
9%, Ausbeute, d.h. ca. 2%, mehr als Durchschnitt, woraus geschlossen
werden kann, daß einige der übrigen Fabriken ihre Ausbeute noch ver-
bessern können. Auch der Zuckergehalt des Rohres könnte durch sorg-
fältige Auswahl der angepflanzten Arten und durch sachgemäße Bodenver-
besserung, durch Düngung usw. erhöht werden. Die bisher nach dieser
Richtung hin unternommenen Versuche haben gute Resultate ergeben.

Die argentinische Zuckerindustrie arbeitet insofern unter sehr günstigen Zollschutz.
Bedingungen, als sie einen ausgedehnten Zollschutz genießt, der allerdings
das heute bereits als wichtiges Volksnahrungsmittel angesehene Produkt in
Argentinien ganz enorm verteuert. Durch Gesetz Nr. 8877 vom 15. Februar
1912 wurde vom 1. Juli 1912 ab der Zoll für raffinierten Zucker von 96 Grad
Polarisation auf 0,88 $ oro per Kilo und für nicht raffinierten oder‘ von
weniger als 96 Grad Polarisation einschließlich Sack auf 0,068 $ oro per
Kilo festgesetzt. Dieser Zollschutz sollte sich in jedem der folgenden Jahre,
immer vom 1. Juli ab, um 0,002 $ oro per Kilo ermäßigen, so daß er vom
1. Juli 1921 ab 0,07 $ oro für raffinierten und‘ 0,05 $ oro für nicht raffi-
nierten Zucker betragen würde. Artikel 3 des Gesetzes bestimmt, daß die
Regierung den Zuckereinfuhrzoll ermäßigen kann, wenn der Großpreis des
Zuckers in Säcken der argentinischen Raffinerien in Buenos Aires über
4,10 $ m/n per kg beträgt, um auf diese Weise die Einfuhr des vorher zu
bestimmenden Quantums herbeizuführen, das notwendig ist, um den Bedarf
des inneren Verbrauchs bis zur nächsten Ernte zu decken, Diese Möglichkeit
der erleichterten Einfuhr soll nach Artikel 4 jedoch aufhören, wenn der
Einfuhrzoll nur noch 0,07 $ oro für raffinierten Zucker beträgt.

Die vorjährige Ernte hatte die Einfuhr von 90 000 Tonnen Zucker not-
wendig gemacht und dadurch die protektionistische Tendenz des Gesetzes
so stark hervortreten lassen, daß weitere Kreise sich gegen die durch be.
dingte einseitige Förderung einer Industrie wandten, die noch dazu in einer
einzigen Provinz ziemlich konzentriert ist. So brachte der Abgeordnete
Justo im August d. J. einen Gesetzentwurf ein, der die sofortige Herab-
setzung des Zollschutzes auf 0,07 $ oro per Kilo verlangte, die nach dem
geltenden Gesetz erst am 1. Juli 1921 eintreten soll. In der Begründung
des Entwurfs wurde u. a. ausgeführt, daß nach einer offiziellen Feststellung
im Tahre 1907 die Produktionskosten für 10 kg Zucker in Tucumän nur zirka

265
        <pb n="281" />
        1,50 $ m/n betrugen. Der frühere der argentinischen Zuckerindustrie durch
Gesetz vom Januar 1904 garantierte Höchstpreis, unter dem eine Einfuhr zu er-
mäßigten Zollsätzen nicht stattfinden durfte, hatte nur 3 $ per 10 kg betragen, ein
Preis, der unter Berücksichtigung der damals noch zu zahlenden inneren Abgabe
von 3,75 Cts. per Kilo der argentinischen Zuckerindustrie einen Minimal-
gewinn von SU°/, garantierte. Dieser garantierte Preis wurde durch das Ge-
setz Nr. 8877 auf 4,10 $ erhöht, wodurch bei der gegenwärtigen Marktlage
ein Zollschutz von ca. 110%, bedingt wird, da europäischer Zucker der
gleichen Klasse loco Zollamt Buenos Aires per 10 kg 1,70 $ kostet. Die
durch den Gesetzentwurf vorgeschlagene Ermäßigung des Einfuhrzolls würde
voraussichtlich nicht unerheblich zur Erhöhung der Zolleinnahmen beitragen,
da der Verbrauch von Zucker beträchtlich zunehmen würde. Ein Zollschutz
von 7 Cis.‘oro per Kilo, d. h.' 1,59 $ "/n per 10 kg, bedeutet gegenüber
dem Weltmarktpreis des Zuckers immer noch eine‘ Erhöhung von gegen
100%, und dürfte in der Tat für die Zuckerindustrie von Tucumän einen
hinreichenden Schutz bedeuten. -—

Zuckerhandel Um eine ständige Uebersicht über die Entwicklung des Zuckerverbrauchs
in der Republik zu haben, hat das Finanzministerium den Art: 16 der Aus-
führungsbestimmungen zum Gesetz 8877 dahin abgeändert, daß nunmehr
alle mit Zucker handelnden Firmen, die direkt von Fabriken, Raffinerien,
Konsignatären oder Importeuren kaufen, sich auf dem Steueramt alljährlich
zwischen dem 15. und 31. Dezember in ein Register eintragen und all-
monatlich eine Aufstellung über die ausgeführten Käufe und Verkäufe so-
wie‘ über die vorhandenen Bestände einreichen müssen.

Ernte 1913. Die Ernte des laufenden Jahres, die Anfang Juni begann, soll nach
den Berichten der Revista Azucarera ein ausgezeichnetes Ergebnis ver-
sprechen, das voraussichtlich sogar den Bedarf des nationalen Verbrauchs
übersteigen wird. Man rechnet allein für die Provinz Tucumän mit einer
Erzeugung von 200 000 Tonnen und für die ganze Republik von 250 000
Tonnen. Der argentinische Verbrauch für das laufende Jahr wird auf
220 000 Tonnen geschätzt und da am 31. Mai von dem unter Zollermäßigung
importierten Quantum noch eine Existenz von 18 000‘ Tonnen vorhanden
war, so rechnet man mit einem Ueberschuß von 38 000 Tonnen über den
eigenen Verbrauch des Landes.

Vorstehende Angaben werden allerdings von anderer Seite in der in
Tucumän erscheinenden „La Gaceta“ angezweifelt. Es wird darauf hin-
gewiesen, daß die Fabriken das Vermahlen des Rohrs in diesem Jahr mehr
als sonst beschleunigten; da man bei der Beschaffenheit des diesjährigen
Produkts eine schnelle Zersetzung des Saftes befürchtete, die stets einen
erheblichen Rückgang des Gehalts an Saccharose zur Folge hat. Die Ernte
dürfte sich daher in Tucumän nicht auf mehr als 180000 Tonnen belaufen.

Wenn sich auch nur die geringere Ernteschätzung annähernd ver-
wirklicht, wird das Jahr 1913 für die argentinische Zuckerindustrie doch
ein Rekordijahr werden, da, wie oben erwähnt, die bisher erreichte höchste

I6E
        <pb n="282" />
        Jahresproduktion einschließlich derjenigen der übrigen Provinzen nicht über
180 070 Tonnen betrug. Das gute Resultat: des Jahres ist zurückzuführen
auf günstige Witterungsverhältnisse, die die Entwicklung der Pflanzen
förderten, und vor allem auf die beträchtliche Ausdehnung der Anbau-
fläche von Zuckerrohr. Sie betrug in Tucumän im Jahre 1910 ca. 70000 ha
und ist seitdem auf 97000 ha angewachsen. Die gesamte mit Zuckerrohr
bebaute Bodenfläche der Republik wird mit 110000 ha angenommen und
dehnt sich durch die Anlage neuer Pflanzungen sowohl in Tucumän wie
in Jujuy, Salta und dem Chaco beständig aus.

Der Wert der mit Zuckerrohr bepflanzten 110 000 ha wird auf 90 Mill. $ Investiertes
geschätzt. In Tätigkeit sind in diesem Jahre 40 Fabriken, davon 28.in. „Kapital.
Tucumän, drei in Jujuy, eine in Salta, drei in Santa F€, eine in Corrientes,
drei im Chaco und eine in Formosa, die mit ihren Gebäuden, Maschinen usw.
einen Gesamtwert von weiteren 90 Millionen Pesos repräsentieren. Wenn
man ferner die 10 Millionen Pesos berücksichtigt, die in der Zuckerraffinerie
von Rosario investiert sind, so ergibt sich insgesamt für die argentinische
Zuckerindustrie ein arbeitendes Kapital von 190 Millionen Pesos. In der
Betriebsweise herrscht, von wenigen Ausnahmen abgesehen, der moderne
Großbetrieb, wie schon aus dem Verhältnis der Zahl der Fabriken zum
erzeugten Quantum hervorgeht; zum Vergleich sei angeführt, daß die Jahres-
produktion Mexikos von 150000 Tonnen das Arbeitsergebnis von über
600 Fabriken ist, von denen allerdings ein großer Teil diesen Namen kaum
verdient. Unter den argentinischen Industrien ist die Zuckerindustrie eine
der wenigen, die keinerlei Rohmaterial oder Hilfsstoffe aus dem Auslande
beziehen.

Argentinisehes Petroleum.
(Vergl. Heft 4 u. 6 1913.)

Die Frage, ob die Ausbeutung der Petroleumlager in Comodoro Rivadavia Staats- oder
der staatlichen Regie vorbehalten oder privaten Unternehmungen überlassen Privatbetrieb.
werden soll, beschäftigt nach wie vor das öffentliche Interesse in Argentinien.
In dem schon im vorigen Heft der „Mitteilungen“ besprochenen Gesetz-
entwurf, der von seiten des Ackerbauministers eingebracht worden War,
hatte man bereits eine Beteiligung privater Unternehmer unter gewissen Be-
dingungen vorgesehen; ein von dem Deputierten Dr. Escobar vorgelegter
Gesetzentwurf zielt darauf ab, den privaten Unternehmungen bei der Aus-
beutung der Petroleumfelder einen noch größeren Anteil zu sichern, als in
der Regierungsvorlage vorgeschlagen war. Nach dem Escobar’schen Entwurf
sollen für den Staat 5000 ha im Petroleumgebiet von Comodoro Rivadavia
reserviext.: bleiben, d. ;h.. ein: Gebiet, wie ‚es. das: Gesetz Nr. 7059 vom
29. August 1910 festsetzte, während durch das Dekret vom 9. Mai des
Jahres der fiskalische Besitz an Petroleumfeldern auf 900 qkm ausgedehnt
worden war. Die Ausbeutung der fiskalischen Zone: hätte durch Privat-

267
        <pb n="283" />
        unternehmungen von anerkannter finanzieller Leistungsfähigkeit unter Kontrolle
der Regierung zu folgenden Bedingungen zu geschehen: In die Geschäfts-
gemeinschaft bringt die Regierung ein: ihren Besitz in der reservierten
Petroleumzone und die Kosten der bisher ausgeführten Studien und Vor-
arbeiten sowie die zur Zeit des Vertragsabschlusses vorhandenen Ein-
richtungen, Maschinenanlagen, Werkzeuge usw., während vom privaten
Unternehmer das für die weitere Ausbeutung notwendige Kapital einzu-
schießen wäre. Die auf diese Weise gebildete Gesellschaft würde von
einem Direktorium zu leiten sein, das sich aus Vertretern der Regierung
und der Kapitalgeber zusammensetzt. Den Präsidenten der Gesellschaft und
die Hälfte der Verwaltungsratsmitglieder ernennt die Regierung unter Zu-
stimmung des Senats. Die der Regierung aus der Ausbeute zufließenden
Reingewinne sind für die außerordentliche Tilgung der Staatsanleihen zu
benutzen. Im Falle eines Krieges mit anderen Nationen hat die Regierung
das Recht, die gesamte Produktion für ihre Zwecke zu verwenden, muß je-
doch den Kapitalgebern während dieser Zeit eine ebenso hohe Dividende
gewährleisten, wie am Schluß der vorangegangenen Wirtschaftsperiode aus-
geschüttet wurde. Für die Schiffe der Kriegsmarine und andere öffentliche
Zwecke hätte die Gesellschaft das Petroleum zum Selbstkostenpreise zu
liefern und bliebe dafür von allen nationalen Abgaben einschließlich Einfuhr-
und Ausfuhrzöllen sowie von städtischem Steuern befreit.
Gewinnanteil Der Gesetzentwurf enthält insofern eine große Lücke, als nicht gesagt
des Staats, wird, in welcher Weise die Verteilung des Reingewinns zwischen dem
Fiskus und den beteiligten Kapitalgebern geschehen soll. Wenn man hierbei
als Maßstab die von beiden Seiten eingebrachten Werte zugrunde legen
wollte, so müßte zunächst der Wert des vom Staate zur Verfügung gestellten
Petroleumvorkommens einigermaßen richtig abgeschätzt werden, und zwar
dürfte man der Berechnung nicht allein die Ergebnisse der bereits auf-
geschlossenen Bohrlöcher zugrunde legen, sondern müßte die Mächtigkeit
der ganzen in dem Areal der Konzession vorhandenen Petroleummenge mit
in Betracht ziehen. Eine derartige Abschätzung ist aber schon bei anderen
Bodenschätzen sehr schwer, bei Petroleum erscheint sie unmöglich. Daher
scheint der im Regierungsentwurf gemachte Vorschlag, von den konzessio-
nierten Gesellschaften 10%, des geförderten Petroleums als Abgabe zu er-
heben, als der einfachere und billigere, vorausgese‘zt, daß die Regierung
sich in der Verwaltung dieser Gesellschaften einen hinreichenden Einfluß
sichert, der sie vor Schaden bewahrt. Der letztere Entwurf wurde Anfang
September von der Ackerbaukommission der Deputiertenkammer ohne irgend-
eine Abänderung angenommen.
Nachteile des Seit der Entdeckung des Petroleumvorkommens sind verschiedene
Staatsbetriebs, Jahre verflossen, und es erscheint nun hohe Zeit, daß die Ausbeutung dieses
argentinischen Nationalreichtums energisch in Angriff genommen wird, denn
bisher ist noch so gut wie kein Petroleum auf den Markt gekommen, und
die Erschließung steht immer noch in den Anfängen. Auch in anderen

26ß
        <pb n="284" />
        Gegenden der Republik sind vielversprechende Petroleumfelder entdeckt
worden, die der Erschließung harren, und wie die bisherige Entwicklung
gezeigt hat, wird dies zweckmäßig nur durch private Unternehmungen
geschehen können. Bisher hat sich die Regierung von Jahr zu Jahr neue
Mittel bewilligen lassen müssen, die für Vorarbeiten aufgebraucht wurden,
ohne einen greifbaren Nutzen zu bringen. Wenn die Felder privaten
Unternehmungen geöffnet sein werden, wird hierin bald Wandel geschaffen
sein, und die Regierung wird sich dadurch eine starke Einnahmequelle ver-
schaffen, ohne weiterhin öffentliche Mittel in diesen immerhin mit einem
gewissen Risiko verbundenen Unternehmungen investieren zu müssen.

Die Versuche, Petroleum als Feuerungsmaterial an Stelle von Kohle zu
verwenden, werden in Argentinien eifrig fortgesetzt, SO Z. B. seitens des
Finanzministeriums, das im Falle günstiger Ergebnisse die Lokomotiven
der Hafenbahnen und die Maschinen der Kraftstation in Buenos Aires
damit antreiben will. Die vorhandenen Maschinen sollen dann für Oel-
feuerung umgebaut und eine Raffinerie errichtet werden, um das Roh-
petroleum für Feuerungszwecke zuzurichten.

Kürzlich wurde ein günstiger Bericht über Untersuchungen veröffentlicht, Petroleum-

die der Ingenieur Hileman im Auftrage der Regierung in der Petroleumzone *°9ne in Salta,
der Provinz Salta zwischen Embarcaciön und Yacuiba angestellt hat.
Hiernach soll die Petroleumindustrie in Orän eine große Zukunft haben,
denn das Salta-Petroleum würde weder seiner Qualität noch Quantität nach
vom nordamerikanischen bzw. rumänischen oder italienischen Petroleum über-
troffen. Dem Bericht zufolge sind die Bohrarbeiten in jener Gegend ohne
Schwierigkeiten auszuführen und Bohrungen bis zu 700 m Tiefe können
mit geeigneten Maschinen und erfahrenen Leuten innerhalb von 3 Monaten
niedergebracht werden. Das Rohpetroleum wäre in Rohrleitungen nach
Embarcaciön zu bringen, wo es in Raffinerien bearbeitet und von dort
entweder auf dem Flußwege (Rio Bermejo) oder mit der Eisenbahn dem
Verbrauch zugeführt werden könnte. — Die in Tarija (Bolivien) kürzlich
von einem nordamerikanischen Syndikat gemachten Petroleumfunde lassen
die Annahme zu, daß die dortige Petroleumzone eine Fortsetzung derjenigen
von Salta ist.

Über die Petroleumfelder des Neuquen machte der Geologe Dr. Wind- Petroleum-
hausen in einem Vortrage, den er auf Veranlassung der argentinischen felder des
Bergbaubehörde in Buenos Aires hielt, ausführliche Mitteilungen, aus denen DE
hervorgeht, daß am Cerro Lotena die petroleumführende Juraschicht zutage
tritt, während bei den übrigen festgestellten Petroleumvorkommen jener

Zone in Covinc6, Huincul und bei den Rafaelit- oder Asphaltitlagern von
Atca Mahuida die Juraschicht erst in gewisser Tiefe angetroffen wird.
Über die Mächtigkeit des Vorkommens werden erst die weiter anzustellenden
Bohrungen Aufschluß geben; die vorhandenen Bohrlöcher sind noch nicht
über 80 m Tiefe hinabgebracht; doch läßt die große Ausdehnung der
Rafaelit-Ablagerungen auf die Ergiebigkeit der Petroleumzone sehr günstige

260
        <pb n="285" />
        Rückschlüsse zu. Als günstigster Punkt für die Inangriffnahme der Aus-
beutung wird die Gegend zwischen Kilometer 81 und der Stadt Neuquen
bezeichnet.
Schiffahrt und Häfen.
Novelle zum Die Regierung hat dem Kongreß einen Gesetzentwurf vorgelegt, der das

See Küstenschiffahrtsgesetz in einigen Punkten abändert. Hiernach soll die Küsten-
Gesetz. Schiffahrt und der Handel zwischen den einzelnen Häfen der Republik den

Schiffen unter argentinischer Flagge vorbehalten bleiben, es sei denn, daß
auf Gegenseitigkeit beruhende Abmachungen mit den Nachbarstaaten diesen
die gleichen Rechte einräumen. Schiffe unter fremder Flagge können einen.
oder mehrere argentinische Häfen anlaufen, um die vom Auslande mit-
gebrachte Ladung zu löschen und die zur Ausfuhr bestimmte zu laden.

Die Regierung wird ermächtigt, den Schiffswerften des Landes Sub-
ventionen bis zum Betrage von 300 000 $ jährlich und argentinischen Schiffen
für die Fahrt nach den Südhäfen der Republik solche bis zum Betrage von
1 Million Pesos jährlich zu gewähren. Dieser Betrag kann entsprechend
der Entwicklung des Verkehrs und der Zunahme, des Seehandels erhöht
werden. Die Subvention wird auf Grund der fertiggestellten Schiffsbauten
bzw. der Zahl der zurückgelegten Seemeilen bezahlt, jedoch nicht über einen
Zeitraum von zehn Jahren hinaus.

Ferner kann die Regierung nach Bedarf die Zollvorschriften und For-
malitäten vereinfachen und die Hafen- und Konsulatsabgaben für solche
Schiffe ermäßigen, welche ‚die Ladung in plombierten Schiffsräumen führen,
oder welche zur Kontrolle Zollbeamte an Bord nehmen. Die gleichen Ver-
günstigungen werden auch den Küstenfahrzeugen bewilligt, welche die von
einem Zollamt zum andern zu transportierenden Waren, d. h. Transitgüter,
von der Zollbehörde mit Zetteln oder Aufschriften versehen lassen, aus denen
das Ursprungsland ersichtlich ist.

Schiffe unter fremder Flagge, die bei Ausübung der Küstenschiffahrt
entgegen den Vorschriften dieses Gesetzes betroffen werden, verfallen einer
Strafe von 5 $ Gold per Registertonne.

Mängel der ' Die Zulassung von Schiffen der Nachbarstaaten zur Küstenschiffahrt
Küsten- dürfte in erster Linie dem Handel mit Chile zugute kommen, das bereits
A geraumer Zeit die gegenseitige Gleichberechtigung in der Küstenschiff-

fahrt anstrebt. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen konnte sich ein leb-
hafter Schiffsverkehr nicht entwickeln, obwohl er angesichts der Schwierig-
keiten und Mängel des Landverkehrs zwischen beiden Republiken eine
dringende Notwendigkeit ist. Die im Gesetzentwurf vorgesehene Erleichterung
der Zollvorschriften wird im gleichen Sinne günstig wirken.

Auch sonst werden die Transportverhältnisse an der Südküste in der argen-
tinischen Presse als in vieler Hinsicht verbesserungsbedürftig bezeichnet,

270
        <pb n="286" />
        so wird es als großer Mangel empfunden, daß Bahia Blanca, der Handels-
platz und Hafen, welcher der Südküste am nächsten liegt und der seiner
yeographischen Lage und wirtschaftlichen Bedeutung nach das Handels-
zentrum yon ganz Patagonien ist, von den von. Buenos Aires kommenden
Küstendampfern nicht angelaufen wird. Es muß also zum Beispiel eine
Schafschermaschine, die von Bahia Blanca nach Puerto Madryn geschickt
werden soll, notwendigerweise zunächst per Bahn nach Buenos Aires ge-
schafft werden, um dort in einen der argentinischen Dampfer verladen zu
werden, die den Dienst nach der Südküste vermitteln.

Für den Bau eines neuen Seeschiffhafens am Rio Paranä in der Nähe Hafen von
von San Martin hat die Firma Manuel Vieyra Latorre y Cia, die Genehmigung San Martin,
erhalten. Der Hafen muß 300 m lang sein und die Regierung behält sich
die Aufsicht über die Ausführung des Werks sowie die Überwachung der
Tarife vor. Zur Erleichterung der Ein- und Ausfahrt der Schiffe kann das
Flußbett reguliert und vertieft werden. In dem neuen Hafen müssen Kai-
anlagen in einer Länge von mindestens 600 m gebaut werden, die ent-
sprechend der Entwicklung des Verkehrs nach Anordnung der Regierung
zu vergrößern sind. Die Unternehmer haben die notwendigen Kräne und
sonstige Lade- und Löschvorrichtungen aufzustellen und Schuppen und Lager-
häuser sowie die entsprechenden Baulichkeiten für die Zoll- und Hafenbehörde
zu errichten. Ferner können sie die notwendigen Bahnanlagen für den
Hafenverkehr und Anschlußlinien an bestehende bzw. zu erbauende Eisen-
bahnen bis zur Länge von 5 km herstellen. Die für die Hafenanlage im
weiteren Sinne gebrauchten Ländereien können im Wege der Enteignung
erworben werden. Aus der Flußregulierung gewonnene Grundstücke fallen
dem Unternehmen unentgeltlich zu, dürfen jedoch nur für die Hafenzwecke
Verwendung finden. Die Hafengebühren und sonstigen Tarife unterliegen
der Genehmigung der Regierung, an welche 10%, der Bruttoeinnahmen ab-
zuführen sind. Die Regierung kann die Hafenanlagen jederzeit zum der-
zeitigen Werte zuzüglich einer Entschädigung von 20%, erwerben. Mit Zu-
stimmung der Regierung kann die Konzession auf eine andere Firma über-
tragen werden.

Die für die Benutzung der staatlichen Docks geltenden Vorschriften Neue Dock-
des Hafen- und Kaigesetzes Nr. 3756 sind durch Dekret vom 9. August 1913 Vorschriften.
abgeändert worden. Gesuche zur Benutzung sind von den Reedern oder
Schiffsagenten, für Kriegsschiffe von dem betreffenden Konsul, bei der
Direktion der Marinewerkstätten auf einem besonderen Formular einzureichen,
wogegen eine Bescheinigung ausgegeben wird, aus welcher die Nummer
in der Reihenfolge der eingeschriebenen Schiffe hervorgeht. Auf Verlangen
müssen auch die Kielpläne des Schiffs mit eingereicht werden; im Falle
diese nicht beizubringen sind, kann die Aufnahme verweigert werden, €S
sei denn, daß die Interessenten ein Dokument unterzeichnen, nach welchem
sie sich für alle Schäden haftbar erklären, die dem Schiff oder dem Dock
beim Docken zustoßen.

271
        <pb n="287" />
        Die Schiffe dürfen nur mit Ballast und ohne Explosiv- oder feuer-
gefährliche Stoffe in das Dock einfahren. Keine Reederei darf mehr als
drei Schiffe zu gleicher Zeit in die Dockliste eintragen lassen. Eine Ab-
änderung in der Reihenfolge der eingetragenen Schiffe einer Gesellschaft
ist nur bei den unmittelbar hintereinander eingetragenen Schiffen zulässig.
Bei der Aufnahme werden bevorzugt beladene oder unbeladene Schiffe, die
infolge von Havarien zu sinken drohen, sowie Postdampfer mit festem
Fahrplan, die sonst ihre Reise nicht pünktlich antreten könnten. Auf
Verlangen der Direktion der Marinewerkstätten ist ein Zeugnis über den
Rauminhalt des Schiffes vorzuweisen, anderenfalls wird für die Berechnung
der gesetzmäßigen Abgaben der Tonnengehalt zugrunde gelegt, mit dem
das Schiff in Lloyd’s Register eingetragen ist.

Über die Wassertiefe, Lösch-, Lade- und Lagervorrichtungen und die
Einfahrten der argentinischen Häfen enthält ein im Juli dieses Jahres vom
Ministerium des Auswärtigen ausgegebenes Memorandum eine Reihe von
Angaben, die wir im folgenden wiedergeben:

Hafen von Der Haupthafen von Buenos Aires ist der wichtigste Hafen der
Buenos Aires Republik und ist mit allen neuzeitlichen Einrichtungen für das Anlegen,
Laden und Löschen der Seeschiffe versehen. Ein ausgedehntes Eisenbahn-
netz erlaubt den ‚Weitertransport der Güter nach dem Innern der Republik
sowie nach den Nachbarländern Chile und Paraguay und in kurzem auch
nach Bolivien. Die Zufahrt zum Hafen‘ besteht in zwei Kanälen, dem
Nord- und Südkanal. Ersterer hat eine Länge von 29 km, der andere von
8,2 km und vereinigt sich mit dem vorgenannten bei Kilometer 9,5. Das
Fahrwasser beider Kanäle ist durch Tonnen und Leuchtbojen in ihrer vollen
Ausdehnung bezeichnet. Der Hafen besteht aus zwei äußeren und vier
inneren Hafenbecken, die mit modernen Lösch- und Ladevorrichtungen
wie elektrischen Kränen, Getreide- und Kohlenhebern usw. versehen sind.
Zahlreiche Speicher, Silos und Schuppen für die Lagerung der Landes-
produkte und der eingeführten Waren sind vorhanden. Zur Zeit werden
umfangreiche Erweiterungsbauten ausgeführt, so daß in Zukunft ein Anstauen
der Produkte während der Verschiffung der Ernten ausgeschlossen erscheint.
Die Wassertiefe bei Niedrigwasser beträgt im Nordkanal 30 Fuß, im Süd-
kanal 24 Fuß, im nördlichen Außenhafen 26—27 Fuß, im südlichen Außen-
‚hafen 22 Fuß in der Mitte und 19 Fuß an den Kais, in den Binnenhäfen
22 Fuß an den Kais und 23—24 Fuß in der Mitte. Die Gesamtlänge der
Kais beträgt 10,96 km.
Riachuelo- Der Riachuelo-Hafen in Buenos Aires dient insbesondere dem
Hafen, 7 aden und Löschen von Kohle, Häuten, Holz, Getreide und Gefrierfleisch.
Die Gesamtlänge seiner Kais beträgt 6,23 km, die zum Teil noch aus Holz
bestehen, zum Teil in Zementkonstruktionen erneuert werden. 423 m Kai-
länge sind für den ausschließlichen Gebrauch der Südbahn vorbehalten,
weitere 80 m nehmen die Werkstätten der La Platense ein, an denen nur
Küstenfahrzeuge anlegen können. Hinter der Pueyrredon-Brücke bis zur

272
        <pb n="288" />
        Alsina-Brücke befinden sich noch eine Anzahl Privatkais, die dem Betrieb
einzelner Industrien, Schmalspurbahnen usw. dienen und an denen ebenfalls
nur Küstenfahrzeuge mit einem Tiefgang von weniger als 8 Fuß anlegen
können.

Der Dock-Sud-Hafen in Buenos Aires, der seinen Zugang vom Dock Sud.
Riachuelo-Vorhafen aus hat, gehört ausschließlich der Südbahn. Seine
Kailänge beträgt 2 km, seine mittlere Wassertiefe 24 Fuß bei Niedrigwasser.
Er ist mit modernen Lösch- und Ladevorrichtungen ausgestattet und von
sieben Lagerschuppen umgeben.

