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        <title>Handbuch über die wirtschaftlichen Verhältnisse Marokkos und Persiens, sowie ihrer Nachbargebiete</title>
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        HANDBUCH
über die wirtschaftlichen Verhältnisse
MAROKKOS und PERSIENS
sowie ihrer Nachbargebiete:
ALGERNIEN-TUNESIEN-SPANISCH-NORDAFRIKA
AFGHANISTAN-BELGTSCHISTÄAN
HERAUSGEGEBEN VON DAVIS TRIETSCH.
Mit einem Tabellarium und drei Kartenbeilagen in Farbendruck.
Q000 GEA VERLAG G. M.B.H. BERLIN W. 35. 00.00
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        WERTE BE Inhalts-Übersicht. m BE——
Marokko und Nachbarländer Aäsiche Spalte 5—6
Persien und Nachbarländer N „ 85—86
Tabellarium und Anhang . 4 153—154
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EEE GET - Ak \ m. EEE
re En EZ
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4er S
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7 "N
AK, ÄRA.
Kartenbeilagen
Mittelmeerländer . . zwischen Spalte‘ 28—29
Persien. . „_.92—93
Gesamtübersicht . am Schluss.
ES
a ana nn OO
EEE TEET ED ESSENER REZENSENT
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        EINLEITUNG.

Das erst vor wenigen Monaten im gleichen Ver- gnügt, Vorhandenes zusammenzutragen oder selbst
lage erschienene Levante-Handbuch hat in eine Auswahl hinsichtlich der Zuverlässigkeit zu treffen,
der Presse und im Buchhandel eine so günstige Auf- sondern die bestrebt ist, eine einheitliche allseitige Dar-
nahme gefunden, dass schon jetzt ein Neudruck — stellung zu geben, verbreitete Irrtümer aufzuklären und
mit geringeren Veränderungen — veranlasst werden durch häufige — evtl. jährliche — Neuauflagen dem
musste. Dieser Erfolg veranlasst den Herausgeber Veralten des gebotenen Materials vorzubeugen, in dem
und den Verlag, im vorliegenden Bande eine Dar- ja der Hauptnachteil der grossen, nicht speziellen
stellung der wirtschaftlichen Verhältnisse zweier Län- Publikationen liegt.
der zu geben, die gegenwärtig mehr als seit vielen Der vorliegende Band bildet eine Art Ergänzung
Jahrzehnten im Vordergrund des Interesses stehen: zu dem „Levante-Handbuche“, mit dem zusammen er
MAROKKO und PERSIEN. den Bereich der islamischen Länder umfasst. Die

Nicht nur haben die politischen Verhältnisse diese Einheit der islamischen Staaten ist
beiden Länder dem Gesichtskreis der gesamten Kultur- eine der neuen Entwickelungen, die im Gefolge der
welt erheblich näher gerückt, sondern auch ihre Be- türkischen Umwälzungen vor sich gehen. Die persi-
deutung als Feld für wirtschaftliche Betätigung firemd- schen Nationalisten haben sich in einer kritischen Lage
nationalen Kapitals wächst zusehends und dürfte genug an das türkische Parlament gewandt und es gebeten,
Veranlassung bieten, dass die Industriestaaten mit In- die Interessen des freiheitlichen Persien vor Europa
teresse ihrer weiteren Entwickelung folgen. zu vertreten. Marokko und Afghanistan — die fern-

Zum Verständnis der kommenden Dinge gehört in Sten selbständigen islamischen Staaten in West und Ost
erster Linie Kenntnis des Bestehenden. Diese Kenntnis haben türkische Instrukteure für die „Europäisierung“
zu vermitteln, ist der Zweck von Publikationen wie ihrer Militärmacht gewonnen — Beziehungen sind an-
der vorliegenden. In den meisten Fällen ist es nicht geknüpft, trennende Unterschiede konfessioneller und
allzu schwer, sich über die Verhältnisse der Länder politischer Art sind überbrückt worden, mit einem
aus verschiedenen Quellen zu informieren, wenn auch Worte: durch die islamische Welt, die so gespalten
schon eine systematische Verarbeitung der zugäng- schien, geht jetzt ein Zug der Konsolidierung, der In-
lichen Materialien zu einer einheitlichen und über- teressengemeinschaft gegenüber den politischen. Ge:
sichtlichen Darstellung eine verdienstliche Arbeit wäre fahren, die ihr von Europa her drohen.
und einem viel grösseren Kreise die Informationen zu- Diese Entwickelung verdient das grösste Interesse,
gänglich machen würde, als es jetzt bei verstreuten um So mehr, als diesem politischen Zusammenschluss
und verschieden bearbeiteten Einzelkapiteln der Fall gegen Europa eine gleichzeitige Tendenz gegenüber-
sein kann. steht, die die Länder des Orients dem Verkehr, dem

Die Orientländer nehmen aber in dieser Beziehung Handel, der Industrie, der Weltwirtschaft erschliessen
eine ganz besondere Stelle ein. Hier fehlt noch fast Will
jede Statistik, und selbst über die einfachsten Dinge Politik und Wirtschaft gehen oft Hand in Hand,
findet man in den zuverlässigsten Werken Angaben, die oft widersprechen sie einander; in allen Fällen aber
oft um ein viellaches von der Wirklichkeit und bestehen Wechselwirkungen zwischen beiden, zu deren
von einander abweichen. Hier ist eine Publi- Erkenntnis und Nutzbarmachung diese Publikationen
kation doppelt wünschenswert, die sich nicht damit be- beitragen sollen.

Berlin, im Juni 1910. Davis Trietsch.
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        <pb n="8" />
        und seine Nachbargebiete:
= Anhalt: =—=
Deiinition .. Spalte 7—8 4 Seefischerei . . Spalte 37—38
Angaben über Fläche und Einwohnerzahl A 7—8 Die Völkerschaften Nord-Westafrikas . . „ 39—40
Staatsoberhaupt. . . .* + + +“ »/ 9—10' Die Juden von Marokko .... ... » 39—42
Die Regierungsbehörden . . . . . 9—10 Die europäische Presse in Marokko .. 43-44
Nationalitäten und Konfessionen. . . . | %—10 Winke für den Handel mit Marokko . 7 » 45—46
Die Städte Marokkos (Liste) . ...... =, 11—12 Winke für deutsche Handelshäuser und
KH A 11—12 Industrielle . Sa HE
Heer und Flotte. Se . Do Reisen und Verkehr in Marokko . .. „ 49—52
a und SoHSige fremde Postämter , ae Die deutschen Konsulate. . 53-54
a Telearophie ; Ba Deutschlands Marokko-Handel 1907—1908 „53—62
ia Eu N SA Seeverkehr in den acht Hafenplätzen . .. „ 63—64
S TEC Ährung an Eingeborene SE. " ze Das „Straßen“-Netz von Fes. . .. „ 63—64
Die französischen Schutzgenossen , ; „ 15—18 5
zn Schlußwort . . „ 65—66
Die Finanzen Marokkos .. » 17—20 N 5
Die neue. marokkan! N Die Nachbargebiete Marokkos,
von 1910 ürokkanische Staatsanleihe 90 Algerien und Tunesien . . - » 69—76
Alphabetisch © 4 En re BE Spanisch Nordafrika . . . De TE
phabelische Städteliste Marokkos (nebst a 3 il
spanischen Enklaven) mit näheren An- een ; | —O
gaben‘. 21—30 Bibliographie über Marokko u. die in diesem
Landwirtschaft , | 81—34 Buche behandelten nordafrikanischen
Mineralreichtum 33—36 Nachbargebiete . „ 79—84
        <pb n="9" />
        { Definition. s
Definition.
Was ist Marokko? — Mauche verstehen darunter ! völkerungsdichtigkeit zwischen 7,2 und 50 per Quadrat-
(im geographischen Sinne) die Atlasländer. Dann _kilometer ergeben könnte! — Aber selbst wenn wir die
würde Algerien und Tunesien mit dazu gehören. — Sicherlich zu hoch gegriffene Schätzung von 20 Mil-
Andere rechnen dazu die Gebiete, in denen die Be- _lionen ausser acht lassen und nur die ganz ernst zu
kenner des Islam im Sultan von Marokko ihr reli- nehmenden Ziffern in die Rechnung stellen, so bleibt
giöses Oberhaupt sehen. Das wäre eine Art „Khali- hier immer noch ein Spielraum zwischen 7,2 und
fat des Westens“, das ausser dem eigentlichen 25 per qkm. . | = .
Marokko die südlich gelegenen Gebiete mit der Oasen- Aber selbst dieses hier einigermassen kenntliche
gruppe von Tuat und mit Timbuktu am Niger- Gebiet des eigentlichen Marokko, ‚das wir in diesem
knie umfasst. Erklärten doch die Leute von Timbuktu Buche auf 400 000 qkm mit 8 Millionen Einwohnern
der französischen Expedition von 1887, sie seien Unter- (eher mehr als weniger) schätzen wollen”) „ist noch
tanen des Sultans von Marokko (dem sie gleichwohl keineswegs als „unbedingtes Marokko“ im Sinne eines
niemals Abgaben geleistet hatten!). — Wieder andere _Staatswesens zu bezeichnen, denn nun kommt noch
bezeichnen als Marokko das von französischem Gebjet die Unterscheidung hinzu zwischen
umklammerte Land zwischen der Mündung des Uad Bled-el-Makhzen — Regierungsland und
Kiss an der algerischen Grenze und dem Kap Nun Bled-es-Ssiba = Unabhängiges Gebiet, in dem der
(oder auch dem Kap Juby) am Atlantischen Ozean. — Sultan nur als religiöses Oberhaupt anerkannt ist.
Aber auch dieses Gebiet ist keineswegs fest um- Das Regierungsland wird meist auf die Hälfte
rissen, und die grundlegendsten Angaben, wie über (manchmal etwas weniger) als die Gesamtfläche Ma-
Flächeninhalt und Einwohnerzahl, kann man in den _rokkos geschätzt, doch ist es gerade in dieser Hinsicht
verschiedenen Quellen ausserordentlich verschieden an- fast unmöglich, mehr als ganz allgemeine Schätzungen
gegeben vorfinden. — Zur besseren Illustration folgen ' zu geben.
hier die hauptsächlichsten Einigermassen fest steht nur die Küstenausdehnung
N . z des Gesamtgebietes, die — mit ca. 425 km am Mittel-
Angaben über Fläche und Einwohnerzahl meer, mit 60 km an der Strasse von Gibraltar und ca.
Marokkos. 1200 km am Atlantischen Ozean angegeben wird. Die
Bevölkerunge: Grenzen im Innern sind dagegen als recht veränderlich
 QUeIIE ‚Areal Einwohner- dichtigkeit anzusehen. Ist doch im französisch-marokkanischen
N other Kalander 1005 90T  RNDOG0 an ee Vertrage vom 18. März 1845 "die Grenze zwischen
Hübners Tabellen 1909 456000 7000000 15,35 Marokko und Algerien nur in einer Länge von 350 km
Statesmans Yearbook 1909 567648 4340000 8,8 festgelegt worden. Der Rest galt als „sans valeur“ und
Ha An 567200) 0000000 zen hierfür sind nur die Stämme — nicht aber die Terri-
Theobald Fischer 1909 600000 8.000000 13,3 torien — im Vertrage aufgeführt.
Größte Wahrscheinlichkeit ca. 400000 ca. 8000000 20 Immerhin werden wir für alle praktischen
Weitere Schätzungen ergeben eine Einwohnerzahl Zwecke das sogenannte „Regierungsland“ und das „un-
bis zu 20000 000! .Hiernach wären Schätzungsunter- abhängige Gebiet“ als „Marokko im poli-
schiede zwischen. 400000 und 600000 Quadratkilo- tischen Sinne“ zusammenzufassen haben, um so
metern — und zwischen 4340 000 und 20 000 000 Ein- mehr, als ja die Macht des Sultans seit der Vernichtung
wohnern zu verzeichnen, was die Möglichkeit einer Be- Bu Hamara’s wieder im Steigen begriffen ist. — Aber
ru 9 „Ohne Tuat und die Wüste.“ — Diese Angabe findet auch sonst war wohl das „unabhängige“ Gebiet zum
harten Oasen sind schen seit 1801900 von den Prauzoscn UOMSEt  POLitischen Marokko zu rechnen, wie ja auch
En CE EEE geschlagen worden, und U auf diese ‚Weise dem der Sultan — nicht nur als geistliches Oberhaupt, son-
schon tief in der Wüste gelegenen Gebiete genomu en et (faktisch dern auch als w el {1 Jches — Ab EDEN (wem
En des jemals — sicher längst nicht unter der Bot- auch ‚nicht regelmässige), „Geschenke“ und sogar
auch, die zwischen TWat und don Chgeren Matte 2 A27i0n gelegentlich Hilfstruppen aus dem unabhängigen
Wüste schon als französisches Gebiet bezeichnet, — Daniel’s Gebiet erhielt.
„Handbuch“ vom Jahre 1895 rechnet zu Marokko noch die Oasen — n "
der Wüste, gibt aber das gesamte Gebiet gleich mit einer viel *) Die gleiche Einwohnerziffer findet sich auch in Prof.
höheren Ziffer, nämlich 812,332 qkm (bei 8 Millionen Einwohnern) Martin Hartmann’s Handbuch des I slam (Verlag Rudolf Haupt,
an, von welcher Fläche gelegentlich 439240 qkm als „Bled el Leipzig 1909). — Unter den 8 Millionen Einwohnern Sind hier
Makhzen“ angegeben werden, also genau soviel wie von anderen 7840 000 Muslime angegeben. — Ewald Banse gibt 1909 eine Areal-
Quellen für das ganze Land. °) Hiervon 197100 qkm Bergland ziffer von weniger als 400000 qkm an; dies entspricht auch der
und fruchtbare Ebenen, 67 700 qkm Steppenland, 311 400 qkm Sand- Ausdehnung Marokkos auf den neuesten Karten. Alles, was
wüsten. % Hiervon 250000 Juden, 15 000 Europäer. über 400 000 hinausgeht, ist sicherlich zu verwerfen.
        <pb n="10" />
        9 Staatsoberhaupt und Regierungsbehörden. 10
Staatsoberhaupt.

Sultan ist Mulay Hafid(Mulay Abdul Hafid), | dul Asis. Die Regierungsform ist die der absoluten
Sohn Mulay Hassans (1873—94) und Bruder seines | Monarchie. — Mulay Hafid wurde am 5. Januar
Vorgängers, des Anfang 1908 abgesetzten Mulay Ab- ! 1909 von den Mächten anerkannt.

Die marokkanischen Regierungsbehörden.

Die verschiedenen Zentralbehörden, die die ma- 8. Die Benika des Amin ala Ribaat el
rokkanische Regierung, den „Machsen“ bilden, Machsen, des Verwalters des Staatseigentums.
sind im Sultanspalast in Fes in dem sogenannten 9. Die Benika des Usir esch Schikaiat,
Meschuar vereinigt. Das ist ein grosser Hof, um des Beschwerdeministers.
den herum die Benikas (Bureaus) der Usire (Mi- 10. Die Benika des Kaid el Meschuar, der
nister) und der Umana (Verwaltungsbeamten) liegen. die Funktionen eines Audienzministers versieht und zu-

Nach einer in der „Deutschen Marokko-Korrespon- gleich Chef der Militärwache im Palast und im Re-
denz“ enthaltenen Zusammenstellung findet man dort: gierungsgebäude ist.

1. Die Benika des Grossvesirs (El Usir el Aadham), Jede Benika hat eine bestimmte Anzahl von
Ministers des Innern, mit zwei leitenden Sekretären, der Sekretären (Kuttab), deren Zahl sich mach dem
eine für den Norden, der andere für den Süden des WUmfange des Dienstzweiges richtet, ferner einen Me-
Reiches. schauri oder Einführer, und eine gewisse Anzahl

2. Die Benika des Usirel Bahr, Ministers des von Mochasni (Regierungssoldaten).

Meeres, der mit der Bearbeitung der auswärtigen An- Zu diesen 10 Benikas, die im Meschuar liegen, muss
gelegenheiten betraut ist. man das Bureau des Ha djib oder Grosskanzlers him

3. Die Benika des Usirel Malia, des Finanz- Zzuzählen. Es befindet sich nicht innerhalb des Meschuar-
ministers, (früher Amin el Umana genannt). hofes, sondern diesseits der Tür, die auf diesen führt,

4. Die Benika des Amin ed Dachil, des'Ver- und bildet die Verbindung mit dem eigentlichen Palast,
walters der Staatseinnahmen. der Wohnung des Sultans.

5. Die Benika des AmineschSchekara oder Es besteht sozusagen eine neutrale Zone
Es Sair, des Verwalters der Staatsausgaben. zwischen dem Meschuar und den Gemächern des Sul-

6. Die Benika des Amin El Hasab, des Vor- tans, zwischen den Regierungsinstanzen und dem Pri-
stehers des Rechnungswesens. vatleben des Herrschers. Diese neutrale Zone ist das

Die Leiter der drei vorgenannten Benikas unter- Reich des Hadjib, der dort den Befehl über die für
stehen dem Finanzminister (Usir el Malia). den inneren Palastdienst bestimmten Offiziersabteilungen

7. Die Benika des Allaf oder UsirelHarb, hat. Die Abteilungen für den äusseren Dienst stehen
des Kriegsministers. unter der Leitung des Kaid el Meschuar.

Die Nationalitäten und Konfessionen.

Der Nationalität nach sind die Einwohner — bei Schätzungen von 1909 geben die Zahl der Frem-
Annahme einer Gesamtziffer von 8 Millionen: den bereits auf 15000 an, wobei die Hauptzunahme
Berber.. ... . "&gt;= a. 4000000 auf die französischen Untertanen entfällt.

Araber und Mauren. . . 3 600 000 Der Religion nach gehören die Einwohner (abge-
Juden aA 100—150 000 sehen von den Fremden, etwa 7000 eingeborene
Neger und Mischlinge . 9250 000 Christen und 100—150 000 Juden) dem Islam an; die

a Hauptlandessprache ist arabisch (marokkanischer Mund-
i art, — daneben Berber-Dialekte).

im er NS He m Beni 2200 Religiöses Oberhaupt ist nicht der Khalif von
n . ; Konstantinopel (obwohl man meist angegeben findet,
6813 spanische Untertanen dass er von allen sunnitischen Mohammedanern als
1027 britische » geistliches Oberhaupt anerkannt werde) sondern der
784 französische ,, marokkanische Sultan und — für einen grossen Teil

169 deutsche % der Marokkaner — der Scherif von Wassan.
        <pb n="11" />
        11 Die Städte Marokkos. 12
Die Städte Marokkos.

Die hauptsächlichsten Städte*) sind: Mazagan* (Mazagan-Bridscha) . . . . 22000
Bez 0000 Casablanca* (Dar el Baida) . . . . . 20000
Marokko (Marrakesch) . . . . . . . 80000 Moögador* 0. A „+ 20000
Rabat*-Saleh* (Doppelstadt) . . . . . 60000 Larasch* (Larache, El-Araisch) „15000
Meknes (Miknasa, span. Mequinez) 50—60 000 Sa 15 000
Tanger* 1. „2. 40000 Alkazar Kabir (Kasr el Kebir) 9 000
Tetuant 25 000 Azamur* (Asamur, Asemmur) 2.000
N *)Die mit * versehenen Städte FEnE Hafenplätze. — Agadir* ee Fa A 2.000

Kat A NE t Ö Ss f SE ES der Städte mit eingehenderen Arzila ( Arcila) aba . 1.000
Klima.

Bei der grossen Verschiedenheit der klimatischen ‘' zum Mai nieder, mit einer Unterbrechung von etwa
Bedingungen muss auch das Klima Marokkos grosse 2 Wochen im Januar oder Februar. — Speziell der
Verschiedenheiten aufweisen. — In den Hauptgegenden nördlichste Landesteil, die Halbinsel zwischen Larasch
des Landes kann es wie folgt charakterisiert werden: und Tetuan, leidet im Winter unter schwierigen Wind-

1. Das atlantische Küstengebiet zeigt verhältnissen und solchen Regengüssen, dass sogar der
je näher dem Meere ein um so gleichmässigeres Klima. Karawanenverkehr nicht selten monatelang unterbrochen
Nach dem Inneren zu wird das Klima trockener und ist. — Die Stadt Tanger zeigt eine Jahresschwankung
ungleichmässiger. Dies wird durch folgende Tempe- der Temperatur zwischen + 10 und +- 30 Grad
raturschwankungen illustriert. Celsius. Auch hier zeigt natürlich das Innere grössere

Mogador (an der Küste) Schwankungen.

zwischen + 10 und + 31° Celsius, Das Rifgebiet ist kalt und feucht.
Marrakesch (138 km land- .

einwärts) zwischen “4 und -+- 420 Celsius. Se Trotz der vielen Regen hat Marokko das beste

Also im einen Falle eine Jahres-Schwankung Klima unter allen Barbaresken-Staaten. Auch die ver-
von 21, im andern von 46 Grad! schiedentlichen Sumpigebiete nahe ‚der Flussmündungen

Die Küstengegenden sind die fruchtbarsten von Sind nicht sehr gesundheitsgefährlich. Selbst das
ganz Marokko, besonders die folgenden Gebiete: Wüstengebiet Marokkos ist nicht so trocken und da-

Garb, Schauja, Dukala, Abda, Sus und Nun. her auch grösserer Fruchtbarkeit fähig, als anderwärts.

2. Die nördliche Region zwischen den Flüssen Um die Kenntnis der klimatischen Verhältnisse
Sebu und Muluja, die unter der Einwirkung west- haben sich die deutscherseits gegründeten meteoro-
licher und nördlicher Winde und der Strömungen der logischen Stationen verdient gemacht. Solche bestehen
Gibraltar-Strasse steht. — Hier ist das Klima sehr in Mogador, Saffıi, (Casablanca, Mazagan und
feucht, die Winterregen gehen oft vom Dezember bis Marrakesch.
        <pb n="12" />
        3 Heer und Flotte, 14
Heer und Flotte.

Im Kriegsfalle sind alle Marokkaner dienst- war (!), blieb schliesslich den Marokkanern, nach-
pflichtig. In Friedenszeiten besteht nur die dem ganze zwei schwere Kanonen für Rabat zur
Infanterie-Truppe der Askari (3000 Mann), die Ablieferung gelangt waren.

Schwarze Garde als Kavallerie-Truppe (2000—

3000 Mann), und eine berittene Gendarmerie (Ma- Für die maritime Machtentfaltung Marokkos war
chazniah) von 8—10 000 Mann. — Die Artillerie dieser Dampfer gerade recht. Einen grösseren Kreuzer,
ist 600 Mann stark. Seit 1902 sind in den grösseren mit dem man nichts anzufangen wusste, hat man bald
Küstenplätzen je 300—500 Mann zur Aufrechterhaltung nach der Anschaffung wieder verkauft, und ein älteres
der Ordnung stationiert, ausserdem versieht eine ca. 200 Schiff wurde wegen Dienstuntauglichkeit losgeschlagen.
Mann starke Polizeitruppe unter französischen und spa- Der „Turki“ passte aber auch wirklich gut für Marokko,
nischen Instruktoren den Dienst in den wichtigeren denn er hat nur acht Fuss Tiefgang, was ihn befähigt,
Häfen (seit 1908). die Barren von Larasch und Rabat zu passieren, so

Die marokkanische Regierung besitzt seit der dass für ihn gerade noch diese spärlichen „Hafen-
Thronentsagung des vorigen Sultans keinerlei „Flotte“. plätze“ ausreichen, und seine Ladefähigkeit von 500
Vorher hatte sie einen kleinen Dampfer „Es Sid et Tonnen hat den bisherigen Bedürfnissen der
Turki“, zu dem sie auf eigenartige Weise gekommen marokkanischen Regierung ebenfalls genügt. — Ganz
ist. Unter Mulai Hassan’s Regierung hatte Marokko anders wird es natürlich werden, sobald die geplanten
einige schwere Küstenverteidigungs-Geschütze im Aus- Hafenbauten wirklich durchgeführt werden, und sobald
lande bestellt, zu deren Ablieferung dieser Dampfer eine erstarkte Regierung bei wirtschaftlichem Auf-
bestimmt war, und das Fahrzeug, dessen Preis in schwung des Landes ihre Interessen energischer zu
dem für die Kanonen berechneten mit inbegriffen vertreten haben wird.

Deutsche und sonstige fremde Postämter in Marokko.

Dass die deutschen Interessen in Marokko trotz der Postämter verausgaben gewöhnliche deutsche Briefmarken,
verhältnismässig geringen Zahl ansässiger Reichsdeutschen die mit „Marokko“ überstempelt sind.
nicht gar so unbedeutend sind und waren, das zeigt Die folgende Tabelle zeigt, an welchen Orten die
auch die viel zu wenig bekannte Tatsache, dass von verschiedenen fremden Postverwaltungen vertreten
allen fremden Postanstalten des scherifischen Reiches sind (===) und an welchen nicht („0“).
Deutschland die meisten und bestorganisierten besitzt. Ort deutsche französische spanische englische

Alkassar iz \

Im Jahre 1905 zeigte ein Vergleich des deutschen AÄrcila
und französischen Postverkehrs in Marokko folgendes Azemour
Bild: Casablanca
Gesamtzahl der Deutsche Post Französ. Post Fes
Briefsendungen 1 380 470 Stück 1129 770 Stück Larache
Wertbriefe 1 85 Marrakesch
Postpakete 3854 26985, Mazagan
Gesamtbetrag der Meknes

Postanweisungen 4059141 Mark 3728 648 Francs Mogador
Rabat

Zwischen Deutschland und den marokkanischen Saffi
Plätzen mit deutschen Postanstalten ist seit Herbst 1907 Tanger
deutsches Inlands- Porto zulässig. Die dortigen Tetuan
        <pb n="13" />
        15 Drahtlose Telegraphie. 16
Drahtlose Telegraphie.

Bezüglich der Verwendung dieses Verkehrsmittels wickelte Land die drahtlose Telegraphie von um
steht Marokko an der Spitze aller Länder. Dies liegt so grösserer Bedeutung, und es wurden auf Betreiben
daran, dass der gewöhnliche Telegraph in Marokko eines französischen Unternehmers Stationen für draht-
noch wenig Eingang gefunden hat und sein Betrieb lose Telegraphie eingerichtet in: Tanger, Rabat, Casa-
auch leichter Störungen unterworfen wäre. Ausserdem blanca und Mogador.
gibt es ja in Marokko keine Eisenbahnen, und auch Die Wortgebühr zwischen diesen Orten ist
der Postverkehr zeichnet sich nicht durch Schnelligkeit 50 Centimes in französischem Geld, bei einem Mini-
aus. Unter solchen Umständen war für dieses unent- mum von 10 Worten.

Eisenbahnen.

Marokko besitzt zurzeit nur 2 kleine Bahnen, die ‘ auf Seluan, den Hauptort des spanischen Minenbezirks
französische Linie Casablanca—Settat (ca. 70 km*) und Beni-Bu-ifrur. Diese letztere Linie, die im Februar
eine spanische von Melilla über Nador in der Richtung 1910 eröffnet wurde, hat vorläufig eine Länge von nur
EEE et x ur ; 25 km. Weitere spanische Linien befinden sich im

*) Einstweilen nur bis Berreschid im Gange. — Maultiere : A
als Betriebskraft! Projektstadium.
Schutzgewährung an Eingeborene *)

Die Verträge, welche die Schutzgewährung an Ein- und deren jedes Handelshaus zwei, an anderen Orten vier
geborene zu regeln bestimmt sind, werden von verschie- resp. sechs haben darf. — Dazu kommt aber die grosse
denen Mächten verschieden angewendet. Zahl der sogenannten Mochalaten, die man kurz

Diese Schutzgewährung hat sich seit Mitte des 19. als Geschäftsverbundene bezeichnen kann,
Jahrhunderts mit der Entwicklung des Handels immer Leute, die als Hüter von Vieh, das Europäern gehört,
mehr eingebürgert, da der Handel der Vermittler und als Schuldner, als regelmässige Lieferanten von Landes-
Einkäufer bedurfte, die der Willkür der marokkanischen erzeugnissen und dergleichen zur Sicherung der Inter-
Beamten entzogen waren. essen dieser Europäer ebenfalls einen gewissen Schutz

Volle kaufmännische Schutzbefohlene sind nur die so- geniessen.
genannten Semsare, die als Makler und Einkäufer dienen,

Zn Bei der geübten Willkürherrschaft drängen sich die
Volkswirtschaft“ "im Jahrbuch für Doufschlands Seeinteressen rer Ach vie Miecbranch aetrieten wand at de
Die französischen Schutzgenossen in Marokko.

Der Schutz, den Frankreich gewissen Untertanen die unter demselben Dache wohnen). Durch die Schutz-
des Sultans gewährt, gründet sich auf Artikel 11 des _genossenschaft wird der eingeborene Schutzgenosse der
Vertrages vom 28. Mai 1767. Gerichtsbarkeit seines Heimatslandes entzogen und unter

Seine Anwendung wurde durch die Vereinbarung die Konsulargerichtsbarkeit des ihn schützenden Landes
vom 19. August 1863 und durch die Konvention vom gestellt.

3. Juli 1880 neugeregelt und gilt für alle Mächte, die Ferner befreit die Schutzgenossenschaft von der
an der Madrider Konvention teilgenommen haben oder Zahlung von Steuern, mit folgenden Ausnahmen
ihr beigetreten sind.

Dieser Schutz erstreckt sich auch auf die Familie 1. Der eingeborene Schutzgenosse hat für etwaigen

des Schutzgenossen (Frau und minderjährige Kinder, landwirtschaftlichen Betrieb die hierfür üblichen
        <pb n="14" />
        7 Die französischen Schutzgenossen. 18
Steuern zu zahlen, gleichviel ob das Land sein c) Auf Untertanen des Sultans, die Frankreich wich-
Eigentum oder nur gepachtet ist. tige Dienste geleistet haben.

2. Für Saumtiere hat er die sogenannten Thorsteuern Die Sensale und landwirtschaftlichen Asso-
zu entrichten. ci6s, deren Schutzverhältnis seitens einer dritten Per-
Die Schutzgenossenschaft findet Anwendung: son erwirkt ist, bekommen ein Patent ausgefertigt, das

_ a) Auf im Dienst der französischen Botschaft und alljährlich seitens jener dritten Person bei der Botschaft

Konsularbehörde stehende Untertanen des Sultans. oder Konsularbehörde zu erneuern ist. Hierfür werden
b) Auf Untertanen des Sultans, die zu französischen folgende Gebühren erhoben:

Kaufleuten im Verhältnis von Angestellten oder Agenten Für Sensale: 30 Francs im ersten Jahre, und 15

(Sensale — marokkanische Form „Semsare“) stehen. Francs in jedem folgenden.

Bei einem Societäts-Verhältnis für landwirtschaftliche Für landwirtschaftliche Associ6s 8 Francs per Jahr.

Unternehmungen beschränkt sich der Schutz auf den (Diese Associe&amp;s werden auch „Mochalaten“

Gegenstand des Societäts-Verhältnisses. genannt.)

Die Finanzen Marokkos.

Marokko hat eine für seine gegenwärtigen Ver- Um die Bedeutung dieser Schuldenlast zu wür-
hältnisse recht beträchtliche Schuldenlast, deren Zu- digen, muss man sich die Staatseinnahmen und -aus-
sammensetzung aus folgender Aufstellung hervorgeht: gaben Marokkos vor Augen halten. Seit 6 Jahren ist

Francs das direkte Steuerwesen in Marokko in Verfall ge-

Französische Anleihe 1904* 620900000 raten. Die verschiedenen Taxen, Hafenabgaben, Tabak-

Deutsche Anleihe 1905 12000000 monopol usw. bringen höchstens 1100000 Mark ein.

Französische Anleihe 1906 2000000 Die Haupteinnahme des Staates sind die Zölle, von

Durch Vermittlung Mac Leans bei verschie- denen aber 60 Proz. zur Verzinsung und Tilgung der

denen Banken aufgenommen 4000000 französischen Anleihe von 1904 dienen. Der für den

Forderung der deutschen Firma Haessner Machsen verbleibende Teil beziffert sich, sehr gute

&amp; Joachimssohn 2000000 Ernten vorausgesetzt, auf ca. 1400000 Mark. Die

Forderung der französischen Firma Braun- gesamten Staatseinnahmen Marokkos betragen also

schwig 3000000 2500000 Mark, während die Verzinsung obiger Schuld

Forderung der Compagnie marocaine für von 165 000 000 Mark, wenn man die französische An-

verschiedene Lieferungen 2700000 leihe von 1904 abrechnet, bei einem Zinsfuss von

Forderung der Compagnie marocaine für 6 Proz. 6900 000 Mark erfordert.

Hafenbauten in Casablanca und Saffi 5 000 000 Auch abgesehen von diesem Zinserfordernis stehen

Forderung der Firma Renschhausen für die Staatseinnahmen in keinem Verhältnis zu den

Hafen- und Kaianlagen in Tanger 3000000 Staatsausgaben. Für die erheblich eingeschränkte Hof-

Forderung der Banque Pariente 2100000 haltung des Sultans, den Sold’der Truppen, die den

Schuldtitel, die ihren Inhabern durch Sul- einflussreichen Schorfas zu zahlenden Subventionen

tansbriefe bestätigt wurden ca. 2000000 sind 450000 Mark monatlich erforderlich. Die sach-

Schuldtitel, die nicht durch Sultansbriefe lichen Aufwendungen für das Heerwesen erfordern

bestätigt oder in der Schwebe sind usw. 15000000 420000 Mark pro Monat. Das macht zusammen

Vorschüsse der Marokkanischen Staatsbank 3000000 870000 Mark pro Monat oder jährlich 10 440 000 Mk.

Verschiedene Darlehen 5 000 000 Die Ausgaben überschreiten also die Einnahmen

Verschiedene schwebende Forderungen 9000000 m ca. 8 Millionen Mark.

Entschädigung für Casablanca 8 000 000 Dieses Verhältnis der Staatseinnahmen und -aus-

Kriegskostenforderung Frankreichs 60.000000 gaben Marokkos präzisiert ein Organ der französischen

Kriegskostenforderung Spaniens 6000000 Marokkointeressenten, die Cöte de la bourse et de la

Insgesamt Francs 206 000 000 banque wie folgt:
= Mark 165 000 000 Das ungeordnete Marokko ist zahlungsunfähig,
*) Der Zweck dieser ersten größeren Anleihe war die Ab- und Frankreich hat sein Geld sehr schlecht angelegt.

Tone früherer Verpflichtungen De die Reform der marok- Das genannte Organ fordert daher, dass Frank-

O0 De ZT PR hıaen verpfänllet, und TU MO KONTO In reich der Reorganisation Marokkos seine Mitwirkung

Haytährlichen Zahlungen bi HL 1041 erfolgen. sn DS und sogar seine Leitung aufnötige, wenn es nicht sein

Tetnten. u Yauhren  Pngch euplischen hellen) 1018 Millionen Franes. Geld verlieren will.
        <pb n="15" />
        19 Die Finanzen Marokkos. 20

Andere (französische) Kenner der Verhältnisse ‘ tat einer Konsolidation; sie seien keine rutschende,
finden die Schuldenlast von 206 Millionen Francs für schwankende Last, die alle möglichen Bewegungen
ein so fruchtbares, mit Wäldern, Minen und 8—10 Milli- hemme. Aber die andern 144 Millionen, die hin und
onen Einwohnern (eine vielleicht etwas hoch gegriffene her fluteten, seien eine Drohung, ein Hindernis, ein
Schätzung!) ausgestattetes Land wie Marokko nicht Gegenstand des Konflikts. Das Ergebnis ist die For-
zu hoch. Es sei nur nötig, dass die Last besser auf- derung der Konsolidation der gesamten Schuld Ma-
gelegt, besser verteilt werde. Nur 62 Millionen (der rokkos, als ein durch die Erfahrung aller Zeiten und
französischen Anleihe von 1904) genössen die Wohl- aller Staaten „geheiligtes“ Mittel.

Die neue marokkanische Staatsanleihe von 1910.
Vermittlerin der Anleihe ist‘ die „Staatsbank der Anleihe verpfändeten Einnahmen ist der Delegierte
von Marokko“, die mit internationalem, vor- der Inhaber der Anleihe von 1904 betraut. Im übrigen
wiegend französischem, aber auch deutschem Kapital, ist aber bisher eine Kontrolle der Staatseinnahmen und
im Anschluss an die Konferenz von Algeciras, ge- Staatsausgaben sehr schwierig, da die marokka-
gründet worden ist. nische Regierung kein Budget ver-
Der Betrag der Anleihe ist 100 Millionen Francs öffe ntlicht.
(= Mark 81 910 440); — sie dient: Nach den bekannten Unterlagen hat es den
zur Abtragung älterer Schulden, Anschein, als ob die gesamten Staatseinkünfte Marokkos
zur Bestreitung der von der Internationalen nunmehr für seinen Schuldendienst beansprucht werden,
Kommission von Casablanca genehmigten Entschädi- so dass für die inneren Bedürfnisse des
gungsansprüche Landes und den Hofhalt des Sultans nichts oder

zur Bestreitung der Kosten für bereits ausgeführte fast nichts übrig bliebe. Es ist jedoch nicht zu ver-
und in der Ausführung begriffene öffentliche Arbeiten gessen, dass beim Eintritt geordneter Zustände ein
sowie rascher Aufschwung des Landes und damit auch eine

zur Bestreitung der Kosten der notwendigen rapide Zunahme der Zolleinnahmen etc. zu erwarten
Expropriationen bei Errichtung des Tabakmonopols. ist, und die Regierung wird ebenfalls sicherlich nicht

Die Anleihe wird &amp; 5 pCt. verzinslich zum Kurse verabsäumen, neue Einnahmequellen zu schaffen.
von 96% pCt. aufgelegt. Dass dies durchaus möglich ist, wird selbst von

Die Sicherung des Dienstes dieser An- denen zugegeben, die einer Kapitalbeteiligung unter
leihe basiert in der Hauptsache auf den Zolleinnahmen gegenwärtigen Umständen gewisse Bedenken entgegen-
(Einfuhr- und Ausfuhrzöllen) des Landes, die im Jahre setzen. So schreibt das „Berliner Tageblatt“ (anfangs
1909 brutto ca. 181% Mill. Pes. Hassani = ca. 10 Mill. M. Juni 1910):
erbracht haben, wovon 1,8 Mill. Pes. Hassani (also ca. „Unstreitig ist, dass wir es bei Marokko mit einem
10%) Erhebungekosten etc. in Abzug kommen. Zur ersten sehr reichen Wirtschaftsgebiet zu tun haben. Die rasch
Stelle sind diese Zolleinnahmen bereits durch eine An- wachsenden Zahlen des Aussenhandels des Landes be-
leihe vom Jahre 1904 belastet, von der noch ca. weisen das ohne weiteres. Hat doch der marokkanische
48 Mill. M. im Umlauf sind. Das Jahreserfordernis für ‚Aussenhandel schon vor einigen Jahren trotz der ge-
die Anleihe von 1904 beläuft sich auf etwa 3,2 Mill. M.; waltigen Hindernisse, die ihm von Seiten der mau-
es würden dann noch etwa 6 Mill. M. — wenn man rischen Regierung in den Weg gelegt wurden, die
das Nettoerträgnis der Zölle von 1909 den Berech- Summe von 100 Mill. Fr. überschritten. Mit der Aus-
nungen zu Grunde legt — für die Anleihe von 1910 beute der Kupferlager, der Antimon-, Silber-, Eisenerz-
übrig bleiben, deren Jahreserfordernis sich ohne Amor- und Salzlager wird der Verkehr weiter beträchtlich an-
tisation auf etwa über 4 Mill. M. beläuft. Hinsicht- schwellen. Ausser dem Minenbetrieb können auch
lich der Amortisation ist zu bemerken, dass die Ackerbau und Viehzucht auf dem fruchtbaren Boden
Anleihe binnen 74 Jahren von 1911 ab getilgt werden Marokkos mit Erfolg betrieben werden. Alles in allem
soll. Abgesehen von den Zolleinkünften sind der neuen ist Marokko beiruhigeninnerpolitischen
Anleihe noch einige andere Einnahmequellen verpfändet, Verhältnissen als ein Land der Zukunit zu be-
deren gegenwärtige Ergebnisse sich indes nur auf trachten, an dessen Erfolgen freilich Frankreich in
1 250 000 Pes. Hassani — ca. 680 000 M. belaufen. Mit weit stärkerem Masse partizipieren wird als Deutsch»
der Kontrolle der Zolleingänge sowie der sonstigen, land.“ . . .
        <pb n="16" />
        1 Die Städte Marokkos. 22
Die Städte Marokkos
(nebst spanischen „Enklaven“).
Abouan. Asemmur
(Abuam, Bu-am). (Azemour — Asamur).

Die Stadt liegt im Süden Marokkos, in der Oase Die Stadt ist eine uralte Gründung (bei den Römern
Tafilelt und an der Karawanenstrasse zwischen Fes und Asama genannt). Sie liegt an der Mündung des Um-
Timbuktu. Sie ist der Hauptmarkt der marokkanischen _er-Rebia an der Atlantischen Küste.

Sahara. Handel mit Getreide und gesalzenen Fischen. Die

Haupthandelsartikel sind Datteln, gegerbte Tier- sehr darniederliegende Stadt ist in allem von dem 12 km
häute, die nach Fes und Tlemzen gehen, ferner Straussen- südwestlich gelegenen Ma za gan abhängig.
federn und Goldstaub aus dem Sudan. Einwohnerzahl 10000, darunter 1000 Israeliten.

Industrie: Teppiche, Maroquin-Leder und Seiden- Ausser zwei schottischen Missionären gibt es keine
waren. Europäer.

Algerien Einfuhr europäischer Waren vollzieht sich über Casablanca
. (Dar-el-Baida — Anfa).
Agadir. Hafen an der atlantischen Küste in der Provinz

Von den P x 50 ündel‘ (Sant Fes, halbwegs zwischen Tanger und Mogador. Haupt-

on den Portugiesen "um 1509 — gegrün En Can 2  handelshafen und bester Ankergrund an der atlantischen
Enz = nd Santa-Cruz de Berberia). Der südlichste Küste. Von hier aus werden die Provinzen Schauja und

Hafen der Atlantischen Küste Marokkos, südlich von ;

Kap Ghir, an der Mündung des Wed Sus. Könnte den Fadla nt Waren ‚versehen. in . .
besten Anker rund an der Küste ab eben ist aber seit CN Sehne nem Atfoliihen -Depnien, Sie
der  Gründume von Mogador (1760) für den fremden ZA ZT ASEE SON) Einwnnen wovon eiwe 0000 Juden

Handel hl 8 und 3000 Europäer. Die neuesten Angaben ver-
CE“ BESCHOSSEN, : zeichnen sogar eine französische Kolonie, die allein

. Die Stadt hat 6000 Einwohner, (nach anderen WE schon 3000 Seelen zählt; — auf alle Fälle ist Casa-
niger) gehört zur Provinz Sus und besitzt eine Festung. }ıanca der Hauptstützpunkt der französischen Bestre-

Alkassar bungen an der atlantischen Küste Marokkos.

. Seit der lebhaften Einwanderung von Europäern

(EI-Ksar-el-Kebir). hat sich ein eigenes Viertel mit europäisch gebauten

Die Stadt liegt 1% km vom Wed Lukkos an der Häusern herausgebildet.

Kreuzung vieler Wege (eigentliche Landstrassen gibt es Die Stadt hatte schon im Mittelalter ziemliche Be-

zurzeit noch nicht in Marokko) und dürfte daher in deutung, wurde aber im Jahre 1755 vom Erdbeben (dem

naher Zukunft sehr an Bedeutung gewinnen, von Lissabon) zerstört und war noch 1830 ein fast un-
_ Die Umgegend ist fruchtbar (Anbau von Wein, _bewohntes Dorf.

Oliven und Orangen). Rinder- und Schafzucht sind be- Casablanca hat Postämter aller 4 Nationen

deutend.-— (Deutschl., Frankr., Spanien, Engl.) und hat einen leb-

Alkassar hat einigen Handel, speziell in Seiden- haften Ausfuhr-Handel. Von Industrie-Artikeln sind
und anderen Geweben, besitzt mehrere Konsulate und Teppiche zu nennen. — Über Ein- und Ausfuhrartikel
ein deutsches und französisches Postamt. siehe Tabellen. In der Ausfuhr Casablancas stand

Einwohnerzahl: 5500. Deutschland im Jahre 1907 mit 40% des Gesamt-

s betrages weitaus an erster Stelle.
Arzila. Ju Casablanca besteht seit 1909 eine Nieder-

An der atlantischen Küste, 40 km südlich von lassung der „Deutschen Orientbank“. Anzahl der
Tanger. Die Stadt wurde von den Portugiesen gegrün- ansässigen Deutschen 55 (im Jahre 1909).
det und befestigt. Sie liegt völlig darnieder, der Hafen
ist geschlossen. Ceuta

Die Einwohnerzahl beträgt 1000, wovon die Hälfte (Spanisch). |
Israeliten. Hafen an der Meerenge von Gibraltar, in

Spanisches Postamt. spanischem Besitz (das ganze Stadtgebiet umfasst
        <pb n="17" />
        22 Die Städte Marokkos. 24
33 qkm, die Stadt zählt 13000 Einwohner, darunter, Distrikt der Oase wird auf über 1000 qkm angegeben.
eine starke Garnison. — Ceuta gehört offiziell zur Die Einwohnerschaff dürfte über 15 000 betragen, wo-
spanischen Provinz Cadiz. von 5000 Juden.

Deninat Die von zwei Flüssen bewässerte Oase zählt 280 000

BE nu pn REN Dattelpalmen, sie hat ferner zahlreiche Frucht- und Ge-

7 i sten von Marrakesch. Bevölkerung ‚üsegärten.
hauptsächlich in der Landwirtschait tätig. Marktplatz Exportartikel: Datteln.
N die benachbarten Gebiete des hohen und mittleren Import von Getreide, Mehl etc., Wolle, Häute und
as. | Leder.

Einwohnerzahl 3000, wovon ca, 1000 Israeliten. Die Industrie (ausschliesslich im Judenviertel hei-

Fedalah misch) ‚erzeugt arabische Kleidungsstücke (Burnus),
(Früher Aidalah). Kamelhaar-Säcke etc. Ferner werden arabische Schmuck-

Der Ort liegt 30 km nördlich von Casablanca. Der sachen und Stickerei-Arbeiten auf Leder hergestellt,
früher sehr lebhafte Hafen ist jetzt versandet, und die Die algerische Bahnlinie OA DE ist seit
Stadt liegt in Ruinen. 1903 bis Beni-Unif, einige Kilometer von Fıguig ver-

Einwohnerzahl 1000. längert. .

Tes Ifni.
(Fas, Fez) (Santa Cruz de Mar Pequena).

