I. Das staatlose Ich Denkform „Es war““ drückt eine Verbindung zwischen mir und dem, was nicht mehr ist, aus, die nimmer gelöst werden kann. Mit andern Worten: Grenzen des Ichs im Raum sind für eine mehr als oberflächliche Betrachtung nicht festzustellen. Jedes Stoffteilchen, das dazu bestimmt ist, von irgendwoher durch die feste Verknüpfung von Ursachen und Wirkungen in meinen Körper einzutreten, gehört schon zu meinem Ich. Und jedes Stoffteilchen, von dem ich mir denken muß, daß es einmal mit meinem Körper verbunden war, bleibt – in der Form des Gewesenseins ~ ein unlösbarer Bestandteil nicht meines Körpers, wohl aber meines Ichs. Und wie steht es um die Grenzen des Ichs in der Zeit? Standesamtlich sind sie genau festzustellen, wenigstens im ordnungsliebenden Deutschland: geboren dann und dann, gestorben dann und dann. Aber fängt das Ich zeitlich erst mit dem Augenblick der Geburt an? Ist es nicht vielleicht doch so, wie der spöttisch-\keptische Tiefsinn eines Wilhelm Busch die Sache darstellt: Eh’ man auf diese Welt gekommen Und noch so still vorlieb genommen, Da hat man noch bei nichts was bei; Man schwebt herum, ist schuldenfrei, Hat keine Uhr und keine Eile Und äußert selten Langeweile. Allein man nimmt sich nicht in acht, Und schlupp! Jst man zur Welt gebracht. In der Tat kann man doch nicht behaupten, das Dasein des Ichs beginne mit dem Augenblick, wo sein Körper den Körper der Mutter verlassen hat! Da war es doch vorher schon, auch als mögliche, körperliche Erscheinung. Und da das Ich als ganzes das Ergebnis ist der Vereinigung zweier elterlicher Ichs ~ ein Ergebnis, das vielleicht nur in einem flüchtigen Augenblick zustandeklommt, wo die elterlichen Ichs ihr Ich-Bewußtsein, das Bewußtsein gesonderten Daseins, verloren haben ~ so gehören die elterlichen Ichs und die ganzen Ketten ihrer Vorläufer mit dazu. Nicht anders ist es mit dem sogenannten Tode des Ichs. Ist Goethe tot? Oder, um einen zu nennen, dem viele von uns noch in die blauen Augen geschaut haben: ist Bismarck tot? Stehen wir nicht spürbar noch