Der Hafen von La Plata, wenige Kilometer von der Stadt La Plata, La Plata.
der Hauptstadt der Provinz Buenos Aires, gelegen, ist gleichfalls ein ganz
moderner Hafen mit steinernen Kais von .2,6 km Länge und einer durch-
schnittlichen Tiefe von 26 Fuß bei Niedrigwasser. Seine Lösch- und
Ladevorrichtungen werden elektrisch betrieben und zahlreiche große
Schuppen sind vorhanden. In diesem Hafen am Anfang des Zufahrtskanals
gegenüber dem Rio Santiago und Westkanal hat die A.-G. „Muelles y
Depösitos“ ihre Kaianlagen von 1,75 km Länge, die zur Zeit von der Süd-
bahn gemietet sind und hauptsächlich dem Löschen, Laden und Lagern
von feuergefährlichen Stoffen dienen. Ein wichtiger Teil des Hafens von
La Plata‘ ist ferner der Küstenschiffahrtshafen mit einer Zufahrt vom Ost-
kanal aus Dieser Hafen, der nicht ganz zwei Kilometer vom Zentrum
der Stadt La Plata entfernt liegt, ist für kleinere Fahrzeuge mit einem
Tiefgang von höchstens 6 Fuß bestimmt; seine aus Zementikonstruktion
bestehenden Kaianlagen sind 0,65 km lang. Der Hafen von La Plata ist an
die Süd-, West-, Midland- und Meridiano-Quinto-Bahn angeschlossen.

Am Rio Paranä aufwärts liegen die folgenden Seehäfen: San Nicoläs, Paranähäfen.
Villa Constituciön, Rosario und Santa Fe, die alle mit elektrischen
und Dampfkränen, Elevatoren und sonstigen modernen Lösch- und Lade-
vorrichtungen ausgestattet sind. Alle diese Häfen stehen sowohl mit der
Landeshauptstadt als mit einem großen Teil der Republik durch Bahnen
in Verbindung.

r ce ie! Länge Länge Raum-

Teak Mao Ka a Daran

bauten unter Normalnull ba 10 00. eb
San Nicoläs . . Holz a i 0,45 13,92 80,0
Villa Constituciön 0,50 6,34 42%
Rosario. 1 Steinu- Holz A 5,15 62,04 240,0
Santa Fe. 20. ) 20) 1.51 7,80 19,3

Am Flusse liegen außerdem noch eine Anzahl Hafenanlagen, die für
den Verkehr privater Unternehmungen, denen sie auch gehören, bestimmt
sind. Die bedeutendsten von ihnen sind:

Der Hafen von Campana mit einer Kaianlage von 590 m und einer
Tiefe von 21 Fuß unter dem Normalwasserstand. Die Anlage dient den

273
        <pb n="289" />
        Zwecken der Central Argentino Bahn, an deren Netz sie angeschlossen ist.
Der Hafen von Zarate mit einem von der Firma Lacroze Hnos. erbauten
155 m langen Kai und einer Tiefe von 23 Fuß unter Normalwasserstand.
Die Hafenanlage ist an die Zentralbahn von Buenos Aires angeschlossen
und steht mittels Trajektbooten auch mit der Zentralbahn der Provinz Entre
Rios in Verbindung. Der Hafen von Ibicuy mit einem Kai von 150 m
Länge und einer Tiefe von 21 Fuß unter Niedrigwasser. Der Hafen hat
hinreichende Warenschuppen und Kräne für schnelles Löschen und Laden
der Ueberseeschiffe, außerdem befinden sich dort besondere Getreide- und
Kohlenladevorrichtungen. Oberhalb der Hafenanlage befindet sich die An-
legestelle der Trajektboote, so daß der Hafen mit allen Bahnlinien von
Entre Rios und der Zentralbahn von Buenos Aires in Verbindung steht.

Uruguay- Am Rio Uruguay liegen die argentinischen Häfen Gualeguaychü,

Häfen. (Concepciön del Uruguay, Colon und Concordia. Die weiter nördlich
gelegenen Häfen können nur mittels Fahrzeugen von geringer Ladefähigkeit
erreicht werden, da zahlreiche Stromschnellen und Wasserfälle die Schiff-
fahrt erschweren bzw. unmöglich machen.

Der Hafen von Gualeguaychü, am Nebenfluß gleichen Namens
gelegen, kann Schiffe bis zu zehn Fuß (2,74 m) Tiefgang bei Niedrigwasser
aufnehmen. Er besitzt 300 m hölzerne und 150 m aus Stein erbaute Kai-
anlagen, zwei Schuppen von 1500 qm Grundfläche und ist durch Eisen-
bahnen mit ganz Entre Rios, Corrientes und Misiones verbunden.

Der Hafen von Concepciön del Uruguay hat eine Kaianlage am
Hauptarm des Flusses und einen Binnenhafen. Bei Niedrigwasser können
Seeschiffe bis zu 21 Fuß (6,4 m) anlegen, da aber die Gezeiten des Rio
de La Plata bis über den Hafen hinaus gehen, können auch die Schiffe
bis 23 und 24 Fuß Tiefgang ohne Schwierigkeit dorthin gelangen. Die
Kaianlagen für Seeschiffe sind über 400 m lang, die für Küstenfahrzeuge
über 300 m.

Der Hafen von Col6n hat nur eine kleine hölzerne Anlegestelle für
Schiffe bis zu 12 Fuß Tiefgang bei Niedrigwasser.

Der Hafen von Concordia ist nur für Küstenfahrzeuge unter 7 bis
8 Fuß Tiefgang zugänglich und besitzt eine Kaianlage’ mit direktem Bahn-
anschluß. Alle Häfen am Rio Uruguay mit Ausnahme von Colön sind
unter sich durch die Bahnlinien von Entre Rios und die Nort-Este Argentino-
Bahn verbunden.

Atlantische Die Häfen am Atlantischen Ozean befinden sich fast sämtlich noch im
Häfen. Bau. In der Reihenfolge ihrer Entfernung von Buenos Aires sind als die
wichtigeren von ihnen zu nennen:

Der Hafen Samborombön, gelegen an der Bucht gleichen Namens,
ungefähr auf dem 36. Grad südlicher Breite. Die dort zu errichtenden
Hafenbauten sollen Seeschiffe bis zu 30 Fuß Tiefgang bei Niedrigwasser
aufnehmen können.

”74
        <pb n="290" />
        Der Hafen von Mar del Plata wird nach seiner Fertigstellung 2234 m
Seeschiffkais und 700 m Anlegestellen für Küstenfahrzeuge aufweisen. Außer-
dem werden dort Speicher und Lagerhäuser, ein Elektrizitätswerk für Licht-
und Kraftlieferung, Kühlhbäuser und Einrichtungen für Fischkonservierung,
Hafenbahnen, Krananlagen USW. gebaut; Seine Tiefe wird 30 Fuß bei
Niedrigwasser betragen.

Im Hafen von Quequen befinden sich Kaianlagen von 200 m Länge
für Ueberseeschiffe im'Bau und die für die Küstenschiffahrt vorhandenen
Auzlagen werden vergrößert. Hafenbahnen, Krananlagen, Schuppen usw.
werden errichtet, die Tiefe soll bei Niedrigwasser 21 Fuß betragen.

Von den Häfen von Bahia Blanca, Puerto Militar, White und Gal-
vän, haben die ersten beiden eine Wassertiefe von 30 Fuß, der letzte von
24 Fuß bei Niedrigwasser, und sind mit modernen Hafeneinrichtungen wie
Getreidesilos, Warenspeichern, elektrischen Kränen, Hafenbahnen usw. auS-
gestattet.

Im Hafen von Arroyo Parejo sind die beabsichtigten Bauten bereits
in Angriff genommen; auch hier wird ein moderner Hafen für Seeschiffe
bis zu 30 Fuß Tiefgang geschaffen.

Für den Hafen von San Antonio ist der Bau einer großen Landungs-
brücke vorgesehen, die den Hafenverkehr, der bisher durch Umladen in
kleinere Fahrzeuge sich vollzieht, wesentlich erleichtern und vereinfachen
wird. Die Wassertiefe beträgt bei mittlerem Wasserstand 35 Fuß.

Auch in Comodoro Rivadavia ist die Ausführung ähnlicher Bauten wie
in San Antonio begonnen. Die mittlere Wassertiefe. auf der Reede beträgt

35 Fuß.

Alle diese Häfen sind mit ihrem Hinterland bzw. mit der übrigen
Republik durch Eisenbahnen verbunden, die sich zum Teil noch im Bau
befinden.

Die wachsende Bedeutung Argentiniens für den Welthandel geht her- Gesamtver-
vor aus dem Tonnengehalt der Schiffe, welche in den einzelnen Jahren seit kehr in argen-

7 . Mn &amp; tinischen
Beginn des Jahrhunderts in den argentinischen Häfen ankamen und von dort Häfen.
abfuhren; er betrug im Jahre:

Tonnen Tonnen
1900. 25 241 618 19006. 34 109 260
19015 26 719 803 1907 37 271 143
1902 . 26 697 878 1788 41 035 798
1903 30 710 081 Kane 43 570 525
1904. - „22265349 AO 44 713 712
1905. 133458 188 E11 5, 48801771
1912 5 60143674
Der Verkehr in den argentinischen Häfen, gemessen am Tonnengehalt
der ein- und ausgehenden Schiffe, hat sich mithin seit dem Jahre 1900
verdoppelt.

275
        <pb n="291" />
        Verschiedenes.

Sicherung Zur Verhütung der beim Warentransport noch immer häufig vorkommenden
NT DieDelühle. Diebstähle und insbesondere zur Erleichterung der Feststellung, wen die
Verantwortlichkeit für die dadurch entstandenen Schäden trifft, hat der
Vorstand des Zollamts für Buenos Aires den argentinischen Importfirmen
in einem Rundschreiben empfohlen darauf hinzuwirken, daß die aus dem
Ausland eingeführten Warensendungen mit Plomben bzw. Sicherheitsklammer-
verschlüssen versehen werden. Die Diebstähle werden nicht nur im Ver-
waltungsbereich des Zollamts begangen, sondern hauptsächlich an Bord und
auch schon vor der Einschiffung. Wenn nun alle Warensendungen von
höherem Wert wie z. B. Konfektion, Stoffe, Schmuck und Silberwaren,
Drogen usw. unter besonderen Sicherheitsverschlüssen zum Versand gelangen,
so wird beim Uebergang aus einem Verantwortungsbereich in den anderen
während der Reise leicht festgestellt werden können, wo ein Diebstahl
stattgefunden hat. Die Zollbehörde wiegt heute schon alle Kolli von irgend-
welchem Wert bei der Uebernahme aus dem Dampfer, und wenn außerdem
die vorgeschlagene Maßregel allgemein zur Einführung gelangte, würde der
Handel bzw. die Assekuradeure den größten Nutzen davon haben, da sie

die Geltendmachung von Regreßansprüchen wesentlich erleichtert.
Argentinische Der große Absatz, den die Erzeugnisse der deutschen Industrie in
een Argentinien finden, veranlaßt immer wieder kleinere Fabrikanten in Buenos
” Aires, direkte Vertretungen zu unterhalten und mit der Kundschaft zweiter
und dritter Hand Beziehungen anzuknüpfen, die im ganzen den erhofften
Gewinn nicht bringen. Eine von unterrichteter Seite aus Buenos Aires
ausgehende Zuschrift berichtet, daß in letzter Zeit dieser direkte Verkehr mit
der‘ argentinischen Kleinkundschaft wieder größeren Umfang angenommen
hat, und daß die Fabrikanten dabei vor Verlusten nicht bewahrt geblieben
sind. Der kleine Fabrikant, der oft gar nicht exportfähig ist, d. h. selbst nicht
über genügendes Kapital verfügt, um sich vom Exporteur unabhängig zu
machen, gibt sich über den Nutzen, der ihm aus dem direkten Export
erwachsen kann, zumeist einer Täuschung hin; er Offeriert drüben zu
gleichen Preisen und Konditionen wie an den Exporteur, gibt dann aber
noch ein Ziel von. 90 Tagen Sicht, so daß er an sich schon weniger ver-
dient, als wenn er durch den Exporteur verkauft, während gleichzeitig der
argentinische Kunde um ungefähr 10% billiger kauft, da Kommission und
Zinsen für ihn in Wegfall kommen. Dagegen wäre nichts zu sagen, wenn
sich die Transaktionen immer glatt abwickelten, was jedoch leider nicht
der Fall ist. Der Grund hierfür liegt darin, daß bei der Uebergabe der
Vertretung nicht mit der notwendigen Sorgfalt vorgegangen wird, und es oft
unterbleibt, über die sich anbietenden Vertreter genaue Erkundigungen einzu-
ziehen. Bei der Beurteilung ihrer Qualitäten sollte weniger darauf gesehen werden,
ob sie über eigenes Kapital verfügen, sondern vor allen Dingen darauf, ob
sie absolut zuverlässig sind und die nötigen kaufmännischen Kenntnisse

76
        <pb n="292" />
        und Erfahrungen besitzen, die ein Vertreter in viel größerem Umfange
haben muß als selbst ein Importeur, der sich auf einige Spezialartikel
beschränkt. Gerade..im.. letzten Jahre hat aber die Zahl.:der jungen: und
unerfahrenen Vertreter ganz bedeutend zugenommen. Die meisten von
ihren können sich infolge der unsinnigen Konkurrenz nicht halten und
hinterlassen. als Resultat ihrer Tätigkeit nur eine Schädigung des reellen
Handels durch einen weiteren Verderb der Preise und Konditionen, ganz
abgesehen von den Verlusten, die sie den Fabrikanten‘ durch leichtsinnige
Verkäufe an eine Kundschaft zugefügt haben, die für den direkten Import
vollkommen ungeeignet ist. Es sei daher dringend darauf hingewiesen,
bei der Auswahl von Vertretern in Buenos Aires die nötige Vorsicht nicht
außer acht zu lassen.

Die Bestrafung von Scheckvergehen, die durch das im 4. Heft 1913 _Scheck-
mitgeteilte Zusatzgesetz zum argentinischen Strafgesetzbuch ermöglicht vergehen.
worden war, ist, wie sich in der Praxis herausgestellt hat, nicht immer
mit der wünschenswerten Schärfe durchgeführt worden. In der Recht-
sprechung hat sich die Auslegung herausgebildet, daß der Aussteller eines
Schecks, der nicht über ein entsprechendes Bankguthaben verfügt, straflos
bleibt, wenn seine Handlungsweise sich nicht in allen Einzelheiten als
Betrug charakterisiert, d. h. wenn es sich nicht dabei darum handelt, bares
Geld in betrügerischer Absicht von einer zweiten Person zu erlangen. Die
Liga de Defensa Comercial hat daher einen neuen Gesetzentwurf eingebracht,
nach welchem Personen, die Schecks in Verkehr bringen ohne ein eni-
sprechendes Guthaben zu besitzen, mit einer Geldstrafe von 100 bis 1000 $
und außerdem mit 14 Tagen bis 8 Monaten Haft bestraft werden sollen.
Das Strafmaß soll den jeweiligen Umständen angepaßt werden. Das Ver-
gehen bleibt straflos, wenn der ungedeckte Scheck innerhalb 24 Stunden
nach erfolgter Anzeige bezahlt wird. Im Wiederholungsfalle tritt jedoch
die Strafverfolgung sofort ein. — Die vorstehenden Bestimmungen würden
eine wesentliche Milderung des geltenden Rechts bedeuten, das bei Beträgen
unter 500 $ Gefängnis und bei höheren Beträgen sogar Zuchthausstrafe
vorsieht.

Einem Bericht des Kaiserl. Generalkonsulats in Buenos Aires zufolge Kartoffel-
ist nach dem argentinischen Zolltarif die Einfuhr von Saatkartoffeln nach einfuhr,
Argentinien zollfrei. Alle anderen Kartoffeln (Speisekartoffeln, Kartoffeln zu
gewerblichen Zwecken usw.) bezahlen einen Einfuhrzoll von 27% vom Werte.
Der Wert ist durch den Wertschätzungstarif auf 4 Goldpesos für 100 kg
festgesetzt (1 Goldpeso == 4,05 Mk.). Bei der Einfuhr sind die Kartoffeln
als Saatkartoffeln zu bezeichnen (zu deklarieren), damit sie von der Zoll-
behörde als solche behandelt werden.

Andere Kartoffeln als Saatkartoffeln werden nach Argentinien nicht
eingeführt.

Nach der amtlichen Statistik wurden an Saatkartoffeln im Jahre 1910
insgesamt 32 609 611 kg, im Jahre 1911: 93 029 045 kg und im Jahre 1912:

277
        <pb n="293" />
        7615696 kg im Werte von 1304383, 3721162 bzw. 304 628 Goldpesos
eingeführt. Die Einfuhr aus Deutschland betrug davon im Jahre 1910:
5292081 kg im Werte von 211683 Goldpesos und im Jabre 1911:
18 894 256 kg im Werte von 755770 Goldpesos. Für 1912 sind bisher
nur die Gesamtzahlen, nicht aber auch die Zahlen über die Verteilung der
Einfuhr auf die verschiedenen Herkunftsländer zu erhalten gewesen.

Die auffallenden Unterschiede zwischen der Einfuhr in den letzten drei
Jahren erklären sich dadurch, daß die Kartoffelernte in Argentinien im
Jahre 1911 besonders schlecht und im Jahre 1912 besonders gut war. Die
Zahlen für das Jahr 1910 dürften etwa normale Verhältnisse wiedergeben.
Frankreich liefert etwa zwei Drittel der gesamten Einfuhr, Deutschland
etwa den viertzn bis fünften Teil der Einfuhr aus Frankreich.

Die Gesamteinfuhr von Saatkartoffeln nach Argentinien wird noch für
einige Jahre für etwas steigerungsfähig gehalten; man glaubt, daß der
Kartoffelbau sich in einigen Jahren soweit entwickelt haben wird, daß dann
die Einfuhr von Saatkartoffeln überflüssig wird. Diese Annahme wird
unterstützt durch die Tatsache, daß schon jetzt eine im Verhältnisse zur
Einfuhr nicht unbeträchtliche Ausfuhr von Kartoffeln aus Argentinien
stattfindet.

Die. Ausfuhr ‚hat betragen ‚1910: 5915 t, 1911: 1127 t und 1912:
21583 t im Werte von 118 296, 22 534 bzw. 431 651 Goldpesos.

Das einzige Mittel für die deutschen Interessenten, um von den Absatz-
gelegenheiten zu erfahren und ihren Absatz hierher zu steigern, besteht
darin, daß sie ständig mit den Exporteuren gute Fühlung unterhalten.

Für die Verschiffung von Kartoffeln aus Deutschland nach Argentinien
kommt lediglich die Zeit von etwa Mitte August bis Mitte Dezember in
Frage. Spätere Verschiffungen würden; hier in der heißen Jahreszeit und
deshalb nicht gut eintreffen,

Bei der Verpackung (in Kisten) und bei der Verstauung auf dem Schiffe
ist es wesentlich, für gute Lüftung zu Sorgen, damit die Kartoffeln nicht
faulen. (Vergl. die Vorschriften für die Einfuhr von Kartoffeln in Heft 5,
1913, der Mitteilungen.)

Filmeinfuhr. Der Filmindustrie bietet Argentinien ein gutes Absatzgebiet, das seitens
der deutschen Filmunternehmungen noch intensiver bearbeitet werden könnte,
als dies zurzeit geschieht. Im Jahre 1911 betrug der Zollwert der aus
Deutschland nach Argentinien importierten Films 4355 $ Gold, während
die Vereinigten Staaten für 32185 $ Gold, Frankreich für 18 195 $ Gold,
Italien für 17410 $ Gold, Portugal für 13416 $ Gold und Spanien für
7725 $ Gold Films importierten. Der Gesamtwert der Einfuhr, der im
Jahre 1911 98385 $ Gold betrug, ist zwar im Jahre 1912 um über die
Hälfte, d.h. auf 44775 $ Gold, zurückgegangen, doch dürfte dies nur eine
vorübergehende Erscheinung sein, da sich Kinovorstellungen in Argentinien
großer Beliebtheit erfreuen.

278
        <pb n="294" />
        Einige der Ausgabenpositionen des argentinischen Budget-Gesetzes Argen-
für 1913, die auch für die deutsche Industrie von Interesse sind, ver- Ada f
öffentlicht das Board of Trade Journal: .

Das Ministerium des Innern wird ermächtigt, 1 Million Pesos auf Grund
der Sanitätsgesetze Nr. 4039 und 7440 auszugeben.

Das Marineministerium wird ermächtigt, auszugeben: 432 210 $ für den
Bau von Pulvermagazinen, Versuchslaboratorium für Sprengstoffe, Feuer-
Jöschausrüstungen, Schienen und Kühlanlagen für die Arsenale in Puerto
Militar und Martin Garcia, 260 000 $ für Bau und Zubehör von Petroleum-
Lagertanks in Puerto Militar und La Plata, 438.000 $ für den Bau von
zwei Schleppern und 830 000 $ für den Bau eines Tankdampfers.

Das Landwirtschaftsministerium wird ermächtigt, auszugeben: 1 Million
Pesos für Untersuchungs- und Aufschlußarbeiten auf den Petroleumfeldern
von Comodoro Rivadavia und 500 000 $ für den Ankauf eines Tankdampfers.

Die Eisenbahnabteilung im Ministerium der öffentlichen Arbeiten wird
ermächtigt, auszugeben: 3 Millionen Pesos für Staatsbahnzwecke und den
Zusammenschluß bestehender Linien, 500000 $ für Tunnelbauten und
420 000 &amp; für die Fertigstellung der Linie von Deän Funes nach Laguna Paiva.

Die Wasserbauabteilung des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten

wird ermächtigt, auszugeben: 300 000 $ für die Verbesserung von Kaianlagen,
472212 $ für den Ankauf von zwei Baggern, 400 000 $ für den Bau eines
Schwimmdocks, 200 000 $ für die Vergrößerung des Hafens von Concepciön
del Uruguay und für den Ankauf von drei Kränen usw., 150000 $ für
Kaibauten einschließlich Erwerb von elektrischen Kränen und Zubehör,
30 000 $ für einen festen Schwimmkran von 20 Tons Tragfähigkeit, 200 000 $
für Ergänzungsbauten im Hafen von Paranä, 100000 $ für den Ankauf
eines Dampfers zur Leuchtbojen-Überwachung sowie von 30 Leuchtbojen
und für den Bau einer Werkstatt in Corrientes für die Bojen zwischen
diesem Hafen und dem von Esquina, 200000 $ für den Bau’ von Ver-
waltungsgebäuden in Corrientes, 750000 $ für Verbesserungsarbeiten im
Bermejofluß und für den Ankauf von Dampfern, 2 Millionen Pesos für die
Arbeiten im Hafen von Quequen entsprechend dem Gesetz Nr. 4705 und
4.545 455 $ für Bauten in Puerto Militar.

Unter der Firma Compania General de Obras Püblicas wurde durch Neue
Fusion der Firmen Goedhart Hnos. und Philipp Holzmann y Cia. in Buenos Unternehmen.
Aires mit einem Kapital von 4 Millionen Pesos ein großes deutsches Unter-
nehmen geschaffen, das sich, wie schon der Name besagt, mit Bauaus-
führungen aller Art befassen wird. Dem Verwaltungsrat der Gesellschaft
gehören an: Samuel Hale Pearson als Präsident, Dr. Miguel Pifieiro Sorondo
als Vizepräsident, und als Beisitzer die Herren Gustavo Frederking, Carlos
Koelle, P. C. Goedhart, Dr. Otto Riese, Walter Bürhaus, Pablo Habich,
Jacobo Kade, Dr. Gustavo A. Frederking. Direktoren sind die Herren Juan
M. Goedhart und Dr. Roberto Hartmann.

279
        <pb n="295" />
        Eine Deutsch-Überseeische Handelsgesellschaft der Thyssen’schen
Werke m. b. H. mit dem Sitz in Hamborn und Zweigniederlassung in
Buenos Aires, wurde, Pressenachrichten zufolge, gegründet. Gegenstand des
Unternehmens ist der Handel mit Waren jeder Art, insbesondere mit Eisen,
Stahl und den bei ihrer Herstellung gewonnenen Nebenprodukten; mit
Kohlen, Koks und Briketts sowie allen bei der Koksdarstellung gewonnenen
Nebenprodukten; mit Zement und Baumaterialien; ferner die Errichtung
und der Erwerb solcher Anlagen, welche geeignet sind, die vorbezeichneten
Zwecke zu fördern, namentlich die Errichtung von Verfeinerungsanlagen,
Häfen, Umschlageplätzen, der Erwerb von Schiffen usw.

Ein Syndikat argentinischer und italienischer Kapitalisten ist, Presse-
nachrichten zufolge, im Begriff eine:Gesellschaft zu bilden zum Betrieb einer
neuen Dampferlinie zwischen argentinischen und italienischen Häfen. Es
ist beabsichtigt, ein Kapital von 15 Millionen Lire durch Ausgabe von drei
Serien von Anteilscheinen aufzubringen, von denen die erste gezeichnet ist.
Der Betrieb soll mit fünf 6000 Tons-Dampfern begonnen werden, die unter
argentinischer Flagge fahren werden.

Binnen- Binnenländische Zollämter sollen einem Bericht der Deputierten-
Alk kammer zufolge in den Städten Mendoza, Cordoba und Tucumän errichtet
. ” werden, um den Einfuhrhandel nach dem Inneren zu erleichtern und die
Hafenzollämter zu entlasten. Die für diese Binnenzollämter bestimmten
Waren dürfen nur über die Häfen von Buenos Aires, Rosario und Santa F&amp;
eingeführt werden.
Argentinische Argentinische Konsulate in Deutschland. Herr Eduardo Schiaffino,
Konsulate in| Konsul. in Dresden, ist nach Liverpool versetzt worden; das Konsulat in
anal Dresden wurde aufgehoben. — Herr J. Lista wurde zum Konsul in Emden
ernannt. — In Reichenbach wurde ein neues Vizekonsulat geschaffen und Herrn
Hellmuth Morell übertragen. — Beim Konsulat in Bremen wurde Herr Francisco
Ochoa zum Kanzler ernannt. -
NeueHandels- Eine englische Handelskammer für Argentinien ist kürzlich in Buenos
EOS ME Aires gegründet worden. Sie soll sich mit allen den Handel, Verkehr und
englische Waren betreffenden Fragen befassen, soweit sie englische Handels-
interessen in Argentinien angehen. Ferner soll sie ihren Mitgliedern oder
anderen englischen Untertanen, die mit Argentinien Handel treiben oder an
kommerziellen Unternehmungen beteiligt sind, dabei behilflich sein, Handels-
vorteile aller Art zu erlangen, und die Interessen des englischen Handels
und Verkehrs in Argentinien in jeder Weise fördern.

Eine Handelskammer, die sich insbesondere den Schutz der Interessen
des Detailhandels zur Aufgabe stellt, ist in Buenos Aires unter dem Namen
Cämara Sindical de Comercio gegründet worden. Präsident ist Herr Pablo
della Valle, Sekretär J. L. Ayerza und Schatzmeister Herr Julio Bousquet.

Verein Ein argentinischer Verein Deutscher Ingenieure hat sich in Buenos Aires
 Decturs gebildet und ist dem Verein Deutscher Ingenieure, Berlin, als Zweigverein
” beigetreten. Vorstand ist Herr Ingenieur M. E. Hasche; die Geschäftsstelle

280
        <pb n="296" />
        befindet sich in Buenos Aires, Tucumän 900. Als außerordentliche Mitglieder
können aufgenommen werden :

a) Ingenieure mit abgeschlossener deutscher Hochschulbildung,

b) deutschsprechende Ingenieure in leitender Stellung,

c) Mathematiker, Physiker, Chemiker, Geologen und Architekten.

Für den Eintritt in den A. V. D. I. als ordentliches Mitglied ist die
vorherige Erwerbung der Mitgliedschaft des V. D. I. erforderlich.

Verschiedentlich sind in der letzten Zeit auch in der deutschen Presse Einwanderung
Versuche gemacht worden, aus den Bewegungen der Zahl der monatlich 1913.
nach Argentinien Einwandernden Rückschlüsse auf die allgemeine wirtschaft-
liche Lage des Landes herzuleiten. Die Versuche wurden zumeist unter-
nommen, ohne die sonstigen mitbestimmenden wirtschaftlichen Faktoren
mit in Berücksichtigung zu ziehen, und es sei daher kurz auf folgendes
hingewiesen: Die Einwanderung nahm ihren normalen Verlauf, d. h. sie
war in den ersten Monaten des Jahres, in welchem der Zustrom der periodisch
zuwandernden Erntearbeiter (golondrinas) noch andauert, sehr stark — im
Januar 30138 —, um daon mit dem Fortschreiten der Ernte allmählich
abzunehmen. Infolge der ungewöhnlich großen Maisernte des Jahres 1911/12,
die reichliche Arbeitsgelegenheit bei guten Löhnen gegeben hatte, war der
Zustrom der Erntearbeiter auch für die neue Ernte sehr umfangreich
gewesen und hatte noch im März 26271 Einwanderer ins Land geführt.
Im April ließ der Einwandererstrom beträchtlich nach und es begann, wie
gewöhnlich, die in den Monaten April, Mai und Juni stets besonders starke
Rückwanderung einzusetzen, die dann zumeist die Einwanderung zu über-
steigen pflegt, so daß in Wirklichkeit eine Abwanderung stattfindet.