Die grösste Stadt des Landes und wichtigste der Auf vielen Karten Marokkos findet sich im Süden
drei Hauptstädte. Es gibt eine Altstadt (Fes-el-Bali) der atlantischen Küste ein Hafen IHini angegeben, der
und eine Neustadt (Fes-Dschedid). Die Stadt liegt SO8ar vielfach als spanischer Besitz gekennzeichnet
nahe dem Wed Sebu in sehr fruchtbarer Umgebung erscheint. m . E
und es führen von hier Strassen nach allen wichtigen _ In den einschlägigen Werken ist aber keine spa-
Plätzen des Reiches. nische Besitzung an der atlantischen Küste Marokkos*)

Der Handel ist ziemlich bedeutend und bringt Fes ZU Finden. Diese Karteneintragung ist darauf zurück-
in Verbindung mit den Hauptplätzen des Senegalge- zuführen, dass den Spaniern im Vertrage Avon Wed-
bietes, Algeriens, Tunesiens, Tripolitaniens und Aegyp- Ras (1860) seitens des Sultans das schon früher bean-
tens. Im Verkehr mit Europa bedienen sich alle spruchte Recht auf dieses kleine Gebiet zugestanden
marokkanischen Kaufleute der Agenten und Kom- wurde. Spanien hat aber bis jetzt von dieser Abtretung
missionäre und verhandeln niemals direkt mit den Keinen Gebrauch gemacht,

Fabrikanten. Hni ist identisch mit Santa Cruz de Mar Pequena,

Der Umfang des Handels von Fes lässt sich Es ist ein ganz unbedeutender Ort zwischen Agadir
schwer feststellen, weil nur die Hafenstatistiken erhält- und Kap Nun (Kap Draa).
lich sind (und auch diese zeigen oft bedeutende Wider- Larasch
sprüche) und weil Fes von mehreren Häfen bedient (El-Araisch).
ehe (ne EEE Rabat). Im An Hafen der atlantischen Küste, linksseitig an der
ü a Zweiler und NDOSCCHENT nur dräter Siüle, Ha el Dr DS DS En dem Hügel von

Die Hauptausfuhrartikel sind: Häute und Felle, SS nd Der Fluss N Eüdet nr air Mündune. ine. Barre, die
orenne N Datteln von Tafilelt, Pantoffeln, dem Verkehr sehr hinderlich ist. Der geplante Hafen

AO Ihdusirien: sind zu nennen die Wollweberei ist einer Heniechen Dt kanzessiomier! worden,
und Färberei, die Ledergerberei. — Ausserdem sind in Var EN ‚den Verkehr mit Fes;
Fes 160 Mühlen in Betrieb, die aber sehr primitiv kon- lebhafter ampierverkehr, teils direkt, teils via Tanger etc.
struiert sind. ) Die Gegend ist sehr fruchtbar (Araisch — Plural

Die Einwohnerzahl wird auf 100.000‘ bis. 150 0039! Arisch — heisst Weinlauben). In den zahlreichen
angegeben, wovon 8—10 000 Juden Gärten wachsen Feigen, Granaten, Quitten, Orangen

) ” und Melonen.
Figuig. Einwohnerzahl 10000, worunter ca. 2000 Juden

Figuig ist eine Oase in der marokkanischen Sahara und 120 Europäer, EEE
nahe der algerischen Grenze. Diese Oase, in 900 m Über Ein- und Ausfuhrartikel siehe Tabellen.
Seehöhe gelegen, besteht eigentlich aus einer Anzahl Postämter aller vier Nationen.
einzelner Ortschaften (Ksour) . wovon 9 grössere. Jede *) Das wichtige Ceuta, die westlichste spanische Besitzung
von diesen ist einzeln von einer Mauer umgeben. Der in Marokko, gehört noch zur Meerenge.
        <pb n="18" />
        25 Die Städte Marokkos. 26
Marrakesch In der Nähe von Mehedia befindet sich der Wald
(Marokko). von Mamora, der ca. 80 qkm Ausdehnung besitzt.

Marrakesch ist neben Fes und Mekines eine der Einwohner: zurzeit etwa 500.
drei Hauptstädte des Landes. Sie liegt auf der linken .

Seite des Tensift*) und wurde im Jahre 1070 unter der Mekines ı
Herrschaft der Almoraviden gegründet. ) (Meknes, Miknasa, Mequines).

Die Stadt liegt in einer Palmen-Oase inmitten einer Eine der drei Hauptstädte des Landes, 60 km süd-
sehr fruchtbaren Ebene am Fuss des Atlas. Sie ist von westlich von Fes in 560 m Seehöhe gelegen. Sommer-
einer über 7 km langen Mauer umgeben. residenz des Sultans, Palast mit Schatzkammer.

Lebhafter Handel und Stapelplatz für Süd-Marokko Fruchtbare Gegend in wasserreicher Hochebene.
und das Gebiet von Tafilelt. Als Hafen für Marrakesch Die zahlreichen Gärten werden von dem Wed-Bu-Sekran
dienen Mazagan, Mogador und Saffi. — Deutsches und bewässert. Beträchtlicher Olivenhandel.
französisches Postamt. Industrien: Ledergerberei und Töpferei.

Fabrikation von Waffen, maurischen Möbeln, In letzter Zeit ist die Bedeutung der Stadt sehr zu-
Teppichen, Messing- und Kupferarbeiten, Seidenstoffen, rückgegangen. Sie soll früher 50—80 Einwohner ge-
Kleidungsstücken, Pantoffeln etc. Berühmt ist das feine zählt haben; — jetzt hat sie ca. 20 000 worunter 5000
Bock- und Ziegenleder („Maroquin“). Juden und 5000 Neger.

Grosse Getreidespeicher, viele Bazare, Paläste und Deutsches Postamt.

Moscheen. .

Spezialitäten des Marktes sind Pferde und: — Samen
Sklaven. Spanisch.) He

Das Klima ist heiss, aber sehr gesund. Hafen an der Nordküste Marokkos (Mittelländisches

Einwohnerzahl 50000, die Hälfte sind Juden, Meer). Gefängnis und Festung, starke Garnison. Frei-
Araber und Europäer gibt es nur wenige. Nach anderen hafen seit 1887. Haupteiniuhrplatz für das Rif-Gebiet,
Angaben steigt die Einwohnerschait zeitweise auf wie auch für die benachbarten algerischen Grenzgebiete.
80 000, die Zahl der Juden wird vielfach wesentlich ge- Einwohnerzahl ca. 9000, wovon 2/, Militär.
ringer angegeben; nach der Statistik der Alliance Is-
raelite Universelle, die dort Schulen unterhält, beträgt Mogador
die Zahl 15 000. („Suirah“ — die Prächtige).

Mazagan Die Stadt wurde 1761 vom Sultan Ua ee
(Masagan, Masagan-Bridscha). den Plänen eines französischen Ingenieurs erbaut. Au
, N einer kleinen vorgelagerten Insel befindet sich‘ das ma-

Hafen der atlantischen Küste, 7 km s.-w. von der rokkanische Siaatspefä .

® ; AS Sn gefängnis.

Mündung des Um-er-Rebia, wichtig für den Handel Mogador ist der Haupthafen für Marrakesch und
mit Marrakesch. Lebhafte Dampferverbindung mit euro usserdem als Ausgangs- resp. Endpunkt des Kara-
päischen Plätzen. 4 fremde Postämter (siehe deren wanenhandels von Timbuktu und Dschenneh von Be-
Liste). Mit Konsulaten sind vertreten Deutschland und deutung. Unsicherer, 514—01%4 Meter tiefer Hafen.

Österreich, Belgien, Frankreich, Grossbritanien, Italien, Das Klima ist sehr milde und gleichmässig, in der
Niederlande, Portugal, Schweden und Norwegen und ,chtbaren Umgebung gibt es zahlreiche Oliven-Plan-
Spanien. tagen. Ausfuhr von Mandeln, Ziegenfellen, Olivenöl,

Fruchtbares Hinterland. Eiern, Gerste, Wachs, Sandarok etc.

„Die Ausfuhr umfasst hauptsächlich: Eier, Hülsen- Die Einwohnerzahl wird zwischen 15000 und
jrüchte, Mandeln und Getreide. Näheres über Ein- und 22 000 angegeben. Die letztere Ziffer dürfte die zuver-
Ausfuhr s. Tabellen. lässigere sein. Fast die Hälfte der Einwohner (10000)

Die Einwohnerzahl beträgt 15000, worunter 3000 sind Juden.

Juden und 400 Europäer (hiervon 21 Deutsche). Über Ein- und Ausfuhr siehe Tabellen.
Postämter aller vier Nationen.
Mehedia, 13 Konsularische Vertretungen.

Der an der Mündung des Sebu gelegene Ort be-
steht hauptsächlich aus Ruinen. Trotzdem verdient er Rabat
Erwähnung, ‚weil seine günstige Lage ihm seine alte Befestigte Hafenstadt an der atlantischen Küste
Bedeutung wiedergeben kann, sobald sein Hafen dem linksseitig an der Mündung des Bu-Regreg, der kleinen
europäischen Handel geöffnet würde. Schiffen von bis zu 150 Tonnen Gehalt Zugang gewährt.

*) 35 bogige Brücke vom Jahre 1687. Bei schlechtem Wetter ist die Barre gefährlich, die über-
        <pb n="19" />
        nr Die Städte Marokkos. 28
haupt während des grösseren Teiles des Jahres die legen) nach dem Distrikt von Tafilelt und dem
Verbindung hindert. Sudan gelegen.

Rabat besitzt mehrere schöne Sultans-Paläste, Fruchtbare Gegend (Weinbau, Baumzucht), bedeu-
Gärten und gilt für eine der schönsten Städte Marokkos. tende Wollproduktion.
Bei Rabat befindet sich auch der berühmte Turm Hassan Einwohnerzahl 4000 (1000 Juden).
(66 Meter hoch), der der „Giralda“ von Sevilla nach-
gebildet ist. Tafilelt.
Einwohnerzahl 30 100, worunter 3885 Juden und Zu Marokko gehörige Oase im Nordwesten der Sa-
50 Europäer. : hara am Wed Tig. Herkunftsland der herrschenden
Industrien: Berühmte Teppiche, Töpferarbeiten, marokkanischen Dynastie.
Pantoffeln, Matten, Gerberei, Sattlerei, Seidenstickerei Tafilelt wird auf 1480 qkm (wovon 1150 mit Palmen
und Kleiderfabrikation für die Eingeborenen. bestanden) und 100000 Einwohner geschätzt, die sich
Über Ein- und Ausfuhr siehe Tabellen. auf 150 Ksurs verteilen.
Postämter aller vier Nationen. — Zehn konsu- Hauptstadt ist Abuam (Buan), eine wichtige Durch-
larische Vertretungen. gangsstation für den Handel des westlichen Sudan, der
Auf der anderen Seite der Flussmündung liegt Saleh Oasen Tuat, Gurara, Tidikelt etc. mit der Küste.
(siehe dieses). Oft spricht man auch von Rabat-Saleh Hauptausfuhrartikel sind Datteln, Ziegenfelle, Leder,
als Doppelstadt. Bernstein. Der Transithandel des Sudan umfasst Gummi,
Straussenfedern und Goldstaub.
Saffı Mit dem Fortschreiten des Baus der südoranischen
(Asfy). Eisenbahn dürfte Tafilelt sehr gewinnen, da Oran und
Befestigte Hafenstadt an der atlantischen Küste. Arzew für den Import nach den Oasen der Sahara
17% Stunden von Mogador und 24 von Mazagan. Freihäfen sind. Bisher verteuerten sich alle nach Ta-
Hafen von Marrakesch. Die Reede ist nach Südosten filelt gelangenden Waren durch die marokkanischen Zölle,
offen, in den anderen Richtungen aber geschützt. Der sowie durch den Kameltransport, der bei den meisten
Verkehr ist, besonders im Winter, wo die südlichen Artikeln mehr ausmachte als der Wert der Ware.
und östlichen Winde vorherrschen, oft gehindert.
Industrien: Ledergerberei („Saffian“, früher bedeu- Tanger
tender als jetzt) und lackierte Töpferarbeiten. (Tandscha).
ale ME Ne Gerste, Schaffellen, Wolle, Hänten und Haupthafenplatz des Landes. Befestigt. Im Westen
Einwohnerzahl 12—15 000, worunter 5000 Juden. en ER Zn NE gelegen und 190 km von
Über Ein- und Ausfuhr siehe Tabellen. SANDER TS Silent a
Ober er Nat Die sehr alte Stadt gab schon zur Römerzeit dem
Postämter aller vier Nationen. ganzen Lande ihren Namen (Mauretania, Tingitana
Zehn konsularische Vertretungen. {fi betrug 1909: — von Tingis). Sie fiel 1471 an Portugal, später an
Der deutsche Schiffsverkehr mit Safti betrug ” Spanien, dann wieder an Portugal, zeitweise an England
51 Dampfer mit 49000 Registertons Raumgehalt. und gehört seit 1684 wieder zum Sultanat.
Tanger, als bequemster Landungsplatz von Europa
Salch aus und Anlaufshafen der nach Westafrika gehenden
(S18). Schiffe, ist der Sitz eines Sultansvertreters, der haupt-
Rechtsseitig an der Mündung des Bu-Regreg (gegen- sächlich den Verkehr mit den Vertretern der auswärti-
über von Rabat) gelegener Küstenplatz. Fünf Kilometer gen Mächte vermittelt, ferner der Botschaften, General-
landeinwärts finden sich noch Trümmer der phönikisch- Konsulate (14 konsularische Vertretungen) etc.
römischen Stadt Sala. Der Handel ist sehr lebhaft, von besonderer Wich-
Die Einwohner sind sehr fanatisch, weshalb Euro- tigkeit ist die Ausfuhr von Rindvieh, für die ausser
päer sich dort nicht niedergelassen haben. Tanger kein marokkanischer Hafen in Betracht kommt.
Die Ausfuhr umfasst in der Hauptsache Wolle, Tanger besitzt 1 Theater, 4 Spitäler, 1 Elektrizitäts-
Wachs, Ziegenfelle. werk, Station für drahtlose Telegraphie, neben dem ein-
Postämter siehe Rabat. heimischen 4 fremde Postämter.
Einwohnerzahl 15000 (500 Juden). Tanger hat die stärkste europäische Kolonie Ma-
rokkos, die in eigenen Stadtvierteln konzentriert ist.
Sefrou. Einwohnerzahl 30—40 000, worunter ca. 10000
Kleine, aber lebhafte Handelsstadt am Wed Sefrou, Europäer (der Zahl nach vorwiegend Spanier) und
an der Karawanenstrasse vom Fes (7 Std. von ihr ge- 7000 bis 10000 Juden.
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        129 Die Städte Marokkos. 30
_ In Tanger erscheint seit 1907 die „Deutsche Marokko Neun konsularische Vertretungen (darunter deutsche
Zeitung“ und besteht seit Anfang 1909 eine deutsche und Österreichische) und vier fremde Postämter.
Schule.*) Einwohnerzahl: ca. 30 000. Hiervon 450 spanische
Über Ein- und Ausfuhr siehe Tabellen. Fischer und Maultiertreiber und 7000 Juden. — Ma-
„Der projektierte Hafenbau ist einer deutschen _rokkanische Garnison von 300 Mann. ;
Firma konzessioniert; ebenso die Kanalisierung der Über Ein- und Ausfuhr siehe Tabellen.
Stadt. Ueberhaupt ist in Tanger das deutsche Ele-
oh am stärksten vertreten. Von deutschen Unter- Udschda
nehmungen ist eine Zigarettenfabrik (150 Arbeiter) zu 5 . ; 5
nennen. Auch  istiert hier eine Nedreen ee Kemer beiestigter N vr 1 N EUHTA nn S
„Deutschen Orientbank“ (seit 1909). der algerischen Grenze (10 km) und Haupthandelsplatz
des gleichnamigen Distriktes und für den Grenzverkehr
Tarudant mit den algerischen Nachbarprovinzen. Fruchtbare Ge-
Früher wichtiger Handelsplatz (am Wed Sus), hat gend — Gartenbau (Feigen und Gramaten). .
aber seit der Schliessung des Hafens von Agadir Nach dem algerischen Markte von Lalla-Marghnia
sehr an Bedeutung verloren. Der Platz liegt inmitten gehemx von Udschda hauptsächlich Vieh (Rindvieh,
der gleichnamigen Oase an der Karawanenstrasse nach I!lammel, Ziegen etc.), Wolle und Felle. Auf dem um-
Timbuktu. gekehrten Wege liefert Algerien hauptsächlich Kolonial-
Industrie: Herstellung von Kupfergeräten. Zahl- Waren (Zucker, Tee, Kaffee etc.), Mehl und Gries, Seife
reiche Gärten und Olivenpflanzungen. und Lichter, sowie Baumwollwaren. Im ganzen dürfte
Einwohnerzahl 7000 (nach anderen 8300), wovon der Handel Udschda’s 5 Millionen Francs betragen und
1000 Juden. zwar 4 Millionen im Export und 1 Million im Import.
Auch militärisch ist der Platz von Wichtigkeit.
Tasa Ausser einer marokkanischen Garnison von 1500 Mann,
(Tazza). befindet sich dort seit März 1907 eine kleine franzö-
Festung auf dem Wege zwischen Fes und Algerien sische Militär-Mission.
(100 km von Fes) im Tale des Wed-Innauen gelegen. Einwohnerzahl 5—10 000, wovon ein Fünftel Juden.
Wichtiger strategischer Platz zwischen dem Riigebirgs-
land und dem Atlas. Das Gebiet ist, ähnlich dem Rif, Walidija.
SO gut wie unabhängig vom Sultanat, für letzteres aber Kleine Stadt in der Nähe des Meeres zwischen Saffi
insofern vom grosser Wichtigkeit, als die Besetzung und Mazagan (von hier 90 km in S.-W. Richtung).
Tasas durch eine europäische Macht die Hauptstadt Die Stadt ist verfallen und verdient nur insofern
Fes bedrohen würde. (Bei den Arabern heisst Tasa Erwähnung als ihr natürlicher und wohl geschützter
„Das Tor des Westens“, Fum el Gharb!) Ankergrund mit geringer Mühe in einen guten Hafen
Bevölkerung 3—4000. verwandelt werden könnte.
Einwohnerzahl ca. 1000.
Tetuan,
Die befestigte Stadt liegt 10 km (1% Stunden Weg Wassan.
zu Pferd oder per Maultier) von der marokkanischen Eine kleine Stadt auf dem Wege zwischen Alkassar
Mittelmeerküste, an der sie der einzige dem ‚ng Tanger, von Bedeutung als religiöses Zentrum, und
Fremdhandel geöffnete Hafenplatz ist. Die ‚eigentliche ger Scherif des Ortes (übrigens ein französischer Schutz-
Stadt liegt am Wed Ras, während der völlig Unge- genosse) hat den Sultanen von Marokko die Investitur
Sschützte Ankergrund nur ganz kleinen Seglern (bis zu verleihen.
17% m Tiefgang) an der Mündung des Flüsschens Mar- In Wassan gibt es weder Konsuln noch europäische
til bei Flut den Zugang gestattet. Postämter, noch überhaupt Europäer; nur einige
Die Gegend ist fruchtbar; viele Obstgärten. Export dische Handelshäuser von Tanger unterhalten hier
von Lebensmitteln und Vieh. — Fabrikation von Leder Zweiggeschäfte. .
und Schusswaffen. Einwohnerzahl etwa 10000 (nach anderen 3 bis
*) Hierüber siehe auch S. 42. 15 000!).
== Davis Trietsch, Handbuch für Marokko und Persien, —— a DO.
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        31 Die Landwirtschaft. 32
Die Landwirtschaft.

Die Kultur des Ackers in Marokko wird, wo ' ten die Differenzen, die der Tag unter den Angehö-
das berberische Bevölkerungselement überwiegt, wenn rigen der Kabyle gezeitigt hat.
auch primitiv, so doch mit Fleiss und Sorgfalt be- Wird schon der Dung nicht benutzt, so ist
trieben. Afrikaner, die an die Nachlässigkeit der die Ameliorierung des Bodens völlig unbekannt.
Eingeborenen von Oran oder Algier gewöhnt sind, Der Marokkaner, ob reich oder arm, hat sich noch
würden überrascht sein, in Südmarokko weite Fluren niemals mit der Analyse seines Bodens beschäftigt,
zu sehen, auf denen kein Unkraut geduldet wird. fehlt ihm doch hierzu jede Kenntnis.

Die wirtschaftliche Tüchtigkeit des Rif-, Sus- Die Einsaat geschieht durch Streuen mit der
und Gharb-Bewohners steht bei den algerischen Ko- Hand und nach unseren Begriffen immer zu dicht.
lonisten in bestem Rufe. Der marokkanische „Sachsen- Doch ist dies durch die schlechte Vorbereitung des
gänger“ hat in Algerien nicht wenig zur Renta- Bodens fast eine Notwendigkeit. Die Egge, die Walze,
bilität moderner Landwirtschaft beigetragen. Leider überhaupt alle landwirtschaftlichen Instrumente ausser
kann der marokkanische Ackerbauer das eigene Land dem primitiven Pflug und der Sichel sind in Ma-
nicht auf eine höhere Wirtschaftsstufe heben, einmal rokko unbekannt.
wegen der herrschenden politischen Zustände, so- Der Araber, der sich als Landwirt von dem
dann wegen des Mangels an Bekanntschaft mit den _Berber unvorteilhaft unterscheidet, kratzt den Boden
Errungenschaften moderner landwirtschaftlicher Tech- auf, wirft sein Saatkorn in die Erde und damit
nik. genug. Kein Jäten, kein Hacken! Von dem Zeit-

Der Marokkaner hat einige Kenntnis der Be- punkt an, wo das Korn ausgesät ist, bis zum Ein-
deutung der Fruchtfolge. Er weiss insbesondere, tritt der Ernte kümmert sich niemand um das be-
dass man nicht mehrere Jahre hintereinander Weizen stellte Feld.
auf demselben Acker bauen darf. Aber er lässt dem Der sesshafte Berber lässt seinem Feld mehr
Acker in seltenen Fällen eine intensive Bearbeitung Pflege angedeihen, beschwert sich aber ebensowenig
zu teil werden, sondern zieht es vor, sobald der wie der nomadisierende Araber mit landwirtschaft-
Boden Erschöpfung zeigt, andere Fluren aufzusuchen lichen Geräten. Die Getreideernte geschieht mit der
und sät bald auf der einen, bald auf der anderen Sichel. Das Getreide wird 10 oder 20 cm unterhalb
Seite des Geländes. der Ähren geschnitten. Die in kleine Garben gebun-

In der Gegend von Tanger kennt man nur fol- denen Ähren werden auf Eseln zur Tenne geschafft.
gende Fruchtfolge: Erstes Jahr Weizen oder Gerste, Wagen gibt es nicht eimnal in den wohlhabendsten
zweites Jahr Hirse (sorghum), drittes Jahr Weizen Gegenden. Abgesehen von der Stadt Tanger sind
oder Gerste, viertes Jahr Hirse usw. sie in ganz Marokko unbekannt.

Das Ackern geschieht im allgemeinen sehr ober- Das Ausdreschen der Körner geschieht durch
Hächlich. Im Süden ist der stets primitive Pilug Tiere (Pferde, Maultiere, Esel), die man über die
etwas grösser als im Norden und gestattet im lockeren auf der Tenne liegenden Ähren treibt. Den Dresch-
Boden das Eindringen in eine Tiefe von 20 bis fegel kennt man also nicht und nicht einmal den in
25 cm. Aber Frühjahrs- und Sommerarbeit ist unter anderen Gegenden des Orients seit Jahrtausenden ge-
den arabischen Stämmen vollständig unbekannt. Der bräuchlichen Dresch schlitten.

Maure bearbeitet sein Feld nur, wenn er die Ein- Die Zahl der in Marokko gebauten Feldfrüchte ist
5saat machen will. verhältnismässig klein. Im Süden, besonders in der

Der oft sehr reichliche Dung wird in der ma- Schauja und Dukkala, herrscht der Weizen vor,
rokkanischen Landwirtschaft selten ausgenutzt. Die ferner baut man Gerste, Mais, weisse Boh-
Marokkaner ziehen es vor, ihn um die Städte auf- nen und Kanariensamen. Man hat: auch
zuhäufen. Vor den Toren von Alkassar, El Kebir, Versuche mit dem Anbau von Flachs in grösse-
Udschda, Fes findet man förmliche Dungwälle. Auf rem Umfange gemacht. Sie haben gute Fruchtresul-
dem Lande werden die Abfälle beharrlich in die tate ergeben, aber wohl nicht alle wirtschaftlichen
Mitte des Dorfes auf einen zu diesem Zweck frei- Erwartungen erfüllt. — Die Mauren säen ihn fast
gehaltenen Platz geworfen. Dort sitzen jeden Abend nicht mehr. Doch hat diese Kultur in Marokko eine
die Notabeln auf dem unreinen Haufen, der zu- grosse Zukunft, denn die gewonnene Faser ist von
weilen die Hütten überragt, halten Rat und schlich- ganz hervorragender Güte. Die Misserfolge stammen
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        23 Die Landwirtschaft, 34
aus der Unkenntnis der Wachstumsbedingungen der Boden vieler Bezirke eignet sich seiner Zusammen-
Pilanze. Die Araber halten diese, nicht mit Unrecht, setzung nach vorzüglich für die Zuckerrübe. Es wird
für eine Aussaugerin des Bodens und wissen diesem weder an Arbeitskräften noch an Absatz-Gelegenheit
Übelstand nicht zu begegnen. Auch lassen sie sich für den Rübenbauer fehlen. Man wird mit dieser
schnell entmutigen. Kultur schnell vorangehen können, einmal weil der

Ausser den ebengenannten Pflanzen, zu denen _Marokkaner anstellig und arbeitsam ist, sodann weil
noch die Hirse (in der Gegend von Tanger) sie auf dem vorzüglich geeigneten marokkanischen
kommt, baut der marokkanische Landwirt noch Boden keine Änderung der europäischen Methoden
Kümmel, Hanf und Kichererbsen. Die verlangt. Die Aussichten für den Anbau von
Kultur dieser Gewächse erstreckt sich jedoch nur Zuckerrohr sind gering, denn Marokko eignet
auf eine kleine Aubaufläche in bestimmten Bezirken. sich, wie Algerien und Tunesien, wenig für die Kul-
Rüben, Kartoffeln, Erbsen, Pferdebohnen, Futter- tur tropischer und subtropischer Gewächse.
kräuter sind im allgemeinen unbekannt. Doch würde
dies alles in dem von der Natur reich gesegneten Um die Weidebezirke Marokkos in Ackerland zu
Lande vorzüglich gedeihen. verwandeln, wird man die Steppe zunächst mit dem

Die Fruchtbaumkultur hat in Marokko eine be- Maximum an Nutztieren besetzen, die die natürliche
sonders grosse Zukunft, aber es bedarf zunächst Vegetation des Bodens ernähren kann. Man wird
ruhiger Zustände und der Festigung der Besitzrechte auf diese Art Dung und die zum Betriebe rationeller
und Rechtsbegriffe. Ölbaum, Mandelbaum, Rebstock, Landwirtschaft erforderliche Betriebskraft erhalten.
Feigenbaum, kurz alle ‘ Fruchtbäume Südeuropas ge- Mit dem Anbau von Futterpflanzen, mag er
ben in Marokko reiche Ernten. Ihr Anbau wird auch nicht allzu lohnend erscheinen, wird man in
auch bedeutend lohnender sein als der der der Steppe den Anfang machen müssen. Wie auf
Feldfrüchte. allen Gebieten der Landwirtschaft bietet Marokko

Auch die Rübenkultur wird in gewissen auch für Wiesen- und Weidewirtschaf{t
Gegenden des Landes sehr einträglich sein. Der die günstigsten Aussichten.

Der Mineralreichtum Marokkos.

Dass das Land einen grossen Reichtum an Mine- versuche auf eigene Rechnung anstellen. Aber es blieb
ralien aller Art besitzt, ist bekannt, obwohl das auf bei diesen Versuchen.
religiösen Vorurteilen beruhende Verbot des Schürfens Nach dem Stand der heutigen Forschung stellen
und die Unzugänglichkeit des gebirgigen Innern Fest- sich die Minenschätze Marokkos wie folgt dar:
stellungen im einzelnen erschwerten. Schon die Ana- Gold findet sich im Sus und Nachbargebiet,
logie des südspanischen Gebirgsstocks, als dessen Fort- ferner im Rif. Auch südlich vom letzteren, in der Ge-
setzung Marokko zu betrachten ist, weist auf das Vor- gend von Tasa, kommt es nach einer alten arabischen
kommen wertvoller und abbaufähiger Mineralien in Nachricht vor, vor allem aber in der Nähe der spani-
diesem Lande hin. Die Kupferlager von Riotinto, die schen Presidien Alhucemas und Penon de Velez de la
Bleiminen von Linares, die Silberminen von Almeria Gomera im Gebiet des Stammes Rmara, „dem künftigen
Äinden geologisch höchstwahrscheinlich ihre Fortsetzung Transvaal Nordafrikas!“
auf marokkanischem Gebiet. Dass die Trennung Spa- Edelsteine und Halbedelsteine, namentlich
niens von Marokko nur eine geographische Äusserlich- Bergkristalle und Amethysten, bieten das Rif, das Sus-
keit ist, zeigt die Ähnlichkeit der fossilen Tier- und gebiet und auch andere Landschaften.

Pflanzenarten auf beiden Seiten der Meerenge von Das Vorkommen von Silber ist festgestellt vor
Gibraltar. allem wieder in dem von der Natur reich gesegneten

Primitive Bergbauversuche in Marokko datieren seit Südwesten des Landes, im Sus, wo es nach dem Zeug-
Jahrhunderten. Schon zur Römerzeit wurde nach der nis Gundafis an der Quelle des Susflusses zutage treten
historischen Überlieferung das Goldvorkommen im Rif soll, und in dem südlich von dieser Landschaft sich
ausgebeutet, und in dem Dschebel Hadid (Eisenberg) hinziehenden langgedehnten Dschebel (Gebirge) Bani.
nördlich von Mogador finden sich zahlreiche Stollen In dem Mamorawald nordöstlich von Rabat liegt der
alten Bergbaus. Auch verliehen frühere Sultane verein- Hügel Kudiet (d. i. Minenhügel), in welchem nach dem
zelt Minenkonzessionen in der Gegend von Tetuan Bericht des deutschen Reisenden Lenz Silbererze vor-
und Ceuta oder liessen. wie Muley Hassan, Schürf- kommen sollen. Auch die Riataberge südlich von Tasa

o*
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        35 Der Mineralreichtum Marokkos. 36
sind reich, wie an anderen Metallen, so an diesem Edel- ! haltiger Kies kommt in der Gegend von Wessan vor,
metall. Nach dem französischen Marokkoreisenden Abbe die Petroleum quellen bei Alkassar und in Riata
Godard findet sich Silber auch in der grossen Ge- sind bekannt. Die fast überall in Marokko angetroffene
birgspartie zwischen Tadla (halbwegs zwischen Marra- Walkererde übertrifft an Güte die berühmte Erde
kesch und Fes) und dem Tafilelt. Ein englischer Inge- von Hampshire in England.
nieur will es in allerneuester Zeit in der Umgegend von Salz ist sehr häufig. An der Küste wird es in
Tetuan gefunden haben. Salinen gewonnen, anderwärts einfach dem Grunde

An Kupfer ist Marokko besonders reich, man Cines salzhaltigen Sees entnommen. Auch findet sich
trifit es an sehr vielen Stellen. Im Sus, wo es zutage Steinsalz, z. B. im Tafilelt und in Tadla. Es gibt in
tritt, besteht eine Kupferindustrie. Die Bewohner fer. Marokko zahlreiche Flüsse, die salzhaltig sind, also auf
tigen dort, wie auch im Gebiet von Udschda, wo die Salzlager hindeuten. In der Gegend von Fes hat Lenz
gleichen Verhältnisse obwalten, kupferne Kessel und ine Reihe von ausgiebigen Minen besucht.
anderes Hausgerät. 1846 vergab der Sultan Abder- Dagegen ist das Vorkommen von Kohle selten.
rahman eine Kupfermine in der Gegend von Tetuan an Lenz fand Spuren bei Tetuan, glaubt aber nicht, dass
einen Algerier Buderba, die er aber später für Sie abbaufähig seien. Nach seinem Dafürhalten soll
40000 Fes. zuriückkaufte. Kohle im südlichen Atlas vorkommen, indessen ist

Ebenso oft wie das Kupfer kommt das Eisen in wre nicht er a ein reicheres Vorkommen
Marokko vor. Der Sus und das Rif sind die Haupt- N Dieser ta gel an Fohlen Wird wenn nicht. un
an. SEE AE M Bent hast (late erwartete Funde gemacht werden, dem Minenbetrieb in
1526), der von Seeräubern gefangen und dem Papste Marokko dieselben Schwierigkeiten bereiten, die in Al-
Leo X geschenkt wurde, wonach er den Namen Lco gerien zu überwinden sind. Auch dort haben die sehr
Afrıkanus‘ annahm, Kor nt Eisen auch in der Schauja reichen Bodenschätze nur allmählich ausgenutzt werden
Vor. 1845. suchte ? der Eingeborene Mohammet Dukal können. In Marokko wie in Algerien spielen im Minen-
die Konzession zur Ausbeutung eines Eisenlagers betrieb eine Rolle die Leichtigkeit des Transports des
zwischen Rabat und Casablanca nach, sie wurde ihm °Wonnenen Produkts und die Möglichkeit, das Mine-
jedoch vom Sultan verweigert. ) ral Ch nd N akt zu de De En

z 5 x % möglich mittelst Holzfeuers, da Kohle fehlt. Dies be-
nn Dagegen erhielt Dukal eine Konzession auf die Ge- inet aber, dass nur gewisse Metalle, die verhältnis-
MADNUNS VON Antimon in der Gegend von Ceuta. mässig geringe Hitze brauchen, verhüttet werden
Die Entwickelung seines Unternehmens blieb jedoch in können. Übrigens fehlt es in weiten Gebieten Ma
den Anfängen stecken. Rohlfs fand das Metall im rokkos auch st Holz ;
südlichen Atlas in grösseren, gediegenen Stücken. Auch .
in den Riatabergen, in der Landschaft Tadla und ande- Was den heutigen Minenbetrieb in Marokko be-
ren Gegenden ist sein Vorkommen festgestellt. trifft, so ist bekannt, dass im Gebiet der Beni bu Ifrur

Zi nk soll im Dschebel Bani südlich vom Sus 8°- nach Beendigung des spanischen Krieges gegen die
Funden sein. Ein Vorkommen von Zinn ist bisher Rifbewohner die Minenarbeiten neuerdings in grösse-
nicht bekannt. en rem Umfange aufgenommen wurden. Eine Anzahl

Blei weist der bereits genannte Hügel Kudiet auf, kleinerer Forts mit Besatzungen von 20—160 Mann
der auch Silber und Kupfer führt. In den Riatabergen werden dort von den Spaniern zum Schutze der Minen
wird Blei verarbeitet. In Verbindung mit Antimon tritt gebaut. Auf der Halbinsel Tres Forkas sind die
es nach Lenz in dem Wüstengebiet zwischen Figig und Minenarbeiten am 9. März d. Js. in Angriff genommen
Tafilelt auf, ausserdem in manchen anderen Gegenden worden. Auch über den Minenbetrieb der Franzosen
Marokkos. im Gebiet von Udschda sind mehrfache Nachrichten in

Schwefelund Salpeter, Gips und Ton ‚ die Öffentlichkeit gedrungen. Hoffentlich wird man
Porphyr, Marmor und Bausteine aller Art bald auch etwas von deutschem Minenbetrieb in Ma-
lehlen nicht unter den Mineralien Marokkos. Arsenik- _rokko hören.
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        37 Seefischerei an der Küste von Marokko. 38
Seefischerei an der Küste von Marokko.

Der Fischreichtum der Küsten von Marokko von 7000 qkm durch Fischereidampfer ausgebeutet
war lange Zeit hindurch in Vergessenheit geraten. werden. Eine in Cadix etablierte Gesellschaft ar-
Man entdeckt ihn jetzt aufs neue. In früherer Zeit beitet mit Erfolg auf diesen ergiebigen Gründen.
hatten die Küstenstriche am Atlantischen Ozean in Sie besitzt 5 Dampfer, die zwischen Larasch und
der Nähe von Mogador und weiter südlich gegen- Casablanca fischen. Nördlich von Larasch bis zum
über den Kanarischen Inseln ein festgegründetes Re- (Cap Spartel wird die Fischerei von Traditions wegen
nommee und boten den Seefischern reichen Ertrag. nicht ausgeübt.

Eine unlängst von der holländischen Regierung ent- Eine Art Schellfisch findet sich in grossen
sandte wissenschaftliche Expedition, die von zwei Mengen am Cap Blanc (südlich von Masagan).
Fischdampfern begleitet war, hatte vielversprechende Ebenfalls in beträchtlichen Mengen kommt dort die
praktische Ergebnisse für die Niederlande. Languste (Stachelhummer) vor. Ein Reeder aus

Die Gewässer der Meerenge von Gibraltar wer- Tunis hat dorthin kürzlich einen für den Transport
den seit vielen Jahren von Tarifa und Ceuta aus von lebenden Schaltieren eingerichteten Dampfer ent-
abgefischt. Der Thunfischfang spielt dort eine grosse sandt. Der Erfolg war befriedigend zu nennen in
Rolle. Bei Ceuta ist dieser Fisch in enormen Men- Anbetracht des Umstandes, dass in diesen warmen
gen vorhanden und bildet einen der wichtigsten Aus- Gegenden die Anwendung von Eis grossen Schwierig-
fuhrartikel dieses Platzes. keiten unterliegt. — Auch weiter südlich wird

Die Küste des Rifgebiets wird von den Einge- neuerdings von französischer Seite der bedeutende
borenen Bled ed Hut (Land des Fisches) genannt. _Fischreichtum mittelst moderner Dampfer ausgebeutet.
Zur Ausbeutung dieser maritimen Reichtümer hat Die Seefischerei von Marokko ist durch die Ar-
sich in neuerer Zeit in Nemours (Algerien) eine tikel 56—60 des spanisch-marokkanischen _Handels-
Gesellschaft gebildet, deren Betrieb auf das Beste vertrages vom 20. November 1861 geregelt. For-
gedeiht. An dem wegen seines Fischreichtums früher mell ist die Fischerei frei von der marokkanisch-
viel besuchten Mar Chica haben auch die Spa- algerischen Grenze bis zum Cap Juby am Rande der
nier neuerdings der Fischerei ihre Aufmerksamkeit Sahara. Jedoch sollen die zum Zwecke des Fisch-
zugewendet. fangs die Küsten von Marokko aufsuchenden Schiffe

Was die an der marokkanischen Küste vorkom- eine jährliche Abgabe von 150 Duros an den Mach-
menden Fischarten betrifft, so ist in erster Linie die sen zahlen. Da Marokko keine Polizeidampfer hat,
Sardine zu nennen. Die bei Tanger gefischte ist diese Bestimmung aber ganz platonischer Natur.
Menge dieses geschätzten Fisches wird auf jährlich In gleicher Weise unterliegen der Abgaben-
300 Millionen Stück berechnet. Der Preis geht zu« pflicht die Korallen fischerei, die einst in grossem
weilen auf 2 Peseten (A 65 Pfg.) für 100 kg her- Umfange in der Gegend von Ceuta betrieben
unter. Obwohl etwas kleiner als die europäische wurde, und die Schwammfischerei, die jedes
Sardine ist die Marokkosardine mit gutem Gewinn Jahr etwa ein Dutzend griechischer Spezialfahrzeuge
abzusetzen. an die Küste des Rif führt.

Ein ebenfalls sehr häufig vorkommender Fisch in Auch die Flussfischerei ist angesichts
den nördlichen Küstenstrichen von Marokko ist die des grossen Fischreichtums der marokkanischen Flüsse
Makrele, die Portugiesen und Spanier auf der nicht ohne Interesse. Gegen das Ende des Winters
Höhe von Cap Spartel in überreichen Quantitäten steigen alljährlich grosse Züge von Alsen den Luk-
fischen. Man findet den Fisch auch weiter im Sü- _kos (bei Larasch), den Sbu (bei Mehedija, nördlich
den, wo er in Gemeinschaft mit den Alsen des von Rabat) und vor allem den Umerrebia (bei
Umerrebiaflusses (bei Asemmur) vorkommt, deren Asemmur) hinauf. Grosse Sandbänke im Unterlauf
Fang vom Sultan Mulay Ismael (um 1700) für jähr- dieses Flusses geben die Möglichkeit, sie aufzuhalten.
lich 10000 Duros (40 000.— Mark) verpachtet wor- Diese Sandbänke würden zugleich das Haupthindernis
den war. für die Fahrzeuge sein, die die genannten Flüsse

Nach der Berechnung des Gelehrten Gaston befahren wollten. Die Alse könnte in geräuchertem
Buchet, der von dem französischen Ministerium mit Zustande vorteilhaft nach Europa ausgeführt werden.
einer entsprechenden Mission betraut war, kann von Gegenwärtig ist ihre Ausfuhr verboten, d. h. im
Cap Spartel bis Cap Agadir (am Sus) eine Fläche marokkanischen Zolltarif nicht vorgesehen.
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        39 Die Völkerschaften Nord-Westafrikas. 40
Die Völkerschaften Nord-Westafrikas.
Die Berber und Mauren.

Die Berber (oder Berbern) sind die ältesten Be- handen sind, gehörten zur Völkerfamilie der Berber. In
wohner Nordafrikas westlich vom Nil, von denen wir ihren östlichen Verbreitungsbezirken sind sie in ihrer
Nachrichten haben. Sie gehören zur hamitischen Rasse, Lebensweise, Sprache etc. den Arabern sehr ähnlich ge-
sind aber durch Blutmischung mit Arabern, Negern usw. worden, im Westen, vornehmlich im Atlasgebirge und
in zahlreiche völlig verschiedene Stämme gespalten. Ihre auf den Kanarischen Inseln, zeigen die Berber einen fast
Kopfzahl dürfte im Ganzen 12—13 Millionen umfassen, europäischen Typus, und der hohe Prozentsatz Blonder
ihre Hauptwohnsitze sind das Atlasgebiet, die Wüste und Blauäugiger unter ihnen, zusammen mit ihren krie-
bis zum Senegal, dem Niger und den Grenzen ÄgyP- gerischen Eigenschaften, der burgartigen Anlage von
tens. Im Gegensatz zu den Arabern sind die Berber Gehöften und Dörfern etc. hat vielfach dazu geführt, hier
ihrer grossen Mehrzahl nach ansässig. Sie treiben einen germanischen Rasseneinschlag (etwa durch die
Ackerbau, Gewerbe und Handel, wohnen in befestigten Vandalen) anzunehmen.

En Und auch N EHE sind. meist für. Ver: Die Rif-Berber, d. h. die Berber der marok-
en ach Dekeiten EP kanischen Nordküste, sind sehr kriegerisch und durch
Is Ka ei ekennen N 1 ren Yu a ZUM ihre Vertrautheit mit dem Gelände gefährliche Gegner,
POT. Die sind Im al gemeinen. relig'6s sehr duldsam, besonders seit sie mit neuesten Feuerwaffen versorgt
wachen dagegen eifersüchtig über Familien- und Stammes- Sind

ehre. Die Stellung der Frau ist der des Mannes eben- .

bürtig, Polygamie ist (wenigstens bei den Landbewoh- Vielfach werden die Berber auch als „Mauren“ be-
nern) unbekannt. An Sittenstrenge stehen sie meist weit zeichnet, doch sind nach den üblichen Begriffen Mauren
über den Arabern der gleichen Landstriche. Ihre In- und Berber scharf zu trennen und die Mauren eher mit

telligenz ist hoch entwickelt, besonders als Handwerker den Arabern als verwandt zu bezeichnen.

zeigen sie grosse Geschicklichkeit. Unter Mauren versteht man eigentlich die aus

Zu den Berbern gehören die Masigh, die Kabylen, Spanien, nach dem Zusammenbruch der dortigen
die Moghrabi (Mogrebiner) und die Tuareg (letztere islamischen Herrschaft, zurückgewanderten Araber, die
beiden vorwiegend Nomadenstämme). Auch die Gu- durch ihre Berührung mit spanischer Kultur und Ver-
antschen, die Ureinwohner der Kanarischen Inseln, von mischung mit spanischem Blut einen edleren Typus
denen gegenwärtig nur noch stark vermischte Reste vor- angenommen haben.

Die Juden von Marokko.

Die marokkanische Judenschaft stammt zum Teil bar unterdrückt sind*), dass sie jederzeit auf Plünderung
noch aus der Zeit vor der arabischen Eroberung, zum und Totschlag gefasst sein müssen, und dass — wer es
anderen Teil aus der Zeit der spanischen Judenaus- nur einigermassen kann — in der Auswanderung sein
treibungen (um 1500). „Eingeborene“ und „Spanische“ Heil sucht. So finden wir eine grosse Anzahl marokka-
Juden halten sich noch heute vielfach gesondert, haben nischer Juden im nahen Gibraltar, in Algerien und Tu-
verschiedene Riten und besondere Synagogen. nesien, in Ägypten und in der Türkei (speziell in Pa-

Über die Juden von Marokko kann man sehr ver- lästina), und ihre Gesamtzahl, die vor wenigen Jahren
schiedenartige Urteile hören. Nach den einen sind sie — *) Auf dem flachen Lande befinden sich die Juden viel-
And underdrieht. An, anderen sind sie selbst ausgebeulet fıchin diner Art Tolbeigengohaft Aber auch In den meisien
und unterdrückt. Allenfalls darin stimmen die meisten der Mellah, wohnen; sie müssen sich in ‚ährer Kleidung von der

ü i i i nstigen Bevölkerun; 8; i ü i i
ar KAT
        <pb n="29" />
        Die Völkerschaften Nord-Westafrikas.
(vielleicht übertrieben) auf 200000 geschätzt worden französischen Eingang findet. Wer z. B. die Publi-
war, dürfte jetzt nur etwa 100 000 betragen. kationen des Vereinsfürdas Deutschtumim

In neuerer Zeit ist in bezug auf die Recht- und Ausland (Allgemeiner Deutscher Schulverein) ver-
Schutzlosigkeit der Juden eine merkliche Besserung ein- folgt, wird sehen, dass in zahlreichen Städten des
getreten und zwar hauptsächlich durch die Wirksamkeit Orients, wo das Französische früher als einzige Welt-
der „Alliance Israelite Universelle“, deren Schulwerk sprache galt, die deutschen Schulen mehr und mehr
in Marokko sich von Jahr zu Jahr ausdehnt. Die Leiter jüdische Schüler aufweisen, so in Beirut 33,5 Prozent,
der Alliance-Schulen spielen vielfach im Interesse der in der Realschule zu Konstantinopel 40,5 Prozent (die
Juden eine ähnliche Rolle wie sonst nur die Konsuln Zahl der reichsdeutschen Schüler beträgt 23, die der
der Mächte, d. h. sie verstehen es, sich bei den mass- schweizer und österreichisshen zusammen 24 %, in einer
gebenden Stellen im Lande einen solchen Respekt zu Gesamtzahl von 587 Schülern), in Braila 35 Proz., in
verschaffen, dass sie wirksam für den Schutz ihrer Philippopel 38 Proz., in Jassy 39 Proz. und in Saloniki
Glaubensgenossen eintreten können. gar 41 Prozent! . ;

So haben erst ganz kürzlich Verhandlungen zwischen Schon heute weist die erste deutsche Schule
der Pariser Leitung der Alliance Israelite und dem ma- Marokkos (die von Tanger) nach den meisten Mit-
rokkanischen Grosswesir Si Madani Elmezuar El Glaui teilungen einen starken Prozentsatz jüdischer Schüler
stattgefunden, bei denen letzterer sich als ein Freund des auf. Unter der Gesamtzahl von 45 sind 23 Europäer
Fortschritts und tätiger Beschützer der Juden dokumen- und 22 Kinder von Eingeborenen. Unter den Euro-
tierte. Diese Verhandlungen waren es auch, die zu der D%t&amp;In wieder sind 4 Kinder reichsdeutscher Eltern,
Wiedereröffnung der lange Zeit hindurch geschlossenen 3 Kinder von Schweizer Eltern, 4 Kinder Öster-
Schulen in Fes und Marrakesch führten, und wirklich reichischer Eltern, 8 jüdische Kinder, deren Eltern
konnten die Juden jetzt wieder einmal nach langer Zeit deutsche en ? ae und en Kinder aus-
frei atmen. — Solche Interventionen können freilich die ländischer an öglich, N auc| En den 22
Lage der marokkanischen Juden nicht für die Dawer Kindern eingeborener Eltern solche von ma-
günstig beeinflussen, und bevor die allgemeinen rokkanischen Juden sich befinden. Bekannt ist ja ‚auch,
Verhältnisse des Landes sich bessern, ist auch für die dass ein unter deutschem Schutz stehender jüdischer
Juden wenig Hoffnung auf ein menschenwürdiges Grosskaufmann in Tanger einen Bauplatz für den ge
Dasein planten Neubau der deutschen Schule ge

n TS schenkt hat.

