23 Die Landwirtschaft, 34 aus der Unkenntnis der Wachstumsbedingungen der Boden vieler Bezirke eignet sich seiner Zusammen- Pilanze. Die Araber halten diese, nicht mit Unrecht, setzung nach vorzüglich für die Zuckerrübe. Es wird für eine Aussaugerin des Bodens und wissen diesem weder an Arbeitskräften noch an Absatz-Gelegenheit Übelstand nicht zu begegnen. Auch lassen sie sich für den Rübenbauer fehlen. Man wird mit dieser schnell entmutigen. Kultur schnell vorangehen können, einmal weil der Ausser den ebengenannten Pflanzen, zu denen _Marokkaner anstellig und arbeitsam ist, sodann weil noch die Hirse (in der Gegend von Tanger) sie auf dem vorzüglich geeigneten marokkanischen kommt, baut der marokkanische Landwirt noch Boden keine Änderung der europäischen Methoden Kümmel, Hanf und Kichererbsen. Die verlangt. Die Aussichten für den Anbau von Kultur dieser Gewächse erstreckt sich jedoch nur Zuckerrohr sind gering, denn Marokko eignet auf eine kleine Aubaufläche in bestimmten Bezirken. sich, wie Algerien und Tunesien, wenig für die Kul- Rüben, Kartoffeln, Erbsen, Pferdebohnen, Futter- tur tropischer und subtropischer Gewächse. kräuter sind im allgemeinen unbekannt. Doch würde dies alles in dem von der Natur reich gesegneten Um die Weidebezirke Marokkos in Ackerland zu Lande vorzüglich gedeihen. verwandeln, wird man die Steppe zunächst mit dem Die Fruchtbaumkultur hat in Marokko eine be- Maximum an Nutztieren besetzen, die die natürliche sonders grosse Zukunft, aber es bedarf zunächst Vegetation des Bodens ernähren kann. Man wird ruhiger Zustände und der Festigung der Besitzrechte auf diese Art Dung und die zum Betriebe rationeller und Rechtsbegriffe. Ölbaum, Mandelbaum, Rebstock, Landwirtschaft erforderliche Betriebskraft erhalten. Feigenbaum, kurz alle ‘ Fruchtbäume Südeuropas ge- Mit dem Anbau von Futterpflanzen, mag er ben in Marokko reiche Ernten. Ihr Anbau wird auch nicht allzu lohnend erscheinen, wird man in auch bedeutend lohnender sein als der der der Steppe den Anfang machen müssen. Wie auf Feldfrüchte. allen Gebieten der Landwirtschaft bietet Marokko Auch die Rübenkultur wird in gewissen auch für Wiesen- und Weidewirtschaf{t Gegenden des Landes sehr einträglich sein. Der die günstigsten Aussichten. Der Mineralreichtum Marokkos. Dass das Land einen grossen Reichtum an Mine- versuche auf eigene Rechnung anstellen. Aber es blieb ralien aller Art besitzt, ist bekannt, obwohl das auf bei diesen Versuchen. religiösen Vorurteilen beruhende Verbot des Schürfens Nach dem Stand der heutigen Forschung stellen und die Unzugänglichkeit des gebirgigen Innern Fest- sich die Minenschätze Marokkos wie folgt dar: stellungen im einzelnen erschwerten. Schon die Ana- Gold findet sich im Sus und Nachbargebiet, logie des südspanischen Gebirgsstocks, als dessen Fort- ferner im Rif. Auch südlich vom letzteren, in der Ge- setzung Marokko zu betrachten ist, weist auf das Vor- gend von Tasa, kommt es nach einer alten arabischen kommen wertvoller und abbaufähiger Mineralien in Nachricht vor, vor allem aber in der Nähe der spani- diesem Lande hin. Die Kupferlager von Riotinto, die schen Presidien Alhucemas und Penon de Velez de la Bleiminen von Linares, die Silberminen von Almeria Gomera im Gebiet des Stammes Rmara, „dem künftigen Äinden geologisch höchstwahrscheinlich ihre Fortsetzung Transvaal Nordafrikas!“ auf marokkanischem Gebiet. Dass die Trennung Spa- Edelsteine und Halbedelsteine, namentlich niens von Marokko nur eine geographische Äusserlich- Bergkristalle und Amethysten, bieten das Rif, das Sus- keit ist, zeigt die Ähnlichkeit der fossilen Tier- und gebiet und auch andere Landschaften. Pflanzenarten auf beiden Seiten der Meerenge von Das Vorkommen von Silber ist festgestellt vor Gibraltar. allem wieder in dem von der Natur reich gesegneten Primitive Bergbauversuche in Marokko datieren seit Südwesten des Landes, im Sus, wo es nach dem Zeug- Jahrhunderten. Schon zur Römerzeit wurde nach der nis Gundafis an der Quelle des Susflusses zutage treten historischen Überlieferung das Goldvorkommen im Rif soll, und in dem südlich von dieser Landschaft sich ausgebeutet, und in dem Dschebel Hadid (Eisenberg) hinziehenden langgedehnten Dschebel (Gebirge) Bani. nördlich von Mogador finden sich zahlreiche Stollen In dem Mamorawald nordöstlich von Rabat liegt der alten Bergbaus. Auch verliehen frühere Sultane verein- Hügel Kudiet (d. i. Minenhügel), in welchem nach dem zelt Minenkonzessionen in der Gegend von Tetuan Bericht des deutschen Reisenden Lenz Silbererze vor- und Ceuta oder liessen. wie Muley Hassan, Schürf- kommen sollen. Auch die Riataberge südlich von Tasa o*