Zum Beweise, daß es sich hierbei um nichts Anormales handelt, seien die
betreffenden Zahlen ohne Passagierverkehr für die letzten Monate, für die
sie uns zur Verfügung stehen, wiedergegeben, und zwar im Vergleich zu
den entsprechenden des Jahres 1911, in dem von einer Krise im heutigen
Sinne nicht die Rede war:

Einwanderung . andern” ame)
1913 ; 1913
März a ; PA
April. 8 00
Mai N 502 Mo ;
JUDE 12. 5858) TA M
Juli OR 1,047 ' 563
August. 7.7863 154151 8 263 12 889 — 547 2526

Aus den Zahlen ergibt sich, daß die Abwanderung allerdings in den
Monaten Juni— Juli verhältnismäßig stark war, und es ist wahrscheinlich,
daß hierauf ein Mangel an passender Arbeitsgelegenheit nicht ohne Einfluß
gewesen ist; andererseits ist zu berücksichtigen, daß auch die Zuwanderung
in den Vormonaten November— März außergewöhnlich groß war, und es

2Q1
        <pb n="297" />
        darf angenommen werden, daß demnach die Zahl der Arbeiter, die mit der
festen Absicht nach Argentinien kamen, nach beendigter Ernte wieder heim-
zukehren, eine im gleichen Verhältnis größere als sonst gewesen ist. Im
Monat August überstieg die Zahl der Zuwandernden die der Rückwandernden
wieder nicht unbeträchtlich, während im gleichen Monat des Jahres 1911
noch eine Abwanderung stattgefunden hatte,

Staatliches Die staatliche Ueberwachung der Arbeit wie der Arbeitsgelegenheit hat

Arbeitsamt en. den vergangenen Monaten eine Neuordnung erfahren. . Durch Gesetz
Nr. 8999 vom 30. September 1912 war die Direcciön General del Trabajo
in ein Departamento Nacional del Trabajo umgewandelt und dem Ministerium
des Innern unterstellt worden. Die Aufgaben der Behörde bestehen in der
Vorbereitung der Arbeitsgesetzgebung, in der Sammlung, Ordnung und
Veröffentlichung aller auf die Arbeitsgelegenheit bezüglichen Einzelheiten
und in der Wachung über die Befolgung der gesetzlichen Vorschriften, die
vom Kongreß bezügl. der Materie ergangen sind. Entsprechend den für
dieses Gesetz am 2. Januar 1913 erlassenen Ausführungsvorschriften ist nun-
mehr in der Straße San Martin 427 ein staatlicher Arbeitsnachweis oder
Arbeitsbörse eröffnet worden.

Arbeitsmarkt. Der Andrang zu dieser neuen Einrichtung war gleich in der ersten Zeit
ihres Bestehens besonders stark, so daß die alarmierende Tatsache bekannt-
gegeben werden mußte: es seien in Buenos Aires zum mindesten 80 000
Arbeitsuchende vorhanden. Zu einer daraufhin von der sozialistischen Partei
einberufenen Versammlung dieser Arbeitslosen erschienen jedoch nur ca.
2000 Personen, ein Beweis, daß die Lage des Arbeitsmarkts nicht so schlecht
war, wie es zunächst den Anschein hatte. — In Buenos Aires ist schon
aus dem Grunde immer eine verhältnismäßig große Zahl Arbeitsuchender
vorhanden, weil die außerhalb der Hauptstadt für eine bestimmte Arbeit
eingestellten Leute nach Ablauf ihres Kontraktes in den allermeisten Fällen
wieder dorthin zurückkehren, um eine neue Beschäftigung zu suchen. Deshalb
kann aus dem Vorhandensein einer größeren Anzahl Arbeitsuchender in
Buenos Aires noch nicht geschlossen werden, daß die allgemeine wirtschaft-
liche Lage des Landes eine schlechte sei. In den Provinzen werden fast
immer Arbeitskräfte gesucht, aber die Arbeitsuchenden haben sehr oft nicht
die Mittel, um sich dorthin zu begeben, wo Arbeitsgelegenheit vorhanden
ist. So wurden z. B. kürzlich Pressenachrichten zufolge von der Provinz
Tucumän ca. 1000 Arbeiter verlangt, aber weder das Arbeitsamt noch die
sich meldenden Arbeiter verfügten über die Mittel, um die Reise nach der
entfernten Provinz zu bestreiten. Um diesem Uebelstande zu begegnen, ist
nunmehr der Vorsitzende des Arbeitsamts beim Ministerium dahin vorstellig
geworden, daß eine Ermäßigung des Fahrpreises der zweiten Klasse von den
Eisenbahngesellschaften erwirkt werde für solche Arbeiter, die vom Arbeits-
amt aus auf Nachfragen aus dem Innern der Republik hin nach den neuen
Arbeitsstätten transportiert werden sollen.

282
        <pb n="298" />
        Ein neuer allgemeiner Zensus soll gemäß dem Gesetz, das vor kurzem Zensus.

vom Senat endgültig genehmigt wurde, in ganz Argentinien sofort in Angriff
genommen werden. Die statistische Aufnahme wird sich nicht nur über
die Bevölkerung, sondern auch über die. sonstigen . wirtschaftlichen
Kräfte des Landes, wie Ackerbau, Viehzucht, Industrie, :; Gewerbe,
Handel usw. erstrecken und nach ihrer Beendigung | der Welt zeigen,
welche Fortschritte die Republik seit dem letzten vor 18 ‚Jahren
gehaltenen Zensus gemacht hat. Ein wichtiges Nebenergebnis des Zensus
wird die im Gesetz vorgesehene Errichtung eines allgemeinen statistischen
Amtes sein, das nach Abschluß des Zensus geschaffen werden soll. Gegen-
wärtig sind in Argentinien eine große Anzahl statistischer Aemter neben-
einander tätig, aber es fehlt an einer Zentralbehörde, die das Material für
die ganze Republik übersichtlich sammelt. Damit. dürfte dann auch
die statistische Tätigkeit einiger Provinzen, die z. Zt. sehr darnieder-
liegt... auf ein...dem allgemeinen Durchschnitt entsprechendes Niveau
gehoben werden.

Die Bevölkerung der Provinz Buenos Aires hatte das statistische Bevölkerung
Amt der Provinz vor zwei Jahren mit 1927 000 Seelen ermittelt. Eine der Provinz
vor kurzem veranstaltete neuerliche Zählung ergab ein Anwachsen der Bes ABS
Bevölkerung auf 2089274 Einwohner. Die Provinz weist 26 Städte von
über 25 000 Einwohnern auf:

La Plata A eg 07.726 Boliyarı + 1. en 82,603
Avellaneda u. u 17197,767 Quilmes, da 32 092
Bahia. Blanca u. 85,716 Chacabuco...; ........ 31726
Chico en 53 654 TE 31 029
Pergamino ... 45 306 General Pueyrredon 30613
Tres Arroyos . - 41 568 75h43j0. es sin 90085
Lomas de Zamora . 41119 Mercedes . . ... 29853
Lincoln een DAA0G “Mavarria 29923
9; de Julio. iauia 39 308 San Pedro 28 150
Azule.ct. 1 lt 38.525 Saladillo = 28.143
San Nicoläs 2 - 36 645 Dolores 26 837
25 de Mayo 33 749 Bra lo u 25 420
Tandil u aut 32 801 Magdalena. . . 25 132

Ferner gibt es 12 Ortschaften mit einer Einwohnerzahl von 20 bis
25.000 Seelen. Die stärkste Zunahme hatte Bahia Blanca zu verzeichnen,
das vor zwei Jahren nur 77000 Einwohner aufwies, sich also in dieser
Zeit um fast 9000 Einwohner vergrößerte.

Im Süden der Provinz Buenos Aires sind zu Anfang des September UWUeber-
infolge außergewöhnlich starker Regenfälle Überschwemmungen ein- Schwer
getreten, die großen Schaden angerichtet haben. Das dort mit einem s
Kostenaufwande von 50 Millionen Pesos angelegte Netz von Entwässerungs-

283
        <pb n="299" />
        kanälen hat sich seiner Aufgabe nicht gewachsen gezeigt und der entstandene
Schaden wird auf über 100 Millionen Pesos geschätzt.
Deutsche Eine vom Verband an die Mitglieder ergangene Aufforderung, zu den
in N One Baukosten der deutschen Schule in Quilmes beizutragen, hat das
folgende Ergebnis gehabt:
Hch. Brinck (Heidsieck &amp; Co.), Bückeburg, 30 Mk., Bergmann &amp; Simons
G. m. b. H., Mülheim a. Rh., 10 Mk., Mey &amp; Edlich, Leipzig-P., 50 Mk., Emil
Stelzmann, Chemnitz, 10 Mk., Deutsch-Luxemburg. Bergw.- u. Hütten-A.-G.,
Dortmund, 107 Mk., Deutsche Überseeische Bank, Berlin, 300 Mk., Vereinigte
Faßfabriken A.-G., Cassel, 50 Mk., Accumulatorenfabrik A.-G., Berlin, 500 Mk.,
Johs. Oswaldowski, Altona, 6 Mk., Salzmann &amp; Comp., Cassel, 20) Mk., Rudolf
A.Hartmann, Berlin, 20 Mk.,Internationale Bohrgesellschaft, Erkelenz, 100 Mk.,
Optische Anstalt C. P. Goerz A.-G., Friedenau, 50 Mk., Th. Goldschmidt A.-G.,
Essen-Ruhr, 50 M., Bromberg &amp; Co., Hamburg, 50 Mk, Deutsche Maschinen-
fabrik A.-G., Duisburg, 100 Mk., Hamburg-Amerikan. Uhrenfabrik, Schram-
berg, 25 Mk., Elektrizitäts-Ges. Sirius m. b. H., Leipzig, 50 M ,‚ Kommerzien-
rat E. Amme, Braunschweig, 100 Mk., Verein für das Deutschtum im Aus-
lande, Berlin, 6 Mk.
Im Namen der Sache sei den Spendern der beste Dank ausgesprochen!
Die Sammlung wird fortgesetzt.
Beleuchtung In dem Haushaltsplan der Stadt Buenos Aires für 1914, der die Ein-
Buenos Aires. nahmen der Stadt auf 150 720900 $ veranschlagt, werden über die öffent-
liche Beleuchtung der Stadt die folgenden Angaben gemacht, die zu
gleicher Zeit ein Bild der enormen Entwicklung von Buenos Aires wie von
den Aufgaben geben, vor die sich die Kommunalverwaltung gestellt sieht.
Im ersten Halbjahr 1913 wurden 1894 Gaslaternen, 1263 elektrische Bogen-
lampen, 716 Petroleumlaternen und 416 Alkohollaternen aufgestellt. Für
das zweite Halbjahr und das ganze nächste Jahr ist die Aufstellung von
4800 Gaslaternen, 2133 Bogenlampen, 500 Glühlampen, 1200 Petroleum-
laternen und 750 Alkohollaternen vorgesehen. Im ganzen sollen also in
den beiden Jahren 1913/14 13372 neue Laternen mit einer Leuchtkraft von
4 Millionen Dezimalkerzen aufgestellt werden. Am 31. Dezember 1912
waren im ganzen Stadtgebiet 28 137 Lampen mit einer Gesamtkerzenstärke
von 5 Millionen Dezimalkerzen im Betrieb, so daß sich in den beiden erst-
genannten Jahren die Gesamtlichtstärke der städtischen Beleuchtung fast
verdoppelt hat.
Aus- An der Ausstellung in San Francisco wird sich Argentinien laut
stellungen. Dekret vom 5. September des Jahres offiziell beteiligen. Präsident des
Ausstellungs-Komitees ist Herr Angel Gallardo. — Zum argentinischen Re-
gierungsvertreter für die Ausstellung und den Kongreß des Buchgewerbes
in Leipzig 1914 wurde Herr Alberto Gerchusoff ernannt.
Wein- ‚Der Weinversand Mendozas betrug während des ersten Halbjahrs 1913
„Produktion nach einer Mitteilung der River Plate Review 1631 272 hl gegen 1473 066 hl
"im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Nach Argentinien eingeführt wurden

284
        <pb n="300" />
        an gewöhnlichem Wein 196327 hl, d. h. 85 hl weniger als im ersten
Halbjahr 1912. Der Zollwert der gesamten während des ersten Halbjahrs 1913
eingeführten Getränke belief sich auf 7049406 $ Gold. Hiervon entfielen
auf Weine 5125 663 und auf Branntwein und Liköre 1407 034 $ Gold. Bei
letzteren zeigt sich eine kleine Abnahme, während die Weine eine wenn
auch unbedeutende Zunahme aufweisen, was auf die Mehreinfuhr von
Wermuth zurückzuführen ist.

Die Zahlungseinstellungen, die der Stillstand der wirtschaftlichen Zablungs-
Entwicklung des Landes zur Folge hat und auf die wir bereits im Heft 5, einstellungen.
1913 eingingen, zeigen in ihren Passivwerten noch immer außergewöhnlich
hohe Ziffern. Während sonst die von Konkursen betroffenen Kapitalsummen
im Monat August verhältnismäßig gering zu sein pflegen (sie betrugen 1912
4,3 Millionen und 1911 3,1 Millionen Pesos), beliefen sie sich im August
dieses Jahres auf ca. 17,4 Millionen $, d. h. ungefähr das Vierfache des vor-
jährigen Betrages. In den ersten acht Monaten des Jahres erreicht “die
Gesamtsumme der Passiven aus den angemeldeten Konkursen beinahe die
doppelte Höhe des entsprechenden Zeitraums von 1911. Von den Zahlungs-
einstellungen des Monats August ent/allen dem Werte nach fast die Hälfte auf
die Provinz Buenos Aires und ungefähr der dritte Teil auf die Bundeshauptstadt.

Der Goldbestand der Konversionskasse hat, wie wir bereits im Konversions-
vorigen Heft andeuteten, im Laufe des Monats August weiter abgenommen. Kasse,
Es waren am 31. Juli noch 259530811,11 $ Gold vorhanden gewesen,
während am Schluß des Monats August nur noch‘ ein Bestand von
255 848 721,59 $ Gold ausgewiesen werden konnte. Gegenüber dem Bestand
im gleichen Zeitpunkt des Vorjahres bedeutet dies zwar immer noch ein
Mehr von 37 Millionen Pesos Gold, doch beläuft sich die Abnahme gegen
den höchsten Bestand des Jahres auf ca. 11 Millionen Pesos Gold.

Die Handelsbeziehungen Argentiniens zu den südamerikanischen Bionenhandel
Nachbarrepubliken können zwar keinen Vergleich mit dem überseeischen Südamerikas.
Handelsverkehr aushalten, nehmen jedoch von Jahr zu Jahr an Bedeutung
zu. Mit Ausnahme von Paraguay ist die Handelsbilanz Argentiniens gegen-
über diesen Staaten eine aktive. Besonders rege sind die Beziehungen zu
Brasilien und machen mit einem Werte von 17,5 Millionen Pesos Gold fast
zwei Drittel dieses Verkehrs aus, der sich insgesamt auf ca. 28 Millionen Pesos
Gold beläuft. Im folgenden geben wir die Zahlen des argentinischen Handels-
verkehrs für die einzelnen Länder während der ersten sechs Monate 1913:

Ausfuhr Einfuhr
$ Gold $ Gold
Brasilien .... . 13014727 4481 671
Bolivien a3 + 903 085 114 983
Chile 4. . . 14217280 296 023
Paraguay . 977 885 1231 347
Uruguay - 4 281 180 . 1 697347
20394157 7821371

285
        <pb n="301" />
        Projekt, Die Deputiertenkammer genehmigte in ihrer Sitzung. vom 13. September
Mollard. gas Projekt des Ingenieurs Mollard, betreffend Ausnützung der Wasser-
kräfte des Rio Uruguay und Schiffbarmachung seines oberen Stromlaufes,
Das Gefälle des Flusses soll in einer großen Elektrizitäts-Überlandzentrale
nutzbar gemacht werden, und durch Regulierung des Stromlaufes will man
gleichzeitig die Schiffbarmachung bis zur brasilianischen Grenze ‘die
Beseitigung der periodischen Überschwemmungen und in Verbindung da-
mit die Bewässerung eines großen Teils der Provinz Entre Rios erreichen.
Die Kosten des Werkes werden auf 16225000 $ Gold veranschlagt, zu
denen die beteiligten Staaten Argentinien, Brasilien und Uruguay ent-
sprechend dem Nutzen beitragen sollen, der sich für sie aus der Durch-
führung des Unternehmens ergibt. Demnach entfallen auf Argentinien sechs
Zehntel, auf Brasilien drei Zehntel und auf Uruguay ein Zehntel der auf

13 300.000$ Gold veranschlagten staatlichen Beihilfe.
Der gegen die Beitragsleistung seitens des Staates geltend gemachte
Finanzielle Einwand, die finanzielle Lage des Landes sei ungünstig und würde durch
Tage, Übernehmen dieser Verpflichtung weiter verschlechtert, gab dem neuen
Finanzminister Dr. Anadön Gelegenheit, darauf hinzuweisen, daß der Etat
der Republik in den 11 Jahren von 1902 bis 1912 won 180 auf über
400 Millionen Pesos angewachsen sei, daß die Staatseinnahmen entsprechend
zugenommen hätten, und daß die argentinische öffentliche Schuld; d: h.
die auswärtigen und inneren Goldanleihen, nur auf 58 Millionen und die
inneren Papieranleihen auf 83 Millionen Pesos angewachsen seien, was
einer jährlichen Zunahme von ca. 5 Millionen Pesos bei der Goldschuld
und von 17 Millionen bei der Papierschuld gleichkommt. Diese verhältnis-
mäßig geringe Zunahme, trotz reichlicher neuer Emissionen sei auf starke
Amortisationen zurückzuführen, und trotz der momentanen, auf auswärtigen
Einflüssen beruhenden finanziellen Schwierigkeiten stiegen die Staatsein-
nahmen weiter und überschritten zurzeit den Voranschlag um 20 Millionen,
so daß von einer schlechten Lage .der Staatsfinanzen nicht gesprochen

werden könne.
U DA R
Druck von PASS &amp; GARLEB G. m. b. H., Berlin W. 57, Bülowstr. 66.
        <pb n="302" />
        486.
25. November 1913. “
Die Lage der argentinischen Gefrierfleischindustrie.

In Heft 4, 1913, der „Mitteilungen“ hatten wir den Beginn des Kon- Regierungs-

kurrenzkampfes zwischen den unter nordamerikanischem bezw. unter anglo- maßnahmen,
argentinischem Einfluß stehenden Gefrierfleischanstalten geschildert. . Die
umfassende Bedeutung dieses Interessenkonfliktes für -die gesamte argen-
tinische Volkswirtschaft hat‘ den Kongreß veranlaßt, sich mit der Angelegen-
heit zu beschäftigen, und die Verhandlungen führten zu dem Ergebnis, daß
eine Kommission der Deputiertenkammer eingesetzt wurde, welche geeignete
Mittel‘ zur Beseitigung‘ der entstandenen Schwierigkeiten‘ vorschlagen sollte.
Die Kommission, die. unter dem Vorsitz des Dr. Zeballös tagte, legte schließ-
lich drei Gesetzentwürfe vor:'1. betr. ein Anti-Trustgesetz nach ‘dem Muster
der nordamerikanischen Sherman-Bill, 2. betr. einen allgemeinen Viehzensüs,
um eine. sichere Unterlage ‚für‘ die weitere Behandlung der Frage zu ge-
winnen und. 3. betr. eine. vonseiten.‘ des Ackerbauministeriums ‚einzuleitende
Untersuchung über den Handel mit Fleisch innerhalb; der Republik:

In der gegenwärtigen Sitzung des Parlaments gelangte jedoch: bisher
keiner dieser Vorschläge “zur Verabschiedung und ebenso kamen mehrere
andere sich‘ mit! der Materie befassende Entwürfe ‚über das Stadium der
Kommissionsberatung nicht' hinaus, wie‘ z. B. der des Deputierten Bengolea,
der das Verbot der Schlachtung von Kühen und Schafen oder doch wenig-
stens eine ganz erhebliche Einschränkung solcher Schlachtuhgen vorschlug.

Dieser letzte Gesetzentwurf berührte die für die argentinische Gefrier- Frage der
Aeischindustrie höchst wichtige Frage, ob der Viehbestand des’Landes hin- Kubschlach-
reichend groß :sei, "un die in dem‘ letzten‘ Jahren eingetretene ‘starke Ver- nen.
mehrung der’ Schlachtungen auf "die Dauer‘ ertragen‘ zu können:'" In den
Jahren 1908/10 ‘hatte obendrein eine Periode der Dürre beträchtliche Ver-
luste in den Beständen hervorgerufen, denn‘ alles Vieh; das auf den!mageren
Weiden nicht gehalten. werden könnte, wär zu billigen Preisen verkauft und
geschlachtet worden. Hieraus erklärt sich die beträchtliche Zunahme der
Kuhschlachtungen in den Jahren 1910 und 1911; die schließlich einen der-
artigen Umfang erreichten, daß die Regierung; besorgt um die Zukunft der
Fleischindustrie in der Republik, sich mit den Provinzialregierungen zwecks
Ergreifung geeigneter Maßregeln in Verbindung setzte; um der übergroßen
Schlachtung“" von Kühen Einhalt. zu‘ tun, mußte" doch die statistische Abtei
lung des Ackerbauministeriums feststellen, daß die Kopfzahl des Rindviehs

787
        <pb n="303" />
        am 31. Dezember 1911 seit..der ‚Viehzählung. von 1908 um 330457 Stück
abgenommen hatte... Den Anteil der in den Gefrieranstalten vorgenommenen
Schlachtungen an dieser Abnahme zeigt folgende Zusammenstellung:
Ochsen Kühe Kälber
1908 719.333 15 958 7.767
1909 758.271 48 828 8753
1910 846 206 105 919 12 639
io11 1.083.592 144 634 23 628
{9 1 245 091 122929 18 626
In der gleichen Periode wurden in den Schlachthöfen der Stadt Buenos
Aires die folgenden Mengen geschlachtet:
Ochsen Kühe Kälber
1908 225 000 165 000 "00
V 195 000 195 000 0
175 000 250000 * 000
„35.000 340 000 “50 J00
a 140 000 320 000 150 000
Für den Verbrauch der Stadt Buenos Aires kommt außerdem noch eine
erhebliche Menge der in ‘den Gefrieranstalten geschlachteten Tiere in
Betracht. Es waren ‚dies‘ 1908: 169 113; „1909: 174050; 1910: 239 859;
19112317429; und 1912: 355 955 Stück Rindvieh.

Zur Vervollständigung der Übersicht über den inneren Verbrauch der
Republik, soweit er statistisch erfaßt wird, seien auch die Schlachtungen 'in
den übrigen Schlachthöfen der argentinischen Republik für die gleiche Zeit
aufgeführt:

Ochsen Kühe Kälber

1908 219.424 214.987 W7:687

09 242 740 243 631 . 547

9 235.030 323 256 36 821

394 715. „ 659635 55 716

U ) 523 146 626 924 36171
Viehbestand. Die aus vorstehenden Zahlen! ersichtliche enorme Zunahme der‘ Küh-
schlachtungen. Jäßt die Besorgnisse der argentinischen Regierung um die
Erhaltung ‚des Viehbestandes begreiflich, erscheinen. Man sieht jedoch, daß
im Jahre 1912 die. Zahl der Kuhschlachtungen und auch der Kälber-
schlachtungen nicht unbeträchtlich zurückging, und das Ackerbauministerium
kann in seinem Bericht über das Jahr 1912 feststellen, daß trotz der enormen
Schlachtungen der Rindviehbestand am 31. Dezember 1912 bereits wieder
mit 29.016 000 Stück anzunehmen ‚war, 'd. h. es bestand gegenüber der
Viehzählung von 1908 nur noch eine Abnahme von 100625 Stück. Trotz-
dem im: Jahre 1912 in den Gefrieranstalten 1326 646 Stück Rindvieh ge-
schlachtet worden waren; hat also’der Bestand am 31. Dezember 1912 gegen»
über dem im gleichen Zeitpunkt des Vorjahres vorhandenen noch. um zirka

230 000 Stück zugenommen.

IQL
        <pb n="304" />
        Der erwähnte Bericht weist auch darauf hin, daß die mit Alfalfa an- Bedarf an
gebaute Fläche im Jahre 1911 973 393 ha größer war als im Jahre 1908. Zuchtvieh.
Da von den Alfalfafeldern nur etwa 10% zur Gewinnung von Trocken-
futter gemäht werden, haben also die Viehweiden ganz beträchtlich zu-
genommen, und die Ausdehnung der Alfalfafelder ist bis in die Gegenwart
hinein ständig weitergewachsen. Dazu kommt, daß reichliche Regenfälle
die natürlichen Weiden verbessert haben und auch andere Kulturen, wie
z. B. Hafer, zeitweise als Viehweiden- verwendet wurden. Im Zusammen-
hang hiermit entstand nun eine große Nachfrage nach Rindvieh zu Zucht-

Zwecken, woraus :sich die Abnahme der Kuh- und Kälberschlachtungen so-
wie das Anziehen der Preise für diese Tiere erklärt. Eine Zeitlang glaubte
inan gerade in dieser letzteren Erscheinung einen Beweis für die starke
Abnahme ‘des Rindviehbestandes erblicken zu müssen, und es ist Tatsache,
daß die Produktion den Anforderungen der im In- wie im Auslande stark
gesteigerten Nachfrage nicht im “vollen Umfange genügen konnte. Der
innere Bedarf des Landes beanspruchte im Verhältnis zur starken Vermehrung
der künstlichen Weideflächen zum mindesten 800 000 Tiere zur Aufzucht
und Mästung, da die Kunstweiden nicht ungenutzt liegen bleiben konnten.

Aus diesen Verhältnissen erklärt sich ohne weiteres die Abnahme der
Kuhschlachtungen seit der zweiten Hälfte des Jahres 1911, die bis in die
Gegenwart hinein fortdauert. Während die Viehzüchter zur Zeit der Dürre
sich der‘ Kühe zu jedem Preise zu entledigen suchten, behalten sie sie jetzt
zu Zuchtzwecken zurück, und wenn diese Erscheinung anhält und‘ auch die
gegenwärtigen günstigen Weideverhältnisse fortdauern, so kann damit ge-
rechnet werden, daß nach Ablauf von vier Jahren sich ‚der jetzige Bestand
der zur Aufzucht verwendeten Kühe um 272% vermehrt haben wird. Das
von‘ den Kuhschlachtungen Gesagte gilt auch für die Kälberschlachtungen,
und. es ist somit sicher‘ zw erwärten, daß die aus’ der Viehzucht her-
rührende reiche Einnahmequelle des Landes auch in Zukunft unvermindert
weiterfließen. wird.

Die durch‘ das Vorgehen‘ der nordamerikanischen Gesellschaften ‚ge- Preiskampf
schaffene Lage machte in der Zwischenzeit ihre Wırkung auf die Einnahmen a
der einzelnen‘ Gefrierfleischanstalten immer mehr fühlbar. Bei den von den .
Nordamerikanern auf dem’ englischen‘ Markt durchgehaltenen niedrigen
Preisen wurde allseitig mit’ Verlust‘ gearbeitet. Die anglo-argentinischen
Gesellschaften gaben offen zu, daß sie an jedem für den Export geschlachteten
Tiere 40—50 $ verloren, während die nordamerikanischen Gesellschaften
bestritten, ‚daß sie mit Verlust arbeiteten, und behaupteten, daß die von
ihnen diktierten niedrigen Preise ihren Produktionsmöglichkeiten entsprächen,
da ihnen: aus der ‚besseren Verwertung der Nebenprodukte durch ihre
modernen Einrichtungen "ein größerer‘ Gewinn erwachse‘ als‘ dem anglo-
argentinischen Gesellschaften. Die Richtigkeit des letzteren Arguments be-
gegnete Zweifeln, da die Mehrzahl der anglo-argentinischen Frigorificos
zum: mindesteh ebenso gute Einrichtungen aufweist. Es wurde vielmehr

2QQ
        <pb n="305" />
        angenommen, daß die über verschiedene Weltteile verbreitete Organisation
der nordamerikanischen Gesellschaften es ermöglicht, die im argentinischen
Geschäft. zurzeit. entstehenden Verluste durch Gewinne an anderer Stelle
wieder auszugleichen. Ueber welche enormen Mittel die in. Betracht
kommenden Gesellschaften verfügen, beweisen. die Endziffern der Bilanzen
der in erster Linie beteiligten Firmen; sie betrugen bei Swift 60 Millionen Lstr.,
bei Armour 57 Millionen Lstr., bei Morris 35 Millionen Lstr.
Unter dem Einfluß dieser Verhältnisse sanken die Aktien einzelner
anglo-argentinischer Gefrierfleischanstalten in den letzten Monaten ganz be-
deutend im Werte; ‚als erstes Opfer der Preispolitik stellte der Frigorifico
Argentino Ende August die Arbeit ein und entließ die Beamten und Arbeiter.
Die in der Provinz Buenos Aires am Riachuelo gelegene Gefrierfleisch-
anstalt soll inzwischen durch Mittelspersonen seitens nordamerikanischer
Kapitalisten bereits aufgekauft oder doch gepachtet worden sein.
Kein Ein- Die übrigen anglo-argentinischen Gesellschaften hoffen, daß dieser erste
N ESEL Erfolg der Preispolitik der Nordamerikaner die argentinische Regierung zum
” Eingreifen ermuntern wird, doch ist ein Aufgeben ihres bisherigen ab-
wartenden Standpunktes kaum zu erwarten, da nach Ansicht der maß-
gebenden Kreise der argentinische Viehbestand vorläufig nicht gefährdet
ist und die Viehzüchter aus dem Wettbewerb der Gesellschaften reiche
Gewinne ziehen. Der englischen Regierung dagegen fehlt jeder Grund
zum Einschreiten gegen die Nordamerikanischen Gesellschaften, da die von
ihnen herbeigeführte Verbilligung des Fleisches für die arbeitenden Klassen
nur genehm sein kann. . Zudem. vertritt England die Meinung, daß eine
wirkungsvolle Bekämpfung der Trustgefahr nur durch ein gleichzeitiges
Vorgehen beider Regierungen geschehen könne, und zwar habe die argen-
tinische. hierbei die Initiative zu ergreifen, da eine Beeinflussung der Preis-

politik .des Trusts auf dem Produktionsmarkte einzusetzen habe.