I n AUS er N Ele En u BeH In Mogador und Tanger wird übrigens seitens
WEL am GE a A en de CS an Ce der englischen Tochtergesellschaft der „Alliance Isra-
ZAhlreic e Judengemeinden in den marokkanıschen 1;44 Universelle“ (der Anglo-Jewish-Association) auch
Städten, und diese Tatsache, sowie die Überlegen- ix ; &gt;

. en . % a DE N für englischen Unterricht gesorgt.
heit, die ihnen ihre bessere Erziehung gibt,‘ macht sie 5 e en N
zu einem ziemlich wichtigen Faktor im Wirtschaftsleben Die Schulen der Alliance Israelite Universelle in
— speziell im auswärtigen Handel — Marokkos. Dem Marokko (Status 1909).
Schulwerk der „Alliance“ ist es im wesentlichen zu ver- —_ Schulgelder „A
danken, dass man mit der Kenntnis des Französischen Sta da JO AS Me Sn
in den grösseren Städten dieses arabisch-marokkanischen Sölkerung yentionen? AUance ES
Landes durchkommt, und dass vielfach auch eine kauf- Fres. iS
männische Korrespondenz in einer europäischen Sprache Casablanca. . 6000 K* 365 5.328,75 5477,50 1897
möglich ist. = MA 214 8787,15 2884,35 1900

Die nachfolgende Aufstellung zeigt, dass die erste u 7 Wieder eröffnet April 1909 } 1907
Schule der „Alliance“ in Marokko bereits im Jahre 1862 Larasch . . . 2.000 = DE Aa HR 1901
gegründet worden ist. Es war die erste Schule über- Marrakesch .15000 30 Wieder eröffnet Januar . 1901
haupt, die von dieser Institution ins Leben gerufen organ 00 “ug a
wurde, und in ihren Kassen befanden sich zur Zeit E 1 100Y 6157,25 8575.75) 1906
dieses ihres ersten Schrittes .. . ganze tausend Francs. Mogador . . 12000 x 9 Eee SO Henn
Heute hat die „Alliance“ in Marokko allein ein Budget Schule des Mellal 476 3341,50 6354,30 1906
von Schul-Subventionem im Betrage von etwa 70 000 Bat a ES nn 2725,25 3 350,— 1908
Frances jährlich. (Siehe Tabelle). SAN MW er 4191,— 4750,—} 1907

Das bisherige Vorherrschen des Französi- Fangen: 5 + 5000 N de 50100 ben
schen im Schulwesen der Juden Marokkos schliesst Tetuan .. . 6500 K. zn} 9756,95 ___ 2700.— 1882
übrigens keineswegs aus, dass auch die deutsche Ka 1B68
Sprache bis zu einem gewissen Grade neben der *) K. = Knabenschule. M. = Mädchenschule.
        <pb n="30" />
        43 Die europäische Presse in Marokko. 44
Die europäische Presse in Marokko.*)

Zur Zeit erscheinen in Marokko folgende von 6. Es Saada (das Glück), einmal wöchent-
Europäern herausgegebene Zeitungen und Zeit- lich erscheinend. Französische Zeitung in arabischer
schriften: Sprache, die den Eingeborenen die penetration paci-

fique mundgerecht machen soll.
In Tanger: ; . 7. Indicateur Marocain, dritter Jahr-

1. Deutsche Marokko-Zeitung, drit- gang, erscheint monatlich. Französische Handels-
ter Jahrgang, erscheint zweimal wöchentlich. Die zeitung, die rein französischen Interessen dient, in
Zeitung kämpft für die Unabhängigkeit Marokkos durchaus vornehmer Form.
und die deutschen wirtschaftlichen Interessen.

2. Al-Moghreb Al-Aksa (der äusserste Ihr Erscheinen eingestellt haben im Laufe de
Westen), gegründet 1883, früher eine Ausgabe jede Jahres 1909 N ERST r du Maroc und Echo
Woche, neuerdings zwei Ausgaben. Eine englische du Mäiroc
Zeitung, die ebenfalls tapfer für die Unabhängigkeit n
Marokkos eintritt und die französische Gewaltpolitik
Scharf bekämpft. In Casablanca:

3. El Eco Mauritano (spanisch), 25. Jahr- La Vigie Marocaine, zweiter Jahroan ;
gang, zwei Ausgaben jede Woche. ‚Sie vertritt eng- erscheint dreimal wöchentlich. Ein Blatt DE
lisch-spanische Interessen und bekämpft gleichfalls Richtung zur Vertretung rein französischer Interessen.
die penetration pacifique. Erscheint neuerdings täglich.

4. El Porvenir, elller Jahrgang, erscheint . 5 .
täglich. Diese spanische Zeitung, das Organ der L’ Action Marocaine, französische Ta-
spanischen Gesandtschaft in Tanger, vertritt nur spa- geszeitung, erscheint seit 16. April 1910. Vertritt
nische Interessen. Sie hat geringere Bedeutung. gegenüber der „Vigie“ die schärfere Tonart.

5. La Depeche Marocaine, sechster
Jahrgang, erscheint täglich. Französische Zeitung, Endlich erscheinen noch je eine tägliche Zeitung
Organ der französischen Gesandtschaft, wurde seiner- in Melilla (der Telegrama del Rif) und
zeit gegründet, um als Hilfsmittel der penetration in Ceuta. Beide spanischen Blätter werden von
Pacifique zu dienen. Soll 60000 Francs Zuschuss Offizieren geschrieben, hauptsächlich das in Melilla.

von der französischen Regierung beziehen. Ihr Ab- Sie stehen im Dienste der Kommandanturen dieser
leger ist spanischen Presidios.

*) Über die „Deutsche Marokko-Korrespondenz“ siehe unter Bibliographie, Spalten 79—80,
        <pb n="31" />
        45 Winke für den Handel mit Marokko. 46
Winke für den Handel mit Marokko.

Wer sich für den marokkanischen Markt interessiert, dem haben muss, wird nur in den seltensten Fällen in
wird gut tun, von vornherein mit gewissen Eigenarten der Lage sein, einem Fabrikanten genau anzugeben, was
des dortigen Publikums zu rechnen. An erster Stelle nach Lage der Dinge geboten erscheint, doch wird ein
ist hier der Konservatismus der Leute zu nennen, der geeigneter Reisender mit Hilfe der Platzagenten alles
sie auch die geringste Abweichung vom Herkömmlichen Erforderliche ausfindig machen können. Der Platzageni
zurückweisen lässt. Ein Gewebe, das um einen Zenti- sollte ein Musterlager unterhalten und die Bestellungen
meter schmaler oder breiter wäre als üblich, eine etwas den Kunden übermitteln, worauf die Waren direkt an
abweichende Form oder Verpackung bei Zuckerhüten, den Besteller zu expedieren wären.

Lichtpaketen oder Seifestücken, oder gar eine noch so Schliesslich wäre auch die Eröffnung eines grösseren
kleine Abweichung im Gewicht lässt den Marokkaner Etablissements für den Verkauf europäischer Import-
schon zweifeln, ob der Artikel irgendwie dem alt- waren ein Mittel zur Steigerung des Absatzes, der bis-
gewohnten zu vergleichen sei. Fabrikanten werden da- her durch die in den einheimischen Geschäften gefor-
her gut tun, schon vor ihrem ersten Versuche mit diesem derten Preise sehr erschwert war. Ein Geschäft, etwa
lohnenden, aber etwas schwierigen Markte Muster der nach Art eines die verschiedensten Artikel führenden
dort gangbaren und eingeführten Artikel einzufordern Warenhauses, das strikt nur zu. festen Preisen verkaufen
und vorerst nur ganz genau entsprechendes anzubieten. würde — für Marokko etwas unerhört Neues — könnte
Allenfalls lassen sich die Marokkaner einen billigeren in einigen Artikeln geradezu das Verkaufsmonopol haben
Preis gefallen — auch auf Kosten der Qualität, wenn und den Absatz in kurzer Zeit, vervielfachen.

nur Mass, Form und Verpackung stimmen und die Alle diese Gesichtspunkte, die schon für die Küsten-
Ware nicht ganz offensichtlich minderwertig ist. städte gelten, sind umso wichtiger im Handel mit den

Von grosser Wichtigkeit ist es, die Seeplätze und _Binnenstädten, besonders Fes, das nicht nur einen eigenen
die grösseren Städte des Innern regelmässig be- Markt repräsentiert, sondern auch das kaufmännische
reisen zu lassen, und zwar von Reisenden, die fähig Zentrum eines grossen Distriktes und eines Hinterlandes
sind, den speziellen Bedingungen des Marktes nachzu- ist, mit dem direkt zu arbeiten heute und wohl noch
spüren. Der einheimische Platzagent, den man ausser- für geraume Zeit unmöglich ist.
        <pb n="32" />
        47 Winke für deutsche Handelshäuser und Industrielle. 48
Winke für deutsche Handelshäuser und Industrielle,

Das Kaiserliche Generalkonsulat Zahlungsweise: Bei günstiger Auskunft
in Tanger veröffentlichte Ende August 1909 folgende kann Zahlung gegen 3 Monatstratte gewährt werden,
Angaben: sofern sie nicht gegen Kasse mit entsprechendem Skonto

Post: In allen von Europäern bewohnten Plätzen erfolgt. Bei zweifelhafter Auskunft ist es geboten nur
bestehen deutsche Postanstalten. Bei deutschen Firmen gegen Nachnahme zu senden.
genügt in der Briefaufschrift der Bestimmungsort. Im Preise: Es sollte möglichst darauf gesehen
Verkehre zwischen Deutschland und den deutschen Post- werden, dass die Preise „Franko Fracht und Zoll Quai
anstalten in Marokko gilt der deutsche Inlandsbriefporto- Alger“ gestellt werden, da der Algerier und besonders
Tarif. der Eingeborene sich nur ungern den Zollformalitäten

Alle Auskünfte des Generalkonsulats sind un- _unterzieht.
verbindlich, namentlich wird für die Kreditfähigkeit der Vertreter: Das Konsulat ist gern bereit, ge-
genannten Firmen jede Gewährleistung abgelehnt. eignete Vertreter zu benennen, jedoch ohne Übernahme

Rechtliche Verhältnisse: Da m Ma- irgendwelcher Verbindlichkeit. Es dürfte sich empfehlen,
rokko die Ausländer unter der Konsulargerichtsbarkeit Geschäftsverbindungen nur mit Hilfe von platz- und
ihres Heimatstaates stehen, ist es wichtig, die Staatsan- leutekundigen Vertretern anzubahnen. Nach der über
gehörigkeit der Personen festzustellen, mit denen man sie erteilten Auskunft wird es sich zu richten haben, ob

geschäftliche Beziehungen anknüpfen will. Vertreter ihnen auch das Inkasso anzuvertrauen ist.
eb Be irgend möglich, enter den deutschen Reklamationen: Das Konsulat ist im In-
NE deu. a diese DS sich an a Plätzen ‚orasse der Gläubiger bestrebt, Differenzen möglichst
d teen Hese, ebenso wie auch die Schutzgenossen, auf gütlichem Wege beizulegen. Dies ist das Verfahren,
er deutschen Konsulargerichtsbarkeit unterstehen. das bei oeri S Hei Platz jet. Sich
Wechsel: Da das marokkanische Recht den Pre sn men ollein. am Platz jet. Stehen
Wechsel nicht kennt, sind eingeb Wechselschukt solche in Frage, so muss von der Beschreitung des
, Se9orene Wechselschuldner Rechtswegs abgeraten werden, da die ausser erichtlichen
nur auf Grund des Valutageschäfts gerichtlich zu be- On z 7 S
Tangen Kosten, die jede Partei selbst zu tragen hat, ‚so hohe
Zoll: Eingehende Waren zahlen einen Wertzoll Sn das Bel der Tinklagı ng in der Regel nicht viel
° . N x übrig bleibt. Vorschläge auf Abschlagszahlungen, selbst
von 12% %. Ausgenommen sind Getränke, Seidenwaren auf fange Ziele, sind anzumeh Das ı 1 üb,
und Schmucksachen, für die nur 7% % zu entrichten a Ne HTen. Das Konsnlat über-
Sind. = , an Na Abmachungen und hat bisher gute Erfolge
Einfuhrbeschränkungen bestehen nur für Schuss- SE
waffen und ihr Zubehör, sowie für Tabak, Kif (Ha- Konkurse: Anmeldungen zu Konkursfor-
schisch, d. h. canabis indica) und Opium. derungen übernimmt das Konsulat. Es sind zu diesem
Das Kaiserliche Konsulati n Algier Behufe detaillierte _ Aufstellungen der gelieferten Waren
veröffentlichte Ende August 1909 folgende Angaben: und ihrer Preise einzusenden. N . N
Kreditauskünfte sind bei Anbahnung von ; Kata no Eh SE wenn irgend tunlich, in
Geschäftsverbindungen mit Algerien absolut notwendig. ee NE u oder englischer Sprache ab.
Das Kaiserliche Konsulat ist gern bereit, solche Aus-WS“ASst sem.
künfte bei einem hiesigen als zuverlässig bekannten Aus- Zoll: Bei Anfragen über den Einfuhrzoll ist mög-
kunftsbureau zu vermitteln, doch kann eine Gewähr für lichst ein Muster der in Rede stehenden Ware einzu-
die Richtigkeit nicht übernommen werden. Die Gebühr senden. Wo dies nicht angängig, ist eine genaue Be-
für jede Auskunft beträgt 3 Frs., die zweckmässiger- schreibung des Artikels und der dazu verwendeten Roh-
weise zugleich mit dem Antrage einzusenden sind. stoffe einzureichen.
        <pb n="33" />
        49 Reisen und Verkehr ifi Marokko. 50
Reisen und Verkehr in Marokko.
Die mannigfachen Erörterungen über Marokko haben würden bei fünf Personen „erster Klasse“ etwa auf
es zu Wege gebracht, dass dieses ferne Land unserm 640 M. per Kopf, in „zweiter Klasse“ auf etwa 240 M.
Gesichtskreis sehr nahe gerückt ist. Viele werden nun per Kopf kommen.
meinen, dass es keine grosse Sache sei, einmal die Reise Geschäftsreisende werden es als eine Annehmlich-
zu wagen und den ewigen Itaken-Fahrten den Weg in keit empfinden, dass man die grösseren Kaufleute nicht
ein weniger bekanntes Land, in weniger ausgefahrenen aufzusuchen braucht, sondern zu sich einladen kann,
Geleisen folgen zu lassen. Aber ganz so ist es wohl und dass man durch den Dolmetsch oder durch die
doch nicht. Freilich, die Küstenplätze sind nicht gar zahlreich vorhandenen Juden sich mit ihnen auf
schwer zu erreichen, aber wenn es eine Reise ins Innere Französisch verständigen kann. Die französische
gilt, so ergeben sich gleich ganz andere Massstäbe und Sprache genügt auch zur Not im schriftlichen Verkehr
Gesichtspunkte als auf gewohnteren Wegen. mit den Hafenorten des Landes und den jüdischen Kauf-
Zunächst: Eisenbahnen gibt es nicht.*) Nicht einmal leuten im Innern, die meist in den Schulen der „Alli-
die Hauptstadt, Fes, hat eine Bahnverbindung, das beste ance Israölite“ eine europäischere Bildung geniessen.
Beförderungsmittel sind Maultiere und Kamele. Fes ist Dagegen wird von allen Kennern der Verhältnisse
von Tanger in 6 Tagen, von Larasch in 4 Tagen empfohlen, zur Ausbreitung des Handelsverkehrs sich
zu erreichen. Dabei beträgt die Entfernung nur 250 resp. in Katalogen und sonstigen Reklame-Drucksachen der
180 Kilometer. Rechnet man für den Weg von Tanger einheimischen Sprache — nämlich des marokkanischen
nach Fes und den Rückweg 12 Tage, und 8 Tage für _Dialekts der arabischen Sprache — zu bedienen. — Die
den Aufenthalt in Fes, so kommen 20 Tage heraus, für in Marokko mit eigenen Postämtern versehenen Staaten
die man je nach den Ansprüchen an Bequemlichkeit mit — vor allem Deutschland und Frankreich — haben die
einem Betrage von 900 bis 2200 Pesetas Hassani (etwa Geltung des gewöhnlichen Inlandsportos im Verkehr mit
480 bis 1200 Mark) zu rechnen hat. In dem höheren Marokko durchgeführt.
Betrage sind Zeltmiete (200 Mk.) und die Gebühr für Der Postverkehr von Tanger nach Fes und in um-
den begleitenden Soldaten (120 Mk.) nicht mit einbe- gekehrter Richtung geht täglich (ausser Sonntags). Für
griffen. Frachten fehlt es noch an jedem geregelten Verkehr und
Die sonstigen Hauptausgaben sind: auch ein fester Tarif besteht noch nicht. Immerhin
5 Maultiere (a 5,60 M. per Tag incl. Futter) 560 M. werden die folgenden Angaben einen ungefähren Über-
Dienerschaft (2 Maultiertreiber, ein Koch und blick gestatten.
ein Führer und ein Dolmetsch) . . . . 256 Der Transport geht mittelst Maultieren, Eseln und
Verpflegung der Reisenden (16 M. per Tag). 320 „ Kamelen vor sich. Die Maximallasten (in zwei Halb-
Unterkunft unterwegs und in Fes. . . . . 200 „ _Iasten verteilt) sind
Billig ist die Sache also nicht. Dafür aber reist per Maultier 180 Kilogramm
man — unterwegs wenigstens — „in grossem Stil“. „Esel 80 ”
Andererseits muss man in Fes wieder mit einer Unter- „ Kamel 250 ”
kunft vorlieb nehmen, die garnichts Imposantes hat. (G,ögsere als die hier angegebenen Halblasten werden
Dort gibt es nämlich weder Hotels ersten, noch irgend nittels eines Holzgestells von je zwei Maultieren oder
eines anderen Ranges, und der Reisende muss froh Kamelen befördert, unterliegen aber wesentlich höheren
sein, wenn es ihm durch allerlei Protektion gelingt in Frachtsätzen. Gewöhnlich rechnet man:
einem nicht allzu schmutzigen Hause, meistens bei einem Transport von Tanger nach Fes
„Schutzbefohlenen“, ein Obdach zu finden. | per Maultier (Dauer 8 Tage) 30—50 M.
Die billi gere Reise unterscheidet sich von der per Kamel (Dauer 12 Tage) 20—35 M.
oben skizzierten im wesentlichen durch das kleinere Per- Transport von Larasch nach Fes
sonal (nur ein Maultiertreiber, Koch und Dolmetsch per Maultier (Dauer 5 Tage) 18—22 M.
in einer Person, keine militärische Begleitung) ferner per Kamel (Dauer 8 Tage) 11—16 M.
dadurch, dass man in der Verpflegung mit den landes- Auf die Tonne berechnet, betragen die hier ange-
üblichen Lebensmitteln (Eier, Hühner, grobes Brot) ebenen Frachtsätze etwa:
Sich begnügt etc. etc. 4 von Tanger von Larasch
Findet sich eine kleine Reisegesellschaft zusammen, Fjjgout“ (per Maultier) 180—250 M. 100—120 M.
So verringern sich die Kosten natürlich bedeutend und © Frachtgut“ (per Kamel) 80—145 M. 40—65 M.
*) Über die kleinen Anfänge s. S. 15—16. —— nn
        <pb n="34" />
        51 Reisen und Verkehr in Marokko. 52
Man kann aus alledem ersehen, dass dem modernen europäischen Zentrums für Fes machen, und auch die
Verkehr im scherifischen Reiche grosse Aufgaben ge- Vermittelung oder der Betrieb eines besseren Verkehrs
steckt sind. Die Erschliessung des Landes durch Eisen- mit den Küstenplätzen könnte von dem Hotelier lohnen-
bahnen kann unmöglich noch lange auf sich warten derweise in die Hand genommen werden. Es ist zum
lassen, und deutsche Unternehmer und Industrieelle Beispiel garnicht einzusehen, warum nicht ein Wagen-
Sollten diesen Tatsachen ihre volle Aufmerksamkeit zu- verkehr zwischen Fes und der Küste eingerichtet
wenden. werden kann, der den Reisenden in genau der halben
Zeit (bei entsprechendem Pferdewechsel) und ingrösserer
Aber auch vo r solchen grösseren Unternehmungen Bequemlichkeit an sein Ziel bringen würde, und wenn
ist im Lande noch für mancherlei Betätigung Platz. Es gar ein Automobil in Dienst gestellt werden könnte, so
wäre sehr zu begrüssen, wenn z. B. von deutscher brauchte die Reise von Larasch aus nur einen Tag
Seite in Fes, der Hauptstadt des Landes, eine Art Hotel zu dauern. Da Fes (die Altstadt) nur 250 Meter über
errichtet würde, das in der ersten Zeit _— bei den oben Meeresspiegel liegt und Gebirge auf diesem Wege nicht
geschilderten Zuständen — nicht einmal sonderlich viel zu überwinden sind, so ist nicht gut ein Grund zu
zu bieten brauchte, um von allen reisenden Europäern finden, weshalb ein Automobilverkehr hier sich schwerer
als wahre Wohltat empfunden zu werden. Ein solches bewerkstelligen lassen soll als in anderen Teilen des
Hotel könnte sehr wohl mit einem Verkauf europäischer Orients. Voraussetzung hierfür ist freilich der Bau von
Artikel verbunden sein, an die sich nach und nach auch Brücken und die entsprechende Herrichtung der Strasse.
die reicheren Eingeborenen gewöhnen würden. Eine Es handelt sich hier um Dinge, die durchaus im
Art Cafe mit Limonadenausschank und Eis im Sommer Rahmen der privaten Initiative und mit recht mässigen
(die Maschinerie zur Herstellung dieser beiden Artikel Mitteln durchgeführt werden könnten, und die — bei
ist ja billig und leicht zu bedienen) würde auch ein dem zu erwartenden baldigen Aufschwung des Landes
recht bescheidenes Etablissement bald zu einer Art — die aufgewendeten Mühen reichlich lohnen würden.
        <pb n="35" />
        53 Die deutschen Konsulate in Marokko. 54
Die deutschen Konsulate in Marokko.

Nach dem diesjährigen Verzeichnis der reichs- Mazagan
deutschem Konsulate gibt es in Marokko die folgenden kommissarisch verwaltet, Vizekonsul
konsularischen Vertretungen: Amtsbezirk: die Küste — einschliesslich der

Stadt Azemour — von der Mitte des Wegs von
Tanger Mazagan nach Casablanca nördlich bis zum
Dr. Rosen, Geheimer Legationsrat, Gesandter Uelscha Sidi Ibrahim Ben Hillal südlich
und Generalkonsul Mogador
Amtsbezirk: Das Sultanat Marokko Heinrich von Maur, Vizekonsul
Jurisdiktionsbezirk: Das Sultanat Ma- Amtsbezirk: die Küste von Uad Tensift im
rokko mit Ausnahme der dem Konsulat in Casa- Norden bis zur marokkanischen Grenze im Süden,
blanca als Jurisdiktionsbezirk zugewiesenen Ge- Ra bat
biete. Ernst Joseph Neudörfer, Vizekonsul
Amtsbezirk: die Küstenstädte Rabat, Saleh,
Casablanca Mehediah und die Küste von Baharah bis Mitte
Hermann Lüderitz, Konsul des Wegs zwischen Rabat und Casablanca
Amts-und Jurisdiktionsbezirk: Die Saffi
Küste von der Mitte des Wegs von Casablanca Carl Junker, Vizekonsul
nach Rabat nördlich bis zur Mitte des Wegs Amtsbezirk: die Küste vom Uölscha Sidi
zwischen Casablanca und Mazagan, sowie die Ibrahim Ben Hillal bis zum Uad Tensift
Bezirke der Vizekonsulate in Mazagan, Safli, Fes
Rabat und Mogador einschliesslich der Stadt kommissarisch verwaltet, Konsul
Marrakesch. Larache
Max Meier, Vizekonsul
Marrakesch Amtsbezirk: die Küste von dem Kap Spartel
Emil Nier, Konsularagent bis Baharah.
Deutschlands Marokkohandel 1907—1908,

Gegenüber den vielfach schwankenden — Z. T. sich bis auf einen verschwindend kleinen Rest der
tendenziös entstellten — Angaben über den Anteil ganze deutsche Marokkohandel konzentriert, genaue
Deutschlands am Handel von Marokko sind wir (auf Angaben über den deutschen Marokkohandel in den
Grund sorgfältiger Zusammenstellungen des „Deutschen Jahren 1907 und 1908 zu machen. Aus den zum Teil
Marokko-Komitees“ in der Lage, an der Hand der Ein- noch unveröffentlichten Ziffern ergibt sich folgendes
fuhr und Ausfuhrlisten von Hamburg und Bremen, wo Bild:

Warenverkehr nach bezw. von Marokko.

1907 1908
Hamburgs Ausfuhr . . 2080040 M. 2997050 M.
» Einfuhr . . 11731630 „ 108402830 ,
Bremens Ausfuhr . . 22057, 69022 ,
% Einfuhr . . 1155492 , 714864 ,
Insgesamt (beide Häfen) 14940119 M. 14621 166 M.

Aus diesen Ziffern geht unwiderleglich hervor, nommen, die Einfuhr aus Marokko um ca. 1% Milli-
dass der deutsche Marokkohandel im Jahre 1908 gegen onen Mark abgenommen. Auf die Gestaltung desMarokko-
das Vorjahr eine Einbusse erlitten hat, die sich auf die handels haben die politischen Ereignisse der Jahre 1907
allerdings nicht bedeutende Summe von ca. 320000 Mk. und 1908 nicht nur, was den Handel mit Deutschland
beziffert. Die Ausfuhr von Deutschland nach Marokko betrifft, sondern allgemein ungünstig eingewirkt.
hat im Jahre 1908 um ca. 1 Million Mark zuge-
        <pb n="36" />
        55 Deutschlands Marokkohandel 1907—1908. 56
Einfuhr Hamburgs aus Marokko
im Jahre 1907. im Jahre 1008.
Wert Mk. Gewicht Wert Mk.
Datteln: A 310 dz 27 140 Datteln... a 286 dz 23 210
Mandeln“. 10242, 1502180 Mandeln . vn 20, 1 731 640
Weizen 5272 , 91 460 Weizen . . 0. 30494, 496 750
Roggen” . A 928 , 14.130 ENGerste , ., — ei .« 42144 „" „4842 750
Gerste... A EP 360 036 „ 4589 550 Mais...“ S 230628, 29 580
Mais: .., .*." a 3136, 3330 Futterbohnen ; ne 34894 ,, 465 640
Futterbohnen .=.*—— 13910 , 190150 Koriander . . 32288, 69 990
Kümmel Sa an 190, 10810 Sardinen 7, 1188, 27 820
Koriander. PO 4834 , 240 MEer .. .. 400 46 410
Schildkröten... 49 2370 Konserven . . ; 60P,, 8 820
Eier... as . 68, 6200 Spiesskümmel . . Pu 340 , 25 230
Konserven‘ . . "ne 2 9860 Andere medizinische
AndereVerzehrungsgegenstände 4 250 SAMEN 5644 , 108 880
Spiesskümmel‘ .. .... “= 2759 194600 Gummi arabicum . TA Dre, 26 700
Andere medizinische ör Sandarak „0. 2211 259 630
Sämereien .... A 6133 108 580 Weinstein, roh und gereinigt . 107-— 8 500
Gummi arabicum . .. nn 209 16780 Trockene und gesalzene
&gt;» Sandarak A 1748 , 190 020 Rindshäute .. o 337° 41 410
Trockene und gesalzene Schaf- und Lammfelle 4 3 6038, 291 500
Rindrhäute: — A133 179020 EN Ziepenfelle . . ,“ nm) 15761 247 310
Kalbfelle en . 149 , 19270 Gedärme . . a 473 , 260 140
Schaf- und Lammfelle 78247, 842 760 Ziegenhaare . N 346 23 590
Ziegenfelle ...  ‚“ N 4566" ,, 720490 Bettfedern . 15, 2 400
Gedärme ..... "7a, 3368, 139590 Bienenwachs rn I 1831 487 070
Ziegenhaare .. "0 808”, 61790 Olivenöl . . Dr 9918 , 743 460
Wachs &gt;... 2840 , 768 580 Kanariensaat «A 31677 54 440
Kanariensaaft . . “E 18866 , 313890 Leinsaat . . ‚ en 6900 , 175 490
Feinsaat 3130, 69950 Aprikosenkerne . 1888, 15 340
Korkholz „=... 104, 5600 Eumpen“ Aa 172F, 6 000
Andere vegetabilische Schafwolle =. 2517. 269 280
Rohstoffe... mA 599 „ 52560 Andere Rohstoffe
rl 677 , 42 020 und Halbfabrikate 8 080
Schafwolle . ...... 12277 ». 1400640 Säcke STR US a 692 28 280
Andere Rohstoffe und Halb- Teppiche aus Spinnstoffen 610 kg 2730
fabrikate 4230 Andere Waren. . . _-. 6140
Säcke... . 251 9760 Passagiergut . . 16 dz 6020
Teppiche aus Spinnstoffen 280 kg 2 280
Naturalien und Kuriositäten 45 dz 20 540
Andere Industrieerzeugnisse 1 030
Passagiergut . . I 57 14 700
Zusammen 11731 630 Zusammen 10 840 230
        <pb n="37" />
        57 Deutschlands Marokkohandel 1907—1908. 58
Ausfuhr Hamburgs nach Marokko
im Jahre 1907.

Wert Mk. Wert Mk.
Kaflee Sn 573 dz 43 830 Übertrag 1.360 010
Tee . 502. 03 370 Säcke 708 31 910
Kristallzucker . 104 25410 Leinenwaren . . . . - 350 kg 3 160
Raffinaden . Zr a 1414 40490 Frauenkleider und Putzwaren . 18 dz 9.970
Fat 110, 2500 Herren- und Knabenkleider . 410 kg 2.990
Roher Tabak . . m. 654 50760 Leibwäsche aller Art . . - 740 6 090
Zigarren: +... - 160 Mille 10330 _Posamentierwaren . . . 15:47 7020
Pfeffer 369 dz 32520 Strumpfwaren . . . + + «+ Zu 16 070
Gewürznelken 24 2350 Andere Manufakturwaren . = 10 790
Wein 5. TE 24 hl 3550 Mobilien . . .. + + 62, 8 700
Korn-, Kartoffel-Spiritus Andere Holzwaren . . . 9, 4 100
und Sprit... a, 41.340 Papier. 2 A A ALS, 51 960
Likör und and. Branntwein . 181, 620 Pappe 2 226 2340
Bier =. A 866 45160 Papier- und Pappwaren . 62 9 610
Mais. A A048 di 10380 Schreibmaterialien . . .. 14 3 600
Kartollein A 13230 Gedruckte Bücher . . .- 31 6840

Backwerk 203 12880 Spiegel und belegtes
Natürliche Butter. . . + - An 8 6 540 Spiegelglas‘ 0. 0 94 , 11 900
KONSeIVe er 576, 5980 Glasperlen‘ . +... 0.) 17, 5 850
Schokolade und Zuckerwaren . 34 6710 Andere Glaswaren . . .. 884 91 180
AndereVerzehrungsgegenstände —_ 20 390 Steinzeug u. feine Tonwaren . 370 » 23 020
Zement. 0, 79 680 (Porzellan. 4 wu, 7 600
Anilinfäarben 2 une, 5620 Eiserne Nägel . 2. 96 4 090
Andere Farbewaren . . . 1. 6250 Nähnadeln - 15 ACH 700 kg 4010
Soda TE HS 04° 2030 Andere Nadela s . 2. 2 37-dz 5 530
Kaustisches Kali . . ... 82 4730 KFisenwaren aller Art ... 264, 174 970
Andere Drogen Waren aus edlen Metallen . 30 kg 4 500
und Chemikalien . . . - 140°, 10410 Kupfer- und Messingwaren . 22 dz 5 720
Schmelzeisen . . . 97. 1 3066, 31760 Andere Metallwaren . . . 15 5 730
Eisen in Stangen. .  .. 224, 55060 Nähmaschinen . . . . . 89 15 460
Stahl 163°, 7600 Andere Maschinen . . . . 176. 17730
Eisendraht de 214°, 7780 Klaviere usw. und Klaviaturen 12, 6150
Baumwollensaatöl . . . . 209”, 11250 Andere Musikinstrumente . . BB, 4 920
Klauen- und andere fette Oele 531 3320 Sprechmaschinen und -platten . 840 kg 3 180
NützhOleer ee 880 10800 Taschenuhren . . . . . + 63 3 660
Holzmehl er a 504 , 4700 Wand- und Stutzuhren .... 57 dz 14 060
Baumwollengarn . . . . 3, 5400 Wagen und Wagenteile . . . 53 3 000
Andere Rohstoffe Spielwaren [2 41 77110
und Halbfabrikate ... 7. = 11160 Kurzwaren . .. + + + 35 27 460
Seiden- und Halbseidenwaren . 890 kg 1820 See EEE 6 3810
Wollen- und Halbwollenwaren 713 dz 578100 Parlimerien. . .. . 3 4210
Baumwollenwaren . . 54 31240 Andere Industrieerzeugnisse , = 21 080
Zn Passagiergut . . + +. + &gt; 18 350
Übertrag 1 360 010 Zusammen 2.030 040
        <pb n="38" />
        59 Deutschlands Marokkohandel 1907-—1908. 60
Ausfuhr Hamburgs nach Marokko
im Jahre 1908.
Gewicht Wert Mk. Gewicht Wert Mk.
Kaffee 2 ne 515 dz 35 940 Übertrag 1363 780
Vz. 1380, 222130 Leibwäsche aller Art . .. 21, 10 920
Kristallzucker . 418 10570 Herren-, Frauen- u. Kinderhüte 2 20 440
Raffinaden . „A. 16126 516390 Posamentierwaren . . .. “4 24 450
Roher Tabak . ‚1; Pa, 100340 Strumpfwaren . ..... 22 13 720
Reis? 473° 9960 Andere Manufakturwaren . . 7020
Pfeffer ii 67, 375060 Fässer. A ee 547 7650
Andere Gewürze I 87 4410 Mobilien . . 2.0.0.0... 109, 12 680
Wein. 64 hl 5470 Andere Holzwaren . . .. 40 3 350
Rum 2 407 10150 Papier. 0.0. 12350 46 490
Kölnak re, ea AT 2740 Dach- und Asphaltpappe . . 138 4 700
Genever .. , „=... . 132 29060 Pappe 289 , 2 800
Spirus A 1674, 68930 Papier- und Pappwaren . . 199 ,, 32 510
Likör und Branntwein . . . 530 2800 Hohlglaswaren . .. .. 622 64 100
Die Sees u 1800 54330 || Fafelgslas 2 A, 256 32 030
Ma ae 361 dz 3540 (| Glasperlen. . 7, 18, 7140
Kartofleln en TS 5350 Steinzeug und feine Tonwaren 548 , 29 950
Butler 2 660 Dorzellan . .. ., % 8 740
Konserven. a a 118, 5520 Eiserne Nägel. ..... 47 19 500
Schokoladen und Zuckerwaren 41° 7100 Nähnadeln . 12 3 700
AndereVerzehrungsgegenstände 13320 Steck- und andere Nadeln . 70 7 900
Bauholz. a 1 8850 Andere Eisenwaren. . .. 1983 , 179 550
Zement a 6412 , 25320 Kupfer- und Messingwaren . 34, 6 800
Farbwaren 2 52 6320 Andere Metallwaren. . .. 37, 9 600
SL 32: 24710 Nähmaschinen. ... . . 267%, 37 440
Soda es A 2550 Lokomotiven und Lokomobilen 79. 9 800
Kaustisches Kali... .. 65, 3100 Andere Maschinen . . .. 47 5320
Andere Salze . . ....... 1295, 3720 Klaviere usw. und Klaviaturen A E 3.250
Andere Drogen Andere Musikinstrumente . . 16°, 7 400
und Chemikalien . CS 107 9850 Schreib- und Rechenmaschinen 340 kg 4 600
Schmelzeisen . .. „u 4520, 34500 Wand- und Stutzuhren . . . 41 dz 7670
Eisen in Stangen. . .... 2624 7 46 660 Zündwaren . . . .... 4%, 2.980
Eisendraht- . ST 13250 Spielwaren „0 5 17 12 670
Andere Metalle‘, u, 100 , 4680 Kurzwaren . ...... 55. 24 160
Feder ek ar 320 kg 2990 Parfümerien . . . . . . 30°, 4 550
Klauen- und andere fette Oele 121 dz 6350 Andere Industrieerzeugnisse , 27 440
Nutzhölzer © ea 228, 2850 Passagiergut . ..... 105, 28 420
Holzmeht 3. le, BT 8340 Andere Rohstoffe

Schafwolle A 2.900 und Halbfabrikate . . . 6 600
Baumwollengarn . . 2. 16. 7530 Seiden- und Halbseidenwaren . 300 kg 4 800
Säcke W 1046 45260 Wollen- und Halbwollenwaren 1072 dz 862 370
Baumwollenwaren . . 38 28 000

Zusammen "1363780 Zusammen 2.996 990
        <pb n="39" />
        61 Deutschlands Marokkohandel 1907—1908. 62
Einfuhr Bremens aus Marokko
im Jahre 1907. im Jahre 1908.
Wert
Muscheln — Schaltiere . 2175 kg no. 4350 M. Früchte, getr., Mandeln 2450 kg no. 2900 M.
Früchte,‘ getr. Mandeln. 29071, » 5029 Getreide usw., Gerste . 4590509 „ „ 596352
Getreide, Gerste. . 442483998 27323 Feldbohnen 4 4 A530 a E22,
Weizen . . .. . .. 3908205, „ 45876 , Andere Getreide-
Gewürzsamen, Kümmel . 10114 „ 4349 , und Hülsenfrüchte . .. 12672 „ 2867,
Andere Gewürzsamen . . 92904 „ „ 24155 „ Gummiharze . . .. = 217 5 2810°,
Drogerien, Gummiharze . 9464 „ „ 78551, Oele, Baumöl_.... 95360, 24986,
Medizinische Früchte .. 10550 3 6827, Schafwolle, rohe... . .a55162 „ „ 51199%,
Andere Drogen . . . .140462 „ 56906 „ Andere Rohstoffe .. ... 11080 „ „ 3928,
Felle:
Kalb-, Schaf- und
Ziegenfelle .:. 4. . 13057780, „ 9350556,
Haare, Tierhaare 3. 82050 14726 ,„
Häute, . getrocknete I... 4.1150 5.376.
Korkholz . . . WE 43418 2082 „
Lumpen... 1 2. 0 AUT SS 3607
Metalle, Kupier. ... . A 37508.» 71716,
MetaHabfälle. .”.. . 4 S2978 » 125%
Sämereijeh . . .. . 941242528 „22306
Schafwolle, rohe . . .402094 „ „ 492089 „
Wachs, Bienenwachs . . 20412 „ 51846 ,
Andere Artikel... 1 408 m 4457 ,
1155492 M. Zusammen 714864 M.
Ausfuhr Bremens nach Marokko
im Jahre: 1907. im Jahre 1908.
Wert Bier, deutsches‘ . . . . . 48611 2990 M.
Tabak, Paraguay . . .W12918 kg no. 9200 M. (Tabak, Java . . . . . 15051 kgno. 5150 ,
Europäischer Tabak . .Wa388 „ 2218 Anderer. ostindischer .... 24394, „8520.
Anderer Rohtabak . ; . 4701, 3479 Havanna... 2. 42. 1 1213 „2320,
Andere Verzehrungsgegen- Kuba a ET 8208 x.» 11600,
stände. 7. 5. os, 13m, Domingo... 5 RS » 113321
Stahl, deutscher... .E13986°, 23 Paraguay... 46 78708 „15007,
Andere Artikel . .. 3871 a 2249 , Mexikanischer... ... «107998 „4445150
Kolumbia, Carmen . . . 77380. „®" 15600"
Anderer kolumbischer . . 4926 „ „ . 3700 ,
Anderer Rohtabak . . ./ 3436. „' 3765,
Andere Verzehrungs-
gegenstände‘‘ .... 39905 „. 2625 „
n Sonstige Artikel... )..374716 „ 118
22 957 M. Zusammen 69022 M.
== Davis Trietsch, Handbuch für Marokko und Persien. —_ ED
        <pb n="40" />
        63 Seeverkehr in den acht Hafenplätzen. 64
Seeverkehr in den acht marokkanischen Hafenplätzen.
Fahrzeuge und Tonnage der wichtigsten Länder 1907.
Casa: Summe des
Herkunftsland : Tetuan | Tanger | Larasch | Rabat [ 1 . Mazagan | Saffi | Mogador ı Herkunfts-
. blanca ; | Jandes
Fahrzeuge
Deutschland = 105 29 22 46 59 36 27 324
Frankreich 29 254 42 41 104 58 43 36 607
Großbritannien 74 543 66 38 er 65 48 41 962
Italien = 18 % 8 1 10 © 8 55
Niederlande a &amp; ; . 14
Desterreich 26 26
Spanien | Kae 837
Summe*) der Häfen| 164 | 1514 | 222 | 4 «48 | 270 | 152 135 ' 2825
Tonnage
Deutschland = 153671 | 29628 20 433 41 838 51 867 29477 23 868 | 350 777
Frankreich 19270 | 190839 | 28332 32 506 83 762 58 853 40 489 33 953 488 004
Großbritannien 14638 | 207590 | 17959 16167 55 419 48 704 49 241 45 346 455 064
Italien = 9986 1520 29833 7524 |! 6789 1868 5.255 35 825
Niederlande — 6 064 — 120 60 — 222 =&gt; 6 466
Oesterreich - 15 869 — — ze = = = 15 869
Spanien | 1561 | 172772 | _6889 | 2222 ı _35883_! 30987 | 3627_ _ 8818 | _ 262 759
Summe*) der Häfen| 35607 | 768568 | 86416 | 74801 | 227047 | 202197 | 129744 | 118696 | 1614764
*) Einschließlich anderer Provenienzen.
Das „Strassen‘“-Netz von Fes.
. - 9 e | —___ Tagereisen per Dekan
; emerkungen
Von Fes nac m Maultier | Kamel g'
Larasch (direkt). 1. . .. . 180 Sehr sicherer Weg
S (via El-Ksar)- ns u 190 Weniger sicher als voriger
EFKSsarn FA 160
Tanger (via El-Ksar) 250
Meknes u, „ 60 : Lange Tagereise per Maultier
Rabat (via Meknes) . a 180 :
Kessan ©. . S ; 140 |
Tazza Muluya Udschda, Marnia 5 350 . Zurzeit wenig begangener Weg
Er-Rissani . .. 400 DS Im äußersten Süden von Tafilelt (via
Kasbat el Machsen)
Kenadsa . . . . 400 En © Via Kasbat el Machsen und Bu Denib.
        <pb n="41" />
        65 Schlußwort. 66
Schlußwort,

In einem Aufsatz*) des Jahrbuchs für Deutsch- delsbilanz von einer Milliarde Francs
lands Seeinteressen (1909) finden wir bezüglich der haben könne. — Diesen Satz kann man unbedenk-
jetzigen und der möglichen Bevölkerungszahl des lich unterschreiben.“

Landes folgende Ausführungen:

„Wenn wir uns aber gegenwärtig halten, wie _ Und schliesslich finden wir in der kleinen Schrift
gering in diesem Klima die Anforderungen an „Die Seehäfen von Marokko“ von Prof. Theobald
Nahrung, Kleidung, Wohnung sind, und dass im Fischer- Marburg _ die nachstehende Bemerkung
Dijurdjura-Gebirge Algeriens nur vom Anbau des über die politische Bedeutung eines unabhängigen
Bodens 100, — in Sizilien fast nur davon marokkanischen Staatswesens:

137 Köpfe auf 1 qkm leben, so wird uns klar, dass „Die weltpolitische Bedeutung von Marokko,
die Bevölkerung von Marokko, die einst viel grösser vielleicht auch seine wirtschaftliche, ist nach meiner
war, bei geordneten Zuständen rasch wieder wachsen in 30jähriger Beschäftigung und auf drei Reisen in
wird. — Das Land vermag vV jelleicht diesem Lande erlangte Ueberzeugung So gross, dass
40 Millionen Menschen zu ernähren. derjenige Staat, dem es gelingt, sich
So viel Abnehmer europäischer Erzeugnisse werden dieses Land ganzzueigen zu mac hen,
hier an den Toren Europas sitzen! Für so viele daraus einen so gewaltigen Macht-
Menschen ist hier noch Raum, ohne dass man da- zuwachs erlangen wird, dass dies alle
bei an europäische Einwanderung zu denken braucht, anderen Staaten, vor allem England, Spanien und
die in dem gesunden, fast ganz malariafreien Lande das Deutsche Reich, als einen un er träglichen
unter weit günstigeren Bedingungen stehen würde Druck empfinden werden. — Die peinliche Durch-
als in Algerien.“ führung der Algeciras-Akte, indem dieselbe für die

Unabhängigkeit des Landes, aber mit Reformen und

Weiter findet sich in dem gleichen Aufsatz die offener Tür, Gewähr leistet, dient daher den Inter-

Bemerkung: essen aller Völker am besten.“
ing hend EG NEE Ba h Be N Wir glauben unsere Uebersicht der politischen und
gesprochen, dass Marokko in 50 Jah ren eme Han- wirtschaftlichen Verhältnisse Marokkos nicht besser
2 abschliessen zu können, als mit der Hervorhebung
7 „Marokko und seine Beziehungen zur deutschen Volks- dieser bedeutsamen Aeusserungen, aus denen klar her-
wirtschaft.“ — Das Jahrbuch erscheint im Verlage von Ernst vorgeht, welche Stellung Deutschland im Interesse
Siegieiet Mister, und, Sohn, ‚Bern: nd Oringt Heben arhem seines Handels und seiner Industrie in der Marokko-

Wirtschaftsgebiet. Diesmal über Marokko. frage einzunehmen hat.
        <pb n="42" />
        <pb n="43" />
        69 Die Nachbarländer Marokkos. 70
Die Nachbarländer Marokkos.
1. Algerien und Tunesien.

Diese beiden Länder bilden den wichtigsten Teil „Protektorat“ übernommen, nicht dem Kolonial-
der französischen Besitzungen in Afrika, wobei es minister, sondern dem für auswärtige Angelegenheiten
von Interesse ist, dass Algerien nicht als eigentliche untersteht. Aber faktisch gliedern sich beide Gebiete
Kolonie, sondern als Teil Frankreichs an. dem grossen zusammenhängenden franzö-
gesehen wird, und dass Tunesien — nominell zum _sischen Kolonialkomplexe im Nordwesten Afrikas an,
türkischen Reiche gehörig und von Frankreich in der die folgenden Besitzungen umfasst:

A Jahr der Areal Einwohnerzahl

" Erwerbung in qkm | per akm
Algerien 0 RS 1830—1902 797770 - 4739331 ı 6.0
Tunesien 2. 7 er 1881 | 110500 +; 17900 000 42
Mauretanien: . 1893 Sn 400 000 .
Sahara... Ca = 4 900 000
Senegambien . ... . 1637—1880 750.000 3200000 | 43
Guinea sy 1843 260 000 2200000 . 8,5
Elfenbeinküste. . . . .. 1843 325 000 2 500 000 7,7
Dalhbome. 1893 170 000 1.000 000 5,9
Kongo und Tsadländer. . | 1884—1900 | 1700 000 12 000 000 7,0
Militärterritorien . . . . | 1899 550 000 3 000 000 5.4

Dieses kolossale Gebiet von über 9500000 qkm Brit. Nigeria, Deutsch Kamerun und das
(dem etwa achtzehnfachen des Deutschen Reiches spanische Rio Muni
oder des französischen Mutterlandes) umklammert
Marokko, die spanische Besitzung Rio de — seine (hauptsächlich westlichen) Grenzen sind:
Oro, das englische Gambia, das portugiesische das belgische Kong o gebiet
Guinea, und weiterhin die zusammenhängenden der ägyptische Sudan und
Gebietsgruppen: das türkische Tripolitanien.

