II. Die Haupttatsachen der älteren deutschen Agrargeschichte. 29 So, wie wir hier die Organisation der Gemeinde geschildert haben, bestand sie in dem weitaus größten Teil von Deutschland. Ein paar Landschaften zeigen eine Abweichung. Vorzugsweise in den Alpengegenden und demnächst in Bezirken des Niederrheins und Westfalens finden wir als Form der Siedlung nicht das Dorf, nicht die beieinander liegenden Gehöfte, sondern das Einzelhofsystem, zerstreut liegende Gehöfte, das einzelne mehr oder weniger inmitten des zu ihm gehörenden Ackerlands. Die Gebirgsgegenden boten keinen rechten Raum für die Anlage einer zusammenhängenden Ackerflur, so daß hier die Gewanne und die mit ihnen gegebene Gemengelage der Äcker keinen Raum fanden. Daher vermögen wir auch nicht anzunehmen, daß die Gemeinden dieser Gegenden die periodische Verteilung der Äcker gehabt haben. Hier wird Privateigentum, wie an Haus und Hof, so auch am Ackerland bestanden haben. Nicht ausgemacht ist es, ob in der deutschen Urzeit in den niederrheinischwestfälischen Bezirken mit Einzelhofsystem gleichfalls das Gemeineigentum am Ackerland gefehlt hat.. Die Allmende aber kennen die Gemeinden der Gebirgsgegenden ebenso wie die des übrigen Deutschlands. Eine Abart nur des Dorfs ist der Weiler, gewissermaßen nur ein kleineres Dorf, von bloß ein paar Gehöften. Bei den Weilern ist die Gemengelage auch vorhanden, jedoch weniger scharf ausgeprägt. Vielleicht sind die Weiler eine spätere Bildung. Fügen wir sogleich hier noch eine Ergänzung zu dem vorhin gezeichneten Bild der Gemeindeorganisation hinzu. Wir finden in der spätern Zeit, daß neben der rignen Allmende, die die einzelne Gemeinde meistens besitt, regelmäßig eine Mehrzahl von Ortsgemeinden an einer großen Allmende Anteil hat, daß die Markgenossenschaften regelmäßig eine Mehrzahl von Ortsgemeinden umfassen. Es kann sein, daß es sich hier um Tochtergemeinden handelt, die sich von einer Muttergemeinde im Lauf der Zeit abgespalten haben. Es mögen aber solche eingeschachtelten Verhältnisse zum Teil auch ursprünglicher Natur sein.