Die nordamerikanischen Gesellschaften indessen scheinen den ihnen
möglicherweise drohenden einschränkenden Maßregeln keine große Bedeu-
ıung beizumessen, wozu ihnen die in den Vereinigten Staaten mit der
Sherman-Bill gemachten Erfahrungen ein gewisses Recht geben. ‘ Auch die
nordamerikanische Regierung verfolgt die weitere Entwicklung des Fleisch-
trusts mit großer Aufmerksamkeit, wie aus der vor kurzem erfolgten argen-
tinischen Studienreise des Direktors des Viehamts der Vereinigten Staaten,
Herrn A. D. Meloins, geschlossen werden kann. Andere Beauftragte der
nordameıikanischen Regierung bereisten gleichzeitig Australien und Neu-
seeland, um die dortigen Einflüsse des Trusts zu verfolgen, und man will
sogar wissen, daß die Regierung der Vereinigten Staaten mit den süd-
amerikanischen Republiken zwecks gemeinschaftlicher Aktion gegen die
Bestrebungen des Fleischtrusts Fühlung genommen habe.

Rückwirkung Bezeichnend für die auf dem internationalen Fleischmarkt bestehenden
auf die Ver. N RTTER z : . . .

Staaten. Verhältnisse ist die Tatsache, daß die erhebliche Einfuhr von Kühl- und

Gefrierfleisch, die in den letzten Monaten vom englischen Markt aus nach

290
        <pb n="306" />
        den Vereinigten Staaten erfolgte, die dort herrschenden hohen Preise nicht
zum Weichen bringen konnte. Eine Maßnahme der nordamerikanischen
Regierung, die diesen Zweck verfolgte, nämlich die Aufhebung des Einfuhr-
zolls auf Fleisch, ist mithin völlig wirkungslos geblieben. Die Schuld hieran
wird allgemein dem Fleischtrust zugeschoben, der sowohl über den englischen
Markt wie über die Transportunternehmungen unumschränkt gebietet und
dadurch faktisch das Einfuhrmonopol für die Vereinigten Staaten in Händen
hat. Die Aufhebung des Fleischeinfuhrzolls, mit der man den Trust be-
kämpfen wollte, bringt ihm also nicht nur keinen Schaden, sondern ist ihm
sogar von großem Nutzen, denn der Trust streicht den früheren Zollaufschlag
als reinen Gewinn ein und erhält auf diese Weise weitere Mittel, um den
Preiskampf auf dem englischen Markt fortzusetzen.

Einen Begriff von dem Umfang der Fleischindustrie in den La-Plata- Gefrieran-
Staaten und der Provinz‘ Rio Grande do Sul gibt eine von der Firma En
Christian Altgelt &amp; Co., Buenos Aires, herausgegebene Uebersicht über die gen 1a Plata
bestehenden Fabriken, deren Namen wir im folgenden wiedergeben: Staaten.

Gefrieranstalten:
Cia. Sansinena de Carnes Congeladas „La Negra“, Prov. Buenos
Aires
Soc. An6n. „La Blanca“, Prov. Buenos Aires
Soc. Anon. „Frigorifico Argentino“, Prov. Buenos Aires
The River Plate Fresh Meat Co. Ltd., Campana
The Smithfield &amp; Argentine Co., Zarate
Las Palmas Produce Co. Ltd., Las Palmas.
La Plata Cold Storage Co., La Plata
Cia. Sansinena — Cuatreros, Bahia Blanca
Soc. An6n. „Frigorifico Montevideo“, Cerro
Soc. Andn. „La Frigorifica Uruguaya“, Cerro
The New Patagonian Meat Preserving and Cold Storage Co. Ltd,
Rio Gallegos und ‘San Juliän.
Saladeros:
x aa BIO Parand
Bovril — Santa Elena
Bovril — San Javier
Vedorya, Escalada &amp; Co., Lavalle.
Rio Paraguay
S. R. Zabalua, Villa Concepeciön
Pedro Risso e Hijo, Colonia Risso.
Matto Grosso (Brasilien)
Soc. An6n. Barranco Branco, Matto Grosso
Moalli &amp; Basso, Matio Grosso
Miranda Leal:&amp; Co., Matto Grosso
„Miranda“, Deambrosio, Legrand &amp; Co.

291
        <pb n="307" />
        Rio Uruguay (Entre Rios)
Ed. Nebel, Gualeguaychü
Liebig Extract of Meat Co., Colon
„Concordia“, Dickinson &amp; Hijo, Concordia
Manuel Freitas, Concordia.
Republik Uruguay
Jaume Hnos. &amp; Co, Paso de los Toros
Arrarte Hnos., Rocha
Ricardo Deambrosio &amp; Co., La Paz
Francisco Fregeiro, Mercedes
Liebig Extract of Meat Co., Fray Bentos
Casablanca“, M. Etchebarne, Paysandu
„Nuevo Paysandu“, A. Santa Maria (hijo), Paysandu
„Nicanor Amaro“, Amaro Hnos. Hervidero
„La Caballada“, Dickinson &amp; Hijo, Salto
„La Conserva“, Dickinson &amp; Hijo, Salto.
Brasilianische Grenze
„Barra do Quarahim“, Minelli, Gonzalez &amp; Co., Viejo Cuareim
„Novo Quarahy“, Calo, Tabarez &amp; Co., Nuevo Cuareim
„San: Carlos“, Reverbel; Mendive &amp; Co., Quarahy
Sao Paulo“. B..Tellechea, PP. Lessa. &amp;. Co... Santa. Ana do
Livramento
„Bella Vista“, Gomes, Paiva, Gurrotane &amp; Co., Santa Ana do
Livramento
„Progreso Uruguayo“
Anaya &amp; Irigoyen, Santa Ana do Livramento
Soc. Industrial y Pastoril, Santa Ana do’ Livramento
„Uruguayana“, Goes, Ferreira &amp; Co., Uruguayana
A Ytaqui“) G.*C7 Bickinson, „Ytaqui
„San Borja“,. San ‘Borja.
Rio Grande do Sul (Brasilien)
Soc. An6n. „Union del Rosario“, Sta. Maria R. G. d. S.
„San Gabriel“, San Gabriel, R. G.'d. S.
„San Martin“, Serafin Gomez e Irmao, Bage
„Yaguarao“, Yaguarao
Pelotas.
Montevideo (Cerro)
„Porvenir“
Vilamajo Hnos.
„Tejera“, RR; Tabarez &amp; Co:
„Santa Rosa“, R. Tabarez &amp; Co.
„Chico“, Mendez, Rodriguez &amp;“ Co:
„San Pedro“, .P.? Denis’ &amp;: Co:

7097
        <pb n="308" />
        „Reconquista“ (arbeitet nicht)

„18 des Julio“, R. Vellezo

„San Miguel“, R. Vellezo

„Union Saladeril“

„Punta del Tigre“, F. Fregeiro
„Santa Catalina“, San Martin
„Punta :de. Yegua“, P. Ferres &amp; Co.

Die Entwicklung der argentinischen Gefrierfleischindustrie während der Bericht von
letzten fünf Jahre schildert Dr. Pedro Berges in einem Bericht an den Dr. Berges.
internationalen Kältekongreß Chicago 1913. Die Abhandlung ist deshalb
besonders interessant, weil in ihr der Versuch gemacht wird, festzustellen,
ob die unter nordamerikanischem oder anglo-argentinischem Einfluß stehen-
den Gefrierfleischanstalten in ihrer Geschäftsgebarung argentinischen Inter-
essen mehr genützt haben. Da die weitere Gestaltung‘ der Fleischausfuhr
von allergrößter Bedeutung für die argentinische Volkswirtschaft ist‘ und
der zwischen der nordamerikanischen und anglo-argentinischen Interessenten-
gruppe entbrannte Konkurrenzkampf noch lange Zeit im Mittelpunkt des
allgemeinen Interesses steben wird, sei im folgenden ein Auszug aus dem
vorerwähnten Bericht gegeben.

Argentinien war das erste Land, das mittels Kältemaschinen gekühltes
und gefrorenes Fleisch nach Europa ausführte und steht seit 1904 an der
Spitze aller. Gefrierfleisch exportierenden Nationen. Die River Plate Fresh
Meat Co. Lid. errichtete im Jahre 1883 die erste Gefrierfleischanstalt
„Campana“, und exportierte auch als erste‘ im Jahre 1900  Kühlfleisch
(chilled  beef). Zurzeit“ bestehen: in Argentinien acht Gesellschaften, die Argentinische
zehn Gefrierfleischanstalten im Lande selbst und zwei in Uruguay betreiben.‘ °S°lschaften.
Die folgende Zusammenstellung enthält die Namen der Gesellschaften in
der Reihenfolge ihrer Gründung, ihr Gesellschaftskapital in den Jahren
1908 und 1913 und die in ihrem Besitz befindlichen Gefrierfleischanstalten:

Kapital in $ Gold Gefrierfleischanstalten
1908 1912 Name Lage
The River Plate Fresh
Meat! Co. Ltdiw /.2!s: 225000052: 250.000; Campana “+ Prov. Bs Aires
? ; La Negra id;
Compania Sansinena de | Cuatreros id.
Carnes Congeladas ; 3000000 4500 000 F-Urtpudya Rep: Kiupuay
The; Las, ‚Palmas. .Pro-
duce Company Ltd.. 2500 000... 2500000 : Las Palmas Prov. Bs. Aires
La: Blanca, . Comp. Arg.
de Carnes Congeladas 1500000 1500000 La Blanca id.
The La Plata Cold Sto- La Plata id.
rage. Company ‚Ltd... 2003000 5000 000 { Montevideo Rep. Uruguay
The SmithfieldandArgen- |
tine Meat Co. Ltd. . 1000000. 1250000. Zärate Prov. Bs. Aires

293
        <pb n="309" />
        Kapital in $ Gold Gefrierfleischanstalten
1908 1912 Name Lage
Sociedad Ano6nima Fri-
gorifico Argentino . 1250000 2000000 Argentino 'd.
The New Patagonian
Meat Preserving and
Cold Storage Co. Ltd.
(Diese Gesellschaft
gehört in Wirklich-
keit zu der La Plata Rio Gallegos Patagonien
Cold Storage Cy,) 2 608 607 IS Juliän id.

Man ’sieht, daß die „Sansinena“, „La: Plata Cold Storage Co.“, „Smith-
field and Argentine Meat Co.“ und „Frigorifico Argentino“ ihr Kapital seit
1908 erhöht haben, und zwar die beiden erstgenannten Gesellschaften in
sehr erheblichem Umfange.

Ausdehnung Die Swift Packing Co., Chicago, die im Jahre 1908 bereits die Gefrier-

ER ETR fleischanstalt „La Plata“ besaß, erwarb 1909 die Gefrierfleischanstalt „La

Einflusses Blanca“, und: da ihr ‚der Ankauf der „Frigorifica Uruguaya“ wegen ‚des. von
der „Sansinena“ abgegebenen höheren Gebots nicht gelang, kaufte sie den
Saladero Cibils in Montevideo und wandelte ihn in ’eine Gefrierfleischanstalt
um, . ‚die dann. im Jahre 1912 den Betrieb aufnahm.

Im Jahre 1909 wurde die New Patagonian Meat Preserving Co. Ltd.
gegründet, welche die Gefrierfleischanstalt Rio Gallegos erbaute. Die Swift
Packing Co. kaufte im Jahre 1912 drei Viertel der Aktien dieser Gesell-
schaft und begann den Bau einer zweiten Gefrierfleischanstalt in San Juliän.
Ausweislich der letzten Bilanz der La Plata Cold Storage Co. stellte diese
Gesellschaft. 2 608 607,82. $ Gold für den Ankauf ‚von Aktien anderer
Gesellschaften bereit; der Betrag soll zur Durchführung der Transaktionen
der New’ Patagonian Meat Preserving Co. gedient haben, doch kann bis
zum Beweise des Gegenteils bezweifelt werden, daß dieses Kapital wirklich
in ‚den patagonischen Gefrierfleischanstalten investiert wurde, und die in
der Oeffentlichkeit wiederholt geäußerten Befürchtungen, daß in dieser
Bilanzposition ein schlagender Beweis für die beabsichtigte V ertrustung derargen-
tinischen Gefrierfleischproduktion zu erblicken sei, erscheint nicht unberechtigt.

Ferner wurden seit 1908 noch eine Reihe Landkonzessionen zur Er-
richtung von Gefrierfleischanstalten an verschiedene Gesellschaften vergeben,
von denen sich mehrere-zurzeit im Besitz der nordamerikanischen Firmen
Armour und Sulzberger befinden. Armour &amp; Co. haben zu diesem Zweck
mit einem Kapital von 3 Millionen Pesos Gold eine Gesellschaft gebildet,
die gegenwärtig am Rio Santiago im Hafen von La Plata eine Gefrierfleisch-
anstalt erbaut, welche die größte der Welt werden soll.

Die Gefrierfleischanstalt „La Blanca“ ging im Jahre 1912 aus dem Besitz
der Swift Packing Co. in die Hände der Gesellschaften Aımour und Morris
über, die früher mit der erstgenannten zusammen in den Vereinigten Staaten

1'
294
        <pb n="310" />
        die National Packing Co. gebildet hatten, ein Syndikat, das im Jahre 1911
in Chicago wegen beabsichtigter Einschränkung des Fleischhandels von der
Regierung unter Anklage gestellt worden war. Der Konzern, der allgemein
unter dem Namen „Beef-Trust“ bekannt ist, wurde freigesprochen; die
Regierung suchte jedoch weitere Mittel und Wege, um die National
Packing Co. auf gerichtlichem Wege zur Auflösung zu zwingen. Um durch
neue Schritte der Regierung in der Geschäftsgebarung nicht noch mehr
gehemmt zu werden, teilten die Vertreter der Gesellschaften Amour, Morris
und Swift dem Justizdepartement mit, daß sich das Syndikat vor dem
1. August freiwillig auflösen würde. Die Verteilung des Besitzes und Ver-
mögens der National Packing Co. unter die drei Gesellschaften geschah im
folgenden Verhältnis: 46% für Swift, 40% für Armour und 14% für Morris
wobei die Gefrierfleischanstalt „La Blanca“ den beiden letztgenannten verblieb.

„ Die Schilderung vorstehender Einzelheiten war notwendig, um den Zusammen-
Entwicklungsgang der einzelnen Gesellschaften und ihre in Nordamerika rate
bestehende Interessengemeinschaft, zu zeigen, die in gleicher Weise auch in kaner.
Argentinien vorhanden ist, wie aus den bisherigen Vorgängen ohne weiteres
geschlossen werden kann. Es ist festzustellen, daß die Gesellschaften immer,
auch in kleinsten Fragen, gemeinsam vorgehen; so haben es die. La: Plata
Cold Storage Co. und die La Blanca noch vor kurzem abgelehnt, sich in der
argentinischen Abordnung zum Kältekongreß in Chicago vertreten zu lassen.

Es erscheint daher nicht unberechtigt, die unter ihrem Einfluß stehenden
Gefrierfleischanstalten kurzweg als nordamerikanische zu bezeichnen im
Gegensatz zu den übrigen argentinischen und englischen Kapitalisten ge-
hörigen Gefrierfleischanstalten, welche anglo-amerikanische genannt werden
können. Diese zweite Gruppe hat mit Ausnahme der Sansinena-Gesell-
schaft seit 1908 die Zahl ihrer Gefrierfleischanstalten zwar nicht vermehrt, doch
wurden die ursprünglichen Einrichtungen durchweg vergrößert und verbessert.
Um ein Bild- von der Bedeutung jeder einzelnen Gefrierfleischanstalt Ausfuhr der
zu geben und den Einfluß zu schildern, den sie auf die weitere Entwicklung 7 A
der Industrie ausgeübt haben und in Zukunft noch ausüben können, geben frieranstalten.
wir in der folgenden Zusammenstellung die Ausfuhrzahlen aller den argen-
tinischen Gesellschaften gehörenden Gefrierfleischanstalten während der
letzten sechs Jahre:
1. Nordamerikanische Gefrierfleischanstalten.
Kühlfleisch Gefrierfleisch
Rinderviertel Rinderviertel Hammel
1907 99 129 207 548 537 451
1908 218 083 259 073 517252
1909 416 147 167 270 652 055
La Plata 1910 607 941 241 601 741 722
1911 971 770 267 300 1022 305
1912 879 025 338.761 1.088 156
41913 577 438 126 641 390 210

205
        <pb n="311" />
        Kühlfleisch Gefrierfleisch

Rinderviertel Rinderviertel Hammel
1907 ‘106 941 185 352 51309
1908 158 936 200 454 126 482
1909 153 775 232 951 190 568
La_ Blanca. 1910 272.743 156 434 346132
1911 393 546 111 Ti8 345 019
1912 437 072 94 499 373 295
141913 294 629 45 628 103 543
. 1912 = 3.636 19.866
Mönteskteo | 141913 17 103 556 102 979
; jan 90.070
Rio ‚Gallegos... . \1/21913 215 637
San Juliän 31913 76 626

Ausfuhr der 2. Anglo-argentinische Gefrierfleischanstalten.
N nl an 1907 85.882 237 821 812624
frieranstalten 1908 65 497 163 832 1 038 862
1909 80 646 282 430 796 518
a 118895 207 020 716.583
Cunitretos 1911 140 466 338 209 895 824
| 1912 161640 310 847 719.767
ı 1/1913 87 427 110741 179 693
1 1909 —— 103 061 145.886
een 1910 — 143 046 232.351
DT KM = 87.583 255.351
180 a9 229.852 311.460
| 1/1913 3563 97 286 142 837
(4007 128 339 221 009 419 186
1908 185 294 263 673 476 569
1909 189 409 238 934 408 819
Campana . „1910 241283 285 674 466 402
8 227 239 334 849 427 313
| 1912 237338 3711339 261 166
11913 131 572 187 892 85 462
| 1907 28 627 255.797 669 325
1908 58 468 256 918 648 974
1909 69 518 265 878 477 889
Las Palmas ._.. 1910 203 049 132 508 350.778
1911 108 749 206 590 454 551
| 1912 249 346 322 674 303 930
141913 110527 141422 7391

2906
        <pb n="312" />
        Kühlfleisch Gefrierfleisch
Rinderviertel Rinderviertel Hammel
1907 40 675 118.041 84 679
1908 81.302 136.009 32/385
1909 109 964 118 381 1,699
Zar 1910 89 443 112 261 3.076
1911 148 212 166 168 79611
1912 159.322 213.998 47 409
„1918 89 349 76 005 8 930
1907 101792 261 335
1908 21768 123 142 405.355
1909 52015 206 983 196 322
Argentino 1910 75.254 155 516 218 983
1911 141 809 181 677 273 016
1912 145.731 206 174 161572
12/1913 85.363 89.327 49 941
Gesamtausfuhr
Kühlfleisch Gefrierfleisch Mehrausfuhr
Rinderviertel Rinderviertel Gefrierfleisch | Kühlfeisch
1907 489 613 1403 8335 914 222
1908 789 348 1679163 789:815
1909 1071 474 1615 888 544 414
1910 1.608 608 1 434 078 174 530
1911° 2131791 1 693 494 438.297
1912 2269 474 2.086 780 182 694
11913 1.384 085 978 498 405 587
Aus der vorstehenden Tabelle geht hervor, daß der Einfluß der nord- Vorteilhaftere
amerikanischen Gesellschaften vorläufig noch als vorteilhaft für das Land ep
bezeichnet werden muß, Mdalihre Tätigkeit-cine stärkere Verarbeitung von rd Amerika
indvi i hat. Zum richtigen Verständnis dieser Behauptung Sel nischen Ge-
DS MN ba im Jahre 1906, die anglo-argentinischen Gefrierfleisch- sellschaften.
anstalten beschlossen, im folgenden Jahre die Schlachtungen um 10% des
vorjährigen Umfanges einzuschränken, da die im Jahre 1906 übertriebene
Ausfuhr wenn auch nicht gerade Verluste, so doch einen fühlbaren Rück-
gang der Gewinne gebracht hatte. Dementsprechend wurden im Jahre 1907
in der‘ Tat'nur 1 893 448 Rinderviertel exportiert, während die Ausfuhr ım
Voriahre 2 036 048 Rinderviertel betragen. hatte.
Nun“ kaufte im’ Jahre 1907 die "Swift Packing Co. drei Viertel. der
Aktien der La Plata Cold Storage Co. und nahm im j] ahre 1908 unter
erheblicher. Vermehrung der Schlachtungen den vollen Betrieb auf. Die
übrigen Gesellschaften mußten dem Beispiel folgen und’ die Ausfuhr stieg

ale
90”
        <pb n="313" />
        auf 2368 511 Rinderviertel.. Im Jahre 1909 erwarb die gleiche Gesellschaft
die Gefrierfleischanstalt „La Blanca“ und die Ausfuhr zeigte von Jahr zu
Jahr steigende Ziffern, 1912: 4356 254 Rinderviertel.

Preisbeschrän- Hieraus ergibt sich, daß im Jahre 1906 die sieben bestehenden Fleisch-

kung durch gefrjeranstalten, die damals ausschließlich anglo-argentinischen Gesellschaften

anglo-argen- % . . - ®

tinische Ge- gehörten, ein Uebereinkommen zwecks Einschränkung der Schlachtungen

sellschaften. trafen, daß auch getreulich eingehalten wurde: „Sie schufen eine Art
modus vivendi, beinahe einen Trust, um ihre Arbeiten mit positivem Nutzen
ausführen zu können, und setzten eine Maximalgrenze für den Preis der
Rinder (novillos) fest; infolgedessen erreichten damals unsere novillos nie-
mals höhere Preise als 80, 90 und ausnahmsweise 100 $.”)

Das Eingreifen der Swift Packing Co. verhinderte die Fortsetzung dieser
Politik und im Jahre 1910 zahlte man im Durchschnitt 125 $ für den novillo.
Sobald die Industrie also durch keine Abmachungen mehr beschränkt war,
wurde der Rindviehbestand des Landes voll ausgenützt.

Das Eingreifen der Nordamerikaner ist auch nach anderer Richtung hin
von Nutzen gewesen: obwohl die Schlachtungen schließlich doppelt so groß
wurden wie im Jahre 1907, wurde doch der Wert des ausgeführten Pro-
duktes beträchtlich gesteigert. Dies ist darauf zurückzuführen, daß die
nordamerikanischen Gefrierfleischanstalten überwiegend Kühlfleisch an Stelle
von Gefrierfleisch herstellten, das unter normalen Umständen 20 bis 25%
weniger wert ist als jenes. Die anglo-argentinischen Gesellschaften dagegen
fuhren fort, in größerer Menge Gefrierfleisch zu exportieren, mit alleiniger
Ausnahme der Gefrierfleischanstalt „Las Palmas“, die im Jahre 1910 ein-
mal mehr Kühlfleisch als Gefrierfleisch exportierte. ‚Auch in den, aufge-
kauften älteren Gefrierfleischanstalten gingen die Nordamerikaner stets sofort
nach der Übernahme zur überwiegenden Kühlfleischproduktion über. Die
Tätigkeit der Nordamerikaner auf diesem Gebiet ist also bisher für die Re-
publik von großem Nutzen gewesen, denn sie hatte eine bessere Ausnutzung
des Rindviehbestandes und eine Wertsteigerung der Ausfuhr zur Folge, wo-
durch wieder‘ höhere Viehpreise angelegt werden konnten.

Abkommen Der beginnende Wettbewerb zwischen den nordamerikanischen und
Von 29T anglo-argentinischen Fleischanstalten schädigte natürlich die letzteren nicht
unbeträchtlich, da sie nunmehr gezwungen waren, das Vieh teurer zu be-
zahlen und das Fleisch auf dem ‚englischen. Markt billiger zu verkaufen,
entsprechend der gesteigerten Ausfuhr von Kühlfleisch. Der Konkurrenz-
kampf zwischen beiden Gruppen erreichte im zweiten Halbjahr 1911 seinen
Höhepunkt; die anglo-argentinischen Gesellschaften sahen sich schließlich
durch die Maßnahmen der Nordamerikaner derartig in ihrer Tätigkeit be-
schränkt, daß sie nach kurzem Kampfe die ihnen angebotenen Bedingungen

*) Anm. Erklärung des Ackerbauministers in der Sitzung der Deputierten-
kammer vom 25, Juni 1913 bei Beantwortung der Interpellation des Deputierten
J. J. Atencio über den „Fleischtrust“.

298
        <pb n="314" />
        annahmen und ein Abkommen unterzeichneten, nach welchem für das
Jahr! 1912 bis: zum 5. April‘ 1913” die Menge des von jeder. der Gruppen
auszuführenden Kühlfleisches ‚festgesetzt wurde. Die Nordamerikaner, die
im freien Wettbewerb im Jahre 1911 66% der Gesamtproduktion von Kühl-
deisch“: exportiert hatten}: begnügten: sich’ für 1912. mit einem. Anteil won
584.‘ Trotzdem ging. aber ihre Produktion an Kühlfleisch nicht zurück,
und das Abkommen brachte auch den Viehzüchtern keinen besonderen
Schaden, weil: nun auch -die anglo-argentinischen Gesellschaften ihre Aus-
fuhr‘ von Kühlfleisch bedeutend: verstärkten, so daß schließlich immer noch
34 421 novillos „Kühlfleischtyp“ mehr geschlachtet wurden Als im Jahre 1911.

Die «Gesellschaft La: Blanca: teilte im Februar 1913 den übrigen Gesell- Kündigung
schaften mit, daß sie bei einer Erneuerung des Abkommens das Recht he-"des Abkom-
anspruche, 50%. mehr‘ zu exportieren, als der ihr: für 1912 ‘zugeteilte Anteil u AD
betrug, d. h.ı sie verlangte ein Kontingent von 655608 an! Stelle ON kampresia
437.072 Rindervierteln. Die anglo-argentinischen «Gesellschaften wollten
dagegen nur ‚eine Erhöhung von 10% einräumen, ‚die bei den Verladungen
der übrigen: Gesellschaften im Verhältnis in Abzug gebracht werden sollte,
um den Status quo des verflossenen Jahres im Lande und auf dem englischen
Markte ‚aufrechtzuerhalten. La Blanca: lehnte diesab: und begann ohne
jede Einschränkung’ zu exportieren, was die übrigen Gesellschaften erheblich
schädigte, weil dadurch auf dem englischen Markte ein beträchtlicher Preis-
sturz des argentinischen Fleisches_ herbeigeführt wurde: aber für Argentinien
bedeutete der Vorschlag der nordamerikanischen Gesellschaft die Schlachtung
von 54 634 Tieren mehr als im Jahre 1912,

Aus’ den «Gesagten geht hervor, daß der Vorschlag der La Blanca. tür
den :Viebzüchter vorteilhaft war, während ‚der Plan der übrigen Gesell-
schaften, wenn er angenommen worden wäre, die Schlachtungen eingeschränkt
hätte, ‚wie ‚es schon im Jahre 1906 geschehen war.‘ Trotzdem aber riefen
sie den Beistand der Regierung an, um die Ausfuhr von Gefrierfleisch ‚ein-
zuschränken und auf diese Weise — wie sie sagten — den Ruin der Vieh-
zucht; und‘ "die Verteuerung „des Fleisches zu wverhüten,' die durch die
Handlungsweise des ’Beef-Trusts verursacht werden: sollen.

Ohne für eine der beiden Gruppen Partei ergreifen‘ zu wollen, muß Entwicklungs-
indessen testgestellt werden, daß auch die anglo-argentinischen Gesellschaften ESG
sich: vor: dem’ Eingreifen der Nordamerikaner in ihren geschäftlichen Maß“ frjeranstalter.
nahmen: einzig ‚und ‚allein von dem Bestreben leiten ließen, möglichst g10ße
Gewinne zu- erzielen, ‚ohne dabei auf andere wirtschaftliche Faktoren des
Landes Rücksicht zu nehmen. So mieteten im Jahre‘ 1898: die damals
bestehenden drei Gesellschaften, d.h. die «River Plate Fresh Meat Co.,

Cia. Sansinena de Carnes Congeladas und Las Palmas Produce:Co., die Gefrier-
fleischanstalt- von San. Nicoläs, ‘die den, Betrieb ‚eingestellt »hatte, und
beschlossen, ihn fünf Jahre lang stilliegen zu lassen, um-zu verhindern, daß
irgendeine‘ neue Gesellschaft mit Hilfe desselben den Wettbewerb vergrößere,
trotzdem sie eine Miete: von _15%_ auf ein‘ Kapital von 40000’ £;: d. h-1lährlich

D9C
        <pb n="315" />
        30.000 $ Gold oder für die fünf Jahre 150 000 $ bezahlen mußten. Diese
Maßnahme sicherte den drei Gesellschaften ein freies Feld der Betätigung,
bis im Jahre 1903 die Gefrierfleischanstalt La Blanca eröffnet wurde.‘ Bis
zu diesem Zeitpunkt stand alles Vieh zu ihrer Verfügung, besonders seitdem
im Februar 1900. die englische Regierung ihre Häfen wegen der in Argen-
finien. auftretenden Maul- und Klauenseuche für lebendes Vieh geschlossen
hatte. Da La Blanca erst im Juni 1903 zu arbeiten begann, kann man sagen,
daß die drei vorgenannten Gefrierfleischanstalten volle vier Jahre hindurch
unbeschränkte Aktionsfreiheit. hatten und glänzende Gewinne erzielten, ohne
daß die argentinische Viehzucht daran einen entsprechenden Anteil gehabt
hätte. Eine dieser Gesellschaften verteilte z. B. für ein Kapital von 2 Mill.
Pesos Gold auf die gewöhnlichen Aktien 1899: 16%, 1900: 25%, 1901: 68%,
und nach Erhöhung des Kapitals um eine weitere Million im Jahre 1902:
50% Dividende, die auch nur 86% des erzielten Reingewinns ausmachte.
Die Viehzüchter, die von den drei Gesellschaften nicht die gewünschten
Preise erhalten konnten, beschlossen sich auf eigene Hand einen größeren
Anteil an dem durch die Ausfuhr ihrer Produkte erzielbaren Nutzen zu ver-
schaffen, und eine Anzahl von ihnen gründete die Gesellschaft La Blanca,
um ihr eigenes Vieh und das anderer Züchter selbst zu verarbeiten. Diese
Gefrierfleischanstalt ging 1909 in das Eigentum der Swift Packing Co. über,
wobei die Besitzer der Gründeraktien ein ausgezeichnetes Geschäft machten.
Eingreifen der Die großen Gewinne, die von den ersten Gefrierfleischanstalten zur
N Verteilung gebracht werden konnten, erregten die Aufmerksamkeit englischer
Kapitalisten, und es wurden in der Folgezeit weitere Gefrierfleischanstalten
wie die La Plata‘ Cold Storage Co., Frigorifico Argentino und die Smith-
field and Argentine‘ Meat Co. gegründet. Der Wettbewerb, den sich diese
Gesellschaften machten und die Verhältnisse auf dem englischen Markt, der
die stark gesteigerte Produktion nicht sofort aufnehmen konnte, beschränkten
die Gewinnaussichten erheblich und führten zu dem oben erwähnten Ab-
kommen. Die Folge war, daß die Zahl der verarbeiteten Rinder, die im
Jahre 1906 500 027 betrug, im Jahre 1907 auf 440 331 zurückging. Damit
sanken. auch die-Viehpreise wieder, und die Züchter konnten für die zur
Exportschlachtung geeigneten Tiere nur mehr 80 bis 90 Pesos erhalten.
Durch diese Lage der Dinge wurden die argentinischen Estancieros ungemein
geschädigt, und um die Absatzverhältnisse zu bessern, wurden nunmehr
dauernd Versuche gemacht; die englischen Häfen der Einfuhr von lebendem
argentinischen Vieh wieder zu öffnen. Jedesmal aber, wenn die eingeleiteten
Schritte Erfolg zu versprechen schienen, tauchte in der englischen Presse
die Nachricht von einem neuen Fall von Maul- und Klauenseuche in Argen-
tinien auf, ohne daß ein solcher vom Ackerbauministerium festgestellt worden
wäre, und man beschuldigte mit oder ohne Grund die argentinischen Gefrier-
fleischgesellschaften, derartige Veröffentlichungen mit der Absicht veranlaßt
zu haben, den Wettbewerb von lebendem Vieh hintanzuhalten.