Nach dieser kurzen Uebersicht über den grossen

Sierra Leone (britisch) und Liberia Gesamtkomplex, den wir zur Charakterisierung seiner

Britisch Aschanti („Goldküste“) und Deutsch- Hauptgebiete für nützlich gehalten haben, soll im

Togo folgenden nur von diesen letzteren die Rede sein.

‚+ebiet
        <pb n="44" />
        Die Nachbarländer Marokkos. 72
Algerien.
Areal 797 770 qkm — 5231 850 Einwohner*) —
6,5 per qkm.
Regierung, Verwaltung ete. wohner zählten, haben jetzt über 300 000 Einwohner.
. Ba . Wan Dabei ist nicht etwa die französische Einwanderung
Regierungssitz jet Algiers. Dort residiert der Ge- so sehr beträchtlich; sie beträgt nur etwa 2000 per
neralgouverneur. Seit dem Jahre 1901 ist das algeri- Jahr.
sche Budget von dem des Mutterlandes völlig getrennt. ) |
Die Einnahmen bestehen aus den Zöllen, Steuern und Im einzelnen weist der Zensus von 1906 folgende
Abgaben, und die Ausgaben umfassen alle Zweige der Zusammensetzung der Bevölkerung auf:
Zivil-Verwaltung, während die Kosten für Heer und Franzosen, in Frankreich geboren 101 401
Flotte (wie auch ein Teil der Zins-Garantie für die 5 „Algerien n 167575
Eisenbahnen bis 1926) im Budget Frankreichs mitfigu- S durch Naturalisation 21 696
FEFEn. rn =—_- »„ auf Grund des Gesetzes
Dem Gouverneur stehen drei Finanzdeligationen von 1889 97 950
(für die französischen Kolonisten, sonstige französische Spanier 149 838
Steuerzahler und die mohamedanischen Eingeborenen) Italiener 45 374
und ein Conseil superieur zur Seite. Malteser 10 933
Die Legislative ruht bei der französischen Kammer. Sonstige Europäer 10 861
Jedes algerische Departement entsendet einen Senator Juden — 1870 naturalisiert 17.200
und zwei Deputierte zur französischen Nationalver- 7 von naturalisierten Eltern 47 365
sammlung. — Eingeborene 4 447 149
Marokkaner 25 277
Die Bevölkerung. Tunesier 3 083
Die letzten 3 Zählungen ergaben folgende Ziffern: NS Fingeborene SS 000
1896: 4429 421 f
1901: 4739 331 Hospitalpersonal etc. 18 799
1906: 5231 850 en ® Ya
® LE V 2
Dies entspräche einer gegenwärtigen Berölkerungs: 4, OO tewärie, amäbernd 5, Milionen
zunahme von etwas über 100000 per Jahr, so dass ropäer (also fast ein Sicbenicl) sem
wir für 1910 eine Ziffer von etwa 5 650 000 annehmen :
können. Die nachstehenden Annahmen dürften diese
Bevölkerungszunahme illustrieren: In den letzten 34 Staatshaushalt.
Jahren hat sich die Zahl der Franzosen im Lande ver- Der Voranschlag des Budgets für 1008 wies
dreifacht, die der Mohammedaner, Juden und Fremden Finnahmen von 108592201 und Ausgaben von
verdoppelt. Die Städte Algier, Oran, Constantine und 099059.703 Francs auf. Das Budget pro 1000 geht
Mustapha, die im Jahre 1872 zusammen 124000 Ein- aus folgender Aufstellung hervor:
. *) Hiervon entfallen aber auf die Nordterritorien (das eigent- Einnahmen
liche Algerien — Departements Algiers, Oran und Constantine —
DWOS0S AMGIAr A080 STE ALER ET ZN EEE SEM + 4 +... Frames 50317850
MD ne W €: 8 5 sonst ax
 Furopfen), N ehtend. die dreimal größeren Südterritorien nur Staatsdomänen. . „2. ” 6 887 191
EU DOES (werunter AM ET a SOnSlEn Monopole: usw... ” 8 491 250
Bevölkerungsdiehie von ca. 24 per qkm. und die Stdterriiorion Verschiedenes .. , ....} 2320467
aoch nicht einmal 1 per qkm. — Die 3 Nord-Departements zählen : Ausserordentliche Einkünfte . 5 31 387 866
Deere Ol Zölle, indirekte Steuern usw. _ „27515370
N onctantinie Seis Se Se Total: Francs 127 119 994
        <pb n="45" />
        73 ‚ Die Nachbarländer Marokkos.
Ausgaben denen 1908 für rund 40 Millionen weniger zur Aus-
Verwaltungswesen . . . . Francs 17 108 089 fuhr gelangten als 1907.
MNeres N RE % 22 320 067 Die Weizenausfuhr betrug 724275 dz im Werte
Eingeborenen-Bureaus . . 4 983 891 von 17672000 Francs gegen 2014743 dz im Werte
Finanzwesen. + +. 9 483 883 von 49160 000 Fres., mithin 31 488 000 Fres. weniger,
Post- u. Telegraphenwesen 11 805 930 Die Gersteausfuhr bezifferte sich auf 687299 dz
Öffentliche Arbeiten . . 21 542 137 im Werte von 11168000 Fres. gegen 1213198 dz
Landwirtschaft... 8 790 355 inı Werte von 19714 000 Fres., mithin 8 546 000 Fres.
Verschiedenes . . + + - . 249 200 weniger. Zusammen ergibt sich also ein Minderwert
Ausserordentliche Ausgaben . S 30 787 966 von 40034000 Fres. ze
; Dieser Ausfall wurde zum Teil ausgeglichen
SIENA SE durch einen Mehrwert der Ausfuhr von Wein —
Eisenbahnen. 17 Millionen Fres. —, von Vieh (Rinder, Hämmel,
Das BEisenbahnnetz Algeriens hatte 1906 eine Lämmer) von zusammen 9% Millionen Fres. und
Schienenlänge von 3165 km. Hauptlinie ist die von “9 Olivenöl 8 Millionen Fres.
Oran nach Algiers (mit Weiterführung nach Tunis). . :
— Von besonderer Wichtigkeit für die N KASA . Klimatisches. E «
Marokko-Interessen ist die von Oran nach Süden Verteilung der Niederschläge ın
gehende Linie, die fast der algerisch-marokkanischen Algerien”): . .
Grenze folgt. Ort: Durchschnitt: Niederschläge:
Handel. Algier von 54 Jahren 683 mm
. . . % Dschidschelli 5 20 1024
Die Ein- und Ausfuhr Algeriens gestaltete sich Bougie 20 1039
z z ” ” ”
in den Jahren 1907 und 1908 wie folgt: Oran En 482
Einfuhr Ausfuhr Gesamt-Handel Philippeville 5 0 807
WARS 1007 2000 0 HE Ne 907 1008 La Calle » 17° 809
T N DEE nn 28472 30615 62654 69128 91126 99748 Jemmapes a 16»
Il. Pflanzenstoffe . 72729 73151 225232 204 266 297961 277417 Constantine „m 561
IT. Mineralstoffe . 27600 29949 38646 37862 66246 67811 Setif 14 442
IV. Fabrikate . . 319418 326841 _11956 14 556 381374 341 397 &gt; » ® ”
USA na Da DL rm Fort National Wl2 12B »
en . . 448219 460556 388488 325 812 786 707 786 368 Tizi Usu P 841
Der Wert der Einfuhr ist also gegen 1907 um Blida 5 835 5
12337000 Fres. gestiegen, während der der Ausfuhr Kolea »2 14 5» 650
fast um dieselbe Summe — 12676 000 Fres. — Medeah ba 8 850
gegen das Vorjahr zurückgeblieben ist. Dieser Rück- Tlemsen „du 662
BEnE erklärt sich durch die mangelhafte Zerealien- *) An der Küste mehr als im Innern (mit Ausnahme hoch-
ernte, insbesondere an Weizen und Gerste, von —gelegener Gegenden).
Tunesien.
Areal 110500 qkm*) — 1900000 Einwohner — 17,3 per qkm.
Regierung, Verwaltung usw. Für Verwaltungszwecke ist das Land in -13
Nomineller Herrscher ist der Bey (Sidi Mo- Distrikte (unter französischen Zivilkontrolleuren oder
hammed en Nasr Bey, — geboren 1855, „Thronbe- Vizekonsuln) eingeteilt, neben denen am Süden“ noch
steigung“ 12. Mai 1906 — praesumptiver Thronerbe: einige Militärkreise etc. bestehen. Die unteren Beamten
Sidi Mohammed ben Mamun Bey, geboren 1858). sind meist Eingeborene.
Das Land steht unter Kontrolle eines französischen Für Rechtsfälle zwischen Untertanen europäischer
General-Residenten, der zugleich Minister Mächte — unter sich oder mit Eingeborenen —
des Aeusseren ist, und unter einem Ministerium von existieren französische Gerichtshöfe, für solche
9 Mitgliedern (für ebensoviele Ressorts) von denen zwischen Eingeborenen sind eingeborene Richter ein-
7 Franzosen und 2 Eingeborene sind. gesetzt.
*) Neben dieser Arealangabe findet man auch angegeben als: Eigentliches Tunesien (ohne Wüstengebiet) 99600 qkm,
Tunesien mit zugehörigem Wüstengebiet 167 400 qkm.
        <pb n="46" />
        75 Die Nachbarländer Marokkos. 76
Die Okkupationsarmee zählt 20 360 Mann, wo- Ausgaben.

runter 703 Offiziere. Die Heereskosten trägt Frank- Finanz- und Zollwesen EEE Frances 17 053 000

reich. Die tunesische Armee ist nicht viel mehr als (Post und Telegraphenwesen . . » 2158000

eine Leibgarde des Bey (ca 600 Mann). Ferner gibt Verwaltungsdienst . „ wak 7 3 589 100

es eine französische Gendarmerie von 150 Mann Landwirtschaft und Handel . : % 1 290 400

und eine tunesische Polizei für die grösseren Städte Schulwesen... ZN 1 778 400

und das flache Land. Rechtspilege‘ .. AA » 934 300

Militär 2.0. 0, ® 534 500
en Oeffentliche Arbeiten . . .. x 5 821 400
Bevölkerung. Reguläre Ausgaben . . ‚7, 7337150 100
Die Eingeborenen sind: der Hauptmasse nach Ausserordentliche Ausgaben 1» 30200 700
Berber, die Araber und Juden zählen je etwa Total: Francs 63 449 800
60000. An Fremden wurden 1906 geschätzt: a =
81 156 Italiener i
34 610 Franzosen (Zivilpersonen) Ant 9 En A T Sn
20 360 französisches Militär nfangs 1 10 waren ahnen in Tunesien:
10330 Anglo-Malteser im Betrieb ..,... . „1560 km
2.799 Verschiedene (meist Spanier). A Kr I »
en ‚Religion nach ist die Hauptbevölkerung mo- Dieses verhältnismässig dichte Bahnnetz bringt be-
hammedanisch, ferner zählt man reits einen jährlichen Überschuss von 3 Millionen
60 000 Juden Francs und hat wesentlich zu dem raschen wirtschaft
DO N TECH Dean lichen Aufschwung des Landes beigetragen.
und wenige Protestanten. Handel.

re N ar de HE Dee za Nach der französischen Besetzung überschritt der
k t 227 519 N Pinwahn er. davon: Gesamthandel der Regentschaft Tunis (Ein- und Aus-
MÖBES N } fuhr zusammengerechnet) nicht die Summe von 23

Moslems . . 100000 ' Franzosen. . 18 626 Millionen Francs. Von 1881 bis 1889 hob er sich

Juden. .. 30000 Malteser . . 6174 nach den neuesten französischen Statistiken im Jahres-

Haliener.. 52076 1 “Andere 643 durchschnitt auf 541% Millionen, im Jahre 1898 betrug
er mehr als 97 Millionen; i. J. 1907 endlich erreichte
er in gewaltigem Aufstieg die Ziffer von 206 Millionen.

Staatshaushalt. Der Ausfuhrhandel aus Tunis nach Frank-
; . . reich wuchs .infolge der zoll esetzlichen Massnahmen
In dem Finanzjahr VO! 1. Mai 1907 bis 30. von 1890 in AL SELTENEN Weise. Der französi-
April 1908 stellten sich Staatseinnahmen und Aus- sche Anteil an der tunesischen Ausfuhr, der in den
gaben wie folgt: Jahren 1885 und 1886 13 Proz. betrug, beläuft sich
heute einschliesslich der Ausfuhr nach Algerien auf

60 Proz.

S Einnahmen, Ebenso dominiert in der Einfuhr nach Tu-
Direkte Steuern . .. .... Franes 10209 700 nis der französische Handel. Frankreich exportiert
Indirekte ” BA Lara ” 8 994 000 nach Tunis hauptsächlich: Maschinen aller Art, Eisen-,
Ze ein » 5465 300 Kupfer- und sonstige Metallwaren, Baumaterialien,
Monopole: NE » 14163 300 Mehl, Sämereien, bearbeitete Felle. Seidenwaren
Staatsdomänen . .... . e 1 840 200 il n Gewebe u.a 2
Verschiedenes... 2220500 WOHene Gewebe 1. 8. z . na

Se en —mmz DL Die Entwicklung Tunesiens zeigt ebenso wie die
Reguläre Einkünfte A » 43183 000 Algeriens, welchen wirtschaftlichen Gewinn Frankreich
Ausserordentliche Einkünfte „26 487 800 aus den seinem politischen Einfluss unterstehenden

Total: Francs 69670800 ändern zieht.
        <pb n="47" />
        77 Die Nachbarländer Marokkos. Sn 18
2. Spanisch-Nordafrika.
Die spanischen Presidios.

An der Nordküste Marokkos, in der Nähe des ' auch der Name Ceutas (von „Septa“) abgeleitet wird,
Kap Tres Forkas, besitzt Spanien bekanntlich einige 1und bis zur Eroberung durch die Araber war der
befestigte Punkte, die zum Teil auch als Deportations- Ort an zweihundert Jahre lang unter byzantinischer
orte für Sträflinge dienen. Der spanische Besitz dieser Herrschaft gewesen. So hat diese Lage an den
Presidios geht bis auf die Zeit unmittelbar nach der Säulen des Herkules von jeher dem Gebiet der heuti-
Vertreibung der Mauren aus Spanien zurück. gen Meerenge von Gibraltar eine besondere Bedeutung
Wenigstens wurde Melilla im Jahre 1496 von Me- verliehen, und wohl bis in die fernste Zukunft wird
dina Sidonia erobert, und die wichtigste Festung, viel davon abhängen, wer hier — sei es in Ceuta
Ceuta, die schon seit 1415 (Eroberung durch Hein- und Melilla, sei es in Gibraltar — die Strasse vom At-
rich den Seefahrer) portugiesisch gewesen war, ging _lantischen Ozean zum Mittelmeer beherrscht.

im Jahre 1580 an Spanien über. Ihren Besitzungen um Ceuta und Melilla haben

Für den Fall einer Veräusserung seiner nordafri- die Spanier im Verlaufe der letzten marokkanischen
kanischen Besitzungen hat Spanien vor mehreren Wirren erweiterte Grenzen gegeben. Oestlich von
Jahren durch einen speziellen Vertrag Frankreich Melilla haben sie unter der Formel, die Verbindung
das Vorkaufsrecht eingeräumt, ein Vorrecht, zwischen diesem Presidio und den Chafarinas-Inseln
das für die Festsetzung Frankreichs in Marokko zu sichern, das genau südlich von diesen unweit der
jederzeit die grösste Bedeutung gewinnen könnte. Muluya-Mündung liegende Capo del Agua (Cap de

Bis auf Ceuta, das zur Provinz Cadiz ge- Eau) und Mar Chica, halbwegs zwischen Melilla
rechnet wird, bilden die Presidios einen besonderen und dem genannten Kap, besetzt.
Verwaltungsbezirk, auf dessen 33 Quadratkilometer
nach dem letzten Census 10282 Einwohner (darunter Rio de Oro.

3348 Militärpersonen und 715 Sträflinge) entfielen. Diese spanische Kolonie mit dem so reich
Ceuta allein zählt ca. 13000 Einwohner und sein klingenden Namen — Rio de Oro heisst Goldfluss
Stadtgebiet umfasst ebenfalls 33 Quadratkilometer, .—_. hat trotz ihrer grossen Ausdehnung von über
also so viel wie die anderen Presidios zusammen- 185000 Quadratkilometern wirtschaftlich so gut wie
genommen. gar keine Bedeutung. Auf ihrer Fläche von fast genau

Sieht man von der willkürlichen Zuteilung Ceutas einem Drittel des Areals von Deutschland leben
zur Provinz Cadiz ab, so ergibt sich für die Presi- etwa 130000 Einwohner. Das ist noch nicht einmal
dios ein Gesamtareal von 66 Quadratkilometer mit einer per qkm, oder eine Bevölkerungsdichte, die
ca. 23500 Einwohnern, die sich auf die einzelnen noch lange nicht ein Hundertstel von der des
Plätze wie folgt verteilen (hierbei entspricht die Deutschen Reiches beträgt! |
Reihenfolge der Richtung von West nach Ost): Viele Landkarten zeigen von diesem Gebiete nichts

Ceuta a a 13.000 Einwohner als die Grenzen und den Namen der Kolonie — allen-
Penon de la Gomera (oder falls findet man noch die beiden Bezeichnungen Kap

P. de Nelez) ze 321 Bojador und Kap Blanco am nördlichsten und süd-
AluCemas ee a ee 353 » lichsten Punkt der Küste als Grenzmarken einge-
Melilla (stark befestigt) . . 8956 » zeichnet. Der einzige nennenswerte Ausfuhrartikel des
Chafarinas Inseln (im Golfe Gebiets sind Fische, von denen nach der letzten

von Melilla). a 652 » Statistik ganze 1100 Tonnen exportiert wurden. Die

Von diesen Plätzen ist Ceuta schon im Alter- Kolonie ist seit 1900 mit der spanischen Provinz der
tum eine bewohnte Stadt und ein strategischer Kanarischen Inseln administrativ verbunden.
Punkt gewesen. Die Römer hatten hier die Kolonie Der Hauptort des Gebietes ist Cisneros, ein
„ad septem fratres“ (nach dem siebenzackigen Berge elender Flecken mit einem kleinen Fort, an der Bucht
der kleinen 5 Kilometer langen Halbinsel), woher des Rio de Oro gelegen.
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        79 Bibliographie über Marokko. = 80
Münz-Umrechnungs-Tabellen.
Die Umrechnung jeder Geldsorte in die anderen erfolgt von der fettgedruckten 100 aus in ihrer Längszeile.
Mark Kronen Francs Shilling | ad {I Rubel Persische Kran Indische Rupien
100.— ..1.. 16765. .].. 125.—, A 087. 0." 0. 4630. 2027 5
8.—..1..100.—. 1: SE LA fe: 839.35... WB... 229.78. 8 63.05.
8.— 1... 9412. A Ca K.. 37.04. PP a21622. WW. Se 60.— ...
102.— ..1.. 120.10... „42750... 100... ‚..a-. 4722. 5% DOT N 76.50...
216.— ..1.. 25412 .. .. 270.— 0... 2. 9.3]..100.—. IE 88.718. AM. 62
Bl.—..f... 4358 0. 46.25... 1... 86... | A. ms. | . 100.— .. [4 BD
133.38. .{.... 156.86... 166.67... 130 1 0 3 6172 e 360.36. . A 400.—
® ® ® 28
Bibliographie über Marokko
und die in diesem Buche behandelten nordafrikanischen Nachbargebiete,
Auf Anregung der Herren Prof. Theobald Fischer (Marburg) und Prof, S. Kampffmeyer (Groß-Lichterfelde
bei Berlin) wurde Anfang 1909 eine
Deutsche Marokko-Bibliothek

ins Leben gerufen, Die Büchersammlung ist im April 1910 in Tan ger aufgestellt worden, döch steht wohl zu hoffen,
daß auch in Deutschland (Berlin oder Hamburg) eine solche Spezialbibliothek eingerichtet werden wird. — Ein
systematischer Katalog der schon jetzt viele hunderte von Nummern umfassenden Bibliothek soll in Kürze erscheinen.*)

Die „Deutsche Marokko-Korrespondenz““,
Die unter diesem Titel (im Verlage von H. Walter, Berlin-Friedenau) in wöchentlichen Ausgaben vom
1. Okt. 1907 bis Ende März 1910 erschienene Druckschrift bildet ein wertvolles Archiv über marokkanische Dinge
im allgemeinen, und im besonderen über die Entwickelung der Marokko-Angelegenheit in den letzten Jahren. Dieser
Materialien-Sammlung hat auch die vorliegende Arbeit Vieles zu verdanken.
Annuaire Statistique de la Tunisie — (Paris, 1909) Baasch, Ernst — Die Hansestädte und die Barbaresken
Arnold, Fr. Rud. L. — Studien zur Wirtschaftsgeogra- — (Kassel, 1897)

phie von Marokko — (Marburg, 1900) Baedeker’s Mittelmeer, nebst Madeira, den Ka-
Ashbee, H. S. — Bibliography of Tunisia — (London narischen Inseln, der Küste Marokkos , Alge-

1880) rien, Tunesien, Mit 37 Karten und 49 Plänen —
Ashmead-Bartlett, E. — The Passing of the Shereefian (Leipzig, 1909)

Empire — (London, 1910) — Unteritalien, Sizilien, Sardinien, Malta, Tunis und
Aubin, E. — Maroc d’aujourd’hui — (Paris 1904) Corfu. Mit 30 Karten und 28 Plänen — (Leipzig,
— Das heutige Marokko — (Berlin, 1905) 1906)

Auer, Grethe. — Marokkanische Erzählungen — (Bern) Baedeker’s Southern Haly [Contains Chapters on Tunis]
— Marokkanische Sittenschilderungen — (Bern) (Leipzig, 1908)
*) Adressen 1 für Interessenten:
Zahlstellen: Deutsche Bank, Berlin, Depositenkasse P., Konto „Deutsche Marokko-Bibliothek (Wilhelm Süsserott).
Adresse für Büchersendungen (auch Zahlstelle) Hofbuchhändler Wilhelm Süsserott, Berlin W. 30, Neue Winterfeldstraße 3a.
Büchersendungen auch an das „Seminar für Orientalische Sprachen“. Berlin NW. Dorotheenstr. 6.
Adresse für Briefe und Anfragen: Prof. Dr. 6. Kampfimeyer, Groß-Lichterfelde (bei Berlin), Friedrichstr. 15.
        <pb n="49" />
        81 Bibliographie über Marokko. 82

Banse, Ewald — Der- Orient, eine Länderkunde. 3 Gast, Madame C. du — Le Maroc Agricole (Le Fahs)
Bände: Bd. I Die Atlasländer, Bd. II Der arabische — (Paris, 1909)

Orient, Bd. III Der arische Orient — (Leipzig, 1910) Genthe, Siegfried — Reisen in Marokko — (Berlin,

Beaulieu, P. Leroy — L’Algerie et la Tunisie — (Paris, 1906)

1897) Gentil, L. — Mission de Segonzac. Dans le Bled es

Belloc, Hilaire — Esto Perpetua: Algerian Studies and Siba. Explorations an Maroc — (Paris, 1906)
Impressions — (London, 1906) Graham, R. B. Cunninghame — Mogreb-el-Aksa —

Bernard, Augustin — La Penetration Saharienne — (London, 1898)

(Algier, 1906) Graham, A. and Ashbee, H. S. — Travels in Tunisia
Besnier, Prof. and others — La Tunisie au Debut du (London, 1887)
XXe Siecle — (Paris, 1904) Hartmann, Martin — Der islamische Orient. 2 Bde. —

Bolleter, Dr. E. — Bilder und Studien von einer Reise (Leipzig, 1909)
nach den Kanarischen Inseln — (Leipzig, 1910) — Der Islam. Geschichte, Glaube, Recht. Ein Hand-

Burchard, Käthe — Unter kanarischem Himmel — buch — (Leipzig, 1909)

(Leipzig, 1910) Hay, J. D. — Morocco and the Moors — (London,

Canal, J. — Geographie generale de Maroc — (Paris, 1896)

1902) Hesse-Wartegg, E. von — Tunis, Land und Leute —

Casteran, A. — L’Algerie Francaise — (Paris, 1900) (1882)

Charmes, Gabriel — La Tunisie et la Tripolitaine — Hilton-Simpson, M. W. — Algiers and Beyond —
(Paris, 1883) (London, 1906)

Chevrillon, A. — Un Crepuscule d’Islam Marocain — Hübner, Max — Unbekannte Gebiete Marokkos —
(Paris, 1906) (Berlin, 1905)

Conring, A. v. — Marokko, das Land und die Leute — Militärische und militärgeographische Betrachtungen
— (Berlin, 1884) über Marokko — (Berlin, 1905)

Cook’s Practical Guide to Algiers, Algeria, and Tunisia — Die Französische Sahara. Versuch einer geographisch-
— (London, 1904) wirtschaftlichen Studie — (Leipzig, 1907)

Dawson — Things seen in Morocco — (London, 1904) Jannasch, R. — Die deutsche Handels-Expedition im

Diercks, Gustav — Marokko. Materialien zur Kenntnis Jahre 1886 — (Berlin, 1887)
und Beurteilung des Scherifenreiches — (Berlin, 1894) Johnston, Harry — The Colonisation of Africa — (Cam-

— Nordafrika im Lichte der Kulturgeschichte — (Mün- bridge, 1899)
chen, 1886) KampHimeyer, Georg — Marokko — (Halle, 1903)

— Die Marokkofrage und die Konferenz in Algeciras Karow, L. — Neun Jahre in marokkanischen Diensten
—(Berlin, 1906) — (Berlin, 1909)

Estournelles de Constant, Baron P. de — Les Con- Keane, A. H. — Africa, Vol. I: North-Africa — (Lon-
gregations religieuses chez les Arabes et 1a Conquöte don, 1907)
de l’Afrique du Nord — (Paris, 1887) Knoch, Karl — Die Niederschlagsverhältnisse der Atlas-

Fidel — Inte&amp;rets economiques de la France an Maroc länder (Marburg, 1906)

— (Paris, 1904) Köhler, Arthur — Verfassung, sociale Gliederung, Recht

Fischer, Theobald — Wissenschaftliche Ergebnisse einer und Wirtschaft der Tuareg — (Gotha, 1904)
Reise im Atlas-Vorlande von Marokko — (Gotha, 1900 Lebon, A. — La Politique de ja France en Afrique,
— Petermann’s Mitteilungen Ergänzungsheft Nr. 133) 1896—98 — (Paris, 1901)

— Meine dritte Forschungsreise im Atlas-Vorlande von Lenz, Oskar — Timbuktu. Reise durch Marokko, die
Marokko 1901 — (Hamburg, 1902) Sahara und den Sudan. 2. Bde. — (Leipzig, 1884)
_ Zur Klimatologie von Marokko. (Zeitschrift f. Erd- Loth, G. — La Tunisie et L’Oeuvre du Protectorat
kunde zu Berlin, 1900) Francais — (Paris, 1907)

— Der Oelbaum — (Gotha, 1904 — Peterm. Mitteil. Macmillan’s Guides — The Western Mediterranean —
— Erg.-Heft 147) (London, 1902)

-— Die Dattelpalme — (Gotha, 1881 — Peterm. Mitteil. Maltzan — 3 Jahre im Nordwesten von Afrika. Reisen
— Erg.-Heit 64) in Algerien und Marokko .4 Bde. — (Leipzig 1869)

— Mittelmeerbilder, 2 Bde. — (Leipzig) Martiniere, H. M. P. de la — Morocco, Journeys

— Die Seehäfen von Marokko — (Berlin, 1908) to the Kingdom of Fez and to the Court of Mulai-

Forrest, A. S. and Bensusan, S. L. — Morocco — Hassan, with a Bibliography of Morocco from 1844
(London, 1904) to 1887*) — London 1889)

an ru S Don a DS
Ge SET me histoire, conquöte, colonisation Summen SH EEE Literatnr-Nachweise siehe diese Zu-
        <pb n="50" />
        83 Bibliographie über Marokko. 84
Markham, Sir Clements — The Guanches of Tenerife Saurin — Manuel de V’emigrant en Tunisie — (Paris)
“= (London, 1907). In diesem Werke findet sich eine Schanz — Nordafrika — (1905)
ausführliche Bibliographie über die Kanarischen Inseln. Schlagintweit, Eduard — Der spanisch-marokkanische
Meakin — Moorish Empire — 3 Bde. (London, 1899 Krieg 1859/60 — (Leipzig 1863)
—1902) — EFihnographische Skizzen aus Marokko (Ausland
Meyer’s Reiseführer: — Riviera, Südfrankreich, Korsika, 1863)
Algerien und Tunis (Leipzig) Schoenfeld, E. D. — Aus den Staaten der Barbaresken
— Das Mittelmeer und seine Küstenstädte, Ma- [Tripolis und Tunis] (Berlin, 1902)
deira und Kanarische Inseln — (Leipzig) Seehausen, Otto — Siedlungen in der Sahara — (Leip-
Mohr, Paul — Maro kko. Eine Ppolitisch-wirtschaft- zig, 1890)
liche Studie — (Berlin, 1902) Segonzac, Reng de — Voyage au Maroc — (Paris, 1903)
Moulieras — Maroc inconnu — 2 Bde. (Paris 1895 Seidel — Marokkanische Sprachlehre — (Heidelberg)
—99) Sievers, W. :— Afrika — (Leipzig)
Murray’s Handbooks {for Travellers — Algeria and Sladen, Douglas — Carthage and Tunis — (London,
Tunis — (London, 1902) 1907)
Phillips, EL. M. — In the Desert — [Algeria and the Stähelin, Alfred — In Algerien und Marokko — (Basel,
Saharra] (London, 1905) 1891)
Playfair, R. L. — Bibliography of Algeria, published — Mogador — (Ausland 1889)
by the Royal Geographical Society — (London, 1888) Thomson, Joseph — Travels in the Atlas and Southern
— Travels in the Footsteps of Bruce in Algeria and Morocco — (London, 1889)
Tunis — (London, 1877) Trietsch, Davis -— Marokko und Persien nebst Nach-
Playfair, R. L. and Brown, R. — Bibliography of bargebieten. Ein Handbuch über die wirtschaftlichen
Morocco*) — (London, 1892) Verhältnisse — (Berlin, 1910)
Quedenfeldt, M. — Einteilung und Verbreitung der Ber- Vassel, Philipp — Grundriss der marokkanischen Ver-
berbevölkerung in Marokko — (Zeitschrift für Ethno- fassung — (Casablanca, 1899)
logie 1888—1880) — Über das Muchalatenwesen in Marokko
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de la Tunisie — (Paris, Annual) Vivian, H. — Tunisia and the Modern Barbery Pirates
Reynolds-Ball, E. A. — Mediterranean Winter Resorts. — (London, 18909)
(London, 1909) Weisberger, F.— Trois mois de Campagne au Maroc
Riviere, C. and Lecq, H. — Cultures du Midi de PAI- — (Paris, 1904)
gerie et de la Tunisie — (Paris, 1906) Wernick, Fritz — Durch Nordafrika und Spanien —
Rohlis, Gerhard — Tagebuch einer Reise durch Marokko (Leipzig, 1888)
nach Tuat 1864 — (Gotha, Peterm. Mitteil. 1865) Wilkin, A. — Among the Berbers of Algeria — (Lon-
— Reise durch Marokko etc. etc. nach Tripoli — (Bre- don, 1900)
men 1868) Wirth, Albrecht — Marokko — (Frankfurt a. Main,
Ruhland, Wilhelm — Palmenfahrten — (Leipzig, 1910) 1908)
Salvator, L. — Bizerte — (Paris, 1901) Zabel, Rudolf — Im Muhammedanischen Abendlande.
u *) Für ausführlichere Literatur-Nachweise siehe diese Zu- Tagebuch einer Reise durch Marokko — (Altenburg,
sammenstellungen. 1905)
        <pb n="51" />
        und seine Nachbargebiete
AFGHANISTAN—BELUTSCHISTAN
=—— Anhalt = a

Staatsoberhaupt . - Spalte 87 Handelsanteil der Länder Spalte 127—128
Regierung. „&gt; „ 87—88 —Ausfuhrartikel . . . . „. 129—130
Areal und Bevölkerung . E88 Einfuhrartikel „ 131—132
Religionen und Nationalitäten „ 88—90 —Deutsch-persische Handelsbeziehungen . 133—134
Sprachen „= u 7 90 Deutschlands Anteil an der persischen
Klima N nn 90 Einfuhr 135—136
Armee EN 8 N 91 Winke für deutschen Handel und Industrie „ 137—140
Folter n 91 Handel Rußlands mit Persien .:.. 139—142
Münzwesen . „ 91—92 Die Türken am Persischen Golf. . . 141—142
Zölle und Steuern . » 92 Schiffsverkehr Persiens . . 141—142
Post und Telegraphı . . . + 5 „...92—94
Eisenbahnwesen 9... u 8 94 Die Nachbarländer Persiens 143—148
Transportverhältnisse . . . 3 „ 94—95 Afghanistan... 143—146
Passwesen und Reisewege. . ... » 96 Belutschistan. . . „  145—148
Reisen: in Persien». ae 5 96 Anglo- Russische Konvention betreffs
Die Städte Persiens.... „ 97—104 Persiens . . „ 147—150
Produkte der Landwirtschaft . „ 105—112 Anglo- Russische Konvention betreffs
Die bedeutenderen Gewerbezweige „ 113—126 Afghanistans . . . Sn „ 149—150
Mineralschätze . . . „ 125—126 Bibliographie . . - . 151—152
Der Handel Persiens . „ 127—182 Kartenskizze - . 151—152
        <pb n="52" />
        87 Persien. ss
Persien.
Staatsoberhaupt. zugung der besitzenden Klassen. (Die Zusammen-
Seit der Absetzung resp. dem Thronverzicht des setzung der Provinzial-Vertretungen ist übrigens ganz
es &amp; entsprechend.)
letzten Schah Mohammed Ali ist Sultan Achmed Mirza, Der Verfassungsnachtrag vom 1. Januar 1907 hat
in zwölljähriger Knabe, unter dem Namen Sultan zu dieser Kammer noch einen Senat eingesetzt, der
Achmed Schah”) zur Herrschaft gelangt (16. Juli 1909). aus 30 gewählten und 30 auf Lebenszeit ernannten
Mit der Regentschaft ist zunächst Gohlam Reza Khan, Mitgliedern besteht
Azed ul Mulk, das siebenzigjährige Haupt der könig- 8 ES har :
lichen Familie” der Kadscharen, beirauf word _ Das Parlament hat die Befugnisse der Beamten
heheh Yamie der MaCSCHATEN, Orcen. eingeschränkt und die Erblichkeit der Pensionen abge-
Mohammed Ali hatte den Thron nur 2% Jahre schafft. Es hat ferner eine Neu-Organisation des Unter-
 hLS N RD 600 aewehrie KEN TE TE SRCE U beschlossen und sich mit anderen Re-
. ist 1! 0) ormen befasst, doch hat es mit der Ausführung seiner
und sie schliesslich unter dem Druck der Verhältnisse Absichten angesichts der schlechten Finanzverhältnisse
wieder bewilligt. Unter seiner Herrschaft kam das einen schweren Stand.
anglo-russische Uebereinkommen bezüglich Persiens zu-
Stande, von dem weiter unten die Rede sein wird, und Areal und Bevölkerung,
das Land war die meiste Zeit hindurch der Schau- . 5 y
platz blutiger Aufstände. Der Flächeninhalt des Reiches wird von
En Karen x deutschen Quellen auf 1 645 000 qkm, nach englischen
Die (ursprünglich türkische) Dynastie der Kad- En
scharen regiert in Persien seit dem Jahre 1794. Während ehr N Ne en LE An HE EHE dd Land
der Zeit ihrer Herrschaft verlor Persien an die Russen: !M De &gt; a De Ss 38 DNS EN 1 An0S-
Georgien (1802), das persische Kaukasusgebiet (1813) A San de ‚Ergenwärlige Bevölkerung
und den persischen Teil Armeniens (im Frieden von Persiens auf 10 Millionen Einwohner annehmen. Das
Turkmantschai, 1828) Wachstum der Bevölkerung, soweit es sich auf
z ) Grund blosser Schätzungen überhaupt angeben lässt,
Regierung. dürfte zurzeit Jährlich annähernd 100000 betragen.
Die persische Verfassung sieht eine legislative Im Jahre 1881 schätzten englische Quellen die
Kammer vor, zu der die Hauptstadt Teheran 60 und Einwohnerzahl wie folgt:
die Provinzen 96 Deputierte entsenden. Die Wahlen Bewohner der Städte . . 10963800
finden alle 2 Jahre statt. Sesshafte Landbevölkerung 3 780 000
Wahlberechtigt sind alle Perser vom 30. Jahre an, Nomaden . . ae En 1909800
die lesen und schreiben können, mit Ausschluss der insgesamt . 7653 600 &gt;
Beamten, des Militärs und vorbestrafter Personen. Schätzungen des Jahres 1902 rechnen bereits mit
Die Wähler sind in 6 Klassen eingeteilt, und zwar: 9% Millionen, so dass man für 1910 wohl mindestens
1. die Prinzen der Kadscharen-Dynastie, 10 Millionen anzunehmen hat.
2. die Priester und Theologie-Studenten, Neuere Schätzungen nehmen dementsprechend {ol-
3. die Seyjiden (Nachkommen‘ des Propheten), gende Haupteinteilung an:
4. die Grosskaufleute, 272 Millionen Städter,
5. Personen mit einem Vermögen von über tau- 5 » sesshafte Landbevölkerung,
send Tomans, 2% » Nomaden.
6. die Ladeninhaber. Die Zahl der Europäer wird auf höchstens
Die grossen Massen der Landleute, Tagelöhner, Be. 1200 angegeben, wovon die meisten in Teheran
dienten etc. haben keinerlei Wahlrecht. leben.
Das persische Parlament ist also eine ausge- e m
sprochene Ständevertretung unter Bevor- Religionen und Nationalitäten.
= Th AU an . Die grosse Mehrheit der persischen Bevölkerung
fällige Nano des NE gehört der schiitischen Richtung des Islam an, die
zur Zeit der Thronbesteigung vielfach „angenommen, ST rner sich von der sumnitischen in der Hauptsache dadurch
ehat “en Titel „Schah““ durch den türkischen Titel „Sultan unterscheidet, dass die Schiiten die Rechtmässigkeit der
        <pb n="53" />
        89 Persien. 90
drei ersten Khalifen bestreiten und an ihrer Stelle die Von den ca. 10 Millionen Einwohnern Persiens
zwölf Imams verehren. Ausserhalb Persiens, das an- sind hiernach etwa:
nähernd 9 Millionen Schiiten zählt, gibt es etwa nur 8 700 000 schiitische Muhammedaner
noch 2 Millionen dieser Sekte, (etwa 1300 000 in Vor- 870 000 sunnitische 5 ”
derindien und etwa 600000 in Afghanistan und Be- 300 000 babistische % 5
lutschistan). 50 000 Armenier
Die annähernd 900 000 sunnitischen Moslems Per- 40 000 Juden
siens sind meist unter den Türken, Arabern und Be- 30 000 Nestorianer
lutschen des Landes zu finden. 10000 Parsen
Der früher sehr scharfe Gegensatz zwischen bei-
den Riten scheint in letzter Zeit sich zu mildern. Sprachen.
Die verhältnismässig junge Sekte der Babisten, die N N .
aus der schitischen Sekte der Scheikhs hervorgegangen _ Hauptsprache ist das Persische (Farsi). In
ist, umfasst etwa 300000 Anhänger in Persien. Die Weitaus dem grössten Teil des Landes ist es die einzig
Angaben, die von drei Millionen oder noch mehr gebräuchliche Sprache, aber auch in den Gebieten mit
persischen Babisten und ähnlichen Ziffern von anderen anderer Umgangssprache kommt man mit Persisch
islamischen Ländern sprechen, sind nicht ernst zu durch. :
nehmen. Das Persische — wenigstens die Verkehrssprache
Das Christentum umfasst in Persien nur die Ar- N GAR leicht die ER die Orammatik jest ebenso
menier und Nestorianer mit insgesamt ‚höchstens 80 000 nn T N UELI ee ir en Aserbeidschan gesprochen
Seelen. Katholische und protestantische Missionen CE ; .
x « x x und ist im weiteren Nordosten des Landes verbreitet.
unterhalten einige Stationen in den Hauptplätzen. Auch Arabisch spricht man in Arabisfan: und. in
russische Kirchen gibt es in den grösseren Städten den Hälen des P P h S If
der russischen Einfluss-Sphäre. ER LEEH ARS NErSISEHEn ORS, ES g
Die eigentlichen Perser sind Arier, zu denen A Mae hir a
ih h ln die Kurd 675 000 a von untergeordneter Bedeutung. — Die Armenier
Dre 50000) 9 Ha . a Sn N ( % ) un sprechen ihre eigene Sprache nur untereinander, im
uren ( ) der Hauptsache nach zu zählen sind. übrigen die Sprache der umgebenden Bevölkerung.
Den Turko-Tataren sind die Turkmenen Chorassans Von europäisch Ss .
an e päischen Sprachen ist das
und die Türken Aserbeidschans (720 000) zuzurechnen. Französische am verbreitetsten (besonders wiegt es in
Die Araber (Arabistan ad Golfküste) zählen ca. Teheran vor). Im Norden hat das Russische, im Süden
260 000, die Afghanen etwa 7% Million, die Belutschen __ pesonders in den Golf-Häfen — hat das Englische
(hauptsächlich an der persischen Mekran-Küste) 20 000. einige Verbreitung. — Die deutsche Sprache hat erst
Ueber das ganze Land verstreut finden sich Zigeuner ‚4 der kürzlichen Gründung der deutschen Schule in
(60 000), Armenier (50 000) und Juden (40 000). Teheran Eingang in Persien gefunden.
Ein besonderes Interesse verdienen die Juden,
die einen grossen Teil des Handels in Händen Kli
haben und durch die ihnen seitens der Schulen der 3m8,
„Alliance Israelite“ vermittelte Kenntnis der fran- Das Küstengebiet am persischen Golf ist sehr
zösischen Sprache auch für den Handel mit heiss und zum Teil sehr ungesund, im Innern
dem Ausland wesentlich in Betracht kommen. Es gibt des Landes herrscht kontinentales Klima mit heissen
in Persien etwa 40 000 Juden, die meist in den Städten Sommern und kurzen Wintern, während die Gebiete am
leben. Die grösste Gemeinde ist in Hamadan (8000, _Kaspischen Meer sich durch gleichmässige Wärme und
nach anderen noch wesentlich mehr); in Teheran, Is- reichliche Niederschläge auszeichnen.
pahan und Schiras leben je etwa 6000. — Die er- Durchschnitts- Temperaturen:
wähnten Schulen der Alliance Israelite befinden sich Jahr Januar Juli
ausser in diesen vier Städten noch in Kirmanschah und Teheran. 15,7 +2 - 26,3
Senneh (Kurdistan). Die Zahl der Schüler beträgt ins- Schiras 16,7 — 28,3
gesamt annähernd 2500. Ueber das Schulwerk hinaus Ispahan 15,22 —2 27,8
hat die Tätigkeit der Alliance für die persischen Juden Buschehr 23,1‘ 13,9 31,5
noch den grossen Wert, dass die Schulleiter (ähnlich Ein besonders gutes Klima, auch für Europäer,
wie in Marokko und anderwärts) die Interessen ihrer zeigen die Provinzen Aserbeidschan, Jesd und Kir-
noch sehr unterdrückten Glaubensgenossen den Behör- man, Chorassan und Asterabad. Ungünstig sind
den gegenüber vertreten, wobei sie sich nötigenfalls der auch das persische Küstengebiet des Kaspischen Meeres
Vermittlung der französischen Gesandtschait bedienen. und die Provinz Seistan.
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        91 Persien. =.
Armee, Von fremden Silbermünzen sind im Umlauf:

Das Heerwesen ist in einer völligen Neubildung Russische Rubel (auch PB apier) im Norden und
begriffen, die von einer zwanziggliedrigen Kommission Indische Rupien (im Süden).
vorbereitet wird. Von fremden Goldmünzen (die nach dem Metall-

Zur Zeit der letzten Reorganisation (August 1907) wert angenommen werden) sind meist französische und
wurde eine 1!%—2jährige Dienstzeit im allgemeinen für englische im Verkehr.
ausreichend gehalten. Es bestanden 4 Divisionen, deren —

Befehlshaber (Serdar = Marschall) dem Schah direkt Zölle und Steuern.
verantwortlich waren. Zollwesen.

