174 LY. Über Theorien der wirtschaftlichen Entwicklung der Völker, die Berechtigung der Eingliederung der Völker des klassischen Altertums in die Periode der Hauswirtschaft. Bücher widmet diesem Widerspruch in der zweiten Auflage nur kurze Be- merkungen. Er beruft sich (S. 66 Anm.) wieder darauf, daß seine Darstellung nur „rein schematisch" sei. Wir müssen als Historiker ihn, wie bemerkt, troß solcher Entschuldigungen beim Worte nehmen. Ferner erhebt er (S. 67 Anm.) die Anklage, daß „die neuere Altertumskunde ... die Vorstellung von der kulturfördernden Macht des Handels ins Ungeheuerliche über- trieben“ habe. Ist Büchers Anschauung zweifellos zu verwerfen, so mag man andrerseits freilich auch Bedenken tragen, mit Ed. Meyer ohne Einschränkung von der „sehr großen Rolle“ des Handels in primitiven Verhältnissen. zu sprechen. Meine Be- denken fließen aber wesentlich aus der Erwägung, daß es bei dem gegenwärtigen Stande der Forschung und vielleicht über- haupt äußerst schwierig ist, ein generelles Urteil zu fällen. Frucht- barer wird es sein, einzelne Völker oder Völkergruppen zu be- trachten. Wenn man z. B. die des klassischen Altertums her- aushebt, so lehnen wir Büchers Auffassung ihrer Stellung ab.!) 1) Gegen ihn und für Ed. Meyer hat sich eingehend Ulrich Wilcken, Griechische Ostraka aus Ägypten und Nubien, ein Beitrag zur antiken Wirtschaftsgeschichte, erstes Buch (Leipzig und Berlin 1899), S. 664 ss., ausgesprochen. Er hebt die weite Verbreitung der Geldwirtschaft hervor. Vgl. ferner S. 696: „Auch die Großinduftrie, wie sie vom König selbst in seinen Fabriken betrieben wurde, wirtschaftete nicht mit Sklavenmassen, sondern mit freien Lohnarbeitern.“ S. 697: „Von einer Oikenwirtschaft im Sinne von Rodbertus-Bücher kann im Ägypten dieser Zeit nicht die Rede sein." S. 679 bemerkt Wilcken, daß nach den Jahrhunderten der vorwiegenden Geldwirtschaft sich im 3. Jahrhundert n. Chr. im ganzen römischen Reiche eine Rückkehr zur Naturalwirtschaft angebahnt hat, die uns im 4. Jahrhundert auch in den ägyptischen Urkunden, wenngleich nur sporadisch, entgegentritt. Gegen Bücher wendet sich auch Jul. Beloch, Jahrbücher für National- ökonomie 73, Hest 5, S. 626 ff.; Ad. Bauer, Ilbergs Jahrbücher 9 (1902), S. 339 ff.; W. Otto, Zeitschr. f. Sozialw. 1905, S. 787; H. Prinz, Funde aus Neutratis (1908), S. 119. Ed. Meyer selbst hat auf die zweite Auflage der Vorträge Büchers in seinen „Kleinen Schriften“ S. 85 Anm. 4 geantwortet. Wenn Sombart S.. 398 die römische Kaiserzeit „eine Zeit hochentwickelter Erwerbswirt-