300
        <pb n="316" />
        Die für die Viehzüchter ungünstigen Verhältnisse hielten bis zu den
Jahren 1908 und 1909 an, in denen die nordamerikanischen Industriellen
die Gefrierfleischanstalten La Plata und La Blanca übernahmen. Der freie
Wettbewerb dauerte dann bis zum Jahre 1912, wurde durch das oben bereits
erwähnte Abkommen unterbrochen und begann wieder im April 1913.
Wahrscheinlich wird ein neues Abkommen den Wettbewerb bald wieder
beendigen, indessen wird es der argentinischen Viehzucht zunächst keinen
besonderen Schaden zufügen können, da das Angebot von Schlachtvieh bei
den jetzigen Verhältnissen der Nachfrage ungefähr entspricht.

Aus dem Gesagten geht hervor, daß seit Beginn der geregelten Aus- Die Trust-

fuhr von Gefrierfleisch die Industrie immer nur ihre eigenen Interessen im _ gefahr.
Auge gehabt hat und nicht die der Viehzüchter und der ausländischen
Verbraucher. Wenn diesen auch die augenblicklichen Verhältnisse günstig
sind, so darf doch mit einer Dauer dieses Zustandes nicht gerechnet werden,
und sie werden bald den Gefrierfleischgesellschaften auf Gnade und Un-
gnade ausgeliefert sein, wenn nicht beizeiten geeignete Gegenmaßregeln
getroffen werden. Aus dem Vorgehen der nordamerikanischen Gesellschaften
kann mit Sicherheit geschlossen werden, daß sie auf die vollständige Be-
herrschung der Industrie hinarbeiten. Die Tatsache, daß sie bereits den
Gefrierfleischhandel in den Vereinigten Staaten, England, Uruguay und
Argentinien in Händen haben — und auch in Australien sind Versuche
nach der Richtung hin bereits im Gange — zeigt deutlich die Gefahr, die in
einem solchen Zusammenschlusse liegt. Daher kommt es, daß die Nord-
amerikaner in Argentinien und England einige Verluste ruhig in Kauf
nehmen können, denn dafür arbeiten sie in den Vereinigten Staaten mit
beträchtlichen Gewinnen, und die in Argentinien erlittenen Verluste werden
bald wieder eingebracht sein, wenn sie den Wettbewerb der anglo-
argentinischen Gesellschaften unterdrückt und damit die Preisgestaltung
sowohl für die Produktion als für den Verbrauch in der Hand haben. Die
Vermehrung der Gefrierfleischanstalten in Uruguay, in der Provinz Buenos
Aires und in Patagonien, die sie seit vier Jahren betreiben, beweist zur
Genüge diese Absicht, die sich nicht auf die Rindfleischausfuhr beschränkt.
Gegenwärtig befinden sich besonders die Gefrierfleischanstalten im chileni-
schen Patagonien, San Gregorio und Rio Seco in der Gefahr, von Rio
Gallegos und San Juliän aufgesaugt zu werden, die alle zur Schlachtung
geeigneten Schafe zu jedem Preise aufkaufen. Wenn sie erst einmal die
dortige Produktion von jährlich einer halben Million Schafen beherrschen
wird es ihnen ein leichtes sein, auch die ganze Gefrierfleischausfuhr von
Schafen der Republik in die Hand zu bekommen, wie es ihnen beim
Rinderkühlfleisch schon gelungen ist.

371
        <pb n="317" />
        Eisenbahnpolitik.

Scheitern der Die Fusion der beiden Eisenbahngesellschaften Gran Sur de Buenos

‚Fusion der Ajres und Oeste de Buenos Aires, über die wir im 6. Heft der „Mitteilungen“

Dr On berichtet hatten, wurde im allerletzten Augenblick von den beteiligten
Gesellschaften wieder rückgängig gemacht. Am 27. Juli 1912. war ‚das
Fusionsprojekt der argentinischen Regierung zur Genehmigung ’ vorgelegt
worden und hatte am 7, Dezember die Zustimmung des Senats gefunden.
In der am 31. März schließenden Tagung der Deputiertenkammer konnte
der Gesetzentwurf nicht mehr verabschiedet werden und kam in der im
Mai beginnenden neuen Session wieder zur Vorlage. Am 2. Juli 1913 er-
suchten die beteiligten Gesellschaften, noch eine Abänderung des Gesetz-
entwurfs‘ vornehmen zu dürfen, was ihnen gestattet wurde, und der Entwurf
ging infolgedessen wieder an die Kommission zurück. Diese hatte bereits
von neuem Bericht erstattet, da erklärten die Gesellschaften Mitte September
plötzlich, ihre Petition um die staatliche Genehmigung der Fusion gänzlich
zurückzuziehen.

Begründung, Die Begründung, die für. diesen außergewöhnlichen und überraschenden
Schritt von beiden Gesellschaften gleichlautend angegeben wurde, lautete
dahin, daß die ‚Vorfälle, die sich in den letzten Monaten ereignet, hätten,
und die einea absoluten Wechsel der Orientierung in der von der Regierung
während. mehr als 50 ‚Jahren verfolgten Eisenbahnpolitik anzeigten, die
finanzielle Zukunft der Gesellschaften. bedrohten durch Erregung von Be-
sorgnissen und infolgedessen Zurückhaltung in Kapitalistenkreisen.

Konkurrenz Der „Hauptgrund, für die, Maßnahme ‚der. Gesellschaften ist indem

HAI Babe Beschluß des Senats der Provinz Buenos Aires‘ zu erblicken, in Verbindung

i mit der Meridian-V-Bahn eine große Anzahl von Zweiglinien auszubauen
bis zu einem, Netz von 4300 ‚km Gesamtlänge, von. dem. bisher 552 fertig-
gestellt. sind... Zur Ausführung wurden. zunächst folgende Linien vor-
geschlagen: von. Saladillo. über: Alvear, Tapalque, La. Madrid nach Bahia
Blanca,mit einer Zweiglinie. nach ‚Olavarria, Sierra .Chica. und den Stein-
brüchen, der, Sierra Baya (Länge ca. 450 km), von La Plata nach Avellaneda
mit Abzweigungen nach dem, Zentral-Produktenmarkt und dem allgemeinen
Viehmarkt; von, Kilometer 460 nach Meridian.V; von Olavarria über Tandil
und Balcarce, nach, Mar del Plata mit einer Zweiglinie von Tandil nach
Necochea; von Brandsen über General Paz, Pila und La Barden nach Mar
del Plata mit einer Zweiglinie nach Ayacucho: von einem Punkt: zwischen
Brandsen und Monte auf der Hauptlinie nach einem Punkte der Olavarria-
Mar’ del ‚Plata-Linie; von.,Bahia Blanca nach. Azul, bei Monte von der
Hauptlinie abgehend; von Saladillo nach Adolfo Alsina; von Bahia-Blanca
nach Meridian V mit einer Zweiglinie nach Pehuajo; ferner einige Zweig-
linien an der Bahn von Pringles nach Tres Arroyos. Die Baukosten dieser
geplanten Linien wurden auf ca. 125 Millionen Pesos Gold geschätzt und
als Bauzeit 10 Jahre in Aussicht genommen. Zunächst ist beabsichtigt, eine

3092
        <pb n="318" />
        Anleihe von 17 Millionen Pesos Gold aufzunehimen, worüber Verhandlungen
mit, verschiedenen Syndikaten schweben.

Der Zweck des Projektes war offensichtlich der, einer. drohenden Mono-
polisierung des Eisenbahnverkehrs in der Provinz Buenos Aires entgegen-
zutreten, die, mit dem Abschluß der. Fusion. der. beiden-großen  Bahn-
gesellschaften feste, Formen angenommen hätte. In‘ dem Fusionsprojekt
war nun den Gesellschaften zur Bedingung gemacht worden, ebenfalls ein
Netz von Zweigbahnen in einer Gesamtlänge von 1500'km auszubauen, und
zwar nach den Wünschen der Zentralregierung. Es war mithin zu erwarten,
daß die Provinzialregierung gegen sehr viele der auf diese Weise zur Aus-
führung bestimmten Linien protestieren würde mit der Begründung, daß sie
die Einflußzonen’der in dem Provinzialprojekt vorgesehenen Linien berührten,
und die Austragung ‚des so geschaffenen‘. Kompetenzkonflikts zwischen
nationaler und. provinzialer Gewalt würde die Ausführung vieler wichtiger
Bahnen um, Jahre hinaus verzögert haben. ‚In der Hauptsache aber wurde
dadurch ‚der durch ‚die‘ Fusion bedingte‘ Ausbau‘ der Verbindungslinien
zwischen den‘ Systemen der Süd- und Westbahn hintangehalten, die not-
wendig waren, um das Gebiet. der fusionierten Gesellschaft in seiner vollen
Ausdehnung zu bedienen. Die Fusion hatte damit den größeren Teil ihres
Zwecks eingebüßt und lohnte nicht mehr, ausgeführt zu werden.

Der Entschluß der beiden Gesellschaften war außerdem durch das in Pensionsge-
Vorbereitung befindliche Gesetz, betreffend die Pensionierung der Eisenbahn- BEA Un
beamten, stark beeinflußt worden. Bisher waren die Gesellschaften unter
dem Mitre-Gesetz. von National-, Provinzial- und Munizipalabgaben‘ aller
Art bis zum Ende des Jahres 1946 befreit und hatten vom Reingewinn
nur 3%, abzugeben, die für den Ausbau der Zufahrtswege zu den betreffenden
Bahnlinien verwendet wurden. Die Südbahn hatte zu diesem Zwecke im
Geschäftsjahr 1912/13 78290 £ ausgegeben. Nun sollten nach dem Beschluß
der Deputiertenkammer die Mittel der Pensionskasse seitens der Angestellten
durch eine Abgabe von 5°%/, vom. Gehalt und seitens der Gesellschaften durch
einen Zuschuß in gleicher Höhe aufgebracht werden, soweit letztere auf ihr
Kapital mindestens 4%/, Zinsen zahlten. Außerdem sollte noch der Ertrag einer
Billettsteuer der Pensionskasse zufließen. Im Senat wurde der von den Ange-
stellten und Gesellschaften zu zahlende Beitrag auf 3%, der gezahlten Gehälter
herabgesetzt und an Stelle der Billetsteuer ein Aufschlag von 3%, auf die be-
stehenden Tarife des Güter- und Paketverkehrs gesetzt. Es ist begreiflich, daß
die hierdurch bedingte Erhöhung der Verwaltungskosten gerade im Augenblick
der. beabsichtigten Fusionieruug den Gesellschaften höchst ungelegen kam.

Die vom Pensionsgesetz verursachte Belastung bedeutete außerdem Prinzip der
eine Durchbrechung des im Gesetz Mitre aufgestellten Prinzips der Abgaben- NE IE Ley
freiheit, die den Gesellschaften die sicheren Grundlagen für eine von der Mitre.
Steuergesetzgebung des Landes in keiner Weise zu behindernde ruhige
Entwicklung gewährleisten, sollte. Die Südbahngesellschaft besaß außerdem
noch eine besondere Garantie für ihre Abgabenfreiheit, über die der Vorsitzende

23023
        <pb n="319" />
        des Verwaltungsrates in der letzten Generalversammlung interessante Mit-
teilungen machte. Hiernach hatte die Südbahn Mitte der neunziger Jahre den

Neuquenbahn.Bau_ der Bahn von Bahia Blanca nach Neuquen, welche die Regierung
damals zu strategischen Zwecken dringend benötigte, unter den folgenden
drei Bedingungen übernommen: 1. die vollkommene Abgabenfreiheit, die
der Gesellschaft gemäß ihrer ursprünglichen Konzession zustand und die
im Jahre 1902 abgelaufen wäre, wurde für 50 Jahre neu gewährt; 2. wurde
die Gesellschaft ermächtigt, ihre damals bestehenden Tarife widerspruchslos
solange in Geltung zu erhalten, als der Reingewinn auf das gesamte
Kapital einschließlich Schuldverschreibungen nicht 10%, überstieg; 3. wurde
der Gesellschaft für die_ Linie von der Regierung eine Subvention von
100000 :£, zahlbar in zehn Raten, zugesprochen, die auch pünktlich zur
Auszahlung gelangte. Die entstehenden Kosten wurden fast gänzlich aus
der Subvention bestritten, und die Linie steht im Begriff, dank der in jener
Zone im Bau befindlichen Bewässerungsarbeiten, deren Kosten die Regierung
allein trägt, einer der einträglichsten Zweige des Südbahn-Systems zu werden.
Im Jahre 1908 beschloß die Südbahn die Verlängerung der Neuquen-Linie
bis zur chilenischen Grenze und erhielt dafür eine Anzahl wertvoller Linien
in der Provinz Buenos Aires bewilligt. Trotzdem seither bereits fünf Jahre
verflossen sind, wurden von dieser Linie nur die ersten 116 englischen Meilen
von Neuquen nach Zapala gebaut, die nunmehr dem Verkehr übergeben
wurden. Die restlichen 73 englischen Meilen bis zur chilenischen Grenze
müssen bis 1919 fertiggestellt werden, und wenn die chilenische Staatsbahn
bis dahin den Bau einer Anschlußbahn auf chilenischer. Seite nicht in
Angriff genommen hat, dürfte es der Gesellschaft nicht schwer fallen, von
der argentinischen Regierung einen entsprechenden Aufschub für die Fertig-
stellung: zu erlangen. Die Neuquen-Zapala-Linie findet bereits lebhafte
Benutzung ‘für den Transport von Vieh nach der Provinz Buenos Aires,
das dort fett gemacht wird. Auch die projektierten Linien der Südbahn im
Rio Negro-Gebiet sind sehr aussichtsreich. Die von Darwin nach Conesa
wird im Zusammenhang mit umfangreichen Bewässerungsarbeiten in Angriff
genommen werden und die andere von Rio Colorado nach San Antonio
gehende‘ soll nach Fertigstellung der von San Antonio westwärts führenden
Regierungslinie in Verbindung mit der Neuquen-Bahn den Anschluß dieses
reichen Gebietes an Bahia Blanca vermitteln.

Kapitalser- Die Südbahn hat inzwischen won der im Juli ds. Js. bewilligten

höhungen.‘ xapitalserhöhung um: 5 Millionen: £/ einen verhältnismäßig sparsamen
Gebrauch gemacht. Ebenso hat die Westbahn Anfang Oktober ihr Kapital
um 2 Millionen £ von 24 auf 26 Millionen erhöht, und die Argentinische
Centralbahn folgte Mitte Oktober diesem Beispiel durch Schaffung neuer
Kapitalkraft in Höhe von 3 Millionen £, ohne daß jedoch beide Gesell-
schaften über den Zeitpunkt der Emission bisher etwas beschlossen. Die
dritte der großen argentinischen Bahngesellschaften, die Pacificbahn be-
hauptet, vorläufig kein frisches Kapital zu benötigen.

304
        <pb n="320" />
        Trotzdem die Dividenden der führenden argentinischen Bahnen sich Dividenden,
auf” der Höhe des Vorjahres‘ hielten und die Pacificbahn sogar 1%, mehr
als im Vorjahre zahlte, stehen die Kurse ‚der Shares bedeutend niedriger
als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, und die effektive Verzinsung,
welche die Anlagewerte gegenwärtig bieten, ist dementsprechend höher.

Dividende Kurs Anfang Novbr. Gegenwärtige

1912 1913 Verzinsung
Buenos Aires;al Pacifico:.. Zune 13% 8712 731% 41/4
Gran: Sur;de ‚Buenos Aires „7% 1251, 116 61,
Oeste,; de, Buenos ‚Aires... 7% 125. 116 61,
Central-Argentino. . 6% 109 1041/, 5.95

Die Entwicklung des Verkehrs auf der Pacificbahn wird. nach den. Pacificbahn.
Ausführungen des Vorsitzenden in: der Generalversammlung vom 4. November
dadurch gefährdet, daß auf dem chilenischen Teile der Strecke so gut wie
nichts geschieht, um den im Winter durch Schneefälle usw. eintretenden Ver-
kehrsstockungen entgegenzuarbeiten. Die auf argentinischer Seite unter er-
heblichem Kostenaufwand angelegten Vorrichtungen, die auch bei stärkstem
Schneefall. eine Sperrung der Strecke auf länger als höchstens ein bis zwei
Tage unmöglich | machen, sind ‚vorläufig nutzlos, ‘da auf der chilenischen
Seite die entsprechenden Anlagen fehlen.

Auffallend ist es, daß ebenso wie die Süd- und Westbahnen sich auch
die Pacificbahn ‚über eine Konkurrenz seitens der Regierung beklagt.“ Die
Ferrocarril Central Norte, eine, Staatsbahn, macht nämlich in Verbindung
mit der Central Cördoba entschiedene Anstrengungen, um: den: Transport
von Früchten und Wein von San Juan nach Buenos Aires über ihre eigene
längere Strecke zu leiten, durch Einrichtung eines schnellen Beförderungs-
dienstes zu niedrigeren Raten. als der übliche Tarif. Außerdem ermächtigte
der Kongreß die Regierung, die Staatsbahnlinie von Santa Fe nach San
Juan bis Mendoza auszubauen, was ein gänz direkter Wettbewerb mit der
bestehenden von der Pacificbahn betriebenen Linie zwischen San Juan und
Mendoza sein würde. Dabei kann ‚die Linie noch bedeutend mehr: befördern
als sie gegenwärtig leistet. Auch über die durch das Beamtenpensionsgesetz
geschaffene Auflage klagt die Verwaltung der  Pacificbahn, denn ‘sie
berechnet die ihr daraus erwachsende jährliche Mehrausgabe auf 38000 £,
d.h. auf fast 1/,%, des Aktienkapitals.

‚Trotzdem die „englischen Gesellschaften hiernach Grund hatten, über Zukunftsaus-
die argentinische Regierung: ungehalten zu sein, wurde weder in der sichten.
englischen : Presse noch auf den: Generalversammlungen ein scharfes Wort
gegen das Land laut. Vielmehr sucht man sich in Ausführungen, die den
Argentinern wie den Zukunftsaussichten der Aktionäre in gleicher Weise ge-
fallen müssen, zu überbieten. So sagte z. B. der Vorsitzende der Pacificbahn
auf der letzten Generalversammlung: „Argentinien ist heute bereits ein sehr
reiches Land, aber die Möglichkeiten dort neue Werte zu schaffen, sind so groß,
daß es noch bedeutend an Reichtum zunehmen wird. In wirtschaftlicher Hinsicht

305
        <pb n="321" />
        ist die Zukun(t Argentiniens gesichert; was die politische Zukunft des Landes
angeht, so kann man von den sich hier bietenden Möglichkeiten eine. noch
größere. Meinung haben als der Argentiner selbst. Die Vereinigten Staaten
haben ganz unzweifelhaft die Tendenz, auf die spanisch-amerikanischen
Republiken einen Druck auszuüben, der sie einmal zu einer Vereinigung
zusammenführen. wird, gerade wie die englischen Kolonien in Australien
durch das Anwachsen der japanischen Macht im Stillen Ozean zu einem
Bündnis gedrängt wurden. Die Führung eines südamerikanischen Staaten-
bundes wird zweifellos Argentinien zufallen, das eine in vieler Hinsicht
ähnliche Stellung einnimmt, wie die Vereinigten Staaten in Nordamerika.
Vielleicht wird Argentinien einmal das bedeutendste aller Länder romanischer
Zunge werden.“
Privat- und Die: Politik der Regierung gegenüber den Eisenbahngesellschaften gab
Staatsbahnen, Veranlassung zu einer Interpellation im argentinischen Kongreß. Der
Minister der öffentlichen Arbeiten übte bei dieser Gelegenheit eine ziemlich
scharfe. Kritik an: dem Vorgehen der Süd- und Westbahn und gab die
Versicherung, daß die Regierung stets bestrebt sein werde, dem fremden
Kapital’ in der Republik die notwendige Bewegungsfreiheit zu garantieren.
Daher sei die weitere Entwicklung der Privatbahnen in der Republik voll-
kommen gesichert, wenn es ihnen auch bei der gegenwärtigen Finanzlage
nicht leicht fallen möge, europäisches Kapital zu annehmbaren Bedingungen
zu erhalten.‘ Ein-Anlaß zu einem Einschreiten der Regierung in die Politik
der Gesellschaften würde sich nur dann ergeben, wenn sich Beweise für
das Vorhandensein einer ungesetzlichen Fusion fänden.
Einheitliche Die Möglichkeit, europäisches Kapital für neue Eisenbahnunternehmungen
NM in Argentinien: zu interessieren, wird nach den Vorgängen in der Provinz
Dee on Buenos Aires dadurch. erschwert werden, daß die Eisenbahnpolitik der
zessionen./ Republik infolge des gleichzeitigen Einflusses zweier Regierungsgewalten,
der National- und. Provinzialregierung, nicht nach einheitlichen Gesichts-
punkten geleitet werden kann. Um nutzbringend arbeiten zu können, muß
eine Eisenbahnlinie in ihrer Region im gewissen Sinne ein Monopol besitzen;
den möglichen Auswüchsen einer derartigen Stellung ist in Argentinien durch
das Gesetz Mitre hinreichend vorgebeugt. Wenn aber die Provinzialregierung
einer privaten Linie, die sich normalerweise mit 5! °% , wverzinst, durch den
Bau eigener Strecken Konkurrenz macht, kann das nur zum Schaden beider
Teile ausschlagen, wie das Beispiel der Meridiano-V-Bahn zeigt, die im
laufenden Jahre bereits ‚ein Defizit von über 300 000 $ aufweist. Außerdem
pflegen Staatswesen immer teurer zu bauen als private Gesellschaften, wofür
die genannte Bahn ebenfalls ein Beispiel ist, denn ihr Kostenvoranschlag
von 12 Millionen Pesos wurde um mehr als 50° überschritten. Die Schaffung
eines einheitlichen Prinzips in der argentinischen Eisenbahnpolitik erscheint
daher eine dringende Notwendigkeit, wofür übrigens bei der Nationalregierung
volles Verständnis’ vorhanden ist, denn es werden Schritte erwogen, die
eine Ausführung des Vorhabens der Provinzialregierung von Buenos Aires

206
        <pb n="322" />
        verhindern sollen. Wahrscheinlich wird in absehbarer Zeit dem Kongreß
ein Gesetzentwurf vorgelegt werden, in dem die Einflußzone der bestehenden
Eisenbahnlinien genau festgelegt wird, damit ihnen weder nationale noch
provinziale neue Konzessionen eine für beide Teile schädliche Konkurrenz
machen können.

Der Bau der argentinischen Staatsbahnen wird inzwischen nach Maß- Bau der Staats-
gabe der vorhandenen Fonds fortgesetzt; die im Etat für 1913 eingesetzten bahnen.
Mittel waren für diesen Zweck ungenügend, wovon man schon bei ihrer Be-
willigung überzeugt war, und reichten nur bis Anfang September, so daß
ein Nachtragskredit im Betrage von 1042443 $ gefordert werden mußte.
den der Senat am 28. September bewilligte.

Der Fährdienst zwischen Posadas und Encarnaciön, das letzte Glied in Eröffnung des
der direkten Bahnverbindung zwischen Buenos Aires und Asunciön, wurde HE
am 17. Oktober dem Verkehr übergeben. Die direkten Züge laufen über u...
die Linien der Entre Rios-, Norteste Argentino- und Paraguay-Zentralbahn Asunciön.
auf einer Gesamtstrecke von 934 englischen Meilen.

Der Fortschritt Argentiniens.

Die wirtschaftliche Entwicklung Argentiniens in den letzten Jahrzehnten Natürliche und
hat sich ‘ mit einer Schnelligkeit vollzogen, die kaum übertroffen werden POL NSCheDT
kann. Nur Kanada kann daneben zum Vergleich herangezogen werden, 5 ;
doch übertrifft der südamerikanische den nordamerikanischen Staat an wirt-
schaftlichen Möglichkeiten. Vielfach waren die südamerikanischen Repu-
bliken in der Entfaltung ihrer natürlichen Kräfte durch‘Kriege nach außen
oder innerpolitische Streitigkeiten behindert, und dies beschränkte die Menge
des dort investierten europäischen Kapitals und erschwerte die Bedingungen,
unter denen es ihnen zufloß. Aus diesen Verhältnissen befreite sich ‘als
eine der ersten die argentinische Republik; die Schwankungen in der inneren
Leitung des Landes machten sich immer weniger fühlbar, und man kann
heute mit Sicherheit annehmen, daß das Land über die politischen Kinder-
krankheiten hinaus ist, an denen die "kleineren südamerikanischen Staaten
noch fortwährend leiden. Die Beziehungen zu den Nachbarländern haben
sich immer besser gestaltet, und für die Möglichkeit eines Krieges, mit der
in früheren Zeiten ständig gerechnet werden mußte, fehlt nunmehr jede
Grundlage. Sehr viel dazu beigetragen hat die Entwicklung der Verkehrs-
wege im Lande selbst und der Ausbau der Verbindungen mit Europa und
Nordamerika, so daß Argentinien heute Brasilien bezüglich des Wertes
seines Gesamthandels um über 20%, voraus ist, während im Jahre 1897
der Wert des argentinischen Gesamthandels im gleichen Verhältnis hinter
dem des brasilianischen zurückgeblieben war. Diese Tatsache ist um so
bemerkenswerter. als auch der brasilianische Handel sich eines raschen Auf-

307
        <pb n="323" />
        blühens rühmen kann und die Bevölkerung jenes Landes mehr als das Drei-
fache der argentinischen ausmacht. Trotz des starken Zuflusses von Kapital
konnte die ‚Ausfuhr der Republik mit der Einfuhr beständig Schritt halten,
so daß sich in. den letzten zehn Jahren. ein. Überschuß: in der Handels-
bilanz zugunsten der Ausfuhr von über 2,3 Milliarden Mark ergab. Die
Entwicklung der wirtschaftlichen Kräfte Argentiniens wurde begünstigt
durch den Umstand, daß ‚die Vereinigten Staaten infolge des beständig
anwachsenden Eigenverbrauchs ihre. Ausfuhr von Nahrungsmitteln, ins-
besondere in Vieh und Fleisch, allmählich einschränken mußten, und
gerade für diese Produktion ‚stellt Argentinien im Verein mit dem be-
nachbarten Uruguay und Paraguay ein hervorragend geeignetes Gebiet dar.
Größer ‚als die Bedeutung der Viehzucht ist für Argentinien jedoch die des
Ackerbaus. Wenn auch aus klimatischen und anderen Gründen die Ernte-
ergebnisse der wichtigsten Getreidearten von Jahr zu Jahr schwanken, so
kommt es doch nur selten vor, daß eine schlechte Ernte in einer Getreide-
art nicht durch eine gute in der anderen in ihrer üblen Wirkung aufgehoben
wird. Daher hat mit Ausnahme des außergewöhnlich schlechten Jahres
1911 die Ausfuhr der Ackerbauprodukte in Argentinien beständig zuge-
nommen, und während der letzten sieben Jahre hat sich die angebaute
Bodenfläche mehr als verdoppelt. In der Reihe der für Deutschland
wichtigsten Bestimmungsländer der Ausfuhr ‚steht Argentinien an elfter und
in. der Reihe der. Herkunftsländer der Einfuhr sogar an siebenter Stelle und
es bestehen begründete Aussichten, daß die Bedeutung Argentiniens für den
deutschen Außenhandel in Zukunft eine immer größere werden wird.