Die offiziellen Angaben pro 1908 rechneten mit Persien gehört zu den wenigen Ländern, die in der
einer Kriegsstärke von über 90000 Mann (wovon In- Normierung ihrer Zollsätze auf das Einverständnis der
fanterie ca. 64000, Artillerie über 5000, Greuzwachen interessierten europäischen Mächte abhängig sind. Der
und Kamelreiter über 5000, irreguläre Kavallerie ein- gegenwärtige Zustand ist der, dass bei Einfuhr und
schliesslich der Leibwache ca. 15000 Mann). Ausfuhr ein Zoll von 5% ohne Unterschied der Waren-

Flotte gattung erhoben wird.
Die persische Flolie besicht zur Yet alle: Früher gab es auch einen Inlandszoll, der aber
ie pe : it bgeschaflt ist.
1 Schraubendampfer „Persepolis“ von 600 Tonnen und = N ne n ABS

Us AR DSMeH N aa A 4 Geschützen Bei der vorwiegend_ landwirtschaftlichen Beschäfti-
1 Polizeiboot „Susa“ für den Flussdienst (auf dem UNng der Bevölkerung sind die diesem Berufe auferleg-

Karun 1884 in Bremerhaven gebaut). ten Steuern bei weitem die wichtigsten. Die offizielle
}: alle Belgische Dampfyacht „Muzaffari“, mit zwei Abgabe beträgt ein Fünftel des Ertrages, in Wirk-

Hotchkiss-Kanonen — im” Jahre 1903 angekauft. lichkeit aber dürfte seitens der Steuererheber im Durch-
5 Polizeiboote (von je 75 Pferdestärken und je einem Schnitt ein volles Drittel eingetrieben werden.

französischen Maschinengeschütz) für den Steuer- P S
dienst im Persischen Golfe. — “In Bombay 1906 ost und Telegraph.
gebaut — Kosten ä £ 4000. „Persien gehört zum Weltpostverein. Im Inlands-
Münzwesen. dienst kostet ein Brief von 2 Miskal Gewicht (9,2 8)
Die Grundlage der persischen Münzwährung ist © Schahi (ca. 13 Pfg.). Bei Vebergewicht 3 Schahi
der Kran, ein Silberstück von der ungefähren Grösse ad Ye DE Se 2 0 Mi g TH
eines Franc, dessen Wert (mit dem Sülberpreis) starken P AM DrO iskal (46 g).
Schwankungen unterworfen ist. Postpakete kosten je nach der Entfernung zehn
Zur Zeit gilt der Kran —,37 Mk. (1 Kran hat Schahi bis 3 Kran pro 100 Miskal (die Wertversiche-
20 Schahi) ) rung beträgt 1 bis 1% % je nach Distanz).
Es ibt folgende Münzen: Postämter (im ganzen 140) gibt es in den meisten
Gold S ü ke (selten im Umlauf) bedeutenderen Ortschaften. Annahme und Auslieferung
1. Toman — 10 Kıan der Briefschaften vollziehen sich in den grösseren
% N Tom an = 5 % Plätzen täglich, an anderen Orten an den Posttagen.
2 DR ” . . ne .
deren Wert aber 10 und 5 Francs (entsprechend dem Nach den wichtigeren Städten geht die Post von
Goldwerdt) beträgt und von den Wertschwankungen Teheran zweimal wöchentlich. Teheran, Mesched, Is-
des persischen Silbergeldes nicht abhängt. fahan und Rescht haben auch eine Lokal-Post.
Silberstücke Wert in Die Post wird mittels Pferden, auf den fahrbaren
M. Kron. Fres. Sh d Strassen auch mit Postkarren befördert.
5-Kran 1,85 || 2,18 2,31 L 110,7 Das Porto nach Ländern des Weltpostvereins be-
Tr —,714 —87 || —,92 | — 8,7 trägt: 13 Schahi per Brief,
A „ (20 Schahi) —,37 —,43 || _46 — 4,4 OÖ » Postkarte,
 » (10 Schahi) —,18 —22 |_28 2,2 SE » 50 g Drucksachen,
A » © Schahi) —,09 —,11 —,11 1 —1I 1,1 13 Einschreibegebühr.
Kupferstücke Es ist also hier auch bei den persischen Post-
4: Schahi 08 209 HE ämtern nicht der nominelle, resp. inländische, sondern
2 MM 4 u) 05 der allgemeine Wert der persischen Geldsorten zu-
1 08 — 02 N — 02 . grunde gelegt. (Ein Schahi offiziell ca. 5 Centimes,
% 2 APPD —01 —,01 !!—,01 —. de facto = ca. 2 Centimes.)
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        BG nd SS \% DH
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        ‚93 Persien. 04
Ein Postpaketverkehr besteht fast nur auf dem Telegramme (per Indo-European Co.) von Deutsch-
Papier, wenigstens sind die Nebenkosten, speziell auch land nach Persien kosten 1,25 M. per Wort,*) von
angesichts der sehr erschwerenden Verpackungsvor- Belgien nach Persien Frs. 1,60 per Wort.
schriften (Holzkisten, dickes Leder oder Blech) der- 3. Der persische (Inlands) Ti
artige, dass nur bei hochwertigen Sendungen zu dieser postehen 6 Tnien. Der aß ehrt für ram
Beförderungsart gegriffen werden kann. Allein der persischer Sprache 2% Kran pro 10 Worte, in
Transport von der Grenzstation zum eigentlichen Be- on 7ösischer 3-—5 Kran Dro 10 Worte:
stimmungsort im Innern des Landes kostet im Durch- | : ;
schnitt 21% Francs per Paket. Das Paketporto von 2 Ein Telephondienst besteht in Teheran,
Brüssel via Russland nach Teheran oder Täbris kostet Täbris und Rescht.
mindestens 61%, Francs ausser Versicherungsgebühr, Zahl der Post-Bureaus 140
via Frankreich und Indien beträgt es bis zum persi- wa Teleot: 130
schen Hafen 3,25 bis 4,25 Francs, wozu also noch Länge der Telegraphen-Linien 10670 km.
die Inlandsbeförderung kommt. Eine Versicherung (Gesamte Drahtlänge 15608 km)
wird bei diesem Transportwege nicht angenommen. S
Im übrigen siehe Kapitel „Winke für deutsche Eisenbahnwesen.
Handelshäuser und Industrielle, Bis jetzt gibt es in ganz Persien eine kleine Bahn
von 8,5 km zwischen Teheran und Schach-
Briefe von Mitteleuropa nach Teheran via Russ- Abdul-Azim. Sie wurde im Juli 1888 von einer
land brauchen 10—12 Tage, wenn See- und Landver- belgischen Gesellschaft: der „Societ&amp; des Chemins de
kehr nicht gerade Störungen unterliegen, die bedeu- fer et tramways de Perse“ eröffnet, ist aber bis heute
tende, oft wochenlange Verzögerungen zur Folge haben die einzige im Lande geblieben.
können. Auf dem Seewege via Port Said, Bombay, Die Russen machen grosse Anstrengungen, ihre
Buschehr) brauchen Briefe bis Teheran ungefähr _kaukasische Bahn, die bereits von Alexandropol über
45 Tage. Nachtschewan bis Dschulfa (an der persischen
Grenze) geführt ist, auf persischem Gebiet — und
Angesichts dieser‘ schwierigen Postverhältnisse ist zwar zunächst bis Tähbris fortzusetzen. Eine
das Telegraphenwesen ziemlich entwickelt. Es unter- Chaussee Dschulfa-Täbris (ca. 130 km) ist bereits
steht drei verschiedenen Verwaltungen: von einer russischen Gesellschaft gebaut und ermög-
1. Die „Indo - European Telegraph Company“ be- licht es die Strecke in ca. 14—16 Stunden Wagenfahrt
sitzt eine Linie Teheran-Dschulfa (russische Grenze), ZU erreichen. Eine Stadt von ca. 200 000 Einwohnern
die von dort über Tiflis, Odessa, Warschau nach Ber- Mit einem Warenumsatz von 50—60 Millionen Mark
lin und London führt. (Auslandsverkehr) dürfte einen solchen Bahnanschluss
wohl lohnen.
- Bei Abschluss der Redaktion dieses Buches wird
2. E Das „Indo-European Telegraph-Department in von Petersburg unter dem 12. April gemeldet, dass ein
Persia“ unterhält eine Linie von Teheran nach Bu- Mi otoromnibus-Verkehr zwischen Täbris und Dschulfa
schehr. Von Buschehr geht dann ein Unterseekabel soeben eröffnet worden sei.
nach Indien. Ausser dieser indischen Linie besteht
noch eine Verbindung zwischen Britisch-Belutschistan z ältnisse.
und Kaschan. Diese beiden Linien haben ausschliess- Die Transportverh ist.d
lich englische Beamte und funktionieren in jeder Hin- In Ermangelung von Eisenbahnen ist das ganze in-
sicht vorzüglich. ländische Transportwesen auf die Beförderung mittels
z WO Packtieren angewiesen. Pferde und Maultiere — in
Telegramme in lateinischen Schriftzügen werden den ebeneren Gebieten auch Kamele — werden beim
ausser NE et und nach Indien für folgende Warentransport verwendet, und zwar beträgt Lade-
persische Plätze angenommen: fähigkeit und Tagesleistung:
Teheran Schiras Mesched ET
Kum Buschehr Turbet - i - Haidari Ladefähigkeit Tagesleistung
Kaschan Jesd Kaswin Packpferde 150 kg 45 km
Ispahan Kirman Täbris Maulesel 150° #5
Der Tarif beträgt im Inlandsdienst 3—5 Kran (ca. Kamiele 300.» 23
1,10—1,85 M.) pro angefangene 10 Worte. *) Nach Buschir M. 1,55.
==—— Davis Trietsch, Handbuch für Marokko und Persien. — 43 ——
        <pb n="58" />
        95 Persien. 96
Ende April 1910 berichtete der kaiserliche Konsu- Passwesen und Reisewege.
laragent in Täbris: Bei Reisen nach Persien über Russland
„Die aus Trapezunt und Konstantinopel kommende wird ein Pass gebraucht. (Angabe einer christlichen
Nachricht, derzufolge ernstlich die Bahn Trape- Konfession ist hierbei obligatorisch). Visum der russi-
zunt—Erzerum geplant sei, hat bei der Kauf- schen und persischen Gesandtschafts- oder Konsulats-
mannschaft von Täbris grosses Interesse gefunden, und Behörden ist gleichfalls erforderlich.
man wird, vielleicht in der Hoffnung, dass die Tran- Beim Wege über Rumänien und Türkei
sitzufuhr durch die Türkei doch nicht ‘durch die er- (von hier über Schwarzes‘ Meer und Russisch - Kau-
leichterte Warenzufuhr aus Russland wird verdrängt kasien) ist auch rumänisches und türkisches Visum er-
werden können, dem direkten Import aus Europa Tforderlich. Man kann auch unter Vermeidung
wieder erhöhte Aufmerksamkeit schenken. russischen Gebiets via Ph Meer,
: © Trapezunt, Erserum nach Persien (Täbris etc.) ge-
Trotz. der Bahnverbindung BOSr Bed a janaıen doch ist dieser Weg ziemlich beschwerlich,
man hier immer wieder konstatieren, dass die Spedition T 1. drei ne Fisenbah 500 Kilomet
via Trapezunt mittels Karawane in normalen Zeiten Al EP en (eine ch ahn) LS ich N Debeil: ne
schneller vor sich geht. Wenn die Karawanenfrachten Tel San at . ZU nme. (St. D0C1E Te AH
nicht so hoch wären, würde man oft der Zeitersparnis rn ot icht ich bei Reisen ins Innere HOSEN
halber via Trapezunt expedieren. Das klingt paradox, N Kay AMD Te Az da es in dem ganzen
doch machen z. B. einige Firmen in Täbris eben jetzt -Ande von der dreifachen Grösse Deutschlands nur
. g 5 kleine Lokalbahn von 8% Kilometern gibt.
wieder die Erfahrung, dass Sendungen über Russland GNS SITZE 2
per Eilgut schon 5 Monate unterwegs sind, während z - n
die jetzien Sendungen via Trapezunt von Hamburg Reisen in Persien.
aus in genau drei Monaten in Täbris eintrafen. Das üblichste Beförderungsmittel in Persien ist
Der schon für den Januar russischerseits ange- He HU Dar DI one Ant Report Au den
kündigte a Atlemohilyerkehr auf der Chaussee Dias Hauptstrassen des Landes unterhält die Regierung kleine
Täbris-ist © nicht In. -G. brach I a Poststationen (verbunden mit einem Unterkunftshause
ASS noch Smcht in Gang gebracht: worden: für Reisende) in regelmässigen Abständen von durch-
: schnittlich 34 Kilometern. Der Postmeister jeder Station
Die Hauptkarawanenstrassen. hat eine Anzahl Pferde zu halten, die er an die
km Tage Reisenden zu etwa einem Franc pro Farsang (Färsach,
Teheran—Kaswin—Rescht*) 322 — persische Meile von ca 6,2 km) vermietet. Der euro-
Teheran—Täbris—Trebisonde 1760 päische Reisende wird meist noch einen Postknecht mit-
Teheran—Kum—Kaschan—Isfahan— nehmen müssen, der den Rücktransport der Pferde
Schiras—Buschir**) 1175 35 besorgt, und für dessen Pferd das gleiche zu entrichten
Teheran—Mesched*) 774 ist. Wer einigermassen Gepäck mit sich führt, wird je
Teheran—Kirmanschah—Bagdad!) 800 24 nachdem eine grössere Anzahl von Tieren und Be-
Täbris—Dschulfa*) 138 gleitern mitnehmen müssen, aber auch die billigste Art
Aschkabad—Mesched (ziemlich gute des Reisens (mit 2 Reittieren) kostet per 10 km schon
Strasse) 230 etwa 33 Francs. Dafür ist freilich das Nachtquartier
Isfahan—Jezd—(Kirman) —Bender Abbas 99% 25 in dem Obergemache (Balac h aneh — hiervon das
Mesched—Seistan— Engl. Belutschistan » Wort Balcon) der Poststationen umsonst, — nur
(Englische Strasse mit Abzweigung die Decken etc. _ muss der Reisende selbst mit sich
nach Kirman) 1835 führen, ebenso wie sein Ess-, Trink- und Kochgeschirr,
Isfahan—Achwaz*) 450 da der „Ungläubige“ unterwegs nichts derartiges ge-
Kaswin—Hamadan*) 250 liehen bekommt. Auch Tee, Zucker, Konserven etc.
Kum-—Sultanabad*) 144 pflegt der Reisende für den eigenen Gebrauch mitzu-
Astara— Ardebil*) 66 führen.
nn Die Poststationen sind meist sehr primitiv aus an
*) Gute Landstrasse — auch für Wagen fahrbar. der Luft getrockneten Erdziegeln (Lehm und Häcksel)
da PO RES ohoran Kur (152 Km) für Wagen fahrbar, erbaut, doch gibt es vereinzelt auch Steinbauten, wo-
N runter manche auch noch anderen Zwecken dienen.
        <pb n="59" />
        O7 Die Städte Persiens, 98
Die Städte Persiens.
Ahwaz (mit Bender-Nasseri) Barferusch. (Balfrusch)

Am schiffbaren Karun ca. 100 km nördlich von Wichtiger Handelsplatz nahe am Kaspischen Meer
Mohammerah. Von Ahwaz geht eine Handelsstrasse (Provinz Masenderan) Warenverkehr mit Russland über
nach Ispahan (ca. 300 km Luftlinie). Zwischen Ahwaz den Hafen Meschhed-i-Ser (20 km von Barferusch).
und Bender-Nasseri geht eine kleine Tramlinie von Post und Telegraph.

2 km für den Frachtverkehr. Sie befördert 50—60 Einwohnerzahl 50—60 000.
Tonnen per Tag zum Preise von 3 Kran (ca. M. 1,10)
per Tonne. Hauptmarkt des reichen Getreide-Distrikts. Bender-Abbas.

Einwohnerzahl nach englischem Konsularbericht Hafenplatz (Bender = Hafen) an der Strasse von Or-
3000, nach Regenhardt 8000. mus gegenüber der Insel Tawila. Die Stadt gehört zur

Das Winterklima ist angenehm, doch ist der Provinz Kirman (Küstenlandschaft Moghistan). In
Sommer hier sehr heiss (bis 40% Celsius im Schatten). früheren Jahrhunderten Haupthafen Persiens am Golfe,

Ahwaz ist durch Flussdampfer - Verkehr sowohl seither wegen Erdbeben und ungesunder Lage nur noch
mit Schuschter wie mit Mohammerah verbunden, und für das östliche Persien (Kirman und Jesd) von Be-
neuerdings gehen sogar reguläre Dampfer des persi- deutung.
schen Golf-Dienstes der Firma Lynch Brothers alle Britisches Konsulat mit Konsularwache, britisches
14 Tage den Karun bis nach Ahwaz hinauf. und persisches Post- und Telegraphenamt, Kabelstation,

% N Dampferverkehr mit Bombay und Bassora. — Perlen-
Ardebil (Erdebil) fischerei. — Klima im Sommer sehr heiss.

Stadt und Festung in der Provinz Aserbeidschan, Einwohnerzahl 8000, nach anderen 5—9000, meist
40 km von der russischen Grenze und vom Kaspi- Araber. Keine europäischen Handelshäuser.
schen Meere. Lebhafter Karawanenhandel. An ‚der Das Zollwesen ist unter belgischer Verwaltung, die
Landstrasse Astara—Täbris gelegen. Gutes Klima, in früheren Missstände sind zum grossen Teil beseitigt.
der Nähe Mineralthermen, häufige Erdbeben. — Post Handel mit‘ England meist über Bombay.
und Telegraph.

Einwohnerzahl 16 000. Bender-Dellim (Bender-Dilem)

x Hafen am persischen Golf 130 km nördlich von
Ardistan. Buschehr, Provinz Arabistan. Perlenfischerei.

Im Südosten der Provinz Irak-Adschmi. Ca. 10000

Einwohner. Bender-i-Ges (siehe Astrabad)
Astrabad (Bender-i-Ges) Burudschird.

Hauptort der gleichnamigen Provinz im Südosten Haupstadt der persischen Provinz Luristan. (See-
des Kaspischen Meeres (Seehöhe 115 m) in 40 Kilo- höhe 1655 m) an einem Nebenfluss des Karun gelegen,
meter Entfernung vom Kaspischen Meer (Golf von 20000 Einwohner.

Astrabad — Hafenort Bender-i-Ges). Industrien: Tuch- und Filzwaren.

6—8000 Einwohner, mit Umgebung 23 000. Nach Bedeutender Viehhandel (Pferde, Ziegen und
anderen hätte die Stadt 15000 Einwohner. Der Ort Schafe.)
hatte früher eine wesentlich grössere Bedeutung,. wo-
von noch zahlreiche Moscheen Zeugnis ablegen. Buschehr (Buschir, Abuschehr)

Post und Telegraph. Wichtigste Hafenstadt am persischen Golf, britisch-

Ausfuhr von Kaviar, Weizen und Baumwolle. In jndische‘ Post, Kabel nach Kuratschi (Indien) und End-
der Nachbarschaft wird auch Seidenbau getrieben. punkt der indo-europäischen Linie, die in Emden be-

A ginnt.
stara Sitz des Generalgouverneurs der persischen Häfen,

Kleiner persischer Hafen (Provinz Aserbeidschan) deutsches Konsulat. England ist ausser durch Kon-
am Kaspischen Meer unmittelbar an der russischen sulat auch durch den politischen Residenten vertreten.
Grenze gelegen. Dampferverkehr mit Baku und Astra- Die Dampfer ankern ca. 5 km vom Lande.
chan. — Post und Telegraph. — Landstrasse nach Wichtige Handelsstrasse nach Schiras via Borasiun
Täbris. und Kasrun. Die Strasse von Buschehr nach Schiras
        <pb n="60" />
        99 Die Städte Persiens. 100
ist etwa 275 km lang. Die Karawanen sollten den Anfang des siebzehnten bis Mitte des achtzehnten Jahr-
Weg in etwa 12 Tagen zurückle en, brauchen aber hunderts die Hauptstadt Persiens; jetzt liegen über 3

. , g P 4
meist 25—30 und in der Weidezeit, in der man die des riesigen Stadtbezirkes (die Stadtmauer ist 37% Kilo-
Tiere wieder zu Kräften kommen lässt, 40—50 Tage. meter lang) in Trümmern. Von den ehemals 173
Das Klima ist heiss und ungesund. Ueber Ein- und königlichen Palästen sind nur 3 erhalten.

Ausfuhr siehe Tabellen. Immerhin ist Ispahan noch eine der grössten

Einwohnerzahl 20—25 000, nach anderen nur Städte des Reiches. Seine Industrie ist ziemlich be-

10—12 000. deutend und umfasst die Fabrikation von Brokaten,

Choi. Baumwollstoffen, Leder und Lederwaren, Papier, Ton-

Stadt“ in Aserbeidschan, an einem. Nebenfluss‘ des geschirr, Glas, Feuerwaffen, Schiesspulver und Säbel-

’ klingen. Produkte des Acker- und Gartenbaus sind

nn und an der Karawanenstrasse nach Erzeroum Melonen und Quitten. In der Umgegend wird auch

x Opium gewonnen.
N A TC Einwohnerzahl 70—90 000, darunter 6500 Juden.
Gegend sehr fruchtbar (hauptsächlich Getreide und Post und Telegraph.
Baumwolle). Jesd (Yesd, Jezd)
Disful. Stadt in Irak-Adschmi (1333 m Seehöhe), wichtiger
Stadt der Provinz Chusistan, am Ab-i-Dis gelegen Handelsplatz und Knotenpunkt von Karawanenstrassen.
(berühmte Steinbrücke von 32 Bogen — 284 Meter Filiale der Kaiserlich persischen Bank; — Sitz
lang) Einwohnerzahl 30000. Fabrikation von Rohr- iner englischen Missionsgesellschaft, die ein Hospital
Sn . unterhält.
de delsartikel:. Wolle, Baumwolle... Getreide. In- Industrien: Konfitüren, Kandiszucker, Waffen und
digo, Pech und Schwefel, N &gt; Seidenweberei; — in der Umgegend Mohnbau, Seiden-
8°, . zucht, Kamelzucht etc.
Dschask, (Dask) Einwohnerzahl 30—55 000, darunter 6000 Parsen.
Britischer Hafen (offene Reede) am gleich- Post und Telegraph.
namigen Kap der persischen Küste des Golis von Kain
Oman, vor dem Fingang der Strasse von Ormus. Stadt in Chorossan, an der Strasse von Badschist
N S : . ; an
"ta TE EEE Wa nach Birdschan, befestigtes Schloss. Die Stadt hatte
Fort. N ON Zr 0 N Kr an. Fugan kam früher grössere Bedeutung. Von 8000 Häusern sind
liegt, gehörte zu Oman, kaum !/; bewohnt; — Einwohnerzahl ca. 5000.
Enseli (Enzeli) Teppichindustrie und Safranbau.

Stadt der Provinz Ghilan, Hafen am Kaspischen Kaschan
Meer. Die Stadt liegt in der Provinz Irak-Adschmi, un-

Post und Telegraph. So r gefähr auf der Mitte der grossen Karawanen-Strasse

Dampferverkehr hauptsächlich mit Baku und 7 wischen Ispahan und Teheran (näher zu Ispahan)

Astrachan. in einer fruchtbaren Gegend (Garten- und Weinbau)
Hamadan. am Nordostfuss ‚des Gargisch 1130 m ü. M. Nicht weit
Stadt in Irak-Adschmi (1980 Meter Seehöhe — davon (südwestlich) befindet sich die Talsperre von
sehr gesundes Klima), bedeutender Handelsplatz. Ein Kuhrud. ß -
Zentrum der persischen Teppichindustrie. Auch Seiden- Industrien: Brokate, Shawls, Kupferarbeiten,
und Baumwollstoffe, Sättel und Zaumzeug werden ver- P orzellan etc. ne =
fertigt. Die Einwohnerzahl wird zwischen 45 und 60000
Post- und Telegraph. angegeben, worunter 2000 Juden und einige 20 Parsen.
Einwohnerzahl 30—35 000, darunter 6—8000 Juden, Kasyi
die einen grossen Teil des Handels in Händen haben. N Sn Be .
— (In Hamadan wird das Grab Esthers und Mor- Stadt in Irak-Adschmi (Seehöhe 1279 m) an der
dechais gezeigt.) Teheran-Täbris-Strasse gelegen.
Industrien: Seidenwaren und Waffen, — in der
Ispahan (Isfahan) Umgegend Weinbau.
Hauptstadt der gleichnamigen Provinz am Sende- Einwohnerzahl ca. 30 000.
rud gelegen (in 1585 m Seehöhe). Die Stadt war vom Post und Telegraph.
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        101 Die Städte Persiens. 102
Kerman (Kirman) en u für N. Fischerflotten (Haupteinfuhr-Artikel
i tstadt der gleichnamigen Provin AUTO ANATEN)-
(85 ED SE STEINE nn Kultur von Dattelpalmen; Schiffsbau. Ausser dem
Industrien: Seidenstoffe, Teppiche, Shawls, Sticke- EEE auch Export von Perlmutter,
reien, Tuche; — Ausfuhr von Ziegenhaar. CPPICHENTEN., .
Einwohnerzahl: 60.000. — Die Handelsstrasse nach Lar hat keine grosse
Post Bedeutung.
8 Einwohnerzahl 10—16 000 (meist Araber, Neger
Kirmanschah (Kermanschah) und Mischlinge).
Hauptort der Provinz Ardilan — 1474 m Seehöhe. Meschhed
Kirmanschah hat einen Flussverkehr mittelst Segel- aan 3
boolen (Seraina) und 2 Karawanen-Wage nach Bagdad j,EetPIOE de DEE RT ie Tan)
via Chanikin und via NE Der letztere ist kürzer, Bedeutende Teppich: und  Seidenindusirie, Fabri-
wird aber der Unsicherheit wegen weniger benutzt. ; 5 ;  =n-  Giold-
Auf der Chanikin-Strasse ist auch ein Wagen-Verkehr EEE Säbelklingen, Edelstein, Gold: und
für Passagiere eingerichtet. N ; -
Sehr fruchtbare Gegend. Die Weizenproduktion ist ag Orts Fülle ud
so bedeutend und die Produktionskosten sind so gering, 7 ogqer Zucker etc. Die Ausfuhr dürfte über. 3. _Milli-
dass es sich lohnt, das Getreide trotz der hohen onen Mark betragen
Transportkosten über Basra seewärts zu verfrachten. Post und Telegraph
Viel Opiumkultur, Obstbau, Rosenkultur. Finwohnerzahl 60 —80 000
Industrien: Kanonen, Gewehre, Pulver, ferner v
Baumwollzeuge und Teppiche. Meschhed-i-Sar (Meschedisser)
Einwohnerzahl incl. Garnison 32000 darunter Hafen am Kaspischen Meer (Provinz Masenderan).
1400 Juden. Durchgangsort für den Handel zwischen Russland und
Kum (Kom) Na on HC N (20 km landein-
Die Stadt liegt in der Provinz Irak-Adschmi an Wärt®). — Post und Selegraph,
der grossen Karawanenstrasse von Teheran nach Ispa- Mohammerah.
Ten x“ km südwestlich von Teheran) 880 m über Die Stadt liegt am nördlichsten Teil des persischen
ent VICCTE. A Golfes (am Ufer des Karun) etwa 100 km land-
w NE Ne Tor a U Von einwärts. Seit das türkische Kuweit regelmässig von
ale as- und Löpferwaren. Handel mıt Baum- gen anglo-indischen Dampfern angelaufen wird, hat
wolle. der Ort an Bedeut ingebüsst. hin i
Die Einwohnerzahl wird auf 30—40 000 angegeben, och der Umladeplatz für toren Orc dr Ge
von manchen auch wen geringer. Fast aus- gend des oberen Karun (Ahwaz und Schuschter) und
schliesslich Mohammedaner. dem Seeverkehr, der bis vor kurzem nur bis Mo-
Lar. hammerah reichte, jetzt aber für Dampfer der Lynch-
Hauptort der Provinz Laristan (früheres König- N EEG TE Se va A en worden AS
reich — jetzt Teil der Provinz Fars). Die Stadt liegt N Eh ra ht eE TRhEn 6000 uud 15 000
(in 906 m Seehöhe) 280 km s.-ö. von Schiras, — ihr angegeben. Die Bevölkerung der Distrikte Dizful,
Hafen ist Ka N Ce Cm ten führt. Schuschter und das Bachtiarenland sollen über 300 000
Datte Hi ur hl 7 2 000-4 eidenweberei, Einwohner haben, und die Gegend wäre bei ent-
Einwohnerzahl 4— . sprechender Regulierung der Wasserverhältnisse sehr
Linga (Lingeh) grosser Fruchtbarkeit fähig.
Hafenplatz am persischen Golf westlich der Nischapur
Strasse von Ormus. Von hier geht die Perlenausbeute Provinz Chorassan, 70 km westlich von Mesch-
der Fischer von Bahrein nach Bombay; 3 Dampfer- hed. Der Distrikt hat Obst- und Getreidebau, Baum-
linien. wollkultur (in N. befinden sich drei Baumwollentker-
Die Stadt gehört zur Provinz Fars, Landschaft nungsanstalten), Türkis- und Malachit-Gruben.
g n
Laristan. Die Angaben über Einwohner schwanken zwischen
Der inländische Handel ist unbedeutend, doch ist 10000 und 17 000.
es ein wichtiger Markt für die benachbarten Ortschaf- Post und Telegraph.
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        103 Die Städte Persiens. 104
Rescht. Sultanabad
Stadt der Provinz Gilan, 25 km südöstlich von Stadt in Irak-Adschmi.
der Hafenstadt Enseli am Kaspischen Meere. Industrien: Teppichweberei und Wollfärberei (deut-
Filialen der persischen und der russisch-persischen sche Firma). — In der Umgegend Frucht- und Ge-
Diskontobank. müsebau; auch Weinbau.
Industrien: Teppichweberei, Seidenindustrie, Aus- Einwohnerzahl 6000—10 000, nach anderen 20—
fuhr von Kokons und Rohseide. 25 000.
Einwohnerzahl: Die Angaben schwanken zwischen Post.
30 000 und 80000. (!) .
Post und Telegraph. Täbris.
Befestigte Hauptstadt der Provinz Aserbeidschan,
Schiras. nahe dem Urmia-See (in 1503 m Meereshöhe) gelegen.
Befestigte Hauptstadt derProvinz Fars (in 1580 m Filiale der Kaiserlich persischen Bank. ©
Seehöhe) Geburtsort von Sgadi und Hafis. Häufige Industrien: Seiden- und Baumwollweberei — Gar-
Erdbeben. Stadt ist ziemlich verfallen. tenbau. . .
Filiale der Kaiserlich persischen Bank. Einwohnerzahl (incl. Garnison) ca. 200 000.
Industrien: Silber- und Schmelzwaren, Seiden- und Post und Telegraph. -
Wollartikel, eingelegte Holzarbeiten, Waffen, Glas und Konsulate: Britisches, französisches (auch für
Ton. — Ausfuhr von Rosenöl und Opium.*) — Wein- Oesterreich) und russisches (auch für Deutschland).
bau.
Einwohnerzahl: Die Angaben schwanken zwischen Teheran
30.000 und 70000 (hierunter ca. 6000 Juden). Hauptstadt von Persien (1132 m Seehöhe) Festung
(äussere Mauer hat 17% km Umfang — innere 12 km).
Schuschter (Schuster) Sitz des diplomatischen Korps, des Ausländerge-
Stadt an dem hier in 2 Arme geteilten, schiffbaren ARE und A Armeeoberkommandos. Arsenal,
(noch für kleinere Seeschiffe zugänglichen) Karun. Anl ruCkerei, Minze. .
Baumwoll- und Seidenindustrie. Stammhaus der Kaiserlich-persischen Bank.
Finwohnerzahl: Angaben schwanken zwischen Industrie: Teppichweberei, Pulverfabrikation, Gas-
S werk.
12.000 und 20.000. Sehr fruchtbare Umgebung.
Einwohnerzahl: ca. 280 000 (incl. Militär) darunter
Sebsewar (Sebsendar) ca. 5500 Juden und 150—200 Europäer, wovon an 100
Stadt der Provinz Chorassan. Handelsplatz an Deutsche.
der englischen Karawanenstrasse. | Post, Telegraph, Eisenbahn (die einzige in Persien
: Im Distrikt Baumwollbau (in der Stadt befindet __ 13 km lang — nach Abdulasim).
sich eine Baumwoll-Entkernungsanstalt). Zwölf konsularische Vertretungen, darunter deut-
Einwohnerzahl: 12 000—22 000. sches Generalkonsulat und oesterreichisches Konsulat.
Post. Deutsche höhere Schule.
Sindschan (Sendschan) Turschis (Türschis)
Einwohnerzahl ca. 25 000. Stadt in Chorassan.
Post und Telegraph. Im Distrikt Baumwollkultur. (In T. befindet sich
eine modern eingerichtete Baumwoll-Entkernungsanstali
Sinna (Senneh, Senendidj) mit elektrischem Betrieb).
Stadt in Persisch-Kurdistan, an einem Nebenfluss Post.
des Tigris gelegen. Urmia.
A A Arovon en... 3000 Befestigte Stadt in Aserbeidschan, 20 km westlich
Post und Telegraph vom Urmia-See (Salzsee ohne Abfluss und ohne Fische).
W ; Einwohnerzahl 20—33 000 (meist Schiiten, daneben
*) In manchen Jahren für über 5 Millionen Mark. auch 2000 Juden).
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        105 Produkte der persischen Landwirtschaft. 106
Produkte der persischen Landwirtschaft*).
Seidenproduktion. diejenigen nordwestlich von Kirman und die Provinz

Persien ist eines der bedeutendsten Seiden- Chorassan. Auch um Kaschan, Isfahan, Vezd und
Produktionsländer. Vor allen Dingen sind es seine Urmiah wird Baumwolle gebaut. Leider ist ihre
Provinzen OGhilan und Mazenderan. In zweiter Qualität nicht gleichmässig . genug, zumal in der
Linie die anderen am Kaspischen See gelegenen Pro- Farbe, ausserdem macht sie ihre Kurzstapligkeit für
vinzen, ganz Ostpersien, sowie in geringem Um- viele Zwecke ungeeignet. Der Inlandsverbrauch ist
fange auch verstreut einzelne Plätze des Westens und CM ausserordentlich grosser, der Exportüberschuss
Südwestens. Ausschlaggebend aber sowohl für den geht hauptsächlich nach Russland.
heimischen wie für den Exportmarkt ist der Norden Die ausgeführte Baumwolle wies folgende Werte
und Nordosten. auf:

Ueber die Produktion, die auch in einzelnen Pro- 1902/03: 24 345 955 Kran,
vinzen, ganz Ostpersien, sowie in geringem Um- 1903/04: 19439193
lastet ist, lassen sich keine genauen Schätzungen 1905/06: 40 807 181
geben, da der sehr starke Inlandsverbrauch sich gar 1906/07: 46 688 980
nicht kontrollieren lässt und nur die einigermassen 1907/08: 45 088 203
brauchbaren Ausfuhrzahlen zur Verfügung stehen.

Aber von der Höhe dieser einen Rückschluss auf Tabak.

die jeweilige Produktion zu ziehen, wäre müssig, da Eines der wertvollsten Produkte des persischen
der innere Verbrauch sich wenig nach den Preisen Landbaues ist der Tabak, und zwar „Tumbeki“
des Weltmarkts zu richten pflegt. für die Wasserpfeifen und „Tütün“ für

Die Ausfuhr betrug (in Kran): Zigaretten. Ersterer geniesst einen Weltruf und

Jahr Rohseide Kokons ist in allen muselmanischen Ländern sehr bekannt.
1902/03 14110 940 = Seine besten Qualitäten kommen aus der Oase Tebbes
1903/04 2 432 458 24 626 933 und ferner aus dem zwischen Isfahan und Kum sich
1905/06 1 702 357 13 576 358 erstreckenden Landstriche, einige andere Produktions-
1906/07 4 219 640 12 848 202 sorten aus der Gegend um Schiras usw. sind von
1907/08 2.057 926 24 547 265 geringerer Bedeutung.

Bei einer gründlichen sachgemässen Pflege der Der Zigarettentabak wird in allen Gegenden, wo
Kultur wäre wohl noch eine ausserordentlich starke überhaupt Tabak gedeiht, gepflanzt, — hauptsächlich
Vermehrung dieses lohnenden Produktions- in den am Kaspischen Meere gelegenen Provinzen,
zweigs zu erzielen. Die Seidenraupeneier werden zum um den Urmia-See herum und auch bei Ker-
grössten Teil aus Brussa und anderen Kkleinasi- manschah usw., er findet aber fast nur im Lande
atischen Gegenden sowie aus Frankreich be- selbst Verwendung und gelangt wenig zur Ausfuhr.
zogen. Ueber die Gesamtproduktion gibt es keine Anhalts-

Die Seide war bis etwa 1865 der bedeutendste Ar- punkte.
tikel der persischen Ausfuhr und betrug allein in der Der Wert der Ausfuhr von Tumbeki stellte sich:
Provinz Gilan 12—14 Millionen Mark. Seit jener Zeit 1902/03 auf 1424396 Kran,
aber ist die Seidenproduktion durch das Auftreten der 1903/04 „ 131745
Seidenraupenkrankheit wesentlich zurückgegangen, doch 1905/06 „ 1603180
wäre es nicht schwer, durch geeignete Massnahmen 1906/07: „ 22858131,
die aufgetretenen Schäden zu beseitigen und die Seiden- 1907/08 „ 1818725
gewinnung wieder zu heben. Der Wert der Ausfuhr von Zigarettentabak:

Baumwolle. TOM n auf S On Kran,

Baumwolle wird in Persien in zunehmendem 06 ” 4m ?
Masse angebaut. Die Hauptbaumwollgegenden sind 1906/07 - 4 901 N

*) In der Hauptsache nach deutsch-amtlichen Materialien. 1907/ 08 „ 5961 “
        <pb n="64" />
        107 Produkte der persischen Landwirtschaft. 108
Mohn u. Opium. Gerste wird erheblich weniger als Weizen an-
Mohn zur Opiumbereitung ist wohl das wert. gebaut. Sie finden nur bei Teuerungen und in den
vollste Produkt Persiens, welches sich früher auf dem ärmsten Gegenden „zur Brotbereitung _ Verwendung.
Weltmarkte eines ausgezeichneten Rufes erfreute. Er Die Qualität soll ım Durchschnitte keine besondere
wird hauptsächlich um Yezd, Isfahan, Schiras, Ha- Sein. Die Ausfuhr ist sehr gering und ist in den
madan und Mesched gepflanzt. für Weizen angegebenen Ausfuhrzahlen, wie gesagt,
Die Ausfuhrwerte bezifferten sich: mit inbegriffen.
1902/03 auf 15 349 987 Kran,

1903/04 „ 16520366 , Obst u. Weinbau.
1905/06 „ 8661178 Sehr wichtig sind die O bs t kulturen. Die beiden
1906/07 „ 14811 505 » wichtigsten Früchte sind Wein und Aprikosen.
1907/08 „ 16920292 Ersterer gedeiht fast im ganzen Lande und ist zum
Reis. Teil von einer hervorragenden Qualität. Besonders
Reis wird vorzüglich und in grossen Massen St zum Keltern ist er in Schir 28 md in zweiten
in Mazenderan und Chilan, in rosa Plantagen, Ne in der Gegend um den Urmia-See und Täbris.
aber auch vielfach um Urmiah und in den wasser- US dieser Gegend und namentlich aus Chorassan
reichen Tälern der südwestlichen Gebirgsketten ge- wird ET Om. von Rosinen in sehr bedeutenden
bauf. Ein nemmenswerfer Export findet nur aus den Quantitäten exportiert, hauptsächlich über Astrachan
nördlichen Provinzen statt, während die Produktion ach Russland. ‚Es gibt zwei Sorten von Trauben:
der übrigen Landesteile zum Eigenkonsum dient. Kishmish and © Nebiz. Die Produktion der „rSlen it

Es wurden ausgeführt: bei weitem grösser und liefert den Hauptteil für den

1902/03: 13 036 640 Kran Export, der in Kistchen von 1 Pud nach Russland
1903 /04: 21 685 888 ) und in Kistchen von etwa 12% kg nach dem übrigen
1905 /06: 30 930 7903 Europa stattfindet. Sn
1906/07: 25517851 Der Export an getrockneten Trauben wies in den
1907 /08: 24 000 438 ? letzten Jahren folgende Werte auf:

) » 1902/03: 16 543 648 Kran.

Getreide. 1903/04: — »

Weizen wird im ganzen Lande reichlich an- 1905/06: 4873 181 »
gebaut. In den an Russland grenzenden Provinzen 1906/07: 25 205 950 »
und im Südwesten, namentlich dem Karungebiet und . 1907/08: 19928533
der Ebene von Buschär usw. in so grossem Um- Davon gingen im Jahre 1907/08 nach:
fange, dass in normalen Jahren bereits recht ansehn- Deutschland 25 360 Kran,
liche Mengen exportiert werden konnten. Aber für China E e 58568,
diese Frucht kommt schon in Betracht, dass in guten Grossbritannien 98936
Jahren grosse Mengen des im Innern des Landes ge- Britisch-Indien 622834
ernteten Korns nicht zur Verwendung gelangen rn Staaten 61 ne »
können, da die weiten und infolge ihrer ungemeinen Ar SM es OL
Schwierigkeit teure Transportspesen verursachenden Om er 9 „

Wege den Export unlohnend machen. ; Da T 2 460 »

Die Ausfuhrzahlen für Weizen sind in den per- „Die Verpackung erfolgt ın mit der Hand gear-
sischen Statistiken mit Ausnahme des Jahres 1902/03 beiteten Kistchen aus weissem Pappelholz, welche
nicht gesondert, vielmehr unter dieselbe Rubrik wie nachher in Sackleinwand eingenäht werden. Auch auf
Gerste und andere Körnerfrüchte gebracht. Da aber diesem Gebiete wären bei einer sachgemässen Kultur
mit Ausnahme des Weizens von den anderen Körner- ganz bedeutende Verbesserungen und damit Erfolge
Früchten nur ein verschwindender Export stattfindet, zu erzielen. Leider liegt auch dieser Kulturzweig, ob-
dürften die untenstehenden Zahlen vielleicht mit Ab. wohl er fast überall ausgeübt wird, im argen.
zug von 20% der effektiven Weizenausfuhr Aber auch die persischen Aprikosen könnten in
entsprechen: grösseren Quantitäten den europäischen Markt er-

1902/03: 234369 Kran, reichen, ähnlich wie die Gegend von Damaskus (Syrien)
1903/04: 3806123 bedeutende Quantitäten dieser Frucht in eingedicktem
1905/06: 2719643 Zustande (eine sehr einfache billige Konservierungsart)
1906/07: 3102522 exportiert. — Daneben finden auch die ‘Aprikosen-
1907/08: 7 982 304 Kerne einen besonderen Markt.
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        _109 Produkte der persischen Landwirtschaft. 110
Oliven, Melonen u. Datteln. häufig zum Eingehen bringen. Durch das System,
Nicht unwesentlich ist auch die Kultur von Oli- Gummitragant durch Agenten und Unteragenten aufzu-
ven, die am besten ebenfalls in den Kaspischen See- kaufen, und auf die jährlichen Ernten Vorschuss zu
provinzen gedeihen. Es ist indessen auch von dieser geben, kommt auf die Märkte selbst wenig Material.
Frucht dasselbe, wie von den anderen zu sagen, dass In die Hände der Grosshändler gelangt Gummitragant
sie keine genügende Pflege erhalten, und soweit es sich meist in einer Sorte, höchstens nach den Farben und
um die Gewinnung von Oel handelt, durch eine sehr in zwei bis drei Qualitäten sortiert. Diese nun lassen
mangelhafte Herstellungsweise noch weiter an Wert ver- die Ware von Frauen und Mädchen in eine Anzahl
lieren. Es ist unbestritten, dass sich auch aus der verschiedener Qualitäten aussortieren. In Schiras und
Olivenkultur noch erhebliche Einnahmen für das Land Bagdad zum Beispiel lassen ihn die Gross-Spezialisten
schaffen liessen. bis aus etwa 14 verschiedene Nummern aussortieren.
Gesalzene Oliven werden in grossen Die Ausfuhrwerte stellten sich:
Mengen konsumiert und namentlich auch nach Rus s- 1902/03 auf 5181761 Kran,
land exportiert. 1903/04 „ 6581180
Von hervorragender Bedeutung für die Volkser- 1905/06 „ 8950708
nährung sind dann noch zwei Früchte: Melonen 1906/07 „ 15888855
und Datteln. Erstere gedeihen, wo sie Wasser 1907/08 „ 9628246
finden, ganz vorzüglich, sie sind in verschiedenen Ausser dem Gummitragant gibt es noch verschie-
wohlschmeckenden Sorten auf allen Märkten für billiges dene andere Sorten, von denen der unlösliche
Geld zu haben und der armen Bevölkerung für den Gummi, der namentlich zwischen Schiras und
Sommer hauptsächlich ein wahres Labsal. Datteln _Buschär gesammelt wird, am meisten exportiert wird.
werden in den Oasen Zentralpersiens und namentlich Ausserdem werden noch verschiedene andere Harze,
in ganz Südpersien und auch Belutschistan in: sehr darunter Mastix, in den gleichen Gebieten, wie
grossen Mengen gewonnen; sie sind in vielen Gegen- Gummitragant, gewonnen. Andere Sorten dienen zur
den das wichtigste Ernährungsmittel der Vermischung und teilweise Verfälschung des Opiums.
Bevölkerung. Die Armut ist so gross, dass man vor-
zieht, statt nn ne en An Tiere ebenfalls mit Kleinere Spezial-Kulturen.
der weit billigeren Dattel zu füttern. (!) Der Export . na a z x
ist wohl wegen der schwierigen  Vebanluns von en Ch osenöl wird hauptsächlich in Schira NP m
persischen Hauptzentren der Dattelkultur zum Meere, ilan hergestellt. Ebenso auch in beschränktem \m-
und auch weil die Qualität vielfach nicht erstklassig ange Rosenwasser. .
sein soll, nicht sehr umfangreich. Safran wird hauptsächlich in dem Bezirke von
Der Wert der Ausfuhr steigt immerhin beträchtlich. Birdschand und Kain gepflanzt. Er wird mit Vorliebe
Er betrug: 1902/03 1158 625 Kran, zum Würzen benutzt, dient aber auch zum Färben.
1903/04 = * Es wurden ausgeführt — Werte in Kran:
1905/06 1663853 1905/06: 10 110,
1906/07 2235838 , 1906/07: 35 465,
1907/08 2944583 1907/08: 44 457.
In den in den persischen Sfatistiken für Safran an-
Gummitragant u. andere Harze. gegebenen Ausfuhrzahlen ist ebenfalls Vanille mit-
Gummitragant wird zwar schon vielfach ge- enthalten, doch dürfte der Anteil an Vanille, was das
sammelt und in unbedeutenden Mengen exportiert, Gewicht anbetrifft, nicht in die Wagschale fallen.
aber es gibt noch bedeutende Strecken, in denen noch In grossen Mengen wird noch Krapp gebaut,
gar nicht oder nur sehr wenig gesammelt wird. Das und zwar namentlich im Westen und Südwesten Per-
Vorkommen erstreckt sich hauptsächlich auf den Nord- siens. — Er dient als Farbstoff der einheimischen
westen bis zum äussersten Süden Persiens, und zwar Teppichweberei, während seine Kultur in der Tür-
in den grossen, die persische Hochebene abschliessen- kei längst vor der zunehmenden Verwendung der
den Gebirgszügen. Die Haupthandelsplätze für per- künstlichen Farbstoffe (Alizarin) zurückgegangen ist.
sischen Gummitragant sind Schiras, Kirman, Kerman- Die landwirtschaftliche Seite des Krapp-
schah und Bagdad. Das Einsammeln des Gummitra- Baus ist insofern von besonderer Bedeutung, als hier-
gants geschieht meist von Nomadenstämmen, die in- bei geradezu minimale Bodenflächen bereits für
dessen bei der Gewinnung desselben mit grosser Nach- den Unterhalt der Landleute hinreichen.
lässigkeit vorgehen und durch ungeschicktes Anschnei- Kreuzbeeren, ebenfalls zum Färben, kommen
den der Sträucher diese meistens überanstrengen und in denselben Gegenden vor.
        <pb n="66" />
        111 Produkte der persischen Landwirtschaft. 112°
Henna wird am meisten in Bam, in Südpersien Die Ausfuhr an Orangen und Zitronen zusammen
und einer nur wenige Tagereisen davon entfernten, in betrug:
der Wüste gelegenen Oase Chabis gezogen. Weniger 1902/03 auf 295 143 Kran,
wird es in dem zwischen Bam und Bahramabad ge- 1903/04: —
legenen Gebieten gepflanzt. Merkwürdigerweise wird 1905/06 „ 274806 ,
dasselbe in den Gegenden seiner Produktion nicht zu- 1906/07 „ 87870 ,
bereitet, sondern wird zumeist nach Yezd, weniger 1907/08 „ 108 178 ©
nach Kirman gebracht, um dort in höchst eigen- Granatäpfel kommen in grossen Mengen auf
Sonsen Mühlen, wie sie wohl schon vor Tausenden. qje Märkte und dienen ähnlich wie die Melonen
von Jahren im Gebrauch waren, pulverisiert zu wer- während der heissen Zeit dem Volke zu einem er-
den. Von dort geht es in die anderen persischen Pro- frischenden Genussmittel.
vinzen und wohl sämtliche muselmanischen Länder. Hülsenfrüchte kommen fast überall vor,
Es wurden ausgeführt: werden aber fast nur für den Landesbedarf angebaut.
1902/03: 1098 354 Kran, Interessant ist, dass Anfang 1910 mit gewissen
1907/08: 1424117 ” Massnahmen begonnen wurde, um der regellosen Ab-
Galläpfel sind hauptsächlich in Aserbeid. MOlzun SA Nälder Einhalt Zu
schan und Kurdistan zu finden. Im grossen und ganzen kann man sagen, dass die
Nüsse, Hasel- sowie W alnüsse, werden _Landwirtschalt — gegenwärtig noch weitaus die Haupt-
in den südwestlichen Randgebirgen vielfach in einer erwerbsquelle des persischen Volkes — noch in der
guten Qualität gezogen und gelangen auch zum Export. primitivsten und dabei unsorgfältigsten Weise betrieben
. . - wird. In der Verbesserung ihrer Hilfsmittel und Me-
1 Man deln und Pistazi =- gedeihen Schliess thoden, vor allem auch in der Schaffung besserer Ver-
ich in den gleichen Gegenden wie die Nüsse und . : :
werden ebenfalls exportiert Die Ausfuhr an Nüssen kehrswege liegt daher das beste Mitiel, dieses alte
sowie Mandeln un Dis n jes folgende W. . Kulturland wieder gesunden Zuständen entgegenzu-
azıen wies folgende Werte auf: fü . . a
ühren, besseren als zu den Zeiten seiner früheren
1902/03: 7804103 Kran, Blüte.
1903/04: TS »” An dieser Entwickelung des Landes können
1905/06: 3907 802 » Deutschland und Oesterreich einen hervorragenden An-
1906/07: 15 880 634 » teil nehmen, sowohl durch Einfuhr landwirtschaftlicher
1907/08: 10339447 Geräte, wie auch durch rege Beteiligung am allgemei-
Orangen und Zitronen werden in den nen Verkehr, am Einfuhr- und Ausfuhrhandel des
gleichen Bezirken wie die Dattel in grossen Mengen Landes, und in nicht geringem Masse auch durch die
gezogen. Von ganz besonderer Güte und hervorragen- Ausdehnung des Schulwerkes, mit dem ja bereits durch
der Grösse sind die Orangen der beiden grossen Oasen Gründung einer ersten deutschen Schule in Teheran
Persiens, Tebbe&amp;s und Chabis. der Anfang gemacht wurde.
        <pb n="67" />
        113 Die bedeutenderen Gewerbezweige Persiens. 114
Die bedeutenderen Gewerbezweige Persiens*).

