476 VII. Die Entstehung des modernen Kapitalismus. Was die Gründungssstädte betrifft, so geht die Gründung in der Weise vor sich, daß ein Marktplat und Straßen abgesteckt werden und den Ansiedlern je eine Hofstätte zugewiesen wird. Diese genügte wohl gerade für eine Familie; zum Verkauf blieb gewiß nicht viel übrig. Die Ansiedler waren Kaufleute und Handwerker. Hiernach dürfte Sombarts Theorie nur beschränkte Geltung zukommen. Er nimmt für die ältere Zeit einige wenige Grund- besiter in den Städten an. In Wahrheit sind es viele: der Besit verteilt sich, auch auf Handwerker. Allerdings ist es Tatsache, daß später ein Teil der Bürger, nämlich der Patrizier (mcht aller Patrizier!), eine Mehrheit von Grundstücken bessitt. Aber dies kann, nach dem Gesagten, der Hauptsache nach eben nur ein Produkt der spätern Entwicklung sein. Offenbar haben inzwischen einige Bürger Hofstätten und Häuser, die bei der Gründung der Stadt andern zugewiesen waren, erworben. Aber womit konnten Jie sie erwerben? Es ist doch nur denkbar, daß Jie die Mittel dafür durch aufgehäuften Handelsprofit erlangt hatten.!) Patrizier von Ministerialen abstammen, s. H. Z. 89, S. 226 f.; 91, S. 467 Anm. 1. Die Auffassung L. Ohlendorf's, Das niedersächsische Patriziat und sein Ursprung (1910), habe ich in der V.j.schr. f. Soz.- u. W.G. 1910, S. 478 f. widerlegt (s. auch die Kritik in der Ztschr. des hist. V.s f. Niedersachsen 1910). H. Z. 114, S. 167. Ztschr. f. Sozialwissenschaft 1912, S. 579 Anm. 1. Auf die Arbeit O.s zurück- zukommen ist nötig, weil man noch neuerdings ihre Resultate (Schmol- lers Jahrbuch 1911, S. 2033; GGA. 1917, S. 118) als giltig an- genommen hat. Über das Patriziat in meinem Sinn s, Häpke, Jahrb. f. Gesezgebung 1905, S. 1063. Über meine Auseinandersetzung mit Ak. Schulte („Zur Handels- und Verkehrsgessch. Südwesstdeutschlands im Mittelalter“, ebenda Bd. 27, S. 255 ff.) betreffs der Stellung des Patriziats zum Handel, des Anteils der Reichs- und Territorialstädte am Handel und anderer handelsgeschichtlicher Fragen vgl. H. Z. 90, S. 540 f.; 91, S. 436 Anm. 1, S. 440 Anm. 1, S. 456 Anm. 1, S. 465 Anm. 1, S. 467 Anm. 1, S. 473 Anm. 2; oben S. 438 A. 3. 1) Wir können diese Entwicklung bei Dortmund ziemlich deutlich verfolgen. Jm 14. Jahrhundert finden wir hier die Erbsassen, d. h. qedeutende Grundbessiter. Woher stammen sie? Es sind die Nach- kommen der Kaufleute, die bei der Gründung des Marktes angesiedelt wurden: früher Gewandschneider und Krämer, jett Grundbesitzer.