Einige Zahlen über diese‘ Entwicklung und die heutige Bedeutung der
Republik für die Weltwirtschaft gibt eine im‘ argentinischen Ministerium für
Ackerbau, Handel und Gewerbe zusammengestellte Übersicht, der wir das.
Folgende entnehmen:

Handel. In den letzten zehn Jahren beirug‘ die Zunahme des argentinischen
Handels 145%,.'' Der Wert der Ein- und Ausfuhr des Jahres 1912 erzielte
in Pesos Gold 865 244 725, rechnet man aber die Ein- und Ausfuhr des.
geprägten Goldes und Silbers hinzu, so ergibt sich eine Gesamtsumme von
901 908153. $ Gold ‚oder nach deutscher Währung 3 607 632 612 Mark”).
Da die Bevölkerung Argentiniens dach den letzten statistischen Angaben
auf 7467 878 Einwohner berechnet worden ist, So fallen auf den Kopf der
Bevölkeiung 121 $ Gold oder 484 Mark; ein Verhältnis, welches kein Staat
in Amerika und nur sieben in Europa erreicht haben. Die Zunahme des
argentinischen Aussenhandels war in den letzten zehn Jahren höher als in
allen vorhergehenden zehnjährigen Zeitabschnitten und überragt sogar die
der blühendsten Staaten, wie aus folgenden Aufzeichnungen ersichtlich. Hier-
nach hat der Wert des internationalen Handels in den nachfolgenden Ländern
während der letzten zehn Jahre die folgenden Zunahmen aufgewiesen:

*) 1 Peso Gold = 4 Mark.

308
        <pb n="324" />
        41. Argentinien FOLZEH LH $ Guld 865 244 725
1903250 352191124
Zunahme $ Gold 513053601 - 115%
2. Chlla IHR $ a 18d 717 682.728
1903 . . 336 750 241
Zunahme . a 184 380 932 487 = 113%.
3. Kanada IN Dollar 841 002 814
1903 1. LO 467 064 685
Zunahme *. Dollar 3730938.129 =. 80%
4:-Deutschland WE n Mark 19.704.298 000
2908 10 963 103 000
Zunahme . Mark 8741195000 = 80%
5. Italien 1912 4 Lire 6.067 631 427
LOS nt 3.464 192 096
Zunahme. Lire 2603439331 = 72%
+. Brasilien 19121GP 3.7929 7 Milreis Papier 2.070 327 540
1908ER 1.229121°222
Zunahme . Milreis Papier 841206318 - 68%
7. Frankreich 1912 a Francs 14 703 897 600
19038, 8.818 800 000
Zunahme. '« Francs 5.885.097 600 Ce,
8. Uruguay 1912 = +. . 8 Orientales ‘ 100867019
1903 ann 0 62 473.368
Zunahme . ‚-Orientales 38393 651 61%
9, Nordamerika KOYEL Dollar 3 857 587 343
19032 2 445 860 916
Zunahme .. Dollar 1411 726 427 57%,
10. Grossbritannien 1912.05 : 1.344 168 421
1908 ar 902 973,961
Zunahme ‚ &amp; 441 194 460 48 9,
11. Österreich-Ungarn 1912". + + Kronen 6 149 082 728
190819. u 4 172 850 000
Zunahme Kronen 1976232728 = 48°
Die Entwicklung des argentinischen Handels während der letzten fünfzig
Jahre ist aus nachstehender Tabelle zu ersehen; es betrug
0 von 1864 bis 1872 die Ein- und Ausfuhr in $ Gold 644 646 430
1873 —— 1882 1 017 409 000
1883 1892 ; 1 947 425 721
1893 „1902 | 2 403 692 366
v5 1912 5096 176 641

LE
70,
N
209
        <pb n="325" />
        Wie man. sieht, ist die Zunahme des Handels während des letzten
Jahrzehnts nicht nur größer im Werte des. Gesamthandels, was nebenbei
bemerkt sehr natürlich in einem Lande wie Argentinien ist, sondern auch
im Koeffizienten seiner Zunahme im Vergleich mit den vorhergehenden
zehnjährigen Zeitabschnitten.
Zoll- Die Zolleinnahmen der Republik folgen naturgemäß der Entwicklung
einnahmen. ;pres Handels, wie die nachstehenden Zahlen beweisen:
1903 1912
Einfuhrzölle 21... er. $ Gold 37191857 82 887 629
Ausfahrzölle:... 5. . N 2.551 062 1 962
Hafen, Niederlagen etc. Zölle _ „ 3600 710 10166198 __
$ Gold 43343629 93055 789
Folglich haben die Zölle im letzten Jahrzehnt um 49712 160.— Pesos
Gold oder 115% zugenommen, wenn auch die Ausfuhrzölle, mit einem
ungefähren. jährlichen Erträgnisse von 2'/ Millionen Pesos Gold, seit dem
Jahre 1906‘ aufgehoben sind. Der Innenhandel ist ebenfalls bedeutend, wie
aus. dem Scheckverkehr (Clearing) zu ersehen ist. Dieser betrug für die
Stadt Buenos Aires im Jahre 1903. Pesos Papier 1 764 996 929, während
im Jahre 1912 ‚der Umsatz Pesos Papier 6 223 569912 erreichte, was einer
Zunahme von Pesos Papier 4458 572082 oder 252 % in 10 Jahren gleich-
kommt.
Kapital- Die englische Statistik beweist die Anziehung, welche Argentinien der
Anlagen, Anlage fremden Kapitals bietet. Argentinien figuriert an zweiter Stelle
unter den. Ländern, welche im Jahre 1912 Anleihen in England aufnahmen,
und an dritter,“ wenn die, britischen . Besitzungen eingerechnet werden.
Demnach gingen nach Kanada .£° 46 983 000, nach Nordamerika £ 23 634 700
und nach Argentinien £’ 20 110 200.
Anteil an der An der-Gesamtausfuhr Großbritanniens nach Südamerika ist Argentinien
im Jahre 1912 mit 42,8% beteiligt. Der Anteil an der Gesamtausfuhr der
Ausfuhr nach Vereinigten. Staaten nach Südamerika geht aus folgender Übersicht hervor:
Südamerika. Gesamtsumme Anteil % der
Dollars Argentiniens Ges mtsumme
Ackerbaumaschinen. und Geräte . . 8683669 6970575 = 78,6 %
Fracht- und Personenwagen usw.. . 7146505 3861941 =54,0 %
Droguen, Chemikalien und Farbwarem 3463109 1220856 = 35,2 %
Eisen, Stahl und. seine Manufakturen 38 585 S08' 13 790328 = 35,7 %
Leder undiseine‘ Manufakturen . .. 4475963 !1888771=42,2%
Schiffsbedarfs-Artikel-.“ 1. - 2. 3269063101 289 623 = 39,1%
Öle: vegetabilische-und mineralische 13441133 _ 4921677 = 36,6 %
Papier und seine Manufakturen . . .2029513 1062397 =52,3 %
Bindfaden, für. Mähmaschinen . ‚... 17798614 . 1.743.655 = 92,0 %
Holz und ‚seine Manufakturen . „14783685 9540546 = 645%
97.677.062 „.46:290 369 = 47,4 %
Andere Waren von gering. Bedeutung: 34 633.389 6,867 810. = 20,0 %
Gesamtausfuhr:1912 nach Südamerika 132 310451 53:158 179 = 40,2 %

31.0
        <pb n="326" />
        Die überragende Bedeutung Argentiniens im südamerikanischen Absatz- Anteil an
gebiet des deutschen Handels ist aus folgender Zusammenstellung ersichtlich ; Ger Deutechen
dem Werte nach wurden im Jahre 1912 ausgeführt: Südamerika.

Mark

Nach Argentinien 239 410 000
Brasilien .. m 192 831 000
Uruguay br 38 492 000
Ecuador 6.161 000

Paraguay . 203100011239 515.000
Chile... . 112 003.000
Peru ut 15 609 000
Kolumbien 14 744 000
Bolivien‘ ._® 12 302.000

„Venezuela 10296 000 164954 000

Gesamtwert der Ausfuhr nach Südamerika . M. 643 879.000

An. der. Ausfuhr nach Südamerika war Argentinien also mit 37,2 %
beteiligt.

Nach. dem Werte. des Gesamthandels steht Argentinien unter. allen Stellung
amerikanischen Staaten an zweiter Stelle: Argentiniens

1. Nordamerika = 1911/12 $ Gold 3.996 460 457 Am
2. Argentinien 8 1912 N 565 244 725 schen Handel,
3. ‚Kanada O8 1911/12 SR 841 002 814
4. Brasilien; „2 a. 1912 ES 695 630 053
5. Chile. A F 1912 N 271.284 071
6. Kuba A . 1911 S 244 913 897
7. Mexiko 11 1912 214 382364
8. Uruguay . # —_- 1912 ) 108 129 445
7. Britisch-Westindien .. 1911/12 106 658 238
10.-Portoriko.. .“. YA 1912 S 95 966 633
j1. Peru 7 N 1911 + 69518 811
12. Bolivien... SB 1917 56.852.233
Die Stellung Argentiniens unter den Handelsnationen ist die folgende: im Welt-
$ Gold - $ Gold handel.
Wert des Handels Millionen Bevölkerung Der Kopf
1. Großbritannien 26 x 1912 6.7746 11. Niederlande £4% 7 6022.452.4420,—
2. Deutschland „a5 11912. ;- 47375 | 2. Belgien 1... 71749041 217,—
3. Frankreich... , 1912 ;.2940,8 3. Neu-Seeland :..',. 1.038004, 187,—
4, Niederlande . - 1911 2 529,4 4. Schweiz ..... 23.781430 177,—
5. Belgien‘. +. 1912 1 624,1 5. Australien... 4568707 161,—
6. Ostindien ........_., 1911/12. 1517,6 6. Großbritannien... 45652 741 148.—
7. Österreich - Ungarn 1912 1 291,3 7. Dänemark il 2775076 133,—
8. Rußland; „3.1 ;‚- 1910 1.245,5 8. Argentinien ,.. 7467878 116,—
9; Hallen ac 1912 1 200,1 9, Norwegen :.,1;: 2.437646; 94;—
10. Argentinien ... 1912 865,2 10. Frankreich ,, 39601509  74,—
11. Australien - - 1911/12 738,1 11. Deutschland . 64925993 73—
a2. Schweiz. 1912 667,3 12. Schweden . . 5604192 72.—

311
        <pb n="327" />
        Angebaute Verhältnismäßig viel rascher als die Bevölkerung hat sich die ange-
Bodenfläche. baute Bodenfläche vergrößert „und ‚dementsprechend konnten von Jahr zu
E Jahr größere Mengen von: Bodenerzeugnissen ausgeführt werden. Die an-
gebaute Bodenfläche betrug in Hektar:
77 Weizen Leinsaat Mais Alfalfa Andere Kulturen Summe
1897 2600 000 350 000* 1000 000 .: 900.000. 522 000 "5.372 000
1902 12:695943° 4307196: 1801:644* 1730 163.580 270 =“ "9 114 616
1907. 5759927441°391 467“ 2719 26023 612 000 1 129 078” "14612 792
1912“ 6 918 450. 1.733.330: 3 830 000.5 955 000° 4'550 946-"22’'987 726
Bedeutung des . Die Wichtigkeit Argentiniens als fleischproduzierendes Land zeigt
Vieh- folgende Aufzählung des Viehbestandes in den Hauptländern:
bestandes. RE
1. Brit. Indien — Hornvieh 93 946 149
Büffel 25 433 144 1910 119379 293
2 Nordamerika 5 KA3 56 527 000
3. Rußland in Europa a 32 241 000
%. Argentinien .. ; 29 116 625
; Deutschland . 20.158738
5. „Frankreich... 14 552 430
7. Großbritannien 11 869 000
8. Australen AS 11819 000
9. Österreich . . 1910 9.159 808
10. UTuguay 1908 8192 602
11. Kanada 1912 6953 700
Ausfuhr von Im. vergangenen Jahrzehnt, hat die Versendung von gefrorenem und
Rindfleisch. vekühltem Rindfleisch sich in Argentinien im Vergleich mit den übrigen
Ausfuhrländern ganz enorm entwickelt:
Argentinien Nordamerika Australien Neuseeland Kanada
t Ai 1 ‘ t
1903 85 520 115.525 27737 14 296 1.078
1904 97 744 135.829 17817 9241 1343
1905 152:857 107:223 19 695 8 084 604
1906 153 809 121536 18 844 7 878 1 309
1907 138.222 127701 23 560 16298 660
1908 180814 91 203 18 457 17 991 1022
1909 210657 55 746 32 251 18 969 712
1910 253 708 34 336 49 461 24 331 596
1911 312 834 19214 49172 29 002 440
1912 342 851_ 7.229 10.700 428
1929016 815542 256994 156.790 8192
Schließlich seien aus der Einfuhr Agentiniens im Jahre 1912 noch
einige Artikel angeführt, die in einem höheren Werte als 2 Millionen Pesos
importiert wurden und die zu einem größeren Teil aus Deutschland
kamen:

319
        <pb n="328" />
        Deutschland. "371% Anteil
En Großbritannien . 30,0 Deutschlands
. Hyachiedene) ea sa9 Nordamerika . 16,2 N nr N Kbiincr
Maschinen (verschiedene) 5 985 Frankreich r 6.4 A Arikele
Belgien“... 4,2
Yahen 3 28 %,7 %
Belgien... 420%
N re Deutschland. 39,6
Eisen in Stäben und Platten . 6516 677 Großbritannien 10.4
Nordamerika ‘. 6,5 985%
Großbritannien . 59,9%, ;
Deutschland. 17,4
Wollstoffe (reine) 6173 821 Frankreich . „14,9
Belgien 37
Italien” A 0%
Frankreich‘. 436%
Deutschland“. 15,9
Automobile. . 5 346 149 Tthalien” 7 OO
Nordamerika . 10,5
Belgien. 83,4 890%
Großbritannien . 43,7%
ab Deutschland. 26,4
Schienen D-272.060 Nordamerika . 145
Belgien uk 3 99:1. %
Nordamerika. 141470,6.%
ne Deutschland. 124
Baumwollenstoffe (gedruckte) 3.827 393 alien‘. La
Spanien. u 98 %
Deutschland ... 56,3 %
_ Belgien. —. „A -22,5
Eiserne Stangen und Säulen . 3'395-198 Frankreich . . 15,1
Nordamerika . 3,0 96,9%
Großbritannien . 72,1%
Deutschlandum 15,7,
Wollengewebe mit anderen Fasern 2.900 677 Frankreich 4.7
alien ST 97,2%
Großbritannien . 42,0%
. Belgien‘. 27,8
Eisen (bearbeitet) 2852818 yentsehland "487
Nordamerika . 11,6 9%; 1%
Nordamerika . 40,5%,
Großbritannien . 23,4
8 Deutschland. 23,2
Maschinenersatzteile „ 2.764 317 Schweden ol 30123
Frankreich‘. + 2,2
Belgien... = u uld8 93,1 %

312
        <pb n="329" />
        [&gt; ! Deutschland. 40,2°
Sn Großbritannien . 40,1 S
Draht und Kabel für ‚elektrische Hallen? A og 4
Leitungen. . „2707 591 Belgien“... 4,7
Nordamerika . 1,5 96,6 oo
| Frankreich .. 54,9%
Deutschland. 18,3
Seidenstoffe EN Be
Großbritannien . ABS 94,7 %
| Großbritannien . 84,4 %
Lokomotiven 2 268 045 Deutschland. 13,4
Belgien... + 2274100 %
Deutschland. (51,0%
Fa Nordamerika  . 31,7
Eisendraht (galvanisiert) 2.088 847 Großbritannien”. 12,3
Belgien... 45 99,5%
Schiffahrt.

Mihanovich. Das ‚allgemeine Autblühen des Handels und die günstige Lage des
Frächtenmarktes brachten den meisten Schiffahrtsunternehmungen gute Ge-
winne. Dies kann auch der kürzlich erschienene Jahresbericht der Compania
Argentina de Navegaciön (Nicolas Mihanovich) feststellen. Die Gesellschaft
ist das größte Reedereiunternehmen der Republik und beherrscht die Küsten-
und Flußschiffahrt nicht nur des eigenen Landes, sondern auch der an-
grenzenden‘ Republiken Uruguay und Paraguay. Ihr Gründer gehört zu den
wohlbabendsten Männern Argentiniens, und auch seitdem sie im Jahre 1909 in
die Hände einer englischen Gesellschaft übergegangen ist, hat das Unter-
nehmen immer gute Gewinne abgeworfen; seit dem Jahre 1911 konnten
stets auf die Vorzugsaktien 10%, und auf die gewöhnlichen Aktien 9%,
verteilt werden. Für Schiffsbauten gab die Gesellschaft in der verflossenen
Verwaltungsperiode 187 400 £ aus, so daß sich nunmehr der Gesamtwert
ihrer Flotte auf 2313 000 ,£ beläuft. Neuerdings hat die Gesellschaft ihren
Wirkungskreis wieder ausgedehnt, indem sie ihre Dampfer nunmehr über
Asunciön hinaus bis Corumbä (Matto Grosso) laufen läßt.

Neue deutsche Erfreulicherweise hat, die. deutsche Schiffahrt am La Plata einen neuen

Linien. Fortschritt zu verzeichnen, .da die Hamburg-Südamerikanische Dampfschiff-
fahrtsgesellschaft nunmehr ‚auch den Dienst zwischen Montevideo und
Buenos Aires mit zwei erstklassigen besonders für den Zweck erbauten
schnellen Dampfern, „Cap Santa Maria“ und „Cap Corrientes“, aufgenommen
hat. Jedes der Schiffe kann 250 Personen I. und 170 Personen III. Klasse
befördern. Außer dem üblichen Nachtverkehr soll auch dreimal wöchentlich
ein Tagesverkehr (Abfahrt 11 Uhr vormittags, Ankunft 6 Uhr abends) ein-
gerichtet werden.

314
        <pb n="330" />
        Einen regelmäßigen Dampferdienst zwischen Bremen und. Puerto Madıyn
hat die Roland-Linie eingerichtet. Der Verkehr würde durch den Dampfer
„Heymon“ eröffnet, der am' 11. Oktober von Bremen auslief.

Die Frachten' von Hamburg und Antwerpen nach Buenos: Aires für Frachten.
Eisen, Cement, eiserne Träger und Konstruktionsmaterial sind ‚von 25 auf
20 sh herabgesetzt worden. Auf die neuen Frachtraten soll bei Verschiffungen
von Antwerpen aus ein Rabatt nicht mehr gewährt werden. - Die Rück-
frachten sind durchweg ganz bedeutend gesunken.

Die Statistik über die in ‚den letzten Jahren im Hafen von Buenos Hafenverkehr
Aires angekommenen Dampfer und Segler zeigt eine beständige Zunahme “°P Buenos
der anlaufenden Schiffe; sie beirug 1910: 1836; 1911 1906; 1912 : 1956; ES
1913 : (9 Monate). 1556.

Bezüglich der Küstenschiffahrt ist. zwischen‘ Uruguay‘ und Argentinien Küstenschiff-
ein Übereinkommen immer noch nicht. getroffen worden; den argentinischen fahrt.
Dampfern, die uruguayische Häfen anlaufen, ist die Beförderung von Passa-
gieren und Frachtsendungen von einem Hafen Uruguays zum anderen ver-
boten, und dadurch ‘hat sich. nunmehr auch die‘ argentinische Regierung
veranlaßt gesehen, drei uruguayischen. Dampfern das wor kurzem nach-
gesuchte Patent für die Küstenschiffahrt zu verweigern. Die vorliegende
Frage, die nicht nur die Reedereien beider Länder sondern vor allem den
Handel ‘angeht, ‚soll durch einen. Vertrag. beider Länder geregelt werden.
der zurzeit dem Kongreß vorliegt.

Für den Ausbau des Hafens in Quequen wurde eine Erhöhung der durch Hafen von
Gesetz Nr. 5705 im Betrage von 3 Millionen Pesos Gold xorgesehenen Mittel  Queauen.
durch Beschluß ‚der Deputiertenkammer auf‘ 5 Millionen Pesos Gold be-
willigt. . Die Mehrausgabe ist notwendig für den Bau eines größeren Wellen-
brechers. ohne den die bisher ausgeführten Hafenarbeiten zwecklos sein würden.

Verschiedenes.

Die Ernteaussichten! im) Argentinien; sind. im allgemeinen als  Ernte-
günstig zu bezeichnen; eine richtige Beurteilung der Lage war eine Zeitlang aussichten.
durch widersprechende Berichte erschwert; es. scheint nunmehr aber, fest-
zustehen, daß nur der Süden, wo längere Zeit trockene Witterung wvor-
herrschte, größere Ausfälle erleiden wird. Dort sollen, ‚nach‘ Mitteilungen
der Eisenbahngesellschaften, infolge, der Dürre ca. 1,6‘ Millionen ‚Acres ver-
loren sein, was ungefähr 10 % der Gesamternte entsprechen‘ dürfte. - Auch
in den‘ überschwemmten Gebieten im Süden der Provinz Buenos Aires und
an der Küste ist ein großer Teil, der Saaten zerstört worden, doch hofft
man, nach dem Verschwinden des Wassers wenigstens einen Teil des Ge-
bietes noch mit Mais oder Leinsaat bestellen zu können. Im. übrigen. wird
in der Provinz Buenos ‚Aires, eine ausgezeichnete‘ Ernte erwartet; auch für
die nördliche Getreidezone Argentiniens steht 'ein gutes, Ernteergebnis in

315
        <pb n="331" />
        ‚Aussicht, wenn auch einige einschränkende Faktoren nicht unerwähnt bleiben
dürfen.‘ In einzelnen Gegenden konnte die Aussaat nicht rechtzeitig statt-
finden, da die Maisernte zu spät beendigt wurde. In der Provinz Santa Fe
haben reichliche Niederschläge die Entwicklung der Leinsaat sehr be-
günstigt, andererseits aber das Wachstum des Getreides zu ‚stark gefördert,
sodaß’ der Körnerertrag‘ infolge des kräftigen Wachstums des Strohs beein-
trächtigt werden kann. Aus der Provinz Cördoba werden verschiedentlich
Verheerungen durch Heuschreckenschwärme gemeldet, auch ist dort die
Leinsäatızu spät gesät worden, so daß eine gute Ernte darin kaum noch
Anbau- erwartet. werden darf. Im ganzen ist die Anbaufläche des Weizens etwas
flächen. xleiner als früher, während die des Mais wieder bedeutend ’an Ausdehnung
zugenommen haben soll, doch sind für letztere genaue Zahlen noch nicht
anzugeben... Für Weizen, Leinsaat und Hafer werden für die Hauptgetreide-
provinzen „die. folgenden Angaben über die Anbauflächen veröffentlicht:
Weizen  Leinsaat Hafer
(1000 ha)
Buenos Aires... Yu der 2146 355 1034
SE A a ya 1139 540 35
Cördobar ee ray te 2050 450 40
EntreiRiosft as bel 40 0-51 5330 400 52
Pampa Central rt Held anele ZH 860 320 75
andere.Provinzen und Territorien‘ „4444100 9 15
6625-50 77ER 251
In "diesen Zahlen kommt bei einem Vergleich mit dem Vorjahr — neben
der Einwirkung‘ der. Ueberschwemmungen im Süden der Provinz Buenos
Aires /und des umfangreicheren Alfalfaanbaus infolge der besseren Vieh-
preise — auch das Bestreben zum Ausdruck, auf den Ländereien, die bisher
ausschließlich dem Getreidebau dienten, durch gleichzeitiges Betreiben der
Viehzucht, ein gemischtes Wirtschaftssystem einzuführen. Ferner haben die
bis zum Vorjahre unbedeutenden Anbauflächen von Gerste und Roggen
wieder eine nicht unbeträchtliche Ausdehnung erfahren.

Zuckerernte Die “neueren "Feststellungen über‘ die‘ Zuckerernte in der Provinz
Tucumän’' lassen’erkennen, daß die ersten optimistischen Angaben recht be-
halten werden.‘ Im Monat September wurden nach den Mitteilungen des
statistischen Amts der Provinz 52011 Tonnen Zucker produziert, was mit
dem Ergebnis der früheren Monate bereits eine Gesamtmenge von 168428
Tonnen ergibt, und die Oktoberproduktion schätzt man auf ca. 40 000 Tonnen,
so daß die Gesamterzeugung der‘ Provinz bis Ende des Jahres 230000
Tonnen erreichen‘ dürfte. Die Produktion von Salta, Jujuy, Misiones,
Corrientes und dem Chaco kann auf 30000 Tonnen veranschlagt werden,
so daß im kommenden Jahre für den Verbrauch des Landes ca. 260 000
Tonnen vorhanden sein dürften, die zur Deckung des Bedarfs vollkommen
hinreichen.. Im Anschluß daran sei erwähnt, daß der im vorigen Heft mit-
geteilte‘ Gesetzentwurf‘ des Deputierten Justo, betreffend die Herabsetzung

316
        <pb n="332" />
        des Zollschutzes für Zucker auf 0,07 $ oro- per Kilo, vom Kongreß ab-
gelehnt worden ist, da die, Existenz der nationalen im Aufblühen be-
griffenen Industrie dadurch, bedroht‘ werde, ‚wofür man die durch. die Zoll-
ermäßigung erreichte Minderbelastung von 90. Centavos' */„ per Jahr und
Kopf der Bevölkerung nicht als hinreichendes Äquivalent ansah.

Die Nachrichten “aus den. Provinzen Mendoza und San Juan über den
Stand der Wein- und Obstgärten lauten ebenfalls sehr günstig. Anzeichen
von Krankheiten‘ sind nirgends vorhanden, so daß eine außergewöhnlich
reichliche Ernte erwartet werden kann... Der während. der Wintermonate
in. den Bergen gefallene Schnee, der nunmehr taut, hat alle Kanäle reich-
lich mit Wasser versorgt.

Ein allgemeiner Zentralviehmarkt ‚soll. zur Förderung der Vieh- Zentralvieh-
zucht.in der Nähe von Buenos Aires, eingerichtet “werden. Gegenwärtig markt.
finden sich in der Landeshauptstadt. nur für Schafe, und“Rinder ‘schlecht
organisierte. Verkaufsgelegenheiten, die ‚außerdem voneinander getrenni
liegen. Dagegen fehlt ein Markt für Schweine gänzlich, deren Aufzucht
insbesondere im Hinblick: auf ‚die bessere Verwertung des im‘ Lande ge-
wonnenen Mais gefördert werden ‚soll. Ebenso ist kein ‚allgemeiner Pferde-
markt vorhanden, der für die Entwicklung der Pferdezucht zweifellos von
großem Nutzen sein würde. Das ‚Ackerbauministerium ‚reichte daher: Mitte
August dem "Kongreß einen. Gesetzentwurf ein, der die Regierung er-
mächtigen sollte, von Privatgesellschaften von anerkannter Kapitalskraft im
Wege der öffentlichen Ausschreibung Angebote für den Bau eines allge-
meinen. Viehmarkts _einzufordern. Die Pläne und.Kostenanschläge. „sollten
die notwendigen: Gebäude und, Einrichtungen (auch Schlacht-„und Kübl-
häuser)‘ für einen voraussichtlichen täglichen Umsatz: von 20000 Rindern,
40 000 Schafen, 9000 Schweinen und 1000 Pferden. vorsehen. Für den
Grunderwerb und zur Bezahlung der ausgeführten Arbeiten soll. die Re-
gierung 5% ige Schuldverschreibungen bis. zum  Betrage von. 5 Millionen
Pesos Gold ausgeben können. Bei Einreichung der Offerte ist als Garantie
der Betrag von 100.000 $ Gold in bar oder in nationalen Schuldtiteln beim
Banco..de. Ja. Nacion' Argentina, zu. hinterlegen, der bei Ablehnung der
Offerte zurückgegeben wird. Bei Annahme. der Offerte erfolgt die Rück-
gabe erst, nachdem der doppelte Betrag in dem Unternehmen investiert ist.
Maschinen, Materialien, Werkzeuge und sonstige für die Ausführung der
Bauten notwendigen Artikel sind vom Einfuhrzoll und Hafenabgaben befreit;
ebenso hat die ausführende Gesellschaft keinerlei Staats-, Provinzial- oder
städtische Abgaben zu zahlen... Das Projekt wird. voraussichtlich im Laufe
des November im Senat zur Verhandlung kommen und hat Aussicht auf
Annahme, da die gegenwärtigen Marktverhältnisse, ebenso wie die Schlacht-
höfe von. Buenos. Aires, unzureichend sind und da der Zinsen- und Tilgungs-
dienst. der: notwendigen Anleihe leicht durch eine geringe Abgabe auf die
verkauften Tiere aufgebracht werden könnte, ohne daß die: sonstige Finanz-

gebarung der Regierung dadurch beeinflußt wird.