In Persien waren im Mittelalter die Gewerbe und Mit Ausnahme der kurdischen Teppiche sind
namentlich das Kunstgewerbe vornehmlich durch Schah die Perser-Teppiche fast durchgängig ganz kurz
Abbas den Grossen zu einer bedeutenden Blüte ge- geschoren und zeichnen sich im allgemeinen durch
bracht worden. Aber bereits im vorigen Jahrhundert eine feine, feste Knüpfung aus. Im Gegensatze zum
jand ein starker Rückgang, teils infolge der Abnahme türkischen Teppich wird der persische zumeist auf
des allgemeinen Wohlstandes, teils aus anderen Grün- einer Baumwollkette (statt Wollkette) geknüpft.
den statt. Ausnahmslos haben die Gewerbe seitdem Nur in einigen Gegenden, so in Kurdistan und Schiras
an Umfang und Güte eingebüsst und das Kunsthand- (Fars) wird überwiegend auf Wollketten geknüpft. Man
werk ist mit Ausnahme der auch stark degenerierten kann wohl die allgemeine Regel aufstellen, dass die
und teilweise zur Exportindustrie ausgearteten Teppich- von sesshaften Knüpfern gefertigten Teppiche durch-
knüpferei fast ganz in Verfall geraten. Da ausserdem schnittlich auf Baumwollketten, die von Nomaden über-
viele persische Kunstschätze nach dem Auslande ge- wiegend auf Wollketten gearbeitet sind. Während
langt sind, so fehlt es den Persern häufig an geeig- die Nomaden ihre Teppiche meistens auf dem Boden
neten Vorbildern zur Weiterentwickelung ihrer Ge- knüpfen und sich nur vereinzelt des aufrecht-
werbe. stehenden Rahmens bedienen, wird dieser von

Die vornehmsten Erzeugnisse persischen Gewerbe- dem sesshaften Gewerbe fast ausschliesslich benutzt.
fleisses waren von jeher die Produkte der Teppich- Bei dem sesshaften Teppichgewerbe muss man auch
knüpferei, der Kunstweberei, Lackmalereien, Metall- wiederum zwei Kategorien unterscheiden, und zwar das
arbeiten usw. Von allem diesen ist aber in auch nur Hausgewerbe (Heimarbeit) und den Werkstättenbetrieb.
annähernder Güte und künstlerischer Ausführung heut- Die Heimarbeit wird im ganzen Lande fast aus-
zutage nichts mehr zu finden. An der verhältnis- schliesslich von Frauen ausgeübt; ebenso wie bei
mässigen Minderwertigkeit der neuen kunst- den Nomaden nur Frauen knüpfen. In der Werkstätten-
gewerblichen Erzeugnisse, zum Beispiel der Tep- arbeit wird aber mit wenigen Ausnahmen die Arbeit
piche, sind aber nicht nur die Perser, die, wenn von Knaben und Männern verrichtet, wie zum Bei-
Sie in der materiellen Lage sind, sich noch am ehesten Spiel in ganz Chorassan, Kirman und Aserbeidschan;
bereit zeigen, einen dem Arbeits- und Kunstwert an- Sultanabad aber, der Sitz des ursprünglich
gemessenen Preis anzulegen, sondern vor allen Dingen Schweizerischen, seit langen Jahren in englische Hände
die europäischen und amerikanischen Verbraucher übergegangenen weltberühmten Teppichunternehmens
dieser Erzeugnisse schuld. Mit Ausnahme letzterer, der Firma Ziegler &amp; Co., macht eine Ausnahme, Dort
die ebenfalls hohe Preise zahlen, wird von den Auf- werden auch, allerdings in getrennten, in Privathäusern
traggebern besonders auf Billigkeit gesehen und befindlichen Werkstätten, Frauen und Mädchen be-
werden dem jeweiligen Geschmack ihres eigenen Mark- Schältigt. | : .
tes entsprechende Muster, die häufig viel mehr Die Preise der Teppiche sind ganz verschieden,
europäischen als orientalischen Cha- Die billigste Ware wird wohl in Kurdistan, Luristan
rakter aufweisen, vorgeschrieben. und auch in Sultanabad hergestellt. Die besten und

teuersten Stücke kommen N DCRO ascha TE ‚Ki N man
i 3 G : und Duruksch in Süd-Chorassan, aber auch Tä-
Die Toppichknüpferei. bris liefert seit einigen Jahren vorzügliche Qualitäten.

Obwohl fast nirgends fabrikmässig, ist doch die Die Preise schwanken je nach dem Absatz und der
im ganzen Lande verbreitete Teppichknüpferei Güte ganz beträchtlich. Es finden sich Stücke bis zu
beinahe überall dazu übergegangen, für den Export 300 Mk. pro Quadratmeter. Man findet aber auch be-
zu arbeiten. Die wichtigsten Teppichgebiete sind: reits haltbare und solide Ware zu 10 Mk. pro Qua-
Chorassan, Aserbeidschan, Ferghana dratmeter. Gerade bei den Preisen der besseren Ware
mit. Sultan Abbas, Kaschan, Kirman, spielt. die Aufnahmefähigkeit der Märkte eine grosse

Fars und Kurdistan. Rolle. Zur Zeit der wirtschaftlichen Krisis in
Amerika blieb dieser beste Käufer guter, persischer
*) Nach deutsch-amtlichen Materialien. Teppiche aus, und die Folge davon war, dass die
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        115 Die bedeutenderen Gewerbezweige Persiens. 116
Teppichpreise um etwa 20 bis 25 % sanken, was bei Birdschand und Mesched gewebt, und zwar meist
einer so hochwertigen Ware eine ganz beträchtliche in einer hervorragenden Güte und Qualität. Sie finden
Summe ausmacht. hauptsächlich zu einem mantelartigen Ueberwurf (der

In Yezd und Umsesend wird eine Art grober 2ueh manchmal in anderen Stoffen gefertigt wird), den
Baumwollteppiche gemacht, die zur Bodelbekoung Jast jeder Perser benutzt, Anwendung.
such Yon, minder Beinen erweret werte inet. Dis Material für die Webereien wurde früter
es x n hauptsächlich in Persien selbst hergestellt, während es
NO Hl h X Pa N Or GE nn vn Dur ES heute, wenigstens soweit es sich um die feineren zur
N edles m em und _Ginsboden weich und warm zu Weberei benötigten Baumwollgarne handelt, aus In-
SCEEKCH ZN dien oder Europa bezogen wird. Indien hat
Kelim: In Schuschter werden Kelims in CInem jn neuerer Zeit den englischen Herkünften den Rang
ganz charakteristischen Muster und immer in ‚wieder- abgelaufen... Wolle kommt sowohl zur Stoffweberei
kehrenden Farben, meist rot, grün und weiss auf- als auch zur Teppichfabrikation hauptsächlich aus
weisend, gewebt. Die Heimat schöner Kelims aber ist En gland. Die Seide aber wird fast ausnahmslos
Kurdistan, und zwar in allererster Reihe aus eigenem Produkt und nur ausnahmsweise mit
Sinneh, einige Tagereisen nördlich von Kerman- chinesischem Material hergestellt.
schah gelegen. Die dort gefertigten Kelims sind ;
nicht, wie die türkischen zweiteili g , sondern Die Kattunweberei , die vorzügliche Quali-
im allgemeinen aus einem Stück gefertigt. Am täten fertigte und mit originellen Mustern bedruckt war,
bekanntesten sind die in einer Grösse von ungefähr jst fast ganz eingeschlafen, seitdem Manchester seine
1,20 zu 1,80 m gefertigten, als Gebetdecke gedachten billige Ware auf den persischen Markt geworfen hat.
Kelims, die aber infolge ihrer Weichheit, Schmiegsam-
keit und Dünnheit zu allen möglichen Dingen Verwen- Ihren alten Ruhm, aber nicht ihre alten vorzüg-
dung finden und ein beliebter Exportartikel geworden lichen Qualitäten haben sich die Kirman-Shawls
sind. Diese Kelims in gröberer, grösserer Ausführung bewahrt. Zu dem guten Anzuge des Persers gehört
werden in Kurdistan vielfach auch als Fussbodenbelag dieser Leibshawl, der teils aus Seide oder Halbseide,
hergestellt und erreichen dann eine Grösse von etwa vorzüglich aber aus feiner Wolle, oft Kaschmir, ge-
2 bis 2% m Breite zu 3 bis 4 m Länge. Das grösste fertigt ist und seinen Rändern mit einer bunten, meist
Stück, das seit Jahren aufgetaucht ist und für das Palmettenmuster zeigenden Handstickerei verziert ist.
Prunkzelt eines kurdischen Stammesoberhaupts gefertigt Solche Shawls, ohne Stickerei, in einfacher Ausführung,
war, mass 4 zu 8 m. gibt es schon für 8 bis 30 Mk., je nach den Stoffen.
Schon der mittelbegüterte Perser trägt häufig einen
Weberei. solchen im Werte von etwa 60 bis 200 Mk., und Stücke
Weniger für den Weltmarkt in Erscheinung tretend, von 500 bis S00 Mk. sind keine Seltenheit. Es gibt
aber doch von einer grossen Bedeutung ist die auch solche bis in die Tausende hinein. Kirman ist
Weberei Persiens. Zwar zeigt sie von allen Ge- überhaupt der Platz für feine Handar be ite n,
werben den merklichsten Rückgang, sowohl in Applika ti onen usw., aber fast ausschliesslich in
der Qualität des verwendeten Materials, als auch in der bunter Ausführung.
Güte der Ausführung und der Muster. Das erstere ist eine
Folge des sinkenden Wohlstandes, das letztere hängt mit Spinnerei .
dem immer stärkeren und weiteren Vordringen europä- Ein für die ganze Weberei ; :
ischer Kleidung und damit europäischer Stoffe und Muster wichtiges N Nelenze Werne ist die sn i EEE
zusammen. Das Zentrum der Stoffweberei ist Yezd. fast ausschliesslich im Heim betrieb, und zwar
Dann kommen Kirman, Mesched und für feinere überwiegend als Nebenbeschäftigung der
Stoffe auch Kaschan in Betracht. Die geferügten Frauen und auch der Männer in den Wintermonaten
Stoffe sind mannigfacher Art. Man webt ganz seidene ausgeübt wird.
Stoffe, die aber selten „unie“, sondern meistens ge-
streift oder geflammt sind. Die früher in hoher Blüte Auf dem Gebiete der Spinnerei liegt in Persien
befindliche Brokatwebe rei, die man vielfach noch ein weites, fruchtbares Feld für eine moderne, ge-
mit echtem Gold und Silber webte, ist so gut wie ganz werbliche oder industrielle Betätigung vor. Das
erloschen, kommt aber hier und da in Kaschan Material dazu, Baumwolle und Wolle, deren erstere
noch vor. Halbseidene Stoffe werden in grösserer jetzt meistens nach Russland exportiert wird und als
Zahl in. Yezd und Mesched gefertigt. Wollene Stoff veredelt zurückkommt, sind beide in entsprechen-
Stoffe werden ebenfalls in Yezd , dann aber auch in der Qualität im Lande ausreichend vorhanden.
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        117 Die bedeutenderen Gewerbezweige Persiens. 118
Färberei. variieren die ersteren zwischen 2 bis 4 Farben, die
Sehr im argen liegt ein weiteres Hilisgewerbe, jetzteren sogar in 6 bis 7 Farben.
nämlich die Färberei. Während bis vor wenigen Die Hut- u. Mützen-Fabrikation.
Jahrzehnten die persischen Farben, reine Naturfarben Zu erwähnen sind dann noch die Hutmacher
von ausgezeichneter Qualität und Halt- persiens. Der Perser trägt ausser der Lammfell-
barkeit waren, ist jetzt nahezu das Gegenteil ‚„„ütze in den meisten Gegenden eine aus Filz her-
der Fall. Die umständliche, auch nicht billige Berei- gestellte „Koläh-e nemedi“, die mit Ausnahme der nord-
tung der Naturfarben erhielt in den Anilinfarben einen westlichen und am Kaspischen Meere gelegenen Pro-
verderblichen Konkurrenten. Obwohl seit Jahren die \;7en fast ausschliesslich von der grossen Menge der
Einfuhr solcher Farben streng verboten und Bayölkerung getragen wird, während die Lammfell-
mit der Vernichtung bedroht ist, bietet man doch in ‚;itzen nur von den wohlhabenden und höhergestellten
fast allen Bazaren ungeniert die Farbpakete und Farb- %1assen im Nordwesten benutzt werden. Je nach der
büchsen aus und verkauft sie mit gutem Erfolge. Da Gegend und häufig auch nach Beruf in einer Mannig-
aber die Mehrzahl der Färber nicht versteht diese 1{iokeit, wie man sie in Europa nicht grösser haben
Farben richtig anzuwenden, und besonders die No- any sowohl was Form, Farbe und Güte anbetrifft
maden mit derartigen modernen Produkten nicht um- wird diese Koläh hergestellt, während im Nordosten
gehen können, so sind die in Persien gefertigten Textil- ne kleine, meist schwarze Form bevorzugt wird, ver-
fabrikate in dem letzten Jahrzehnt schlecht und wenig grössert sich die Höhe des Kolähs nach Süden. und
haltbar gefärbt. Die meisten Färbereien befinden sich Westen zusehends, und zwar ist der Deckel meist auf
naturgemäss in denjenigen Gegenden, wo Teppich- gen hohen Hüten bedeutend weiter als die Kopföffnung
knüpferei bezw. Weberei getrieben wird. Besonders gem Hut eine komische Form gebend. Je nach der
zahlreich sind sie daher in Mesched, Schiras, Sultan- Gegend sind die Seitenwände geradlinig, rund oder
abad, Täbris, Kirman, Yezd, Isfahan, Hamadan, Sinneh ya] gewölbt. Während der Schiraser schwarz bevor-
und Birdschand. Natürlich finden sich auch in den „9% liebt es der Bachtiare, eine weisse Koläh aufzu-
übrigen Gegenden mehr oder ea Ze HET setzen. Andere Gegenden bevorzugen braun oder grau-
bereiwerkstätten, und zwar meist Indigofärber. -aun, Die Landbevölkerung trägt mit Vorliebe kleine,
Die Kattundruckerei. runde, halbkugelförmige Kolähs und meist in der prak-
Die Kattundruckerei hat in früheren tischen graubraunen, den Staub und Schmutz wenig
Jahren in Persien eine grosse Ausdehnung gehabt, und zeigenden Farbe.
auch heute wird sie noch in nicht unbedeutendem Um- Diese Kopfbedeckungen werden im ganzen Lande
fang ausgeübt. Das Zentrum für Kattundruckerei war in grosser Zahl für billiges Geld aus einer ganz ge-
von jeher Isfahan, wo sich auch heute noch die Wöhnlichen Filzmasse hergestellt. Der Umfang
grösste Anzahl Meister befindet. Ausserdem wird, dieser meist recht grossen umständlich zu verpackenden
aber nur wenig, auch in Kirman, Yezd, Schiras und Kopfbedeckung ist ein bedeutendes Hindernis für die
Hamadan, vereinzelt auch in anderen Städten, gedruckt. europäische Industrie, mit der einheimischen zu kon-
Es handelt sich ausschliesslich um Handdruck, dessen kurrieren. .
mühselige Arbeit mittels grosser Holzstempel ausge- Die Gerberei.
führt wird. In vielen Fällen handelt es sich um einen Ein Gewerbe, welches in ganz Persien seit alters
einfarbigen, in weisser, hellgelber, grüngelber oder in her, trotzdem aber im allgemeinen nur in einer mangel-
ähnlichen Farben gehaltenen leichten Musselinstoff mit haften Weise ausgeübt wird, ist die Gerberei. In
schwarzem Ornamentaufdruck, der für Kopf- und Bade- erster Reihe handelt es sich um Schaffelle, weniger um
tücher usw. verwendet wird. In zweiter Reihe handelt es Ziegenfelle und in bestimmten Gegenden um Rind- und
sich für Tür-, Fenstervorhänge, Wandbekleidungen usw. Büffelfelle. Die Verarbeitung ist eine recht primitive
um lange, mehr oder minder feine Baumwollstoffbahnen, und im allgemeinen nicht ausreichende. Die Gerbung
die in Buntdruck, meist auch auf weissem Grunde, in ist nicht genügend durchgeführt, und lässt in dem
den verschiedenartigsten Variationen das ty pischste Leder noch zu viele zersetzende Bestandteile zurück,
Persermuster, die Palmette, zeigen, häufig mit welche dessen vorzeitige Zerstörung bewirken.
einem grossen Blatt im Mittelfeld und einer kleinen Von allen Plätzen Persiens wird am besten noch
Palmette in der Bordüre, die oben und unten noch in Hamadan gegerbt. Dort werden die Häute der
häufig durch ein besonderes Querfeld verstärkt wird. umliegenden Gebiete sogar viele Tagereisen weit ge-
Verhältnismässig weniger und, wie man sagt, stark ab- sammelt und in verhältnismässig gut eingerichteten,
nehmend werden Darstellungen der persischen Ge- allerdings ebenfalls primitiv! arbeitenden Gerbereien
schichte in recht naiven und bunten Formen gedruckt. veredelt, und zwar in allererster Reihe Rinderhäute,
Die beiden letzterwähnten Arten sind vielfarbig, und _Ziegen- und Schaffelle, weniger Büffelhäute. Das in
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        119 Die bedeutenderen Gewerbezweige Persiens. 120°
Hamadan für Rindleder gebräuchliche Gerbverfahren und fest aneinander gepressten, schliesslich sohlen-
ist folgendes: förmig geschnittenen Zeugabfällen besteht. Diese ausser-

Die Häute werden an der Sonne völlig getrocknet ordentlich zweckmässigen, dem heissen, trockenen
und dann, nachdem sie zwei Tage in Salzwasser ein- Klima, welches die Fusshaut leicht brennen lässt, an-
geweicht sind, in eine Gerstenmehllauge zum Lockern gepassten Schuhe, lassen ledernes Schuhzeug vollkommen
der Haarzellen für etwa 8 Tage getan, hierauf wird zurücktreten und nur für die kalte Jahreszeit oder nasse
die Fleisch- und Haarseite abgeschabt und die Felle Witterung zur Benutzung kommen.
werden in die zweite Salzlauge gebracht, wo sie etwa Es muss hierbei eingeschaltet werden, dass der
2 bis 3 Tage verbleiben. Nachdem sie dann glücklich bessere Perser in den Städten und besonders den Hafen-
ausgewaschen sind, kommen sie auf eine Woche in eine plätzen, namentlich wenn er sich in der Oeffentlichkeit
Galläpfellauge. Dann werden sie getrocknet, mit zeigt, ledernes Schuhwerk in europäischer Form zu
heissem Talg getränkt und wiederum im Freien ge- tragen vorzieht.
trocknet. Schliesslich werden die Felle noch einmal ins
Wasser gelegt und gestampft. Man lässt sie dann ; = : Z : i
halbtrocken werden, spaltet sie und färbt bei den Die Gold- u. Silber Vorarbeit MS u. SONS
meisten Fellen die Haarseite gelblichbraun. Nach einer Metall-Industrie,
nochmaligen Wäsche wird das Leder dann getrocknet Die Gold- und Silberschmiedekunst
und mit einem polierten Stein geglättet. Büffelhäute Persiens hat ebenfalls in den letzten Jahren einen ganz
werden, mit Ausnahme der Färbung, auf die gleiche bedeutenden Rückgang aufzuweisen. Während
Weise verarbeitet. Früher, wie man noch jetzt an alten Geschmeiden be-

In grossem Umfange werden auch in Hamadan wundern kann, dieses Gewerbe auf einer hohen Ent-
bessere Sorten Saffianleder, die meistens gelb, wicklungsstufe angelangt war, zeigen die Erzeugnisse
grün oder rot gefärbt werden, hergestellt. Sie werden der Goldschmiedekunst im allgemeinen heute Stillosig-
weit ins Land hinein, ja bis nach Turkistan usw., ver- keit und ungefällige Formen.
schickt. Da infolge der Gewohnheit des Landes Messer

Die früher bedeutende Ausfuhr von Lammfellen ist und Gabel zum Speisen nicht nötig sind, fällt ein
seit Anfang 1909 endgültig und strengstens verboten. grosser Teil der bei uns üblichen Gold- und Silber-
Die lederverarbeitenden Gewerbe waren fort. Nur kleine Löffel aus Gold und Silber
sind in Persien überaus zahlreich. Dies hängt mit dem für Tee, Fruchtmus usw. werden von den Reichen
relativ grossen Bedarf an Riemenzeug und ähnlichen benutzt. Die Masse der Gold- und Silberwaren besteht
Gegenständen zusammen. Da der Verkehr ausschliess- aus Schmuckgegenständen für Männer und Frauen,
lich, soweit er nicht durch Fussmärsche bewerkstelligt sowie in besonders grossem Umfang aus Talismanen,
wird, auf den Tiertransport angewiesen ist, stellt sich Amuletten, Pilgerandenken usw. Auf dem Lande werden
der Verbrauch von Sattelzeug, Riemenzeug für die Last- fast nur Silberringe und meistens Silberschmuckgegen-
und Reittiere ziemlich hoch. 8 stände des geringen Wohlstandes der Bevölkerung
In grosser Anzahl werden auch kleine Beutelchen, wegen getragen, wie der Perser selbst Silber für sich
Pistolen- und Gewehrfutterale usw. angefertigt. bevorzugt. Gold tragen im allgemeinen nur die Frauen
E " n als Kopfputz, Armbänder und Fussringe. Sehr ver-
Die Fußbekleidungs-Industrie. breitet ist das Tragen von Amuletten. Zu Ringen be-
Auffallend gering ist in vielen Gegenden der Leder- nutzt man sehr viel die in Persien gefundenen Tür-
schuh bezw. -Stiefel vertreten und mit Ausnahme der ki sen, die meist in Silber A jour gefasst werden. In
Städte, wo zum Teile recht elegantes, auch euro- grossem Umfange verwendet man zu deren Fassung
päisches Schuhwerk gefertigt wird, und namentlich auch Bronze, und. zwar werden besonders diese
im Norden, wo schweres Rindleder zu ganz hacken- Bronzeringe ausserordentlich hoch ä jour gefasst.
losem groben Schuhwerk Verwendung findet, wird von Neben Türkisen kommen Rubinen, weniger Smaragden,
der grossen Masse des Volkes, wenigstens während und ziemlich selten Diamanten zur Verwendung. Der
der langen Trockenzeit, eine ebenso eigenartige, wie Wohlstand ist dort im allgemeinen viel zu gering, um
praktische Fussbekleidung aus Zeug verwendet, die auf kostbare, schwer veräusserbare Juwelen anzukaufen.
Reisen und im häuslichen Gebrauche vielfach auch von Man liebt es, ganz aus Silber oder Gold gefertigte
Europäern benutzt wird. Es sind dies Pan- Schmuckgegenstände zu erstehen, die zu ihrem Metall-
toffel, deren Blatt und Oberteil aus einem aus werte dann augenblicklich veräusserbar sind.
Baumwolle, zäh und doch elastisch gewirkten, halt- Im allgemeinen hat aber das persische Gewerbe
baren Stoff gefertigt ist, und deren Sohle aus zum durch die Europäer bisher merkwürdig wenig
Boden senkrechtstehenden, quer zur Fussrichtung an- Konkurrenz erhalten. Erst seit einigen Jahren nimmt
geordneten, auf Drähten oder Bindfaden aufgereihten auf den Bazaren im Nordwesten Persiens, also haupt-
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        127 Die bedeutenderen Gewerbezweige Persiens. 122
sächlich in Teheran, Täbris usw. europäische Ware die schicklichkeit verstehen sie Hirsche, Hasen und vor-
Konkurrenz auf. Da Nh N RER SEE AS Höhe von ungefähr 30 cm aus

ehämmertem Sta arzustellen. i -
In Teheran und Täbris selbst findet man auch zum der mattpoliert und Nr N ußS en Ei var
grössten Teil in Europa, teilweise aber auch in Tehe- reich mit Gold oder Silber verziert, und zwar in
ran selbst gefertigte, überaus kostbare, meist üÜber- ger Weise, dass man einen feinen Gold- oder Silber-
ladene, mit Juwelen verzierte Gegenstände. Allein in dgraht auf die zu verzierende Fläche in den entsprechend
Schiras hat sich seit längerer Zeit ein besonderer oewiinschten Linien auflegt und aufhämmert. Später
Zweig der Silberschmiedekunst erhalten. Eine Anzahl wird dann der ganze Gegenstand erhitzt, wodurch
Meister fertigt aus alten, hochwertigen Silber- das Gold oder Silber fest mit der Stahlfläche ver -
kranen (die persische Münze) Vasen für Blumen, v1unden wird. Vasen, Spiegelrahmen, Derwisch-
Teller, Tabletts, Kaffee- und Teeservice, Löffel, Feder- S}äpe und -Beile usw. werden in derselben Weise gern
halter, Rauchservice, Spazier- und Schirmstockgriffe, verziert und die Zwischenräume kunstvoll punziert.
Pfeifenstücke, Streichholzschachteln usw. Es ist dies eine ;
punzierte Reliefarbeit, die fast ausschliesslich Werkzeuge und Waffen: Eine ausSer-

Vorbilder der alten Xerxes-Stadt Persepolis, Tacht-i-Jem- ordentliche Fertigkeit besitzt der Perser in der Her-
schid genannt, wonach auch diese Kunst ihren Namen stellung von Schneidewaren, Scheren und namentlich
Tacht-i-Jemschid-Arbeit erhalten hat, benutzt. Die Messer stellt er in einer recht guten, haltbaren Qualität
Arbeiten sind zum Teile sehr gefällig, ausserordentlich !M den verschiedensten Ausführungen her.
sorgfältig ausgeführt, und werden zu relativ billigen Auffallend ist die Fähigkeit, moderne euro-
Preisen (4,6 g zu 70 Pf.), die die mühevolle Arbeit päische Gewehre ganz exakt nachzuahmen. Namentlich
ziemlich. gering entlohnen, verkauft. Isfahan hat sich Schiras, weniger Isfahan, sind dafür bekannt. Mehr-
bemüht, diese Arbeiten nachzumachen, ohne jedoch fach finden sich in Persien gefertigte Martini- und
die Qualität und den Ruf der Schiraser zu erreichen. T[ebelgewehre, ja, man soll sogar Mausergewehre nach-
Mit grossem Erfolge fertigt es aber die in Schiras nicht ahmen. Wenn aber auch der Mechanismus und das
hergestellten Silbergravierungen, und zwar Aeussere dieser Gewehre den europäischen vollkommen
ebenfalls Vasen, Tabakdosen, Bilderrahmen usw. an. ähneln, so dürfte doch die Leistung des Laufes eine
Isfahan ist überhaupt die Stadt der kunstvollen Gra- mangelhafte sein und in der Präzision denen der Ori-
vierungen. Ganz besonders für Gravierungen bekannt gjnalerzeugnisse in keiner Weise gleichkommen. Dies
sind seine Messingarbeiten. Alle möglichen st aber ein für den Perser wenig empfindlicher
Gebrauchs- und Schmuckgegenstände werden mit dieser \Uebelstand, da sie auf eine grosse Tragweite keinen
Arbeit, deren Qualität aber ausserordentlich verschieden grossen Wert legen und, was die Treiffsicherheit anbe-
ist, verziert. Besonders bekannt auch in Europa sind trifft, nicht verwöhnt sind, sondern in meist nur ziem-
die grossen Messingtabletten, die mit eigen- lich geringen Entfernungen zu schiessen pflegen.
artigen, zum Teile sehr kunstvollen Mustern bedeckt NE s - e
sind. Ebenso werden vielfach Vasen und Schalen auf Sehr verbreitet in Persien sind die Kupfer-
diese Weise geschmückt. schmiede. Fast in jedem Bazare finden „sich be-

sondere, nur von ihnen bewohnte Strassen, in denen

Die Arbeit wird auf ziemlich primitive Weise aus- es von ohrenbetäubendem Lärm dieser Verfertiger der
geführt. Die Messingbleche werden in die entsprechen- wichtigsten Geräte jedes persischen Haushaltes, des
den Formen gehämmert und gedreht und die Umrisse Kupferkessels und der kupfernen Wasserkanne, wider-
des Musters in groben Zügen freihändig und hallt.
ohne Mass auf die zu schmückende Fläche verteilt. Mit grossem Geschick versteht man die verschieden-
Nachdem das Muster nun auf den Gegenstand gebracht artigsten Gegenstände aus Kupfer und in Verbindung
ist, graviert der Arbeiter auch die schwierigsten Muster von Kupfer und Messing zu fertigen. In einzelnen
und geometrischen Figuren aus freier Hand und (Gegenden werden Sa mo wars (russische Teemaschi-
ohne Vorlage, da es sich meistens für jeden Arbeiter nen), Lampen und andere Gegenstände in einer
nur um eine bestimmte Anzahl ihm vertrauter Muster, Weise hergestellt, wie sie an Dauerhaftigkeit von der
die ihm völlig geläufig sind, handelt. importierten Ware nicht übertroffen werden können.

In ähnlicher Weise werden auch Stahlarbei- In verschiedenen Städten, so zum Beispiel in Tehe-
ten, dem spröderen und schwerer zu handhabenden ran und Isfahan, werden Zinkgussarbeiten
Material entsprechend gröber, in hübscher Form gra- in einer verhältnismässig grossen Vollendung den euro-
viert und die Zwischenräume dann punziert. Die päischen Produkten täuschend nachgeahmt, und zwar
Perser haben eine Vorliebe für aus Stahl getriebene fertigt man hauptsächlich Lampenfüsse, Schalen, Vasen
Tiergestalten, Früchte usw., mit einer grossen Ge- sowie Verzierungen daraus.
        <pb n="72" />
        423 a Die bedeutenderen Gewerbezweige Persiens. 124
Die Pfeifen-Industrie. sagt, im allgemeinen nur ein minderwertiges Erzeug-

Weit verbreitet ist auch die Herstellung von nis liefern können. Nur noch zwei bis drei Arbeiter
Pfeifen und Pfeifenzubehörteilen. Ist doch ein Perser rbeiten mit besonderer Liebe und grossem Fleiss an
ohne seinen Kalian (Wasserpfeife) kaum denkbar. Diese dem Kopieren alter, schöner Muster. Bir
Kalian werden aus verschiedenem Materiale hergestellt. ‚Die europäischen Imitationen, die namentlich in den
Bei den Prinzen und der hohen Geistlichkeit sind sie vielbegehrten Perser Federkästen aufkommen und aus
aus Gold und Silber, häufig mit feiner emaillierter Ar- ganz gewöhnlichem Material, das mit Abziehbildern
beit und Edelsteinen verziert. In den Wohnungen der beklebt und dann lackiert wird, bestehen, tragen noch
besseren Perser sind sie aus Porzellan, Kristall usw., Weiter zu dem Rückgange dieses Gewerbes bei.
während der einfache Mann sich mit einem aus ge- Matten- und Korbflechterei. Im Süden
wöhnlichem Ton hergestellten Gefäss begnügt. und Südwesten Persiens und namentlich in Bender

Auch die Köpfe dieser Kaliane, die bestimmt sind, Abbas und Mohammerah werden bedeutende Mengen
die Holzkohle und den Tabak zu tragen, werden ähn- Matten, teils zum Fussbodenbelag, teils zu Zeltwänden
lich wie die Wasserkörper aus verschiedenen Stoffen Und Türjalousien gefertigt. Bender Abbas versieht da-
hergestellt. Um einen Tonkern ist eine Hülle von mit einen grossen Teil des persischen Golfs, aber auch
Messing, Stahl, Silber, Kupfer usw., häufig mit mehr 1 den anderen Landesteilen fertigt und benutzt man
oder minder feiner Emaillearbeit versehen, gelegt. Ein derartige Matten. In Mohammerah fertigt man ausser
Vergleich älterer Stücke mit denen in den letzten Jahr- den Matten ganz bedeutende Mengen von Körben zur
zehnten gefertigten fällt aber ebenfalls zu ungunsten der Verpackung der zum Versande gelangenden Datteln.
ES Erzeugnisse dieses weit verbreiteten Gewerbes Die Konfitüren-Industrie.

Grosse Sorgfalt wird auf die Herstellung der durch- Zuckerbäcker. Wie alle Orientalen lieben
schnittlich 25 cm langen, dicken, walzenförmigen, meist uch die Perser die Süssigkeiten in ganz hervorragen-
aus Buxbaum oder ähnlichen Hölzern hergestellten “dem Masse, Aus dem Auslande kommen nur „BETSE
Pfeifenrohre verwendet, die kleine, meist gewöhnliche Mengen und dann auch nur nach den grösseren,
Porzellanpfeifenköpfe tragen, die zu der Stärke des hauptsächlich den nord- und nordwestlichen sowie
Rohres, welches meist kein eigentliches Mundstück be- Cinigen Golfplätzen. 3
sitzt, in keinem Verhältnisse stehen. Ausser Bonbons und verschiedenen Arten von

&gt; z Zuckerguss werden mit Vorliebe viel süsse Kuchen und

Verschiedene Kunstgewerbe. Törtchen verspeist. Der Verbrauch von Zucker ist in-

Zwei in früherer Zeit in hoher. Blüte befindliche /Ge- folgedessen ein ganz erheblicher, so dass er, ein Volks-
werbe, die heut ebenfalls einen auffälligen Verfall zeigen, nahrungsmittel im weitesten Sinne des Wortes ist, zu-
sind noch die Emaille- und Lackmalereien. mal, wenn man bedenkt, wieviel Zucker der Perser
Erstere wurden in früheren Zeiten in einer herrlichen, zum Versüssen seines Nationalgetränks, des Tees, be-
völlig durchgeflärbten, häufig noch durch Edelsteine unter- nötigt. Wie gross der Zuckerverbrauch von den Per-
brochenen Manier gefertigt. Isfahan war die Heimat _sern selbst geschätzt wird, geht aus einer Angabe ver-
dieser schönen Kunst. In grellem Gegensatze zu den schiedener Kaufleute in Mesched hervor, die den täg-
tiefen und reinen Farben der prächtigen, fehlerlosen lichen Zuckerverbrauch dieser Stadt, die allerdings einen
Glasur und der schönen, wenn auch oft naiven Malerei enormen Pilgerverkehr aufweist, auf 16 Tonnen Zucker
stehen die Machwerke der heutigen Fabrikation. Un- angibt.
reine, höckerige Glasur, schmutzige, ausgelaufene . e a.

Farben und flüchtige Kleckserei sind die Signatur der Die Herstellung von Wein u, Spirituosen.
neuzeitlichen Produkte. Weinkelterei und Destillationsge-

Ganz abgesehen von dem Verfalle der Malerei werbe. Obwohl der Koran den Muselmanen den
selbst, ergeht es in ähnlicher Weise der Lackmalerei. (Genuss von Wein verbietet und der Perser in der Aus-
Diese auf Papiermache, nach alten Historien gemalten, übung seiner Religion ziemlich fanatisch ist, huldigen
mit einem feinen geblichen Lack überzogenen Gegen- doch weite Kreise dem Genusse des Alkohols. In
stände, meist Buchdeckel, Schmuckkästen und Federbe- grösseren Städten ist der Absatz zumal an Kognak ein
hälter, werden zwar heute noch in grossem Umfange her- ganz bedeutender. In zweiter Reihe in geringem Um-
stellt, aber weder das Papiermache noch der Lack und fange liebt der vermögende Perser auch den Sekt, der
vor allen Dingen die Malerei können auch nur einen ebenso wie der Kognak zu zum Teil sehr hohen Preisen
annähernden Vergleich mit den alten Arbeiten, die mit abgesetzt wird. Im Lande selbst wird ein mehr oder
grosser Liebe und Sorgfalt hergestellt waren, aushalten. minder guter Landwein in den verschiedenen Gegenden

In Isfahan und Hamadan beschäftigen sich eine gekeltert. Am berühmtesten ist der Wein von Schiras,
Anzahl Meister mit diesen Malereien, die aber, wie ge- an zweiter Reihe kommt der von Chorassan, dann Ha-
        <pb n="73" />
        125 Die bedeutenderen Gewerbezweige Persiens, 126
madan, Täbris und einige andere. Der persische Wein althergebrachte einfache Apparate. Etwas moderner
hält sich im allgemeinen nicht gut auf den Flaschen und sind die Seidenspinnereien in Rescht, während
wird auf diesen leicht sauer und trübe. Nach sach- die in Mesched und Kuschan ziemlich primitiv sind.
kundiger Auskunft verträgt er einen weiteren Transport Ebenso sind die Baumwollentkernan-
im allgemeinen nicht. Ob dieses num an der Art oder stalten auf einfache Geräte angewiesen; allein das
an der mangelhaften Kelterung liegt, muss dahingestellt Unternehmen in Türschis arbeitet mit elektrischer Kraft
bleiben. Mit der Kelterung beschäftigen sich haupt- und modernen Maschinen. Die anderen gewöhnlichen
sächlich, wie in Schiras, Juden oder Armenier, hin und Entkernungsanstalten befinden sich in Sebzewar (2),
wieder aber auch Perser. Im Norden, wo sich der _DNischapur (3), Barferusch (3) usw.
russische Einfluss stark geltend macht, trinkt man gern Ausserordentlich wichtig für den weiten Transport
Wodka, der von den Reschtern in einer ziemlich von Wolle und Baumwolle sind zur Verminderung des
minderwertigen Qualität nachgemacht und in bedeuten- Volumens und der dadurch bedingten Erhöhung der
den Quantitäten auf den nordpersischen Märkten ver- Transportfähigkeit die Woll- und Baumwoll-
kauft wird. Wodka ist nicht das einzige Getränk, pressen. Allerdings gibt es davon nur sehr wenige
welches imitiert wird, sondern auch der Kognak wird im ganzen Lande, so in Mesched, in Turbet-i-Haidari
an verschiedenen Orten in grossem Umfange herge- und einigen anderen Orten, auch in Ahwaz sollte eine
stellt und teils als eigene, teils als Importware ver- solche von der Lynch Company installiert werden. Die
kauft, und zwar wird in erster Linie der relativ billige Pressen arbeiten mit Handbetrieb.
indische Kognak imitiert. Hauptsächlich auf dem ganzen Gebiete der Manu-

. . fakturerzeugung hätten Hilfsmaschinen und -geräte usw.
Verschiedene sonstige Gewerbe. am meisten Aussicht auf lohnenden zunehmenden
Verschiedenegewerbliche Anlagen. Absatz. . .

Der gewerblichen Entwickelung entsprechend sind auch Von den übrigen Gewerben tritt keines über seine
die mechanischen Anlagen und Hilfsmittel gering und lokale Bedeutung hervor und braucht daher nicht be-
primitiv. Fast durchweg benutzt man Handbetrieb und sonders erwähnt zu werden,

Mineralschätze.

Persien ist reich an Mineralien, besonders an
Eisen, Blei, Kupfer, Antimon, Quecksilber, Marmor,
Salpeter, Kochsalz, Schwefel, Naphtha und Türkisen
(bei Nischapur). Besonders vielversprechend sind die
Na ph ta -Vorkommen am Karunflusse, der sich in
den Schatt-el- Arab ergiesst.*) Eine irgendwie
nennenswerte Ausbeutung all dieser Mineralvorkommen
findet nicht statt, könnte aber dem Lande grosse
Einnahmen verschaffen.

*) Nach neueren Mitteilungen sollen bei Betune, etwa 80 km
südöstlich von Achwaz reiche Quellen guten Petroleums erbohrt
worden sein, zu deren Ausbeutung sich bereits einige der be-
deutendsten Petroleum-Firmen der Welt zusammengetan haben

——— Davis Trietsch, Handbuch über Marokko und Persien. — 5 ——
        <pb n="74" />
        127 Der Handel Persiens. 128
Der Handel Persiens.

(Bei den statistischen Ausweisen über den Handel

Persiens ist wohl zu beachten, dass die Herkunft der

Güter nach Ländern nicht zuverlässig angegeben

werden kann. Der Haupthandel vollzieht sich über Russ-

land, die Türkei und Indien und wird oft als russisch,

türkisch und englisch angegeben, auch wo es sich um

ursprüngliche Provenienzen anderer Länder handelt.)

