II. Die. Haupttatssachen der älteren deutschen Agrargeschichte. 37 Das Aufkommen der Großgrundherrschaften förderte die Kulturentwicklung, insofern sich mit ihm eine Differenzierung der Einzelvermögen vollzog, auf der nun einmal der Fortschritt der Kultur beruht. Da damals das Vermögen überwiegend in Grundbesitz bestand, konnte eine Differenzierung der Vermögen in der Hauptsache nur eine Differenzierung im Grundbesitz sein.!)) Ungleichheit der Güterverteilung ist das unentbehrliche Instrument alles technischen und geistigen Fortschritts. Der Fortschriti der Kultur ist an die Arbeitsverteilung geknüpft, daran, daß der eine sich gewissen speziellen Bestrebungen wid- met und widmen kann, weil der andere ihm gewisse Arbeiten abnimmt. Den Vorgang und die Bedeutung dieser Tatsachen mag uns das Beispiel der Klöster jener Zeit veranschaulichen. Wenn Literatur und Wisssenschaft bei ihnen eine Stätte und eifrige Pflege fanden, so war eine Voraussetzung dafür ein Produktions- überschuß, den sie aus ihrer Wirtschaft gewannen; wobei wir daran erinnern, welche großen Aufwendungen allein schon die Her- stellung eines Buchs damals verursachte. Aber auch die Personen, die sich der wissenschaftlichen Arbeit widmeten, mußten von anderen Arbeiten entlastet werden: das Kloster, dessen Mönche sich für die literarische Tätigkeit zur Verfügung stellten, mußte mit zahlreichen abhängigen Leuten ausgestattet sein, die die wirtschaftlichen Güter für jene zur Verfügung stellten, und dies wiederum war nur möglich, wenn das Kloster über reichen Grundbesit verfügte. Ein anderes Beispiel liefert uns die später aufkommende ritterliche Kultur, ebenso mit ihren krie- gerischen Leistungen mit der teueren Panzerrüstung und dem kostbaren Streitroß, wie mit ihren poetischen Hervorbringungen. Die ritterliche Kultur setzt eine Rente aus dem Grundbesitz, also ländliche Abhängigkeitsverhältnisse, voraus, und der Lehns- herr, der seine Vasallen aus seinem sehr großen Grundbesitz oder dessen Erträgen versorgt, ist eine bekannte Erscheinung. S. 349. Über den mittelalterlichen Klostergarten (die Benediktiner die Haupttträger der Gartenkultur) s. D.L.Z. 1915, Nr. 24, Sp. 1216. isr2 bg. hierzu itzt! Bemerkungen im Jahrbuch für Gesetzgebung e.. .VEst. . .