217
        <pb n="333" />
        Schlachthof- Einen neuen Schlachthof in Liniers will die Stadtverwaltung von
Neubau. Buenos Aires errichten, da die gegenwärtig vorhandenen Einrichtungen un-
zureichend sind. Ein bezüglicher Kommissionsbericht liegt dem Verwaltungs-

rate der Stadt vor, in welchem der Bau eines neuen öffentlichen Schlachthofes

auf einem anstoßenden Grundstück beantragt wird, d.h. auf dem ‚von den

Straßen San Fernando, Avenida Alberdi, Coronel Cäfdenas und Merlo ge-

bildeten Block von 233453 qm Grundfläche. Die Kosten des neuen Schlacht-

hofes werden auf 4 Millionen Pesos veranschlagt und die Einrichtungen des

alten sollen für den vorerwähnten allgemeinen Viehmarkt verwendet werden,

Neuer ‚Zur Versorgung von Buenos Aires mit billigem Fleisch‘ soll ein anderes

Frigorifico. {7nternehmen beitragen, nämlich eine neue Fleischgefrieranstalt in der
Provinz Corrientes. Der dortigen sehr bedeutenden Viehzucht fehlt es
bisher an einem. Mittel zur entsprechenden Verwertung ihrer Produkte und
ein Rind wird infolgedessen dort nur mit der Hälfte des Preises bezahlt,
der in anderen zu den zentralen Märkten günstiger gelegenen Gegenden
dafür erzielt werden kann. Daher wird erwartet, daß unter der Wirkung
der so geschaffenen neuen Zufuhr die Fleischpreise in der Hauptstadt, die
unter dem Einfluß der Konkurrenz des Exportbedarfs sehr hoch geschraubt
sind, entsprechend zurückgehen‘ werden. Die Regierung beabsichtigt, das
Unternehmen durch eine einmalige Prämie von 250000 $ Gold und durch
ein hypothekarisch sicherzustellendes Darlehn auf 15 Jahre von 750000 $ Gold
zu. unterstützen.

Rechtsver- Die Rechtsverhältnisse in Argentinien werden immer wieder

hältnisse, as tnoch verbesserungsbedürftig bezeichnet, wenn in den letzten Jahren auch
vielfach“ Fortschritte« inuder Rechtsprechung festzustellen sind. Die argen-
tinische Presse selbst übt hieran eine oft scharfe Kritik und fordert in erster
Linie. eine Beschleunigung und Verbilligung des Verfahrens, denn die
Langwierigkeit der Prozesse, die enorme Gerichtskosten und entsprechend
hohe Advokatenrechnungen verursacht, hält den Verfechter einer sonst
guten‘ Sache vielfach ab, . ein gerichtliches Verfahren anhängig zu machen,
und läßt es ihm. geratener erscheinen, mit dem Gegner ein wenn auch
nachteiliges Abkommen zu treffen. Insbesondere wird darüber geklagt, daß
der Gläubiger einen wirkungsvollen Schutz seiner Interessen sehr oft ent-
behren muß, da die Rechtsprechung durch ein scharfes Vorgehen gegen
die‘ Urheber mißlungener Unternehmungen der Entfaltung des Unter-
nehmungsgeistes anscheinend. hinderlich zu ‘sein fürchtet. Im Anschluß
daran seien die Mitteilungen wiedergegeben, die das Kaiserliche General-
konsulat' in Buenos Aires kürzlich über den Gang des Konkursver-

Konkursver- fahrens in Argentinien gemacht hat:

Sn Sobald der Schuldner oder einer seiner Gläubiger bei dem für den
Wohnort des Schuldners zuständigen Gericht die Einleitung des Kon-
kursverfahrens beantragt hat, ernennt das Gericht zwei Gläubiger zu
„Interventoren“, die die Geschäftsführung in Vertretung aller Gläubiger
übernehmen sollen, und einen vereidieten Rechnung ssachverständigen

DIL
        <pb n="334" />
        (contador püblico). Zugleich fordert es alle Gläubiger auf, ihre
Forderungen bei dem „contador“ anzumelden und an einem bestimmten
Tage zusammenzukommen, um über das weitere zu beraten und zu
verfügen. Die Frist für diese Versammlung'beträgt mindestens 15 und
höchstens 30 Tage. Die gerichtliche Bekanntmachung wird in zwei
Zeitungen, von denen in Buenos: Aires eine immer das „Boletin
Judicial“ ist, veröffentlicht. An die Gläubiger persönlich ergeht keine
Ladung, doch ist es in Buenos Aires allmählich Sitte geworden, daß
der „contador“ alle in Argentinien wohnenden oder vertretenen Gläubiger
durch private Schreiben auffordert, ihre Rechte zu wahren. Aus-
Jländische Gläubiger, die in Argentinien keine Vertreter haben, können
von der Einleitung des Konkursverfahrens nur durch die Zeitungen
oder auf anderem, privatem Wege ;(durch“ ihre“ hiesigen ‘Geschäfts-
freunde, Banken usw.) erfahren. Die Frist von 30 Tagen ist auch zu
kurz, als daß Gläubiger in Europa brieflich benachrichtigt werden
und rechtzeitig antworten‘ könnten. Allerdings wird‘ die Frist von
30 Tagen häufig nicht eingehalten und der Termin für die Gläubiger-
versammlung auf Ersuchen des „contadors“ selbst, wenn ihm das
Vorhandensein vieler ausländischer Gläubiger bekannt ist, verschoben.

Es liegt im Interesse der Gläubiger, zu der ersten Gläubigerver-
sammlung zu erscheinen und schon vorher den „contador“ schriftlich
von ihren Ansprüchen zu verständigen. Es ist zweckmäßig, ‚an den
„contador“ auf spanisch oder französisch direkt zu schreiben, und
zugleich einem ortsanwesenden Geschäftsfreunde auf‘ dessen Namen
„eine briefliche: Vollmacht“ (carta poder) zu senden... Diese briefliche
Vollmacht dient nur dazu, dem Bevollmächtigten zu erlauben, in der
Gläubigerversammlung die Interessen des Gläubigers zu vertreten und
für ihn zu stimmen, sie ermächtigt aber nicht, Gelder für den Gläubiger
einzuziehen und darüber zu quittieren. Die briefliche Vollmacht
bedarf keinerlei Legalisation und wird am ‘besten auf einem mit
Aufdruck des Namens und der Adresse des Gläubigers versehenen,
gewöhnlichen Brierbogen in folgender Form ausgestellt:

Carta Poder.

„Por la presente autoriz 16.7 MEDOR AS -
para concurrir en . 7%. ..nombre y representaciön A las
juntas de verificacion de creditos y otras, de la convocatoria de
acreedores de . . „Boa; facultändolo
para intervenir en las deliberaciones, aceptar. concordatos, adjudi-
caciön de. bienes pedir, quiebras, y efectuar {odo lo pertinente
para la defensa de . . derechos.“

Datum und Unterschrift,

In der ersten Gläubigerversammlung berichtet der „contador“ über
die bei ihm angemeldeten ‚oder ihm sonst bekannt gewordenen
Forderungen. Die Gläubigerversammlung beschließt über die /An-

319
        <pb n="335" />
        erkennung oder Abweisung der Forderungen, und danach beraten die
Gläubiger, deren Forderungen anerkannt sind, über ‘das weitere
Schicksal. des Geschäfts: des Gemeinschuldners.
Es können dann 3 Fälle eintreten:
1. Der Schuldner bietet ein Konkordat an, und die Versammlung
nimmt den Vorschlag an, oder
2. die Gläubigerversammlung überimmt alle Aktiva des Schuldners
in Zahlung und liquidiert sie für ihre Rechnung durch einen
von ihr ernannten Liquidator oder durch eine von ihr ernannte
Kommission (sindicos), oder
die Gläubigerversammlung beschließt die Durchführung des
förmlichen. Konkursverfahrens. Auch in diesem Falle werden
ein. oder mehrere „sindicos“ ernannt, die die Liquidation vor-
nehmen sollen.

Der Unterschied zwischen 2 und 3 ist nur für den Schuldner
wichtig; der Ausgang des Verfahrens ist in beiden Fällen für die
Gläubiger im wesentlichen gleich.

Nach dieser Versammlung kann der Geschäftsfreund des Gläu-
bigers ihn darüber benachrichtigen; wie: die Sachen stehen, und der
Gläubiger kann dann eine förmliche, notariell aufgenommene und
vom zuständigen argentinischen Konsulat legalisierte: Vollmacht”) zur
Finziehung ‚der ihm zufallenden Dividenden ausstellen.

Wenn der Gläubiger nicht rechtzeitig genug von den Vorgängen
Kenntnis erhalten hat, um sich noch in der Versammlung vertreten
zu lassen, ‚kann..er. seine Forderung auch noch nachträglich an-
melden... Dazu bedarf es aber ebenfalls einer förmlichen, notariell
aufgenommenen und vom zuständigen argentinischen Konsulat be-
glaubigten Vollmacht. Der Gläubiger muß in diesem Falle die An-
erkennung seiner Forderungen mit den Liquidatoren oder den „sindicos“
ausfechten und wird, wenn seine Forderung nachträglich anerkannt
wird, nur bei den noch nicht ausgezahlten Dividenden berücksichtigt.

Auch die Forderungen von Gläubigern, die in der Gläubigerver-
sammlung nicht vertreten sind, können und werden oft anerkannt,
so daß es der förmlichen Vollmacht dann nur noch zur Einziehung
der Dividenden bedarf.

In besonders dringenden Fällen kann die briefliche Vollmacht
auch durch ein Telegramm an das Gericht erteilt werden.

Vollstreck- Für dıe Vollstreckbarkeit eines deutschen Urteils’in Argen-
barkeit deut- tinien bestehen näch einer Mitteilung des Handelsvertragsvereins die
scher Urteile. . . «

folgenden Voraussetzungen: Es muß sich um eine Personal- und nicht um
eine Realklage handeln. Das Urteil darf kein Versäumnisurteil sein. Die

*) Formulare solcher und anderer Vollmachten sind von der Geschäftsstelle des
D.A.:C. zu beziehen:

2390
        <pb n="336" />
        Forderung, die dem deutschen Urteil zugrunde liegt, muß auch nach argen-
tinischem Gesetz zu Recht bestehen. Der vollstreckbare deutsche Titel muß
in formeller Hinsicht den deutschen Vorschriften entsprechen und vom zu-
ständigen argentinischen Konsulat legalisiert sein. Wenn diese Voraus-
setzungen vorliegen, kann die Vollstreckbarkeitserklärung bei dem für den
Wohnort des Schuldners zuständigen argentinischen Gericht erster Instanz
beantragt werden. Das Gericht hört den Schuldner und den Staatsanwalt
und spricht danach die Vollstreckbarkeitserklärung aus oder lehnt sie ab-
In beiden Fällen ist die Berufung zulässig. Wenn die angedeuteten Vor-
aussetzungen für die Vollstreckbarkeitserklärung nicht vorliegen, muß hier
von neuem geklagt werden. Dafür müssen alle die Unterlagen beigebracht
werden, die den Klageanspruch begründen und beweisen (Schuldtitel, Ab-
schriften eidlicher Zeugenaussagen usw.). Sowohl“für‘ das Verfahren auf
Vollstreckbarkeitserklärung wie für die neue Klage ist auch‘ eine Vollmacht
erforderlich. Alle Schriftstücke müssen gehörig beglaubigt und an letzter
Stelle vom zuständigen argentinischen Konsulat Jegalisiert sein sowie ins
Spanische übersetzt werden. Die Übersetzung kann hier erfolgen; meistens
ist sie aber in Deutschland billiger.” Für beide Verfahren kann ein in
Deutschland wohnender Gläubiger die Vermittlung eines hiesigen Advokaten
nicht vermeiden. Pfändbar sind hier 25%; des Gehaltes.

Das Prioritätsrecht an Handels- und Fabrikmarken richtet sich  Zeichen-
nach argentinischem Recht ausschließlich. nach dem Zeitpunkt, an welchem Schutz.
das Gesuch zur Eintragung der betreffenden‘ Marke bei der Behörde. ein-
gereicht wird. Jedermann, der die Gebühren ‘ bezahlt, kann. auf seinen
Namen die Schutzmarke irgendeiner anderen Firma eintragen lassen, So-
fern: sie in Argentinien noch nicht registriert ist. Wenn später der ursprüng-
liche Eigentümer der Marke in der Republik geschäftliche Beziehungen an-
knüpfen will, steht er vor der Tatsache, daß ihm der Gebrauch seiner
eigenen Schutzmarke unmöglich ist, es sei denn, daß er das Recht dazu
von dem argentinischen Inhaber erwirbt. Auf diese Rechtslage ist von
uns bereits wiederholt hingewiesen worden; angesichts verschiedener in
letzter Zeit zur allgemeinen Kenntnis gekommener Vorfälle kann jedoch
der dringende Rat nicht oft genug wiederholt werden, daß jeder Inhaber
einer Schutzmarke, der zu Argentinien in geschäftliche Beziehungen zu
{reten beabsichtigt, vor allen Dingen die Eintragung der Marke in Argentinien
bewirken muß, wenn er sich nicht großen Nachteilen aussetzen will. Alle
Sparsamkeit in dieser Hinsicht ist übel angebracht, denn es besteht für
jede Marke, die drüben anfängt hekannt zu werden die große Gefahr, daß
sich gewissenlose Personen ihrer auf „gesetzlichem“ Wege bemächtigen.
Selbst. Firmennamen sind von dieser Gefahr nicht ausgeschlossen, wenn
ihnen zufällig eine andere Bedeutung als der bloße Name untergelegt
werden kann; wie z. B. „Pasteur“, „Stichel“ und ähnliche.

Eine Änderung des bestehenden Zustandes ist in absehbarer Zeit kaum
zu erwarten, da das gegenwärtige Gesetz bereits Mißständen abhelfen sollte,

321
        <pb n="337" />
        die sich‘ aus dem: ‚vorher geltenden ergeben. hatten, nach ‘welchem ‚in
Argentinien jede Marke das Prioritätstecht erwerben könnte; wenn ‚dasselbe
aus der früheren Eintragung in irgendeinem anderen Lande nachgewiesen
zu werden vermochte. Eine. teilweise. Rückkehr zu ‘diesem früheren
Zustande: würde es allerdings‘, bedeuten, wenn der Beschluß des. vierten
panamerikanischen ‚Kongresses gesetzliche Geltung erlangen sollte, daß die
Eintragung einer Fabrik- oder Handelsmarke in die Register eines ‚der
Signatarstaaten ‚ein Prioritätsrecht für den Besitzer in den übrigen Staaten
während eines halben Jahres‘ bedingt.
Förderung des .Zur Förderung ‚des „deutsch-argentinischen  Warenaus-
deutsch-argeN- +ausches befaßt sich das deutsche Generalkonsulat in Buenos Aires damit;
tinischen OR nn % . . . .
Warenaus- Wie in iderwargentinischen‘ deutschen. Presse ‚mitgeteilt‘ wird, „Firmen in
tausches.. Deutschland „zu. benennen, die für „die Lieferung. deutscher Waren nach
Argentinien, oder argentinischer Waren nach Deutschland in Betracht kommen,
oder die gewillt sind, in Argentinien Vertretungen! „einzurichten. - Soweit
die Anfragen nicht gleich erschöpfend beantwortet werden können, werden
sie, an die zuständige Stelle. nach Deutschland weitergegeben. Dort wird
auf schnellstem Wege. für.die Verständigung der interessierten. Kreise Sorge
getragen, ‚und ‚die deutschen Reflektanten werden in die Lage versetzt, sich
unmittelbar an den Anfragenden zu wenden.; Das Generalkonsulat wird
auch oft.gefragt, ‚ob! und durch ‚wen‘ eine deutsche: Firma hier vertreten
ist. Es’ liegti.im. eigenen Interesse | der Vertreter deutscher Firmen, dem
Kaiserlichen Generalkonsulat mitzuteilen, welche deutschen Firmen sie ver-
treten; "damit es Solche Anfragen ohne weiteres beantworten kann.“ . So
beifällig.diewJletztgenannte Tätigkeit von den Vertretern deutscher Firmen
in Buenos Aires aufgenommen werden wird, so wenig dürften die deutschen
Importfirmen in Buenos Aires und Exportfirmen in Deutschland in dem
erstgenannten Angebot eine Förderung ihrer Interessen erblicken.
Zoll auf Wünsche zum argentinischen Zolltarif sind. dem Kongreß in
Druckpapicr.  ]o{zter Zeit verschiedentlich unterbreitet worden, so empfinden es z. B. die
Buch- und Zeitungsdruckereien als großen Uebelstand, daß das zum
Zeitungsdruck verwendete: Papier einem relativ hohen Einfuhrzoll unter-
liegt. . Die ‚Einfuhr dieser Papiersorte hat im letzten Jahr ganz erheblich
zugenommen: von ca. 13 Millionen Kilo im Jahre 1908 auf ca. 28 Millionen
Kilo im Jahre 1912. „Es wird gefordert, daß der Zoll auf Zeitungspapier
von 2 Cts. Gold per Kilo und der auf Werkpapier von: 4 Cts. Gold ‚per
Kilo auf die Hälfte herabgesetzt werde. Der jetzige Zoll, der von einem
Zollwert (aforo) von 6 Cts. Gold per Kilo ‚erhoben wird, bedeutet beim
Zeitungspapier eine Verteuerung um 33!/, %; er ist die Ursache dafür, daß
argentinische Schriftsteller ihre Bücher zum weitaus größten Teile in Europa
drucken lassen. Die in Argentinien bestehende Papierindustrie soll durch
die gewünschte Zollherabsetzung nicht benachteiligt werden, doch erscheint
dies zweifelhaft, ‚denn die Einfuhr von Holzstoff nach Argentinien ist im
vorigen Jahre nicht unerheblich zurückgegangen, was von anderer Seite

399
        <pb n="338" />
        in der, Hauptsache darauf zurückgeführt wird, daß es ‚den argentinischen
Papierfabriken‘ trotz des hohen Schutzzolles, den sie für ihre Erzeugnisse
genießen, immer schwieriger wird, den Wettbewerb des ausländischen
Papiers auszuhalten; zum Teil ‚hatte diese Erscheinung ihren Grund auch
in den hohen Holzstoffpreisen, Die Einfuhr Argentiniens an Holzstoff. be-
trug im Jahre 1911.24 243 Tonnen. im Werte von 727.000 $. und. ging im“
Jahre 1912 auf 19 945 Tonnen. im Werte von 598 000 $ Gold zurück. Ueber
die Hälfte des eingeführten Quantums kommt aus Schweden. Deutschlands
Ausfuhr in, Holzmasse (Zellstoff) hat sich im vergangenen Jahre gegenüber
dem Vorjahre mehr als verdoppelt; sie‘ betrug 1911 18754. dz.und.1912
39221 dz. Beim Import überwiegt die chemische Masse bei weitem, denn
der Verbrauch an mechanischem Holzstoff dürfte kaum 2000— 2500 Tonnen
pro Jahr übersteigen.

Während die Druckereien ‚auf eine Zollermäßigung. hinarbeiten, fühlen ZollaufBaum-
sich die argentinischen Baumwollwebereien ‚durch eine in Aussicht ge-„"0llgewebe
nommene Zollherabsetzung auf verschiedene Waren bedroht. Es handelt
sich hierbei um rohen und bearbeiteten Bombasi, weiße und bedruckte
Baumwollgewebe von über 80 Gramm per Quadratmeter und gefärbie
Baumwollgewebe von über 130 Gramm per Quadratmeter, Die betreffenden
Fabriken führen aus, daß der Preis dieser Waren weniger durch den darauf
ruhenden Zoll als durch die von den Zwischenhändlern erzielten Gewinne
verteuert würde, welche 70—100 °%, des Fabrikpreises betrügen. Die, Pros
duktionsfähigkeit der Fabriken beruhe auf dem gegenwärtigen Zoll von
25 %, sie würde durch eine Zollermäßigung ruiniert werden und der hieraus
für die Allgemeinheit entstehende Verlust würde größer sein, als ein
eventueller Gewinn durch die Zollermäßigung, da allein vier der in Frage
kommenden Fabriken mit einem Kapital von 7 Millionen $ arbeiten und
12000 Personen beschäftigen.

Eine argentinische Studienkommission wird vom Landwirtschafis- Studienkom-
ministerium nach Europa entsandt werden, um über die Fortschritte in der An
Konstruktion landwirtschaftlicher Maschinen Bericht zu erstatten. Die Arbeiten
der Kommission sollen als Grundlage bei der Einrichtung eines modernen
Laboratoriums für Jandwirtschaftliche Maschinen “in-Buenos Aires dienen,
mit‘ dem” wahrscheinlich eine ständige Ausstellung landwirtschaftlicher
Maschinen verbunden wird. ' Führer der Kommission ist der seit Jahren im
Dienste der argentinischen Regierung stehende Ingenieur Vendelbo-Knudsen.

Der Bau von Wegen und Brücken in Argentinien, für welchen \WVegebau,
nach dem Gesetz Mitre’die Mittel durch eine Abgabe von 3°% vom Rein-
gewinn der Eisenbabnen aufgebracht werden, macht entsprechend der Zu-
nahme der verfügbaren Summen weitere Fortschritte. . Die Einnahmen des
Fonds aus der verflossenen Verwaltungsperiode der Eisenbahnen beliefen
sich auf 3 Millionen Pesos "/., die zusammen mit den noch vorhandenen
Beträgen zum Bau von 478 Wegen mit einer Gesamtlänge von 2731;22 km
unter einem‘ Kostenaufwand. von $ 3066 197,30, von 19 Brücken unter

272
        <pb n="339" />
        Aufwand von $ 316 723,73 und zur Ausführung sonstiger kleinerer Arbeiten
verwandt werden sollen.
Kongress- Die Sessionsdauer des Kongresses ist durch Dekret vom
vorlage. 929, September verlängert worden zwecks Beratung einer Reihe dringlicher
Vorlagen, von denen folgende allgemeineres Interesse haben: Bau von
Arbeiterhäusern, Genehmigung des mit Bolivien abgeschlossenen Eisenbahn-
vertrages vom 17. Juni 1913, Konvention mit Uruguay betr. Küstenschiffahrt,
Konvention mit Paraguay betr. Eisenbahnverkehr, Budget für 1914, ständige
Kommission für Festsetzung der Zollwerte, binnenländische Zollämter, Er-
höhung der Ausgabe von Cedulas seitens des Banco Hipotecario Nacional,
allgemeiner Viehmarkt, Ausbeutung des Petroleumvorkommens in Comodoro
Rivadavia, Verkauf der Eisenbahn von Diamante nach Curuzü Cuatiä u. a. m.
Bautätigkeit. Für -den Bau von 10 000 Einzelwohnhäusern in Buenos Aires hat
die Compaßia de Construcciones modernas die Konzession erhalten. Die
Arbeiten sollen innerhalb fünf Jahren ausgeführt werden. — Die Regierung
von Santa F6 will 300 Schulgebäude errichten, wofür 8 Millionen Pesos
ausgeworfen sind.

Staats- Größere Staatsaufträge sind in letzter Zeit an die deutsche Industrie

aufträge gefallen, so wird Pressenachrichten zufolge die Gelsenkirchener Bergwerks-
A.-G. über 60000 Tonnen Gußröhren im Werte von 4'/@ Millionen Mark,
die Dampfkessel- und Gasometer-Fabrik, Braunschweig, Pumpen, Kessel,
Röhren und anderes Material. für die. Petroleumtanks in den Marinearsenalen
im Werte von 225 175 Mark und die Nordseewerke in Emden ein Schwimm-
dock von 4000 Tonnen Tragkraft für den Hafen von Buenos Aires zum
Preise von 291 460 $ Gold liefern.

Streiks Die Streikbewegung in Buenos Aires war im Jahre 1912 geringer
als in früheren Jahren. Es kamen im ganzen 99 Konflikte zwischen
Arbeitern und Arbeitgebern vor, die zur Arbeitniederlegung führten. Die
Zahl der. beteiligten Arbeiter betrug 8992, die zusammen 88 613 Arbeitstage
und $ 328886 an Löhnen verloren. Die meisten Streiks kamen im Transport-
gewerbe vor. Nur im vierten Teil der Streiks konnten die Arbeiter ihre
Forderungen durchsetzen.

Bier- ‘Die Brauindustrie in Argentinien hat sich in den letzten Jahren
produktion. enorm entwickelt. Im Jahre 1904 wurden 373 000 hl gebraut, im Jahre 1911
war die Produktion schon auf über 1 Million Hektoliter gestiegen und hat

im Jahre 1912 bis auf 1116 000 hl zugenommen.
Spielwaren- Die Ausfuhr der deutschen Spielwarenindustrie nach Argen-

Einfuhr. +inien hat im laufenden Jahre ‚eine beträchtliche Steigerung erfahren, an
der, wie die Presse berichtet, die Nürnberg-Fürther Industrie besonders
beteiligt ist. Diese Erscheinung wird darauf zurückgeführt, daß außer den
früher bereits direkt liefernden Firmen noch eine Reihe anderer das direkte
Geschäft mit Argentinien in stärkerem Maße aufgenommen hat. Allerdings
wird nicht verschwiegen, daß bei dem Bestreben, um jeden Preis ins

2924
        <pb n="340" />
        Geschäft zu kommen, bei der Kreditgewährung nicht immer die nötige Vor-
sicht gewaltet habe, und daß einzelnen Firmen größere Verluste nicht erspart
geblieben sind.

Ein Komitee zur Gründung einer Luftflotte ist in Buenos Aires Luftflotte.
unter der Leitung von Herrn Eduardo Madero ‘gegründet worden. Es
sollen Geldsammlungen veranstaltet werden, um zunächst einen großen
Luftkreuzer anzukaufen und weiterhin soll für die Einführung des Flug-
wesens bei der Marine gewirkt werden.

Personalnachrichten.. Dem Kaiserlichen Generalkonsulat in Buenos Personal-

Aires sind die Herren Otto von Radowitz und Paul Barandon als Vize- nachrichten.
konsuln zugeteilt worden. — Das argentinische Vizekonsulat in Pforzheim
ist aufgehoben worden. Der Vizekonsul der argentinischen Republik in
Karlsruhe, Herr Ernst Regensburger, wird die konsularischen Funktionen
für das ganze badische Staatsgebiet ausüben. — Den Majoren der argentini-
schen Armee Peracca und Garcia wurde vom Kriegsministerium als den
ersten ausländischen Offizieren gestattet, einen Studiengang auf der Artillerie-
Schießschule in Jüterbog zu absolvieren. — Die argentinischen Offiziere,
die zu zweıjähriger Dienstleistung bei der deutschen Armee abkommandiert
worden sind, wurden nach einer von der deutschen Gesandtschaft dem
Kriegsministerium gemachten Mitteilung folgenden Truppenkörpern zugeteilt:
Oberleutnant Antonio Bossi dem Magdeburgischen Pionier-Bataillon Nr. 4
in Magdeburg; Oberleutnant Jose Salati dem Pionier-Bataillon von Rauch
(Brandenburgisches) Nr. 3 in Spandau; Oberleutnant Roberto Bosch dem
Husarenregiment Königin Wilhelmina der Niederlande (Hannoversches) Nr. 15
in Wandsbek; Oberleutnant Jose Sierra dem Pommerschen Ulanenregiment
Nr. 9 in Demmin; Oberleutnant Juan J. Sodini dem Husarenregiment Fürst
Blücher von Wahlstatt (Pommersches) Nr. 5 in Stolp: Oberleutnant Nelio
Calderon dem 1. Großherzoglich Hessischen Feldartillerieregiment Nr. 25
in Darmstadt; Oberleutnant Pablo Barrere dem Lauenburgischen Feld-
artillerieregiment Nr. 45 in Altona; Oberleutnant Enrique Rueda dem Feld-
artillerieregiment von Peucker (1. Schlesisches) Nr. 5 in Breslau; Ober-
Jeutnant ‚Conrado Styrle dem Schleswig-Holsteinischen Infanterieregiment
Nr. 163 in Neumünster; Oberleutnant Juan M. Vonferini dem Infanterie-
regiment Herzog von Holstein (Holsteinisches) Nr. 85 in Rendsburg; Ober-
jeutnant; Luis J- Loredo dem Niederrheinischen Füsilierregiment Nr. 39 in
Düsseldorf. — Dr. Joaquin de Anchorena wurde für eine Amtsdauer von
weiteren drei Jahren zum Intendente Municipal von Buenos Aires ernannt.
Ebenso bestätigte der Senat die Ernennung von Dr. Abel Bengolea zum
Direktor des Banco de la Nacion.

Eine Erweiterung der Pflasteranleihe (Bonos de Pavimentaciön) Neue Pflaster-
ist der Stadtverwaltung von Buenos Aires durch Gesetz Nr. 9142 vom anleihe.
27. September 1913 seitens des Kongresses gestattet worden. Hiernach soll
die. durch. Gesetz Nr. ‚7091 ‚und 8210 genehmigte Emission auf 20 Millionen
Pesos erhöht werden unter den gleichen Voraussetzungen und Vorschriften,

325
        <pb n="341" />
        die in den genannten Gesetzen niedergelegt sind. Der Gesamtbetrag der
Pflasteranleihen, die auf Grund des vorliegenden Gesetzes und der früher
unter Nr. 8210, 7091, 5007 und 4391 erlassenen ausgegeben werden; soll auf

keinen Fall 70 Millionen $m/n übersteigen.
Weltwirt- Das Weltwirtschaftliche Archiv; herausgegeben von Professor Dr.
schaftliches B_ Harms, Kiel (Verlag von Gustav Fischer, Jena), ist eine Zeitschrift für
A allgemeine und spezielle Wirtschaftslehre, aus der nicht nur Gelehrte, sondern
auch im Wirtschaftsleben stehende Kaufleute und Beamte eine Fülle von
Anregungen für die Praxis entnehmen können. Das Werk ist im hohen
Grade geeignet, gerade den Auslandsdeutschen die fortlaufende Kenntnis des
internationalen Wirtschaftslebens zu vermitteln. Wenn es gelingt, dem Unter-
nehmen eine hinreichende Anzahl von Freunden zu gewinnen, ist beabsichtigt,
Aie Zeitschrift in monatlichen Ausgaben erscheinen zu lassen, wodurch ihr
Zweck, das gesamte. überhaupt zugängliche‘ internationale wirtschaftliche
Material sofort zu veröffentlichen, eine wesentliche Förderung erfahren würde.
Neue Karten Eine neue‘ Wandkarte der: Republik Argentinien von Pablo
a a Ludwig und eine große Eisenbahnkärte von Südamerika von A! Bemporat
n sind von der Geschäftsstelle beschafft worden und stehen dort Interessenten

zur Einsichtnahme zur Verfügung.
Geseize und Verordnungen.
Gesetz Nr. 9127, betreffend den obligatorischen Gebrauch der Telegraphie
ohne Draht vom 25. September 1913.