Anteil der verschiedenen Länder am Handel Persiens.
- an EN LUNT = 7 ———— A111 S TUN T sn. mm ern
Herkunfts- u. 1906/07 1907/08 1908/9 1906/07 1907/08 1908/9
Bestimmungsländer Kran Kran
Afghanistan. . .. 6 329 743 4326 114 3.116 258 4 616 703 3 624 918 2 745 922
Deutschland: . 8 334 947 7110 946 5777812 1514312 1417 343 532 159
Österr.-Ungarn . . . ... 14930625 4817975 3628831 28 741 2450 14 662
Belgien 1 Dal 1.104 106 2.032 996 3 608 524 179.092 430 037 521913
China. N nu 1.208 092 407 009 324 804 6 459 975 2.958 396 6 693 780
Ägypten fi 52 555 3.274 2145 2180 702 1.242 342 873 422
Vereinigte Staaten von
Anleika 559 408 164 371 246 815 31301835 1550619 194 340
Großbritannien . . . . . 87044025 111034918 100 566 909 15550992 20016008 17436106
Britisch-Indien .-.. 45257986 58030434 48247 184 21078106 16562430 16553 328
Zus. Br. Reich. .. . . . 132802011 169065352 148814098 36629098 36578438 33989 434
Frankreich und Kolonien . 23864 086 9965970 12669976 13963396 10915917 4 682 724
Griechenland. 22 1.100 180 -_ 720 65 136
Hallen © En 3 504 973 2.996 510 1.079 966 1955 13198422 6 335 525
Japan a am 11 263 12.165 1505 2.000 = —
Niederlande und Kolonien 1.848 707 1112 163 521 421 171363 148 490 32 410
Rußland . . ... . . 222403750 191171879 178817 144 225379668 202 661562 229817373
Schweden. zn 413 990 56 089 8070 = 815 =
SCHWEIZ 11278376 797 007 353 644 67513 43 544 67 224
Türkei ,.. .!. 7.50 13027466 11863914 11.848 453 59034079 39234800 37389731
Oman (Maskat) . . 2481 258 1.607 480 = 3.063 229 2 359 977
Zusammen (einschließlich ;
anderer Länder) . . . 431039773 408434263 372484 073 353 376 841 317080682 326 206 999
        <pb n="75" />
        129 Ausfuhr Persiens nach Artikeln. 130 :
Ausfuhr Persiens nach Artikeln.
Ausfuhrartikel Persiens (Werte: in Kran) 1906/7 1907/8 1908/9

Lebende Tiere aller Art 5616412 ‚, 6 593 838 ] 7791 900
Bauholz: + 2 248 276 2022188 1 884 500
Reis . 25 517 851 24 000 438 28 754 000
Andere Cerealien . . +. - - an 3 102 522 7 982 304 4 651 000
Frische und getrocknete Früchte De 55 029 648 46 332 4038 46 710 800
Frische und gesalzene Fische . ra 30 141 342 22 511 623 19 289 400
Fischkonserven einschl. Kaviar . A a ; 2.032 648 2.076 555 2 239 700
Tee... un U 1.012 700 972 601 660 700
Drogen. 2 N ee E 2413 060 2359 515 1 728 500
Gummi Se . Br 15 888 855 9 628 246 10 293 500
Gold- und Silbermünzen N 17 291 261 15 105 566 37 459 400
Edelsteine. 24 ES 2 452 369 1.997 820 1 738 500
Rohe Baumwolle . . . ; 46 688 980 45 088 203 42 377 500
Baumwollengewebe . . . ee 4 878 485 3 762 997 2 624 800
Role Wolle. . 14 927 571 12078 311 10 386 800
Wollene Teppiche. . . . + =. 48 442 339 29 283 911 39 498 800
Reinwollene Gewebe. . . . DA Sa 2 524 968 2 336 137 1 460 500
Seidenkokons, Florettseide und ungekämmte Seidenabfälle ‚ . ı 12848 202 24 547 265 11 403 000
Rohseide, Seidenwatte und gekämmte Seidenabfälle. . . .. 4 219 640 2.057 926 2 554 700
Reinseidene Gewebe außer Florettseiden- und mit Gold oder

Silber durchwirkten Geweben. . . . ha 5 235 668 5175 882 4 060 800
Opium GE 14811505 | 16 920 292 14 381 400
Zugerichtete Häute . . . SC 4 610 845 5 551 620 4 555 600
Unbearbeiteter Tabak . . . . . „0 2.285 813 1818 723 1 613 600
Farben, nicht besonders genannt 3 Se 1.745 595 1879 134 =
Rohe Häute. ae ; ; 6174 700 5 924 600
Henneh 1424100 | 1 366 400
        <pb n="76" />
        131 Einfuhr Persiens nach Artikeln. 132
Einfuhr Persiens nach Artikeln.
Einfuhrartikel Persiens (Werte in Kran) 1906/7 1907/8 1908/9
Zündhölzer‘ ee A 3.883 825 2.337 650 2 041 800
Lebende Tiere aller Art . . 3 294 360 2512325 1 856 800
Bauholz ; 1 699 401 1 442 595 2107 300
Kerzen und Lichte . . Se 826 406 1117 554 929 500
Rei N ea w . 2827 758 3.155 010 5 124 300
Alle anderen Cerealien . ; 1.502 566 714 566 1.736 500
Mech ED sei 6418 262 5 984 042 2.978 200
Frische und getrocknete Früchte . 1.756 055 1557 244 1.982 200
Zucker in Broten . . .. ; 111 592 642 84 159 460 78 474 500
Puderzucker... Ss 16 776 320 14 460 687 13 323 500
Bee LE 17 029 413 27 691 865 21 954 700
Drogen A EB . 1.725 102 1 626 733 1.595 300
Pfeffer, Ragoutpulver, Piment, Senf, Zimmt. Muskatnüsse,
Gewürznelken ... 0 rn 2.759 976 3.125 931 3.040 200
Gummigaloschen und anderes Schuhwerk aus Kautschuk. . 1222 077 1.078 356 1343 900
Andere Bekleidungsstücke als Anzüge und Leibwäsche . 1531 224 1.030 069 724 200
Naphta in Tanks. . .. ; 3 525 414 3 451 462 3.168 000
Desgl. in Fässern. ... 5 3 842 931 2 366 340 3 658 600
Seidenkokons . . ee : N 2.788 609 3 308 285 2.935 800
Rohe tierische Stoffe, nicht besonders genannt”... 3.065 783 3 459 331 A
Eisen, Stahl, Gußeisen und Gußstahl in Ingots, Alteisen . 1194116 1471 210 866 100
Eisen und Stahl in Stangen und Platten . 3 454 944 2.902 793 2 763 400
Eisen- und Stahlwaren . . . 2. 2 623 289 1.676 797 1.973 600
Emaillierte und vernickelte Waren u. dgl. 2.067 251 995 761 922 600
Gold- und Silbermünzen . . .. 6 085 607 9052 100 5 428 400
Baumwollengamnn . . . .. 8 236 304 10241 811 7213 800
Baumwollengewebe . . . .. 143 705 890 148 672 149 128 677 600
Baumwollener Samt und Plüsch mE 1 604 133 1559 157 1.721 500
Robbe Wolle. a 5 060 612 3.105 657 1.201 600
Reinwollene Gewebe. . . .. A 10 851 566 5 298 210 2.979 400
Gemischte wollene Gewebe . . . #8 5 899 163 8 931 413 3 658 900
Leinen- und Hanfgarn 2 . 2 593 741 2.202 855 2 040 900
Leinen- und Hanigewebe 1.162 653 724 066 496 800
Reinseidene Gewebe (außer Florettseidenen sowie mit Gold
oder Silber durchwirkten Geweben) «m 1.362 402 564 033 565 200
Halbseidene Gewebe . . . .. . 0. © 3.773 455 2.232 970 1379 800
Kurz- und Quincailleriewaren . . .. 5 345 444 3.739 649 3 086 000
Gewöhnliches Druck- und Schreibpapier . 1218 318 1424 146 913 100
Bearbeitete Häute. . ...... na. 1.075 465 1386777 1.398 900
Lederwaren... ke 1.001 741 1175 987 803 600
Fayenze und Porzellan. . .. 1.831 986 1851111 1.407 800
Rohtabak. 2.036 469 1.965 690 1672 800
Indigo u. Kermez: 1 2 859 654 3851 611 2 424 800
Farben, nicht besonders genannt . .. 2.0.0... 1 434 060 904 291 840 400
Glaswaren außer Kristallwaren, Vasen, Phantasieartikel u. dgl. 1305 222 1124565 | 1.061 900
Spiegel. u“ 893 600 586 500
Rohe Häute . . rn WENN . 867 800 1 920 400
Schießpulver, Dynamit u. and. Sprengstoffe ‚ . ; 161 100 1.938 300
Schußwallen.. ee I A 99 600 1682 100
Zinn, Blei, Zink in Ingots, Platten usw. ... 0.0... 2.022 000 1.152 500
Kupfer, Nickel und ihre Verbindungen in Barren usw. . .. 1517 400 2 290 400
Silber, Gold und Platin in Ingots . . 9 937 900* 21 759 300
        <pb n="77" />
        133 Die deutsch-persischen Handelsbeziehungen. 134
Die deutsch-persischen Handelsbeziehungen.
Infolge der zügellosen politischen Lage Persiens Artikel 1906/07 1907/08
ist der gesamte Handel — Import und Export — des Textilwaren:
Landes gegen das Vorjahr zurückgegangen. Der Rück- Halbseidene Gewebe 2044 475 1145 385
gang scheint auf den ersten Blick nicht gar so gross Baumwoll-Samt und Plüsch 429 740 247 600
(etwa 5% in derEinfuhr und 10% in der Ausfuhr), Baumwollgewebe 661353 230654
aber wenn man die reguläre Z un ah me des Handels- _Reinwollene Gewebe 354243 203302
verkehrs in Betracht zieht, so dürfte der Ausfall wohl do. mit Baumw. gemischt 161 762 87 089
auf das Doppelte bis Dreifache zu veranschlagen sein. Zucker:
— Der Rückgang des deutschen Handels mit Zucker in Broten 2155775 1367 734
Persien erscheint jedenfalls angesichts der allgemeinen Sandzucker 466 446° 547 530
Lage nicht abnormal. x 5
S Es betrugen die Ausfuhr und Einfuhr Deutsch- D dere MANDATE 264127. 3062
lands (in Kran — ein Kran ==37 Pfennige): N NDTR N
Indigo*) und Kermez 107625 277100
. ; 1906/07 1907/08 Zündhölzer 157619 158 175
Einfuhr aus Persien 1514312 1417343 Lederwaren 85778 121531
Ausfuhr nach Persien 8334 947 7110946 Unechte Gold- und Silberfäden 42046 139 065
Dagegen betrugen die Gesamtziffern aller mit Wie man sieht, zeigen die letztgenannten Artikel
Persien Handel treibender Länder: eine Zunahme, die allerdings nicht hinreicht, den
S 1906/07 1907/08 grossen Ausfall in den wichtigeren, zuerst erwähnten
Einfuhr aus Persien 353376 841 317 080 682 wett zu machen. —
Ausfuhr nach Persien 431 039773 408 434 263 1 SON
Aus dieser Zusammenstellung wird gleichzeitig Interessant ist auch der- Anteil einiger anderer
klar, wie verhältnismässig noch gering der Anteil Länder am Aussenhandel Persiens. An erster Stelle
Deutschlands am Handel Persiens ist: unter den Aus- steht Ru ssland. Dieser Hauptnachbar Persiens ist
fuhrländern figuriert Deutschland mit nicht ganz 2%, an der Gesamteinfuhr Persiens mit ungefähr der
während die Einfuhr Deutschlands kaum %% des per- H älfte, an der Gesamtausfuhr sogar mit zwei
sischen Exports aufnimmt. Dritteln beteiligt! — Russland hat in beiden Kate-
Unter den deutschen Ausfuhrartikeln stehen die gorien im letzten Jahre einen Rückgang von 10—15%
Textilwaren an erster Stelle, wichtig ist auch be- zu verzeichnen gehabt.
sonders die Ausfuhr an Zucker. In Medika- In zweiter Linie ist England am Handel Per-
menten und Drogen ist der deutsche Export siens beteiligt.
ebenfalls nicht unerheblich. — Wir lassen die haupt- "777% Die Ei Hua anı KR
sächlichsten Ziffern folgen (Wert in Kran): zu Anita) LET DONE a Indigo EST
        <pb n="78" />
        135 Deutschlands Anteil an der Einfuhr Persiens. 136
Deutschlands Anteil an der Einfuhr Persiens.
Deutschlands Anteil an der Einfuhr Persiens (Werte in Kran) 1906/7 1907/8 1908/9
Zündhölzer ... AD A 157 619 158 175 89 900
FÜnten a We 2.000 2300 *)
Moussierender Wein in Flaschen u 6 700 1350 4 400
Nicht moussierender Wein . . 2 5714 4 358 4 400
Alkohol und Sprit... . . 4560 | 9 469 7700
Kognak, Rum, Whisky. . . ; 26501 14 050 8 900
Bier- und Weinessig. . . Ü 9 346 25 035 8 200
Lichte EFF : 92 735 11 580 34 700
Kakao und Schokolade. . . . 2 794 423 800
Fischkonserven und Kaviar . 1.700 1685 1.300
Zucker in Broten. . 2155 775 1367 734 561 900
Fuderzucker. 2. 466 446 547 530 718 300
Fleischkonserven einschl. Fleischextrakt . 5777 6687 2.000
Drogen. 264127 | 306 292 253 400
Muster und Proben... ... 1... . . 20020 20 =
Gummigaloschen und anderes Schuhwerk aus Kautschuk . 1.665 12 890 2 500
Baumwollene Kleidungsstücke . . 3 440 5 800 2 200
Desgl. aus Wolle und Baumwolle . 7170 4335 1.600
Schirme N ” . 4871 2014 1.300
Musikinstrumente ... us S 1283 245 -
Wissenschaftliche Instrumente . 4 346 8 717 2 300
Schmiedeeisen in Barren, Platten usw. 5 700 700 60 100
Eisenblech . . . .. # 12850 2.790 1.500
Eisenwaren r 26 867 55 392 38 900
Desgl. emailliert usw. . . .". . 137 484 91 822 67 100
Zinn, Blei und Zink in Ingots usw. 8 000 - 589 44.100
Kupfer und Nickel in Barren . . 43 667 56 187 1.700
Kupferwaren: 4120 874 1.500
Feine Silberarbeiten . . .. 1.100 1840 1600
Gold- und Platinwaren. . . 14 825 14 874 5100
Aluminiumwaren . . 1 400 430 =
Baumwollengarn . . . .. 2 580 47 910 20 400
Baumwollengewebe . ..... . 661 353 230 654 199 700
Baumwollene Gewebe mit Seide besetzt . Sn 68 890 6 900 12 800
Baumwollener Samt und Plüsch . . 429 740 247 600 55 000
Reinwollene Gewebe. . . . 354 248 203 302 124 700
Desgl. mit Baumwolle gemischt 161 762 87089 85 600
Halbseidene Gewebe. . . .. 2 044 775 1.145 385 548 500
Unechte Gold- und Silberfäden . 42 046 139 965 115 000
Glas und Spiegel. . . .. 79 221 50 496 13 000
Schiffe und Boote. . . . 45 000 — —-
Felle, gefärbt usw. . . . 10 900 29 390 1.000
Lederwaren. .... De 85 778 121531 86 500
Fayence und Porzellan. . .. 6978 25511 | 5 200
Indigo und Kermez . . 0. 107 625 277 100 157 600
Verzierte Glas- und Kristallwaren . 12 009 17615 | 10300
Andere Glaswaren . ... 22 885 10632 12 300
Fensterglas: .‘ nn, , 32.212 24125 , 6 300
Schußwaffen . . .. a 2 - ER i 6800
Gewöhnliches Druck- und Schreibpapier . . 24.100 22 900
*) Siehe Schußwaffen.
        <pb n="79" />
        137 Winke für deutsche Handelshäuser und Industrielle. 138
Winke für deutsche Handelshäuser und Industrielle.

Die Kaiserliche Gesandtschaft in durch Russland. Sie werden bis an die persische
Teheran veröffentlichte Ende August 1909 folgende Grenzstation befördert, von wo sie auf Kosten des
Angaben: Empfängers weiterbefördert werden. Daher ist, um Un-

Es wird dringend davor gewarnt, ohne vor- annehmlichkeiten zu vermeiden, genau auf eine ent-
herige Anfrage bei der Kaiserlichen Gesandtschaft in sprechende Verpackung und Adressierung zu achten:
Teheran, und sofern es sich um Firmen in Süd- z. B. muss ein nach Teheran aufgegebenes Paket etwa
persien handelt, beim Kaiserlichen Vizekonsulat in folgende Adresse tragen
Buschir, Geschäft ever Dingen mit unbekannten
Firmen in Persien einzugehen. N

Um in allen Fällen für eventuelle Rücktransport- „Here NN.
kosten gedeckt zu SO ist eine vorherige An- Teheran, .............-..-- Straße
zahlung auf zu sendende Waren unbedingt nötig. .

Im allgemeinen ist es empfehlenswert, die Vermitte: An Poste zestante Enzo,
lung einer zuverlässigen europä ischen Firma in A nr n
Persien in Anspruch zu nehmen, welche die Sendung Alle Sendungen, die obigen Bedingungen nicht
erst nach Einziehung des Restbetrages ausliefert. entsprechen, werden russischerseits als P os t iracht-

Desgleichen ist grösste Vorsicht bei der An- stücke angesehen und sind auch in Russland zoll-
nahme persischer Wechselund Tratten geboten. pflichtig. Der persische Zoll der für Teheran be-
Gerichtliche Klagen sind bei der unzulänglichen Justiz stimmten Postpakete wird in Tehe ran selbst er-
ziemlich aussichtslos. Falls sie nicht vermieden hoben, da die Pakete durch die persische Staa ts-
werden können, gebe man einer am Orte ansässigen post befördert werden. Für Pakete anderer Be-
europäischen Firma Prozessvollmacht und Vertretung. stimmung wird der Zoll an der Landesgrenze
Die Beamten der Kaiserlichen Gesandtschaft wirken beim erhoben. z
persischen Gerichtsverfahren lediglich als Beisitzer, Wegen Beförderung von Postpaketen nach Orten
nicht als Vertreter der deutschen Partei mit. des persischen Gol fs und Südpersien,

Der persische Zolltarif ist in deutscher Sprache ab- wie z. B. nach Buschir oder Schiras wird verwiesen
gedruckt im Deutschen Handels-Archiv I S. 1278 ff. auf den Postpakettarif für 1907, Seite 137, 1 un 7

Eine sehr beachtenswerte amtliche Zusammenstellung Die schnellste Beförderungsart für letztere Pakete ist die
über die Schiffs- und Landverkehrswege und Transport- über Österreich oder Schweiz via Italien und Britisch-
verhältnisse Persiens ist enthalten in Band XI, Heit 8 Indien (Brindisi, Bombay, Buschir). Die Pakete
S. 666 ff., vom 25: April 1908 der im Reichsamt des werden an einen Agenten an der Landesgrenze, z. B.
Innern zusammengestellten „Berichte über Handel und in Buschir adressiert. Sonst adressiert man etwa, wie
Industrie“. folgt:

Für Frachtstücke, auch Postfrachtstücke, Er x
nach Persien gewährt Russland keine zollfreie Durch- Monsieur Je Directeur des Postes Persanes
juhr; es sind daher die Wege: Trapezunt, Täbris, Tehe- Bonchir
ran — oder Buschir, Schiraz, Teheran — oder Moham- Pour r6expedition &amp; Mr. N. N. ä Schiraz.
merah, Kum, Teheran — Oder Basra—Bagdad—Ker- via Brindisi, Bombay.
manschah—Hamadan vorzuziehen, wenn nicht eine spe- ——— ;
zielle Durchfuhrerlaubnis der russischen Regierung Diese Pakete werden nur in Buschir verzollt.
vorliegt. . Falls Postpakete einen höheren Wert haben, empfiehlt

Monatliche Dampfe rver bindung zwischen es sich stets, sie zu versichern, da sonst im Falle eines
Hamburg, Antwerpen, Buschir, Mohammerah und Basra Verlustes nur 15 Kran (etwa 6 Mk.) pro Batman (3 kg)
(via Mascat, Bender Abbas, Linga, Bahrein) durch des Fehlenden ersetzt werden.

Dampfer der Hamburg—Amerika-Linie (Arabisch-Per- Bei Briefsendungen nach Orten des pe r-
sischer Dienst). . sischen Golfs und Südpersiens empfiehlt

Postpakete: Maximalgewicht 5 kg, Verpackung sich der Zusatz „via Brindisi-Britisch-Indien“ auf der
in fester Holzkiste, oder hermetisch verlöteter Zink- Adresse, da es Ohne diesen Zusatz häufig vor-
oder Blechkiste (Zirkular Nr. 5 872/420 des Weltpost- kommt, besonders wenn neben dem Ortsnamen nur
vereins vom 23. Oktober 1907) gehen zollfrei die Bezeichnung „Persien“ (statt z. B. Per-
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        139 Der Handel Rußlands mit Persien. 140
siche T Golf“ -— steht, dass Briefe nach den be- Im Interesse pünktlicher Beantwortung der an die
zeichneten Orten über Teheran geleitet werden, was _Kaiserliche Gesandtschaft gerichteten Eingaben empfiehlt
eine erhebliche Verzöge rung mit sich bringt. sich die Beifügung von Rü ckporto in deutschen

Briefe nach Buschir z. B. brauchen unter diesen Briefmarken (Rückantwortscheine sind für Persien
Umständen 5—6 Wochen anstatt 3. nicht gültig).
Der Handel Rußlands mit Persien.
Russland ist mehr als andere Länder mit Per- sches Getreide; es bezieht aber verhältnismässig
sien durch Handelsbeziehungen verbunden. Persien mehr russisches Mehl als Korn.
ist für Russland einer der wichtigsten Absatzmärkte; Sodann liefert Russland grosse Mengen Naph-
andererseits bezieht Russland aus diesem Lande Pro- thaprodukte, Eisen- und überhaupt Me-
dukte in erheblichen Mengen. tallwaren nach Persien. Dieser Import geht aber
In den letzten zehn Jahren hat Russland in Per- zurück. So wurden von Metallen in den Jahren 1901
sien ganz bedeutende Erfolge erzielt. Die russische bis 1903 durchschnittlich nach Persien aus Russland
Ausfuhr dorthin hat sich in den letzten zwanzig für 419000 Rbl. und im Jahre 1907 nur für 301 000
Jahren verdreifacht, und gleichzeitig‘ ist die Einfuhr der Rubel ausgeführt, an Metallwaren im Jahre 1904 für
verschiedensten Produkte aus Persien wesentlich ge- 715000 Rbl. und 1907 nur für 488 000 Rbl. exportiert.
stiegen. Im Jahre 1907 betrug der Warenumsatz Persien besitzt selbst verschiedene Mineralien,
Russlands mit Persien in den einzelnen Gruppen: Eisen, Kupfer, Zinn, Silber, Steinkohlen, Naphtha usw.,
Einfuhr Ausfuhr bisher sind aber diese Schätze noch wenig gehoben
Wert in 1000 Rubel worden.
Lebensmittel... a u 12930 14517 ; S
Rohmaterialien und Halbfabrikate 11206 1844 Zum russisch-persischen Warenaustausch.
Tee ze I SE an elta 319 530 Interessant ist eine von S. G. Podgurski, dem
Fabrikate. A 4360 1137 Präsidenten der Verwaltung der Täbriser und der
Zusammen . 25314 28 264. Enseli-Teheranstrasse, über den Verkehr
Von der gesamten Reiseinfuhr nach Russland auf diesen Strassen gegebene Statistik. Wenn sie
liefert Persien drei Viertel. Dieser Reis wird in russi- richtig ist, so haben in der Tat die persischen Wirren
schen Fabriken gereinigt. Auch Obst wird aus Per- bis zum 16. Juli d. Js. auf den allgemeinen Gang
sien in recht beträchtlichen Mengen bezogen. Mit des Verkehrs keinen Einfluss ausgeübt.
jedem Jahr nimmt auch der Wert und die Menge Nach dieser Statistik betrugen die Chaussee-
der nach Russland aus Persien importierten Rohbaum- abgaben in persischen Kran:
wolle zu, die den Hauptartikel in der Gruppe der 1. auf der Täbriser Strasse:
eingeführten Rohmaterialien und Halbfabrikate bildet. 1906 150 312,70,
Von Fabrikaten werden aus Persien nach Russland 1907 355 948,50,
nur Handwerkserzeugnisse eingeführt. 1908 418 845,60;
Ausgeführt #vird von Russland nach Persien vor- vom 1. Januar bis 16. Juli 1908 244 758 und
nehmlich Zucker; im Jahre 1907 bezifferte sich vom 1. Januar bis 16. Juli 1909 257 030.
dieser Export nach der russischen Statistik auf 11,5 2. auf der Sirasse Enseli-Teheran:
Millionen Rubel. Eine besondere Steigerung dieser 1900 1 345 997,90,
Zuckerausfuhr machte sich seit den neunziger Jahren 1901 1569 865,52,
des vorigen Jahrhunderts bemerkbar. 1902 15092 944,10
Seit jener Zeit zeigt sich auch eine stärkere Aus- 1903 1 858 615,05,
fuhr russischer Manufakturwaren nach Per- 1904 1712 560,12
sien, hauptsächlich von Baumwollstoffen, deren Export 1905 1 523 353,02
im Jahre 1904 den höchsten Stand mit 10,9 Millionen 1906 1 655 632,05,
Rubel erreichte. In den letzten Jahren machte sich 1907 1862 157,00,
aber eine Abnahme dieses Exports bemerkbar, eine 1908 2000 155,14;
Folge des Mangels einer Organisation des Absatzes. vom 1. Januar bis 16. Juli 1908 1037 787,97 und
Im Jahre 1907 exportierte Russland auf den persischen vom 1. Januar bis 16. Juli 1909 1028 163,62.
Markt an Baumwollgeweben für 8,5 Mill. Rbl. Per- Der Warentransport belief sich in Pud
sien bildet auch einen guten Absatzmarkt für russi- auf diesen Strassen:
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        141 Schiffsverkehr Persiens. 1 42
1. auf der Strasse nach Täbris: Dass die Wirren in Persien in der Tat bedeutende
1906 526 545, materielle Verluste sowohl auf russischer wie auch
1907 1030215, persischer Seite zur Folge gehabt haben, ist von dem
1908 1348 442; russischen Generalkonsul in Aserbeidschan, der sich
. zu der Frage geäussert hat, ohne weiteres zugegeben
2. auf der Strasse Enseli-Teheran: worden. Die Unsicherheit auf den Strassen hatte na-
1900 5780 914, mentlich ein grosses Anwachsen der Waren in den
1901 6570 185, Zolllagern zur Folge. Unrealisierbarkeit der Waren
1902 6 590 000, auf der einen Seite stand somit dem Fehlen der Waren
1903 8151 925, und dem ganz bedeutenden Anwachsen der Preise auf
1904 7187 095, der anderen Seite gegenüber. Mit der Besserung der
1905 6286 315, Lage soll aber jetzt schon nach den Mitteilungen des
1906 7881 860, obengenannten russischen Generalkonsuls ein Abfliessen
1907 80982 840, der Waren aus den Zolllagern und ein Sinken der
1908 11340 715. Preise bemerkbar sein.
Nach den neuesten Nachrichten hat das letzte Jahr

Wenn man die vorstehenden Ziffern betrachtet, so auf dem Handelswege über das Kaspische Meer
findet man, dass ein eigentlicher Rückgang der Waren- und die Wolga einen fast 100prozentigen Auf-
bewegung nur während der Jahre der russischen schwung gegenüber dem Handel des Vorjahres ge-
Wirren stattgefunden hat. Demgegenüber dürfte jedoch zeigt und damit alle Erwartungen bei weitem über-
in Betracht zu ziehen sein, dass es sich bei dem Ver- troffen. Das Vertrauen der russischen Handelswelt
kehr auf den beiden Strassen nur um einen Teil des zum persischen Geschäft ist damit wieder sehr ge-
Warenverkehrs zwischen Russland und Persien han- festigt. — Grossen Einfluss auf die Zunahme des
delt, und dass sich die Wirkung der Wirren auf den russischen Exportes nach Persien hatte übrigens die
laufenden Warenverkehr naturgemäss erst nach einer Tätigkeit der „Russ isch-persischenBank“,
bestimmten Zeit äussern kann, da zunächst die laufen- die auf Waren, die nach den persischen Märkten be-
den Engagements ausgeführt werden müssen. fördert wurden, hohe Darlehen gewährt hat.

Die Türken am persischen Golf,

Neuere Meldungen berichten von zunehmender Un- Vilajet Basra und ein neues Mutessariflik (eine Art
sicherheit im Vilajet Basra, das als eines der Ge- Provinz) E1-Hasa,„, die sich ungefähr von der Mün-
biete, die von der Bagdadbahn durchquert werden dung des Euphrat und Tigris an der Küste des per-
sollen, ein spezielles Interesse verdient. — In der kürz- sischen Golfes entlang bis nach Oman erstreckt.
lichen Debatte im türkischen Parlamente ist auch
wieder von dem seinerzeit vielgenannten projek- „Die Zugehörigkeit von Kuweit zur Türkei ist be-
tierten Endpunkt der Bagdadlinie am persischen kanntlich früher von englischer Seite bestritten worden,
Golfe, Kuweit, die Rede gewesen, der nominell zur doch lässt die Umwandlung von El-Hasa in ein
Türkei gehört. Kuweit nun liegt in dem bisherigen eigenes Verwaltungsgebiet darauf schliessen, dass die
Vilajet Basra, das aber vor kurzem administra- Türken ihre Autorität in diesen Regionen zu befestigen
tiv geteilt worden ist, und zwar in ein verkleinertes suchen oder schon wiederhergestellt haben.

Schiffsverkehr Persiens.
Schiffsverkehr in den Häfen des Persischen Golfs
1906/08
1906/07 1907 /08
Häfen Schiffe Tonnen Schiffe Tonnen
Buschir 593 354 798 505 450 729
Lingeh 342 155720 383 204836
Bender Abbas 262 245946 233 269986
Mohammerah 180 183 243 166 171 008
Schiffahrt der persischen Häfen des Kaspischen
Meeres 1907/08: 1991 Schiffe mit 555 192 Tonnen.
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        143 Die Nachbarländer Persiens. 144
Die Nachbarländer Persiens.
Afghanistan.
Areal 624000 qkm — ca. 5 Millionen Einwohner —
8 per qkm.

Afghanistan ist eine absolute Monarchie, die stans finden wir iranisierte Mongolen (3% Millionen,
unter einem Emir steht. Der jetzige Herrscher ist worunter die sunnitischen Aimaks und die schiitischen
Habibullah Khan (geboren 3. Juli 1872 — Hasaras), und über das ganze Land verbreitet die per-
Thronbesteigung am 3. Okt. 1901). Thronfolger ist _sischen Tadschik (1 Million, meist vom Handel lebend),
Inaitullah Khan, ein Sohn des jetzigen Emirs, (erner Hindus (Hindki) und die sunnitischen Dschat.
geboren 20. Okt. 1888. Von Schiiten sind noch die Kisilbaschis zu nennen, in

Das Land grenzt im Norden an die Russisch-Zen- deren Händen sich Grosshandel und Wechselgeschäft
tralasiatischen Provinzen Turkestan und Bochara, im befinden. Der Hauptstamm der Afghanen teilt sich
Osten an Britisch Indien (Provinzen Kaschmir und in Dorrani, Ghilsais und einige kleinere Stämme. —
Pandschab), im Süden an das teilweise unter britischer Die Aighanen sollen eine Tradition haben, die den
Administration stehende Belutschistan und im Westen Ursprung des Volkes von den „Zehn Stämmen“ her-
an Persien. — Diese geographische Lage bedingt seine leitet. Die Zahl der Juden im Lande ist sehr un-
Rolle als eine Art Pufferstaat zwischen den englischen sicher, die Angaben schwanken zwischen 20000 und
und russischen Besitzungen in Asien, während Af- ca. 40 000, wobei in der kleineren Zahl manchmal noch
ghanistans Eigenschaft als mohammedanischer Staat die Juden von Turkestan mitinbegriffen sein sollen.
einem politischen Anschluss an Persien und das Tür- In Kabul sollen 2000 Juden leben, sonstige grössere
kische Reich günstig scheinen muss. Diesen eigen- Gemeinden befinden sich in Herat, Kandahar,
artigen Verhältnissen ist es zuzuschreiben, dass der Ghazni und Balkh. In diesen Städten haben sie
Emir von der indischen Regierung Subsidien in Höhe gesonderte Quartiere. Ihre Sprache ist meist persisch.
von jährlich 1800000 Rupien erhält, dass Russland Zum Militärdienst sind sie nicht zugelassen und haben
gleichfalls sucht ihn sich finanziell zu verpflichten, und eine Militär-Befreiungssteuer zu zahlen. — Das Christen-
dass er — um zwischen den beiden rivalisierenden tum hat in Afghanistan bisher keinen Eingang ge-
Grossmächten seine Selbständigkeit zu wahren — ([unden.
seinem Heerwesen die grössten Opfer bringt und in Landwirtschaft. Die Bodenwirlschafl Wird
N Dee aM En Offiziere als Instrukteure von 5 Kategorien von Arbeitskräften betri eben: Kleine

7 nn } © esiıtzer, Pächter, Metayers (Halbscheit-Pächter), Lohn-
Das Land ist sehr bergig. Der Hauptgebirgsstock ist arbeiter und Sklaven. In Sn meisten GE wird
das Hindukusch-Gebirge, dessen höchste Er- Winter- und Sommerfrucht angebaut. Die hauptsäch-
hebung 7750 m beträgt und das mit seinen Neben- yiohsten Landesprodukte sind: Hirse, Weizen, Gerste
keiten fast drei Viertel des ganzen Landes einnimmt. Linsen, in den heisseren Gegenden Reis, Zuckerrohr,
Das Land ist reich an Mineralschätzen Baumwolle, Tabak und Datteln. In den kühleren Lan.
(Gold, Silber, Kupfer, Rubine, Eisen, Kohle etc.). d desteilen gedeihen die in Europa üblichen Obstarten
Von Flüssen sind zu erwähnen: der Hilmend, we Aprikosen, Birnen, Aepfel, Walnüsse und Wein-
der ebenso wie einige andere kleinere Flüsse in den trauben.
Salzsümpfen uud Seen Seistans sein Ende findet, der .
Amudarja (mündet in das Kaspische Meer) und Industrie. Die früher bedeutende Teppich-
der Kabul-Fluss, ein Nebenfluss des Indus. weberei von Herat ist durch Auswanderung der
Das Klima ist kontinental. Die Vegetation zeigt Teppichweber stark zurückgegangen. Die Seidenpro-
in den höheren Strichen europäischen Charakter. In duktion hat nur für das Inland Bedeutung. Gewebe
den trockneren Gebieten ist die Landwirtschaft auf und Filze werden aus Wolle, Ziegen- und Kamelhaar
künstliche Bewässerung angewiesen. hergestellt. Schafpelze werden in bedeutenden Quanti-
Die Bevölkerung beträgt annähernd 5 Millionen täten nach dem Pandschab verkauft. Rosenkränze
und besteht zu einem Drittel aus eigentlichen Aighanen gehen nach Mekka, In Kabul gibt es auch eine Seifen-
(Iranier mit indischem und semitischem Einschlag), industrie und eine Anzahl kleinere Gewerbe für den
die die südlichen zwei Drittel des Landes bewohnen Inlandsmarkt.
und auch auf indisches Gebiet (die Afridis bei Pi- Handel. Ueber den Handel Afghanistans sind
schawar) übergreifen. Im nördlichen Drittel Afghani- zuverlässige Ziffern schwer erhältlich. Den Grenz-
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        145 Die Nachbarländer Persiens. 146
handel mit Indien geben die indischen Statistiken von Persien über Mesched nach Herat,
wie folgt an: von Bochara über Merw nach Herat,
Export Import von Bochara über Karschi, Balkh und Khulm
1904*) 6098 126 Rupien 7759 889 Rupien nach Kabul,
1905 6 622 901 » 10566119 von Ost-Turkestan via Tschitral nach Dschellala-
1906 6446497 „ 10459538 bad,
1907 9704523 11247558 von Indien über die Kaibar- und Abkhana-Pässe
Der Export Afghanistans nach Indien betrifit nach Kabul,
hauptsächlich Pferde, Früchte und Gemüse, Getreide, von Indien über den Gomal-Pass nach Ghazni,
Asa foetida und andere Drogen und Gewürze, Wolle, von Chaman, dem Endpunkt der indischen Nord-
Seide, Vieh, Häute und Felle und Tabak. An Import- westbahn, nach Kandahar und von dort nach Kabul
waren bezieht Afghanistan von Indien hauptsächlich oder Herat.
Baumwollwaren, Indigo und andere Farbstoffe, Zucker Die Kaibar- und Bolan-Strasse sind sehr gut und
und Tee, a r „eignen sich für Wagenverkehr bis Kabul und Kanda-
Nächst dem indischen Handelsverkehr ist der mit par, Abgesehen von der Artillerie, gibt es aber keine
Bochara am bedeutendsten und beträgt etwa 16 Milli- ‚„yagenartigen Beförderungsmittel im Lande und der
onen Mark, die zu gleichen Hälften auf den Import \Warentransport vollzieht sich mittels Kamelen oder
und Export entfallen. &amp; Pferden. — Schiffbare Flüsse gibt es nicht, doch wer-
Verk ehrswesen, - Die Handelsstrassen Af- gen zum Transport von Baumstämmen (Flössen) auch
ghanistans sind folgende: die nicht eigentlich schiffbaren Wasserläufe dienstbar
*) Rechnungsjahr endet 31. März. gemacht.
Belutschistan
Belutschistan (das Land der Belutschen) ist das tisch-Belutschistan“ gelegentlich auch präziser als „Bri-
Gebiet zwischen Persien im Westen, Britisch-Indien im tish and administered territory“ bezeichnet wird.
Osten, Afghanistan im Norden und dem Indischen (Das eigentlich britische Belutschistan grenzt übri-
Ozean im Süden. gens nicht an das anglo-indische Gebiet, son-
Das Land wurde noch bis vor kurzem als der dern bildet den dem afghanischen Kandahar nächst-
Hauptsache nach selbständig angegeben, doch ist es gelegenen Teil Belutschistans.)
sichtlich im Uebergang unter britische Herrschaft be- Hiernach ergibt sich für das gesamte Belutschistan
griffen. Schon jetzt gibt es einen direkt als „Bri- folgende Einteilung:
tisch 7 B el utschistan“ bezeichneten kleinen Areal in gkm | Einw. |p. qkm
Landesteil (siehe unten), aber schon beginnen selbst nn 7 2 7 7
deutsche Kartenwerke das Land in die anglo-indischen 1. Britisches und Britisch ad- n |
Grenzen einzubeziehen, und das englische Standard- ministriertes Gebiet . . . 121025 , 349 187 | 2,9
Werk „Statesman’s Yearbook“ rubriziert das Land 2. Die  Eingeborenen - Staaten,
trotz der auch dort gegebenen Einteilung in britische Kelat und Las-Bela . . . 185569 470336, 25
und andere Gebietsteile unter „Indien und ab- 3. Gebiete der Marri- und Bugti-
hängige Nachbarstaaten“. In einem wei- Stämme eng en un ARTS 37079 24
teren (ethnographischen) Sinne würde das Land der 4. Das Gebiet von Gwadar ca... 1000 5000! 5
Belutschen sogar nach dem persischen Grenzgebiet .
übergreifen, innerhalb dessen etwa 21000 Belutschen Letzteres Gebiet ist an der Mekran-Küste ganz nahe
leben. der persischen Grenze gelegen und gehört als letzter
Das Gesamtgebiet von Belutschistan umfasst Rest ehemals grösserer Besitzungen an dieser Küste
366 800 qkm, und die Bevölkerung dürfte (1910) des persischen Golfis — zu dem arabischen Sul-
900 000 betragen, d. h. 2,5 per qkm. Von diesem Ge- lanat Oman.
biet wird Britisch - Belutschistan in den verschiedenen Das britische (und britisch administrierte) Gebiet
Werken mit 118 628 qkm und 308 246 Einwohnern an- hat 5 Distrikte und als Hauptstadt Quetta. — Von
gegeben, nach den Karten ist aber das britische Ge- den Einwohnern sind ungefähr 300 000 dem ein-
biet ganz wesentlich kleiner und entspricht nur etwa geborenen Stamm der Brahui zuzurechnen. Die Af-
einem Zehntel von ganz Belutschistan (d. h. weniger ghanen Belutschistans zählen etwa 200 000 und leben
als ein Drittel des als britisch angegebenen Gebiets). sämtlich im britischen und britisch administrierten Ge-
Die Erklärung dürfte darin zu suchen sein, dass „Bri- biet. Ferner leben im Distrikt von Las Bela etwa
        <pb n="84" />
        147 Anglo-Russische Konvention betreffs Persiens. ‘148
40000 Lasen und in Barkhan - Tachsil etwa 15000 Mohammedaner 765 368 Übertrag: 810 524
Einwohner vom Khetran Stamme. Hindus 38158 Parsen 166

Der Religion nach sind die Bewohner meist sun- Christen 4026 Juden 48
nitische Mohammedaner und Hindus. Abgesehen von Sikhs 2972 Tains 8
den Distriken Mekran, Kharan und West-Sindschrani 7810 524 810 746
weist der Zensus von 1901 folgende Ziffern auf:

(Ueber Bahrein, Oman und die türkischen Gebiete
des Persischen Golfs siehe: Levante-Handbuch,
Berlin 1910, Gea Verlag G. m. b._H.)
Anglo-Russische Konvention betrefts Persiens
(vom 31. August 1907).

Die Regierungen Grossbritanniens und Russlands I.
verpflichten sich gegenseitig die Integrität und Unab- Russland verpflichtet sich seinerseits, weder für sich
hängigkeit Persiens zu respektieren. Beide Regierungen selbst, noch zugunsten russischer Untertanen, noch auch
wünschen aufrichtig die ruhige und friedliche Entwicke- zugunsten von Untertanen dritter Mächte irgendwelche
lung dieses Landes, sowie die dauernde Geltung Konzessionen politischer oder wirtschaftlicher Natur
gleicher Vorteile für den Handel und die Industrie aller nachzusuchen (wie Konzessionen {für Eisenbahnen,
andern Nationen. Banken, Telegraphenlinien, Landstrassen, Transport oder

In der Erwägung, dass jede der beiden Regierungen die von der afghanischen Grenze über OGazik,
aus geographischen und wirtschaftlichen Gründen ein Birdschand, Kerman nach Bender Abbas führt, und
spezielles Interesse an der Aufrechterhaltung von Frieden weder direkt noch . indirekt Gesuchen nach ähnlichen
und Ordnung in bestimmten Teilen Persiens hat, Konzessionen in diesen Gebietsteilen entgegenzuarbeiten,
und zwar an der russischen Grenze und in deren die von der englischen Regierung unterstützt werden.
Nachbarschaft auf der einen Seite, und an den Grenzen Hierbei sind die genannten Plätze in dem Gebiet mit
Afghanistans und Beludschistans auf inbegriffen, in dem Russland sich verpflichtet, keine der
der anderen Seite, und in dem Bestreben alle Ur- bezeichneten Konzessionen nachzusuchen.
sachen eines Konfliktes zwischen ihren gegenseitigen In-
teressen in den oben erwähnten persischen Gebieten zu I.

vermeiden, haben die beiden Regierungen folgendes ver- Russland verpflichtet sich, ohne vorherige Überein-
einbart: kunit mit England der Gewährung von keinerlei Kon-
zessionen an britische Untertanen in den zwischen den
1. sub I und IT genannten Linien gelegenen Teilen Persiens
Grossbritannien verpflichtet sich, weder für sich entgegenzuwirken. , . |
selbst, noch zugunsten britischer Untertanen, noch auch Grossbritannien übernimmt die gleiche Verpflichtung
zu Gunsten von Untertanen dritter Mächte irgendwelche bezüglich der Gewährung von Konzessionen an
Konzessionen politischer oder wirtschaftlicher Natur russische Untertanen in den gleichen Gebieten Persiens.
nachzusuchen (wie Konzessionen für KFisenbahnen, Alle innerhalb der sub I und II bezeichneten
Banken, Telegraphenlinien, Landstrassen, Transport- CGrenzlinien zur Zeit der Abfassung dieser Konvention
oder Versicherungs-Unternehmungen etc.) jenseits einer bereits existierenden Konzessionen bleiben hiervon un-
Linie, die von Kasr-i-Schirin über Ispahan, Yesd, Kakhk berührt.
nach dem Punkte der persischen Grenze führt, an dem IV.
auch die russische und afghanische Grenze zusammen- Es wird vereinbart, dass alle persischen Zollein-
stossen, — und weder direkt noch indirekt Gesuchen nahmen, mit Ausnahme derer von Farsistan und des
nach ähnlichen Konzessionen in diesen Gebietsteilen _Persischen Golfes (Einkünfte, die bisher als Garantie
entgegenzuwirken, die von der russischen Regierung für Amortisation und Zinsen der von der Regierung des
unterstützt werden. Hierbei sind die oben genannten Schah mit der „Banque d’Escompte et des Pröts de
Plätze in dem Gebiet mit inbegriffen, in dem Gross- Perse“ bis zur Unterzeichnung dieser Konvention abge-
britannien sich verpflichtet keine der bezeichneten Kon- _schlossenen Arbeiten dienten), demselben Zwecke dienen
zessionen. nachzusuchen. sollen wie bisher.
        <pb n="85" />
        149 Anglo-Russische Konvention betreffs Afghanistan. a 150.
Gleichfalls wird vereinbart, dass die Zolleinnahmen und für den Fall, dass Russland sich genötigt sieht über
Farsistans und des persischen Golfes, wie auch die Ein- die den Dienst der mit der erstgenannten und in dem
nahmen für die Fischerei am persischen Ufer des Kas- sub II erwähnten Gebiet domizilierten Bank abge-
pischen Meeres und die Einkünfte der Post und des schlossenen Darlehen garantierenden Einkünfte eine
Telegraphendienstes wie bisher für den Dienst der seitens Kontrolle auszuüben oder für den Fall, dass England
der Regierung des Schah mit der „Imperial Bank of sich genötigt sieht, über die den Dienst der mit der
Persia“ bis zur Unterzeichnung dieser Konvention ab- zweitgenannten und in dem sub I erwähnten Gebiet
geschlossenen Arbeiten reserviert bleiben sollen. domizilierten Bank abgeschlossenen Darlehen garantie-
renden Einkünfte eine Kontrolle auszuüben, verpflichten

V. sich die britische und russische Regierung vorher in

Für den Fall von Unregelmässigkeiten bei der einen freundschaftlichen Ideenaustausch einzutreten, um
Amortisation oder der Zinsenzahlung für die vor Un- in Übereinstimmung mit einander die fraglichen Kon-
terzeichnung dieser Konvention mit der „Banque d’Es- trollmassregeln zu bestimmen und um alle Störungen zu
compte et des Pröts de Perse“ und mit der „Imperial vermeiden, die sich mit den Prinzipien der gegenwärti-
Bank of Persia“ abgeschlossenen persischen Anleihen gen Konvention nicht vereinigen liessen.

Anglo-Russische Konvention betreffs Afghanistan
(vom 31. August 1907).

Die beiden Vertragsmächte haben, um die vollstän- ' Afghanistan zu verletzen, noch auch sich in die innere
dige Sicherheit ihrer beiderseitigen Grenzen in Zentral- Verwaltung des Landes zu mischen, vorausgesetzt, dass
Asien zu gewährleisten und um in diesen Gebieten einen der Emir den Verpflichtungen nachkommt, die er in
dauernden Frieden aufrechtzuerhalten die folgende Kon- dem oben erwähnten Vertrage der britischen Regierung
vention geschlossen: 3 gegenüber eingegangen ist.

ESSEN . 5 REIS HL

Die britische Regierung erklärt, dass sie keine Ab- ; . . 8 sn
sicht hegt, den politischen Status Afghanistans zu ver- Die russischen und afghanischen Behörden, die für
ändern. En rn En N Ob eat N In

- a 3 x . renzdistrikten eingesetzt sind, haben das Recht 1ür dıe
Die britische Regierung verpflichtet sich ferner, F}edigung  okakr Fragen ohne politischen Charakter
ihren Einfluss in Afghanistan nur in friedlichem Sinne ‚iteinander in direkten Verkeh tref
geltend zu machen und keine Massnahmen zu treffen, einander in direkien Verkehr zu SO
die Russland bedrohen könnten, noch auch Afghanistan IV.
zu ermutigen, solche Massnahmen zu ergreifen, Die britische und russische Regierung erklären sich

Die russische Regierung erklärt ihrerseits, dass sie mit dem Prinzip kommerzieller Gleichberechtigung in
Afghanistan als ausserhalb ihrer Interessensphäre liegend Afghanistan einverstanden und vereinbaren, dass alle
betrachtet, sie verpflichtet sich in ihrem politischen Ver- Erleichterungen die für britische oder britisch-indische
kehr mit Afghanistan sich der Vermittelung der britischen Handelsbeziehungen gegolten haben oder noch gelten
Regierung zu bedienen, und verpflichtet sich ferner, werden, ebenso russischen Handelsbeziehungen zugute
keinerlei Agenten nach Afghanistan zu entsenden. kommen sollen. Sollte die Entwickelung des Handels

die Einsetzung von Handels- Agenturen erfordern, so
HL. sollen die beiden Regierungen sich über die zu er-

Nachdem die britische Regierung in dem in Kabul greifenden Massnahmen einigen, wobei natürlich die
am 21. März 1905 unterzeichneten Vertrage erklärt hat, Souveränitätsrechte des Emirs gebührend respektiert
dass sie die mit dem verstorbenen Emir Abdur-Rach- werden sollen.
man getroffenen Vereinbarungen und Verpflichtungen an- V.
erkennt, und dass sie keinerlei Einmischung in die Diese Vereinbarungen sollen erst in Kraft treten,
inneren Angelegenheiten Afghanistans beabsichtigt, ver- wenn die britische Regierung der russischen Regierung
pflichtet sich Grossbritannien jenen Vertrag weder durch das Einverständnis des Emirs mit den obigen Ab-
Annexion noch durch Besetzung irgend eines Teiles von ımachungen bekannt gegeben haben wird.
        <pb n="86" />
        151 Bibliographie über Persien und seine Nachbar. ebiete. 152 3
zz. a DE HE
Münz-Umrechnungs-Tabellen.
Die Umrechnung jeder Geldsorte in die anderen erfolgt von der fettgedruckten 100 aus in ihrer Längszeile,
eg - ‚Span. Peseten*) Marokkanische*) .
Mark Kronen Frances Shilling | d Rubel („Alfonsini*) 1 Peseten („Hassani“
100.—..).. 117.65..].. LAG 8 46.30. . A 157.00 .. 8... 101.20
85.—.. 5. 100.—..f.. 106.25..f0.. 88 .. 4 V.. 325 1 „11657. MM. 16206 28
80.—. 1. 9412 1.100 8 .„o.4.. 837.04. 8... 1110.— .. 1% 153.— ...
102.— ..f.. 120.10... 12750... .100 .. 47:22. 8... 114026... 195.08 . . |
216:— IE. 25412. 1]. . 270:—, 0... 21. -.100.—. 3... 1297.— 413.10 . . |
72.72..11.. 18556... 190.90... 71°... ‚- „33.67. 8... 100-- 159.10: |
62.28... .6151..1... 6556. 8.. 51 . We. 420. MB... 7189. : A L00.— ...
*) Ziemlich starken Kursschwankungen unterworfen. Der „Hassani“-Kurs richtet sich hauptsächlich nach dem. Kurs der Span.
„Alfonsini“) Peseten.
Bibliographie über Persien und seine Nachbargebiete.
Clair-Tisdall — s. Sprachlehre Kauder, E. — Reisebilder aus Persien, Turkestan und
Cresson, W. P. — Persia, The awakening East. — der Türkei. — (Breslau 1900.)
(London 1908.) Krahmer. — Russland und Persien. — (Berlin 1903.)
Curzon, Lord. — Persia and the Persian Question. — Or dem in Se in a Persian Town (Yezd).
(London 1892.) % Martin, F. A. — Under the Absolute Emir. — (Lon-
Donny. — Renseignements ä l’usage des voyageurs et don 1907.)
des Residents en Perse. — (Bruxelles 1908.) . Noyce, F. — England, India and Afghanistan. —
Fraser-Benn, Edith. — An Overland Trek from India. (London 1902.)
— (London 1910.) Rohrbach, Dr. Paul. — Um Bagdad und Babylon. —
Grothe, Dr. Hugo. — Wanderungen in Persien. _— (Berlin 1909.) ;
(Berlin 1910.) Sprachlehre: Clair-Tisdall, — Modern Persian Conver-
— Geographische Charakterbilder. — (Leipzig 1909.) sation-Grammar (Methode Gaspey-Otto-Sauer) —
— Meine Reise durch Vorderasien. — (Halle 1908.) Grammatik und Schlüssel — (London und Heidel-
Grulew, M. — Das Ringen Russlands und Eng- Berg” 1002.)
lands in Mittelasien. — (Berlin.) ar ni NN 0a Thousand Miles in Persia. —
Hamilton, Angus. — Afghanistan. — (London 1906.) Tate, G. P. — The Frontiers of Baluchistan. — (Lon-
Holdich, Sir T. H.‘— The Indian Borderland. _-— don 1909.)
(London 1901.) Thornton, Ernest and Annie. — Leaves from an Afghan
Jackson, A. V. W. — Persia, Past and Present. — Scrapbook. — (London 1910.)
(London 1906.) Williams, E. C. — Across Persia. — (London 1907.)
        <pb n="87" />
        Kalender und Zeitvergleichung
Vergleichende und Umrechnungs-Tabellen
Die Islamische Welt
— Inhalt: =——-
Vergleichende Tabelle der Kalendarien . Spalte 155—156
Der moslemische Kalender . . . S 155—156
Zeitvergleichungs-Tabelle der wichtigsten Städte und Länder | 157—158
Vergleichende Münztabelle der Levanteländer . . 159—160
Längen- und Flächenmaße (im Vergleich zu metrischen) 2 161—162
Vergleichende Tabelle für Kilometer, Meilen etc... 161—162
Hohlmaße im Vergleich zum Litermaß . . . 163—164
Gewichte der Levanteländer im Vergleich zu Kilogrammen . 165—166
Umrechnungstabellen für englische Maße und Gewichte . 167—168
„russische. . 169—170
ANHANG
Die Islamische Welt 171—174
        <pb n="88" />
        155 Die Kalendarien der Levante-Länder. 1 56
Vergleichende Tabelle der Kalendarien für die Jahre 1909—1915.
| Christliche . Gregorianischer Griechischer . - as ; i
5 h Jüd

Zeitrechnung Kalender | ‘enlender Moslemit. Zeitrechnung üdische Zeitrechnung
Jahr Ostern fällt auf den a | Jahr | esse 3ellt aut den Jahr ANNE den er

1909 April 11 März 29 1327 | Januar 23 5670 September 16

1910 März 27 April 18 | 1328 8 5671 Oktober: 4

z 1329 2

1911 | April 16 „46 | U In. Derimp. 28 5672 ! September 23

1912 AT März 25 1331 nl 5673 rn 12

1913 März 23 April 14 1332 | Novemb. 80 5674 Oktober 2

1914 April 12 6 1333 „ 19 5675 September 21

1915 nA März 22 1334 nl 5676 5 9

Das türkische Finanzjahr wird nach der europäischen Jahreszahl, benannt und umfaßt den Zeitraum vom
1. März bis ultimo Februar — das persische Rechnungsjahr beginnt am 21. März.
Der moslemitische Kalender.

