II. Das Jch in staatlicher Erziehung s noch viel zu sehr darauf eingestellt ist, daß die Schule ihm den lästigsten Teil der vorbereitenden Arbeit besorge, so ist das kein Grund dafür, daß es immer so bleiben müsse. Und wenn die Schule der Zukunft, die deutsche Reichsschule, nicht möglich ist ohne Reform der Hochschule, so wird auch dies Kräutlein Rührmichnichtan zu seiner Zeit wohl daran glauben müssen. Ewig können wir den romantischen Ballast, der in der Verfassung und der Arbeitsweise unserer Hochschulen steckt, ohnedies nicht mitschleppen. Diese Erkenntnis kann nur vertieft werden, wenn man, von der Form zum Inhalt fortschreitend, auch hier an dem Ziele festhält: das Ich zum tüchtigen Staatsbürger zu erziehen. Das Ziel wird schwerlich je zu erreichen sein, wenn nicht mit dem Grundsatz gebrochen wird, daß die Hochschule den künftigen Lehrer erst einmal zum Gelehrten zu erziehen habe. Wie dann aus dem Gelehrten ein Lehrer wird, das — bleibt mehr oder minder dem Zufall anheimgestelle. Umwege, die über den Zufall führen, können wir uns aber kaum noch leisten, wenn wir noch einigermaßen zur rechten Zeit ein Staatsvolk unter Staatsvölkern werden wollen. Grundsätzlich kann jedenfalls nur daran festgehalten werden, daß das Ziel dafür maßgeblich ist, welche Forderungen an die staatliche Erziehung des Ichs zu stellen sind. Und wenn die formale Ausbildung aller Fähigkeiten des Ichs den künftigen Staatsbürger nicht aus den Augen verlieren darf, so muß die Erfüllung der Form mit angemessenem Inhalt erst recht auf dies eine Ziel eingestellt sein. Was also tut einem Ich, dessen formales Können zweckmäßig entwickelt worden, zu wissen not, damit es dies Können, nach Maßgabe seiner besondern Eignung, in den Dienst des Staates stelle? Oder — um nicht nur eine obere, sondern auch eine untere Grenze abzustecken — damit es sich dem Staate bei all den Dienstleistungen nicht versage, die der Staat von ihm verlangen kann? Offenbar gibt es, um dahin zu gelangen, keinen andern und auch keinen bessern Weg, als daß die staatliche Schulerziehung dem Ich ein möglichst vollkommenes Verständnis für das Wesen und das Werden des Staates beibringe, wovon das Ich ein dienendes Glied werden soll. Mit voller Hingabe werde ich meine Fähigkeiten immer nur einer Sache widmen können, die mir im Kern ihres Wesens 90