II. Die Haupttatsachen der älteren deutschen Agrargeschichte. 43 V Das hohe Mittelalter weist in der Agrargeschichte ein Er- eignis von weltgeschichtlicher Bedeutung auf: die Kolonisierung und Germanisierung des sslawischen Ostens. Im Südosten ist das Ziel schon um das Jahr 1000 annähernd erreicht, im Nord- osten im 13. Jahrhundert; fortgesetzt wird die Arbeit hier wie dort aber auch in der folgenden Zeit. - Das dünn besiedelte und schwach bearbeitete sslawische Land wurde erst durch den Einzug der Deutschen mit vollem Erfolg für den Ackerbau gewonnen; erst die Arbeit der Deutschen hat dem Osten die charakteristischen Siedlungen und die große wirtschaftliche Stellung gegeben. Und die vermehrte Besiedlung und der ertragreichere Anbau des Landes lieferten zugleich für ein rasch aufblühendes Städte- wesen den Hintergrund. Die Kolonisierung des sslawischen Ostens durch die Deutschen ist die in größerem Stil unternommene Fortseßzung des Landes- anbaus in Altdeutschland. Hier waren durch Rodungen und sonstigen Landesausbau die Ortschaften beständig vermehrt und das Ackerland der einzelnen Gemeinden fortschreitend vergrößert worden. Um 1200 aber erreichen die umfassenderen Urbar- machungen in Altdeutschland ihre Grenze. Die Zahl der Ort- schaften, die uns auf altdeutschem Boden im 13. Jahrhundert begegnen, hat sich bis zum 19. kaum vermehrt; ein Umstand übrigens, der uns zeigt, wie viel doch damals erreicht war, wenn die Bevölkerung Altdeutschlands in dem so langen Zeitraum sich mit dem Erreichten begnügen konnte. Freilich hat die er- reichte Dichte der Bevölkerung auch von Zeit zu Zeit Aus- wanderungen zur Folge gehabt, und so werden wir die mittel- alterliche Wanderung nach dem slawischen Osten zum erheblichen Teil auch schon auf den allmählich knapper werdenden Land- vorrat in Alt-Deutschland zurückzuführen haben. Jedenfalls zeigt sich ein sehr deutlicher Zusammenhang zwischen dem Landes- anbau in Altdeutschland und dem im Slawengebiet: die An- siedler erscheinen hier mit ihrem dem slawischen „Haken“ über- legenen kräftigen heimischen Pflug und legen Ortschaften mit den Waldhufen (,„Königshufen“", ,„fränkischen“) und den Marsch-