Art. 1. Die Anwendung der drahtlosen Telegraphie innerhalb‘ des Gebie‘es der
Nation und für’ internationale Mitteilungen bis zu einer Entfernung von mindestens
1000. km bleibt dem Staate vorbehalten.

Art, 2, Die Regierung hat die. Errichtung drahtloser Telegraphenstationen
innerhalb des Gebietes der Nation anzuordnen, wobei die an der Küste gelegenen
derartig verteilt werden, daß jedes in argentinischen Küstengewässern befindliche
Schiff mit einer von ihnen beständig in Verbindung bleiben kann,

Art: 3. Zur Ausführung vorstehender Anordnung ist ein Betrag von 400000 Sm
aus allgemeinen Staatseinnabmen zur‘ Verfügung zu stellen.

Art. 4. 90 Tage nach Veröffentlichung dieses Gesetzes müssen alle in argen-
tinischen Hä‘en verkehrenden Schiffe, die über 50 Personen, Passagiere und Besatzure,
an Bord haben, mit einer gebrauchsfähigen. Station für drahtlose Telegraphie ans-
gerüstet sein.

Art, 5. Die Apparate für drahtlose Telegraphie. sind, von einer mit ihrem: Ge-
brauch vertrauten Person zu bedienen und müssen auf Flußdampfern eine Reichweite
von nicht weniger als 200 km und auf Seedamp’ern von nicht weniger als 500 km haben.

Art. 6. Schiffe, welche den Vorschriften der Art. 4 und. 5 nicht genügen,
werden nicht abgefertigt, und im Falle Kapiräne oder sonstige Personen, welche über
das Schiff zu bestimmen haben, dieses Gesetz zu umgehen oder zu übertreten ver-
suchen, wird über sie von der zuständigen Marinebehörde eine Safe von 1000 bis
5000 Pesos. verhängt, gegen welche vor dem Bundesgericht Berufung‘ eingelegt
werden kann. Rückfälle werden mit. der doppelten Stiae belegt.

CT
        <pb n="342" />
        Gesetz Nr. 9104/5, betreffend Ausdehnung der Sonntagsruhe.

Der Artikel 1 des Gesetzes Nr. 4661 erhält die folgende Fassung: In der Haupt-
stadt der Republik und in den Nationalterritorien ist es. verboten, am Sonntag für
fremde Re chnung und Öffentlich füc eigene Rechnung in Fabriken, Werkstätten,
Handelshäusern und sonstigen Arbeitsstätten materielle Arbeiten auszuführen, mit
Ausnabme der im Gesetz angeführten. — Der 25. Mai und 9. Juli sind den Soun-
tagen gleichzuachten,

Vorschriften für die Einführang von Nahrungsmittel-Konserven.

Büchsen und Behälter, die Konserven enthalten; sollen gefalzt und äußerlich
gelötet sein, um jede Gefährdung der Gesundheit durch den Bleigehalt der Lötmasse
auszuschließen. - Sind die Büchsen micht gefalzt, so müssen sie mit einer Zinnmasse
gelötet sein, die nicht mehr als 1%, Blei und höchstens 5 Milligramm Arsen
oder Antimon enthält (wie bei Wiedergabe der Artikel 345 und 346 der Diensivor-
schriften des argentinischen Gesundheitsamtes in Nr. 6 der „Mitteilungen“ bereits
berichtet wurde). Den Importeuren von Nabrungsmittel-Konserven ist durch Dekret
vom 8. Oktober 1913 eine Frist von 18 Monaten gewährt worden, nach deren Ablauf
die zum Verkauf kommenden Waren den worstebenden Bestimmungen entsprechen
müssen.

Das Departamento Nacional de Higiene hat Ende Oktober eine Verfügung er-
lassen, nach welcher alle Konserven, die in Verbindung mit Öl hergestellt sind,
wie Heringe, Sardinen u. a., auf den Blechgefäßen eine Aufschrift tragen .müssen,
aus der die Art des verwendeten Öls hervorgeht. Den Import- und Engrosgeschäften
ist zur Ausführung des Erlasses nur eine Frist von 90 Tagen gegeben worden. Da
das Departamento Nacional de Higiene Baumwollöl, Maniöl, Sesamöl usw. .als
unzuträglich und schädlich für den menschlichen Organismus-bezeichnet, soll Presse-
nachrichten - zufolge die Verwendung derartiger Öle verboten und die Einfuhr der
in Verbindung mit ihnen hergestellten Konserven nicht gestattet werden.

Unbestellbare Postpakete.

Nach einer An‘ang Oktober erlassenen Verfügung hat die argentinische Zoll-
behörde in Zukunft die Postverwaltung halbmonatlich davon in Kenntnis zu setzen,
welche Postpakete nicht abgeholt worden sind, damit die Post sich nochmals an den
Adressaten wendet bzw. seinen Aufenthalt ermittelt und eine Entscheidung über
die weitere Behandlung für Postpakete einfordert. Die Pakete, die nach Ablauf
von 6 Monaten nicht abgeholt sind, werden an die Post zurückgegeben. und gehen
an den Absender zurück. Die vorgesehenen Zollbeträge werden gelöscht, die ent-
standenen Unkosten jedoch vom Absender eingezogen.

Druck von PASS &amp; GARLEB G. m. b.H.x Berlin W..57, Bülowstr. 66.
        <pb n="343" />
        Deutsch-Argentinischer Centralverband
zur Förderung wirtschaftlicher Interessen
Veröffentlichungen.

Reiseeindrücke aus Argentinien
von Dr. FREIHERR VON DER GOLTZ, Generalfeldmarschall.

Vortrag, gehalten im Deutsch-Argentinischen Centralverband,

Die argentinische Gefrierfleischindustrie und ihre Bedeutung für den
europäischen Verbrauch
von Dr. J. ULLRICH MUELLER,

Das intellektuelle Argentinien und seine Beziehungen zur romanischen
und germanischen Kultur
von Dr. CHR. JACOB.

Die Aussichten für deutsches Grosskapital in Argentinien
von RUDOLF von COLDITZ.

Geographische Bilder aus dem argentinischen Chaco und vom
oberen Paranä
von. Dr. LUETGENS.

Die argentinische Industrie und ihre Bedeutung für den deutschen
Export
von GUSTAV NIEDERLEIN.

Das Minenwesen in Argentinien
von Prof. Dr. R. HAUTHAL.

Nach
4 Pa .
MET f
mit den neuen DoppelfHrauben-Poftdampfern des
Horddeutfhen Zloyd.
Regelmäßige Verbindungen nach
+ allen übrigen Weltteilen. +
Druckfadhen, Auskünfte und Plasbelegungen Foftenlos dur
und feine Dertretfungen
        <pb n="344" />
        Inhalts-Verzeichnis
der
Mitteilungen des Deutsch-Argentinischen
Zentralverbandes
Heft 3—8.
Jahrgang 1913.
Abgabenfreiheit, Prinzip der -— im Ausiuhr von Getreide im I Halb-

Ley Mitre 303. jahr 1913 207.
Ackerbauministerium, Bericht für 1912 Ausfuhr von Rindfleisch 312.

259. Ausfuhr nach Südamerika, Anteil Ar-
Alfalfa ı 118, gentiniens an der nordamerikanischen
Anbaufläche, Ernte und Ausfuhr‘ der — 810;

Hauptgetreidearten im I. Quar- Ausfuhr nach Südamerika, Anteil Ar-

fal 1918 175, gentiniens an der deutschen — 811.
Anbaufläche 1918/14 211. Ausfuhrüberschuß im I. Quartal 1918
Anbauflächen 1918/14 261. 176.

Anbauflächen 1913/14 316, Ausfuhrzoll für Säcke 143.
Ansiedlungspolitik 259. Ausländisches Kapital: Beteiligung (Hy-
Ansiedlungspolitik, Förderung der — potheken) 115,

der Eisenbahngesellschaften 235. Ausstellungen 284,

Ansiedlung im Rio Negrotal 2838. Ausstellungen, Schwimmende — 221.
Arbeitsamt, Staatliches — 282. Automobil, Einfuhr 138.

Arbeitsmarkt 282, Automobilsteuer in Buenos Aires 139.
Atlantische Häfen 274. Bahia Blanca (Hafen) 220.

Ausfuhr Argentiniens 1912, Deutsch- Bahia Blanca (Petroleum) 168.

Jands: Anteil an der — 128, Bahnen, Neue — in der Provinz Buenos
Ausfuhr Argentiniens 1912, Gesamt- Aires 233.

wert der — 125. Banken, Status der argentinischen —
Ausfuhr Argentiniens 1912, Hauptpro- 197.

dukte 126. Bankpolitik 197.

Ausfuhr, Entwicklung der — 1912 128, _DBankkosten, Erhöhung der — 180.
Ausfuhr Argentiniens 1912, Verschif- Baumwollbau (Arbeiterfrage) 162.

fung der Getreideernte 127. Baumwollbau (Klima) 159.

Ausfuhr Argentiniens im I Quar- Baumwollbau. . (Erster Anbau in  Ar-

tal 1913 173. gentinien) 157.
        <pb n="345" />
        Baumwollbau. (Jetziger Stand des An- Deutschlands Anteil an der Ausfuhr
baus) 165, Argentiniens 1912 128,
Baumwollbau Produktionskosten) 164. Deutschlands Anteil an der Einfuhr Ar-
Baumwollbau (Riesenernte 1912) 158, gentiniens 1912 133. en
Baumwollbau (Transportverhältnisse) Deutschlands Einfuhr nach Argentinien
164. im ‚I; Halbjahr. 1913 212.
Eaumwollbau (Weltproduktion) 157. Deutschlands Kanfuhr,  Rückeang von
— 184.
Haumwollbau Chnahme) des Weitver Deutschland und seine Konkurrenten 134,
brauche) =. KA L „7. Deutschland ‚und ‚die Vereinigten Staa-
Baumwolle, Argentinische — auf dem 5 5
ten (Einfuhr nach Argentinien) 214,
Nelmark a 766 Sn Diebstähle, Sicherung gegen — 276
Baumwolle (Für Argentinien geeignete n ) BCE
Dock Sud 273.
Arten) 168. hriften, Neue — 271
Baumwolle (Boden) 160. DET NG ;
5 Drahtlose Telegraphie 218,
Baumwolle (Neuerlicher Anbau in Ar- Druckpapier, Zoll auf — 322.
gentinien) 159. Edelmetall — Ein- und Ausfuhr im
Baumwollgewebe, Zoll auf — 3283. I. Quartal 1913 176.
Baumwollhunger 157, Einfuhr Argentiniens 1912 130.
Baumwollindustrie, Argentinische — 166, Einfuhr Argentiniens im I. Quartal
Bautätigkeit 324, 1913 171.
Beleuchtung‘ von Buenos Aires 284. Einfuhr Argentiniens 1912, Deutsch-
Dr. Berges, Bericht von — 2938. lands Anteil 133.
Bevölkerung. der Provinz Buenos KEinfuhr Deutschlands nach Argentinien
Aires 283. im. I. Halbjahr - 1913 212,
Bewässerungsanlagen, Förderung von Einfuhr Deutschlands, Rückgang der —
— 286. 134 und 184.
Bierproduktion 324, Einfuhr von, Spielwaren 324.
Binnenhandel Südamerikas 285. Einfuhr, Deutschlands Anteil an der —
Bodenfläche, Angebaute ‚— 312. wichtiger Artikel 318.
Bodenverteilung, Unwirtschaftliche — Einfuhr von Lebensmitteln tierischen
259. Ursprunges 142.
Bodenwert, Uebertriebene Steigerung KEinfuhrverbot von Cachiporras 143.
255. Einwanderung 1913 281. ;
Bolivianisches Bahnnetz, Anschluß des- KEinwanderungsüberschuß 1912. 182.
„selben ‘ 231, Eisenbahnen, Dividenden 305. '
Bostoner Handelskammer, _Studienkom- Eisenbahnen: Einheitliche Richtlinien für
mission der .— 216, die Vergebung neuer Konzessionen
Botschaft des Präsidenten 1913 186. 306.
Branntweinbrennereien 219, Eisenbahnen: Eröffnung des direkten
Buenos; Aires, Hafen, von — 272, Verkehrs Buenos Aires — Asunciön
Buenos Aires (Stadt), _Straßenver- 307.
kehr 247. Eisenbahnen: Kapitalserhöhungen ‚304.
Budget für 1913 193. Eisenbahnen: - Zukunftsaussichten 305.
Budget für 1914 257. Eisenbahngesellschaften, Förderung der
Cachiporras, Einfuhrverbot von — 143, Ansiedlungspolitik der — 235.
Comodoro Rivadavia 166. Eisenbahnwerte, Kursrückgang der —
Deutsche Schule in Quilmes 284. 298.
        <pb n="346" />
        Elektrotechnische Kommission 222. Gesamtproduktion, Werte der landwirt-

Emissions- und Rediskontinstitut, Pro- schaftlichen 208.
spekt für ein staatliches — 198. Gesamtverkehr in argentinischen Häfen

Ernteaussichten 315. 275.

Farquhar - 216. Gesetzentwurf betr. Gründung, einer

Filmeinfuhr 278. staatlichen Rediskontkasse 201.

Finanzielle Lage des Landes 286. Gesetz Nr. 9127, betreffend den obli-

Flugwesen 137 und 249. ; gatorischen Gebrauch der Telegraphie

Fortschritt Argentiniens: Natürliche und ohne Draht vom 25. September 1913
politische Vorbedingungen 307. 826.

Frigorifico, Neuer — 318. Gesetz Nr. 9104/5, betreffend Aus-

Fusion der Süd- und Westbahn 227. dehnung der Sonntagsruhe 327.

Fusion der F. C. S. und F. C. O., Getreideausfuhr im I.‘ Halbjahr 1913
Scheitern der — 302. 9207.

Gartenbau und Gemüsezucht 125. Getreideernte, Ertrag der — 1913 117.

Gefrierfleisch: Abkommen von 1911 298. Getreideernte, Verschiffung der — 1913

Gefrierfleischindustrie, Die argentini- 4127.
sche — 183. Getreidesäcke-Beschaffung durch die

Gefrierfleisch :. Ausdehnung des nord- Regierung 236.
amerikanischen Einflusses 294. Getreidesäcke, Staatliche Beschaffung

Gefrierfleisch-Ausfuhr der anglo-argen- 261.
tinischen Gefrieranstalten 296. Getreidespeicher 205.

Gefrierfleischanstalten, Ausfuhr der Grundstücke, Durchschnittspreise länd-
nordamerikanischen — 295. licher — 112.

Gefrierfleisch: Eingreifen ‘ der Nord- Grundstücke, Preise und _Beleihung
amerikaner 300. städtischer — 113.

Gefrieranstalten, Entwicklungsgeschichte Hafenverkehr von Buenos Aires 248
der argentinischen — 209. und 815. . a
Gefrierfleischgesellschaften, Argentini- Häfen, Gesamtverkehr in argentinischen

sche — „293. De 278:

Gefrierfleisch: Preisbeschränkung durch Handel in den letzten zehn Jahren 308.
anglo - argentinische Gesellschaften Handel, Stellung Argentiniens im süd-
298. amerikanischen — 311.

Gefrieranstalten, Preiskampf der 289. Handelskammern, Neue — in Buenos

Gefrierfleischindustrie : Regierungsmaß- Aires 280.
nahmen 287. Heilmittel-- und _Mineralwasserveririeb

Gefrieranstalten und Saladeros in den 141.

La-Plata-Staaten 291. Hypotheken, Sicherheit der — 112.
Gefrierfleisch: Die Trustgefahr 301. Hypothekenbank, Staatliche — 185.
Gefrierfleisch: Vorteilhaftere Preisge- Hypothekenbanken in Buenos Aires 113
_ staltung durch die nordamerikani- Hypothekenbanken, Staatliche Aufsicht

schen Gesellschaften 297. der argentinischen — 111.
Gemüsezucht, Gartenbau und — 125. Immobiliengeschäft, Stillstand im -—
Genossenschaften 205. 256.

Genossenschaften, Landwirtschaftliche — Innere Steuern 258.

236. Kampautomobile 138.
Genußmittel-Verbrauch 219. Kanal Mitre 239.
        <pb n="347" />
        Kapitalsanlagen in Argentinien 310. Maisverwertung‘ 207.
Wandkarten, Neue — von Argentinien Manikultur 263,

326. Mendoza (Petroleum) 169,
Kartoffeleinfuhr 223 und 277. Mihanovich 314,

Kleinkundschaft, Argentinische -— 276. Minister der öffentlichen Arbeiten, Rück-
Kolonisation, Anregung privater — 284. tritt 231.

Kolonisation, Staatliche — 234. Molkereibetrieb 261.

Kongreßvorlage 324. Mollard, Projekt — 286,
Konkurrenten, Deutschland und seine — Mühlenindustrie 117 und 220.

134. Nahrungsmittel-Einfuhr, Vorschriften
Konkurse. I. Halbjahr 1913 195. dafür 250,

Konkursverfahren in Argentinien 318. Nahrungsmittelkonserven, Vorschriften
Konsulate, Argentinische — in Deutsch- für deren Einführung 327.

land 280. National-Hypothekenbank 258,
Konversionskasse: 198 und 285. Nationalität der im Jahre 1912 in Ar-
Kriegsschiffsaufträge 217. gentinien Eingewanderten 181,
Küstenschiffahrt, Mängel der — 270. Naturalisierung 183.

Küstenschiffahrt 315. Neuquenbahn 304,
Küstenschiffahrtsgesetz, Novelle zum — Neuquen (Petroleum) 169, 269.

270. Nordamerikanische Propaganda 250,
Kuhschlachtungen, Frage der —: 287. Obstbau, Förderung durch die Regie-
Lage, Wirtschaftliche — 194. rung 124,

Lager-, Kran- und statistische Gebühren Obst, Geplante Ausfuhr 125,

der Sendungen ohne Wert 192. Offiziere, Argentinische — im deutschen
Lagerhausfristen 223. Heere 188, 222,

Lagerung zollpflichtiger Waren in pri- Pacificbahn 305.

vaten. Lagerhäusern 192. Pachtverhältnisse, Gründe der schlech-
Lagerzeit für Wein in Fässern und ten — 202.

Tabak in. Ballen 253. Packleinen, Säcke und Bindfaden, Zoll-
Landwirtschaft, Rentabilität der — 256. freiheit für — 1483.
Landwirtschaftliche Genossenschaften Pakete, Erhöhung des zulässigen Ge-

236. wichts für — nach Argentinien 192,
Landwirtschaftliche Gesamtproduktion, Pakete, Zollbehandlung 223,

Werte 208: Pakete, Stempelabgabe für — ohne
Landwirtschaftliche Kenntnisse, HMan- Handelswert 224,

„ geinde — 260. Pächteranwesen, Bau von — 2837.
Landwirtschaftliche Verarbeitungsindu- Pächterstreik 202,

strien, Unterstützung 237. Paraguaybahn, Direkter Anschluß der
Landwirtschaftliche Versuchsstationen — 232.

205. Paranä-Velta, Eindeichung 262,
La-Plata-Hafen 273. Paranähäfen 273.

Lebensmittel-Einfuhr tierischen Ur- _Passagierverkehr, Tarif und Fahrplan
sprungs 142. der Dampfer mit Postprivileg, Ver-
Lein- und Weizenerträge per ha im ordnung betr. den — 188.

Erntejahr 1912/13 207. Pensionsgesetz für Eisenbahnheamte 303,
Leinstroh 208. Personalnachrichten 188, 222, 280, 325,
Luftflotte 325. Petroleum in Bahia Blanca 168,
Maisanbau 116. Petroleum, Beginn des Absatzes 241.
        <pb n="348" />
        Petroleum, Beteiligung privater Unter- Schule, Deutsche — in Quilmes, 284.

nehmer 242, Schwimmende Ausstellungen 221.
Petroleum-Bohrungen, . Neuere — 240, Sendungen ohne Wert, Lager-, Kran-
Petroleum in Comodoro Rivadayia 166, und. statistische Gebühren der — 192.
Petroleum: Gewinnanteil des Staates 268. Sonderbotschaft der argentinischen Re-
Petroleum in Mendoza 169. gierung. 187.

Petroleum: Nachteile des Staatsbetrie- Spielwareneinfuhr 324.

bes 268. Staatliche Hypothekenbank 248.
Petroleumfelder des Neuqu@n 269, Staatsaufträge 324.

Petroleum in Neuqu6n 169. Staatsbahnen, Bau, der: — 307.
Petroleum-Produktion Januar-Mai 1913 —Staatsbahnen, Stockung im Ausbau der

240. — 228.

Petroleumzone in. Salta 170, 269. Staatsbahnen, Verpachtungsprojekt. der
Petroleum, Staatliche Maßnahmen zur —.220,

Ausbeutung 241, Staatsbedarf, Argentinischer, —, 279.
Petroleum, Staatliche Reservate 242, Staatsschuldendienst 1912 194,
Petroleum: Staats- und Privatbetrieb Stadtanleihe, Neue — 248.

267. Status der argentinischen Banken 197.
Petroleum, Verwendung des argenti- Steuer für Automobile in Buenos Aires

nischen Petroleums 170. 139.

Pflasteranleihe, Neue — 325, Steuern, Innere — 258.

Postpakete, Unbestellbare — 327. Stempelabgabe für Pakete ohne Handels-
Preissteigerungen 179, 256, wert 224.

Privat- und Staatsbahnen 306. Steuer, Innere. — auf Riech- und Schön-
Projekt Mollard 286, heitsmittel 139.

Propaganda, Nordamerikanische 250. Straßenverkehr in Buenos Aires, 247.
'Quebrachozoll, Aufhebung des ameri- Streiks 1912 in Buenos Aires. 324.

kanischen — 217, Studienkommission. 323.

'Quequ6n, Hafen von, — 315. Studienkommission der Bostoner Han-
Rediskontkasse, Gesetzentwurf betr. delskammer 216.

Gründung einer staatlichen, — 201. Süd- und Westbahn, Fusion. der — 227.
Rechtsverhältnisse in Argentinien 318. Tabakbau 263.

Regie Gön6rale, Angebot der — 230. Tabakbau und Verarbeitung 122
Reiskultur 123. Tabakfabriken 122.

Riachuelohafen 272. Tabakindustrie, Rentabilität der — 123.
Riech- und Schönheitsmittel, Innere Tabak, Rückgang des — ‚Anbaus 122.

Steuer auf — 139. Tabak, Zunehmende Einfuhr des — 122.
Rindfleisch-Ausfuhr 312. Transithandel (Ausfuhr). 151/2.

Rio Negrotal, Ansiedlung im — 238, Transithandel (Per Andenbahn), 143.
Roosevelt 217. Transithandel (nach Chile) 146:

Säcke, Ausfuhrzoll für — 143. Transithandel (Von Chile) 148.

Salta (Petroleum) 170, 269. Transithandel (Auf Grenzbahnen) 148.
San Martin, Hafen von — 271 Transithandelsverkehr 152.
Scheckvergehen, Bestrafung von — 191, Transitverkehr 143.

77: Ueberschwemmungen 283.

Schiffahrt: Frachten 315. Umlanfsmittel Ende Juni 1913 198.
Schiffahrt: Neue deutsche Linien 314. Untergrundbahn, Neue — im Buenos
‚Schlachthofneubau 318. Aires 233.
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        Unternehmen, Neue — 279. Werte der landwirtschaftlichen Gesamt-
Urteile, Vollstreckbarkeit deutscher — produktion 208. ;
in Argentinien 320. Wirtschaftliche Lage 194.
Uruguay, Brücke über den — 222. Wirtschaftliche Lage Argentiniens 248.
Uruguayhäfen 274. } Wochenend-Telegrammverkehr 218.
Verarbeitungsindustrien, Unterstützung Wollausfuhr vom 1. Okt. 1912 bie
Jandwirtschaftlicher — 287. 26. Juni 1913 212.
Verein Deutscher Ingenieure 280. | Zahlungseinstellungen 285.
Vereinigten Staaten, Deutschland und —Zeichenschutz 321,
die ‚— (Einfuhr. nach Argentinien) Zensus 283.
214. Zentralviehmarkt 317.
Verkehrsziffern.. I. Quartal 1913 172. Zollämter, Binnenländische — 280.
Verordnung betr. den Passagierverkehr, Zollagergebühren (Fristbestimmungen)
Tarif und Fahrplan der Dampfer mit 142.
Postprivileg 188. S Zoll auf Baumwollgewebe 323.
Verpachtungsprojekt der Staatsbahnen Zoll auf Druckpapier 322.
229. Zoll auf Quebracho, Aufhebung . des
Versuchsstationen, Landwirtschaftliche amerikanischen — 217.
“205. Zolleinnahmen 1912 247.
Viehbestand 288. Zolleinnahmen 1903/1912 310. |
Viehbestand, ‘jedeutung 312. Zolleinnahmen I. Halbjahr 1913 196.
Vizekonsulat, Neues — in Wiesbaden Zollfreiheit für Packleinen, Säcke‘ und
222. Bindfaden 143.
Vollstreckbarkeit deutscher Urteile in Zoll, Ausfuhr — für Säcke 143.
Argentinien 320. Zollpflichtige Waren, Lagerung in pri-
Vorschriften für die Einfuhr von Nah- vaten Lagerhäusern 192.
rungsmitteln 250. Zolltarif 248.
Warenaustausch, Förderung ‘deutsch- Zolltarifsachen, Auskünfte in — 222,
argentinischen — 322. Zuchtvieh, Bedarf an — 289.
Wassertanks 206. Zuckerernte 1913 266 und 316,
Wegebau 323. ; Zuckerhandel 266. A
Weinanbau 118. Zuckerindustrie, Bestehende — 120.
Wein in Fässern und Tabak in Ballen, Zucker: Investiertes Kapital 267.
Lagerzeit für — 253. Zucker: Mögliche Produktionssteigerung
Weinproduktion von Mendoza 284. 265.
Weizen- und Leinerträge per ha im —Zuckerproduktion 1912 263.
Erntejahr 1912/13 207. Zuckerrohr-Ertrag 121.
Weizentypen 207. Zuckerrübenbau 239.
Welthandel, Argentiniens Stellung im —Zucker-Zollschutz 265.
— 3LL Zwischenhandel, Ausschaltung des —
Weltwirtschaftliches Archiv 326. ;
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        nte Bericht weist auch darauf hin, daß die mit Alfalfa an- Bedarf an
im Jahre 1911 973 393 ha größer war als im Jahre 1908. Zuchtvieh.
Yalfafeldern nur etwa 10% zur Gewinnung von Trocken-
werden, haben also die Viehweiden ganz beträchtlich zu-
die Ausdehnung der Alfalfafelder ist bis in die Gegenwart
weitergewachsen. Dazu kommt; daß reichliche Regenfälle,
® Weiden verbessert haben und auch andere Kulturen, wie
DE tweise als Viehweiden verwendet wurden. Im Zusammen-
atstand nun eine große Nachfrage nach Rindvieh zu Zucht-
; 5 sich die Abnahme’ der Kuh- und Kälberschlachtungen so-
-ß an der Preise für diese Tiere erklärt. Eine Zeitlang glaubte
dieser letzteren Erscheinung einen Beweis für die starke
N )indviehbestandes erblicken zu müssen, und es ist Tatsache,
7 ‚tion den Anforderungen der im In- wie im‘ Auslande stark
chfrage nicht im vollen Umfange genügen konnte. Der
’s Landes beanspruchte im Verhältnis zur starken Vermehrung
Weideflächen zum mindesten 800000 Tiere zur Aufzucht
&gt; ia die Kunstweiden nicht ungenutzt liegen bleiben konnten.
Verhältnissen erklärt sich ohne weiteres die Abnahme der.
en seit der zweiten Hälfte des Jahres 1911, die bis in die
in _fortdauert. Während die Viehzüchter zur Zeit der Dürre
zu jedem Preise zu entledigen suchten, behalten sie sie jetzt
n zurück, und wenn diese Erscheinung anhält und‘ auch die
günstigen Weideverhältnisse fortdauern, so kann damit ge-
daß nach Ablauf von vier Jahren ‚sich ‚der jetzige Bestand
ıt verwendeten Kühe um 272% vermehrt haben wird. Das
, hlachtungen Gesagte gilt auch für die Kälberschlachtungen;
; 7 nit sicher zu erwarten, daß die aus der Viehzucht her-
N Einnahmequelle_des Landes auch in Zukunft unverminderf
&amp; d.
' das Vorgehen der‘ nordamerikanischen Gesellschaften ge-/ | Preiskampf
; nachte’ in der Zwischenzeit ihre Wırkung auf die Einnahmen U
| »frierfleischanstalten immer mehr fühlbar. Bei den von den ;
‘ n auf dem’ englischen‘ Markt durchgehaltenen niedrigen
e allseitig mit‘ Verlust gearbeitet. Die an2lo-argentinischen
aben offen zu, daß 'sie an jedem für den Export geschlachteten
A verloren, während die negdamerikanischen Gesellschaften
; sie mit Verlust arbeiteten, und behaupteten, daß die von
niedrigen Preise ihren Produktionsmöglichkeiten entsprächen,
n der ‚besseren Verwertung der Nebenprodukte durch ihre
| 3 chtungen ein größerer Gewinn erwächse als den anglo-
N tesellschaften. Die Richtigkeit des letzteren Arguments_ be-
&amp; n, da_ die Mehrzahl der anglo-argentinischen Frigorificos
S ebenso _gute_ Einrichtungen aufweist. Es_wurde_vielmelhr

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