Man rechnet, dass die Hedschrah, die zahl 3% subtrahieren (weil ja das moslemiti-
Flucht Mohammeds von Mekka nach Medina, in der sche Jahr 3% kürzer ist) und zu dem Resultat die
Nacht des 20. Juni im Jahre 622 nach Christi Geburt Zahl der Jahre von Christi Geburt bis zum Beginn
stattgefunden hat. Die mohammedanische Zeitrechnung, der moslemitischen Aera (15. Juli 622), d. h. 621,54
die 17 Jahre später von dem Khalifen Omar einge- addieren. Nehmen wir beispielsweise die moh,
führt wurde, datiert von dem ersten Tage des ersten Jahreszahl 1318, so stellt sich die Rechnung wie folgt:
Mondmonats Moharrem (Donnerstag, den 15. Juli 622 1318
n. Chr.). Die Jahre sind Mondjahre — aus 12 Mond- — 3% 39.54
monaten bestehend, deren jeder ungefähr mit dem SG
neuen Mond beginnt, ohne irgend eine Einschaltung, + "621.54
die sie mit Rücksicht auf das Sonnenjahr innerhalb = 000° Christl. Zeitr.
derselben Jahreszeit halten würden, so dass jeder —_
Monat im Verlauf von 321% Jahren alle Jahreszeiten M . 7
passiert hat. Sie sind ausserdem in Cyklen von 30 ondmonate Shuhur Qameriye):
Jahren eingeteilt, von denen 19 gewöhnliche Jahre zu arrem 30 Tage Rejeb 30 Tage
354 Tagen sind, während die anderen 11 in der Weise a iR 1 29°, Sha’ban 27
Schaltjahre sind, dass sie einen Tag mehr haben, der Ra Awwal 30 , Ramazanı 30
dem letzten Monat als letzter Tag hinzugefügt ist. Rabi” al Akhir 209 Shawal 290

Sn 5 Jemazi’l Awwal 30 Zi’1 Qa’da 80

Um das betreffende Jahr der christlichen Zeit- Jemazi’l Akhir 99 Zil Hijie 90*

. * * »” »”
rechnung nach irgend einem mohammedanischen Da-
tum herauszurechnen, muss man von der moh. Jahres- *) Resp. 30 im Schaltjahr.
        <pb n="89" />
        157 Zeitvergleichungs-Tabellen. 7 58
Zeitvergleichungs-Tabelle
für Städte der Mittelmeer- und Levante-Gebiete.
Um 12 Uhr mittags mitteleuropäischer Zeit ist die Ortszeit in:

Ort Uhr Min. Ort Uhr Min Ort Uhr Min. Or Uhr Min.
Aden 2 — Gibraltar 10 39 Marokko 10 30 Smyrna 123 AB
Alexandria 12 59 Jaffa 1 19 Marseille 11 21 Suez 1. 9
Algier“ il 12 Jassy 12 50 Messina 12 2 Tänger 10:87
Athen 12 35 Jerusalem 1 21 Neapel 11 57 Teherän 2 26
Bagdad 1 58 Kairo 1 5 Nizza 11 29 Toulon 1 24
Beirut 1 22 Konstantinopel 12 56 Odessa 1 3 Triest U 86
Bukarest 12 44 Korfu 12 19 Oran 10 47 Tripolis (Afrika) 11 58
Damaskus 1 25 Livorno 12 19 Port Said 1 9 Tunis N. 4
Fes 10 40 Madrid 10 45 Rom 11 .50 Turin ul 381
Genua 11 36 Malta 11 56 Salonik 12 32 Venedig 11 49

Einheitszeiten der Länder
Obiges sind natürlich die Ortszeiten, jedoch sind auch die Einheitszeiten der betreffenden Länder nicht
außer Acht zu lassen.
Diese differieren wie folgt:
Die Mitteleuropäische Zeit, die sich nach dem 15. Meridian östlich von Greenwich (Stargard—Görlitz—
Catania) richtet, ist maßgebend für:
Deutschland Dänemark Schweiz Serbien
Luxemburg Schweden Italien Westliche Türkei
Österreich-Ungarn Norwegen Bosnien (Westl. von Salonik)
Die Westeuropäische Zeit (Meridian von Greenwich) gilt für:
Großbritanien und Belgien, und die Zeitdifferenz beträgt eine Stunde nach mitteleurop. Zeit.
Die Osteuropäische Zeit gilt für:

Bulgarien, Rumänien, die östliche Türkei (von Salonik an) und Kreta und beträgt 1 Stunde vor
der mitteleurop. Zeit. — Die osteuropäische Zeit gilt auch für den westlichen Teil Kleinasiens (mit
dem deutschen Bahngebiet) und für Aegypten (Delta und Niltal.)

Eigene Landeszeiten haben: a) in Westeuropa:
Portugal . . . Stunde 36 Min. nach mitteleurop. Zeit (Zeit von Lissabon)
Spanien... A E % „ (Zeit von Madrid)
Frankreich*) . . 510, % % „ (Zeit von Paris)
Holland)... 300, » m „ (Zeit von Amsterdam)

b) in Osteuropa:
Griechenland . . . . — Stunde 36 Min. vor mitteleurop. Zeit (Zeit von Athen)
Rußland: 2... WW LS 1 . % „ (Zeit von Petersburg).
In den nicht aufgeführten Ländern Nordafrikas und Asiens gelten nur die Ortszeiten.
; *) Die französische Zeit gilt auch für Korsika, Algerien und Tunesien.
4%) Holland hatte bis Mai 1909 die mitteleuropäische Zeit.
—— Davis Trietsch, Handbuch über Marokko und Persien. = = 6 —=——
        <pb n="90" />
        159 Münztabelle. 160
Vergleichende Münztabelle der Levanteländer.
D = Doppel-, 6 = Gold-, P = Papier-, $ = Silberwährung.
Land Benennung der Münzen Nerfen
| M. | Pf. | Kr. | H. |Frs. | Ots.
Abessinien 1 Maria Theresia-Taler*) . .. 40.21 | 41971 5 [226
YaMenelik Dollar... 5. M 25— 1 21350 2.1850
Aegypten G acgypt: Pfiund &amp; 100 Piaster:‘. 0. EA . 20'751] 24 | 41 | 25 | 94
1 Piaster Tarif (P. T.) &amp; 40 Para (1 Para = 12 Gedid) a 21 01251 O6
Afghanistan 1 Tilla Gold (Bokhara) . . . Pa 90 | 14 | — 1140087
Algerien indische Rupie... .. 75 a3 | 1757] 11067
Franc &amp; 100 Centimes . . . 0180| 0.| 94 1 -
Arabien Mokka-Taler 4 80 Kabir . . S 3 55 4017 4.1 43
igKrusch a 40 Divani . . . 1.4067 1.1961 2108
iMahmudi 2720 Gass 1. 7 SA 0121 0, 25'/0126
Belutschistan i indische Rupie (daneben auch persische Münzen) . MW 12 8331 | 57 1167
Bosnien * Oesterreich.-Ungar. Münzen !
Bulgarien u. Ost-
rumelien D 1 Lew (Franc) &amp; 100 Stotinki (Centimes) ..- GO | 80 | 0 | 94
Cypern Englisches Geld, auch cyprische Silber- und Kupfermünzen auf
Basis des cyprischen Piasters, (9 Stück = 1 Sh.) ......-
Griechenland D 1 Neu-Drachme &amp; 100 Lepta . . . = = 01:80 01,944 1|—
1 Alt- # A100 . 0/1727 01'865 0/90
Indien (Britisch) ii! Rupie ©. 0.0 TE N he 148381 11 97 1 1 67
Kreta Türkische u. griechische Münzen
Marokko S 1 Piaster &amp; 100 Unzen oder 100 Centavos nominell. . . . . . 411 7210 51 55 5 1190
Kurs-Silberwert?) 1905 20.161 21541 2.1770
Montenegro Oesterr., türk, u. russ. Münzen !
Oman Arab., pers., indische Münzen u. der Maria Theresia-Taler *) Ä
Persien S ‚ 1 Toman, Goldmünze von 2,5536 Gramm, offizieller Wert . . . 8 | 10 9153 | 101.12
1 Toman (Gold) — nicht im Verkehr — hat 10 Neu-Kran, Wert |
nach Feingehalt faktisch: .. ‘. ZN 7114 | 8 | 40 8 | 92
1 Neu-Kran (Silber = 10 Senaar, — 1 Senaar = 10 Bisti, — l 1
1 Bisti = 10 Dinar) offizieller Wert 0,81 — nach seinem
Silberwert!) . . A ] 0087 5 16
Rumänien G 1: Deu 3:100 Banl. 1. ea Se 9 | 80 a4
Samos | Türk. u. griech. Münzen ;
Serbien D + 1 Dinar &amp; 100 Para. . + + A N
Tripolitanien S 1 Mahtub &amp; 20 Piaster . . - i ZI 5 20
1 Piaster 4 40 Para. . - - ‚4 9116 )
*° Maria Theresia-Taler!) . ... + +. a. 21 3
” in „ nach Silberwert”) DE Aa 082 27
°[Oetschlik &amp; 3 Gersch..- . ; £ ee A DL65 . „81
Tunesien 6 Franc a 100 Centimes .‘. . z RE a
Türkei 6 Türk. Pfund &amp; 100 Piaster (Gersch) + . + +0. 44 58 | yı 3 | 05
RN „0-1 4125
1 Piaster Silber (4 40 Para?) in Syrien nur als Rechnungseinheit |
u. zu 13 Pf. bewertet). . AS 011810 | 21 0+22
*) Der Geldwert des „Maria Theresien-Talers‘“, der seit 1765 für den Handel mit dem Orient und seit 1780 stets mit dieser
Jahreszahl geprägt wird, hängt von dem jeweiligen Silberpreis ab und beträgt z. B. bei einem Silberpreis von 90 M für 1 Kg Silber
fein 2,10 Mark. — Neuausprägungen erfolgen nur auf Bestellung (bei der Wiener Münze). Sein heutiges Währungsgebiet ist haupt-
sächlich Abessinien, Sudan, Südarabien und benachbarte Gebiete ENT ON eto.). . 5 X ©
1) 100000 Rupien heissen 1 „Lac“ — 10000000 heißen ein » rore“ Cu (hierbei wird nicht eigentlich 100000 und 10000000
geschrieben resp. abgeteilt, sondern 1,00,000 für 1 Lac und 1,00,00,000 für 1 Crore Rupien). S . es
?) Bei Ländern, deren Silberausprägung in ihrem nominellen Wert nicht durch den Staat garantiert ist, kann das Silbergeld
nur nach dem Metallwert berechnet werden, der aber großen Schwankungen unterliegt nd zurzeit wesentlich weniger als die
Hälfte der üblichen Nominalwerte ausmacht.
3) Häufig wird bei Piastern auch eine Art Dezimalrechnung angewendet, — dann heißt 2,50 Piaster aber soviel wie
21/„ Piaster oder 2 Piaster u. 20 Para.
        <pb n="91" />
        Die Längen- und Flächenmaße der Levanteländer im Vergleich zu metrischen Maßen.
In Benennung der Längenmaße Metrisches
Maß
Abessinien . . 1 Kend [Elle] — (zu 2 Sinscher) . . . 0,4572 m
1 Pik Halebi . . % Sr Be 4 Norah BE Ha 0,6858 „
i ;— ik Beledi Normalmaß : AA. 58;
ASaypten a ; ME le 1 Pik Stambuli 1 Pik Meimari 1 Pik Nili 05526 7
0,6384 m 0,677 m 0,750 m 05245 m
1 Kassabe LA ee . _ ‚3,55 m
1 Feddan (Bodenmaß). ... 0 - „2... 4200,83 am
Afghanistan. . . . 1 Arschin (Goes) für Wollw. = 1,120 — sonst: . . SE 1,025
Algerien‘. 2. 2. Französische Maße
Arabien... 1 Cobido 0,482 Meter, 1 Göss 0,635, 1 Draä . .. 0,488 m
Belutschistan . . . Indische und persische Maße
Bosnien . . . . . Oesterreichisch-Ungarische Maße
Bulg. u. Ostrumelien Metrisches: Maß. u ea Eh vu + A OO
Griechenland . . -. 1 königl. Piki (zu 10 Palamas zu 10 Dactyl &amp; 10 Gram) . . En | 1,— m
1 königl. Stadion zu 1000 königl. Piki [Elle, Meter] . . . . n 1000,—
1 Stremmö-; Te 1000 am
Kleinasien u. Syrien. Offiziell das metrische Maß; — frühere Maße 1 Pin Sieht 1 ES er
1 Agatsch oder Farsang (a 3 Berry). . . - - ; 5010 m
Kreta... Türkische u. griechische Maße
Marokko. . 1 Dhra Codo (zu 8 Domin) . . Z 0,571 m
LCaar 0,555
außerdem auch Meter u. Yard
Montenegro . „Oesterreichische, türkische u. russische Maße
OmaB CO DE A 0,994
Pers. Reich . 1 Arschin oder Sär (zu 4 Tscheharek &amp; 4 Sirre &amp; 2 Var) in Täbris. . . . 1,130,
x n n In Teheran; 4 ea CE 104 ,„
1 Faresang (Farsach Meile). . . . +. im Durchschnitt*) 6720 m
1 Dscherub . 4 . 1152,986 qm
Rumänien... Metrisches Maß
Samos... Türkische u. griechische Maße
Serbien .. .. . -. - Metrisches Maß früher 1 Arschin . ; ; 0,686
Tripolis (Nordafrika) 1 Draa Endasch (türkisch) . . . . ; A. - 0,671
A 0,483
Türkei... Metrisches Maß (Arschin — Meter) U 1 Us 1 Dieri D Erlek |
Tunis’. 1 Draa arab. [Elle]... S 0,488

*) ı Farsach (4 4 Meidan) ist eigentlich nicht ein bestimmtes Wegemaß, sondern die Stundenleistung eines Maultieres und
variert je nach Beschaffenheit der Wege und je nach Gegend meist zwischen 6 und 8 km.

Vergleichende Tabelle für Meilen, Kilometer und andere” Entfernungsmaße,

Die Umrechnung jedes Maßes in die anderen erfolgt von der fettgedruckten 1 aus in ihrer Längszeile.
Frankreich ! en ı Seemeile ı Russland | Preuss.-Dän. Da K Oesterreich.! Spanien | Portugal 1 Nordd. Meile
 KUoneter 5 «N wa Werst.. | Meile geograph. | Meile |LeguaNueva| Legoa Nova I v. 17/7. 1868

1

1 0.621 ı 0.539 0.937 0.133 0.135 0.132 0.150 0.200 0.133
1.603 1 0.868 1.509 0.214 0.217 0.212 | 0.241 0.321 0.215
1.855 1.153 1 1.739 0.246 0.250 0.245 0.277 0.371 0.247
1.067 0.663 0.575 1 0.142 0.114 0.141 0.160 0.213 * 0.142
7.582 4.681 4.060 7061 ı 1.015 | 0.992 1.133 1.506 1.004
7.420 | 4.611 4.000 6.956 0.985 | 1 0.978 | 1.110 1.484 0.983
7.536 4.714 4.089 7.111 1.007 | 1.023 1 1.134 1.517 1.201
6.637 4.155 3.695 6.269 0.888 | 0.902 0.880 1 1.337 0.891
5.000 3.107 2.695 4.687 0.664 0.675 0.652 0.748 1 0.888
7.500 4.606 4.021 7.031 0.996 1.012 4 0.982 0.122 1.500 4

pr
        <pb n="92" />
        163 Tabelle der Hohlmaße 164
Die Hohlmaße der Levanteländer im Vergleich zum Litermaß.
(F = Flüssigkeit, G = Getreide)
‘ Benennung der Hohlmasse Liter
— I. e u.
Abessinien . . 1 Ardeb = (in Gondar) ä 10 Madega . . .. ) 4,404
1 Medan zu 8 Kuba (Flüssigkeitsmaß) . . . . m... 8,128
Aegypten. . . . . 1 Ardeb (zu 6 Quebehs &amp; 4 Rouböhs ä 12 Keles) 197,76
Afghanistan . . . . wie Persien
Algerien Französische Maße etc.
Arabien . .. . . 1 Cuddy zu 8 Nusfias 4 16 Wakeia F (Flüssigkeit) ns 7,57
1 Timan zu 40 Mekmeda . .. . .- E 56,760
Belutschistan Indische und persische Maße
Bosnien . . . . . Oesterreich.-Ungarische Maße
Bulg. u. Ostrumelien . Metrisches Maß; Getreide nach Kilogramm oder Hektoliter — 1 Krina . . . 20,—
Griechenland. . . . % „ 1 kgl. Kilö (zu 10 Kotyli &amp; 10 Mistra &amp; 10 Kubus). . . ., 100,—
1 Getreidekoilon = 22 Oka .. DE 2677
Indien
Kreta .. ud 4 Türk. u. griech. Maße
Marokkö . . .=... 1 8Saah zu 4 Muhd (Almuda) . ze S 57,548
1 Kula F = 15,155; in Tanger f. Oel = 24,03 1
Montenegro . . . . DOesterr., türk. u. russ. Maße
Oman .. ..:/,;::; IVerrenä 34 Sidios F . m 80,—
Persisches Reich . . 1 Artaba (Getreidemaß). ..... . .. 65,288
(Flüssigkeiten nach Gewicht)
Rumänien. . . . . Metrisches Maß
Samos . .. . . . Türkische u. griechische Maße
Serbien. . .. . . . Metrisches Maß
Tripolitanien. . . . 1 Ueba (zu 4 Temen &amp; 4 Orbach). . . . A 107,30
1 Barile Wein (&amp; 24 Bozze) . . . zz 64,836
1 Arbage Oel (a 8,5 Oken) ... . . . fan - 11,64
Tui .  Metrisches Maß; 1 Kafıs (zu 16 Huöba 3 12 Saa) . . 495,94
Türkei... Metrisches Maß unter nachstehenden Bezeichnungen:
1 Oeltschek = 1 Liter, — 1 Schinik = 10 Liter, — 1 Killi=1hl

Ir
        <pb n="93" />
        165 Gewichtstabelle der Levante-Länder. 166.
Die Gewichte der Levanteländer im Vergleich zu Kilogrammen.
L Benennung der Gewichte Kilogr.
Abessinien . . - 1 Rottel (zu 12 Wakihs 2 10 Drachmen) =0,8311 oder ...... 0,337
Afghanistan. . + 1 Mahn (zu 4 Oka.d 1000 Miskal) .. =. 7. 000 He en A 474 4,18
Aegypten. - + © Cantoroforforo (zu 36 Oka oder 100 Rottoli &amp; 144 Drachmen)= . . . 44.49312
2 7 {im Handel auch... 44,28 und 50
1 Kantar. (bei Baumwolle) ...... 40 +4 5 Aa 44,928
1 Oka (zu 400 Drachmen) .. . 5 5 Keime y 1 “1,28592
Algerien Französische Gewichte
Arabien... . - 1 Bahar zu 15 Frehoils zu 10 Mahnds zu 2 Rottoli .... ++ «+ - 83,05
1 Timan (Reis) zu 40 Kellag .0. 2.0. AL 84,90
Belutschistan Indische und persische Gewichte
Bosnien . . . . . Oesterreichisch-Ungarische Gewichte
Bulg. u. Ostrumelien. Metrische Maße und Gewichte für Lebensmittel seit 1889, für anderes
von 1892 an obligatorisch 1 Oka . . . +. +00 027 -| 1,278
Griechenland ; 1 Stater [Quintal] (zu 44 Oken a 40 Dramme) . . .. 5 56,320
1 Talent zu 100 königl. Minar zu 1500 Drachm. (Gramm) „7. 150,—
10a. MN as 1,28
1 Pfund Venetianisch (im Korinthenhandel gebräuchlich). a 0,48
Con... ne 1 20,064
. FOREN . . % .  1500,—
Kreta „.-. Türkische und griechische Gewichte
Marokko. . . - 1 Kintar zu 100 Artal (Rottol) = 50,803, der grosse Kintar = 81 kg
Kintar el Arub = 38—40,5 kg .
Montenegro . . . . Oesterreichische, türkische und griechische Gewichte
Oman... .-. ;-. 1 Kandi (zu 60 Maunds &amp; 24 Kotschas) ; .'. .. + +47 + WG 4,85
Pers. Reich . 1 Miskal (zu 24 Wochud &amp; 4 Gendum) . . 2.0. .00000040404 Hr 0,00459
1 Batınan. oder Tähris Man®) 9 ET 2,970
1 Mani Schahi =2 , %
] Schiras Man = 1'% -
] _Kharvar (= 100 Tabris. Man). ER ELL «3 297,000
Rumänien . . Metrisches Gewicht
Samos. u &gt; Türkische und griechische Gewichte
Serbien . . . Gewichte wie Frankreich ;
Tripolis . 1 Kantar (zu 40 Oka &amp; 2'/, Rottel von 16 Unzen) SCH A x 2
rn 1-Metikak (A 24 Kharubs) .... + + + + pe 4,716
Türkei i Oka = 1000 Drachmen (Dirhem) . . . .„. - a 1,—
_ Batman = 10 kg, 1 Kantar (1 Ztr.) . . N RR Ce 00,
. ı ASCHE sc 1000,
Tunis. . 1 Kantar (zu 100 Rottel attari &amp; 10 Uckien) ....-.. «+ | 50,688
*) Der Täbris Man ist das offizielle, besonders auch im Zolldienst anerkannte, Gewicht. (1 Batman = 40 Sir, — 1 Sir = 16 Miskal).

Ir
        <pb n="94" />
        167 Umrechnungs-Tabellen 168
U ®
Umrechnungstabellen für englische Maße und Gewichte.
Für den Gebrauch der Tabellen gilt folgende Erklärung:
Von der fettgedruckten Ziffer in der Mitte aus liest man nach rechts oder nach links je nach der gewünschten
Umrechnung. So zeigt beispielsweise die erste Zeile der ersten Tabelle:
1 m = 3,281 engl. Fuss
1 engl. Fuss = 0,304 m.
Meter und engl. Fuß, Meter und Yard. Hektar und Acres.
m 0,304 — engl.Fuß 1m= 3,281 engl. Fuß m 0,914 = Yard 1m= 1,093 Yard ha 0,405 — acres 1 ha = 2,471 acres
» 0609=— ” 2,=— 6,562 , ” „ 1829=— 2,= 2187 „0,809 = 2 „= 4,942
»„ 094=—  , ” 3 ,, — 9,843 , „ »„ 2,743 = 3, = 3,281 ,, „ 1,214= 3 „ = 7418 »”
» 10 2 ni 4, A nn 3608 = „ 4 = 4974... 2 1619=) „ 4, = 9885 &gt;
» 1SM4M= ” 5, —16,405 ,, ” » 152 =— 5, = 5,468 ” ” 2,0283 — 5 DO 12,356 »”
» 1829— ” 6, —19,685 ,, ” „ 5,486 — 6 „ = 6,562 ” »„ 2428— 6 „= 14827 ,
» 2134=— ” 7, —22,966 ” „ 6401 =— 7, = 7,65 ; 2838 =— x 7» = 17,29%
„ 2,4388— ”» 8 ,, — 26,247 ,, 7 „ 2315=— 8, = 8,749 , 8,2857 = 8 , 19,769 ,,
» 2,783=— » 9, =—29,528 = „8,2209 =— 9, =— 9,843 , „ 3,642— , 9 ,, = 23,240
» 3048= » 10,,=32,809 ” „ ld = 10, = 10,986 047 ll, AO A 471,
„ 6,096= 20 ,„— 65,618 „ „ 18,288 = „ 20, = 21,878 » 8,093 = „ 20 „ — 49423
» 3l44= &gt; &gt; 81= 827. 5 27,432 — }» 30 — 32809 |; „ 12140 = } 30 ; = 74,184 x
„12,192=—= „ , 40.=—181,286 , „36,576 = „ 40, = 48,45 x » 16187 = „ 40 ;, =— 98846 ,
n 15,240— „50 ,,=— 164,045 ” „ 45,719 = „ 50 ,, =— 54,682 ,, n 20,234 = 50 » =— 123,557
„18,288 — „ 50 „=196,854 ” „ 54,868 = „ 60 ,, — 65618 „ »„ 24,286 = 0 » = 148,268 ,
n 21,386 — » 70 ,,=—229,662 ” » 64,007 = „ 70 , = 76554 „28,327 = „ 0 „ — 172,980 ‚,,
» 24,384 — „ „80 ,=262,471 „ » 78,151 = „ 80 ,, = 87491 » 32,378 — , 80 , — 197,692 ,,
n 27,432— » ‚90. ,,— 295,280 . ’ » 82,295 = „ 90 , =— 98,427 „ 36,420 = „ 90 ;, =— 222,908 „.
„ 30,479— „ „100, =328,090 „ „ 91,488 — „ 100 ,, — 109,868 „40,467 — , 100°, — 247,114
Kilometer und engl. Meilen, OD) Kilometer und Engl. [] Meilen, Kilometer und Seemeilen.
km 1,609=engl.M. 1km= 0,621 engl.M-: [7Jkm 2,592 =e.[]M. 1[]km= 0,886 e. (JM. km 1,855 = Seem. 1 km = 0,539 Seem.

» 3319= 4 „2, = 1,248 „ ” 5,184 — 2 ,=0772 » 3,710 = ” 2 „ = 1,078 ”

» 48288— „ »„ 3” = 1864 „ »” 7,776= 3 » = 1158 » 5,565 = ” 3 „ = 1617 ”

n» 6,438— „»„ 4, = 248 „ » ‚» 10,368 = 4 „= 154 , » 7420= 4, — 11566

» 8,0947 „ » 5, = 3107 „ » 12,960 = ,, 5 „=1,980 » 9,275 = » 5 „ = 2095 ”

” 9,656 =— ",, ” 6 „= 3,728 ” ” 15,552 == ” 6 » = 2,316 ” » 11,180 = ” 6 „ = 83,235 ”

» 11,2%65— „ 7» = 4,350 „ » „ 18,144 — 7 » = 2,202 ” » 12,985 = ” 7 nn = 3,774 »”

» 12,879=— „ 8, = 491 » 20,736 = ,, 8 „ = 3,088 ” » 14,840 = ” 8 „ = 4313 »”

» 14,484 — #9 9 » = 5,592 ” » 28,328=— 9 » = 8,474 ” „ 16,695 = ” 9 „ = 4852 ”

„ 16,093— „ „ 10, = 6214 „ » „ 25,920=— 10, = 8860 , „ 18,550 = „» 10, = 5891 ”

»„ 32,.186— ” 20 » =12428 „ » »„ 51,840 = ” 20 „ = 7,720 ” »„ 37,099 = ” 20 „ = 10,782 ”

n 48,279— „ „ 30 , =18,641 „ » » 77,760 ,„ 30 „ =11,580 ‚, »„ 55,649 = ,„ 30 » =1618

» 64,373— „ „40, —24855 „ mn » 103,680 = ,, 40 , =15,440 ,, „74,198 = »„ 4% „ =—21564

n 80,466 =: „ „ 50, =31,069 „ » » 129,600 = 50  =19,300 ” „92,748 = ” 50 „ = 26,955 ”

» 96,559=—: , „ 50 , =37,288 „ » » 155,520= 60 „ =28,160 » 111,298 = „ 60 „ = 32,346 ”

„112652: 7 70, =4497 » 181,440 = ,, 70 „ =27,020 129847 = } 70 „ =377837 „

» 128,746 —: nn 8 „ =49,710 „ » 207,360 = 80  =30,880 ” » 148,397 = ” 80 = 43,128 ”

n 144,859— „ „ 90 „ —55,904 „ „ 238,280 = ,„ 90 , =34/740 , » 166,946 = „90 ,„ =—=48519

» 160,932—= „ 100 ; =62188 „ „ 259,200 = „ 100 „ =38,601 » 185,496 = „ 100 „ = 53,910

Hektoliter und Bushel, Kilogramm u. engl. Pfundgewicht. Liter und Gallonen.

hl 0,3635 = Bush. 1hl= 2,7512 Bush. kg 0,454=engl.Pfd. 1kg=— 2,20engl.Pfd, 1] 454 = Gallone 1 1= 0,22 Gallonen

» 0,7270= „ 2,= 55024 , „ 0907= „»„ » 2n = 44 „ mn ». 9090= 0 2, = 0M nn

» 10905 = „3, = 8,208 nn 1861= ; nn 8 = SO m „1963 =  n A dp = 0,66 »

„ 1%40= „ 4, = 110048 „  184= 2 n 41» = 882 „mp 3 = 4, = 0,58 »
1814 = = 8, = 18,75660 ». 2008= „ m Sn = 02% m » 22,72 =  »rrän = 110 n
2.1810 = „) 65, = 166072 » 22= a u ZW „26 = 0, = 182 #
2,5445 = 7, = 192585 » 810= a Un 188. 30 m „91,80 = HZ, = 14 »
2,9080 = „ 8, = 22,00% » 3629— „nn 82 176 „zn „ 36,85 = „ 8, = 1,76 X
8,2713 = „ 9» = 24,7609 „ 4082: % n „In — 1084, „4089 = U 9, = 19% n
8,6848 = „ 10, = 27,5121 „ 45386= „ » 10» = 2205 » „45,48 = 7 10, — 2,20 n

„ 72695= „ 20, = 55,0242 „7 9072== „m 20, 5 409 „90,87. = „ 20, = 400 #

„ 10,9043 == „ 30, = 82,5368 » 18,608=— ‚„„ 30, = 66,14 „ „186,30 = „ 30, = 6,60 ”

» 14,5390 = „ 40 » = 110,0484 „ 18,144= „ „ 0, =— 8818 ,„ „181,74 =— „ 40, = 8,80 »

, 181738 :. „ 50» = 137,5604 „ 22,679= „ » 50» =110,28 „ „227,.17= „ 30, =11— ”

. 21,8086 =. „ 6, = 16507295 „ 27,215= „ nn 60, =18228 „ „272,61 = „ 30, = 13,20 »
25,4439 = „ 70 » = 192,5846 » 81,752= „ »„ 700, =10432 „ „818,04 = „ 70, = 15,40 ”

„ 29,0782 = „ 80 „ = 220,0968 » 36,288— „80, =176,37 » „ 368,48 — »„ 80, = 17,60 »

» 32,7180 = „ 90» = 247,6087 „ 40,8288=— , „90, =19842 „ „408,91 = » 90, = 19,80 »

» 363477 = „ 100 „ = 2751208 „ 45,359— , 2» 100 ,, —220,46 „ „454,355 — „ 100, — 22,01 9X
        <pb n="95" />
        169 Umrechnungs-Tabellen. “170
® ®
Umrechnungen für russische Maße und Gewichte.
: Für den Gebrauch der Tabellen gilt folgende Erklärung:

Von der fettgedruckten Ziffer in der Mitte aus liest man nach rechts oder nach links je nach der gewünschten
Umrechnung. So zeigt beispielsweise die erste Zeile der ersten Tabelle;

1 Arschin = 0,7112 m

1 m = 1,403 Arschin.
“A —

—
Arschin und Meter. Dessjatine und Hektar. Werst un j
ometer.

1 Arschin = 16 Werschok 1Werst= 500 Saschen, 10 Werst — 1 russ.Meile
Arschin 1,406 =m 1 Arschin = 0,7112 m Dessj. 0,91533 = ha 1 Dessj. = 1,0925 ha Werst 0,9372 = km 1 Werst = 1,067 km
„= 2812=, 2 » = 14224, „183066 = „ 2 »„ = 21850 „: 1844= , 2 „:= 21M

X 4,218=„ 3 vr = 2,1336 ,, ” 274599 = „ 3 » = 3,2775 ,, ». 428116 = „ 23 9ı= 3201
» 5,624 = 4 ” a 2,8448 ” 8,66132 = „ 4 » = 4,3700 „ 3,7488 = „4 »: = 4,268 nl
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1 Russ. Tonne = 6,2 Berkowetz 40 Wedro = 1 Brotscka, 1 Tschetwert = 8 Tschetwerik ode
5 ı Wedro — 10 Krutschka — 20 Flaschen — 80 Garnez.
oder — 100 Tscharki (Ration). .
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        <pb n="96" />
        171 Die islamische Welt, 172
Die islamitische Welt,
(Aus dem „Levante-Handbuch“ — zweite Auflage — siehe Inserat.)

Als Vormacht der islamitischen Welt hat während das Band, das alle Bekenner des Islams um-
das türkische Reich eine weit über seine Grenzen hin- schlingt. — Die Bedeutung dieses Zusammenhangs ist auch
ausgehende Einfluss-Sphäre. Ausserdem ist ja der in politischer Hinsicht keineswegs zu unterschätzen,
Sultan gleichzeitig der Kalif aller sunnitischen Mo- und von diesem Gesichtspunkte aus halten wir es
hammedaner,*) die heiligen Stätten des Islams — Mekka für angezeigt, hier eine Aufstellung folgen zu lassen,
und Medina — befinden sich im türkischen Arabien, die die Verteilung der Viertelmilliarde von Mos-
und die alljäährlichen Pilgerkarawanen festigen fort- _Ilems über die Hauptgebiete der Erde zeigt.

Verbreitung des Islam nach Ländern (und Kolonialmächten).
Moslems Gesamteinwohnz. Mosl. %/

Abessinien 800 000 8 000 000 10
Ägypten und Sudan 13 700 000 14 275 000 96
Afghanistan 4 500 000 5.000 000 90
Belgien und Kolonien 1.007 000
Belutschistan (ohne Brit. Bel.) 500 000 520 000 96
Bulgarien 670 000 4 500 000 15
Chinesisches Reich 30 000 000 350 000 000 9
Deutschland und Kolonien 8 500 000
Frankreich » 18 170 000
Griechenland 31 000 2 750 000 7
Großbritanien u. Kolonien (ohne Sudan) 73 792 200
Hadramaut, siehe Oman
Italien und Kolonien 600 000
Kreta 35 000 350 000 10
Liberia 450 000 1 500 000 30
Marokko 7 900 000 8 000 000 99
Mittelamerika und Westindien 20.000
Montenegro 14 000 250 000 6
Niederlande und Kolonien 33 005 800
Oman, Hadramaut und Innerarabien ‘2 420 000 2 420 000 100
Oesterreich-Ungarn 650 000
Persien 9 870 000 10 000 000 99
Portugal und Kolonien 95 000
Rumänien 50 000 6 900 000 0,7
Russisches Reich (in Europa und Asien) 19 430 000 163 600 000 12
Serbien 15 000 2.985 000 0,5
Siam 1.000 000 6 009 000 16
Spanien und Kolonien 130 000
Sudan (siehe Ägypten)
Türkisches Reich 18 730 000 24 500 000 3
Vereinigte Staaten und Kolonien 733 000
Westindien (siehe Mittelamerika)

246 818 000

*) Mit Ausnahme der ebenfalls sunnitischen Moslems Marokkos und der benachbarten Sahara-Länder, denen der Sultan von
Marokko (z. Teil auch der Scherif von Wassan in Marokko) als religiöses Oberhaupt gilt.

en}
af
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        173 Verbreitung des Islam nach Erdteilen. 174
Europa”) Afrika”).
Gesamtbevölk. Moslems % Selbständige Staaten Gesamtbevölk. Moslems %
Europ. Rußland (ohne Kau- Abessinien 8 000 000 800 000 wo
kas.) 132900000 4430000 3 Ägypten 11275000 10700000 95
Europ. Türkei 6500000 3250000 50 Anglo-Ägypt. Sudan 3000000 3000000 100
Königr. Bulgarien 4500000 670000 15 Liberia 1500000 450000 380
Oesterreich-Ungarn 650 000 Marokko 8000000 7900000 99
Rumänien 6 900 000 50000 0,7 RBesitzg. fremd. Staaten
Nee z 4 An S en Belgisch Kongo 19.000000 1007000 5
riechenland 2.935 000 15.0008 (0,5 Deutsche. Kolonien 11900000 28500000 71
Serbien »” Englische Besitzungen
Montenegro 250000 _ 14000 6 (ohne Sudan) 8 000 000
9.145 000 Französische Besitzungen 32000000 17000000 58
] Italienische » 600 000
Asien, Portugiesische 70.000
Selbständige Staaten Gesamtbevölk, Moslems % Spanisch Nordafrika 130 000
Afghanistan 5000000 4500000 90 Tripolitanien (Türkisch) 1.000 000 980000 98
Belutschistan (ohne Brit), 520000 500000 96 59 137 000
China 350 000 000 30000000 9 Amerika.
Oman, Hadramaut u. Inner- Nordamerika: Unter den in die Vereinigten
Ambien 2420000 2420000 100 Staaten eingewanderten über 100 000 Chinesen 8000
Persien**) 10000000 9870000 99 Mittelamerika und Westindien: 20.000
Siam 6000000 1000000 16 Südamerika. Britisch Guyana 22200
Besitzg. fremd. Staaten Niederländ. Guyana 5 800 28 000
Türkisch-Asien 17000000 14500000 85 56 000
Amerikan. de 7 635 000 725000 91% Australien und Ozeanien
Asiat. Rußland (inkl. Kau- 7 S nn
kas. u. Vasallenstaaten) 30700000 15000000 50 Meist unter den eingewanderten Chinesen, 92000
Englischer Besitz 65 750 000 _ Malaien und Afghanen ca.
(hiervon Indien mit Cey- ne nn In Afrika ist die Te ‚der Malle am EYE Ton
% ä , rseits Iortwahren!
lon 64 250 000 Moslems N EIC ErOBe Ann des Talam Nor en eht und weil anderer-
unter einer Gesamtbevöl- De Bekehrung der afrikanischen Heiden TE a ee so Ka
kerung von 306 000 000.) ächliche ist, daß es nicht ohne weiteres angeht, selbst die schon
P da stehenden Völker-
Französ. Asien 18.000000 1170000 614  Shhon terelts 2 Moslems zu Beziehen. 7 Ynamerhin sind Yo
z 3 : i i en dem Islam ın I“
Niederländ. Besitzungen 38000000 33000000 87 7a Million an Koclta and Yreht Angerechnel worden, hinter  olchen
Portugies. ni 810 000 25000 31 Ziffer unsere Aufstellung um 15 Millionen zurückbleibt. Es soll
a aan aber auch nicht unerwähnt bleiben, daß Kenner der Verhältnisse
178 460 000 gerade Afrika als das aussichtsreichste Gebiet der
7 77 9. Stot islamischen Expansion betrachten, derart sogar, daß nach
Ta Status 1910. . = ihrer Ansicht ganz Afrika — soweit es nicht bereits christianisiert
S “*) Persien ist das Hauptwohngebiet der Schiiten. Diese ist — mit dem Verschwinden des Heidentums weitaus der Haupt-
rn Uber noch in größerer Anzahl vertreten in Afghanistan sache nach dem Islam anheimfallen werde. Da die Zahl der
un 4 De. FO (ca. 600 000), in Vorderindien (ca. 1!/, Millionen) Fetischanbeter und sonstige Heiden Afrikas vielfach auf mehr als
Soniiten N YO VeTSCh dan DS at are Tau zen Kl die Zahl der 130 Millionen (unter einer AngenOMMeNCh U des
Die Zahl von 13 Millionen dürfte der Wahrheit am HÄCHStEN N DEE aGrns Uhancen AH reltthgr 465 Daun BB
Gesamtübersicht Ei h A Mosl. ©
Europa (ohne Kaukasien) ca. 430000000 ca. 3145000 ca 2 %
Asien (incl. 9 ‚850000000 „ 178460000 » 21
Afrika „130 000 000 ». 59137000 = 6
Amerika »„ 175000000 560005 a» 493
Australien und Ozeanien » 7 000 000 m 20 000 nl 1.03
Z—_ Km ZOO
ca. 246818 000
Von der Gesamtbevölkerung der Erde (ca. 1600 000 000) machen die Moslems hiernach zurzeit etwa 151,7
oder fast genau ein Sechstel aus.
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        Soeben in 2. Auflage erschienen!
Eine Übersicht über die wirtschaftlichen Verhält-
nisse der Europäischen und Asiatischen Türkei,
der christlichen Balkanstaaten, Ägyptens und
Tripolitaniens. HERAUSGEGEBEN VON DAVIS TRIETSCH
Gr.-Oktav. Mit eingedruckten Kartenskizzen
und zwei Kartenbeilagen in Farbendruck
Auszug aus _ dem Inhalt
Definition und Allgemeines — Terra incognita etc.
Die Nationalitäten und Kirchen der Levante-Länder
Die Staaten und Länder der Levante
Die Städte der Levante-Länder. Liste der Städte mit
statistischen etc. Angaben (alphabetisch geordnet)
Vergleichs- und Umrechnungstabellen etc.
Tabellen über Handel und Schiffahrt etc.
Einzel-Kapitel
Amerikanische Entwickelungen im Orient * Vom Verkehrsgebiet der Bagdadbahn
Die Mariutbahn Die Landeigentumsverhältnisse in der Türkei
Die Industrie im osmanischen Reiche Das österreichisch-türkische Entente-Protokoll
Der Bergbau Das neue türkische Gesetz über die Heimatsberechtigung
Die Hausindustrie Schnellste Postwege nach den Ländern der Levante
Elektrische Unternehmungen in der Türkei Die fremden Postämter in der Türkei
Türkisches Telegraphenwesen Die hauptsächlichsten Zeitungen der Levante-Länder
Die syrisch-arabischen Eisenbahnen Die Deutschen in den Ländern der Levante
Die neuen Eisenbahnprojekte der türkischen Regierung | Die deutsche Sprache in der Levante
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a Berücksichtigt schon Status und Ereignisse von April 1910. On
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        ai Schiffsverkehr Persiens. 142
1. auf der Strasse nach Täbris: Dass die Wirren in Persien in der Tat bedeutende
1906 526 545, materielle Verluste sowohl auf russischer wie auch
1907 1030 215, persischer Seite zur Folge gehabt haben, ist von dem
1908 1348 442; russischen Generalkonsul in Aserbeidschan, der sich
. zu der Frage geäussert hat, ohne weiteres zugegeben
&amp;” 2. auf der Strasse Enseli-Teheran: worden. Die Unsicherheit auf den Strassen hatte na-
&amp; 1900 5 780 914, mentlich ein grosses Anwachsen der Waren in den
N 1901 6570 185, Zolllagern zur Folge. Unrealisierbarkeit der‘ Waren
) 1902 6 590 000, auf der einen Seite stand somit dem Fehlen der Waren
„ 1903 8151 925, und dem ganz bedeutenden Anwachsen der Preise auf
u 1004 7167 005, der anderen Seite gegenüber. Mit der Besserung der
1905 6286 315, Lage soll aber jetzt schon nach den Mitteilungen des
G &amp; 1906 7881 860, obengenannten russischen Generalkonsuls ein Abfliessen
» 1007 8982 840, der Waren aus den Zolllagern und ein Sinken der
S $ 1908 11340 715. Preise bemerkbar sein.
S Nach den neuesten Nachrichten hat das letzte Jahr
5 Wenn man die vorstehenden Ziffern betrachtet, so auf dem Handelswege über das Kaspische Meer
Bet man, dass ein eigentlicher Rückgang der Waren- und die Wolga einen fast 100prozentigen Auf-
= bwegung nur während der Jahre der russischen schwung gegenüber dem Handel des Vorjahres ge-
» Nirren stattgefunden hat. Demgegenüber dürfte jedoch zeigt und damit alle Erwartungen bei weitem über-
| Betracht zu ziehen sein, dass es sich bei dem Ver- troffen. Das Vertrauen der russischen Handelswelt
hr auf den beiden Strassen nur um einen Teil des zum persischen Geschäft ist damit wieder sehr ge-
aa zwischen Russland und Persien han- festigt. — Grossen Einfluss auf die Zunahme des
elt, und dass sich die Wirkung der Wirren auf den russischen Exportes nach Persien hatte übrigens die
iufenden Warenverkehr naturgemäss erst nach einer Tätigkeit der „Russ ijsch-persischenBank“,
estimmten Zeit äussern kann, da zunächst die laufen- die auf Waren, die nach den persischen Märkten be-
en Engagements ausgeführt werden müssen. fördert wurden, hohe Darlehen gewährt hat.
Die Türken am persischen Golf.
„Neuere Meldungen berichten von zunehmender Un- Vilajet Basra und ein neues Mutessariflik (eine Art
icherheit im Vilajet Basra, das als eines der Ge- Provinz) El-Hasa, die sich ungefähr von der Mün-
\iete, die von der Bagdadbahn durchquert werden dung des Euphrat und Tigris an der Küste des per-
ollen, ein spezielles Interesse verdient. — In der kürz- sischen Golfes entlang bis nach Oman erstreckt.
ichen Debatte im türkischen Parlamente ist auch
wieder von dem seinerzeit vielgenannten projek- „Die Zugehörigkeit von Kuweit zur Türkei ist be-
Da Endpunkt der Bagdadlinie am persischen kanntlich früher von englischer Seite bestritten worden,
jolfe, Kuweit, die Rede gewesen, der nominell zur doch lässt die Umwandlung von El-Hasa in ein
Türkei gehört. Kuweit nun liegt in dem bisherigen eigenes Verwaltungsgebiet darauf schliessen, dass die
Vilajet Basra, das aber vor kurzem administra- Türken ihre Autorität in diesen Regionen zu befestigen
iv geteilt worden ist, und zwar in ein verkleinertes suchen oder schon wiederhergestellt haben.
Schiffsverkehr Persiens.
Schiffsverkehr in den Häfen des Persischen Golfs
. 1906/08
1906/07 1907/08
5 kn; Ts Tomem SOSE
m Buschir 503 354798 505 450729
© Lingeh 342 155720 383 204836
Bender Abbas 262 245 946 233 269 986
Mohammerah 180 183243 166 171008
© Schiffahrt der persischen Häfen des Kaspischen
Meeres 1907/08: 1991 Schiffe mit 555192 Tonnen.
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